Katholisch Leben!

Den katholischen Glauben kennen, leben, lieben & verteidigen!

Blog

Fragenkatalog zur Prostitution

Posted on October 25, 2015 at 2:10 PM

Ich habe eben einen Fragenkatalog einer Schülerin zum Thema Prostitution anlässlich einer Arbeit bekommen, die sie schreiben muss. Hier der Katalog mit meinen Antworten:

 

Fragen : Seminararbeit „Der Dienst am Nächsten - Liebe deinen Nächsten? Kirche und Prostitution

 

1.Würden sie sich negativ über das fast schon als „Alltagsphänomen“ bezeichnete Thema Sex beschweren ?( Zeitschriften, Filme) Ja Nein

"Sex" an sich ist nicht negativ. Es ist etwas Heiliges. Insofern ist die Katholische Kirche auch nicht gegen Sex - sie würdigt ihn nur als das, was er tatsächlich ist und macht nicht etwas Billiges daraus. Was tatsächlich täglich stattfindet, ist die Sexualisierung unserer Gesellschaft. Gabriele Kuby hat sich hierzu mehrach in ausgezeichneter Art und Weise geäußert.

 

 

2. Wie würden sie „Prostitution“ definieren?

Wikipedia definiert dies so: "Prostitution (von lateinisch prostituere „nach vorn/zur Schau stellen, preisgeben“), früher Gewerbsunzucht, bezeichnet die Vornahme sexueller Handlungen gegen Entgelt, den Schandlohn." Aus katholischer Sicht ist sie mehr als das: Bereits im Alten Testament wurde Israel nach seiner Untreue Gott gegenüber - also der Bruch des Bundes - als "Hure" bezeichnet. In einem Bund gibt sich der Gatte in lebensspendender Art und Weise seiner Gattin hin. Beide werden eins - so sehr eins, dass man dem "Einen" neun Monate später einen Namen geben muss. Dies spiegelt die selbstlose Art und Weise wieder, mit der sich Jesus in lebensspendender Art und Weise Seiner Braut, der Kirche hingab. Das Kind, das daraus hervorgeht und aus der Familie ein "Dreier-Gespann" macht, das doch eins ist, ist ein Spiegelbild der Dreifaltigkeit. So ist die katholische monogame, heterosexuelle und lebenslange Ehe zum Wohl der Ehegatten und zur Zeugung von Kindern bestimmt. Versucht man eines davon bewusst auszuklammern, zerstört man das Ganze. Sex außerhalb der Ehe - und erst recht Prostituation! - sowie außereheliche Beziehungen sind nichts anderes als eine Art von bürgerlichen Verträgen, wo man überein kommt, Eigentum oder Eigentumsrechte auszutauschen. Beim unauflöslichen Bund gibt man sich selbst hin.

 

 

 

3.Was halten sie von der These von Augustinus ?

„Was könnte man anführen, dass schädlicher wäre, als Dirnen, Kuppler und die anderen Vertreter dieses verderbten Gesindels? Aber entferne die Dirnen aus der menschlichen Gesellschaft: du wirst alles durch die sexuellen Leidenschaften durcheinander bringen. Setzte sie an den Platz der verheirateten Frauen und du wirst alles durch Unheil und Schande entehren.“

Der Heilige Augustinus war selbst lange Jahre mit einer Frau zusammen. Sie hatten einen Sohn miteinander. Nicht umsonst betete die Heilige Monika, seine Mutter, unaufhörlich für ihn.

Er wusste, was es bedeutete, ein Leben lang in Versuchung geführt zu werden. Er kannte die körperliche Liebe und ebenso sexuelle Begierden und vergaß dies auch nicht nach seinem Eintritt in die Kirche. Nicht umsonst war er es, der darauf hinwies, dass sein Herz so lange ruhelos sein würde, bis es eines Tages in Gott ruht. Insofern drückt dieses Zitat wohl eher eine gesellschaftliche Realität aus. Es ist keinesfalls ein Gutheißen von Prostitution. Augustinus sah Prostituation allerdings als "kleiners Übel".

 

 

4.Was denken sie - wieso wurden früher, sowie heute Prostitutionsstätte ( Frauenhäuser, Puffs, Herbertstraße (Hamburg)) erlaubt ?

Früher: Früher hatte Prostitution teils kultischen Charakter (Tempelprostitution). Auch diente sie der Befriedigung sexueller Begierden - vor allem für die, die nicht verheiratet waren. Teils war Prostitution auch gesellschaftlich anerkannt (Kurtisanen). Teils sah man Prostituierte aber auch als Hexen und verbrante sie als solche. Ein weiterer Grund, der so manche Frau in die Prostitution trieb, war wohl auch die Sorge ums Überleben - etwa wenn der eigene Mann tot und keine Familie vorhanden war und es an der nötigen Ausbildung für eine gutbezahlte Arbeit fehlte. So verdienten Frauen ihren Lebensunterhalt - oder einen Teil davon - mit dem Verkauf ihrer Körper. Ein Grund für die Unterbringung von Huren in besonderen Häusern mag gewesen sein, dass sie dort von den örtlichen Behörden leichter zu kontrollieren waren - ein Grund auch für die gesetzliche Reglementierung der Prostitution. Nach dem Aufkommen der Frauenbewegung schlossen viele Bordelle, was wiederum zur Verelendung der Prostituierten führte, die nun auf die Straße getrieben wurden.

Heute: Heute ist das gesamte Spektrum der Vergangenheit vertreten: Bordelle, gesetzliche Regelungen, Verbote, usw. Teils wird Prostitution als "Befreiung der Frau" gefeiert (eine absolut lächerliche und realitätsferne Behauptung. Es ist eine Entwürdigung sowohl von Mann und Frau!). Auch Männer verkaufen sich mittlerweile. Sex ist zu einer Ware verkommen. Nach der sexuellen Revolution in den 60ern wurde die traditionelle christliche Ehe, die das Beste für alle Beteiligten war - durch (beinahe) nichts ersetzt. Alle möglichen Konstellationen gehen nun. Und was noch nicht geht, wird bald gangbar gemacht. Die Konsequenzen sind kaum zu übersehen: Störungen der Geschlechtsidentität, Abtreibung, Sex- und Pornosucht, kriminelle Aktivitäten, Geschlechtskrankheiten usw.

 

 

5.Wie stehen sie persönlich in der heutigen Zeit zu Bordellen und anderen Räumlichkeiten?

Mit einem Verbot alleine wird man dem nicht beikommen. Hier muss man weiter ausholen und das Wissen um die traditionelle, christliche Familie (wieder) vermitteln - verbunden mit dem damit verbundenen Wert für alle Beteiligten.

 

 

 

6.Wie würden sie diesen Ausdruck aus der Bibel deuten? Steht dies nicht im Gegensatz mit der Kirche? Wurde die Prostitution schon früher toleriert ?

„Da sie nun Juda sah, meinte er, sie wäre eine Hure; denn sie hatte ihr Angesicht verdeckt [..] Da gab er's ihr und kam zu ihr; und sie ward von ihm schwanger“

Hier mit einem Satz zu antworten, ist kaum möglich. Grundsätzlich ist anzumerken, dass ein aus dem Zusammenhang gerissenes Bibelzitat ohne entsprechendes Hintergrundwissen eher zu Verwirrung denn zu einem besseren Verständnis beiträgt. Beispiel: Wir alle kennen den Ausdruck "Das Auto ist im Eimer". Nun stellen Sie sich einmal vor, jemand würde in ferner Zukunft - in 2.000 Jahren - diesen Satz lesen. Was für eine Überraschung dürfte er empfinden, wenn er ihn einfach so wörtlich auffasst, ohne das Hintergrundwissen zu haben, mit dem wir diesen Ausdruck verwenden!

 

7.Früher betrieben meist Kirchen und Klöster „Frauenhäuser“. Ein Grund war der wirtschaftliche Aspekt. Was denken sie waren weitere Gründe wieso grade kirchliche Institute, so ein Gewerbe unterstützen und sogar selber betrieben?

Warum erliegen Menschen fleischlichen Gelüsten (Sex, Geld, Macht, Einfluss, gesellschaftliche Anerkennung usw.)? Katholiken sind vor Versuchungen keineswegs ausgenommen und einige erliegen dieser Versuchungen - aus unterschiedlichsten Gründen (persönlicher Vorteil, "gut gemeinte" Absichten etc.). Macht dies die Versuchung zu etwas moralisch Akzeptablen? Keineswegs. Das wäre eine absurde Schlussfolgerung.

 

 

8.Waren die Prostituierten um das Mittelalter, als Gruppe in die Gesellschaft integriert? ( Bezug auf Kleiderordnung, Kirche) Wie stand die Kirche zu Prostituierten allgemein? Konnte man auf Hilfe vertrauen?

Die Prostitution wurde verurteilt - und gleichzeitig gab es kontrollierte Bordelle. Weitaus schwererhatten es hier wohl Gelegenheitsprostituierte oder Prostituierte, die außerhalb solcher Bordelle tätig waren. Geschützt waren Prostituierte damals wie heute nur sehr eingeschränkt. Es war und ist ein gefährliches "Geschäft" - in jeder Hinsicht: körperlich, psychisch, spirituell.

 

9.Wie ist die Prostitution heute Integriert? Immer noch großer „Abschaum“? Wie stehen sie heutzutage zu Prostitution? Würden sie jemanden von diesem Gewerbe den Segen geben und sie unterstützen?

Man wird ja heute nicht müde, zu betonen, wie sehr Prostitution gesellschaftlich integriert ist. Und doch dürte es nur wenige geben, die sich dieses Gewerbe für die eigenen Kinder wünschen. Ich würde es wie Jesus halten: Er hatte keine Scham, sich mit Prostituierten abzugeben und rettete sogar einer das Leben. Gleichzeitig trug Er ihr aber auch auf, von nun an nicht mehr zu sündigen. Es gibt Gründe, warum Menschen sich sexuell verkaufen. Diese Gründe und die dahinter stehenden Bedürfnisse und Verletzungen müssen angegangen und den Betroffenen eine bessere Perspektive gezeigt werden.

 

 

10. An vielen offiziellen Anlässen ( Hochzeiten, Prozessionen) war es eine Selbstverständlichkeit, Prostituierte im Mittelalter anzutreffen. Wieso war das erlaubt und gewünscht? Heutzutage sieht man ja keine „offiziellen“ Prostituierten auf solchen Festen ? Hat sich die Gesellschaft verändert?

Prostituierte wurden damals nicht als Frauen gesehen, die mit den eigenen Ehefrauen gleichgestellt waren - eher als eine Art "Notlösung" zur Bedürfnisbefriedigung (da hat sich wohl wenig geändert).

 

 

Wieso wollte man sie im öffentlichen Leben nur ungern dabei haben ?

Als Mann geantwortet: Es ist leichter, mit einer Frau an seiner Seite "anzugeben", die man "erobert" hat und die einen als Mensch begehrt (auch sexuell), als mit einer Frau, die man gekauft hat und die alleine dafür da ist, die eigenen sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen, obgleich sie das von sich aus nie machen würde.

 

 

 

11.Kennen sie kirchliche Institutionen die Prostituierten bei einem Ausstieg helfen?

Mimikry und Marikas: http://www.hilfswerk-muenchen.de/9__1_beratungsstellen-mimikry-marikas.html

 

 

12.Wie würden sie die Stellung der Kirche heute und im Mittelalter beschreiben? Gibt es Unterschiede?

Unterschiede gibt es insofern, als in der Öffentlichkeit anders über Prostituierte gesprochen wird und auch Hilfsangebote zur Verfügung stehen. Ob sich die innere Einstellung Einzelner geändert hat, ist fraglich. Ob sie sich ändern muss, ebenso.

 

 

 

13.Was sagen sie zu dem Ausdruck „Liebe deinen Nächsten – Dienst am Nächsten“? Welcher Dienst ist da gemeint ? Könnte die Prostitution gemeint sein?

So etwas kann eigentlich nur jemand sagen, der vom Christentum keine Ahnung hat - und nicht einmal der. Das ist einfach nur dumm und billig. Was es heißt, bedingungslos unter Aufgabe des eigenen Lebens seinen Nächsten (besonders seine Feinde!) zu lieben, hat Jesus selbst uns vorgeführt.

 

 

14.Finden sie es einen positiven Fortschritt, dass die Prostitution legitimiert wurde ( Prostitutionsgesetz)? Ist es eher als Lösung zu den Problemen im Mittelalter zusehen oder als Untergang in der heutigen Gesellschaft, da es rechtlich erlaubt ist und sich fast jeder frei prostituieren kann?

Hier geht es weniger um erlaubt oder nicht erlaubt. Auch Gesetze stehen nur auf einem gesellschaftlichen Wertefundament. Was wir heute antreffen, ist ein moralischer Relativismus, bei dem jeder selbst bestimt, was gut, richtig, wahrhaftig und moralisch akzeptabel gibt. Einen gesellschaftlichen Konsens hierüber gibt es nicht mehr. Das allerdings ist mittel- bis langfristig tatsächlich der Untergang jeder Gesellschaftsform.