Katholisch Leben!

Den katholischen Glauben kennen, leben, lieben & verteidigen!

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Weihnachts-Chaos

Posted on December 24, 2016 at 10:15 AM

Der Weihnachts-Familiengottesdienst ist doch unschlagbar: Wieder mal ist die Pfarrei völlig überrascht davon, dass so viele Menschen kommen und hat keine Stühle aufgestellt, die Geigenspieler fiedeln so schräg, dass es dir die Zehennägel aufstellt, Menschen, die du sonst nie siehst, tauchen auf (wohl um den spirituellen Tank wieder aufzufüllen und sich irgendwie heimelig zu fühlen...), der Pfarrer gibt (vor Kindern!) mit seinen wenigen Hebräisch-Kenntnissen an, die Sprechanlage ist so leise, dass kaum einer versteht, was gerade gesagt wird, die Lieder kennt kein Mensch, Dekoration ist kaum vorhanden, der Gottesdienst ist bereits um 15 Uhr, wo es noch hell ist und keine Weihnachtsstimmung aufkommen will, ein Weihnachtsspiel fällt komplett aus - kurz: Es ist halt Heiligabend...;-) Mir kommt gerade der Gedanke, dass das doch die perfekte Gelegenheit für eine Schock-Botschaft wäre, die die Anwesenden mal aus der passiven Apathie reisst... Aber dann gehe ich doch nach Hause. Wie jedes Jahr halt...

Predigt am Heiligen Abend

Posted on December 24, 2014 at 1:40 PM

 

Ich komme eben zurück von der Christmette am Heiligen Abend. Was mich sehr gefreut hat, waren die jungen Flüchtlinge, die daran teilgenommen haben. Was mich sehr enttäuscht hat, war (wieder mal…) die Predigt. Es geht mir einfach nicht in den Sinn, warum das so schwer in die Köpfe der Priester und Diakone zu bekommen ist. Die Predigt war „theologisch korrekt“ – oder eigentlich doch nicht. „Theologisch korrekt“ insofern, als sie klang wie aus dem Lehrbuch der theologischen Ausbildung. Historischer Bezug, Hinweis auf die Verbindung zum täglichen Leben usw. „Theologisch korrekt“ dann aber doch wieder nicht, da dies ja auch bedeutet, dass es eine gute Predigt war, die ihren Sinn und Zweck erfüllte: die Herzen der Zuhörer mit heiligem Feuer zu erfüllen, sodass sie hinaus gehen und die ganze Welt anzünden wollen. Ihnen in allgemein verständlicher und unterhaltsamer Weise beizubringen, was die Kirche lehrt und warum – denn wir können nur das lieben, was wir auch kennen. Den Bezug zum Leben insofern herzustellen, als sich die Menschen tief im Herzen berührt fühlen sollten. Nichts davon war hier der Fall.

Die Predigt wurde abgelesen. Allein das könnte mich zur Weißglut treiben. Warum in aller Welt muss man eine Predigt ablesen? Warum kann man nicht so zu den Menschen sprechen, wie man jeden Tag zu ihnen spricht? In ihrer eigenen Sprache und Ausdrucksweise und so, wie man mit seinen eigenen Familienangehörigen spricht (was sie ja letztlich auch sind!).

Gerade am Heiligen Abend will der „kindliche Glaube“ angesprochen werden. Hier ist es besonders wichtig, die Herzen der Menschen und ihre Emotionen zu erreichen. An eine abgelesene Predigt erinnert sich wohl schon kurz nach der Messe kaum jemand mehr.

Die Christmette wurde zudem als Messe für Familien angekündigt. Umso mehr war diese Predigt eine komplette Themaverfehlung. Dass eine größere Anzahl von Flüchtlingen in unserer Pfarrei ist und möglicherweise kommen wird, muss ebenfalls Thema sein, wenn ich eine Predigt vorbereite. Selbst wenn mir das nicht bewusst ist, muss ich spontan darauf reagieren und in der Lage sein, eine abgeänderte Predigt aus dem Stegreif zu halten. Eine Predigt, die die Herzen der Menschen nicht erreicht, ist wertlos.

Am Heiligen Abend will niemand eine theologische oder historische Abhandlung hören.

Schließlich sollte man anschließend die Zuhörer ansprechen. Was haben sie behalten? Was hat sie angesprochen und was nicht? Ansonsten predigt man auch weiterhin für sich selbst und verpasst eine Chance nach der anderen, das zu tun, wozu uns Jesus gerufen hat.

Robert