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Sollten wir die Kirchensteuer abschaffen?

Posted on October 12, 2014 at 9:40 AM

Noch vor kurzem hätte ich darauf mit einem entschiedenen „Nein“ geantwortet. Nicht wegen der Form – einer vom Staat eingezogenen bzw. auf der Lohnsteuerkarte angegebenen Steuer – sondern aufgrund des Wesens.

Ich glaube noch immer, dass die meisten, die das so energisch fordern, im Grunde zu geizig sind, etwas von ihrem Überschuss abzugeben. Ganz zu schweigen davon, dass es weitaus christlicher wäre, nicht nur vom Überschuss zu geben, sondern so viel zu geben, dass es richtig weh tut. Dass man auf etwas anderes verzichten muss. Ja, meine lieben christlichen Geschwister, das Beschränken auf das Wesentliche und das Teilen von allem, was wir haben (inklusive unserer persönlichen Gaben und Talente!) ist wesentlich im Christentum. Ein Christentum „light“ gibt es nicht.

Auch bin ich der Überzeugung, dass sich diese Steuer nicht so einfach abschaffen lässt, da damit ja auch viele Sozialleistungen erbracht werden, die der Staat dann erbringen oder organisieren müsst.

Letzteres ließe sich aber regeln – etwa durch eine Übergangsform: die Wahl zwischen Kirchensteuer oder einer „Sozialsteuer“ mit ähnlichem Hintergrund.

Auch die Erklärung, dass dies einen Ausgleich für die Enteignung kirchlicher Güter während der Säkularisation darstellt, können wir uns doch so langsam einmal schenken.

Wenn ich mir aber die Katholische Kirche – die ich aus ganzem Herzen liebe! – aber heute ansehe, muss ich aufrichtig gestehen, dass ich weder für die Beibehaltung der Kirchensteuer noch für eine Übergangslösung bin.

„Spinnt der?“, mag nun so mancher antworten.

Wer weiß. Fakt ist, dass durch die Übergangssteuer lediglich ein Problem, das einer jetzigen Lösung bedarf, in die Zukunft verschoben wird.

Gerade weil ich die Kirche liebe, denke ich, dass die einzig fruchtbare Lösung eine zunächst destruktive ist: Eine völlige Abschaffung der Kirchensteuer sowie der staatlichen Zahlungen für Bischöfe usw. Selbst Zuschüsse sollten gemäß den Regeln erfolgen, die für alle gemeinnützigen und mildtätigen Organisationen gelten – inklusive unabhängiger Kontrolle und Transparenz der Ein- und Ausnahmen.

Nur so wird die Kirche wirklich dazu gezwungen, sich rück zu besinnen auf das, zu dem sie ursprünglich gerufen wurde. Wir haben viel zu viel von der Welt angenommen, von der wir uns eigentlich unterscheiden wollten, und sind zu einem Großkonzern mit einigen Berufs-Katholiken geworden. Das muss ein Ende haben! Wir können nicht gleichzeitig Gott und dem Mammon dienen.

Ja, es wird empfindlich wehtun, aber ein Gesund-Schrumpfen ist wohl das heilsamste, was uns momentan passieren kann. Es ermöglicht uns, uns von allem unnützen, hinderlichen und schädlichen Ballast (materiell wie spirituell) zu befreien und von Neuem in radikaler Einfachheit und entschlossenem Willen zur Nachfolge Jesu Christi zu beginnen.

Mag sein, dass ich für manche verrückt klinge. Ich mache aber im Grunde nichts anderes, als was jeder Christ tun sollte: seine ganz persönliche Berufung annehmen und Jesus Christus mit ungeteiltem Herzen nachfolgen.

Robert

Categories: Kirchensteuer, Kirchenfinanzen, Kritik an der Kirche