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Das Drama katholischer Liturgie oder: von der Notwendigkeit, zu den Wurzeln zu gehen

Posted on April 5, 2015 at 10:40 AM

Was sich momentan in vielen katholischen Messen abspielt, ist ein folgenschweres Drama ohnegleichen. Die Messe verkommt oft zu einem laienhaft aufgeführten Theaterstück – frei nach dem Motto: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Das Kirchenrecht wird bewusst mit Füßen getreten und bei einigen der beteiligten „Seelsorger“ darf man zu Recht fragen, ob das wirklich das Ergebnis eine Theologiestudiums und jahrelanger Ausbildung ist – denn dann wäre das Ganze für die Katz gewesen. Mir liegt aber nicht nur daran, Fehlentwicklungen offen zu benennen und wenn nötig auch Menschen direkt zu konfrontieren, ich will auch Lösungsvorschläge bieten.

Los geht’s:

1) Die Liturgie einer katholischen Messe folgt einer Struktur, die im Wesentlichen bis zurück in das früheste Christentum geht – aus gutem Grund. Die Struktur an sich hat eine klare Bedeutung, einen Wert und eine unglaubliche Schönheit und muss deshalb auch den Gläubigen vermittelt und vor allem beibehalten werden. Es kann nicht angehen, dass eigenmächtig wesentliche Teile über den Haufen geworfen und zu Gunsten eines Theaterstücks ersetzt werden. Abgesehen von dieser festen Struktur bietet die Liturgie genügend Spielraum für eine Aktualisierung und Individualisierung.

2) So sollten etwa die Schriftlesungen auch gemäß den Vorgaben gehalten und nicht durch Spiele mit den Ministranten ersetzt werden. Sie bilden zusammen mit dem Evangelium eine wunderschöne Einheit, die nur im Ganzen zum Tragen kommt.

3) Die Liturgie hat sich völlig verweiblicht. Dies ist nicht den Frauen „anzulasten“ – sie tun nur das, was Männer unterlassen zu tun (und Gott sei Dank tun sie es!). Nur mit männlichen und weiblichen Elementen aber bildet die Liturgie eine Einheit. Wenn selbst die männlichen Diakone und Pastoral- oder Gemeindereferenten mehr oder weniger wie verweichlicht wirkende Männlein dastehen und eine ebensolche Botschaft vermitteln, werden Frauen nicht angesprochen – und Männer sind schon längst eingeschlafen oder kommen erst gar nicht mehr. Bei manchen von diesen „Männern“ Beiträgen oder vorgelesenen Texten fragt man sich schon, ob nichts zu sagen eine bessere Alternative gewesen wäre als das seichte theologische Blabla.

4) Für Predigten gibt es in der katholischen Kirche klare Vorschriften: In der Regel hat in einer sonntäglichen Messe der Priester (gegebenenfalls der Diakon) zu predigen. Laien (etwa Pastoral- oder Gemeindereferenten) dürfen nur in klar definierten Ausnahmefällen predigen. Der Hintergrund ist eindeutig: Ein Priester steht in apostolischer Nachfolge und spricht somit „in persona Christi“ – in und an Stelle der Person Christi. Jeder andere steht für die Gemeinde an sich. Jesus hat sich schon etwas dabei gedacht, als er im letzten Abendmahl die Feier der Messe und ihrer wesentlichen Bestandteile den Aposteln (und damit auch ihren Nachfolgern) übertrug und nicht allen Gläubigen an sich. Er tat dies, weil Er wusste, wie trügerisch unser Herz ist und wie sehr wir uns „gutgemeint“ in die Irre führen lassen. Laienpredigten dann aber als „Meditation“ oder „Glaubenszeugnis“ zu bezeichnen, um dann doch eine reguläre Predigt zu halten, ist eine grobe Missachtung des Kirchenrechts. Ganz abgesehen davon werden die Gläubigen hierbei aufs Übelste auf den Arm genommen.

5) Zu den Predigten an sich: Es ist kaum zu ertragen, was für ein unsäglich lauwarmes Einerlei da Woche für Woche vom Ambo kommt. Predigten, gegen die niemand etwas sagen kann, von denen aber auch niemand etwas hat. Wenn man genau hinhört, sind aber teils auch klare Falschaussagen darin enthalten, die der Lehre der katholischen Kirche widersprechen. Mit diesem Wischi-Waschi muss unbedingt und sofort Schluss sein. Vor allem sollten uns bitte die unerträglich peinlichen Theater-Einlagen erspart bleiben, wo entweder mit dem Mikrophon in die Menge gegangen und oberflächliche und belanglose Fragen gestellt oder mit zusätzlichen „Hilfsmitteln“ ebenso belanglose Aussagen „verdeutlicht“ werden sollen, weil man das mal so in der Ausbildung gelernt hat. Das ist wirklich eine Zumutung. Eine Predigt sollte aus dem Leben der Menschen genommen sein, frei und unter den Anwesenden gehalten, voller Feuer und Flamme und die Gläubigen „in Brand setzen“, damit sie hinaus gehen, und aus Liebe zu Gott und Seiner Kirche das Große Gebot und den Missionsauftrag erfüllen – koste es was es wolle! Eine Liebe, die aber auch der Unterweisung bedarf. Kam mehr ein Katholik weiß wirklich, was die katholische Kirche lehrt. Hier haben ganze Generationen von Priestern versagt. Das Gute daran: Heute ist ein neuer Tag! Beim nächsten Mal besser machen!

6) Die vor den Messen angebotenen Beichten wurden größtenteils abgeschafft. Wer will, kann ja telefonisch einen Termin mit dem Priester vereinbaren. Das ist nicht nur sehr schade, das ist – mit Bezug auf das Seelenheil der Gläubigen - verantwortungslos. Es sollte selbstverständlich sein, vor den Messen am Wochenende den Beichtstuhl zu besetzen und den Gläubigen auch die Notwendigkeit und Schönheit dieses Sakraments zu vermitteln!

7) Kirchenmusik: Es ist ja ganz schön, wenn Bands spielen und Chöre auftreten – nur leider führt dies in der Regel dazu, dass die Anwesenden verstummen und gar nicht mehr mitsingen wollen – ob man das nun will oder nicht. Auch Orgelmusik, die alles andere erschlägt, trägt nicht gerade zum Sinn und Zweck von Kirchenmusik bei. Instrumentale Begleitung sollte eigentlich nur das sein- Begleitung und Unterstreichung der Liturgie. Sie ist nicht Selbstzweck und darf nie dominieren – oder gar zu einer Art Unterhaltung werden. Die Gläubigen sollten mit der Kraft einer ganzen Armee singen! Wenn man sich da das traurige Gejammere anhört, das man wöchentlich „Gesang“ nennt, so sind wir da noch weit vom Ziel entfernt. Als Sofortmaßnahmen könnten eine Motivation der Gläubigen zu inbrünstigerem Singen sein, etwa indem man vorher eine Botschaft vermittelt, die die Anwesenden dann ihren Gott aus vollem Herzen loben und preisen lassen!

8) Wir sind kein religiöser Club, der sich regelmäßig untereinander trifft. Der Missionsauftrag lautet, HINAUS zu gehen! Warum nicht die Obdachlosen im Park vor der Kirche zur Messe einladen? Warum nicht grundsätzlich nach jeder Messe ein gemeinsames Potluck veranstalten, bei dem jeder, der kann, etwas mitbringt und dann gemeinsam gegessen wird? Da kann man ebenso die Obdachlosen in der Gegend einladen, oder vorab schon dorthin gehen, wo Menschen sind, die Jesus am Nötigsten haben: In Bordelle, Kneipen, Gefängnissen, Obdachlosenheimen, Flüchtlingsunterkünften, usw.

9) Die Kirchenräume sollten eigentlich von unserem Glauben und unserer Mission künden. Dafür müssen sie nicht teuer ausgestattet sein, aber abstrakte bunte Kunst oder blanke Betonwände sind dem abträglich. Menschen wollen mit ihren fünf Sinnen angesprochen werden und auch nicht erst lange Erklärungen lesen müssen, um ein Bild davon zu bekommen, „was uns der Künstler damit sagen wollte“. Wenn er es nicht klar ausdrücken kann, soll er es bleiben lassen.

10) Kirchenrechtliche Verstöße sollten nicht einfach so hingenommen werden, sondern zunächst mit dem zuständigen Pfarrer besprochen werden. Sollte das nichts bringen, ist das Ordinariat dran. Dieses sollte dann aber auch reagieren, das heißt, die nötigen Schritte unternehmen, damit dies künftig unterbleibt und den Anzeigenden vom Ergebnis informieren sowie das Ergebnis kontrollieren. Hier geht es nicht darum, jemanden „hinzuhängen“, sondern das Seelenheil der Gläubigen zu bewahren! Wenn die Menschen die spirituelle Nahrung, die sie in der Kirche bekommen sollten, nicht wirklich bekommen, werden sie sich diese anderswo suchen!

Die Kirche hier in Deutschland ist momentan unbeschreiblich reich, was ihre gesunde Entwicklung nicht gerade fördert. Deshalb ist es auch und gerade an uns „Fußvolk“, uns hier einzubringen, und die Kirche zurück zu den Wurzeln bringen. Das heißt nicht, eine vorkonziliare Liturgie um jeden Preis zu verklären, sondern zurück zu dem zu gehen, was Jesus selbst wichtig war. Und das war kein Großkonzern mit christlichem Touch.

 

München, 05.04.2015

Robert Gollwitzer

Categories: Kirche 2.0, Liturgie, Lukewarm Christianity