Katholisch Leben!

Den katholischen Glauben kennen, leben, lieben & verteidigen!

Blog

Gemeindeleben

Posted on June 28, 2015 at 1:35 PM

Sind katholische Gemeinden mittlerweile Treffpunkte religiöser Vereine mit einem sozialen Touch?

 

Alleine die Frage klingt provokant. Und doch – ist da was dran?

 

Ich bin umgezogen und neu in meiner katholischen Ortsgemeinde. Von dem, was ich bisher mitbekommen habe, liegt diese doch erheblich über dem Durchschnitt und es scheint viele sehr engagierte und gläubige Menschen dort zu geben. Selbst die Predigten sind um Welten besser als anderswo. Zu meiner großen Freude gibt es sogar Bibelgruppen, nach Altem und Neuem Testament getrennt.

 

Was also ist mein Problem?

 

In der Schule hätte man gesagt: Hart an der Thema-Verfehlung vorbei.

 

Am heutigen Sonntag etwa gab es ein Gemeinde-Frühstück, das liebevoll im Park vor der Kirche aufgebaut wurde. So versammelten sich nach dem Gottesdienst die Gläubigen vor dem Gebäude und plauderten. Ich hielt mich bewusst länger auf und bin auch nicht aktiv auf andere zugegangen, um zu testen, wie die Reaktion der Anwesenden sein würde. Da ist also erkennbar ein Fremder, der offensichtlich Anschluss sucht und nicht findet und etwas verloren rumsteht. Niemand ging auf mich zu, sprach mich an, lud mich ein oder was auch immer.

 

Die Anwesenden spiegelten wohl das Bild einer typischen katholischen Großstadt-Gemeinde wieder: Mittel- bis Oberschicht. Man war offenbar gerne unter sich, traf sich, feierte Gottesdienst, organisierte mit viel Einsatz Veranstaltungen.

 

Alles schön und gut (und das meine ich wirklich so) – nur ist es das, was Jesus im Sinn hatte?

 

Er hat uns nicht aufgetragen, uns wie ein religiöser Club zu versammeln und ein Freizeitangebot mit katholisch/sozialem Anstrich ins Leben zu rufen.

 

Jesus gab uns das Große Gebot (Gott und den Nächsten wie sich selbst zu lieben) und den Missionsauftrag (hinaus (!!) zu gehen, Menschen zu taufen und zu Seinen Jüngern zu machen).

 

Das ist erheblich mehr, als das, was in unseren Gemeinden gemacht wird.

 

Nehmen wir das heutige Gemeinde-Frühstück: Hier sollten wir nicht nur unter uns sitzen und Frühstücken (dafür brauche ich keine katholische Gemeinde!), sondern bewusst den Kontakt zu und mit denen suchen, die auch Jesus angesprochen hätte: All die in unserem Viertel, die Ihn am Nötigsten brauchen: Arme, Obdachlose, Flüchtlinge, Prostituierte, Drogenabhängige, Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen, Einsame usw.

 

Aus meiner eigenen Erfahrung heute muss ich aber auch sagen, dass jeder der oben genannten – sollte er denn je den Weg hierher von sich aus finden (was ich kaum annehme) – sich wohl völlig fehl am Platz vorkommen würde.

 

Auch der Stand der Firm-Vorbereitung wurde im Gottesdienst vorgestellt. Es war schön, zu hören, wie viel Mühe man sich gab, den jungen Menschen soziale Not beispielhaft zu zeigen, sie zu eigenen Aktionen zu ermutigen und dafür zu sorgen, dass sie Spaß haben.

 

Schön und gut – aber leider nicht genug.

 

Der damit erreichte Effekt ist zwar lobenswert, wird aber schnell verpuffen. Nicht umsonst sah man wenig Jugendliche und junge Erwachsene in der Messe. Es wäre weitaus sinnvoller, unserem Nachwuchs von Kindheitsbeinen an sowohl den katholischen Glauben in regelmäßigen Zusammenkünften mit gemeinsamen Aktionen nahezubringen, als auch sie schon „von Anfang an“ an den Kontakt mit denen zu gewöhnen, deren Kontakt auch Jesus gesucht hätte. Werke der Liebe und Barmherzigkeit werden so als etwas Selbstverständliches angesehen. Gleichzeitig wird auch ein umfassendes Verständnis des katholischen Glaubens vermittelt – ein Schatz, der gar nicht hoch genug bewertet werden kann.

 

Kurz und gut: Es ist eine tolle Gemeinde, hat aber Potential zu einer außergewöhnlichen Gemeinschaft.

 

München, 28.06.2015

 

Robert Gollwitzer​

Pfarrverbaende

Posted on April 19, 2015 at 9:40 AM

In unserem Pfarrverband findet demnächst ein großes Fest statt, mit dem gefeiert werden soll, dass demnächst zu den bestehenden drei Pfarreien noch eine vierte kommen soll. Dabei wird auch um viele helfende Hände geworben.

Ohne mich. Das ist für mich kein Grund zum Feiern, sondern zum Trauern. Die unsinnige Praxis, immer mehr und immer größere Pfarrverbände zu schaffen, ist genau das Gegenteil dessen, was wir momentan brauchen: Eine Kirche, die sich auf das besinnt, wofür sie gegründet wurde und die jeden Einzelnen mit einschließt und wie eine große Familie umfasst. Eine Kirche, deren Ziel die Umsetzung des Größten Gebotes und des Missionsauftrages ist. Stattdessen werden Verwaltungszentren geschaffen - mit fadenscheinigen bis schlichtweg falschen Argumenten. Es ist keineswegs so, dass sich die Kirche als solche die kleinen Kirchen nicht mehr leisten kann. Zum einen ist die Kirche - besonders hier in Deutschland! - unermesslich reich, und wird mit jedem Jahr reicher (steigende Kirchensteuereinnahmen bei sinkenden Mitgliederzahlen). Zum anderen wäre es weitaus besser, die einzelnen Pfarrgemeinden nach dem Vorbild der "Freikirchen" zu organisieren - autonom handelnd, wenn auch unter dem Dach der Diözese und der (abgespeckten) Leitung des Ortsbischofs.

Auch ist es einfach falsch, dass die Zahl der Priester zurückgeht. Weltweit steigt sie. Da viele unserer Priester sowieso aus anderen Ländern kommen, ist diese Argument schlichtweg vorgeschoben.

Ich werde keine Gründung oder Vergrößerung von Pfarrverbänden feiern und mich auch weiterhin gegen diese aussprechen - auch wenn ich damit aus dem Rahmen falle und ein Nestbeschmutzer bin.

Das war Jesus auch.

Radical Change

Posted on February 8, 2015 at 6:15 AM

Maybe there are only "lively Catholic parishes" in Europe because the Church over here - especially the Church in Germany! - is so unbelievably rich she can still afford to pay pastoral workers? It is aburd that even though the number of people that leave the Church is increasing dramatically, the Catholic Church in Germany still has increasing income through the taxation system we have over here. This is very unhealthy and hinders the Church of real and substantial change. As long as there is no need for her to do that because she gets richer and richer, why should she even think about steps to take to go back to what she once was called for - fulfilling the Great Commandment and the Great Commission, like all the rest of us Christians? Yes, the Church is getting smaller as to her members - and this is a good thing. We here in Germany should also abolish that taxation system that allows her to automatically tax working Catholics through the State and take their money right from their pay checks. The secularisation of the 1800s is over. Wake up. All those huge red tape institutions like the ordinariates need to go or at least shrink to their absolute necessary sizes. This is the only way the Church will become the living body of Christ again. Everything else just helps making things worse. If you read "Father Elijah" by Michael O'Brien you know what I am talking about.

Parish Life in Light of Vatican II

Posted on February 1, 2015 at 7:20 AM

Should I take part in a public discussion in our Church about our life in the parish in light of Vatican II?

Well, basically there is nothing to be said against that. However, make sure the discussion is being held in small group settings (a reasonable discussion about this is simply not possible among a big crowd) and also that the organizers made sure beforehand that the participants got to read the documents of Vatican II. Because if that is not the case, I would be very cautious and ask myself why the organizers want to discuss something the church congregation has no clue about. That would leave much room for spiritual abuse - whether they want it or not.

Kirche 2.0

Posted on November 5, 2014 at 2:05 PM

Das gegenwärtige Chaos in vielen christlichen Kirchen und Gemeinden ist offensichtlich. Viele Menschen wenden sich von den organisierten Kirchen ab und suchen die spirituelle Leere in ihren Herzen auf andere Weise zu befriedigen. Hinzu kommt, dass in einer Zeit, in der die Christen zur Einheit gerufen sind, deren Spaltung eher noch zunimmt. Ein Haus aber, das geteilt ist, kann keinen Bestand haben. Es gibt nur einen Leib Christi und es darf auch nur einen geben.

Wenn wir weiter auf theologische Kommissionen und höchstkirchliche Stellen warten, wird sich hier wohl bis zum Nimmerleinstag nichts getan haben. Deshalb nun ein Aufruf an alle, die sich in der Nachfolge Jesu Christi sehen und Christinnen oder Christen nennen. Dies ist kein Forderungskatalog, der sich an irgendwelche vorgesetzten Stellen wendet und dort im Mülleimer landet, sondern ein Vorschlag zur Umsetzung für uns alle. Er kann, soll und muss für die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden und dient als Diskussionsgrundlage für alle christlichen Gemeinden, Kirchen und Organisationen.

Folgende Punkte sollten jetzt verwirklicht werden:

1) Sofortige Abschaffung der Kirchensteuer. Wenngleich alle Christinnen und Christen gerufen sind, ihr Hab und Gut zu teilen und für die Kirche zu sorgen, hat das Kirchensteuermodell offensichtlich ausgedient und regt eher zum Missbrauch als zur Verwirklichung des Auftrages Jesu Christi an.

2) Sofortige Auflösung aller Pfarrverbände und sonstigen mehr oder weniger „aufgezwungenen“ Vereinigungen. Sie dienen nicht dem Missionsauftrag Jesu Christi und ebenso wenig den Bedürfnissen der Gläubigen vor Ort und entfremden die Menschen noch mehr von der Kirche.

3) Abschaffung zentraler Verwaltungseinheiten und übergeordneter Stellen.

4) Anstatt dessen soll jede Gemeinde autonom ihre eigenen Angelegenheiten verwalten und für sich und die Menschen vor Ort sorgen und ihnen dienen.

5) Gleichwohl soll dadurch kein Netz voneinander unabhängiger Gemeinden entstehen. Dies wiederspräche dem Willen Jesu, einen Leib zu bilden.

6) Deshalb soll ein Ortsbischof, der von allen anerkannt wird und in apostolischer Nachfolge steht, all diese Gemeinden unter sich vereinigen. Seine Rolle ist es, diesen Gemeinden zu dienen, sie zu einem Leib zu formen und ihnen als Hirte vorzustehen. Es ist nicht seine Aufgabe (noch die Aufgabe irgendwelcher übergeordneter Stellen), Exekutive, Legislative und Jurisdiktion auszuüben.

7) Völlige Neuorientierung der Ortsgemeinden und Rückbesinnung auf die ursprüngliche Botschaft Jesu Christi auf Basis des Missionsauftrages, des Großen Gebotes und der Bergpredigt.

8) Öffnen wir unsere Kirchengebäude füreinander und für Notleidende! Wir können unsere Räumlichkeiten sehr gut auch mit anderen Gemeinden teilen, wenn diesen keine entsprechenden Immobilien zur Verfügung stehen. Auch können wir nichtgenutzte bzw. durch die gemeinsame Nutzung frei werdende Gebäude oder Räume Notleidenden (Obdachlosen, Flüchtlingen etc.) zur Verfügung stellen. Wir sollten unsere Kirchengebäude bestmöglich auslasten, sodass die Menschen vor Ort eine ständige Anlaufstelle und einen Versammlungsort für Aktivitäten jeglicher Art wie für den gemeinsamen Lobpreis haben.

9) Wir fördern neue und traditionelle Formen christlichen Zusammenlebens. Jede Gemeinde sollte hier eigene Ideen entwickeln.

10) Wir teilen untereinander. Jeder bekommt das, was er braucht – materiell oder in anderer Form. Wir sorgen selbst durch eigenes Engagement dafür, dass unsere Ortsgemeinden mit Leben erfüllt werden.

11) Unser Leben soll von Jesu Liebe und Botschaft zeugen. Materieller Reichtum unserer Hirten bzw. der Kirche als solcher ist kein geeignetes Zeugnis hierfür.

12) Wer glaubt, muss wissen, was er oder sie eigentlich glaubt, sonst verkommt der Glaube bald zum Aberglauben. Deshalb sollte die Glaubensvermittlung und die Glaubensweitergabe eine Selbstverständlichkeit in jeder Gemeinde sein. Wir können es uns nicht mehr leisten, theologische Diskussionen auf abgehobener Ebene zu führen. Jesus selbst hat in der Bergpredigt auf klar verständliche Weise den Aposteln, die selbst einfache Menschen waren, vermittelt, was wirklich wichtig ist.

13) Wir fördern in unseren Gemeinden das Bibelstudium. Gott hat uns das geschriebene Wort gegeben, weil er um unsere Unbeständigkeit wusste. Lernen wir von neuem, es zu lieben!

14) Evangelisation, also die Verwirklichung des Auftrages Jesu Christi, hinaus zu gehen und Menschen zu Jüngern Jesu zu machen, ist nicht nur Aufgabe einiger Weniger, sondern eines jeden Christen und einer jeden Christin. Jede Gemeinde sollte hier vor Ort tätig werden sowie ihren Anteil zur weltweiten Verwirklichung dieses Auftrages leisten.

 

„Wir sündigen gegen den Willen Christi! Wir sehen nur auf die Unterschiede, haben aber dieselbe Taufe, und die ist viel wichtiger als unsere Unterschiede! Wir alle glauben an Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist, und wir alle haben den Heiligen Geist, der in uns betet. Wir alle wissen aber auch, dass es einen Vater der Lüge gibt, den Vater aller Spaltungen, den Anti-Vater: den Teufel, der alles spaltet und trennt. Was sollten wir tun? Gemeinsam vorwärtsgehen. Und Jesus Christus wird uns dabei helfen, dass das, was uns noch trennt, uns nicht allzu sehr voneinander trennt.“

Papst Franziskus (zitiert nach Radio Vatikan)

 

 

München, 05.11.2014

 

Robert Gollwitzer

Jesus Brothers

www.katholisch-leben.org

 

 

(Weiterverbreitung erlaubt und erwünscht!)

Dear Pope Francis,

Posted on November 1, 2014 at 8:40 AM

with great concern I followed what was going on at the Bishop’s synod. In short: I was both shocked and deceived – by what happened and by what did not happen. By the way it was handled and also by your inactivity which caused even more confusion among the flock than ever before.

I say that because I love you as a father – and with you the Holy Catholic Church.

No doubt you had the best intentions, but as the saying goes: the road to hell is paved with good intentions.

First, it does not make sense to publish an interim report during the conference when nothing is finally discussed and decided upon yet. All this does is leave the flock of believers confused and without direction. Many twisted what was in there for their own destruction.

But most of all you failed as a leader and shepherd. You are called to lead and guide the Church like Peter did. That includes to take over and make a stand when things are getting out of control and clarification is needed. You refused to – probably because you felt you need to let the bishops and the believers have their way – whatever it was and wherever it lead. This, however, only displays a complete lack and failure of leadership when it was most needed. Many asked you to take a stand for biblical Catholic teaching. People were looking up to the shepherd when the sheep were running around without direction in complete confusion. You did not.

I am a nobody – and yet, in God’s eyes I am somebody. As such I rebuke you like Paul rebuked Peter.

It is one thing to hug children and handicapped people. Nothing wrong with that. It is a beautiful sign for what Christ’s love is all about. It is also important to leave a luxurious lifestyle and go back to our simple roots – detached from worldly richness.

However, when grace abounds and does not find its equal counterpart in truth, it soon becomes superstition without any substance. You might be a “good person” in some people’s eyes and the media will certainly love you for the great pictures you give them, but a “good person” is not necessarily a Christian. Sometimes we are called to do things which others dislike very much – for their own good.

I had lived a “gay” life myself for many years until the Lord pulled me out of the mud over ten years ago through a Christian organization called “Homosexuals Anonymous” that I meanwhile have the honor to lead. My life changed completely for the better in many different areas and I found new meaning and purpose in following Jesus Christ. As such, I want to point out that again our voice was not heard at the synod and our mere existence seems still not to be acknowledged by the Church. People talk about same-sex attractions without having a clue of what that means for those who experience that way. At worst, they seek advice from people who are embracing a “gay” life.

Again, we are asking you – and the whole Church – to open your doors for us and to do your job as shepherd and Christians. Organizations like Homosexuals Anonymous actually need not exist if the Church and their shepherds did what they are supposed to do.

We offer help and hope that now – after what had happened at the synod – you are finally open to accept it.

May the Lord continue to bless you richly, Holy Father.

Your brother

Robert

 

Kirche der Armen? Kirche fuer die in Not geratenen?

Posted on September 29, 2014 at 2:55 PM

 

Kirche der Armen? Kirche für die in Not geratenen? Den Eindruck habe ich nicht immer. Gestern war ich auf einem Empfang, der Bewusstsein für die Situation der Flüchtlinge schaffen und Spenden organisieren sollte. An Prominenz war alles vertreten: Kardinal, kirchliche Vorstände, Politiker, potentielle Spender – alles, was Rang und Namen hat. Oder denkt, es hätte ihn. Dementsprechend war alles organisiert: Catering, Sektempfang etc. Und die Flüchtlinge? Ach ja, es waren Bilder von ihnen aufgehängt. Außerdem spielte anfangs eine afrikanische Trommler-Gruppe mit Tänzern. Das ergab eine mehr als peinliche Situation: Die (teils) reichen und berühmten, (zumeist) weißen Anwesenden sehen (mehr oder weniger „bewusst“) interessiert den Afrikanern zu, wie sie ihre „Volkstänze“ aufführen. Mich erinnerte das an unselige Kolonial-Zeiten, selbst wenn es bestimmt nicht so gemeint war.

Später wurden noch einige Flüchtlinge (sehr kurz) interviewt. Damit hat man wohl seine Schuldigkeit getan. Das angebotene Buffet erinnerte auch an die Heimatländer der Flüchtlinge und schließlich wurden noch kleine Kreuze aus einem vor Lampedusa gestrandeten Boot überreicht.

Was daran auszusetzen ist? Nun, das alles war bestimmt gut gemeint und wurde mit den besten Absichten organisiert – ging aber meiner Ansicht nach voll daneben. Hier offenbart sich das Drama der Kirche: Es ist nicht so, dass wir uns überhaupt nicht um in Not geratene Menschen kümmern – wir kennen sie einfach nicht. Wir liefern unser Geld oder unsere Sachspenden bei Sammelstellen ab, wo es dann weiter verteilt wird. Wir gehen auf Veranstaltungen, wo wir Flüchtlingen zusehen oder Bilder von ihnen sehen (selbst wenn die Möglichkeit angeboten wird, mit einem der Interviewten hinterher persönlich zu sprechen, ist dies doch in diesem Kontext eher weniger zu erwarten und sehr unglücklich geplant). Wie viel mehr würden wir doch der Kirche entsprechen, wenn wir mit den Flüchtlingen gemeinsam feiern und essen würden! Wenn wir als Kirche ihnen unsere leer stehenden Gebäude anbieten würden (das wird zwar nun teilweise gemacht, aber nicht annähernd in dem Ausmaß, in dem es wahrscheinlich möglich wäre!)! Wenn ein solcher Empfang nicht in einem repräsentativen Gebäude, sondern in einem Flüchtlingsheim organisiert werden würde!

„Aber die Flüchtlinge hätten doch vielleicht Angst, daran teilzunehmen!“ mag manch einer einwerfen. Dies aber dürfte wohl eher die illegal eingereisten Flüchtlinge betreffen – und selbst denen sollte man es doch offen lassen, ob sie kommen und mit uns zusammen essen und feiern möchten!

Wie schön wäre es, wenn die Flüchtlinge selbst die Gestaltung eines solchen Ereignisses übernehmen würden! Wenn sie ganz normaler Bestandteil jeder Gemeinde wären und wir auch regelmäßig den Tisch mit ihnen teilen würden und sie persönlich kennenlernen würden? Wie viel mehr würde es bringen, wenn ich jemand, den ich persönlich kenne, eine warme Jacke für den Winter überreiche und seinen Kindern Deutsch beibringe?

Ich möchte hier niemand angreifen. Auch der Empfang, an dem ich war, war im Grunde nicht schlecht – bzw. nicht schlecht gemeint. Er ging jedoch meiner Meinung nach voll am Thema vorbei – wie so vieles in der heutigen Kirche. Kirche ist kein Gebäude. Wir „gehen“ nicht in die Kirche – wir SIND Kirche. Viel mehr noch sind wir aber kein Großkonzern und sollten uns nicht den Regeln des freien Marktes unterwerfen. Wir können nicht zwei Herren dienen – Gott und dem Mammon.

Nicht dass an Geldspenden irgendetwas falsch sei, aber vielleicht würde sich ein Flüchtling mehr über eine gemeinsame Mahlzeit und eine Umarmung als über eine prunkvolle Veranstaltung, an der er nicht einmal teil hat, mit nachfolgender anonymer Geldspende freuen. Und damit spreche ich auch mich selbst an, denn auch ich habe anlässlich dieser Veranstaltung über mein eigenes Verhalten und meine eigene Einstellung nachdenken müssen.

Jesus beauftragte keine Public Relations-Firma, er unterwarf sich nicht den Regeln der damaligen Zeit, sondern suchte sich zwölf einfache Männer zusammen. Er ging nicht Klingeln putzen und bettelte nicht um Geld. Ist es also falsch, Geld anzunehmen? Nein, aber betteln (wie es oft etwa in Briefen geschieht, in denen uns traurige Kinderaugen anblicken und um Geld gebeten wird) ist es.

Was sollen wir also tun? Jesus in denen suchen, die arm und verfolgt sind. In den Notleidenden, den Trauernden, den Kranken, Gefangenen und Einsamen. Sie als unsere Brüder und Schwestern mit offenen Armen empfangen und bei ihnen sein.

Was, wenn Jesus wirklich gemeint hat, was Er uns immer sagte? Alles hinter uns zu lassen und Ihm nachzufolgen? Nicht der Erste sein zu wollen, da dieser schließlich der Letzte sein wird? Täglich unser Kreuz auf uns zu nehmen? Gott, unseren Nächsten und uns selbst mit all unserem Herzen zu lieben? Hinaus zu gehen, andere zu taufen und zu Jüngern Jesu zu machen?

Das kann aber nicht sein. Denn dann wäre er ja ein „Fundamentalist“.

Robert


Nachtrag vom 04.11.2014:


Hier einige Einwände gegen oben Genanntes und meine Antwort darauf:

1) "Der Auftrag war halt so". Soll das ein Argument sein? Der Auftrag war so - und damit ist es gut? Vielleicht sollte man dann mal nachdenken, ob der Auftrag wirklich dem Ziel angemessen entsprach - oder dem entgegenstand? Nicht alles, was uns aufgetragen wird, ist gut alleine aus dem Grund heraus, dass es ein "Auftrag" war. Wir sind keine willen-und meinungslosen Befehlsempfänger, sondern sollten gemeinsame darüber nachdenken, was der Erreichung des Zieles dient: Flüchtlingen so beizustehen, wie das Jesus von uns verlangt - und nicht, wie die Welt es von uns erwartet!

2) "Die Trommlergruppe wollte dort spielen. Man muss sich vom Schubladendenken befreien!" Zum einen ist es unehrenhaft, jemanden, der das nicht so sieht, von vorneherein "Schubladendenken" zu unterstellen. Damit macht man es sich doch ein wenig zu leicht. Selbst wenn die Gruppe es so wollte, ist es damit noch lange nicht in Ordnung. Als die Sklaverei in den Südstaaten der USA abgeschafft wurde, blieben auch etliche Schwarze bei ihren früheren "Eigentümern" (wohl mangels guter Alternativen). Man kann wohl davon ausgehen, dass sie nicht zu gleichen Bedingungen wie Weiße beschäftigt wurden. Ist es damit in Ordnung, weil sie es ja selbst so "wollten"? Wohl kaum. Fakt ist, dass hier eine farbige Gruppe für mehrheitlich gutsituierte Weiße gespielt hat. Will man wirklich argumentieren, dass dieses Bild in Ordnung ist und alle anderen Sichtweisen nur "Schubladendenken" sind?

3) "Der Saal war zu klein, um gemeinsam mit Flüchtlingen zu feiern". Das ist ein mehr als peinliches Argument. Jede Pfarrei hat größere Sääle zur Verfügung, ganz zu schweigen von der Erzdiözese selbst, die ein gewaltiges Immobilieneigentum besitzt. Warum also nicht gleich einen größeren Saal suchen - oder die Veranstaltung gleich in einem Flüchtlingsheim durchführen?

4) "Die Flüchtlinge und Sozialpädagogen in den Heimen waren ja eingeladen. Es gingen entsprechende Briefe raus". Ach so - man hat Briefe hingeschickt und sie sind nicht gekommen. Selber schuld. Oder doch nicht? Wenn man schon merkt, dass hier - aus welchen Gründen auch immer! - kein Interesse an einer Teilnahme besteht, warum sich nicht einfach an einen Tisch mit diesen Menschen setzen, nach den Gründen fragen und gemeinsam eine Veranstaltung planen, an der alle teilnehmen!

5) "Veranstaltungen haben eben verschiedene Formen und Charaktere." So - und diese war eben nicht so sehr für die Flüchtlinge, oder wie? Ja, Veranstaltungen haben verschiedene Formen und Charaktere - die einen sind zielführend und drücken unser Glaubensverständnis aus, die anderen sind da eher weniger geeignet.

6) Hätte man das ganze Geld, was für die Planung und Durchführung dieser Veranstaltung verwendet wurde, nicht besser anlegen können? Was mich ärgert, ist die Tatsache, dass auf konstruktive Kritik mit einer Verteidigungshaltung reagiert wird, die ein Nachdenken über diese Punkte gar nicht aufkommen lässt. "Das habe ich sonst aber noch von niemandem gehört!" hieß es da etwa. Und wenn schon? Entweder ist eine Kritik berechtigt - dann ist es egal, von wievielen sie geteilt wird - oder nicht. Und dann kann sie der ganze Saal teilen, sie bleibt trotzdem unberechtigt.

Das es auch anders geht, zeigt die US-amerikanische Gemeinschaft "The Simple Way": www.thesimpleway.org

 

Offener Brief an Kardinal Reinhard Marx

Posted on August 5, 2014 at 2:35 PM

 

Sehr geehrte Eminenz,

wir wenden uns heute in brüderlicher Verbundenheit an Sie mit der Bitte um Unterstützung.

 

Unsere Einrichtung Jason (http://jason-online.webs.com) ist eine internationale christliche Ex-Gay Einrichtung die an Homosexuals Anonymous (www.homosexuals-anonymous.com) angeschlossen ist und Menschen mit ungewollten gleichgeschlechtlichen Neigungen Hilfe auf Basis eines 14-Schritte Programms im Rahmen von Seelsorge, Selbsthilfegruppen und individueller Beratung bietet. Durch unsere Partnerorganisation Homosexuals Anonymous dürften wir wohl die älteste Einrichtung dieser Art weltweit sein (Gründung: 1976).

Betroffene, die sich an uns wenden, müssen keinerlei Voraussetzungen erfüllen – außer dem Wunsch nach Freiheit. Sie sollten sich aber der Tatsache bewusst sein, dass wir eine christliche Organisation sind und zumindest offen für ein derartiges Programm sein. So finden sich bei uns etwa auch Moslems. Auch mit der jüdischen Organisation JONAH pflegen wir enge freundschaftliche Kontakte.

Wir unterstützen und beraten weiterhin Gemeinden, Behörden, Organisationen jeder Art und Privatpersonen, die Fragen zum Thema gleichgeschlechtliche Neigungen haben. Für all dies verlangen wir nichts.

Gehen wir nun etwas ins Detail:

 

Seit längerem gibt es offenbar in St. Paul sogenannte „Queer-Gottesdienste“. Diese Entwicklung betrachten wir mit großer Besorgnis. Selbstverständlich sollte die Kirche (welcher Denomination auch immer sie angehört) ein sicherer Hafen für Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen sein. Wo sonst sollten sie hingehen, wenn nicht dorthin? Es macht aber einen großen Unterschied aus, ob sie hier im christlichen Sinne aufgenommen werden – ohne dadurch ihr Tun gutzuheißen – oder ob ihnen die Botschaft vermittelt wird, es wäre absolut in Ordnung, ein schwules Leben zu führen und gleichzeitig Christ zu sein – etwa indem der Altar möglicherweise mit Regenbogenflaggen „geschmückt“ ist, einem eindeutigen Zeichen der Schwulenbewegung, deren Ziele nun wirklich gar nichts mit der christlichen Lehre zu tun haben. Sollte hier gar die Eucharistie gefeiert werden, weisen wir auf das für alle Christinnen und Christen gültige Wort der Bibel hin:

 

„Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn.“

(1. Korinther 11,27 Einheitsübersetzung siehe auch KKK 1415/16; CIC 916)

 

Wir selbst sind überkonfessionell, die Eucharistiefeier bzw. das Herrenmahl hat aber eine zentrale Bedeutung für alle Christinnen und Christen und so verweisen wir hier auch auf die katholischen Vorschriften:

 

• Der Kommunionempfang hat im Stand der Gnade stattzufinden, also nicht etwa im Bewusstsein einer schweren Sünde (CIC 916, siehe auch KKK 1415).

• Wer jedoch hartnäckig in einer schweren Sünde bleibt, darf die Kommunion nicht empfangen (Vgl. CIC 915).

 

Priester sind Hirten, die eine besondere Verantwortung haben. Wenn ein Priester, der offensichtlich diese Gottesdienste leitet, aber auf einer „privaten“ Homepage (als ob ein Priester sich als solcher öffentlich äußern kann und dabei „privat“ ist!) Meinungen kundtut, die aus säkularer Sicht strittig und aus christlicher Sicht in Teilen abzulehnen sind, ist das Grund genug, die Kirche als Ganze anzusprechen.

Wir sind selbst Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen – oder Menschen, die solche hatten. Als solche dürfen wir Ihnen versichern, dass Sie uns mit gutgemeinten, aber fehlgeleiteten Botschaften nicht weiter helfen. Ein Christ muss einen anderen genug lieben, um ihm oder ihr auch das zu sagen, was sie oder er hören muss – nicht das, was er oder sie hören will.

 

Das biblische Modell der lebenslangen und monogamen Ehe zwischen Mann und Frau, die so sehr ein Fleisch werden, dass man diesem Eins-Werden neun Monate später einen Namen geben muss, reflektiert die Dreifaltigkeit und den Bund, den Jesus mit seiner Braut, der Kirche eingegangen ist. Dieser biblische Standard wurde durch alle Bücher der Heiligen Schrift im Laufe von Jahrtausenden und in unterschiedlichsten Kulturen aufrechterhalten – und von Jesus, dem Sohn Gottes, selbst bekräftigt (man kann also kaum behaupten, Er hätte nichts von gleichgeschlechtlichen Neigungen gewusst, so wie wir sie heute kennen). Manchmal wird versucht, diesen Standard aufzuweichen, indem man sagt, wenn zwei Menschen sich lieben, ist das doch auch vor Gott in Ordnung. Er hätte schließlich nur gleichgeschlechtliche Akte verboten. Hierzu ist folgendes zu sagen:

 

1) „Liebe“ ist nicht ein diffuses Gefühl. Gefühle kommen und gehen. Liebe ist die Willenserklärung, einen Bund mit jemand einzugehen, der oben genanntem theologischem Modell entspricht. Ein Bund, bei dem der Eine sich ganz dem Anderen in lebensspendender Art und Weise und zum Wohle der Beteiligten hingibt (im Gegensatz zum Vertrag, bei dem Eigentumsrechte ausgetauscht werden). Ein Beispiel: Ein verheirateter Familienvater kann Frau und Kinder verlassen und für immer mit seiner neuen Geliebten zusammenleben und sie zutiefst „lieben“ – es bleibt trotzdem Ehebruch.

2) Wer diese Tür öffnet, wird sie nicht mehr schließen können. Wenn ein Gefühl der „Liebe“ genug ist, warum es dann auf zwei Menschen beschränken? Warum die Tür etwa nicht auch für zwei sich „liebende“ Geschwister öffnen?

3) „Liebe“ hat der Vorstellung zu entsprechen, die Gott selbst davon hatte – nicht unserer eigenen. Dies nicht, weil Er der „Boss“ ist und uns gerne herum kommandiert, sondern weil Er uns liebt und am besten weiß, was gut für uns ist. So sind wir der tiefen Überzeugung, dass die traditionell christliche Vorstellung von Liebe, Ehe und Sexualität für alle (!) Beteiligten das Beste ist.

4) Wenn „Liebe“ unter gleichgeschlechtlichen Paaren genügt, warum sind dann so viele von diesen Beziehungen nicht monogam (sie beschränken sich also nicht zwangsweise auf einen Geschlechtspartner) und warum sind sie im Schnitt weitaus kurzlebiger als heterosexuellen Ehen? Aus einem einfachen Grund: Weil dort etwas gesucht wird, was man hier nicht finden kann – wahre Liebe. Und weil weiterhin – legitime! – Bedürfnisse auf eine Art und Weise befriedigt werden sollen, die sich so nicht befriedigen lassen und möglicherweise auch vergangene Verletzungen betäubt werden, anstatt sie auszugragen und anzugehen.

5) Es wird ja so gerne zwischen gleichgeschlechtlichen Akten und Neigungen unterschieden. Erstere werde von der Bibel abgelehnt, letzte nicht. Nun, ganz so einfach ist es nicht. Abgesehen davon, dass es wohl kaum eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft ohne Sex geben dürfte, spricht die Bibel sehr wohl auch das an, was im inneren eines Menschen vor sich geht. So werden wir davor gewarnt, andere Menschen mit unangemessener Lust zu betrachten bzw. vor Begierde zu Menschen des eigenen Geschlechts zu entbrennen (was wohl auf mehr als nur sexuelle Handlungen hinweist!). Auch ist der Hinweis, derartige Bibelstellen seien nur im kulturellen, heidnischen Kontext zu sehen, theologisch nicht haltbar. Schließlich verkennt eine derartige Haltung den Sinn und Zweck menschlichen sexuellen Empfindens an sich.

Sehr geehrte Eminenz, vielleicht helfen einige grundsätzliche Informationen zum Thema gleichgeschlechtliche Neigungen weiter:

 

Wir verwenden bewusst nicht den Begriff „Homosexualität“. Dieser Begriff ist jüngeren Datums und unserer Meinung nach unzulässig. Ja, es gibt Menschen, die gleichgeschlechtliche Neigungen haben (aus welchen Gründen auch immer!), das gibt ihnen dadurch noch keine eigene Identität. Wir wurden im Ebenbild Gottes erschaffen. Im Blich auf Ihn erhalten und erkennen wir unsere Identität, die Vorstellung von dem, was und wer wir sind. Und hier gibt es nur eine einzige Identität: die heterosexuelle (auch dieser Begriff ist jüngeren Datums, sodass es wohl zulässiger wäre, einfach von unserer Identität als Mann und Frau zu sprechen). Wir sehen uns also als (heterosexuelle) Männer und Frauen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen. Diese Sichtweise macht für uns einen großen Unterschied aus.

Ja, „Homosexualität“ wurde in den 70ern von der Liste der psychischen Störungen genommen. Dies jedoch nicht aufgrund neuer wissenschaftlichen Erkenntnisse, sondern allein (!) wegen des seinerzeit herrschenden politischen Drucks.

 

Heute weiß man, dass sehr viele Faktoren zur Entwicklung menschlicher Sexualität beitragen. Spätestens seit den Erkenntnissen der Epigenetik ist auch klar, dass nicht ein Gen (oder Hormone, Botenstoffe etc.) alleine uns zu irgendwelchen Handlungen oder Empfindungen zwingen, sondern dass die Umwelt sowie eigenes Denken und Tun – und ein Zusammenspiel verschiedenster Gene - darüber entscheiden, welche Gene überhaupt und in welcher Form (ein und das selbe Gen kann unterschiedliche Ausprägungen haben!) ein Gen zum tragen kommt oder „stillgelegt“ wird. Ebenso verändert unser Denken und Tun laufend unsere Hirnstruktur sowie unseren genetischen Code, sodass selbst diese Theorien mittlerweile sehr differenziert betrachtet werden. Bis zum heutigen Tage wurde jedoch kein wissenschaftlicher Beweis für die Existenz eines „schwulen Gens“ erbracht. Selbst wenn so etwas je gefunden würde, müsste es im Licht oben genannter Erkenntnisse gesehen werden. Weiterhin würde damit nicht die moralische Richtigkeit des eigenen Handelns gerechtfertigt und schon gar nicht ein Zwang zum Handeln begründet werden. Was für ein Menschenbild wäre das?

Aus eigener jahrzehntelanger Erfahrung können wir Ihnen jedoch sagen, dass sich die Lebensläufe und die Persönlichkeiten von Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen in vielen Punkten gleichen. So gab es oft Probleme mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil, sodass eine emotionale Bindung und damit die Annahme der eigenen Geschlechts-Identität oft nicht zustande kam. In der Pubertät werden wir dann von dem angezogen, was wir als „anders“ empfinden als wir – in dem Fall also das eigene Geschlecht. Nun einfach zu sagen, der Betroffene sollte doch einfach seine Neigung ausleben, ist eine armselige Psychologie und Theologie.

 

Uns wird oft vorgeworfen, wir würden versuchen, Menschen „umzupolen“, oder unser Tun würde von Ärztevereinigungen abgelehnt oder als schädlich bewertet. Abgesehen davon, dass es hierfür keine wissenschaftlichen Belege gibt (im Gegensatz zu den häufigen Auswirkungen eines gleichgeschlechtlichen Lebens. Der hohe Anteil von Männern, die Sex mit Männern haben, an der Gesamtzahl ansteckender Geschlechtskrankheiten, wie sie vom Robert-Koch Institut erfasst werden, spricht für sich), ist es schlichtweg nicht richtig. Wie bereits erwähnt bieten wir Selbsthilfegruppen und Seelsorge an – wir betreiben keine Therapie. Jedoch befürworten wir durchaus das Recht eines jeden Menschen nach einer Therapie seiner Wahl.

Womit wir beim nächsten Thema wären: Ein weiterer, oft angebrachter, Kritikpunkt ist ja, dass es keiner „Heilung“ bedarf, wo nichts Krankes vorhanden ist und dass alle Ansätze zur Veränderung schädlich sind. Hierzu ist folgendes zu sagen:

 

• Wir sehen gleichgeschlechtliche Neigungen nicht als eine „Krankheit“ wie etwa der Erkältung oder einer psychischen Störung wie einer Psychose. Dies wäre angesichts der vielen Faktoren, die zur Entwicklung der menschlichen Sexualität beitragen, eine unzulässige Vereinfachung. Jedoch wäre es angesichts der Hintergründe und Auswirkungen (siehe oben) genauso unzulässig, sie einfach als „schön und gut“ abzutun. Viele von uns waren selbst jahrelang in der „Schwulen-Szene“. Diese entspricht in keiner Weise dem bewusst schöngefärbten Bild, das in der Öffentlichkeit präsentiert wird. Wüsste die Öffentlichkeit nämlich über so Einiges Bescheid, was dort als normal gilt und akzeptiert wird, würde die öffentliche Meinung hierzu wohl schnell kippen.

• Die einzelnen Faktoren, die hinter den Neigungen stehen sowie die Bedürfnisse nach Beziehungen, spirituelle und emotionale Bedürfnisse sowie mögliche Verletzungen jeglicher Art aus der Vergangenheit lassen sich jedoch sehr wohl angehen – sei es nun im Rahmen einer Seelsorge, von Selbsthilfegruppen oder einer Therapie.

• Insofern kann „Heilung“ auch Heilung von Wunden körperlicher, sexueller, emotionaler, verbaler oder spiritueller Art (Erfahrungen in der Kirche, Beziehung zu Gott) sowie einer verzerrten Identität bedeuten.

• „Veränderung“ kann dementsprechend viele Aspekte oder Bereiche betreffen und es sollte schon dem oder der Einzelnen freigestellt sein, wo er/sie Veränderung möchte.

• Es gibt mittlerweile Hinweise auf die „Fluidität“ menschlicher Sexualität. Es scheint also keinesfalls immer und zwangsweise so zu sein, dass die sexuellen Neigungen bei der Geburt mitgegeben werden und für alle Zeiten so bleiben. Unsere eigenen Erfahrungen jedenfalls bestätigen dies. Viele von uns sind mittlerweile verheiratet und haben Kinder. Ja, manche haben immer noch gleichgeschlechtliche Neigungen – wenn auch weitaus weniger häufig und intensiv. Wenn diese Menschen jedoch ihre Ehepartner, Kinder und Enkelkinder betrachten, wissen sie, dass es all der Mühen wert war. Und das ist Jesu Botschaft: Er hat uns nie gesagt, dass es leicht sein wird. Er hat uns vielmehr versprochen, dass es sich lohnen wird!

Grundsätzlich möchten wir auch darauf hinweisen, dass Toleranz, Respekt und Meinungsfreiheit für alle gelten muss – nicht nur für Menschen einer bestimmten sexuellen Orientierung oder mit einer bestimmten Meinung.

Abschließend noch einige Worte zur Kirche: Es kommen immer wieder Katholiken jeglicher Art zu uns: Laien, Priester, Ordensangehörige, Mönche etc. Offensichtlich sind sie der Meinung, in der Kirche nicht die geeignete Ansprache zu finden. Auch sind Katholiken immer wieder verstört über die Reaktionen von Priestern oder anderen Geschwistern in der Kirche, wenn sie das Thema gleichgeschlechtliche Neigungen zur Sprache bringen und dann ein weites Spektrum von Antworten bekommen – von völliger Unsicherheit und peinlichem Vermeidens über Verweisen auf zweifelhafte „Hilfsangebote“ bis hin zu Ratschlägen wie „dann lebe es halt aus“.

 

Wir haben uns immer wieder an kirchliche Organisationen, Bistümer, Orden, Einzelpersonen usw. gewandt und unsere Hilfe angeboten, in der Regel aber wurden wir mit eisigem Schweigen ignoriert. Gleichwohl fanden offen schwule Organisationen und Gruppen, die der katholischen Lehre deutlich entgegenstehen, offenbar problemlos Zugang zum Kirchentag – und wie es aussieht auch in Gemeinden.

Wir wollen hier nochmals ausdrücklich betonen, dass wir Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen mit Liebe begegnen – gehören oder gehörten wir doch selbst dazu. Wir sehen Liebe jedoch im Lichte Jesu Christi. Wir lieben Menschen genug, um ihnen die Wahrheit zu sagen, wie wir sie in der Bibel vorfinden, aber auch, um ihnen eine bedingungslos liebende Hand zu reichen und den gesamten Weg mit ihnen zu gehen. Wir dürfen Ihnen versicherten, Eminenz, dass hierbei noch niemand Schaden genommen hat – ganz im Gegenteil.

Werte Eminenz, wir möchten Sie nochmals ausdrücklich um Unterstützung bitten. Weisen Sie Hilfesuchende auf unsere Organisationen hin (sowie auf andere, die in dieser Richtung tätig sind)! Ermöglichen Sie uns den Zutritt zu Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen! Schieben sie unchristlichen Lehren einen Riegel vor!

 

Gerne sind wir auch zu einem Gespräch mit Ihnen bereit!

„Muss ich euch daran erinnern, dass die, die Unrecht tun, keinen Anteil am Reich Gottes haben werden, dem Erbe, das Gott für uns bereithält? Macht euch nichts vor: Keiner, der ein unmoralisches Leben führt, Götzen anbetet, die Ehe bricht, homosexuelle Beziehungen hat, stiehlt, geldgierig ist, trinkt, Verleumdungen verbreitet oder andere beraubt, wird an Gottes Reich teilhaben. Auch ihr gehörtet zu denen, die so leben und sich so verhalten – zumindest einige von euch. Aber das ist Vergangenheit. Der Schmutz eurer Verfehlungen ist von euch abgewaschen, ihr gehört jetzt zu Gottes heiligem Volk, ihr seid von aller Schuld freigesprochen, und zwar durch den Namen von Jesus Christus, dem Herrn, und durch den Geist unseres Gottes.“

(1. Korinther 6,9-14 Neue Genfer Übersetzung)

 

Es grüßt Sie in brüderlicher Verbundenheit

Robert Gollwitzer

Jason – International Christian Ex-Gay Ministry

Homosexuals Anonymous

 

Robert Gollwitzer

Ridlerstr. 21

80339 München

Tel.: 089/78018960 oder 0170/1293016

 

May Catholics criticize Church authorities?

Posted on July 31, 2014 at 2:40 PM

Of course they may – and even should! As long as this is done respectfully and with love, there is nothing wrong with it. Quite on the contrary – submissive and passive obedience to authority has nothing to do with a mature faith. Faith and reason have to go hand in hand – and constructive criticism is a fruit of the human reason. God created us as reasonable beings. Faith without reason can become superstition, as well as reason without faith loses its foundation and final goal. Criticism helps all of us grow, so each person in authority will encourage it and see it as a positive sign that the one who criticizes thinks about what authorities say and do – and reflects upon it. We find example of this in the New Testament (look at Peter and Paul for instance). Bottom line: Constructive, respectful and loving criticism is alright as long as it does not lead us to disrespecting Church authorities and Church teaching.

Is Your Church A Religious Club?

Posted on July 7, 2014 at 9:20 AM

“No, of course not!” – that’s most likely the knee-jerk response to this question. How does anybody even dare asking that?

 

Well, let’s take a closer look. I even go as far to say that most churches ARE religious clubs.

Just for the record: That is not altogether a bad thing. It only becomes bad when this is all there is to it.

 

Most church-goers are middle class people, at least in western industrial nations. Lots of them have their own families. And this is how the usual church bulletin looks like: groups for mothers with kids, choir meetings, outdoor events, meditation, retreats, youth activities, and the like. If your church is evangelical, you might add Bible studies and vacation Bible school. Sometimes you have missionaries reporting from their service and collecting funds – which reminds me of those rich ladies doing something charitable while having a copious dinner in their expensive clothes and jewelry. No, it is not a bad thing to report from missions, but the mindset that might be behind it could be.

 

Now think of all those activities – as good and nice as they are, why would you need a church for that? “But Bible studies are different!” you might object. Yes, they are – but then again, thinking of the many sermons I have heard in the past and some of the Bible studies I attended I dare say that – as well-motivated as they might have been – they sounded more like Christian wellness to me than food for the soul that makes your heart burn with passion for Jesus so that you stand up, leave everything behind and follow Him.

 

Is our church really so different from a religious club? A club with a religious background where we go to in order to have some common activities and at best do a little social stuff too?

Isn’t the truth more like this: The radical call for discipleship that Jesus issued has somewhat cooled down to a social meeting with a spiritual touch that helps the members feel better about themselves? Instead of “being church”, we “go to church”. Instead of following Him at all costs and with an undivided heart we do what feels good to us. We are looking more for a social activities club, a therapeutic group to talk about our mental problems, an organization that helps us deal with boredom, loneliness and a bad conscience?

 

I am not out to play the blame game or look down on anybody. My point is to think about what we are doing and where we are going. If we somehow forgot about the Great Commission and the Great Commandment on the way or watered it down a lot.

 

Someday we might think back at our lives and give everything to go back and do things differently. How about we do that now.

 

Robert