Katholisch Leben!

Den katholischen Glauben kennen, leben, lieben & verteidigen!

kathpedia.com: Tugenden

Tugend ist die erworbene natürliche Tüchtigkeit und Fertigkeit etwas zu tun. Sie ist eine durch Übung erlangte kraftvolle Gewohnheit. So ist z.B. das erlernte Skifahren, das in „Fleisch und Blut übergegangen“ ist, eine Tugend.

Was wir jedoch im strengen Sinne als Tugend bezeichnen, ist eine natürliche Fertigkeit des sittlichen Lebens, die der Mensch durch Betätigung und Übung seiner natürlichen Veranlagung erwerben kann. Sie hat bezug auf das Verhalten zu Gott, zu sich selbst, den Mitmenschen oder anderen Geschöpfen.

 

Einteilung der Natürlichen Tugenden


Intellektuelle oder Verstandestugenden (Tugenden im weiten Sinne)

 

z. B. Einsicht und Weisheit. So wichtig sie für das Kulturleben auch sind, haben sie an sich nicht die Kraft, den Menschen sittlich gut zu machen.

 

Sittliche oder Willenstugenden

 

Die Willenstugenden (Tugenden im strengen Sinne) teilt man seit ältesten Zeiten ein in die vier Kardinal- oder Grundtugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut oder Tapferkeit und Mässigkeit. Alle anderen Tugenden sind „Untertugenden“ derselben.

Die sittlichen Tugenden werden durch menschliches Bemühen erworben. Sie sind Früchte und zugleich Keime sittlich guter Taten; sie ordnen alle Kräfte des Menschen darauf hin, mit der göttlichen Liebe vereint zu leben. Sie verleihen dem Menschen Leichtigkeit, Sicherheit und Freude zur Führung eines sittlich guten Lebens. Der tugendhafte Mensch tut freiwillig das Gute

 

Aufforderung zur sittlichen Tugend


„Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!“ (Phil 4,8).

Tugend ist die reife Frucht vielfältiger Bemühungen. Auch im Sittlichen ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Bei Vernunftwesen kann äußere Abrichtung nicht in Frage kommen. Mit der Willensübung muss die Einsicht in den Wert und die Schönheit der Tugend Hand in Hand gehen. Drill allein hält in den Stürme der wachsenden Leidenschaften nicht stand. Der edle und feste Charakter erwächst nur aus der Selbsterziehung, die angefeuert wird durch das Vorbild der Erzieher, der Heiligen und besonders Christi selbst. Die Kraft des Tugendlebens hängt auch von seinem inneren Zusammenhang ab. Wenn auch in etwa eine Tugend ohne die andern erworben werden kann, so hängen sie doch aufs innigste zusammen. Wie leicht kann z. B. der Tapfere durch unklugen Eifer daneben greifen oder der Kluge es an der Tapferkeit fehlen lassen. Je höher man im Tugendstreben steigt, umso weniger darf man der Einseitigkeit huldigen. Auf dem Gipfel. d. h. beim heroischen (heldischen) Tugendgrade ist eine Teilung nicht mehr möglich.

 

Wert der Tugend


Der Wert der Tugend liegt in der größeren Leichtigkeit, in der ermöglichten Stetigkeit, in der stärkeren Kraft zum sittlich guten Tun. Dadurch unterstützen die Tugend die guten Charakteranlagen und lassen dem Menschen das Gute und Edle zur zweiten Natur werden, so dass er für sein Leben nicht mehr der äußeren Anleitung noch weniger der zwingenden Gewalt der Gesetze bedarf. Tugend besagt also nichts Schwächliches oder Verächtliches, sondern Kraft und Charakter. Der Tugendhafte ist das nützlichste Glied der Gemeinschaft, das Bild und Gleichnis des Schöpfers. Nach der Lehre der Kirche kann auch der durch die Erbsünde geschwächte Mensch mit seinen natürlichen Kräften, ohne die Hilfe der Gnade, natürlich gute Handlungen vollbringen. Dagegen vermag er nicht ohne die Hilfe der Gnade das ganze natürlichen Sittengesetz auf längere Zeit zu beobachten. Dies kann nur das Gotteskind, dem besonders Gnaden zur Verfügung stehen.

 

Merkmal der Tugend


Der heilige Augustinus beschreibt in seinen Bekenntnissen (4. Buch, Kapitel 15) sehr deutlich die Frucht der Tugend, wenn er sagt: „Da ich aber in der Tugend den Frieden liebte, im Laster aber den Zwiespalt hasste, so gab ich für jene die Einheit, für dieses den Zwiespalt als charakteristisches Merkmal an.“

 

Mutter aller Tugenden


Der heilige Benedikt sagt in seiner Regel über den Abt (Kapitel 64), dass er die maßvolle Unterscheidung (Discretio), die die Mutter aller Tugenden sei, haben muss.

Gregor der Große bezeichnet in seiner "Regula pastoralis" die Liebe als die Mutter und Hüterin, die Klugheit, die Pflegemutter aller Tugenden.

Für Christen sind die Göttliche Tugenden (eingegossene Tugenden): (Glaube, Liebe, Hoffnung) wichtig, die auf Paulus zurückgehen.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Tugend)

 

kathpedia.com: Kardinaltugenden

Die Kardinaltugenden sind die grundlegenden menschlichen Tugenden.

Kardinaltugenden
Klugheit
Gerechtigkeit
Tapferkeit
Mäßigung


(Quelle: Kompendium des Katechismus der Römisch-Katholischen Kirche)

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Kardinaltugenden)

 

kathpedia.com: Demut

Demut, (lat. Humilitas) ist die Bereitschaft, den eigenen Willen aus freier Entscheidung, durch Selbstbescheidung und um die Ehre die Gott gebührt zu vermehren, hinter den Willen Gottes und den Dienst am Mitmenschen zurückzustellen.

Einfach formuliert, versteht man unter Demut den Mut, Gott zu dienen.

Demut ist die Voraussetzung für den evangelischen Rat des Gehorsams, der seinerseits die Anfang der göttlichen Pädagogik bedeutet.

Jesus Christus sagte: "Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig..." (Mt 11,29)

Die Demut Jesu Christi fängt beim grossen Geheimnis der Beschneidung an und endet mit dem Opfertod am Kreuz.

Jesu Gegenwart in den Eucharistischen Gestalten ist ebenfalls eine besonder Ausprägung der Demut: Er gibt sich ganz in unsere Hand - auch in die Hand des Gedankenlosen, des Sünder, sogar des Häretikers, im Extremfall des Satanisten, wenn dieser einer konsekrierten Hostie habhaft wird. Einmal gewandelt wird die Hostie nicht wieder zu einfachem Brot. - Jesus schenkt weiters Seine Gegenwart in den Eucharistischen Gestalten unabhängig von der persönlichen Würdigkeit des Priesters und nimmt sie nicht zurück. Das Priestertum ist geschenkt auf ewig. Pater Beda von Mariazell formulierte einmal sehr pointiert: "... und wenn der Priester zur Hölle geht - du gehst durch sein Wirken in den Himmel". Sich so zu schenken, unabhängig davon, wie Er aufgenommen wird, ist die Demut Jesu in den einfachen Gaben von Brot und Wein.

Als Sohn Gottes ist er ohne Erbsünde geboren. Aber nachdem er sich freiwillig entschlossen hatte, ein Erlöser der Welt zu werden, sagt der hl. Augustinus, war es nötig, dass er das Kennzeichen eines Sünders annahm. Damit nahm er die Strafe welche die Sünde gebührt, auf sich, nämlich das Zeichen, das Sühneopfer des alten Bundes zwischen Gott und Abraham: die Beschneidung (Gen 17,10ff). - Erst dann bekam er den Namen Jesus, was "Retter", "Erlöser" bedeutet (Mt 1,21). Jesus Christus wollte sich von keinem Gebot befreien. Dieses erste "Blutopfer" Christi, war der Anfang vom neuen Bund. Man bezeichnet dieses Opfer auch als erstes der Sieben Schmerzen der seligsten Jungfrau Maria. Der hl. Paulus sagt, dass es durch Christus keine Beschneidung mehr gibt, dem Fleische nach, sondern eine innerliche Beschneidung des Herzens. (Kol 2,11) Nämlich, die Tugend der Demut.

 

Biblische Hinweise


"Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele" (Mt 11,29)
Zitate
"Viele freilich sind wenig geachtet, ohne dass sie das bejahen, sondern einzig aufgrund ihres Schicksals. Das wird nicht gelobt, vielmehr werden diejenigen seliggepriesen, die freiwillig demütig werden. Der Herr beginnt gerade damit, weil er mit dem Hochmut die Wurzel aller Bosheit ausreißen will. Gegen den Hochmut setzt er die Demut als sicheres Fundament. Ist solche als ein sicherer Grund gelegt, dann kann man darüber aufbauen. Wird das Fundament zerstört, fällt alles, was du an Gutem gesammelt hast." (Johannes Chrysostomus)
"Das Evangelium zeigt uns auch Figuren, die der eigene Stolz verfinstert: Judas, Kaifa, Herodes, der Pharisäer aus dem Gleichnis, der junge Reiche… Es gibt eine Demarkationslinie, die das Evangelium durchquert: Auf der einen Seite befinden sich diejenigen, die bei Jesus sind, die arm sind vor Gott, und auf der anderen Seite die anderen, die zum Teufel gehören." (gefunden auf kath.net)
"Die Demut ist die Grundlage des Betens, denn „wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen" (Röm 8,26). Um die Gabe des Gebetes zu empfangen, müssen wir demütig gesinnt sein: Der Mensch ist vor Gott ein Bettler [Vgl. Augustinus, serm. 56,6,9]." (Katechismus der Katholischen Kirche)
"Der Demut der Menschwerdung Gottes muss die Demut unseres Glaubens entsprechen, der Hochmut und Besserwisserei ablegt und sich beugt, wenn er in die Gemeinschaft des Leibes Christi eintritt und Teil von ihm wird; dieser Glaube, der mit der Kirche lebt und nur so in die konkrete, die leibliche Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott eintritt." (Quelle: http://www.triff-den-papst.de/papst-benedikt-xvi/papst-news/artikel/hl-vater-in-der-augustinus-stadt-pavia.html)

Literatur


Segen der Demut, Aussprüche über die Demut zusammengestellt von P. Leopold Bertsche O.Cist., Druckerei Bommer Miesbach 1986 (Nihil obstat Abtei Marienstatt 10. September 1985 Dr. Thomas Denter Ocist. Abt)
"Andachtsübungen", P. Joanne Croiset S.J. - 1724
Franz von Sales, Philothea

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Demut)

 

kathpedia.com: Gehorsam

Gehorsam ist, in der Nachfolge Christi, eine zentrale Lebenswirklichkeit der christlichen Existenz. Fiat voluntas tua, beten wir im Vater unser. Der Wille Gottes, des Vaters, möge verwirklicht werden, durch uns, so gut möglich. Insofern gehört das Hören des Wortes zu jeder katholischen Spiritualität.

 

Besonderer Gehorsam


Wer auf den Ruf Christi antwortet, ihm das Leben auf dem Wege der evangelischen Räte zu weihen, etwa in einem Orden, verpflichtet sich, aber (nur) im persönlichen Gehorsam gegenüber der Taufgnade und so im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes, zu strengeren Bindungen. Diese bringen eine konkrete Folgebereitschaft gegenüber den Dispositionen der Oberen insbesondere auch in den Fragen des Lebensalltags (und nicht nur der "Seelenführung") mit sich.

Über das Verhältnis von Autorität und Gehorsam hat der Hl. Stuhl an Pfingsten 2008 eine besondere Instruktion erlassen. Zitat: (Nr. 13 c): Es ist auch angebracht daran zu erinnern, dass vor der Mahnung zum Gehorsam - wo sie notwendig ist, die Liebe walten muss, - die unverzichtbar ist. Auch kann und darf das Wort communio weder als eine Art des Delegierens der Autorität an die Gemeinschaft verstanden werden, (wobei indirekt jeder dazu eingeladen würde, ,,zu tun und zu lassen, was er will’’), noch als eine mehr oder weniger verschleierte Aufdrängung des eigenen Standpunktes (,,jeder tue, was ich will’’).

 

Allgemeiner Gehorsam


Aber auch der Laie "in der Welt" schuldet in den geistlichen Dingen der Hierarchie echten, großzügigen Gehorsam, etwa die Kirchengebote betreffend. Je weiter eine Sachfrage aber von der eigentlich kirchlichen Zuständigkeit (einschließlich der Zuständigkeit für die sittliche Ordnung, das so gen. Naturgesetz) fernliegt, umso freier ist das pflichtgemäße Ermessen der Christen.

 

Nichts ohne den Bischof!


Das Presbyterium, aber das gilt separat auch für die Diakone, ist durch ein spezielles Gehorsamsband an den (Orts-) Bischof gebunden. Der Bischof vergegenwärtigt die Autorität der Apostel in seiner Ortskirche, wie ebenfalls dass Kollegium der Bischöfe mit dem Papst für die Weltkirche. Daher ist nach katholischer Auffassung einer "politischen Partizipation", im demokratischen Stil moderner Staatsordnungen, in der Kirche eine klare Grenze gesetzt, die "göttlichen Rechts" ist (also nicht kirchlicher Disposition untersteht, nicht einmal des Papstes oder eines Konzils; aktuelles Beispiel: die Unmöglichkeit der so gen. Frauenordination).

 

Konfliktfälle


Das Gesamtbild der Kirche, wie es das II. Vatikanum in Lumen gentium vorgelegt hat, ist nicht das einer spirituellen Armee (auch wenn sie "Kämpfer" nötig hat), in der möglichst alle "Dienstgrade" totale Unterwerfung unter das "Kommando" geloben, sondern das einer lebendigen Gemeinschaft. Um ihres wirklichen, "volk"haften Glaubenslebens willen ist sie hierarchisch gegliedert. Die Hierarchie ist aber kein Selbstzweck, sondern echter Dienst im Namen Christi. Insofern obliegt es jedem Bischof auch, immer wieder auf die notwendige Freiheit der Gotteskinder zu achten.

Bestimmte geistliche Gemeinschaften (vgl. Movimenti) geraten bisweilen in die Kritik, dass sie überzogene (spezielle) Gehorsamsansprüche an ihre Mitglieder zu richten; besonders dann, wenn eigentlich explizit keine "Gelübde" (siehe: Orden) verlangt werden. Tatsächlich ist das besondere Charisma eines Lebens im Weihestand ("Rätestand"; und der damit verbundene, engere Gehorsam, s.o.) nur eingeschränkt verallgemeinerungsfähig. Die Kirche kann eben nicht als ganze in ein (wenn auch untergliedertes) "Weltkloster" umgewandelt werden. In der weiteren Entwicklung wird hier sicherlich die erforderliche, katholische Balance gefunden werden.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Gehorsam)

 

kathpedia.com: Glaube

Glaube, Definition


Grundlage der modernen Definition was Glaube ist, ist für viele die Feststellung Immanuel Kants, dass dem Menschen die Wirklichkeit-an-sich immer unerkannt bleiben muß.
Wir können nur die Wirklichkeit-für-uns erkennen.

Der Mensch weiß nicht... :

Was war,
was geschieht und ist,
was wird.


...Es sei denn, er macht sich zutreffende Vorstellungen von der Realität = Wirklichkeit + Möglichkeiten.


Dass seine Vorstellungen die Realität treffen, kann der Mensch immer und ohne Ausnahme nur für wahr halten.


So betrachtet, glaubt ausnahmslos jeder Mensch - auch wenn er an GOTT nicht glaubt. Er glaubt z.B. an die Wissenschaft oder an den Fortschritt.

Es gilt daher:

Glauben : Für-wahr-halten mit einem bestimmten Grad von Gewißheit. Zukunft und nicht selbsterlebte Vergangenheit können nur geglaubt werden.
Wissen  : Für-wahr-halten mit einem hohen Grad an Gewißheit - entstehend durch wiederholte Bestätigung einer Vorstellung anhand der Wirklichkeit.
Glauben an: Einer Person vertrauen, dass sie zutreffende Vorstellungen von der Realität besitzt und lehren will.

Daraus ergibt sich die Definition von Glauben im christlichen Sinn:

GOTT vertrauen, dass ER den Menschen die zutreffenden Vorstellungen von der geistigen Realität offenbart: An GOTT glauben.
Das was GOTT dem Menschen offenbart, für wahr halten: GOTT glauben.
Sein Leben nach dem richten, was man für wahr hält: Den Glauben leben - der Lebensentwurf.

Glaube, christlich


Glauben nennt man ein Verhalten des innerlichen Erkennens und des äusserlichen Bekennens eines allmächtigen Wesens, nämlich GOTT.

Der Glaube gehört zu den drei göttliche Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe.

Der Glaube ist zugleich ein frei erweckbarer Willensakt und eine Gottesgabe. Er ist die unverzichtbare Basis für Hoffnung und Liebe.

Wir können den Glauben zunächst

als bleibende Tugend und
als Akt fassen:


Für beide gilt der thomistische Grundsatz:
Facultates, habitus et actus specificantur ab objecto formali:


Die Tugenden, sowohl die erworbenen als auch die eingegossenen genauso wie die sieben Gaben des HEILIGEN GEISTES werden von ihrem Formalobjekt spezifiziert, erhalten von ihm ihre eigentümliche Eigenart.

Weil der Glaube, von dem hier die Rede ist, aber auf die übernatürliche Offenbarung bzw. auf GOTT den Urheber der übernatürlichen Offenbarung selbst zielt, ist er eine eingegossene, übernatürliche Tugend, er gehört zu den drei göttlichen Tugenden.

Vat.I: „Dieser Glaube aber, der der Anfang des menschlichen Heils ist, ist nach dem Bekenntnis der katholischen Kirche eine übernatürliche Tugend, durch die wir mit Unterstützung und Hilfe der Gnade GOTTES glauben, dass das von IHM Offenbarte wahr ist, nicht etwa wegen der vom natürlichen Licht der Vernunft durchschauten inneren Wahrheit der Dinge, sondern wegen der Autorität des offenbarenden GOTTES selbst, der weder sich täuschen noch andere täuschen kann.“ (DH 3008).
Ähnlich schon der hl. Thomas in der klassisch gewordenen Definition aus der Secunda Secundae (q.2 a.9): „Ipsum autem credere est actus intellectus assentientis veritati divinae ex imperio voluntatis a DEO motae per gratiam:
Glauben an sich aber ist ein Akt des Verstandes, in welchem dieser auf Geheiß des von GOTT durch die Gnade bewegten Willens der göttlichen Wahrheit beistimmt“

Kurz: Der Glaube ist

als Autoritätsglaube zu qualifizieren: d.h. ein Zustimmen des Verstandes zu einer Wahrheit auf Grund der Bezeugung eines Wissenden, obwohl die Einsicht nicht vollvorhanden ist

Der Glaube ist als eine übernatürliche Tugend zu qualifizieren, durch die wir die von GOTT geoffenbarten Wahrheiten wegen (kausal) des offenbarenden GOTTES für wahr halten.
Über den Akt des Glaubens lehrt die Kirche:

Er ist ein Akt des Intellektes (actus intellectus), kein blinder Gefühlsakt oder eine Verwirklichung religiösen Instinktes (Pascendi dominici gregis). Er wird aber vom Willen befohlen (ex imperio voluntatis) und ist ein freier Akt. Dass der Glaube primär eine Akt des Intellektes ist, kommt wieder von seinem Objekt her: hat doch die Offenbarung primär eine intellektuelle Funktion bzw. ist sie ein Sprechen und Lehren!


Der Assens des Glaubens ist übernatürlich (a DEO motae per gratiam): Es ist ein Dogma, dass die Gnade schon von Anfang an und während des ganzen Glaubensprozesses mittätig sein muss, wenn es sich um den heilbringenden, verdienstlichen Glauben handeln soll: Die Gnade initiiert das Urteil der Glaubwürdigkeit, ja Glaubensnotwendigkeit eines bestimmten Satzes, sie initiiert den Ent-schluss des Willens zuzustimmen und auch den eigentlichen formellen Akt der Zustimmung. Aus sich sind Verstand und Wille allein zum Glaubens physisch unfähig: GOTT kommt auch hier die erste Initiative zu! Vaticanum I: „Wenn auch die Zustimmung zum Glauben keineswegs eine blinde Regung des Herzens ist, so kann dennoch niemand ‚der Verkündigung des Evangeliums zustimmen, wie es nötig ist, um das Heil zu erlangen, ohne die Erleuchtung und Einhauchung des HEILIGEN GEISTES... Deshalb ist der Glaube selbst in sich ... ein Geschenk GOTTES, und SEIN Akt ist ein das Heil betreffendes Werk, durch das der Mensch GOTT selbst freien Gehorsam leistet ...“


Dennoch darf man aufgrund dieses Primats der Übernatur nicht annehmen, der Glaube sei keine freie Zustimmung: Die Gnade tut ja nichts weniger als die Freiheit des Menschen aufzuheben: vielmehr erhebt sie diese, um ihr eine wirk- und heilsmächtige Zustimmung erst zu ermöglichen. Die Freiheit des Glaubensaktes kann sogar als Dogma betrachtet werden:

Bereits das Trienterkonzil stellt gegen die Reformatoren fest: „Die Vorbereitung zur Gerechtigkeit geschieht auf folgende Weise: geweckt und unterstützt von der göttlichen Gnade nehmen sie den Glauben im Hören auf und erheben sich frei zu GOTT, gläubig für wahr haltend, was von GOTT geoffenbart und verheißen ist, besonders, dass der sündige Mensch von GOTT gerechtfertigt werde durch die Gnade ....“ Vatikanum I: „Wer sagt, die Zustimmung zum christlichen Glauben sei nicht frei, sondern werde durch Beweise der menschlichen Vernunft notwendig hervorgebracht: der sei mit dem Anathem belegt“ (DH 3035).

Der Glaubensassens ist weiter sicher, irrtumslos und unveränderlich. Diese Sicherheit kommt von dem Motiv her, das ihr zugrunde liegt: die Autorität des SICH offenbarenden GOTTES.

Der jüdisch-christliche Glaube, Grundlage der katholischen Kirche, wird im Magnificat der Muttergottes sichtbar.

 

Wirkung des Glaubens an GOTT


Welche Wirkung der Glaube entfaltet, macht der Apostel Paulus im Brief an die Hebräer, Kapitel 11,1-17ff. deutlich :

Zitat:

Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.
Aufgrund dieses Glaubens haben die Alten ein ruhmvolles Zeugnis erhalten.
Aufgrund des Glaubens erkennen wir, dass die Welt durch GOTTES Wort erschaffen worden und dass so aus Unsichtbarem das Sichtbare entstanden ist.
...
Ohne Glauben aber ist es unmöglich, GOTT zu gefallen; denn wer zu GOTT kommen will, muss glauben, dass ER ist und dass ER denen, die IHN suchen, ihren Lohn geben wird.
Aufgrund des Glaubens wurde Noach das offenbart, was noch nicht sichtbar war, und er baute in frommem Gehorsam eine Arche zur Rettung seiner Familie; durch seinen Glauben sprach er der Welt das Urteil und wurde Erbe der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt.
...
Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte; und er zog weg, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.
Aufgrund des Glaubens hielt er sich als Fremder im verheißenen Land wie in einem fremden Land auf und wohnte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung, in Zelten;
denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die GOTT selbst geplant und gebaut hat.
Aufgrund des Glaubens empfing selbst Sara die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden; denn sie hielt DEN für treu, DER die Verheißung gegeben hatte.
So stammen denn auch von einem einzigen Menschen, dessen Kraft bereits erstorben war, viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.
Voll Glauben sind diese alle gestorben, ohne das Verheißene erlangt zu haben; nur von fern haben sie es geschaut und gegrüßt und haben bekannt, dass sie Fremde und Gäste auf Erden sind.
Mit diesen Worten geben sie zu erkennen, dass sie eine Heimat suchen.
Hätten sie dabei an die Heimat gedacht, aus der sie weggezogen waren, so wäre ihnen Zeit geblieben zurückzukehren;
nun aber streben sie nach einer besseren Heimat, nämlich der himmlischen. Darum schämt sich GOTT ihrer nicht, ER schämt sich nicht, ihr GOTT genannt zu werden; denn ER hat für sie eine Stadt vorbereitet.
Zitat Ende


Zusammenfassung


Da Offenbarung die Selbstmitteilung GOTTES bedeutet, kann unter Glauben verstanden werden, dass der Gläubige sich im HEILIGEN GEIST in die Liebe des VATERS zum eigenen SOHN hin aufgenommen weiß. Dies ist in der Tat eine übernatürliche Aussage, da dies keinesfalls an der Welt abgelesen werden kann, sondern in GOTTES Wort und den Sakramenten dem Menschen zugesagt ist. Diese Gemeinschaft mit GOTT ist unüberbietbar, nur im Glauben erkennbar und daher nicht aus der Geschaffenen Vernunft heraus ableitbar.

Der Glaube des katholischen Christen wird im Glaubensbekenntnis deutlich und vom Lehramt der Kirche definiert. Die Kirche verweist auf die Formeln der katholischen Lehre.

 

Zitate


La foi qui n'agit point, est-ce une foi sincère ?
Jean Racine (Athalie, I, 1, Joad)

"Der Demut der Menschwerdung Gottes muss die Demut unseres Glaubens entsprechen, der Hochmut und Besserwisserei ablegt und sich beugt, wenn er in die Gemeinschaft des Leibes Christi eintritt und Teil von ihm wird; dieser Glaube, der mit der Kirche lebt und nur so in die konkrete, die leibliche Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott eintritt." (Quelle: http://www.triff-den-papst.de/papst-benedikt-xvi/papst-news/artikel/hl-vater-in-der-augustinus-stadt-pavia.html)

Jahr des Glaubens


Ein Jahr des Glaubens wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil begangen, da der Glaube auf der Kippe stand. Es wurde vom 29. Juni 1967 - 30. Juni 1968 [1] begangen. Am Ende dieses Jahres gab Papst Paul VI. ein Motu proprio mit dem sogennanten "Credo des Gottesvolkes" heraus.

 

Literatur


Tadeuz Dajczer, In der Schule der Heiligen Familie, Eine Kraftquelle des Glaubens, Mediatrix-Verlag (Mit Druckerlaubnis vom Bistum Mainz, Dr. Werner Guballa Generalvikar GV/Ri 2. Jänner 1998 und des Erzbischöflichen Ordinariates Wien vom 11. September 2000, Zl . 1118/00 Generalvikar Mag. Franz Schuster; ISBN 3854061609).

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Glaube)

 

kathpedia.com: Keuschheit

Jeder Christ ist entsprechend seines jeweiligen Lebensstandes zur Keuschheit aufgerufen. Egal ob verheiratet, "Single", im Ordensstand oder als Kleriker, jeder Getaufte ist, aus Dank gegenüber Gott, dem Schöpfer und Erlöser, im Heiligen Geist zu keuschem Leben gemäß seinem Stande fähig und verpflichtet.

 

Begriff


Keuschheit wird auch als Heilige Reinheit bezeichnet. Unter Keuschheit bezeichnet man das erlernen der freiwillige Selbstbeherrschung oder auch Enthaltsamkeit im sexuellen Bereich, welche eine Erziehung zur menschlichen Freiheit ist.

Die Sexualität des Menschen ist bereits vor dem Sündenfall vorhanden gewesen und wurde als „Sehr gut!“ bezeichnet. („Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ Gen. 1,31)

Die Keuschheit ist eine Hilfe zur Heiligkeit: Keuschheit ist eine positive Bejahung eines reinen Lebens. „Selig die reinen Herzens sind, sie werden Gott schauen“. Heilige Reinheit, keusches Leben ist eine Gnade, die man von Gott erbitten muss. Es gibt die Gewohnheit, aktiv für Enthaltsamkeit zu beten, indem man z. B. Abends vor dem ins Bett gehen drei Ave Maria für Reinheit und Keuschheit betet.

 

Vom Geist der Reinheit


"Was die Keuschheit betrifft, ich meine den Geist der Keuschheit, so muss man der Welt verständlich machen, dass sie keine nebensächliche Kraft ist, am Rande, nötig nur für bestimmte Lebensstände und die also der Großteil der Menschen beiseite lassen kann. Die Herrschaft des Geistes über das Fleisch, das ist keiner Spezialität jener, die, einer größeren Liebe wegen, dem Gebrauch des Fleisches entsagt haben: Diese Meisterschaft ist unverzichtbar für die Menschenwürde. Sie gehört zu der Tugend, welche die Alten tempérance nannten, das Maßhalten. Das ist die Selbstbeherrschung. Ich wage zu sagen, dass die Keuschheit das erreicht, wonach die Modernen mit Recht sehr stark drängen: Die Verfügbarkeit, die Selbstbestimmung, die Freiheit. Lasst uns nicht fürchten, sehr hoch von dem zu sprechen, über das der Großteil der Leute ganz niedrig denkt: Es gibt keine wahre Freiheit ohne den Geist der Keuschheit. Und ich würde überdies sagen, dass die Keuschheit, besonders die eheliche Keuschheit, mit Glaube und Liebe verbunden ist. Wo immer der Geist der Keuschheit in den Gewissen schwindet, sieht man auch die Fähigkeit schwinden, das Wort Gottes in sich zu vernehmen, den Wunsch nach dem ewigen Leben, den Durst nach einem Gespräch mit Gott. Alles in allem: Der gesamte Geist der Seligpreisungen kann zusammengefasst werden in der Seligpreisung: Bienheureux ceux qui ont le coeur pur parce qu'ils verront Dieu! Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen. (...) Da kommt mir ein Satz von Manzoni in den Sinn. Das ist, denke ich, gegen Ende der Promessi sposi, bei Euch übersetzt mit les Fiancés (Die Verlobten): Les difficultés de la vie lorsqu'elles se présentent, par suite de nos fautes, ou même sans qui'il y ait de nos fautes: la confiance en Dieu les adoucit et les rend utiles pour une vie meilleure." (Die Schwierigkeiten des Lebens, wo immer sie sich zeigen, ob sie in Folge unserer Sünden oder selbst ohne unsere Sünden da sind: Das Gottvertrauen versüßt sie und macht sie nützlich für ein besseres Leben.)
[Von Paul VI., in: Jean Guitton, Dialogues avec Paul VI, Paris 1967, S. 333 f.]

 

Keuschheit in den Zehn Geboten

 
Die Tugend der Keuschheit leitet sich aus dem 6. und 9. Gebot ab.

VI. Gebot: "Du sollst nicht die Ehe brechen.“ (Ex 20,14; Dtn 5,18)

IX. Gebot:"[...] Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen." "[...] Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen." (Mt 5,27-28)

 

Verstöße gegen die Keuschheit


Unkeuschheit ist ungeordneter Genuß oder ungeordnetes Verlangen nach geschlechtlicher Lust, insb.:

Masturbation (als sexueller "Kurzschluss")
Unzucht ("Wilde Ehe", "Seitensprünge", usw.)
Pornographie
Prostitution
Vergewaltigung und Homosexualität

Berufen zur Keuschheit


Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es in Nr. 2337: „Keuschheit bedeutet die geglückte Integration der Geschlechtlichkeit in die Person und folglich die innere Einheit des Menschen in seinem leiblichen und geistigen Sein. Die Geschlechtlichkeit, in der sich zeigt, dass der Mensch auch der körperlichen und biologischen Welt angehört, wird persönlich und wahrhaft menschlich, wenn sie in die Beziehung von Person zu Person, in die vollständige und zeitliche unbegrenzte wechselseitige Hingabe von Mann und Frau eingegliedert ist.“

Die Tugend der Keuschheit wahrt somit zugleich die Unversehrtheit der Person und die Ganzheit der Hingabe. Vorbild für gelebte Keuschheit ist auch der Hl. Josef: „Lehre uns den rechten Umgang mit Gott“

 

Keuschheit in der Ehe


Die eheliche Keuschheit ist ein Begriff der sich in der Tradition der Kirche erst langsam durchsetzt. Sie ist nicht gleichzusetzen mit der Abstinenz und verlangt einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Geschlechtlichkeit.

 

Sexualität als Sprache


Die eheliche Vereinigung von Mann und Frau ist ein besonders intensiver Ausdruck der gegenseitigen Liebe. Der Leib hat seine eigene Sprache, die nicht verfälscht werden darf. Wenn sich Mann und Frau einander sexuell hingeben, dann bedeutet dies in der Sprache des Leibes: Ich gehöre Dir an für immer und ganz; ich binde mich in Liebe und Treue an Dich!

Das aber heißt: Das Ja-Wort der Trauung ist Voraussetzung für die Aufrichtigkeit der sexuellen Hingabe. Wer das Ja-Wort nicht geben kann / will und trotzdem die sexuelle Gemeinschaft sucht, belügt sich selbst und seine(n) Partner(in), indem er/sie mit dem Leib etwas zum Ausdruck bringt, was er/sie mit dem Herzen (noch) gar nicht meint.

 


Keuschheit in den evangelischen Räten


In der Tradition der Kirche kann man spezielle Gelübde ablegen. Eins davon sind die evangelischen Räte, bei dem man sich zu Armut, Keuschheit in Ehelosigkeit und Gehorsam verpflichtet.

 

Zitate


"In der Nachfolge Christi, der das Vorbild der Keuschheit ist, sind alle berufen, ihrem jeweiligen Lebensstand entsprechend ein keusches Leben zu führen: die einen in der Jungfräulichkeit oder in der gottgeweihten Ehelosigkeit, die eine hervorragende Weise ist, sich leichter mit ungeteiltem Herzen Gott hinzugeben; die anderen, die verheiratet sind, in dem sie die eheliche Keuschheit leben; und die Unverheirateten, indem sie enthaltsam leben." (aus: Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche)
"Die Treue kommt darin zum Ausdruck, daß das gegebene Wort stets gehalten wird. Gott ist treu. Das Sakrament der Ehe nimmt den Mann und die Frau in die Treue Christi zu seiner Kirche hinein. Durch die eheliche Keuschheit bezeugen sie vor der Welt dieses Mysterium." (aus: Katechismus der Katholischen Kirche)
"Seht, wer von lüsterner Sinnlichkeit angefault ist, kann im geistlichen Leben nicht vorwärts kommen. Unfähig zu jedem guten Werk, ist er wie ein Krüppel, der nicht vom Boden aufstehen kann. Habt ihr nicht schon einmal Kranke mit progressivem Knochenschwund gesehen, die ganz hilflos geworden sind? Manchmal bewegen sie nicht einmal mehr den Kopf. Das gleiche widerfährt im Übernatürlichen denen, die, die Demut verachtend, sich aus Feigheit der Unzucht ergeben haben. Sie sehen nichts, sie hören nichts, sie verstehen nichts. Sie sind gelähmt und wie von Sinnen. Hier muss sich jeder von uns an den Herrn und an die Mutter Gottes wenden mit der Bitte, sie mögen uns die Demut schenken und die nötige Entschlossenheit, fromm zum göttlichen Heilmittel der Beichte Zuflucht zu nehmen. Lasst nicht zu, dass sich in eurem Herzen ein Eiterherd bildet, mag er noch so klein sein. Sprecht euch aus. Fließendes Wasser ist sauber; wenn es aber steht, wird es zur abstoßenden, schlammigen Pfütze und zu einem Tummelplatz für Ungeziefer (vgl. Josemaría Escrivá de Balaguer; in „Freunde Gottes", S. ??).
"Im Hinblick auf die eheliche Keuschheit sage ich den Eheleuten, dass sie keine Angst haben sollen, ihrer Zuneigung auch Ausdruck zu verleihen, im Gegenteil, diese Zuneigung ist ja gerade das Fundament ihrer Familie. Was der Herr von ihnen erwartet, ist, dass sie sich gegenseitig achten, loyal im Umgang miteinander sind, feinfühlig, natürlich und rücksichtsvoll. Und ich füge hinzu, dass die eheliche Begegnung echt ist, wenn sie Zeichen wirklicher Liebe ist und daher für den Willen zum Kind offen bleibt. Die Quellen des Lebens versiegen zu lassen, ist ein Verbrechen an den Gaben, die Gott der Menschheit anvertraut hat, und ein Hinweis darauf, dass man sich vom Egoismus und nicht von der Liebe leiten läßt." (Hl. Josefmaria Escriva (s.o.), Homilie an Weihnachten 1970)
"Alles, was dazu beiträgt, die auf die Ehe eines Mannes und einer Frau gegründete Familie zu schwächen, was direkt oder indirekt die Bereitschaft der Familie zur verantwortungsbewußten Annahme eines neuen Lebens lähmt, was ihr Recht, die erste Verantwortliche für die Erziehung der Kinder zu sein, hintertreibt, stellt ein objektives Hindernis auf dem Weg des Friedens dar." (Papst Benedikt XVI. in der Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 2008.)

Literatur


Katharina Westerhorstmann: Über die Tugend der Keuschheit. Anmerkungen zu einem brisanten Thema. In: Brixner Theologisches Forum. Beiheft 117. 2006, 58-75.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Keuschheit)

 

kathpedia.com: Liebe

Die Liebe und der Tod sind die großen Geheimnisse menschlicher Existenz, "aufgeklärt" durch Jesus Christus. Christliche oder vollkommene Liebe ist seither die Tugend, durch die wir, in der Kraft des Heiligen Geistes, Gott um seiner selbst willen zu lieben vermögen.

 

Begriff


Die Regungen der Liebe sind das Wohlgefallen und das Wohlwollen. Das Wohlgefallen findet an dem guten und unendlich vollkommenen Gott gefallen. Aus ihm heraus fliesst Wohlwollen, indem man alles erhalten und fördern will, was Gott freut. Ausdruck wohlwollender Gesinnung gegen Gott sind das Lob Gottes, die Erfüllung von Gottes Geboten und Ratschlägen und die Sorge, dass auch andere Gottes Willen tun wollen. Die Kirche kennt die zwei Gebote der Liebe, die sie zu den Formeln der katholischen Lehre zählt.

Die Liebe gehört zu den drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Thomas von Aquin bezeichnet die Liebe sogar als die "Königin der Tugenden", der Gregor der Grosse, als die Mutter und Hüterin aller Tugenden; denn im Unterschied zu Glaube und Hoffnung, deren Wachstum durch die Schau Gottes in der ewigen Seligkeit (visio beatifica) eine Grenze gesetzt ist, kann die Liebe gleichsam bis ins Unendliche in der Ewigkeit weiterwachsen.

Die wahre Gottesliebe schützt den gläubigen Menschen vor Niedergeschlagenheit und irdischer Trauer.

Die Römisch-Katholische Kirche kennt Liebe als die erste Frucht des Heiligen Geistes (Quelle: Kompendium Katechismus der Katholischen Kirche, KKKK).

 

Liebe als Wesen Gottes


Gott "hat" nicht die Liebe, Er ist die Liebe – die Basis dafür ist die Eigenschaft Gottes, in Sich selbst dreifaltig zu sein, denn nur dadurch kann Er in Sich selbst Liebe sein. Der Vater ist die Hingabe die den Anfang macht, der Sohn ist die Liebe die antwortet, der Hl. Geist ist die Liebesfülle des Vaters und des Sohnes die überfließt. Jede Form der menschlichen Liebe ist schon eine (zumindest natürliche) Antwort auf die Liebe Gottes.

Vater, Sohn und Heiliger Geist ist Liebe auf "Augenhöhe", auf gleicher Ebene. Ähnlich möchte Gott auch uns führen: Er lädt uns ein, Ihn in dieser Weise zu lieben – das ist nur möglich durch das Überfließen des Heiligen Geistes auf uns, der uns übernatürlich auf die Ebene der (geschaffenen) Sohneswürde anhebt. Die natürlichweise unterscheiden wir drei Formen der Liebe: Eros, Philia und Agape bzw. Caritas

 

Gottesliebe - Nächstenliebe - Selbstliebe


Nicht immer in der Geschichte unseres Glaubens wurde auf eine rechte Ausgewogenheit der drei Ausrichtungen der Liebe Wert gelegt, obwohl es sich hier um das Hauptgebot handelt.

Luk. 10:27 Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.

Die Liebe Gottes (Caritas), die uns bedingungslos und unverdient geschenkt ist, macht uns nicht nur fähig Ihn zu lieben sondern auch, uns selbst anzunehmen; und da Gott uns liebt, dürfen wir uns selbst auch in gebührender Weise lieben. Selbst-Liebe darf man jedoch nicht mit Selbst-Sucht, Egoismus, verwechseln. Eine erste Grunderfahrung der Liebe stellt die Liebe der Eltern dar. Sie ist in hohem Maße Basis für eine gesunde menschliche Entwicklung. Selbst die Wissenschaft hat erkannt, dass Kinder, denen die elterliche Liebe komplett vorenthalten wurde (Heimkinder in kommunistischen Ländern) nicht lebensfähig sind.

Was man selbst nicht mag, mag man auch nicht verschenken: Erst wenn man sich selbst auch in der eigenen Fehlerhaftigkeit angenommen hat, ist man fähig, sich zu verschenken in der Liebe zu einem "Du", und weiter dann in der sich schenkenden Liebe zum Nächsten, die nicht mehr auf eine Gegenleistung wartet, die Caritas ist. Dazu wiederum müssen wir immer offener werden für die Liebe Gottes, die dann in uns und durch uns wirkt. Gott wird dann weiters jede Liebestat, die wir dem Nächsten tun, annehmen, als sei sie für Ihn getan worden. Im Tun der Nächstenliebe werden wir auch selbst wiederum mit der Liebe Gottes beschenkt, die unser Leben immer reicher macht.

Im Volksmund gängig ist auch der Begriff der "Helfenden Liebe", den sich die Kaiserswerther Schwestern zum Wahlspruch machten. Für Benedikt XVI. wird die hingebende Liebe als Agape bezeichnet; die Liebe dessen, der ausschließlich das "Wohl des anderen" sucht.

 

Biblische Hinweise


"Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer." (Ho 6,6).

 

Literatur


Papst Benedikt XVI. Erste Enzyklika Deus caritas est (Gott ist die Liebe) vom 25. Dezember 2005.
Giafranco Ravasi, Über die Liebe, Verlag Neue Stadt München (124 Seiten)
siehe auch: Gebote der Liebe

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Liebe)

 


DIE TUGENDEN

1803 „Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!" (Phil 4,8).


Die Tugend ist eine beständige, feste Neigung, das Gute zu tun. Sie ermöglicht dem Menschen, nicht nur gute Taten zu vollbringen, sondern sein Bestes zu leisten. Mit all seinen sinnlichen und geistigen Kräften strebt der tugendhafte Mensch nach dem Guten. Er sucht es zu erreichen und entscheidet sich bei seinen konkreten Handlungen dafür.

„Das Ziel eines tugendhaften Lebens besteht darin, Gott ähnlich zu werden" (Gregor von Nyssa, beat. 1).

I Die menschlichen Tugenden


1804 Die menschlichen Tugenden sind feste Haltungen, verläßliche Neigungen, beständige Vollkommenheiten des Verstandes und des Willens, die unser Tun regeln, unsere Leidenschaften ordnen und unser Verhalten der Vernunft und dem Glauben entsprechend lenken. Sie verleihen dem Menschen Leichtigkeit, Sicherheit und Freude zur Führung eines sittlich guten Lebens. Der tugendhafte Mensch tut freiwillig das Gute.

Die sittlichen Tugenden werden durch menschliches Bemühen erworben. Sie sind Früchte und zugleich Keime sittlich guter Taten; sie ordnen alle Kräfte des Menschen darauf hin, mit der göttlichen Liebe vereint zu leben.



Die Kardinaltugenden


1805 Vier Tugenden sind Angelpunkte des sittlichen Lebens. Aus diesem Grund nennt man sie „Kardinal"-Tugenden; alle anderen sind rund um sie angeordnet. Es sind dies die Klugheit, die Gerechtigkeit, die Tapferkeit und die Mäßigung. „Wenn jemand Gerechtigkeit liebt, in ihren Mühen findet er die Tugenden. Denn sie lehrt Maß und Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit" (Weish 8,7). Auch unter anderen Bezeichnungen werden diese Tugenden in zahlreichen Texten der Schrift gelobt.


1806 Die Klugheit ist jene Tugend, welche die praktische Vernunft bereit macht, in jeder Lage unser wahres Gut zu erfassen und die richtigen Mittel zu wählen, um es zu erlangen. „Der Kluge achtet auf seinen Schritt" (Spr 14,15). „Seid also besonnen und nüchtern, und betet!" (1 Petr 4,7). „Klugheit ist die rechte Vernunft als Grund des Handelns", schreibt der hl. Thomas (s. th. 2-2, 47, 2, sc) im Anschluß an Aristoteles. Sie hat nichts mit Schüchternheit oder Ängstlichkeit, mit Doppelzüngigkeit oder Verstellung zu tun. Man nennt sie „auriga virtutum" [Lenkerin der Tugenden]: sie steuert die anderen Tugenden, indem sie ihnen Regel und Maß gibt. Die Klugheit lenkt unmittelbar das Gewissensurteil. Der kluge Mensch bestimmt und ordnet sein Verhalten diesem Urteil gemäß. Dank dieser Tugend wenden wir die sittlichen Grundsätze irrtumslos auf die einzelnen Situationen an und überwinden die Zweifel hinsichtlich des Guten, das zu tun, und des Bösen, das zu meiden ist.


1807 Die Gerechtigkeit als sittliche Tugend ist der beständige, feste Wille, Gott und dem Nächsten das zu geben, was ihnen gebührt. Die Gerechtigkeit gegenüber Gott nennt man „Tugend der Gottesverehrung" [virtus religionis]. Gerechtigkeit gegenüber Menschen ordnet darauf hin, die Rechte eines jeden zu achten und in den menschlichen Beziehungen jene Harmonie herzustellen, welche die Rechtschaffenheit gegenüber den Personen und dem Gemeinwohl fördert. Der gerechte Mensch, von dem in der Heiligen Schrift oft gesprochen wird, zeichnet sich durch die ständige Geradheit seines Denkens und die Richtigkeit seines Verhaltens gegenüber dem Nächsten aus. „Du sollst weder für einen Geringen noch für einen Großen Partei nehmen; gerecht sollst du deinen Stammes genossen richten" (Lev 19,15). „Ihr Herren, gebt den Sklaven, was recht und billig ist; ihr wißt, daß auch ihr im Himmel einen Herrn habt" (Kol 4,1).


1808 Die Tapferkeit ist jene sittliche Tugend, die in Schwierigkeiten standhalten und im Erstreben des Guten durchhalten läßt. Sie festigt die Entschlossenheit, Versuchungen zu widerstehen und im sittlichen Leben Hindernisse zu überwinden. Die Tugend der Tapferkeit befähigt, die Angst, selbst die vor dem Tod, zu besiegen und allen Prüfungen und Verfolgungen die Stirn zu bieten. Sie macht bereit, für eine gerechte Sache auch das eigene Leben zu opfern. „Meine Stärke und mein Lied ist der Herr" (Ps 118,14). „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt" (Joh 16,33).


1809 Die Mäßigung ist jene sittliche Tugend, welche die Neigung zu verschiedenen Vergnügungen zügelt und im Gebrauch geschaffener Güter das rechte Maß einhalten läßt. Sie sichert die Herrschaft des Willens über die Triebe und läßt die Begierden die Grenzen des Ehrbaren nicht überschreiten. Der maßvolle Mensch richtet sein sinnliches Strebe vermögen auf das Gute, bewahrt ein gesundes Unterscheidungsvermögen und richtet sich nach dem Wort: „Folg nicht deinem Herzen und deinen Augen, um nach dem Begehren deiner Seele zu leben" (Sir 5,2) [Vgl. Sir 37,27-31]. Die Tugend des Maßhaltens wird im Alten Testament oft gelobt: „FoIg nicht deinen Begierden, von deinen Gelüsten halte dich fern!" (Sir 18,30). Im Neuen Testament wird sie „Besonnenheit" oder „Nüchternheit" genannt. Wir sollen „besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben" (Tit 2,12).


„Ein gutes Leben führen ist nichts anderes, als Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aus ganzem Sinn zu lieben. Man bewahrt ihm (durch die Mäßigung) eine ganze Liebe, die kein Unglück erschüttern kann (was Sache der Tapferkeit ist), die einzig ihm gehorcht (das ist die Gerechtigkeit) und die wachsam ist, um alle Dinge zu besehen aus Angst, man könnte sich von List und Lüge überraschen lassen (und das ist Klugheit)" (Augustinus, mor. eccl. 1,25,46).



Die Tugenden und die Gnade


1810 Die menschlichen Tugenden, die man durch Erziehung, durch bewußte Taten und durch Ausdauer in Anstrengungen erlangt, werden durch die göttliche Gnade geläutert und erhoben. Mit der Hilfe Gottes schmieden sie den Charakter und geben Leichtigkeit im Tun des Guten. Der tugendhafte Mensch freut sich am guten Tun.


1811 Für den durch die Sünde verwundeten Menschen ist es nicht leicht, das sittliche Gleichgewicht zu bewahren. Das durch Christus geschenkte Heil gibt uns die notwendige Gnade, im Streben nach Tugend auszuharren. Jeder muß stets um diese Gnade des Lichtes und der Kraft bitten, in den Sakramenten Hilfe suchen, mit dem Heiligen Geist mitwirken und dessen Anruf folgen, das Gute zu lieben und sich vor dem Bösen zu hüten.


II Die göttlichen Tugenden


1812 Die menschlichen Tugenden wurzeln in den göttlichen Tugenden, welche den menschlichen Fähigkeiten die Teilnahme an der göttlichen Natur ermöglichen [Vgl. 2 Peir 1,4]. Denn die göttlichen Tugenden beziehen sich unmittelbar auf Gott. Sie befähigen die Christen, in Verbindung mit der heiligsten Dreifaltigkeit zu leben. Sie haben den einen, dreieinigen Gott zum Ursprung, zum Beweggrund und zum Gegenstand.


1813 Die göttlichen Tugenden sind Grundlage, Seele und Kennzeichen des sittlichen Handelns des Christen. Sie gestalten und beleben alle sittlichen Tugenden. Sie werden von Gott in die Seele der Gläubigen eingegossen, um sie fähig zu machen, als seine Kinder zu handeln und das ewige Leben zu verdienen. Sie sind das Unterpfand dafür, daß der Heilige Geist in den menschlichen Fähigkeiten wirkt und gegenwärtig ist. Es gibt drei göttliche Tugenden: den Glauben, die Hoffnung und die Liebe [Vgl. 1 Kor 13,13].



Glaube


1814 Der Glaube ist jene göttliche Tugend, durch die wir an Gott und an all das glauben, was er uns gesagt und geoffenbart hat und was die heilige Kirche uns zu glauben vorlegt. Denn Gott ist die Wahrheit selbst. Im Glauben „überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit" (DV 5). Darum ist der gläubige Mensch bestrebt, den Willen Gottes zu erkennen und zu tun. „Der aus Glauben Gerechte wird leben" (Röm 1, 17). Der lebendige Glaube ist „in der Liebe wirksam" (Gal 5,6).


1815 Das Geschenk des Glaubens bleibt in dem, der nicht gegen ihn sündigt [Vgl. K. v. Trient: DS 1545]. Aber „der Glaube [ist] tot ohne Werke" (Jak 2,26). Der Glaube ohne Hoffnung und Liebe vereint den Gläubigen nicht voll mit Christus und macht ihn nicht zu einem lebendigen Glied seines Leibes.


1816 Der Jünger Christi muß den Glauben bewahren und aus ihm leben, ihn bekennen, mutig bezeugen und weitergeben: Alle müssen „bereit sein, Christus vor den Menschen zu bekennen und ihm in den Verfolgungen, die der Kirche nie fehlen, auf dem Weg des Kreuzes zu folgen" (LG 42 [Vgl. DH 14]. Der Dienst und das Zeugnis für den Glauben sind heilsnotwendig: „Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen" (Mt 10, 32-33).



Hoffnung


1817 Die Hoffnung ist jene göttliche Tugend, durch die wir uns nach dem Himmelreich und dem ewigen Leben als unserem Glück sehnen, indem wir auf die Verheißungen Christi vertrauen und uns nicht auf unsere Kräfte, sondern auf die Gnadenhilfe des Heiligen Geistes verlassen. „Laßt uns an dem unwandelbaren Bekenntnis der Hoffnung festhalten, denn er, der die Verheißung gegeben hat, ist treu" (Hebr 10,23). Gott hat den Heiligen Geist „in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter, damit wir durch seine Gnade gerecht gemacht werden und das ewige Leben erben, das wir erhoffen" (Tit 3,6-7).


1818 Die Tugend der Hoffnung entspricht dem Verlangen nach Glück, das Gott in das Herz jedes Menschen gelegt hat. Sie nimmt in sich die Hoffnungen auf, die das Handeln der Menschen beseelen; sie läutert sie, um sie auf das Himmelreich auszurichten; sie bewahrt vor Entmutigung, gibt Halt in Verlassenheit; sie macht das Herz weit in der Erwartung der ewigen Seligkeit. Der Schwung, den die Hoffnung verleiht, bewahrt vor Selbstsucht und führt zum Glück der christlichen Liebe.


1819 Die christliche Hoffnung übernimmt und erfüllt die Hoffnung des auserwählten Volkes, die ihren Ursprung und ihr Vorbild in der Hoffnung Abrahams hat. Dieser wird durch die Erfüllung der Verheißungen Gottes in Isaak überreich beschenkt und durch die Prüfung des Opfers geläutert [Vgl. Gen 17,4-8; 22,1-18]. „Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, daß er der Vater vieler Völker werde" (Röm 4,18).


1820 Die christliche Hoffnung wird gleich zu Beginn der Predigt Jesu in den Seligpreisungen entfaltet. Die Seligpreisungen richten unsere Hoffnung auf den Himmel als das neue verheißene Land; sie weisen den Weg durch die Prüfungen, die auf die Jünger Jesu warten. Aber durch die Verdienste Jesu Christi und seines Leidens bewahrt uns Gott in der Hoffnung; „die Hoffnung aber läßt nicht zugrunde gehen" (Röm 5,5). „In ihr haben wir einen sicheren und festen Anker der Seele", der dort hinreicht, wohin „Jesus für uns als unser Vorläufer hineingegangen" ist (Hebr 6,19-20). Sie ist auch eine Waffe, die uns im Kampf um das Heil schützt: Wir wollen „uns rüsten mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil" (1 Thess 5,8). Sie verschafft uns selbst in der Prüfung Freude: „Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis!" (Röm 12,12). Sie äußert und nährt sich im Gebet, insbesondere im Vaterunser, der Zusammenfassung all dessen, was die Hoffnung uns ersehnen läßt.


1821 Wir dürfen also die Herrlichkeit des Himmels erhoffen, die Gott denen verheißen hat, die ihn lieben [Vgl. Röm 8,28-30] und seinen Willen tun [Vgl. Mt 7,21]. In jeder Lage sollen wir hoffen, mit der Gnade Gottes „bis zum Ende auszuharren" [Vgl. Mt 10,22; K. v. Trient: DS 1541] und die Freude des Himmels zu erlangen: die von Gott geschenkte ewige Vergel-. tung der guten Werke, die mit der Gnade Christi getan wurden. Voller Hoffnung betet die Kirche, daß „alle Menschen gerettet werden" (1 Tim 2,4). Sie sehnt sich danach, in der Herrlichkeit des Himmels mit Christus, ihrem Bräutigam, vereint zu sein.


„Hoffe, meine Seele, hoffe! Du weißt nicht den Tag und die Stunde. Wache aufmerksam. Alles geht rasch vorbei, obwohl deine Ungeduld das, was sicher ist, zweifelhaft und eine recht kurze Zeit lang macht. Denk daran: Je mehr du kämpfst, desto mehr wirst du deine Liebe zu Gott beweisen und desto mehr wirst du dich eines Tages mit deinem Geliebten freuen in einem Glück und einem Entzücken, die nie enden können" (Theresia v. Jesus, excl. 15,3).


Liebe


1822 Die Liebe ist jene göttliche Tugend, kraft derer wir Gott um seiner selbst willen über alles lieben und aus Liebe zu Gott unseren Nächsten lieben wie uns selbst.


1823 Jesus macht die Liebe zum neuen Gebot [Vgl. Job 13,34]. Da er die Seinen „bis zur Vollendung" liebt (Joh 13,1), offenbart er die Liebe, die er vom Vater empfängt. Die Jünger ahmen durch die Liebe zueinander die Liebe Jesu nach, die sie von ihm empfangen. Darum sagt Jesus: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!" (Joh 15,9). Und auch: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe" (Joh 15,12).


1824 Als Frucht des Geistes und Vollendung des Gesetzes hält die Liebe die Gebote Gottes und Christi. „Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben" (Joh 15, 9_10) [Vgl. Mt 22,40; Röm 13, 8-10].


1825 Christus ist aus Liebe zu uns gestorben, als wir noch „Feinde" waren (Röm 5,10). Der Herr verlangt von uns, nach seinem Beispiel unsere Feinde zu lieben (Mt 5,44), uns dem Fernsten als Nächste zu erweisen [Vgl. Lk 10, 27-37], die Kinder [Vgl. Mk 9,37] und die Armen [Vgl. Mt 25,40.45] zu lieben.

Der hl. Apostel Paulus hat ein unvergleichliches Bild der Liebe entworfen: „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, läßt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand" (1 Kor 13,4-7).


1826 Der Apostel sagt auch: Wenn ich alles hätte und könnte, „hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts"; und wenn ich alles, was Vorrecht, Dienst und selbst Tugend ist, besäße, „hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts" (1 Kor 13,1-4). Die Liebe steht über allen Tugenden. Sie ist die erste der göttlichen Tugenden: „Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe" (1 Kor 13,13).


1827 Die Übung aller Tugenden wird von der Liebe beseelt und angeregt. Diese ist „das Band der Vollkommenheit" (Kol 3,14); sie ist die Form der Tugenden; sie gliedert und ordnet diese untereinander; sie ist Ursprung und Ziel des christlichen Tugendlebens. Die christliche Liebe sichert und läutert unsere menschliche Liebeskraft. Sie erhebt sie zu übernatürlicher Vollkommenheit, zur göttlichen Liebe.


1828 Das von der Liebe beseelte sittliche Leben gibt dem Christen die Freiheit der Kinder Gottes. Er verhält sich vor Gott nicht mehr wie ein Sklave, in knechtischer Furcht, und auch nicht wie ein Tagelöhner, der entlohnt werden will, sondern wie ein Sohn, der auf die Liebe dessen antwortet, der „uns zuerst geliebt hat" (1 Joh 4, 19).


„Entweder wenden wir uns vom Bösen ab aus Furcht vor Bestrafung, und dann verhalten wir uns wie ein Sklave. Oder wir sind auf den Vorteil der Belohnung bedacht und erfüllen die Gebote, weil daraus Vorteil entspringt; dann gleichen wir den Tagelöhnern. Oder wir gehorchen um des Guten selbst willen und aus Liebe zu dem, der uns das Gesetz gegeben hat ... dann verhalten wir uns wie Söhne" (Basilius, reg. fus. prol. 3).


1829 Die Frucht der Liebe sind Freude, Friede und Barmherzigkeit; die Liebe verlangt Wohltätigkeit und brüderliche Zurechtweisung; sie ist Wohlwollen; sie will gegenseitig sein; sie bleibt uneigennützig und großzügig; sie ist Freundschaft und Gemeinschaft.


„Die Vollendung all unserer Werke ist die Liebe. Das ist das Ziel, um dessentwillen wir laufen, dem wir zueilen und in dem wir, wenn wir es erreicht haben, ruhen werden" (Augustinus, ep. Jo. 10,4).


III Die Gaben und Früchte des Heiligen Geistes


1830 Das sittliche Leben der Christen wird unterstützt durch die Gaben des Heiligen Geistes. Diese sind bleibende Anlagen, die den Menschen geneigt machen, dem Antrieb des Heiligen Geistes zu folgen.


1831 Die sieben Gaben des Heiligen Geistes sind: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. In ihrer ganzen Fülle stehen sie Christus, dem Sohn Davids, zu [Vgl. Jes 11, 1-2]. Sie vervollständigen und vervollkommnen die Tugenden derer, die sie empfangen. Sie machen die Gläubigen bereit, den göttlichen Eingebungen willig zu gehorchen.


„Dein guter Geist leite mich auf ebenem Pfad" (Ps 143,10).


„Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes ... Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi" (Röm 8,14.17).


1832 Die Früchte des Geistes sind Vollkommenheiten, die der Heilige Geist in uns als die Erstlingsfrüchte der ewigen Herrlichkeit hervorbringt. Die Überlieferung der Kirche zählt deren zwölf auf: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit" (Gal 5,22-23 Vg.).


KURZTEXTE


1833 Die Tugend ist eine feste beständige Neigung das Gute zu tun.


1834 Die menschlichen Tugenden sind feste Neigungen des Verstandes und des Willens die unsere Handlungen regeln unsere Leidenschaften ordnen und unser Verhalten der Vernunft und dem Glauben entsprechend leiten Sie lassen sich nach vier Kardinaltugenden ordnen Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung.


1835 Die Klugheit befähigt die praktische Vernunft in allen Umstanden das wahre Gut zu erkennen und die rechten Mittel zu wählen um es auszuführen.


1836 Die Gerechtigkeit besteht im beständigen festen Willen Gott und dem Nächsten das zu geben was ihnen zusteht.


1837 Die Tapferkeit laßt auch in Schwierigkeiten das Gute entschieden und ausdauernd anstreben.


1838 Die Mäßigung zügelt die Neigung zu sinnlichem Vergnügen und laßt im Gebrauch der geschaffenen Dinge das rechte Maß einhalten.


1839 Die sittlichen Tugenden wachsen durch Erziehung durch überlegte Taten und ausdauernde Anstrengung. Die göttliche Gnade läutert und erhebt sie.


1840 Die göttlichen Tugenden machen den Christen fähig in Verbindung mit der heiligsten Dreifaltigkeit zu leben. Sie haben Gott zum Ursprung zum Beweggrund und zum Gegenstand - Gott selbst der im Glauben erkannt, erhofft und um seiner selbst willen geliebt wird.


1841 Es gibt drei göttliche Tugenden Glaube Hoffnung und Liebe‘ Sie gestalten und beleben alle sittlichen Tugenden.


1842 Durch den Glauben glauben wir an Gott und glauben wir alles, was er uns geoffenbart hat und was die heilige Kirche uns zu glauben vorlegt.


1843 Durch die Hoffnung ersehnen und erwarten wir von Gott in festem Vertrauen daß ewige Leben und die Gnaden es zu verdienen.


1844 Durch die Liebe lieben wir Gott über alles und aus Liebe zu ihm unseren Nächsten wie uns selbst. Sie ist „das Band der Vollkommenheit" (Kol 3, 14) und die Form aller Tugenden.


1845 Die sieben Gaben des Heiligen Geistes die den Christen gewahrt werden sind Weisheit Einsicht Rat Starke Erkenntnis Frömmigkeit und Gottesfurcht.

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