Katholisch Leben!

Den katholischen Glauben kennen, leben, lieben & verteidigen!

Tugenden


Tugend ist die erworbene natürliche Tüchtigkeit und Fertigkeit etwas zu tun. Sie ist eine durch Übung erlangte kraftvolle Gewohnheit. So ist z.B. das erlernte Skifahren, das in „Fleisch und Blut übergegangen“ ist, eine Tugend.

Was wir jedoch im strengen Sinne als Tugend bezeichnen, ist eine natürliche Fertigkeit des sittlichen Lebens, die der Mensch durch Betätigung und Übung seiner natürlichen Veranlagung erwerben kann. "Die Tugend ist eine Fertigkeit im Guten, die man dadurch gewinnt und erobert, dass man das Gute wiederholt tut." [1] Die Tugend hat bezug auf das Verhalten zu Gott, zu sich selbst, den Mitmenschen oder anderen Geschöpfen.
Einteilung der Natürlichen Tugenden

Intellektuelle oder Verstandestugenden (Tugenden im weiten Sinne)

z. B. Einsicht. So wichtig sie für das Kulturleben auch sind, haben sie an sich nicht die Kraft, den Menschen sittlich gut zu machen.

Sittliche oder Willenstugenden

Die Willenstugenden (Tugenden im strengen Sinne) teilt man seit ältesten Zeiten ein in die vier Kardinal- oder Grundtugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut oder Tapferkeit und Mäßigung. Alle anderen Tugenden sind „Untertugenden“ derselben.

Die sittlichen Tugenden werden durch menschliches Bemühen erworben. Sie sind Früchte und zugleich Keime sittlich guter Taten; sie ordnen alle Kräfte des Menschen darauf hin, mit der göttlichen Liebe vereint zu leben. Sie verleihen dem Menschen Leichtigkeit, Sicherheit und Freude zur Führung eines sittlich guten Lebens. Der tugendhafte Mensch tut freiwillig das Gute

Aufforderung zur sittlichen Tugend

„Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!“ (Phil 4,8).

Tugend ist die reife Frucht vielfältiger Bemühungen. Auch im Sittlichen ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Bei Vernunftwesen kann äußere Abrichtung nicht in Frage kommen. Mit der Willensübung muss die Einsicht in den Wert und die Schönheit der Tugend Hand in Hand gehen. Drill allein hält in den Stürme der wachsenden Leidenschaften nicht stand. Der edle und feste Charakter erwächst nur aus der Selbsterziehung, die angefeuert wird durch das Vorbild der Erzieher, der Heiligen und besonders Christi selbst. Die Kraft des Tugendlebens hängt auch von seinem inneren Zusammenhang ab. Wenn auch in etwa eine Tugend ohne die andern erworben werden kann, so hängen sie doch aufs innigste zusammen. Wie leicht kann z. B. der Tapfere durch unklugen Eifer daneben greifen oder der Kluge es an der Tapferkeit fehlen lassen. Je höher man im Tugendstreben steigt, umso weniger darf man der Einseitigkeit huldigen. Auf dem Gipfel. d. h. beim heroischen (heldischen) Tugendgrade ist eine Teilung nicht mehr möglich.

Wert der Tugend

Der Wert der Tugend liegt in der größeren Leichtigkeit, in der ermöglichten Stetigkeit, in der stärkeren Kraft zum sittlich guten Tun. Dadurch unterstützen die Tugend die guten Charakteranlagen und lassen dem Menschen das Gute und Edle zur zweiten Natur werden, so dass er für sein Leben nicht mehr der äußeren Anleitung noch weniger der zwingenden Gewalt der Gesetze bedarf. Tugend besagt also nichts Schwächliches oder Verächtliches, sondern Kraft und Charakter. Der Tugendhafte ist das nützlichste Glied der Gemeinschaft, das Bild und Gleichnis des Schöpfers. Nach der Lehre der Kirche kann auch der durch die Erbsünde geschwächte Mensch mit seinen natürlichen Kräften, ohne die Hilfe der Gnade, natürlich gute Handlungen vollbringen. Dagegen vermag er nicht ohne die Hilfe der Gnade das ganze natürlichen Sittengesetz auf längere Zeit zu beobachten. Dies kann nur das Gotteskind, dem besonders Gnaden zur Verfügung stehen.

Merkmal der Tugend

Der heilige Augustinus beschreibt in seinen Bekenntnissen (4. Buch, Kapitel 15) sehr deutlich die Frucht der Tugend, wenn er sagt: „Da ich aber in der Tugend den Frieden liebte, im Laster aber den Zwiespalt hasste, so gab ich für jene die Einheit, für dieses den Zwiespalt als charakteristisches Merkmal an.“

Kardinal Jules-Géraud Saliège sagt über die Tugend: " Die echte Tugend erkennt man daran, dass sie unser Wollen dem Wollen Gottes angleicht, besonders wenn der Wille Gottes unseren Neigungen widerspricht. Eingebildete Tugenden erkennt man daran, dass sie in rührseligen Träumen schwelgen. Der sicherste Weg zu Gott besteht darin, seinen Willen zu tun."

Mutter aller Tugenden

Der heilige Benedikt sagt in seiner Regel über den Abt (Kapitel 64), dass er die maßvolle Unterscheidung (Discretio), die die Mutter aller Tugenden sei, haben muss.

Gregor der Große bezeichnet in seiner "Regula pastoralis" die Liebe als die Mutter und Hüterin, die Klugheit, die Pflegemutter aller Tugenden.

Für Christen sind die Göttliche Tugenden (eingegossene Tugenden): (Glaube, Liebe, Hoffnung) wichtig, die auf Paulus zurückgehen.

Päpstliche Schreiben

Pius XII.

7. April 1943 Ansprache Siate i bevenuti an Neuvermählte. Was ist Tugend ?
14. April 1943 Ansprache Di tutti i tesori an Neuvermählte. Von der Übung der Tugenden.

Literatur

Romano Guardini: Tugenden. Meditationen über Gestalten sittlichen Lebens (1963), 4. Aufl. Mainz und Paderborn 1992 (219 S., ISBN 3-7867-1309-X und ISBN 3-506-74524-7)
Willibald Kammermeier: Nach dem Vorbild des Meisters, Christliche Tugenden heute (125 Seiten; erhältlich beim Fe-Medienverlag). [1]
Werk der Heiligen Liebe (Hrsg.): Die Stufen der Heiligkeit, Belehrungen über die Tugenden an Maureen Sweeney-Kyle Parvis-Verlag 2009 (128 Seiten; ISBN 9782880228231).
Dominikus Mettenleiter: Des heiligen Thomas von Aquin Himmelsleiter, oder Uebung der vorzüglichsten Tugenden., Bearbeitet und herausgegeben von D. Mettenleiter, in der Reihe: Kleine religiöse Bibliothek in Miniaturausgaben, Georg Joseph Manz Verlag Regensburg 1854 (202 Seiten).
Der Weg der kleinen Schritte. Salesianisches Tugend-ABC Franz Sales Verlag (280 Seiten; ISBN 978-3-7721-0301-8).
Anton Kner: Was uns im Leben trägt. Die Tugenden des Christen im Alltag. Ausgewählt und herausgegeben von Reinhard Abeln. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz; Konstanz, Kanisiuswerk Konstanz 1994 (96 Seiten).

Anmerkungen

1. ↑ Pius XII., Ansprache Quanto è gradita vom 8. Juli 1942 an Neuvermählte, S. 201.

(Quelle: www.kathpedia.com  aberufen am 10.03.2019)

Göttliche Tugenden

Die Göttlichen Tugenden werden durch die Taufe eingegossen oder geschenkt.

Die göttlichen Tugenden (auch christliche Tugenden genannt) sind nach Paulus Glaube, Liebe, Hoffnung.


Kardinaltugenden

Die Kardinaltugenden sind die grundlegenden menschlichen Tugenden.
Kardinaltugenden

Klugheit
Gerechtigkeit
Tapferkeit
Mäßigung



Demut

Demut, (lat. humilitas) ist die Bereitschaft, das Eigene zugunsten der anderen zurückzunehmen.[1] Es entstammt der mittelhochdeutschen Sprache und bedeutet "in der Gesinnung eines Gefolgsmannes/Dieners".[2]

Demut Jesu

Jesus Christus sagte: "Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig..." (Mt 11,29 EU) Jesu eigene demütige Kenosis, seine Entäußerung und die Ergebung unter den Willen seines Vaters findet ihren Höhepunkt in seinem Opfertod am Kreuz:

„Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.

Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt: ‚Jesus Christus ist der Herr‘ – zur Ehre Gottes, des Vaters.“

– Phil 2,5–11 EU

In seiner Predigt macht Jesus die Demut zum Maßstab für gelungenes Leben: "Wer sich so klein macht wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte" (Mt 18,4 EU) und "Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Mt 23,11-12 EU)

Jesu Gegenwart in den Eucharistischen Gestalten ist ebenfalls eine besonder Ausprägung der Demut: Er gibt sich ganz in unsere Hand - auch in die Hand des Gedankenlosen, des Sünder, sogar des Häretikers, im Extremfall des Satanisten, wenn dieser einer konsekrierten Hostie habhaft wird. Einmal gewandelt wird die Hostie nicht wieder zu einfachem Brot. - Jesus schenkt weiters Seine Gegenwart in den Eucharistischen Gestalten unabhängig von der persönlichen Würdigkeit des Priesters und nimmt sie nicht zurück. Das Priestertum ist geschenkt auf ewig. Pater Beda von Mariazell formulierte einmal sehr pointiert: "... und wenn der Priester zur Hölle geht - du gehst durch sein Wirken in den Himmel". Sich so zu schenken, unabhängig davon, wie Er aufgenommen wird, ist die Demut Jesu in den einfachen Gaben von Brot und Wein.

Als Sohn Gottes ist er ohne Erbsünde geboren. Aber nachdem er sich freiwillig entschlossen hatte, ein Erlöser der Welt zu werden, sagt der hl. Augustinus, war es nötig, dass er das Kennzeichen eines Sünders annahm. Damit nahm er die Strafe welche die Sünde gebührt, auf sich, nämlich das Zeichen, das Sühneopfer des alten Bundes zwischen Gott und Abraham: die Beschneidung (Gen 17,10ff). - Erst dann bekam er den Namen Jesus, was "Retter", "Erlöser" bedeutet (Mt 1,21). Jesus Christus wollte sich von keinem Gebot befreien. Dieses erste "Blutopfer" Christi, war der Anfang vom neuen Bund. Man bezeichnet dieses Opfer auch als erstes der Sieben Schmerzen der seligsten Jungfrau Maria. Der hl. Paulus sagt, dass es durch Christus keine Beschneidung mehr gibt, dem Fleische nach, sondern eine innerliche Beschneidung des Herzens. (Kol 2,11) Nämlich, die Tugend der Demut.

Zitate

"Viele freilich sind wenig geachtet, ohne dass sie das bejahen, sondern einzig aufgrund ihres Schicksals. Das wird nicht gelobt, vielmehr werden diejenigen seliggepriesen, die freiwillig demütig werden. Der Herr beginnt gerade damit, weil er mit dem Hochmut die Wurzel aller Bosheit ausreißen will. Gegen den Hochmut setzt er die Demut als sicheres Fundament. Ist solche als ein sicherer Grund gelegt, dann kann man darüber aufbauen. Wird das Fundament zerstört, fällt alles, was du an Gutem gesammelt hast." (Johannes Chrysostomus)
"Das Evangelium zeigt uns auch Figuren, die der eigene Stolz verfinstert: Judas, Kaifa, Herodes, der Pharisäer aus dem Gleichnis, der junge Reiche… Es gibt eine Demarkationslinie, die das Evangelium durchquert: Auf der einen Seite befinden sich diejenigen, die bei Jesus sind, die arm sind vor Gott, und auf der anderen Seite die anderen, die zum Teufel gehören." (gefunden auf kath.net)
"Die Demut ist die Grundlage des Betens, denn „wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen" (Röm 8,26). Um die Gabe des Gebetes zu empfangen, müssen wir demütig gesinnt sein: Der Mensch ist vor Gott ein Bettler [Vgl. Augustinus, serm. 56,6,9]." (Katechismus der Katholischen Kirche)

Literatur

Jörg Müller: Nein sagen können. Verständnis und Missverständnis christlicher Demut. Steinkopf Verlag Stuttgart, Kiel 1999 (99 Seiten; ISBN 3-7984-0640-5).
Segen der Demut, Aussprüche über die Demut zusammengestellt von P. Leopold Bertsche O.Cist., Druckerei Bommer Miesbach 1986 (Nihil obstat Abtei Marienstatt 10. September 1985 Dr. Thomas Denter Ocist. Abt)
Willibald Wolfsteiner OSB: Die Demut nach der Lehre des hl. Benediktus, In zwanglosen Erwägungen dargestellt von einem Benediktiner des Klosters Ettal Herder Verlag 1910 (165 Seiten).

Anmerkungen

1. ↑ Paul Deselaers: Art. Demut. I. Biblisch in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Bd. 3, Sp. 90.
2. ↑ Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 23. Aufl., Walter de Gruyter, Berlin-New York 1999, ISBN 3-11-016392-6, S. 170.



Keuschheit

Keuschheit stellt die "geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person und folglich die innere Einheit des Menschen in seinem leiblichen und geistigen Sein" (KKK-2337) dar und ist somit eine Haupttugend des Christentums. Sie ist für alle Christen verpflichtet. Keuschheit ist nicht mit Enthaltsamkeit gleichzusetzen. Man soll sowohl als Zölibatärer (im Priester- oder Ordensstand) wie auch als Ehepartner keusch leben.

Begriff

Das deutsche Wort „keusch“ leitet sich vom lateinischen „conscius” ab, was bewusst bedeutet. Damit weiß es auf die im Katechismus gemachte Definition hin. Keuschheit wird auch als heilige Reinheit bezeichnet. Unter Keuschheit versteht man das Erlernen der freiwillige Selbstbeherrschung oder auch Enthaltsamkeit im sexuellen Bereich, welche eine Erziehung zur menschlichen Freiheit ist.

Die Sexualität des Menschen ist bereits vor dem Sündenfall vorhanden gewesen und wurde als „Sehr gut!“ bezeichnet. („Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Gen. 1,31)

Die Keuschheit ist eine Hilfe zur Heiligkeit: Keuschheit ist eine positive Bejahung eines reinen Lebens. „Selig die reinen Herzens sind, sie werden Gott schauen“. Heilige Reinheit, keusches Leben ist eine Gnade, die man von Gott erbitten muss. Es gibt die Gewohnheit, aktiv für Enthaltsamkeit zu beten, indem man z.B. Abends vor dem ins Bett gehen drei Ave Maria für Reinheit und Keuschheit betet.

Vom Geist der Reinheit

"Was die Keuschheit betrifft, ich meine den Geist der Keuschheit, so muss man der Welt verständlich machen, dass sie keine nebensächliche Kraft ist, am Rande, nötig nur für bestimmte Lebensstände und die also der Großteil der Menschen beiseite lassen kann. Die Herrschaft des Geistes über das Fleisch, das ist keine Spezialität jener, die, einer größeren Liebe wegen, dem Gebrauch des Fleisches entsagt haben: Diese Meisterschaft ist unverzichtbar für die Menschenwürde. Sie gehört zu der Tugend, welche die Alten tempérance nannten, das Maßhalten. Das ist die Selbstbeherrschung. Ich wage zu sagen, dass die Keuschheit das erreicht, wonach die Modernen mit Recht sehr stark drängen: Die Verfügbarkeit, die Selbstbestimmung, die Freiheit. Lasst uns nicht fürchten, sehr hoch von dem zu sprechen, über das der Großteil der Leute ganz niedrig denkt: Es gibt keine wahre Freiheit ohne den Geist der Keuschheit. Und ich würde überdies sagen, dass die Keuschheit, besonders die eheliche Keuschheit, mit Glaube und Liebe verbunden ist. Wo immer der Geist der Keuschheit in den Gewissen schwindet, sieht man auch die Fähigkeit schwinden, das Wort Gottes in sich zu vernehmen, den Wunsch nach dem ewigen Leben, den Durst nach einem Gespräch mit Gott. Alles in allem: Der gesamte Geist der Seligpreisungen kann zusammengefasst werden in der Seligpreisung: Bienheureux ceux qui ont le coeur pur parce qu'ils verront Dieu! Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen. (...) Da kommt mir ein Satz von Manzoni in den Sinn. Das ist, denke ich, gegen Ende der Promessi sposi, bei Euch übersetzt mit les Fiancés (Die Verlobten): Les difficultés de la vie lorsqu'elles se présentent, par suite de nos fautes, ou même sans qui'il y ait de nos fautes: la confiance en Dieu les adoucit et les rend utiles pour une vie meilleure." (Die Schwierigkeiten des Lebens, wo immer sie sich zeigen, ob sie in Folge unserer Sünden oder selbst ohne unsere Sünden da sind: Das Gottvertrauen versüßt sie und macht sie nützlich für ein besseres Leben.)[1]

Keuschheit in den Zehn Geboten

Die Tugend der Keuschheit leitet sich aus dem 6. und 9. Gebot ab.

VI. Gebot: „Du sollst nicht die Ehe brechen.“ (Ex 20,14; Dtn 5,18)

IX. Gebot: „[...] Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen.“ „[...] Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ (Mt 5,27-28)

Verstöße gegen die Keuschheit

Unkeuschheit ist ungeordneter Genuß oder ungeordnetes Verlangen nach geschlechtlicher Lust, insb.:

Pornographie
Selbstbefriedigung (Masturbation)
Unzucht („Wilde Ehe“)
Homosexualität
Ehebruch
Prostitution
Vergewaltigung
Bestialität

Berufen zur Keuschheit

„Keuschheit bedeutet die geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person und folglich die innere Einheit des Menschen in seinem leiblichen und geistigen Sein. Die Geschlechtlichkeit, in der sich zeigt, dass der Mensch auch der körperlichen und biologischen Welt angehört, wird persönlich und wahrhaft menschlich, wenn sie in die Beziehung von Person zu Person, in die vollständige und zeitliche unbegrenzte wechselseitige Hingabe von Mann und Frau eingegliedert ist.“

– KKK: 2237

Die Tugend der Keuschheit wahrt somit zugleich die Unversehrtheit der Person und die Ganzheit der Hingabe. Vorbild für gelebte Keuschheit ist auch der Hl. Josef: „Lehre uns den rechten Umgang mit Gott.“

Viele Heilige starben »in castitate defensione«, in der Verteidigung ihrer Keuschheit. Unter Keuschheit versteht die Kirche Treue zur gewählten Lebensform und kennt dem hl. Ambrosius nach die Keuschheit der Verheirateten, Verwitweten und der ehelos Lebenden.

Keuschheit in der Ehe

Die eheliche Keuschheit ist ein Begriff der sich in der Tradition der Kirche erst langsam durchsetzt. Sie ist nicht gleichzusetzen mit der Abstinenz und verlangt einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Geschlechtlichkeit. Dies beinhaltet, die Würde und die Grenzen des Partners sowie den Charakter der Fruchtbarkeit des ehelichen Aktes zu respektieren.

Sexualität als Sprache

Die eheliche Vereinigung von Mann und Frau ist ein besonders intensiver Ausdruck der gegenseitigen Liebe. Der Leib hat seine eigene Sprache, die nicht verfälscht werden darf. Wenn sich Mann und Frau einander sexuell hingeben, dann bedeutet dies in der Sprache des Leibes: Ich gehöre Dir an für immer und ganz; ich binde mich in Liebe und Treue an Dich!

Das aber heißt: Das Ja-Wort der Trauung ist Voraussetzung für die Aufrichtigkeit der sexuellen Hingabe. Wer das Ja-Wort nicht geben kann / will und trotzdem die sexuelle Gemeinschaft sucht, belügt sich selbst und seine(n) Partner(in), indem er/sie mit dem Leib etwas zum Ausdruck bringt, was er/sie mit dem Herzen (noch) gar nicht meint.

Keuschheit in den evangelischen Räten

In der Tradition der Kirche kann man spezielle Gelübde ablegen. Eins davon sind die evangelischen Räte, bei dem man sich zu Armut, Keuschheit in Ehelosigkeit und Gehorsam verpflichtet.

Die Ehelosigkeit "um des Himmelreiches willen" (Mt 19,12), zu der die Ordensleute sich verpflichten, soll von ihnen als überaus hohe Gnadengabe angesehen werden. Sie macht das Herz des Menschen in einzigartiger Weise für eine größere Liebe zu Gott und zu allen Menschen frei (vgl. 1 Kor 7,32-35). Darum ist sie ein besonderes Zeichen für die himmlischen Güter und für die Ordensleute ein vorzügliches Mittel, sich mit Eifer dem göttlichen Dienst und den Werken des Apostolats zu widmen. So rufen sie allen Christgläubigen jenen wunderbaren Ehebund in Erinnerung, den Gott begründet hat und der erst in der kommenden Welt ganz offenbar wird, den Ehebund der Kirche mit Christus, ihrem einzigen Bräutigam.

Die Ordensleute sollen also treu zu ihrem Gelöbnis stehen, den Worten des Herrn Glauben schenken, auf Gottes Hilfe vertrauen und sich nicht auf die eigenen Kräfte verlassen, Abtötung üben und die Sinne beherrschen. Auch die natürlichen Hilfen, die der seelischen und körperlichen Gesundheit dienen, sollen sie nicht außer acht lassen. So werden sie nicht durch irrige Meinungen, völlige Enthaltsamkeit sei unmöglich oder stehe der menschlichen Entfaltung entgegen, beeindruckt und werden alles, was die Keuschheit gefährdet, gleichsam instinktiv von sich weisen. Dazu sollen alle, zumal die Obern, bedenken, dass die Keuschheit sicherer bewahrt wird, wenn in der Gemeinschaft wahre Liebe herrscht und alle miteinander verbindet.

Die Beobachtung vollkommener Enthaltsamkeit rührt sehr unmittelbar an tiefere Neigungen der menschlichen Natur. Darum dürfen Kandidaten nur nach wirklich ausreichender Prüfung und nach Erlangung der erforderlichen psychologischen und affektiven Reife zum Gelöbnis der Keuschheit hinzutreten und zugelassen werden. Man soll sie nicht nur auf die Gefahren für die Keuschheit aufmerksam machen, sondern sie anleiten, die gottgewollte Ehelosigkeit zum Wohl der Gesamtperson innerlich zu übernehmen.[2]

Zitate

"In der Nachfolge Christi, der das Vorbild der Keuschheit ist, sind alle berufen, ihrem jeweiligen Lebensstand entsprechend ein keusches Leben zu führen: die einen in der Jungfräulichkeit oder in der gottgeweihten Ehelosigkeit, die eine hervorragende Weise ist, sich leichter mit ungeteiltem Herzen Gott hinzugeben; die anderen, die verheiratet sind, in dem sie die eheliche Keuschheit leben; und die Unverheirateten, indem sie enthaltsam leben." (aus: Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche)
"Die Treue kommt darin zum Ausdruck, dass das gegebene Wort stets gehalten wird. Gott ist treu. Das Sakrament der Ehe nimmt den Mann und die Frau in die Treue Christi zu seiner Kirche hinein. Durch die eheliche Keuschheit bezeugen sie vor der Welt dieses Mysterium." (aus: Katechismus der Katholischen Kirche)

"Seht, wer von lüsterner Sinnlichkeit angefault ist, kann im geistlichen Leben nicht vorwärts kommen. Unfähig zu jedem guten Werk, ist er wie ein Krüppel, der nicht vom Boden aufstehen kann. Habt ihr nicht schon einmal Kranke mit progressivem Knochenschwund gesehen, die ganz hilflos geworden sind? Manchmal bewegen sie nicht einmal mehr den Kopf. Das gleiche widerfährt im Übernatürlichen denen, die, die Demut verachtend, sich aus Feigheit der Unzucht ergeben haben. Sie sehen nichts, sie hören nichts, sie verstehen nichts. Sie sind gelähmt und wie von Sinnen. Hier muss sich jeder von uns an den Herrn und an die Mutter Gottes wenden mit der Bitte, sie mögen uns die Demut schenken und die nötige Entschlossenheit, fromm zum göttlichen Heilmittel der Beichte Zuflucht zu nehmen. Lasst nicht zu, dass sich in eurem Herzen ein Eiterherd bildet, mag er noch so klein sein. Sprecht euch aus. Fließendes Wasser ist sauber; wenn es aber steht, wird es zur abstoßenden, schlammigen Pfütze und zu einem Tummelplatz für Ungeziefer." (vgl. Josemaría Escrivá de Balaguer; in „Freunde Gottes", S. ??)

"Im Hinblick auf die eheliche Keuschheit sage ich den Eheleuten, dass sie keine Angst haben sollen, ihrer Zuneigung auch Ausdruck zu verleihen, im Gegenteil, diese Zuneigung ist ja gerade das Fundament ihrer Familie. Was der Herr von ihnen erwartet, ist, dass sie sich gegenseitig achten, loyal im Umgang miteinander sind, feinfühlig, natürlich und rücksichtsvoll. Und ich füge hinzu, dass die eheliche Begegnung echt ist, wenn sie Zeichen wirklicher Liebe ist und daher für den Willen zum Kind offen bleibt. Die Quellen des Lebens versiegen zu lassen, ist ein Verbrechen an den Gaben, die Gott der Menschheit anvertraut hat, und ein Hinweis darauf, dass man sich vom Egoismus und nicht von der Liebe leiten läßt." (Hl. Josefmaria Escriva (s.o.), Homilie an Weihnachten 1970)

"Alles, was dazu beiträgt, die auf die Ehe eines Mannes und einer Frau gegründete Familie zu schwächen, was direkt oder indirekt die Bereitschaft der Familie zur verantwortungsbewußten Annahme eines neuen Lebens lähmt, was ihr Recht, die erste Verantwortliche für die Erziehung der Kinder zu sein, hintertreibt, stellt ein objektives Hindernis auf dem Weg des Friedens dar." (Papst Benedikt XVI. in der Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 2008.)

Päpstliche Schreiben

15. Juli 1961 Kongregation des Heiligen Offiziums: Monitum Cum compertum habeat über falsche Meinungen betreffs der Sünden gegen das VI. Gebot und über psychoanalytische Untersuchungen (A.A.S. 53 (1961) 571).

Paul VI.

29. Dezember 1975 Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung Persona humana zu einigen Fragen der Sexualethik, Die prägende Kraft der Keuschheit, Nr. 11.

Literatur

Martin Ramm, Was ist Keuschheit?, Hilfen zur Gewissensbildung im 6. Gebot, Thalwil 2009
Katharina Westerhorstmann: Geordnete Sexualität. Über die Tugend der Keuschheit. In: Imago Hominis. Quartalschrift für Medizinische Anthropologie und Bioethik. Band 17. Heft 4. 2010, 315-329.
Joseph Ries: Kirche und Keuschheit - Die geschlechtliche Reinheit und die Verdienste der Kirche um sie. Bonifatius Druckerei Paderborn 1931 (3. Auflage).


Anmerkungen

1. ↑ Von Paul VI., in: Jean Guitton, Dialogues avec Paul VI, Paris 1967, S. 333 f.
2. ↑ Zweites Vatikanisches Konzil, in Perfectae caritatis über die Keuschheit der Ordensleute in Nr. 12



Mäßigkeit

Mäßigung (lat. temperantia), auch Mäßigkeit oder Zucht und Maß genannt ist eine der vier Kardinaltugenden.

Die Mäßigung lässt im Gebrauch der geschaffenen Dinge das rechte Maß einhalten, also weder zu viel, noch zu wenig. Sie sichert die Herrschaft des Willens über die Triebe und die Leidenschaften, nicht im Sinne einer Unterdrückung, sondern einer gezielten und überlegten Nutzbarmachung. Die Mäßigung zügelt die Neigung zu Vergnügungen, ohne die Freude an der Feier eines Festes zu nehmen. Sie lässt die Begierden nicht die Grenzen des Ehrbaren überschreiten, ohne den Wert der Begierden zu negieren. Ja die Mäßigung verhilft erst, aus der Feier eines Festes, und aus den Regungen der Leidenschaften echte und tiefe Freude emporkeimen zu lassen.

Das Einhalten des richtigen Maßes, ist eine Forderung, die alle Lebensbereiche betriff. Auch alle anderen Tugenden sind nur dann Tugenden, wenn sie im rictigen Maß gelebt werden, mit Ausnahme der göttlichen Tugend der Liebe, für die es kein Maß geben kann, da auch Gott unendich ist. Interessanterweise stellt z.B. Thomas von Aquin fest, dass bei den meisten Tugenden das richtige Maß nicht genau in der Mitte zwischen der Übertreibung und dem Mangel liegt. So liegt z.B. das richtige Maß für die Tapferkeit näher bei der Tollkühnheit als bei der Feigheit, das richtige Maß für die Großzügigkeit näher an der Verschwendung, als am Geiz, während das richtige Maß für die Klugheit näher an der übertriebenen Vorsicht als an der Torheit liegt.

Der Mangel an Mäßigung ist die Unmäßigkeit oder Maßlosigkeit, Die Übertreibung der Mäßigung führt zur ängstlichen (oder auch hochmütigen) Knausrigkeit sich selbst gegenüber und zur Prüderie.

Zitate

"Wenn Fasten, dann Fasten - wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn" (Hl. Theresa von Avila)

Literatur und Medien

Katechismus der Katholischen Kirche, Abschnitt 1809.
Josef Pieper: Zucht und Maß, 9. Auflage, Kösel Verlag München 1964. ISBN 3466401518; neueste Ausgabe: Sammelband "Über die Tugenden", 2. Auflage, Kösel Verlag München 2008. ISBN 9783466401727
Thomas von Aquin: Summa theologica. Die deutsche Thomas-Ausgabe, lateinisch-deutsch, St II-II 123 - 150, Band 21: Tapferkeit und Maßhaltung (1. Teil) Kerle Verlag Heidelberg und Styria Verlag Graz-Wien-Köln 1964 (644 Seiten; mit Imprimatur); St 151 - 170, Band 22: Maßhaltung (2. Teil), Verlag Styria Graz-Wien-Köln 1993 (555 Seiten; ISBN 9783222121470).
CD: Radio Horeb, Sendung Lebenshilfe, 10. Januar 2008, Mäßigkeit, (Die CD ist kostenlos – jedoch Spende erwünscht; sie kann hier unter diesen Angaben mit Adresse bestellt werden) oder Herunterladen (Download): 2008-01-10_sp.mp3 [1]



Tapferkeit

Die Tapferkeit (lat. fortitudo) ist eine der vier Kardinaltugenden.

Die Tapferkeit lässt in Schwierigkeiten standhalten und im Erstreben des Guten durchhalten. Sie hilft, innere und äußere Hindernsse zu überwinden. Sie festigt die Entschlossenheit, der Versuchung zu widerstehen. Sie überwndet die Angst, auch vor dem Tod, und lässt in Prüfungen und Verfolgungen standhalten. Sie macht bereit, für eine gerechte Sache sogar das eigene Leben zu opfern.

Tapferkeit darf nicht mit Tollkühnheit verwechselt werden, die eine unkluge Karikatur der Tapferkeit ist, der Mangel an Tapferkeit ist die Feigheit, (die sich manchmal zur Tarnung "Klugheit" nennt).

Literatur

Katechismus der Katholischen Kirche, Abschnitt 1808.
Josef Pieper: Vom Sinn der Tapferkeit, Hegner, Leipzig 1934; neueste Ausgabe: Sammelband "Über die Tugenden", 2. Auflage, Kösel, München 2008. ISBN 9783466401727



Toleranz

Unter Toleranz (Duldsamkeit, Duldung) ganz allgemein, versteht man das Nichtverhindern eines Übels, ohne es aber irgendwie zu billigen. Sie ist die den Mitmenschen gegenüber geschuldete Duldsamkeit. Religiöse Duldung besagt demnach das Nichtverhindern (Gewährenlassen, Bestehenlassen) von irrigen [1] religiösen Überzeugungen (Bekenntnissen) und Praktiken, ohne sie zu billigen.

Da es in unserer Zeit in allen Staaten eine religiös gemischte Bevölkerung gibt, so fragt es sich, wie der Staat im allgemeinen[2] sich gegenüber den verschiedenen Religionsbekenntnissen zu verhalten habe. Ist der Staat verpflichtet, nur die wahre[3] Religion anzuerkennen und alle übrigen zu unterdrücken, oder darf und soll der Staat die verschiedenen Bekenntnisse dulden?

Arten der religiösen Duldung

Man pflegt drei Arten zu unterscheiden:

a) Die theoretische Duldung

Diese besteht darin, dass man irrige religiöse Meinungen zwar nicht annimmt, aber doch als gleichberechtigt gelten lässt.

Diese Art von Duldung ist innerlich unhaltbar, weil sie den Irrtum der Wahrheit, das Böse dem Guten gleichstellt (Indifferentismus). Nur die Wahrheit und das Gute haben jedoch das Recht auf Dasein; der Irrtum und das Fehlerhafte können nie ein Recht besitzen.

Die Erklärung Dignitatis humanae des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Religionsfreiheit als theoretische Duldung auszugelegen, wäre eine falsche Hermeneutik.

b) Die praktische private religiöse Duldung

Sie besteht darin, dass man einen Mitmenschen, der eine irrige religiöse Überzeugung vertritt, gleichwohl achtet und liebt, ohne aber seinen Irrtum zu billigen; man duldet den Irrtum am Mitmenschen.

Diese Art von Duldung ist erlaubt oder sogar Pflicht, soweit die Tugend der wahren Liebe und Klugheit es erheischen. Die nämlichen Tugenden können aber auch verpflichten, den religiösen Irrtum zu bekämpfen (natürlich ohne unwahr oder lieblos vorzugehen), wo das eigene oder fremde Wohl in Frage steht.

c) Die praktische staatliche Duldung

Diese besteht darin, dass die Staatsgewalt den ihr unterstehenden Andersgläubigen verfassungsmäßig oder vertraglich oder durch Gewohnheitsrecht ihre religiöse Überzeugung und Betätigung gestattet (belässt).

Anerkennt der Staat verschiedene religiöse Bekenntnisse in gleicher Weise und gewährt ihnen die gleiche Unterstützung und Förderung, so spricht man von Parität (Gleichheit).

Grundsätze hinsichtlich der staatlichen Duldung

a) Die politische Duldung gegenüber irrigen (als falsch erachteten) Religionen darf und soll vom Staat im allgemeinen geübt werden, so weit das Allgemeinwohl es erheischt. Denn obgleich nur der Wahrheit und Sittlichkeit Daseinsrecht zukommt, so darf doch die Staatsgewalt etwas dulden, was der Wahrheit oder Gerechtigkeit zuwiderläuft, sofern sie dadurch ein größeres Übel verhindern oder ein größeres Gut erlangen oder bewahren kann[4]. Auch Gott, obschon allmächtig und heilig, duldet in seiner weisen Vorsehung manches Übel in der Welt, damit nicht andere größere Übel entstehen, oder wertvollere Güter verhindert werden.[5]

Bei der heutigen Durchmischung der Bevölkerung und der allgemeinen Freizügigkeit in der Auswanderung ist die staatliche Duldung (Gewährung der Religionsfreiheit) zu befürworten; denn durch die Duldung anderer Bekenntnisse wird der innere Friede nicht stark gefährdet, während die Verhinderung sich für das Allgemeinwohl gefährlich auswirkt. Darum darf und soll unter solchen Umständen der Staat Duldung üben. Denn die Verwirklichung des Gemeinwohles ist des Staates höchste Pflicht.

b) Die politische Duldung darf jedoch nicht angewendet werden, wo durch die Duldung größere Übel für das Gemeinwohl verursacht würden.

Das gilt vor allem gegenüber den Gottlosenverbänden (Kämpferischer Atheismus) und ähnlichen Bestrebungen; denn deren Anerkennung oder Duldung würde die Grundlagen des Staatslebens, die Religion, und damit die Autorität und die bürgerlichen Tugenden zerstören. Ein solcher Zustand würde auch sehr bald zur Intoleranz gegen die Religion und zur Verfolgung der wahren Kirche führen.

Der Liberalismus huldigt einer falschen Toleranz[6]

"Was aber die Toleranz betrifft, so weichen die Anhänger des Liberalismus himmelweit ab von dem gerechten und klugen Vorgehen der Kirche. Indem sie den Bürgern in all den Dingen, von denen wir geredet; unbegrenzte Zügellosigkeit gewähren, überschreiten sie alles Maß und gelangen schließlich dahin, dass sie der Sittlichkeit und Wahrheit nicht mehr Recht zuzuerkennen scheinen als dem Irrtum und der Unsittlichkeit. Die Kirche wird als unduldsam und hart geschmäht, sie die Säule und Grundfeste der Wahrheit und unfehlbare Lehrerin der Sitten, weil sie diese Art von zügelloser und schmachvoller Toleranz stets pflichtmäßig verwirft und für unerlaubt erklärt. Bei diesem Beginnen merken jene Liberalen nicht einmal, dass sie lästern, was sie loben sollten. Während sie sich mit der Toleranz brüsten, kommt es oft vor, dass sie zurückhaltend und karg sind, wo es sich um die katholische Sache handelt; und eben dieselben, die nach allen Seiten reichlich Freiheit gewähren, verweigern sie vielfach der Kirche.

Die Toleranzidee der Freimaurerei

Der Katholik versteht unter Toleranz die den Mitmenschen gegenüber geschuldete Duldsamkeit. Bei den Freimaurern jedoch herrscht scheinbar die Toleranz gegenüber Ideen, wie gegensätzlich zueinander sie auch sein mögen. Jedoch in Wahrheit ist die Freimaurerei nur scheinbar gegen Ideen tolerant, die sich mit ihrer Lehre nicht decken. Sie ist gegen alle ihr fremden Ideen teils indifferent und lässt diese Ideen nicht nur nicht in der Loge zur Geltung kommen, sondern sie versucht darüberhinaus mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln, diese Ideen auch im gesellschaftlichen Bereich nicht zur Wirkung kommen zu lassen. Man muss also sorgfältig unterscheiden zwischen Indifferenz und Toleranz.[7]

Päpstliches

Leo XIII.

20. Juni 1888 Enzyklika Libertas praestantissimum über die Freiheit und den Irrtum des Liberalismus, Die wahre Toleranz, Nr. 32-35.

Pius XII.

1953/1956 Pius XII. zur Toleranz.

Literatur und Quelle

Bernard Kälin OSB: Lehrbuch der Philosophie, umgearbeitet von Raphael Fäh OSB, Selbstverlag Benediktinerkollegium Sarnen 1954, Nr. 486+487 (394 Seiten; 2. Auflage).


Anmerkungen

1. ↑ Vgl. Absolutheitsanspruch der Religion
2. ↑ und wie im besondern ein katholischer Staat
3. ↑ Es ist nicht Sache des Staates, über die Wahrheit oder Falschheit religiöser Bekenntnisse zu entscheiden.
4. ↑ Leo XIII. Enzyklika Libertas praestantissimum Nr. 33
5. ↑ (ebd.)
6. ↑ Leo XIII. Enzyklika Libertas praestantissimum vom 20. Juni 1888 Nr. 35
7. ↑ Vgl. 6. Die Toleranzidee der Freimaurer



Treue

Treue ist die Beständigkeit oder Beharrlichkeit in menschlichen Beziehungen trotz Schwierigkeiten. Der Gegensatz ist die Unbeständigkeit. Beim Menschen verlangt die Treue eine bewusste Entscheidung und ein beharrliches Festhalten-wollen.

Treu kann man z.B. sein: gegenüber Gott, der Kirche, dem gegebenen Schwur (Ehe, Zölibat, Priestertum), aufgrund einer Vertragspflicht oder Liebespflicht.

Karl Rahner sagt zur Treue: "Zum Leben selbst gehört Entscheidung zu Wegen, die man nie mehr in umgekehrter Richtung gehen kann, und das große Wunder enthusiastischer, gnadenhafter Freiheit kommt nur zu seiner eigenen Vollendung in der nüchternen Gestalt der Pflicht, der Treue und des Aushaltens bis zum Ende. Was man als Gnade empfing, muß immer nochmals als Treue erworben werden, so wie auch der Trieb der Geschlechter zueinander erst Liebe werden muß, die ohne Treue, ja ohne mühsam erkämpfte Treue eben keine ist." (vgl. Karl Rahner: Der Zölibat des Weltpriesters im heutigen Gespräch, S. 188).

Die Treue zu Gott zeichnet den Märtyrer aus.

Päpstliche Schreiben

Pius XII.

21. Oktober 1942 Ansprache La luce cosi an Neuvermählte über die Schönheit der ehelichen Treue.
4. November 1942 Ansprache Ben a ragione an Neuvermählte über eine trügerische Treue in der Ehe.

Literatur

Bertram Meier: Treue und Anbetung. Dominus Verlag 
Augsburg 2011 (16 Seiten. 4 Abb.
 DIN A 6. Geheftet.; ISBN 978-3-940879-14-1).


(Quelle: www.kathpedia.com abgerufen am 10.03.2019)


Liebe

Die Liebe und der Tod sind die großen Geheimnisse menschlicher Existenz, "aufgeklärt" durch Jesus Christus. Christliche oder vollkommene Liebe ist seither die Tugend, durch die wir, in der Kraft des Heiligen Geistes, Gott um seiner selbst willen zu lieben vermögen.

Begriff

Die Regungen der Liebe sind das Wohlgefallen und das Wohlwollen. Das Wohlgefallen findet an dem guten und unendlich vollkommenen Gott gefallen. Aus ihm heraus fliesst Wohlwollen, indem man alles erhalten und fördern will, was Gott freut. Ausdruck wohlwollender Gesinnung gegen Gott sind das Lob Gottes, die Erfüllung von Gottes Geboten und Ratschlägen und die Sorge, dass auch andere Gottes Willen tun wollen. Die Kirche kennt die zwei Gebote der Liebe, die sie zu den Formeln der katholischen Lehre zählt.

Die Liebe gehört zu den drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Thomas von Aquin bezeichnet die Liebe sogar als die "Königin der Tugenden", der Gregor der Grosse, als die Mutter und Hüterin aller Tugenden; denn im Unterschied zu Glaube und Hoffnung, deren Wachstum durch die Schau Gottes in der ewigen Seligkeit (visio beatifica) eine Grenze gesetzt ist, kann die Liebe gleichsam bis ins Unendliche in der Ewigkeit weiterwachsen.

Die wahre Gottesliebe schützt den gläubigen Menschen vor Niedergeschlagenheit und irdischer Trauer.

Die Römisch-Katholische Kirche kennt Liebe als die erste Frucht des Heiligen Geistes (Quelle: Kompendium Katechismus der Katholischen Kirche, KKKK).

Liebe als Wesen Gottes

Gott "hat" nicht die Liebe, Er ist die Liebe – die Basis dafür ist die Eigenschaft Gottes, in Sich selbst dreifaltig zu sein, denn nur dadurch kann Er in Sich selbst Liebe sein. Der Vater ist die Hingabe die den Anfang macht, der Sohn ist die Liebe die antwortet, der Hl. Geist ist die Liebesfülle des Vaters und des Sohnes die überfließt. Jede Form der menschlichen Liebe ist schon eine (zumindest natürliche) Antwort auf die Liebe Gottes.

Vater, Sohn und Heiliger Geist ist Liebe auf "Augenhöhe", auf gleicher Ebene. Ähnlich möchte Gott auch uns führen: Er lädt uns ein, Ihn in dieser Weise zu lieben – das ist nur möglich durch das Überfließen des Heiligen Geistes auf uns, der uns übernatürlich auf die Ebene der (geschaffenen) Sohneswürde anhebt. Die natürlichweise unterscheiden wir drei Formen der Liebe: Eros, Philia und Agape bzw. Caritas.

Die höchste Form der Liebe ist die Feindesliebe, allerdings ist die Hl. Schrift hier nicht eindeutig (vgl. Mt 5,44).

Gottesliebe - Nächstenliebe - Selbstliebe

Nicht immer in der Geschichte unseres Glaubens wurde auf eine rechte Ausgewogenheit der drei Ausrichtungen der Liebe Wert gelegt, obwohl es sich hier um das Hauptgebot handelt.

Luk. 10:27 Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.

Die Liebe Gottes (Caritas), die uns bedingungslos und unverdient geschenkt ist, macht uns nicht nur fähig Ihn zu lieben sondern auch, uns selbst anzunehmen; und da Gott uns liebt, dürfen wir uns selbst auch in gebührender Weise lieben. Selbst-Liebe darf man jedoch nicht mit Selbst-Sucht, Egoismus, verwechseln. Eine erste Grunderfahrung der Liebe stellt die Liebe der Eltern dar. Sie ist in hohem Maße Basis für eine gesunde menschliche Entwicklung. Selbst die Wissenschaft hat erkannt, dass Kinder, denen die elterliche Liebe komplett vorenthalten wurde (Heimkinder]) nicht lebensfähig sind.

Was man selbst nicht mag, mag man auch nicht verschenken: Erst wenn man sich selbst auch in der eigenen Fehlerhaftigkeit angenommen hat, ist man fähig, sich zu verschenken in der Liebe zu einem "Du", und weiter dann in der sich schenkenden Liebe zum Nächsten, die nicht mehr auf eine Gegenleistung wartet, die Caritas ist. Dazu wiederum müssen wir immer offener werden für die Liebe Gottes, die dann in uns und durch uns wirkt. Gott wird dann weiters jede Liebestat, die wir dem Nächsten tun, annehmen, als sei sie für Ihn getan worden. Im Tun der Nächstenliebe werden wir auch selbst wiederum mit der Liebe Gottes beschenkt, die unser Leben immer reicher macht.

Im Volksmund gängig ist auch der Begriff der "Helfenden Liebe", den sich die Kaiserswerther Schwestern zum Wahlspruch machten. Dabei werden die Begriffe Liebe und Sexualität voneinander getrennt.

Biblische Hinweise

"Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer." (Ho 6,6).

Literatur

Papst Benedikt XVI.: Erste Enzyklika Deus caritas est (Gott ist die Liebe) vom 25. Dezember 2005.
Thomas von Aquin: Summa theologica. Die deutsche Thomas-Ausgabe, lateinisch-deutsch, St II-II 23 - 33, Band 17A: Die Liebe (1. Teil), Verschiedene Verlage 1959 (mit Imprimatur)
Christopher West: Die Liebe, die erfüllt! Papst Benedikt XVI. und die menschliche Liebe. Fe Medienverlag (200 Seiten).
Gianfranco Ravasi: Über die Liebe, Verlag Neue Stadt München (124 Seiten)
Gary Chapman: Die fünf Sprachen der Liebe für Wenig Leser, Franke Verlag 2008 (6. Auflage; 64 Seiten; ISBN 978-3-86122-757-1)
Simpfendörfer: Verlust der Liebe Christiana Verlag Stein am Rhein (204 Seiten)
Eusebius Nieremberg S.J.: Beweggründe zur Liebe Jesu, Uebersetzt von Ewald Bierbaum, in der Reihe: Aszetische Bibliothek, Band 3 Herder Verlag 1877 (172 Seiten).
Adolf Fuchs (Autor): Wo die Liebe lebt - da ist Gott Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz 1986 (95 Seiten; ISBN 3857642130).
Franz von Sales: Die Liebe vollendet alles. Hundert Worte Klassiker. Verlag Neue Stadt (ISBN: 978-3-87996-733-9).


Klugheit

Die Klugheit (lat.: prudentia) ist eine der vier Kardinaltugenden.

Die Klugheit gibt der menschlichen Vernunft die rechte Ausrichtung. Sie befähigt den Menschen, das Gute zu erkennen, und die rechten Mittel zur Verwirklichung des Guten zu ergreifen. Sie wird dadurch zur Lenkerin aller Tugenden, denn die Erkenntnis des Guten ist Grundvoraussetzung jedes richtigen Handelns.

Die Klugheit verhilft zum richtigen Gewissensurteil. Der kluge Mensch ordnet sein Verhalten gemäß diesem Urteil.

Durch die Klugheit wendet der Mensch die sittlichen Grundsätze richtig auf die konkrete Situation an und überwindet die Zweifel hinsichtlich des Guten, das zu tun, und des Bösen, das zu unterlassen ist.

Voraussetzungen

Voraussetzung für die Klugheit ist die rechte Bildung, und der möglichst objektive, sachgerechte und vorurteilsfreie Einsatz der Vernunft.

Klugheit ist nicht mit "Intelligenz" zu verwechseln. Gerade bei besonders intelligenten Menschen besteht auch die Gefahr, dass die Intelligenz dazu benutzt wird, möglichst gute Ausreden für das eigene falsche Verhalten zu finden, und somit im hohen Maße unklug zu handeln. besondere Intelligenz ist also keine Voraussetzung für die Klugheit.

Schwierigkeiten

Als eine Folge des Sündenfalls ist die menschliche Erkenntnisfähigkeit stark eingeschränkt, vor allem, was die Erkenntnis Gottes und die Erkenntnis des sittlich Guten betrifft. Dadurch hat natürlich auch die Tugend der Klugheit zu leiden.

Beim Erlangen der rechten Bildung sind wir im hohen Maße auf die Menschen unserer Umgebung angewiesen. Durch falsche Ratgeber kann der Mensch sehr leicht und u.U. auch völlig unschuldig der Möglichkeit zur rechten Bildung beraubt werden.

Die größten Feinde der Klugheit sind aber in der Regel die eigenen ungeordneten Leidenschaften, die unseren Willen zur objektiven Selbsterkenntnis stark einschränken können, da ja sonst schmerzhafte Verhaltensänderungen notwendig wären.

Klugheit und Relativismus

In der momentanen Zeit des ethischen Relativismus ist die Klugheit eine besonders unpopuläre Tugend. Klugheit bedeutet ja auch, dass man schon bevor man in eine bestimmte Situation kommt, sich grundsätzliche Gedanken darüber macht, wie man in so einer Situation zu handeln hätte. Grundsätzliche Gedanken setzen aber voraus, dass es auch grundsätzliche ethische Normen gibt, an denen man sich orientieren soll, und genau das wird vom Relativismus bestritten. Eine auf die Klugheit aufbauende "Tugendethik" wird also im Relativismus verworfen. Übrig bleibt eine so genannte "Situationsethik", in der der Mensch, in eine Situation unvorbereitet hineingeworfen, spontan "aus dem Bauch heraus" entscheiden muss, was zu tun sei. Dies führt zu hochgradig unklugem Verhalten, vor allem im sittlichen Bereich, und verdient eigentlich die Bezeichnung "Ethik" nicht.

Literatur

Thomas von Aquin: Summa theologica. Die deutsche Thomas-Ausgabe, lateinisch-deutsch, St II-II 34 - 56, Band 17B: Die Liebe (2. Teil) Klugheit, Gemeinschaftsverlag Kerle Heidelberg und Styria Graz-Wien-Köln 1966 (Imprimatur Bischöfliches Ordinariat Graz-Seckau am 12. Mai 1966, Zl.14, Ap. 188-66).
Katechismus der Katholischen Kirche, Abschnitt 1806.
Josef Pieper: Traktat über die Klugheit, Hegner, Leipzig 1937; neueste Ausgabe: Sammelband "Über die Tugenden", 2. Auflage, Kösel, München 2008. ISBN 9783466401727


Hoffnung

Hoffnung ist eine bei der rechtfertigenden Taufe der Seele von Gott eingegossene, übernatürliche Tugend, aufgrund derer wir seinen Verheißungen, die heilsnotwendigen Gnaden und das ewige Heil im Himmel ersehnen und erwarten. Sie wird zugleich mit der heiligmachenden Gnade eingegossen. Dazu gehört: hoffen (Willensakt), das ein Verlangen nach den von Gott verheißenen Gütern ist, ja nach dem Besitze Gottes selbst (Liebesakt des Begehrens).

Durch die Sünde Adams ging der Mensch des Umgangs mit Gott verlustig. Durch die Sakramente der Kirche, welche die Gemeinschaft mit Gott wiederherstellen, ist er in der Hoffnung gerettet, da er diese Gemeinschaft noch verlieren kann (vgl. Röm 8,24 EU). Der Christ versteht in der Hoffnung seine Rettung, die er nicht nur in einer Hilfe in seinem Leben hier auf Erden, sondern vor allem in der Hoffnung auf ein ewiges Leben, in der beseligenden Gottesschau, sieht. Dies ermöglicht es dem Christen, das Leid auszuhalten und sich in der wahren Nachfolge Jesu Christi zu üben.

Allgemein natürlich, versteht man unter Hoffnung die Erwartung eines noch fernen, schwer zu erlangenden, aber doch möglichen Guten.

Hoffnung im Zusammenhang mit den anderen göttlichen Tugenden

Hoffnung gehört zu den drei göttlichen Tugenden, die Paulus von Tarsus formulierte: Glaube, Hoffnung und Liebe (vgl. 1 Kor 13,13ff EU). Die Hoffnung ist zugleich ein Willensakt und eine Gottesgabe. Klugheit und wohlbegründetes Selbstvertrauen sind die Grundlagen, die Liebe stärkt sie und regelt das Verlangen. Die Hoffnung stützt zugleich den Glauben - denn ein Glaube ohne Hoffnung bleibt kraftlos. Gleichzeitig ist aber der Glaube auch Fundament für die Hoffnung - denn einer Hoffnung ohne Glauben wird sehr rasch der Boden unter den Füßen weggezogen, wenn die größeren und kleineren Katastrophen eines ganz normalen Lebens kommen. Die Hoffnung ist auch mit der Liebe sehr stark verbunden, denn die Liebe hofft jederzeit auf das Gute - sogar wenn das Erleben mitunter gerade gegenteilig ist. Wer liebt, hat immer noch Hoffnung, in jeder Situation.

Erklärung der übernatürlichen Tugend der Hoffnung im KKK

1817: Die Hoffnung ist jene göttliche Tugend, durch die wir uns nach dem Himmelreich und dem ewigen Leben als unserem Glück sehnen, indem wir auf die Verheißungen Christi vertrauen und uns nicht auf unsere Kräfte, sondern auf die Gnadenhilfe des Heiligen Geistes verlassen. Lasst uns an dem unwandelbaren Bekenntnis der Hoffnung festhalten, denn er, der die Verheißung gegeben hat, ist treu (Hebr 10,23 EU). Gott hat den Heiligen Geist in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter, damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen (Tit 3,6-7).

1818: Die Tugend der Hoffnung entspricht dem Verlangen nach Glück, das Gott in das Herz jedes Menschen gelegt hat. Sie nimmt in sich die Hoffnungen auf, die das Handeln der Menschen beseelen; sie läutert sie, um sie auf das Himmelreich auszurichten; sie bewahrt vor Entmutigung, gibt Halt in Verlassenheit; sie macht das Herz weit in der Erwartung der ewigen Seligkeit. Der Schwung, den die Hoffnung verleiht, bewahrt vor Selbstsucht und führt zum Glück der christlichen Liebe.

(2090): Wenn Gott sich offenbart und den Menschen anruft, vermag dieser der göttlichen Liebe nicht aus eigener Kraft voll zu entsprechen. Gott muss ihm die Fähigkeit schenken, seine Liebe zu erwidern und den Geboten der Liebe entsprechend zu handeln. Die Hoffnung ist die vertrauensvolle Erwartung des göttlichen Segens und der beseligenden Gottesschau; sie ist auch mit der Befürchtung verbunden, gegen die Liebe Gottes zu verstoßen und sich strafbar zu machen.

Christliche Hoffnung und israelitische Hoffnungen

1819: Die christliche Hoffnung übernimmt und erfüllt die Hoffnung des auserwählten Volkes, die ihren Ursprung und ihr Vorbild in der Hoffnung Abrahams hat. Dieser wird durch die Erfüllung der Verheißungen Gottes in Isaak überreich beschenkt und durch die Prüfung des Opfers geläutert [Vgl. Gen 17,4-8; 22,1-18]. Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde (Röm 4,18).

Quelle des Gebetes

2657: Der Heilige Geist lehrt uns, die Liturgie in Erwartung der Wiederkunft Christi zu feiern; so erzieht er uns zum Gebet in der Hoffnung. Das Gebet der Kirche und das persönliche Gebet stärken in uns die Hoffnung. Besonders die Psalmen mit ihrer konkreten und reichen Sprache lehren uns, unsere Hoffnung auf Gott zusetzen: Ich hoffte, ja ich hoffte auf den Herrn. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien (Ps 40,2). Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes (Röm 15,13).

Weitere Erklärung der übernatürlichen Tugend der Hoffnung

Im Akt der theologischen Tugend der Hoffnung ist der Hauptgegenstand des Verlangens Gott selbst, in dessen Besitz der Mensch seine ewige Seligkeit, sein ewiges Glück finden soll. Dieser Akt ist also nichts anderes als der Akt der Liebe des Begehrens zu Gott. Gegenstand dieses in der Hoffnung liegenden Verlangens ist außer Gott selbst, auch alles, was und insofern es als Mittel zur Erlangung der ewigen Seligkeit nötig ist und behilflich sein kann, natürliche wie übernatürliche Güter.

Insofern die Hoffnung aber die feste Zuversicht einschließt, jene Güter, vor allem natürlich die ewige Seligkeit in Gott, trotz der entgegenstehenden Schwierigkeiten zu erlangen, ist ihr Beweggrund Gottes allmächtige und barmherzige Kraft, die entsprechend seinen Verheißungen den Menschen helfend zur Verfügung steht. Gott hat ihnen sich selbst, seinen Besitz, die Seligkeit, als Ziel gegeben und zur Erlangung seine Hilfe versprochen; er ist auch stark genug, über alle Schwierigkeiten hinweg zu helfen. Daher muss auch die Hoffnung, insofern sie auf Gott sich stützt, unbedingt sicher und fest sein, ohne Zagen und Schwanken und ZweifeIn; ja, nur zaudernd auf Gott vertrauen, wäre nicht Gott ehren, sondern ihn beleidigen. Da aber die Erlangung der Seligkeit auch die Mitwirkung des Menschen verlangt, diese aber unsicher, nicht gewiss ist, so kann und muss mit jener unbedingt gewissen Hoffnung und festen Zuversicht, die Furcht verbunden sein, dass der Mensch selbst es an der Mitwirkung mit der Gnade werde fehlen lassen. Daher lehrt das Konzil von Trient: .Bezüglich der Gabe der Beharrlichkeit, von der geschrieben steht: ,Wer bis ans Ende ausharrt, der wird selig sein' (eine Gabe, die man nur empfangen kann von dem, der Macht hat, den, der steht, so zu stellen, dass er dauernd steht, und den, der fällt, wieder aufzurichten), möge sich niemand etwas Sicheres mit absoluter Gewissheit versprechen, wenn auch alle auf Gottes Hilfe die allerfesteste Hoffnung setzen müssen. Denn Gott wird, wenn nur sie selbst es nicht der Gnade gegenüber fehlen lassen, wie er das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden, indem er das Wollen und das Vollbringen bewirkt. Jedoch die da glauben, zu stehen, mögen zusehen, dass sie nicht fallen und mit Furcht und Zittern ihr Heil wirken (sess. 6, S c.13).

Als übernatürlicher Habitus ist sie daher für jeden Menschen zur Erlangung der ewigen Seligkeit absolut (necessitate medii) notwendig. Als Akt, d. i. als das Verlangen nach den von Gott verheißenen Gütern, nach dem Besitze Gottes selbst (Liebe des Begehrens), wie auch als das zuversichtliche Vertrauen, sie zu erreichen, ist die Tugend der Hoffnung für alle, die den Vernunftgebrauch erlangt haben, heilsnotwendig, und zwar gilt dies sowohl vor der Rechtfertigung, um die Gnade der Rechtfertigung zu erlangen, wie auch nach derselben, um in der Gnade zu beharren und das ewige Heil wirklich zu erreichen. Da zudem das Bittgebet zum Beharren in der Gnade notwendig, wahres Bittgebet aber ohne Hoffnung unmöglich ist, so ist auch schon aus diesem Grunde die Hoffnung notwendig. Daher ist es verständlich, dass Gott in der Heiligen Schrift so nachdrücklich immer wieder die Hoffnung einschärft und verlangt. Akte der Hoffnung sind darum aber auch kraft göttlicher Vorschrift (necessitate praecepti) notwendig.

Sünden gegen die Hoffnung

Die eingegossene Tugend der Hoffnung geht verloren nicht durch jedwede schwere Sünde, sondern nur durch eine schwere Sünde gegen die Hoffnung selbst und gegen den Glauben (vor allem Unglauben), auf dem die Hoffnung als auf ihrem Fundament ruht.

Misstrauen
Verzweiflung
Vermessenheit

Zitate

Ps 40:3 Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens, aus Schlamm und Morast. Er stellte meine Füße auf den Fels, machte fest meine Schritte.
Ps 40:4 Er legte mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf ihn, unsern Gott. Viele werden es sehen, sich in Ehrfurcht neigen und auf den Herrn vertrauen.

Literatur

Thomas von Aquin: Summa theologica. Die deutsche Thomas-Ausgabe, lateinisch-deutsch, St II-II 17 - 22, Band 16: Die Hoffnung, Verschiedene Verlage auch Sonderdruck 1988 (mit Imprimatur)
Josef Pieper: Über die Hoffnung, Johannes Verlag Einsiedeln Freiburg 2006 (ISBN 978-3-89411-394-0).
Franz Edlinger: Hoffnung : den Weg der Hoffnung finden und gehen. dip3-Bildungsservice Wilhering 2014 (1. Auflage; 40 S.; ISBN 978-3-903028-11-1 geh.).
Hans Pfeil: Hoffnung und Freude (1973)
Reinhard Abeln / Anton Kner: Auf die Hoffnung kommt es an Franz Sales Verlag (160 Seiten; ISBN 978-3-7721-0238-7).
Theodor Olpe: Christus, die Hoffnung der Herrlichkeit. Anleitung zu schlichtem Verständnis der Offenbarung Jesu Christi - durch Johannes - für Freunde des prophetischen Wortes. Bernardus Verlag ISBN 10: 3-910082-46-7

Päpstliche Schreiben

Benedikt XVI., Sozial-Enzyklika Spe salvi über die christliche Hoffnung vom 30. November 2007.



Glaube

Fides-Glaube

Glaube ist eine von Gott bei der rechtfertigenden Taufe der Seele eingegossene, übernatürliche Tugend, durch die der Mensch mit Hilfe der Gnade Gottes, das von ihm Offenbarte fürwahrhält. Dazu gehört: glauben (Glaubensakt), das eine Tätigkeit des Verstandes bzw. freie Willenszustimmung und Annahme ist.

Der Glaube gehört zu den drei göttlichen Tugenden, welche der heilige Paulus formulierte (vgl. 1 Kor 13,13ff EU). Er ist die unverzichtbare Basis für Hoffnung und Liebe.

Im übertragenen Sinne, wird auch die Gesamtheit der von Christus geoffenbarten und der Katholischen Kirche anvertrauten Wahrheiten (Glaubenswahrheiten), wie sie in der Heiligen Schrift und der mündlichen Überlieferung enthalten sind, also dem Depositum fidei (Glaubensgut) einfach Glaube genannt.
Die Tugend des Glaubens im KKK

1814: Der Glaube ist jene göttliche Tugend, durch die wir an Gott und an all das glauben, was er uns gesagt und geoffenbart hat und was die heilige Kirche uns zu glauben vorlegt.[1] Denn Gott ist die Wahrheit selbst. Im Glauben überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit (DV 5). Darum ist der gläubige Mensch bestrebt, den Willen Gottes zu erkennen und zu tun. Der aus Glauben Gerechte wird leben (Röm 1, 17). Der lebendige Glaube ist in der Liebe wirksam (Gal 5,6).

1815: Das Geschenk des Glaubens bleibt in dem, der nicht gegen ihn sündigt [Vgl. K. v. Trient: DS 1545]. Aber der Glaube [ist] tot ohne Werke (Jak 2,26). Der Glaube ohne Hoffnung und Liebe vereint den Gläubigen nicht voll mit Christus und macht ihn nicht zu einem lebendigen Glied seines Leibes.

1816: Der Jünger Christi muß den Glauben bewahren und aus ihm leben, ihn bekennen, mutig bezeugen und weitergeben: Alle müssen bereit sein, Christus vor den Menschen zu bekennen und ihm in den Verfolgungen, die der Kirche nie fehlen, auf dem Weg des Kreuzes zu folgen (LG 42 [Vgl. DH 14]. Der Dienst und das Zeugnis für den Glauben sind heilsnotwendig: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen (Mt 10, 32-33).

Glaube und glauben

Das I. Vatikanische Konzil schreibt in der Dogmatischen Konstitution Dei filius: „Dieser Glaube aber, der der Anfang des menschlichen Heils ist, ist nach dem Bekenntnis der katholischen Kirche eine übernatürliche Tugend, durch die wir mit Unterstützung und Hilfe der Gnade Gottes glauben (fürwahrhalten), dass das von ihm Offenbarte wahr ist, nicht etwa wegen der vom natürlichen Licht der Vernunft durchschauten inneren Wahrheit der Dinge (d.h. philosophisch erkannt), sondern wegen der Autorität des offenbarenden Gottes selbst, der weder sich täuschen noch andere täuschen kann.“

Der Glaube ist für alle, die zum Gebrauch der Vernunft gekommen sind, zum ewigen Heil notwendig. Die Tugend des Glaubens, geht durch schwere Schuld gegen den Glauben verloren.

Wenn Papst Benedikt XVI. immer wieder hinweist, dass der Glaube vernünftig sei, meint er damit, dass die Annahme des Glaubensgutes, zum irdischen wie zum überirdischen Glück des Menschen und seines Zusammenlebens mit Anderen, einsichtig sei. Darum sollte der natürliche Akt des Willens zur Annahme der Existenz eines Gottes und des Glaubengutes erfolgen. Damit meint er nicht das übernatürliche Geschenk des Glaubens, das bei der Taufe von Gott (wie) eingegossen wird, sondern eine natürliche Glaubensbereitschaft. [2]

Kurztexte im Katechismus der Katholischen Kirche

Kurztexte im Katechismus der Katholischen Kirche erläutern die Definitionen:

zu Glaube

Nr. 179: Der Glaube ist eine übernatürliche Gabe Gottes. Um zu glauben, bedarf der Mensch der inneren Hilfe des Heiligen Geistes.

183: Der Glaube ist heilsnotwendig. Der Herr selbst sagt: „Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mk 16, 16).

184: „Der Glaube ist ein Vorgeschmack der Erkenntnis, die uns im künftigen Leben selig machen wird“ (Thomas von Aquin, comp. 1, 2).

- In der Summa theologica (Secunda Secundae q.2 a.9): drückt Thomas von Aquin den Glaubensakt so aus: "glauben an sich aber ist ein Akt des Verstandes, in welchem dieser auf Geheiß des von Gott durch die Gnade bewegten Willens der göttlichen Wahrheit beistimmt“ -

zu glauben

Nr. 177: „glauben“ hat also einen doppelten Bezug: den zur Person (Christi) und den zur Wahrheit; der Glaubensakt bezieht sich auf die Wahrheit durch das Vertrauen in die Person, die sie bezeugt.

Nr. 176: Der Glaube ist eine persönliche Bindung des ganzen Menschen an den sich offenbarenden Gott. In ihm liegt eine Zustimmung des Verstandes und des Willens zur Selbstoffenbarung Gottes in seinen Taten und Worten.

Nr. 178: Wir sollen an niemand anderen glauben als an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.

Nr. 180: „glauben“ ist ein bewußter und freier menschlicher Akt, der der Würde der menschlichen Person entspricht.

zum Glaubengut

182: „Wir glauben alles, was im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist und was die Kirche als von Gott geoffenbarte Wahrheit zu glauben vorlegt“ (SPF20).

Weitere Erklärung zu Glaube und Glaubensakt

1) Der Glaube ist als Autoritätsglaube zu qualifizieren: d.h. ein Zustimmen des Verstandes zu einer Wahrheit auf Grund der Bezeugung eines Wissenden, obwohl die Einsicht nicht voll vorhanden ist

2.) Der Glaube ist als eine übernatürliche Tugend zu qualifizieren, durch die wir die von Gott geoffenbarten Wahrheiten wegen (kausal) des offenbarenden Gottes für wahr halten.

Über den Akt des Glaubens lehrt die Kirche:

1.) Er ist ein Akt des Intellektes (actus intellectus), kein blinder Gefühlsakt oder eine Verwirklichung religiösen Instinktes (Pascendi Dominici gregis). Er wird aber vom Willen befohlen (ex imperio voluntatis) und ist ein freier Akt. Dass der Glaube primär eine Akt des Intellektes ist, kommt von seinem Objekt her: hat doch die Offenbarung primär eine intellektuelle Funktion bzw. ist sie ein Sprechen und Lehren!

2.) Der Assens des Glaubens ist übernatürlich (a Deo motae per gratiam): Es ist ein Dogma, dass die Gnade schon von Anfang an und während des ganzen Glaubensprozesses mittätig sein muss, wenn es sich um den heilbringenden, verdienstlichen Glauben handeln soll: Die Gnade initiiert das Urteil der Glaubwürdigkeit, ja Glaubensnotwendigkeit eines bestimmten Satzes, sie initiiert den Entschluss des Willens zuzustimmen und auch den eigentlichen formellen Akt der Zustimmung. Aus sich sind Verstand und Wille allein zum Glaubens physisch unfähig: Gott kommt auch hier die erste Initiative zu! Das I. Vatikanum schreibt dazu: „Wenn auch die Zustimmung zum Glauben keineswegs eine blinde Regung des Herzens ist, so kann dennoch niemand ‚der Verkündigung des Evangeliums zustimmen, wie es nötig ist, um das Heil zu erlangen, ohne die Erleuchtung und Einhauchung des Heiligen Geistes ... Deshalb ist der Glaube selbst in sich ... ein Geschenk Gottes, und sein Akt ist ein das Heil betreffendes Werk, durch das der Mensch Gott selbst freien Gehorsam leistet ...“

Dennoch darf man aufgrund dieses Primats der Übernatur nicht annehmen, der Glaube sei keine freie Zustimmung: Die Gnade tut ja nichts weniger als die Freiheit des Menschen aufzuheben: vielmehr erhebt sie diese, um ihr eine wirk- und heilsmächtige Zustimmung erst zu ermöglichen. Die Freiheit des Glaubensaktes kann sogar als Dogma betrachtet werden:

Bereits das Konzil von Trient stellt gegen die Reformatoren fest: „Die Vorbereitung zur Gerechtigkeit geschieht auf folgende Weise: geweckt und unterstützt von der göttlichen Gnade nehmen sie den Glauben im Hören auf und erheben sich frei zu Gott, gläubig für wahr haltend, was von Gott geoffenbart und verheißen ist, besonders, dass der sündige Mensch von Gott gerechtfertigt werde durch die Gnade ....“ Das I. Vatikanum schreibt „Wer sagt, die Zustimmung zum christlichen Glauben sei nicht frei, sondern werde durch Beweise der menschlichen Vernunft notwendig hervorgebracht: der sei mit dem Anathem belegt (DH 3035).

Der Glaubensassens ist weiter sicher, irrtumslos und unveränderlich. Diese Sicherheit kommt von dem Motiv her, das ihr zugrunde liegt: die Autorität des sich offenbarenden Gottes.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Der Glaubensakt ist formell ein Akt des Verstandes, und zwar eine feste Zustimmung desselben zu einer geoffenbarten Wahrheit auf Grund der Autorität Gottes. Er ist eine freie Zustimmung und wird als heilsamer Akt von der Gnade Gottes bewirkt.

Aussagen über den Glauben in der Heiligen Schrift

Zitat:

Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.
Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein ruhmvolles Zeugnis erhalten.
Aufgrund des Glaubens erkennen wir, dass die Welt durch GOTTES Wort erschaffen worden und dass so aus Unsichtbarem das Sichtbare entstanden ist.
...
Ohne Glauben aber ist es unmöglich, GOTT zu gefallen; denn wer zu GOTT kommen will, muss glauben, dass ER ist und dass ER denen, die IHN suchen, ihren Lohn geben wird.
Aufgrund des Glaubens wurde Noach das offenbart, was noch nicht sichtbar war, und er baute in frommem Gehorsam eine Arche zur Rettung seiner Familie; durch seinen Glauben sprach er der Welt das Urteil und wurde Erbe der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt.
...
Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
Aufgrund des Glaubens hielt er sich als Fremder im verheißenen Land wie in einem fremden Land auf und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten;
denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die GOTT selbst geplant und gebaut hat.
Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt DEN für treu, DER die Verheißung gegeben hatte.
So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.
Voll Glauben sind diese alle gestorben, ohne das Verheißene erlangt zu haben; nur von fern haben sie es geschaut und gegrüßt und haben bekannt, dass sie Fremde und Gäste auf Erden sind.
Mit diesen Worten geben sie zu erkennen, dass sie eine Heimat suchen.
Hätten sie dabei an die Heimat gedacht, aus der sie weggezogen waren, so wäre ihnen Zeit geblieben zurückzukehren;
nun aber streben sie nach einer besseren Heimat, nämlich der himmlischen. Darum schämt sich GOTT ihrer nicht, ER schämt sich nicht, ihr GOTT genannt zu werden; denn ER hat für sie eine Stadt vorbereitet.

Sünden gegen die göttliche geschenkte Tugend des Glaubens

Nicht entsprechende Antworten auf die göttliche geschenkte Tugend des Glaubens sind:

Die Verleugnung des Glaubens (z. B. Petrus (Mt 26,69ff EU)
Die Gefährdung und Leichtfertigkeit bezüglich des Glaubens (z. B. den steten Umgang mit glaubenslosen Menschen pflegen [sofern dieser nicht der Mission dient] oder man sich ohne Notwendigkeit mit glaubensgefährdenden Medien beschäftigt)
Abfall vom Glauben, indem man die Gesamtheit des Glaubens leugnet.
Wenn man Glaube und Tun voneinander trennen würde (lex credendi- lex vivendi).[3]

Päpstliches zum Glauben

Pius IX.

Erstes Vatikanisches Konzil: Konstitution Dei filius über den katholischen Glauben vom 24. April 1870.

Pius XII.

12. Mai 1943 Ansprache Tutte le famiglie cristiane an Neuvermählte über den Glauben

Paul VI.

1. Juli 1967 bis 30. Juni 1968 Jahr des Glaubens

Franziskus

29. Juni 2013 Antrittsenzyklika Lumen fidei über den Glauben.

Literatur

Thomas von Aquin: Summa theologica. Die deutsche Thomas-Ausgabe, lateinisch-deutsch, St II-II 1 - 16, Band 15: Glaube als Tugend, Verschiedene Verlage 1950 (mit Imprimatur)
Josef Spindelböck: Christlich glauben und leben. Ein Leitfaden der katholischen Moral. St. Josef Verlag 2010, gebunden, 111 Seiten, ISBN 978-3-901853-19-7 [1].
Adolf Fuchs: Ach, könnte ich doch glauben! Fünf Schritte für suchende Menschen. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz 1997 (128 Seiten; ISBN 3857644613; ISBN-13: 9783857644610).
Tadeuz Dajczer: In der Schule der Heiligen Familie, Eine Kraftquelle des Glaubens, Mediatrix-Verlag (Mit Druckerlaubnis vom Bistum Mainz, Dr. Werner Guballa Generalvikar GV/Ri 2. Jänner 1998 und des Erzbischöflichen Ordinariates Wien vom 11. September 2000, Zl . 1118/00 Generalvikar Mag. Franz Schuster; ISBN 3854061609).
Anton Ziegenaus: Verantworteter Glaube, Theologische Beiträge 1, Stella Maris Verlag (339 Seiten) ISBN 3-934225-02-0
Leo Scheffczyk - Peter Christoph Düren: Entschiedener Glaube - befreiende Wahrheit Stella Maris Verlag (384 Seiten; ISBN 3-934225-27-6)
Palmatius Zilligen: Frohes Glauben Grignion Verlag.
Hans Pfeil: Der moderne Unglaube und unsere Verantwortung (1965)
Heinrich Spaemann: Das Glaubenslicht. Herder Verlag 1963 (183 Seiten).
Ulrich Wickert: Maria, Mutter der Kirche: unpopuläre katholische Perspektiven eines protestantischen Christen: zum Glaubensgehorsam heute und hier Miriam Verlag 1985 (ISBN 3874491633; 1. Auflage 32 Seiten).
Charles Ford: Der Film und der Glaube. Christiana Verlag Zürich 1955 (301 Seiten).
Helmut Brombach: Von Blindheit befreit. Zur Sehschärfe im Glauben. Bernardus Verlag ISBN 10: 3-934551-59-9.
Josef Heinzmann: Glauben ist Freundschaft Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz 1985 (127 Seiten; 4. Auflage; ISBN-13: 9783857641053).
Josef Beeking: Quellen lebendigen Wassers : Zur Sicherheit des Glaubens. Herder Verlag Freiburg 1935 (32 Seiten).
Josef Beeking: Glaubensfreude : Von Quellen christlichen Freude Felizian Rauch Verlag Innsbruck 1937 (120 Seiten; 2. umgearb. und erw. Auflage).
Lorenz Jäger: Hauptsachen. Gedanken und Einsichten über den Glauben und die Kirche Fe-Medienverlag (272 Seiten; ISBN 978-3-939684-92-3; [2]).


Anmerkungen

1. ↑ Darum heißt es im Credo: Ich glaube an die heilige katholische Kirche - KKK Nr. 748-975
2. ↑ Er verwendet dabei die Umgangs-, nicht die theologische Sprache, sonst wäre es ein Widerspruch.
3. ↑ Die lateinamerikanischen Bischöfe betonen in der Botschaft an die Völker Lateinamerikas und der Karibik zum Abschluss ihrer 4. Generalversammlung: "Es wäre eine Verfälschung der Botschaft Jesu Christi, wenn diese eine Trennung von Glauben und Tun gestatten würde." : Botschaft an die Völker Lateinamerikas und der Karibik zum Abschluss der 4. Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe, Nr. 9.



Gerechtigkeit

Die Gerechtigkeit (lat. iustitia) ist eine der vier Kardinaltugenden.

Gerechtigkeit ist der beständige feste Wille, jedem das zu geben, was ihm zusteht. Allen, trotz aller Verschiedenheit, das gleiche zu geben, wäre also nicht gerecht. Ein Beispiel ist die Entlohnung eines Angestellten, durch seinen Arbeitgeber.

Gerechtigkeit gegenüber Gott

Gerechtigkeit Gott gegenüber nennt man die "Tugend der Gottesverehrung". Genaugenommen ist es dem Menschen aber unmöglich, Gott wirklich gerecht zu werden, da Gott ja alles zusteht. Wenigstens sich selbst Gott ganz hinzuschenken erfordert ein hohes Maß an Heiligkeit.

Gerechtigkeit gegenüber den Menschen

Gerechtigkeit dem Menschen gegenüber ordnet darauf hin, die Rechte jedes Anderen zu achten, für eine gerechte Verteilung der Güter zu sorgen, Harmonie in den menschlichen Beziehungen herzustellen. Zur Gerechtigkeit gehört auch die Achtung der Würde jedes Menschen als Person. Einen Menschen als Mittel zum Zweck zu behandeln, wie eine sache, widerspricht dieser Würde und ist daher auch nicht gerecht.

Die notwendige unterschiedliche Behandlung der anderen Menschen, um ihnen gerecht zu werden, beruht nicht nur auf der Unteschiedlichkeit aller Menschen (Jede Mutter weiß, dass keines ihrer Kinder dem anderen gleicht, und jedes daher eine andere Behandlung braucht), sondern auch auf der Unterschiedlichkeit der Beziehung zu den anderen Menschen (Ehemann, -frau, Kinder, Eltern, nahestehende Personen "verdienen" eine andere Behandlung als Fernstehende).

Der Gerechte

In der Bibel wird oft vom "Gerechten" oder vom "gerechten Menschen" gesprochen. Dieser zeichnet sich durch eine ständige Gradheit seines Denkens und der Richtigkeit seines Verhaltens Gott und den Menschen gegenüber aus. Wichtigster Vertreter: Hl. Josef

Gerechtigkeit und Recht

Gerechtigkeit ist Verwirklichung des allgemeinen Rechtsgedankens. Dieser Rechtsgedanke, der keiner Kultur fremd ist, setzt eine Instanz voraus, die im Streitfall zur Entscheidung berufen ist (daher heute noch die Bezeichnung: Justiz).

Manche Rechtstheoretiker halten im Zweifel die Rechtssicherheit (dass jemand entscheidet) für wichtiger als die Frage, ob (moralisch) richtig entschieden wurde (also der Wahrheit gemäß, nach Lage des Falles). Jedoch ist im Namen der Gerechtigkeit die Zahl solcher Zweifelsfälle stets zu minimieren. Gerechtigkeit ist also ohne Autorität nicht zu verwirklichen.

"Kluge" Differenzierungen zwischen Recht und Gerechtigkeit führen nicht besonders weit, da die sittlich noch höherstehende Gerechtigkeit, als Tugend, nur aus freiem Willen, "heroisch" also, verwirklicht werden kann. (Darin besteht ihr Verdienst, das "gerechte Werk".) Damit dieses humane oder christliche Mehr an Gerechtigkeit überhaupt einen Entfaltungsraum erhält, ist aber wiederum eine funktionierende Rechtsordnung (als "ethisches Minimum") vorauszusetzen. Im Falle eines kollektiven Staatsversagens (z.B. im Totalitarismus) gehen Wahrheit, Freiheit und Recht zugleich zugrunde und die moralische Anforderung an den Einzelnen, sich tugendhaft (gerecht) zu verhalten, steigt entsprechend an.

Literatur

Katechismus der Katholischen Kirche, Abschnitt 1807.
Thomas von Aquin: Summa theologica. Die deutsche Thomas-Ausgabe, lateinisch-deutsch, St II-II 57 - 79, Band 18: Recht und Gerechtigkeit, Verschiedene Verlage 1953 (mit Imprimatur
Josef Pieper: Über die Gerechtigkeit, Kösel, München 1953; neueste Ausgabe: Sammelband "Über die Tugenden", 2. Auflage, Kösel, München 2008. ISBN 9783466401727
H. Reißner: Von der Gerechtigkeit zur Liebe Miriam Verlag 1983 (96 Seiten).



Gelassenheit

Gelassenheit (vom mittelhochdeutschen gelâzenheit) ist eine Wortschöpfung des Mystikers Meister Eckhart und der zentrale Begriff seines Denkens.

Begriffsgeschichte

Vor der Wortschöpfung durch Meister Eckhart wurde der Begriff Gelassenheit in seinen Facetten umkreist, die später das Gerüst der Konzeption bilden, aber ihren semantischen Kern – zumindest in der Ausdeutung bei Meister Eckhart – nicht zu treffen vermögen.
Demokrits euthymia (gutes Gemüt)

Der griechische Philosoph Demokrit (460-371 v. Chr.) gilt als Vertreter eines atomistischen Materialismus. Er vertrat die Ansicht, dass die Materie aus kleinsten, unteilbaren Teilchen, den Atomen, zusammengesetzt sei. Jedes dieser Atome sollte fest und massiv, aber nicht gleich sein, weil die Dinge auch nicht gleich sind. Aus diesen Verschiedenheiten ließen sich alle Mannigfaltigkeiten der Erscheinungswelt erklären. Entscheidend ist der Analogieschluss von der sichtbaren auf die unsichtbare Welt: Auch die Seele ist bei Demokrit eine Ansammlung von Atomen, d. h. etwas Körperliches. Diese Seelen-Atome seien dabei die vollkommensten Atome, die man finden könne. Man solle sich daher mehr um die Seele als um den Körper kümmern, also mehr um den „Seelen-Körper“ als um den „Körper-Körper“, denn die Vollkommenheit jenes richtet die Schwäche dieses auf. Wer die Gaben des ersten liebe, liebe das Göttliche, wer die des zweiten liebe, das Menschliche. Wenn man sich also um seine Seele kümmert, dann erreicht man in einem Dreischritt jene ruhige Haltung (ataraxia), die das Wohlgemutsein (euthymia) hervorbringt. 1. Die Seele macht Erkenntnis möglich. 2. Erkenntnis führt zur Überwindung von Angst. 3. Überwindung von Angst führt zur Ruhe und zum guten Gemüt.

Senecas tranquilitas animi (Seelenruhe)

Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.) greift den euthymia-Begriff auf und übersetzt ihn mit tranquilitas animi. Er sah die Seelenruhe als oberste Tugend an. Das höchste Gut ist für ihn die Harmonie der Seele mit sich selbst. Seelenharmonie führt bei Seneca zur Seelenruhe. Neben Marc Aurel und Cicero zählt Seneca zu den wichtigsten Vertretern der römischen Stoa. Erwähnenswert ist in diesem Kontext die stoische apátheia als Freiheit der Seele von den Affekten, die damit gleichsam die Voraussetzung für die tranquilitas animi bildet. Besitzt die Vernunft nicht die nötige Stärke, so stimmt sie Vorstellungen zu, die Triebe und Gefühle wider ihr natürliches Maß übersteigern: Der Trieb (hormé) wird zum Affekt, zur Leidenschaft (páthos). Die kranke, leidende Seele ist das „sittlich Schlechte“, das einzige Übel des Menschen. Wer sittlich schlecht handelt, erleidet seelische Qualen und kann damit nicht zur Ruhe kommen. Man beachte: Der schlecht Handelnde hat zunächst selbst das Problem, das Böse fällt auf ihn zurück! Hier ist das christliche Gewissenskonzept nahe. Helfen kann dieser leidenden Seele aus Sicht der Stoiker nur die Philosophie der Stoa, welche gerade das Ziel der Affektlosigkeit verfolgt. Dies erinnert an Schopenhauers Willensverneinung und es steht der Idee einer Überwindung menschlicher Willensschwäche durch geeignete Lebensführung in der christlichen Morallehre nahe. Der Begriff der Affekthemmung sollte dann in der Ethik der Hochaufklärung ein zentraler, etwa bei Christian Wolff. Nach Wolff gelingt die Affekthemmung durch die Tätigkeit der Vernunft und damit durch die Einsicht in das Schlechte und Schädliche, das dem Affektiven eignet. Auch das wird von der Stoa schon vorweggenommen.

Platons theoria (Ideenschau)

In Platons (427-347 v. Chr.) theoria als Ideenschau der Seele ist diese in der Lage – wenn sich der Mensch nur bemüht – die Ideen selbst zu erkennen, nicht nur deren Abbilder (Höhlengleichnis). In dieser theoria erfährt der Mensch also etwas über diese ontologisch und epistemisch höherwertigen Entitäten und gelangt so durch die Ideenschau in den Zustand des Wissens. Das entscheidende Moment der platonischen theoria liegt in der Wende hin zur Ethik und Ästhetik: Die gewonnenen Erkenntnisse geben einem Menschen nicht nur Einblick in das Wahre, sondern auch in das Gute und Schöne. Wahr, gut und schön fallen zusammen.

Plotins henosis (göttliche Einigung)

Den theoria-Gedanken erweitert der Neuplatoniker Plotin (205-270 n. Chr.) zur henosis (göttliche Einigung), in der das Denken des Einen, zu dem hin alles gewendet ist („Universum“) und als dessen Ausströmung (Emanation) alles ins Dasein gelangt, die Annahme einer Wesensgleichheit von göttlicher und menschlicher Seele impliziert. Erst der Eigensinn des Menschen trennt ihn von Gott. Plotin hat damit stark auf die Patristik (etwa auf Augustinus) gewirkt und so die Lehre der Kirche nachhaltig beeinflusst.

Zusammenfassung und Bewertung

Theoria und henosis nehmen den Transzendenzaspekt des eckhartschen Gelassenheitsbegriffs vorweg. Bei Demokrit und Seneca ist es die irdische „Coolness“, die dem Gelassenen jetzt und hier angesichts von Schwierigkeiten Glück verschafft, sie geben etwa Antwort auf die Frage: Wie halte ich es neben einem Menschen aus, der schwer zu ertragen ist? Bei Platon und Plotin kommt der Gedanke der Einheit mit Gott ins Spiel, hier bekommt die „Coolness“ der stoischen Weisheit in ihrem Nutzen für die menschliche Seele eine neue, eine weiterreichende Dimension. Für den Christen liefert diese erst die Begründung für Gelassenheit. Plotins henosis-Gedanke enthält in gewisser Weise die Motivation – traditioneller gesagt: die Kraft –, um die Unerträglichkeit zu ertragen. Demokrit und Seneca bleiben diese Kraftquelle schuldig, bei ihnen ist Gelassenheit mehr eine Forderung bzw. eine Tugend des Weisen, aber das reicht nicht, denn auch der Weise braucht ein Rückzugsgebiet, wo er seine Seele baumeln lassen kann. Und das wäre eben das Bewusstsein einer Einheit mit Gott.

Weitere Wurzeln

Hinzuweisen ist noch auf Aristoteles’ eudaimonía (geglücktes Leben) auf Basis der arete (Tugend) des „Maßhaltens“ sowie auf Epikurs galenismós (Meeresstille), der eine zentrale Metapher des Gelassenheits-Topos einführt und ferner den Rückzug ins Private proklamiert, nachdem Platon und Aristoteles nur im zoon politikon, im geselligen Lebewesen, den wahren Menschen erblickt hatten. Der Rückzug ins Private ist sicherlich für die Gelassenheitstechniken der Kontemplation und Meditation wichtig, andererseits ist die Gemeinschaft im Kloster und der Gang an die Öffentlichkeit eine Konsequenz des gelassenen Lebensentwurfs. Das hat Meister Eckhart vorexerziert.

Meister Eckharts gelâzenheit

Gelâzenheit – oder neuhochdeutsch: Gelassenheit – ist der zentrale Begriff der Eckhartschen Mystik. Dies, obwohl Meister Eckhart das Substantiv gelâzenheit nur an einer Stelle verwendet, und zwar in der Rede der underscheidunge, wo es heißt: „Wan, ez kome von trâcheit oder von wârer abegescheidenheit oder von gelâzenheit, sô sol man merken, ob man sich hier inne vindet, als man sô gar von innen gelâzen ist“. Wesentlich häufiger benutzt er das Verb lâzen bzw. das Partizip gelâzen. Als wichtigste Voraussetzung für die Gottesgeburt in der Seele und die Einheit mit Gott, die unio mystica, muss der Mensch gelâzen hân, um schließlich gelâzen zu sîn. Er muss dazu verdinglichte Denk- und Handlungsstrukturen überwindet und alle Weltbindung aufgeben. Er muss sich selbst und die ganze Welt lâzen. Insoweit ist Gelassenheit bei Meister Eckhart als Haltung oder Befindlichkeit das Ergebnis eines bewussten Handlungsvollzugs.

Meister Eckharts Ausgangspunkt ist das neutestamentliche Lassen, das omnia relinquere, von dem im Evangelium bei der Berufung der ersten Jünger die Rede ist (Mt 4, 18-22). Hier zeigt sich deutlich die Breite des Verlassenheitsbegriffs. So erscheint er teils negativ (im Stich lassen), teils positiv besetzt (den Neuanfang wagen), teils materiell (Haus und Hof, Dinge lassen), teils personell (den Vater, die Mutter, die Frau, den Mann lassen) und schließlich – in der Mystik Meister Eckharts – spirituell (sich selbst lassen) – eine Verlassenheit, die in ihrer Radikalität in der Gottverlassenheit Jesu Christi am Kreuz kulminiert: Gott selbst lässt sich selbst (Mt 27, 46), um dem Menschen die letzte Gelassenheit des Heils zu ermöglichen. Doch schon hier und jetzt kann und soll der Mensch über das Lassen und Verlassen zur Gelassenheit gelangen, zur Einheit mit Gott.

Mit seiner Wortschöpfung gelâzenheit stellte Meister Eckhart der deutschen Sprache ein Konzept zur Verfügung, das die Vielschichtigkeit eines Sachverhalts anzeigt, in dem Ruhe, Versenkung, Anbetung, Demut, Hingabe und Weisheit mitschwingen und welcher schließlich in der Erfahrung der Einheit mit Gott kulminiert. Es wird deutlich, dass er mit diesem Begriff den semantischen Wert der lateinischen Ausdrücke resignatio und tranquilitas ebenso sprengt wie den der griechischen Begriffe euthymia und henosis. Diese Begriffe kreisen den viel komplexeren Begriff der Gelassenheit nur ein, ohne seinen Kern zu treffen und ohne seine semantische Dichte und Fülle vollständig zu erschließen. Das gelingt erst mit der eingedeutschten Form der Konzepte, die all diese Nuancen vereint, denn Gelassenheit beinhaltet sowohl das Aufgeben und Loslassen (resignatio), die Ruhe (tranquilitas) als auch ein gutes Gemüt (euthymia) sowie schließlich die Einheit mit Gott (henosis), die Meister Eckhart zur unio mystica weiterdenkt.

Bei Meister Eckhart führt die Fokussierung auf den Begriff der Gelassenheit allerdings am Ende zur Übersteigerung des Konzepts, wenn er fordert, nicht nur von den weltlichen Dingen und Geschöpfen sowie von sich selbst zu lassen, um die mystische Einheit mit Gott zu erreichen, sondern schließlich sogar „um Gottes Willen“ und „durch Gott“ von Gott selbst: „Daz hoehste und daz naehste, daz der mensche gelâzen mac, daz ist, daz er got durch got lâze.“ Eine Radikalität des Verständnisses von Gelassenheit, die zum Häresieverdacht gegen Meister Eckhart führte und von seinen Epigonen (Tauler, Seuse) abgelehnt wurde.

Wirkung und Aktualität

Modewort

Einerseits ist Gelassenheit ein Modewort unserer Zeit. Es ist im Trend, locker, ruhig, entspannt, „cool“ zu sein. Wenn wir uns den Gelassenheitsbegriff ansehen, wie er heute alltagssprachlich Verwendung findet, dann scheint er eine gewisse Unangreifbarkeit zu beinhalten, eine trotzige, fast schon ignorante Treue zur eigenen Position, die unbeeindruckt ist von Welt und Wirklichkeit und die damit auch die Zwänge der Zeit zu verkennen droht.

Meditationsprinzip

Der Begriff Gelassenheit wird andererseits von vielen spirituellen Ansätzen innerhalb und außerhalb des katholisch-christlichen Glaubens als Ausgang und Ziel in den Mittelpunkt der jeweiligen rituellen Praxis gestellt. Dabei tritt eine Zirkularität des Verhältnisses von Ausgangsbasis und Zielrichtung zu Tage, denn innere Ruhe als ein Aspekt der Gelassenheit ist Bedingung für Meditation und Kontemplation, welche ihrerseits Methoden darstellen, zur Gelassenheit zu gelangen, als deren Folge wiederum innere Ruhe gilt. Zumindest partiell liegt dem Suchenden somit das Ziel bereits zu Beginn im Rücken; wünschenswerte Folgeerscheinungen sind zugleich Bedingungen ihrer Herbeiführung.
Zehn Gebote der Gelassenheit

Jenseits von Zeitgeist und Ritual hat Papst Johannes XXIII. für den katholischen Christen als Anregung und Ermutigung im Alltag Zehn Gebote der Gelassenheit formuliert, die in ihrem Bezug auf den gegenwärtigen Augenblick („Nur für heute“) eine Entlastung schaffen und dem Menschen ermöglichen sollen, das zu tun, was er tun kann und das Gott anzuvertrauen, was er (noch) nicht tun kann.

1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Nur für heute werde ich große Sorgfalt in mein Auftreten legen: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemand kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern - nur mich selbst.

3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin - nicht für die anderen, sondern auch für diese Welt.

4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist eine gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

6. Nur für heute werde ich eine gute Tat verbringen, und ich werde es niemandem erzählen.

7. Nur für heute werde ich etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun: sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.

8. Nur für heute werde ich fest glauben - selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten - , dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist - und ich werde an die Güte glauben.

10. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen - und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

Literatur

Bordat, J.: Gelassenheit. Ein Grundbegriff der Mystik Meister Eckharts
Fraling, B.: Gelassenheit. In: P. Dinzelbacher (Hrsg.): Wörterbuch der Mystik. Stuttgart 1989.
Panzig, E.: Gelâzenheit und abegescheidenheit. Eine Einführung in das theologische Denken des Meister Eckhart. Leipzig 2005.
Voigt, D. / Meck, S.: Gelassenheit. Geschichte und Bedeutung. Darmstadt 2005 (Rezension)
Seneca: Lob der Gelassenheit. Anti-Stress-Gedanken Verlag Neue Stadt (96 Seiten; ISBN 978-3-87996-739-1).



Gehorsam

Gehorsam ist, in der Nachfolge Christi, eine zentrale Lebenswirklichkeit der christlichen Existenz. Fiat voluntas tua, beten wir im Vater unser. Der Wille Gottes, des Vaters, möge verwirklicht werden, durch uns, so gut möglich. Insofern gehört das Hören des Wortes zu jeder katholischen Spiritualität.

Besonderer Gehorsam

Wer auf den Ruf Christi antwortet, ihm das Leben auf dem Wege der evangelischen Räte zu weihen, etwa in einem Orden, verpflichtet sich, aber (nur) im persönlichen Gehorsam gegenüber der Taufgnade und so im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes, zu strengeren Bindungen. Diese bringen eine konkrete Folgebereitschaft gegenüber den Dispositionen der Oberen insbesondere auch in den Fragen des Lebensalltags (und nicht nur der "Seelenführung") mit sich.

Über das Verhältnis von Autorität und Gehorsam hat der Hl. Stuhl an Pfingsten 2008 eine besondere Instruktion erlassen. Zitat: (Nr. 13 c): Es ist auch angebracht daran zu erinnern, dass vor der Mahnung zum Gehorsam - wo sie notwendig ist, die Liebe walten muss, - die unverzichtbar ist. Auch kann und darf das Wort communio weder als eine Art des Delegierens der Autorität an die Gemeinschaft verstanden werden, (wobei indirekt jeder dazu eingeladen würde, ,,zu tun und zu lassen, was er will’’), noch als eine mehr oder weniger verschleierte Aufdrängung des eigenen Standpunktes (,,jeder tue, was ich will’’).

Allgemeiner Gehorsam

Aber auch der Laie "in der Welt" schuldet in den geistlichen Dingen der Hierarchie echten, großzügigen Gehorsam, etwa die Kirchengebote betreffend. Je weiter eine Sachfrage aber von der eigentlich kirchlichen Zuständigkeit (einschließlich der Zuständigkeit für die sittliche Ordnung, das so gen. Naturgesetz) fernliegt, umso freier ist das pflichtgemäße Ermessen der Christen.

Nichts ohne den Bischof!

Das Presbyterium, aber das gilt separat auch für die Diakone, ist durch ein spezielles Gehorsamsband an den (Orts-) Bischof gebunden. Der Bischof vergegenwärtigt die Autorität der Apostel in seiner Ortskirche, wie ebenfalls dass Kollegium der Bischöfe mit dem Papst für die Weltkirche. Daher ist nach katholischer Auffassung einer "politischen Partizipation", im demokratischen Stil moderner Staatsordnungen, in der Kirche eine klare Grenze gesetzt, die "göttlichen Rechts" ist (also nicht kirchlicher Disposition untersteht, nicht einmal des Papstes oder eines Konzils; aktuelles Beispiel: die Unmöglichkeit der so gen. Frauenordination).

Konfliktfälle

Das Gesamtbild der Kirche, wie es das II. Vatikanum in Lumen gentium vorgelegt hat, ist nicht das einer spirituellen Armee (auch wenn sie "Kämpfer" nötig hat), in der möglichst alle "Dienstgrade" totale Unterwerfung unter das "Kommando" geloben, sondern das einer lebendigen Gemeinschaft. Um ihres wirklichen, "volk"haften Glaubenslebens willen ist sie hierarchisch gegliedert. Die Hierarchie ist aber kein Selbstzweck, sondern echter Dienst im Namen Christi. Insofern obliegt es jedem Bischof auch, immer wieder auf die notwendige Freiheit der Gotteskinder zu achten.

Bestimmte geistliche Gemeinschaften (vgl. Movimenti) geraten bisweilen in die Kritik, dass sie überzogene (spezielle) Gehorsamsansprüche an ihre Mitglieder zu richten; besonders dann, wenn eigentlich explizit keine "Gelübde" (siehe: Orden) verlangt werden. Tatsächlich ist das besondere Charisma eines Lebens im Weihestand ("Rätestand"; und der damit verbundene, engere Gehorsam, s.o.) nur eingeschränkt verallgemeinerungsfähig. Die Kirche kann eben nicht als ganze in ein (wenn auch untergliedertes) "Weltkloster" umgewandelt werden. In der weiteren Entwicklung wird hier sicherlich die erforderliche, katholische Balance gefunden werden.

Päpstliche Schreiben

Leo XIII.

17. Juni 1885 Apostolischer Brief Literae tuae filialis an Kardinal Guibert, Erzbischof von Paris über die Gehorsamspflicht der Schriftsteller in allem, was die Religion betrifft und über das Wirken der Kirche in einer katholischen Gesellschaft.

Paul VI.

Zweites Vatikanisches Konzil, in Perfectae caritatis über den Gehorsam der Ordensleute in Nr. 14

Benedikt XVI.

11. Mai 2008 Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und für die Gemeinschaften des apostolischen Lebens: Instruktion Der Dienst der Autorität und der Gehorsam.

Literatur

"Der Weg", Hl. Josemaría, Adamas Verlag (Wenn der Gehorsam dir keinen Frieden gibt, dann bist du hochmütig.)



Gebote der Liebe

Die Gebote der Liebe entstammen dem Alten Testament der Heiligen Schrift. Sie werden zu den Formeln der katholischen Lehre gezählt.

Diese Gebote sind:

1. "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft." (Dtn 6,5)

Dies ist die Aufforderung, Gott in allem mit ungeteiltem Herzen den Vorzug zu geben.

2. "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Lev 19,18)

Aus dem Wissen heraus, von Gott bedingungslos geliebt zu sein, kommt ein Selbstvertrauen, das Basis für gelungene Nächstenliebe ist. Wer sich von Gott geliebt weiß, kann sich selber in seiner Begrenztheit und Fehlerhaftigkeit annehmen. Nur wer sich selbst in rechter Weise liebt, kann andere Menschen lieben. In Abgrenzung zur Selbstliebe gibt es eine pathologische Form, den Egoismus, der nicht zu tolerieren ist und die Barmherzigkeit fordert.

Dieses Doppelgebot wird auch als Hauptgebot bezeichnet, weil Jesus selbst gelehrt hat, kein anderes Gebot sei grösser als diese beiden. (Mk 12,28-31)

Die beiden Teile sind von einander abhängig: man kann den Mitmenschen nicht ehren, ohne Gott, seinen Schöpfer zu preisen und man kann Gott nicht anbeten, ohne die Menschen, seine Geschöpfe zu lieben. (KKK 2069)



Buße

Buße[1] bedeutet, die Abkehr von der Sünde und die Zuwendung zu Gott. Sie bedeutet, dass uns eine begangene Sünde aus Herzensgrund (innerlich) schmerzt oder der Schmerz irgendwie (äußerlich) zum Ausdruck gebracht wird. Die Buße ist ein ständiger Vorgang im Leben des Christen.
Herkunft des Begriffs[2]

Die Wörter, die in verschiedenen Sprachen für diesen Begriff gebraucht werden, haben in der jeweiligen Alltagssprache sehr unterschiedliche Bedeutungen, was leicht zu Missverständnissen führen kann.

Das griechische Wort, das im Neuen Testament mit Buße übersetzt wird, ist μετάνοια metanoia, von νοεῖν noein, „denken“ und μετά meta, „um“ oder „nach“, wörtlich also etwa: „Umdenken, Sinnesänderung, Umkehr des Denkens“.
Der hebräische Begriff שוב schub, der in der Septuaginta mit metanoia übersetzt wird, umfasst eine Umkehr zu Gott nicht nur im Denken, sondern in der ganzen Existenz, was die Veränderung des Verhaltens, vor allem aber auch Gehorsam gegenüber Gott, neues Vertrauen zu ihm ebenso einschließt wie die Abkehr von allen bösen und widergöttlichen menschlichen Neigungen und Schwächen.
Ins Lateinische wurde metanoia mit paenitentia, „Reue, Buße“, übersetzt, häufig abgeschliffen zu poenitentia und unzutreffend abgeleitet von poena, „Strafe“.
Im Deutschen wurde das Wort Buße verwendet, das sprachlich mit baß, besser, verwandt ist und ursprünglich „Nutzen, Vorteil“ bedeutet. Es bezeichnete also die Genugtuung des Sünders gegenüber Gott, woraus sich die jetzige (untheologische) Bedeutung „von außen auferlegte Strafe oder Wiedergutmachung, die unabhängig von der inneren Einstellung ist“ entwickelt.[3]

Jesus nimmt die Buße für uns auf sich

Die Buße führt über die Erkenntnis der eigenen Schuld (Ijob 42, 6) zu den rechtschaffenen Werken des neuen Lebens (Apg 26, 20), die die Abkehr von der bisherigen Lebensführung einschließen (Röm 6, 1f). Jesus Christus gilt hier als Sühneopfer für die Erbsünde und die Sünde aller Menschen:

Am Beginn des Wirkens Jesu, hat er sich von Johannes dem Täufer die Bußtaufe, stellvertretend für uns Menschen, spenden lassen. Am Ende des Lebens des Hohenpriesters, hat er durch seinen Opfertod am Kreuz und seine Auferstehung für alle Schuld der Welt, von Adam an, für alle Menschen vor Gott, dem Vater, genug getan, um die verlorene Menschheit wieder in die Gotteskindschaft zu führen (Bluttaufe). Diese einzige vollkomene stellvetretende Wiedergutmachung, für uns Menschen und zu unserem Heil, hätte kein Geschöpf aus eigener Kraft je vollbringen können.

Die innere Buße (Bußgesinnung)

Jesus Christus und die Propheten rufen auf zur inneren Buße, das ist die Bekehrung[4] des Herzens. Die "innere Buße ist eine Neuausrichtung des ganzen Lebens, Rückkehr, Umkehr zu Gott aus ganzem Herzen, Verzicht auf Sünde, Abwendung vom Bösen, verbunden mit einer Abneigung gegen die bösen Taten, die man begangen hat. Gleichzeitig bringt sie das Verlangen und den Entschluß mit sich, das Leben zu ändern, sowie die Hoffnung auf das göttliche Erbarmen und das Vertrauen auf seine Gnadenhilfe. Diese Umkehr des Herzens ist von heilsamem Schmerz und heilender Traurigkeit begleitet, die die Kirchenväter „animi cruciatus" (Seelenschmerz), „compunctio cordis" (Herzensreue) nannten."[5]

Erreichung der Bußgesinnung

"Das Herz des Menschen ist schwerfällig und verhärtet. Gott muss dem Menschen ein neues Herz geben (Vgl. Ez 36,26-27). Die Umkehr ist zunächst Werk der Gnade Gottes, der unsere Herzen zu sich heimkehren läßt: „Kehre uns, Herr, dir zu, dann können wir uns zu dir bekehren" (Klgl 5,21). Gott gibt uns die Kraft zu einem Neubeginn. Wenn unser Herz die Größe und Liebe Gottes entdeckt, wird es von Abscheu vor der Sünde und von ihrer Last erschüttert. Es beginnt davor zurückzuschrecken, Gott durch die Sünde zu beleidigen und so von ihm getrennt zu werden. Das Menschenherz bekehrt sich, wenn es auf den schaut, den unsere Sünden durchbohrt haben."[6] Der Heilige Geist ist der Beistand (Vgl. Joh 15, 26), der dem Herzen des Menschen die Gnade der Reue und der Umkehr schenkt.[7]

Ohne die Bußgesinnung bleiben die äußeren Bußwerke "unfruchtbar und unehrlich. Die innere Umkehr drängt dazu, diese Haltung in sichtbaren Zeichen, in Handlungen und Werken der Buße[8] zum Ausdruck zu bringen".

Die äußere Buße (Bußwerke)

"Die innere Buße des Christen kann in sehr verschiedener Weise Ausdruck finden. Die Schrift und die Väter sprechen hauptsächlich von drei Formen: Fasten, Beten und Almosengeben (Vgl. Tob 12,8; Mt 6,1-18) als Äußerungen der Buße gegenüber sich selbst, gegenüber Gott und gegenüber den Mitmenschen. Neben der durchgreifenden Läuterung, die durch die Taufe oder das Martyrium bewirkt wird, nennen sie als Mittel, um Vergebung der Sünden zu erlangen, die Bemühungen, sich mit seinem Nächsten zu versöhnen, die Tränen der Buße, die Sorge um das Heil des Nächsten‘, die Fürbitte der Heiligen und die tätige Nächstenliebe - „denn die Liebe deckt viele Sünden zu" (1 Petr 4, 8)."[9]

"Bekehrung geschieht im täglichen Leben durch Taten der Versöhnung, durch Sorge für die Armen, durch Ausübung und Verteidigung der Gerechtigkeit und des Rechts (vgl. Jak 5,20), durch Geständnis der eigenen Fehler, durch die brüderliche Zurechtweisung, die Überprüfung des eigenen Lebenswandels, die Gewissenserforschung, die Seelenführung, die Annahme der Leiden und das Ausharren in der Verfolgung um der Gerechtigkeit willen. Jeden Tag sein Kreuz auf sich nehmen und Christus nachgehen ist der sicherste Weg der Buße."[10] Das Volk Gottes verwirklicht auch eine fortwährende Buße, indem es "durch sein Dulden teilhat am Leiden Christi (vgl. 1 Petr 4,13), Leibliche Werke der Barmherzigkeit, Geistige Werke der Barmherzigkeit und der Werke der Liebe übt (Vgl. 1 Petr 4,8) und sich gemäß dem Evangelium Christi täglich mehr bekehrt. So wird es in der Welt zum Zeichen der Hinkehr zu Gott".[11]

Die liturgische Buße (Beichte)

Das Sakrament der Buße ist der liturgische Ausdruck der Bekehrung, der zugleich die Zusage der Vergebung Gottes und die Versöhnung mit der Kirche zum Ausdruck bringt (vgl. LG 11). Es enthält also "zwei Elemente, die gleichermaßen wesentlich sind: einerseits das Handeln des Menschen, der sich unter dem Walten des Heiligen Geistes bekehrt, nämlich Reue, Bekenntnis und Genugtuung; andererseits das Handeln Gottes durch den Dienst der Kirche." Die Kirche schenkt durch Bischof und Priester im Namen Jesu Christi die Sündenvergebung und bestimmt die Art und Weise der Genugtuung, sie "betet für den Sünder und leistet mit ihm Buße".[12]

"Christus hat das Bußsakrament für alle sündigen Glieder seiner Kirche eingesetzt, vor allem für jene, die nach der Taufe in schwere Sünde gefallen sind und so die Taufgnade verloren und die kirchliche Gemeinschaft verletzt haben. Ihnen bietet das Sakrament der Buße eine neue Möglichkeit, sich zu bekehren und die Gnade der Rechtfertigung wiederzuerlangen."[13]

Bußzeiten im Kirchenjahr

Bußzeiten und -tage im Laufe des Kirchenjahres sind der Advent, die Fastenzeit (österliche Bußzeit), jeder Freitag zum Gedächtnis des Todes des Herrn . Sie sind prägende Zeiten im Bußleben der Kirche (vgl. Lk 9,23). Diese Zeiten eignen sich ganz besonders zu Exerzitien, Bußliturgien und Bußwallfahrten, zu freiwilligen Verzichten etwa durch Fasten und Almosengeben, und zum Teilen mit den Mitmenschen (karitative und missionarische Werke.[14]

"In der Katechese der Bußzeiten soll den Gläubigen gleichzeitig mit den sozialen Folgen der Sünde das eigentliche Wesen der Buße eingeschärft werden, welche die Sünde verabscheut, insofern sie eine Beleidigung Gottes ist; dabei ist die Rolle der Kirche im Bußgeschehen wohl zu beachten und das Gebet für die Sünder sehr zu betonen.[15] Schließlich sollen "Werke der Frömmigkeit, Buße und Liebe" erfolgen. "All diesen Mitteln ist das eine gemeinsam, dass sie Heiligung und Läuterung um so stärker bewirken, je enger man mit Christus, dem Haupte, und der [[Mystischer Leib Christi|Kirche, seinem Leibe, in Liebe verbunden ist. Die überragende Bedeutung der Liebe im christlichen Leben wird auch durch die Ablässe bestätigt. Denn Ablässe können nicht ohne aufrichtige Metanoia und Verbindung mit Gott gewonnen werden" (Indulgentiarum doctrina, Nr. 11).

Konversion

Konversion meint den radikalen Vorgang einer Lebensumkehr, in welchem ein Mensch seine Glaubensüberzeugung überdenkt, die Lebensweise grundlegend ändert und etwa, wenn nötig, die Aufnahme in eine andere Religionsgemeinschaft anstrebt. Sie bedeutet das Streben nach einer tieferen Wahrheitserkenntnis und eine ernste Gewissensentscheidung.

Lehramt

Julius III.

25. November 1551 Konzil von Trient Sacrosancta oecumenica (4) über das Sakrament der Buße und der Letzen Ölung, 4. Kapitel: Von der Buße..

Pius V.

1566 Catechismus Romanus, gemäß des Beschlusses des Konzils von Trient für die Seelsorger als Zusammenfassung der katholischen Glaubenslehre für den Unterricht, II. Teil: Von den Sakramenten, Fünftes Kapitel: Vom Bußsakrament, Nr. 1-9.

Paul VI.

17. Februar 1966 Apostolische Konstitution Paenitemini über die kirchliche Fasten- und Bußdisziplin.
1966 Deutsche Bischofskonferenz über die neue kirchliche Bußordnung für die Fastenzeit und die Freitage des Jahres nach der Bußkonstitution Paenitemini.
September 1970 Deutsche Bischofskonferenz: Neue kirchliche Bußordnung. Sie trat am 1. Adventssonntag 1970 in Kraft.
2. Dezember 1973 Kongregation für den Gottesdienst: Reconciliationem inter deum et homines mit Ordo paenitentiae. Die neue Ordnung der Beichte, Nr. 4.
1974 Die Feier der Buße nach dem neuen Rituale Romanum.

Johannes Paul II.

2. Dezember 1984 Nachsynodales Schreiben Reconciliatio et paenitentia über Versöhnung und Buße in der Sendung der Kirche heute.
24. November 1986 Weisungen der DBK zur kirchlichen Bußpraxis, zur Sonntagsfeier und zur Osterkommunion (PBE 134. Jg. [1987] S. 33f.)
1992 Katechismus der Katholischen Kirche Nrn. 1430-1449.

Literatur

Ambrosius von Mailand: Über die Buße (De paenitentia)

Anmerkungen

1. ↑ Das lateinische Wort poenitentia (poenitere) bedeutet ebenso Buße wie Reue.
2. ↑ Dieser Abschnitt ist aus der Wikipedia.
3. ↑ Der Duden, Bd. 7: Herkunftswörterbuch; Mannheim, Wien, Zürich 19892.
4. ↑ Allgemein wird der Ausdruck „Bekehrung“ verwendet, um auf die Notwendigkeit hinzuweisen, die Heiden zur Kirche zu bringen. Doch in seiner eigentlich christlichen Bedeutung meint „Bekehrung“ (metanoia) eine Änderung des Denkens und des Handelns, die das neue, vom Glauben verkündete Leben in Christus zum Ausdruck bringt: Es geht dabei um eine fortwährende Erneuerung im Denken und im Tun, um immer mehr mit Christus eins zu werden (vgl. Gal 2,20), wozu in erster Linie die Getauften berufen sind. Das ist zumal die Bedeutung der Einladung, die Jesus ausgesprochen hat: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15, vgl. Mt 4,17): siehe: Kongregation für die Glaubenslehre Lehrmäßige Note zu einigen Aspekten der Evangelisierung vom 3. Dezember 2007, Nr. 9.
5. ↑ Wörtlich aus: KKK 1430; vgl. Konzil von Trient: DS 1676-1678; 1705; CaRo 2,5,4; Catechismus Romanus, Erster Teil: Die Tugend der Buße oder die Bußgesinnung.
6. ↑ Wörtlich aus: KKK 1432; vgl. Joh 19,37 EU; Sach 12,10 EU.
7. ↑ Vgl. KKK 1433; Apg 2,36-38 EU; Dei verbum 27-48.
8. ↑ Wörtlich aus: KKK 1430; vgl. Joël 2,12-13; Jes 1,16-17; Mt 6,1-6.16-18.
9. ↑ Wörtlich aus: KKK 1434
10. ↑ Wörtlich aus: KKK 1435
11. ↑ Wörtlich aus: Kongregation für den Gottesdienst: Ordo paenitentiae vom 2. Dezember 1973, Nr. 4.
12. ↑ Weitgehend wörtlich aus: KKK 1448; vgl. auch: Kirchenbuße im Pierer's Universal-Lexikon.
13. ↑ Wörtlich aus: KKK 1446; vgl. Catechismus Romanus, Zweiter Teil: Das Sakrament der Buße.
14. ↑ Weitgehend wörtlich aus KKK 1438
15. ↑ Wörtlich aus: SC 109

(Quelle: www.kathpedia.com  abgerufen am 10.03.2019)