Katholisch Leben!

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Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strom in Jerusalem

Posted on November 17, 2016 at 12:05 AM

Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm legen das Kreuz am Jerusalemer Tempelberg ab und provozieren damit – zu recht! - einen Sturm der Entrüstung. Nun wird das Ganze auf katholisch.de schön geredet und verteidigt. Klar – Angriff ist für manche besser als Selbstkritik und Bitte um Vergebung.

 

Zuerst wird sich da erstaunt darüber gezeigt, dass die Bild-Zeitung erst zwei Wochen später darüber berichtet hat. Na und? Das ändert wohl kaum etwas am Sachverhalt. Es wird darauf verwiesen, dass die Kreuze bereits auf jüdischer Seite abgelegt wurden. Als ob das ein „Argument“ für irgendwas ist. Das macht es nur umso schlimmer – zumal von israelischer Seite offenbar ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass es nicht stimmte, dass die beiden dazu aufgefordert wurden.

 

Im folgenden wird bauernschlau gefolgert, es würde wohl eher darum gehen, dass man dem intoleranten Islam nicht die Stirn geboten hätte. Ob das so ist oder nicht, sei dahingestellt (das wäre allerdings die Pflicht der beiden gewesen!). Peinlich, dass hier verzweifelt nach Ausreden, Analysen etc. gesucht wird, um andere schlecht zu machen und den eigenen Arbeitgeber gut dastehen zu lassen (wie könnte man von einem Redakteur von katholisch.de auch erwarten, dass er sich auf die Seite derer stellt, die hier den Bischof und den Kardinal anklagen). Die Gegenseite als „Salonprotestanten“ oder „Fleischhauer“ zu beschimpfen sagt eigentlich schon viel über den Charakter des Autors. In einem hatten die Angegriffenen durchaus recht: Luther hatte weitaus mehr Mut, als manch einer unserer Kirchenvertreter…

 

Der ganze Artikel ist durchdrungen von dem, was ich der Kirche an sich und vielen Christinnen und Christen im besonderen vorwerfe: eine unglaubliche Naivität hinsichtlich des Islams. Es geht hier nicht um radikalen oder nicht radikalen Islam – es geht um den Islam an sich. Ihn mit dem Christentum oder dem Judentum vergleichen zu wollen, zeugt von grob fahrlässiger Unkenntnis. Weltweit haben eine ganze Reihe von Ex-Moslems Einrichtungen gegründet, mit denen sie aus erster Hand über das aufklären, was wir als Islam bezeichnen. Unzählige Augenberichte, die uns warnen sollten – und doch nicht tun.

 

Im weiteren wird sich darüber lustig gemacht, dass nur ein „Kleinglaube“ sich von „Amtsinsignien“ abhängig macht. Derartige Äußerungen über das Kreuz und dem, wofür es steht sowie denen, die ihr Leben dafür geben und es auch offen zeigen wollen, sind bodenlos und eines Christen nicht würdig. Der internationale Sturm der Entrüstung ist wohl kaum als Kleinglaube zu bezeichnen. Das ist eine Beleidigung für all die, denen das Kreuz noch etwas bedeutet. Es geht hier nicht um das „Tragen edler Schmuckkreuze“ (spätestens hier fragte ich mich, wer diesen Redakteur überhaupt eingestellt hat), sondern um das, was Kreuze international, weltweit und gerade bei der Begegnung mit Nicht-Christen aussagen. „Brennende Zeugen für Christus“ waren weder Kardinal Marx noch sein Amtskollege – und schon gar nicht der Redakteur.

 

Der Artikel endet mit einem fast peinlichen Kniefall des Redakteurs vor dem Kardinal und dem Landesbischof. Vielleicht sollte man Kommentare von Menschen schreiben lassen, die nicht auf der Gehaltsliste von katholisch.de stehen.

 

Ich bin Katholik und stehe dazu. Als solcher bete ich täglich für den Kardinal und den Papst und achte und ehre ihr Amt. Gleichwohl ist es auch meine Pflicht als Christ, mich in klaren Worten zu melden, wenn ich etwas sehe, das ich für eines Christen nicht würdig halte. Nichts anderes hat Paulus mit Petrus gemacht. Selbst Jesus fand oft klare und deutliche Worte, um Seine Jünger zu ermahnen. Nicht, weil Er sie bloßstellen wollte, sondern weil er sie liebte.

 

16.11.2016

 

Robert Gollwitzer

www.katholisch-leben.org

Kirchliche Hofberichterstattung

Posted on April 24, 2016 at 6:05 AM

442 kirchliche Mitarbeiter der Erzdiözese München und Freising ziehen also nun in das neue Verwaltungsgebäude in der Münchner Innenstadt um, das für Unsummen von Geld erworben und umgebaut wurde. Aber schließlich spare man dafür laut heutiger Radiomeldung 75 Millionen Euro Miete jährlich für die Anmietungen von Räumen, das Ganze ist zentral, alle sitzen zusammen, man habe einen so schönen Innenhof und einen Blick auf die Kirche usw.

 

Die Presse schluckt dies vollkommen kritiklos, macht sich zum Hofberichtserstatter und meldet dies beinahe im O-Ton des Ordinariats. Das hat mit unabhängiger, kritischer Pressearbeit aber schon gar nichts mehr zu tun.

 

Nur mal einige Punkte zum Nachdenken:

 

1) Wenn für 442 Mitarbeiter bisher 75 Millionen Euro Miete jährlich gezahlt wurden, darf man fragen, wieso? Gibt es hier keine unabhängige Wirtschaftlichkeitsprüfung? Haben die im Buckingham-Palace gearbeitet?

 

2) Die Tatsache, dass man einen schönen Innenhof hat, beieínander sitzt und auf die Kirche schaut, macht einen auch nicht mehr katholisch.

 

3) Ist in einer Zeit der "armen Kirche" ein solcher Prunkbau wirklich angebracht?

 

4) Niemand kann mir erzählen, dass es hierfür nicht preisgünstigere Alternativen gegeben hat. Man muss ja nichtg gerade in einer Parallelstraße zur Kaufingerstraße residieren.

 

5) Wer sagt denn eigentlich, das die gesamte Verwaltung zentral laufen soll? Wäre es nicht angebrachter, alles zu dezentralisieren und die Ortsgemeinden zu stärken?

 

6) Es gibt unzählige kirchliche Liegenschaften, die fremd vermietet werden. Warum mietet man dann andere Liegenschaften an und nimmt nicht das, was einem eh gehört?

 

7) Man spart zwar die Miete für angemietete Büros, hat aber einen jährlichen Instandsetzungsbedarf, der nun nicht mehr über die Miete gedeckt wird, sondern selbst bezahlt werden muss - und im Laufe der Jahre nicht unerheblich sein dürfte. Weiterhin kostet auch der Umzug Geld, weiterhin die Einrichtung usw. Zahlen sollte man immer kritisch überdenken, wenn sie von dem vorgelegt werden, den es betrifft.

 

8) Fühlen sich Menschen am Rande der Gesellschaft, denen Jesu' besondere Liebe galt, nicht als Fremdkörper in solch einem Gebäude? Auch wenn es nur der Verwaltung dient, sollte in jeder kirchlichen Einrichtung Platz für diese Menschen sein!

 

9) Wenn ich das katholische Selbstbild der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärken will, sollte ich sie vielleicht dabei unterstützen, ein Leben gemäß der Lehre der Kirche zu führen und nicht die Augen verschließen, wenn sie in ihrer privaten Lebensgestaltung zum Ausdruck bringen, dass sie davon offenbar nicht viel halten.

 

10) Abgesehen davon sollte ich bei der Einstellung auch darauf achten, dass die neuen Kolleginnen und Kollegen auch meinen Glauben vertreten. In einer Stadt wie München besteht bestimmt keine Notwendigkeit, mangels Alternativen Atheisten, Konfessionslose oder Mitglieder eines anderen Glaubens anzustellen.

 

11) Anstatt neue Gebäude zu kaufen und aufzumotzen, sollte man die bestehenden besser nutzen. Warum Kirchengebäude jeglicher Art nicht mit anderen Christinnen und Christen teilen? Die schließt auch Evangelikale, Orthodoxe, "Freikirchen" usw. ein. Wäre das nicht gelebte Ökumene?

 

12) Ein Großteil kirchlicher Liegenschaften dürfte aus einem Erbe stammen. Der Eigenkapitaleinsatz ist somit praktisch Null. Wäre es hier nicht angebracht, nicht die "ortsübliche" Miete zu verlangen (die in München astronomisch hoch ist), sondern an arme Menschen zu zivilen Preisen zu vermieten? Sollten aus kirchlichen Liegenschaften nicht auch Vorzeige-Objekte werden, die die besondere Mission zeigen (Begegnungszentren, Mehrgenerationenhäuser, Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte usw.)?

 

13) Es gibt mehrere kirchliche Liegenschaftsverwaltungen. Warum wird dann noch Geld für Fremdverwaltungen verschwendet? Sollte die Kirche nicht ihrem Auftrag gerecht werden und sich selbst in verantwortungsvoller Art und Weise um diese Liegenschaften kümmern?

 

14) Warum gibt es überhaupt mehrere kirchliche Liegenschaftsabteilungen? Wäre es nicht viel angebrachter, diese zu einer zusammenzufügen?

 

15) Warum muss die Überprüfung kirchlicher Einrichtung eigentlich immer nur von unabhängigen Wirtschaftsprüfern stattfinden? Sollte sie nicht auch zusätzlich von denen gemacht werden, die wir eigentlich ansprechen wollen und sollen? Die "ganz normalen" Katholikinnen und Katholiken vor Ort, Obdachlose, Kranke, Behinderte, Drogenabhängige, Ungläubige, Einsame, Verzweifelte, Prostituierte, Flüchtlinge usw.? Sollte die Kirche nicht endlich alles schonungslos offenlegen - inklusive und besonders ihrer Finanzen?

 

16) Wäre es nicht endlich auch angebracht, dass Kardinal Marx in eine bescheidene Wohnung der erzbischöflichen Finanzkammer umzieht? Zu meinen, das erzbischöfliche Palais werde ja von der Staatsregierung zur Verfügung gestellt und schon immer von den Bischöfen genutzt, ist ein wirklich schwaches Argument. Niemand zwingt ihn, dort zu leben. Es wäre ein Zeichen, wenn er nicht nur von anderen fordert, etwas zu tun, sondern einmal bei sich selbst anfängt.

 

17) Es kann nicht angehen, dass die Kirche durch Kirchensteuereinnahmen immer reicher wird, gleichzeitig aber die Mitgliederzahl sinkt. So wird aus der Kirche in Großkonzern, den es möglicherweise mehr um die Verwaltung des eigenen Vermögens als um die Glaubensweitergabe, den Missionsauftrag und das Große Liebes-Gebot geht. Ein notwendiger, wenn auch radikaler Schritt wäre der einseitige und völlige Verzicht auf Kirchensteuer-Einnahmen. Nur dann ist die Kirche gezwungen, sich radikal auf das zu besinnen, was ihr eigentllicher Auftrag ist. Nur dann wird man jeden Cent zweimal umdrehen und unnötige Ausgaben vermeiden.

 

18) Ein Beispiel: Warum werden eigentlich immer neue Einrichtungsgegenstände verwendet? Diese kosten unglaublich viel Geld und sind absolut unnötig. Es gibt auch in kirchlichem Besitz Sozialkaufhäuser, aus denen man sich sehr gut bedienen könnte. Ja, die Möbel sind gebraucht, aber noch gut verwertbar. Ebenso könnte man bestehende Möbel verwenden und nicht jedesmal alles neu anschaffen.

 

19) Anstatt hohe Beträge in noch ein Qualitätsmanagement-Programm zu stecken, das dann im Sande verläuft, oder in noch eine neue Business-Strategie zu investieren, wäre es vielleicht angebrachter, gemeinsame Glaubenserfahrungen anzustrengen. Die kosten nichts, bringen aber die Welt!

 

20) Insofern sollte jede kirchliche Einrichtung auch seelsorgerisch betreut werden! Hiermit meine ich nicht nur Wohlfühl-Angebote mit christlichem Touch, sondern Katechese, Glaubensvermittlung, Bibelkreise, praktische Erfahrungen und Erlebnisse (etwa gemeinsamer ehrenamtlicher Dienst oder Ausflüge zu denen, denen wir dienen sollten!), kostenlose Angebote zur Fort- und Weiterbildung in dieser Richtung (auch wenn sie nicht direkt in das eigene Aufgabengebiet fallen!).

 

21) Es wäre vielleicht sinnvoller, wenn der Vorstand einer kirchlichen Einrichtung einen Tag mit Obdachlosen auf der Straße verbringt oder in Flüchtlingsheimen - anstatt Sektempfänge für potentielle Geldgeber zu veranstalten, bei denen die "Bedürftigen" als Rahmenprogramm auf der Bühne dienen. Kann sich etwa irgend jemand vorstellen, dass Mutter Theresa so etwas je gemacht hätte? Wohl kaum. Sie war für die Ärmsten der Armen da, für die Ausgestoßenen der Gesellschaft und hat nichts für sich selbst gefordert. Und doch kennt und liebt sie weltweit jedes Kind.

 

22) Ein weiteres Beispiel: Sollte man Kantinen in kirchlichen Einrichtungen nicht auch für Obdachlose, Arme, Flüchtlinge usw. öffnen und gemeinsam mit ihnen an einem Tisch sitzen und Mahl halten?

 

23) Leitbilder, die von oben aufgesetzt werden, mögen gut klingen, sie bringen aber nichts, wenn sie nicht von jedem und jeder im täglichen Leben umgesetzt werden! Wer sich wie ein Angestellter in einem Verwaltungskomplex verhält, der nur nach Schema F arbeitet und nur das tut, was in seinen Bereich fällt, macht Dienst nach Vorschrift. Er oder sie lebt aber nicht den katholischen Glauben und ist auch kein Beispiel für Christi Liebe!

 

24) Wenn sich kirchliche Einrichtungen und die Kirche selbst immer mehr an die Welt da draußen angleichen, welchen Grund gibt es dann noch für ihre Existenz?

 

25) All dies gilt im übrigen für sämtliche kirchlichen Einrichtungen!

 

Ich sage all dies nicht, um die Kirche schlecht zu machen oder bloß zu stellen. Ich sage dies als gläubiger Katholik, der seine Kirche, deren Einrichtungen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liebt und dem viel daran liegt. Schließlich bin ich selbst einer davon.

 

Man kann sich nun hinsetzen und versuchen, jeden einzelnen Punkt zu widerlegen, um sich selbst und das eigene Verhalten zu rechtfertigen. Man kann mich kündigen. Man kann sich aber auch verhalten wie die Apostel und Jünger des Neuen Testaments, die die Notwendigkeit der gegenseitigen Ermahnung und des gegenseitigen Aufrichtens ernst genommen haben, dankbar dafür waren und sich auch überlegt haben, wie sie sich ändern könnten. Sie haben Kritik gerne angenommen und ihr Verhalten geändert - anstatt den Kritiker in die Wüste zu jagen (Beispiele: Petrus und Paulus).

 

Wie auch immer. Ich werde mich nicht verhalten wie die schweigende Mehrheit. Dafür ist mir die Kirche zu viel wert.

 

Ich werde meinen Teil dazu beitragen, dass sie ihrem Auftrag gerecht wird.

 

München am 24. April 2016

 

Robert Gollwitzer