Katholisch Leben!

The Jesus Brothers

Rechtfertigung

Rechtfertigung kann man also den Vorgang ansehen, in dem der Mensch aus der Feindschaft mit Gott (Ungerechtigkeit) in den Zustand der Freundschaft mit Gott (Gerechtigkeit: die Beziehung zu Gott stimmt) kommt.

Durch die Vergebung, also den Nachlass der Sünden wird die Feindschaft aufgehoben und die Sünde überwunden (negativer Aspekt). Wir erfahren Heiligung, Erneuerung und Gnade von Gott (positiver Aspekt).

Vergebung ist aber weitaus mehr als nur die Nichtanrechnung von Sünden oder die Wiederherstellung des gebrochenen Verhältnisses mit Gott. Sie ist eine wirkliche Veränderung, die unser innerstes Sein betrifft. Wir begegnen in der Vergebung also nicht nur einen Gott, der vergibt, sondern auch einen Gott, der heilt.

Was heißt das nun, "Gerechtigkeit Gottes"? Nun, das bedeutet, dass Gott sich als gerecht erweist, dass Er uns durch Jesu' (Sühne-)Tod am Kreuz gerecht macht. Sie ist genau die heilbringende Kraft, mit der uns Gott in Christus in der Taufe neues Leben schenkt.

Ja, wir haben alle gesündigt - aber durch den Glauben an Gott - unabhängig von "Werken des Gesetzes" (hiermit sind nicht die 10 Gebote, sondern das levitische Gesetz gemeint, also etwa Beschneidung usw.!) - und Seine in Jesu Tod und Auferstehung erwiesene Gerechtigkeit erhalten wir die Heilsgabe der Rechtfertigung. Das Gesetz an sich rettet also niemanden, aber es bezeugt die Gerechtigkeit Gottes, die sich jetzt schon zeigt.

Durch den Glauben an Jesus Christus erhalten wir Anteil an Gottes Gerechtigkeit, eine Gerechtigkeit, die uns auch in den Dienst nimmt und uns zu Werken der Liebe sowie zu einem Leben in Jesu Nachfolge befreit und beauftragt.

Oft wird hier Abraham angeführt und sein in Genesis 15,6 erwiesener Glaube, der ihn gerettet hat. In dem Moment, wo er hier "Gott als seinen persönlichen Herrn angenommen und Ihm geglaubt hat" (wie wir dies gemäß dieser Auffassung auch heute mit Jesus tun sollten) wurde er gerettet.

Das Problem hierbei: eine der Grundregeln der Bibelauslegung wurde hierbei verletzt. Wenn wir eine alttestamentliche Referenz sehen, sollten wir immer den kontext beachten - sonst können wir völlig falsch liegen! Und wenn wir uns ansehen, was Abraham in den Kapiteln 12-14 alles gemacht hat, ohne dass er angeblich durch den "Glauben allein gerettet" war und auch beachten, dass er erst einige Kapitel später beschnitten wurde, wird schnell klar, dass es nicht das heißen kann, was manche protestantische und evangelikale Christinnen und Christen darunter verstehen. Ja, wir sind durch den Glauben als Gnadengeschenk Gottes gerettet - aber nicht durch den Glauben alleine!

Ein Ausflug in die Kirchengeschichte:

Augustinus hat unter Gerechtigkeit das für uns unsichtbare Heilshandlen Gottes verstanden. Dieses Heilshandeln erneuert uns durch und durch. Gott schenkt uns dadurch auch die Freiheit, an der Gnade mitzuwirken.

Luther wiederum verstand die Rechtfertigung als das schöpferische Gnadenwirken Gottes am Menschen. Dieses Gnadenwirken bleibt aber weiterhin Eigentum Gottes. Selbst eine innere Umformung des Menschen, die ihn zu einem neuen Geschöpf macht, wird hier als Einschränkung von Gottes Souveränität gesehen. Die Gerechtigkeit wird also nach protestantischer Auffassung nur "angerechnet".

In einem stimmte das Konzil von Trient Luther zu: Der Mensch kann sich nicht selbst erlösen. Das Konzil besteht aber auch weiterhin darauf, dass die Rechtfertigung den Menschen von Grund auf erneuert. Weiterhin betont das Konzil, dass es im freien Zustimmen des Menschen liegt, die "zuvorkommende Gnade Gottes" anzunehmen und mit ihr mitzuwirken.

Das Gesetz vom Sinai

Durch den Sühnetod und die Auferweckung Jesu hat das Gesetz vom Sinai, das  praktisch die Sünde mehrte, seine anfängliche Funktion wieder erhalten und wurde zu "Jesu Gesetz" (siehe Gal 6,2; 1 Kor 9,21).

Wenn wir uns Röm 12 und 13 ansehen und auch Mk 12,28,34, wird klar, dass Nächstenliebe sozusagen die Erfüllung des Gesetzes darstellt (Röm 13,8-10; vgl. 12,14). Wenn Paulus also von "unabhängig von den Werken des Gesetzes" spricht, heißt das nicht, dass er eine Trennlinie zwischen Glauben und Handeln zieht. Es ist keineswegs so, dass das Handeln unwichtig für die Rechtfertigung wäre, sehr wohl aber eine besondere Form des Handelns, das Selbstsucht, Eigengerechtigkeit und Prahlerei darstellt. Dem setzt Paulus "Werke des Glaubens" gegenüber (vgl. Gal 5,6; 1 Thess 1,3). Werke, die der Mensch im Vertrauen auf Gottes Wirkmächtigkeit vollbringt.

 

(Fortsetzung folgt)

(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/)

 

 

Kein Widerspruch zwischen Glauben und Werken

"Es kann keinen Widerspruch zwischen Glauben und Werken geben: Der Glaube ist in der Liebe wirksam. Er bewährt sich in den Werken und bezeugt so das freie Geschenk der Rechtfertigung in Christus. Zudem gehören wir durch die Rechtfertigung in Christus nicht mehr uns selbst, sondern wir sind zum Tempel des Heiligen Geistes geworden und sollen Gott mit unserem ganzen Dasein die Ehre geben (vgl. 1 Kor 6, 19) in einem Leben, das dem Geist entspricht. Nichts und niemand kann uns von der Liebe Christi scheiden (vgl. Röm 8, 39), die uns in die Lage versetzt, wahre Früchte des Geistes hervorzubringen.“

 Papst Benedikt XVI. bei der Generalaudienz, 26.11.2008

(Quelle: www.kath.de)

 

Ohne Liebe?

"Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts." (1 Kor 13,2 - Einheitsübersetzung)

Hier steht doch tatsächlich, dass uns all unser Glaube nichts hilft, wenn wir nicht auch Liebe haben! Wenn also der Glaube alleine zu unserer Errettung ausreichen würde, wozu bräuchten wir dann noch die Liebe?

Nein, der Glaube ist ein Gnadengeschenk Gottes, das von uns in freier Entscheidung angenommen und beantwortet wird - der Glaube alleine aber hilft uns nichts.

Und wenn Jakobus sagt, dass Glaube ohne Werke tot sei, so ist es nicht ein "anderer Glaube", eine "andere Rechtfertigung", die er hier meint, sondern andere Werke - er meint nicht das levitische Gesetz (Beschneidung usw.), sondern aus dem Zusammenhang geht klar hervor, dass er von guten Werken der Nächstenliebe spricht.

Ein Glaube ohne diese Werke der Liebe ist wert- und fruchtlos Es kommt darauf an, "den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist." (Gal 5,6 - Einheitsübersetzung)!

 

kathpedia.com: Rechtfertigung

Rechtfertigung (lat. iustificatio) ist die Versetzung des Menschen aus einem Unrechtszustand vor Gott (Sünde) in einen gerechten Stand (Gnade). Vermittelt wird den Menschen die göttliche Gerechtigkeit allein durch Jesus Christus, jedoch sakramental wirksam und nicht nur "symbolisch". Nur in Gemeinschaft mit Gott und nicht aus eigenem Recht lebt der Mensch in dem Zustand, also zur Ewigkeit berufen, in dem er nach Gottes Willen sein soll.


 

Gnadenlehre


Die Rechtfertigung wird wissenschaftlich in der Gnadenlehre, welches ein Fach der Dogmatik der christlichen Theologie ist, erörtert.

Sie setzt die Tatsache der Erbsünde voraus. Sie kommt zustande auf Grund der Erlösungsverdienste Christi durch die Wiedergeburt aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste in der Taufe bzw. durch die Begierde- oder Bluttaufe, oder, wenn sie durch die schwere Sünde wieder verlorengegangen war, durch den gültigen Empfang des Bußsakramentes bzw. schon durch die vollkommene Reue (wobei die Gewissheit über deren Vollkommenheit das Problem ist) und im Notfall auch durch die heilige Ölung (= Krankensalbung, letzte Ölung).

Die Rechtfertigung besteht (gg. Luther) nicht nur in einer Anrechnung der Erlösungsverdienste Christi, sondern in der sakramental in der Kirche wirksam erfahrbasren Mitteilung des übernatürlichen Leben: (der heiligmachenden Gnade und der drei göttlichen Tugenden), wodurch die Menschen des Volkes Gottes der göttlichen Natur teilhaftig, mit Christus als lebendige Glieder verbunden und dadurch Gotteskinder und Erben Gottes und Miterben Christi werden.

Gleichzeitig nimmt der Heilige Geist mit der ganzen heiligsten Dreifaltigkeit vom gerechtfertigten Menschen als seinen Tempel Besitz. Die Rechtfertigung ist reine Gnade, die aber bei Erwachsenen - das freie Mitwirken des Menschen mit der zuvorkommenden helfenden Gnade voraussetzt, wodurch er zunächst zum Glauben als erster Vorbedingung der Rechtfertigung gelangt.

Die Rechtfertigung schenkt daher dem „Heillosen" das Unterpfand, den wirklichen Anfang des künftigen, auch ewigen Heiles und verwirklicht so das tiefe religiöse Sehnen der Menschen.

 

Wesen der Rechtfertigung


Ihrem Wesen nach umfasst die iustificatio also:

einmal die Nachlassung der Sünden; nachgelassen werden wenigstens alle jene Sünden, die ihn vom Reich Gottes und der Gemeinschaft mit Christus ausschließen und ihn zum Todsünder machen, der keinen Anteil am ewigen Leben hat;
erlassen wird dem Gerechtfertigten zugleich die ewige Strafe (Hölle), die der Lohn seiner Sünden ist;
sodann besagt die Rechtfertigung die übernatürliche gnadenhafte Erneuerung und Heiligung des Menschen, durch die er gleichsam ein „neues Geschöpf" wird, das fortan im Lichte Gottes leben soll.
In der Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts stand die Rechtfertigung im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Das Konzil von Trient musste deshalb vor allem die katholische Lehre von der Rechtfertigung anhand der ältesten Überlieferung darlegen. Nachdrücklich wandte es sich gegen die Auffassung der Reformatoren, die Rechtfertigung bestehe darin, dass dem Gerechtfertigten die Sünden auf Grund des Verdienstes Christi nicht mehr angerechnet, sondern gleichsam "zugedeckt" würden, insofern er mit dem Verdienst und der Heiligkeit des im Glauben ihm einwohnenden Christus Gott gegenübertrete. Vielmehr wird die Sünde durch die Rechtfertigung völlig getilgt und ausgelöscht. Demnach ist das Wesen der Rechtfertigung nicht im „spruchhaften" Charakter zu sehen - es würde im letzten aus der "Gerechtmachung" eine „Rechtsprechung" machen, die den Menschen in seinem Sein unverändert ließe. Auch genügt es nicht, nur eine Veränderung unserer Stellung vor Gott durch die Rechtfertigung anzunehmen, sondern der Gerechtfertigte erhält ein neues, gnadenhaftes Sein und eine Gerechtigkeit, die von Gott in ihm bewirkt wird.

 

Katholische Lehre


Die katholische Lehre besagt ferner, dass die Rechtfertigung nicht in "vorübergehenden" Tätigkeiten besteht, in denen Gott sich dem Menschen und der Mensch sich Gott zuwendet, sondern in einer dauernden Beschaffenheit seiner Seele. Sie ist jenes übernatürliche Sein, das wir heiligmachende Gnade nennen und die eine völlig ungeschuldete Teilnahme an der göttIichen Natur besagt (2 Petr 1.4).

Im Anschluss an den Sprachgebrauch der Heiligen Schrift ist von der Eingießung der heiligmachenden Gnade durch die Rechtfertigung die Rede. Dadurch kommt zum Ausdruck, dass sie in keiner Weise eine Weiterentwicklung jener Kräfte ist, die in der Natur des Menschen schon grundgelegt wären (wo sollte der Sterbliche aus eigener Kraft auch "Gott schauen"?), sondern eine Erhöhung über deren Sein und Können.

Zugleich mit der heiligmachenden Gnade werden in der Rechtfertigung vor allem die Göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe eingegossen, die den Gerechtfertigten erst befähigen, das neue Leben zu entfalten.

Gegen die Auffassung der Reformatoren hat das Konzil von Trient auch gelehrt, dass wir nicht „im Glauben allein", den Gott in uns ohne unser Zutun wirke, gerechtfertigt werden; vielmehr bedarf der Erwachsene der Vorbereitung auf die Rechtfertigung. Erst muss er unter dem Einfluss der anregenden und helfenden Gnade sich in Glaube und Hoffnung, in der heilsamen Erschütterung und Reue über seine Sünden und mit den ersten Regungen der Liebe Gott zuwenden, ehe Gott in der Rechtfertigung die Fülle seiner Gnade über ihn ausgießt und ihn an Kindes Statt annimmt. Das Ziel der Rechtfertigung ist das ewige Heil des Menschen und damit die größere Herrlichkeit Gottes. Verdient ist sie allein durch das sühnende Leiden Christi am Kreuze. Die Letztursache der Rechtfertigung ist die freiwaltende Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Vermittelt wird sie dagegen durch das Bad der Wiedergeburt, die heilige Taufe, deren sich Gott als seines Werkzeuges bedient.

Solange der Mensch als Pilger auf Erden weilt, ist jedoch die Rechtfertigungsgnade nicht unverlierbar. Sie unterliegt der Bedrohung durch die Sünde und wird durch jede schwere Sünde, nicht erst durch den Abfall vom Glauben allein, wie die Reformatoren lehrten, verloren. Ohne ein besondere Gnadengeschenk Gottes (gratia perseverantiae, die Gnade der Beharrlichkeit) kann der Gerechtfertigte nicht dauernd die Rechtfertigungsgnade bewahren. Aber auch nach dem Verlust der Rechtfertigungsgnade reicht Gott in seiner Barmherzigkeit dem Menschen die "rettende Planke nach dem Schiffbruch", das Sakrament der Buße. Doch ist diese "zweite Rechtfertigung" ein mühsamerer Weg. Zwischen der Sünde des Getauften und "der zweiten Rechtfertigung" steht das Gericht der Kirche und nur durch diesen richterlichen Freispruch wird dem Menschen erneut das Heil mit Gewissheit zugewandt. Der Beichtstuhl ist das einzige Gericht auf Erden, das den freispricht, der sich schuldig bekennt.

 

Gerechte Werke


Wendet sich jedoch der Sünder in vollkommener Liebe und Reue über seine Sünden Gott wieder zu und hegt er das Verlangen, sich dem Gericht Gottes zu stellen, so wartet Gott das von ihm berufene sakramentale Gericht nicht ab, sondern schenkt ihm schon sofort die Rechtfertigungsgnade. Der Empfang des Bußsakramentes bleibt aber eine notwendige Hilfe, wenn er geschehen kann, da der einzelne, reumütige Mensch stets Zweifel über die Vollkommenheit seiner Reue hegen muss. Die sakramentale Lossprechung jedoch stellt zugunsten des Gnade suchenden Christen mit Zuverlässigkeit die Wirlkungen der Taufe wieder her.

Die barmherzige Rechtfertigungsgnade erlangt jedoch vor dem Angesicht Gottes auch der, dem ohne eigenes Verschulden die Taufe versagt bleibt (so gen. Begierdetaufe), aber den Stand der Gnade aufrichtig sucht. Hierüber ist jedoch in keinem Einzelfall ein Urteil Dritter möglich, so dass die Taufe der von Gott befohlene "sichere Weg" bleibt.

In der Auseinandersetzung gegen die pelagianische Irrlehre hob Augustinus hervor, dass auf Erden keine „vollkommene Gerechtigkeit", die der Vergebung nicht mehr bedürfe, möglich sei, mit Hilfe der Gnade muss der Gerechtfertigte vielmehr die sittlichen Unvollkommenheiten, die ihm anhaften, weiterhin zu überwinden streben. Dadurch kann er aber die Rechtfertigungsgnade in sich vermehren (so gen. "Verdienst"). Im Anschluss daran hat das Konzil von Trient, entgegen der Auffassung der so genannten Reformatoren, gelehrt, dass die Rechtfertigungsgnade nicht in allen dem Grade nach die gleiche sei. Das Maß der Gnade ist einmal die Freiheit Gottes in der Austeilung seiner Gnaden und zum anderen wird es bestimmt durch unsere Mitwirkung mit seiner Gnade in gerechten Werken.

Allerdings kann niemand (ohne einen ganz besonderen Gnadenvorzug Gottes) mit einer Gewissheit, wie sie dem Glauben eignet, sicher sein, dass er vor Gott gerechtfertigt ist. Wenn jedoch der Mensch alles getan hat, um sich auf die Rechtfertigung vorzubereiten, so darf er hoffen, dass Gott sich seiner erbarmt. Auch angesichts der Unsicherheit des Heiles gilt: Wir sollen uns nicht ängstigen, sondern wie ein Kind unser Heil in die Hände des Vaters legen. Der barmherzige Vater bewirkt die Früchte der Rechtfertigung , die uns die Möglichkeit des übernatürlichen Verdienstes auf Grund der guten Werke aufschließt, den Himmel. Dort leben wir ewig so, wie wir selbst geworden sind durch Gottes gute Werke und unseren Gehorsam (vgl. Credo des Gottesvolkes, 1968).

 

Päpstliche Schreiben zur Rechtfertigung


Konzil von Trient, Cum hoc tempore über die Rechtfertigung vom 13. Januar 1547.
Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre – ein ökumenischer Meilenstein vom 31. Oktober 1999.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Rechtfertigung)

 

Debate: Catholic vs Protestant - Justification/Salvation - Scott Hahn vs Robert M Bowman, Jr.

Rechtfertigung

*Röm 1:17 - Der gerechte wird durch den Glauben leben
Gal 5:6 - Glaube, der durch die Liebe arbeitet
2 Joh 1:6 - das ist die Liebe das wir seinen Geboten folgen
Röm 12:9-13 -  echte Liebe - halt fest daran, was gut ist
Apg 16:30-31 - Glaube an den Herrn Jesus, und Sie werden gerettet
Joh 3:36 - nicht zu glauben ist nicht zu gehorchen
Mk 10:17 - Was muss ich tun, um gerettet zu werden
Mk 10:19-21 - halte die Gebote
1 Joh 2:3-5 - Wer sagt, 'Ich kenne ihn' aber gehorcht seinen Geboten nicht ist ein Lügner
Offb 20:12, 2. Kor 5:10, Röm 2:2-8, 1 Petr 1:17 - wir sind durch unsere Taten gerichtet
Mt 25,31-46 - die erlösten sind diejenigen, die die Armen speisen und die nackten kleiden
Joh 14:6 - Jesus ist der einzige Weg zur Erlösung
Mt 25:40 - wenn Sie Ihren Nachbar zurückweisen, Sie weisen Jesus zurück
* Eph 2:8-9 - Wir sind nicht durch unsere Werke aber durch Gnade gerettet
Jak 2:14-26 - Glaube ohne Werke ist tot
Hebr 4:15-16 - Gott gibt uns in Zeiten der Not Gnade - wir tun nichts selbstständig
1 Kor 12:13 Keine Versuchung ist zu groß, Gnade wird gegeben
Röm 1:5 wir erhalten Gnade für die Folgsamkeit zum Glauben
1 Kor 12:3 ohne Gnade können wir nicht sogar sagen, dass Jesus Herr ist
Phil 4:13 mit Christus können wir alles tun (Werke, durchgeführt durch Gnade sind nicht unsere Werke)
Mt 7:21 [deshalb] werden Nur diejenigen, die den Willen des Vaters tun, ins Königreich eingehen

(Quelle: Sebastian R. Fama. Copyright © 2001 StayCatholic.com. Übersetzt mit Genehmigung. Übersetzer: Mike Esquibel. Herzlichen Dank, Mike!)

Gemeinsame Erklärung

Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre
des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche
1997

Präambel

1. Biblische Rechtfertigungsbotschaft
2. Die Rechtfertigungslehre als ökumenisches Problem
3. Das gemeinsame Verständnis der Rechtfertigung
4. Die Entfaltung des gemeinsamen Verständnisses der Rechtfertigung
    4.1 Unvermögen und Sünde des Menschen angesichts der Rechtfertigung
    4.2 Rechtfertigung als Sündenvergebung und Gerechtmachung
    4.3 Rechtfertigung durch Glauben und aus Gnade
    4.4 Das Sündersein des Gerechtfertigten
    4.5 Gesetz und Evangelium
    4.6 Heilsgewißheit
    4.7 Die guten Werke des Gerechtfertigten
5. Die Bedeutung und Tragweite des erreichten Konsenses

Präambel

(1) Die Lehre von der Rechtfertigung hatte für die lutherische Reformation des 16. Jahrhunderts zentrale Bedeutung. Sie galt ihr als der "erste und Hauptartikel",1 der zugleich "Lenker und Richter über alle Stücke christlicher Lehre"2 sei. Ganz besonders wurde die Rechtfertigungslehre in der reformatorischen Ausprägung und ihrem besonderen Stellenwert gegenüber der römisch- katholischen Theologie und Kirche der damaligen Zeit vertreten und verteidigt, die ihrerseits eine anders geprägte Rechtfertigungslehre vertraten und verteidigten. Hier lag aus reformatorischer Sicht der Kernpunkt aller Auseinandersetzungen. Es kam in den lutherischen Bekenntnisschriften3 und auf dem Trienter Konzil der römisch- katholischen Kirche zu Lehrverurteilungen, die bis heute gültig sind und kirchentrennende Wirkung haben.

(2) Die Rechtfertigungslehre hat für die lutherische Tradition jenen besonderen Stellenwert bewahrt. Deshalb nahm sie auch im offiziellen lutherisch/katholischen Dialog von Anfang an einen wichtigen Platz ein.

(3) In besonderer Weise sei verwiesen auf die Berichte "Evangelium und Kirche" (1972)4 und "Kirche und Rechtfertigung" (1994)5 der internationalen Gemeinsamen römischkatholischen/evangelisch- lutherischen Kommission, auf den Bericht "Rechtfertigung durch den Glauben" (1983)6 des katholisch/lutherischen Dialogs in den USA und die Studie "Lehrverurteilungen - kirchentrennend?" (1986)7 des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen in Deutschland. Einige von diesen Dialogberichten haben eine offizielle Rezeption erfahren. Ein wichtiges Beispiel ist die verbindliche Stellungnahme, die die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands zusammen mit den anderen Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland mit dem höchstmöglichen Grad kirchlicher Anerkennung zu der Studie über die Lehrverurteilungen verabschiedet hat (1994).8

(4) All die genannten Dialogberichte und auch die Stellungnahmen dazu zeigen in ihrer Erörterung der Rechtfertigungslehre untereinander ein hohes Maß an gemeinsamer Ausrichtung und gemeinsamem Urteil. Es ist darum an der Zeit, Bilanz zu ziehen und die Ergebnisse der Dialoge über die Rechtfertigung in einer Weise zusammenzufassen, die unsere Kirchen in der gebotenen Präzision und Kürze über den Gesamtertrag dieses Dialogs informiert und es ihnen zugleich ermöglicht, sich verbindlich dazu zu äußern.

(5) Das will diese Gemeinsame Erklärung tun. Sie will zeigen, daß aufgrund des Dialogs die unterzeichnenden lutherischen Kirchen und die römisch-katholische Kirche9 nunmehr imstande sind, ein gemeinsames Verständnis unserer Rechtfertigung durch Gottes Gnade im Glauben an Christus zu vertreten. Sie enthält nicht alles, was in jeder der Kirchen über Rechtfertigung gelehrt wird; sie umfaßt aber einen Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre und zeigt, daß die weiterhin unterschiedlichen Entfaltungen nicht länger Anlaß für Lehrverurteilungen sind.

(6) Unsere Erklärung ist keine neue und selbständige Darstellung neben den bisherigen Dialogberichten und Dokumenten, erst recht will sie diese nicht ersetzen. Sie bezieht sich vielmehr - wie der Anhang über die Quellen zeigt - auf die genannten Texte und deren Argumentation. (7) Wie die Dialoge selbst, so ist auch diese Gemeinsame Erklärung von der Überzeugung getragen, daß eine Überwindung bisheriger Kontroversfragen und Lehrverurteilungen weder die Trennungen und Verurteilungen leicht nimmt noch die eigene kirchliche Vergangenheit desavouiert. Sie ist jedoch von der Überzeugung bestimmt, daß unseren Kirchen in der Geschichte neue Einsichten zuwachsen und daß sich Entwicklungen vollziehen, die es ihnen nicht nur erlauben, sondern von ihnen zugleich fordern, die trennenden Fragen und Verurteilungen zu überprüfen und in einem neuen Licht zu sehen.

 

1. Biblische Rechtfertigungsbotschaft

(8) Zu diesen neuen Einsichten hat unsere gemeinsame Art und Weise geführt, auf das Wort Gottes in der Heiligen Schrift zu hören. Gemeinsam hören wir das Evangelium, daß "Gott die Welt so sehr geliebt hat, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (Joh 3,16). Diese frohe Botschaft wird in der Heiligen Schrift in verschiedener Weise dargestellt. Im Alten Testament hören wir das Wort Gottes von der menschlichen Sündhaftigkeit (Ps 51,1-5; Dan 9,5f.; Koh 8,9f.; Esra 9,6f.) und vom menschlichen Ungehorsam (Gen 3,1-19; Neh 9,16f.26) sowie von der Gerechtigkeit (Jes 46,13; 51,5-8; 56,1; [vgl. 53,11]; Jer 9,24) und vom Gericht Gottes (Koh 12,14; Ps 9,5f.; 76,7-9).

(9) Im Neuen Testament werden bei Matthäus (5,10; 6,33; 21,32), Johannes (16,8-11), im Hebräerbrief (5,13; 10,37f.) und im Jakobusbrief (2,14-26) die Themen "Gerechtigkeit" und "Rechtfertigung" unterschiedlich behandelt.10 Auch in den paulinischen Briefen wird die Gabe des Heils auf verschiedene Weise beschrieben, unter anderem: als "Befreiung zur Freiheit" (Gal 5,1-13; vgl. Röm 6,7), als "Versöhnung mit Gott" (2 Kor 5,18- 21; vgl. Röm 5,11), als "Frieden mit Gott" (Röm 5,1), als "neue Schöpfung" (2 Kor 5,17), als "Leben für Gott in Christus Jesus" (Röm 6,11.23) oder als "Heiligung in Christus Jesus" (vgl. 1 Kor 1,2; 1,30; 2 Kor 1,1). Herausragend unter diesen Bezeichnungen ist die Be schreibung als "Rechtfertigung" des Sünders durch Gottes Gnade im Glauben (Röm 3,23-25), die in der Reformationszeit besonders hervorgehoben wurde.

(10) Paulus beschreibt das Evangelium als Kraft Gottes zur Rettung des unter die Macht der Sünde gefallenen Menschen: als Botschaft, die die "Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben" (Röm 1,16f.) verkündet und die "Rechtfertigung" (Röm 3,21-31) schenkt. Er verkündet Christus als "unsere Gerechtigkeit" (1 Kor 1,30), indem er auf den auferstandenen Herrn anwendet, was Jeremias über Gott selbst verkündet hat (Jer 23,6). In Christi Tod und Auferstehung sind alle Dimensionen seines Erlösungswerkes verwurzelt, denn er ist "unser Herr, der wegen unserer Verfehlungen hingegeben, wegen unserer Gerechtigkeit auferweckt wurde" (Röm 4,25). Alle Menschen bedürfen der Gerechtigkeit Gottes, denn "alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren" (Röm 3,23; vgl. Röm 1,18-3,20; 11,32; Gal 3,22). Im Galaterbrief (3,6) und im Römerbrief (4,3-9) versteht Paulus den Glauben Abrahams (Gen 15,6) als Glauben an den Gott, der den Sünder rechtfertigt (Röm 4,5) und beruft sich auf das Zeugnis des Alten Testaments, um sein Evangelium zu unterstreichen, daß jene Gerechtigkeit allen angerechnet wird, die wie Abraham auf Gottes Versprechen vertrauen. "Der aus Glauben Gerechte wird leben" (Hab 2,4; vgl. Gal 3,11; Röm 1,17). In den paulinischen Briefen ist Gottes Gerechtigkeit zugleich Gottes Kraft für jeden Glaubenden (Röm 1,16f.). In Christus läßt er sie unsere Gerechtigkeit sein (2 Kor 5,21). Die Rechtfertigung wird uns zuteil durch Christus Jesus, "den Gott dazu bestimmt hat, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben" (Röm 3,25; vgl. 3,21- 28). "Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft - Gott hat es geschenkt -, nicht aufgrund eurer Werke" (Eph 2,8f.).

(11) Rechtfertigung ist Sündenvergebung (Röm 3,23-25; Apg 13,39; Lk 18,14), Befreiung von der herrschenden Macht der Sünde und des Todes (Röm 5,12-21) und vom Fluch des Gesetzes (Gal 3,10- 14). Sie ist Aufnahme in die Gemeinschaft mit Gott, schon jetzt, vollkommen aber in Gottes künftigem Reich (Röm 5,1f.). Sie vereinigt mit Christus und seinem Tod und seiner Auferstehung (Röm 6,5). Sie geschieht im Empfangen des Heiligen Geistes in der Taufe als Eingliederung in den einen Leib (Röm 8,1f.9f.; 1 Kor 12,12f.). All das kommt allein von Gott um Christi willen aus Gnade durch den Glauben an das "Evangelium vom Sohn Gottes" (Röm 1,1-3).

(12) Die Gerechtfertigten leben aus dem Glauben, der aus dem Wort Christi kommt (Röm 10,17) und der in der Liebe wirkt (Gal 5,6), die Frucht des Geistes ist (Gal 5,22f.). Aber da Mächte und Begierden die Gläubigen äußerlich und innerlich anfechten (Röm 8,35- 39; Gal 5,16-21) und diese in Sünde fallen (1 Joh 1,8.10), müssen sie die Verheißungen Gottes immer wieder hören, ihre Sünden bekennen (1 Joh 1,9), an Christi Leib und Blut teilhaben und ermahnt werden, in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes gerecht zu leben. Darum sagt der Apostel den Gerechtfertigten: "Müht euch mit Furcht und Zittern um euer Heil! Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über euren guten Willen hinaus" (Phil 2,12f.). Die frohe Botschaft aber bleibt: "Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind" (Röm 8,1) und in denen Christus lebt (Gal 2,20). Durch die gerechte Tat Christi wird es "für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt" (Röm 5,18).

 
2. Die Rechtfertigungslehre als ökumenisches Problem

(13) Die gegensätzliche Auslegung und Anwendung der biblischen Botschaft von der Rechtfertigung waren im 16. Jahrhundert ein Hauptgrund für die Spaltung der abendländischen Kirche, was sich auch in Lehrverurteilungen niedergeschlagen hat. Für die Überwindung der Kirchentrennung ist darum ein gemeinsames Verständnis der Rechtfertigung grundlegend und unverzichtbar. In Aufnahme von bibelwissenschaftlichen, theologie- und dogmengeschichtlichen Erkenntnissen hat sich im ökumenischen Dialog seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine deutliche Annäherung hinsichtlich der Rechtfertigungslehre herausgebildet, so daß in dieser Gemeinsamen Erklärung ein Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre formuliert werden kann, in dessen Licht die entsprechenden Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts heute den Partner nicht treffen.

 

3. Das gemeinsame Verständnis der Rechtfertigung

(14) Das gemeinsame Hören auf die in der Heiligen Schrift verkündigte frohe Botschaft und nicht zuletzt die theologischen Gespräche der letzten Jahre zwischen den lutherischen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche haben zu einer Gemeinsamkeit im Verständnis von der Rechtfertigung geführt. Es umfaßt einen Konsens in den Grundwahrheiten; die unterschiedlichen Entfaltungen in den Einzelaussagen sind damit vereinbar.

(15) Es ist unser gemeinsamer Glaube, daß die Rechtfertigung das Werk des dreieinigen Gottes ist. Der Vater hat seinen Sohn zum Heil der Sünder in die Welt gesandt. Die Menschwerdung, der Tod und die Auferstehung Christi sind Grund und Voraussetzung der Rechtfertigung. Daher bedeutet Rechtfertigung, daß Christus selbst unsere Gerechtigkeit ist, derer wir nach dem Willen des Vaters durch den Heiligen Geist teilhaftig werden. Gemeinsam bekennen wir: Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht auf Grund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken.11

(16) Alle Menschen sind von Gott zum Heil in Christus berufen. Allein durch Christus werden wir gerechtfertigt, indem wir im Glauben dieses Heil empfangen. Der Glaube selbst ist wiederum Geschenk Gottes durch den Heiligen Geist, der im Wort und in den Sakramenten in der Gemeinschaft der Gläubigen wirkt und zugleich die Gläubigen zu jener Erneuerung ihres Lebens führt, die Gott im ewigen Leben vollendet.

(17) Gemeinsam sind wir der Überzeugung, daß die Botschaft von der Rechtfertigung uns in besonderer Weise auf die Mitte des neutestamentlichen Zeugnisses von Gottes Heilshandeln in Christus verweist: Sie sagt uns, daß wir Sünder unser neues Leben allein der vergebenden und neuschaffenden Barmherzigkeit Gottes verdanken, die wir uns nur schenken lassen und im Glauben empfangen, aber nie - in welcher Form auch immer - verdienen können.

(18) Darum ist die Lehre von der Rechtfertigung, die diese Botschaft aufnimmt und entfaltet, nicht nur ein Teilstück der christlichen Glaubenslehre. Sie steht in einem wesenhaften Bezug zu allen Glaubenswahrheiten, die miteinander in einem inneren Zusammenhang zu sehen sind. Sie ist ein unverzichtbares Kriterium, das die gesamte Lehre und Praxis der Kirche unablässig auf Christus hin orientieren will. Wenn Lutheraner die einzigartige Bedeutung dieses Kriteriums betonen, verneinen sie nicht den Zusammenhang und die Bedeutung aller Glaubenswahrheiten. Wenn Katholiken sich von mehreren Kriterien in Pflicht genommen sehen, verneinen sie nicht die besondere Funktion der Rechtfertigungsbotschaft. Lutheraner und Katholiken haben gemeinsam das Ziel, in allem Christus zu bekennen, dem allein über alles zu vertrauen ist als dem einen Mittler (1 Tim 2,5f.), durch den Gott im Heiligen Geist sich selbst gibt und seine erneuernden Gaben schenkt [vgl. Quellen zu Kap. 3].

 

4. Die Entfaltung des gemeinsamen Verständnisses der Rechtfertigung

 
4.1 Unvermögen und Sünde des Menschen angesichts der Rechtfertigung

(19) Wir bekennen gemeinsam, daß der Mensch im Blick auf sein Heil völlig auf die rettende Gnade Gottes angewiesen ist. Die Freiheit, die er gegenüber den Menschen und den Dingen der Welt besitzt, ist keine Freiheit auf sein Heil hin. Das heißt, als Sünder steht er unter dem Gericht Gottes und ist unfähig, sich von sich aus Gott um Rettung zuzuwenden oder seine Rechtfertigung vor Gott zu verdienen oder mit eigener Kraft sein Heil zu erreichen. Rechtfertigung geschieht allein aus Gnade. Weil Katholiken und Lutheraner das gemeinsam bekennen, darum gilt:

(20) Wenn Katholiken sagen, daß der Mensch bei der Vorbereitung auf die Rechtfertigung und deren Annahme durch seine Zustimmung zu Gottes rechtfertigendem Handeln "mitwirke", so sehen sie in solch personaler Zustimmung selbst eine Wirkung der Gnade und kein Tun des Menschen aus eigenen Kräften.

(21) Nach lutherischer Auffassung ist der Mensch unfähig, bei seiner Errettung mitzuwirken, weil er sich als Sünder aktiv Gott und seinem rettenden Handeln widersetzt. Lutheraner verneinen nicht, daß der Mensch das Wirken der Gnade ablehnen kann. Wenn sie betonen, daß der Mensch die Rechtfertigung nur empfangen kann (mere passive), so verneinen sie damit jede Möglichkeit eines eigenen Beitrags des Menschen zu seiner Rechtfertigung, nicht aber sein volles personales Beteiligtsein im Glauben, das vom Wort Gottes selbst gewirkt wird [vgl. Quellen zu Kap. 4.1].

 
4.2 Rechtfertigung als Sündenvergebung und Gerechtmachung

(22) Wir bekennen gemeinsam, daß Gott aus Gnade dem Menschen die Sünde vergibt und ihn zugleich in seinem Leben von der knechtenden Macht der Sünde befreit und ihm das neue Leben in Christus schenkt. Wenn der Mensch an Christus im Glauben teilhat, rechnet ihm Gott seine Sünde nicht an und wirkt in ihm tätige Liebe durch den Heiligen Geist. Beide Aspekte des Gnadenhandelns Gottes dürfen nicht voneinander getrennt werden. Sie gehören in der Weise zusammen, daß der Mensch im Glauben mit Christus vereinigt wird, der in seiner Person unsere Gerechtigkeit ist (1 Kor 1,30): sowohl die Vergebung der Sünden als auch die heiligende Gegenwart Gottes. Weil Katholiken und Lutheraner das gemeinsam bekennen, darum gilt:

(23) Wenn Lutheraner betonen, daß Christi Gerechtigkeit unsere Gerechtigkeit ist, wollen sie vor allem festhalten, daß dem Sünder durch den Zuspruch der Vergebung die Gerechtigkeit vor Gott in Christus geschenkt wird und sein Leben nur in Verbindung mit Christus erneuert wird. Wenn sie sagen, daß Gottes Gnade vergebende Liebe ("Gunst Gottes")12 ist, verneinen sie damit nicht die Erneuerung des Lebens des Christen, sondern wollen zum Ausdruck bringen, daß die Rechtfertigung frei bleibt von menschlicher Mitwirkung und auch nicht von der lebenserneuernden Wirkung der Gnade im Menschen abhängt.

(24) Wenn die Katholiken betonen, daß dem Gläubigen die Erneuerung des inneren Menschen durch den Empfang der Gnade geschenkt wird,13 dann wollen sie festhalten, daß die vergebende Gnade Gottes immer mit dem Geschenk eines neuen Lebens verbunden ist, das sich im Heiligen Geist in tätiger Liebe auswirkt; sie verneinen damit aber nicht, daß Gottes Gnadengabe in der Rechtfertigung unabhängig bleibt von menschlicher Mitwirkung [vgl. Quellen zu Kap. 4.2].

 
4.3 Rechtfertigung durch Glauben und aus Gnade

(25) Wir bekennen gemeinsam, daß der Sünder durch den Glauben an das Heilshandeln Gottes in Christus gerechtfertigt wird; dieses Heil wird ihm vom Heiligen Geist in der Taufe als Fundament seines ganzen christlichen Lebens geschenkt. Der Mensch vertraut im rechtfertigenden Glauben auf Gottes gnädige Verheißung, in dem die Hoffnung auf Gott und die Liebe zu ihm eingeschlossen sind. Dieser Glaube ist in der Liebe tätig; darum kann und darf der Christ nicht ohne Werke bleiben. Aber alles, was im Menschen dem freien Geschenk des Glaubens vorausgeht und nachfolgt, ist nicht Grund der Rechtfertigung und verdient sie nicht.

(26) Nach lutherischem Verständnis rechtfertigt Gott den Sünder allein im Glauben (sola fide). Im Glauben vertraut der Mensch ganz auf seinen Schöpfer und Erlöser und ist so in Gemeinschaft mit ihm. Gott selber bewirkt den Glauben, indem er durch sein schöpferisches Wort solches Vertrauen hervorbringt. Weil diese Tat Gottes eine neue Schöpfung ist, betrifft sie alle Dimensionen der Person und führt zu einem Leben in Hoffnung und Liebe. So wird in der Lehre von der "Rechtfertigung allein durch den Glauben" die Erneuerung der Lebensführung, die aus der Rechtfertigung notwendig folgt und ohne die kein Glaube sein kann, zwar von der Rechtfertigung unterschieden, aber nicht getrennt. Vielmehr wird damit der Grund angegeben, aus dem solche Erneuerung hervorgeht. Aus der Liebe Gottes, die dem Menschen in der Rechtfertigung geschenkt wird, erwächst die Erneuerung des Lebens. Rechtfertigung und Erneuerung sind durch den im Glauben gegenwärtigen Christus verbunden.

(27) Auch nach katholischem Verständnis ist der Glaube für die Rechtfertigung fundamental; denn ohne ihn kann es keine Rechtfertigung geben. Der Mensch wird als Hörer des Wortes und Glaubender durch die Taufe gerechtfertigt. Die Rechtfertigung des Sünders ist Sündenvergebung und Gerechtmachung durch die Rechtfertigungsgnade, die uns zu Kindern Gottes macht. In der Rechtfertigung empfangen die Gerechtfertigten von Christus Glaube, Hoffnung und Liebe und werden so in die Gemeinschaft mit ihm aufgenommen.14 Dieses neue personale Verhältnis zu Gott gründet ganz und gar in der Gnädigkeit Gottes und bleibt stets vom heilsschöpferischen Wirken des gnädigen Gottes abhängig, der sich selbst treu bleibt und auf den der Mensch sich darum verlassen kann. Deshalb wird die Rechtfertigungsgnade nie Besitz des Menschen, auf den er sich Gott gegenüber berufen könnte. Wenn nach katholischem Verständnis die Erneuerung des Lebens durch die Rechtfertigungsgnade betont wird, so ist diese Erneuerung in Glaube, Hoffnung und Liebe immer auf die grundlose Gnade Gottes angewiesen und leistet keinen Beitrag zur Rechtfertigung, dessen wir uns vor Gott rühmen könnten (Röm 3,27) [vgl. Quellen zu Kap. 4.3].

 
4.4 Das Sündersein des Gerechtfertigten

(28) Wir bekennen gemeinsam, daß der Heilige Geist in der Taufe den Menschen mit Christus vereint, rechtfertigt und ihn wirklich erneuert. Und doch bleibt der Gerechtfertigte zeitlebens und unablässig auf die bedingungslos rechtfertigende Gnade Gottes angewiesen. Auch er ist der immer noch andrängenden Macht und dem Zugriff der Sünde nicht entzogen (vgl. Röm 6,12-14) und des lebenslangen Kampfes gegen die Gottwidrigkeit des selbstsüchtigen Begehrens des alten Menschen nicht enthoben (vgl. Gal 5,16; Röm 7,7.10). Auch der Gerechtfertigte muß wie im Vaterunser täglich Gott um Vergebung bitten (Mt 6,12; 1 Joh 1,9), er ist immer wieder zu Umkehr und Buße gerufen, und ihm wird immer wieder die Vergebung gewährt.

(29) Das verstehen Lutheraner in dem Sinne, daß der Christ "zugleich Gerechter und Sünder" ist: Er ist ganz gerecht, weil Gott ihm durch Wort und Sakrament seine Sünde vergibt und die Gerechtigkeit Christi zuspricht, die ihm im Glauben zu eigen wird und ihn in Christus vor Gott zum Gerechten macht. Im Blick auf sich selbst aber erkennt er durch das Gesetz, daß er zugleich ganz Sünder bleibt, daß die Sünde noch in ihm wohnt (1 Joh 1,8; Röm 7,17.20); denn er vertraut immer wieder auf falsche Götter und liebt Gott nicht mit jener ungeteilten Liebe, die Gott als sein Schöpfer von ihm fordert (Dtn 6,5; Mt 22,36-40 parr.). Diese Gottwidrigkeit ist als solche wahrhaft Sünde. Doch die knechtende Macht der Sünde ist aufgrund von Christi Verdienst gebrochen: Sie ist keine den Christen "beherrschende" Sünde mehr, weil sie durch Christus "beherrscht" ist, mit dem der Gerechtfertigte im Glauben verbunden ist; so kann der Christ, solange er auf Erden lebt, jedenfalls stückweise ein Leben in Gerechtigkeit führen. Und trotz der Sünde ist der Christ nicht mehr von Gott getrennt, weil ihm, der durch die Taufe und den Heiligen Geist neugeboren ist, in täglicher Rückkehr zur Taufe die Sünde vergeben wird, so daß seine Sünde ihn nicht mehr verdammt und ihm nicht mehr den ewigen Tod bringt.15 Wenn also die Lutheraner sagen, daß der Gerechtfertigte auch Sünder und seine Gottwidrigkeit wahrhaft Sünde ist, verneinen sie nicht, daß er trotz der Sünde in Christus von Gott ungetrennt und seine Sünde beherrschte Sünde ist. Im letzteren sind sie mit der römisch-katholischen Seite trotz der Unterschiede im Verständnis der Sünde des Gerechtfertigten einig.

(30) Die Katholiken sind der Auffassung, daß die Gnade Jesu Christi, die in der Taufe verliehen wird, alles was "wirklich" Sünde, was "verdammenswürdig" ist, tilgt (Röm 8,1),16 daß jedoch eine aus der Sünde kommende und zur Sünde drängende Neigung (Konkupiszenz) im Menschen verbleibt. Insofern nach katholischer Überzeugung zum Zustandekommen menschlicher Sünden ein personales Element gehört, sehen sie bei dessen Fehlen die gottwidrige Neigung nicht als Sünde im eigentlichen Sinne an. Damit wollen sie nicht leugnen, daß diese Neigung nicht dem ursprünglichen Plan Gottes vom Menschen entspricht, noch, daß sie objektiv Gottwidrigkeit und Gegenstand lebenslangen Kampfes ist; in Dankbarkeit für die Erlösung durch Christus wollen sie herausstellen, daß die gottwidrige Neigung nicht die Strafe des ewigen Todes verdient17 und den Gerechtfertigten nicht von Gott trennt. Wenn der Gerechtfertigte sich aber willentlich von Gott trennt, genügt nicht eine erneute Beobachtung der Gebote, sondern er muß im Sakrament der Versöhnung Verzeihung und Frieden empfangen durch das Wort der Vergebung, das ihm kraft des Versöhnungswerkes Gottes in Christus gewährt wird [vgl. Quellen zu Kap. 4.4].

 
4.5 Gesetz und Evangelium

(31) Wir bekennen gemeinsam, daß der Mensch im Glauben an das Evangelium "unabhängig von Werken des Gesetzes" (Röm 3,28) gerechtfertigt wird. Christus hat das Gesetz erfüllt und es durch seinen Tod und seine Auferstehung als Weg zum Heil überwunden. Wir bekennen zugleich, daß die Gebote Gottes für den Gerechtfertigten in Geltung bleiben und daß Christus in seinem Wort und Leben den Willen Gottes, der auch für den Gerechtfertigten Richtschnur seines Handelns ist, zum Ausdruck bringt.

(32) Die Lutheraner verweisen darauf, daß die Unterscheidung und richtige Zuordnung von Gesetz und Evangelium wesentlich ist für das Verständnis der Rechtfertigung. Das Gesetz in seinem theologischen Gebrauch ist Forderung und Anklage, unter der jeder Mensch, auch der Christ, insofern er Sünder ist, zeitlebens steht und das seine Sünde aufdeckt, damit er sich im Glauben an das Evangelium ganz der Barmherzigkeit Gottes in Christus zuwendet, die allein ihn rechtfertigt.

(33) Weil das Gesetz als Heilsweg durch das Evangelium erfüllt und überwunden ist, können Katholiken sagen, daß Christus nicht ein Gesetzgeber im Sinne von Mose ist. Wenn Katholiken betonen, daß der Gerechtfertigte zur Beobachtung der Gebote Gottes gehalten ist, so verneinen sie damit nicht, daß die Gnade des ewigen Lebens den Kindern Gottes durch Jesus Christus erbarmungsvoll verheißen ist18 [vgl. Quellen zu Kap. 4.5].

 
4.6 Heilsgewißheit

(34) Wir bekennen gemeinsam, daß die Gläubigen sich auf die Barmherzigkeit und die Verheißungen Gottes verlassen können. Auch angesichts ihrer eigenen Schwachheit und mannigfacher Bedrohung ihres Glaubens können sie kraft des Todes und der Auferstehung Christi auf die wirksame Zusage der Gnade Gottes in Wort und Sakrament bauen und so dieser Gnade gewiß sein.

(35) Dies ist in besonderer Weise von den Reformatoren betont worden: In der Anfechtung soll der Gläubige nicht auf sich, sondern ganz auf Christus blicken und ihm allein vertrauen. So ist er im Vertrauen auf Gottes Zusage seines Heils gewiß, wenngleich auf sich schauend niemals sicher.

(36) Katholiken können das Anliegen der Reformatoren teilen, den Glauben auf die objektive Wirklichkeit der Verheißung Christi zu gründen, von der eigenen Erfahrung abzusehen und allein auf Christi Verheißungswort zu vertrauen (vgl. Mt 16,19; 18,18). Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sagen Katholiken: Glauben heißt, sich selbst ganz Gott anvertrauen,19 der uns aus der Finsternis der Sünde und des Todes befreit und zum ewigen Leben erweckt.20 Man kann nicht in diesem Sinn an Gott glauben und zugleich dessen Verheißungswort für nicht verläßlich halten. Keiner darf an Gottes Barmherzigkeit und an Christi Verdienst zweifeln. Aber jeder kann in Sorge um sein Heil sein, wenn er auf seine eigenen Schwächen und Mängel schaut. In allem Wissen um sein eigenes Versagen darf der Glaubende dessen gewiß sein, daß Gott sein Heil will [vgl. Quellen zu Kap. 4.6].

 
4.7 Die guten Werke des Gerechtfertigten

(37) Wir bekennen gemeinsam, daß gute Werke - ein christliches Leben in Glaube, Hoffnung und Liebe - der Rechtfertigung folgen und Früchte der Rechtfertigung sind. Wenn der Gerechtfertigte in Christus lebt und in der empfangenen Gnade wirkt, bringt er, biblisch gesprochen, gute Frucht. Diese Folge der Rechtfertigung ist für den Christen, insofern er zeitlebens gegen die Sünde kämpft, zugleich eine Verpflichtung, die er zu erfüllen hat; deshalb ermahnen Jesus und die apostolischen Schriften den Christen, Werke der Liebe zu vollbringen.

(38) Nach katholischer Auffassung tragen die guten Werke, die von der Gnade und dem Wirken des Heiligen Geistes erfüllt sind, so zu einem Wachstum in der Gnade bei, daß die von Gott empfangene Gerechtigkeit bewahrt und die Gemeinschaft mit Christus vertieft werden. Wenn Katholiken an der "Verdienstlichkeit" der guten Werke festhalten, so wollen sie sagen, daß diesen Werken nach dem biblischen Zeugnis ein Lohn im Himmel verheißen ist. Sie wollen die Verantwortung des Menschen für sein Handeln herausstellen, damit aber nicht den Geschenkcharakter der guten Werke bestreiten, geschweige denn verneinen, daß die Rechtfertigung selbst stets unverdientes Gnadengeschenk bleibt.

(39) Auch bei den Lutheranern gibt es den Gedanken eines Bewahrens der Gnade und eines Wachstums in Gnade und Glauben. Sie betonen allerdings, daß die Gerechtigkeit als Annahme durch Gott und als Teilhabe an der Gerechtigkeit Christi immer vollkommen ist, sagen aber zugleich, daß ihre Auswirkung im christlichen Leben wachsen kann. Wenn sie die guten Werke des Christen als "Früchte" und "Zei chen" der Rechtfertigung, nicht als eigene "Verdienste" betrachten, so verstehen sie gleichwohl das ewige Leben gemäß dem Neuen Testament als unverdienten "Lohn" im Sinne der Erfüllung von Gottes Zusage an die Glaubenden [vgl. Quellen zu Kap. 4.7].

 

5. Die Bedeutung und Tragweite des erreichten Konsenses

(40) Das in dieser Erklärung dargelegte Verständnis der Rechtfertigungslehre zeigt, daß zwischen Lutheranern und Katholiken ein Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre besteht, in dessen Licht die in Nr. 18 bis 39 beschriebenen, verbleibenden Unterschiede in der Sprache, der theologischen Ausgestaltung und der Akzentsetzung des Rechtfertigungsverständnisses tragbar sind. Deshalb sind die lutherische und die römisch-katholische Entfaltung des Rechtfertigungsglaubens in ihrer Verschiedenheit offen aufeinander hin und heben den Konsens in den Grundwahrheiten nicht wieder auf.

(41) Damit erscheinen auch die Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts, soweit sie sich auf die Lehre von der Rechtfertigung beziehen, in einem neuen Licht: Die in dieser Erklärung vorgelegte Lehre der lutherischen Kirchen wird nicht von den Verurteilungen des Trienter Konzils getroffen. Die Verwerfungen der lutherischen Bekenntnisschriften treffen nicht die in dieser Erklärung vorgelegte Lehre der römischkatholischen Kirche.

(42) Dadurch wird den auf die Rechtfertigungslehre bezogenen Lehrverurteilungen nichts von ihrem Ernst genommen. Etliche waren nicht einfach gegenstandslos; sie behalten für uns "die Bedeutung von heilsamen Warnungen", die wir in Lehre und Praxis zu beachten haben.21

(43) Unser Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre muß sich im Leben und in der Lehre der Kirchen auswirken und bewähren. Im Blick darauf gibt es noch Fragen von unterschiedlichem Gewicht, die weiterer Klärung bedürfen: sie betreffen unter anderem das Verhältnis von Wort Gottes und kirchlicher Lehre sowie die Lehre von der Kirche, von der Autorität in ihr, von ihrer Einheit, vom Amt und von den Sakramenten, schließlich von der Beziehung zwischen Rechtfertigung und Sozialethik. Wir sind der Überzeugung, daß das erreichte gemeinsame Verständnis eine tragfähige Grundlage für eine solche Klärung bietet. Die lutherischen Kirchen und die römisch-katholische Kirche werden sich weiterhin bemühen, das gemeinsame Verständnis zu vertiefen und es in der kirchlichen Lehre und im kirchlichen Leben fruchtbar werden zu lassen.

(44) Wir sagen dem Herrn Dank für diesen entscheidenden Schritt zur Überwindung der Kirchenspaltung. Wir bitten den Heiligen Geist, uns zu jener sichtbaren Einheit weiterzuführen, die der Wille Christi ist.

 

Endnoten:

1 Schmalkaldische Artikel II,1 (Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, 3. Aufl. [Göttingen 1956] 415).

2 "Rector et iudex super omnia genera doctrinarum" (Weimarer Ausgabe von Luthers Werken, 39,I,205).

3 Es sei darauf hingewiesen, daß eine Reihe von lutherischen Kirchen nur die Confessio Augustana und Luthers Kleinen Katechismus zu ihren verbindlichen Lehrgrundlagen rechnen. Diese Be kenntnisschriften enthalten keine die Rechtfertigungslehre betreffenden Lehrverurteilungen gegenüber der römisch- katholischen Kirche.

4 Bericht der Evangelisch- lutherisch/Römisch-katholischen Studienkommission "Das Evangelium und die Kirche", 1972 ("Malta-Bericht"): Dokumente wachsender Übereinstimmung [= DwÜ]. Sämtliche Berichte und Konsenstexte interkonfessioneller Gespräche auf Weltebene. Bd. I. 1931- 1982, hg. v. H. Meyer u.a. (Paderborn-Frankfurt 21991) 248- 271.

5 Gemeinsame römisch- katholische/evangelisch- lutherische Kommission (Hg.), Kirche und Rechtfertigung. Das Verständnis der Kirche im Licht der Rechtfertigungslehre (Paderborn-Frankfurt 1994).

6 Lutherisch/Römisch- katholischer Dialog in den USA. Rechtfertigung durch den Glauben: Rechtfertigung im ökumenischen Dialog. Dokumente und Einführung, hg. v. H. Meyer u. G. Gaßmann = ÖkPer 12 (Frankfurt 1987) 107-200.

7 Lehrverurteilungen - kirchentrennend? I. Rechtfertigung, Sakramente und Amt im Zeitalter der Reformation und heute = DiKi 4, hg. v. K. Lehmann u. W. Pannenberg (Freiburg-Göttingen 31988).

8 Gemeinsame Stellungnahme der Arnoldshainer Konferenz, der Vereinigten Kirche und des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes zum Dokument "Lehrverurteilungen - kirchentrennend?": ÖR 44 (1995) 99-102; einschließlich der die sem Beschluß zugrundeliegenden Stellungnahmen, vgl. Lehrver urteilungen im Gespräch. Die ersten offiziellen Stellungnahmen aus den evangelischen Kirchen in Deutschland (Göttingen 1993).

9 In dieser Erklärung gibt das Wort "Kirche" das jeweilige Selbstverständnis der beteiligten Kirchen wieder, ohne alle damit verbundenen ekklesiologischen Fragen entscheiden zu wollen.

10 Vgl. Malta-Bericht, Nr. 26- 30; Rechtfertigung durch den Glauben, Nr. 122-147. Die nichtpaulinischen neutestamentlichen Zeugnisse wurden im Auftrag des US- Dialogs "Rechtfertigung durch den Glauben" untersucht von J. Reumann: Righteousness in the New Testament, mit Antworten von J. Fitzmeyer und J.D. Quinn (Philadelphia-New York 1982) 124-180. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im Dialogbericht "Rechtfertigung durch den Glauben" in den Nrn. 139-142 zusammengefaßt.

11 Vgl. Alle unter einem Christus, Nr. 14: DwÜ I, 323- 328.

12 Vgl. WA 8,106.

13 Vgl. DS 1528.

14 Vgl. DS 1530.

15 Vgl. Apol II,38-45.

16 Vgl. DS 1515.

17 Vgl. DS 1515.

18 Vgl. DS 1545.

19 Vgl. DV 5.

20 Vgl. DV 4.

21 Lehrverurteilungen - kirchentrennend?, 32.


(Quelle: http://www.dbk.de/stichwoerter/data/00614/index.html)

Anhang

Annex (Anhang) zur Gemeinsamen offiziellen Feststellung

1. Die folgenden Erläuterungen unterstreichen die in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GE) erreichte Übereinstimmung in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre; so wird klargestellt, daß die früheren wechselseitigen Verurteilungen die katholische und die lutherische Rechtfertigungslehre, wie sie in der Gemeinsamen Erklärung dargestellt sind, nicht treffen.


2. "Gemeinsam bekennen wir: Allein aus Gnade im Glauben an die Heilstat Christi, nicht aufgrund unseres Verdienstes, werden wir von Gott angenommen und empfangen den Heiligen Geist, der unsere Herzen erneuert und uns befähigt und aufruft zu guten Werken" (GE 15).

A) "Wir bekennen gemeinsam, daß Gott aus Gnade dem Menschen die Sünde vergibt und ihn zugleich in seinem Leben von der knechtenden Macht der Sünde befreit ..." (GE 22). Rechtfertigung ist Sündenvergebung und Gerechtmachung, in der Gott "das neue Leben in Christus schenkt" (GE 22). "Gerechtfertigt aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott" (Röm 5,1). "Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es" (1 Joh 3,1). Wir sind wahrhaft und innerlich erneuert durch das Wirken des Heiligen Geistes und bleiben immer von seinem Wirken in uns abhängig. "Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, Neues ist geworden" (2 Kor 5,17). Die Gerechtfertigten bleiben in diesem Sinne nicht Sünder.

Doch wir würden irren, wenn wir sagten, daß wir ohne Sünde sind (1 Joh 1,8-10; vgl. GE 28). Wir "verfehlen uns in vielen Dingen" (Jak 3,2). "Wer bemerkt seine eigenen Fehler? Verzeihe mir meine verborgenen Sünden!" (Ps 19,13). Und wenn wir beten, können wir nur wie der Zöllner sagen: "Gott, sei mir Sünder gnädig!" (Lk 18,13). Unsere Liturgien geben dem vielfachen Ausdruck. Gemeinsam hören wir die Mahnung: "Daher soll die Sünde euren sterblichen Leib nicht mehr beherrschen, und seinen Begierden sollt ihr nicht gehorchen" (Röm 6,12). Dies erinnert uns an die beständige Gefährdung, die von der Macht der Sünde und ihrer Wirksamkeit im Christen ausgeht. Insoweit können Lutheraner und Katholiken gemeinsam den Christen als simul iustus et peccator verstehen, unbeschadet ihrer unterschiedlichen Zugänge zu diesem Themenbereich, wie dies in GE 29-30 entfaltet wurde.

B) Der Begriff "Konkupiszenz" wird auf katholischer und auf lutherischer Seite in unterschiedlicher Bedeutung gebraucht. In den lutherischen Bekenntnisschriften wird Konkupiszenz verstanden als Begehren des Menschen, durch das der Mensch sich selbst sucht und das im Lichte des geistlich verstandenen Gesetzes als Sünde angesehen wird. Nach katholischem Verständnis ist Konkupiszenz eine auch nach der Taufe im Menschen verbleibende, aus der Sünde kommende und zur Sünde drängende Neigung. Unbeschadet der hier eingeschlossenen Unterschiede kann aus lutherischer Sicht anerkannt werden, daß die Begierde zum Einfallstor der Sünde werden kann. Wegen der Macht der Sünde trägt der ganze Mensch die Neigung in sich, sich gegen Gott zu stellen. Diese Neigung entspricht nach lutherischem und katholischem Verständnis nicht "dem ursprünglichen Plan Gottes vom Menschen" (GE 30). Die Sünde hat personalen Charakter und führt als solche zur Trennung von Gott. Sie ist das selbstsüchtige Begehren des alten Menschen und mangelndes Vertrauen und mangelnde Liebe zu Gott.

Die Wirklichkeit des in der Taufe geschenkten Heils und die Gefährdung durch die Macht der Sünde können so zur Sprache kommen, daß einerseits die Vergebung der Sünden und die Erneuerung des Menschen in Christus durch die Taufe betont und andererseits gesehen wird, daß auch der Gerechtfertigte "der immer noch andrängenden Macht und dem Zugriff der Sünde nicht entzogen (vgl. Röm 6,12-14) und des lebenslangen Kampfes gegen die Gottwidrigkeit ... nicht enthoben" ist (GE 28).

C) Rechtfertigung geschieht "allein aus Gnade" (GE 15 und 16), allein durch Glauben, der Mensch wird "unabhängig von Werken" gerechtfertigt (Röm 3,28; vgl. GE 25). "Die Gnade ist es, die den Glauben schafft, nicht nur, wenn der Glaube neu im Menschen anfängt, sondern solange der Glaube währt" (Thomas von Aquin, S.Th. II/II 4,4 ad 3). Gottes Gnadenwirken schließt das Handeln des Menschen nicht aus: Gott wirkt alles, das Wollen und Vollbringen, daher sind wir aufgerufen, uns zu mühen (vgl. Phil 2,12f.). "... alsbald der Heilige Geist, wie gesagt, durchs Wort und heilige Sakrament solch sein Werk der Wiedergeburt und Erneuerung in uns angefangen hat, so ist es gewiß, daß wir durch die Kraft des Heiligen Geists mitwirken können und sollen ..." (FC SD II,64f.; BSLK 897,37ff.).

D) Gnade als Gemeinschaft des Gerechtfertigten mit Gott in Glaube, Hoffnung und Liebe wird stets vom heilsschöpferischen Wirken Gottes empfangen (vgl. GE 27). Doch der Gerechtfertigte ist dafür verantwortlich, die Gnade nicht zu verspielen, sondern in ihr zu leben. Die Aufforderung, gute Werke zu tun, ist die Aufforderung, den Glauben zu üben (vgl. BSLK 197,45f.). Die guten Werke des Gerechtfertigten soll man tun, "nämlich daß wir unsern Beruf fest machen, das ist, daß wir nicht wiederum vom Evangelio fallen, wenn wir wiederum sundigeten" (Apol XX,13; BSLK 316,18-24; unter Bezugnahme auf 2 Petr 1,10. Vgl. auch FC SD IV,33; BSLK 948,9-23). In diesem Sinn können Lutheraner und Katholiken gemeinsam verstehen, was über das "Bewahren der Gnade" in GE 38 und 39 gesagt ist. Freilich, "alles, was im Menschen dem freien Geschenk des Glaubens vorausgeht und nachfolgt, ist nicht Grund der Rechtfertigung und verdient sie nicht" (GE 25).

E) Durch die Rechtfertigung werden wir bedingungslos in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen. Das schließt die Zusage des ewigen Lebens ein: "Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein" (Röm 6,5; vgl. Joh 3,36; Röm 8,17). Im Endgericht werden die Gerechtfertigten auch nach ihren Werken gerichtet (vgl. Mt 16,27; 25,31-46; Röm 2,16; 14,12; 1 Kor 3,8; 2 Kor 5,10 etc.). Wir gehen einem Gericht entgegen, in dem Gott in seinem gnädigen Urteil alles annehmen wird, was in unserem Leben und Tun seinem Willen entspricht. Aber alles, was unrecht in unserem Leben ist, wird aufgedeckt und nicht in das ewige Leben eingehen. Die Konkordienformel stellt ebenfalls fest: "Wie dann Gottes Wille und ausdrücklicher Befelch ist, daß die Gläubigen gute Werk tuen sollen, welche der heilige Geist wirket in den Gläubigen, die ihme auch Gott umb Christi willen gefallen läßt, ihnen herrliche Belohnung in diesem und künftigen Leben verheißet" (FC SD IV,38; BSLK 950,18-24). Aller Lohn aber ist Gnadenlohn, auf den wir keinen Anspruch haben.


3. Die Rechtfertigungslehre ist Maßstab oder Prüfstein des christlichen Glaubens. Keine Lehre darf diesem Kriterium widersprechen. In diesem Sinne ist die Rechtfertigungslehre ein "unverzichtbares Kriterium, das die gesamte Lehre und Praxis der Kirche unablässig auf Christus hin orientieren will" (GE 18). Als solche hat sie ihre Wahrheit und ihre einzigartige Bedeutung im Gesamtzusammenhang des grundlegenden trinitarischen Glaubensbekenntnisses der Kirche. Gemeinsam haben wir "das Ziel, in allem Christus zu bekennen, dem allein über alles zu vertrauen ist als dem einen Mittler (1 Tim 2,5f.), durch den Gott im Heiligen Geist sich selbst gibt und seine erneuernden Gaben schenkt" (GE 18).


4. In der Antwortnote der Katholischen Kirche soll weder die Autorität lutherischer Synoden noch diejenige des Lutherischen Weltbundes in Frage gestellt werden. Die Katholische Kirche und der Lutherische Weltbund haben den Dialog als gleichberechtigte Partner ("par cum pari") begonnen und geführt. Unbeschadet unterschiedlicher Auffassungen von der Autorität in der Kirche respektiert jeder Partner die geordneten Verfahren für das Zustandekommen von Lehrentscheidungen des anderen Partners.


(Quelle: http://www.dbk.de/stichwoerter/data/00617/index.html)

Antwort des Vatikan

Antwort des Vatikan auf die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Erklärung

Die "Gemeinsame Erklärung zwischen der Katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund über die Rechtfertigungslehre" ("Gemeinsame Erklärung") stellt einen bemerkenswerten Fortschritt im gegenseitigen Verständnis und in der Annäherung der Dialogpartner dar; sie zeigt, daß es zwischen der katholischen und der lutherischen Position in einer jahrhundertelang so kontroversen Frage zahlreiche Konvergenzpunkte gibt. Man kann mit Sicherheit sagen, daß sowohl, was die Ausrichtung der Fragestellung betrifft, als auch hinsichtlich der Beurteilung, die sie verdient, ein hoher Grad an Übereinstimmung erreicht worden ist. Die Feststellung, daß es "einen Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre" gibt, ist richtig. Trotzdem ist die katholische Kirche der Überzeugung, daß man noch nicht von einem so weitgehenden Konsens sprechen könne, der jede Differenz zwischen Katholiken und Lutheranern im Verständnis der Rechtfertigung ausräumen würde. Die "Gemeinsame Erklärung" nimmt selbst auf einige dieser Unterschiede Bezug. Tatsächlich sind die Positionen in einigen Punkten noch unterschiedlich. Auf der Grundlage der bereits unter zahlreichen Aspekten erzielten Übereinstimmung will die katholische Kirche zur Überwindung der noch bestehenden Divergenzen dadurch beitragen, daß sie im folgenden eine Reihe von Punkten, nach ihrer Bedeutung geordnet, vorlegt, die bei diesem Thema einer Verständigung in allen Grundwahrheiten zwischen der katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund noch entgegenstehen. Die katholische Kirche hofft, daß die nachfolgenden Hinweise ein Ansporn sein können, um das Studium dieser Fragen in demselben brüderlichen Geist weiterzuführen, der den Dialog zwischen der katholischen Kirche und dem Lutherischen Weltbund in letzter Zeit geprägt hat.

Präzisierungen

1. Die größten Schwierigkeiten, um von einem vollständigen Konsens über das Thema Rechtfertigung zwischen den beiden Seiten sprechen zu können, finden sich in Paragraph 4.4 "Das Sündersein des Gerechtfertigten" (Nr. 28-30). Selbst unter Berücksichtigung der in sich legitimen Unterschiede, die von unterschiedlichen theologischen Zugangswegen zur Gegebenheit des Glaubens herrühren, löst vom katholischen Standpunkt her schon allein die Überschrift Erstaunen aus. Nach der Lehre der katholischen Kirche wird nämlich in der Taufe all das, was wirklich Sünde ist, hinweggenommen, und darum haßt Gott nichts in den Wiedergeborenen. Daraus folgt, daß die Konkupiszenz, die im Getauften bleibt, nicht eigentlich Sünde ist. Deshalb ist die Formel "zugleich Gerechter und Sünder" so, wie sie am Anfang von Nr. 29 erklärt wird ("Er ist ganz gerecht, weil Gott ihm durch Wort und Sakrament seine Sünde vergibt ... In Blick auf sich selbst aber erkennt er ..., daß er zugleich ganz Sünder bleibt, daß die Sünde noch in ihm wohnt ..."), für Katholiken nicht annehmbar. Diese Aussage erscheint nämlich unvereinbar mit der Erneuerung und Heiligung des inneren Menschen, von der das Trienter Konzil spricht. Der in Nr. 28-30 verwendete Begriff "Gottwidrigkeit" wird von Katholiken und Lutheranern unterschiedlich verstanden und wird daher tatsächlich zu einem mehrdeutigen Begriff. In demselben Sinn ist für einen Katholiken auch der Satz in Nr. 22: "... rechnet ihm Gott seine Sünde nicht an und wirkt in ihm tätige Liebe durch den Heiligen Geist", nicht eindeutig genug, weil die innere Verwandlung des Menschen nicht klar zum Ausdruck kommt. Aus all diesen Gründen gibt es Schwierigkeiten mit der Aussage, diese Lehre über das "simul iustus et peccator" sei in der aktuellen Fassung, in der sie in der "Gemeinsamen Erklärung" vorgelegt wird, nicht von den Verurteilungen der tridentinischen Dekrete über die Ursünde und die Rechtfertigung betroffen.

2. Eine weitere Schwierigkeit findet sich in Nr. 18 der "Gemeinsamen Erklärung", in der sich ein klarer Unterschied in bezug auf die Bedeutung herausstellt, welche die Rechtfertigungslehre für Katholiken und Lutheraner als Kriterium für das Leben und die Praxis der Kirche hat. Während für die Lutheraner diese Lehre eine ganz einzigartige Bedeutung erlangt hat, muß, was die katholische Kirche betrifft, gemäß der Schrift und seit den Zeiten der Väter die Botschaft von der Rechtfertigung organisch in das Grundkriterium der "regula fidei" einbezogen werden, nämlich das auf Christus als Mittelpunkt ausgerichtete und in der lebendigen Kirche und ihrem sakramentalen Leben verwurzelte Bekenntnis des dreieinigen Gottes.

3. Wie es in Nr. 17 der "Gemeinsamen Erklärung" heißt, teilen Lutheraner und Katholiken die gemeinsame Überzeugung, daß das neue Leben aus der göttlichen Barmherzigkeit und nicht aus unserem Verdienst kommt. Es muß jedoch daran erinnert werden, daß diese göttliche Barmherzigkeit, wie es in 2 Kor 5,17 heißt, eine neue Schöpfung bewirkt und damit den Menschen befähigt, in seiner Antwort auf das Geschenk Gottes mit der Gnade mitzuwirken. In diesem Zusammenhang nimmt die katholische Kirche mit Befriedigung zur Kenntnis, daß Nr. 21 in Übereinstimmung mit can. 4 des Dekretes des Trienter Konzils über die Rechtfertigung (DS 1554) sagt, daß der Mensch die Gnade zurückweisen kann; es müßte aber auch gesagt werden, daß dieser Freiheit zur Zurückweisung auch eine neue Fähigkeit zur Annahme des göttlichen Willens entspricht, eine Fähigkeit, die man mit Recht "cooperatio" (Mitwirkung) nennt. Diese mit der neuen Schöpfung geschenkte Neubefähigung gestattet nicht die Verwendung des Ausdrucks mere passive" (Nr. 21). Daß diese Fähigkeit andererseits Geschenkcharakter hat, drückt das 5. Kapitel des tridentinischen Dekretes (DS 1525) treffend aus, wenn es sagt: "ita ut tangente Deo cor hominis per Spiritus Sancti illuminationem, neque homo ipse nihil omnino agat, inspirationem illam recipiens, quippe qui illam et abicere potest, neque tamen sine gratia Dei movere se ad iustitiam coram illo libera sua voluntate possit" ("wenn also Gott durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes das Herz des Menschen berührt, tut der Mensch selbst, wenn er diese Einhauchung aufnimmt, weder überhaupt nichts - er könnte sie ja auch verschmähen -, noch kann er sich andererseits ohne die Gnade Gottes durch seinen freien Willen auf die Gerechtigkeit vor ihm zubewegen"]. In der Tat wird auch von lutherischer Seite in Nr. 21 ein "volles personales Beteiligtsein im Glauben" festgehalten. Es bedürfte jedoch einer Klarstellung über die Vereinbarkeit dieses Beteiligtseins mit der Annahme der Rechtfertigung "mere passive", um den Grad der Übereinstimmung mit der katholischen Lehre genauer festzustellen. Was sodann den Schlußsatz von Nr. 24 - "Gottes Gnadengabe in der Rechtfertigung bleibt unabhängig von menschlicher Mitwirkung" - betrifft, so muß er in dem Sinne verstanden werden, daß die Gnadengaben Gottes nicht von den Werken des Menschen abhängig sind, nicht aber in dem Sinne, daß die Rechtfertigung ohne Mitwirkung des Menschen erfolgen könne. In analoger Weise muß sich der Satz in Nr. 19, wonach die Freiheit des Menschen "keine Freiheit auf sein Heil hin" ist, mit der Aussage über das Unvermögen des Menschen, aus eigener Kraft die Rechtfertigung zu erlangen, verbinden lassen. Die katholische Kirche vertritt auch die Ansicht, daß die guten Werke des Gerechtfertigten immer Frucht der Gnade sind. Doch gleichzeitig und ohne irgend etwas von der totalen göttlichen Initiative aufzuheben, sind sie Frucht des gerechtfertigten und innerlich verwandelten Menschen. Man kann daher sagen, daß das ewige Leben gleichzeitig sowohl Gnade als auch Lohn ist, der von Gott für die guten Werke und Verdienste erstattet wird. Diese Lehre ist die Konsequenz aus der inneren Verwandlung des Menschen, von der in Nr. 1 dieser Note die Rede war. Diese Klarstellungen verhelfen zu dem vom katholischen Standpunkt aus angemessenen Verständnis von Paragraph 4.7 (Nr. 37-39) über die guten Werke des Gerechtfertigten.

4. Bei der Fortführung dieser Bemühung wird man auch das Sakrament der Buße behandeln müssen, das in Nr. 30 der "Gemeinsamen Erklärung" erwähnt wird. Denn durch dieses Sakrament kann, wie das Konzil von Trient formuliert, der Sünder aufs neue gerechtfertigt werden (rursus iustificari); das schließt die Möglichkeit ein, durch dieses Sakrament, das sich von dem der Taufe unterscheidet, die verlorene Gerechtigkeit wiederzuerlangen. Nicht auf alle diese Aspekte wird in besagter Nr. 30 ausreichend hingewiesen.

5. Diese Beobachtungen wollen die Lehre der katholischen Kirche in bezug auf jene Punkte präzisieren, über die keine völlige Übereinstimmung erreicht wurde, und einige der Paragraphen, die die katholische Lehre darlegen, ergänzen, um das Maß des Konsenses, zu dem man gelangt ist, besser ins Licht zu rücken. Der hohe Grad der erreichten Übereinstimmung gestattet allerdings noch nicht zu behaupten, daß alle Unterschiede, die Katholiken und Lutheraner in der Rechtfertigungslehre trennen, lediglich Fragen der Akzentuierung oder sprachlichen Ausdrucksweise sind. Einige betreffen inhaltliche Aspekte, und daher sind nicht alle, wie in Nr. 40 behauptet wird, wechselseitig miteinander vereinbar. Außerdem ist zu sagen: Auch wenn es stimmt, daß auf jene Wahrheiten, über die ein Konsens erreicht worden ist, die Verurteilungen des Trienter Konzils nicht mehr anzuwenden sind, müssen dennoch erst die Divergenzen, die andere Punkte betreffen, überwunden werden, bevor man geltend machen kann, daß - wie es in Nr. 41 ganz allgemein heißt - diese Punkte nicht mehr unter die Verurteilungen des Konzils von Trient fallen. Das gilt an erster Stelle für die Lehre über das "simul iustus et peccator" (vgl. oben Nr. 1).

6. Schließlich ist unter dem Gesichtspunkt der Repräsentativität auf den unterschiedlichen Charakter der beiden Partner hinzuweisen, die diese "Gemeinsame Erklärung" erarbeitet haben. Die katholische Kirche erkennt die vom Lutherischen Weltbund unternommene große Anstrengung an, durch Konsultation der Synoden den "magnus consensus" zu erreichen, um seiner Unterschrift echten kirchlichen Wert zu geben. Es bleibt allerdings die Frage der tatsächlichen Autorität eines solchen synodalen Konsenses, heute und auch in Zukunft, im Leben und in der Lehre der lutherischen Gemeinschaft.

Perspektiven für die künftige Arbeit

7. Die katholische Kirche möchte ihre Erwartung bekräftigen, daß diesem wichtigen Schritt hin zu einem Einvernehmen in der Rechtfertigungslehre weitere Studien folgen mögen, die eine zufriedenstellende Klärung der noch bestehenden Divergenzen erlauben. Wünschenswert wäre insbesondere eine Vertiefung des biblischen Fundamentes, das sowohl für die Katholiken wie für die Lutheraner die gemeinsame Grundlage der Rechtfertigungslehre darstellt. Besagte Vertiefung sollte dem ganzen Neuen Testament und nicht nur den paulinischen Schriften gelten. Denn auch wenn es zutrifft, daß der heilige Paulus der neutestamentliche Autor ist, der am meisten über dieses Thema gesprochen hat, was eine gewisse vorrangige Aufmerksamkeit verlangt, fehlt es auch in den anderen Schriften des Neuen Testamentes nicht an fundierten Bezugnahmen auf dieses Thema. Was die von der "Gemeinsamen Erklärung" erwähnten verschiedenen Formen betrifft, mit denen Paulus den neuen Zustand des Menschen beschreibt, so könnte man die Kategorien der Sohnschaft und der Erbschaft (Gal 4,4-7; Röm 8,14-17) hinzufügen. Die Betrachtung aller dieser Elemente wird für das gegenseitige Verständnis sehr hilfreich sein und die Lösung jener noch bestehenden Divergenzen in der Rechtfertigungslehre ermöglichen.

8. Schließlich sollten sich Lutheraner und Katholiken gemeinsam darum bemühen, eine Sprache zu finden, die imstande ist, die Rechtfertigungslehre auch den Menschen unserer Zeit verständlicher zu machen. Die Grundwahrheiten von dem von Christus geschenkten und im Glauben angenommenen Heil, vom Primat der Gnade vor jeder menschlichen Initiative, von der Gabe des Heiligen Geistes, der uns dazu fähig macht, unserem Stand als Kinder Gottes entsprechend zu leben, sind wesentliche Aspekte der christlichen Botschaft, die die Gläubigen aller Zeiten erleuchten sollten.

Diese Note, welche die offizielle katholische Antwort auf den Text der "Gemeinsamen Erklärung" darstellt, ist in gemeinsamer Verständigung zwischen der Kongregation für die Glaubenslehre und dem Päpstlichen Rat für die Förderung der Einheit der Christen ausgearbeitet worden und wird vom Präsidenten dieses Päpstlichen Rates als direkt Verantwortlichem für den ökumenischen Dialog unterzeichnet.

(Quelle: http://www.dbk.de/stichwoerter/data/00779/index.html)

GEMEINSAME OFFIZIELLE FESTSTELLUNG des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche

1. Auf der Grundlage der in der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (GE) erreichten Übereinstimmungen erklären der Lutherische Weltbund und die Katholische Kirche gemeinsam: „Das in dieser Erklärung dargelegte Verständnis der Rechtfertigungslehre zeigt, daß zwischen Lutheranern und Katholiken ein Konsens in Grundwahrheiten der Rechtfertigungslehre besteht“ (GE 40). Auf der Grundlage dieses Konsenses erklären der Lutherische Weltbund und die Katholische Kirche gemeinsam: „Die in dieser Erklärung vorgelegte Lehre der lutherischen Kirchen wird nicht von den Verurteilungen des Trienter Konzils getroffen. Die Verwerfungen der lutherischen Bekenntnisschriften treffen nicht die in dieser Erklärung vorgelegte Lehre der römisch-katholischen Kirche“ (GE 41).

 2. Im Blick auf den Beschluß des Rates des Lutherischen Weltbundes über die Gemeinsame Erklärung vom 16. Juni 1998 und die Antwort der Katholischen Kirche auf die Gemeinsame Erklärung vom 25. Juni 1998 sowie die von beiden Seiten vorgebrachten Anfragen wird in der (als „Anhang“ bezeichneten) beigefügten Feststellung der in der Gemeinsamen Erklärung erreichte Konsens weiter erläutert; so wird klargestellt, daß die früheren gegenseitigen Lehrverurteilungen die Lehre der Dialogpartner, wie sie in der Gemeinsamen Erklärung dargelegt wird, nicht treffen.

 3. Die beiden Dialogpartner verpflichten sich, das Studium der biblischen Grundlagen der Lehre von der Rechtfertigung fortzuführen und zu vertiefen. Sie werden sich außerdem auch über das hinaus, was in der Gemeinsamen Erklärung und in dem beigefügten erläuternden Anhang behandelt ist, um ein weiterreichendes gemeinsames Verständnis der Rechtfertigungslehre bemühen. Auf der Basis des erreichten Konsenses ist insbesondere zu denjenigen Fragen ein weiterer Dialog erforderlich, die in der Gemeinsamen Erklärung selbst (GE 43) besonders als einer weiteren Klärung bedürftig benannt werden, um zu voller Kirchengemeinschaft, zu einer Einheit in Verschiedenheit zu gelangen, in der verbleibende Unterschiede miteinander „versöhnt“ würden und keine trennende Kraft mehr hätten. Lutheraner und Katholiken werden ihre Bemühungen ökumenisch fortsetzen, um in ihrem gemeinsamen Zeugnis die Rechtfertigungslehre in einer für den Menschen unserer Zeit relevanten Sprache auszulegen, unter Berücksichtigung der individuellen und der sozialen Anliegen unserer Zeit.

  

Durch diesen Akt der Unterzeichnung

bestätigen

die Katholische Kirche und der Lutherische Weltbund

die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre

in ihrer Gesamtheit

Matt Slick: "The Gospel for Roman Catholics," (cont'd):

the Bible declares that we are justified before God by faith:

    "Therefore we conclude that a man is justified by faith without the deeds of the law," (Rom. 3:28).
    "For what saith the scripture? Abraham believed God, and it was counted unto him for righteousness," (Rom. 4:3).
    "But to the one who does not work, but believes in Him who justifies the ungodly, his faith is reckoned as righteousness," (Rom. 4:5).
    "Therefore being justified by faith, we have peace with God through our Lord Jesus Christ," (Rom. 5:1).
    "For by grace are ye saved through faith; and that not of yourselves: it is the gift of God," (Eph. 2:8).

However, in Roman Catholicism, justification by faith is denied.

My Comments

"However, in Roman Catholicism, justification by faith is denied."  Mr. Slick, if I can give you quotes, from the official teaching of the Catholic Church that contradict what you say here, would you retract your statement?  You see, what you are doing here is giving us the Catechism of the Catholic Church, as written and interpreted by Mr. Matt Slick.  Yet, the Catechism of the Catholic Church (CCC) - the one actually written by the Catholic Church - does not say what you seem to think it says.  What does the CCC actually say in regard to justification and faith?  Let's look and see:

#1987: "The grace of the Holy Spirit has the power to justify us, that is, to cleanse us from our sins and to communicate to us 'the righteousness of God through faith in Jesus Christ' [Rom 3:22] and through Baptism."

#1991: "Justification is at the same time the acceptance of God's righteousness through faith in Jesus Christ."

#1992: "Justification has been merited for us by the Passion of Christ...Justification is conferred in Baptism, the sacrament of faith."

#1993: "Justification establishes cooperation between God's grace and man's freedom.  On man's part it is expressed by the assent of faith to the Word of God."

[Emphasis in the original]

The Catholic Church links faith to justification...it's all right there in black and white.  So, Mr. Slick, will you still claim that "justification by faith is denied" by the Catholic Church, or will you do the honorable thing and admit that you falsely asserted something about the Catholic Church?  I have given you 4 examples, and I could give many more, straight from the CCC - the official teaching of the Catholic Church - that make a direct connection between justification and faith in Christ.  Do you deny that these things are the official teaching of the Catholic Church?  Yes or no?

Now, I will agree with you 100% that, "The Bible declares that we are justified before God by faith," and, as a Catholic, I agree 100% with those Scripture verses you cited.  However, I don't think those Scripture verses mean what you think they mean.  You see, you interpret these verses as meaning justification by faith "alone."  Yet, not in a single one of those verses you cite, does the Bible say we are justified before God by faith "alone."  That word, "alone," doesn't appear in any Bible verse that you could cite in support of your position, does it?  If it does, please let me see that verse.  Furthermore, are you not aware that the Bible also says we justified before God by things other than...in addition to...faith?  Let's put some other quotes from the Bible side-by-side with those you have cited to get a fuller picture of the Word of God:

"Therefore we conclude that a man is justified by faith without the deeds of the law," (Rom. 3:28).  "You see that a man is justified by works, and not by faith alone."   (James 2:24)

"For what saith the scripture? Abraham believed God, and it was counted unto him for righteousness," (Rom. 4:3).   "Was not Abraham our father justified by works, when he offered his son Isaac upon the altar?"  (James 2:21)

"But to the one who does not work, but believes in Him who justifies the ungodly, his faith is reckoned as righteousness," (Rom. 4:5).  "For it is not the hearers of the law who are righteous before God, but the doers of the law who will be justified." (Romans 2:13).

"Therefore being justified by faith, we have peace with God through our Lord Jesus Christ," (Rom. 5:1).  "For He will render to every man according to his works: to those who by patience in well-doing [good works] seek for glory and honor and immortality, He will give eternal life."  (Romans 2:6-7)

"For by grace are ye saved through faith; and that not of yourselves: it is the gift of God," (Eph. 2:8).  "For we are His workmanship, created in Christ Jesus for good works, which God prepared beforehand, that we should walk in them." (Eph 2:10)

Let's focus on just one of those verses I added to yours: Romans 2:6-7.  Could you please explain what the Word of God means when it says that God will give "eternal life" to those who by "patience in well-doing seek for glory and honor and immortality?"  What exactly does that mean, Mr. Slick?  Is that an example of salvation by faith alone?

Strategy

I respond to his assertion by quoting the CCC to show that he is absolutely wrong in what he says regarding Catholic teaching.  I just quote the CCC, challenge him to deny that is what it says, and leave it at that.  I give him quotes that directly contradict what he claims.  As much as possible, use the Church's words, or the Bible's words, and not your own.  At the same time I'm responding to his false assertion, I am also asking him questions about that assertion - asking him to back up what he is saying with a little proof.  He can make claims all day long about the Catholic Church, but can he back up his claims?  I can claim, for example, that Matt Slick denies the Trinity.  Does that make it so?  How can he prove to me that he doesn't deny the Trinity?  The only way he can do so is by pointing to something he's written, or said, that has him admitting to a Trinitarian belief.  Well, I'm showing him, using a magisterial document - the Catechism - that what he is saying isn't true.  But, I don't just stop there.  I ask him - dare him, really - to do the honorable thing and admit he is wrong, once he is confronted with the proof.  Will he?  Doubtful.

What Mr. Slick is doing here, like so many others before him, is focus on certain passages of Scripture that seem to support his theology, while blatantly ignoring the passages of Scripture that do not support his theology.  For him, it is either one way or the other.  Either faith or works.  For the Catholic, it is both - and...both faith and works (all by the grace of God), as the verses above show.  In his set of verses, the focus is on faith.  In the set of verses I put in there, the focus is on works.  You can't say, as he essentially tries to, that this verse of Scripture trumps that verse of Scripture.  You have to take them as an organic whole.  Your theology has to be such that it doesn't have one verse of Scripture contradicting another verse of Scripture.  Scripture has to complement Scripture, not contradict it.  So, in some places faith is emphasized, in other places works are emphasized.  Emphasizing one over the other, though, is not the same thing as excluding one from the other.  If it's faith it can't be works, says Mr. Slick.  That is a false dichotomy he is creating.  Scripture does not create this false dichotomy, Matt Slick's very fallible interpretation creates the false dichotomy between faith and works.

Matt Slick

    "If any one shall say that justifying faith is nothing else than confidence in the divine mercy pardoning sins for Christ's sake, or that it is that confidence alone by which we are justified ... let him be accursed," (Canon 12, Council of Trent).

Which are we to believe?  The Roman Catholic Church or God's word?  Furthermore, the RCC states that justification is received not by faith, but by baptism.   The Catechism of the Catholic Church says in paragraph, 1992, that "...justification is conferred in Baptism, the sacrament of faith."   This means that faith is not the instrument of obtaining justification; instead, it is an ordinance performed by a priest in the Roman Catholic Church.

My Comments

Ah, yes...the ol' which do we believe, the Church or the Bible?  But, Mr. Slick, aren't you actually asking which are we to believe: Matt Slick's fallible interpretation of Catholic teaching, or Matt Slick's fallible interpretation of the Bible?  That's the real question here, isn't it?  This quote from the Council of Trent is about salvation by faith alone, not about salvation by faith.  You can see that is so when given a little context with Canon 9 below.

"Council of Trent; Decree Concerning Justification

Canon 9.
If anyone says that the sinner is justified by faith alone, meaning that nothing else is required to cooperate in order to obtain the grace of justification, and that it is not in any way necessary that he be prepared and disposed by the action of his own will, let him be anathema."

The Catholic Church, as I have shown, does indeed believe in justification by faith - as stated in the Catechism, and as stated in a few places in the Council of Trent, such as this one (passages you, for some reason, failed to mention in your article):

"Council of Trent; Decree Concerning Justification

CHAPTER VIII
HOW THE GRATUITOUS JUSTIFICATION OF THE SINNER BY FAITH IS TO BE UNDERSTOOD

But when the Apostle says that man is justified by faith and freely, (Rom 3:24; 5:1) these words are to be understood in that sense in which the uninterrupted unanimity of the Catholic Church has held and expressed them, namely, that we are therefore said to be justified by faith, because faith is the beginning of human salvation, the foundation and root of all justification, without which it is impossible to please God (Heb 11:6) and to come to the fellowship of His sons; and we are therefore said to be justified gratuitously, because none of those things that precede justification, whether faith or works, merit the grace of justification."  For, if by grace, it is not now by works, otherwise, as the Apostle says, grace is no more grace. (Rom 11:6)."

What really bothers you, Mr. Slick, is that we Catholics do not accept your fallible interpretation of Scripture that salvation - or justification - is by faith alone, so what you are really doing here is trying to say that since we don't accept your fallible interpretation of the Bible, that means we don't believe justification is by faith.  That's not cricket, ol' boy - nor is it a very Christian thing to do.

The Catholic Church believes in salvation through faith...justification by faith...as I have shown here and as anyone who takes the time to look into the matter in an honest and forthright manner can see.  So to say that the Catholic Church denies justification by faith, or that it believes justification is not received by and through faith, is simply not being as honest as one could be.

Now, regarding your comment on Baptism: "...the RCC states that justification is received not by faith, but by baptism."  First of all, I have just shown the first half of your statement about the Catholic Church and justification by faith to be incorrect.  Any statement to the contrary is either a statement made out of ignorance, or an intentional distortion of the truth.  Regarding the latter half of your statement, I would ask you this question: Can a person be justified if his sins are not forgiven?  I hope you will say, "No, a person cannot be justified if his sins are not forgiven."  Assuming that is your position (please let me know if it is not), then what does the Scripture tell us about one of the effects of Baptism?  Acts 2:38, "Repent and be baptized every one of you in the name of Jesus Christ for the forgiveness of your sins."  Acts 22:16, "And now, why do you wait?  Rise and be baptized and wash away your sins."  In other words, Scripture tells us that we receive the forgiveness of sins, justification, through Baptism.

Also, does not Scripture state, very plainly, that we are saved through Baptism?  "He saved us, not because of deeds done by us in righteousness, but in virtue of His own mercy, by the washing of regeneration and renewal in the Holy Spirit," (Titus 3:5).  "Baptism, which corresponds to this, now saves you," (1 Ptr 3:21).  Baptism saves us, so sayeth the Bible.  I don't know how the Word of God could be any clearer than that, do you?  Do you disagree with the plain Word of God in this matter?  Apparently you do, because you attack the Catholic Church for simply saying what the Bible says.

Finally, I would point out that it seems, once again, you are selectively quoting Catholic teaching here.  You quote a single phrase from Paragraph 1992 of the Catechism, to "prove" that the Catholic Church teaches that "faith in not the instrument of obtaining justification;" yet, in Paragraph 1991 of that same Catechism, it states: "Justification is at the same time the acceptance of God's righteousness through faith in Jesus Christ [emphasis in the original]."  Did you not see that in your reading and study of the Catechism?  If you did, why did you not mention that in your article?  Why is Baptism called the "sacrament of faith" for Catholics if we believe faith has nothing to do with our justification? It is only through faith that we have access to the grace of God and justification, but it is through Baptism - which Jesus Himself instructed His Apostles to take to all nations - that God Himself communicates that grace upon us.  Without faith, there is no Baptism.  So to state that Catholics believe "justification is received not by faith," is simply not true and I ask that you correct your statements to the contrary.

I would like to leave you with another passage from the Council of Trent that I believe you must not have read, or simply chose to ignore, which gives a thorough explanation of Catholic belief regarding justification.  Would you be so kind as to share this with your readers on your website?  I doubt very seriously that you will (by the way, please note all the citations from the Word of God):

Decree Concerning Justification

CHAPTER VII
IN WHAT THE JUSTIFICATION OF THE SINNER CONSISTS, AND WHAT ARE ITS CAUSES

"This disposition or preparation is followed by justification itself, which is not only a remission of sins but also the sanctification and renewal of the inward man through the voluntary reception of the grace and gifts whereby an unjust man becomes just and from being an enemy becomes a friend, that he may be an heir according to hope of life everlasting. [Titus 3:7]

The causes of this justification are:
1) the final cause is the glory of God and of Christ and life everlasting;

2) the efficient cause is the merciful God who washes and sanctifies [1 Cor 6:11] gratuitously, signing and anointing with the holy Spirit of promise, who is the pledge of our inheritance [Eph 1:13];

3) the meritorious cause is His most beloved only begotten, our Lord Jesus Christ, who, when we were enemies, [Rom 5:10] for the exceeding charity wherewith he loved us, [Eph 2:4] merited for us justification by His most holy passion on the wood of the cross and made satisfaction for us to God the Father;

4) the instrumental cause is the sacrament of baptism, which is the sacrament of faith, without which no man was ever justified finally;

5) the single formal cause is the justice of God, not that by which He Himself is just, but that by which He makes us just, that, namely, with which we being endowed by Him, are renewed in the spirit of our mind, [Eph 4:23] and not only are we reputed but we are truly called and are just, receiving justice within us, each one according to his own measure, which the Holy Ghost distributes to everyone as He wills, [1 Cor 12:11] and according to each one's disposition and cooperation.

For though no one can be just except he to whom the merits of the passion of our Lord Jesus Christ are communicated, yet this takes place in that justification of the sinner, when by the merit of the most holy passion, the charity of God is poured forth by the Holy Ghost in the hearts [Rom 5:5] of those who are justified and inheres in them; whence man through Jesus Christ, in whom he is ingrafted, receives in that justification, together with the remission of sins, all these infused at the same time, namely, faith, hope and charity.

For faith, unless hope and charity be added to it, neither unites man perfectly with Christ nor makes him a living member of His body. For which reason it is most truly said that faith without works is dead [James 2:17, 20] and of no profit, and in Christ Jesus neither circumcision availeth anything nor uncircumcision, but faith that worketh by charity. [Gal 5:6; 6:15]"

Strategy

Okay, he's trying to back up his claims by providing something from some official Church teaching.  Very good.  But, there's a problem.  He is taking a passage from the Council of Trent out of context and interpreting it however he feels it needs to be interpreted to make it say what he wants it to say.  He interprets this passage to mean that the Catholic Church does not teach justification by faith, when what this passage is saying, as any truly objective reader can easily discern, is that the Church does not believe in justification by faith "alone."  What Mr. Slick is doing here, as many others do likewise, is trying to make you believe that the rejection of justification by faith alone, is equivalent to the rejection of justification by faith, period.  The two, however, are not the same and anyone who uses this deceptive tactic needs to be called out on it.

Now, I didn't have to go into all of this that I went into in order to respond to him, but I wanted all of you to see that when guys like Matt Slick quote from the Catechism, or from the Council of Trent, or any other magisterial document to back up their version of Catholic teaching, you can be 100% assured that they are quoting very selectively from that document, as seen here.  As you can see from the excerpts of Trent that I have cited, Mr. Slick has completely disregarded not just a sentence here or there that disproves his point, but large sections of the document.  It really is pathetic to see how much he has to ignore in order to make it seem like the Catholic Church teaches what he claims it teaches.  So, if you are ever dealing with someone like this, and they quote from the Catechism, or Trent, or Vatican II, or wherever to back up their point - to "prove" the Catholic Church is wrong or is in conflict with the Bible - don't let it throw you off.  Simply go to the citation they give (and make sure they give you a citation from a specific document), and read it in context.  I guarantee you that within the context it was written, it does not say what they are trying to make it say.  Basically, they do the same thing in quoting Catholic documents, that they do in quoting the Bible.

Matt Slick

Furthermore, baptism is only the initial grace along the road of justification.  The Roman Catholic is to then maintain his position before God by his efforts.

    "No one can MERIT the initial grace which is at the origin of conversion. Moved by the Holy Spirit, we can MERIT for ourselves and for others all the graces needed to attain eternal life, as well as necessary temporal goods," (Catechism of the Catholic Church (CCC), par. 2027).

The problem here is that the RCC is teaching us to "merit for ourselves and for others all the graces need to attain eternal life."  You cannot merit grace.  Grace is unmerited favor.  Merit is, according to the CCC, par. 2006, "...the recompense owed by a community or a society for the action of one of its members, experienced either as beneficial or harmful, deserving reward or punishment..." CCC 2006.  This means that merit is something owed.  By contrast, grace is something not owed.  Therefore, the RCC is teaching contrary to God's word regarding grace and justification.

My Comments

Mr. Slick...really?!  I have to say that I am not surprised that you would distort Catholic teaching, but I am surprised at how blatantly you have done so here.  First, in your quote of Paragraph 2006 of the CCC, why did you leave out the phrase at the beginning of that sentence: "The term 'merit' refers IN GENERAL to the recompense owed by a community or a society..." [emphasis mine]?  Why did you try to make it seem as if this was the definition of merit that the Church applied to the relationship between God and man, when the Church was simply stating the general defintion of the term?  And then, in the very next paragraph, #2007, it says: "With regard to God, there is no strict right to any merit on the part of man."  Yet, you worded your article in such a way as to make it seem that the Catholic Church teaches that God owes man for the things that man does, when in truth, you had to know that is not what the Church actually teaches.  I say you had to know that, because the words are right there immediately following the quote you cited.  One has to conclude that you did this to deliberately mislead people. The only other possible option would be that you only read part of one sentence in one paragraph in that entire section of the Catechism on "Merit," and drew your conclusion from that isolated fragment of a sentence.  Which, in and of itself, is shoddy methodology at best, and deliberate distortion at worst.

Let me practice the Matt Slick methodology: Matt Slick agrees with the Catholic Church in regard to Baptism being the initial step in the process of justification.  Here is a quote from an article on Mr. Slick's website entitled, The Gospel for Roman Catholics: "Furthermore, baptism is only the initial grace along the road of justiciation."  There you have it, Matt Slick agrees with the Catholic Church on this very essential point of salvation.

Mr. Slick, would you say that I misquoted you?  Or, would you say that I took your quote out of context?  If you say I did, then will you admit that you have done that very thing in regards to your quote from the Catechism concerning merit?  Let me give you a few other quotes from that same section of the Catechism that completely demolish your twisted rendering of Catholic teaching:

#2008, "The merit of man before God in the Christian life arises from the fact that God has freely chosen to associate man with the work of his grace [emphasis in the original]...so that the merit of good works is to be attributed in the first place to the grace of God...Man's merit, moreover, itself is due to God, for his good actions proceed in Christ, from the predispositions and assistance given by the Holy Spirit."

#2009, "Filial adoption, in making us partakers by grace in the divine nature, can bestow true merit on us as a result of God's gratuitous justice [emphasis in the original].

The Church teaches, Mr. Slick, that God owes us nothing.  But, we can be said to merit before God because, as Christians, we are members of His Body, and it is Jesus Christ Himself working in us and through us (Phil 2:13) with the power of the Holy Spirit.  So, as one of the saints said, I believe it was St. Augustine, that when we merit, it is simply a matter of God crowning His own achievement. The Catholic Church never teaches, as you have written, that man's merit before God is something that God owes to us because of our good works done on our own.  Therefore, your statement that "the RCC is teaching contrary to God's word regarding grace and justification," is completely and totally without merit. Have you no shame?

Strategy

Many times you can give someone the benefit of the doubt by assuming that they are simply ignorant, and are not being malicious, until they prove to you otherwise.  Here, the proof is pretty much in the pudding.  There is no way an intelligent human being, which I believe Mr. Slick to be, can do what Mr. Slick did here in his misrepresentation of Catholic teaching on merit, out of mere ignorance.  I just don't see how that is possible.  So, I am calling him on it.  Jesus called out the scribes and Pharisees in Matthew 23, so I am calling out Matthew Slick here.  I want him to let me know...I demand he let me know...why he so deliberately distorted Catholic teaching here.  Were this an exchange that he published for his readers (which would, of course, never ever happen), he would be in a world of hurt right now to try justify what he did, and his own readers would know it.  This is so blatantly a lie that the only way he can get away with garbage like this is that the folks who read his website simply do not look into these things beyond his words.  They don't follow up and do any research on their own.  Matt Slick has tickled their ears (2 Tim 4:3) and they have gone away happy.

Matt Slick

The sad result is that in Roman Catholicism, justification before God is a process that is maintained by the effort and works of the Roman Catholic.  This is a very unfortunate teaching since it puts the unbearable burden of works righteousness upon the shoulders of the sinner.  By contrast, the Bible teaches that justification/salvation is by faith.

    "But to the one who does not work, but believes in Him who justifies the ungodly, his faith is reckoned as righteousness," (Rom. 4:5).
    "Therefore being justified by faith, we have peace with God through our Lord Jesus Christ," (Rom. 5:1).
    "For by grace are ye saved through faith; and that not of yourselves: it is the gift of God," (Eph. 2:8).

My Comments

Well, garbage in, garbage out.  Mr. Slick, you start off with a number of propositions that are garbage, so you quite naturally wound up with a conclusion that is garbage.  Catholics do indeed believe that justification is indeed a process - you got that part right.  But, then again, so does the Bible: "For in this hope we were saved," (Rom 8:24). "For the word of the cross is folly to those who are perishing, but to us who are being saved it is the power of God," (1 Cor 1:18). "But he who endures to the end will be saved," (Matt 10:22).  We "were" saved, we are "being" saved, and we "will" be saved (if we persevere) - that is the language of process.  Nowhere does Scripture say you are completely and irrevocably saved at one moment in time, by one act of faith, and you need not do a thing after that.  In fact, doesn't Luke say that in order to follow Christ we have to pick up our cross "daily"?  That's just one example among many in the Bible that directly contradict your fallible interpretation of Scripture by which you determine, by your own authority, your false doctrines of men.

Catholics do not believe in a so-called "works righteousness."  I challenge you to even find that term in any official teaching of the Catholic Church. It is a term made up by those who wish to besmirch the teaching of the Catholic Church by giving their own interpretation of Catholic teaching, rather than allowing the Catholic Church to explain her teachings as she teaches them.  We do believe their is a burden put onto the shoulders of the sinner, as Scripture very plainly tells us there is in that quote I just referenced from Luke 9, about how the sinner has to pick up his cross daily to follow Christ.  Is that not a burden?  Yet, Christ tells us that His "yoke is easy, and My burden is light," (Matt 11:30).  So, we have a burden that we are responsible for bearing...our daily cross...but with, in, and through Christ, that burden becomes easy and light.

And, to counter your Scripture quotes - which you have taken out of context and interpreted in your own fallible way to mean something that they do not mean - I will simply tell you to go back and read again the Scripture passages that I offered earlier.

Finally, I have to say that, overall, I am appalled by the way you consistently quote Catholic teachings out of context to support your own fallible interpretation of Catholic teaching which is, in fact, not what the Catholic Church actually teaches and believes and practices.  You need to apologize to Catholics and to all those you have mislead in this regard.  If you wish to disagree with Catholic teaching, fine...you have that option.  But, you need to disagree with what the Catholic Church actually teaches, and not some bizarre, twisted, perverse rendering of Catholic teaching that you have fabricated on your own that bears little resemblance to the real thing.
(Source: John Martignoni. Used with permission)

Links National

Links International

Resources

Tim Staples: How is Man Saved (CD's)

Dr. Scott Hahn: Romanism in Romans (CD's)

Fr. Lou Caporiccio from the Fathers of Mercy: Justification - a Gift from the Mercy of God (audio file of a homily)


Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre