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Geh, und arbeite!

Posted on October 3, 2014 at 8:15 AM

26. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 28. September 2014

 

+Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

Gleichnisse – so hat mal jemand gesagt – Gleichnisse haben ihren Sitz im Leben. Mit Gleichnissen, Vergleichen drücken wir manches aus, auch wenn wir sagen, dass Vergleiche oft hinken. Jesus bedient sich vieler Gleichnisse und Bilder, um den Leuten klarzumachen, worum es geht. „Mit dem Himmelreich ist es, wie ...“ diese Floskel, dieses Wort hören wir sehr oft aus dem Munde Jesu.

 

Heute haben wir wieder ein Gleichnis gehört: Es geht um einen Weinbergbesitzer, der zwei Söhne hat, und von diesen beiden erzählt Jesus. Ich hab in der Vorbereitung auf die Predigt innerlich schmunzeln müssen und hab mir gedacht: das ist heute nicht anders.

 

Wie oft antworten wir automatisch, wie aus der Pistole geschossen – und später kommen wir dann drauf: „ui, falsche Antwort, oder zumindest nicht die Antwort, die sich mein Gegenüber erwartet. Und dann stehen wir da. Und manchmal wird dann auch nicht mit Kritik gespart, und mit was? „Mit Recht!“ Wir sagen JA und tun Nein, oder wir sagen erst nein, und wir kommen dann drauf, dass unsere Hilfe vielleicht doch gebraucht wird.

 

Wir kennen das aus unserem eigenen Leben. „Kannst du mal bitte....!“ – „Ja!“ – „Vielleicht heute noch?“ Jaaaaaaaa! Und im Stillen denken wir uns: „Wozu das Ganze? I mog jetzt ned.“ Wir sagen Ja und tun doch nein. Es wird sich sicher wer anderer finden. So wie der Sohn im Evangelium. Wir sagen höflich „JA“, wahren die Form und eigentlich ist es uns egal.

 

Oder auf eine andere Ebene gehoben:

Liebe Eltern, Sie haben für Ihr Kind die Taufe erbeten, damit erklären Sie sich bereit, es im Glauben zu erziehen. Sind Sie sich dieser Aufgabe bewusst?“ Und alle Eltern antworten: „Ja!“

 

„Sind Sie bereit, die Kinder, die Gott ihnen schenken will, anzunehmen und sie im Geist Christi und seiner Kirche zu erziehen?“ – so wird bei der kirchlichen Trauung gefragt, und alle Brautleute antworten „JA“!

 

„Versprichst du mir und meinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam“ so fragt der Bischof bei der Priesterweihe jeden Weihekandidaten. Und jeder antwortet „Ja, ich verspreche es!“ Ein deutscher Bischof hat mal gesagt: „Mir ist oft gar nicht so wohl, wenn ich diese Fragen stelle...“

 

Warum sollten sie alle bei diesen Feiern auch nicht JA sagen, bei jedem Nein wäre die Feier „gelaufen“. Schluss, Ende, Aus. „Man“ weiß schließlich und hat es eingeübt, was an welcher Stelle zu sagen ist.

 

Oder wir hören eine gute Predigt und sagen uns: „Hm, die Predigt war gut, es lohnt sich zu merken, was er gesagt hat. Ist toll, kann mir viel mitnehmen. Ich werde versuchen das in der kommenden Woche umzusetzen“. Sie wissen, wie das mit dem JA sagen und den Vorsätzen ist!

 

Der zweite Sohn dagegen sagt „Nein“, er will nicht, er hat keine Lust. „Vielleicht die Frage: „Warum gerade ich?“ NEIN, ich will jetzt nicht. Sympathisch kommt er nicht rüber, der Gute. Und doch bekommt er die Kurve, will vielleicht sein Image retten. Fakt ist: er tut die ihm aufgetragene Arbeit.

 

Zwei Söhne, zwei Charaktere, zwei Antworten, zwei Lebensweisen!

 

Wir dürfen jetzt aber nicht den Fehler machen und den einen Sohn gegen den anderen ausspielen oder gar einem von ihnen den „Schwarzen Peter“ zuzuschieben.

 

„Geh, und arbeite!“ – Wenn wir heute das Evangelium hören und betrachten, dann gilt dieser Auftrag uns. „Geh und arbeite! Mach! Tu es!“ Dieser Auftrag ist nicht für die geistlichen Vorturner bestimmt, die die das Wort Gottes von Berufs wegen verkünden, auslegen, die versuchen entsprechend christlich zu leben. Dieser Auftrag gilt uns allen, die wir Gottes Wort hören und – wie der hl. Benedikt es im Prolog seiner Regel sagt – durch „die Tat“ erfüllen, den Willen Gottes erfüllen.

 

Der heilige Augustinus hat einmal gesagt: „Der Wille Gottes ist die Liebe!“

 

Gottes Wille verlangt Aufmerksamkeit: ein hörendes Herz.

 

Bei uns allen, liebe Schwestern und Brüder, gibt es die Haltung beider Söhne. Wie oft müssen wir uns fragen: stimmen unsere Worte mit unseren Taten überein, leben wir, was wir glauben, handeln wir aus diesem Glauben, fragen wir danach: Was will Gott von mir?“

 

Er sagt uns: „Geh, und arbeite in meinem Weinberg!“ Und wir sind in die Entscheidung gerufen, JA oder NEIN zu sagen. Aber Gott traut uns zu, dass wir zu einer Änderung fähig werden. „Wenn ich einen Fehler erkannt habe, dann gilt er schon als korrigiert“ hat ein verstorbener Mitbruder immer gesagt.

 

JA sagen zum Willen Gottes – das ist ein langer Weg, ein Weg des „Wachsens und Reifens“, eine Anstrengung, die sich lohnt. Dazu möchte uns das Evangelium heute ermutigen. Amen.

(Pater Gereon Gschwandtner OCist. Used with permission)