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Spiritueller Missbrauch?

Posted on August 2, 2015 at 8:35 AM

Schleichender spiritueller Missbrauch?

Gestern Abend besuchte ich wie schon öfter die Abendmesse in meiner Orts-Gemeinde. Sie findet im örtlichen Alten- und Pflegeheim statt. Wie gewohnt, unterhielt sich der Priester am Eingang stehend angestrengt mit dem Kommunion-Helfer darüber, wer wann was zu wem gesagt hatte in der Gemeinde. Fast nebenbei reichte er mir die Gesangsblätter. Ich beschloss, diesmal stehen zu bleiben und ihm die Hand zum Gruß zu reichen. Er schüttelte sie kurz, um sich dann weiter mit besagtem Herrn zu unterhalten. Nahtlos fing er dann die Heilige Messe an (sollte man sich hierfür nicht auch spirituell vorbereiten?).

Dieser Priester ist sehr engagiert und hat ein großes theologisches Fachwissen. Das ist Segen und Fluch zugleich. In gestriger Messe wurde es zum Fluch.

Da wurde der Auszug aus Ägypten schnell mit dem Auszug der Katholischen Kirche aus der „abgeschotteten“ alten Ordnung in die von Reformen geprägte glorreiche Zukunft umgedeutet und „murrende“ Kirchenglieder wurden mit den murrenden Israeliten gleichgesetzt. Das Ganze so mit Fachwissen ummantelt, dass es sehr lehrhaft und von Autorität geprägt wirkte.

Das aber ist ein schlimmer Fehltritt: Die Bibel ist nicht dafür da, um eigene Meinungen zu belegen. Hier verfiel der gute Mann in eine unsägliche Vergangenheit, in der sich die Autoritäten für ihre persönlichen Aussagen und Auffassungen göttliche Rückendeckung anmaßten. Steht ja schließlich so in der Bibel. Der Priester hat also sein Amt und seine Ausbildung dazu missbraucht, um den Gläubigen eine persönliche Meinung als göttliche Meinung zu verkünden.

Die Kirche war früher keineswegs nur „abgeschottet“. Ich komme vom Land und früher war die Verbindung zwischen der „Kirche“, also den Priestern und Ordensangehörigen sehr eng. So erzogen uns die Nonnen vor Ort als Kinder, wir wurden aber auch angehalten, für die Kirche zu arbeiten und zu geben. Priester hatten eine Autorität und wurden respektiert. Abgeschottet war dabei gar nichts – im Gegenteil: wir waren regelmäßig in kirchlichen Gebäuden. Da empfinde ich die heutige Kirche mit ihren strikten Öffnungszeiten, Regeln, ihrem Berufs-Katholikentum in der Verwaltung und ihrer Ignoranz anderen Strömungen und Bewegungen bzw. Einrichtungen gegenüber oft weitaus abgeschotteter. Auch ist das Gegenteil häufig zu beobachten: Eine Öffnung der Kirche mittels „Reformen“, durch die sie Gefahr ist, wie die Welt zu werden und damit an der Grundlage ihrer eigenen Existenz rüttelt. Wenn die Kirche wie die Welt wird, wozu brauchen wir sie dann?

 

Kurz und gut: Wenn man gestrige Predigt um all dies kürzt, bleibt erschreckend wenig Inhalt übrig.

 

In der Schule hätte man gesagt: Setzen, sechs!

 

Robert

Categories: Predigen, Pfarrer, Ortsgemeinde