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Werter Herr Kardinal Marx,

Posted on February 6, 2015 at 3:15 PM

Werter Herr Kardinal Marx, gemäß dem Kölner Stadt-Anzeiger haben Sie sich kürzlich dafür ausgesprochen, wiederverheiratete Geschiedene zur Eucharistie zuzulassen, mit dem Argument: „Wir müssen nach Wegen für die Leute suchen, die Eucharistie zu empfangen, und nicht Wege finden, sie auszuschließen.“ Hinsichtlich des fortgesetzen Ehebruches dieser Paare meinten Sie: „Man kann nicht sagen, dass jemand Tag für Tag in Sünde lebt. Das ist unmöglich.“ Auch die Vergebung nicht zuzusagen, sei in solchen Fällen nicht möglich.

Ich widerspreche Ihrer Haltung aus tiefstem Herzen und vollster Glaubensüberzeugung. Dies spottet den Sakramenten der Eucharistie und der Ehe in schlimmer Weise. Selbstverständlich kann man Tag für Tag in Sünde leben! Was die Vergebung belangt, so ist ein wesentlicher Bestandteil hierfür die Reue und der feste Vorsatz, dies nicht mehr zu tun. Eine Vergebung ohne Reue und Vorsatz der Besserung ist wertlos, ja schädlich. Eine billige Gnade, die dem Sünder vorgaukelt, er/sie könne weiter wie bisher in Sünde leben und trotzdem Vergebung erfahren. Worin besteht dann eigentlich die Vergebung bzw. die Notwendigkeit eines geläuterten Lebens?

Eine Eucharistie, die im Zustand der schweren und mit voller Absicht begangenen Sünde – und nichts anderes ist Ehebruch – empfangen wird, ist gotteslästerlich und widerspricht dem Wesen der Eucharistie wie des christlichen Glaubens insgesamt. Zu meinen, unser Ziel solle sein, so viele Menschen zur Eucharistie zu bewegen, wie nur möglich – unabhängig von deren Lebenswandel, ist aus katholischer Sicht unverantwortlich.

Sie sind als Bischof ein Hirt mit besonderer Verantwortung für die ihm zur Obhut gegebenen Gläubigen. Ich als einer dieser Gläubigen bitte sie inständig, Ihrer Verpflichtung in verantwortungsvoller Art und Weise nachzukommen.

Möge der Herr sie dabei leiten.

Robert Gollwitzer

Categories: Wiederverheiratete, Eucharistie, Beichte