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Fastenzeit


Fastenzeit

Als Fastenzeit bezeichnet die römisch-katholische Kirche die Vorbereitungszeit auf Ostern, ein vierzigtägiges gebotenes Fasten. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird sie auch als Österliche Bußzeit bezeichnet. Sie beginnt am Aschermittwoch und endigt am Gründonnerstag, es schließt sich das strengere Osterfasten am Karfreitag und Karsamstag an.[1]

In der Heiligen Schrift begegnen uns die Hinweise zur bedeutsamen Zahl 40 der Fastenzeit. Vierzig Tage und vierzig Nächte strömte der Regen der strafenden und sühnenden Sintflut. Vierzig Jahre mußte das Volk Israel vor dem Einzug in das Gelobte Land in der Wüste ausharren und wandern. Vierzig Tage fastete Moses, ehe er von Gott auf dem Berg Sinai die zehn Gebote für sein Volk empfing. Unter vierzigtägigem Fasten pilgerte der Prophet Elias zum Berge Horeb durch die Wüste und hatte dann seine Gotteserfahrung. Vierzig Tage und Nächte fastete Jesus Christus selbst nach seiner Taufe in der Wüste vor seinem öffentlichen Auftreten und Lehren, vor der Verkündigung der Frohbotschaft und des Gesetzes des Neuen Bundes.

Tatsächlich sind es 46 Tage, die hier zusammengefaßt werden, aber weil an den Sonntagen nicht gefastet wird, kommt man somit auf die 40 Tage Fastenzeit. Die römisch-katholische Kirche begeht die Fastenzeit mit Buße, Opfern und mit besonders eifrigem Gebet. Zum Zeichen der beginnenden Bußzeit wird am Aschermittwoch Asche geweiht und den Gläubigen auf das Haupt gestreut mit den Worten: "Gedenke, o Mensch, daß du Staub bist und wieder zu Staub wirst !". Die Asche gilt als Symbol der Vergänglichkeit menschlichen Lebens.

"Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht !", heißt es in der Bibel (Matth. 6,16). Fasten bedeutet, sich nur einmal am Tag satt zu essen und das Abstinenzgebot verlangt einen Verzicht auf Fleischspeisen. Deshalb bedeutet Fasten im biblischen Sinne, mit den Gaben Gottes und seiner Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen und diese maßvoll zu gebrauchen.

Die Fastenzeit soll eine stille und ernste Zeit der Besinnung sein. Ein Mittel, um die Früchte der Fastenzeit zu sichern, ist der Geist der Zurückgezogenheit. Der Christ soll daher gerade an diesen Tagen die eitlen Vergnügungen und weltlichen Unterhaltungen meiden. Wenn der Heiland leidet, sollen wir uns nicht vergnügen. Die Freitage der Fastenzeit sind Abstinenztage. Der Priester trägt das violette Meßgewand. Die Orgel schweigt, die Blumen und der Schmuck der Kirche fehlen. Das Gloria fällt aus. Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Die Karwoche heißt Leidenswoche oder Klagewoche. Am Gründonnerstag wird die Einsetzung des allerheiligsten Altarsakramentes gefeiert. Nachher wird das Allerheiligste vom Hochaltar weggetragen. Die Glocken verstummen. Der Bischof weiht die heiligen Öle. Am Karfreitag ist keine heilige Messe. Der Gottesdienst hat fünf Teile: Lesungen aus dem Alten Testament, Leidensgeschichte des Heilandes, Fürbitten für alle Menschen, Kreuzenthüllung und Kreuzverehrung, "Messe" der vorgeheiligten Gaben. Nachher verehren die Gläubigen das heilige Kreuz. Am Karsamstag werden Feuer, Osterkerze und Taufwasser geweiht. Die Kirche begeht die Auferstehungsfeier. Im Hochamt wird feierlich der Osterruf, das Alleluja, angestimmt.


Geschichte

Jesus Christus selbst hatte im Hinblick auf sein Leiden und seine Getreuen vorausgesagt: "Es werden Tage kommen, da ihnen der Bräutigam entrissen wird, und dann werden sie fasten" (Matth. 9,15). In diesen Worten liegt der Keim der heiligen Fastenzeit. Im Anschluß an die apostolische Zeit bestand im 2. Jahrhundert die Übung, vom feierlichen Gedächtnistage des Opfertodes Jesus Christus bis zum Auferstehungsfeste aufs strengste zu fasten. Viele genossen damals am Karfreitag und Karsamstag keinerlei Speis und Trank. Dieses Fasten war ein tatsächliches Mitleiden mit dem Herrn und eine heiligende Vorbereitung auf Ostern. Es war Leidens- und Osterfasten. Im 3. Jahrhundert hatte es sich auf die Werktage der ganzen Karwoche ausgedehnt, aber mit unterschiedlicher Strenge. Kaum hundert Jahre später, am Ende der Märtyrerzeit nach dem Frieden der Kirche unter Konstantin des Großen († 337), finden wir das Osterfasten auf 36 Tage angewachsen. Wohl zuerst in der Mutterkirche von Rom wurde nach Gregor dem Großen († 604) die Zahl auf 40 erhöht und mit dem Aschermittwoch begonnen. So wurde das Osterfasten eine lebendige Erinnerung an das 40tägige Wüstenfasten des Heilandes. Der uralte lateinische Name Quadragesima für diesen Zeitraum des Kirchenjahres besagt zunächst nur: "Vierzig Tage", nämlich vor Ostern, der einst den Anfang des Osterfastens bestimmte. Mittelbar bezeichnet das Wort auch die ganze Fastenzeit. Im 6. bzw. 7. Jahrhundert setzte sich durch, dass der Sonntag ein Festtag ist, der nicht zur Fastenzeit gehört.

Bis zur Liturgiereform (1969) und im außerordentlichen Ritus gibt es eine Vorfastenzeit. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf die Fastenzeit, diese umfasste den 1. Sonntag der Vorfastenzeit namens Septuagesima (lateinisch: "der siebzigste") , der 2. Sonntag der Vorfastenzeit wird Sexagesima (lateinisch: "der sechzigste" Tag) und der letzte Sonntag der Vorfastenzeit wird Quinquagesima (lateinisch: "der fünfzigste") genannt.


Päpstliches Schreiben

16. Januar 1988 Kongregation für den Gottesdienst: Rundschreiben Paschalis sollemnitatis über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung, Die Fastenzeit, Nr. 6-26.


Ablass

Ein vollkommener Ablass wird unter gewöhnlichen Bedingungen demjenigen Christgläubigen gewährt, der an einem Freitag der österlichen Bußzeit, nach dem sakramentalen Kommunionempfang, das Gebet »Siehe, o guter und lieber Jesus« vor dem Bild des Gekreuzigten andächtig betet (vgl. Enchiridion indulgentiarum 1999).


Literatur

Benedikt XVI.: Lasst euch mit Gott versöhnen. Mit dem Heiligen Vater durch die Fastenzeit. Sankt Ulrich Verlag (144 Seiten; ISBN 978-3-86744-162-9 ).
Ludwig Gschwind: Starkbier und Aschenkreuz : Geschichten zur Fastenzeit Sankt Ulrich Verlag 2011 (144 Seiten; ISBN 978-3-86744-168-1).
Laura Ngaba Tinzoh: Aus dem Inneren heraus. Eine spirituelle Begleitung für Gebet und Fasten Dominus Verlag Augsburg 2018 (Paperback, 192 S.; ISBN 978-3-940879-55-4).
Kreuzeslob. Katholisches Gebets- und Gesangbuch zum Leiden Christi. Mit Texten von Papst Benedikt XVI.. Fe Medienverlag 2011 (DIN A 6; 960 Seiten; 6. Auflage; Kirchliche Druckerlaubnis Regensburg, den 24. April 2011 Der Generalvikar Michael Fuchs; ISBN 978-3-86357-004-0).
Ludger Hohn-Morisch, Ich schenk mir einen Augenblick. Gute Gedanken für alle Tage der Fasten- und Osterzeit, 173 Seiten, Verlag: Herder, Freiburg, Auflage: 1 (2006) ISBN-10: 3451290227
Hans Weihe: Christusgebete, Band 2.1. Impulse für die österliche Buß- und Umkehrzeit Impulse für eine eucharistische Spiritualität Gesamtausgabe der 7 Bände. Bernardus Verlag ISBN 10: 3-910082-27-0
Herbert Winklehner: Wer liebt, bleibt nicht im Tod. Mit Franz von Sales durch die Fastenzeit Franz Sales Verlag (112 Seiten; ISBN 978-3-7721-0274-5).
Josef Bommer: Fastenzeit - Heilige Woche. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz 1979 (48 Seiten; ISBN 3857640839).


Anmerkungen

1. ↑ Andreas Heinz: Art. Fastenzeit. In: LThK 3, Bd. 3, Sp. 1194.

(Quelle: www.kathpedia.com abgerufen am 11.03.2019)