Katholisch Leben!

Den katholischen Glauben kennen, leben, lieben & verteidigen!

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Wenn die Kirche wie die Welt ist

Posted on February 3, 2018 at 1:40 PM

Ich komme eben von der Abendmesse in einem örtlichen Altenheim zurück.

Der Gottesdienst war in ziemlich allen Teilen ein Spiegelbild der deutschen Katholischen Kirche.

Für gewöhnlich ist der Priester in ein Gespräch mit einem Mitglied des Pfarrgemeinderats vertieft, wenn ich den Raum betrete. Ein kurzer Händedruck - und fertig.

Abgesehen davon, dass ich der Ansicht bin, dass sich ein Priester - alleine! - geistig auf das vorbereiten sollte, was nun kommt (schließlich gibt es nichts im Universum, was größer ist als der Moment, an dem Himmel und Erde in der Wandlung aufeinander treffen!), so sollte doch (nach der Messe) ein Anteilnehmen am Leben der Gläubigen selbstverständlich sein.

Ich habe mir irgendwann gedacht, mach du doch den ersten Schritt - was aber höflich und bestimmt abgewiesen wurde.

Nun gut. Irgendwann wird das Geplauder beendet und nahtlos die Messe begonnen (wie kann man sich eigentlich geistig so schnell auf das Wesentliche konzentrieren?).

Die Messe beginnt wie üblich.

In der Regel fällt die erste Lesung komplett weg. Warum eigentlich? Die erste und zweite Lesung ergänzen sich wunderbar und gemeinsam mit dem Evangelium bilden sie eine großartige Einheit. Warum dies den Gläubigen vorenthalten?

Heute fallen die Lesungen kommentarlos komplett weg.

Ein Wunder, dass noch das Evangelium verlesen wird.

Die Predigt ist wie gehabt - eine theologische Abhandlung, bei der der Priester wohl mehr oder weniger bewusst zeigen will, was er gelernt hat. Schön und gut in der Uni - völlig fehl am Platz in einem Altenheim.

Wie üblich werden Bibelverse auch heute immer wieder mal kurz verwendet (missbraucht?), um das, was der Priester persönlich unter "Reformen" versteht, als gut und gottgewollt darzustellen (die theologische Darstellungsweise soll hier wohl noch zusätzliche Autorität verleihen). Im Englischen nennt man das "proof texting" - das Ausschneiden einzelner Bibelverse aus dem Kontext, um damit die eigene Meinung zu unterlegen und zu "beweisen".

Ebenfalls wie üblich ist die Predigt irgendwie richtig und irgendwie belanglos. Jedesmal frage ich mich, was denn eigentlich die zentrale Botschaft der Predigt ist. Und jedesmal habe ich keine Ahnung. Ich vermute, die anwesenden Alten noch viel weniger. Würde man irgendjemand nach der Messe nach der Predigt oder einer der Schriftlesungen fragen, würden wohl die wenigsten eine Antwort geben können.

Angesichts des Austreibens von bösen Geistern durch Jesus, von dem im Evangelium die Rede war, kommt ein kurzer Verweis darauf, dass dies eine "bildhafte Darstellung" (sprich eine Art Symbol und keineswegs die Realität) sei. Da werde ich zum ersten Mal zornig. Nicht nur, dass ganze Pfarreien seit Jahrzehnten nichts von Dämonen, bösen Geistern, Satan, Hölle und Verdammnis gehört haben, jetzt wird das sogar als "bildhaft" dargestellt. Das ist verantwortungslos für einen Hirten.

Ich denke mal, da werden einige spätestens nach dem Tod sehr überrascht sein.

Kurz vor dem Schlusssegen dann stellen sich die Kandidat*innen für die anstehende Pfarrgemeinderatswahl vor.

Nun ist es kein Geheimnis, dass ich den Pfarrgemeinderat als gutgemeintes, aber gescheitertes Experiment in Folge des II. Vatikanischen Konzils sehe. Hier wollen Laien, die wenig bis gar keine theologischen Kenntnisse haben, an kirchlichen Entscheidungen und Glaubensfragen beteiligt werden, von denen sie schlicht keine Ahnung haben. Gut gemeint und schlecht gelaufen. Eine Plage für unzählige Priester. Kein Wunder, dass diese eine Identitätskrise haben.

Ich höre jeder einzelnen Kandidatin zu (nur ein Mann darunter - ebenso ein Bild für unsere deutsche Kirche).

Bei keiner einzigen könnte man sagen, das hat wirklich etwas mit der Katholischen Kirche zu tun. Sie wollen alle Gutes tun, sich um das gemeinschaftliche Leben kümmern oder einfach "ihren Beitrag leisten" (wobei dies nicht näher bestimmt wird).

Was um Himmels willen unterscheidet so eine Gemeinde von einem atheistischen Nachbarschaftsverein? (Fast) gar nichts.

Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich bin der festen Überzeugung, dass sowohl die Kandidat*innen wie der Priester die besten Absichten haben. Das Gegenteil von "gut" ist aber "gut gemeint". Dieses "gut" ist leider nicht gut genug für die Kirche.

Kein Mensch braucht so einen Wohlfühl-Verein und es ist somit nur folgerichtig (wenn auch traurig), dass viele Menschen die Katholische Kirche in Deutschland verlassen (international steigt die Zahl der Katholiken!).

Menschen wie ich gelten als "aggressiv", "fundamentalistisch", "engstirnig", "altmodisch" (im Gegensatz zur eigenen, Möchtegern-fortschrittlichen Einstellung). Sei's drum.

Die deutsche Kirche ist am Schrumpfen. Das ist gut so und notwendig. Papst Benedikt hat das bereits 1969 in beinahe prophetischer Art und Weise vorausgesehen.

Wir müssen schrumpfen, um wieder zu dem zurückzufinden, was wir eigentlich sind:

Der Leib Christi.


München, 03.02.2018


Robert Gollwitzer

Geld für Messen

Posted on November 29, 2015 at 7:00 AM

Papst Franziskus hat die Pfarreien, die für ihre Dienste Geld verlangen (also etwa für eine Messe, die für einen Verstorbenen gehalten wird), ausdrücklich gerügt. Das stört die aber nicht. Die Pfarreien kassieren fleißig weiter. Eine Unverschämtheit ist das! Manche faseln noch etwas von wegen das sei ja für die Ministranten. Ich war selbst jahrelang Ministrant und ich habe nie Geld gesehen. Hört endlich auf damit, Geld für Messen zu kassieren!

Aufstieg und Fall der katholischen Sonntagsmesse

Posted on January 18, 2015 at 6:30 AM

Die katholische Messe – ein Theaterspiel mit seichter Botschaft?

Wer kennt sie nicht – die liturgischen Missbräuche während der sonntäglichen Messe, auf die die zuständigen Pfarrer auch auf entsprechende Hinweise nicht reagieren. Es gibt zwar Ausnahmen für Laienpredigten während einer Messe, aber oft ist die regelmäßige sonntägliche Laienpredigt ohne entsprechenden Anlass bereits die Norm. Die beiden Lesungen werden in der Regel auf eine gekürzt und fallen teils ganz aus – zugunsten „gutgemeinter“ Schauspiele der Ministranten.

Bei Predigten verkürzt sich die Katechese dann auf eine seichte und lauwarme hobby-psychologische Auslegung der Schriftlesung, die schon fast jeder Atheist ohne jegliche Ausbildung genauso aus dem Stegreif halten könnte. Predigten, bei denen jeder zustimmen kann und niemand etwas davon hat. Predigten, die bereits fünf Minuten später wieder vergessen sind.

Der Rest der Messe wird dann mehr oder weniger herunter gespult.

Wundern wir uns da noch, warum die Teilnahme der Gläubigen (ganz zu schweigen von denen, die noch nicht gläubig sind!) ständig sinkt und die meisten Katholiken keine Ahnung mehr davon haben, was die Kirche eigentlich lehrt und warum? Ich kann nur das wirklich lieben, was ich kenne. Ansonsten lande ich schnell bei einem abergläubischen moralischen Relativismus, bei dem ich mir aus einem spirituellen Buffet selbst zusammen suche, was mein „Glaube“ ist.

Die Grundstruktur der Heiligen Messe wurde keineswegs willkürlich gewählt. Sie geht auf die ersten Christen zurück und soll auch so erhalten werden. Für zeitgemäße Aktualisierungen und individuelle Beiträge gibt es genügend Spielraum. Wenn die Kirche aber auf bestimmten Regeln für die Liturgie besteht, dann nicht, weil sie uns gerne herum kommandiert, sondern weil es ihre Aufgabe ist, uns spirituell zu ernähren und auf den richtigen Weg zu führen.

Was die Heilige Messe jedoch nie ist und auch nie sein darf, ist ein „gutgemeintes“ Theaterspiel, bei dem jeder mitspielen darf. Es gibt einen Grund, warum es seit biblischen Zeiten Menschen mit besonderen Beauftragungen (etwa Priester und Bischöfe) gibt.

Es ist die Aufgabe jedes Christen, den Missionsauftrag zu erfüllen und das Große Gebot, Gott und den Nächsten zu lieben wie sich selbst zu befolgen. Für ein Leben in der Nachfolge Christi bedarf es Jüngerinnen und Jünger (nichts anderes sind Christen!), deren Herzen brennen und die bereit sind, ihr Leben ganz unserem Herrn hinzugeben.

Ein Theaterspiel mit lauwarmer Botschaft sorgt weder für volle Bänke noch für brennende Herzen. Für so etwas brauche ich auch kein Christentum. Das kann die Welt da draußen besser.

Robert