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Offener Brief

Posted on May 3, 2020 at 1:30 PM

Offener Brief an die Kirche

 

Präambel: Inmitten der "Corona-Krise" wende ich mich aus tiefstem Herzen und mit großer Sorge an die Kirche (insbesondere die Katholische Kirche, es dürften sich aber Parallelen in anderen christlichen Glaubensgemeinschaften finden). Hier vor allem an die Hirten - die Bischöfe und Priester, aber auch an jede und jeden einzelnen Gläubige/n. Wir alle sind gerufen - und nur wenige von uns haben geantwortet.

 

In einer Zeit großer Not und Sorge, in der es traditionell selbstverständlich und wesensgemäß war, dass die Vertreter und Verantwortlichen der Katholischen Kirche ohne Rücksicht auf eine Verluste oder Gefahr den Gläubigen zur Seite standen, war die Kirche nunmehr (beinahe) nicht-existent.

 

Keine Gottesdienste, keine Heiligen Messen und auch sonst wurde alles abgesagt. Laden zu. Wir haben fertig.

 

In unverantwortlicher Art und Weise hat man sich der Staatsmacht mehr unterworfen, als diese gefordert hat. Anstatt die Sakramentenspendung kreativ zu gestalten, sodass diese auch weiterhin möglich ist, gab es einfach nichts. Nicht einmal juristisch hat man sich gegen unverhältnismäßige und völlig überzogene Maßnahmen zur Wehr gesetzt.

 

Der für alle Christen geltende Missionsauftrag besteht darin, dass wir hinaus (!!) gehen, Menschen taufen und sie zu Jüngern Jesu Christi machen.

 

Unsere Priester verkrochen sich bestenfalls in ihre Pfarrbüros. Wenn überhaupt. Das Gehalt kommt ja weiterhin aufs Konto, also warum zu viel Aufhebens machen?

 

Einige wenige haben noch die Messe gefeiert und im Internet übertragen. Na immerhin.

 

Anstatt die Heilige Messe alleine zu feiern (nun nicht mehr mit den Gläubigen, sondern für sie!), gehe ich mal davon aus, dass 99 % der Pfarrer eben gar keine Messe gefeiert haben. Das sagt schon einiges über ihr Glaubensverständnis aus...

 

Keine Kontaktaufnahme mit den Gläubigen (ja, es gibt Telefon, E-Mail - oder auch den persönlichen Besuch mit Mindestabstand!), keine Organisation von Hilfsmaßnahmen (von Ausnahmen mal abgesehen), kein Tragen der Monstranz auf die Straßen, keine Beichte (mit Abstand...), keine Kontaktaufnahme mit Kranken oder Sterbenden (meiner Kenntnis nach) - nichts.

 

Ich habe kürzlich einen Bericht vom "Sündenviertel" St. Pauli in Hamburg gesehen. Tiefbewegt durfte ich beobachten, wie dort Privatmenschen dafür sorgten, dass die Armen und Obdachlosen täglich etwas zu essen und trinken hatten!

 

Die Gläubigen haben ihrerseits nun die Erfahrung gemacht, dass sie auch ohne die Kirche ganz gut zurecht kommen. Sie gingen durch eine schwere Zeit - und sie gingen alleine. Diejenigen, die es überstanden haben, werden sich nun möglicherweise überlegen, wofür sie denn eigentlich die Kirche noch brauchen.

 

Gerade als gläubiger Katholik kann ich es ihnen noch nicht mal verdenken. Manchmal schießt es mir selbst durch den Kopf: "So eine Kirche braucht kein Mensch!"

 

Wie nahe war Mutter Kirche in meiner Kindheit den Menschen gestanden! Wie viele verdanken ihr Trost, aufopfernde Pflege, Seelsorge - und manch einer gar sein Leben!

 

Diese Kirche vermisse ich so sehr, dass es mir beinahe körperlich weh tut.

 

Nein, an der jetzigen Situation sind nicht nur die Priester und Bischöfe schuld. Wir alle haben unseren Teil dazu beigetragen. An uns allen liegt es nun, das Ruder herumzureißen.

 

"Ich kenne deine Taten. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß! Daher, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien."

Offenbarung 3,15-16 Einheitsübersetzung 2016

 

 

München im Mai 2020

 

 

Robert Gollwitzer

 

www.katholisch-leben.org

 

 

 

Categories: Die Kirche