Katholisch Leben!

Den katholischen Glauben kennen, leben, lieben & verteidigen!

Blog

Missbrauch des Evangeliums

Posted on July 27, 2019 at 1:05 PM

Wenn mich was wirklich auf 180 bringt, dann sind es modernistische Priester, die das Evangelium dazu missbrauchen, ihre persönlichen Thesen zu untermauern. Sozusagen als göttliche Bestätigung der Richtigkeit ihres Denkens.

Da wird dann (in einer Messe vor Altenheimbewohnern!!) kurzerhand gefordert, dass die "alten Schläuche" ausgewechselt werden müssen zugunsten neuerer Versionen (da wird dann gerne mal der Zugang zum Priesteramt erwähnt), da es sonst alles "zerreißt". Das Einzige, was es hier zerreißt, sind vielleicht meine Nerven!

Genau solches modernistisches Gedankengut hat uns (die Kirche) doch in die Situation gebracht, in der wir heute sind! Anstatt sich auf das zu besinnen, was den katholischen Glauben ausmacht, werden dann noch radikalere Reformen gefordert, die uns noch schneller in den Untergang treiben! Solche Priester haben es verdient, dass ihnen ihre Schäfchen davonlaufen. Die Schäfchen wiederum haben nicht solche Priester verdient!

Was hat uns das 2. Vatikanische Konzil und all die Neuerungen (Pastoralreferenten, Gemeindereferenten, Pfarrgemeinderäte...) denn gebracht? Jedes Jahr neue Rekorde bei den Austrittszahlen! Aber wenn es um die Kohle geht (Stichwörter: Reichsdeputationshauptschluss, Kirchensteuer, Gehälter), sind einem die "alten Schläuche" doch noch gut genug! Da wird dann auch die eindeutig kirchenrechtlich nicht zulässige Praxis, Gläubige, die austreten, um die Kirchensteuer nicht mehr zahlen zu müssen, mit einem "Abfall vom Glauben" gleichzusetzen, wieder aufgewärmt. Das ist ganz einfach falsch!

In bester/übelster Apologetik wird dann weiterhin angeführt, dass es damals nicht die Tradition, sondern andere Umstände gewesen seien, die die Gläubigen bei der Kirche gehalten hätten... Quatsch mit Soße!

Ich kann es kaum erwarten, dass das jetzige System zusammenbricht und all die bezahlten Berufskatholiken das Weite suchen. Dann können wir mit dem verbliebenen Rest wieder von Neuem beginnen.

Kirchliche Hofberichterstattung

Posted on April 24, 2016 at 6:05 AM

442 kirchliche Mitarbeiter der Erzdiözese München und Freising ziehen also nun in das neue Verwaltungsgebäude in der Münchner Innenstadt um, das für Unsummen von Geld erworben und umgebaut wurde. Aber schließlich spare man dafür laut heutiger Radiomeldung 75 Millionen Euro Miete jährlich für die Anmietungen von Räumen, das Ganze ist zentral, alle sitzen zusammen, man habe einen so schönen Innenhof und einen Blick auf die Kirche usw.

 

Die Presse schluckt dies vollkommen kritiklos, macht sich zum Hofberichtserstatter und meldet dies beinahe im O-Ton des Ordinariats. Das hat mit unabhängiger, kritischer Pressearbeit aber schon gar nichts mehr zu tun.

 

Nur mal einige Punkte zum Nachdenken:

 

1) Wenn für 442 Mitarbeiter bisher 75 Millionen Euro Miete jährlich gezahlt wurden, darf man fragen, wieso? Gibt es hier keine unabhängige Wirtschaftlichkeitsprüfung? Haben die im Buckingham-Palace gearbeitet?

 

2) Die Tatsache, dass man einen schönen Innenhof hat, beieínander sitzt und auf die Kirche schaut, macht einen auch nicht mehr katholisch.

 

3) Ist in einer Zeit der "armen Kirche" ein solcher Prunkbau wirklich angebracht?

 

4) Niemand kann mir erzählen, dass es hierfür nicht preisgünstigere Alternativen gegeben hat. Man muss ja nichtg gerade in einer Parallelstraße zur Kaufingerstraße residieren.

 

5) Wer sagt denn eigentlich, das die gesamte Verwaltung zentral laufen soll? Wäre es nicht angebrachter, alles zu dezentralisieren und die Ortsgemeinden zu stärken?

 

6) Es gibt unzählige kirchliche Liegenschaften, die fremd vermietet werden. Warum mietet man dann andere Liegenschaften an und nimmt nicht das, was einem eh gehört?

 

7) Man spart zwar die Miete für angemietete Büros, hat aber einen jährlichen Instandsetzungsbedarf, der nun nicht mehr über die Miete gedeckt wird, sondern selbst bezahlt werden muss - und im Laufe der Jahre nicht unerheblich sein dürfte. Weiterhin kostet auch der Umzug Geld, weiterhin die Einrichtung usw. Zahlen sollte man immer kritisch überdenken, wenn sie von dem vorgelegt werden, den es betrifft.

 

8) Fühlen sich Menschen am Rande der Gesellschaft, denen Jesu' besondere Liebe galt, nicht als Fremdkörper in solch einem Gebäude? Auch wenn es nur der Verwaltung dient, sollte in jeder kirchlichen Einrichtung Platz für diese Menschen sein!

 

9) Wenn ich das katholische Selbstbild der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärken will, sollte ich sie vielleicht dabei unterstützen, ein Leben gemäß der Lehre der Kirche zu führen und nicht die Augen verschließen, wenn sie in ihrer privaten Lebensgestaltung zum Ausdruck bringen, dass sie davon offenbar nicht viel halten.

 

10) Abgesehen davon sollte ich bei der Einstellung auch darauf achten, dass die neuen Kolleginnen und Kollegen auch meinen Glauben vertreten. In einer Stadt wie München besteht bestimmt keine Notwendigkeit, mangels Alternativen Atheisten, Konfessionslose oder Mitglieder eines anderen Glaubens anzustellen.

 

11) Anstatt neue Gebäude zu kaufen und aufzumotzen, sollte man die bestehenden besser nutzen. Warum Kirchengebäude jeglicher Art nicht mit anderen Christinnen und Christen teilen? Die schließt auch Evangelikale, Orthodoxe, "Freikirchen" usw. ein. Wäre das nicht gelebte Ökumene?

 

12) Ein Großteil kirchlicher Liegenschaften dürfte aus einem Erbe stammen. Der Eigenkapitaleinsatz ist somit praktisch Null. Wäre es hier nicht angebracht, nicht die "ortsübliche" Miete zu verlangen (die in München astronomisch hoch ist), sondern an arme Menschen zu zivilen Preisen zu vermieten? Sollten aus kirchlichen Liegenschaften nicht auch Vorzeige-Objekte werden, die die besondere Mission zeigen (Begegnungszentren, Mehrgenerationenhäuser, Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte usw.)?

 

13) Es gibt mehrere kirchliche Liegenschaftsverwaltungen. Warum wird dann noch Geld für Fremdverwaltungen verschwendet? Sollte die Kirche nicht ihrem Auftrag gerecht werden und sich selbst in verantwortungsvoller Art und Weise um diese Liegenschaften kümmern?

 

14) Warum gibt es überhaupt mehrere kirchliche Liegenschaftsabteilungen? Wäre es nicht viel angebrachter, diese zu einer zusammenzufügen?

 

15) Warum muss die Überprüfung kirchlicher Einrichtung eigentlich immer nur von unabhängigen Wirtschaftsprüfern stattfinden? Sollte sie nicht auch zusätzlich von denen gemacht werden, die wir eigentlich ansprechen wollen und sollen? Die "ganz normalen" Katholikinnen und Katholiken vor Ort, Obdachlose, Kranke, Behinderte, Drogenabhängige, Ungläubige, Einsame, Verzweifelte, Prostituierte, Flüchtlinge usw.? Sollte die Kirche nicht endlich alles schonungslos offenlegen - inklusive und besonders ihrer Finanzen?

 

16) Wäre es nicht endlich auch angebracht, dass Kardinal Marx in eine bescheidene Wohnung der erzbischöflichen Finanzkammer umzieht? Zu meinen, das erzbischöfliche Palais werde ja von der Staatsregierung zur Verfügung gestellt und schon immer von den Bischöfen genutzt, ist ein wirklich schwaches Argument. Niemand zwingt ihn, dort zu leben. Es wäre ein Zeichen, wenn er nicht nur von anderen fordert, etwas zu tun, sondern einmal bei sich selbst anfängt.

 

17) Es kann nicht angehen, dass die Kirche durch Kirchensteuereinnahmen immer reicher wird, gleichzeitig aber die Mitgliederzahl sinkt. So wird aus der Kirche in Großkonzern, den es möglicherweise mehr um die Verwaltung des eigenen Vermögens als um die Glaubensweitergabe, den Missionsauftrag und das Große Liebes-Gebot geht. Ein notwendiger, wenn auch radikaler Schritt wäre der einseitige und völlige Verzicht auf Kirchensteuer-Einnahmen. Nur dann ist die Kirche gezwungen, sich radikal auf das zu besinnen, was ihr eigentllicher Auftrag ist. Nur dann wird man jeden Cent zweimal umdrehen und unnötige Ausgaben vermeiden.

 

18) Ein Beispiel: Warum werden eigentlich immer neue Einrichtungsgegenstände verwendet? Diese kosten unglaublich viel Geld und sind absolut unnötig. Es gibt auch in kirchlichem Besitz Sozialkaufhäuser, aus denen man sich sehr gut bedienen könnte. Ja, die Möbel sind gebraucht, aber noch gut verwertbar. Ebenso könnte man bestehende Möbel verwenden und nicht jedesmal alles neu anschaffen.

 

19) Anstatt hohe Beträge in noch ein Qualitätsmanagement-Programm zu stecken, das dann im Sande verläuft, oder in noch eine neue Business-Strategie zu investieren, wäre es vielleicht angebrachter, gemeinsame Glaubenserfahrungen anzustrengen. Die kosten nichts, bringen aber die Welt!

 

20) Insofern sollte jede kirchliche Einrichtung auch seelsorgerisch betreut werden! Hiermit meine ich nicht nur Wohlfühl-Angebote mit christlichem Touch, sondern Katechese, Glaubensvermittlung, Bibelkreise, praktische Erfahrungen und Erlebnisse (etwa gemeinsamer ehrenamtlicher Dienst oder Ausflüge zu denen, denen wir dienen sollten!), kostenlose Angebote zur Fort- und Weiterbildung in dieser Richtung (auch wenn sie nicht direkt in das eigene Aufgabengebiet fallen!).

 

21) Es wäre vielleicht sinnvoller, wenn der Vorstand einer kirchlichen Einrichtung einen Tag mit Obdachlosen auf der Straße verbringt oder in Flüchtlingsheimen - anstatt Sektempfänge für potentielle Geldgeber zu veranstalten, bei denen die "Bedürftigen" als Rahmenprogramm auf der Bühne dienen. Kann sich etwa irgend jemand vorstellen, dass Mutter Theresa so etwas je gemacht hätte? Wohl kaum. Sie war für die Ärmsten der Armen da, für die Ausgestoßenen der Gesellschaft und hat nichts für sich selbst gefordert. Und doch kennt und liebt sie weltweit jedes Kind.

 

22) Ein weiteres Beispiel: Sollte man Kantinen in kirchlichen Einrichtungen nicht auch für Obdachlose, Arme, Flüchtlinge usw. öffnen und gemeinsam mit ihnen an einem Tisch sitzen und Mahl halten?

 

23) Leitbilder, die von oben aufgesetzt werden, mögen gut klingen, sie bringen aber nichts, wenn sie nicht von jedem und jeder im täglichen Leben umgesetzt werden! Wer sich wie ein Angestellter in einem Verwaltungskomplex verhält, der nur nach Schema F arbeitet und nur das tut, was in seinen Bereich fällt, macht Dienst nach Vorschrift. Er oder sie lebt aber nicht den katholischen Glauben und ist auch kein Beispiel für Christi Liebe!

 

24) Wenn sich kirchliche Einrichtungen und die Kirche selbst immer mehr an die Welt da draußen angleichen, welchen Grund gibt es dann noch für ihre Existenz?

 

25) All dies gilt im übrigen für sämtliche kirchlichen Einrichtungen!

 

Ich sage all dies nicht, um die Kirche schlecht zu machen oder bloß zu stellen. Ich sage dies als gläubiger Katholik, der seine Kirche, deren Einrichtungen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liebt und dem viel daran liegt. Schließlich bin ich selbst einer davon.

 

Man kann sich nun hinsetzen und versuchen, jeden einzelnen Punkt zu widerlegen, um sich selbst und das eigene Verhalten zu rechtfertigen. Man kann mich kündigen. Man kann sich aber auch verhalten wie die Apostel und Jünger des Neuen Testaments, die die Notwendigkeit der gegenseitigen Ermahnung und des gegenseitigen Aufrichtens ernst genommen haben, dankbar dafür waren und sich auch überlegt haben, wie sie sich ändern könnten. Sie haben Kritik gerne angenommen und ihr Verhalten geändert - anstatt den Kritiker in die Wüste zu jagen (Beispiele: Petrus und Paulus).

 

Wie auch immer. Ich werde mich nicht verhalten wie die schweigende Mehrheit. Dafür ist mir die Kirche zu viel wert.

 

Ich werde meinen Teil dazu beitragen, dass sie ihrem Auftrag gerecht wird.

 

München am 24. April 2016

 

Robert Gollwitzer