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Orientierungslosigkeit...

Posted on November 23, 2014 at 7:40 AM

Gerade komme ich aus der sonntäglichen Messe. Es ist schon ein Drama, was sich da abspielt. Zuerst das Positive: Es gibt eine ganze Reihe von Menschen, die sich sehr in der Gestaltung des Gottesdienstes engagieren und voller Schwung dabei sind. Nun das Negative: Es wäre die Aufgabe des Pfarrers der Pfarrei/Pfarrgemeinde (bzw. des anwesenden Priesters), diesen Schwung in die richtigen Bahnen zu leiten. Wenn man dem Ganzen jedoch freien Lauf lässt, entsteht ein tragisch-komisches Theaterstück, das zwar gut gemeint und für manche gar unterhaltend ist, aber mit der Feier der Heiligen Messe nur mehr wenig bis gar nichts zu tun hat.

Beginnen wir mit der Musik: Es ist schön, wenn sich Menschen bereit erklären, sich zu einer kleinen Band zusammen zu finden und den Gottesdienst musikalisch zu begleiten. Problematisch wird es, wenn die Musik so laut wird, dass sie in den Ohren schmerzt und der Text und der Zweck der Musik (Gott zu lobpreisen und die Glaubenswahrheiten der Liturgie zu unterstreichen) völlig in den Hintergrund treten.

Kleine Theaterspiele, wo Ministrantinnen und Ministranten Szenen aus dem Alltag wiedergeben, um eine bestimmte Aussage zu verdeutlichen und lebensnaher zu gestalten, sind sehr lobenswert und sollten gefördert werden. Das heißt aber NICHT, dass sie an die Stelle einer Predigt treten dürfen. Die geistlichen Leiter der Kirche haben die Aufgabe, ihre Herde in die richtige Richtung zu führen. Deshalb haben sie uns bestimmte Regeln gegeben, um zu verhindern, dass wir – gutgemeint! – in die Irre laufen. Eine dieser Regeln betrifft die Predigt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, hat die der Priester zu halten, da er durch die apostolische Nachfolge im Namen Jesu Christi spricht. Wenn Jugendliche einfach mal drauf loslegen, verwirrt dies mehr als es nützt – und bricht Regeln mit vollem Wissen des verantwortlichen Priesters. Das ist keineswegs egal. So kommt das, dass die Jugendlichen mit voller Lautstärke eine CD mit einem „Ärzte“-Song in der Messe laufen lassen. Schön für eine Feier im Pfarrheim – völlig irreführend in einer Heiligen Messe.

Auch „gutgemeinte“ übermannsgroße Plakatständer mit Plakaten kirchlicher Wohlfahrtsverbände sind zwar bestimmt mit guter Absicht aufgestellt worden, wenn eine ganze Reihe davon aber das erste ist, was man nach dem Betreten des Kirchenraumes sieht, da sie parallel zur letzten Kirchenbank aufgestellt wurden und so den Blick zum Altar versperren, so ist das absolut inakzeptabel. Nichts, aber auch gar nichts darf den Blick auf unseren Herrn verstellen. Man kann solche Ständer genauso gut an der Seite aufstellen – wenn man sie denn unbedingt im Kirchenraum haben muss. Es ist in Ordnung, Informationsschriften dieser Organisationen auf dem Zeitschriftenstand auszulegen, der Kirchenraum ist aber nicht der geeignete Ort, um Werbung für diese Organisationen zu machen – so gut diese auch gemeint sein mag und so richtig ihre Aussagen sein mögen.

Zur traurigen Regel ist es mittlerweile schon geworden, dass es statt zwei Lesungen sonntäglich nur mehr eine gibt. Die beiden Lesungen und das Evangelium bilden jedoch eine Einheit, deren Sinn sich nur im Verbund erkennen lässt. Schade, dass dies (aus Zeitersparnis?) gekürzt wird.

Und der anwesende Priester? Sitzt passiv daneben und hat offenbar noch seinen Spaß daran.

Mein lieber Herr Priester, Sie wurden geweiht, um eine Herde von Gläubigen in Jesu‘ Auftrag zu leiten, damit sie sicher ans Ziel gelangt und keines der Schafe verloren geht. Vielleicht nehmen Sie sich mal eine Auszeit und denken darüber nach!

München, 23.11.2014

Robert Gollwitzer

Categories: Liturgie, Gottesdienst, Predigen