Katholisch Leben!

The Jesus Brothers

Zölibat






Der Zölibat ist ja mittlerweile schon fast ein rotes Tuch für viele Menschen. Und ebenso gibt es viele falsche Vorstellungen darüber. Warum also "zwingt" man Menschen zu einem Keuschheitsgelübde? Oder anders gefragt: warum nehmen Menschen dies auf sich? Warum nicht einfach den Zölibat abschaffen? Wie kam es überhaupt dazu?

An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass die Diskussion um den Zölibat ein typisch deutsches Problem zu sein scheint. Im gesamten Ausland hat diese Diskussion nicht einmal annähernd die Beachtung gefunden, die sie in Deutschland hat. Interessant ist auch, dass - vor allem global gesehen - der Zölibat nur selten von denen kritisiert wird, die es wirklich betrifft (also die, die sich zu einem zölibatären Leben verpflichtet haben), sondern eher von Menschen, die damit unmittelbar eigentlich gar nichts zu tun haben. Die Betroffenen finden den Zölibat in der Regel nicht als eine aufgezwungene Geißel der Menschheit, sondern wohl eher als ein Opfer, das sie aus Liebe zu Jesus bringen, um alles aufzugeben und sich ganz in Seine Nachfolge zu stellen.

Vorab sei eines klar gestellt: das Zölibat ist keineswegs ein für allemal in Stein gemeisselt. Es kann durchaus sein, dass es eines Tages abgeschafft wird. Auch jetzt schon gibt es Ausnahmen (etwa wenn ein evangelischer Pfarrer konvertiert). Es gibt allerdings gute Gründe für den Zölibat.        

Gehen wir zurück zu Jesu' Zeiten: Die Jünger die Ihm damals nachfolgten, haben Haus & Hof aufgegeben - inklusiv ihrer Famile - um Ihm nachzufolgen (siehe hierzu Lk 18,28-30). Die Männer, die in Seine Fußstapfen getreten sind und die Kirche aufgebaut haben, haben aus Liebe zu Ihm auf alles verzichtet - auch auf die Ehe. Sie wollten alleine für ein Leben in seiner Nachfolge bereit sein und nichts sollte sie davon abhalten.

Was hat das mit uns heute zu tun? Was mit den Priestern heute?

Nun, Priester wird man, indem einem der Bischof die Hand auflegt und zum Priester weiht. Dies wurde seit den Zeiten der Apostel so weiter gegeben. Und damit auch die Verpflichtung, auf alles um des Himmelreiches willen zu verzichten. Diese Tradition geht also sehr weit zurück.

Wieso hat man denn lange Zeit nach Jesus nichts davon gehört? Hat die Kirche das nicht erfunden?

Die ersten Jahrhunderte gab es die Kirche nicht so wie man sie heute kennt. Die Menschen mussten sich heimlich treffen. An das Festhalten von irgendwelchen Vorschriften oder Normen war also noch gar nicht zu denken. Die Kirche gab es eigentlich nur im Untergrund oder privat.

Etwa um 305 herum fand dann in Spanien (in Elvira) eine Synode statt, auf der man zum ersten Mal davon sprach, dass zum Altardienst gerufene Geistliche ein enthaltsames Leben führen sollten. Auch die nächste Synode von Karthago (390) schloss sich dieser Meinung an.  Man sprach damals vom "Lex Continentiae", also dem Gebot der Enthaltsamkeit).

Warum aber sollte ein Mann auf die Ehe verzichten?

Wie wir gerade gesehen haben, mussten die Männer, die Jesus nachfolgten, ihre Familien verlassen, um voll und ganz für Ihn da zu sein. Auch heute sieht man das noch so. Priester (und Ordensleute bzw. andere Formen geweihten Lebens) geben alles auf - und sich selbst voll und ganz dem Dienst in der Kirche und am Nächsten hin. So wie der Geschlechtsakt in der Ehe deren liebevoller Ausdruck im Rahmen des gegenseitigen Sich-Hingebens ist, so geben Priester sich selbst - ihren Leib, ihr Herz und ihren Geist - Gott und dem Dienst am Nächsten hin. Dadurch wollen sie ein Zeugnis des Glaubens und der Liebe zu Ihm ablegen. So wie Geschlechtsverkehr Ausdruck ehelichen Lebens ist, ist der Zölibat Ausdruck der radikalen Hingabe an Gott und an die Kirche. Jesus ist ihnen mehr wert als alles andere. Sie geben sich mit ganzem Herzen hin und schenken sich selbst - und werden dazu auch gerufen (deshalb spricht man auch nicht vom "Beruf", sondern von der "Berufung").

Schauen wir ins elfte Jahrhundert: Papst Gregor VII bekräftigt wiederum den Zölibat. Auch damals aber gab es Menschen, die sagten, Paulus hätte doch auch erwähnt, man solle heiraten, um nicht der sexuellen Unmoral zu verfallen. Warum also nicht auch Priester?

Luther schließlich machte kurzen Prozess: er rief Geistliche, die das Keuschheitsgelübde abgelegt haben auf, sich nicht mehr daran zu halten.

Die bisherige Praxis, dass auch verheiratete Männer zum Priester geweiht wurden, wenn sie sich zum Zölibat verpflichteten, wurde schließlich mit dem Konzil von Trient (1545 - 1563) abgeschafft. Im Gegenzug beschloss man, Männer, die Priester werden wollten, schon in jungen Jahren darauf vorzubereiten (hierzu plante man Priesterseminare zu errichten).

Bis zum heutigen Tag wurde der Zölibat von den Päpsten aufrecht erhalten - und dies aus gutem Grund. Es ist und bleibt einfach die beste Art und Weise, zu gewährleisten, dass ein Mensch sich voll und ganz - auch mit seinem ganzem Leib - auf die Nachfolge Jesu Christi konzentriert. Sein (oder ihr) Herz soll nur Ihm alleine gehören. Eine ungeteilte Liebe und eine ungeteilte Hingabe - vollkommen und unbefristet.

 

Warum aber sollte man den Zölibat nicht abschaffen oder nicht mehr so "streng" sehen?

Katholiken sind der festen Überzeugung, dass sich den Zölibat auf Jesus selbst zruückführen lässt und von den Aposteln und deren Nachfolgern auch so weitergegeben und bekräftigt wurde. Dies ist für uns von enormer Bedeutung und es steht uns nicht frei, es einfach so nach Lust und Laune abzuschaffen.

Ist das nicht ein Zwang für die Betroffenen? Man hört ja, dass es viele Kinder von Priestern gibt!

Die Gerüchteküche brodelt also. Natürlich gibt es auch unter Priestern und anderen Menschen, die ein Keuschheitsgelübde abgelegt haben, Brüder und Schwestern, die sündigen. Das aber als die Regel hinzustellen, wäre grundfalsch und ein Vorurteil noch dazu. Vielleicht sollte man einfach einmal mit den Betroffenen reden. Ein Kapuzinerpater hat mir mal erklärt, dass er das dort gar nicht als Zwang empfindet. Es ist ja nicht so, dass er nur auf etwas verzichtet - er bekommt ja im Gegenzug auch eine Menge geschenkt: die Gemeinschaft mit Mitbrüdern im Orden, den Dienst in der Kirche und für Menschen allgemein, die Liebe Gottes usw.

Und da hat er durchaus recht. Diese Menschen sind keineswegs nur alleine und verklemmt - vielleicht haben sie ein erfüllteres Leben mit weitaus mehr Gemeinschaft als so mancher da "draussen"!

 

 

(Hierzu sei dringend folgendes Buch empfohlen: "Gott ja, Kirche nein. Antworten auf 66 x Kritik", Band II. Guido Horst, MM Verlag, 201, Aachen. Holt es euch!)

(Quellen: Catholic Answers, San Diego, 2004, WEB: www.catholic.com und www.karl-leisner-jugend.de)

 

The problem behind the decreasing number of religious vocations over here has nothing to do with celibacy. It is a problem that the Church as a whole faces: lack of faith.

Mehr über den Zölibat

Ein wichtiger Hinweis: Ordensgelübde werden auch als Vertiefung der Taufe verstanden, da der Ordensbruder oder die Ordensschwester diese Welt verlassen und in ihr absterben. Im Römerbrief 6,1-11 können wir nachlesen, dass die Taufe als ein Mitsterben und Mitauferstehen mit Christus zu verstehen ist. Diese Zeichenhaftigkeit spiegelt sich im Sakrament der Taufe wieder.

Bei Ordensgelübden - besonders bei den Frauen - wird in der Symbolik die mystische Vermählung mit Christus deutlich, der ja der Bräutigam der Kirche und der einzelnen Seele ist. Hier unterscheidet sich das Ordensgelübde vom Zölibat der Priester: ein Ordensbruder oder eine Ordensschwester vertritt gleichsam die bräutliche Kirche und als solche steht er/sie stellvertretend Christus gegenüber. Ein Priester hingegen, der den Zölibat ablegtstellt der Kirche gegenüber Jesus dar.

(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/)

 

Zölibat

* 1 Tim 4:1-3 - Verbieten der Ehe ist eine Lehre der Dämonen
Eph 5:21-33 - Ehe ist gut, ein Symbol für Christus und seine Kirche
Mt 19:12 - Jesus lobt Zölibat
1 Kor 7:8 - Der Apostel Paulus war Zölibat
1 Kor 7:32-35 Zölibat ist für diejenigen im geistlichen Dienst empfohlen

(Quelle: Sebastian R. Fama. Copyright © 2001 StayCatholic.com. Übersetzt mit Genehmigung. Übersetzer: Mike Esquibel. Herzlichen Dank, Mike!)

Zölibat und Priestertum

Viele halten den priesterlichen Zölibat fälschlicherweise für eine kirchliche Doktrin oder ein Dogma. Und sie meinen, nach Ansicht von Katholiken hätte Jesus oder die Apostel es eingesetzt.

Sie erwähnen dann gerne die Schwiegermutter des Petrus (Markus 1,30).  Wenn Katholiken nur wüssten, dass Petrus verheiratet war, würden sie bestimmt nicht mehr behaupten, er sei der erste Papst gewesen.

Ihrer Meinung nach ist der Zölibat ein Zwang, der auf Priesteramtskandidaten ausgeübt wird. Und außerdem eine katholische Erfindung.

Tatsächlich aber gibt es sehr wohl Priester, die verheiratet sind. In der Kirche des Ostens ist das durchaus üblich.

Aber selbst dort dürfen Priester nicht alles. Während verheiratete Männer Priester werden können, darf aber ein Priester, der noch nicht verheiratet ist, auch nicht mehr heiraten. Ebensowenig darf sich ein Priester dort nach dem Tod seiner Frau wieder verheiraten. Und Bischöfe sind in der Regel überhaupt nicht verheiratet. Ein Priester darf auch nicht an dem Tag, an dem er die Messe feiert, den ehelichen Akt vollziehen.

In den Kirchen des Westens bzw. in den Kirchen nach dem lateinischen Ritus ist es allerdings so, dass der Zölibat verbindlich für Priester ist. Wobei hier der Zölibat nicht als Dogma, sondern als hilfreiches disziplinarisches Mittel gesehen wird.

Ein verheirateter Petrus würde somit keineswegs gegen katholische Glaubenswahrheiten verstoßen.

 

Ist Heirat denn wirklich Pflicht?

Manche glauben, der Zölibat sei "unbiblisch" oder vielleicht gar "unnatürlich". Jeder Mann müsse schließlich "fruchtbar sein" und "sich vermehren" (Genesis 1,28). Laut Paulus müsse ja jeder Mann eine Frau und jede Frau einen Mann haben (1 Kor 7,2).

Diese Meinung entspricht aber keineswegs dem, was die Bibel lehrt. Sowohl Jesus wie die Apostel sprachen sich für den Zölibat aus - und praktizierten es schließlich auch (vgl. etwa1 Kor 1,8-9 oder 1 Kor 7,27-34 (und 38) sowie Matthäus 19,10 und Matthäus 19,11-12!

Der Zölibat gilt aber nicht für jeden Gläubigen, sonder nur für die, die von Gott dazu berufen wurden.

Scheitern kann man allerdings sowohl im Zölibat wie in der Ehe. Hiervon sind beide Gruppen betroffen. Dies bedeutet aber nicht, dass nun der Zölibat oder die Ehe schlecht wären! Als Bill Clinton sexuelle Verfehlungen beging, hat ja auch niemand am amerikanischen Präsidentenamt gezweifelt!

Es muss also nicht jeder Mensch heiraten und "sich vermehren". Ansonsten würde jeder Single sündigen - und Jesus und Paulus wären ebenfalls diesbezüglich Sünder gewesen.

Manch einer behauptet nun, die Ehe wäre Pflicht für Leiter der Kirche. Da wird 1 Tim 3,2 und 4-5 zitiert (ein Mann, der seinen eigenen Haushalt nicht im Griff hat, kann sich auch nicht um die Angelegenheiten der Kirche kümmern).

Nur ein verheirateter Mann kann dieser Auffassung nach also ein Amt in der Kirche bekleiden.

Vertritt man aber diese Auffassung konsequent weiter, wird es schnell absurd. Wenn etwa ein Bischof verhieratet sein und Kinder haben müsste, wären Männer ohne Kinder (oder nur mit einem Kind, da Paulus den Plural verwendet) nicht dafür geeignet. Ein verheirateter Bischof, dessen Frau oder Kinder sterben, wäre ebensowenig geeignet und müsste zurücktreten. 

Paulus war aber Single - und offensichtlich hatte er kein Problem damit!

Ebenso falscht ist die Meinung, ein Mann, der nicht verheiratet ist, habe sich nicht im Leben "bewährt". Man vergisst hierbei schnell, dass auch der Zölibat - wie jede andere Berufung auch - an einen Mann hohe Anforderungen stellt. JEDER Mann muss den "Haushalt", den Gott ihm gegeben hat,  richtig managen können - und wenn er selbst dieser "Haushalt" ist! 

Paulus vertrat vielmehr die Ansicht, dass ein Bischof nur EINE Frau sowohl nur EINMAL heiraten sollte, dass seine Kinder nicht unerzogene Mädchen und Jungs sein sollen - und NICHT, dass er verheiratet sein MÜSSE.

Wen hält die Bibel im besonderen geeignet, Jesus nachzufolgen? Zum einen die, die die Sache des Herrn zu ihrer eigenen machen (1 Kor 7,32). Oder die, die dazu gerufen sind, nicht zu heiraten (Matthäus 19,12). Die alles für Jesus aufgeben (Matth 19,27). Menschen, die im Zölibat leben, würden sehr wohl hierunter fallen! Sie verlassen alles und verzichten auf alles, um nur für Gott da zu sein. Sie lieben Ihn so sehr, dass sie sich selbst zum Geschenk machen und für Gott und andere Menschen da sein wollen.

Werfen wir einen Blick ins Alte Testament: Jeremia eta durfte nicht heiraten (Jer 16,1-2). Natürlich ist diese Anordnung von Gott nicht dasselbe wie der Zölibat des Priesters, aber dieser Vorläufer gibt durchaus das Beispiel für die Legitimität des Zölibats.

Nichts von all dem aber weist darauf hin, dass der Zölibat eine Pflicht für Menschen wäre. Jeremias Zölibat war verpflichtend, weil es von Gott so bestimmt wurde. Die Bemerkung, die Paulus Timotheus gegenüber macht,  ist mehr eine Ermahnung allgemeiner Art als ein besonderes Gebot oder eine Verpflichtung. Selbst in 1 Kor 7 will uns Paulus zu nichts zwingen.

Manche sagen nun, der Zölibat sei mit Blick auf 1 Tim 4,3 zu verstehen. Hier verbieten heuchlerische Lügner die Heirat.

Die Katholische Kirche verbietet aber keinem Menschen die Ehe. Niemand wird gezwungen, ein Gelübde der Keuschheit abzulegen. Ja, es gibt Menschen, die dies tun - aber freiwillig und aus freiem Entschluss. Sie lieben Jesus so sehr, dass sie um des Himmelreiches willen auf die Ehe verzichten (vergl. Matt 19,12). Keiner muss das aber tun. Jeder, der dies will, kann und darf selbstverständlich - unter den biblischen Vorgaben -heiraten. Die Kirche wählt vielmehr nur Priesterkandidaten (oder in der Kirche des Ostens Kandidaten für das Amt des Bischofs) aus dem Kreis derer, die sich aus freiem Entschluss und aus Liebe zu Jesus für das Zölibat entschieden haben.

 

Gibt es für den Zölibat eigentlich überhaupt einen Hinweis in der Bibel?

Wenn wir 1 Tim 5,9-16 lesen, sehen wir, dass Paulus von Witwen spricht, die nicht mehr heiraten sollten (siehe auch 5,11-12: junge Witwen, die heiraten wollen, brechen das Christus gegebene Versprechen). Kann dieses Versprechen vielleicht frühere Ehegelübde meinen? Keinesfalls. Es ist vielmehr ein in dieser Gruppe abgegebenes Versprechen, nicht mehr zu heiraten. Man kann diese Frauen durchaus als einen Vorläufer einer geistlichen Gemeinschaft mit verpflichtendem Zölibat sehen.

Von diesen Gruppen hat Paulus aber nicht gesprochen, als er warnte, die Ehe zu verbieten. Im Laufe der Zeit gab es vielmehr gnostische Sekten, die Heirat, Sex und überhaupt den ganzen Körper als etwas Schlechtes ansahen. Auch andere Menschen und Gruppierungen, die der Häresie verfallen sind, würden hierzu zählen (etwa die Albigenser und die Katharser).

Die meisten Katholiken heiraten. Das ist auch völlig in Ordnung so und sie sind deswegen keinesfalls "schlechtere" Christen als die, die zölibatär leben. Alle Katholiken aber sollen die Ehe als etwas Heiliges sehen und zu bewahren trachten. Genau dadurch wird der Zölibat auch so wertvoll, denn nur was auch gut und heilig ist kann um des Himmelsreiches willen und damit aus Liebe zu Gott aufgegeben werden. Wer schlecht vom Zölibat redet oder denkt, tut dies auch im Hinblick auf die Ehe. Wer zölibatär lebt, sagt ja zum Leben - er lehnt es damit keineswegs ab!

Im Alten Testament kannte man den Zölibat als solches eigentlich nicht. Menschen waren wertvoll, wenn sie verheiratet waren und Kinder hatten. Wer auf die Ehe verzichtet, spricht somit jedem Menschen einen Wert zu - ob er nun verheiratet ist und Kinder hat oder nicht.

Ehe kann aber auch eschatologisch gesehen werden. Bei Matthäus lesen wir, dass wir nach der Wiederauferstehung nicht mehr heiraten, sondern wie die Engel im Himmel sein werden (siehe Matth 22,30).

 

(Quelle: Catholic Answers, San Diego, 2004, WEB: www.catholic.com und www.karl-leisner-jugend.de)

 

Warum überhaupt Zölibat?

Warum sollte man sich eigentlich überhaupt für den Zölibat verpflichten? Spricht denn auch etwas dafür?

So einiges.

Man stellt sich voll und ganz für die Nachfolge Jesu Christ zur Verfügung und lässt alles hinter sich. Das heißt, man ist sehr flexibel und auch weitaus mehr vefügbar als mit einer Familie. Man kann sich auf eine Sache konzentrieren und sich ganz denen widmen, die der Seelsorge und brüderlichen Hilfe bedürfen.

Man kann außerdem sämtliche evanglischen Räte (und mithin auch den Zölibat) als Zeichen sehen, das auf ein anderes Leben hinweist - ein Leben, das so ganz andere Wertvorstellungen als weltliche Lebensläufe hat. Gleichsam ein Stück des Reiches Gottes.

Zölibat ist somit auch eine Gabe, ein Geschenk, mit dem man auch verantwortungsvoll zum Wohle der Kirche umgehen sollte.

Wie wir bereits gesehen haben, gibt es eine enge Verbindung zwischen dem Zölibat und kirchlichen Ämtern (Priester, ein lediger Diakon, Bischof) - zumindest in den Kirchen nach dem lateinischen Ritus.

Selbstverständlich ist es auch nicht leicht, zölibatär zu leben, das sollte an dieser Stelle keineswegs verschwiegen werden. Jeder Mensch hat nicht nur ein Bedürfnis nach Sexualität, sondern auch nach ehelicher Zweisaamkeit. Somit kommt es bei Menschen, die sich dem Zölibat verpflichtet haben, manchmal zu Gefühlen der Einsamkeit oder des Zweifels (habe ich wirklich das richtige getan?). Auch ist das Zölibat ein Grund dafür, warum sich immer weniger Menschen dazu entschließen, kirchliche Ämter zu übernehmen, die die Enthaltsamkeit verlangen (wenn auch bei weitem nicht der einzige Grund!).

Es gibt allerdings auch die Möglichkeit eines kirchenrechtlichen Verfahrens für Priester und unverheiratete Diakone, das sie dann von der Zölibatspflicht befreit. Allerdings dürfen sie dann auch nicht mehr ihr Amt ausüben.

Man sollte das Zölibat als Geschenk und als Berufung sehen. Jesus hat uns nie gesagt, dass es leicht sein würde, Ihm nachzufolgen. Er hat uns nur versprochen, dass es sich lohnen würde.

(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/ - Sehr zu empfehlen!)

 

 

Wie ist der Zölibat kirchenrechtlich zu sehen?

Für Kleriker ist der Zölibat laut Codex Iuris Canonici (also gemäß Kirchenrecht) verpflichtend vorgeschrieben. Ein Verstoß hiergegen ist ein Sakrileg, also ein "Gottesraub". Der Zölibat gehört aber nicht zum göttlichen Recht und kann deshalb auch geändert werden. In den Kirchen des Ostens ist der Zölibat zwar nicht für alle gleichermaßen vorgeschrieben (nur für die Bischöfe), genießt aber gleichwohl auch dort hohes Ansehen (es gibt auch dort Priester, die sich freiwillig zum Zölibat verpflichtet haben!). Ist man aber einmal geweiht, kann man nicht mehr heiraten - dies gilt für den Osten wie den Westen. Johannes Paul II hat seinerzeit den Canon 277 Paragraph 1 erlassen, wo es heißt: "Die Kleriker sind verpflichtet, wegen des Himmelreichs eine vollkommene und ewige Enthaltsamkeit zu bewahren, sind also zum Zölibat angehalten, der ein besonderes Geschenk Gottes ist."

(Quelle: www.kathpedia.com)

 

Wo findet sich der Zölibat im Katechismus?

1579, 1580, 1599

 

Keuschheit und Enthaltsamkeit

Keuscheit wurde schon immer in Verbindung mit der Enthaltsamkeit gesehen. Warum? Weil die castitas perfecta, also die vollkommene Keuschheit gleichzeitig auch die völlige sexuelle Enthaltsamkeit ist. Heute sieht man das in etwas weiterem Zusammenhang: wir sind als Männer wie als Frauen gerufen, kreativ mit unseren Möglichkeiten und Gaben umzugehen und sie entsprechend zu gestalten. Was die Keuschheit betrifft, so heißt dies, dass ein Mann oder eine Frau seine Geschlechtsidentität zum Bestandteil seines Lebens macht und sich ihrer zur Verwirklichung menschlicher Líebe bedient - was gleichermaßen für Verheiratete und Unverheiratete gilt.

(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/)

 

Sacramentum Caritatis

Im nachsynodalen Schreiben "Sacramentum Caritatis", das Apostolische Schreiben über die Ergebnisse der XI. Ordentlichen Bischofssynode vom 2. bis 23. Oktober 2005, heißt es wörtlich zum Thema: "Eucharistie und priesterlicher Zölibat":

Die Synodenväter haben hervorgehoben, daß das Amtspriestertum durch die Weihe eine vollkommene Gleichgestaltung mit Christus erfordert. Bei aller Achtung gegenüber der abweichenden ostkirchlichen Handhabung und Tradition ist es doch notwendig, den tiefen Sinn des priesterlichen Zölibats zu bekräftigen, der zu Recht als ein unschätzbarer Reichtum betrachtet wird; in der Ostkirche findet er seine Bestätigung darin, daß die Auswahl der Kandidaten zum Bischofsamt nur unter zölibatär lebenden Priestern vorgenommen wird und der von vielen Priestern freiwillig gelebte Zölibat hohes Ansehen genießt. In dieser Wahl des Priesters kommen nämlich in ganz eigener Weise seine Hingabe, die ihn Christus gleichgestaltet, und seine Selbstaufopferung ausschließlich für das Reich Gottes zum Ausdruck. (75)

Die Tatsache, daß Christus, der ewige Hohepriester, selber seine Sendung bis zum Kreuzesopfer im Stand der Jungfräulichkeit gelebt hat, bietet einen sicheren Anhaltspunkt, um den Sinn der Tradition der lateinischen Kirche in dieser Sache zu erfassen. Deshalb reicht es nicht aus, den priesterlichen Zölibat unter rein funktionalen Gesichtspunkten zu verstehen. In Wirklichkeit stellt er eine besondere Angleichung an den Lebensstil Christi selbst dar. Eine solche Wahl hat vor allem hochzeitlichen Charakter; sie ist ein Sicheinfühlen in das Herz Christi als des Bräutigams, der sein Leben für die Braut hingibt. In Einheit mit der großen kirchlichen Tradition, mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (76) und meinen Vorgängern im Petrusamt (77) bekräftige ich die Schönheit und die Bedeutung eines im Zölibat gelebten Priesterlebens als ausdrucksvolles Zeichen der völligen und ausschließlichen Hingabe an Christus, an die Kirche und an das Reich Gottes und bestätige folglich seinen obligatorischen Charakter für die lateinische Tradition. Der in Reife, Freude und Hingabe gelebte priesterliche Zölibat ist ein sehr großer Segen für die Kirche und für die Gesellschaft selbst. (Kapitel 24)

(Quelle: www.kath.net)

Siehe auch:

Kath.net: Sacramentum Caritatis

Vatikan: Sacramentum Caritatis (Originalwortlaut)

 

Kritikpunkte...

Gibt es nicht Statistiken, dass die meisten Priester insgeheim eine Partnerin oder Kinder haben, die vom Ordinariat finanziell unterstützt werden, solange sie schweigen?

Mir sind keine solche Statisktiken bekannt. Man kann wohl davon ausgehen, dass derartige Verschwörungstheorien in das Reich der Mythen gehören, die zwar von vielen immer wieder wiederholt, aber damit nicht richtiger werden. Gibt es Priester, die gegen den Zölibat verstoßen? Die gibt es bestimmt. Deshalb aber den Zölibat oder gar den Priesterberuf in Frage zu stellen, das ist, als wolle man das Amt des amerikanischen Präsidenten in Frage stellen, wo sich doch Bill Clinton seinerzeit mit einer gewissen Praktikantin eingelassen hat...

 

Ist der sexuelle Missbrauch, der doch dauernd von Priestern ausgeübt wird, nicht auf den Zölibat zurück zu führen?

Sexueller Missbrauch ist ein ernstes Thema und darf nicht verharmlost werden. Wenn aber der Zölibat die Ursache dafür wäre, dürfte Missbrauch ja in der "normalen" Gesellschaft nicht vorkommen. Dem ist aber nicht so. Ein Priester, der ein Kind (oder einen Erwachsenen) sexuell missbraucht, hat eine schwere Verfehlung vor Gott (und unter Umständen auch eine Straftat) begangen. Dies hat aber nicht mit dem Zölibat an sich zu tun, sondern ist in der Person selbst begründet.Das Zölibat als ursächlich für sexuelle Verfehlungen zu sehen, mag sich zwar auf Stammtischen gut anhören, entspricht aber nicht der Realität.

 

Wie sieht es mit homosexuellen Geistlichen aus?

Natürlich gibt es auch Brüder und Schwestern, die gleichgeschlechtliche Neigungen haben, sich aber zum Zölibat verpflichtet haben. Das eine schließt das andere nicht grundsätzlich aus. Die Betroffenen verpflichten sich zur sexuellen Enthaltsamkeit wie ihre Mitbrüder und Mitschwestern auch. Ein Bruch dieses Gelöbnisses ist genauso ernst zu nehmen wie bei anderen.

Nun gibt es aber leider auch homosexuelle Geistliche oder Ordensleute, die ihre gleichgeschlechtlichen Neigungen mehr oder weniger öffentlich ausleben (so wie es auch heterosexuelle Geschwister tun, die das Keuschheitsgelübde brechen). Andere organisieren sich in Gruppierungen, um zu ihrer Homosexualität und zum Ausleben derselben zu stehen - privat wie auch in der Öffentlichkeit. Dies ist bei allem Verständnis und aller Liebe für diese Menschen nicht akzeptabel - nicht wegen ihrer Homosexualität, sondern wegen dem Bruch eines Gelübdes. Niemand hat sie dazu gezwungen - sie haben sich freiwillig verpflichtet. Wenn nun die Gemeinde (wohlgemerkt alle Altersgruppen von Kindern bis hin zu alten Menschen), die zu einem Priester oder einer Ordensschwester aufsieht, erkennen muss, dass sich diese Geistlichen nicht einmal selbst an das halten, was sie in der Öffentlichkeit verkünden, was sollen sie dann bezüglich ihres eigenen Glaubenslebens denken? Warum sollten sie sich noch an Gottes Gebote halten, wenn nicht einmal der Pfarrer, der doch dauernd davon predigt, sich daran hält? Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit dem Bruch eines freiwilligen Gelübdes, des ebenso von heterosexuellen Geschwistern eingegangen wurde und ebenso wie bei diesen eingehalten werden muss. Und ein Bruch dieses Gelübdes ist einfach nicht in Ordnung. Gleichgeschlechtlich empfindende Brüder und Schwestern aber, die sich zum Zölibat verpflichtet haben und dazu auch stehen, haben ebenso wie ihre Geschwister unseren ganzen Respekt und unsere Liebe verdient (was nicht heißen soll, dass Menschen, die hiergegen verstoßen, nicht mit Liebe zu behandeln wären. Hiermit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass homosexuelle Geistliche auf einer Ebene mit allen anderen Brüdern und Schwestern stehen - im Guten wie im Schlechten).

 

Mehr über den Zölibat

Hierzu sollten wir erst noch einmal Mt 19,12 lesen: "Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, Manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen." (Einheitsübersetzung.

Manche Christen argumentieren nun, hier macht die katholische Kirche aus einer Empfehlung eine Verpflichtung. Eine weitere "Erfindung" der katholischen Kirche und ein weiterer "Beweis" ihrer Sexualfeindlichkeit.

Warum aber haben manche Christinnen und Christen so ein Problem mit dem Zölibat? Paulus sieht es als durchaus spirituell vorteilhaft an. Warum es also nicht zur Voraussetzung für den Priesterberuf machen? Ziehen wir einmal einen Vergleich: auch viele evangelikale Gemeinden verlangen von ihren Pastoren eine theologische Ausbildung (etwa ein mehrjähriges Studium), bevor sie ihren Dienst antreten. Wäre dies entsprechend der oben genannten Logik nicht umso mehr eine "Erfindung" der Menschen bzw. eine "gesetzliche und unbiblische Verpflichtung"?

Nun wenden manche ein, Paulus würde ja auch Fälle erlauben, wo die Ehelosikeit nicht gilt. Richtig. Sonst würden wir ja irgendwann aussterben. Der Zölibat ist eine Gabe - manche sind dazu berufen, andere nicht.

Sehen wir uns noch 1 Kor 7,32 - 38 an "Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unvereheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen. Das sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen könnt. Wer sich gegenüber seiner Jungfrau ungehörig zu verhalten glaubt, wenn sein Verlangen nach ihr zu stark ist, der soll tun, wozu es ihn drängt, wenn es so sein muss; er sündigt nicht; sie sollen heiraten. Wer aber in seinem Herzen fest bleibt, weil er sich in der Gewalt hat und seinem Trieb nicht ausgeliefert ist, wer also in seinem Herzen entschlossen ist, seine Jungfrau unberührt zu lassen, der handelt richtig. Wer seine Jungfrau heiratet, handelt also richtig; doch wer sie nicht heiratet, handelt besser." (Einheitsübersetzung)

Die katholische Kirche macht nichts anderes, als ihre Priesterkandidaten unter denen auszuwählen, die bereits von Gott zum Zölibat berufen wurden. Es gibt in der katholschen Kirche die unterschiedlichsten Berufungen für die unterschiedlichsten Ämter - genauso wie Gott die Menschen mit unterschiedlichen Gaben ausgestattet hat. Ein Plappermaul wird sich kaum einem kontemplativen Orden anschließen wollen - er ist an anderer Stelle besser aufgehoben.

An dieser Stelle sei eine Gegenfrage erlaubt:

Da der Zölibat sowohl von Paulus als auch von Jesus empfohlen wird und schließlich sowohl bei Jesus, Seinen Jüngern und den ersten Priestern und Bischöfen die Norm war: wo in protestantischen oder evangelikalen Gemeinden wird der Zölibat respektiert, geehrt und geachtet - oder zumindest als Möglichkeit in Betracht gezogen? Katholiken ehren sowohl den Zölibat wie die Ehe. Manch anderere Christen scheinen nur letzteres in Betracht zu ziehen. Ist es nicht ebenso "gesetzmäßig", zu verlangen, Pastoren müssten immer verheiratet sein?

Es ist für Katholiken eine große Gabe und Verpflichtung, die höchsten Respekt und Achtung verdient, wenn ein Mensch sich den drei evangelischen Räten verschreibt: Keuschheit, Armut und Gehorsam - und dies des Himmelreiches willen!

Es ist keineswegs so, dass ein verheirateter Mann ein besserer Priester wäre. Er wird immer zwischen seiner Familie und seiner Verpflichtung als Priester hin- und hergerissen sein - sowohl praktisch (was seine Arbeit betrifft) als auch geistig (was seine Sorgen betrifft). Nicht umsonst sind viele Kinder von Pastoren durchaus "wilde Rabauken". Sogar Franklin - Sohn von Billy Graham - ging durch eine wilde Zeit, bevor er seine Berufung fand.

Oft wird auch nicht nur der Zölibat an sich kritisiert, sondern die Menschen, die ihn befolgen teilweise auch persönlich und respektlos angegriffen - manchmal auch mit haltlosen und unbegründeten Vorurteilen.

Ebenso wird für bestimmte Ämter - etw das eines Pastoren - eine Berufung und eine Gabe durch Gottes Gnade problemlos angenommen, mit dem Zölibat hat man aber seine Probleme.

Sehen wir uns nochmals Paulus an: "Ich wünschte, alle Menschen wären (unverheiratet) wie ich. Doch jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. Den Unverheirateten und den Witwen sage ich: Es ist gut, wenn sie so bleiben wie ich. Wenn sie aber nicht enthaltsam leben können, sollen sie heriaten. Es ist besser zu heiratenals sich in Begierde zu verzehren."." (1 Kor 7,7 - 9; Einheitsübersetzung).

Kann es nicht sein, dass sich hinter der Kritik am Zölibat nicht vielmehr manchmal auch eine Kritik an der katholischen Kirche und ihren Amtsträgern an sich verbirgt?

Im Gegensatz zu Luther hat Clavin die Ehelosigkeit zumindest für eine bestimmte Zeit in Betracht gezogen - ohne hierfür allerdings biblische Gründe anzugeben. Ganz im Gegenteil: er gibt auch keine biblische Gründe für seine Kritik am Zölibat an.

Paulus macht nichts anderes, als Jesu Lehre zu wiederholen, nämlich, dass es gut sei, nicht zu heiraten, wenn man hierzu berufen ist, um Jesus mit ungeteiltem Herzen nachfolgen zu können. Die Ehe bringt zusätzliche Verantwortungen und Probleme - Paulus gibt mit dem Zölibat also durchaus auch einen ganz praktischen Ratschlag.

Manch einer bringt nun vor, dass sich viele zum Zölibat verpflichten, ohne dazu berufen zu sein und somit irgendwann mehr oder weniger "zwangsweise" sexuellen Verfehlungen verfallen.

Während es natürlich immer wieder und in jedem Bereich des Lebens Menschen gab, gibt und wahrscheinlich geben wird, die ihre Berufung verfehlt oder ncht erkannt haben, ist der zweite Teil der Argumentation doch etwas, das völlig haltlos und unegründet ist. Natürlich gab es Priester, dei sexuellen Verfehlungen verfallen sind. Dies jedoch als etwas darzustellen, das zwangsweise aufgrund einer verfehlten Berufung geschieht, ist eine zutiefst unchristliche Einstellung. Auch Menschen mit einer verfehlten Berufung sind nicht willenlose Sklaven ihrer Emfpindungen. Gott hat uns den freien Willen gegeben, und es liegt an uns, uns für oder gegen etwas oder jemanden zu entscheiden. Sexuelle Verirrungen sind genause wenig Folge eines "Zwangs-Zölibats" wie Prostitution die Folge unserer Vorschriften hinsichtlich Ehe und Familie ist. Sollten wir die Ehe abschaffen, weil so viele Menschen untreu sind? Es ist ferner ein Irrglaube, anzunehmen, dass es weniger sexueller Verfehlungen geben würde, wenn Priester heiraten dürften. Beispiele hierfür gibt es ja leider sowohl in der christlichen wie der sonstigen Welt genügend.

Manche behaupten nun, Paulus Aussagen seien nur im besonderen Kontext der damaligen geschichtlichen Situation zu sehen. Dies ist leider ein Argument, das immer dann verwendet wird, wenn einem eine Aussage der Bibel nicht gefällt: man muss sie im Kontext der Zeit sehen. Heute gilt sie nicht mehr.

Paulus und Jesus Aussagen waren jedoch eindeutig und nichts daran lässt vermuten, dass sie sich nur auf eine besondere Situation bezogen hätten. Mit dem gleichen Argument könnte man behaupten, auch die Ablehnung von homosexuellem Verhalten sei nur zeitbedingt - eine Behauptung, die so enorm den Aussagen der Bibel widerspricht, dass es fast schmerzt, sie zu hören.

Andere meinen, die katholische Kirche würde den Zölibat als eine Art Joch zur Unterdrückung verwenden - als ein Machtinstrument zur Disziplinierung. Auch hier wird der Mensch als ein willenloses Wesen gesehen und die biblischen Aussagen völlig missachtet - ganz zu schweigen davon, dass man hier der Kirche als Gemeinschaften etwas Unglaubliches unterstellt, ohne hierfür auchnur den geringsten Hinweis zu haben. Begriffe wie göttliche Gabe, Gnade, göttliche Berufung, Nachfolge, Selbstlosigkeit, das Aufgeben von allem, was einem in dieser Welt etwas bedeutet, um Jesus nachzuflogen, Liebe, Gehorsam kommen in dieser Argumentation gar nicht vor.

Es ist fast zum Lachen: einerseits wirft man der katholischen Kirche vor, zu sehr "pro Familie", "pro Ehe" und "pro Kinder" zu sein, auf der anderen Seite wirft man ihr Ehe- und Sexualfeindlichkeit vor. Beides zusammen aber funktioniert leider nicht!

Um es mal anders auszudrücken: für die katholische Kirche sind Werte wie die Jungfäulichkeit wie eine Farbe - die Farbe Weiß. Und nicht etwa das Fehlen einer Farbe. Es ist der VErsuch, zwei Farben in Koexistenz und in ihrer ursprünglichen Reinheit zu behalten - und nicht etwa sie vermischen zu wollen (wie etwa die Farbe Lila).

Kann es nicht auch sein, dass manche den Zölibat einfach nicht mögen und nun alles Mögliche als "Argument" anführen, um ihn und die Menschen, die sich hierzu verpflichtet haben, schlecht zu machen? In der katholischen Kirche gibt es aber kein "Cafeteria-Christentum". Wir können uns nicht aussuchen, was wir an den Lehren der Kirche mögen und was nicht - wir glauben an das gesamte Paket - im Vertrauen darauf, dass Jesus uns versprochen hat, immer bei uns uns Seiner Kirche zu sein und den Heiligen Geist als Stellvertreter hier zu lassen, der uns führt und leitet. Die Kirche als ganze kann somit nicht irren.

Gehen wir noch kurz auf etwas anderes ein: es ist ja immer wieder mal von "Priesterskandalen" die Rede, wo sich Priester sexuell an Menschen vergangen haben. Dies ist etwas sehr Schlimmes und sie werden hierfür zur Rechenschaft gezogen wie jeder andere Mensch auch.

In diesem Zusammenhang wird aber auch immer gleich das Amt des Priesters an sich kritisiert, es wird ihm keine Zukunft bescheinigt oder die katholische Kirche an sich wird hart angegriffen. Völlig unschuldige Priester finden sich plötzlich in der Verpflichtung, sich rechtfertigen und verteidigen zu müssen. Hier wird das Kind mit dem Wasser ausgeschüttet: anstatt zumindest eine Reform zu verlangen, wird die Abschaffung des Priestertums verlangt. Eine Anmerkung hierzu: wenn Satan die Kirche angreifen will, wo würde er es wohl zuerst tun? Richtig: bei den herausragenden Menschen der Kirche. Bei ihren Hirten. Er ist der Meister der Lüge und der Täuschung, und leider kaufen ihm dies viele Menschen ab...

 

(Quelle: Dave Armstrong, The Catholic Verses, Sophia Institute Press, Manchester, New Hampshire, 2004)

 

Und nochmal Zölibat...

Der Zölibat ist zwar nicht notwendigerweise mit dem Priestertum verbunden und es gibt auch kein Gebot im engeren Sinne im Neuen Testament, der ihn zwangsweise vorschreibt, wie wir aber gesehen haben, gibt es durchaus gute Gründe (auch biblische!), ihn beizubehalten.

Welche weiteren Motivationen gibt es, die Menschen zu diesem Schritt bewegen? Warum wählt ein Priester den Zölibat?

Nun, zum einen hat dies viel mit "Eschatologie", also der Glaubenslehre von den letzten Dingen zu tun. So wie das Königreich Gottes bereits angebrochen ist und noch auf seine Vervollkommnung wartet, ist der Zölibat bereits ein Vorgriff auf das noch zu vollendende Reich Gottes (im Neuen Testament wird ja auch beschrieben, dass wir im Himmel nicht mehr heiraten, sondern wie die Engel sein werden).

"So weisen sie [die ehelos lebenden Priester] auf jenen geheimnisvollen Ehebund hin, der von Gott begründet ist und im anderen Leben ins volle Licht treten wird, in welchem die Kirche Christus zum einzigen Bräutigam hat. Darüber hinaus sind sie ein lebendiges Zeichen der zukünftigen, schon jetzt in Glaube und Liebe anwesenden Welt, in der die Auferstandenen weder freien noch gefreit werden." (2. Vat., Priester Nr. 16)

Wie wir bereits gesehen haben, weist uns Mt 19,11 darauf hin, dass manche Menschen sich "um des Himmelreiches willen" zur Ehe unfähig gemacht haben. Was ist damit gemeint? Um es kurz zu fassen: diese Menschen gehen völlig in ihrer Berufung auf und "können nicht anders"  als sich mit Körper, Geist, Herz und Seele ganz dem Herrn hinzugeben.

Ist das nicht ein wenig zu viel für die Priester? Aus menschlicher Sicht vielleicht - nicht aber aus christlicher Sicht. "Where God guides, God provides" heißt es in den USA - wo Gott lenkt, sorgt Gott auch für die notwendigen Mittel. Wer von Gott gerufen wird, erhält auch die Kraft, Ihm zu folgen. "Auf dein Wort hin" (Lk 5,5) folgen die Berufenen Jesus Christus.

Ist das nicht ein wenig einfältig? Spricht nicht die moderne Wissenschaft dagegen? Wird der Mensch hier nicht in der Entwicklung seiner Persönlichkeit eingeschränkt? Nicht für Christen. Gerade in der geschlechtlichen Liebe ist nicht nur der Körper, sonder der ganze Mensch (die "Mitte" des Menschen) im Spiel. Genau diese "Mitte" kommt auch im Zölibat zum Tragen. Sie drückt sich dann aber nicht mehr in Sexualitä, sondern in der tätigen Liebe zu Gott und den Mitmenschen aus. Natürlich muss man hierzu gerufen sein und auch die notwendigen Voraussetzungen mitbringen. Heisst das aber, dass es nicht möglich oder gar schädlich ist? Keinesfalls!

Selbstverständlich aber ist die Entscheidung zum Zölibat eine schwere Entscheidung und auch ein lebenslanger Prozess, der die Unterstützung der ganzen Gemeinde fordert.

 

Eine andere Form der Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen ist das Gelübde der Jungfräulichkeit von Ordensleuten. Hier ist die Motivation teilweise anders, ebenso das damit verbundene Leben in einer Gemeinschaft. Außerdem ist dieses Gelübde nicht an ein Amt gebunden.

Hier gibt es auch zwei Unterteilungen: das private und das öffentliche Gelübde der Jungfräulichkeit. Wer in eine Gemeinschaft, also etwa einen Orden eintritt, legt das öffentliche Gelübde ab - zumeist zu Beginn des Ordenslebens im Rahmen der zeitlichen Gelübde (vergleiche hierzu auch CIC can 607 § 2, can 1192).  Was identisch mit dem priesterlichen Zölibat ist, ist u.a. der eschatologische Charakter (siehe oben). Ebenso gibt man sich hier ganz Jesus Christus hin, um voll und ganz dem Ordensleben zur Verfügung zu stehen. Wenn man das Ordensleben näher betrachtet, wird schnell klar, dass die damit verbundenen vielfältigen Aufgaben kaum mit einer Familie zu verbinden sind. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch das theologische Fundament der Ehelosigkeit des Ordenslebens: die evangelischen Räte (Armut, Keuschheit, Gehorsam), bedeutsam und verständlich vor allem mit dem Hintergrund des Mönchtums, aus dem sich dies entwickelt hat. Man verlässt die bisherige Welt und gibt sich ganz Jesus hin. Man stirbt gleichsam, um ein neuer Mensch zu werden (die Parallele zur Taufe ist unübersehbar - siehe auch Röm 6,1-11).

Gerade bei Frauenorden wird auch im Rahmen des Ablegens der Gelübde ein mystisches Element zeichenhaft sichtbar: die Ordensfrau vermählt sich (und ihre Seele) mit Jesus Christus, der wiederum der Bräutigam der Kirche ist - sowie der Bräutigam jeder einzelnen Seele. Ein Ordensmann oder eine Ordensfrau vetritt hier sozusagen die Kirche.

 

(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/)

 

Zölibat - die letzte...

Abschließend soll nochmals auf den eschatologischen Charakter (Eschatologie = Lehre von den letzten Dingen) des Zölibats verwiesen werden.

Durch Jesu Kommen auf die Erde begann das Königreich Gottes. Es hat jetzt schon angefangen - und wird am Ende aller Zeiten vollendet werden. Der Zölibat bringt genau dies zum Ausdruck: durch den Bund, den ein Priester mit Gott eingeht und dessen - äußerer wie innerer - Ausdruck der Zölibat ist, verweist der Zölibat auf den größeren Bund, den Gott mit uns eingegangen ist und der einst seine Vollendung finden wird. Der Bund, indem die Kirche Jesus Christus als Bräutigam erhalten hat und der einmal vollendet werden wird - in einer Welt, in der es so etws wie unsere Ehe nicht mehr geben wird.

Wie wir gesehen haben, spricht Mt 19,11 f. davon, dass sich manche Menschen selbst unfähig zur Ehe gemacht haben - um des Himmelreiches willen - oder von Geburt an unfähig dazu sind. Zunächst denkt man hier wohl an körperliche Gründe, aber der vorliegende Vers weist darüber hinaus: Manche Menschen sind so ergriffen von ihrer Aufgabe und Berufung, dass sie gar nicht mehr anders können, als sich Jesus voll und ganz zur Verfügung zu stellen. Dadurch werden sie auch als Menschen ganz in Anspruch genommen - was keinen Raum mehr für eine Familie oder Ehe lässt.

Wird man durch diese letzte Konsequenz des Evangeliums überfordert?

Keineswegs! Eine Berufung, so wie sie das Neue Testament versteht, ist auch und vor allem der Anruf und der Akt Gottes, durch den er schöpferisch auf uns Einfluss nimmt. Sein Wort bezeichnet nicht nur, es bewirkt auch, was es sagt und verschafft uns so die nötigen Voraussetzungen, um unserer Berufung zu folgen.

Charisma und Berufung gehören also zusammen. Der Zölibat kann nur verwirklicht und gelebt werden, wenn auch der Glaube gelebt wird. Auf Gottes Wort hin (vgl. Lk 5,5) gibt man sich dann voll und ganz der Nachfolge Jesu Christi hin.

Wer sich hierzu entschließt und dem Ruf Gottes somit antwortet, spricht auch und gerade diese Mitte des Menschen an, die auch von der menschlichen Sexualität angesprochen wird. Sexualität wird also nicht etwa nur beiseite geschoben, sondern ersetzt - oder "verwandelt" - in andere Arten menschlicher - und göttlicher! - Begegnung.

(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/)

 

Zölibat und Eschatologie?

Das zölibatäre Priestertum ist auch ein eschotologisches Zeichen, also ein Zeichen, das auf das Ende aller Dinge hinweist. Ein Priester trägt in sich bereits das ultimative Ziel der Liebe, nach dem jede menschliche Liebe sich sehnt und nach dem sie ausgerichtet ist. Ein Ziel, das menschliche Liebe aber auch nie auf Erden verwirklichen wird.

(vgl. auch: Michael D. O'Brian: Father Elijah)

 

Bibelzitate

"Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen. Das sage ich zu eurem Nutzen: nicht um euch eine Fessel anzulegen, vielmehr, damit ihr in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen könnt."
(1 Kor 7, 32-35 - Einheitsübersetzung)

 

Aber Heirat ist doch verpflichtend für Menschen, die einer Gemeinde vorstehen! Das steht doch in 1 Tim 3,2.4-5!

Sehen wir uns diese Verse an:

"Deshalb soll der Bischof ein Mann ohne Tadel sein, nur einmal verheiratet, nüchtern, besonnen, von würdiger Haltung, gastfreundlich, fähig zu lehren; (...) Er soll ein guter Familienvater sein und seine Kinder zu Gehorsam und allem Anstand erziehen. Wer seinem eigenen Hauswesen nicht vorstehen kann, wie soll der für die Kirche Gottes sorgen?" (Einheitsübersetzung)

Nun meinen manche Christen, dass nur ein Mann, der sich auch um eine Familie gekümmert hat, ist auch geeignet, sich um die Kirche zu kümmern. Wer nicht verheiratet ist, habe sich demnach auch noch nicht bewährt.

Derartige Argumentationen führen aber zu Absurditäten, wenn man sie konsequent weiterverfolgt.

Wenn ein Begriff wie "nur einmal verheiratet" tatsächlich bedeuten soll, dass ein Bischof verheiratet sein muss, dann würde es auch bedeuten, dass "seine Kinder zu Gehorsam und allem Anstand erziehen" bedeuten würde, dass er Kinder haben müsse.

Wer keine Kinder hat - oder nur eines, da Paulus ja in der Mehrzahl spricht! - wäre demnach nicht geeignet.

Außerdem spricht Paulus von Bischöfen, die diesen Erfordernissen entsprechen. Er spricht nicht davon, dass sie sie erfüllt haben oder von Kandidaten für das Bischofsamt, die sie erfüllen. Dementsprechend wäre ein Bischof, dessen Ehefrau oder Kinder sterben, nicht für dieses Amt geeignet! Derartige Absurditäten sind zurückzuweisen.

Wenn Kirchenführer verheiratet sein müssen, würde außerdem Paulus - und mit ihm Jesus und die Apostel! - selbst diesem Erfordernis widersprechen, da er nicht verheiratet war. Er hätte aber kaum den Bischöfen Verpflichtungen aufgebürdet, denen er selbst nicht entsprach.

Betrachtet man außerdem 1 Kor 7, wo davon die Rede ist, dass Verheiratete weltliche Ängste und Sorgen und ein geteiltes Herz haben, dann würde eine derartige Argumentation bedeuten, dass sie - und nur sie! - trotzdem zum Beischofsamt geeignet wären, wohingegen die Unverheirateten, die ihr Herz ungeteilt dem Herrn geben, nicht für dieses Amt geeignet seien!

Das ist wahrlich absurd. Jede Berufung hat ihre eigenen Herausforderungen. Der zölibatär lebende Mann hat Selbstkontrolle zu üben (vgl. 1 Kor 7,9), der Ehemann muss seine Frau und Kinder selbstlos lieben (Eph 5,25) und der Vater hat seine Kinder gut zu erziehen (1 Tim 3,4). JEDER Mann hat die Norm von Paulus zu erfüllen und seinem Hauswesen vorstehen - auch wenn dieses "Hauswesen" nur er selbst ist.

Paulus meint also keineswegs, dass ein Bischof "nur einmal verheiratet" sein MUSS, sondern dass er nur EINMAL verheiratet sein darf. Er soll auch keine Kinder haben, die keine Disziplin haben (und nicht: er MUSS Kinder haben, die wohl erzogen sind).

Tatsächlich sind die Unverheirateten, die "sich um die Sache des Herrn" sorgen (1 Kor 7,32 - Einheitsübersetzung) auch diejenigen, die alles verlassen haben und Jesus nachgefolgt sind (vgl. Mt 19,27), also Ordensangehörige bzw. Menschen des geweihten Lebens.

"Leide mit mir als guter Soldat Christi Jesu. Keiner, der in den Krieg zieht, lässt sich in Alltagsgeschäfte verwickeln, denn er will, dass sein Heerführer mit ihm zufrieden ist." heisst es in 2 Tim 2,3-4 (Einheitsübersetzung). Wenn man Paulus' Anmerkungen in 1 Kor 7 über die Vorteile des Zölibats, der Ehe und Familie betrachtet, dann ist die Verbindung zu diesen "Alltagsgeschäften" hier unschwer zu erkennen.

Auch im Alten Testament finden wir den Zölibat eines Amtsträgers. Dem Propheten Jeremia war es etwa verboten, eine Frau zu nehmen: "Das Wort des Herrn erging an mich: Du sollst dir keine Frau nehmen und weder Söhne noch Töchter haben an diesem Ort." (Jer 16,1-2 - Einheitsübersetzung).

Das ist natürlich nicht dasselbe wie der Zölibat in der Katholischen Kirche (das nicht von Gott angeordnet ist), jedoch legitimiert die göttliche Vorgabe dennoch die menschliche Einrichtung!

(Quelle: www.catholic.com)

Zusammenfassung

1) Ist der Zölibat biblisch begründet?

Ja. Entgegen weitläufiger - auch theologischer - Meinung gibt es hierfür ein Fundament im Neuen Testament.

2) Ist der Zölibat eine Erfindung der katholischen Kirche, gleichsam ein Machtinstrument?

Der Zölibat lässt sich kirchengeschichtlich weit zurück verfolgen. Nicht zuletzt mussten die Apostel alles - inklusiv ihrer Familien - verlassen, um Jesus nachzufolgen. Und nicht zuletzt war Jesus selbst nicht verheiratet. Man kann den Zölibat durchaus auch als "disziplinarische Maßnahme" sehen, aber nicht im Sinne eines Druckmittels "von oben" (also von kirchlichen Autoritäten), sondern als Mittel der Selbstdisziplin: der ungeteilten Liebe zu Gott und den Mitmenschen.

3) Gebietet das Neue Testament nicht, dass Gemeindeleiter, also Priester oder Bischöfe, verheiratet sein müssen?

Nein. Die entsprechenden Stellen so zu verstehen, würde bedeuten, dass ein Mann, dessen Frau stirbt oder der keine Kinder hat, von seinem Amt zurücktreten müsste. Ebensowenig wären dann Jesus oder die Apostel je die Leitfiguren des Glaubens bzw. Autoritätspersonen des Christentums gewesen, als die wir sie kennen.

4) Ist der Zölibat "theologisch notwendig"?

Ja und nein. Nein in dem Sinne, dass er kein kirchliches Dogma ist, also theoretisch jederzeit "abgeschafft" werden könnte, und ja in dem Sinne, dass

5) der Zölibat sehr viel Sinn macht. Jesus hat von Seinen Jüngern nicht umsonst gefordert, alles aufzugeben, um ihm voll und ganz und mit ungeteiltem Herzen nachzufolgen. Für Menschen, die sich nicht zum Zölibat berufen sehen, gibt es genügend andere Möglichkeiten, der Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden zu dienen und ihre von Gott geschenkten Gaben zum Wohle aller und zum Ruhme des Herrn einzubringen. Für die aber, die dazu berufen sind, ist der Zölibat ein Geschenk und ein Opfer zugleich: Ein Geschenk, das sie von Gott erhalten haben und ein Opfer, das sie Ihm zuliebe bringen und somit Seinen Ruf beantworten und sich ganz dem Herrn und ihren Mitmenschen schenken.

6) Zusammenfassend darf man sagen, dass Menschen, die sich aus freiem Willen zum Zölibat verpflichtet haben und damit ein Zeichen der Liebe und der Hingabe setzen, unseren vollen Respekt und unsere Unterstützung verdienen. Es macht keinen Sinn, als Außenstehender in diese private Glaubensentscheidung und somit in das Verhältnis dieser Brüder und Schwestern zum Herrn und zu den Mitmenschen einzugreifen und spirituelle Angelegenheiten mit menschlicher Logik erfassen zu wollen.

Ja, es ist zweifellos auch schwer, eine solche Entscheidung zu treffen und danach zu leben. Es gibt Momente der Einsamkeit und des Zweifels (habe ich das richtige getan?). Andererseits geben Menschen, die sich dem Zölibat verpflichtet haben, ja nicht nur etwas auf - den Traum einer Ehe bzw. einer eigenen Familie - sie bekommen auch etwas dafür: ein reiches und erfülltes Leben im Kreise ihrer Brüder und Schwestern im Herrn.

Manch einer mag den Zölibat als Grund für den sinkenden Priester- und Ordensnachwuchs anführen. In gewissem Sinn mag dies sogar bei einigen zutreffen, wer aber wirklich von Gott zum Dienst als Priester oder als Ordensbruder oder Ordensschwester berufen ist, für den ist der Zölibat ein Geschenk, das er/sie gerne und mit Liebe erbringt. Nachwuchsprobleme haben meist ganz andere Ursachen. Der Zölibat alleine ist bestimmt nicht der Grund dafür.

Wir sollten also unsere Diskussionen und Gebete auf die Fragen lenken, die wirklich wichtig sind und gleichzeitig unsere Geschwister im Herrn, die sich zur Ehelosigkeit entschieden haben, mit Liebe und Respekt unterstützen und ermutigen.

 

Andere Formen der Ehelosigkeit

Neben dem Zölibat gibt es noch weitere Formen der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen. Etwa das Gelübde der Jungfräulichkeit von Ordensleuten.

Warum ist dieses Gelübde anders als der Zölibat?

Nun, zum einen ist die dahinter stehende Motivation anders. Hinzu kommt meist die Verbindung zu einem religiösen Gemeinschaftsleben und die fehlende Bindung an ein kirchliches Amt.

Es gibt da z.B. das private Gelübde der Jungfäulichkeit und dann das öffentliche. Das öffentliche GElübde legt man bei Eintritt in eine religiöse Gemeinschaft ab. Abhängig von der Art der Gemeinschaft hat das Gelübde verschiedenen Rang (vgl. CIC can 607 § 2, can 1192). In der Regel legt man das Gelübde zu Beginn des Ordenslebens im Rahmen der zeitlichen Gelübde ab. Man legt also ein Gelübde ab, indem man sich verpflichtet, einige Jahre ehelos zu leben. In den ewigen Gelübden bindet man sich dann auf Lebenszeit an die Lebensform der Ehelosigkeit.

Im Prinzip ist die Motivation beim Zölibat vergleichbar wie die Motivation bei der Ehelosigkeit der Orden (vgl. die Texte des II. Vatik. Konzils). Die Ehelosigkeit ist auch hier ein eschatologisch ausgerichtetes Zeichen. Dieses Zeichen reflektiert den Glauben des Ordens und erlaubt es dem Betroffenen ebenso, sich voll und ganz der Nachfolge Christi zur Verfügung zu stellen. Vieles, was im Orden an Aufgaben und Pflichten anfällt, kann bestimmt leichter verrichtet werden, wenn man nicht verheiratet ist.

Charakteristisch für die Orden ist auch der theologische Hintergrund der Gelübde (also die evangelischen Räte: Armut, Keuschheit, Gehorsam). In der Ehelosigkeit der Orden finden sich Interpretationen aus der tradition der Mönche, die man so beim Zölibat nicht findet. Das Gelübde ist hier eine Intensivierung der Taufe - der Ordensbruder bzw. die Ordensschwester stirbt für die Welt und beginnt ein neues Leben ("Auferstehung") in Christus (vgl. Röm 6,1-11).

Legt man ein Gelübde im Orden ab, gibt es hier viele Zeichenhandlungen. Die Frauenorden etwa vermählen sozusagen mystisch ihre Seele mit Christus, der wiederum der Bräutigam der Kirche und der eigenen Seele ist. Hier ist das Gelübde der Ehelosigkeit in den Orden anders als der Zölibat der Priester: der Angehörige eines Ordens steht sozusagen als bräutliche Kirche und stellvertretend für diese Kirche Jesus gegenüber. Der zölibatäre Priester hingegen stellt der Kirche gegenüber Jesus dar.

(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/)

 

Aber wir sollen doch fruchtbar sein und uns vermehren - und nicht im Zölibat leben!

Lesen wir Mt 19,11-12: "Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es." (Einheitsübersetzung).

Es gibt Fälle, wo der Zölibat der Ehe vorzuziehen ist. Manche haben auch aus körperlichen Gründen auf die Ehe verzichtet. Wer also ehelos lebt, tut dies nicht immer aus eigener Wahl. Die aber, die sich aus freiem Willen dafür entscheiden, ehelos zu leben und ihre Leben voll und ganz Gott zu widmen, streben danach, Sein Königreich hier auf Erden aufzubauen, indem sie beten, Opfer bringen und dienen/arbeiten. Diejenigen also, die sich hierfür entschieden haben, haben wirklich unseren tiefsten Respekt verdient!

Sehen wir uns 1 Kor 7,32-34 an: "Ich wünschte aber, ihr wäret ohne Sorgen. Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, um heilig zu sein an Leib und Geist. Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; sie will ihrem Mann gefallen." (Einheitsübersetzung).

Paulus spricht also davon, Gott seine ganze Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen - wie er selbst dies auch getan hat. Ist man verheiratet, teilt man seine Zeit mit seiner Ehefrau und Gott. Paulus sagt sogar, dass man "geteilt" ist zwischen dem Herrn und den Dingen der Welt. Ein Priester oder eine Nonne wird nicht von der Verantwortung für die Familie abgelenkt und kann sich ganz auf den Dienst an und für Gott und dem Aufbau Seines Königreiches konzentrieren. Wer für ein religiöses Leben als Priester oder Ordensangehöriger berufen ist, bekommt vom Heiligen Geist auch die Gnade und die Gaben, die notwendig für diese Berufung sind.

"Ich wünschte, alle Menschen wären (unverheiratet) wie ich. Doch jeder hat seine Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. Den Unverheirateten und den Witwen sage ich: Es ist gut, wenn sie so bleiben wie ich. Wenn sie aber nicht enthaltsam leben können, sollen sie heiraten. Es ist besser zu heiraten als sich in Begierde zu verzehren." (Einheitsübersetzung).

Ist man verheiratet, muss man Zeit mit seinem Ehemann oder seiner Ehefrau und seiner Familie verbringen. Manche Menschen sind aber auch dazu berufen, ebenso wie Christus selbst ihre ganze Zeit und ihr ganzes Leben Jesus zu widmen. Dies ist aber eine besondere Gnadengabe Gottes, die nur mehr wenige Menschen heute verstehen. Paulus hat genau diese Gnadengabe aber als eine höhere Berufung gesehen!

(Quelle: www.saintjoe.com)

 

Was ist mit 1 Tim 4, 1-5? Das spricht doch eindeutig gegen den Zoelibat und die Askese!

Dann lesen wir doch zuerst einmal diese Verse: “Der Geist sagte ausdruecklich: In spaeteren Zeiten werden manche vom Glauben abfallen; sie werden sich betruegerischen Geistern und den Lehren von Daemonen zuwenden, getaeuscht von heuchlerischen Luegnern, deren Gewissen gebrandmarkt ist. Sie verbieten die Heirat und fordern den Verzicht auf bestimmte Speisen, die Gott doch dazu geschaffen hat, dass die, die zum Glauben und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt sind, sie mit Danksagung zu sich nehmen. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, wenn es mit Dank genossen wird, es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch das Gebet.” (Einheitsuebersetzung)

Hier warnt der Hl. Paulus aber vor gnostischen Haeretikern, fuer die alles Materielle schlecht und boese war und die deshalb die Ehe ablehnten und sich sogar in ritueller Art und Weise zu Tode hungerten. Der katholische Zoelibat der Priester jedoch gruendet sich nicht auf eine Verachtung der Ehe, sondern vielmehr im Beispiel Jesu Christi. Ebenso ist der priesterliche Zoelibat nicht etwas fuer alle Zeiten fest geschriebenes. In den Ostkirchen koennen verheiratete Maenner zum Priester geweiht werden. Auch wurden bereits hunderte ex-protestantischer verheirateter Geistlicher zum Priester geweiht.
Das Opfer also, das Menschen bringen, die den Zoelibat geloben, ist ein Opfer, das Gott gefaellt, gerade weil die Ehe etwas Gutes und Heiliges fuer Katholiken ist. Etwas, das nur im Vergleich zum Boesen gut erscheint, ist nicht wirklich gut. Wer hingegen die Ehe als etwas Wunderbares preist und als ein heiliges Sakrament sieht, macht auch die Jungfraeulichkeit zu etwas Heiligem und Wertvollem.

(Quelle: Bruce Sullivan, Christ in His Fullness. A Protestant Minister discovers the fullness of Christ in the Catholic Church. CHResources, Ohio, USA, 2007 – a registered trademark of the Coming Home Network International, Inc. Also quoting the Church Father St. John Chrysostom).

Offener Brief an Priester und ihre Ehefrauen

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,

mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass sich inzwischen sogar offene Gruppen von Priestern gebildet haben, die mittlerweile ihres Amtes enthoben sind und entweder verheiratet sind oder eine Freundin haben und oft auch noch Väter geworden sind.

Nun ist das an sich ja bei weitem nichts Schlechtes - zeigt sich doch im Bund der Ehe das Spiegelbild des Neuen Bundes, den Gott in Jesus Christus mit uns eingegangen ist.

Und doch ist es hier ein wenig anders. Ihr seid ja inzwischen sogar mit eigenen Homepages im WEB und verbreitet dort eure Inhalte. Auch dagegen ist im Grunde im Zeitalter der Meinungsfreiheit und des sogenannten "Auswahlchristentums", bei dem sich jeder das aus seiner Religion heraussucht, das ihm am besten gefällt und es nach Belieben mit anderen Inhalten mischt, nichts zu sagen.

Und doch ist es hier ein wenig anders.

Warum? Ihr seid Priester. Ihr steht in der apostolischen Sukzession. Ihr nehmt nicht teil an den Regeln, die für die Welt da draussen gelten.

Ich höre nun schon die ersten Stimmen, dass ja angeblich auch die Apostel verheiratet waren usw.

Ähnliches verbreitet ihr auf euren Homepages. In einem Aufwasch werden hier Themen wie das "Pflichtzölibat", das "Frauenpriestertum" und vieles andere behandelt und die römisch-katholische Kirche stark kritisiert (Betonung auf "römisch"). Ich will an dieser Stelle gar nicht auf die Rechtmäßigkeit derartiger Argumente eingehen, da dies hier zweitrangig ist. Hier geht es um ein Versprechen, das ihr aus freiem Willen gemacht habt.

Es steht jedem Menschen frei, seine eigene Meinung hierzu zu haben, die nicht dieselbe wie die der Katholischen Kirche sein muss.

Nicht aber Katholiken und schon gar nicht Priester. Heißt das, ich will hier die "Meinungsfreiheit" beschränken? Das wäre ein weltlicher Begriff, der in der Kirche nicht zum Tragen kommt. Die Kirche ist keine Demokratie, sondern eine Theokratie - mit Jesus als ihrem obersten Haupt und dem Papst als seinem weltlichen Vertreter.

Ihr habt euch jahrelang in Studium und Praxis auf euer Amt vorbereitet. Ihr wusstet um die Position der Katholischen Kirche und habt euch trotzdem (oder deswegen?) weihen lassen.

Irgendwann war dann anderes wichtiger - Frau und Kinder. An sich wundervolle Ziele, nur nicht für einen Priester. Ihr ward euch voll der Lehre der Kirche und der Tragweite des Ganzen bewusst und habt euch voll und ganz dem Amt des Priesters verschrieben. Es ist schwach, von einem "Pflichtzölibat" zu reden. Hier schiebt man die Verantwortung für eigene Entscheidungen auf andere. Die Verantwortung für eigene Entscheidungen und Handlungen aber kann einem kein Mensch abnehmen. Wir alle haben immer noch einen freien Willen. Ihr habt vor Gott und vor der Kirche den Zölibat gelobt. Nochmals: aus freiem Willen. Niemand hat euch dazu gezwungen.

Nun habt ihr euch trotzdem irgendwann anders entschieden. Hart genug. Dafür dann aber biblische Argumente oder die Kirchengeschichte heranzuziehen, ist in meinen Augen nicht in Ordnung. All das war euch vorher bewusst. Für mich sieht das so aus, als wolle hier jemand die Bibel und die Kirchengeschichte bemühen, um sein Gewissen zu beruhigen und seine persönliche Position vor sich selbst und vor anderen zu rechtfertigen. Und da schreckt man auch nicht davor zurück, die Kirche anzugreifen und die Bibel umzuinterpretieren, damit sie dem eigenen Lebenswandel entspricht.

Das ist einfach nicht in Ordnung, und das wisst ihr tief im Inneren sehr wohl. Ebenso seid ihr euch der Tatsache bewusst, dass Menschen, die so etwas lesen, durchaus auch zwischen den Zeilen lesen können.

Mal was anderes: Wenn sich schon nicht Priester an ihre Versprechen halten, warum sollten es die ihnen anvertrauten Gläubigen tun? Habt ihr vergessen, dass ihr die Hirten eurer Gemeinden ward? Da kann nun ja jeder die Bibel und die Kirchengeschichte so lange verdrehen, bis sie seinen oder ihren persönlichen Vorstellungen entspricht!

Ich hätte großen Respekt gehabt, wenn ihr einfach zugegeben habt, dass ihr euch dem Ganzen nicht gewappnet fühlt. Es hätte vielleicht durchaus Wege gegeben, diese ersten Versuchungen mit christlichen Brüdern zu besrpechen, bevor man den "letzten Schritt" geht. Wenn man aber soweit ist, ist es immer noch ehrlicher, sich und anderen einzugestehen, dass man schwach geworden ist (auch wenn euch dieses Wort nicht gefallen wird) als weiterhin all das, was man tut, damit zu rechtfertigen, dass man alles um sich herum verdreht (nach dem Motto: was kümmert mich mein Versprechen von gestern?).

Der Zölibat ist keine leichte Entscheidung, aber eine durchaus sinnvolle und lohnenswerte. Er ist ein Zeichen der Liebe und totalen Hingabe zu Jesus. Was ich da auf euren Homepages lese, finde ich im Gegensatz dazu leider ganz einfach traurig.

Den Ehefrauen und Freundinnen kann ich nur sagen, ich verstehe durchaus, wie schwer es ist, sich in jemanden zu verlieben, den man nicht "haben" kann, weil es "verboten" ist. Die Not ist groß und allzu leicht lockt hier die VErsuchung, dem ganzen nachzugeben. Es ist ja "nur" Liebe, und was kann an Liebe schon schlecht sein?

Eine ganze Menge, wenn man diese Liebe über die Liebe zu Jesus stellt. Ob man nun glaubt, es gebe eine biblische Begründung hierfür oder nicht, ist an dieser Stelle zweitrangig. Tatsache ist, dass ihr Freund oder Gatte ein Gelübde abgelegt hat - vor Gott und vor der Kirche. Dass ihm eine Gemeinde anvertraut wurde. Menschen, die zu ihm aufschauen und in ihm Christus sehen. Indem Ihr Gatte oder Freund dieses Gelübde bricht, ist er diesen Menschen nicht nur ein schlechtes Vorbild, er bricht auch sein Versprechen, das er Gott und Seiner Kirche gegeben hat.

Ihre Liebe ist bestimmt aufrichtig und an sich nichts Schlechtes. Auch Sie selbst sollten sich keineswegs "schlecht" dabei vorkommen, wenn Sie Gefühle dieser Art verspüren. Es macht aber einen großen Unterschied, ob man so empfindet, aber aus Liebe zu Gott und Seiner Kirche alles daran setzt, das Feuer nicht noch weiter zu schüren, sondern seinen eigenen Gefühle der Liebe zu Gott unterordnet, oder ob man dem Ganzen nachgibt und dann noch die ganze Bibel verdreht, die Kirche angreift und andere mit sich ziehen will, um sich selbst zu rechtfertigen. Wenn Sie Ihren Gatten oder Freund wirklich lieben, geben Sie Ihn zugunsten eines Größeren auf!

Gibt es bereits Kinder, sollte ihnen jedoch unsere ganze Liebe und Aufmerksamkeit gelten. Kinder sind etwas wunderbares - ohne wenn und aber. Aber auch hier gibt es andere Möglichkeiten, die man durchaus zusammen mit den Vorgesetzten des Priesters (also etwa dem Bischof) besprechen kann.

Ich hoffe sehr, dass Sie sich nun nicht persönlich angegriffen fühlen, sondern vielleicht kurz durchatmen und dann einmal in aller Ruhe darüber nachdenken. Mir liegt nicht daran, irgendjemand anzugreifen (im Gegensatz zu vielem, was ich gelesen habe), sondern daran, am katholischen Glauben festzuhalten.

Und der erlaubt nun einmal keine Kompromisse, wenn es um einmal gegebene Gelübde geht., so verständlich die dahinter liegenden menschlichen Beweggründe auch sein mögen. Die Kirche hat aber nicht nur das Wohl des hier betroffenen Paares im Blick, sondern auch und vor allem das Wohl der dem Priester anvertrauten Gemeinde sowie des Aufrechterhaltens von Glaubenswahrheiten.

Möge Gott Sie reich segnen und Ihnen Weisheit schenken.

 

Mit brüderlichen Grüßen

Robert Gollwitzer

 

Where in the Bible does it say anything about priestly celibacy? I have a friend who says that the Catholic Church is going contrary to the Bible by requiring celibacy for its priests.

There are two main Scripture passages that I turn to for support of the Church’s teaching on priestly celibacy. The first of these is Matthew 19:12, “For there are eunuchs who have been so from birth, and there are eunuchs who have been made eunuchs by men, and there are eunuchs who have made themselves eunuchs for the sake of the kingdom of heaven. He who is able to receive this, let him receive it.”

When Jesus says that there are those who have “made themselves eunuchs for the sake of the kingdom of heaven,” He is speaking figuratively, not literally. He is referring to those who live a celibate life in order to better serve the kingdom of heaven. Who do we know who fulfills these words of Christ? Who do we know that has taken a vow of celibacy - who has made themselves eunuchs - for the sake of the kingdom of heaven? Baptist ministers? Evangelical pastors? Episcopal priests? No, no, and no. No slight intended to the aforementioned ministers, but Catholic priests are the only ones I know of who fulfill these particular words of Jesus.

Here in Matthew 19:12, we see Jesus Christ saying something that applies most directly to Catholic priests. So, the discipline of priestly celibacy - and it is a discipline, not a doctrine - is indeed biblical
.

Now, the other Scripture passage I mentioned in support of priestly celibacy is 1 Corinthians 7:32-34, “I want you to be free from anxieties. The unmarried man is anxious about the affairs of the Lord, how to please the Lord, but the married man is anxious about worldly affairs, how to please his wife, and his interests are divided.”

Paul is telling us that one can best serve the Lord, and His people, by remaining unmarried. Not to say that you cannot serve the Lord while married, but rather to say that you can be more single-minded in serving the Lord if unmarried. It is simply a matter of common sense that when a person is single, they have more time to be about the affairs of the Lord then they do when they are married, and certainly when they are married and have children. The married man is indeed anxious, as Paul says, about worldly affairs and his interests are indeed divided.

So, in 1 Corinthians 7, we have another passage from the Bible that supports the practice of priestly celibacy. For those who argue against the Catholic Church’s practice in this regard by saying it is unbiblical, what they are actually doing is showing their lack of knowledge in regard to what Scripture really says.

It is also worth noting that a life of celibacy - priestly or otherwise - is a sign pointing to the hereafter. As it says in Matthew 22:30, “For in the resurrection they neither marry nor are given in marriage, but are like angels in heaven.” So the example of celibacy given to us by our priests is a foreshadowing of our life to come.

(Source: Bible Christian Society / John Martignoni. http://www.biblechristiansociety.com/apologetics/two_minute. Used with permission)

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Zölibat, der (lat. Coelibatus, von coelebs = unvermählt) – ist die vom katholischen Priester oder Ordensangehörigen, sowie bisweilen auch von Laien freiwillig übernommene Verpflichtung, die Keuschheit in Form der lebenslangen Ehelosigkeit zu bewahren. Die lateinische Kirche hat den Zölibat auch kirchenrechtlich seit Papst Gregor VII. im 11. Jahrhundert zur Bedingung für das Priesteramt gemacht.

 

Biblische Grundlagen


Im Neuen Testament (Matthäus 19, 12) wird von Christus eine dreifache Ehelosigkeit unterschieden: „Denn es gibt Ehelose, die vom Mutterleib so geboren sind, und es gibt Ehelose, die von Menschen eheunfähig gemacht wurden, und es gibt Ehelose, die um des Himmelreiches willen sich der Ehe enthalten“. Letztere Form der Ehelosigkeit gilt als Merkmal besonderer Christusnachfolge in der katholischen Kirche. Christus empfiehlt einigen die Ehelosigkeit: „Wer es fassen kann, der fasse es!“ (Matthäus 19, 12). Ferner ist bei Lukas (18, 29) eine Stelle überliefert, in der Christus denjenigen ewiges Leben verheißt, die um des Himmelreiches willen alles verlassen haben (auch die eigene Frau). Paulus stellt im 1. Korintherbrief fest, dass nur der Unverheiratete ganz frei ist für den Dienst Gottes (7, 32-35). Die Apostel waren, bevor sie Christus folgten und alles verließen, mit Ausnahme des Johannes verheiratet. So ist zum Beispiel von der Schwiegermutter des Petrus in den biblischen Texten die Rede. Einige Apostel reisten später auch in Begleitung einer Frau. Paulus berichtet im Ersten Brief an die Korinther (9, 4 – 6): „Haben wir nicht das Recht, eine gläubige Frau mitzunehmen, wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und wie Kephas?“

 

Jesus lebte ehelos


Christus – in allem Vorbild – lebte ehelos, hat die Ehe aber durch seine Teilnahme an der Hochzeit zu Kana geheiligt. Er unterrichtete die Jünger bei verschiedenen Gelegenheiten über Ehe und Ehelosigkeit, wobei er auch die eheliche Treue forderte. Einige Jünger äußerten als Reaktion auf die Ansichten der Pharisäer über Scheidung und Scheidebrief, dass es nicht gut sei zu heiraten. Die umfangreichsten Ausführungen zu Ehe und Jungfräulichkeit finden sich im ersten Paulus-Brief an die Korinther (7, 1–12). Paulus stellt seine eigene Ehelosigkeit in der Nachfolge Christi als Beispiel hin: „Den Unverheirateten und den Verwitweten aber sage ich: Es ist gut für sie, wenn sie so bleiben wie auch ich. Können sie aber nicht enthaltsam sein, so sollen sie heiraten. Denn besser ist es, zu heiraten als zu brennen.“ In jüngster Zeit wurde die Ehelosigkeit Jesu Christi im Roman „Sakrileg“ (engl. „The Da Vinci Code“) von Dan Brown in Abrede gestellt. Die These einer Heirat Jesu mit Maria Magdalena kann aus den Evangelien nicht belegt werden. Die Thesen in „Sakrileg“ sind reine Erfindung oder Fiktion. Sie sind genährt von Gedanken der Gnosis, die auf nicht-belegten Erleuchtungen einzelner aufbaut.

 

Das II. Vatikanische Konzil über den Zölibat


Dekret über die Ausbildung der Priester “OPTATAM TOTIUS” vom 28.10.1965 Nr. 10. Die Alumnen, die gemäß den heiligen und festen Gesetzen ihres eigenen Ritus die verehrungswürdige Tradition des priesterlichen Zölibats auf sich nehmen, sollen mit großer Sorgfalt auf diesen Stand hin erzogen werden: sie verzichten darin um des Himmelreiches willen (vgl. Mt 19,12) auf die eheliche Gemeinschaft, hangen dem Herrn mit ungeteilter Liebe an (Vgl. Pius XII., Enz. Sacra virginitas, 25. März 1954: AAS 46 (1954), 165 ff.), wie sie dem Neuen Bund in besonderer Weise entspricht; sie geben Zeugnis für die Auferstehung in der künftigen Welt (vgl. Lk 20,36; Cyprian, De habitu virginum) und gewinnen besonders wirksame Hilfe zur ständigen Übung jener vollkommenen Liebe, die sie in ihrer priesterlichen Arbeit allen alles werden lässt (PL 4, 475; Ambrosius, De virginibus l, 8, 52: PL 16, 202f; Vgl. Pius XII., Adhort. Apost. Menti nostræ: AAS 42 (1950), 663). Sie sollen tief davon durchdrungen sein, wie dankbar sie diesen Stand entgegennehmen sollen, nicht etwa bloß als eine Vorschrift kirchlicher Gesetzgebung, sondern als ein kostbares Geschenk Gottes, das sie in Demut erbitten und dem sie mit der erweckenden und helfenden Gnade des Heiligen Geistes frei und großherzig zu entsprechen suchen sollen. Um die Pflichten und die Würde der christlichen Ehe, die ein Bild der Liebe zwischen Christus und seiner Kirche ist (vgl. Eph 5,32 f.), sollen die Alumnen gebührend wissen; sie sollen aber klar den Vorrang der Christus geweihten Jungfräulichkeit erkennen (Vgl. Pius XII., Enz. Sacra virginitas, a.a.O. 170-174), so dass sie nach reiflich überlegter Wahl und mit Hochherzigkeit sich in ganzer Hingabe von Leib und Seele dem Herrn weihen. Auf die Gefahren, die ihrer Keuschheit besonders in der gegenwärtigen Gesellschaft drohen, sollen sie hingewiesen werden (Vgl. Pius XII., Adhort. Apost. Menti nostræ, a.a.O. 664.690 f.). Sie müssen lernen, sich durch geeignete göttliche und menschliche Hilfsmittel zu schützen und den Verzicht auf die Ehe so in ihr Dasein zu integrieren, dass sie in ihrem Leben und in ihrer Wirksamkeit vom Zölibat her nicht nur keinen Schaden nehmen, vielmehr eine vollkommenere Herrschaft über Leib und Seele und eine höhere menschliche Reife gewinnen und die Seligkeit des Evangeliums tiefer erfahren.

Dekret über Dienst und Leben der Priester “PRESBYTERORUM ORDINIS” vom 7.12.1965 Nr. 16: Die Kirche hat die vollkommene und ständige Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen, die von Christus dem Herrn empfohlen (vgl. Mt 19,12), in allen Jahrhunderten bis heute von nicht wenigen Gläubigen gern angenommen und lobenswert geübt worden ist, besonders im Hinblick auf das priesterliche Leben immer hoch eingeschätzt. Ist sie doch ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt. (Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 42: AAS 57 (1965), 47-49) Zwar ist sie nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche (vgl. 1 Tim 3,2-5; Tit 1,6.) und die Tradition der Ostkirchen zeigt, wo es neben solchen, die aus gnadenhafter Berufung zusammen mit allen Bischöfen das ehelose Leben erwählen, auch hochverdiente Priester im Ehestand gibt. Wenn diese Heilige Synode dennoch den kirchlichen Zölibat empfiehlt, will sie in keiner Weise jene andere Ordnung ändern, die in den Ostkirchen rechtmäßig Geltung hat; vielmehr ermahnt sie voll Liebe diejenigen, die als Verheiratete das Priestertum empfingen, sie möchten in ihrer heiligen Berufung ausharren und weiterhin mit ganzer Hingabe ihr Leben für die ihnen anvertraute Herde einsetzen (vgl. Pius XI., Enz. Ad catholici sacerdotii, 20. Dez. 1935: AAS 28 (1936), 28). Der Zölibat ist jedoch in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen. Die priesterliche Sendung ist nämlich gänzlich dem Dienst an der neuen Menschheit geweiht, die Christus, der Überwinder des Todes, durch seinen Geist in der Welt erweckt, die ihren Ursprung "nicht aus dem Blut, nicht aus dem Wollen des Fleisches noch aus dem Wollen des Mannes, sondern aus Gott" (Joh 1,13) hat. Durch die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen (vgl. Mt 19,12) werden die Priester in neuer und vorzüglicher Weise Christus geweiht; sie hangen ihm leichter ungeteilten Herzens an (vgl. 1 Kor 7,32-34), schenken sich freier in ihm und durch ihn dem Dienst für Gott und die Menschen, dienen ungehinderter seinem Reich und dem Werk der Wiedergeburt aus Gott und werden so noch mehr befähigt, die Vaterschaft in Christus tiefer zu verstehen. Auf diese Weise bezeugen sie also vor den Menschen, dass sie sich in ungeteilter Hingabe der ihnen anvertrauten Aufgabe widmen wollen, nämlich die Gläubigen einem Mann zu vermählen und sie als keusche Jungfrau Christus zuzuführen (vgl. 2 Kor 11,2); so weisen sie auf jenen geheimnisvollen Ehebund hin, der von Gott begründet ist und im anderen Leben ins volle Licht treten wird, in welchem die Kirche Christus zum einzigen Bräutigam hat (Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 42.44; Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectæ caritatis, Nr. 12). Darüber hinaus sind sie ein lebendiges Zeichen der zukünftigen, schon jetzt in Glaube und Liebe anwesenden Welt, in der die Auferstandenen weder freien noch gefreit werden (vgl. Lk 20,35-36; Pius XI., Enz. Ad catholici sacerdotii, 20. Dez. 1935; Pius XII., Enz. Sacra virginitas, 25. März 1954). Der so im Geheimnis Christi und seiner Sendung begründete Zölibat wurde zunächst den Priestern empfohlen und schließlich in der lateinischen Kirche allen, die die heilige Weihe empfangen sollten, als Gesetz auferlegt. Diese Heilige Synode billigt und bekräftigt von neuem das Gesetz für jene, die zum Priestertum ausersehen sind, wobei ihr der Geist das Vertrauen gibt, dass der Vater die Berufung zum ehelosen Leben, das ja dem neutestamentlichen Priestertum so angemessen ist, großzügig geben wird, wenn nur diejenigen, die durch das Sakrament der Weihe am Priestertum Christi teilhaben, zusammen mit der ganzen Kirche demütig und inständig darum bitten. Das Konzil mahnt daher alle Priester, die im Vertrauen auf Gottes Gnade in freier Entscheidung nach Christi Vorbild den Zölibat auf sich genommen haben, ihm großmütig und mit ganzem Herzen anzuhangen und treu in diesem Stand auszuhalten in der Erkenntnis der hohen Gnadengabe, die ihnen vom Vater gegeben wurde und die der Herr so offenkundig gepriesen hat (vgl. Mt 19,11.). Sie sollen dabei immer jene Geheimnisse vor Augen haben, die durch sie bezeichnet werden und ihre Erfüllung finden. Und je mehr in der heutigen Welt viele Menschen ein Leben in vollkommener Enthaltsamkeit für unmöglich halten, um so demütiger und beharrlicher werden die Priester und mit ihnen die ganze Kirche die Gabe der Beständigkeit und Treue erflehen, die denen niemals verweigert wird, die um sie bitten. Zugleich werden sie alle übernatürlichen und natürlichen Hilfen anwenden, die jedem zur Verfügung stehen; sie sollen vor allem die durch die Erfahrung der Kirche bewährten aszetischen Verhaltensweisen, die in der modernen Welt nicht weniger notwendig sind, befolgen. So bittet diese Heilige Synode nicht nur die Priester, sondern alle Gläubigen, sie möchten sich die kostbare Gabe des priesterlichen Zölibates ein wirkliches Anliegen sein lassen, und alle mögen Gott bitten, dass er dieses Geschenk seiner Kirche stets in Fülle zukommen lasse.

17. Im freundschaftlichen und brüderlichen Verkehr untereinander und mit den übrigen Menschen haben die Priester Gelegenheit, die menschlichen Werte zu pflegen und die irdischen Güter als Geschenke Gottes zu würdigen. Mitten in der Welt sollen sie dennoch immer wissen, dass sie nach dem Wort unseres Herrn und Meisters nicht von der Welt sind (vgl. Joh 17,14-16.). Wenn sie also die Dinge der Welt so gebrauchen, als gebrauchten sie sie nicht (vgl. 1 Kor 7,31), dann werden sie zu jener Freiheit von aller ungeordneten Anhänglichkeit und Sorge gelangen, durch die sie gelehrig für die Stimme Gottes im täglichen Leben werden. Aus solcher Freiheit und Gelehrigkeit erwächst das geistliche Unterscheidungsvermögen, durch das man die rechte Haltung zur Welt und ihren Gütern findet. Diese Haltung ist deshalb von großer Bedeutung für die Priester, weil sich ja die Sendung der Kirche inmitten der Welt vollzieht und die geschaffenen Güter zum Reifen der menschlichen Persönlichkeit unerläßlich sind. So seien sie also dankbar für alles, was ihnen der himmlische Vater für eine rechte Lebensführung in die Hand gibt. Doch sollen sie alles, was ihnen begegnet, im Licht des Glaubens prüfen, damit sie es richtig gebrauchen lernen, wie es dem Willen Gottes entspricht, und ablehnen, was ihrer Sendung im Weg steht. Denn die Priester, deren "Anteil und Erbe" der Herr ist (Num 18,20), dürfen die zeitlichen Güter nur in dem Rahmen gebrauchen, der ihnen durch die Lehre Christi des Herrn und von der Weisung der Kirche gesteckt ist.

 

Zölibat des Priesters im Kirchenrecht


Die Ehelosigkeit oder der Zölibat ist im Kirchenrecht der katholischen Kirche, dem Codex Iuris Canonici von 1983, für Kleriker (Bischöfe, Priester) verpflichtend vorgeschrieben. Personen, die das Weihesakrament erhalten haben, können deshalb nicht heiraten. Die Verletzung des Keuschheitsgebots ist eine Entweihung und gilt als Sakrileg (Gottesraub). Die Vorschriften des Kirchenrechts zum Zölibat könnten theoretisch geändert werden, weil sie nicht göttlichen Rechts sind. Die Ehelosigkeit ist zum Beispiel in der Ostkirche bei Amtsträgern nicht geboten (außer bei Bischöfen), ist aber hoch angesehen. Im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) ist festgehalten: „In den Ostkirchen gilt seit Jahrhunderten eine andere Ordnung: Während die Bischöfe ausschließlich unter Unverheirateten ausgewählt werden, können verheiratete Männer zu Diakonen und Priestern geweiht werden. ... Übrigens steht der Priesterzölibat in den Ostkirchen sehr in Ehren, und zahlreiche Priester haben ihn um des Gottesreiches willen freiwillig gewählt. Im Osten wie im Westen kann, wer das Sakrament der Weihe empfangen hat, nicht mehr heiraten.“ (KKK Nr. 1580) In der lateinischen Kirche gilt Canon 277 Paragraph 1 des neuen Kirchenrechts, das von Papst Johannes Paul II. erlassen worden ist: "Die Kleriker sind verpflichtet, wegen des Himmelreichs eine vollkommene und ewige Enthaltsamkeit zu bewahren, sind also zum Zölibat angehalten, der ein besonderes Geschenk Gottes ist." Es wurde von Papst Johannes Paul II. (1978–2005) erlassen.

 

Der Zölibat im Katechismus der Katholischen Kirche


1579 Mit Ausnahme der ständigen Diakone werden alle geweihten Amtsträger der lateinischen Kirche normalerweise aus den gläubigen Männern gewählt, die zölibatär leben und den Willen haben, den Zölibat „um des Hirnmeireiches willen“ (Mt 19,12) beizubehalten. Dazu berufen, sich ungeteilt dem Herrn und seiner „Sache“ zu widmen [Vgl. 1 Kor 7,32], geben sie sich ganz Gott und den Menschen hin. Der Zölibat ist ein Zeichen des neuen Lebens, zu dessen Dienst der Diener der Kirche geweiht wird; mit freudigem Herzen auf sich genommen, kündigt er strahlend das Reich Gottes an [Vgl. PO 16] (Vgl. dazu auch 1618, 2233).

1580 In den Ostkirchen gilt seit Jahrhunderten eine andere Ordnung: Während die Bischöfe ausschließlich unter Unverheirateten ausgewählt werden, können verheiratete Männer zu Diakonen und Priestern geweiht werden. Diese Praxis wird schon seit langem als rechtmäßig erachtet; diese Priester üben im Schoß ihrer Gemeinden ein fruchtbares Dienstamt aus [Vgl. PO 16]. Übrigens steht der Priesterzölibat in den Ostkirchen sehr in Ehren, und zahlreiche Priester haben ihn um des Gottesreiches willen freiwillig gewählt. Im Osten wie im Westen kann, wer das Sakrament der Weihe empfangen hat, nicht mehr heiraten.

1599 In der lateinischen Kirche wird die Weihe zum Presbyterat normalerweise nur solchen Kandidaten gespendet, die bereit sind, freiwillig den Zölibat auf sich zu nehmen, und die öffentlich ihren Willen bekunden, an ihm festzuhalten aus Liebe zum Reich Gottes und um den Menschen zu dienen.

[bearbeiten]Jüngere päpstliche Schreiben über den Zölibat
Papst Paul VI. nutzte die Enzyklika Sacerdotalis Coelibatus (Über den Priester-Zölibat) vom 24. Juni 1967 erneut für eine Empfehlung des Zölibats. Er riet den Amtsträgern ferner die ehelose Enthaltsamkeit;

Nr. 77: "Mit ängstlicher Sorgfalt auf die Ganzhingabe an Christus bedacht, soll sich der Priester vor Gefühlserregungen hüten, die einen Zustand auslösen, der vom Geist nicht mehr genügend erleuchtet und geleitet wird; und er soll solche wirklich gefährliche Neigungen des Herzens nicht unter dem Vorwand geistlicher und seelsorglicher Verpflichtungen rechtfertigen." Es folgt ein Abschnitt über mannhafte Aszese (Wortlaut: siehe unten).


Also: Unzucht – verstanden als Geschlechtsverkehr zwischen Personen, die nicht verheiratet sind – ist nicht mit Ehelosigkeit zu vereinbaren, wie bisweilen argumentiert wird. Diese Deutung der Ehelosigkeit, verstanden als „Ehe ohne Trauschein“ widerspricht dem kirchlichen Verständnis der Ehelosigkeit. Vielmehr ist Unzucht als Verstoß gegen die guten Sitten von zölibatär lebenden Menschen ein besonderes Ärgernis in der Kirche.

Auch in Pastores dabo vobis (Hirten werde ich euch geben), einem Apostolischen Schreiben von Papst Johannes Paul II. über die Priester-Ausbildung, spielt der Zölibat eine wichtige Rolle. Als innere Haltung erfordert die Ehelosigkeit auch Keuschheit, ebenso wie diese Tugend für die christlichen Ehe gilt. Begrifflich ist die Keuschheit von der Jungfräulichkeit zu unterscheiden, die lebenslängliche Enthaltsamkeit bedeutet. Lebenslange Jungfräulichkeit gilt als besonderes Gnadengeschenk Gottes. Sie wurde zum Beispiel Maria, der Mutter Jesu verliehen. Durch ein besonderes Wunder war in ihr immerwährende Jungfräulichkeit und Mutterschaft verbunden.

 

Bischofssynoden zum Zölibat


30.09.- 06.11.1971 II. Ordentliche Generalversammlung der Weltbischofssynode in Rom. Die Mehrheit der Bischöfe plädiert für die Beibehaltung des Zölibats, auch die Weihe von "bewährten verheirateten Männern" ("viri probati") in Notlagen wird abschlägig beschieden.
02.- 23.10.2005 XI. Ordentliche Generalversammlung der Weltbischofssynode in Rom zum Thema „Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche" Ca. 4/5 der Bischöfe sprach sich erneut für den Zölibat der Priester aus.

Ehelosigkeit als Lebensstil


Nicht nur Personen, die das Weihesakrament empfangen haben, auch Ordensleute und bisweilen Laien, etwa in katholischen Vereinigungen, entschließen sich freiwillig zur Ehelosigkeit. Der Sonderfall einer dauernden freiwilligen Enthaltsamkeit beider Ehepartner innerhalb der Ehe wird Josephsehe genannt, weil die Beziehung von Maria und Joseph als Vorbild gilt. Sie wird von der Kirche aber nicht als Lebensform empfohlen, da die dauerhafte Verweigerung der Geschlechtlichkeit in einer Ehe im Normalfall Ausdruck eine schweren Beziehungsstörung ist. Der Mensch ist auch nach kirchlichem Verständnis vom Zustand gelebter Keuschheit per se überfordert. „Wer argumentiert, das Jungfräulichkeitsgelübde sei eine unmenschliche Forderung hat im Grunde genommen recht. Dass dieser Zustand unnatürlich ist, heißt jedoch nicht, dass er auch widernatürlich sein muss. Ich nenne ihn übernatürlich“ (Henri Boulard). Übernatürlich bedeutet, dass nach dem Verständnis der Kirche ein göttliches Wirken in Form von Gnade oder gar eine göttliche Berufung zur Ehelosigkeit vorausgesetzt wird. Eine Aufhebung der Zölibatsverpflichtung für das Priesteramt würde an der freiwilligen Verpflichtung zur Ehelosigkeit der Ordensleute oder Ordenspriester nichts ändern.

 

Diskussion über die Zölibatsverpflichtung


Diskutiert wird in der katholischen Kirche, ob nicht durch Zulassung Verheirateter zum Priesteramt und damit durch Abänderung der Zölibatspflicht für Diözesanpriester zumindest der Priestermangel verringert werden kann. Das Beispiel der evangelischen Kirche, in der die Amtsträger heiraten können, zeigt aber, dass sich dadurch keine entscheidende Wende in der Pastoral einstellt. Den vermuteten Problemen mit der Ehelosigkeit von Interessenten am Priesteramt in der katholischen Kirche entsprechen offenbar in Art und Umfang die Ehe-Schwierigkeiten der Amtsträger anderer Konfessionen, weil auch die Ehe nicht vor Abwegen und Entgleisungen schützt. „Daher zögern nichtkatholische Kirchenleitungen, ihre Regelungen als Ideal zu empfehlen, mit dem alle Probleme gelöst wären“ (Heinz-Joachim Fischer). Auch eine Bischofssynode der Kirche von 1971 kam zu dem Schluss, dass der priesterliche Dienst am besten durch Unverheiratete ausgeübt werde. So gen. "Opportunitätsargumente" wie Wahrung von Eigentumsrechten, Freiheit der Kirche bei der Ämtervergabe, Verfügbarkeit für seelsorgliche Zwecke sind ebenfalls von Bedeutung.

 

Zölibat und Geschichte


Die Ehelosigkeit war im Alten Testament unbekannt. In kirchlichen Dokumenten taucht die Verpflichtung erstmals im Jahr 306 nach Christus in Texten der Synode von Elvira (bei Granada/Spanien) auf. Ein Synodentext schrieb den im Dienst stehenden Klerikern vor, „sich von ihren Gattinnen zu enthalten und keine Kinder mehr zu zeugen“. Diese Vorschrift wurde von Papst Siricius im Jahr 385 auf die ganz Kirche ausgedehnt. Die Synode von Neucäsare im Jahre 314 beschloss bereits die Absetzung dessen, der als Priester heiratete.

Im vierten Jahrhundert schreibt der Heilige Hieronymus in der bekannten Stelle gegen Vigilantius: "Was tun die Kirchen des Orients, was die von Ägypten oder was tut der Apostolische Stuhl? Diese akzeptieren nur Jungfräuliche oder Enthaltsame als Priester, oder wenn sie Ehefrauen haben, hören sie doch auf, ein eheliches Leben zu führen." (Vgl. Hieronymus, Contra Vigilantium, PL 23.)

Im Mittelalter war der Zölibat bei der Besetzung von Fürstenämtern durch Bischöfe von großer Bedeutung (Ottonisches Reichskirchensystem). Der König sicherte sich durch Besetzung der Fürstentümer mit Zölibatären weitgehende Einflussmöglichkeiten beim Tod des Amtsinhabers. Das Konzil von Trient verteidigt im 16. Jahrhundert den Zölibat gegen die Reformatoren. Martin Luther, zuvor Mönch und Priester, heiratete 41-jährig am 13. Juni 1525 die 26 Jahre alte frühere Zisterzienser-Nonne Katharina von Bora. Hierdurch wurde die Frage der Ehelosigkeit der Priester zu einem Streitpunkt und Unterscheidungsmerkmal der beiden christlichen Konfessionen.

 

Fehlverhalten von zölibatär lebenden Menschen


Der Skandal von Übergriffen auf Minderjährige oder gleichgeschlechtliche Beziehungen von Priestern in den Vereinigten Staaten haben zu der Vermutungen geführt, das Gebot der ehelosen Enthaltsamkeit habe sie auf derartige Abwege gebracht. „In offenen westlichen Gesellschaften, wo Geschlechtlichkeit allgegenwärtig ist, nähren solche Vorkommnisse den Verdacht der unkontrollierbaren Verklemmtheit und den Zweifel über einen Personenkreis, der sich dieser allgemeinen Tendenz des öffentlichen Lebens entziehen, gar verweigern will.“ (Heinz-Joachim Fischer) Dieser Generalverdacht erweist sich aber als ungerechtfertigt angesichts von Zehn- und Hunderttausenden von Männern und Frauen, die trotz oder gerade wegen der Enthaltsamkeit im Pastoraldienst oder der Seelsorge „eine ausgereifte Persönlichkeit entwickelt haben“ (Johannes B. Torello). Zudem steht die öffentliche Diskussion von unzüchtigem Fehlverhalten der Amtsträger der Kirche in einer unguten Tradition, die im Nationalsozialismus als Teil einer Strategie gegen die katholische Kirche in Deutschland geschichtlich bereits einen Höhepunkt gefunden hatte. Angriffe gegen den Zölibat kamen in dieser Zeit auch durch die Überbetonung eugenischer Werte zustande. Dessen ungeachtet sind die Bischöfe aufgefordert, in allen Fällen mit berechtigtem Fehlverhalten die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich einer Einschaltung der zivilen Gerichtsbarkeit. Besondere Vorsicht muss in diesen Fragen deshalb walten, weil auch Fälle von ungerechtfertigten Vorwürfen bereits beträchtlichen Schaden angerichtet haben (Kampagne des US-Senders CNN gegen Joseph Kardinal Bernardin, Erzbischof von Chicago, aufgrund einer falschen Zeugenaussage) . Ehe und Ehelosigkeit stehen sich als Lebensstile wegen der dazu erforderlichen Treue zu einer einmal getroffenen Entscheidung im Prinzip näher als unverbindliche oder ausschweifende Lebensformen.

 

Zitat


Papst Johannes XXIII., Ansprache an die Römische Synode, 26. Januar 1960; cfr. AAS (52), 1960, S. 226: „Vor allem betrübt es Uns, dass ... manche irrtümlich wähnen, die Katholische Kirche habe vor oder halte es für angebracht, das Gesetz des kirchlichen Zölibats abzuschaffen, das Jahrhunderte hindurch der herrliche und strahlende Schmuck des Priestertums war und ist. Das Gesetz des Zölibats und die Sorge um seine treue Beobachtung erinnern immer wieder an die denkwürdigen und berühmten Auseinandersetzungen jener Zeiten, in denen die Kirche Gottes hart zu kämpfen hatte und einen dreifachen Sieg davontrug; denn es ist das Kennzeichen für den Sieg der Kirche Christi, alle Kräfte aufzubieten, um frei, rein und katholisch zu sein." (Vgl. Sacerdotalis coelibatus Nr. 37 (Fn. 76).)

 

Päpstliche Schreiben


Zweites Vatikanisches Konzil: Dekret „Presbyterorum ordinis“. 7. Dezember 1965
Papst Paul VI.: Enzyklika Sacerdotalis coelibatus (über den Zölibat des Priesters); 24. Juni 1967
II. Ordentliche Bischofssynode, Dokument Ultimis temporis 30. September bis 6. November 1971.
Papst Johannes Paul II.: Apostolisches Schreiben über die Priester-Ausbildung „Pastores dabo vobis“ (Hirten werde ich euch geben), 7. April 1992 (auch als pdf: [1])
Kongregation für das katholische Bildungswesen, Erziehungsrichtlinien für die Ausbildung zum Priesterzölibat 11. April 1974.
Katechismus der Katholischen Kirche. Oldenbourg, Benno, Paulusverlag, Veritas, 1993, ISBN 3-486-560005-0 (online: [2], [3])
Direktorium Dives ecclesia für den Dienst und das Leben der Priester vom 31. Januar 1994. Nn: 57. Fester Wille der Kirche, 58. Theologisch-spirituelle Begründung des Zölibats, 59. Das Beispiel Jesu, 60. Schwierigkeiten und Einwände.
Katechismus der Katholischen Kirche. Kompendium. Pattloch, 2005, ISBN 978-3-629-02140-3 (online: [4])

Literatur


Michael Buchberger, Hermann Schäufele: Lexikon für Theologie und Kirche (LThK), hrsg. von Josef Häfer und Karl Rahner: Zölibat, Band 10, Seite 1395, Freiburg 1965, ISBN 3-451-20756-7
[bearbeiten]Sekundärliteratur
Johann Adam Möhler, Dieter Hattrup (Hrsg): Vom Geist des Zölibates. Bonifatius, 22001, ISBN 3-87088-720-6
Darrel L. Bock: Die Sakrileg-Verschwörung. Fakten und Hintergründe zum Roman von Dan Brown. Brunnen, 2006, ISBN 3-7655-1926-X
Klaus M. Becker, Jürgen Eberle (Hrsg): Der Zölibat des Priesters: EOS, St. Ottilien 1995, ISBN 978-3880968790
Stefan Heid: Zölibat in der frühen Kirche. Schöningh, Paderborn 32003, ISBN 978-3506739261
Wunibald Müller: Liebe und Zölibat. Wie ehelos leben gelingen kann. Topos Plus, 2000, ISBN 978-3786783527
Alvaro del Portillo: Der Zölibat des Priesters. Adamas, Köln 1973, ISBN 978-3920007120
Dietrich von Hildebrand: „Zölibat und Glaubenskrise“, Verlag Josef Habbel Regensburg 1970.
Johannes B. Torelló: Zölibat und Persönlichkeit oder: die affektive Reife des Priesters. Adamas, Köln 1975, ISBN 978-3920007090
Hans C. Zander: Zehn Argumente für den Zölibat. Patmos, 2006, ISBN 978-3491694316
Anselm Grün: Ehelos – des Lebens wegen. Vier-Türme, 92003, ISBN 978-3878683988
Alfons Maria Kardinal Stickler: Der Klerikerzölibat. Seine Entwicklungsgeschichte und seine theologischen Grundlagen. Kirche heute, Abensberg, 1993, ISBN 978-3930309085
Klaus Demmer: Zumutungen aus dem Ewigen. Gedanken zum priesterlichen Zölibat. Herder, Freiburg, 1991, ISBN 978-3451223594
Publikationen in Zeitungen

Henri Boulard SJ: Der Glanz des priesterlichen Zölibats. In: KIRCHE heute, 2006, Nr. 2, S. 8 ff.
Heinz-Joachim Fischer: Eine Quelle der Stärke und der Schwäche. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. September 2004, S. 10 online (kostenpflichtig)
Thomas Mc Govern: Der priesterliche Zölibat in historischer Perspektive. In: Forum Katholische Theologie 14 (1998), Seiten 18-40 und 99-123
Libero Gerosa: Jungfräulichkeit und kanonisches Recht. Zur kirchlichen Bedeutung des Standes der Jungfrauen. In: Internationale katholische Zeitschrift Communio 25 (1996), Seiten 23-33
Heinz Kruse: Eheverzicht im Neuen Testament und in der Frühkirche. In: Forum Katholische Theologie 1 (1985), Seiten 94-116
siehe Jungfräulichkeit

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Z%C3%B6libat)

 

Sacerdotalis caelibatus


Rundschreiben Papst Pauls VI. über den priesterlichen Zölibat

 
An die Bischöfe, die Priester und Gläubigen der gesamten katholischen Welt Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne!

 

Gruß und apostolischen Segen!

 
1. Der priesterliche Zölibat, den die Kirche wie einen strahlenden Edelstein in ihrer Krone hütet, steht auch in unserer Zeit in hohem, ehrenvollem Ansehen, mögen sich auch Mentalität und Lebensbedingungen der Menschen tiefgehend gewandelt haben.

Doch offenbarte sich im Aufbruch gewisser neuer Geistesrichtungen zugleich der Wunsch, richtiger gesagt, der ausdrückliche Wille, die Kirche Christi zu drängen, daß sie diese ihr wesensgemäße Einrichtung überprüfe. Die Beibehaltung des Zölibates, so meinen sie, sei in unserer Zeit und bei der heutigen Lebensauffassung schwierig, ja unmöglich.

2. Diese Lage der Dinge, die das Gewissen mancher Priester und Priesterkandidaten beunruhigt und verwirrt und viele Gläubige bestürzt, drängt Uns, nicht länger mit der Erfüllung des Versprechens zu zögern, das Wir den Konzilsvätern gemacht haben. Wir hatten ihnen ja unser Vorhaben angekündigt, dem priesterlichen Zölibat unter Berücksichtigung unserer Zeit neue Würde und Festigkeit zu verleihen. In der Zwischenzeit haben Wir nicht nur lange und inständig den Beistand des Heiligen Geistes um die notwendige Erleuchtung und Hilfe herabgerufen, sondern auch die Bedeutung und das Gewicht der Vorschläge und dringenden Bitten vor Gott erwogen, die von allen Seiten, vor allem aber von vielen Oberhirten der Kirche Gottes zu Uns gelangt sind.

3. Wir gestehen, daß Uns die bedeutsame Frage des priesterlichen Zölibats in der Kirche lange ihrer Tragweite und Wichtigkeit nach innerlich beschäftigt hat. Sollen auch heute noch—so fragten Wir Uns — die Kandidaten, die nach dem Empfang der höheren Weihen streben, zu jenem strengen und hohen Gelöbnis verpflichtet werden? Ist die Befolgung dieser Verpflichtung heute noch möglich, ist sie angebracht? Sollte die Zeit gekommen sein, in der Kirche die enge Verbindung von Priestertum und Zölibat zu lösen? Warum sollte es nicht jedem freistehen, dieses schwere Gesetz zu beobachten? Würde das nicht für das priesterliche Amt fruchtbar werden und den Nichtkatholiken dadurch der Zugang zu uns erleichtern? Wenn aber das Zölibatsgesetz auch in Zukunft beobachtet werden soll: mit welchen Begründungen können Wir es als heilig und angemessen nachweisen?

Und weiter, wie soll man dieses Gesetz halten, und wie soll es aus einer Bürde zu einer Hilfe für das priesterliche Leben werden?

4. Als Wir dies alles überdachten, drängten sich Uns besonders die verschiedenen Einwände auf, die gegen die Beibehaltung des Zölibats vorgebracht worden sind und werden. Bei einem so ernsten und verwickelten Gegenstand sehen Wir Uns um Unseres Apostolischen Amtes willen geradezu gezwungen, sowohl die Sache selbst als auch die einschlägigen Fragen gewissenhaft zu erwägen und, wie es die Uns auferlegte Pflicht und das Uns anvertraute Amt fordern, sie mit dem Lichte Christi zu beleuchten. Dabei sind Wir bestrebt, nicht nur den Willen dessen treu zu befolgen, der Uns dieses Amt übertragen hat, sondern Uns auch wahrhaft als das zu erweisen, was Wir der Kirche gelten: Diener der Diener Gottes.

 

Einwände gegen den priesterlichen Zölibat

 
5. Wir müssen anerkennen, daß die Frage des kirchlichen Zölibats zu keiner früheren Zeit gründlicher und ausführlicher untersucht worden ist als heute: unter dem Gesichtspunkt der Glaubenslehre, der Geschichte, der Soziologie, der Psychologie und Pastoral. Das geschah durchweg in ehrlicher Absicht, wenn auch gelegentlich im Ausdruck verfehlt.

Betrachten wir also wohlwollend die hauptsächlichsten Einwände, die gegen das mit dem Priestertum verbundene Gebot des Zölibats gemacht werden.

Der erste Einwand scheint sich aus der Heiligen Schrift zu ergeben und besagt: Das Neue Testament, das doch zunächst die Lehre Christi und der Apostel enthält, fordere nicht geradezu den Zölibat für die Diener Gottes, sondern empfehle ihn nur als eine frei gegebene Antwort auf eine besondere göttliche Berufung oder ein Charisma Gottes. Zudem habe Christus Jesus die Wahl der Apostel nicht vom Zölibat abhängig gemacht, noch seien von den Aposteln nur Unvermählte zu Vorstehern der ersten christlichen Gemeinden bestellt worden.

6. Die enge Beziehung — so sagen einige —, die in vergangenen Zeiten die Kirchenväter und -schriftsteller zwischen der Berufung zum Priestertum und der gottgeweihten Jungfräulichkeit aufstellten, entspringt teils Vorstellungen, teils geschichtlichen Gegebenheiten, die von denen unserer Zeit sehr verschieden sind. In ihren Werken lesen wir oft, daß die Väter den Priestern mehr dazu raten, die eheliche Enthaltsamkeit zu üben, als am Zölibat festzuhalten. Überdies scheinen die Gründe, die die Kirchenväter für die vollkommene Keuschheit der Diener des Heiligtums anführen, zuweilen von einer zu negativen Beurteilung der menschlichen Situation hinsichtlich der natürlichen Lust inspiriert zu sein, oder man erachtet, in einem zu persönlichen Vorurteil befangen, die Reinheit als erforderlich für die, welche die geweihten Gegenstände berühren dürfen. Zudem meinen manche auch, die von den alten Schriftstellern beigebrachten Argumente paßten nicht mehr zu den sozialen Verhältnissen, der Mentalität und den Prinzipien der Menschen, unter denen die Kirche durch ihre Priester in unserer Zeit wirken muß.

7. Andere meinen, hinsichtlich des Zölibats entstehe eine Schwierigkeit insofern, als nach dem geltenden Gesetz das Charisma der göttlichen Berufung zum Priestertum faktisch gleichgesetzt wird mit dem Charisma der vollkommenen Keuschheit, die mit dem Stand der Diener Gottes verbunden ist. Diese fragen deshalb, ob es recht ist, denen den Weg zum Priestertum zu verwehren, die zwar nicht die Neigung zum ehelosen Leben verspüren, wohl aber sich zum priesterlichen Amt hingezogen fühlen.

8. Wieder andere behaupten, daß die Beibehaltung des Zölibats in der Kirche dort großen Schaden anrichtet, wo der vom Zweiten ökumenischen Vatikanischen Konzil festgestellte und bedauerte Priestermangel beklagenswerte Verhältnisse schafft, weil er den Heilsplänen Gottes entgegen steht, und zuweilen sogar ein Hindernis für die erste Verkündigung Christi Jesu bei manchen Menschen bilden kann. Denn einige meinen, der große Priestermangel entstehe aus der Belastung, die die Beobachtung des Zölibats mit sich bringe.

9. Es fehlt auch nicht an solchen, die die Überzeugung hegen, durch Heirat werde den Priestern die Gelegenheit zur Untreue, Verwirrung und beklagenswertem Abfall genommen, Dinge, die der Kirche schmerzliche Wunden zufügen; und die Diener Christi gewännen daraus eher die Fähigkeit, die christlichen Gebote im Bereich der eigenen Familie zu beobachten, was ihr gegenwärtiger Lebensstand ausschließt.

10. Es wird weiter mit Nachdruck behauptet, der Priester befinde sich physisch und psychisch in einer Lage, die nicht nur der Natur widerspreche, sondern auch das innere Gleichgewicht und die Reifung seiner menschlichen Persönlichkeit beeinträchtige. So könne es geschehen, daß der Priester oft innerlich austrockne und nach und nach die Herzenswärme verliere, die ihn zur Teilnahme an der Lebens und Schicksalsgemeinschaft mit den anderen Menschen fähig macht. Er werde zu einem vereinsamten Leben gezwungen, der Ursache so vieler Verbitterung und Niedergeschlagenheit.

Zeigt das nicht — sagen sie —, daß der unverheiratete Priester sich selbst unberechtigte Gewalt antut und die seelischen Werte mißachtet, die Gott der Schöpfer gegeben und Christus der Erlöser übernatürlich erhöht hat?

11. Überblickt man endlich den Weg, der heute den Priesterkandidaten zur Annahme der schweren Last des Zölibats führt, so wenden manche ein, daß er nach einer derartigen Vorbereitung nichts anderes tun kann, als diese Last in Geduld zu tragen. Die überlieferte Ausbildung sei eben nicht zureichend und lasse der rechtmäßigen Freiheit des Menschen nicht genügend Raum. Daraus ergebe sich, daß die jungen Männer, die den Zölibat auf sich nehmen, nicht mit echter, freier Entscheidung handeln; denn ihre persönliche Einsicht, ihre Entscheidungskraft und ihre seelische und körperliche Reife seien der Last des Zölibats mit seinen Schwierigkeiten und seiner Dauer nicht hinreichend gewachsen.

12. Es ist Uns keineswegs unbekannt, daß noch andere Einwände gegen den Zölibat angeführt werden könnten; denn es handelt sich um eine höchst vielschichtige Angelegenheit, die zudem an den Nerv der allgemeinen Lebensauffassung rührt, diese aber auch mit dem Licht der göttlichen Offenbarung erhellt und erfüllt. Eine endlose Reihe von Schwierigkeiten kann sich für die ergeben, die "es nicht fassen können " und "die Gabe Gottes " nicht kennen oder vergessen und nicht begreifen, welche überragende Erkenntnis, welche wunderbare Wirkkraft und reiche Fruchtbarkeit dieser Lebensauffassung innewohnt.

13. Ferner scheinen die Einwände in ihrer Gesamtheit nicht allein die alten und erhabenen Zeugnisse der kirchlichen Oberhirten sowie der Lehrer des geistlichen Lebens zu übergehen; sie wollen auch die lebendigen uns vor Augen stehenden Beispiele einer unzähligen Schar heiliger und treuer Diener Gottes übersehen, die dartun, daß diesen der gottgeweihte Zölibat Quelle und Zeichen für ihre freudige Ganzhingabe an das Christusmysterium gewesen ist. Diese auserlesenen Beispiele sind in unserer Zeit nicht geringer an Zahl als in der Vergangenheit, und ihre Stimme klingt auch heute noch laut und klar. Da Wir Unsere Aufmerksamkeit stets auf die aktuellen Gegebenheiten richten, können Wir die Augen vor einer überraschenden und wunderbaren Tatsache nicht verschließen; auch heute noch leben in lauterer und unversehrter Befolgung des freiwillig übernommenen gottgeweihten Zölibats unzählige Diener des Heiligtums — Subdiakone, Diakone, Priester und Bischöfe und das überall in der Welt, wo die Kirche ihre Gotteshäuser errichtet hat. Mit ihnen müssen Wir die fast unendlich große Schar der gottgeweihten Männer und Jungfrauen, darunter auch junger Menschen und Laien nennen, die das Versprechen vollkommener Keuschheit treu halten. Und das geschieht nicht etwa aus Geringschätzung der göttlichen Gabe des Lebens, sondern weil sie sich aus übernatürlicher Liebe dem neuen Leben weihen, das aus dem Pascha-Mysterium Christi strömt. Sie leben den Zölibat lauter und unversehrt vor, starkmütig und in sittlicher Strenge, doch in geistlicher Freude, sogar mit einer gewissen Leichtigkeit. Dieses erhabene Schauspiel bezeugt durch sein einzigartiges Dasein, daß das Reich Gottes dem innersten Wesen der menschlichen Gesellschaft gleichsam eingewurzelt ist, der es demütig den wohltätigen Dienst leistet, daß es sich als "Licht der Welt" und "Salz der Erde " erweist. Wir sind voller Bewunderung für dieses Schauspiel der keuschen Menschen, in dem sicherlich der Geist Christi weht.

14. Wir meinen daher, daß das bestehende Gebot des Zölibats auch jetzt noch mit dem priesterlichen Amt verbunden sein muß; es muß dem Priester eine Stütze sein bei seinem Entschluß, sich ganz, für immer, einzig und allein der Liebe Christi zu weihen und sein ganzes Wirken der Gottesverehrung und dem Wohl der Kirche zu schenken. Die Zölibatsverpflichtung muß kennzeichnendes Merkmal für den Stand und die Stellung des Priesters sein, und zwar sowohl in der Gemeinde der Gläubigen als auch in der weltlichen Gemeinschaft.

15. Sicher ist das Charisma des göttlichen Rufes zum Priestertum mit seiner Ausrichtung auf den Gottesdienst und den seelsorglichen Dienst am christlichen Volk zu unterscheiden von dem Charisma, das zur Ehelosigkeit als einer gottgeweihten Lebensform anregt. Aber mit diesem göttlichen Ruf zum Priestertum ist noch nichts Endgültiges geschehen: der kirchliche Amtsträger, bei dem Verantwortung und Vollmacht für den Dienst am Volke Gottes liegen, muß ihn prüfen und anerkennen. Deshalb fällt es dem Urteil der kirchlichen Autorität zu, je nach den örtlichen zeitlichen Verhältnissen zu bestimmen, wie sich die Männer, denen das Wohl der Seelen und der Kirche anvertraut werden soll, durch Ansehen und Charakter auszeichnen müssen.

16. Vom Geist des Glaubens gedrängt, ergreifen Wir deshalb gern die von der Vorsehung Gottes gebotene Gelegenheit, um nochmals die berechtigten und ernsten Gründe für die Beobachtung des Zölibats in einer Weise zu erläutern, die der Geisteshaltung der Menschen unserer Zeit entspricht; denn können die Einwände gegen den Glauben zu einer gründlicheren und tieferen Erkenntnis desselben anregen, so gilt das ebenso für die kirchlichen Gesetze, die das Leben der Christen regeln.

Dazu bewegt Uns auch die Freude, den Reichtum an Tugend und die Schönheiten der Kirche Christi staunend zu betrachten, die zuweilen den Augen der Menschen nicht unmittelbar sichtbar sind, weil sie der Liebe des göttlichen Stifters der Kirche entstammen und weil sie sich in jener vollkommenen Heiligkeiten offenbaren, die den menschlichen Geist mit Bewunderung erfüllt und deren Wesen zu verstehen menschliche Kräfte nicht ausreichen.

 

Erster Teil
 

1. Begründung des Zölibats

 
17. Tatsächlich ist nach der Lehre des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils die Jungfräulichkeit "nicht vom Wesen des Priestertums gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche und die Tradition der Ostkirchen zeigt"; aber dasselbe Konzil hat keinen Zweifel gehegt, das bestehende alte, heilige und so wertvolle Gebot des priesterlichen Zölibats in feierlicher Form zu bestätigen; gleichzeitig legte es die Gründe dar, die dafür sprechen, wenn man glaubensreifrig und hochherzig die göttlichen Gnadengaben würdigt.

18. Nicht erst heute untersucht man die "vielfältige Angemessenheit! " des Zölibats für die Priester; wohl waren die angeführten Gründe verschieden gemäß der verschiedenen Geisteshaltung und den verschiedenen Lebensbedingungen; immer aber beruhten sie auf echt christlichen Gedanken, die konsequent durchgedacht, zu noch tieferen Gesichtspunkten führten. Diese können in noch helleres Licht treten durch die Erfahrung, die im Laufe der Zeit aus einer tieferen Erkenntnis der geistigen Dinge erwachsen ist; das geschieht unter der Einwirkung des Heiligen Geistes, den Christus den Seinen verheißen hat zur Erkenntnis des Zukünftigen und zum deutlichen Verstehen des Mysteriums Christi und der Kirche im Volke Gottes.

 

Christologische Bedeutung des Zölibats

 
19. Das christliche Priestertum, das etwas Neues ist, kann nur verstanden werden im Lichte der Neuheit Christi, des Ewigen Hohenpriesters, der das Priesteramt eingesetzt hat, damit seine Diener wahrhaft an seinem, dem einzigen Priestertum teilhaben. Der Diener Christi und Verwalter der Mysterien Gottes hat daher in ihm auch das unmittelbare Urbild und höchste Ideal seines Lebens. Denn der Herr Jesus, der eingeborene Sohn Gottes, den der Vater in die Welt gesandt hat, ist Mensch geworden, damit das der Sünde und dem Tode verfallene Menschengeschlecht wiedergeboren werde und durch die neue Geburt in das Himmelreich eingehe. Diese Neuschöpfung vollendete Jesus in der Ganzhingabe an den Willen des Vaters durch das Paschamysterium. So führte er in die Zeit und indie Welt ein neues, erhabenes und göttliches Leben ein, das auch den Zustand der Menschheit übernatürlich gewandelt hat.

20. Auch die Ehe, die nach dem Willen Gottes das Werk der ersten Schöpfung fortsetzt, erhält, eingefügt in den allgemeinen Heilsplan, neue Bedeutung und neuen Wert. Denn Jesus hat ihre ursprüngliche Würde wiederhergestellt, hat sie geehrt und hat sie zu einem Sakrament und zum geheimnisvollen Zeichen der Einheit erhoben, mit der er selbst der Kirche verbunden ist. So schreiten die christlichen Eheleute in gegenseitiger Liebe, in der Erfüllung ihrer besonderen Aufgaben und dem eifrigen Streben nach der ihnen eigenen Heiligkeit gemeinsam dem himmlischen Vaterland zu. Aber Christus, der Mittler des erhabenen Bundes, hat noch einen neuen Weg aufgetan. Auf diesem Weg macht der Mensch, der rüdthaltlos Gott anhängt und nur um Gott und seine Sache besorgt ist, deutlich und umfassend die zutiefst erneuernde Kraft sichtbar, die das wesentliche Kennzeichen des Neuen Testamentes ist.

21. Christus, der eingeborene Sohn des Vaters, ist auf Grund seiner Menschwerdung zum Mittler zwischen Himmel und Erde und zwischen dem Vater und dem Menschengeschlecht bestellt. In vollem Einklang mit diesem Auftrag verharrte Christus sein ganzes Leben hindurch im Stand der Jungfräulichkeit; diese Tatsache kennzeichnet seine Ganzhingabe an den Dienst für Gott und die Menschen. Diese so enge Verbindung von Jungfräulichkeit und Priestertum, die in Christus besteht, geht auch auf die über, denen es gegeben ist, an der Würde und dem Auftrag des Mittlers und ewigen Priesters teilzuhaben. Diese Teilhabe ist um so vollkommener, je freier der Diener des Heiligtums von den Bindungen an Fleisch und Blut ist.

22. Jesus wollte, daß die ersten von ihm erwählten Diener des Heiles nicht nur "die Geheimnisse des Himmelreiches kennen ": sie sollten auch, ausgestattet mit einzigartiger Vollmacht, Gehilfen Gottes sein und an seiner Statt "des Amtes walten ": er nannte sie Freunde und Brüder; für sie hat er sich geheiligt, damit sie in Wahrheit geheiligt seien; er verhieß überreichen Lohn allen, die um des Gottesreiches willen Haus, Familie, Frau und Kinder verlassen würden. Ja er empfahl mit geheimnisvollen und Erwartung wedtenden Worten noch eine vollkommenere Lebensweise, wo sich der Mensch auf Grund eines besonderen Charismas dem Himmelreiche weiht durch die Jungfräulichkeit. Das Himmelreich ist der Grund, weshalb jemand dieser Gnadengabe Folge leistet. Ebenso ruft Jesus um des Himmelreiches, des Evangeliums und des Namens Christi willen die Apostel dazu auf, harte Mühen auf sich zu nehmen. Im Ertragen so vieler Widerwärtigkeiten mit ihm vereint, sollten sie inniger an seinem Schicksal teilhaben.

23. Wer so von Jesus berufen ist, den drängt zur Erwählung der Jungfräulichkeit als einer erstrebenswerten Lebensform das Mysterium des neuen Lebens in Christus; es ist das Mysterium, das offenbar macht, was Christus dem Wesen nach ist und welche Würde ihm eignet; es ist die Zusammenfassung aller Ideale des Evangeliums und des Reiches Gottes, ein besonderes Zeichen der Gnade, die aus dem Paschamysterium des göttlichen Erlösers strömt. Die dieser Anregung folgen, tun das nicht allein, um an dem priesterlichen Amt Christi teilzuhaben, sondern auch, um sich zu der gleichen Lebensweise zu verpflichten.

24. Wer dem Ruf Gottes folgt, antwortet in Liebe der Liebe, die uns Christus in unaussprechlicher Weise erwiesen hat. Diese Antwort verbirgt sich geheimnisvoll in der besonderen Liebe Christi zu den Menschen, die er mit erhabenen Worten zu seiner Nachfolge berufen hat. Die Gnade vermehrt mit göttlicher Kraft das Drängen der Liebe, die, wenn sie echt ist, alles mit Liebe umfängt, fest und beständig ist und unwiderstehlich zu heldenmütigem Einsatz entflammt. Deshalb ist der frei erwählte Zölibat immer "als Zeichen und Antrieb für die Liebe " geachtet worden: Zeichen einer Liebe ohne jeden Vorbehalt, und Antrieb zu einer Liebe, die für alle offensteht. Kann man wohl in einem Leben, das sich aus den angeführten Motiven heraus ganz den anderen hingibt, Zeichen von geistiger Enge und Egoismus erblicken, da es doch ein seltenes und überaus bezeichnendes Beispiel eines Lebens ist und sein muß, dessen Triebkraft und Nahrung die Liebe ist, durch die der Mensch seine erhabene Größe offenbar macht? Kann man wohl an der moralischen und geistigen Vollendung eines solchen Lebens zweifeln, das in so hohem Grade nicht einem beliebigen, wenn auch noch so hohen Ideal geweiht ist, sondern Christus und seinem Werk, das der Erneuerung des Menschengeschlechtes an allen Orten und zu allen Zeiten gilt?

25. In dieser biblischen und theologischen Sicht verbindet sich unser Priestertum als das seiner Diener mit dem Priestertum Christi; und aus dem Leben dessen, der sich klar und ausschließlich seinem Heilswerk hingegeben hat, nehmen wir Beispiel und Beweggrund für unsere Angleichung an die Form der Liebe und des Opfers Christi, des Erlösers. Diese Sicht scheint Uns so tief und fruchtbar an theoretischen und praktischen Wahrheiten zu sein, daß Wir nicht nur euch, ehrwürdige Brüder, und alle, die sich dem Studium der christlichen Lehre widmen, sondern auch die Lehrer des geistlichen Lebens und alle Priester, die fähig sind, ihr Amt in übernatürlichem Licht zu sehen, auffordern, weiterhin diese Sicht sorgfältig zu überdenken und ihre verborgenen und fruchtbaren Wirklichkeiten tiefer zu ergründen. In dieser klaren Schau wird sodann das Band zwischen Priestertum und Zölibat mehr und mehr sichtbar werden, das ebenso das Zeichen eines starken Geistes ist, wie es eine Liebe fordert, die einzig und ausschließlich auf Christus und seine Kirche gerichtet ist.

 

Ekklesiologische Bedeutung des Zölibats

 
26. "Ergriffen von Christus< und zur Ganzhingabe an ihn geführt, wird der Priester Christus auch durch jene Liebe ähnlicher, mit der der Ewige Priester seinen Leib, die Kirche, geliebt und sich ganz für sie hingegeben hat, um sie sich als herrliche, heilige und makellose Braut zu bereiten. Die gottgeweihte Jungfräulichkeit der Priester macht in der Tat die jungfräuliche Liebe Christi zu seiner Kirche und zugleich die übernatürliche Fruchtbarkeit dieses Ehebundes sichtbar, kraft deren die Kinder Gottes "nicht aus dem Blute und nicht aus dem Wollen des Fleisches " geboren sind.

27. Indem sich der Priester in voller, durch die Ganzhingabe leichter erlangter Freiheit dem Dienste Christi und seines Mystischen Leibes weiht, verwirklicht er in vollkommener Weise die innere Einheit und Harmonie seines Priesterlebens. Es wächst in ihm die Fähigkeit zum Hören des Wortes Gottes und zu innigem Gebet. Denn das von der Kirche gehütete Wort Gottes erweckt im Priester, der es täglich betrachtet, durch sein Leben anschaulich macht und den Gläubigen verkündet, einen sehr starken und tiefgehenden Widerhall.

28. Wie Christus erhält auch sein Diener, allein auf die Sache Gottes und der Kirche bedacht und den Hohenpriester nachahmend, der immerdar lebt, um bei Gott Fürsprache für uns einzulegen, aus der aufmerksamen und frommen Verrichtung des göttlichen Offiziums, in dem er seine Stimme der Kirche leiht, die zusammen mit Christus betet, beständige Freude und Anregung; ebenso erkennt er die Notwendigkeit des ununterbrochenen Gebetes, das überhaupt eine dem Priester eigene Aufgabe ist.

29. Daraus empfängt auch das ganze übrige Leben des Priesters einen machtvollen Drang zur Heiligkeit. Deshalb erhält der Priester für die Aufgabe der Selbstheiligung, zu der er sich verpflichten muß, Anregung durch den Dienst an der Gnade und der Eucharistie, die "das gesamte geistliche Gut der Kirche enthält ". Der Priester, der ja in der Person Christi handelt, wird inniger mit der dargebrachten Opfergabe verbunden, indem er sein ganzes Leben, das die Zeichen des Versöhnungsopfers an sich trägt, auf dem Altar darbringt.

30. Was könnten Wir noch anführen über das Wachsen des Priesters an innerem Vermögen im Dienst, in der Liebe und eifervollen Hingabe an das ganze Volk Gottes? Christus hat von sich gesagt:

"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viele Frucht "; und der Apostel Paulus zauderte nicht, sich täglich dem Tode auszusetzen, um durch die Gläubigen seinen Ruhm zu besitzen in Christus Jesus. So erlangt der Priester, weil er täglich sich selbst stirbt und auf die an sich berechtigte Liebe zu Gattin und Kind um Christi und seines Reiches willen verzichtet, die Herrlichkeit eines in Christus ganz erfüllten und fruchtbaren Lebens, weil er ja wie Christus und in Christus alle Kinder Gottes liebt und sich für sie weiht.

31. Da aber der Priester in der Gemeinde der ihm anvertrauten Gläubigen Christus darstellt, muß er unbedingt in seinem inneren Leben und in seinem priesterlichen Dienst in allem Christi Bild ausprägen und Christi Beispiel nachahmen. Denn der Priester ist seinen Kindern in Christus Zeichen und Unterpfand der erhabenen und neuen Wirklichkeit des Reiches Gottes, deren Verwalter er ist und die er in besonderer Weise besitzt. Zudem nährt der Priester den Glauben und die Hoffnung aller Christen, die als solche verpflichtet sind, das Gebot der Keuschheit je nach ihrem besonderen Stand zu beobachten.

32. Da außerdem der Priester im Zölibat durch einen neuen und erhabenen Titel Christus geweiht ist, vermag er, wie leicht einzusehen ist, auch im praktischen Leben mit höchster Wirksamkeit und bester Befähigung Denken und Streben der Seele anzuregen. So kann er beständig jene vollkommene Liebe üben, durch die er sich umfassender und eingehender allen zu widmen vermag und durch die er ganz offensichtlich in größerer Freiheit und Verfügbarkeit sein Amt ausüben und voll Liebe und Eifer in der Welt stehen kann, in die ihn Christus gesandt hat, damit er allen Kindern Gottes seine Schuldigkeit, mit der er ihnen verpflichtet ist, gleichsam auf Heller und Pfennig einlöse.

 

Eschatologische Bedeutung des Zölibats

 
33. Das Reich Gottes, das "nicht von dieser Welt ist ", ist hier auf Erden im Mysterium verhüllt gegenwärtig und wird seine Vollendung erst bei der triumphalen Wiederkunft des Herrn Jesus erlangen. Keim und Anfang dieses Reiches aber ist die Kirche, die Schritt für Schritt und unbehindert dem vollendeten Reich zustrebt und mit allen Kräften nach der Vereinigung mit ihrem König in der Herrlichkeit verlangt.

Denn das Volk Gottes wandert als Pilger durch die Geschichte seinem himmlischen Vaterland zu, wo nicht nur die göttliche Kindschaft der Erlösten in vollem Licht sich offenbaren, sondern auch die verklärte Schönheit der Braut des göttlichen Lammes ewig erstrahlen wird.

34. Unser Herr und Meister hat gesagt: "Bei der Auferstehung heiraten sie nicht noch werden sie verheiratet, sie werden vielmehr sein wie die Engel im Himmel." In der menschlichen Gesellschaft, die zum großen Teil ganz von irdischen Sorgen beansprucht und allzu oft durch fleischliche Begierden verwirrt wird, ist die kostbare und beinahe göttliche Gabe der vollkommenen Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen wahrhaft "ein besonderes Zeichen der himmlischen Güter ". Sie kündigt ja die Gegenwart der letzten Heilszeit auf Erden mit der Entstehung einer neuen Welt an; sie nimmt gewissermaßen die Vollendung des Reiches voraus, dessen Güter, die einst in allen Gotteskindern aufleuchten werden, sie bekräftigt. Diese Gabe ist deshalb ein klares Zeugnis für die unentwegte Anstrengung, mit der das Volk Gottes dem letzten Ziel seiner irdischen Pilgerschaft zustrebt, und allen ein Ansporn, mit Eifer den Blick auf das Himmlische zu richten, "wo Christus zur Rechten Gottes sitzt" und wo auch "unser Leben mit Christus in Gott verborgen ist", bis es "mit ihm in der Herrlichkeit" offenbar werden wird.

 

II. Der Zölibat im Leben der Kirche

 
35. Es wäre zu weitläufig, wenngleich sehr lehrreich, die Schriften zu studieren, die im Laufe der Jahrhunderte über den kirchlichen Zölibat erschienen sind. So genüge folgender kurzer Hinweis. Im christlichen Altertum bezeugen die Väter und Kirchenschriftsteller, daß die Diener des Heiligtums im Morgen- und Abendland allenthalben den Zölibat aus eigenem Antrieb beobachtet haben, und zwar in der Überzeugung, daß er ihrem gefaßten Entschluß, sich Christus und der Kirche zu weihen, durchaus entspricht.

36. Diese Lebensform hat die abendländische Kirche seit dem Beginn des 4. Jahrhunderts durch verschiedene Provinzialsynoden und durch die Päpste bekräftigt, erweitert und bestätigt. Vor allem durch das Wirken dieser Hirten und Lehrer der Kirche, der Hüter und Deuter des kostbaren Glaubensschatzes und der christlichen Sittenordnung, wurde die Übung des Zölibats in den folgenden Jahrhunderten gefördert, verteidigt und erneuert, und das auch in solchen Zeiten, wo der Priesterstand selbst und der Verfall der Sitten für Tugend und Heroismus nicht günstig waren. Die Verpflichtung zum Zölibat wurde dann von dem Ökumenischen Konzil von Trient feierlich aufgestellt und schließlich in das Gesetzbuch des Kanonischen Rechtes aufgenommen.

37. Gerade die letzten Päpste setzten ihren glühenden Eifer und ihre vorzügliche Lehrweisheit ein, um die Priester über den Zölibat zu unterweisen und sie zu seiner Befolgung anzuspornen. Hier möchten Wir einen besonderen Erweis der Pietät Unserem unmittelbaren Vorgänger gegenüber bekunden, der in den Herzen der Menschen noch weiterlebt.

Er hat auf der Römischen Diözesansynode vor den versammelten Vertretern der Stadt Rom und unter deren Beifall erklärt: "Vor allem betrübt es Uns, daß ... manche irrtümlich wähnen, die katholische Kirche habe vor oder halte es für angebracht, das Gesetz des kirchlichen Zölibats abzuschaffen, das Jahrhunderte hindurch der herrliche und strahlende Schmuck des Priestertums war und ist. Das Gesetz des Zölibats und die Sorge um seine treue Beobachtung erinnern immer wieder an die denkwürdigen und berühmten Auseinandersetzungen jener Zeit, in denen die Kirche Gottes hart zu kämpfen hatte und einen dreifachen Sieg davontrug: denn es ist das Kennzeichen für den Sieg der Kirche Christi, alle Kräfte aufzubieten, um frei, rein und katholisch zu sein."

38. Wenn in der Ostkirche andere Gesetze bezüglich der Übung des Zölibats in Kraft sind, die das Trullanum im Jahre 692 bestätigt und neuerdings das Zweite Vatikanische Konzil öffentlich anerkannt hat, so ist das gewiß anderen sachlichen und örtlichen Gegebenheiten zuzuschreiben, die auf diesen erlesenen Teil der katholischen Kirche Einfluß hatten; und Wir sind fest davon überzeugt, daß in dieser geschichtlichen Entwicklung die Vorsehung und übernatürliche Mitwirkung des Heiligen Geistes gewaltet hat.

Gern wollen wir diese Gelegenheit benutzen, dem gesamten Klerus der orientalischen Kirche Unsere Wertschätzung und Hochachtung auszudrücken und in ihm die Beispiele der Treue und des Hirteneifers anzuerkennen, die ihn aufrichtiger Verehrung würdig machen.

39. Gleichwohl ermutigt und drängt Uns der Lobpreis, den die orientalischen Väter der Jungfräulichkeit zollen, auf der Beobachtung des Zölibats zu beharren. In Unserem Herzen klingt — um nur ein Beispiel anzuführen — das Wort des heiligen Gregor von Nyssa wider, das Uns daran erinnert, daß "das jungfräuliche Leben das Bild jener Glückseligkeit ist, die uns in der zukünftigen Welt erwartet ". Und nicht weniger erbaut und stärkt Uns das Loblied, das der heilige Johannes Chrysostomus dem Priestertum widmet und das Wir heute noch in unablässiger Betrachtung überdenken; denn es geht klar daraus hervor, wie sehr zwischen dem privaten Leben des Dieners des Altares und der auszeichnenden Würde, die ihm zur Erfüllung seiner heiligen Aufgaben verliehen ist, vollkommene Übereinstimmung herrschen muß: " ... es ziemt sich, daß derjenige, der zum Priestertum aufsteigt, so rein ist, als lebte er im Himmel."

40. Außerdem ist es nicht überflüssig zu beachten, daß auch im Osten nur unverheiratete Priester zu Bischöfen geweiht werden und daß es den Priestern nach ihrer Weihe verwehrt ist, eine Ehe einzugehen. Das macht doch deutlich, daß auch diese verehrungswürdigen Kirchen einen gewissen Raum lassen für den Gedanken einer Verbindung von Priestertum und Zölibat oder doch seine Angemessenheit für das

christliche Priestertum, dessen höchste Stufe und Vollendung die Bischöfe besitzen.

41. Wie dem auch sei: Die abendländische Kirche kann nicht wanken in der Treue zu ihrer alten Überlieferung; und es ist undenkbar, daß sie durch so viele Jahrhunderte einem Weg gefolgt wäre, auf dem sie irgendwie die größere Heiligkeit und Tugend der einzelnen Seelen und des Volkes Gottes eher beeinträchtigt als gefördert hätte, oder daß sie durch übertriebene und allzu strenge Gesetze die freie Entfaltung der verborgenen Güter der Natur und Gnade gehemmt hätte. 42. Kraft der grundlegenden Norm, die Wir oben für die Leitung der katholischen Kirche angegeben haben, müssen hier zwei Dinge festgestellt werden: Einerseits bleibt das Gesetz, das denen, die zu den heiligen Weihen zugelassen werden, auferlegt, den Zölibat aus freier Entscheidung und auf Lebensdauer zu erwählen, in seiner Rechtskraft unverändert; andererseits ist es erlaubt, die besondere Situation der verheirateten Diener des Heiligtums zu beachten, die Kirchen oder christlichen Gemeinschaften angehören, welche noch von der katholischen Einheit getrennt sind, wenn diese nach der vollen Teilhabe an dieser Einheit und nach dem priesterlichen Dienst streben und nun zur Ausübung des Priesteramtes bestellt werden sollen; aber auch das muß in einer Weise geschehen, daß dadurch der festgelegten Einrichtung des Zölibats kein Schaden entsteht.

Daß übrigens die Oberhirten der Kirche durchaus bereit sind, eine solche Vollmacht anzuwenden, davon zeugt die Anordnung des letzten t5kumenischen Konzils, daß der Diakonat auch Männern reifen Alters, die in der Ehe leben, übertragen werden kann.

43. Aber das alles bedeutet nicht eine Lockerung dieser Disziplin, die schon so lange besteht, und darf auch nicht als Vorspiel für ihre Abschaffung verstanden werden. Deshalb darf man keiner Meinung folgen, die in den Seelen die Liebeskraft schwächt, aus der dem Zölibat Festigkeit und Freude erwächst, und die sogar die rechte Lehre verdunkelt, die den Zölibat begründet und verherrlicht; vielmehr sollte man solche wissenschaftlichen Untersuchungen fördern, die den erhabenen Begriff und die sittliche Kraft der Jungfräulichkeit und des Zölibats vor jeder Verkennung bewahren.

44. Denn die Jungfräulichkeit muß als eine besondere Gnadengabe anerkannt werden. Aber die gesamte Kirche unserer Zeit, rechtmäßig gegenwärtig in allen ihrer heiligen Pflicht bewußten Hirten, hat, bei allem Festhalten an der Gewohnheit der orientalischen Kirchen —wovon Wir schon sprachen —, ihr festes Vertrauen im Heiligen Geist ausgesprochen, "daß der Vater die Berufung zum ehelosen Leben, das ja dem neutestamentlichen Priestertum so angemessen ist, mi Heiligen Geist freigebig verbleiben wird, wenn nur diejenigen, die durch das Sakrament der Weihe am Priestertum Christi teilhaben, zusammen mit der ganzen Kirche demütig und inständig darum bitten ".

45. Im Blick auf das ganze Volk Gottes rufen wir es dazu auf, in Erfüllung seiner Pflicht, möglichst viele Seelen für das Priestertum zu gewinnen, den Vater aller, den göttlichen Bräutigam der Kirche und den Heiligen Geist, die Seele der Kirche, inständig anzuflehen, daß auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, der Mutter Christi und Mutter der Kirche, gerade in unserer Zeit diese göttliche Gabe, die der Vater bestimmt keinem Bittenden verweigert, in Fülle

 

ausgegossen werde und daß sich die Seelen durch einen tiefen Glauben und eine hochherzige Liebe dafür bereitmachen. Und so mögen die Priester in unserer heutigen Welt, die der Herrlichkeit Gottes bedarf, durch ihre Lebensweise von Tag zu Tag immer mehr dem Bilde des einzigen Hohenpriesters gleichgestaltet werden und als strahlendes Licht der Ruhm Christi sein; durch sie möge "die Herrlichkeit der Gnade Gottes" auf der ganzen Welt glorreich offenbar werden.

46. Ja, ehrwürdige und geliebte Brüder im Priestertum, die Wir euch alle "innigst in Jesus Christus" lieben, unsere heutige Welt, die zwar infolge des technischen Fortschritts und der Wandlung der Lebensverhältnisse von einer schweren Krise erschüttert wird, aber dennoch mit Recht stolz sein kann auf namhafte Erfolge des menschlichen Fleißes, bedarf unbedingt des Zeugnisses derer, die sich ganz den heiligen und höchsten Idealen hingeben, damit auch unsere Zeit nicht des wunderbaren, ja göttlichen Lichtes für den menschlichen Geist entbehrt, der nach dem Höchsten strebt.

47. Unser Herr Jesus Christus zögerte nicht, die übermenschliche Aufgabe, überall das Evangelium zu verkünden, einigen wenigen Männern anzuvertrauen, von denen niemand angenommen hätte, daß sie ihrer Zahl und Fähigkeit nach der Sache gewachsen gewesen wären. Doch er gebot der so kleinen Herde, sich nicht zu fürchten, da sie mit ihm und durch ihn, das heißt mit seinem immer gegenwärtigen Beistand, den Sieg über die Welt erringen würde. Außerdem hat uns Jesus darauf hingewiesen, daß das Reich Gottes durch seine innere und verborgene Kraft fähig ist, zu wachsen und zu reifen, ohne daß der Mensch es weiß. Dieses Reiches "Ernte ist zwar groß, der Arbeiter aber sind — jetzt wie am Anfang —wenige", ja sie sind niemals so zahlreich gewesen, daß ihre Zahl nach menschlichem Urteil ausreichend erschienen wäre. Aber der himmlische König fordert unser Gebet, daß "der Herr der Ernte Arbeiter in seine Ernte sende". In diesem Anliegen darf man die Überlegungen menschlicher Klugheit nicht über die geheimnisvolle Weisheit Christi stellen, der in seinem Heilswerk immer die Weisheit und Macht des Menschen durch seine Torheit und Schwachheit zunichte gemacht hat.

48. Daher bringen wir, gestützt auf die Kraft des Glaubens, nun die Überzeugung der Kirche zum Ausdruck: Wenn sie mit freudigem Eifer und größerer Beständigkeit der göttlichen Gnade Folge leistet, wenn sie aufgeschlossener und stärker auf deren geheimnisvolle und unbesiegbare Macht vertraut, wenn sie endlich vor aller Welt und ohne Vorbehalt für das Christusmysterium Zeugnis gibt, hat sie die Sicherheit, daß sie stets ihr erhabenstes Amt, der ganzen Welt das Heil zu bringen, allen menschlichen Berechnungen und falschen Vorstellungen zum Trotz erfüllen wird. Jeder muß wissen, daß er alles in dem vermag, der allein den Seelen die Kraft und seiner Kirche das Wachstum gibt.

49. Aber Wir lassen Uns nicht leicht überzeugen, daß mit der Aufhebung des kirchlichen Zölibats von selbst die Zahl der Priesterberufe sogleich sehr wachsen würde. In unserer Zeit scheint die Erfahrung der Kirchen und anderer religiöser Gemeinschaften, die ihren Amtsträgern die Ehe erlauben, für das Gegenteil zu sprechen. Die Gründe für die Abnahme der Priesterberufe sind vielmehr anderswo

zu suchen. Denn sie liegen, um einige Beispiele anzuführen, darin, daß in den einzelnen Menschen und in den Familien der Sinn für das Göttliche und Heilige verloren, fast erloschen ist, sie liegen auch in der Geringschätzung und Mißachtung der Kirche, die doch kraft ihres Amtes durch Glaube und Sakramente für das Heil der Menschen Sorge trägt. Darum muß dieses Problem in seiner Wurzel untersucht werden.

 

III. Der Zölibat und die menschlichen Werte

 
50. Wie Wir bereits angeführt haben, weiß die Kirche sehr wohl, daß die Wahl der Ehelosigkeit große Schwierigkeiten und Probleme mit sich bringt, da sie ja viele Verzichte auferlegt, die den Menschen zutiefst berühren; vor allem der heutige Mensch wird von diesen Schwierigkeiten beunruhigt. Es könnte nämlich scheinen, daß der Zölibat nicht im Einklang stehe mit der großartigen Anerkennung, die die Kirche während des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils den menschlichen Werten bekundet hat. Aber bei aufmerksamer Betrachtung wird klar, daß die Priester, die um der Liebe Christi willen auf die menschliche Liebe verzichten, die die Eheleute in ihrer Familie genießen, in Wahrheit viel zur Würde dieser Liebe beitragen. Es ist ja allgemein anerkannt, daß zu allen Zeiten die Menschen Gott solche Opfer dargebracht haben, die des Gebers wie des Empfängers würdig waren.

51. Im übrigen kann und darf die Kirche nicht vergessen, daß der junge Mann bei der Wahl des Zölibats — sofern er sie mit der Klugheit und dem Pflichtgefühl, die ihm als Mensch und als Christ eigen sein müssen, tätigt, von der göttlichen Gnade geleitet wird, die die Natur nicht zerstört und ihr nicht Gewalt antut, sondern sie vielmehr vollendet und ihr übernatürliche Fähigkeiten und Kräfte verleiht. Denn da Gott als Schöpfer und Erlöser um die den Menschen auferlegte Bürde weiß, bietet er ihm die notwendige Hilfe, damit der Mensch verwirklichen kann, was sein Schöpfer und Erlöser von ihm verlangt. Denn, so sagt der heilige Augustinus, der die menschliche Natur aus eigener Erfahrung gründlich und schmerzlich kennengelernt hat: "Gib, was du befiehlst, und befiehl, was du willst."

52. Es ist für den Priester sehr nützlich, ja notwendig, die tatsächlichen Schwierigkeiten des Zölibats in ehrlichem Urteil zur Kenntnis zu nehmen und sich so der Forderungen, die damit an ihn herantreten, klar bewußt zu werden, damit der Zölibat wirklich eine Kraftquelle und für ihn selbst und die anderen Menschen nützlich sein kann. Andererseits ist die gleiche ehrliche Überlegung notwendig, um diesen Schwierigkeiten nicht mehr Bedeutung und Gewicht beizumessen als den menschlichen und religiösen Verhältnissen, in denen die Priester normalerweise leben, und sie nicht als unlösbar zu betrachten.

53. Nach allem, was die Wissenschaftler heute festgestellt haben, ist es ungerecht, weiterhin zu behaupten, der Zölibat sei gegen die Natur, als stehe er im Gegensatz zu den berechtigten physischen, psychischen und affektiven Bedürfnissen, deren Befriedigung notwendig sei, um den Menschen in jeder Beziehung zur vollen Entfaltung zu bringen. Der nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffene Mensch ist nicht nur Fleisch, und der Geschlechtstrieb ist nicht das Vorherrschende in ihm; der Mensch ist auch, ja vor allem, Vernunft, Wille und Freiheit; kraft dieser Fähigkeiten ist er das Haupt des Alls und muß sich selbst als solches betrachten; denn gerade durch diese Fähigkeiten hat der Mensch gelernt, die physischen, psychischen und affektiven Begierden zu zügeln.

54. Der wahre und tiefere Beweggrund für den Zölibat beruht — wie Wir bereits gesagt haben — darauf, daß der Priesterkandidat sich zum Nutzen der gesamten Menschheit dem Mysterium Christi und der Kirche enger und rückhaltloser verpflichtend verbinden will. Zweifellos können bei dieser Wahl die erhabensten menschlichen Werte voll und ganz entfaltet werden.

55. Deshalb fordert die Wahl des Zölibats keineswegs eine Nichtbeachtung oder Geringschätzung des Geschlechtstriebes und des Gefühlslebens — was sicher dem physischen und psychischen Gleichgewicht zum Schaden wäre —, sie erfordert vielmehr eine klare Einsicht, eine aufmerksame Selbstzucht und eine weise Erhebung der Seele zu einem höheren Ideal. Auf diese Weise trägt der Zölibat, da er den Menschen zu einer wunderbaren Würde erhöht, wahrhaft zur Vollendung des Menschseins und zur höchsten Entfaltung des Tugendlebens bei.

56. Zugegeben, daß das natürliche und rechtmäßige Verlangen des Mannes nach Frau und Kindern von dem, der an das Zölibatsgesetz gebunden ist, hintangesetzt wird: Es ist aber entschieden abzulehnen, daß Ehe und Familie die einzige und notwendige Lebensform zur Erlangung der vollen menschlichen Reife sind. Im Herzen des Priesters wird die Liebe nicht ausgelöscht. Denn die aus der reinsten Quelle gespeiste Liebe, die in der Nachahmung Gottes und Christi bewahrt wird, fordert — ganz wie jede echte Liebe — vieles vom Priester und drängt ihn zum Werk. Dazu dehnt die Liebe ihr Betätigungsfeld ins Grenzenlose aus; sie vertieft und verstärkt — das klare Zeichen eines reifen Charakters — das Verantwortungsbewußtsein dem übernommenen Amt gegenüber; sie bildet im Priester die starken und zarten Gefühle aus, die Zeichen einer höheren und fruchtbareren Vaterschaft sind und ihn in überströmendem Maße bereichern.

57. Das ganze Volk Gottes muß Zeugnis geben für das Mysterium Christi und sein Reich; aber die Art des Zeugnisses ist unterschiedlich. Den verheirateten Laien trägt die Kirche auf, in einem des christlichen Namens würdigen Ehe- und Familienleben treu und vorbehaltlos Zeugnis abzulegen; von den Priestern verlangt sie das Zeugnis eines Lebens, das ganz auf der Betrachtung des kommenden Gottesreiches und seiner Freuden und auf der Sorge für dieses Reich beruht.

Wenn der Priester den Ehestand auch nicht aus unmittelbarer und persönlicher Erfahrung kennenlernt, kann er dennoch auf Grund seiner Bildung, seines priesterlichen Amtes und der von Gott seinem Stand verheißenen Gnade einen sogar noch tieferen Einblick in die ganze menschliche Natur haben. So vermag er nicht nur alle diese Probleme genau zu durchschauen und ihren Ursprung zu erkennen; er kann auch den Eheleuten und christlichen Familien mit seinem Rat tatkräftig beistehen. Denn der Priester, der hochherzig nach dem Gesetz des Zölibates lebt, wird für die christlichen Eheleute ein klarer Beweis dafür sein, daß die menschliche Liebe, die dieses Namens würdig ist, reich ist an kraftvollen geistlichen Werten; darüber hinaus wird er durch sein persönliches Opfer den christlichen Eheleuten die Gnade einer wahrhaft inneren Verbundenheit verdienen.

58. Wir leugnen zwar nicht, daß der Priester durch den Zölibat ein einsamer Mensch ist. Aber seine Einsamkeit darf nicht für öde und leer gehalten werden, denn sie ist von Gott und dem unermeßlichen Reichtum seines himmlischen Reiches erfüllt. Überdies hat sich der Priester darauf vorbereitet, diese Einsamkeit, die innerlich und äußerlich von der Liebe erfüllt sein muß, zu ertragen, wenn er sie mit Bedacht erwählt hat, und zwar nicht etwa, um sich hochmütig von den anderen Menschen fernzuhalten; nicht, um sich schweren allgemeinen Verpflichtungen zu entziehen; nicht, um sich von seinen Brüdern abzusondern, oder weil er die Welt verachtet. Denn, ausgesondert aus der Welt, ist der Priester dennoch keineswegs vom Volke Gottes getrennt, er ist ja "für die Menschen bestell, gänzlich der Übung der Liebte geweiht und "dem Werk, zu dem ihn Gott erwählt hat".

59. Bisweilen kann die Einsamkeit schwer auf dem Priester lasten; aber er wird deshalb keineswegs bereuen, diese Lebensweise hochherzig erwählt zu haben. Selbst Christus war in den schwersten Augenblicken seines Lebens allein und von denen verlassen, die er als Zeugen und Gefährten seines Lebens erwählt und "bis zum Ende" geliebt hatte; dennoch sprach er: " Ich bin nicht allein, denn der Vater ist mit mir. Wer sich in freier Wahl ganz Christus hingegeben hat, wird in der Vertrautheit mit ihm und in seiner Gnade vor allem die Kraft finden, alle Traurigkeit zu vertreiben und jede Niedergeschlagenheit und Entmutigung zu überwinden; auch wird ihm nicht der liebevolle Schutz der jungfräulichen Gottesmutter und die mütterliche Sorge der Kirche fehlen, der er sich geweiht hat, noch die Fürsorge seines Bischofs, der ihm in der Gnade Christi Vater ist; ebenso wird ihm nicht das innige Band treuer Freundschaft mit den Mitbrüdern im Priesteramt noch die an Trost so reiche Liebe des ganzen Volkes Gottes mangeln. Und wenn Abneigung, Argwohn und Feindseligkeit dem Priester bisweilen das Leben in Einsamkeit bis zum Überdruß schwer machen, so wird er wissen, daß er dadurch in eindrucksvollster Wirklichkeit an dem Schicksal Jesu Christi teilhat; wie der wahre Apostel, der nicht " größer als der, der ihn gesandt hat ", sein kann, und der Freund, dem der göttliche Freund die geheimsten, von Schmerz und Freude erfüllten Tiefen seines Herzens geoffenbart hat; von ihm ist er ja auserwählt, geheimnisvolle Früchte des Lebens zu bringen, während er ein Leben führt, das das Bild des Todes an sich trägt.

 
 

Zweiter Teil

 
1. Priesterausbildung
 

60. Aus den Gedanken, die Wir über die Schönheit, die Würde und die innere Angemessenheit der Jungfräulichkeit für die Diener Christi und der Kirche dargelegt haben, erwächst denen, die das Amt des Lehrers und Hirten bekleiden, die überaus schwere Pflicht, mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß die Jungfräulichkeit schon von der Zeit der Vorbereitung auf den Empfang dieser herrlichen Gnadengabe an wirklich gepflegt wird.

 

Die Schwierigkeiten und Belastungen, die einigen Priestern die Beobachtung des Zölibats schwer oder geradezu unmöglich machen, entspringen nicht selten einer Priesterausbildung, die angesichts der Wandlungen der Verhältnisse ganz unzureichend ist, um einen "Mann Gottes" würdig heranzubilden.

61. Deshalb haben die Väter des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils bereits weise Richtlinien und Vorschriften angegeben, die mit dem Fortschritt der Psychologie und Pädagogik im Einklang stehen und auch auf die in unserer Zeit stark veränderten Lebensbedingungen des einzelnen Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft abgestimmt sind. Es ist darüber hinaus Unser Wille, daß baldmöglichst gesetzliche Normen geschaffen werden, in denen dieses Thema unter Heranziehung von Fachleuten in angemessener Ausführlichkeit behandelt wird, um denen, die in der Kirche die schwere Aufgabe übernommen haben, die Priesterkandidaten auszubilden, alsbald eine geeignete Hilfe zu bieten.

62. Das Priestertum ist ein Amt, das von Christus Jesus zum Dienst an seinem mystischen Leib, der Kirche, eingesetzt ist. Deshalb ist es auch Aufgabe der kirchlichen Obern, nur diejenigen zum Priestertum zuzulassen, die sich nach ihrem Urteil dafür eignen, nämlich solche, denen Gott neben den anderen Zeichen der Berufung zum heiligen Dienst auch das Charisma des Zölibats gewährt hat.

Kraft dieser Gnadengabe, die vom Kanonischen Recht bestätigt wird, wird der Mensch aufgerufen, aus freiem Willen und mit seiner Ganzhingabe dem Rufe Gottes Folge zu leisten und der göttlichen Autorität Geist und Gewissen zu unterwerfen. Gott beruft tatsächlich nur eine Persönlichkeit, die im Vollbesitz ihrer Fähigkeiten ist, deren Freiheit die himmlische Gnade keineswegs aufhebt. In den Priesterkandidaten also muß die Bereitschaft gepflegt werden, die göttliche Gnadengabe mit gelehrigem Herzen in sich aufzunehmen, für den Ruf Gottes sich bereit zu halten und in erster Linie auf die übernatürlichen Gnadenhilfen zu vertrauen.

63. Aber man muß auch dem physischen und psychischen Zustand des Kandidaten Rechnung tragen, um ihn in angemessener Weise zu dem Ideal des Priestertums hinführen und anleiten zu können. Damit die Erziehung des Kandidaten, dessen wirkliche geistige Anlagen und Fähigkeiten bereits voll und ganz erkannt worden sind, ihr Ziel tatsächlich erreicht, muß deshalb das Wachstum der göttlichen Gnade mit dem der Natur harmonisch zusammengehen. Die geistigen Anlagen müssen mit größter Gewissenhaftigkeit geprüft werden, sobald sich Anzeichen der Berufung zum Priestertum zeigen. Dabei darf sich niemand auf ein voreiliges und oberflächliches Urteil verlassen; deshalb soll auch ein Arzt, oder, um das griechische Wort zu gebrauchen, ein Psychologe herangezogen werden, um bei dieser Prüfung mitzuwirken. Man wird auch nicht auf eine genaue anamnetische Nachforschung verzichten dürfen, um die Eignung des Kandidaten für das Priestertum auch unter der sehr wichtigen Berücksichtigung der Erbfaktoren zu prüfen.

64. Denen aber, die in körperlicher, geistiger und moralischer Hinsicht wenig geeignet erscheinen, muß man sofort vom priesterlichen Beruf abraten. Die Erzieher müssen sich in diesem Punkt ihrer ernsten Pflicht bewußt sein. Sie sollen keine eitle Hoffnung und gefährliche Zuversicht hegen noch in irgendeiner Weise zulassen, daß die Alumnen zum großen Schaden für sich und die Kirche solche Hoffnungen nähren. Denn da die Lebensweise des ehelosen Priesters innerlich und äußerlich einen so vollständigen Einsatz für den Dienst Gottes und eine so große Klugheit erfordert, schließt sie einen Kandidaten, dessen Gaben in physischer, psychischer und moralischer Hinsicht nicht genügen, aus; und man darf nicht erwarten, daß in diesen Dingen die göttliche Gnade ersetzen wird, was der Natur fehlt.

65. Sobald die Eignung des Kandidaten feststeht und man ihm den Weg zum Priestertum freigegeben hat, wird man eifrig dafür sorgen müssen, daß er durch eine entsprechende leibliche, geistige und sittliche Erziehung nach und nach die vollkommene Entfaltung seiner Persönlichkeit bis zu dem Grade erreicht, daß er die natürlichen Anlagen, die Gefühle und Triebe in Schranken zu halten und zu beherrschen vermag.

66. Diese angemessene Erziehung erhält ihre Bestätigung durch die Seelenstärke, mit der jemand aus freien Stücken die persönliche und gemeinschaftliche Lebensordnung, die ein Erfordernis des Priesterlebens ist, annimmt. Man muß bedauern, wenn eine solche Lebensordnung fehlt oder unzureichend ist, was große Gefahren mit sich bringt; sie darf nicht wie eine von außen auferlegte Last getragen werden, sondern muß als notwendiger Bestandteil des geistlichen Lebens in die innere Haltung aufgenommen und eingefügt werden.

67. Die ganze Erziehung muß darauf ausgehen, die jungen Menschen zur Aufrichtigkeit, einer wesentlich evangelischen Tugendi, und zu selbständigem Handeln anzuregen. Das wird geschehen, wenn sie jede gute Initiative fördert, die dazu geeignet ist, daß der junge Mensch sich selbst kennen und seine Kräfte richtig einschätzen lernt; daß er lernt, seine Bürde bewußt auf sich zu nehmen und jene Selbstbeherrschung zu erwerben, die in der Priesterbildung von größter Bedeutung ist.

68. Die Autorität, deren Hauptgrundsätze immer zu bewahren sind, soll in weiser Maßhaltung, seelsorglichem Geist und dialogisch vorgehen. Sie soll auch die Alumnen allmählich praktisch einüben, so daß der Erzieher den Geist des jungen Menschen durchschauen kann und die Erziehung selbst durch das ihr wesentliche Merkmal, der Selbständigkeit, bestimmt ist, und damit ebenso der Kandidat angeregt wird, selbstverantwortlich zu handeln.

69. Die gesamte vollständige Ausbildung des Priesterkandidaten muß auf eine ruhige, bewußte und freie Wahl der schweren Aufgaben zielen, die er einmal mit größter Gewissenhaftigkeit vor Gott und der Kirche übernehmen muß.

Begeisterung und Hochherzigkeit sind bewundernswerte Vorzüge der Jugend; wenn sie richtig ausgebildet und befestigt werden, gewinnen sie ihr nicht nur den himmlischen Schutz, sondern auch die Bewunderung und das Vertrauen der Kirche, ja aller Menschen. Den jungen Menschen, die diese Lebensform erwählen, soll man keine der wirklichen persönlichen und sozialen Schwierigkeiten, die sie später aus Erfahrung kennenlernen werden, verhehlen, damit ihre Begeisterung nicht flüchtig und oberflächlich dahinschwindet. Aber es wird angebracht sein, zugleich mit den Schwierigkeiten auch den erhabenen Vorzug des erwählten Lebens ebenso ehrlich und deutlich in seinem Lichte darzustellen. Schafft dieses Leben körperlich und geistig auch eine gewisse Leere im Menschen, so schenkt es ihm nichtsdestoweniger eine geistliche Fülle, so groß, daß sie fähig ist, das Leben des Priesters ganz und gar zu ergreifen und zum höchsten Gipfel der Vollkommenheit emporzuführen.

70. Die jungen Leute sollen überzeugt sein, daß sie diesen steilen Weg nicht zu gehen vermögen ohne eine besondere Aszese, die den Anwärtern für das Priestertum eigen ist und die allgemeinen aszetischen Verpflichtungen aller übrigen Christgläubigen übertrifft.

Wir meinen eine zwar strenge, aber nicht niederdrückende Aszese, die im Zusammenhang mit der bewußten und beharrlichen Übung jener Tugenden stehen soll, durch die sich der Priester von den anderen Menschen unterscheiden muß, nämlich: vollkommene Ganzhingabe — eine notwendige Bedingung für die Nachfolge Christii; Demut und Gehorsam, Zeichen innerer Wahrhaftigkeit und richtig gelenkter Freiheit; Klugheit und Gerechtigkeit, Stärke und Maß-haltung, ohne die ein echt religiöses und beispielhaftes Leben nicht möglich ist; ein ausgeprägtes Verantwortungsbewußtsein; Treue und Redlichkeit in der Führung der Amtspflichten; Harmonie zwischen dem tätigen und beschaulichen Leben; innere Freiheit vom Irdischen und Liebe zur Armut, die der evangelischen Freiheit Kraft und inneren Wert verleiht; mit unausgesetzter Bemühung in schöner Harmonie mit allen anderen natürlichen und übernatürlichen Tugenden errungene Keuschheit; Heiterkeit des Geistes und Sicherheit im Verkehr mit den Menschen, um derentwillen sich der Priesterkandidat dereinst Christus und seinem Reiche weihen will.

Auf diesem Wege wird sich der Priesterkandidat mit der Gnade Gottes zu einer ausgeglichenen, starken und reifen Persönlichkeit entwickeln; seine natürlichen Kräfte werden mit den erworbenen Tugenden im Einklang stehen, und alle Fähigkeiten werden sich wunderbar verbinden im Lichte des Glaubens und in der Einheit mit Christus, der ihn für seinen Dienst und den Dienst für das Heil des Menschengeschlechtes erwählt hat.

71. Aber um größere Sicherheit bezüglich der Eignung eines jungen Mannes für das Priestertum und um Beweise zu erhalten, daß er zu menschlicher und übernatürlicher Reife gelangt ist — "denn in der Seelsorge ist es wegen der äußeren Gefahren noch schwerer, einen vollkommenen Lebenswandel zu führen " —, muß die Beobachtung des Zölibats von Zeit zu Zeit erprobt werden, bevor sie durch die Priesterweihe fest und endgültig wird.

72. Ist nach Kräften der Erweis erbracht, daß die Reife des Priesterkandidaten genügend gefestigt ist, dann wird er es wirklich vermögen, die schwere und doch sanfte Last der priesterlichen Keuschheit als Ganzhingabe an Christus und seine Kirche auf sich zu nehmen.

So wird der Alumnen, angeregt von der göttlichen Gnade, das Gesetz des Zölibats, das nach dem Willen der Kirche tatsächlich mit der Priesterweihe verbunden ist, mit voller Bewußtheit und innerer Freiheit auf sich nehmen, selbstverständlich nicht ohne den klugen und weisen Rat bewährter Lehrer des geistlichen Lebens, denen es obliegt, die wichtige und freie Wahl nicht als Last aufzuerlegen, sondern bewußter zu machen. Und in dem feierlichen Augenblick, der über sein ganzes künftiges Leben entscheidet, wird der Kandidat dann nicht die Schwere einer von außen auferlegten Last empfinden, sondern vielmehr aus der um die Liebe zu Christus willen getroffenen Wahl große Freude schöpfen.

 

II. Das Priesterleben

 
73. Der Priester darf durchaus nicht meinen, die Priesterweihe mache ihm alles leicht und schütze ihn für immer vor jeder Versuchung oder Gefahr. Die Keuschheit erwirbt man nicht ein für allemal, sondern sie ist eine Tugend, die in großer Mühe und täglicher Übung errungen wird. Unsere Zeit unterstreicht stark den positiven Wert der Liebe in ihrer Beziehung zwischen den Geschlechtern, hat aber leider auch die Schwierigkeiten und Gefahren auf diesem Gebiet vervielfältigt. Um das Gut der Keuschheit mit aller Sorgfalt zu hüten und die erhabene Würde dieser Tugend ohne Rückhalt zu bezeugen, muß der Priester seine Situation klar und ruhig erwägen, das heißt er muß wissen, daß er dem geistlichen Kampf gegen die Verlockungen der Begierden in sich selbst und in der Welt ausgesetzt ist; er muß außerdem unablässig den Vorsatz erneuern, mehr und mehr seine unwiderrufliche Selbsthingabe, die ihn zu vollkommener und aufrichtiger Treue verpflichtet, zu verwirklichen.

74. Neue Kraft und neue Freude wird dem Priester daraus erwachsen, daß er täglich in Gebet und Betrachtung die Beweggründe zu seiner Hingabe immer wieder erforscht und Tag für Tag tiefer davon überzeugt ist, daß er den besten Teil erwählt hat. Deshalb wird der Priester demütig und beharrlich um die Gnade der Treue beten, die denen niemals fehlen wird, die sie aufrichtigen Herzens erflehen; gleichzeitig wird er sich der natürlichen und übernatürlichen Mittel bedienen, die ihm zur Verfügung stehen. Vor allem wird er eifrig die aszetischen Anweisungen beachten, die in der Kirche durch Erfahrung anerkannt und die in der heutigen Welt nicht weniger notwendig sind als in vergangener Zeit.

75. Der Priester bemühe sich vor allem mit der ganzen ihm von der göttlichen Gnade geschenkten Liebe um ein inniges Verhältnis zu Christus und um die Ergründung seines unausschöpflichen und beseligenden Mysteriums. Er bemühe sich außerdem, das Mysterium der Kirche immer klarer zu erkennen; losgelöst von diesem, besteht die Gefahr, daß ihm sein priesterliches Leben inhaltlos und sinnlos erscheint.

Nährt sich aber die priesterliche Frömmigkeit an der lauteren Quelle des göttlichen Wortes und der heiligen Eucharistie, lebt sie aus der Feier der Liturgie und stützt sie sich dazu noch auf eine zarte und vertraute Verehrung der heiligsten Jungfrau, der Mutter des Ewigen Hohenpriesters und Königin der Aposteln, dann wird der Priester zu den sprudelnden Quellen eines echten geistlichen Lebens gelangen. Dieses allein ist imstande, der Jungfräulichkeit das stärkste Fundament zu verleihen.

76. Mit der Gnade und dem Frieden im Herzen wird der Priester die Kraft haben, mit Starkmut die vielfältigen Aufgaben seines Lebens und seines Dienstes wahrzunehmen; wenn er sie nur mit Treue und religiösem Eifer angeht, findet er nämlich neue Gelegenheiten, zu bezeugen, daß er ganz Christus und seinem mystischen Leib angehört, um sich und die anderen Menschen zu heiligen. Die Liebe Christi, die ihn drängt, wird ihm helfen, die vorzüglichsten Kräfte seiner Seele nicht in sich zu verbergen, sondern sie im Geist der Ganzhingabe zu veredeln und zu vertiefen, wie der Hohepriester Christus, den die innigste Lebensgemeinschaft mit den Menschen verband, der sie geliebt und für sie gelitten hat, wie auch der Apostel Paulus, der die Sorgen aller mittrug, um in der Welt Zeugnis zu geben von dem Licht und der Kraft der Frohbotschaft von der Gnade Gottes.

77. Mit ängstlicher Sorge auf die Ganzhingabe an Christus bedacht, soll sich der Priester vor Gefühlserregungen hüten, die einen Zustand auslösen, der vom Geist nicht mehr genügend erleuchtet und geleitet wird, und er soll solche wirklich gefährliche Neigungen des Herzens nicht unter dem Vorwand geistlicher und seelsorglicher Verpflichtungen rechtfertigen.

78. Das Priestertum fordert die intensive Pflege einer echten und aufrichtigen Frömmigkeit; aus ihrer Kraft sollen die Diener des Heiligtums im Geiste leben und im Geiste wandeln; es fordert eine wahrhaft mannhafte innere und äußere Aszese, wie sie denen ziemt, die auf besondere Weise Christus dienen und in ihm und um seinetwillen "ihr Fleisch mit seinen Leidenschaften und Begierden gekreuzigt haben‘28"; so sollen sie mutig einen harten und langwierigen Kampf auf sich nehmen. Hat er ihn bestanden, dann kann der Diener Christi der Welt klarer die Früchte des Geistes aufweisen, nämlich "Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Milde, Treue, Mäßigung, Enthaltsamkeit und Keuschheit<.

79. Die Keuschheit des Priesters wird gestärkt, behütet und bewahrt auch durch eine Lebensweise, durch menschliche Beziehungen und Betätigungen, wie sie den Dienern Gottes entsprechen. Darum ist es nötig, jene "innige, sakramentale Brüderlichkeit" zu pflegen, deren sich alle Priester kraft der heiligen Weihe erfreuen. Unser Herr Jesus hat gelehrt, daß das neue Gebot der Liebe drängt, er hat sie durch sein bewunderungswürdiges Beispiel bezeugt, vor allem als er die Sakramente der hochheiligen Eucharistie und des katholischen Priestertums einsetzte und seinen himmlischen Vater bat, daß die Liebe, mit der der Vater ihn von Ewigkeit geliebt hat, in ihnen sei.

80. Die geistige Verbundenheit unter den Priestern soll also vollkommen sein, und häufiges gemeinsames Gebet, lautere Freundschaft und jederlei gegenseitige Hilfeleistung sollen gepflegt werden. Nie genug kann den Priestern eine gewisse Form des gemeinsamen Lebens empfohlen werden, die das priesterliche Amt stärker mit Frömmigkeit erfüllt; ebenso häufige Zusammenkünfte zu brüderlichem Gedanken und Erfahrungsaustausch und mitbrüderlicher Ermunterung; und schließlich die Förderung von Vereinigungen, die Anregungen zur priesterlichen Heiligung bieten.

81. Die Priester sollen eifrigst die Mahnung des Zweiten Vatikanischen Konzils erwägen, die sie dazu ermuntert, den Gemeinschaftssinn untereinander zu pflegen, damit sie sich voll und ganz für die priesterlichen Mitbrüder verantwortlich fühlen, die von Schwierigkeiten bedrängt werden und deren heiliger Beruf ernstlich gefährdet ist. Sie sollen eine glühende Liebe zu denen hegen, die mehr Liebe als die anderen, mehr Nachsicht, mehr Gebet und mehr verständnisvolle und wirksame Hilfe benötigen und die mit Recht auf die unerschöpfliche Liebe derer bauen, die vor allen anderen im wahrsten Sinne ihre Freunde sind und sein müssen.

82. Schließlich möchten Wir gleichsam zur Ergänzung und Erinnerung dieses brieflichen Gesprächs mit euch, ehrwürdige Brüder im Bischofsamt, und mit euch, Priester und Diener des Altares, anregen, daß sich jeder von euch vornehme, alljährlich am Jahrestag seiner Weihe oder auch alle im Geiste vereint am Gründonnerstag, dem hoch heiligen Tage der Einsetzung des Priestertums, die vertrauensvolle Ganzhingabe an Christus den Herrn zu erneuern, das Bewußtsein der Erwählung zum heiligen Dienst wieder zu wecken, und mit Demut und Starkmut Christus aufs neue das Versprechen beständiger Treue zu seiner unvergleichlichen Liebe und eurer reinsten Hingabe zu geben.

 

III. Beklagenswerte Untreue
 

83. Nun aber wendet sich Unser Denken mit väterlicher Liebe, mit großem Bangen und Schmerz jenen unglücklichen, aber stets über alles geliebten Mitbrüdern im Priesteramt zu, die das ihrer Seele eingeprägte heilige Zeichen des Weihesakramentes in sich tragen, und doch so bedauerlich ihren Pflichten, die sie bei der Priesterweihe übernommen haben, untreu geworden sind.

Von ihrem beklagenswerten Zustand und dem daraus erwachsenden öffentlichen und persönlichen Schaden veranlaßt, fragen manche, ob nicht gerade der Zölibat an solchen unglückseligen Vorfällen und Ärgernissen für das Volk Gottes schuld sei. Nein, im Gegenteil, der Zölibat ist nicht schuld daran. In Wirklichkeit liegt die Ursache immer darin, daß die Veranlagung eines Priesterkandidaten nicht immer rechtzeitig zuverlässig und klug beurteilt wurde oder daß die Lebensführung solcher Diener des Heiligtums mit den Verpflichtungen eines Lebens der Ganzhingabe an Gott nicht ganz übereinstimmte.

84. Die Kirche ist in größter Sorge um das traurige Los dieser ihrer Söhne und hält es für ihre Pflicht, alles zu tun, um die Wunden, die ihr durch ihren Abfall zugefügt werden, zu verhüten oder zu heilen. Dem Beispiel Unserer letzten Vorgänger folgend haben Wir angeordnet, daß bei Prozessen bezüglich der Priesterweihe die Untersuchungen auf andere wichtige Fälle und Gründe ausgedehnt werden, die im geltenden Kanonischen Recht nicht vorgesehen sind. Es handelt sich dabei um solche Fälle und Gründe, die zu wirklich ernstem Zweifel berechtigen bezüglich der vollen Freiheit und Verantwortlichkeit der Priesterkandidaten bei der Übernahme ihrer Verpflichtungen und bezüglich ihrer Eignung zum priesterlichen Leben. Das alles geschieht zu dem Zweck, um alle die von ihren Verpflichtungen zu befreien, die in einem gehörigen Prozeß tatsächlich als ungeeignet erklärt worden sind.

85. Diese sogenannten Dispensen, die gegebenenfalls in dieser Hinsicht erteilt werden — es sind in Wirklichkeit nur sehr wenige im Vergleich zu der großen Zahl seelisch gesunder und würdiger Priester —, wollen aus Gerechtigkeit das geistliche Wohl der einzelnen sicherstellen. Zugleich zeigen sie die große Sorge der Kirche um die Weitergeltung des Zölibatsgesetzes und seine unverminderte und treue Beobachtung von seiten aller Diener des Heiligtums.

Wenn die Kirche so handelt, so tut sie es immer mit großem Schmerz, vor allem wenn besonders bedauerliche Fälle vorkommen, wenn nämlich die Weigerung, das sanfte Joch Christi würdig zu tragen, auf eine Glaubenskrise oder auf sittliches Versagen zurückzuführen ist und daher oft wissentlich und für das christliche Volk ärgerniserregend ist.

86. Wenn diese Priester wüßten, wieviel Unruhe, wieviel Schande und wieviel Verwirrung sie der heiligen Kirche Gottes zufügen, wenn sie die Würde und den Vorzug der übernommenen Verpflichtungen bedächten und einsähen, welchen Gefahren sie sich in diesem und im zukünftigen Leben aussetzen, dann würden sie gewiß vorsichtiger und überlegter in ihren Entschlüssen sein, bereiter zum Gebet und gründlicher und tatkräftiger einem derartigen geistlichen und moralischen Versagen vorbeugen.

87. Aber mit ganz besonderer Aufmerksamkeit wendet sich die Mutter Kirche dem Fall zu, daß noch junge Priester zwar mit hoher Begeisterung und großem Eifer dem heiligen Dienst nachgekommen sind, später aber im Gedränge ihrer priesterlichen Aufgaben in eine Art Verzweiflung, Unsicherheit, Leidenschaft und seelischer Verwirrung geraten sind. Deshalb ist die Kirche der Ansicht, daß in einer solchen Situation nichts unversucht bleiben darf, um den wankenden und abgleitenden Mitbruder durch Zureden zur inneren Ruhe, zum Vertrauen, zur Reue und zu seinem ersten freudigen Eifer zurückzuführen. Nur wenn offenkundig geworden ist, daß bei einem Priester auf diese Weise keine Besserung erwartet werden kann, soll der unglückliche Diener Gottes des ihm anvertrauten Amtes enthoben werden.

88. Soweit jemand im Einzelfall für das Priesteramt nicht zurückgewonnen werden kann, aber doch den aufrichtigen und guten Willen zeigt, als Laie ein christliches Leben zu führen, gewährt der Apostolische Stuhl, die Liebe über den Schmerz stellend, nach gewissenhaftester Abwägung aller Umstände und gemeinsamer Beratung mit dem Ordinarius oder dem Ordensobern bisweilen die erbetene Dispens. Dabei werden einige Werke der Frömmigkeit und der Sühne auferlegt, damit in dem unglücklichen und doch immer geliebten Sohn ein heilsames Zeichen des mütterlichen Schmerzes der Kirche und eine lebendige Erinnerung daran verbleibe, daß alle der göttlichen Barmherzigkeit bedürfen.

89. Dieses strenge und zugleich doch barmherzige Vorgehen, das immer von der Gerechtigkeit und Wahrheit, von höchster Klugheit und Behutsamkeit bestimmt ist, wird ohne Zweifel dazu beitragen, die guten Priester in ihrem Vorsatz zu bestärken, lauter und heilig zu leben; ebenso wird es für die Priesterkandidaten eine Mahnung sein, unter der weisen Führung ihrer Erzieher und Lehrer zum Altar zu schreiten, in vollem Bewußtsein der Verpflichtung, die sie zu übernehmen haben, mit größter Uneigennützigkeit und vom Eifer entflammt, den Anregungen der göttlichen Gnade und dem Willen Christi und seiner Kirche zu gehorchen.

90. Wir wollen schließlich nicht versäumen, Gott mit überaus großer Freude dafür zu danken, daß Wir beobachten können, wie manche von denen, die für einige Zeit untreu geworden sind, sich so eifrig aller geeigneten Hilfsmittel bedient haben — vor allem des demütigen Gebetes, der Übung in der Demut, des zähen geistigen Kampfes und des häufigen Empfanges des Bußsakramentes —, daß sie mit der Gnade des Hohenpriesters auf den rechten Weg zurückgekehrt und zur Freude aller wieder seine vorbildlichen Diener geworden sind.

 

IV. Geistliche Vaterschaft des Bischofs


91. Damit sich aber Unsere vielgeliebten Priester der übernommenen Pflichten leichter und freudiger annehmen können, ehrwürdige Brüder

im Bischofsamt, haben sie das Recht und zugleich die Pflicht, eure tatkräftige und notwendige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn ihr habt sie unter die Alumnen aufgenommen, ihr habt sie für das Priesteramt bestimmt, ihr habt ihnen die Hände aufgelegt, euch sind sie auf das engste verbunden auf Grund der Würde des Priestertums und kraft des Weihesakramentes, an eurer Stelle stehen sie in den ihnen anvertrauten Gemeinden der Gläubigen. Darum sind sie hoch-gesinnt und starkmutig mit euch verbunden, da sie, jeder nach seiner Stellung, eure Pflichten und - Sorgen mit euch teilen. Indem sie den Zölibat erwählten, folgten sie dem seit alten Zeiten wirksamen Beispiel der Bischöfe des Ostens und Westens. Das führt notwendig zu einem weiteren Band zwischen Bischof und Priester, das sich auf Leben und Werk überträgt.

92. Wie Jesus seine zarte Liebe zu seinen Jüngern am deutlichsten zeigte, als er sie zu Dienern seines wahren und des mystischen Leibes machte‘38, so wißt auch ihr, "in denen der Herr Jesus Christus, der Hohepriester, inmitten der Gläubigen gegenwärtig ist ", sehr wohl, daß es eure Pflicht ist, eure vorzügliche Liebe und Sorge den Priestern und den jungen Priesterkandidaten zuzuwenden. Ihr könnt in der Tat diese eure feste Überzeugung niemals besser bekunden, als wenn ihr im Bewußtsein eurer Pflicht und in aufrichtiger und unerschütterlicher Liebe euch eifrig um die Erziehung der Alumnen bemüht und nach Kräften den Priestern helft, ihrer göttlichen Berufung und ihren Verpflichtungen treu zu bleiben.

93. Die menschliche Einsamkeit des Priesters, nicht selten Anlaß zur Entmutigung und Versuchung, soll besonders durch eure brüderliche und freundschaftliche Gegenwart erleichtert werden. Anstatt Vorsteher und Richter seid euren Priestern lieber Lehrer, Väter, Freunde und Brüder, bereit zur Güte, zur Barmherzigkeit, zur Nachsicht, zum Verzeihen und zur Hilfe. Ermutigt überdies die euch anvertrauten Priester zur Freundschaft und zum vollen Vertrauen zu euch, so jedoch, daß das rechtliche Gehorsamsverhältnis dadurch nicht nur nicht aufhört, sondern durch die Hirtenliebe nur noch fester und der Gehorsam selbst williger, aufrichtiger und sicherer wird. Diese dienstbereite Freundschaft und ein kindliches Verhältnis zu euch werden den Priestern ohne Zweifel leicht möglich machen, euch rechtzeitig ihr Herz zu öffnen und ihre Schwierigkeiten zu offenbaren; ermutigt in der Hoffnung, daß ihr immer für sie da sein werdet, werden sie euch gegebenenfalls Verirrungen anvertrauen ohne knechtische Furcht vor der Strafe, sondern — wie es sich Söhnen ziemt —in Erwartung einer väterlichen Mahnung, der Verzeihung und der Hilfe, die sie anregt, mit neuem Vertrauen den begonnenen Weg weiterzugehen.

94. Ihr seid sicherlich überzeugt davon, ehrwürdige Brüder, daß ihr eine dringende und vornehme Aufgabe erfüllt, die unermeßlich vielen Seelen Nutzen bringt, wenn ihr einem Priester die Freude und Begeisterung für seinen Beruf, den inneren Frieden und die Heilszuversicht wiedergebt. Selbst wenn ihr einmal eure Autorität gebrauchen und heilsame Strenge anwenden müßt gegen die wenigen, die eure Güte zurückweisen und durch ihr schlechtes Beispiel dem Volke Gottes schaden, so sorgt doch dafür, daß ihr bei den notwendigen Maßnahmen gegen sie ihre Besserung vor Augen habt. In der Nachfolge des Herrn Jesus, des Hirten und Bischofs eurer Seelen, sollt ihr das geknickte Rohr nicht brechen und den glimmenden

Docht nicht auslöschen. Wie Jesus heilt die Wunden, rettet, was verloren war, sucht mit sorgender Liebe das verlorene Schaf, um es in die wärmende Geborgenheit der Hürde zurückzubringen, und seid wie Christus bis zum äußersten bemüht, den ungetreuen Freund zurückzugewinnen.

95. Wir sind sicher, ehrwürdige Brüder, daß ihr in eurer Hirtensorge nichts unversucht lassen werdet, euren Priestern in weiser Belehrung das Ideal des gottgeweihten Zölibats unablässig vor Augen zu stellen, und daß ihr niemals die Sorge für diejenigen Priester aufgeben werdet, die das Haus Gottes, das auch ihr Vaterhaus ist, verlassen haben; welches auch immer das Ende ihres traurigen Abfalls sein mag: sie bleiben für alle Zeiten eure Söhne.

 

V. Die Aufgabe der Gläubigen
 

96. Da aber die Tugend der Priester ein Gut der ganzen Kirche ist, ein besonderer Schatz und eine Zierde, die dem ganzen Volke Gottes als Vorbild dient und zum Besten gereicht, wollen Wir an alle Gläubigen, unsere Söhne und Töchter in Christus, die liebevolle und dringende Ermahnung richten, sich für die Tugend ihrer Brüder verantwortlich zu fühlen, welche die Aufgabe übernommen haben, ihnen als Priester zu dienen, damit sie das Heil erlangen. Alle sollen daher beten; sie sollen bestrebt sein, denen zu helfen, die von Gott zum Priestertum berufen sind; sie sollen ihren Priestern gefällig und in kindlicher Liebe behilflich sein; sie sollen ihnen in verständnisvoller Mitarbeit beistehen, in der Absicht, durch bereitwilliges Aufnehmen ihrer seelsorglichen Bemühungen ihnen Trost zu schenken. Außerdem sollen sie diese ihre Väter in Christus ermutigen, die Schwierigkeiten jeder Art zu überwinden, die ihnen bei der treuen Erfüllung ihrer anvertrauten Aufgaben begegnen, damit sie für alle Menschen das beste Vorbild seien. Alle sollen in lebendigem Glauben und christlicher Liebe den Priestern gegenüber eine tiefe Ehrfurcht und taktvolle Zurückhaltung bekunden, in dem Wissen, daß es sich um Menschen handelt, die ganz Gott und der Kirche geweiht sind.

97. Unsere Aufforderung richtet sich vor allem an jene Laien, die eifriger und inniger als andere Gott suchen und nach einem vollkommenen christlichen Leben inmitten der profanen Welt streben. Durch ihre ehrerbietige und aufrichtige Freundschaft können sie den Priestern eine große Hilfe bedeuten. Die Laien, die trotz ihrer Inanspruchnahme durch die irdischen Geschäfte dieses Lebens sich bemühen, ihrem Taufgelöbnis Genüge zu leisten, können dem Priester manchmal Licht und Kraft geben, damit er im Dienste Christi und der Kirche nicht unter Umständen durch den verkehrten und verwirrenden Weltgeist Schaden leide an der Unversehrtheit seiner göttlichen Berufung. Daraus ergibt sich ohne Zweifel, daß das ganze Volk Gottes den Herrn Jesus selbst ehrt in denen, die seine Stelle vertreten und von denen er sagt: "Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat." Er hat ja auch denen reichen Lohn versprochen, die den Boten des Evangeliums irgendwie in Liebe dienen.

 

Schluß

 
98. Bevor Wir Unser Schreiben beenden, ermahnen Wir, gedrängt von der Liebe Christi, euch, Unsere ehrwürdigen Brüder, Hirten der

Herde Gottes in allen Teilen der Welt, und euch, geliebte Priester, Unsere Brüder und Söhne, mit neuer Zuversicht und neuer Hoffnung in kindlichem Vertrauen Augen und Herz auf die liebreiche Mutter Jesu Christi und Mutter der Kirche zu richten und ihre mächtige mütterliche Fürbitte für das katholische Priestertum zu erflehen. Sie verehrt ja das Volk Gottes voll Bewunderung als das Urbild und Vorbild der Kirche Christi wegen ihres Glaubens, ihrer Liebe und ihrer vollkommenen Vereinigung mit Christus. Möge darum die jungfräuliche Mutter Maria der Kirche, die ebenfalls als Jungfrau und Mutter gepriesen wird, erflehen, sich beständig in Demut rühmen zu können, daß ihre Priester die erhabene Gnadengabe der Jungfräulichkeit unversehrt bewahren, und zu erleben, wie der Zölibat mehr und mehr blühe und täglich an Wertschätzung gewinne in allen Kreisen der Menschen, so daß von Tag zu Tag die Zahl derer wachse, die dem göttlichen "Lamme folgen, wohin es geht<.

99. So schaut die Kirche im Vertrauen auf Christus voller Hoffnung empor. Wenn sie sich auch wegen des Priestermangels angesichts der religiösen Bedürfnisse aller Völker große Sorge macht, so erwartet sie doch zuversichtlich im Vertrauen auf die unendlichen und geheimnisvollen Quellen der göttlichen Gnade, daß eine vorbildliche religiöse Haltung der Diener des Heiligtums auch die Zahl der Priesterberufe erhöhen wird, "denn bei Gott ist alles möglich ".

In dieser Überzeugung und festen Hoffnung erteilen Wir euch, ehrwürdige Brüder, und den euch anvertrauten Priestern und Gläubigen als Unterpfand der göttlichen Gnade und als Zeichen Unseres väterlichen Wohlwollens aus ganzem Herzen den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am Fest des h. Johannes des Täufers, dem 24. Juni 1967, im fünften Jahre Unseres Pontifikates.

 

PAPST PAUL VI.


(Quelle: http://www.clerus.org/clerus/dati/1999-10/08-5/Saccael.rtf.html)
 

ENZYKLIKAAKTEN PAPST PAUL VI.


Rundschreiben

Über den priesterlichen Zölibat

 

Der priesterliche Zölibat, den die Kirche wie einen strahlenden Edelstein in ihrer Krone hütet, steht auch in unserer Zeit in hohem, ehrenvollem Ansehen, mögen sich auch Mentalität und Lebensbedingungen der Menschen tiefgehend gewandelt haben.

 

RUNDSCHREIBEN

 
AN DIE BISCHÖFE,

DIE PRIESTER UND GLÄUBIGEN

DER GESAMTEN KATHOLISCHEN WELT

 
ÜBER DEN PRIESTERLICHEN ZÖLIBAT
 

PAPST PAUL VI.

 
EHRWRÜRDIGE BRÜDER UND

GELIEBTE SÖHNE

GRUSS UND APOSTOLISCHEN SEGEN

 
 

Das moderne Problem des Zölibats

 
1. Der priesterliche Zölibat, den die Kirche wie einen strahlenden Edelstein in ihrer Krone hütet, steht auch in unserer Zeit in hohem, ehrenvollem Ansehen, mögen sich auch Mentalität und Lebensbedingungen der Menschen tiefgehend gewandelt haben.


Doch offenbarte sich im Aufbruch gewisser neuer Geistesrichtungen zugleich der Wunsch, richtiger gesagt, der ausdrückliche Wille, die Kirche Christi zu drängen, daß sie diese ihr wesensgemäße Einrichtung überprüfe. Die Beibehaltung des Zölibates, so meinen sie, sei in unserer Zeit und bei der heutigen Lebensauffassung schwierig, ja unmöglich.

 

Versprechen des Papstes zur Überprüfung

 
2. Diese Lage der Dinge, die das Gewissen mancher Priester und Priesterkandidaten beunruhigt und verwirrt und viele Gläubige bestürzt, drängt Uns, nicht länger mit der Erfüllung des Versprechens zu zögern, das Wir den Konzilsvätern gemacht haben. Wir hatten ihnen ja Unser Vorhaben angekündigt, dem priesterlichen Zölibat unter Berücksichtigung unserer Zeit neue Würde und Festigkeit zu verleihen (1). In der Zwischenzeit haben Wir nicht nur lange und inständig den Beistand des Heiligen Geistes um die notwendige Erleuchtung und Hilfe herabgerufen, sondern auch die Bedeutung und das Gewicht der Vorschläge und dringenden Bitten vor Gott erwogen, die von allen Seiten, vor allem aber von vielen Oberhirten der Kirche Gottes zu Uns gelangt sind.

 

Tragweite und Wichtigkeit des Problems
 

3. Wir gestehen, daß Uns die bedeutsame Frage des priesterlichen Zölibats in der Kirche lange ihrer Tragweite und Wichtigkeit nach innerlich beschäftigt hat. Sollen auch heute noch — so fragten Wir Uns — die Kandidaten, die nach dem Empfang der höheren Weihen streben, zu jenem strengen und hohen Gelöbnis verpflichtet werden? Ist die Befolgung dieser Verpflichtung heute noch möglich, ist sie angebracht? Sollte die Zeit gekommen sein, in der Kirche die enge Verbindung von Priestertum und Zölibat zu losen? Warum sollte es nicht jedem freistehen, dieses schwere Gesetz zu beobachten? Wurde das nicht für das priesterliche Amt fruchtbar werden und den Nichtkatholiken dadurch der Zugang zu uns erleichtert? Wenn aber das Zölibatsgesetz auch in Zukunft beobachtet werden soll mit welchen Begründungen können Wir es als heilig und angemessen nachweisen? Und weiter, wie soll man dieses Gesetz halten, und wie soll es aus einer Bürde zu einer Hilfe für das priesterliche Leben werden?

 

Verantwortungsbewußtsein des Papstes


4. Als Wir dies alles überdachten, drängten sich Uns besonders die verschiedenen Einwände auf, die gegen die Beibehaltung des, Zölibats vorgebracht worden sind und werden. Bei einem so ernsten und verwickelten Gegenstand sehen Wir Uns um Unseres Apostolischen Amtes willen geradezu gezwungen, sowohl die Sache selbst als auch die einschlägigen Fragen gewissenhaft zu erwägen und, wie es die Uns auferlegte Pflicht und das Uns anvertraute Amt fordern, sie mit dem Lichte Christi zu beleuchten. Dabei sind Wir bestrebt, nicht nur den Willen dessen treu zu befolgen, der Uns dieses Amt übertragen hat, sondern Uns auch wahrhaft als das zu erweisen, was Wir der Kirche gelten: Diener der Diener Gottes.

 
 

EINWÄNDE

GEGEN DEN PRIESTERLICHEN ZÖLIBAT

 

Der Zölibat im Lichte des Neuen Testaments
 

5. Wir müssen anerkennen, daß die Frage des kirchlichen Zölibats zu keiner früheren Zeit gründlicher und ausführlicher untersucht worden ist als heute: unter dem Gesichtspunkt der Glaubenslehre, der Geschichte, der Soziologie, der Psychologie und Pastoral. Das geschah durchweg in ehrlicher Absicht, wenn auch gelegentlich im Ausdruck verfehlt.

 

Betrachten wir also wohlwollend die hauptsächlichsten Einwände, die gegen das mit dem Priestertum verbundene Gebot des Zölibats gemacht werden.
 

Der erste Einwand scheint sich aus der Heiligen Schrift zu ergeben und besagt: Das Neue Testament, das doch zunächst die Lehre Christi und der Apostel enthält, fordere nicht geradezu den Zölibat für die Diener Gottes, sondern empfehle ihn nur als eine frei gegebene Antwort auf eine besondere göttliche Berufung oder ein Charisma Gottes (2). Zudem habe Christus Jesus die Wahl der Apostel nicht vom Zölibat abhängig gemacht, noch seien von den Aposteln nur Unvermählte zu Vorstehern der ersten christlichen Gemeinden bestellt worden (3).

 

Auffassung der Kirchenväter

 
6. Die enge Beziehung — so sagen einige —‚ die in vergangenen Zeiten die Kirchenväter und -schriftsteller zwischen der Berufung zum Priestertum und der gottgeweihten Jungfräulichkeit aufstellten, entspringt teils Vorstellungen, teils geschichtlichen Gegebenheiten, die von denen unserer Zeit sehr verschieden sind. In ihren Werken lesen wir oft, daß die Väter den Priestern mehr dazu raten, die eheliche Enthaltsamkeit zu üben, als am Zölibat festzuhalten. Überdies scheinen die Gründe, die die Kirchenväter für die vollkommene Keuschheit der Diener des Heiligtums anführen, zuweilen von einer zu negativen Beurteilung der menschlichen Situation hinsichtlich der natürlichen Lust inspiriert zu sein, oder man erachtet, in einem zu persönlichen Vorurteil befangen, die Reinheit als erforderlich für die, welche die geweihten Gegenstände berühren dürfen. Zudem meinen manche auch, die von den alten Schriftstellern beigebrachten Argumente paßten nicht mehr zu den sozialen Verhältnissen, der Mentalität und den Prinzipien der Menschen, unter denen die Kirche durch ihre Priester in unserer Zeit wirken muß.

 

Verbindung von Priestertum und Zölibat

 
7. Andere meinen, hinsichtlich des Zölibats entstehe eine Schwierigkeit insofern, als nach dem geltenden Gesetz das Charisma der göttlichen Berufung zum Priestertum faktisch gleichgesetzt wird mit dem Charisma der vollkommenen Keuschheit, die mit dem Stand der Diener Gottes verbunden ist. Diese fragen deshalb, ob es recht ist, denen den Weg zum Priestertum zu verwehren, die zwar nicht die Neigung zum ehelosen Leben verspüren, wohl aber sich zum priesterlichen Amt hingezogen fühlen.

 

Zölibat und Priestermangel

 
8. Wieder andere behaupten, daß die Beibehaltung des Zölibats in der Kirche dort großen Schaden anrichtet, wo der vom Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzil festgestellte und bedauerte Priestermangel (4) beklagenswerte Verhältnisse schafft, weil er den Heilsplänen Gottes entgegen steht, und zuweilen sogar ein Hindernis für die erste Verkündigung Christi Jesu bei manchen Menschen bilden kann Denn einige meinen, der große Priestermangel entstehe aus der Belastung, die die Beobachtung des Zölibats mit sich bringe.

 

Schattenseiten des Zölibats
 

9. Es fehlt auch nicht an solchen, die die Überzeugung hegen, durch Heirat werde den Priestern die Gelegenheit zur Untreue, Verwirrung und beklagenswertem Abfall genommen, Dinge, die der Kirche schmerzliche Wunden zufügen, und die Diener Christi gewannen daraus eher die Fähigkeit, die christlichen Gebote im Bereich der eigenen Familie zu beobachten, was ihr gegenwärtiger Lebensstand ausschließt.

 

Vergewaltigung der Natur
 

10. Es wird weiter mit Nachdruck behauptet, der Priester befinde sich physisch und psychisch in einer Lage, die nicht nur der Natur widerspreche, sondern auch das innere Gleichgewicht und die Reifung seiner menschlichen Persönlichkeit beeinträchtige. So könne es geschehen, daß der Priester oft innerlich austrockne und nach und nach die Herzenswärme verliere, die ihn zur Teilnahme an der Lebens- und Schicksalsgemeinschaft mit den anderen Menschen fähig macht. Er werde zu einem vereinsamten Leben gezwungen, der Ursache so vieler Verbitterung und Niedergeschlagenheit.

 
Zeigt das alles nicht — sagen sie —‚ daß der unverheiratete Priester sich selbst unberechtigte Gewalt antut und die seelischen Werte mißachtet, die Gott der Schöpfer gegeben und Christus der Erlöser übernatürlich erhöht hat?

 

Unzulängliche Priesterausbildung

 
11. Überblickt man endlich den Weg, der heute den Priesterkandidaten zur Annahme der schweren Last des Zölibats führt, so wenden manche ein, daß er nach einer derartigen Vorbereitung nichts anderes tun kann, als diese Last in Geduld zu tragen. Die überlieferte Ausbildung sei eben nicht zureichend und lasse der rechtmäßigen Freiheit des Menschen nicht genügend Raum. Daraus ergebe sich, daß die jungen Männer, die den Zölibat auf sich nehmen, nicht mit echter, freier Entscheidung handeln, denn ihre persönliche Einsicht, ihre Entscheidungskraft und ihre seelische und körperliche Reife seien der Last des Zölibats mit seinen Schwierigkeiten und seiner Dauer nicht hinreichend gewachsen.

 

Übernatürliche Sicht des Zölibats

 
12. Es ist Uns keineswegs unbekannt, daß noch andere Einwände gegen den Zölibat angeführt werden könnten; denn es handelt sich um eine höchst vielschichtige Angelegenheit, die zudem an den Nerv der allgemeinen Lebensauffassung rührt, diese aber auch mit dem Licht der göttlichen Offenbarung erhellt und erfüllt. Eine endlose Reihe von Schwierigkeiten kann sich für die ergeben, die „es nicht fassen können (5)" und „die Gabe Gottes (6)" nicht kennen oder vergessen und nicht begreifen, welche überragende Erkenntnis, welche wunderbare Wirkkraft und reiche Fruchtbarkeit dieser Lebensauffassung innewohnt.

 

Zeugnis der Vergangenheit und Gegenwart

 
13. Ferner scheinen die Einwände in ihrer Gesamtheit nicht allein die alten und erhabenen Zeugnisse der kirchlichen Oberhirten sowie der Lehrer des geistlichen Lebens zu übergehen; sie wollen auch die lebendigen uns vor Augen stehenden Beispiele einer unzählbaren Schar heiliger und treuer Diener Gottes übersehen, die dartun, daß diesen der gottgeweihte Zölibat Quelle und Zeichen für ihre freudige Ganzhingabe an das Christusmysterium gewesen ist. Diese auserlesenen Beispiele sind in unserer Zeit nicht geringer an Zahl als in der Vergangenheit, und ihre Stimme klingt auch heute noch laut und klar. Da Wir Unsere Aufmerksamkeit stets auf die aktuellen Gegebenheiten richten, können Wir die Augen vor einer überraschenden und wunderbaren Tatsache nicht verschließen; auch heute noch leben in lauterer und unversehrter Befolgung des freiwillig übernommenen gottgeweihten Zölibats unzählige Diener des Heiligtums — Subdiakone, Diakone, Priester und Bischöfe und das überall in der Welt, wo die Kirche ihre Gotteshäuser errichtet hat. Mit ihnen müssen Wir die fast unendlich große Schar der gottgeweihten Männer und Jungfrauen, darunter auch junger Menschen und Laien nennen, die das Versprechen vollkommener Keuschheit treu halten. Und das geschieht nicht etwa aus Geringschätzung der göttlichen Gabe des Lebens, sondern weil sie sich aus übernatürlicher Liebe dem neuen Leben weihen, das aus dem Pascha-Mysterium Christi strömt. Sie leben den Zölibat lauter und unversehrt vor, starkmütig und in sittlicher Strenge, doch in geistlicher Freude, sogar mit einer gewissen Leichtigkeit. Dieses erhabene Schauspiel bezeugt durch sein einzigartiges Dasein, daß das Reich Gottes dem innersten Wesen der menschlichen Gesellschaft gleichsam eingewurzelt ist, der es demütig den wohltätigen Dienst leistet, daß es sich als „Licht der Welt" und „Salz der Erde (7)" erweist Wir sind voller Bewunderung für dieses Schauspiel der keuschen Menschen, in dem sicherlich der Geist Christi weht.

 

Bekräftigung der Zölibatsverpflichtung
 

14. Wir meinen daher, daß das bestehende Gebot des Zölibats auch jetzt noch mit dem priesterlichen Amt verbunden sein muß; es muß dem Priester eine Stütze sein bei seinem Entschluß, sich ganz, für immer, einzig und allein der Liebe Christi zu weihen und sein ganzes Wirken der Gottesverehrung und dem Wohl der Kirche zu schenken. Die Zölibatsverpflichtung muß kennzeichnendes Merkmal für den Stand und die Stellung des Priesters sein, und zwar sowohl in der Gemeinde der Gläubigen als auch in der weltlichen Gemeinschaft.

 

Anerkennung durch die Kirche

 
15. Sicher ist das Charisma des göttlichen Rufes zum Priestertum mit seiner Ausrichtung auf den Gottesdienst und den seelsorglichen Dienst am christlichen Volk zu unterscheiden von dem Charisma, das zur Ehelosigkeit als einer gottgeweihten Lebensform anregt (8). Aber mit diesem göttlichen Ruf zum Priestertum ist noch nichts Endgültiges geschehen: der kirchliche Amtsträger, bei dem Verantwortung und Vollmacht für den Dienst am Volke Gottes liegen, muß ihn prüfen und anerkennen. Deshalb fällt es dem Urteil der kirchlichen Autorität zu, je nach den örtlichen und zeitlichen Verhältnissen zu bestimmen, wie sich die Männer, denen das Wohl der Seelen und der Kirche anvertraut werden soll, durch Ansehen und Charakter auszeichnen müssen.

 

Absicht, das Problem zeitgemäß zu behandeln

 
16. Vom Geist des Glaubens gedrängt, ergreifen Wir deshalb gern die von der Vorsehung Gottes gebotene Gelegenheit, um nochmals die berechtigten und ernsten Gründe für die Beobachtung des Zölibats in einer Weise zu erläutern, die der Geisteshaltung der Menschen unserer Zeit entspricht; denn können die Einwände gegen den Glauben zu einer gründlicheren und tieferen Erkenntnis desselben anregen (9), so gilt das ebenso für die kirchlichen Gesetze, die das Leben der Christen regeln.
 

Dazu bewegt Uns auch die Freude, den Reichtum an Tugend und die Schönheiten der Kirche Christi staunend zu betrachten, die zuweilen den Augen der Menschen nicht unmittelbar sichtbar sind, weil sie der Liebe des göttlichen Stifters der Kirche entstammen und weil sie sich in jener vollkommenen Heiligkeit (10) offenbaren, die den menschlichen Geist mit Bewunderung erfüllt und deren Wesen zu verstehen menschliche Kräfte nicht ausreichen.

 

 

ERSTER TEIL

I.
 

BEGRÜNDUNG DES ZÖLIBATS

 
 

Konzil und Zölibat

 
17. Tatsächlich ist nach der Lehre des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils die Jungfräulichkeit „nicht vom Wesen des Priestertums gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche und die Tradition der Ostkirchen zeigt (11)"; aber dasselbe Konzil hat keinen Zweifel gehegt, das bestehende alte, heilige und so wertvolle Gebot des priesterlichen Zölibats in feierlicher Form zu bestätigen; gleichzeitig legte es die Gründe dar, die dafür sprechen, wenn man glaubenseifrig und hochherzig die göttlichen Gnadengaben würdigt.

 

Alte Begründung in neuem Licht

 
18. Nicht erst heute untersucht man die „vielfältige Angemessenheit (12)" des Zölibats für die Priester; wohl waren die angeführten Gründe verschieden gemäß der verschiedenen Geisteshaltung und den verschiedenen Lebensbedingungen; immer aber beruhten sie auf echt christlichen Gedanken, die konsequent durchgedacht, zu noch tieferen Gesichtspunkten führten Diese können in noch helleres Licht treten durch die Erfahrung, die im Laufe der Zeit aus einer tieferen Erkenntnis der geistigen Dinge erwachsen ist (13); das geschieht unter der Einwirkung des Heiligen Geistes, den Christus den Seinen verheißen hat zur Erkenntnis des Zukünftigen (14) und zum deutlicheren Verstehen des Mysteriums Christi und der Kirche im Volke Gottes.

 
 

CHRISTOLOGISCHE BEDEUTUNG

DES ZÖLIBATS
 

Die Neuheit in Christus
 

19. Das christliche Priestertum, das etwas Neues ist, kann nur verstanden werden im Lichte der Neuheit Christi, des Ewigen Hohenpriesters, der das Priesteramt eingesetzt hat, damit seine Diener wahrhaft an seinem, dem einzigen Priestertum teilhaben (15). Der Diener Christi und Verwalter der Mysterien Gottes (16) hat daher in ihm auch das unmittelbare Urbild und höchste Ideal seines Lebens (17). Denn der Herr Jesus, der eingeborene Sohn Gottes, den der Vater in die Welt gesandt hat, ist Mensch geworden, damit das der Sünde und dem Tode verfallene Menschengeschlecht wiedergeboren werde und durch die neue Geburt (18) in das Himmelreich eingehe. Diese Neuschöpfung (19) vollendete Jesus in der Ganzhingabe an den Willen des Vaters (20) durch das Paschamysterium. So führte er in die Zeit und in die Welt ein neues, erhabenes und göttliches Leben ein, das auch den Zustand der Menschheit übernatürlich gewandelt hat (21).

 

Ehe und Zölibat in der Neuheit Christi
 

20. Auch die Ehe, die nach dem Willen Gottes das Werk der ersten Schöpfung fortsetzt (22), erhält, eingefügt in den allgemeinen Heilsplan, neue Bedeutung und neuen Wert. Denn Jesus hat ihre ursprüngliche Würde wiederhergestellt (23), hat sie geehrt (24) und hat sie zu einem Sakrament und zum geheimnisvollen Zeichen der Einheit erhoben, mit der er selbst der Kirche verbunden ist (25). So schreiten die christlichen Eheleute in gegenseitiger Liebe, in der Erfüllung ihrer besonderen Aufgaben und dem eifrigen Streben nach der ihnen eigenen Heiligkeit gemeinsam dem himmlischen Vaterland zu. Aber Christus, der Mittler des erhabenen Bundes (26), hat noch einen neuen Weg aufgetan. Auf diesem Weg macht der Mensch, der rückhaltlos Gott anhängt und nur um Gott und seine Sache besorgt ist (27), deutlich und umfassend die zutiefst erneuernde Kraft sichtbar, die das wesentliche Kennzeichen des Neuen Testamentes ist.

 

Jungfräulichkeit und Priestertum in der Person Christi

 
21. Christus, der eingeborene Sohn des Vaters, ist auf Grund seiner Menschwerdung zum Mittler zwischen Himmel und Erde und zwischen dem Vater und dem Menschengeschlecht bestellt. In vollem Einklang mit diesem Auftrag verharrte Christus sein ganzes Leben hindurch im Stand der Jungfräulichkeit; diese Tatsache kennzeichnet seine Ganzhingabe an den Dienst für Gott und die Menschen. Diese so enge Verbindung von Jungfräulichkeit und Priestertum, die in Christus besteht, geht auch auf die über, denen es gegeben ist, an der Würde und dem Auftrag des Mittlers und ewigen Priesters teilzuhaben. Diese Teilhabe ist um so vollkommener, je freier der Diener des Heiligtums von den Bindungen an Fleisch und Blut ist (28).

 

„Um des Himmelreiches willen"

 
22. Jesus wollte, daß die ersten von ihm erwählten Diener des Heiles nicht nur „die Geheimnisse des Himmelreiches kennen (29)": sie sollten auch, ausgestattet mit einzigartiger Vollmacht, Gehilfen Gottes sein und an seiner Statt „des Amtes walten (30)": er nannte sie Freunde und Brüder (31); für sie hat er sich geheiligt, damit sie in Wahrheit geheiligt seien (32); er verhieß überreichen Lohn allen, die um des Gottesreiches willen Haus, Familie, Frau und Kinder verlassen würden (33). Ja er empfahl mit geheimnisvollen und Erwartung weckenden Worten noch eine vollkommenere Lebensweise (34), wo sich der Mensch auf Grund eines besonderen Charismas (35) dem Himmelreiche weiht durch die Jungfräulichkeit. Das Himmelreich ist der Grund, weshalb jemand dieser Gnadengabe Folge leistet (36). Ebenso ruft Jesus um des Himmelreiches (37), des Evangeliums (38) und des Namens Christi (39) willen die Apostel dazu auf, harte Mühen auf sich zu nehmen. Im Ertragen so vieler Widerwärtigkeiten mit ihm vereint, sollten sie inniger an seinem Schicksal teilhaben.

 

Paschamysterium, Quelle des Zölibats
 

23. Wer so von Jesus berufen ist, den drängt zur Erwählung der Jungfräulichkeit als einer erstrebenswerten Lebensform das Mysterium des neuen Lebens in Christus; es ist das Mysterium, das offenbar macht, was Christus dem Wesen nach ist und welche Würde ihm eignet; es ist die Zusammenfassung aller Ideale des Evangeliums und des Reiches Gottes, ein besonderes Zeichen der Gnade, die aus dem Paschamysterium des göttlichen Erlösers strömt. Die dieser Anregung folgen, tun das nicht allein, um an dem priesterlichen Amt Christi teilzuhaben, sondern auch, um sich zu der gleichen Lebensweise zu verpflichten.

 

Fülle der Liebe

 
24. Wer dem Ruf Gottes folgt, antwortet in Liebe der Liebe, die uns Christus in unaussprechlicher Weise erwiesen hat (40). Diese Antwort verbirgt sich geheimnisvoll in der besonderen Liebe Christi zu den Menschen, die er mit erhabenen Worten zu seiner Nachfolge berufen hat (41). Die Gnade vermehrt mit göttlicher Kraft das Drängen der Liebe, die, wenn sie echt ist, alles mit Liebe umfängt, fest und beständig ist und unwiderstehlich zu heldenmütigem Einsatz entflammt. Deshalb ist der frei erwählte Zölibat immer „als Zeichen und Antrieb für die Liebe (42)" geachtet worden: Zeichen einer Liebe ohne jeden Vorbehalt, und Antrieb zu einer Liebe, die für alle offensteht. Kann man wohl in einem Leben, das sich aus den angeführten Motiven heraus ganz den anderen hingibt, Zeichen von geistiger Enge und Egoismus erblicken, da es doch ein seltenes und überaus bezeichnendes Beispiel eines Lebens ist und sein muß, dessen Triebkraft und Nahrung die Liebe ist, durch die der Mensch seine erhabene Größe offenbar macht? Kann man wohl an der moralischen und geistlichen Vollendung eines solchen Lebens zweifeln, das in so hohem Grade nicht einem beliebigen, wenn auch noch so hohen Ideal geweiht ist, sondern Christus und seinem Werk, das der Erneuerung des Menschengeschlechtes an allen Orten und zu allen Zeiten gilt?

 

Aufforderung zu tieferer Durchdringung

 
25. In dieser biblischen und theologischen Sicht verbindet sich unser Priestertum als das seiner Diener mit dem Priestertum Christi; und aus dem Leben dessen, der sich klar und ausschließlich seinem Heilswerk hingegeben hat, nehmen wir Beispiel und Beweggrund für unsere Angleichung an die Form der Liebe und des Opfers Christi, des Erlösers. Diese Sicht scheint Uns so tief und fruchtbar an theoretischen und praktischen Wahrheiten zu sein, daß Wir nicht nur euch, ehrwürdige Brüder, und alle, die sich dem Studium der christlichen Lehre widmen, sondern auch die Lehrer des geistlichen Lebens und alle Priester, die fähig sind, ihr Amt in übernatürlichem Licht zu sehen, auffordern, weiterhin diese Sicht sorgfältig zu überdenken und ihre verborgenen und fruchtbaren Wirklichkeiten tiefer zu ergründen. In dieser klaren Schau wird sodann das Band zwischen Priestertum und Zölibat mehr und mehr sichtbar werden, das ebenso das Zeichen eines starken Geistes ist, wie es eine Liebe fordert, die einzig und ausschließlich auf Christus und seine Kirche gerichtet ist.

 

 

EKKLESIOLOGISCHE BEDEUTUNG

DES ZÖLIBATS

 

Darstellung des Ehebundes Christi und der Kirche
 

26. „Ergriffen von Christus (43)" und zur Ganzhingabe an ihn geführt, wird der Priester Christus auch durch jene Liebe ähnlicher, mit der der Ewige Priester seinen Leib, die Kirche, geliebt und sich ganz für sie hingegeben hat, um sie sich als herrliche, heilige und makellose Braut zu bereiten (44). Die gottgeweihte Jungfräulichkeit der Priester macht in der Tat die jungfräuliche Liebe Christi zu seiner Kirche und zugleich die übernatürliche Fruchtbarkeit dieses Ehebundes sichtbar, kraft deren die Kinder Gottes „nicht aus dem Blute und nicht aus dem Wollen des Fleisches (45)" geboren sind (46).

 

Das religiöse Leben des Priesters

 
27. Indem sich der Priester in voller, durch die Ganzhingabe leichter erlangter Freiheit dem Dienste Christi und seines Mystischen Leibes weiht, verwirklicht er in vollkommener Weise die innere Einheit und Harmonie seines Priesterlebens (47). Es wächst in ihm die Fähigkeit zum Hören des Wortes Gottes und zu innigem Gebet. Denn das von der Kirche gehütete Wort Gottes erweckt im Priester, der es täglich betrachtet, durch sein Leben anschaulich macht und den Gläubigen verkündet, einen sehr starken und tiefgehenden Widerhall.

 

Das Gebet des Priesters

 
28. Wie Christus erhält auch sein Diener, allein auf die Sache Gottes und der Kirche bedacht (48) und den Hohenpriester nachahmend, der immerdar lebt, um bei Gott Fürsprache für uns einzulegen (49), aus der aufmerksamen und frommen Verrichtung des göttlichen Öffiziums, in dem er seine Stimme der Kirche leiht, die zusammen mit Christus betet (50), beständige Freude und Anregung; ebenso erkennt er die Notwendigkeit des ununterbrochenen Gebetes, das überhaupt eine dem Priester eigene Aufgabe ist (51).

 

Der Dienst des Priesters, Quelle seiner Heiligung
 

29. Daraus empfängt auch das ganze übrige Leben des Priesters einen machtvollen Drang zur Heiligkeit. Deshalb erhält der Priester für die Aufgabe der Selbstheiligung, zu der er sich verpflichten muß, Anregung durch den Dienst an der Gnade und der Eucharistie, die „das gesamte geistliche Gut der Kirche enthält (52)". Der Priester, der ja in der Person Christi handelt, wird inniger mit der dar gebrachten Opfergabe verbunden, indem er sein ganzes Leben, das die Zeichen des Versöhnungsopfers an sich trägt, auf dem Altar darbringt.

 

In Christus erfülltes Leben
 

30. Was könnten Wir noch anführen über das Wachsen des Priesters an innerem Vermögen im Dienst, in der Liebe und eifervollen Hingabe an das ganze Volk Gottes? Christus hat von sich gesagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viele Frucht (53)"; und der Apostel Paulus zauderte nicht, sich täglich dem Tode auszusetzen, um durch die Gläubigen seinen Ruhm zu besitzen in Christus Jesus (54)". So erlangt der Priester, weil er täglich sich selbst stirbt und auf die an sich berechtigte Liebe zu Gattin und Kind um Christi und seines Reiches willen verzichtet, die Herrlichkeit eines in Christus ganz erfüllten und fruchtbaren Lebens, weil er ja wie Christus und in Christus alle Kinder Gottes liebt und sich für sie weiht.

 

Der Priester Abbild Christi

 
31. Da aber der Priester in der Gemeinde der ihm anvertrauten Gläubigen Christus darstellt, muß er unbedingt in seinem inneren Leben und in seinem priesterlichen Dienst in allem Christi Bild ausprägen und Christi Beispiel nachahmen. Denn der Priester ist seinen Kindern in Christus Zeichen und Unterpfand der erhabenen und neuen Wirklichkeit des Reiches Gottes, deren Verwalter er ist und die er in besonderer Weise besitzt. Zudem nährt der Priester den Glauben und die Hoffnung aller Christen, die als solche verpflichtet sind, das Gebot der Keuschheit je nach ihrem besonderen Stand zu beobachten.

 

Pastorale Wirksamkeit

 
32. Da außerdem der Priester im Zölibat durch einen neuen und erhabenen Titel Christus geweiht ist, vermag er, wie leicht einzusehen ist, auch im praktischen Leben mit höchster Wirksamkeit und bester Befähigung Denken und Streben der Seele anzuregen. So kann er beständig jene vollkommene Liebe üben (55), durch die er sich umfassender und eingehender allen zu widmen vermag (56) und durch die er ganz offensichtlich in größerer Freiheit und Verfügbarkeit sein Amt ausüben (57) und voll Liebe und Eifer in der Welt stehen kann, in die ihn Christus gesandt hat (58), damit er allen Kindern Gottes seine Schuldigkeit, mit der er ihnen verpflichtet ist, gleichsam auf Heller und Pfennig einlöse (59).

 
 

ESCHATOLOGISCHE BEDEUTUNG

DES ZÖLIBATS

 

Eschatologischer Ausblick

 
33. Das Reich Gottes, das „nicht von dieser Welt ist (60)", ist hier auf Erden im Mysterium verhüllt gegenwärtig und wird seine Vollendung erst bei der triumphalen Wiederkunft des Herrn Jesus erlangen (61). Keim und Anfang dieses Reiches aber ist die Kirche, die Schritt für Schritt und unbehindert dem vollendeten Reich zustrebt und mit allen Kräften nach der Vereinigung mit ihrem König in der Herrlichkeit verlangt (62).

 

Denn das Volk Gottes wandert als Pilger durch die Geschichte seinem himmlischen Vaterland zu (63), wo nicht nur die göttliche Kindschaft der Erlösten in vollem Licht sich offenbaren (64), sondern auch die verklärte Schönheit der Braut des göttlichen Lammes ewig erstrahlen wird (65).

 

Unterpfand der himmlischen Güter
 

34. Unser Herr und Meister hat gesagt: „Bei der Auferstehung heiraten sie nicht noch werden sie verheiratet,, sie werden vielmehr sein wie die Engel im Himmel (66)." In der menschlichen Gesellschaft, die zum großen Teil ganz von irdischen Sorgen beansprucht und allzu oft durch fleischliche Begierden verwirrt wird (67), ist die kostbare und beinahe göttliche Gabe der vollkommenen Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen wahrhaft „ein besonderes Zeichen der himmlischen Güter (68)". Sie kündigt ja die Gegenwart der letzten Heilszeit auf Erden mit der Entstehung einer neuen Welt an (69); sie nimmt gewissermaßen die Vollendung des Reiches voraus, dessen Güter, die einst in allen Gotteskindern aufleuchten werden, sie bekräftigt. Diese Gabe ist deshalb ein klares Zeugnis für die unentwegte Anstrengung, mit der das Volk Gottes dem letzten Ziel seiner irdischen Pilgerschaft zustrebt, und allen ein Ansporn, mit Eifer den Blick auf das Himmlische zu richten, „wo Christus zur Rechten Gottes sitzt" und wo auch „unser Leben mit Christus in Gott verborgen ist", bis es „mit ihm in der Herrlichkeit" offenbar werden wird (70).

 

II.
 

DER ZÖLIBAT

IM LEBEN DER KIRCHE

 

Freiwilliger Zölibat im christlichen Altertum
 

35. Es wäre zu weitläufig, wenngleich sehr lehrreich, die Schriften zu studieren, die im Laufe der Jahrhunderte über den kirchlichen Zölibat erschienen sind. So genüge folgender kurzer Hinweis. Im christlichen Altertum bezeugen die Väter und Kirchenschriftsteller, daß die Diener des Heiligtums im Morgen- und Abendland allenthalben den Zölibat aus eigenem Antrieb beobachtet haben (71), und zwar in der Überzeugung, daß er ihrem gefaßten Entschluß, sich Christus und der Kirche zu weihen, durchaus entspricht.

 

Rechtliche Fixierung im Westen

 
36. Diese Lebensform hat die abendländische Kirche seit dem Beginn des 4. Jahrhunderts durch verschiedene Provinzialsynoden und durch die Päpste bekräftigt, erweitert und bestätigt (72). Vor allem durch das Wirken dieser Hirten und Lehrer der Kirche, der Hüter und Deuter des kostbaren Glaubensschatzes und der christlichen Sittenordnung, wurde die Übung des Zölibats in den folgenden Jahrhunderten gefördert, verteidigt und erneuert, und das auch in solchen Zeiten, wo der Priesterstand selbst und der Verfall der Sitten für Tugend und Heroismus nicht günstig waren. Die Verpflichtung zum Zölibat wurde dann von dem Ökumenischen Konzil von Trient feierlich aufgestellt (73) und schließlich in das Gesetzbuch des Kanonischen Rechtes aufgenommen (74).

 

Die Lehre der letzten Päpste

 
37. Gerade die letzten Päpste setzten ihren glühenden Eifer und ihre vorzügliche Lehrweisheit ein, um die Priester über den Zölibat zu unterweisen und sie zu seiner Befolgung anzuspornen (75). Hier mochten Wir einen besonderen Erweis der Pietät Unserem unmittelbaren Vorgänger gegenüber bekunden, der in den Herzen der Menschen noch weiterlebt.

Er hat auf der Römischen Diözesansynode vor den versammelten Vertretern der Stadt Rom und unter deren Beifall erklärt „Vor allem betrübt es Uns, daß manche irrtümlich wähnen, die katholische Kirche habe vor oder halte es für angebracht, das Gesetz des kirchlichen Zölibats abzuschaffen, das Jahrhunderte hindurch der herrliche und strahlende Schmuck des Priestertums war und ist. Das Gesetz des Zölibats und die Sorge um seine treue Beobachtung erinnern immer wieder an die denkwürdigen und berühmten Auseinandersetzungen jener Zeiten, in denen die Kirche Gottes hart zu kämpfen hatte und einen dreifachen Sieg davontrug: denn es ist das Kennzeichen für den Sieg der Kirche Christi, alle Kräfte aufzubieten, um frei, rein und katholisch zu sein (76)."

 

Praxis der Ostkirche

 
38. Wenn in der Ostkirche andere Gesetze bezüglich der Übung des Zölibats in Kraft sind, die das Trullanum im Jahre 692 bestätigt (77) und neuerdings das Zweite Vatikanische Konzil öffentlich anerkannt hat (78), so ist das gewiß anderen sachlichen und örtlichen Gegebenheiten zuzuschreiben, die auf diesen erlesenen Teil der katholischen Kirche Einfluß hatten; und Wir sind fest davon überzeugt, daß in dieser geschichtlichen Entwicklung die Vorsehung und übernatürliche Mitwirkung des Heiligen Geistes gewaltet hat.

Gern wollen wir diese Gelegenheit benutzen, dem gesamten Klerus der orientalischen Kirchen Unsere Wertschätzung und Hochachtung auszudrücken und in ihm die Beispiele der Treue und des Hirteneifers anzuerkennen, die ihn aufrichtiger Verehrung würdig machen.

 

Zeugnisse orientalischer Väter

 
39. Gleichwohl ermutigt und drängt Uns der Lobpreis, den die orientalischen Väter der Jungfräulichkeit zollen, auf der Beobachtung des Zölibats zu beharren. In Unserem Herzen klingt — um nur ein Beispiel anzuführen — das Wort des heiligen Gregor von Nyssa wider, das Uns daran erinnert, daß „das jungfräuliche Leben das Bild jener Glückseligkeit ist, die uns in der zukünftigen Welt erwartet (79)". Und nicht weniger erbaut und stärkt Uns das Loblied, das der heilige Johannes Chrysostomus dem Priestertum widmet und das Wir heute noch in unablässiger Betrachtung überdenken; denn es geht klar daraus hervor, wie sehr zwischen dem privaten Leben des Dieners des Altares und der auszeichnenden Würde, die ihm zur Erfüllung seiner heiligen Aufgaben verliehen ist, vollkommene Übereinstimmung herrschen muß: „. . . es ziemt sich, daß derjenige, der zum Priestertum aufsteigt, so rein ist, als lebte er im Himmel (80)."

 

Zölibat in der Gesetzgebung der Ostkirche

 
40. Außerdem ist es nicht überflüssig zu beachten, daß auch im Osten nur unverheiratete Priester zu Bischöfen geweiht werden und daß es den Priestern nach ihrer Weihe verwehrt ist, eine Ehe einzugehen. Das macht doch deutlich, daß auch diese verehrungswürdigen Kirchen einen gewissen Raum lassen für den Gedanken einer Verbindung von Priestertum und Zölibat oder doch seine Angemessenheit für das christliche Priestertum, dessen höchste Stufe und Vollendung die Bischöfe besitzen (81).

 

Festhalten am Zölibat

 
41. Wie dem auch sei: die abendländische Kirche kann nicht wanken in der Treue zu ihrer alten Überlieferung; und es ist undenkbar, daß sie durch so viele Jahrhunderte einem Weg gefolgt wäre, auf dem sie irgendwie die größere Heiligkeit und Tugend der einzelnen Seelen und des Volkes Gottes eher beeinträchtigt als gefördert hätte, oder daß sie durch übertriebene und allzu strenge Gesetze die freie Entfaltung der verborgenen Güter der Natur und Gnade gehemmt hätte.

 

Sonderfälle

 
42. Kraft der grundlegenden Norm, die Wir oben für die Leitung der katholischen Kirche angegeben haben (82), müssen hier zwei Dinge festgestellt werden: einerseits bleibt das Gesetz, das denen, die zu den heiligen Weihen zugelassen werden, auferlegt, den Zölibat aus freier Entscheidung und auf Lebensdauer zu erwählen, in seiner Rechtskraft unverändert; andererseits ist es erlaubt, die besondere Situation der verheirateten Diener des Heiligtums zu beachten, die Kirchen oder christlichen Gemeinschaften angehören, welche noch von der katholischen Einheit getrennt sind, wenn diese nach der vollen Teilhabe an dieser Einheit und nach dem priesterlichen Dienst streben und nun zur Ausübung des Priesteramtes bestellt werden sollen; aber auch das muß in einer Weise geschehen, daß dadurch der festgelegten Einrichtung des Zölibats kein Schaden entsteht.

Daß übrigens die Oberhirten der Kirche durchaus bereit sind, eine solche Vollmacht anzuwenden, davon zeugt die Anordnung des letzten Ökumenischen Konzils, daß der Diakonat auch Männern reifen Alters, die in der Ehe leben, übertragen werden kann (83).

 

Zurückweisung von Mißverständnissen

 
43. Aber das alles bedeutet nicht eine Lockerung dieser Disziplin, die schon so lange besteht und darf auch nicht als Vorspiel für ihre Abschaffung verstanden werden. Deshalb darf man keiner Meinung folgen, die in den Seelen die Liebeskraft schwächt, aus der dem Zölibat Festigkeit und Freude erwächst, und die sogar die rechte Lehre verdunkelt, die den Zölibat begründet und verherrlicht; vielmehr sollte man solche wissenschaftlichen Untersuchungen fördern, die den erhabenen Begriff und die sittliche Kraft der Jungfräulichkeit und des Zölibats vor jeder Verkennung bewahren (84).

 

Vertrauen auf das verliehene Charisma
 

44. Denn die Jungfräulichkeit muß als eine besondere Gnadengabe anerkannt werden. Aber die gesamte Kirche unserer Zeit, rechtmäßig gegenwärtig in allen ihrer heiligen Pflicht bewußten Hirten, hat, bei allem Festhalten an der Gewohnheit der orientalischen Kirchen — wovon Wir schon sprachen —‚ ihr festes Vertrauen im Heiligen Geist ausgesprochen, „daß der Vater die Berufung zum ehelosen Leben, das ja dem neutestamentlichen Priestertum so angemessen ist, im Heiligen Geist freigebig verbleiben wird, wenn nur diejenigen, die durch das Sakrament der Weihe am Priestertum Christi teilhaben, zusammen mit der ganzen Kirche demütig und inständig darum bitten (85)".

 

Gebet um Priesterberufe
 

45. Im Blick auf das ganze Volk Gottes rufen wir es dazu auf, in Erfüllung seiner Pflicht, möglichst viele Seelen für das Priestertum zu gewinnen (86), den Vater aller, den göttlichen Bräutigam der Kirche und den Heiligen Geist, die Seele der Kirche, inständig anzuflehen, daß auf die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, der Mutter Christi und Mutter der Kirche, gerade in unserer Zeit diese göttliche Gabe, die der Vater bestimmt keinem Bittenden verweigert, in Fülle ausgegossen werde und daß sich die Seelen durch einen tiefen Glauben und eine hochherzige Liebe dafür bereitmachen. Und so mögen die Priester in unserer heutigen Welt, die der Herrlichkeit Gottes bedarf (87), durch ihre Lebensweise von Tag zu Tag immer mehr dem Bilde des einzigen Hohenpriesters gleichgestaltet werden und als strahlendes Licht der Ruhm Christi sein (88); durch sie möge „die Herrlichkeit der Gnade Gottes" auf der ganzen Welt glorreich offenbar werden (89).

 

Notwendigkeit geistlicher Ideale in unserer Zeit

 
46. Ja, ehrwürdige und geliebte Brüder im Priestertum, die Wir euch alle „innigst in Jesus Christus" lieben (90), unsere heutige Welt, die zwar infolge des technischen Fortschritts und der Wandlung der Lebensverhältnisse von einer schweren Krise erschüttert wird, aber dennoch mit Recht stolz sein kann auf namhafte Erfolge des menschlichen Fleißes, bedarf unbedingt des Zeugnisses derer, die sich ganz den heiligen und höchsten Idealen hingeben, damit auch unsere Zeit nicht des wunderbaren, ja göttlichen Lichtes für den menschlichen Geist entbehrt, der nach dem Höchsten strebt.

 

Der Herr der Ernte

 
47. Unser Herr Jesus Christus zögerte nicht, die übermenschliche Aufgabe, überall das Evangelium zu verkünden, einigen wenigen Männern anzuvertrauen, von denen niemand angenommen hätte, daß sie ihrer Zahl und Fähigkeit nach der Sache gewachsen gewesen wären. Doch er gebot der so kleinen Herde, sich nicht zu fürchten (91), da sie mit ihm und durch ihn, das heißt mit seinem immer gegenwärtigen Beistand (92), den Sieg über die Welt erringen würde (93). Außerdem hat uns Jesus darauf hingewiesen, daß das Reich Gottes durch seine innere und verborgene Kraft fähig ist, zu wachsen und zu reifen, ohne daß der Mensch es weiß (94). Dieses Reiches „Ernte ist zwar groß, der Arbeiter aber sind — jetzt wie am Anfang — wenige", ja sie sind niemals so zahlreich gewesen, daß ihre Zahl nach menschlichem Urteil ausreichend erschienen wäre. Aber der himmlische König fordert unser Gebet, daß „der Herr der Ernte Arbeiter in seine Ernte sende (95). In diesem Anliegen darf man die Überlegungen menschlicher Klugheit nicht über die geheimnisvolle Weisheit Christi stellen, der in seinem Heilswerk immer die Weisheit und Macht des Menschen durch seine Torheit und Schwachheit zunichte gemacht hat (96).

 

Gläubiges Vertrauen
 

48. Daher bringen wir, gestützt auf die Kraft des Glaubens, nun die Überzeugung der Kirche zum Ausdruck: wenn sie mit freudigem Eifer und größerer Beständigkeit der göttlichen Gnade Folge leistet, wenn sie aufgeschlossener und starker auf deren geheimnisvolle und unbesiegbare Macht vertraut, wenn sie endlich vor aller Welt und ohne Vorbehalt für das Christusmysterium Zeugnis gibt, hat sie die Sicherheit, daß sie stets ihr erhabenstes Amt, der ganzen Welt das Heil zu bringen, allen menschlichen Berechnungen und falschen Vorstellungen zum Trotz erfüllen wird. Jeder muß wissen, daß er alles in dem vermag, der allein den Seelen die Kraft (97) und seiner Kirche das Wachstum gibt (98).

 

Ursachen des Priestermangels
 

49. Aber Wir lassen Uns nicht leicht überzeugen, daß mit der Aufhebung des kirchlichen Zölibats von selbst die Zahl der Priesterberufe sogleich sehr wachsen wurde In unserer Zeit scheint die Erfahrung der Kirchen und anderer religiöser Gemeinschaften, die ihren Amtsträgern die Ehe erlauben, für das Gegenteil zu sprechen. Die Gründe für die Abnahme der Priesterberufe sind vielmehr anderswo zu suchen. Denn sie liegen, um einige Beispiele anzuführen, darin, daß in den einzelnen Menschen und in den Familien der Sinn für das Göttliche und Heilige verloren, fast erloschen ist, sie liegen auch in der Geringschätzung und Mißachtung der Kirche, die doch kraft ihres Amtes durch Glaube und Sakramente für das Heil der Menschen Sorge trägt. Darum muß dieses Problem in seiner Wurzel untersucht werden.

 
 

III.
 

DER ZÖLIBAT

UND DIE MENSCHLICHEN WERTE

 

Zölibat und Liebe
 

50. Wie Wir bereits angeführt haben (99), weiß die Kirche sehr wohl, daß die Wahl der Ehelosigkeit große Schwierigkeiten und Probleme mit sich bringt, da sie ja viele Verzichte auferlegt, die den Menschen zutiefst berühren; vor allem der heutige Mensch wird von diesen Schwierigkeiten beunruhigt. Es könnte nämlich scheinen, daß der Zölibat nicht im Einklang stehe mit der großartigen Anerkennung, die die Kirche während des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils den menschlichen Werten bekundet hat Aber bei aufmerksamerer Betrachtung wird klar, daß die Priester, die um der Liebe Christi willen auf die menschliche Liebe verzichten, die die Eheleute in ihrer Familie genießen, in Wahrheit viel zur Wurde dieser Liebe beitragen. Es ist ja allgemein anerkannt, daß zu allen Zeiten die Menschen Gott solche Opfer dargebracht haben, die des Gebers wie des Empfängers würdig waren.

 

Gnade und Natur
 

51. Im übrigen kann und darf die Kirche nicht vergessen, daß der junge Mann bei der Wahl des Zölibats — sofern er sie mit der Klugheit und dem Pflichtgefühl, die ihm als Mensch und als Christ eigen sein müssen, tätigt — von der göttlichen Gnade geleitet wird, die die Natur nicht zerstört und ihr nicht Gewalt antut, sondern sie vielmehr vollendet und ihr übernatürliche Fähigkeiten und Kräfte verleiht. Denn da Gott als Schöpfer und Erlöser um die den Menschen auferlegte Bürde weiß, bietet er ihm die notwendige Hilfe, damit der Mensch verwirklichen kann, was sein Schöpfer und Erlöser von ihm verlangt. Denn, so sagt der heilige Augustinus, der die menschliche Natur aus eigener Erfahrung gründlich und schmerzlich kennengelernt hat: „Gib, was du befiehlst, und befiehl, was du willst (100)."

 

Rechte Bewertung der Schwierigkeiten

 
52. Es ist für den Priester sehr nützlich, ja notwendig, die tatsächlichen Schwierigkeiten des Zölibats in ehrlichem Urteil zur Kenntnis zu nehmen und sich so der Forderungen, die damit an ihn herantreten, klar bewußt zu werden, damit der Zölibat wirklich eine Kraftquelle und für ihn selbst und die anderen Menschen nützlich sein kann. Andererseits ist die gleiche ehrliche Überlegung notwendig, um diesen Schwierigkeiten nicht mehr Bedeutung und Gewicht beizumessen als den menschlichen und religiösen Verhältnissen, in denen die Priester normalerweise leben, und sie nicht als unlosbar zu betrachten

 

Der Zölibat nicht unnatürlich

 
53. Nach allem, was die Wissenschaftler heute festgestellt haben, ist es ungerecht, weiterhin zu behaupten (101), der Zölibat sei gegen die Natur, als stehe er im Gegensatz zu den berechtigten physischen, psychischen und affektiven Bedürfnissen, deren Befriedigung notwendig sei, um den Menschen in jeder Beziehung zur vollen Entfaltung zu bringen. Der nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffene Mensch (102) ist nicht nur Fleisch, und der Geschlechtstrieb ist nicht das Vorherrschende in ihm; der: Mensch ist auch, ja vor allem, Vernunft, Wille und Freiheit; kraft dieser Fähigkeiten ist er das Haupt des Alls und muß sich selbst als solches betrachten; denn gerade durch diese Fähigkeiten hat der Mensch gelernt, die physischen, psychischen und affektiven Begierden zu zügeln.

 

Der tiefere Beweggrund

 
54. Der wahre und tiefere Beweggrund für den Zölibat beruht — wie Wir bereits gesagt haben — darauf, daß der Priesterkandidat sich zum Nutzen der gesamten Menschheit dem Mysterium Christi und der Kirche enger und rückhaltloser verpflichtend verbinden will. Zweifellos können bei dieser Wahl die erhabensten menschlichen Werte voll und ganz entfaltet werden.

 

Vollendung echten Menschentums

 
55. Deshalb fordert die Wahl des Zölibats keineswegs eine Nichtbeachtung oder Geringschätzung des Geschlechtstriebes und des Gefühlslebens —was sicher dem physischen und psychischen Gleichgewicht zum Schaden wäre —‚ sie erfordert vielmehr eine klare Einsicht, eine aufmerksame Selbstzucht und eine weise Erhebung der Seele zu einem höheren Ideal. Auf diese Weise trägt der Zölibat, da er den Menschen zu einer wunderbaren Würde erhöht, wahrhaft zur Vollendung des Menschseins und zur höchsten Entfaltung des Tugendlebens bei.

 

Reifung der Persönlichkeit

 
56. Zugegeben, daß das natürliche und rechtmäßige Verlangen des Mannes nach Frau und Kindern von dem, der an das Zölibatsgesetz gebunden ist, hintangesetzt wird es ist aber entschieden abzulehnen, daß Ehe und Familie die einzige und notwendige Lebensform zur Erlangung der vollen menschlichen Reife sind. Im Herzen des Priesters wird die Liebe nicht ausgelöscht. Denn die aus der reinsten Quelle (103) gespeiste Liebe, die in der Nachahmung Gottes und Christi bewahrt wird, fordert — ganz wie jede echte Liebe — vieles vom Priester und drängt ihn zum Werk (104). Dazu dehnt die Liebe ihr Betätigungsfeld ins Grenzenlose aus; sie vertieft und verstärkt — das klare Zeichen eines reifen Charakters — das Verantwortungs- bewußtsein dem übernommenen Amt gegenüber; sie bildet im Priester die starken und zarten Gefühle aus (105), die Zeichen einer höheren und fruchtbareren Vaterschaft sind und ihn in überströmendem Maße bereichern.

 

Zölibat und Ehe
 

57. Das ganze Volk Gottes muß Zeugnis geben für das Mysterium Christi und sein Reich; aber die Art des Zeugnisses ist unterschiedlich. Den verheirateten Laien trägt die Kirche auf, in einem des christlichen Namens würdigen Ehe- und Familienleben treu und vorbehaltlos Zeugnis abzulegen; von den Priestern verlangt sie das Zeugnis eines Lebens, das ganz auf der Betrachtung des kommenden Gottesreiches und seiner Freuden und auf der Sorge für dieses Reich beruht.
 

Wenn der Priester den Ehestand auch nicht aus unmittelbarer und persönlicher Erfahrung kennenlernt, kann er dennoch auf Grund seiner Bildung, seines priesterlichen Amtes und der von Gott seinem Stand verheißenen Gnade einen sogar noch tieferen Einblick in die ganze menschliche Natur haben. So vermag er nicht nur alle diese Probleme genau zu durchschauen und ihren Ursprung zu erkennen; er kann auch den Eheleuten und christlichen Familien mit seinem Rat tatkräftig beistehen (106). Denn der Priester, der hochherzig nach dem Gesetz des Zölibates lebt, wird für die christlichen Eheleute ein klarer Beweis dafür sein, daß die menschliche Liebe, die dieses Namens würdig ist, reich ist an kraftvollen geistlichen Werten; darüber hinaus wird er durch sein persönliches Opfer den christlichen Eheleuten die Gnade einer wahrhaft inneren Verbundenheit verdienen.

 

Erfüllte Einsamkeit

 
58. Wir leugnen zwar nicht, daß der Priester durch den Zölibat ein einsamer Mensch ist. Aber seine Einsamkeit darf nicht für öde und leer gehalten werden, denn sie ist von Gott und dem unermeßlichen Reichtum seines himmlischen Reiches erfüllt. Überdies hat sich der Priester darauf vorbereitet, diese Einsamkeit, die innerlich und äußerlich von der Liebe erfüllt sein muß, zu ertragen, wenn er sie mit Bedacht erwählt hat, und zwar nicht etwa, um sich hochmütig von den anderen Menschen fernzuhalten; nicht, um sich schweren, allgemeinen Verpflichtungen zu entziehen; nicht, um sich von seinen Brüdern abzusondern, oder weil er die Welt verachtet. Denn, ausgesondert aus der Welt, ist der Priester dennoch keineswegs vom Volke Gottes getrennt, er ist ja „für die Menschen bestellt (107)", gänzlich der Übung der Liebe (108) geweiht und „dem Werk, zu dem ihn Gott erwählt hat"(109).

 

Teilhabe an der Einsamkeit Christi
 

59. Bisweilen kann die Einsamkeit schwer auf dem Priester lasten; aber er wird deshalb keineswegs bereuen, diese Lebensweise hochherzig erwählt zu haben. Selbst Christus war in den schwersten Augenblicken seines Lebens allein und von denen verlassen, die er als Zeugen und Gefährten seines Lebens erwählt und „bis zum Ende" geliebt hatte (110); dennoch sprach er: „Ich bin nicht allein, denn der Vater ist mit mir (111)." Wer sich in freier Wahl ganz Christus hingegeben hat, wird in der Vertrautheit mit ihm und in seiner Gnade vor allem die Kraft finden, alle Traurigkeit zu vertreiben und jede Niedergeschlagenheit und Entmutigung zu überwinden; auch wird ihm nicht der liebevolle Schutz der jungfräulichen Gottesmutter und die mütterliche Sorge der Kirche fehlen, der er sich geweiht hat, noch die Fürsorge seines Bischofs, der ihm in der Gnade Christi Vater ist; ebenso wird ihm nicht das innige Band treuer Freundschaft mit den Mitbrüdern im Priesteramt noch die an Trost so reiche Liebe des ganzen Volkes Gottes mangeln. Und wenn Abneigung, Argwohn und Feindseligkeit dem Priester bisweilen das Leben in Einsamkeit bis zum Überdruß schwermachen, so wird er wissen, daß er dadurch in eindrucksvollster Wirklichkeit an dem Schicksal Jesu Christi teilhat; wie der wahre Apostel, der nicht „größer als der, der ihn gesandt hat (112)", sein kann, und der Freund, dem der göttliche Freund die geheimsten, von Schmerz und Freude erfüllten Tiefen seines Herzens geoffenbart hat; von ihm ist er ja auserwählt, geheimnisvolle Früchte des Lebens zu bringen, während er ein Leben führt, das das Bild des Todes an sich trägt (113).

 
 

ZWEITER TEIL
 

I.

 
PRIESTERAUSBILDUNG

 

Geeignete Priesterausbildung

 
60. Aus den Gedanken, die Wir über die Schönheit, die Würde und die innere Angemessenheit der Jungfräulichkeit für die Diener Christi und der Kirche dargelegt haben, erwächst denen, die das Amt des Lehrers und Hirten bekleiden, die überaus schwere Pflicht, mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß die Jungfräulichkeit schon von der Zeit der Vorbereitung auf den Empfang dieser herrlichen Gnadengabe an wirklich gepflegt wird.

Die Schwierigkeiten und Belastungen, die einigen Priestern die Beobachtung des Zölibats schwer oder geradezu unmöglich machen, entspringen nicht selten einer Priesterausbildung, die angesichts der Wandlungen der Verhältnisse ganz unzureichend ist, um einen „Mann Gottes (114)" würdig heranzubilden.

 

Ausführung der Konzilsvorschriften

 
61. Deshalb haben die Väter des Zweiten Ökumenischen Vatikanischen Konzils bereits weise Richtlinien und Vorschriften angegeben, die mit dem Fortschritt der Psychologie und Pädagogik im Einklang stehen und auch auf die in unserer Zeit stark veränderten Lebensbedingungen des einzelnen Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft abgestimmt sind (115). Es ist darüber hinaus Unser Wille, daß baldmöglichst gesetzliche Normen geschaffen werden, in denen dieses Thema unter Heranziehung von Fachleuten in angemessener Ausführlichkeit behandelt wird, um denen, die in der Kirche die schwere Aufgabe übernommen haben, die Priesterkandidaten auszubilden, alsbald eine geeignete Hilfe zu bieten.

 

Geforderte Eigenschaften des Priesterkandidaten

 
62. Das Priestertum ist ein Amt, das von Christus Jesus. zum Dienst an seinem mystischen Leib, der Kirche, eingesetzt ist. Deshalb ist es auch Aufgabe der kirchlichen Obern, nur diejenigen zum Priestertum zuzulassen, die sich nach ihrem Urteil dafür eignen, nämlich solche, denen Gott neben den anderen Zeichen der Berufung zum heiligen Dienst auch das Charisma des Zölibats gewährt hat (116).
 

Kraft dieser Gnadengabe, die vom Kanonischen Recht bestätigt wird, wird der Mensch aufgerufen, aus freiem Willen und mit seiner Ganzhingabe dem Rufe Gottes Folge zu leisten und der göttlichen Autorität Geist und Gewissen zu unterwerfen. Gott beruft tatsächlich nur eine Persönlichkeit, die im Vollbesitz ihrer Fähigkeiten ist, deren Freiheit die himmlische Gnade keineswegs aufhebt. In den Priesterkandidaten also muß die Bereitschaft gepflegt werden, die göttliche Gnadengabe mit gelehrigem Herzen in sich aufzunehmen, für den Ruf Gottes sich bereit zu halten und in erster Linie auf die übernatürlichen Gnadenhilfen zu vertrauen.

 

Prüfung der physischen und psychischen Veranlagung
 

63. Aber man muß auch dem physischen und psychischen Zustand des Kandidaten Rechnung tragen, um ihn in angemessener Weise zu dem Ideal des Priestertums hinführen und anleiten zu können. Damit die Erziehung des Kandidaten, dessen wirkliche geistige Anlagen und Fähigkeiten bereits voll und ganz erkannt worden sind, ihr Ziel tatsächlich erreicht, muß deshalb das Wachstum der göttlichen Gnade mit dem der Natur harmonisch zusammengehen. Die geistigen Anlagen müssen mit größter Gewissenhaftigkeit geprüft werden, sobald sich Anzeichen der Berufung zum Priestertum zeigen. Dabei darf sich niemand auf ein voreiliges und oberflächliches Urteil verlassen; deshalb soll auch ein Arzt, oder, um das griechische Wort zu gebrauchen, ein Psychologe herangezogen werden, um bei dieser Prüfung mitzuwirken. Man wird auch nicht auf eine genaue anamnetische Nachforschung verzichten dürfen, um die Eignung des Kandidaten für das Priestertum auch unter der sehr wichtigen Berücksichtigung der Erbfaktoren zu prüfen.

 

Ausschließung Ungeeigneter

 
64. Denen aber, die in körperlicher, geistiger und moralischer Hinsicht wenig geeignet erscheinen, muß man sofort vom priesterlichen Beruf abraten. Die Erzieher müssen sich in diesem Punkt ihrer ernsten Pflicht bewußt sein. Sie sollen keine eitle Hoffnung und gefährliche Zuversicht hegen noch in irgendeiner Weise zulassen, daß die Alumnen zum großen Schaden für sich und die Kirche solche Hoffnungen nähren. Denn da die Lebensweise des ehelosen Priesters innerlich und äußerlich einen so vollständigen Einsatz für den Dienst Gottes und eine so große Klugheit erfordert, schließt sie einen Kandidaten, dessen Gaben in physischer, psychischer und moralischer Hinsicht nicht genügen, aus; und man darf nicht erwarten, daß in diesen Dingen die göttliche Gnade ersetzen wird, was der Natur fehlt.

 

Persönlichkeitsbildung

 
65. Sobald die Eignung des Kandidaten feststeht und man ihm den Weg zum Priestertum freigegeben hat, wird man eifrig dafür sorgen müssen, daß er durch eine entsprechende leibliche, geistige und sittliche Erziehung nach und nach die vollkommene Entfaltung seiner Persönlichkeit bis zu dem Grade erreicht, daß er die natürlichen Anlagen, die Gefühle und Triebe in Schranken zu halten und zu beherrschen vermag.

 

Notwendige Lebensordnung
 

66. Diese angemessene Erziehung erhält ihre Bestätigung durch die Seelenstärke, mit der jemand aus freien Stücken die persönliche und gemeinschaftliche Lebensordnung, die ein Erfordernis des Priesterlebens ist, annimmt. Man muß bedauern, wenn eine solche Lebensordnung fehlt oder unzureichend ist, was große Gefahren mit sich bringt; sie darf nicht wie eine von außen auferlegte Last getragen werden, sondern muß als notwendiger Bestandteil des geistlichen Lebens in die innere Haltung aufgenommen und eingefügt werden.

 

Ziel der Erziehung
 

67. Die ganze Erziehung muß darauf ausgehen, die jungen Menschen zur Aufrichtigkeit, einer wesentlich evangelischen Tugend (117), und zu selbständigem Handeln anzuregen. Das wird geschehen, wenn sie jede gute Initiative fördert, die dazu geeignet ist, daß der junge Mensch sich selbst kennen und seine Kräfte richtig einschätzen lernt; daß er lernt, seine Bürde bewußt auf sich zu nehmen und jene Selbstbeherrschung zu erwerben, die in der Priesterbildung von größter Bedeutung ist.

 

Lebensnahe Erziehung
 

68. Die Autorität, deren Hauptgrundsätze immer zu bewahren sind, soll in weiser Maßhaltung, seelsorglichem Geist und dialogisch vorgehen. Sie soll auch die Alumnen allmählich praktisch einüben, so daß der Erzieher den Geist des jungen Menschen durchschauen kann und die Erziehung selbst durch das ihr wesentliche Merkmal, der Selbsttätigkeit, bestimmt ist, und damit ebenso der Kandidat angeregt wird, selbstverantwortlich zu handeln.

 

Wahrheitsgetreue Belehrung
 

69. Die gesamte vollständige Ausbildung des Priesterkandidaten muß auf eine ruhige, bewußte und freie Wahl der schweren Aufgaben zielen, die er einmal mit größter Gewissenhaftigkeit vor Gott und der Kirche übernehmen muß.
 

Begeisterung und Hochherzigkeit sind bewundernswerte Vorzüge der Jugend; wenn sie richtig ausgebildet und befestigt werden, gewinnen sie ihr nicht nur den himmlischen Schutz, sondern auch die Bewunderung und das Vertrauen der Kirche, ja aller Menschen. Den jungen Menschen, die diese Lebensform erwählen, soll man keine der wirklichen persönlichen und sozialen Schwierigkeiten, die sie später aus Erfahrung kennenlernen werden, verhehlen, damit ihre Begeisterung nicht flüchtig und oberflächlich dahinschwindet. Aber es wird angebracht sein, zugleich mit den Schwierigkeiten auch den erhabenen Vorzug des erwählten Lebens ebenso ehrlich und deutlich in seinem Lichte darzustellen. Schafft dieses Leben körperlich und geistig auch eine gewisse Leere im Menschen, so schenkt es ihm nichtsdestoweniger eine geistliche Fülle, so groß, daß sie fähig ist, das Leben des Priesters ganz und gar zu ergreifen und zum höchsten Gipfel der Vollkommenheit emporzuführen.

 

Priesterliche Aszese

 
70. Die jungen Leute sollen überzeugt sein, daß sie diesen steilen Weg nicht zu gehen vermögen ohne eine besondere Aszese, die den Anwärtern für das Priestertum eigen ist und die allgemeinen aszetischen Verpflichtungen aller übrigen Christgläubigen übertrifft.

Wir meinen eine zwar strenge, aber nicht niederdrückende Aszese, die im Zusammenhang mit der bewußten und beharrlichen Übung jener Tugenden stehen soll, durch die sich der Priester von den anderen Menschen unterscheiden muß, nämlich: vollkommene Ganzhingabe — eine notwendige Bedingung für die Nachfolge Christi (118); Demut und Gehorsam, Zeichen innerer Wahrhaftigkeit und richtig gelenkter Freiheit; Klugheit und Gerechtigkeit, Stärke und Maßhaltung, ohne die ein echt religiöses und beispielhaftes Leben nicht möglich ist; ein ausgeprägtes Verantwortungsbewußtsein; Treue und Redlichkeit in der Führung der Amtspflichten; Harmonie zwischen dem tätigen und beschaulichen Leben; innere Freiheit vom Irdischen und Liebe zur Armut, die der evangelischen Freiheit Kraft und inneren Wert verleiht; mit unausgesetzter Bemühung in schöner Harmonie mit allen anderen natürlichen und übernatürlichen Tugenden errungene Keuschheit; Heiterkeit des Geistes und Sicherheit im Verkehr mit den Menschen, um derentwillen sich der Priesterkandidat dereinst Christus und seinem Reiche weihen will.

Auf diesem Wege wird sich der Priesterkandidat mit der Gnade Gottes zu einer ausgeglichenen, starken und reifen Persönlichkeit entwickeln; seine natürlichen Kräfte werden mit den erworbenen Tugenden im Einklang stehen, und alle Fähigkeiten werden sich wunderbar verbinden im Lichte des Glaubens und in der Einheit mit Christus, der ihn für seinen Dienst und den Dienst für das Heil des Menschengeschlechtes erwählt hat.

 

Erprobung des Zölibats

 
71. Aber um größere Sicherheit bezüglich der Eignung eines jungen Mannes für das Priestertum und um Beweise zu erhalten, daß er zu menschlicher und übernatürlicher Reife gelangt ist — „denn in der Seelsorge ist es wegen der äußeren Gefahren noch schwerer, einen vollkommenen Lebenswandel zu führen (119)" —‚ muß die Beobachtung des Zölibats von Zeit zu Zeit erprobt werden, bevor sie durch die Priesterweihe fest und endgültig wird (120).

 

Zölibat Quelle der Freude
 

72. Ist nach Kräften der Erweis erbracht, daß die Reife des Priesterkandidaten genügend gefestigt ist, dann wird er es wirklich vermögen, die schwere und doch sanfte Last der priesterlichen Keuschheit als Ganzhingabe an Christus und seine Kirche auf sich zu nehmen.

 
So wird der Alumne, angeregt von der göttlichen Gnade, das Gesetz des Zölibats, das nach dem Willen der Kirche tatsächlich mit der Priesterweihe verbunden ist, mit voller Bewußtheit und innerer Freiheit auf sich nehmen, selbstverständlich nicht ohne den klugen und weisen Rat bewährter Lehrer des geistlichen Lebens, denen es obliegt, die wichtige und freie Wahl nicht als Last aufzuerlegen, sondern bewußter zu machen. Und in dem feierlichen Augenblick, der über sein ganzes künftiges Leben entscheidet, wird der Kandidat dann nicht die Schwere einer von außen auferlegten Last empfinden, sondern vielmehr aus der um der Liebe zu Christus willen getroffenen Wahl große Freude schöpfen.

 

II.

 
DAS PRIESTERLEBEN

 

Beständiges Ringen

 
73. Der Priester darf durchaus nicht meinen, die Priesterweihe mache ihm alles leicht und schütze ihn für immer vor jeder Versuchung oder Gefahr. Die Keuschheit erwirbt man nicht ein für allemal, sondern sie ist eine Tugend, die in großer Mühe und täglicher Übung errungen wird. Unsere Zeit unterstreicht stark den positiven Wert der Liebe in ihrer Beziehung zwischen den Geschlechtern, hat aber leider auch die Schwierigkeiten und Gefahren auf diesem Gebiet vervielfältigt. Um das Gut der Keuschheit mit aller Sorgfalt zu hüten und die erhabene Würde dieser Tugend ohne Rückhalt zu bezeugen, muß der Priester seine Situation klar und ruhig erwägen, das heißt er muß wissen, daß er dem geistlichen Kampf gegen die Verlockungen der Begierden in sich selbst und in der Welt ausgesetzt ist; er muß außerdem unablässig den Vorsatz erneuern, mehr und mehr seine unwiderrufliche Selbsthingabe, die ihn zu vollkommener und aufrichtiger Treue verpflichtet, zu verwirklichen.

 

Hilfe durch Gebet und Aszese

 
74. Neue Kraft und neue Freude wird dem Priester daraus erwachsen, daß er täglich in Gebet und Betrachtung die Beweggründe zu seiner Hingabe immer wieder erforscht und Tag für Tag tiefer davon überzeugt ist, daß er den besten Teil erwählt hat. Deshalb wird der Priester demütig und beharrlich um die Gnade der Treue beten, die denen niemals fehlen wird, die sie aufrichtigen Herzens erflehen; gleichzeitig wird er sich der natürlichen und übernatürlichen Mittel bedienen, die ihm zur Verfügung stehen. Vor allem wird er eifrig die aszetischen Anweisungen beachten, die in der Kirche durch Erfahrung anerkannt und die in der heutigen Welt nicht weniger notwendig sind als in vergangener Zeit (121).

 

Intensives geistliches Leben

 

75. Der Priester bemühe sich vor allem mit der ganzen ihm von der göttlichen Gnade geschenkten Liebe um ein inniges Verhältnis zu Christus und um die Ergründung seines unausschöpflichen und beseligenden Mysteriums. Er bemühe sich außerdem, das Mysterium der Kirche immer klarer zu erkennen; losgelöst von diesem, besteht die Gefahr, daß ihm sein priesterliches Leben inhaltlos und sinnlos erscheint.

 

Nährt sich aber die priesterliche Frömmigkeit an der lauteren Quelle des göttlichen Wortes und der heiligen Eucharistie, lebt sie aus der Feier der Liturgie und stützt sie sich dazu noch auf eine zarte und vertraute Verehrung der heiligsten Jungfrau, der Mutter des Ewigen Hohenpriesters und Königin der Apostel (122), dann wird der Priester zu den sprudelnden Quellen eines echten geistlichen Lebens gelangen. Dieses allein ist imstande, der Jungfräulichkeit das stärkste Fundament zu verleihen.

 

Der Geist des priesterlichen Dienstes
 

76. Mit der Gnade und dem Frieden im Herzen wird der Priester die Kraft haben, mit Starkmut die vielfältigen Aufgaben seines Lebens und seines Dienstes wahrzunehmen; wenn er sie nur mit Treue und religiösem Eifer angeht, findet er nämlich neue Gelegenheiten, zu bezeugen, daß er ganz Christus und seinem mystischen Leibe angehört, um sich und die anderen Menschen zu heiligen. Die Liebe Christi, die ihn drängt (123), wird ihm helfen, die vorzüglichsten Kräfte seiner Seele nicht in sich zu verbergen, sondern sie im Geist der Ganzhingabe zu veredeln und zu vertiefen, wie der Hohepriester Christus, den die innigste Lebensgemeinschaft mit den Menschen verband, der sie geliebt und für sie gelitten hat (124), wie auch der Apostel Paulus, der die Sorgen aller mittrug (125), um in der Welt Zeugnis zu geben von dem Licht und der Kraft der Frohbotschaft von der Gnade Gottes (126).

 

Schutz vor Gefahren

 
77. Mit ängstlicher Sorge auf die Ganzhingabe an Christus bedacht, soll sich der Priester vor Gefühlserregungen hüten, die einen Zustand auslösen, der vom Geist nicht mehr genügend erleuchtet und geleitet wird, und er soll solche wirklich gefährliche Neigungen des Herzens nicht unter dem Vorwand geistlicher und seelsorglicher Verpflichtungen rechtfertigen.

 

Mannhafte Aszese

 
78. Das Priestertum fordert die intensive Pflege einer echten und aufrichtigen Frömmigkeit; aus ihrer Kraft sollen die Diener des Heiligtums im Geiste leben und im Geiste wandeln (127); es fordert eine wahrhaft mannhafte innere und äußere Aszese, wie sie denen ziemt, die auf besondere Weise Christus dienen und in ihm und um seinetwillen „ihr Fleisch mit seinen Leidenschaften und Begierden gekreuzigt haben (128)"; so sollen sie mutig einen harten und langwierigen Kampf auf sich nehmen (129). Hat er ihn bestanden, dann kann der Diener Christi der Welt klarer die Früchte des Geistes aufweisen, nämlich „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Milde, Treue, Mäßigung, Enthaltsamkeit und Keuschheit (130)".

 

Brüderliche Gemeinschaft
 

79. Die Keuschheit des Priesters wird gestärkt, behütet und bewahrt auch durch eine Lebensweise, durch menschliche Beziehungen und Betätigungen, wie sie den Dienern Gottes entsprechen. Darum ist es nötig, jene „innige, sakramentale Brüderlichkeit" (131) zu pflegen, deren sich alle Priester kraft der heiligen Weihe erfreuen. Unser Herr Jesus hat gelehrt, daß das neue Gebot der Liebe drängt, er hat sie durch sein bewunderungswürdiges Beispiel bezeugt, vor allem als er die Sakramente der hochheiligen Eucharistie und des katholischen Priestertums einsetzte (132) und seinen himmlischen Vater bat, daß die Liebe, mit der der Vater ihn von Ewigkeit geliebt hat, in ihnen sei (133).

 

Gemeinsames Leben

 
80. Die geistige Verbundenheit unter den Priestern soll also vollkommen sein, und häufiges gemeinsames Gebet, lautere Freundschaft und jederlei gegenseitige Hilfeleistung ‘sollen gepflegt werden. Nie genug kann den Priestern eine gewisse Form des gemeinsamen Lebens empfohlen werden, die das priesterliche Amt stärker mit Frömmigkeit erfüllt; ebenso häufige Zusammenkünfte zu brüderlichem Gedanken- und Erfahrungsaustausch und mitbrüderlicher Ermunterung; und schließlich die Förderung von Vereinigungen, die Anregungen zur priesterlichen Heiligung bieten.

 

Verantwortung für die Gefährdeten

 
81. Die Priester sollen eifrigst die Mahnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (134) erwägen, die sie dazu ermuntert, den Gemeinschaftssinn untereinander zu pflegen, damit sie sich voll und ganz für die priesterlichen Mitbrüder verantwortlich fühlen, die von Schwierigkeiten bedrängt werden und deren heiliger Beruf ernstlich gefährdet ist. Sie sollen eine glühende Liebe zu denen hegen, die mehr Liebe als die anderen, mehr Nachsicht, mehr Gebet und mehr verständnisvolle und wirksame Hilfe benötigen und die mit Recht auf die unerschöpfliche Liebe derer bauen, die vor allen anderen im wahrsten Sinne ihre Freunde sind und sein müssen.

 

Erneuerung der Ganzhingabe

 
82. Schließlich möchten Wir gleichsam zur Ergänzung und Erinnerung dieses brieflichen Gesprächs mit euch, ehrwürdige Brüder im Bischofsamt, und mit euch, Priester und Diener des Altares, anregen, daß sich jeder von euch vornehme, alljährlich am Jahrestag seiner Weihe oder auch alle im Geiste vereint am Gründonnerstag, dem hochheiligen Tage der Einsetzung des Priestertums, die vertrauensvolle Ganzhingabe an Christus den Herrn zu erneuern, das Bewußtsein der Erwählung zum heiligen Dienst wieder zu wecken, und mit Demut und Starkmut Christus aufs neue das Versprechen beständiger Treue zu seiner unvergleichlichen Liebe und eurer reinsten Hingabe (135) zu geben.

 
 

III.

 
BEKLAGENSWERTE UNTREUE

 

Die Untreuen
 

83. Nun aber wendet sich Unser Denken mit väterlicher Liebe, mit großem Bangen und Schmerz jenen unglücklichen, aber stets über alles geliebten Mitbrüdern im Priesteramt zu, die das ihrer Seele eingeprägte heilige Zeichen des Weihesakramentes in sich tragen, und doch so bedauerlich ihren Pflichten, die sie bei der Priesterweihe übernommen haben, untreu geworden sind.
 

Von ihrem beklagenswerten Zustand und dem daraus erwachsenden öffentlichen und persönlichen Schaden veranlaßt, fragen manche, ob nicht gerade der Zölibat an solchen unglückseligen Vorfällen und Ärgernissen für das Volk Gottes schuld sei. Nein, im Gegenteil, der Zölibat ist nicht schuld daran In Wirklichkeit liegt die Ursache immer darin, ‘daß die Veranlagung eines. Priesterkandidaten nicht immer rechtzeitig zuverlässig und klug beurteilt wurde oder daß die Lebensführung solcher Diener des Heiligtums mit den Verpflichtungen eines Lebens der Ganzhingabe an Gott nicht ganz übereinstimmte.

 

Befreiungsgründe

 
84. Die Kirche ist in größter Sorge um das traurige Los dieser ihrer Söhne und hält es für ihre Pflicht, alles zu tun, um die Wunden, die ihr durch ihren Abfall zugefügt werden, zu verhüten oder zu heilen. Dem Beispiel Unserer letzten Vorgänger folgend haben Wir angeordnet, daß bei Prozessen bezüglich der Priesterweihe‘ die Untersuchungen auf andere wichtige Fälle und Gründe ausgedehnt werden, die im geltenden Kanonischen Recht nicht vorgesehen sind (136). Es handelt sich dabei um solche Fälle und Gründe, die zu wirklich ernstem Zweifel berechtigen bezüglich der vollen Freiheit und Verantwortlichkeit der Priesterkandidaten bei der Übernahme ihrer Verpflichtungen und bezüglich ihrer Eignung zum priesterlichen Leben. Das alles geschieht zu dem Zweck, um alle die von ihren Verpflichtungen zu befreien, die in einem gehörigen Prozeß tatsächlich als ungeeignet erklärt worden sind.

 

Gerechtigkeit und Liebe der Kirche

 
85. Diese sogenannten Dispensen, die gegebenenfalls in dieser Hinsicht erteilt werden — es sind in Wirklichkeit nur sehr wenige im Vergleich zu der großen Zahl seelisch gesunder und würdiger Priester —‚ wollen aus Gerechtigkeit das geistliche Wohl der einzelnen sicherstellen. Zugleich zeigen sie die große Sorge der Kirche um die Weitergeltung des Zolibatsgesetzes und seine unverminderte und treue Beobachtung von seiten aller Diener des Heiligtums.
 

Wenn die Kirche so handelt, so tut sie es immer mit großem Schmerz, vor allem wenn besonders bedauerliche Fälle vorkommen, wenn nämlich die Weigerung, das sanfte Joch Christi würdig zu tragen, auf eine Glaubenskrise oder auf sittliches Versagen zurückzuführen ist und daher oft wissentlich und für das christliche Volk ärgerniserregend ist.

 

Schmerzlicher Anruf
 

86. Wenn diese Priester wüßten, wieviel Unruhe, wieviel Schande und wieviel Verwirrung sie der heiligen Kirche Gottes zufügen, wenn sie die Würde und den Vorzug der übernommenen Verpflichtungen bedächten und einsähen, welchen Gefahren sie sich in diesem und im zukünftigen Leben aussetzen, dann würden sie gewiß vorsichtiger und überlegter in ihren Entschlüssen sein, bereiter zum Gebet und gründlicher und tatkräftiger einem derartigen geistlichen und moralischen Versagen vorbeugen.

 

Sorge um die Strauchelnden
 

87. Aber mit ganz besonderer Aufmerksamkeit wendet sich die Mutter Kirche dem Fall zu, daß noch junge Priester zwar mit hoher Begeisterung und großem Eifer dem heiligen Dienst nachgekommen sind, später aber im Gedränge ihrer priesterlichen Aufgaben in eine Art Verzweiflung, Unsicherheit, Leidenschaft und seelischer Verwirrung geraten sind. Deshalb ist die Kirche der Ansicht, daß in einer solchen Situation nichts unversucht bleiben darf, um den wankenden und abgleitenden Mitbruder durch Zureden zur inneren Ruhe, zum Vertrauen, zur Reue und zu seinem ersten freudigen Eifer zurückzuführen. Nur wenn offenkundig geworden ist, daß bei einem Priester auf diese Weise keine Besserung erwartet werden kann, soll der unglückliche Diener Gottes des ihm anvertrauten Amtes enthoben werden

 

Laisierung
 

88. Soweit jemand im Einzelfall für das Priesteramt nicht zurückgewonnen werden kann, aber doch den aufrichtigen und guten Willen zeigt, als Laie ein christliches Leben zu führen, gewährt der Apostolische Stuhl, die Liebe über den Schmerz stellend, nach gewissenhaftester Abwägung aller Umstände und gemeinsamer Beratung mit dem Ordinarius oder dem Ordensobern bisweilen die erbetene Dispens Dabei werden einige Werke der Frömmigkeit und der Sühne auferlegt, damit in dem unglücklichen und doch immer geliebten Sohn ein heilsames Zeichen des mütterlichen Schmerzes der Kirche und eine lebendige Erinnerung daran verbleibe, daß alle der göttlichen Barmherzigkeit bedürfen.

 

Mahnung für die Treuen

 
89. Dieses strenge und zugleich doch barmherzige Vorgehen, das immer von der Gerechtigkeit und Wahrheit, von höchster Klugheit und Behutsamkeit bestimmt ist, wird ohne Zweifel dazu beitragen, die guten Priester in ihrem Vorsatz zu bestarken, lauter und heilig zu leben, ebenso wird es für die Priesterkandidaten eine Mahnung sein unter der weisen Führung ihrer Erzieher und Lehrer zum Altar zu schreiten, in vollem Bewußtsein der Verpflichtung, die sie zu übernehmen haben, mit größter Uneigennützigkeit und vom Eifer entflammt, den Anregungen der göttlichen Gnade und dem Willen Christi und seiner Kirche zu gehorchen.

 

Rückkehr Irregegangener
 

90. Wir wollen schließlich nicht versäumen, Gott mit überaus großer Freude dafür zu danken, daß Wir beobachten können, wie manche von denen, die für einige Zeit untreu geworden sind, sich so eifrig aller geeigneten Hilfsmittel bedient haben — vor allem des demütigen Gebetes, der Übung in der Demut, des zähen geistigen Kampfes und des häufigen Empfanges des Bußsakramentes —‚ daß sie mit der Gnade des Hohenpriesters auf den rechten Weg zurückgekehrt und zur Freude aller wieder seine vorbildlichen Diener geworden sind.

 


IV.
 

GEISTLICHE VATERSCHAFT DES BISCHOFS

 

Verbundenheit zwischen Priestern und Bischof
 

91. Damit sich aber Unsere vielgeliebten Priester der übernommenen Pflichten leichter und freudiger annehmen können, ehrwürdige Brüder im Bischofsamt, haben sie das Recht und zugleich die Pflicht, eure tatkräftige und notwendige Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn ihr habt sie unter die Alumnen aufgenommen, ihr habt sie für das Priesteramt bestimmt, ihr habt ihnen die Hände aufgelegt, euch sind sie auf das engste verbunden auf Grund der Würde des Priestertums und kraft des Weihesakramentes, an eurer Stelle stehen sie in den ihnen anvertrauten Gemeinden der Gläubigen. Darum sind sie hochgesinnt und starkmütig mit euch verbunden, da sie, jeder nach seiner Stellung, eure Pflichten und Sorgen mit euch teilen (137). Indem sie den Zölibat erwählten, folgten sie dem seit alten Zeiten wirksamen Beispiel der Bischöfe des Ostens und Westens. Das führt notwendig zu einem weiteren Band zwischen Bischof und Priester, das sich auf Leben und Werk überträgt.

 

Verantwortung und Sorge des Bischofs für die Priester

 
92. Wie Jesus seine zarte Liebe zu seinen Jüngern am deutlichsten zeigte, als er sie zu Dienern seines wahren und des mystischen Leibes machte (138), so wißt auch ihr, „in denen der Herr Jesus Christus, der Hohepriester, inmitten der Gläubigen gegenwärtig ist (139)", sehr wohl, daß es eure Pflicht ist, eure vorzügliche Liebe und Sorge den Priestern und den jungen Priesterkandidaten zuzuwenden (140). Ihr könnt in der Tat diese eure feste Überzeugung niemals besser bekunden, als wenn ihr im Bewußtsein eurer Pflicht und in aufrichtiger und unerschütterlicher Liebe euch eifrig um die Erziehung der Alumnen bemüht und nach Kräften den Priestern helft, ihrer göttlichen Berufung und ihren Verpflichtungen treu zu bleiben.

 

Vertrauensverhältnis des Bischofs zu den Priestern
 

93. Die menschliche Einsamkeit des Priesters, nicht selten Anlaß zur Entmutigung und Versuchung, soll besonders durch eure brüderliche und freundschaftliche Gegenwart erleichtert werden (141). Anstatt Vorsteher und Richter seid euren Priestern lieber Lehrer, Väter, Freunde und Brüder, bereit zur Gute, zur Barmherzigkeit, zur Nachsicht, zum Verzeihen und zur Hilfe Ermutigt überdies die euch anvertrauten Priester zur Freundschaft und zum vollen Vertrauen zu euch, so jedoch, daß das rechtliche Gehorsamsverhältnis dadurch nicht nur nicht aufhört, sondern durch die Hirtenliebe nur noch fester und der Gehorsam selbst williger, aufrichtiger und sicherer wird. Diese dienstbereite Freundschaft und ein kindliches Verhältnis zu euch werden den Priestern ohne Zweifel leicht möglich machen, euch rechtzeitig ihr Herz zu öffnen und ihre Schwierigkeiten zu offenbaren; ermutigt in der Hoffnung, daß ihr immer für sie da sein werdet, werden sie euch gegebenenfalls Verirrungen anvertrauen ohne knechtische Furcht vor der Strafe, sondern — wie es sich Söhnen ziemt — in Erwartung einer väterlichen Mahnung, der Verzeihung und der Hilfe, die sie anregt, mit neuem Vertrauen den begonnenen Weg weiterzugehen.

 

Der gute Hirt
 

94. Ihr seid sicherlich überzeugt davon, ehrwürdige Brüder, daß ihr eine dringende und vornehme Aufgabe erfüllt, die unermeßlich vielen Seelen Nutzen bringt, wenn ihr einem Priester die Freude und Begeisterung für seinen Beruf, den inneren Frieden und die Heilszuversicht wiedergebt. Selbst wenn ihr einmal eure Autorität gebrauchen und heilsame Strenge anwenden müßt gegen die wenigen, die eure Güte zurückweisen und durch ihr schlechtes Beispiel dem Volke Gottes schaden, so sorgt doch dafür, daß ihr bei den notwendigen Maßnahmen gegen sie ihre Besserung vor Augen habt. In der Nachfolge des Herrn Jesus, des Hirten und Bischofs eurer Seelen (142), sollt ihr das geknickte Rohr nicht brechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen (143). Wie Jesus heut die Wunden (144), rettet, was verloren war (145), sucht mit sorgender Liebe das verlorene Schaf, um es in die wärmende Geborgenheit der Hürde zurückzubringen (146), und seid wie Christus bis zum äußersten bemüht, den ungetreuen Freund zurückzugewinnen (147).

 

Unablässige Hirtensorge

 
95. Wir sind sicher, ehrwürdige Brüder, daß ihr in eurer Hirtensorge nichts unversucht lassen werdet, euren Priestern in weiser Belehrung das Ideal des gottgeweihten Zölibats unablässig vor Augen zu stellen, und daß ihr niemals die Sorge für diejenigen Priester aufgeben werdet, die das Haus Gottes, das auch ihr Vaterhaus ist, verlassen haben; welches auch immer das Ende ihres traurigen Abfalls sein mag: sie bleiben für alle Zeiten eure Söhne.

 

V.
 

DIE AUFGABE DER GLÄUBIGEN

 

Verantwortung für die Priester
 

96. Da aber die Tugend der Priester ein Gut der ganzen Kirche ist, ein besonderer Schatz und eine Zierde, die dem ganzen Volke Gottes als Vorbild dient und zum Besten gereicht, wollen Wir an alle Gläubigen, unsere Söhne und Töchter in Christus, die liebevolle und dringende Ermahnung richten, sich für die Tugend ihrer Brüder verantwortlich zu fühlen, welche die Aufgabe übernommen haben, ihnen als Priester zu dienen, damit sie das Heil erlangen. Alle sollen daher beten; sie sollen bestrebt sein, denen zu helfen, die von Gott zum Priestertum berufen sind; sie sollen ihren Priestern gefällig und in kindlicher Liebe behilflich sein; sie sollen ihnen in verständnisvoller Mitarbeit beistehen, in der Absicht, durch bereitwilliges Aufnehmen ihrer seelsorglichen Bemühungen ihnen Trost zu schenken. Außerdem sollen sie diese ihre Väter in Christus ermutigen, die Schwierigkeiten jeder Art zu überwinden, die ihnen bei der treuen Erfüllung ihrer anvertrauten Aufgaben begegnen, damit sie für alle Menschen das beste Vorbild seien. Alle sollen in lebendigem Glauben und christlicher Liebe den Priestern gegenüber eine tiefe Ehrfurcht und taktvolle Zurückhaltung bekunden, in dem Wissen, daß es sich um Menschen handelt, die ganz Gott und der Kirche geweiht sind.

 

Einladung an die Laien

 
97. Unsere Aufforderung richtet sich vor allem an jene Laien, die eifriger und inniger als andere Gott suchen und nach einem vollkommenen christlichen Leben, inmitten der profanen Welt streben. Durch ihre ehrerbietige und aufrichtige Freundschaft können sie den Priestern eine große Hilfe bedeuten. Die Laien, die trotz ihrer Inanspruchnahme durch die irdischen Geschäfte dieses Lebens sich bemühen, ihrem Taufgelöbnis Genüge zu leisten, können dem Priester manchmal Licht und Kraft geben, damit er im Dienste Christi und der Kirche nicht unter Umständen durch den verkehrten und verwirrenden Weltgeist Schaden leide an der Unversehrtheit seiner göttlichen Berufung. Daraus ergibt sich ohne Zweifel, daß das ganze Volk Gottes den Herrn Jesus selbst ehrt in denen, die seine Stelle vertreten und von denen er sagt „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat (148)." Er hat ja auch denen reichen Lohn versprochen, die den Boten des Evangeliums irgendwie in Liebe dienen (149).

 

SCHLUSS

 

Die Fürbitte Mariens

 
98. Bevor Wir Unser Schreiben beenden, ermahnen Wir, gedrängt von der Liebe Christi, euch, Unsere ehrwürdigen Brüder, Hirten der Herde Gottes in allen Teilen der Welt, und euch, geliebte Priester, Unsere Brüder und Söhne, mit neuer Zuversicht und neuer Hoffnung in kindlichem Vertrauen Augen und Herz auf die liebreiche Mutter Jesu Christi und Mutter der Kirche zu richten und ihre mächtige mütterliche Fürbitte für das katholische Priestertum zu erflehen. Sie verehrt ja das Volk Gottes voll Bewunderung als das Urbild und Vorbild der Kirche Christi wegen ihres Glaubens, ihrer Liebe und ihrer vollkommenen Vereinigung mit Christus. Möge darum die jungfräuliche Mutter Maria der Kirche, die ebenfalls als Jungfrau und Mutter gepriesen wird (150), erflehen, sich beständig in Demut rühmen zu können, daß ihre Priester die erhabene Gnadengabe der Jungfräulichkeit unversehrt bewahren und zu erleben, wie der Zölibat mehr und mehr blühe und täglich an Wertschätzung gewinne in allen Kreisen der Menschen, so daß von Tag zu Tag die Zahl derer wachse, die dem göttlichen „Lamme folgen, wohin es geht (151)".

 

Hoffnung der Kirche —Segen —

 
99. So schaut die Kirche im Vertrauen auf Christus voller Hoffnung empor. Wenn sie sich auch wegen des Priestermangels angesichts der religiösen Bedürfnisse aller Völker große Sorge macht, so erwartet sie doch zuversichtlich im Vertrauen auf die unendlichen und geheimnisvollen Quellen der göttlichen Gnade, daß eine vorbildliche religiöse Haltung der Diener des Heiligtums auch die Zahl der Priesterberufe erhöhen wird, „denn bei Gott ist alles möglich (152)".

 

In dieser Überzeugung und festen Hoffnung erteilen Wir euch, ehrwürdige Brüder, und den euch anvertrauten Priestern und Gläubigen als Unterpfand der göttlichen Gnade und als Zeichen Unseres väterlichen Wohlwollens aus ganzem Herzen den Apostolischen Segen.
 

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am Fest des hl. Johannes des Täufers, dem 24. Juni 1967, im fünften Jahre Unseres Pontifikates.

 

PAPST PAUL VI.

 


Anmerkungen

 
(1) Cfr. Epistula die x mensis Oct. anno MDCCCCLXV ad Eminentissimum virum Eugenium Tisserant Card. data, posteroque die in generali Concilii congregatione lecta.

(2) Cfr. Matth. 19, 11—12.

(3) Cfr. 1 Tim. 3, 2—5; Tit. 1, 5-6.

(4) Cfr. Decr. Christus Dominus, n. 35: A.A.S. 58, 1966, p. 690; Decr. Apostolicam Actuositatem, n. 1: A.A.S. 58, 1966, p. 837; Decr. Presbyterorum Ordinis, nn. 10 ss.: A.A.S. 58, 1966, pp. 1007-1008; Decr. Ad Gentes, nn. 19 et 38: A.A.S. 58, 1966, pp. 969 et 984.

(5) Matth. 10, 11.

(6) Io. 4, 10.

(7) Cfr. Matth. 5, 13-14.

(8) Cfr. supra nn. 5 et 7.

(9) Conc. Vat. II, Const. past. Gaudium et spes, n. 62: A.A.S. 58, 1966, p. 1082.

(10) Cfr. Eph. 5, 25-27.

(11) Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 16: A.A.S. 58, 1966, p. 1015.

(12) Ibid.

(13) Cfr. Conc. Vat. II, Const. dogm. Dei Verbum, n. 8: A.A.S. 58, 1966, p. 820.

(14) Cfr. Io. 16, 13.

(15) Conc. Vat. II, Const. dogm. Lumen gentium, n. 28: A.A.S. 57, 1965, pp. 33-36; Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 2: A.A.S. 58, 1966, pp. 991-993.

(16) Cfr. 1 Cor. 4, 1.

(17) Cfr. 1 Cor. 11, 1.

(18) Cfr. Io. 3, 5; Tit. 3, 5.

(19) Cfr. 2 Cor. 5. 17; Gal. 6, 15.

(20) Cfr. Io. 4, 34; 17, 14.

(21) Cfr. Gal. 3, 28.

(22) Cfr. Gen. 2, 18.

(23) Cfr. Matth. 19, 3—8.

(24) Cfr. lo. 2, 1—11.

(25) Cfr. Eph. 5, 32.

(26) Hebr. 8, 6.

(27) Cfr. 1 Cor. 7, 33—35.

(28) Cfr. Conc. Vat. II, Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 16: A.A.S. 58, 1966, pp. 1015—1017.

(29) Matth. 13, 11; cfr. Marc. 4, 11; Luc. 8, 10.

(30) Cfr. 2 Cor. 5, 20.

(31) Cfr. Io. 15, 15; 20, 17.

(32) Cfr. ibid., 17, 19.

(33) Cfr. Luc. 18, 29-30.

(34) Cfr. Conc. Vat. II, Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 16: A.A.S. 58, 1966, pp. 1015-1017.

(35) Cfr. Matth. 19,11.

(36) Cfr. ibid. 19, 12.

(37) Cfr. Luc. 18, 29-30.

(38) Marc. 20, 29-30.

(39) Matth. 29, 29.

(40) Cfr. Io. 3, 16; 15, 13.

(41) Cfr. Marc. 10, 21.

(42) Conc. Vat. II, Const. dogm. Lumen gentium, n. 42: A.A.S. 57, 1965, p. 48.

(43) Phil. 3, 12.

(44) Cfr. Eph. 5, 25-27.

(45) Io. 1, 13.

(46) Cfr. Conc. Vat. II, Const. dogm. Lumen gentium, n. 42: A.A.S. 57, 1965, p. 48; Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 16: A.A.S. 58, 1966, pp. 1015—1017.

(47) Cfr. Conc. Vat. II, Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 14: A.A.S. 58, 1966, p. 1013.

(48) Cfr. Luc. 2, 49; 1 Cor. 7, 32-33.

(49) Cfr. Hebr. 9, 24; 7, 25.

(50) Conc. Vat. II, Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 13: A.A.S, 58, 1966, p. 1012.

(51) Cfr. Act. 6, 4.

(52) Conc. Vat. II, Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 5: A.A.S. 58. 1966, p. 997.

(53) Io. 12, 24.

(54) Cfr. 1 Cor. 15, 31.

(55) Cfr. Conc. Vat. II, Decr. Optatam totius, n. 10: A.A.S. 58, 1966, pp. 719—720.

(56) Cfr. 2 Cor. 12, 15.

(57) Cfr. Conc. Vat. II, Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 16: A.A.S. 58, 1966, pp. 1015-1017.

(58) Cfr. Io. 17, 18.

(59) Cfr. Rom. 1, 14.

(60) Io 18, 30.

(61) Cfr. Conc. Vat. II, Const. past. Gaudium et spes, n. 39: A.A.S. 58, 1966, pp. 1056—1057.

(62) Cfr. Conc. Vat. II, Const. dogm. Lumen gentium, n. 5: A.A.S. 57, 1965, pp. 7—8.

(63) Cfr. Phil. 3, 20.

(64) Cfr. 1 Io. 3, 2.

(65) Cfr. Conc. Vat. II, Const. dogm. Lumen gentium, n. 48: A.A.S. 57, 1965, pp. 53-54.

(66) Matth. 22, 30.

(67) Cfr. 1 Io. 2, 16.

(68) Conc. Vat. II, Decr. Perfectae caritatis, n. 12: A.A.S. 58, 1966, p. 107.

(69) Cfr. 1 Cor. 7, 29-31.

(70) Col. 3, 1 — 4.

(71) Cfr. Tertullianus, De exhort. castitatis, 13: P.L. 2, 930; S. Epiphanius, Adv. Haer. II, 48, 9 e 59, 4: P.G. 41, 869, 1025; S. Efrem, Carmina nisibena, XVIII, XIX, ed. G. Bickell, Lipsiae, 1866, p. 122; Eusebius Caesar., Demonstr. evan., 1, 9: P.G. 22, 81; S. Cyrillus Hierosolym., Catechesis, 12, 25: P.G. 33, 757; S. Ambrosius, De officiis ministr., 1, 50: P.L. 16, 97 ss.; S. Augustinus, De moribus Eccl. cath., 1, 32: P.L. 32, 1339; S. Hieronymus, Adversus Vigilantium, 2: P.L. 23, 340-41; Synesius Episcopus Ptolemaid., Epist. 105: P.G. 66, 1485.

(72) Quod. primum factum est a Concilio Eliberitano, anno c. 300, can. 33: Mansi, II, 11.

(73) Sess. XXIV, can. 9-10.

(74) Can. 132, § 1.

(75) Cfr. S. Pius X, Adhortatio apost. Haerent animo: A.A.S. 41, 1908, pp. 555-577; Benedictus XV, Epistula ad Franciscum Kordac Archiep. Prag.: A.A,S. 12, 1920, pp. 57-58; Allocutio consistorialis, habita die 16 mensis Decembris anno 1920: A.A.S. 12, 1920, pp. 585-588; Pius XI, Litt. Encycl. Ad catholici sacerdotii: A.A.S. 28, 1936, pp. 24-30; Pius XII, Adhortatio apost. Menti Nostrae: A.A.S. 42, 1950, pp. 657-702; Litt. Encycl. Sacra virginitas: A.A.S. 46, 1954, pp. 161-191; Ioannes XXIII, Litt. Encycl. Sacerdotii Nostri primordia: A.A.S. 51, pp. 554-556.

(76) Allocutio secunda, habita die 26 mensis Ianuarii anno 1960: A.A.S. 52, 1960, p. 226.

(77) Can. 6, 12, 13, 48: Mansi XI, 944—948, 965.

(78) Cfr. Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 16: A.A.S. 58, 1966, pp. 1015-1016.

(79) De Virginitate, 13: P.G. 381—382.

(80) De Sacerdotio, 1. III: P.G. 48, 642.

(81) Conc. Vat. II, Const. dogm. Lumen gentium, nn. 21, 28, 64: A.A.S. 57, 1965, pp. 24-25; 33—36; 64.

(82) Cfr. supra, n. 15.

(83) Cfr. Const. dogm. Lumen gentium, n. 29: A.A.S. 57, 1965 p. 36.

(84) Cfr. ibid. pp. 47-49.

(85) Conc. Vat. II, Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 16: A.A.S. 58, 1966, pp. 1015-1016.

(86) Cfr. Conc. Vat. II, Decr. Optatam totius, n. 2: A.A.S. 58, 1966, pp. 714-715; Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 11: A.A.S. 58, 1966, pp. 1008-1009.

(87) Cfr. Rom. 3, 23.

(88) Cfr. 2 Cor. 8, 23.

(89) Cfr. Eph. 1, 6.

(90) Phil. 1, 8.

(91) Cfr. Luc. 12, 32.

(92) Cfr. Matth. 28, 20

(93) Cfr. Io. 16, 33.

(94) Cfr. Marc. 4, 26—29.

(95) Cfr. Matth. 9, 37—38.

(96) Cfr. 1 Cor. 1, 20—31.

(97) Cfr. Phil. 4, 13.

(98) Cfr. 1 Cor. 3, 67.

(99) Cfr. supra, n. 10.

(100) Conf. X, 29, 40: P.L. 32, 796.

(101) Cfr. supra, n. 10.

(102) Gen. 1, 26-27.

(103) Cfr. 1 Io. 4, 8—16.

(104) Cfr. ibid. 3, 16—18.

(105) Cfr. 1 Thess, 2, 11; 1 Cor. 4, 15; 2 Cor. 6, 13; Gal. 4, 19; 1 Tim. 5, 1—2.

(106) Cfr. 1 Cor. 2, 15.

(107) Hebr. 5, 1.

(108) Cfr. 1 Cor. 14, 4 ss.

(109) Cfr. Conc. Vat. II. Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 3: A.A.S. 58, 1966, pp. 993-995.

(110) Io. 13, 1.

(111) Ibid. 16, 32.

(112) Cfr. ibid. 13, 16; 15, 18.

(113) Cfr. ibid. 15, 15—16, 20.

(114) Cfr. 1 Tim. 6, 11.

(115) Cfr. Decr. Optatam totius, nn. 3-11: A.A.S. 58, 1966, pp. 715-721; Decr. Perfectae caritatis, n. 12: A.A.S. 58, 1966, p. 721.

(116) Cfr. supra, n. 15.

(117) Cfr. Matth. 5, 37.

(118) Cfr. ibid. 16, 24; Io. 12, 25.

(119) S. Thomas, Summa Theol. II-II, q. 184, a. 8 c.

(120) Cfr. Conc. Vat. II, Decr. Optatam totius, n. 12: A.A.S. 58, 1966, p. 721.

(121) Cfr. Conc. Vat. II, Decr. Presbyterorum Ordinis, nn. 16, 18: A.A.S. 58, 1966, pp. 1015 —1016; 1019.

(122) Cfr. ibid. n. 18.

(123) Cfr. 2 Cor. 5, 14.

(124) Cfr. Hebr. 4, 15.

(125) Cfr. 1 Cor. 9, 22; 2 Cor. 11, 29.

(126) Cfr. Act. 20, 24.

(127) Cfr. Gal. 5, 25.

(128) Ibid. 5, 24.

(129) Cfr. 1 Cor. 9, 26—27.

(130) Gal. 5, 22—23.

(131) Cfr. Conc. Vat. II, Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 8: A.A.S. 58, 1966, p. 1003.

(132) Cfr. Io. 13, 15 et 34—35.

(133) Cfr. ibid. 17, 26.

(134) Cfr. Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 8: A.A.S. 58, 1966, pp. 1003—1005.

(135) Cfr. Rom. 12, 1.

(136) Cfr. C.I.C., can. 214.

(137) Cfr. Conc. Vat. II, Const. dogm. Lumen gentium, n. 28: A.A.S: 57, 1965, pp. 34—35.

(138) Cfr. Io. cc. 13—17.

(139) Conc. Vat. II, Decr. Lumen gentium, n. 21: A.A.S. 1965, p. 24.

(140) Conc. Vat. II, Decr. Presbyterorum Ordinis, n. 7: A.A.S. 58, 1966, pp. 1001—1003.

(141) Cfr. ibid.

(142) 1 Petr. 2, 25.

(143) Cfr. Matth. 12, 20.

(144) Cfr. Luc. 9, 11.

(145) Cfr. Matth. 18, 11.

(146) Cfr. Luc. 15, 4 ss.

(147) Cfr. ibid. 22, 48.

(148) Matth. 10, 40.

(149) Cfr. ibid. 10, 43.

(150) Conc. Vat. II, Const. dogm. Lumen gentium, nn. 63, 64: A.A.S. 57, 1965, p. 64.

(151) Apoc. 14, 4.

(152) Marc. 10, 27; cfr. Luc. 1, 37.


(Quelle: http://www.clerus.org/clerus/dati/1999-11/30-10/Desaccae.rtf.html)

Johannes Paul II.

Zölibat bedeutet volle Zugehörigkeit zu Christus

Ansprache bei der Generalaudienz am 17. Juli 1993

 

1. Als Jesus die ersten Apostel berief, um sie zu „Menschenfischern" zu machen (Mt 4,19; Mk 1,17; vgl. Lk 5,10), ließen sie „alles zurück und folgten ihm nach", so heißt es in den Evangelien (Lk 5,11; vgl. Mt 4,20.22; Mk 1,18.20). Einmal erinnerte sich Petrus selbst an diesen Aspekt der Apostelberufung und sagte zu Jesus: „Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt" (Mt 19,27; Mk 10,28; vgl. Lk 18,28). Daraufhin zählte Jesus alle Trennungen auf, die - so sagte er - „um meinetwillen und um des Evangeliums willen" (Mk 10,29) notwendig sind. Es handelte sich nicht nur darum, auf materielle Güter wie „Haus" oder „Äcker" zu verzichten, sondern sich auch von den liebsten Menschen zu trennen: „Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder", sagen Matthäus und Markus, „Frau, Brüder, Eltern oder Kinder", sagt Lukas (18,29).

Achten wir hier auf die unterschiedlichen Berufungen. Nicht von allen seinen Jüngern forderte Jesus den totalen Verzicht auf das Familienleben, auch wenn er von allen den ersten Platz im Herzen eines jeden verlangte, als er sagte: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig" (Mt 10,37). Der geforderte tatsächliche Verzicht ist dem apostolischen Leben oder dem besonders geweihten Leben eigen. Von Jesus gerufen, verließen „Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes" nicht nur das Boot, in dem sie „ihre Netze herrichteten", sondern auch ihren Vater, mit dem sie waren (Mt 4,22; vgl. Mk 1,20).

Diese Feststellungen helfen uns den Grund der kirchlichen Gesetzgebung hinsichtlich des Priesterzölibats zu verstehen. Denn die Kirche war und ist der Auffassung, daß der Zölibat in der Logik der Priesterweihe und der daraus folgenden vollkommenen Zugehörigkeit zu Christus liegt im Hinblick auf die bewußte Verwirklichung des Auftrags für das geistliche Leben und die Evangelisierung.

 

2. Im Matthäusevangelium, kurz vor der soeben zitierten Stelle über die Trennung von den lieben Menschen, spricht Jesus in der starken semitischen Ausdrucksweise von einem anderen „um des Himmelreiches willen" geforderten Verzicht, das heißt den Verzicht auf die Ehe. „Manche sind ... zur Ehe unfähig, ... und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen" (Mt 19,12). Das heißt, sie haben sich zum Zölibat verpflichtet, um sich ganz in den Dienst „des Evangeliums vom Reich" zu stellen (vgl. Mt 4,23; 9,35; 24,34).

In seinem ersten Brief an die Korinther bekräftigt der Apostel Paulus, daß er entschlossen diesen Weg beschritten habe, und offenbart die Kohärenz der eigenen Entscheidung mit den Worten: „Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt" (1 Kor 7,32-34). Gewiß ist es nicht günstig, daß derjenige „geteilt ist", der als Priester berufen ist, sich um die Sache des Herrn zu sorgen. Wie das Konzil lehrt, hat die Kirche die Verpflichtung zum Zölibat - erwachsen aus einer Tradition, die an Christus anknüpft - „besonders im Hinblick auf das priesterliche Leben immer hoch eingeschätzt. Ist sie doch ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt" (Presbyterorum ordinis, Nr. 16).

Es ist wahr, daß in den orientalischen Kirchen viele Priester rechtmäßig nach dem sie betreffenden kanonischen Recht verheiratet sind. Aber die Bischöfe und eine gewisse Anzahl von Priestern leben auch in diesen Kirchen zölibatär. Diese unterschiedliche Ordnung, die mit den von der Kirche bemessenen Zeit- und Ortsverhältnissen zusammenhängt, erklärt sich aus der Tatsache, daß die vollkommene Enthaltsamkeit, wie das Konzil sagt, „nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert" ist (ebd.). Sie gehört nicht zum Wesen des Priestertums als Stand und wird infolgedessen keinesfalls in allen Kirchen auferlegt. Jedoch bestehen keine Zweifel über ihre Angemessenheit, ja Übereinstimmung mit den Anforderungen der heiligen Weihe. Sie gehört, wie gesagt, zur Logik der Priesterweihe.

 

3. Das konkrete Ideal dieser Bedingung des geweihten Lebens ist Jesus das Vorbild aller aber besonders der Priester Er lebte als Unverheirateter und konnte deshalb alle seine Kräfte der Verkündigung des Reiches Gottes und dem Dienst an den Menschen widmen mit einem für die gesamte Menschheit offenen Herzen und als Stammvater einer neuen Generation im Geist. Er entschied sich wirklich „für das Himmelreich (vgl. Mt 19 12)

Durch sein Beispiel gab Jesus eine Ausrichtung, der man gefolgt ist. Nach den Evangelien scheint es daß die Zwölf dazu bestimmt als erste an seinem Priestertum teilzuhaben auf ihr Familienleben verzichteten und ihm nachfolgten. In den Evangelien ist nie die Rede von Frauen oder Kindern in bezug auf die Zwölf auch wenn sie uns wissen lassen daß Petrus bevor er von Jesus gerufen wurde ein verheirateter Mann war (vgl. Mt 8,14; Mk 1,30; Lk 4,28).

 

4. Jesus hat kein Gesetz erlassen, sondern ein Ideal des Zölibats vorgelebt für das neue Priestertum das er stiftete Dieses Ideal hat sich immer mehr in der Kirche durchgesetzt Es ist verständlich daß in der ersten Zeit der Verbreitung und Entwicklung des Christentums eine große Anzahl von Priestern verheiratete Männer waren erwählt und geweiht gemäß der jüdischen Tradition Wir wissen daß in den Briefen an Timotheus (1 Tim 3,2-3) und an Titus (1 6) von den zu Priestern gewählten Männern die Eigenschaft gefordert wird, gute Familienväter und mit einer einzigen Frau verheiratet (das heißt ihren Ehefrauen treu) zu sein Es ist eine Kirche in der Organisierungs und man kann sagen Versuchsphase im Hinblick auf das was als Ordnung des Lebensstandes besser dem Ideal und den vom Herrn angebotenen Raten entspricht Aufgrund der Erfahrung und der Einsichten hat sich nach und nach die Zölibatsordnung durchgesetzt, bis sie in der westlichen Kirche durch die kanonische Gesetzgebung allgemein gültig wurde. Sie war nicht nur die Folge einer jundischen und ordnungsmäßigen Tatsache Sie war die Reifung eines kirchlichen Bewußtseins hinsichtlich der Zweckmäßigkeit des priesterlichen Zölibats nicht nur aus geschichtlichen und praktischen Gründen, sondern auch aufgrund der Übereinstimmung die man zwischen dem Zölibat und den Anforderungen des Priestertums immer mehr entdeckte.

 

5. Das II. Vatikanische Konzil zählt die Gründe dieser „tiefen Übereinstimmung" des Zölibats mit dem Priestertum auf: „Durch die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen werden die Priester in neuer und vorzüglicher Weise Christus geweiht; sie hängen ihm leichter ungeteilten Herzens an, schenken sich freier in ihm und durch ihn dem Dienst für Gott und die Menschen, dienen ungehinderter seinem Reich und dem Werk der Wiedergeburt aus Gott und werden so noch mehr befähigt, die Vaterschaft in Christus tiefer zu verstehen. ... So weisen sie auf jenen geheimnisvollen Ehebund hin, der von Gott begründet ist und im anderen

Leben ins volle Licht treten wird, in welchem die Kirche Christus zum einzigen Bräutigam hat. Darüber hinaus sind sie ein lebendiges Zeichen der zukünftigen, schon jetzt in Glaube und Liebe anwesenden Welt", in der die Auferstandenen weder heiraten noch geheiratet werden (Presbyterorum ordinis, Nr. 16; vgl. Pastores dabo vobis, Nrn. 29, 50; Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1579).

Diese‘ Gründe edler geistlicher Erhebung können wir in den folgenden wesentlichen Punkten zusammenfassen: vollkommenere Zugehörigkeit zu Christus, der mit ungeteiltem Herzen geliebt und dem besser gedient wird (vgl. 1 Kor 7,32-33); größere Bereitschaft für den Dienst des Reiches Christi und für die Erfüllung der eigenen Aufgaben in der Kirche; die außerordentliche Entscheidung zur geistlichen Fruchtbarkeit (vgl. 1 Kor 4,15); eine Lebensform, die dem endgültigen Leben im Jenseits ähnlicher und deshalb vorbildlicher für das Diesseits ist. Das gilt für alle, auch für unsere Zeiten als Grund und höchstes Kriterium jeden Urteils und jeder Wahl in Übereinstimmung mit dem Ruf, „alles zu verlassen", den Jesus an die Jünger und besonders an die Apostel gerichtet hat Deshalb hat die Bischofssynode 1971 bekräftigt Das in der lateinischen Kirche bestehende Gesetz des priesterlichen Zölibats muß unversehrt erhalten bleiben (Der priesterliche Dienst zweiter Teil I. 4 OR.dt. Nr. 11, 1971, S. 6).

 

6. Es ist wahr, daß die Praxis des Zölibats heute unter den subjektiven und objektiven Lebensumständen der Priester manchmal auch auf schwere Hindernisse stößt. Die Bischofssynode hat sie berücksichtigt, war aber der Meinung, daß die heutigen Schwierigkeiten zu überwinden sind, „wenn dazu geeignete Voraussetzungen geschaffen werden, nämlich: das Wachstum des inneren Lebens durch das Gebet, die Abtötung, die selbstlose Liebe zu Gott und dem Nächsten und andere Hilfen des geistlichen Lebens; ferner eine natürliche innere Ausgeglichenheit durch eine geordnete Eingliederung in das Gesamtgefüge zwischenmenschlicher Beziehungen; der brüderliche Verkehr und Gedankenaustausch mit den übrigen Mitbrüdern im Priesteramt und dem Bischof, die durch eine bessere Anpassung der pastoralen Strukturen und auch durch die Mithilfe der Gemeinde möglich gemacht werden" (ebd.).

Es ist eine Art Herausforderung seitens der Kirche an die Mentalität, die Strömungen, die Krankheiten des Jahrhunderts mit dem immer wieder neuen Willen, dem Ideal des Evangeliums gegenüber kohärent und treu zu sein. Deshalb hat die Bischofssynode - auch wenn sie zugibt, daß der Papst das Vorgehen in einigen Fällen besonders abwägen und bestimmen kann - bekräftigt, daß in der lateinischen Kirche „die Priesterweihe von verheirateten Männern nicht gestattet (wird), auch nicht in Sonderfällen" (ebd.). Die Kirche ist der Meinung, daß das in Jahrhunderten gereifte Bewußtsein vollkommener Weihe immer noch Grund hat, zu bestehen und sich immer besser zu entfalten.

Die Kirche weiß - und sie weist die Priester und alle Gläubigen mit den Worten des Konzils darauf hin, „daß der himmlische Vater die Berufung zum ehelosen Leben, das ja dem neutestamentlichen Priestertum so angemessen ist, großzügig geben

wird, wenn nur diejenigen, die durch das Sakrament der Weihe am Priestertum Christi teilhaben, zusammen mit der ganzen Kirche demütig und inständig darum bitten" (Presbyterorum ordinis, Nr. 16).

Aber vielleicht ist es zuvor noch notwendig, die Gnade zum Verständnis des priesterlichen Zölibats zu erbitten, der zweifellos ein gewisses Geheimnis umfaßt: das der Bitte um Kühnheit und Vertrauen im ausschließlichen Verbundensein mit der Person und dem Erlösungswerk Christi im totalen Verzicht, der in menschlichen Augen erschütternd sein mag. Jesus selbst macht, als er davon spricht, darauf aufmerksam, daß ihn nicht alle verstehen können (vgl. Mt 19,10-12). Selig, die die Gnade erhalten, ohne zu verstehen, und auf diesem Weg treu bleiben!

 

In deutscher Sprache sagte dem Papst:

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Ich grüße alle deutschsprachigen Pilger und Besucher und sehr herzlich. Mit meinen besten Wünschen für einen erholsamen Urlaub, der auch der geistig-seelischen Entspannung dienen möge erteile ich Euch Euren lieben Angehörigen zu Hause sowie den mit uns über Radio Vatikan und das Fernsehen verbundenen Gläubigen von Herzen meinen Apostolischen Segen.

(Quelle: http://www.clerus.org/clerus/dati/1999-11/20-5/170793.rtf.html)

Dispensation of Priests From Celibacy

SACRED CONGREGATION FOR THE DOCTRINE OF THE FAITH

Procedural Norms
regarding the dispensation of priests from celibacy*

 

Article 1

The Ordinary who is competent to accept a petition and instruct the case is the local Ordinary of incardination or the Major Superior of a member of a clerical institute of consecrated life of pontifical right.

Article 2

If the proper Ordinary is unable to instruct the case, the Ordinary of the place where the petitioner habitually resides can be asked to do so. For a proportionate reason the Sacred Congregation for the Doctrine of the Faith can delegate another Ordinary.

Article 3

The signed petition must indicate the petitioner’s name, general information about him and at least in general the facts and arguments on which his petition is based.

Article 4

After receiving the petition, the Ordinary is to decide whether to proceed further. If he decides to do so, he is to prohibit the petitioner from the exercise of Orders ad cautelam (as a precautionary measure) unless he judges that their exercise is really necessary to protect the reputation of the priest or to foster the good of the community. The Ordinary is then to instruct the case either personally or through an especially designated priest. A notary should be employed to authenticate the acts of the case,

Article 5

The Bishop or priest-instructor is to administer an oath de veritate dicenda (that the truth must be spoken) and then interrogate the petitioner according to a questionnaire specifically drawn up for this situation. If possible, superiors during the petitioner’s period of formation are to be questioned; or at least their written depositions are to be obtained. Other witnesses either suggested by the petitioner or called by the instructor are likewise to be heard. Finally, documents and other proofs are to be gathered and the insights of experts are to be utilized where appropriate.

Article 6

The questionnaire for the petitioner should contain everything necessary or useful for the investigation, i.e. a) general information on the petitioner: time and place of birth, background and family circumstances, manner of life, studies, examination before the reception of sacred orders, or before profession in the case of religious, time and place of sacred ordination, record of priestly ministry, present juridical status, both ecclesiastically and civilly and the like; b) causes and circumstances of leaving the active ministry and factors which could have vitiated the assumption of clerical obligations.

Article 7

After the instruction of the case, all the acts of the case are to be forwarded in triplicate to the Sacred Congregation for the Doctrine of the Faith along with any notations that might be useful in assessing the proofs. They are to be accompanied by the votum (vow) of the Ordinary regarding the truthfulness of the petition and the absence of scandal.

Article 8

The Sacred Congregation will discuss the case and decide whether to present the petition to the Pope or to ask for a more thorough instruction of the case or to reject the petition as unfounded.

* AAS 72 (1980), 1136-1137.

(Source: http://www.doctrinafidei.va/documents/rc_con_cfaith_doc_19801014_dispensa-celibato_en.html)

 

Dispensation of Priests From Celibacy (II)

SACRED CONGREGATION FOR THE DOCTRINE OF THE FAITH

Letter to all local Ordinaries and General Moderators
of clerical religious communities
regarding the dispensation of priests from celibacy

 

1. In his 1979 Holy Thursday letter to all the priests of the Church the Supreme Pontiff, Pope John Paul II, once again placed in clear light just how great a value is to be set on priestly celibacy in the Latin Church. In doing this he made reference, as he himself admits, to the well-thought-out teaching of the Second Vatican Council, of Pope Paul VI in his encyclical Sacerdotalis Caelibatus, and finally of the 1971 Synod of Bishops.

The Holy Father reminded us that this is a matter of great importance, one which is connected by a special link to the message of the Gospel. Following the example of Christ our Lord and in accord with the apostolic teaching and tradition which is proper to it, the Latin Church wished, and even now wishes, that all who receive the sacrament of orders embrace this renunciation not only as an eschatological sign but also as "a sign of the person's freedom, a freedom which in turn is tied to ministry."

The Supreme Pontiff observed: "Any Christian about to receive the sacrament of orders binds himself to the obligation of celibacy with full awareness and freedom. He does this after having spent many years in preparation and after having given careful deliberation to and much prayer over this matter. Since he has firmly persuaded himself that Christ grants him that 'gift' for the benefit of the entire Church and for the service of others, only then does he enter upon the plan to lead a life of celibacy... And thus it is clear that this plan, so undertaken, now obliges, not only due to some law passed by the Church, but also due to the very awareness that duties are expressly undertaken by a person. It is for this reason that it is of importance that promises made to Christ and to the Church be honored." Finally, the Christian faithful who are married have a perfect right to expect from their priests, as His Holiness adds, "good example and a witness to fidelity in their vocation even until death."

2 It is true that in recent years priests have experienced difficulties. These difficulties have resulted in a somewhat large number of priests requesting a dispensation from the obligations which arise from their priestly ordination, especially a dispensation from celibacy. The widespread attention given to this fact has inflicted a serious wound on the Church. The Church has been deeply stricken at the very source of its life. With equal sorrow this wound affects pastors and the entire Christian community. Because of this the Supreme Pontiff, Pope John Paul II, from the very beginning of his Supreme Apostolic Ministry came to the conclusion that it is necessary to initiate an investigation concerning this situation, concerning its causes and concerning suitable remedies to be employed for it.

3. But real care is to be taken so that a process of such serious importance, as is a dispensation from celibacy, not be considered as a right which the Church must recognize indiscriminately as belonging to all its priests. On the other hand, what is to be considered as being a true right is that one which a priest through his oblation has conferred upon Christ and upon all the people of God. Despite the serious difficulties which stand in his way and which can happen to him in this life, Christ and the people of God expect the priest to observe the fidelity which he had promised them. Equally to be avoided is the notion that a dispensation from celibacy in recent times can be considered to be the result of some quasi-automatic, summary administrative process (cf. Pope John Paul II, "Letter to All the Priests of the Church on the Occasion of Holy Thursday", n. 9).

Exceedingly great benefits are derived from making such a distinction: particular benefit to the priest who is requesting the dispensation and who judges that this is the only solution to his existential problem, the weight of which he thinks he can no longer bear; general benefit to the Church which in an equal manner cannot bear having its priestly structure slowly eroded since it is so necessary for the accomplishment of its office; finally, particular benefit to the local Churches, that is, to the Bishops with their presbyterate since both groups are moved by an eagerness to maintain – as much as is possible – necessary apostolic resources, and to all groups of the Christian faithful for whom the service of the priestly ministry is to be considered as being a right and a necessity. While observing justice and charity, the multiple aspects of this question are to be given consideration: None of them can be neglected, let alone rejected.

4. Aware then of the many and likewise complex aspects of this issue which include sad personal situations and at the same time realizing the necessity to consider everything according to the spirit of Christ, the Holy Father – to whom a good number of Bishops have supplied advice along with their ideas on the issue – had decided to spend a suitable period of time in order that with the assistance of his co-workers he might arrive at a prudent conclusion, based on strong arguments, concerning the acceptance, the examination and the resolution of petitions concerning a dispensation from celibacy. The results of this mature deliberation are here briefly explained. This studied concern to weigh all the aspects raised in this matter suggests and inspires norms which will govern the future examination of petitions sent to the Apostolic See. As is obvious, it is thoroughly necessary that norms of this type in no way be separated from the pastoral spirit which animates them.

5. With the exception of cases dealing with priests who have left the priestly life for a long period of time and who hope to remedy a state of affairs which they are not able to quit, the Sacred Congregation for the Doctrine of the Faith shall in processing the examination of petitions sent to the Apostolic See accept for consideration the cases of those who should not have received priestly ordination because the necessary aspect of freedom of responsibility was lacking or because the competent superiors were not able within an appropriate time to judge in a prudent and sufficiently fitting way whether the candidate really was suited for continuously leading a life of celibacy dedicated to God.

Since it would lessen the significance of the priesthood, the sacred character of ordination and the seriousness of obligations previously undertaken, also to be avoided in this process is any levity in procedure which can reasonably afford detriment, sorrowful astonishment or scandal to a good number of the Christian faithful. Therefore a case in favor of dispensation is to be demonstrated by the force of the number of its arguments and by their preponderance. In order that the matter proceed in a serious manner and that the good of the Christian faithful be protected, provision will be made with equal care that those petitions presented in a spirit other than one reflecting humility will not be admitted.

6. In discharging this difficult duty entrusted to it by the Roman Pontiff, the Sacred Congregation for the Doctrine of the Faith is well aware that it can place its hope in the full and trusted cooperation of all the Ordinaries concerned. This Congregation stands ready to furnish all the assistance which the ordinaries should desire.

Since it is also well aware of their pastoral zeal, this Congregation is likewise thoroughly confident that the Ordinaries will give prudent observance to the proposed norms. Such zeal in this area will generate the conditions necessary to serve the good of the Church and of the priesthood and to provide for the spiritual life of both priests and Christian communities.

Finally, this Dicastery knows that the Ordinaries can in no way forget their duties of spiritual fatherhood toward all their priests, especially toward those who are now in a serious spiritual crisis. It knows that these ordinaries will furnish these priests with strong, straightforward and necessary assistance so that they may more easily and joyfully safeguard the duties undertaken on the day of ordination toward the Lord Jesus Christ and his holy Church. In doing this the Ordinaries will make use of all those things in the Lord which can call back a wavering brother to peace of mind, to confidence, to renewal and to quick resumption of his former state. In this the Ordinaries should also employ, depending on the circumstances of the individual case, the help of his priestly brothers, friends, relatives, physicians and psychologists (cf. Sacerdotalis Caelibatus, nn. 87 and 91).

7. Attached to this letter are procedural norms which are to be observed in preparing the documents relating to a petition for a dispensation from celibacy.

While we communicate these matters to you as part of our duty, we are at your service and confess ourselves yours in the Lord.

Rome, from the Seat of the Sacred Congregation of the Doctrine of the Faith, October 14, 1980.

Cardinal Franjo Šeper
Prefect

+ Fr. Jérôme Hamer, O.P.
Titular Archbishop of Lorium
Secretary
 
(Source: http://www.doctrinafidei.va/documents/rc_con_cfaith_doc_19801014_dispensatione-a-coelibatu_en.html)

 

Clerical Celibacy

The Roman Catholic Church demands celibacy--no voluntary sexual pleasure, hence, no marriage--as a prerequisite to the order of presbyter.

The primary basis for the requirement of celibacy is clearly the lifestyle example of Jesus himself.

The Church notes that the practice is sanctioned by the New Testament.

Mt 19:12
Some are incapable of marriage because they were born so; some, because they were made so by others; some, because they have renounced marriage for the sake of the kingdom of heaven. Whoever can accept this ought to accept it.
1 Cor 7:6-7
This I say by way of concession, however, not as a command. Indeed, I wish everyone to be as I am (single? widowed?), but each has a particular gift from God, one of one kind and one of another.
1 Cor 7:25-26
Now in regard to virgins, I have no commandment from the Lord, but I give my opinion as one who by the Lord's mercy is trustworthy. So this is what I think best because of the present distress: that it is a good thing for a person to remain as he is.
1 Cor 7:32-34
I should like you to be free of anxieties. An unmarried man is anxious about the things of the Lord, how he may please the Lord. But a married man is anxious about the things of the world, how he may please his wife, and he is divided. An unmarried woman or a virgin is anxious about the things of the Lord, so that she may be holy in both body and spirit. A married woman, on the other hand, is anxious about the things of the world, how she may please her husband.

The law of celibacy has no doctrinal bearing in the Catholic Church--it is a mere disciplinary law. Even today, there are married Catholic priests in the United States. Each is a former Episcopalian priest who joined the Catholic Church. There are Uniate Churches, churches in union with Rome, e.g., the Greek Byzantine Church, who have a married clergy.

Priestly celibacy became law in the Roman Church in the 6th century.


(Quelle: http://romanticcatholic.com/apologetics.html - used with permission)

 

SACERDOTALIS CAELIBATUS

SACERDOTALIS CAELIBATUS

ENCYCLICAL OF POPE PAUL VI
ON THE CELIBACY OF THE PRIEST

JUNE 24, 1967

To the Bishops, Priests and Faithful of the Whole Catholic World.

Priestly celibacy has been guarded by the Church for centuries as a brilliant jewel, and retains its value undiminished even in our time when the outlook of men and the state of the world have undergone such profound changes.

Amid the modern stirrings of opinion, a tendency has also been manifested, and even a desire expressed, to ask the Church to re-examine this characteristic institution. It is said that in the world of our time the observance of celibacy has come to be difficult or even impossible.

2. This state of affairs is troubling consciences, perplexing some priests and young aspirants to the priesthood; it is a cause for alarm in many of the faithful and constrains Us to fulfill the promise We made to the Council Fathers. We told them that it was Our intention to give new luster and strength to priestly celibacy in the world of today. (1) Since saying this We have, over a considerable period of time earnestly implorred the enlightenment and assistance of the Holy Spirit and have examined before God opinions and petitions which have come to Us from all over the world, notably from many pastors of God's Church.

Some Serious Questions

3. The great question concerning the sacred celibacy of the clergy in the Church has long been before Our mind in its deep seriousness: must that grave, ennobling obligation remain today for those who have the intention of receiving major orders? Is it possible and appropriate nowadays to observe such an obligation? Has the time not come to break the bond linking celibacy with the priesthood in the Church? Could the difficult observance of it not be made optional? Would this not be a way to help the priestly ministry and facilitate ecumenical approaches? And if the golden law of sacred celibacy is to remain, what reasons are there to show that it is holy and fitting? What means are to be taken to observe it, and how can it be changed from a burden to a help for the priestly life?

4. Our attention has rested particularly on the objections which have been and are still made in various forms against the retention of sacred celibacy. in virtue of Our apostolic office We are obliged by the importance, and indeed the complexity, of the subject to give faithful consideration to the facts and the problems they involve, at the same time bringing to them—as it is Our duty and Our mission to do—the light of truth which is Christ. Our intention is to do in all things the will of Him who has called Us to this office and to show what we are in the Church: the servant of the servants of God.

OBJECTIONS AGAINST PRIESTLY CELIBACY

5. It may be said that today ecclesiastical celibacy has been examined more penetratingly than ever before and in all its aspects. It has been examined from the doctrinal, historical, sociological, psychological and pastoral point of view. The intentions prompting this examination have frequently been basically correct although reports may sometimes have distorted them.

Let us look openly at the principal objections against the law that links ecclesiastical celibacy with the priesthood.

The first seems to come from the most authoritative source, the New Testament which preserves the teaching of Christ and the Apostles. It does not openly demand celibacy of sacred ministers but proposes it rather as a free act of obedience to a special vocation or to a special spiritual gift. (2) Jesus Himself did not make it a prerequisite in His choice of the Twelve, nor did the Apostles for those who presided over the first Christian communities. (3)

The Fathers of the Church

6. The close relationship that the Fathers of the Church and ecclesiastical writers established over the centuries between the ministering priesthood and celibacy has its origin partly in a mentality and partly in historical circumstances far different from ours. In patristic texts we more frequently find exhortations to the clergy to abstain from marital relations rather than to observe celibacy; and the reasons justifying the perfect chastity of the Church's ministers seem often to be based on an overly pessimistic view of man's earthly condition or on a certain notion of the purity necessary for contact with sacred things. In addition, it is said that the old arguments no longer are in harmony with the different social and cultural milieus in which the Church today, through her priests, is called upon to work.

Vocation and Celibacy

7. Many see a difficulty in the fact that in the present discipline concerning celibacy the gift of a vocation to the priesthood is identified with that of perfect chastity as a state of life for God's ministers. And so people ask whether it is right to exclude from the priesthood those who, it is claimed, have been called to the ministry without having been called to lead a celibate life.

The Shortage of Priests

8. It is asserted, moreover, that the maintaining of priestly celibacy in the Church does great harm in those regions where the shortage of the clergy—a fact recognized with sadness and deplored by the same Council (4)—gives rise to critical situations: that it prevents the full realization of the divine plan of salvation and at times jeopardizes the very possibility of the initial proclamation of the Gospel. Thus the disquieting decline in the ranks of the clergy is attributed by some to the heavy burden of the obligation of celibacy.

9. Then there are those who are convinced that a married priesthood would remove the occasions for infidelity, waywardness and distressing defections which hurt and sadden the whole Church. These also maintain that a married priesthood would enable Christ's ministers to witness more fully to Christian living by including the witness of married life, from which they are excluded by their state of life.

Human Values

10. There are also some who strongly maintain that priests by reason of their celibacy find themselves in a situation that is not only against nature but also physically and psychologically detrimental to the development of a mature and well-balanced human personality. And so it happens, they say, that priests often become hard and lacking in human warmth; that, excluded from sharing fully the life and destiny of the rest of their brothers, they are obliged to live a life of solitude which leads to bitterness and discouragement.

So they ask: Don't all these things indicate that celibacy does unwarranted violence to nature and unjustifiably disparages human values which have their source in the divine work of creation and have been made whole through the work of the Redemption accomplished by Christ?

Inadequate Formation

11. Again, in view of the way in which a candidate for the priesthood comes to accept an obligation as momentous as this, the objection is raised that in practice this acceptance results not from an authentically personal decision, but rather from an attitude of passivity, the fruit of a formation that neither is adequate nor makes sufficient allowance for human liberty. For the degree of knowledge and power of decision of a young person and his psychological and physical maturity fall far below—or at any rate are disproportionate to—the seriousness of the obligation he is assuming, its real difficulties and its permanence.

12. We well realize that there are other objections that can be made against priestly celibacy. This is a very complex question, which touches intimately upon the very meaning of being alive, yet is penetrated and resolved by the light of divine revelation. A never-ending series of difficulties will present themselves to those who cannot "receive this precept'' (5) and who do not know or have forgotten it is a "gift of God," (6) and who moreover are unaware of the loftier reasoning, wonderful efficacy and abundant riches of this new insight into life.

Testimony of the Past and Present

13. The sum of these objections would appear to drown out the solemn and age-old voice of the pastors of the Church and of the masters of the spiritual life, and to nullify the living testimony of the countless ranks of saints and faithful ministers of God, for whom celibacy has been the object of the total and generous gift of themselves to the mystery of Christ, as well as its outward sign. But no, this voice, still strong and untroubled, is the voice not just of the past but of the present too. Ever intent on the realities of today, we cannot close our eyes to this magnificent, wonderful reality: that there are still today in God's holy Church, in every part of the world where she exercises her beneficent influence, great numbers of her ministers—subdeacons, deacons, priests and bishops—who are living their life of voluntary and consecrated celibacy in the most exemplary way.

Nor can we overlook the immense ranks of men and women in religious life, of laity and of young people too, united in the faithful observance of perfect chastity. They live in chastity, not out of disdain for the gift of life, but because of a greater love for that new life which springs from the Paschal mystery. They live this life of courageous self-denial and spiritual joyfulness with exemplary fidelity and also with relative facility. This magnificent phenomenon bears testimony to an exceptional facet of the kingdom of God living in the midst of modern society, to which it renders humble and beneficial service as the "light of the world" and the "salt of the earth." (7) We cannot withhold the expression of Our admiration; the spirit of Christ is certainly breathing here.

The Law of Celibacy Confirmed

14. Hence We consider that the present law of celibacy should today continue to be linked to the ecclesiastical ministry. This law should support the minister in his exclusive, definitive and total choice of the unique and supreme love of Christ; it should uphold him in the entire dedication of himself to the public worship of God and to the service of the Church; it should distinguish his state of life both among the faithful and in the world at large.

15. The gift of the priestly vocation dedicated to the divine worship and to the religious and pastor al service of the People of God , is undoubtedly distinct from that which leads a person to choose celibacy as a state of consecrated life. (8) But the priestly vocation, although inspired by God, does not become definitive or operative without having been tested and accepted by those in the Church who hold power and bear responsibility for the ministry serving the ecclesial community. It is, therefore, the task of those who hold authority in the Church to determine, in accordance with the varying conditions of time and place, who in actual practice are to be considered suitable candidates for the religious and pastoral service of the Church, and what should be required of them.

Purpose of the Encyclical

16. In a spirit of faith, therefore, We look on this occasion afforded Us by Divine Providence as a favorable opportunity for setting forth anew, and in a way more suited to the men of our time, the fundamental reasons for sacred celibacy. If difficulties against faith "can stimulate our minds to a more accurate and deeper understanding" of it, (9) the same is true of the ecclesiastical discipline which guides and directs the life of the faithful.

We are deeply moved by the joy this occasion gives Us of contemplating the richness in virtue and the beauty of the Church of Christ. These may not always be immediately apparent to the human eye, because they derive from the love of the divine Head of the Church and because they are revealed in the perfection of holiness (10) which moves the human spirit to admiration, and which human resources cannot adequately explain.

1. REASONS FOR PRIESTLY CELIBACY

17. Virginity undoubtedly, as the Second Vatican Council declared, "is not, of course, required by the nature of the priesthood itself. This is clear from the practice of the early Church and the traditions of the Eastern Churches.'' (11) But at the same time the Council did not hesitate to confirm solemnly the ancient, sacred and providential present law of priestly celibacy. In addition, it set forth the motives which justify this law for those who, in a spirit of faith and with generous fervor, know how to appreciate the gifts of God.

18. Consideration of how celibacy is "particularly suited" (12) to God's ministers is not something recent. Even if the explicit reasons have differed with different mentalities and different situations, they were always inspired by specifically Christian considerations; and from these considerations we can get an intuition of the more fundamental motives underlying them. (13) These can be brought into clearer light only under the influence of the Holy Spirit, promised by Christ to His followers for the knowledge of things to come (14) and to enable the People of God to increase in the understanding of the mystery of Christ and of the Church. In this process the experience gained through the ages from a deeper penetration of spiritual things also has its part.

Christological Significance

19. The Christian priesthood, being of a new order, can be understood only in the light of the newness of Christ, the Supreme Pontiff and eternal Priest, who instituted the priesthood of the ministry as a real participation in His own unique priesthood. (15) The minister of Christ and dispenser of the mysteries of God, (16) therefore, looks up to Him directly as his model and supreme ideal. (l7) The Lord Jesus, the only Son of God, was sent by the Father into the world and He became man, in order that humanity which was subject to sin and death might be reborn, and through this new birth (18) might enter the kingdom of heaven. Being entirely consecrated to the will of the Father, (19) Jesus brought forth this new creation by means of His Paschal mystery; (20) thus, He introduced into time and into the world a new form of life which is sublime and divine and which radically transforms the human condition. (21)

Matrimony and Celibacy

20. Matrimony, according to the will of God, continues the work of the first creation; (22) and considered within the total plan of salvation, it even acquired a new meaning and a new value. Jesus, in fact, has restored its original dignity, (23) has honored it (24) and has raised it to the dignity of a sacrament and of a mysterious symbol of His own union with the Church. (25) Thus, Christian couples walk together toward their heavenly fatherland in the exercise of mutual love, in the fulfillment of their particular obligations, and in striving for the sanctity proper to them. But Christ, "Mediator of a superior covenant," (26) has also opened a new way, in which the human creature adheres wholly and directly to the Lord, and is concerned only with Him and with His affairs; (27) thus, he manifests in a clearer and more complete way the profoundly transforming reality of the New Testament.

Christ's Example

21. Christ, the only Son of the Father, by the power of the Incarnation itself was made Mediator between heaven and earth, between the Father and the human race. Wholly in accord with this mission, Christ remained throughout His whole life in the state of celibacy, which signified His total dedication to the service of God and men. This deep concern between celibacy and the priesthood of Christ is reflected in those whose fortune it is to share in the dignity and mission of the Mediator and eternal Priest; this sharing will be more perfect the freer the sacred minister is from the bonds of flesh and blood. (28)

The Motive for Celibacy

22. Jesus, who selected the first ministers of salvation, wished them to be introduced to the understanding of the "mysteries of the kingdom of heaven," (29) but He also wished them to be coworkers with God under a very special title, and His ambassadors. (30) He called them friends and brethren, (31) for whom He consecrated Himself so that they might be consecrated in truth; (32) He promised a more than abundant recompense to anyone who should leave home, family, wife and children for the sake of the kingdom of God. (33) More than this, in words filled with mystery and hope, He also commended an even more perfect consecration (34) to the kingdom of heaven by means of celibacy, as a special gift. (35) The motive of this response to the divine call is the kingdom of heaven; (36) similarly, this very kingdom, (37) the Gospel (38) and the name of Christ (39) motivate those called by Jesus to undertake the work of the apostolate, freely accepting its burdens, that they may participate the more closely in His lot.

23. To them this is the mystery of the newness of Christ, of all that He is and stands for; it is the sum of the highest ideals of the Gospel and of the kingdom; it is a particular manifestation of grace, which springs from the Paschal mystery of the Savior. This is what makes the choice of celibacy desirable and worthwhile to those called by our Lord Jesus. Thus they intend not only to participate in His priestly office, but also to share with Him His very condition of living.

Fullness of Love

24. The response to the divine call is an answer of love to the love which Christ has shown us so sublimely. (40) This response is included in the mystery of that special love for souls who have accepted His most urgent appeals. (41) With a divine force, grace increases the longings of love. And love, when it is genuine, is all-embracing, stable and lasting, an irresistible spur to all forms of heroism. And so the free choice of sacred celibacy has always been considered by the Church "as a symbol of, and stimulus to, charity": (42) it signifies a love without reservations; it stimulates to a charity which is open to all. In a life so completely dedicated and motivated, who can see the sign of spiritual narrowness or selfseeking, and not see rather that celibacy is and ought to be a rare and very meaningful example of a life motivated by love, by which man expresses his own unique greatness? Who can doubt the moral and spiritual richness of such a life, consecrated not to any human ideal, no matter how noble, but to Christ and to His work to bring about a new form of humanity in all places and for all generations?

Invitation to Study

25. This biblical and theological view associates our ministerial priesthood with the priesthood of Christ; the total and exclusive dedication of Christ to His mission of salvation provides reason and example for our assimilation to the form of charity and sacrifice proper to Christ our Savior. This vision seems to Us so profound and rich in truth, both speculative and practical, that We invite you, venerable brothers, and you, eager students of Christian doctrine and masters of the spiritual life, and all you priests who have gained a supernatural insight into your vocation, to persevere in the study of this vision, and to go deeply into the inner recesses and wealth of its reality. In this way, the bond between the priesthood and celibacy will more and more be seen as closely knit—as the mark of a heroic soul and the imperative call to unique and total love for Christ and His Church.

Ecclesiological Significance

26. "Laid hold of by Christ" (43) unto the complete abandonment of one's entire self to Him, the priest takes on a closer likeness to Christ, even in the love with which the eternal Priest has loved the Church His Body and offered Himself entirely for her sake, in order to make her a glorious, holy and immaculate Spouse. (44)

The consecrated celibacy of the sacred ministers actually manifests the virginal love of Christ for the Church, and the virginal and supernatural fecundity of this marriage, by which the children of God are born, "not of blood, nor of the will of the flesh." (45 46)

27. The priest dedicates himself to the service of the Lord Jesus and of His Mystical Body with complete liberty, which is made easier by his total offering, and thus he depicts more fully the unity and harmony of the priestly life. (47) His ability for listening to the word of God and for prayer increases. Indeed, the word of God, as preserved by the Church, stirs up vibrant and profound echoes in the priest who daily meditates on it, lives it and preaches it to the faithful.

The Divine Office and Prayer

28. Like Christ Himself, His minister is wholly and solely intent on the things of God and the Church, (48) and he imitates the great High priest who lives ever in the presence of God in order to intercede in our favor. (49) So he receives joy and encouragement unceasingly from the attentive and devout recitation of the Divine Office, by which he dedicates his voice to the Church who prays together with her Spouse, (50) and he recognizes the necessity of continuing his diligence at prayer, which is the profoundly priestly occupation. (51)

A Full and Fruitful Life

29. The rest of a priest's life also acquires a greater richness of meaning and sanctifying power. In fact, his individual efforts at his own sanctification find new incentives in the ministry of grace and in the ministry of the Eucharist, in which "the whole spiritual good of the Church is contained": (52) acting in the person of Christ, the priest unites himself most intimately with the offering, and places on the altar his entire life, which bears the marks of the holocaust.

30. What other considerations can We offer to describe the increase of the priest's power, his service, his love and sacrifice for the entire people of God? Christ spoke of Himself when He said: "Unless a grain of wheat falls into the earth and dies, it remains alone; but if it dies, it bears much fruit." (53) And the Apostle Paul did not hesitate to expose himself to a daily death in order to obtain among his faithful glory in Christ Jesus. (54) In a similar way, by a daily dying to himself and by giving up the legitimate love of a family of his own for the love of Christ and of His kingdom, the priest will find the glory of an exceedingly rich and fruitful life in Christ, because like Him and in Him, he loves and dedicates himself to all the children of God.

31. In the community of the faithful committed to his charge, the priest represents Christ. Thus, it is most fitting that in all things he should reproduce the image of Christ and in particular follow His example, both in his personal and in his apostolic life. To his children in Christ, the priest is a sign and a pledge of that sublime and new reality which is the kingdom of God; he dispenses it and he possesses it to a more perfect degree. Thus he nourishes the faith and hope of all Christians, who, as such, are bound to observe chastity according to their proper state of life.

The Pastoral Efficacy of Celibacy

32. The consecration to Christ under an additional and lofty title like celibacy evidently gives to the priest, even in the practical field, the maximum efficiency and the best disposition of mind, mentally and emotionally, for the continuous exercise of a perfect charity. (55) This charity will permit him to spend himself wholly for the welfare of all, in a fuller and more concrete way. (56) It also obviously guarantees him a greater freedom and flexibility in the pastoral ministry, (57) in his active and living presence in the world, to which Christ has sent him (58) so that he may pay fully to all the children of God the debt due to them. (59)

Eschatological Significance

33. The kingdom of God, which "is not of this world," (60) is present here on earth in mystery, and will reach its perfection only with the glorious coming of the Lord Jesus. (61) The Church here below constitutes the seed and the beginning of this kingdom. And as she continues to grow slowly but surely, she longs for the perfect kingdom and ardently desires with all her energy to unite herself with her King in glory. (62)

The pilgrim People of God are on a journey through the vicissitudes of this life toward their heavenly homeland, (63) where the divine sonship of the redeemed (64) will be fully revealed and where the transformed loveliness of the Spouse of the Lamb of God will shine completely. (65)

A Sign of Heavenly Treasures

34. Our Lord and Master has said that "in the resurrection they neither marry nor are given in marriage, but are like angels in heaven." (66) In the world of man, so deeply involved in earthly concerns and too often enslaved by the desires of the flesh, (67) the precious and almost divine gift of perfect continence for the kingdom of heaven stands out precisely as "a special token of the rewards of heaven"; (68) it proclaims the presence on earth of the final stages of salvation (69) with the arrival of a new world, and in a way it anticipates the fulfillment of the kingdom as it sets forth its supreme values which will one day shine forth in all the children of God. This continence, therefore, stands as a testimony to the ever-continuing progress of the People of God toward the final goal of their earthly pilgrimage, and as a stimulus for all to raise their eyes to the things above, "where Christ is seated at the right hand of God" and where "our life is hid with Christ in God" until it appears "with him in glory." (70)

CELIBACY IN THE LIFE OF THE CHURCH

35. Although it would be highly instructive to go through the writings of past centuries on ecclesiastical celibacy, this would take so long that We will let a brief account suffice. In Christian antiquity the Fathers and ecclesiastical writers testify to the spread through the East and the West of the voluntary practice of celibacy by sacred ministers (71) because of its profound suitability for their total dedication to the service of Christ and His Church.

36. From the beginning of the 4th century, the Church of the West strengthened, spread and confirmed this practice by means of various provincial councils and through the supreme pontiffs. (72) More than anyone else, the supreme pastors and teachers of the Church of God, the guardians and interpreters of the patrimony of the faith and of holy Christian practices, promoted, defended, and restored ecclesiastical celibacy in successive eras of history, even when they met opposition from the clergy itself and when the practices of a decadent society did not favor the heroic demands of virtue. The obligation of celibacy was then solemnly sanctioned by the Sacred Ecumenical Council of Trent (73) and finally included in the Code of Canon Law. (74)

37. The most recent sovereign pontiffs who preceded Us, making use of their doctrinal knowledge and spurred on by ardent zeal, strove to enlighten the clergy on this matter and to urge them to its observance. (75) We do not wish to fail to pay homage to them, especially to Our well-loved immediate predecessor, whose memory is still fresh in the hearts of men all over the world. During the Roman Synod, with the sincere approval of all the clergy of the city, he spoke as follows: "It deeply hurts Us that . . . anyone can dream that the Church will deliberately or even suitably renounce what from time immemorial has been, and still remains, one of the purest and noblest glories of her priesthood. The law of ecclesiastical celibacy and the efforts necessary to preserve it always recall to mind the struggles of the heroic times when the Church of Christ had to fight for and succeeded in obtaining her threefold glory, always an emblem of victory, that is, the Church of Christ, free, chaste and catholic." (76)

The Church of the East

38. If the legislation of the Eastern Church is different in the matter of discipline with regard to clerical celibacy, as was finally established by the Council of Trullo held in the year 692, (77) and which has been clearly recognized by the Second Vatican Council, (78) this is due to the different historical background of that most noble part of the Church, a situation which the Holy Spirit has providentially and supernaturally influenced.

We Ourselves take this opportunity to express Our esteem and Our respect for all the clergy of the Eastern Churches, and to recognize in them examples of fidelity and zeal which make them worthy of sincere veneration.

39. We find further comforting reasons for continuing to adhere to the observance of the discipline of clerical celibacy in the exaltation of virginity by the Eastern Fathers. We hear within Us, for example, the voice of St. Gregory of Nyssa, reminding us that "the life of virginity is the image of the blessedness that awaits us in the life to come." (79) We are no less assured by St. John Chrysostom's treatise on the priesthood, which is still a fruitful subject for reflection. Intent on throwing light on the harmony which must exist between the private life of him who ministers at the altar and the dignity of the order to which his sacred duties belong, he affirmed: ". . . it is becoming that he who accepts the priesthood be as pure as if he were in heaven." (80)

40. Further, it is by no means futile to observe that in the East only celibate priests are ordained bishops, and priests themselves cannot contract marriage after their ordination to the priesthood. This indicates that these venerable Churches also possess to a certain extent the principle of a celibate priesthood and even of the appropriateness of celibacy for the Christian priesthood, of which the bishops possess the summit and fullness. (81)

The Tradition of the Western Church

41. In any case, the Church of the West cannot weaken her faithful observance of her own tradition. Nor can she be regarded as having followed for centuries a path which instead of favoring the spiritual richness of individual souls and of the People of God, has in some way compromised it, or of having stifled, with arbitrary juridical prescriptions, the free expansion of the most profound realities of nature and of grace.

Particular Cases

42. In virtue of the fundamental norm of the government of the Catholic Church, to which We alluded above, (82) while on the one hand, the law requiring a freely chosen and perpetual celibacy of those who are admitted to Holy Orders remains unchanged, on the other hand, a study may be allowed of the particular circumstances of married sacred ministers of Churches or other Christian communities separated from the Catholic communion, and of the possibility of admitting to priestly functions those who desire to adhere to the fullness of this communion and to continue to exercise the sacred ministry. The circumstances must be such, however, as not to prejudice the existing discipline regarding celibacy.

And that the authority of the Church does not hesitate to exercise her power in this matter can be seen from the recent Ecumenical Council, which foresaw the possibility of conferring the holy diaconate on men of mature age who are already married. (83)

43. All this, however, does not signify a relaxation of the existing law, and must not be interpreted as a prelude to its abolition. There are better things to do than to promote this hypothesis, which tears down that vigor and love in which celibacy finds security and happiness, and which obscures the true doctrine that justifies its existence and exalts its splendor. It would be much better to promote serious studies in defense of the spiritual meaning and moral value of virginity and celibacy. (84)

The Mind of the Council

44. Holy virginity is a very special gift. Nevertheless, the whole present-day Church, solemnly and universally represented by the pastors responsible for her welfare (with due respect, as We have said, for the discipline of the Eastern Churches), manifested her absolute faith "in the Holy Spirit that the grace of leading a celibate life, so desirable in the priesthood of the New Testament, will be readily granted by God the Father if those who by ordination share the priesthood of Christ humbly and earnestly ask it together with the whole Church." (85)

The Prayer of the People of God

45. We wholeheartedly call on the entire People of God to do their duty in bringing about an increase in priestly vocations. (86) We ask them fervently to beg the Father of all, the divine Spouse of the Church, and the Holy Spirit, her principle of life, through the intercession of the Blessed Virgin Mary, Mother of Christ and of His Church, to pour out, especially at present, this divine gift, which the Father certainly does not wish to give stintingly. They should also fervently pray, in like manner, that souls may dispose themselves to receive this gift by a profound faith and a generous love. In this way, in our world which needs God's glory, (81) priests, ever more perfectly conformed to the one and supreme Priest, will be a real glory to Christ, (88) and, through them, "the glory of the grace" of God will be magnified in the world of today. (89)

46. Yes, venerable and well-beloved brothers in the priesthood, whom We cherish "with the affection of Christ Jesus," (90) it is indeed this world in which we live, tormented by the pains of growth and change, justly proud of its human values and human conquests, which urgently needs the witness of lives consecrated to the highest and most sacred spiritual values. This witness is necessary in order that the rare and incomparable light radiating from the most sublime virtues of the spirit may not be wanting to our times.

The Hidden Wisdom of God

47. Our Lord Jesus Christ did not hesitate to confide the formidable task of evangelizing the then-known world to a handful of men to all appearances lacking in number and quality. He bade this little flock not to lose heart, (91) for, thanks to His constant assistance, (92) through Him and with Him, they would overcome the world. (93) Jesus has also taught us that the kingdom of God has an intrinsic and unobservable dynamism which enables it to grow "without [man's] knowing it." (94) The harvest of God's kingdom is great, but the laborers, as in the beginning, are few. Actually, they have never been as numerous as human standards would have judged sufficient. But the heavenly King demands that we pray "the Lord of the harvest to send out laborers into His harvest." (95) The counsels and prudence of man cannot supersede the hidden wisdom of Him who, in the history of salvation, has challenged man's wisdom and power by His own foolishness and weakness. (96)

The Courage of Faith

48. Supported by the power of faith, We express the Church's conviction on this matter. Of this she is certain: if she is prompter and more persevering in her response to grace, if she relies more openly and more fully on its secret but invincible power, if, in short, she bears more exemplary witness to the mystery of Christ, then she will never fall short in the performance of her salvific mission to the world—no matter how much opposition she faces from human ways of thinking or misrepresentations. We must all realize that we can do all things in Him who alone gives strength to souls (97) and increase to His Church. (98)

49. We are not easily led to believe that the abolition of ecclesiastical celibacy would considerably increase the number of priestly vocations: the contemporary experience of those Churches and ecclesial communities which allow their ministers to marry seems to prove the contrary. The causes of the decrease in vocations to the priesthood are to be found elsewhere—for example, in the fact that individuals and families have lost their sense of God and of all that is holy, their esteem for the Church as the institution of salvation through faith and the sacraments. The problem must be examined at its real source.

CELIBACY AND HUMAN VALUES

50. As We said above, (99) the Church is not unaware that the choice of consecrated celibacy, since it involves a series of hard renunciations which affect the very depths of a man, presents also grave difficulties and problems to which the men of today are particularly sensitive. In fact, it might seem that celibacy conflicts with the solemn recognition of human values by the Church in the recent Council. And yet more careful consideration reveals that this sacrifice of the human love experienced by most men in family life and given up by the priest for the love of Christ, is really a singular tribute paid to that great love. For it is universally recognized that man has always offered to God that which is worthy of both the giver and the receiver.

Grace and Nature

51. Moreover, the Church cannot and should not fail to realize that the choice of celibacy—provided that it is made with human and Christian prudence and responsibility—is governed by grace which, far from destroying or doing violences to nature, elevates it and imparts to it supernatural powers and vigor. God, who has created and redeemed man, knows what He can ask of him and gives him everything necessary to be able to do what his Creator and Redeemer asks of him. St. Augustine, who had fully and painfully experienced in himself the nature of man, exclaimed: "Grant what You command, and command what You will.'' (100)

52. A true knowledge of the real difficulties of celibacy is very useful, even necessary, for the priest, so that he may be fully aware of what his celibacy requires in order to be genuine and beneficial. But with equal fidelity to the truth, these difficulties must not be given greater value or weight than they actually have in the human or religious sphere, or be declared impossible of solution.

Celibacy Not Against Nature

53. Considering what contemporary scholarly investigation has ascertained, it is not right to continue repeating (l01) that celibacy is against nature because it runs counter to lawful physical, psychic and affective needs, or to claim that a completely mature human personality demands fulfillment of these needs. Man, created to God's image and likeness, (102) is not just flesh and blood; the sexual instinct is not all that he has; man has also, and pre-eminently, understanding, choice, freedom, and thanks to these powers he is, and must remain, the chief work of creation; they give him mastery over his physical, mental and emotional appetites.

54. The true, profound reason for dedicated celibacy is, as We have said, the choice of a closer and more complete relationship with the mystery of Christ and the Church for the good of all mankind: in this choice there is no doubt that those highest human values are able to find their fullest expression.

An Exaltation of Man

55. The choice of celibacy does not connote ignorance of or contempt for the sexual instinct and man's capacity for giving himself in love. That would certainly do damage to his physical and psychological balance. On the contrary, it demands clear understanding, careful self-control and a wise elevation of the mind to higher realities. In this way celibacy sets the whole man on a higher level and makes an effective contribution to his perfection.

The Development of Personality

56. We readily grant that the natural and lawful desire a man has to love a woman and to raise a family is renounced by the celibate in sacred orders; but it cannot be said that marriage and the family are the only way for fully developing the human person. In the priest's heart love is by no means extinct. His charity is drawn from the purest source, (103) practiced in the imitation of God and Christ, and is no less demanding and real than any other genuine love. (l04) It gives the priest a limitless horizon, deepens and gives breadth to his sense of responsibility—a mark of mature personality—and inculcates in him, as a sign of a higher and greater fatherhood, a generosity and refinement of heart (105) which offer a superlative enrichment.

The Testimony of Total Dedication

57. All the People of God must give testimony to the mystery of Christ and His kingdom, but this witnessing does not take the same form for all. The Church leaves to her married children the function of giving the necessary testimony of a genuinely and fully Christian married and family life. She entrusts to her priests the testimony of a life wholly dedicated to pondering and seeking the new and delightful realities of God's kingdom.

If this means that the priest is without a direct personal experience of married life, he nevertheless will be able through his training, his ministry and the grace of his office, to gain even deeper insights into every human yearning. This will allow him to meet problems of this kind at their source and give solid support by his advice and assistance to married persons and Christian families.(106) For the Christian family, the example of the priest who is living his life of celibacy to the full will underscore the spiritual dimension of every love worthy of the name, and his personal sacrifice will merit for the faithful united in the holy bond of matrimony the grace of a true union.

The Priest and Solitude

58. By reason of his celibacy the priest is a man alone: that is true, but his solitude is not meaningless emptiness because it is filled with God and the brimming riches of His kingdom. Moreover, he has prepared himself for this solitude—which should be an internal and external plenitude of charity—if he has chosen it with full understanding, and not through any proud desire to be different from the rest of men, or to withdraw himself from common responsibilities, or to alienate himself from his brothers, or to show contempt for the world. Though set apart from the world, the priest is not separated from the People of God, because he has been "appointed to act on behalf of men," (107) since he is "consecrated" completely to charity (108) and to the work for which the Lord has chosen him. (109)

The Loneliness of Christ

59. At times loneliness will weigh heavily on the priest, but he will not for that reason regret having generously chosen it. Christ, too, in the most tragic hours of His life was alone—abandoned by the very ones whom He had chosen as witnesses to, and companions of, His life, and whom He had loved "to the end" (110)—but He stated, "I am not alone, for the Father is with me." (111) He who has chosen to belong completely to Christ will find, above all, in intimacy with Him and in His grace, the power of spirit necessary to banish sadness and regret and to triumph over discouragement. He will not be lacking the protection of the Virgin Mother of .Jesus nor the motherly solicitude of the Church, to whom he has given himself in service. He will not be without the kindly care of his father in Christ, his bishop; nor will the fraternal companionship of his fellow priests and the love of the entire People of God, most fruitful of consolations, be lacking to him. And if hostility, lack of confidence and the indifference of his fellow men make his solitude quite painful, he will thus be able to share, with dramatic clarity, the very experience of Christ, as an apostle who must not be "greater than he who sent him," (112) as a friend admitted to the most painful and most glorious secret of his divine Friend who has chosen him to bring forth the mysterious fruit of life in his own life, which is only apparently one of death. (ll3)

II. PRIESTLY FORMATION

60. Our reflection on the beauty, importance and intimate fittingness of holy virginity for the ministers of Christ and His Church makes it incumbent on those who hold the office of teacher and pastor of that Church to take steps to assure and promote its positive observance, from the first moment of preparation to receive such a precious gift.

In fact, the difficulties and problems which make the observance of chastity very painful or quite impossible for some, spring, not infrequently, from a type of priestly formation which, given the great changes of these last years, is no longer completely adequate for the formation of a personality worthy of a "man of God." (114)

Carrying Out the Council's Norms

61. The Second Vatican Council has already indicated wise criteria and guidelines to this end. They are in conformity with the progress of psychology and pedagogy, as well as with the changed conditions of mankind and of contemporary society. (115) It is Our wish that appropriate instructions be drawn up with the help of truly qualified men, treating with all necessary detail the theme of chastity. They should be sent out as soon as possible to provide competent and timely assistance to those who have the great responsibility within the Church of preparing future priests.

Personal Response to the Divine Vocation

62. The priesthood is a ministry instituted by Christ for the service of His Mystical Body which is the Church. To her belongs the authority to admit to that priesthood those whom she judges qualified—that is, those to whom God has given, along with other signs of an ecclesiastical vocation, the gift of a consecrated celibacy. (116)

In virtue of such a gift, confirmed by canon law, the individual is called to respond with free judgment and total dedication, adapting his own mind and outlook to the will of God who calls him. Concretely, this divine calling manifests itself in a given individual with his own definite personality structure which is not at all overpowered by grace. In candidates for the priesthood, therefore, the sense of receiving this divine gift should be cultivated; so too, a sense of responsibility in their meeting with God, with the highest importance given to supernatural means.

63. It is likewise necessary that exact account be taken of the physical and psychological state of the candidate in order to guide and orient him toward the priestly ideal; so a truly adequate formation should harmoniously coordinate grace and nature in the man in whom one clearly sees the proper conditions and qualifications. These conditions should be ascertained as soon as signs of his holy vocation are first indicated—not hastily or superficially, but carefully, with the assistance and aid of a doctor or a competent psychologist. A serious investigation of hereditary factors should not be omitted.

Unsuitable Candidates

64. Those who are discovered to be unfit for physical, psychological or moral reasons should be quickly removed from the path to the priesthood. Let educators appreciate that this is one of their very grave duties. They must neither indulge in false hopes and dangerous illusions nor permit the candidate to nourish these hopes in any way, with resultant damage to himself or to the Church. The life of the celibate priest, which engages the whole man so totally and so delicately, excludes in fact those of insufficient physical, psychic and moral qualifications. Nor should anyone pretend that grace supplies for the defects of nature in such a man.

65. After the capability of a man has been ascertained and he has been admitted to the course of studies leading to the goal of the priesthood, care should be taken for the progressive development of a mature personality through physical, intellectual and moral education directed toward the control and personal dominion of his temperament, sentiments and passions.

The Necessity of Discipline

66. This will be proved by the firmness of the spirit with which he accepts the personal and community type of discipline demanded by the priestly life. Such a regime, the lack or deficiency of which is to be deplored because it exposes the candidate to grave disorders, should not be borne only as an imposition from without. It should be inculcated and implanted as an indispensable component within the context of the spiritual life.

Personal Initiative

67. The educator should skillfully stimulate the young man to the evangelical virtue of sincerity (117) and to spontaneity by approving every good personal initiative, so that the young man will come to know and properly evaluate himself, wisely assume his own responsibilities, and train himself to that self-control which is of such importance in priestly education.

68. The exercise of authority, the principle of which should be maintained firmly, will be animated by wise moderation and a pastoral attitude. It will be used in a climate of dialogue and will be implemented in a gradual way which will afford the educator an ever deepening understanding of the psychology of the young man, and will appeal to personal conviction.

A Free Choice

69. The complete education of the candidate for the priesthood should be directed to help him acquire a tranquil, convinced and free choice of the grave responsibilities which he must assume in conscience before God and the Church. Ardor and generosity are marvelous qualities of youth; illuminated and supported, they merit, along with the blessing of the Lord, the admiration and confidence of the whole Church as well as of all men. None of the real personal and social difficulties which their choice will bring in its train should remain hidden to the young men, so that their enthusiasm will not be superficial and illusory. At the same time it will be right to highlight with at least equal truth and clarity the sublimity of their choice, which, though it may lead on the one hand to a certain physical and psychic void, nevertheless on the other brings with it an interior richness capable of elevating the person most profoundly.

A Demanding Asceticism

70. Young candidates for the priesthood should be convinced that they cannot follow their difficult way without a special type of asceticism proper to themselves and more demanding than that which is required of the other faithful. It will be a demanding asceticism but not a suffocating one which consists in the deliberate and assiduous practice of those virtues which make a man a priest: self-denial in the highest degree—an essential condition if one would follow Christ; (118) humility and obedience as expressions of internal truth and of an ordered liberty; prudence, justice, courage and temperance—virtues without which it is impossible for true and profound religious life to exist; a sense of responsibility, fidelity and loyalty in the acceptance of one's obligations; a balance between contemplation and action; detachment and a spirit of poverty, which will give tone and vigor to evangelical freedom; chastity, the result of a persevering struggle, harmonized with all the other natural and supernatural virtues; a serene and secure contact with the world to whose service the young man will dedicate himself for Christ and for His kingdom.

In such a way the aspirant to the priesthood will acquire, with the help of a divine grace, a strong, mature and balanced personality, a combination of inherited and acquired qualities, harmony of all his powers in the light of the faith and in intimate union with Christ, whom he has chosen for himself and for the ministry of salvation to the world.

Trial Periods

71. However, to judge with more certainty the young man's fitness for the priesthood and to have successive proofs of his attained maturity on both the human and supernatural levels—for "it is more difficult to conduct oneself correctly in the service of souls because of dangers coming from outside" (119)—it will be advisable to have a preliminary trial period before the observance of holy celibacy becomes something definitive and permanent through ordination to the priesthood. (120)

A Gift to the Lord and His Church

72. Once moral certainty has been obtained that the maturity of the candidate is sufficiently guaranteed, he will be in a position to take on himself the heavy and sweet burden of priestly chastity as a total gift of himself to the Lord and to His Church.

In this way, the obligation of celibacy, which the Church makes a condition of Holy Orders, is accepted by the candidate through the influence of divine grace and with full reflection and liberty, and, as is evident, not without the wise and prudent advice of competent spiritual directors who are concerned not to impose the choice, but rather to dispose the candidate to make it more consciously. Hence, in that solemn moment when the candidate will decide once and for his whole life, he will not feel the weight of an imposition from outside, but rather the interior joy that accompanies a choice made for the love of Christ.

THE PRIESTLY LIFE

73. The priest must not think that ordination makes everything easy for him and screens him once and for all from every temptation or danger. Chastity is not acquired all at once but results from a laborious conquest and daily affirmation. Our world today stresses the positive values of love between the sexes but has also multiplied the difficulties and risks in this sphere. In order to safeguard his chastity with all care and affirm its sublime meaning, the priest must consider clearly and calmly his position as a man exposed to spiritual warfare against seductions of the flesh in himself and in the world, continually renewing his resolution to give an ever increasing and ever better perfection to the irrevocable offering of himself which obliges him to a fidelity that is complete, loyal and real.

74. Christ's priest will daily receive new strength and joy as he deepens in meditation and prayer the motives for his gift and the conviction that he has chosen the better part. He will ask humbly and perseveringly for the grace of fidelity, never denied to those who ask it sincerely. At the same time he will use the natural and supernatural means at his disposal. In particular he will not disregard those ascetical norms which have been substantiated by the Church's experience and are no less necessary in modern circumstances than in former times. (121)

Intense Spiritual Life

75. The priest should apply himself above all else to developing, with all the love grace inspires in him, his close relationship with Christ, and exploring this inexhaustible and enriching mystery; he should also acquire an ever deeper sense of the mystery of the Church. There would be the risk of his state of life seeming unreasonable and unfounded if it is viewed apart from this mystery.

Priestly piety, nourished at the table of God's word and the Holy Eucharist, lived within the cycle of the liturgical year, inspired by a warm and enlightened devotion to the Virgin Mother of the supreme and eternal High Priest and Queen of the Apostles, (122) will bring him to the source of a true spiritual life which alone provides a solid foundation for the observance of celibacy.

The Spirit of the Priestly Ministry

76. In this way the priest, with grace and peace in his heart, will face with generosity the manifold tasks of his life and ministry. If he performs these with faith and zeal he will find in them new occasions to show that he belongs entirely to Christ and His Mystical Body, for his own sanctification and the sanctification of others. The charity of Christ which urges him on, (123) will help him not to renounce his higher feelings but to elevate and deepen them in a spirit of consecration in imitation of Christ the High Priest, who shared intimately in the life of men, loved and suffered for them, (l24) and of Paul the Apostle who shared in the cares of all (125) in order to bring the light and power of the Gospel of God's grace to shine in the world. (126)

77. Rightly jealous of his full self-giving to the Lord, the priest should know how to guard against emotional tendencies which give rise to desires not sufficiently enlightened or guided by the Spirit. He should beware of seeing spiritual or apostolic pretexts for what are in fact dangerous inclinations of the heart.

Virile Asceticism

78. The priestly life certainly requires an authentic spiritual intensity in order to live by the Spirit; (127) it requires a truly virile asceticism—both interior and exterior—in one who, belonging in a special way to Christ, has in Him and through Him "crucified the flesh with its passions and desires," (128) not hesitating to face arduous and lengthy trials in order to do so. (l29) In this way Christ's minister will be the better able to show to the world the fruits of the Spirit, which are "charity, joy, peace, patience, benignity, goodness, longanimity, mildness, faith, modesty, continency, chastity.'' (l30)

The Brotherhood of Priests

79. Moreover, priestly chastity is increased, guarded and defended by a way of life, surroundings and activity suited to a minister of God. For this reason the "close sacramental brotherhood (131) which all priests enjoy in virtue of their ordination must be fostered to the utmost. Our Lord Jesus Christ has taught the urgency of the new commandment of charity. He gave a wonderful example of it when He instituted the sacrament of the Eucharist and the Catholic priesthood, (l32) and prayed to His Heavenly Father that the love the Father bore for Him from all eternity should be in His ministers and that He too should be in them. (133)

80. So the unity of spirit among priests should be active in their prayers, friendship and help of all kinds for one another. Ore cannot sufficiently recommend to priests a life lived in common and directed entirely toward their sacred ministry; the practice of having frequent meetings with a fraternal exchange of ideas, counsel and experience with their brother priests; the movement to form associations which encourage priestly holiness.

Charity For Fellow Priests

81. Priests should reflect on the advice of the Council, (134) which reminds them of their common sharing in the priesthood so that they may feel a lively responsibility for fellow priests troubled by difficulties which gravely endanger the divine gift they have. They should have a burning charity for those who have greater need of love, understanding and prayer, who have need of prudent but effective help, and who have a claim on their unbounded charity as those who are, and should be, their truest friends.

82. Venerable brothers in the episcopacy, priest and ministers of the altar, by way of completing and leaving a remembrance of this written conversation with you, we should like to suggest this resolution to you: that on the anniversary of his ordination, or on Holy Thursday when all are united in spirit commemorating the mystery of the institution of the priesthood, each one should renew his total gift of himself to Christ our Lord; reviving in this way the awareness that He has chosen you for His divine service, and repeating at the same time, humbly and courageously, the promise of our unswerving faithfulness to His love alone in your offering of perfect chastity. (l35)

LAMENTABLE DEFECTIONS

83. Now, with fatherly love and affection, Our heart turns anxiously and with deep sorrow to those unfortunate priests who always remain Our dearly beloved brothers and whose absence

We keenly regret. We speak of those who, retaining the sacred character conferred by their priestly ordination, have nonetheless been sadly unfaithful to the obligations they accepted when ordained.

Their sad state and its consequences to priests and to others move some to wonder if celibacy is not in some way responsible for such dramatic occurrences and for the scandals they inflict on God's People. In fact, the responsibility falls not on consecrated celibacy in itself but on a judgment of the fitness of the candidate of the priesthood which was not always adequate or prudent at the proper time, or else it falls on the way in which sacred ministers live their life of total consecration.

Reasons for Dispensations

84. The Church is very conscious of the sad state of these sons of hers and judges it necessary to make every effort to avert or to remedy the wounds she suffers by their defection. Following the example of Our immediate predecessors, We also have, in cases concerning ordination to the priesthood, been prepared to allow inquiry to extend beyond the provisions of the present canon law (l36) to other very grave reasons which give ground for really solid doubts regarding the full freedom and responsibility of the candidate for the priesthood and his fitness for the priestly state. This has been done to free those who, on careful judicial consideration of their case, are seen to be really unsuited.

The Church's Concern

85. The dispensations which are granted after such considerations—a minimal percentage when they are compared with the great number of good, worthy priests—provide in justice for the spiritual salvation of the individual and show at the same time the Church's concern to safeguard celibacy and the complete fidelity of all her ministers. In granting such dispensations the Church always acts with heartfelt regret, especially in the particularly lamentable cases in which refusal to bear worthily this sweet yoke of Christ results from crises in faith, or moral weakness, and is thus frequently a failure in responsibility and a source of scandal to the Christian people.

86. If these priests knew how much sorrow, dishonor and unrest they bring to the holy Church of God, if they reflected on the seriousness and beauty of their obligations and on the dangers to which they are exposed in this life and in the next, there would be greater care and reflection in their decisions; they would pray more assiduously and show greater courage and logic in forestalling the causes of their spiritual and moral collapse.

87. Mother Church takes particular interest in what befalls young priests who, no matter how great the zeal and enthusiasm with which they entered the sacred ministry, have nevertheless been troubled later on in performing their duties by feelings of hopelessness, doubt, desire, or folly. Hence, especially in these circumstances, it is the wish of the Church that every persuasive means available be used to lead our brothers from this wavering state and restore to them peace of soul, trust, penance, and their former zeal. It is only when no other solution can be found for a priest in this unhappy condition that he should be relieved of his office.

The Granting of Dispensations

88. There are some whose priesthood cannot be saved, but whose serious dispositions nevertheless give promise of their being able to live as good Christian lay people. To these the Holy See, having studied all the circumstances with their bishops or with their religious superiors, sometimes grants a dispensation, thus letting love conquer sorrow. In order, however, that her unhappy but always dear son may have a salutary sign of her maternal grief and a keener remembrance of the universal need of God's mercy, in these cases she imposes some works of piety and reparation .

Encouragement and Warning

89. Inspiring this discipline, which is at once severe and merciful, are justice and truth, prudence and reserve. It is without doubt a discipline which will confirm good priests in their determination to live lives of purity and holiness. At the same time it will be a warning to those aspiring to the priesthood. Guided by the wisdom of those who educate them, they will approach their priesthood fully aware of its obligations and entirely forgetfully of self, responding generously to divine grace and the will of Christ and His Church.

90. Finally, and with deep joy, We thank our Lord because many priests who for a time had been unfaithful to their obligations have again, with the grace of the High Priest, found the path and given joy to all by becoming anew exemplary pastors. With admirable good will, they used all the means which were helpful to ensure their return, especially an intense life of prayer, humility, persevering effort sustained by regular reception of the Sacrament of Penance.

THE BISHOP'S FATHERLINESS

91. There is an irreplaceable and very effective means to ensure for our dear priests an easier and happier way of being faithful to their obligations, and it is one which they have the right and duty to find in you, venerable brother bishops. It was you who called them and destined them to be priests; it was you who placed your hands on their heads; with you they are one in sharing the honor of the priesthood by virtue of the Sacrament of Orders; it is you whom they make present in the community of the faithful; with you they are united in a spirit of trust and generosity since, in as far as is compatible with their order, they take upon themselves your duties and concerns. (137) In choosing a life dedicated to celibacy they follow the ancient examples of the prelates of the East and West; this provides a new motive for union between bishop and priest and a sound hope that they will live together more closely.

92. The love which Jesus had for His Apostles showed itself very clearly when he made them ministers of His real and Mystical Body; (138) and even you in whose person "Our Lord Jesus Christ, the high priest, is present in the midst of those who believe," (139) know that you owe the best part of your hearts and pastoral care to your priests and to the young men preparing to be priests. (l40) In no other way can you better show this conviction than in the conscious responsibility and sincere and unconquerable love with which you preside over the education of your seminarians, and help your priests in every way possible to remain faithful to their vocation and their duties.

A Bishop's Kindness

93. Your fraternal and kindly presence must fill up in advance the human loneliness of the priest, which is so often the cause of his discouragement and temptations. (141) Before being the superiors and judges of your priests, be their teachers, fathers, friends, their good and kind brothers always ready to understand, to sympathize and to help. Encourage your priests in every possible way to be your personal friends and to be very open with you. This will not weaken the relationship of juridical obedience; rather it will transform it into pastoral love so that they will obey more willingly, sincerely and securely. If they have a filial trust in you, your priests will be able in time to open up their souls and to confide their difficulties in you in the certainty that they can rely on your kindness to be protected from eventual defeat, without a servile fear of punishment, but in the filial expectation of correction, pardon and help, which will inspire them to resume their difficult journey with a new confidence.

Authority and Fatherliness

94. Venerable brothers, all of you are certainly convinced that to restore to the soul of a priest joy in and enthusiasm for his vocation, interior peace and salvation, is an urgent and glorious ministry which has an incalculable influence on a multitude of souls. There will be times when you must exercise your authority by showing a just severity toward those few who, after having resisted your kindness, by their conduct cause scandal to the People of God; but you will take the necessary precautions to ensure their seeing the error of their ways. Following the example of our Lord Jesus, "the Shepherd and Guardian of your souls," (142) do not crush the "bruised reed" nor quench the "smoldering wick"; (l43) like Jesus, heal their wounds, (144) save what was lost; (145) with eagerness and love go in search of the lost sheep and bring him back to the warmth of the sheepfold (146) and like Him, try until the end (147) to call back the unfaithful friend.

95. We are certain, venerable brothers, that you will leave nothing undone to foster, by your teaching, prudence and pastoral zeal, the ideal of consecrated celibacy among your clergy. We are sure too that you will never neglect those priests who have strayed from the house of God, their true home, no matter where their painful odyssey has led them; for they still remain your sons.

ROLE OF THE FAITHFUL

96. Priestly virtue is a treasure that belongs to the whole Church. It is an enrichment and a splendor above the ordinary, which redounds to the building up and the profit of the entire People of God. We wish therefore to address to all the faithful, Our children in Christ, an affectionate and urgent exhortation. We wish that they too feel responsible for the virtue of t ho se brothers of theirs who have undertaken the mission of serving them in the priesthood for the salvation of their souls. They should pray and work for priestly vocations; they should help priests wholeheartedly, with filial love and ready collaboration; they should have the firm intention of offering them the consolation of a joyous response to their pastoral labors. They should encourage these, their fathers in Christ, to overcome the difficulties of every sort which they encounter as they fulfill their duties, with entire faithfulness, to the edification of all. In a spirit of faith and Christian love, they should foster a deep respect and a delicate reserve in their dealings with priests, on account of their condition as men entirely consecrated to Christ and to the Church.

Invitation to the Laity

97. Our invitation goes out specially to those lay people who seek God with greater earnestness and intensity, and strive after Christian perfection while living in the midst of their fellow men. By their devoted and warm friendship they can be of great assistance to the Church's ministers since it is the laity, occupied with temporal affairs while at the same time aiming at a more generous and perfect conformity to their baptismal vocation, who are in a position, in many cases, to enlighten and encourage the priest. The integrity of his vocation, one that plunges him into the mystery of Christ and the Church, can suffer harm from various circumstances and from contamination by a destructive worldliness. In this way the whole People of God will honor Christ our Lord in those who represent Him and of whom He has said: "He who receives you receives me, and he who receives me receives him who sent me," (148) promising an assured reward to anyone who in any way shows charity toward those whom He has sent. (149)

CONCLUSION

98. Venerable brothers, pastors of God's flock throughout the world, and dearly beloved priests, Our sons and brothers: as We come to the end of this letter which We have addressed to you, We invite you, with a soul responsive to Christ's great love, to turn your eyes and heart with renewed confidence and filial hope to the most loving Mother of Jesus and Mother of the Church, and to invoke for the Catholic priesthood her powerful and maternal intercession. In her the People of God admire and venerate the image of the Church, and model of faith, charity and perfect union with Him. May Mary Virgin and Mother obtain for the Church, which also is hailed as virgin and mother, (150) to rejoice always, though with due humility, in the faithfulness of her priests to the sublime gift of holy virginity they have received, and to see it flourishing and appreciated ever more and more in every walk of life, so that the army of those who "follow the divine Lamb wherever He goes'' (151) may increase throughout the earth.

99. The Church proclaims her hope in Christ; she is conscious of the critical shortage of priests when compared with the spiritual necessities of the world's population; but she is confident in her expectation which is founded on the infinite and mysterious power of grace, that the high spiritual quality of her ministers will bring about an increase also in their numbers, for everything is possible to God. (l52)

In this faith and in this hope, may the apostolic blessing which we impart with all Our heart be for all a pledge of heavenly graces and the testimony of Our fatherly affection.

Given at Rome, at St. Peter's, June 24, 1967, the feast of St. John the Baptist, in the fifth year of Our pontificate.

PAUL VI



NOTES

LATIN TEXT: Acta Apostolicae Sedis, 59 (1967), 657-97.

ENGLISH TRANSLATION: The Pope Speaks, 12 (Summer,1967), 291-319.


REFERENCES:

(1) See letter of Oct. 10, 1965, to Cardinal Tisserant, read in the general session of the next day.

(2) See Mt 19. 11-12.

(3) See 1 Tm 3. 2-5; Ti 1. 5-6.

(4) See Second Vatican Council, Decree on the Pastoral Office of Bishops in the Church, no. 35: AAS 58 (1966), 690 [TPS XI, 195-96]; Decree on the Apostolate of the Laity, no. 1: AAS 58 (1966), 837 [TPS XI, 119-20]; Decree on the Priestly Ministry and Life, nos. 10 ff.: AAS 58 (1966), 1007-08 [TPS XI, 455-56]; Decree on the Missionary Activity of the Church, nos. 19, 38; AAS 58 (1966), 969, 984 [TPS XI, 426, 437-38].

(5) Mt 19. 11.

(6) Jn 4. 10.

(7) See Mt 5. 13-14.

(8) See above, nos. 5 and 7 [pp. 292-93].

(9) Second Vatican Council, Pastoral Constitution on the Church in the World of Today, no. 62: AAS 58 (1966), 1082 [TPS XI, 300].

(10) See Eph 5. 25-27.

(11) Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 16: AAS 58 (1966), 1015 [TPS XI, 461].

(12) Ibid.

(13) See Second Vatican Council, Dogmatic Constitution on Divine Revelation, no. 8: AAS 58 (1966), 820 [TPS XI, 75-76.].

(14) See Jn 16. 13.

(15) Second Vatican Council, Dogmatic Constitution on the Church, no. 28: AAS 57 (1965), 33-36 [TPS X, 378-79]; Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 2: AAS 58 (1966), 991-93 [TPS XI, 442-44].

(16) See 1 Cor 4. 1.

(17) See 1 Cor 11. 1.

(18) See Jn 3. 5; Ti 3. 5.

(19) See Jn 4. 34; 17. 4.

(20) See 2 Cor 5. 17; Gal 6. 15.

(21) See Gal 3. 28.

(22) See Gn 2. 18.

(23) See Mt 19. 3-8.

(24) See Jn 2. 1-11.

(25) See Eph 5. 32.

(26) Heb 8. 6.

(27) See 1 Cor 7. 33-35.

(28) See Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 16: AAS 58 (1966), 1015-17 [TPS XI, 461-62].

(29) Mt 13. 11.; see Mk 4. 11; Lk 8. 10.

(30) See 2 Cor 5. 20.

(31) See Jn 15. 15; 20. 17.

(32) Ibid., 17. 19.

(33) See Lk 18. 29-30.

(34) See Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 16: AAS 58 (1966), 1015-17 [TPS XI, 461 -62].

(35) See Mt 19. 11.

(36) Ibid., 19. 12.

(37) See Lk 18. 29-30.

(38) Mk 10. 29-30.

(39) Mt 19. 29.

(40) See Jn 3. 16; 15, 13.

(41) See Mk 10. 21.

(42) Dogmatic Constitution on the Church, no. 42: AAS 57 (1965), 48 [TPS X, 388].

(43) Phil 3.12.

(44) See Eph 5.25-27.

(45) Jn 1, 13.

(46) See Dogmatic Constitution on the Church, no. 42: AAS 57 (1965), 48 [TPS X, 388]; Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 16: AAS 58 (1966), 1015-17 [TPS XI, 461-62].

(47) See Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 14: AAS 58 (1966), 1013 [TPS XI, 459-60].

(48) See Lk 2.49; 1 Cor 7.32-33.

(49) See Heb 9.24; 7.25.

(50) Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 13: AAS 58 (1966), 1012 [TPS XI, 458-59].

(51) See Acts 6. 4.

(52) Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 5: AAS 58 (1966), 997 [TPS XI, 447].

(53) Jn 12. 24-25.

(54) See 1 Cor 15. 31.

(55) See Second Vatican Council, Decree on Training for the Priesthood, no. 10: AAS 58 (1966), 719-20 [TPS XI, 23-24].

(56) See 2 Cor 12.15.

(57) See Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 16: AAS 58 (1966), 1015-17 [TPS XI, 461 -62].

(58) See Jn 17. 18.

(59) See Rom 1. 14.

(60) Jn 18. 36.

(61) See Pastoral Constitution on the Church in the World of Today, no. 39: AAS 58 (1966), 1056-57 [TPS XI, 282-83].

(62) See Dogmatic Constitution on the Church , no . 5: AAS 57 (1965), 7-8 [TPS X, 361].

(63) See Phil 3. 20.

(64) See 1 Jn 3. 2.

(65) See Dogmatic Constitution on the Church, no. 48: AAS 57 (1965), 53-54 [TPS X, 391-92].

(66) Mt 22. 30.

(67) See 1 Jn 2. 16.

(68) Second Vatican Council, Decree on the Adaptation and Renewal of the Religious Life, no. 12: AAS 58 (1966), 107 [TPS XI, 147].

(69) See 1 Cor 7. 29-31.

(70) Col 3. 1-4.

(71) See tertullian, De exhort. castitatis, 13: PL 2. 930; St. Epiphanius, Adv. Haer. II, 48.9 and 59.4: PG 41.869, 1025; St. Efrem, Carmina nisibena, XVIII, XIX: ed. G. Bickell, Leipzig (1866), p. 122; Eusebius of Caesarea, Demonstr. evan., 1.9: PG 22.81; St. Cyril of Jerusalem. Catechesis, 12.25: PG 33.757; St. Ambrose, De officiis ministr., 1.50: PL 16.97 ff.; St. Augustine, De moribus Eccl. cath., 1.32: PL 32.1339; St. Jerome, Adversus Vigilantium, 2: PL 23.340-41; Bishop Synesius of Ptolemais, Epist. 105: PG 66.1485.

(72) First done at the Council of Elvira, c. 300, can. 33: Mansi II, 11.

(73) Sess. XXIV, can. 9-10.

(74) Can. 132, §1.

(75) See St. Pius X, apost. exhortation Haerent animo: AAS 41 (1908), 555-57; Benedict XV, letter to Francis Kordac, Archbishop of Prague: AAS 12 (1920), 57-58; consistorial address, Dec. 16, 1920: AAS 12 (1920), 585-88; Pius XI, encyc.letter Ad catholici sacerdotii: AAS 28 (1936), 24-30; Pius XII, apost. exhortation Menti Nostrae: AAS 42

(1950), 657-702; encyc.letter Sacra virginitas: AAS 46 (1954), 161-91 [TPS 1, 101-23]; John XXIII, encyc. letter Sacerdotii Nostri primordia: AAS51 (1959), ;54-56 [TPS VI, 14-16].

(76) Second address, Jan. 26, 1960: AAS 52 (1960), 226.

(77) Can. 6, 12, 13, 48: Mansi XI, 944-48, 965.

(78) See Decree on the Priestly Ministry and Life, no. l6: AAS 58 (1966), 1015-16 [TPS XI, 461-62].

(79) De Virginitate, 13: PG 381-82.

(80) De Sacerdotio, 1, 111: PG 48. 642.

22. 81 Dogmatic Constitution on the Church, nos. 21, 28, 64: AAS 57 (1965), 24-25; 33-36; 64 [TPS X, 372-73, 378-79, 398].

23. (82) See above, no. 15.

(83) See Dogmatic Constitution on the Church, no. 29: AAS 57 (1965), 36 [TPS X, 380].

(84) Ibid., 47-49 [TPS X, 387-88]

(85) Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 16: AAS 58 (1966), 1015-16 [TPS XI, 462].

(86) See Decree on Training for the Priesthood, no. 2: AAS 58 (1966), 714-15 [TPS XI, 17-19]; Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 11: AAS 58 (1966), 1008-09 [TPS XI, 455-56].

(87) See Rom 3. 23.

(88) See 2 Cor 8. 23.

(89) See Eph 1. 6.

(90) Phil 1. 8.

(91) See Lk 12. 32.

(92) See Mt 28. 20.

(93) See Jn 16. 33.

(94) See Mk 4. 26-29.

(95) Mt 9. 37-38.

(96) See 1 Cor 1. 20-31.

(97) See Phil 4. 13.

(98) See 1 Cor 3. 67.

(99) See above, no. 10.

(100) Conf. X, 29, 40: PL 32. 796.

(101) See above, no. 10.

(102) Gn 1. 26-27.

(103) See 1 Jn 4. 8-16.

(104) Ibid., 3. 16-18.

(105) See 1 Thes 2.11 1Cor.4.15; 1 Cor 6.13; Gal 4.19; 1 Tm 5.1-2.

(106) See 1 Cor 2. 15.

(107) Heb 5. 1.

(108) See 1 Cor 14. 4 ff.

(109) See Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 3: AAS 58 (1966), 993-95 [TPS XI, 444-45].

(110) Jn 13. 1.

(111) Ibid., 16. 32.

(112) See ibid., 13. 16; 15. 18.

(113) See ibid., 15 15-16, 20.

(114) See 1 Tm 6. 11.

(115) See Decree on Training for the Priesthood, nos. 3-11: AAS 58 (1966), 715-21 [TPS XI, 19-24]; Decree on the Adaptation and Renewal of the Religious Life, no. 12: AAS 58 (1966), 721 [TPS XI, 147].

(116) See above, no. 15.

(117) See Mt 5. 37.

(118) See ibid., 16. 24; Jn 12. 25.

(119) St. Thomas Aquinas, Summa Theol., II-II, q. 184, a. 8 c.

(120) See Decree on Training for the Priesthood, no. 12: AAS 58 (1966), 721 [TPS XI, 24-25].

(121) See Decree on the Priestly Ministry and Life, nos. 16, 18: AAS 58 (1966), 1015-16, 1019 [TPS XI, 461-62, 463-64].

(122) Ibid., no. 18.

(123) See 2 Cor 5. 14.

(124) See Heb 4. 15.

(125) See 1 Cor 9. 22; 2 Cor 11. 29.

(126) See Acts 20. 24.

(127) See Gal 5. 25.

(128) Ibid., 5. 24.

(129) See 1 Cor 9. 26-27.

(130) Gal 5. 22-23.

(131) See Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 8: AAS 58 (1966), 1003 [TPS XI, 452].

(132) See Jn 13. 15 and 34-35.

(133) Ibid., 17. 26.

(134) See Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 8: AAS 58 (1966), 1003-05 [TPS XI, 452-53].

(135) See Rom 12. 1.

(136) See Code of Canon Law, can. 214.

(137) See Dogmatic Constitution on the Church, no. 28: AAS 57 (1965), 34-35 [TPS X, 378-79].

(138) See Jn chaps. 13-17.

(139) Dogmatic Constitution on the Church, no. 21: AAS 57 (1965), 24 [TPS X, 372-73].

(140) Decree on the Priestly Ministry and Life, no. 7: AAS 58 (1966), 1001-03 [TPS XI, 450-52].

(141) See ibid.

(142) 1 Pt 2. 25.

(143) See Mt 12. 20.

(144) See Lk 9. 11.

(145) See Mt 18. 11.

(146) See Lk 15.4 ff.

(147) Ibid., 22. 48.

(148) Mt 10. 40.

(149) See ibid., 10. 42.

(150) Dogmatic Constitution on the Church, nos. 63.64: AAS 57 (1965), 64 [TPS X, 398].

(151) Ap 14. 4.

(152) Mk 10, 27; see Lk 1. 37.


(Source: http://www.vatican.va/holy_father/paul_vi/encyclicals/documents/hf_p-vi_enc_24061967_sacerdotalis_en.html)

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Enzyklika Sacra virginitas unseres Heiligen Vaters Pius XII. an die Ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
und die sonstigen Oberhirten, die in Frieden und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle leben über die heilige Jungfräulichkeit

25. März 1954
(Lateinischer Text: AAS XLVI [1954] 161-191)



D. Hildebrandt, "Glaubenskrise und Zölibat"

J.A. Möhler, "Vom Geist des Zölibats", Hrsg. v. D. Hattrup

Kard. A. Stickler, "Der Kleriker-Zölibat"

J. Arquer, "Zölibat" in "Plädoyer für die Kirche", Hrsg. v. M. Müller

Benedict Groeschel, "The Courage to be Chaste", Paul & Co, 1988

Weitere Literatur: Klicke hier




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