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Gleicher Lohn fuer ungleiche Arbeit

Posted on September 23, 2014 at 12:10 AM

25. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 21. September 2014

 

+Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

ein Mitbruder erzählt immer die Geschichte, wie seine Brüder und er in den Ferien dem Großvater helfen mussten, das Holz zu stapeln. Sie haben es nicht gerne gemacht, wussten aber: am Ende eines Vormittags würden sie eine Belohnung bekommen: ein Eis. Für ein Eis hätten sie alles getan. Aber, kurz bevor sie mit der Arbeit fertig waren, tauchten dann – wie aus dem Nichts – Kusinen und Kusins auf, gerade rechtzeitig zum Eis. Und so bekamen sie, obwohl sie fast nichts oder nichts getan hatten, am Ende auch ein Eis. „Das fanden wir nicht gerecht!“ sagt der Mitbruder.

 

„Ur-unfair“ würde unser Generalvikar das nennen. Und nach seiner Aussage ist es auch ur-unfair was da heute im Evangelium berichtet wird – „gleicher Lohn bei ungleicher Arbeitszeit“.

 

Da stimmt doch was, nicht, das kann ja nicht sein. Es wehrt sich etwas in uns, wir verstehen, dass sich die Arbeiter, die der Weinbergbesitzer am Morgen des Tages angeworben hat, aufregen, dass sie missmutig sind, dass sie gegen den Weinbergbesitzer murren: sie bekommen nur einen Denar, genauso viel wie die, die nur eine Stunde gearbeitet haben. Das schreit doch zum Himmel, das ist ungerecht, eben ur-unfair!

 

Liebe Schwestern und Brüder, es wäre nicht Jesus, der das Gleichnis erzählt, der sich dieses Bildes bedient, wenn er nicht herausfordern wollte, nicht provozieren wollte, wenn er nicht die Leute damals und uns heute – wie man sagt – aus der Reserve locken wollte.

 

Der Gutsbesitzer geht am Morgen bei Sonnenaufgang auf den Markt und wirbt, so würden wir heute sagen, Arbeitslose an und macht mit ihnen einen „Lohn“ aus: 1 Denar. Das war der übliche Lohn damals für einen Tag, das was das, was eine Familie damals zum Leben brauchte, etwa 200 Denare brauchte eine Familie, um ein Jahr zu leben. Er stellt die Männer für einen Denar ein. Sie sind froh, eine Arbeit zu bekommen. Desgleichen tut er es um 9 Uhr, um 12 und knapp vor Arbeitsschluss um 17 Uhr. Der Tag geht zu Ende, um 18 Uhr ist Feierabend. Allen verspricht er einen Denar. Nichts Ungewöhnliches also.

 

Das Bemerkenswerte an diesem Gleichnis ist: die, die zuletzt „eingestellt“ wurden, werden zuerst ausbezahlt. Sie bekommen den vereinbarten Lohn: 1 Denar. Und nach und nach werden alle ausbezahlt. Und dann heißt es: „Als dann die ersten an die Reihe kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen (nach dem Motto: die, die eine Stunde gearbeitet haben, die haben einen Denar bekommen. Ich hab so und so lange gearbeitet, dann macht das in Summe....). Aber auch sie erhielten nur einen Denar“. Sie beginnen zu murren.

 

Doch der Gutsbesitzer bleibt gelassen, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und sagt: „Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?.... Oder bist du neidisch, dass ich zu anderen gütig bin?“

 

Was muss das für eine Watschn für die Männer gewesen sein. Wie die Geschichte ausgeht, erfahren wir nicht, aber das tut auch eigentlich nichts zu Sache. Die Frage ist: was will Jesus den Menschen damals und uns heute sagen?

 

Wir kennen das vielleicht, und es sind Fragen, die wir uns schon öfter gestellt haben. Warum passiert ausgerechnet mir das? Ich mühe mich ab: gehe regelmäßig in die Kirche, bete regelmäßig, spende bei den großen Spendenaktionen wie Missio, Miva, Caritas und versuche ein Leben aus dem Glauben zu führen, und dann bricht das über mich herein: der Verlust des Arbeitsplatzes, das Scheitern und Zerbrechen einer Beziehung, eine schwere vielleicht unheilbare Krankheit. Und die anderen, die nix tun, die auf den lieben Gott pfeifen, die die Kirche als kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen sehen, die – wenn überhaupt – nur ihre Events feiern wollen, denen geht es doch gut – das ist doch ur-unfair.

 

Jesus sagt uns: Gott ist anders. Er ist anders, als wir ihn uns vorstellen. Er ruft, ruft heraus, beruft wann, wo und wie er will.

 

Wir hatten am Wochenende mit unserem Pfarrgemeinderat eine Klausurtagung, und es ging bei dieser Tagung auch um die Frage: wie und wo können wir Menschen abholen, für den Glauben begeistern, bildlich gesprochen „auf den Markt gehen, um Menschen für den Dienst vor Gott“ anzuheuern: das Spektrum ist breit: da gibt es die, die in der ersten Stunde des Tages schon berufen wurden, die brav ihren Dienst tun, da gibt es die, die buchstäblich in der letzten Stunde ihres Lebens die Kurve bekommen.

 

Das Gleichnis, liebe Schwestern und Brüder, will uns sagen: Am Ende erhalten alle den gleichen Denar: die Teilhabe am Reich Gottes. Der Denar – so hat es einmal jemand gesagt – ist immer unverdient, weil egal ob wir viel oder wenig gearbeitet haben, bei Gott sind alle gleich. Gott glaubt an das Gute in uns. Und deshalb wird er dem Letzten genauso viel schenken wie denen aus der ersten Stunde.

 

Liebe Schwestern und Brüder, wer spät zu Christus kommt, erhält genau so viel: Der „Lohn“ mit Christus zu sein, ist für jeden gleich. Amen.

 

(Pater Gereon Gschwandter OCist. Used with permission)