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Evangelische Landeskirche - Quo vadis?

Posted on June 19, 2014 at 8:55 AM

Zum Papier „Orientierungslinien zur ethisch-theologischen Urteilsbildung am Beispiel der strittigen Bewertung von Homosexualität in christlicher Perspektive“

 

Beim eben veröffentlichten Papier der VELKD (siehe hier: http://www.ekd.de/presse/pm112_2014_texte_umgang_homosexualitaet_velkd.html) drängt sich eine Frage auf: Haben wir hierfür die „Reformation“ gebraucht? Oder anders ausgedrückt: Wer braucht diese VELKD eigentlich noch, die weder Fisch noch Fleisch ist?

Gehen wir etwas näher auf dieses Papier ein:

 

Es beginnt ja schon in der Überschrift: So wichtig eine „ethisch-theologische Urteilsbildung“ im Zusammenhang mit der (immer zu schulenden!) Gewissensbildung des Einzelnen ist, so unverständlich ist sie für eine Kirche/Gemeinschaft als Ganzes. Zu derart zentralen Fragen kann es nicht einer persönlichen Urteilsbildung überlassen bleiben, wie man/frau dazu steht – das wäre nichts anderes als moralischer Relativismus (jeder bestimmt selbst, was richtig und falsch ist) oder ein „Cafeteria-Christentum“, bei denen man/frau sich seinen Glauben selbst aus Versatzstücken unterschiedlichster Religionen oder persönlicher Vorlieben zusammensetzt.

Was die „strittige Bewertung“ angeht, so ist die vielleicht bei einzelnen Menschen strittig, aber nochmals: Wenn diese Bewertung bei der Kirche/Gemeinschaft als ganzer strittig ist, liegt etwas im Argen. Hier muss jedoch fairerweise hinzugefügt werden, dass einige Katholiken hier – leider - durchaus gleichziehen, wenngleich auch nicht die Katholische Kirche als ganze.

 

Beginnt man dann die Einleitung von Landesbischof Gerhard Ulrich zu lesen (wohlgemerkt soll dieser Text ja eine „Anleitung zur ethischen Urteilsbildung“sein), stellt sich die durchaus berechtigte Frage, warum ein solcher für die Allgemeinheit angelegter Text nicht auch in klarer, allgemein verständlicher Sprache gehalten ist. Wer in „hochgestochenen“ theologischen Phrasen spricht, ist sich möglicherweise selbst nicht über das Thema im Klaren. Eigentlich habe ich schon bei der Einleitung keine Lust mehr, weiter zu lesen, aber was soll’s.

Im Weiteren ist die Rede von einem „moralischen Apell“, zu dem die „vermeintliche Evidenz moralischer Normen“ führen kann, wenn „die auf die ihr vorausliegenden Gründe nicht mehr kritisch hinterfragt werden können“ (gemeint sind die persönlichen Entscheidungen).

Vereinfacht man diesen unerträglichen Schreibstil, so heißt das in etwa: „Moralische Normen sind nicht so klar und offensichtlich, wie man manchmal meint. Man muss zu deren Beurteilung auch auf die jeweiligen Beweggründe des Einzelnen achten“.

 

Die jeweiligen Beweggründe und die sonstigen Umstände sind natürlich immer in die moralische Bewertung mit einzubeziehen, daraus aber zu folgern, dass es keine klaren und offensichtlichen Normen mehr geben darf, ist – nochmals – moralischer Relativismus. Eine Religion, in der es keine allgemeine Übereinstimmung mehr gibt über das, was wahr, richtig, moralisch und natürlich ist, ist zum Scheitern verurteilt – ebenso wie jede weltliche Gesellschaft auch.

 

In der Bibel finden wir beides: Kulturell bzw. zeitlich bedingte Vorschriften (etwa bezüglich Kleidung, Aussehen, Essen), aber auch allgemein gültige Normen, die alle biblischen Bücher hindurch, also in verschiedensten Kulturen und Zeiten wiederholt und damit als allgemeiner Standard bestätigt wurden. Auf die Frage etwa, ob eine Ehescheidung unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist, hat Jesus nicht einfach nur mit „ja“ oder „nein“ geantwortet. Er hat ganz bewusst den Standard aus Genesis bekräftigt: die heterosexuelle, monogame und lebenslange Ehe. Wenn Er uns aber derart offensichtlich und deutlich sagt, was richtig ist, muss Er dann noch eine lange Liste dessen anfügen, was falsch ist? Wohl kaum.

 

Weiter im Text:

 

„Ethische Fragen stellen sich in konkreten Problemlagen; sie stehen in einem bestimmten kulturellen, gesellschaftspolitischen oder wissenschaftlichen Kontext – beispielsweise der Medizin – und sind daher auf konkrete Herausforderungen bezogen. Da die Lebenswelten, in denen Menschen sich orientieren, entscheiden und handeln müssen, einem dynamischen Veränderungsprozess unterliegen, stellen sich die damit verbundenen ethischen Problemlagen in jeder Zeit in neuer und anderer Weise und fordern jede Zeit her¬aus, ihre eigenen Antworten zu finden. Dem entspricht die Tatsache, dass die Verantwortung für ethische Entscheidungen und ethisches Handeln nicht auf theoretisch-abstrakte oder allgemeine Weise wahrgenommen werden kann, sondern stets nur von individuellen Handlungssubjekten, die in bestimmten Rollenzuständigkeiten und als Partner komplexer Interaktionsgefüge agieren müssen.“

 

Ja, ethische Fragen stellen sich in konkreten Problemlagen. Genau deshalb ist es wichtig, dass hierfür klare, allgemein gültige und allgemein verständliche Normen vorhanden sind. Ansonsten wird das Christentum zu dem, was es vielerorts bereits ist: Ein lauwarmes Allerlei, das kein Mensch wirklich braucht. Gäbe es bestimmte „theoretisch-abstrakte“ Richtlinien nicht, an was sollten sich die Gläubigen dann orientieren. Bereits die Bibel warnt uns davor, dass unser Herz trügerisch sei. Wollen wir derartig wichtige Entscheidungen wirklich – abweichend von der Bibel! – der Einzelfallentscheidung überlassen?

 

Genau dieser unklare Mischmasch von dem, was nun gelten soll und was nicht, ist übrigens einer der Gründe, die den Islam für viele spirituell Suchende so attraktiv macht. Hier gibt es klare und nachvollziehbare Regeln.

 

„Einer bestimmten biblischen Aussage zu einer ethischen Frage lässt sich nicht unmittelbar eine Handlungsdirektive entnehmen.“

 

Es ist kaum zu glauben, zu was sich das protestantische Prinzip der „Sola Scriptura“ (die Bibel als alleinige Autorität, die von jedem verstanden und angewendet werden kann) entwickelt hat. Selbstverständlich beinhaltet die Bibelinterpretation Aspekte wie den Kontext in der Bibel selbst, den alt- und neutestamentlichen Hintergrund, die damalige historische und kulturelle Situation, die heutige Situation. Dies darf aber keineswegs bedeuten, dass es etwa dem heutigen Stand der Wissenschaft überlassen bleibt, ob und inwiefern eine Bibelstelle, die einen allgemein gültigen Standard wiedergibt, zum Tragen kommt. Anders ausgedrückt: Dann könnten wir die Bibel in den Müll werfen und uns unsere Religion selbst zusammen basteln (und nichts anderes tun ja viele „Gläubige“ heute! Wie sollten sie auch anders, wenn ihnen von denen, denen die Glaubensvermittlung, Glaubensweitergabe und Glaubensbegründung obliegt, so etwas erzählt wird).

 

„Angesichts dieser unhintergehbaren Vermittlungsleistung ist jede Gegenwart aufs Neue herausgefordert, zu den spezifischen Fragen und Problemen der eigenen Zeit eigenverantwortete Antworten zu finden.“

 

Dies ist ein grundfalsches und gefährliches Verständnis der Auslegung der Bibel. Hierfür hätten wir wahrlich keine „Reformation“ gebraucht. Ja, jede Generation muss die grundlegenden Aussagen der Heiligen Schrift für die Menschen von heute verständlich machen, was aber nicht heißt, dass hier „eigenverantwortliche Antworten“ gefunden werden sollen, also das, was jeder selbst für richtig hält. Wofür bräuchte man dann noch eine Religion?

 

„Wie Martin Luther immer wieder betont hat, legt sich die Schrift selbst aus, d. h. die biblischen Texte bringen sich in ihrer Wirksamkeit beim Leser oder Hörer selbst zur Geltung. (…;) Dazu gehört, „dass die Schrift in der Begegnung mit einem Interpreten selbst die Initiative ergreift und sich selbst verständlich macht; sie ist Interpretin ihrer selbst und bedarf dessen nicht, dass ein Mensch – wer auch immer – ihr mit seiner Auslegungskunst erst auf die Sprünge hilft“

Und wieder sind wir bei dem tragischen Irrtum der „Sola Scriptura“ (ein Prinzip übrigens, dass nicht biblisch begründet ist – ganz im Gegenteil!). Wenn die Bibel sich selbst verständlich macht, der Heilige Geist also jeden Einzelnen im Verständnis leitet, warum haben wir dann ca. 40.000 verschiedene protestantische „Kirchen“ weltweit, die sich alle als „biblisch“ begreifen, aber teils enorm in ihren Glaubensüberzeugungen voneinander abweichen? Entweder ist der Heilige Geist hier etwas verwirrt (was mit Sicherheit nicht der Fall ist!) oder das Prinzip der „Sola Scriptura“ ist nicht nur grundfalsch, sondern gefährlich. Es gibt nicht einen einzigen Bibelvers, der dieses Prinzip bestätigt!! Ja, die Bibel ist ausreichend, nützlich etc. – aber nicht die Bibel ALLEIN! Die Bibel selbst weist uns immer wieder auf die Ältesten usw. hin, an die wir uns wenden sollen, auch und gerade, wenn es um deren Verständnis geht!

 

Ähnlich geht es weiter:

 

„Der Glaube, den die Schrift zu wecken vermag, ist nicht Glaube an „etwas“ in dem Sinne, dass ich eine gegenständliche Aussage für wahr halte, sie mir einleuchtet und ich ihr zustimme.“

Natürlich muss ich u.a. oben genannte Prinzipien zur Auslegung der Heiligen Schrift befolgen, es ist aber durchaus so, dass ich dem glaube, was da steht, sowie dem, der sich hier offenbart. Da der Einzelne hiermit völlig überfordert ist, leitet uns die Kirche im Verständnis dessen, was hier steht und wie es zu verstehen ist. Jesus selbst hat uns versprochen, dass Er uns den Heiligen Geist hinterlassen werde, der bei der Kirche als solcher bleibt und sie leiten und beschützen wird! Wofür sonst bräuchte ich denn dann eine Bibel oder ein allgemeines Glaubensbekenntnis – oder eine organisierte Religion an sich, wenn ich selbst Gott „spielen“ darf? Warum überhaupt noch in einen Gottesdienst gehen oder Glied einer Gemeinde sein, wenn ich das alleine auch ganz gut hinbekomme?

 

„Die Aussagen der Schrift wecken Glauben, indem sie übersetzt werden in persönliche Selbstdeutungsvollzüge“

 

Das Drama nimmt seinen Lauf. Jeder soll also für sich persönlich die Aussagen der Schrift deuten – „aufgrund der Selbsterschließungskraft der Schrift“. Was für ein Armutszeugnis für eine Religionsgemeinschaft!

 

Als „Argumentationshilfe“ wird angeführt, man solle sich schließlich nicht „an“ die Schrift halten, sondern „in“ der Schrift bleiben. Hier stellt sich jedoch die Frage, was das dann heißen soll – jeder legt für sich etwas aus, in dem er/sie dann bleibt. Wenn es noch nicht einmal einen Konsens dessen gibt, „worin“ ich bleiben soll, über was reden wir dann hier eigentlich?

Dieses Papier wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Wahrscheinlich ist das auch noch gewollt.

 

Weiter ist die Rede von der „Gewissensbindung“ des Einzelnen, wobei das Gewissen theologisch und nicht etwa moralisch verstanden wird. Selbstverständlich ist das – moralische wie theologische (also ob man diese beiden trennen könnte!) – Gewissen eine ernstzunehmende und zu respektierende Größe. ABER: Das Gewissen existiert nicht im luftleeren Raum und ist auch nicht den persönlichen Gefühlen, augenblicklichen Meinungen und Überzeugungen unterworfen. Verbunden mit der Anerkennung der Gewissensentscheidung muss für einen Christen immer auch die permanente Schulung dieses Gewissens sein: Was lehrt die Kirche als lebendiger Leib Christi und warum lehrt sie es? Wie sind die Aussagen der Heiligen Schrift zu verstehen? All dies auf Basis einer täglichen spirituellen Struktur im eigenen Leben – verbunden mit Bibelstudium, Gottesdienstbesuch, Gebet, Glaubensverkündung, einem gottgefälligen Leben, Werken der Barmherzigkeit und der Liebe etc. NUR DANN ist eine Gewissensentscheidung als solche als moralische wie theologische Größe zu respektieren!

 

Wenn ich nun weiter im Text lese, werde ich das Gefühl nicht los, dass hier mit theologischen Phrasen ein ungeheurer Spagat vollzogen werden soll, um aus einem klaren und unwiderlegbaren „nein“ ein „ja“ oder zumindest ein „vielleicht“ zu machen und dem Ganzen damit einen wissenschaftlichen und glaubhaften Anstrich zu geben. Theologie auf ihrem Tiefststand.

 

Ja, die Kirche muss die „Lebensrealität“ berücksichtigen und ihre Lehre (die Lehre der Bibel!) rational begründen, ja den Glauben an sich rational begründen, sie darf sich ihr aber nie und nimmer „anpassen“! Dies wird zwar bewusst von einer Anpassung an den „Zeitgeist“ getrennt, aber egal wie man das schön redet und weg diskutieren will, letztendlich läuft es doch genau darauf hinaus!

 

Ach ja, liebe Theologinnen und Theologen: Wenn ich die Wörter: „entfaltet“, „erschließt“ oder „Spannung“ nochmal höre oder lese, fange ich zu schreien an! Wer nicht in der Sprache der Gläubigen reden kann oder will, sollte es besser bleiben lassen!

 

„Anderseits ist auch zu konstatieren, dass im Zuge der Emanzipation von Minderheiten, der Entwicklung der Toleranzfähigkeit und rechtlicher Gleichstellungsmaßnahmen gerade in den modernen westlichen Gesellschaften die selbstbewusste Ausbildung einer homosexuellen Identität, die die Person als ganze prägt, befördert und schließlich auch legalisiert worden ist.“

Was die Schwulenbewegung in den letzten Jahren unternommen hat, hat mit „Emanzipation“, „Toleranzfähigkeit“ oder „rechtlicher Gleichstellung“ wenig bis gar nichts zu tun. Eine gesellschaftliche Minderheit, die von der Gesellschaft nicht nur verlangt, ihre Ansichten und Handlungsweisen nicht zu kriminalisieren oder diskriminieren, sondern sie (möglicherweise unter Androhung von Konsequenzen) sogar zwingt, diese für gut und richtig zu befinden, ist nicht „tolerant“. Wenn „Emanzipation“ bedeutet, Andersdenkende in eine radikale Ecke zu stellen, um sich erst gar nicht mit deren Argumenten beschäftigen zu müssen, können wir gerne darauf verzichten. „Anti-Diskriminierungsgesetze“, die besondere Bevölkerungsgruppen hervorheben und damit möglicherweise eine „Diskriminierung“ anderen – nicht extra aufgeführten – Bevölkerungsschichten gegenüber verursacht (anstatt auf bestehende und völlig ausreichende Gesetze für alle zurückzugreifen), haben mit „rechtlicher Gleichstellung“ wenig zu tun.

 

Im Folgenden ist davon die Rede, wie die Wissenschaft davon abgekommen ist, Homosexualität als psychische Störung oder Krankheit zu begreifen. Leider wird mit keinem Wort erwähnt, dass dies nicht aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgte (die es bis heute nicht gibt!), sondern allein aufgrund des damaligen politischen Drucks schwuler Gruppen. Müssen wir nun befürchten, dass es mit Pädophilie oder ähnlichen Orientierungen einen vergleichbaren Verlauf nimmt? Anzeichen hierfür gibt es ja offenbar.

 

Wie dem auch sei – für einen christlichen Standpunkt ist dies zweitrangig (ich sage bewusst nicht unwichtig!). Es ist ja nicht so, dass unser Schöpfer weniger Ahnung als wir heute hatte, als er uns bestimmte Standards und Normen gab und uns davor warnte, einen anderen Weg zu gehen. Er tat und tut dies nicht, weil Er uns gerne herum kommandiert, sondern weil Er uns liebt und weiß, wohin es führt, wenn wir diesen anderen Weg gehen. Nicht umsonst lesen wir vom engen Tor, das zum Himmel führt und dem breiten Tor, dass in die andere Richtung geht.

„Mit Blick auf das Phänomen der Homosexualität zielt die in unserer Situation spezifische Frage somit nicht darauf, wie homosexuelles Verhalten zu bewerten ist, sondern wie Menschen, deren sexuelle Identität gleichgeschlechtlich geprägt ist, ihr Leben im Kontext von Gesellschaft und Kirche gestalten können.“

 

Hier muss ich etwas weiter ausholen: Unter gleichgeschlechtlichen Neigungen versteht man im Allgemeinen eine überwiegend vorherrschende, lang andauernde sexuelle und emotionale Anziehung zu Menschen des eigenen Geschlechts. „Homosexualität“ (eine im Übrigen noch relativ neue Wortschöpfung) als eigenständige Identität gibt es im christlichen Verständnis nicht. Ja, manche Menschen haben gleichgeschlechtliche Neigungen – warum auch immer (und mag einer der Gründe auch „genetischen“ Ursprungs sein!). Das gibt ihnen im christlichen Sinne aber noch keine eigenständige Identität! Sie sind, was sie sind: Männer und Frauen („Heterosexuelle“;) mit gleichgeschlechtlichen Neigungen. Gott hat nur eine Form der Identität geschaffen. Wir wurden alle in Seinem Ebenbild geformt – und haben nicht hiervon abweichende „Identitäten“.

 

Um gleichgeschlechtliche Neigungen zu verstehen und zu bewerten, muss man auf die verschiedensten Faktoren eingehen, die zu ihrer Entwicklung beitragen. Ja, für einen Christen sind sexuelle Akte – ebenso wie Fantasien etc. – die sich außerhalb einer lebenslangen monogamen Ehe zwischen Mann und Frau abspielen, Sünde. Als Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen jedoch sind sie von Gott und der Kirche geliebt. Jedoch ist die Kirche auch gerufen, ihnen bei Bedarf geeignete Unterstützung anzubieten (Stichwort: „Ex-Gay Einrichtungen“;) sowie ihre Gaben zu erkennen und für Gottes Ruhm zu nutzen. Wenn mit oben zitierter Aussage gemeint ist, dass sie bleiben sollen, wie sie sind und leben, wie sie wollen und trotzdem in der Gemeinde ihren aktiven Platz finden, so ist dem ausdrücklich zu widersprechen.

 

„Zieht man die Theologie Martin Luthers als Referenzrahmen heran – und diese ist in lutherischen Kirchen hermeneutisch leitend für das Verständnis der biblischen Texte –, so legt es sich nahe, eine theologische Grundstruktur von Luthers Denken fruchtbar zu machen, die mit Bezug auf ethische Fragestellungen ein weitreichendes Erschließungspotenzial zu entfalten vermag.“

 

„Sola Scriptura“ – aber trotzdem gilt die Theologie eines einzelnen Menschen als Referenzrahmen für das Verständnis der biblischen Texte? Das ist ein Widerspruch in sich und im Ganzen absurd.

 

„Insbesondere hinsichtlich der Frage nach einer theologisch verantworteten Beurteilung der Homosexualität beste¬hen binnen- wie zwischenkirchlich faktisch große Spannungen. Wie können die Kirchen mit der Diversität ethischer Urteilsbildungen umgehen?“

„Insbesondere Martin Luther hat immer wieder betont, dass ein Christenmensch nicht aus Gehorsam gegenüber einem moralischen Gesetz handelt, sondern weil er in Christus bestimmt ist durch die Macht des Evangeliums. Dessen Kraft aber erweist sich in der Liebe, die das Gebot als Struktur verantwortlichen Lebens nicht verachtet, sich jedoch in Freiheit dazu verhält. Diese Einsicht kollidiert faktisch jedoch nicht selten mit der – binnenkirchlich wie gesellschaftlich weit verbreiteten – Erwartung, dass die Kirchen ethisch und kulturell favorisierte und traditionell bewährte Leitbilder wahren und pflegen.“

 

Hmmm…

 

Da Lutheraner ja so viel wert auf „Sola Scriptura“ legen, sehen wir uns doch einfach mal an, was diese Heilige Schrift dazu sagt:

 

„Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ (Joh 15,15. Einheitsübersetzung)

Ein Christ handelt also durchaus aus Gehorsam gegenüber einem moralischen Gesetz! Dieser Gehorsam ist sowohl Ausdruck als auch Folge der Liebe zu Jesus und kann davon nie getrennt werden!

 

„Hinsichtlich des kirchlichen Umgangs mit ethisch-theologischen Dissensen lassen sich zwei alternative Lösungsmodelle29 unterscheiden. Das erste Modell strebt eine Konsensfindung auf der Basis von Konsenspapieren an. Damit wird faktisch ein Geltungsanspruch erhoben, der diejenigen, die diesem nicht zustimmen können oder wollen, zwangsläufig exkludieren muss. Das alterna¬tive Modell geht von der Überzeugung aus, dass die Einheit bzw. Einmütigkeit der Kirche nicht in Konsensen gründet, sondern im Geist der Liebe.“

 

Im Grunde sind beide Ansätze falsch. Es liegt nicht im Entscheidungsbereich der Gläubigen, per Konsenspapier zu einer Mehrheitsentscheidung zu kommen oder eine Meinungsverschiedenheit aus einem „Geist der Liebe“ heraus bestehen zu lassen. Es kann nicht angehen, dass der eine meint, das wäre richtig und der andere jenes. Wiederum ein Drama des Protestantismus. Jeder ist so für sich selbst Papst – und Gott. Entweder stimmen wir ab darüber, was zu glauben ist, oder wir lassen es bei unterschiedlichen Meinungen. Wofür bräuchte man da noch eine Kirche oder religiöse Gemeinschaft? Wofür überhaupt den christlichen Glauben?

 

Gott wusste um unser unbeständiges Wesen und um unser Herz, deshalb gab er uns die Bibel als geschriebenes Wort Gottes und Seine Kirche als den Leib Christi, die uns im Verständnis der Bibel leiten soll.

 

„Ein Engel des Herrn sagte zu Philippus: Steh auf und zieh nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt. Sie führt durch eine einsame Gegend. Und er brach auf. Nun war da ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der ihren ganzen Schatz verwaltete. Dieser war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten, und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen. Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen.“ (Apg 8,26-31. Einheitsübersetzung)

 

„Seid überzeugt, dass die Geduld unseres Herrn eure Rettung ist. Das hat euch auch unser geliebter Bruder Paulus mit der ihm geschenkten Weisheit geschrieben; es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben.“ (2 Petr 3,15-16. Einheitsübersetzung)

 

„Ein biblisches Vorbild für diesen Weg ist im Jerusalemer Apostelkonzil zu finden (vgl. Gal. 2,7ff), das die Heiden- und Judenmission als zwei Weisen anerkennt, den gemeinsamen Auftrag der Verkündigung in unterschiedlichen Gestaltungsformen wahrzunehmen und die damit verbundenen theologischen Dissense – z. B. hinsichtlich der Frage nach der Bedeutung des Beschneidungs- oder des Speisegebotes – in ihrer Spannung auszuhalten.“

 

Das soll eine „theologische“ Begründung sein? Mit Verlaub, das ist ein Armutszeugnis. Unterschiede bei der Heiden- und Judenmission bzw. der Beschneidung (eine Frage, die letztlich kirchlich geklärt wurde!) als Vergleich für das „Aushalten“ einer „Spannung“ bei „theologischen Dissensen“ zu bemühen (also etwa unterschiedliche Auffassungen zu der Frage: Ist das Ausleben von gleichgeschlechtlichen Neigungen oder gar die Lebensgemeinschaft zweier Männer oder Frauen aus christlicher Sicht vertretbar?), kommt einer theologischen Bankrotterklärung gleich. Wenn wir nicht mehr wissen, welcher Weg der richtige ist, soll eben jeder seinen Weg gehen und alles ist gut. Wir „halten diese Spannung aus“. Um Himmels willen, wohin bewegt sich diese Form des Protestantismus eigentlich noch?

„In der Observanz der Tora gewinnt die Identität Israels als das von Gott erwählte Volk in der Welt konkreten Ausdruck. Die Tora lässt sich daher nicht einfach als allgemein verbindliches „Gesetz“, als Summe einzelner ethischer Forderungen aus diesem Zusammenhang abstrahieren. Die Erfüllung der Tora stellt für Israel vielmehr die nach außen sichtbare Seite seiner Erwählung dar. „Gesetz“ ist daher nicht eine dem Menschen von außen entgegentretende, ihm auferlegte Forderung; die „Werke des Gesetzes“ bezeichnen nicht allgemein verbindliche moralische Handlungen.“

 

Nein, das Gesetz ist nicht nur eine Summe einzelner Forderungen. Es ist eine befreiende Botschaft, die dem Volk Israel beim Auszug aus der Knechtschaft mitgegeben wurde – aber es ist sehr wohl ein verbindlich zu befolgendes Gesetz! Was wäre die Alternative? Wir sehen das Ganze nur als Ausdruck unserer Erwählung durch Gott – und jeder entscheidet für sich, was gut und richtig ist und wir „halten diese Spannung aus“?

 

„Welche Handlungen, welches Verhalten sorgt dafür, dass die Gemeinde in ihrem besonderen kulturellen Kontext „scheint als Lichter in der Welt“ (Phil.2,15) und ihre Umwelt erkennt, dass das Licht des Evangeliums in ihr strahlt und sie erleuchtet?“

 

Welches „Licht des Evangeliums“ soll das denn sein, wenn man sich nicht auf den Inhalt dessen, was man glaubt und als wahr und richtig – und verbindlich! – anerkennt, einigen soll? Da hat dann wohl jeder seine eigene Taschenlampe.

 

„Die spezifisch christliche Identität sieht Paulus darin begründet, dass die vielen und verschiedenen Glieder der Ekklesia mit der Taufe „in Christus“ einer sind. Der Grund dieser Einheit liegt theologisch in der Rechtfertigung aus Glauben, die für Juden wie Heiden gleichermaßen gilt. Die sozialen und kulturellen Un¬terschiede – wie auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und den sexuellen Identitäten – sind damit aufgehoben. (vgl. Gal. 3,28; 5,6; 6,15; Röm. 10,12f; 1. Kor. 10,17; 12,12f; Phlm. 16).“

 

Mitnichten sind Unterschiede in den „sexuellen Identitäten“ aufgehoben – zumindest nicht in der Sichtweise, auf die hier wohl angespielt wird! Wir können nicht mit der Mentalität des schwulen Aktivismus die Heilige Schrift auslegen! Wir können und dürfen nicht unsere eigene Weltsicht in die Bibel „hineinlesen“, sie also so lange zu drehen und zu wenden, bis sie mit unserer Meinung übereinstimmt – anstatt unser Leben und Denken so lange zu drehen und zu wenden, bis es mit den Aussagen der Bibel übereinstimmt!

 

Im Weiteren wird auf die Rechtfertigung allein durch den Glauben eingegangen. Auch dem widerspricht die Bibel, die man doch als alleinige Richtschnur sieht:

 

„Ihr seht, dass der Mensch aufgrund seiner Werke gerecht wird, nicht durch den Glauben allein.“

(Jak 2,24. Einheitsübersetzung)

 

„Ethisch leitend sind dementsprechend Normen, „die diese Dominanz der gemeinsamen Identität über das Trennende zum Ausdruck bringen, herstellen und bewahren können““

Wenn das heißen soll, dass es bezüglich gleichgeschlechtlicher Neigungen und dem Umgang damit verschiedene Meinungen geben darf und wir dann eben Normen finden sollen, die eine „gemeinsame Identität“ zum Ausdruck bringen, so muss ich sagen, will ich nicht wissen, welcher Natur diese „gemeinsame Identität“ sein soll. Mit dem christlichen Glauben hat so etwas meiner Meinung nach nichts mehr zu tun.

 

Als „theologische“ Begründung soll offenbar nicht die Beziehung der Menschen untereinander, sondern die Beziehung des Menschen zu Gott herhalten. Nun ist das eine jedoch nicht ohne das andere zu sehen und eine Beziehung zu Gott nicht im luftleeren Raum steht, sondern die Liebe zu Ihm ihren Ausdruck im befolgen Seiner Gebote finden muss, was uns Jesus ausdrücklich aufgetragen hat! Ein kleiner Junge tut ja auch nicht einfach, was er will, aber zu seinem Papa hat er ein liebevolles Verhältnis. Nein, er tut das, was ihm sein Papa gesagt hat, weil er weiß, das es nicht gut für ihn ist, wenn er das nicht tut – und außerdem seinen Vater weh tut und das Verhältnis der beiden belastet.

 

Dr. Mareile Lasogga, die Autorin des Papiers, sieht richtigerweise die Einheit der Kirche durch diese Auseinandersetzungen um gleichgeschlechtliche Neigungen gefährdet. Sie bemüht in diesem Zusammenhang „die theologische Begründung der von Paulus immer wieder ausgesproche¬nen Ermahnung, einander respektvoll und geduldig in Spannungen und trotz Spannungen zu ertragen.“ Dies geschieht wohl in der Absicht, die Menschen mit unterschiedlichen Meinungen mit einer biblischen Begründung dazu zu bewegen, sich trotz unterschiedlicher Auffassungen, „trotz Spannungen zu ertragen“. Das ist ein völlig verzerrtes und in der Konsequenz gefährliches und in die Irre führendes Verständnis von Paulus und der Bibel an sich. Ja, wir sollen uns trotz unserer Unzulänglichkeiten ertragen und lieben, wir sollen aber auch einander ermahnen und auf den richtigen Weg (zurück) bringen – und nicht einfach nur „Spannungen aushalten“. Es ist nicht egal, was jemand glaubt, vertritt und letztlich tut. Wenn ich ihn/sie liebe, muss ich auch alles daran setzen, dass er/sie wieder auf dem rechten Weg geht!

 

Ich kann nur hoffen, dass es noch Menschen innerhalb der Evangelischen Kirche gibt, die an die Wahrheiten der Bibel glauben und ihre Geschwister aus Liebe ermahnen und die Kirche als solche wieder zurück auf den rechten Weg führen!

 

München, 19.06.2014

 

Robert Gollwitzer

Categories: Homosexualitaet