Zitat
„Kirchliche Institutionen, Pastoralpläne und andere rechtliche Strukturierungen sind bis zu einem gewissen Grad schlichtweg notwendig. Aber gelegentlich werden sie als das Wesentliche ausgegeben und verstellen so den Blick auf das wirklich Wesentliche. […] Angesichts der augenblicklich abnehmenden Zahl der Priester, wie leider auch der (sonntäglichen) Gottesdienstbesucher, kommen in verschiedenen deutschsprachigen Diözesen Modelle der Um- und Neustrukturierung der Seelsorge zur Anwendung, bei denen das Bild des Pfarrers, das heißt des Priesters, der als Mann Gottes und Mann der Kirche eine Pfarrgemeinde leitet, zu verschwimmen droht.“
(Papst Benedikt XVI.)
Priester?
"Weißt du, was meine Mutter immer gesagt hat? Die Menschen bekommen die Geistlichen, die sie verdienen!" 
"Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt."
(Joh 15, 16 - Einheitsübersetzung)
Von evangelikaler Seite hört man manchmal, die Bibel würde uns doch sagen, wir alle seien Priester. Wozu also noch extra Priester weihen?
Es gibt tatsächlich ein allgemeines Priestertum aller Getauften - hierin stimmt die Katholische Kirche mit anderen christlichen Gemeinden überein. Dieses Wort "allgemein" ist aber nicht im üblichen Sprachgebrauch als etwas unbestimmtes oder undefiniertes zu verstehen. Es bezieht sich auf unsere Charismen, also die Gaben, mit denen wir vom Heiligen Geist ausgestattet wurden. Manch einer ist kreativ, andere sind zum Lehrer berufen, wieder andere haben ein besonderes Organisationstalent usw. Diese Gaben sollen wir zum Lob und Ruhm unseres himmlischen Vaters verwenden.
Das 2. Vatikanische Konzil hat hierzu auch Stellung genommen und betont, dass das eben erwähnte "allgemeine" (besser: gemeinsame) Priestertum vom Priestertum des amtlichen Dienstes unterscheidet - und zwar dem Wesen nach (also nicht nur graduell). Hier geht es aber nicht darum, was besser oder schlechter ist, sondern hier werden die verschiedenen Berufungen angesprochen, die wir als Gläubige haben. Das amtliche Priestertum hat hierbei einen besonderen Sendungsauftrag für alle Gläubigen und die Kirche und deren Einheit insgesamt.
(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/ - unbedingt zu empfehlen!!)
(Fortsetzung folgt)
"Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. 38 Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden."
(Mt 9, 37-38 - Einheitsübersetzung)
Gloria TV: Ordinatio Sacerdotalis
Das Priestertum hat doch mit Christus aufgehört!
Lesen wir Titus 1,5: "Ich habe dich in Kreta deswegen zurückgelassen, damit du das, was noch zu tun ist, zu Ende führst und in den einzelnen Städten Älteste einsetzt, wie ich dir aufgetragen habe." (Einheitsübersetzung)
Nachdem der Hl. Paulus in Rom Hausarrest bekommen hatte (AD 61-63), hat er Titus in Kreta eingesetzt. Ihm reichte es, eine Gemeinde zu gründen - alles weitere überließ er anderen (siehe auch 2 Kor 10,16; Röm 15,20-21). Etwa um AD 65 schrieb dann der Hl. Paulus diesen Brief an Titus. Wahrscheinlich hielt er sich zu dieser Zeit noch in Mazedonien auf. Eine der ersten Aufgaben von Titus war es dann, Presbyter - also Priester - zu ernennen.
Wo also sind die Priester und Bischöfe der Kirchen, die sich auf das Neue Testament oder das Urchristentum berufen?
1 Thess 5,12-13: "Wir bitten euch, Brüder: Erkennt die unter euch an, die sich solche Mühe geben, euch im Namen des Herrn zu leiten und zum Rechten anzuhalten. Achtet sie hoch und liebt sie wegen ihres Wirkens! Haltet Frieden untereinander!" (Einheitsübersetzung).
Als Leiter der Gemeinde haben es Priester bestimmt nicht leicht. Wir sollten sie lieben, wie wir Jesus lieben - und ihnen das auch zeigen (etwa, indem wir aktiv am Gemeindeleben teil haben). Schließlich bringen sie uns auch den Leib und das Blut Jesu Christi! Außerdem können nur geweihte Priester uns von unseren Sünden lossprechen. Für all das, was sie aus Liebe zu Gott und in Nachfolge Jesu Christi tun, verdienen sie Liebe und Respekt.
Nun zu 1 Kor 12,27-28: "Ihr aber seid der Leib Christi und jeder einzelne ist ein Glied an ihm. So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die anderen als Propheten, die dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede." (Einheitsübersetzung).
Alle Gaben wurden ähnlich den Gliedern des menschlichen Körpers zum Wohle der gesamten Kirche geschenkt. Die "höheren" Gaben sind die, die in irgendeiner Form mehr zum Wohle der Kirche beitragen. Die wertvollste Gabe ist die praktisch gelebte Nächstenliebe. Dies kann aber auch bedeuten, dass man das Geschenk einer religiösen Berufung akzeptiert. Ein Geschenk, bei dem man die Welt verleugnet und Gott alleine sowie Seinem Volk dienen will.
Sehen wir uns noch Eph 4,11-13 an: "Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. So wollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen." (Einheitsübersetzung).
Jesus Christus gibt den Gliedern in Seiner Kirche verschiedene (Auf-)Gaben. Diese Verse wurden Jahre nach Christi Himmelfahrt geschrieben - wie also gibt Er uns diese (Auf)Gaben? Durch die Apostel und ihre Nachfolger, und zwar durch das Handauflegen. Wie oft versuchen wir, Gott in dem, was Er ist und kann zu beschränken! Christus hat eine lebendige und wachsende Kirche ins Leben gerufen - und nicht eine, die nach dem letzten Apostel sterben würde!
Schließlich noch zu 1 Tim 4,14-16: "Vernachlässige die Gnade nicht, die in dir ist und die dir verliehen wurde, als dir die Ältesten aufgrund prophetischer Worte gemeinsam die Hände auflegten. Dafür sollst du sorgen, darin sollst du leben, damit allen deine Fortschritte offenbar werden. Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören." (Einheitsübersetzung).
Timotheus hatte also die "Gnade", also eine spirituelle Gabe, die ihm aufgrund prophetischer Worte durch das Auflegen der Hände seitens der Ältesten verliehen wurde. Dies war eine althergebrachte Geste, die Solidarität ziwchen dem, der Hände auflegte und dem, dem sie aufgelegt wurden, zum Ausdruck brachte. Diese Geste wird im Neuen Testament in verschiedenen Zusammenhängen erwähnt: als eine Geste des Segnens (Mt 19,15), des Heilens (Mk 6,5), des Empfangens des Heiligen Geistes (Apg 8,17) und der Übertragung eines kirchlichen Amtes (Apg. 6,6).
2 Tim 1,6-7: "Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit." (Einheitsübersetzung).
Paulus hat Timotheus die Hände aufgelegt hat und ihn damit geweiht hat, wodurch Timotheus eine dauerhafte Gnade genießt. Dieser Vers muss mit 1 Tim 4,14 verglichen werden: "Vernachlässige die Gnade nicht, die in dir ist und die dir verliehen wurde, als dir die Ältesten aufgrund prophetischer Worte gemeinsam die Hände auflegten." (Einheitsübersetzung). Durch seine priesterliche Berufung sagt Paulus Timotheus auch, dass er seine in der Weihe empfangenen Gaben auch nützen muss. Warum sagt ihm dies Paulus, wenn das Priesterum mit Christus sein Ende fand? Das würde dann keinen Sinn ergeben. Die katholische Kirche hält sich also an Paulus' - und damit an Jesu' - Weisung.
1 Tim 5,22: "Lege keinem vorschnell die Hände auf und mach dich nicht mitschuldig an fremden Sünden; bewahre dich rein!" (Einheitsübersetzung).
Das Auflegen der Händ bedeutet die Weihe. Timotheus soll keinem vorschnell die Hände auflegen, bevor er sich nicht von seinen Qualifikationen überzeugt hat. Er wäre dann nämlich verantwortlich für die Sünden dieses unwürdigen Priesters. Paulus sagt Timotheus auch, er solle sich von der Sünde fern halten und rein bewahren. Priester zu sein heißt deshalb auch, ein hohes Maß an Heiligkeit zu besitzen und andere in diese Heiligkeit zu führen.
Heb 8:5-6: "Sie dienen einem Abbild und Schatten der himmlischen Dinge, nach der Anweisung, die Mose erhielt, als er daranging, das Zelt zu errichten: Sieh zu, heißt es, dass du alles nach dem Urbild ausführst, das dir auf dem Berg gezeigt wurde. Jetzt aber ist ihm ein um so erhabenerer Priesterdienst übertragen worden, weil er auch Mittler eines besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist." (Einheitsübersetzung).
Diese enge Beziehung zwischen dem Preistertum und dem Bund ist ähnlich dem zwischen dem Priestertum und dem Gesetz in 7,12. Der alte Bund hatte sein eigenes Priestertum. Jesu' Priestertum ist Teil des neuen und besseren Bundes, dessen Mittler Er ist. Der Titel des "Mittler" (siehe auch 9,15) gehört Ihm, da Sein Opfer das Mittel der Vereinigung zwischen Gott und den Menschen war; es hat die Sünde weg genommen, die das Hindernis bei dieser Vereinigung war, und dadurch die Beziehung des Neuen Bundes möglich gemacht.
(Quelle: www.saintjoe.com)
Katholische Priester können doch keine Sünden vergeben!
"Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Darauf sagte er zu dem Gelähmten: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Und der Mann stand auf und ging heim. Als die Leute das sahen, erschraken sie und priesen Gott, der den Menschen solche Vollmacht gegeben hat." (Mt 9,6-8 - Einheitsübersetzung)
Den Menschen wurde also nicht nur die Vollmacht gegeben, andere Menschen zu heilen, sondern auch die Vollmacht, Sünden zu vergeben! Wohlgemerkt ist "Menschen" hier im Plural - es bezieht sich also nicht nur auf Jesus allein. Die Menschen des Neuen Testaments verstanden darunter also, dass Jesus Menschen die Vollmacht erteilt hat, anderen Menschen zu vergeben. Ebenso wie heute hatte man damals Angst vor dieser Autorität. Dazu gibt es aber keinen Grund, da dies eine Autorität ist, die dienenden und liebenden Charakter hat und vom Heiligen Geist geleitet wird - und nicht etwa ein von Menschen ins Leben gerufenes Machtinstrument.
Lesen wir Lk 17,3-4: "Seht euch vor! Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht; und wenn er sich ändert, vergib ihm. Und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ändern!, so sollst du ihm vergeben." (Einheitsübersetzung).
Wenn nur Gott Sünden vergeben kann, warum sagt hier Jesus Seinen Jüngern, sie sollen die Sünden ihrer Brüder vergeben (Mt 6-14-15)? Als Laien haben wir natürlich auch die Macht, Sünden zu vergeben, diese unterscheidet sich aber von der Autorität zur Sündenvergebung, die Priester besitzen. Ein Priester ist ein Werkzeug Gottes der im Namen Gottes unsere Sünden vergibt. Heißt das nun, wir sollen einander nicht auch vergeben? Nein - wie sir schon im Vaterunser sehen!
Betrachten wir Mt 18,18: "Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein." (Einheitsübersetzung)
Jesus hatte schon Petrus die Macht zu binden und zu lösen gegeben, nun gibt Er sie allen Aposteln. Was auch immer sie auf Erden binden bzw. lösen werden, wird auch im Himmel gebunden bzw. gelöst sein. Warum ist das so? Weil sie Christus selbst repräsentieren. Wenn sie binden, wird dies auch im Himmel gebunden sein, da Gott die Autorität anerkennt, die Er ihnen gegeben hat. Und wenn Gott diese Autorität anerkennt, warum sollten wir dies nicht auch tun?
Sehen wir uns nun 2 Kor 2,10 an: "Wem ihr aber verzeiht, dem verzeihe auch ich. Denn auch ich habe, wenn hier etwas zu verzeihen war, im Angesicht Christi um euretwillen verziehen" (Einheitsübersetzung)
Paulus sagt hier also, er habe im Angesicht Christi verziehen. Paulus und all seine Nachfolger aber sind "im Angesicht Christi", wenn sie die Beichte hören. Christus hat uns geboten, unsere Sünden zu beichten und als gläubige Christen befolgen wir dieses Gebot auch - bei den Priestern, denen Er durch die apsotolische Sukzession die Macht zur Sündenvergebung gegeben hat. Warum nicht direkt zu Gott gehen und ihn selbst um Vergebung bitten? Wissen wir aber, ob unsere Sünden dann vergeben sind? Als Katholiken gehen wir lieber zu Christus - in Gestalt des Priesters!
"Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat." (2 Kor 5,18 - Einheitsübersetzung)
Den Aposteln und ihren Nachfolgern wurde das Sakrament der Versöhnung aufgetragen. Sie sollten nicht nur Gottes Wort predigen, sondern auch den Körper und den Geist der Menschen heilen. Und die Heilung der Seele geschieht durch das Sakrament der Versöhnung, dass uns mit dem Leib Christi - der Kirche - verbindet.
"Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert." (Jn 20,21-23 - Einheitsübersetzung).
Gott Vater hat Jesus mit Autorität ausgestattet ausgesendet - und genauso sendete Jesus die Apostel aus. Er hat ihnen den Heiligen Geist eingehaucht. Das einzige Mal, wo Gott jemanden angehaucht hat, war, als Er Leben in Adam eingehaucht hat. Jesus hat also die Apostel angehaucht und ihnen die Autorität gegeben, die Er seinerseits vom Vater bekommen hat. Und um zu wissen, welche Sünden zu vergeben waren und welche nicht, mussten die Apostel zunächst die Beichte gehört haben!
Kommen wir nun zu Jk 5,15-15: "Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet. Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten." (Einheitsübersetzung)
Worüber spricht Jakobus hier? Über die Presbyter (also die Priester), die sowohl deinen Körper wie deine Seele heilen können. Ihnen obliegt dies - ebenso wie die Vergebung der Sünden. Gott vergibt unsere Sünden, und zwar durch die Priester!
(Quelle: www.saintjoe.com)
Ein kleiner Ausflug in die Geschichte
Wer waren die ersten Priester?
Die Leviten?
Ja und nein.
Tatsächlich waren die ersten Priester im Israel des Alten Testaments - noch vor den Leviten - die jeweils erstgeborenen Söhne einer Familie.
Nach dem Tanz um das goldene Kalb und die Bestrafung des Volkes Israels hierfür wurden die Leviten hierfür eingesetzt.
Seit Jesus Christus sind es die Bischöfe, Priester und Diakone.
Man kann es etwa so vergleichen: Bischöfe sind die Großväter, Priester die Väter und Diakone die Erstgeborenen - wir selbst als Gläubige sind die Brüder. Das Christentum war von Beginn an eine Art Familie - mit Gott als dem liebenden Vater.
Prof. Dr. Scott Hahn definiert das Priestertum als "the spiritual authority of sacrificial love" (die geistige Autorität der aufopfernden Liebe). Er meint: "priesthood is fatherhood!" (Ein Priester zu sein, heißt, ein Vater zu sein!).
In der wahren christlichen Kirche hat niemand Autorität über den anderen!
Lesen wir Röm 12,4-5: "Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder denselben Dienst leisten, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören." (Einheitsübersetzung)
Als Glieder desselben Leibes haben wir also verschiedene Dienste zu leisten. Wir sind zwar alle Glieder desselben Leibes, aber Gott hat uns unterschiedliche Gaben und Funktionen in Seiner Kirche gegeben. Die apostolische Sukzession zeigt sich in unserem Heiligen Vater, den Bischöfen und den Priestern. Die Lehrfunktion der Kirche (das Magisterium) leitet die Gemeinschaft der Gläubigen (als Leib Christi), damit sie nicht vom Weg abkommen.
(Quelle: www.saintjoe.com)
In der wahren christlichen Kirche gibt es nicht die Hierarchie, die man in der Katholischen Kirche findet!
Sehen wir uns Lk 10,16 an: "Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat." (Einheitsübersetzung).
In der Kirche von heute spiegelt sich eine Hierarchie wieder, die Christus in der frühen Kirche begründet hat. Er gab den Aposteln die Autorität, in Seinem Namen zu lehren. Diese Autorität wurde wohlgemerkt nicht den Gläubigen insgesamt gegeben, nur den zwölf Aposteln und ihren Nachfolgern (siehe auch Apg 1,20). Überlege doch mal selbst: hätte die Katholische Kirche 2.000 Jahre lang durchgehalten, wenn sie nicht eine unfehlbare Lehramtsautorität unter Führung des Heiligen Geistes hätte? Sieh dir doch mal die tausenden von Gemeinden an, die es heute als Folge der Verleugnung dieser Autorität gibt!
(Quelle: www.saintjoe.com)
YouTube.com / CNA TV: Clericalization and Secularization
Warum nur Priester?
Warum dürfen bei den Katholiken nur Priester die Eucharistiefeier vollziehen? In der Bibel ist doch davon nicht die Rede! Dort heißt es doch, dass alle das Brot gebrochen haben?
Nun, Jesus hat beim letzten Abendmahl den Aposteln aufgetragen, dieses von nun an zu Seinem Gedächtnis zu tun: Sein Blut trinken und Sein Fleisch essen. Wohlgemerkt den Aposteln - keineswegs allen, die Ihm damals nachfolgten. Katholiken glauben daran, dass es Männer in apostolischer Nachfolge sein sollten, die dies heute tun. Mit anderen Worten: die Nachfolger der damaligen Apostel. Und dies sind per Weihe entweder Bischöfe oder Priester. Dieses tiefe Geheimnis der Eucharistie kann nur von ihnen aufgeschlossen werden. Es waren schließlich die Apostel, die dies damals vollzogen hatten, die das Brot gemeinsam gebrochen und den Wein getrunken haben.
Um es nochmals ganz klar zu sagen: nirgends in der Bibel steht, dass alle das Brot gebrochen haben. Es ist immer nur die Rede davon, dass Christus oder die Apostel dies getan haben. Wer hier anderer Auffassung ist, möchte doch bitte die betreffenden Stellen genau lesen.
Die Tatsache, dass nur ein Priester oder Bischof die Eucharistiefeier volllziehen kann, ist ferner als Dogma definiert und wird sich demnach auch nicht ändern.
Die Spendung der Hostien bzw. des Weines kann aber auch von Laien oder Diakonen vorgenommen werden.
Außerdem sollte bedacht werden, dass die Eucharistie auch das Sakrament der Einheit ist und somit nur durch einen Priester gefeiert werden kann, der gültig geweiht ist und somit im Namen und in der Person Jesu sprechen kann: "Das ist mein Leib" - "Das ist mein Blut". Es gibt aber in diesem Zusammenhang durchaus auch noch weitere Dienste: der Diakon, der Lektor, der Akolyth, der Kantor usw. Der Priester feiert also keineswegs nur alleine die Eucharistie, sondern gemeinsam mit der Gemeinde, was man etwa auch im eucharistischen Hochgebet sehen kann, wo es heißt: "Darum, gütiger Vater, feiern wir, deine Diener und dein heiliges Volk, das Gedächtnis deines Sohnes..." (Erstes Hochgebet)-
In der Eucharistie feiern wir bereits das, was wir in Vollendung beim himmlischen Hochzeitsmahl feiern werden. Somit bezeichnet und bewirkt die Eucharistie nicht nur die Einheit der Gläubigen mit Christus, sondern auch die Einheit der Gläubigen in der Kirche - dem Leib Christi. In der Eucharistie werden wir zu diesem Leib zusammen gefügt (siehe auch 1 Kor 10,17). Auch die Kirchenväter haben hiervon schon berichtet. Ausgehend von der Tatsache, dass das Brot aus vielen Körnern besteht, und der Wein aus vielen Beeren sahen sie ein Sinnbild der durch die Kommunion erlangten Vereinigung der Gläubigen zum Leib Christi. Wie schon der hl. Augustinus sieht auch heute noch die Lehre der Kirche die Eucharistie als "Zeichen der Einheit" und "Bund der Liebe". Auch der hl. Thomas von Aquin nennt die Eucharistie das "Sakrament der kirchlichen Einheit".
Aus der Lehre, dass die Eucharistie das Sakrament der Einheit ist, folgert außerdem, dass die Feier der Eucharistie eine Angelegenheit der gesamten Gemeinde ist.
(siehe auch "Katholischer Erwachsenen-Katechismus" - Erster Band)
Wo in der Bibel steht, dass nur Priester die Eucharistie vollziehen dürfen?
"In jenen Tagen waren wieder einmal viele Menschen um Jesus versammelt. Da sie nichts zu essen hatten, rief er die Jünger zu sich und sagte: Ich habe Mitleid mit diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen; denn einige von ihnen sind von weither gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Woher soll man in dieser unbewohnten Gegend Brot bekommen, um sie alle satt zu machen? Er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben. Da forderte er die Leute auf, sich auf den Boden zu setzen. Dann nahm er die sieben Brote, sprach das Dankgebet, brach die Brote und gab sie seinen Jüngern zum Verteilen; und die Jünger teilten sie an die Leute aus." (Mk 8,1-6 - Einheitsübersetzung)
Jesus brach das Brot und gab es Seinen Jüngern zum Verteilen und die Jünger teilten das Brot an die Leute aus. Warum ist das in der Bibel beschrieben? Wir dürfen nicht vergessen, dass kein einziger Satz in der Heiligen Schrift ohne Bedeutung ist. Jesus hätte genauso gut das Brot einfach weiterreichen können, oder irgendjemand aus den anwesenden Menschen bitten können, es zu verteilen. Nein, Er beauftragte Seine Jünger!
Die Bischöfe und Priester heute sind die Nachfolger dieser Jünger. So wie die Jünger damals das Brot verteilten, tuen die Bischöfe und Priester es heute: sie brechen das Brot, sagen Dank und verteilen es an die Leute!
Warum dürfen Frauen keine Priester werden? Nur weil ihnen ein Chromosom fehlt, wird ihnen das Priestertum vorenthalten!
Die kurze Antwort:
Das Priestertum des Alten wie des Neuen Testaments gründet sich auf die geistliche Vaterschaft - ähnlich wie Gott unser Vater ist. Das Christentum ist eine große Familie, und Priester sind unsere geistigen Väter.
Im übrigen geht es hier nicht um ein Chromosom weniger. Männer und Frauen sind zwar in der Bibel gleichberechtigt - im Sinne von "gleich viel wert" oder "wesensgleich" - haben aber unterschiedliche Rollen und Aufgaben.
Ein Beispiel: Jesus ist vom Wesen her auf dem selben Niveau wie Gott Vater - aber Er hat eine andere Rolle. Er ist der Sohn und als solcher hat Er sich dem Willen des Vaters untergeordnet.
Die Bibel hat immer betont, dass ein Mann etwas anderes ist als eine Frau (das sollte all denen, die diesen Unterschied durch das moderne "Gender Mainstreaming" verschwinden lassen wollen, zu denken geben!) - und dieser Unterschied ist gut so und Gott gewollt. Mehr hierzu auf meiner Seite "Mann & Frau".
Die etwas längere Antwort:
In 2.000 Jahren Kirchengeschichte war die Kirche, die Jesus gegruendet hat, hierzu immer – ohne Ausnahme – eindeutig: Frauen koennen nicht zum Priester geweiht werden.
Grundlage hierfuer waren sowohl das Zeugnis des Neuen Testaments wie die Lehren der Kirchenvaeter.
Frauen konnten zwar oeffentlich beten und prophezeien (1 Kor 11, 1-16), aber nicht lehren oder irgendeine Autoritaet ueber Maenner ausueben (1 Tim 2, 11-14). Ebensowenig war es Frauen erlaubt, oeffentlich die Lehre des Klerus zu kritisieren oder infrage zu stellen (1 Kor 14, 34-38).
Frauen hatten allerdings schon zu Zeiten der Kirchenvaeter eine aktive Rolle im Gemeindeleben gespielt. Bereits damals gab es Orden von Jungfrauen, Witwen und Diakoninnen – jedoch waren sie alle nicht geweiht.
Die Kirchenvaeter hielten Frauen als Priester unvereinbar mit dem christlichen Glauben (Beispiele: Irenaeus, Tertullian, Hippolytus, Didascalia, Firmilian, Konzil von Nizaea I, Konzil von Laodizaea, Epiphanius von Salamis, Johannes Chrysostom, die Apostolischen Konstitutionen, Augustin). Daran hat sich bis heute nichts geaendert.
1994 hat Papst Johannes Paul II offiziell erklaert, dass die Kirche nicht berechtigt sei, Frauen zu weihen, auch wenn dies in manchen Kreisen immer noch diskutiert werde. Manche wuerden auch irrtuemlicherweise meinen, die Tatsache, dass die Kirche keine Frauen zu Priestern weihe, sei eine reine disziplinarische Massnahme. Dem sei aber nicht so. Es handle sich hierbei vielmehr um eine Angelegenheit von grosser Bedeutung, eine Angelegenheit, die auf die Grundlagen der Kirche selbst zurueck gehe. Der Papst war hierzu absolut eindeutig und verwies auch darauf, dass dieses Urteil auch von den treuen Glaeubigen der Kirche zu teilen sei (Ordinatio Sacerdotalis 4).
1995 hat die Glaubenskongregation zusammen mit dem Papst ebendies betont, ebenso die Wichtigkeit, hier einer Meinung zu sein, sowie die Tatsache, dass die Lehre der Kirche zu diesem Punkt biblisch begruendet sei, von Beginn an bewahrt und weitergegeben und vom Magisterium unfehlbar fortgesetzt wurde (vgl. II. Vatik. Konzil, Dogmatische Konstitution ueber die Kirche, Lumen Gentium 25, 2).
Angesichts dieser eindeutigen und aufgrund der lehramtlichen Entscheidung verpflichtenden Stellungnahme der Kirche ist es umso erstaunlicher, dass immer wieder – auch und gerade von Theologinnen und Theologen und sogar von Ordensleuten! – die Weihe von Frauen zu Priestern (ich verwende bewusst nicht das Wort “Priesterinnen”, da es das aus katholischer Sicht nicht gibt) gefordert wird (etwa mit “Argumenten” wie “nur weil ich kein Y-Chromosom habe, kann ich kein Priester werden!). Wer so etwas vertritt, hat zum einen weder das biblische Bild von Mann und Frau noch das Priestertum verstanden – vom katholischen Glauben und dem Lehramt der von Jesus selbst gegruendeten Kirche und den klaren Aussagen der Heiligen Schrift hierzu ganz zu schweigen! Da helfen auch allgemein in solchen Faellen gern zitierte Argumente, diese biblischen Verse seien “im Kontext der damaligen Zeit zu sehen und nicht mit heute zu vergleichen” oder “die Gesellschaft ist heute eine andere” oder “die Bibel wurde zwar von Gott inspiriert, aber von Menschen mit all ihren Fehlern geschrieben” nichts. Ganz abgesehen davon sollte man sich, wenn man derartige “Begruendungen” anfuehrt, der Tatsache bewusst sein, dass sich hiermit saemtliche Bibelverse ins glatte Gegenteil verdrehen und nach eigenem Geschmack auslegen lassen. Wer sich im apostolischen Glaubensbekenntnis klar zur Katholischen Kirche und zum Katholischen Glauben bekennt, muss auch die Konzequenzen tragen und dem kirchlichen Lehramt folgen – wohl wissend, dass die Kirche als ganze sich nicht irren kann, da Jesus versprochen hat, den Heiligen Geist zurueck zu lassen, der bis ans Ende aller Zeiten bei Seiner Kirche sein wird!
(Quelle: u.a. www.catholic.com)
Inter insigniores
Erklärung Inter insigniores der Kongregation für die Glaubenslehre unseres Heiligen Vaters Paul VI. zur Frage der Zulassung von Frauen zum Priestertum
15. Oktober 1976
(Lateinischer Text: AAS LXIX [1977] 98-116)
(Quelle: Deutsche Bischofskonferenz, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 117)
Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).
Einleitung: Die Stellung der Frau in der modernen Gesellschaft und in der Kirche
Zu den besonderen Merkmalen, die unsere Zeit kennzeichnen, zählte Papst Johannes XXIII. in seiner Enzyklika Pacem in terris vom 11. April 1963 „den Eintritt der Frau in das öffentliche Leben, der vielleicht rascher bei den christlichen Völkern erfolgt und langsamer, jedoch in zunehmendem Umfang auch bei den Völkern anderer Traditionen und Kulturen“. (1) Ebenso nennt das II. Vatikanische Konzil in seiner Pastoralkonstitution Gaudium et spes, wo es die Formen von Diskriminierung in den Grundrechten der Person aufzählt, die überwunden und beseitigt werden müssen, da sie dem Plan Gottes widersprechen, an erster Stelle jene Diskriminierung, die wegen des Geschlechts erfolgt. (2) Die Gleichheit, die sich hieraus ergibt, wird dazu führen, eine Gesellschaft zu verwirklichen, die nicht völlig nivelliert und einförmig, sondern harmonisch und in sich geeint ist, wenn die Männer und die Frauen ihre jeweiligen Veranlagungen und ihren Dynamismus in sie einbringen, wie es Papst Paul VI. erst kürzlich dargelegt hat. (3)
Im Leben der Kirche selbst haben Frauen, wie die Geschichte bezeugt, einen entscheidenden Beitrag geleistet und bedeutsame Werke vollbracht. Es genügt, an die Gründerinnen der großen Frauenorden zu erinnern, wie die hl. Klara oder die hl. Theresia von Avila. Letztere und die hl. Katharina von Siena haben der Nachwelt so tiefgründige geistliche Schriften hinterlassen, dass Papst Paul VI. sie unter die Zahl der Kirchenlehrer aufgenommen hat. Noch sind jene unzähligen Frauen zu vergessen, die sich dem Herrn geweiht haben, um die tätige Nächstenliebe zu üben oder in den Missionen zu arbeiten, noch die christlichen Mütter, die in ihren Familien einen tiefen Einfluss ausüben und vor allem ihren Kindern den Glauben vermitteln.
Unsere Zeit erhebt jedoch noch höhere Forderungen: „Da heute die Frauen eine immer aktivere Funktion im ganzen Leben der Gesellschaft ausüben, ist es von großer Wichtigkeit, dass sie auch an den verschiedenen Bereichen des Apostolates der Kirche wachsenden Anteil nehmen.“ (4) Dieser Hinweis des II. Vatikanischen Konzils hat bereits eine entsprechende Entwicklung in die Wege geleitet: die verschiedenen Erfahrungen müssen natürlich noch reifen. Sehr zahlreich sind jedoch schon, wie Papst Paul VI. noch bemerkt hat (5), die christlichen Gemeinschaften, denen der apostolische Einsatz der Frauen sehr zum Nutzen gereicht. Einige von diesen Frauen wurden als Mitglieder in die Gremien für die pastorale Planung sowohl auf diözesaner wie pfarrlicher Ebene berufen. Auch der Heilige Stuhl hat in einige Ämter der Kurie Frauen aufgenommen.
Nun haben seit einigen Jahren mehrere christliche Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts oder der nachfolgenden Zeit hervorgegangen sind, auch Frauen in der gleichen Weise wie Männern den Zugang zum pastoralen Dienst eröffnet. Ihre Initiative hatte von seiten der Mitglieder dieser Gemeinschaften oder ähnlicher Gruppen Forderungen und Veröffentlichungen zur Folge, die darauf abzielen, diese Zulassung auszuweiten, ebenso aber auch Reaktionen im entgegengesetzten Sinn. Diese Frage stellt also ein ökumenisches Problem dar, zu dem die katholische Kirche ihre Auffassung darlegen muss, und das um so mehr, als man sich in verschiedenen Bereichen der öffentlichen Meinung die Frage gestellt hat, ob die Kirche nicht auch ihrerseits ihre Praxis ändern und Frauen zur Priesterweihe zulassen sollte. Sogar mehrere katholische Theologen haben diese Frage offen gestellt und so zu Untersuchungen nicht nur im Bereich der Exegese, der Patristik und der Kirchengeschichte, sondern auch auf dem Gebiet der geschichtlichen Erforschung der Institutionen und Gebräuche, der Soziologie und der Psychologie angeregt. Die verschiedenen Argumente, die zur Klärung dieses bedeutsamen Problems beitragen können, sind einer kritischen Prüfung unterzogen worden. Da es sich hierbei aber um eine Diskussion handelt, der die klassische Theologie kaum größere Aufmerksamkeit geschenkt hat, läuft die gegenwärtige Argumentation leicht Gefahr, einige wesentliche Elemente zu vernachlässigen.
Aus diesen Gründen erachtet es die Kongregation für die Glaubenslehre in Erfüllung eines Auftrags, den sie vom Heiligen Vater erhalten hat, und als Antwort auf die von ihm in seinem Schreiben vom 30. November 1975 gemachten Erklärung (6) als ihre Pflicht, erneut festzustellen: Die Kirche hält sich aus Treue zum Vorbild ihres Herrn nicht dazu berechtigt, die Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Gleichzeitig ist die Kongregation der Meinung, dass es in der gegenwärtigen Situation nützlich ist, diese Haltung der Kirche näher zu erklären, da sie von einigen vielleicht mit Bedauern zur Kenntnis genommen werden wird. Auf längere Sicht dürfte jedoch ihr positiver Wert ersichtlich werden, da sie dazu beitragen könnte, die jeweilige Sendung von Mann und Frau tiefer zu erfassen.
Die Tatsache der Tradition
Niemals ist die katholische Kirche der Auffassung gewesen, dass die Frauen gültig die Priester- oder Bischofsweihe empfangen könnten. Einige häretische Sekten der ersten Jahrhunderte, vor allem gnostische, haben das Priesteramt von Frauen ausüben lassen wollen. Die Kirchenväter haben jedoch sogleich auf diese Neuerung hingewiesen und sie getadelt, da sie sie als für die Kirche unannehmbar ansahen. (7) Es ist wahr, dass man in ihren Schriften den unleugbaren Einfluss von Vorurteilen findet, die sich gegen die Frau richten, die sich aber – was ebenfalls festzustellen ist – kaum auf ihre pastorale Tätigkeit und noch weniger auf ihre geistliche Führung ausgewirkt haben. Neben diesen durch den Geist der Zeit beeinflussten Überlegungen findet man, vor allem in den kirchenrechtlichen Werken der antiochenischen und ägyptischen Tradition, als wesentliches Motiv dafür angeführt, dass die Kirche, indem sie nur Männer zur Weihe und zum eigentlichen priesterlichen Dienst beruft, jenem Urbild des Priesteramtes treu zu bleiben sucht, das der Herr Jesus Christus gewollt und die Apostel gewissenhaft bewahrt haben.(8) Dieselbe Überzeugung bestimmt auch die mittelalterliche Theologie (9), obgleich die scholastischen Theologen, wenn sie die Glaubenswahrheiten durch die Vernunft zu erklären suchen, zu dieser Frage oft Argumente anführen, die das moderne Denken nur schwerlich gelten lässt oder sogar mit Recht zurückweist. Seither ist diese Frage bis in unsere Zeit sozusagen nicht mehr erörtert worden, da die geltende Praxis von einer bereitwilligen und allgemeinen Zustimmung getragen wurde.
Die Tradition der Kirche ist also in diesem Punkt durch die Jahrhunderte hindurch so sicher gewesen, dass das Lehramt niemals einzuschreiten brauchte, um einen Grundsatz zu bekräftigen, der nicht bekämpft wurde, oder ein Gesetz zu verteidigen, das man nicht in Frage stellte. Jedes Mal aber, wenn diese Tradition Gelegenheit hatte, deutlicher in Erscheinung zu treten, bezeugte sie den Willen der Kirche, dem ihr vom Herrn gegebenen Beispiel zu folgen.
Dieselbe Tradition ist auch von den Ostkirchen treu bewahrt worden. Ihre Einmütigkeit in diesem Punkt ist um so bemerkenswerter, als ihre Kirchenordnung in vielen anderen Fragen eine große Verschiedenheit zulässt. Auch diese Kirchen lehnen es heute ab, sich jenen Forderungen anzuschließen, die den Frauen den Zugang zur Priesterweihe eröffnen möchten.
Das Verhalten Christi
Jesus Christus hat keine Frau unter die Zahl der Zwölf berufen. Wenn er so gehandelt hat, dann tat er das nicht etwa deshalb, um sich den Gewohnheiten seiner Zeit anzupassen, denn sein Verhalten gegenüber den Frauen unterscheidet sich in einzigartiger Weise von dem seiner Umwelt und stellt einen absichtlichen und mutigen Bruch mit ihr dar.
So spricht er zur großen Verwunderung seiner eigenen Jünger öffentlich mit der Samariterin (vgl. Jo 4, 27); er beachtet nicht die gesetzliche Unreinheit der blutflüssigen Frau (vgl. Mt 9, 20–22); er lässt sich im Hause des Pharisäers Simon von einer Sünderin berühren (vgl. Lk 7, 37 ff.); indem er der Ehebrecherin verzeiht, möchte er zeigen, dass man mit der Verfehlung einer Frau nicht strenger verfahren darf, als mit der von Männern (vgl. Jo 8, 11); ferner zögert er nicht, sich vom Gesetz des Moses zu distanzieren, um die Gleichheit der Rechte und Pflichten von Mann und Frau hinsichtlich des Ehebandes zu bekräftigen (vgl. Mk 10, 2011; Mt 19, 3–9).
Auf seinen Wanderpredigten ließ Jesus sich nicht nur von den Zwölf begleiten, sondern auch von einer Gruppe von Frauen: „Maria, genannt Maria aus Magdala, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Bekannten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen“ (Lk 8, 2–3). Im Gegensatz zur jüdischen Mentalität, die dem Zeugnis von Frauen keinen großen Wert zuerkannte, wie es das jüdische Gesetz bezeugt, waren es dennoch Frauen, die als erste den auferstandenen Christus sehen durften und von Jesus den Auftrag erhielten, die erste österliche Botschaft sogar den Aposteln mitzuteilen (vgl. Mt 28, 7–10; Lk 24, 9–10; Jo 20, 11–18), um sie darauf vorzubereiten, später selbst die offiziellen Zeugen der Auferstehung zu werden.
Gewiss, diese Feststellungen bieten keine unmittelbare Evidenz. Man sollte sich darüber aber nicht wundern, denn die Fragen, die sich aus dem Worte Gottes ergeben, übersteigen die Evidenz. Um den letzten Sinn der Sendung Jesu und den der Schrift zu verstehen, kann die rein historische Exegese der Texte nicht genügen. Man muss jedoch anerkennen, dass es hier eine Anzahl von konvergierenden Fakten gibt, die die bemerkenswerte Tatsache unterstreichen, dass Jesus den Auftrag der Zwölf keinen Frauen anvertraut hat. (10) Nicht einmal seine Mutter, die so eng mit seinem Geheimnis verbunden ist und deren erhabene Funktion in den Evangelien von Lukas und Johannes hervorgehoben wird, war mit dem apostolischen Amt vertraut. Das veranlasst die Kirchenväter, sie als das Beispiel für den Willen Christi in dieser Frage hinzustellen. Dieselbe Lehre hat noch am Anfang des 13. Jahrhunderts Papst Innozenz III. wiederholt, indem er schrieb: „Obwohl die allerseligste Jungfrau Maria alle Apostel an Würde und Erhabenheit übertroffen hat, hat der Herr nicht ihr, sondern jenen die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut.“ (11)
Die Handlungsweise der Apostel
Die apostolische Gemeinde ist dem Verhalten Jesu Christi treu geblieben. Obgleich Maria im engen Kreis derer, die sich nach der Himmelfahrt im Abendmahlssaal versammelten, einen bevorzugten Platz einnahm (vgl. Apg 1, 14), war nicht sie es, die man in das Kollegium der Zwölf berief, sondern man schritt zur Wahl, die dann auf Matthias fiel. Aufgestellt wurden zwei Jünger, die in den Evangelien nicht einmal erwähnt werden.
Am Pfingsttag ist der Heilige Geist auf alle herabgekommen, auf Männer und Frauen (vgl. Apg 2, 1; 1, 14), und dennoch waren es nur „Petrus zusammen mit den Elf“, die die Stimme erhoben und verkündeten, dass in Jesus die Propheten erfüllt sind (Apg 2, 14).
Als diese und Paulus die Grenzen der jüdischen Welt überschritten, haben die Verkündigung des Evangeliums und das christliche Leben in der griechisch-römischen Zivilisation sie veranlasst, mitunter sogar auf schmerzliche Weise mit der Beobachtung des mosaischen Gesetzes zu brechen. Sie hätten also auch daran denken können, Frauen die Weihe zu erteilen, wenn sie nicht davon überzeugt gewesen wären, in diesem Punkt dem Herrn die Treue wahren zu müssen. In der hellenistischen Welt waren mehrere Kulte der heidnischen Gottheiten Priesterinnen anvertraut. Die Griechen teilten nämlich nicht die jüdischen Vorstellungen. Wenn auch die Philosophen die Frau als minderwertiger beurteilten, so weisen die Geschichtsexperten doch während der römischen Kaiserzeit auch die Existenz einer gewissen Bewegung nach, die sich um die Förderung der Frau bemühte. In der Tat stellen wir auch in der Apostelgeschichte und in den Briefen des hl. Paulus fest, dass die Frauen bei der Verkündigung des Evangeliums mit den Aposteln zusammenarbeiteten (vgl. Röm 16, 3–12; Phil 4, 3); er nennt mit Freude ihre Namen in den abschließenden Grußworten seiner Briefe; einige von ihnen üben häufig einen bedeutenden Einfluss bei den Bekehrungen aus: Priscilla, Lydia und andere; Priscilla vor allem, die sich darum bemühte, die Glaubensunterweisung des Apollo noch weiter zu vervollkommnen (vgl. Apg 18, 26) ; Phöbe steht im Dienst der Gemeinde Kenchreä (vgl. Röm 16, 1). All diese Tatsachen offenbaren in der Kirche zur Zeit der Apostel einen beachtlichen Fortschritt im Vergleich zu den Sitten des Judentums. Und dennoch hat man niemals daran gedacht, diesen Frauen die Weihe zu erteilen.
In den paulinischen Briefen haben anerkannte Exegeten einen Unterschied zwischen zwei Redeweisen des Apostels festgestellt: er spricht unterschiedslos von „meinen Mitarbeitern“ (Röm 16, 3; Phil 4, 2–3) hinsichtlich der Männer und Frauen, die ihm auf die eine oder andere Weise in seiner apostolischen Arbeit helfen; dagegen reserviert er die Bezeichnung „Mitarbeiter Gottes“ (1 Kor 3, 9; vgl. 1 Thess 3, 2) für Apollo, Timotheus und sich selbst, Paulus; sie werden so bezeichnet, weil sie direkt zum apostolischen Amt und zur Verkündigung des Gotteswortes berufen sind. Obgleich die Frauen am Tag der Auferstehung eine bedeutsame Aufgabe zu erfüllen hatten, geht ihre Mitarbeit für den hl. Paulus nicht bis zur offiziellen und öffentlichen Verkündigung der Frohbotschaft, die exklusiv der apostolischen Sendung vorbehalten bleibt.
Die bleibende Bedeutung der Verhaltensweise Jesu und der Apostel
Könnte sich die Kirche nicht von dieser Verhaltensweise Jesu und der Apostel, die zwar durch die ganze Tradition bis in unsere Tage als Norm angesehen worden ist, heute eventuell entfernen? Man hat zugunsten einer positiven Beantwortung dieser Frage verschiedene Argumente vorgebracht, die es nun zu prüfen gilt.
Man hat vor allem behauptet, dass das Verhalten Jesu und der Apostel sich durch den Einfluss ihres Milieus und ihrer Zeit erklären ließe. Wenn Jesus, so sagt man, weder den Frauen noch seiner eigenen Mutter ein Amt übertragen hat, das sie den Zwölfen zuordnete, so liegt der Grund darin, dass die historischen Umstände es ihm nicht gestatteten. Keiner hat indes jemals bewiesen, und es ist auch nicht möglich nachzuweisen, dass dieses Verhalten sich allein an soziologisch-kulturellen Motiven orientiert. Die Nachforschungen in den Evangelien ergeben, wie wir oben gesehen haben, gerade das Gegenteil, dass nämlich Jesus mit den Vorurteilen seiner Zeit gebrochen hat, indem er den konkreten Formen der Diskriminierung der Frauen entschlossen entgegengetreten ist. Man kann also nicht behaupten, dass Jesus sich einfach von Opportunitätsgründen habe leiten lassen, wenn er keine Frauen in die Gruppe der Apostel aufgenommen habe. Noch weniger hätten diese soziologisch-kulturellen Bedingungen die Apostel im griechischen Milieu davon zurückhalten können, wo diese Diskriminierungen nicht existierten. Einen weiteren Einwand leitet man von dem zeitbedingten Charakter her, den man heute in einigen Vorschriften des heiligen Paulus für die Frauen und in den Schwierigkeiten, die sich diesbezüglich aus einigen Aspekten seiner Lehre ergeben, zu erkennen glaubt. Man muss jedoch dagegen feststellen, dass diese Vorschriften, die wahrscheinlich durch die Sitten seiner Zeit beeinflusst sind, sich fast nur auf disziplinäre Praktiken von geringer Bedeutung beziehen, wie z. B. die den Frauen auferlegte Verpflichtung, einen Schleier zu tragen (vgl. 1 Kor 11, 2–16); diese Forderungen haben natürlich keinen normativen Wert mehr. Das Verbot des Apostels jedoch, dass Frauen in der Versammlung nicht „sprechen“ dürfen (vgl. 1 Kor 14, 34–35; 1 Tim 2, 12), ist anderer Natur. Die Exegeten erklären seine richtige Bedeutung: Paulus widersetzt sich keineswegs dem Recht, in der Versammlung prophetisch zu reden, was er den Frauen übrigens ausdrücklich zuerkennt (vgl. 1 Kor 11, 5); das Verbot bezieht sich ausschließlich auf die offizielle Funktion, in der christlichen Versammlung zu lehren. Diese Vorschrift ist für den heiligen Paulus mit dem göttlichen Schöpfungsplan verbunden (vgl. 1 Kor 11, 7; Gen 2, 18–24); man könnte sie nur schwerlich als Ausdruck der kulturellen Verhältnisse ansehen. Ferner darf nicht vergessen werden, dass wir dem hl. Paulus einen jener Texte verdanken, in denen im Neuen Testament mit größtem Nachdruck die grundsätzliche Gleichheit von Mann und Frau als Kinder Gottes in Christus unterstrichen wird (vgl. Gal 3, 28). Es besteht also kein Grund, ihn unfreundlicher Vorurteile gegenüber den Frauen anzuklagen, wenn man das Vertrauen beachtet, das er ihnen entgegenbringt, und die Mitarbeit, die er von ihnen für seine apostolische Tätigkeit erbittet.
Außer diesen Einwänden, die man aus der Geschichte der apostolischen Zeit entnimmt, gibt es andere, die für eine berechtigte Entwicklung in dieser Frage eintreten und als Argument dafür auf die Praxis hinweisen, die die Kirche hinsichtlich der Riten der Sakramente befolgt hat. Man hat hervorheben können, wie sehr die Kirche gerade in unserer Zeit darum weiß, dass sie über die Sakramente, obgleich sie von Christus eingesetzt worden sind, eine gewisse Verfügungsgewalt besitzt. Sie bedient sich ihrer im Lauf der Jahrhunderte, um für diese das äußere Zeichen und die Bedingungen der Spendung genauer zu bestimmen: die jüngsten Entscheidungen der Päpste Pius XII. und Paul VI. sind ein Beweis dafür.(12) Doch muss betont werden, dass diese Gewalt, die tatsächlich besteht, begrenzt ist. Pius XII. hat daran erinnert, als er schrieb: „Die Kirche hat keine Gewalt über die Substanz der Sakramente, d. h. über alles, von dem Christus nach dem Zeugnis der Quellen der Offenbarung gewollt hat, dass es im sakramentalen Zeichen erhalten bleibt.“(13) Dies war auch schon die Lehre des Trienter Konzils: „Stets hatte die Kirche die Vollmacht, in der Spendung der Sakramente unter Beibehaltung ihres Wesens Bestimmungen oder Abänderungen zu treffen, die, entsprechend dem Wechsel von Verhältnissen, Zeit und Ort, das Seelenheil der Empfänger oder die Ehrfurcht vor den Sakramenten förderten.“(14)
Anderseits darf nicht vergessen werden, dass die sakramentalen Zeichen keine konventionellen Zeichen sind; und selbst wenn es zutrifft, dass sie unter bestimmten Aspekten natürliche Zeichen sind, weil sie der tiefen Symbolik der Gesten und Dinge entsprechen, so sind sie doch mehr als das: sie sind vor allem dafür bestimmt, den Menschen einer jeden Epoche mit dem erhabensten Geschehen der Heilsgeschichte in Verbindung zu bringen, ihm durch den ganzen Reichtum der Pädagogik und der Symbolik der Bibel die Erkenntnis der Gnade zu vermitteln, die sie bezeichnen und bewirken. So ist das Sakrament der Eucharistie nicht nur ein brüderliches Mahl, sondern zugleich auch die Gedächtnisfeier, die das Opfer Christi und seine Hingabe durch die Kirche vergegenwärtigt und wirksam macht; das Priesteramt ist nicht ein einfacher pastoraler Dienst, sondern gewährleistet die Kontinuität jener Funktionen, die Christus den Zwölfen übertragen hat, und der Gewalten, die sich darauf beziehen.
Die Angleichung an bestimmte Zivilisationen und Epochen kann also nicht, was die wesentlichen Elemente betrifft, ihre sakramentale Bezogenheit auf die grundlegenden Ereignisse des Christentums und auf Christus selbst abschaffen.
Es ist letztlich die Kirche, die durch die Stimme ihres Lehramtes in diesen verschiedenen Bereichen die richtige Unterscheidung zwischen den wandelbaren und den unwandelbaren Elementen gewährleistet. Wenn sie gewisse Änderungen nicht übernehmen zu können glaubt, so geschieht es deshalb, weil sie sich durch die Handlungsweise Christi gebunden weiß: ihre Haltung ist also entgegen allem Anschein nicht eine Art Archaismus, sondern Treue. Nur in diesem einen Licht kann sie sich selbst richtig verstehen. Die Kirche fällt ihre Entscheidungen kraft der Verheißung des Herrn und der Gegenwart des Heiligen Geistes, und zwar stets in der Absicht, das Geheimnis Christi noch besser zu verkünden und dessen Reichtum unversehrt zu bewahren und zum Ausdruck zu bringen.
Diese Praxis der Kirche erhält also einen normativen Charakter: in der Tatsache, dass sie nur Männern die Priesterweihe erteilt, bewahrt sich eine Tradition, die durch die Jahrhunderte konstant geblieben und im Orient wie im Okzident allgemein anerkannt ist, stets darauf bedacht, Missbräuche sogleich zu beseitigen. Diese Norm, die sich auf das Beispiel Christi stützt, wird befolgt, weil sie als übereinstimmend mit dem Plan Gottes für seine Kirche angesehen wird.
Das Priesteramt im Lichte des Geheimnisses Christi
Nachdem die Norm der Kirche und ihre Grundlagen in Erinnerung gebracht worden sind, scheint es nützlich und angemessen zu sein, sie noch weiter zu erläutern. Dabei soll nun die tiefe Übereinstimmung aufgezeigt werden, die die theologische Reflexion zwischen der dem Weihesakrament eigenen Natur – mit ihrem besonderen Bezug auf das Geheimnis Christi – und der Tatsache, dass nur Männer zum Empfang der Priesterweihe berufen werden, feststellt. Es geht hierbei nicht darum, einen stringenten Beweis zu erbringen, sondern diese Lehre durch die Analogie des Glaubens zu erhellen.
Die konstante Lehre der Kirche, die das II. Vatikanische Konzil erneut bekräftigt und präzisiert hat und die auch durch die Bischofssynode von 1971 und durch diese Kongregation für die Glaubenslehre in ihrer Erklärung vom 24. Juni 1973 vorgetragen worden ist, bekennt, dass der Bischof oder der Priester bei der Ausübung seines Amtes nicht in eigener Person, in persona propria, handelt: er repräsentiert Christus, der durch ihn handelt. „Der Priester waltet wirklich an Christi Statt“, schreibt wörtlich schon der hl. Cyprian im 3. Jahrhundert.15 Diese Eigenschaft, Christus zu repräsentieren, ist es, die der hl. Paulus als charakteristisch für seine apostolische Tätigkeit betrachtet (vgl. 2 Kor 5, 20; Gal 4, 14). Sie erreicht ihren höchsten Ausdruck in der Feier der Eucharistie, die die Quelle und der Mittelpunkt der Einheit der Kirche ist, das Opfermahl, in dem sich das Volk Gottes mit dem Opfer Christi vereint. Der Priester, der allein die Vollmacht hat, die Eucharistiefeier zu vollziehen, handelt also nicht nur kraft der ihm von Christus übertragenen Amtsgewalt, sondern in persona Christi16, indem er die Stelle Christi einnimmt und sogar sein Abbild wird, wenn er die Wandlungsworte spricht.(17)
Das christliche Priesteramt ist also sakramentaler Natur: der Priester ist ein Zeichen, dessen übernatürliche Wirksamkeit sich aus der empfangenen Weihe herleitet, ein Zeichen aber, das wahrnehmbar sein muss (18) und von den Gläubigen auch leicht verstanden werden soll. Die Ökonomie der Sakramente ist in der Tat auf natürlichen Zeichen begründet, auf Symbolen, die in die menschliche Psychologie eingeschrieben sind: „Die sakramentalen Zeichen“, sagt der hl. Thomas, „repräsentieren das, was sie bezeichnen, durch eine natürliche Ähnlichkeit.“19 Dasselbe Gesetz der Ähnlichkeit gilt ebenso für die Personen wie für die Dinge: wenn die Stellung und Funktion Christi in der Eucharistie sakramental dargestellt werden soll, so liegt diese „natürliche Ähnlichkeit“, die zwischen Christus und seinem Diener bestehen muss, nicht vor, wenn die Stelle Christi dabei nicht von einem Mann vertreten wird: andernfalls würde man in ihm schwerlich das Abbild Christi erblicken. Christus selbst war und bleibt nämlich ein Mann.
Gewiss, Christus ist der Erstgeborene der ganzen Schöpfung, der Frauen ebenso wie der Männer: die Einheit, die er nach dem Sündenfall wiederherstellt, ist derart, dass es nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau gibt; denn alle sind eins in Christus Jesus (vgl. Gal 3, 28). Nichtsdestoweniger ist die Menschwerdung des Wortes in der Form des männlichen Geschlechtes erfolgt. Dies ist natürlich eine Tatsachenfrage; doch ist diese Tatsache, ohne dass sie im geringsten eine vermeintliche natürliche Überordnung des Mannes über die Frau beinhaltet, unlösbar mit der Heilsökonomie verbunden: sie steht in der Tat im Einklang mit dem Gesamtplan Gottes, wie er selbst ihn geoffenbart hat und dessen Mittelpunkt das Geheimnis des Bundes ist.
Das Heil, das von Gott den Menschen angeboten wird, die Gemeinschaft, zu der sie mit ihm berufen sind, mit einem Wort der Bund, wird schon von den Propheten des Alten Testaments mit Vorliebe unter dem Bild eines geheimnisvollen Brautverhältnisses beschrieben: das erwählte Volk wird für Gott zur innig geliebten Braut; die jüdische wie die christliche Tradition haben die Tiefe dieser innigen Liebe erkannt, indem man immer wieder das Hohelied der Liebe gelesen hat; der göttliche Bräutigam bleibt treu, selbst dann, wenn die Braut seine Liebe verrät, d. h. wenn Israel Gott gegenüber untreu wird (vgl. Os 1–3; Jer 2). Als die „Fülle der Zeit“ (Gal 4, 4) kam, hat das Wort, der Sohn Gottes, Fleisch angenommen, um in seinem Blut, und das für die vielen zur Vergebung der Sünden vergossen wird, den neuen und ewigen Bund zu beginnen und zu besiegeln: sein Tod wird erneut die zerstreuten Kinder Gottes versammeln; aus seiner durchbohrten Seite wird die Kirche geboren, wie Eva aus der Seite Adams geboren wurde. Jetzt erst verwirklicht sich vollkommen und endgültig das bräutliche Geheimnis, das im Alten Testament angekündigt und besungen worden ist: Christus ist der Bräutigam; die Kirche ist seine Braut, die er liebt, da er sie durch sein Blut erworben und sie lobwürdig, heilig und ohne Makel gestaltet hat und mit ihr nunmehr untrennbar verbunden ist. Das Brautthema, das sich von den Briefen des hl. Paulus (vgl. 2 Kor 11, 2; Eph 5, 22–33) bis zu den Schriften des hl. Johannes entfaltet (vgl. vor allem Jo 3, 29; Offb 19, 7 und 9), ist auch in den synoptischen Evangelien anzutreffen: solange der Bräutigam unter ihnen weilt, dürfen seine Freunde nicht fasten (vgl. Mk 2, 19) ; das Himmelreich ist zu vergleichen mit einem König, der für seinen Sohn ein Hochzeitsfest veranstaltet (vgl. Mt 22, 1–14). Durch diese Sprache der Schrift, die ganz von Symbolen durchdrungen ist und den Mann und die Frau in ihrer tiefen Identität zum Ausdruck bringt und erfasst, wird uns das Geheimnis Gottes und Christi geoffenbart, ein Geheimnis, das in sich unergründlich ist.
Das ist auch der Grund, warum man nicht die Tatsache vernachlässigen kann, dass Christus ein Mann ist. Um die Bedeutung dieser Symbolik für die Ökonomie der Offenbarung gebührend zu berücksichtigen, muss man daher einräumen, dass in den Funktionen, die den Weihecharakter erfordern und wo Christus selbst, der Urheber des Bundes, der Bräutigam und das Haupt der Kirche, in der Ausübung seiner Heilssendung repräsentiert wird – was im höchsten Maße in der Eucharistie geschieht – seine Rolle von einem Mann verkörpert wird (das ist der eigentliche Sinn des Wortes persona).
Das gründet bei diesem letzteren nicht in irgendeiner persönlichen höheren Würde in der Wertordnung, sondern ergibt sich allein aus einer faktischen Verschiedenheit in der Verteilung der Aufgaben und Dienste.
Könnte man vielleicht dagegen einwenden, dass es nun, da Christus in seiner himmlischen Seinsweise lebt, gleichgültig sei, ob er fortan von einem Mann oder von einer Frau repräsentiert wird, da man ja „im Zustand der Auferstehung nicht mehr heiratet“ (Mt 22, 30)? Dieser Text bedeutet jedoch nicht, dass der Unterschied von Mann und Frau, insofern er die Identität der Person bestimmt, in der ewigen Herrlichkeit aufgehoben wäre. Das gilt für Christus ebenso wie für uns. Es ist offensichtlich, dass der geschlechtliche Unterschied in der menschlichen Natur einen bedeutenden Einfluss ausübt, mehr noch als z. B. die ethnischen Unterschiede: diese berühren die menschliche Person nicht so tief wie der Unterschied der Geschlechter, der direkt auf die Gemeinschaft zwischen den Personen sowie auf die menschliche Fortpflanzung hingeordnet ist und in der biblischen Offenbarung einem ursprünglichen Willensentscheid Gottes zugeschrieben wird: „Als Mann und Weib schuf er sie“ (Gen 1, 27).Es mag einer ferner einwenden, dass der Priester, vor allem wenn er bei den liturgischen und sakramentalen Handlungen den Vorsitz führt, in gleicher Weise die Kirche repräsentiert: er handelt in ihrem Namen, mit der Intention „zu tun, was sie tut“. In diesem Sinn sagten die mittelalterlichen Theologen, dass der Priester auch in persona Ecclesiae handle, d. h. im Namen der ganzen Kirche und um sie zu repräsentieren. Welches auch immer die Teilnahme der Gläubigen an der liturgischen Handlung sein mag, es ist in der Tat der Priester, der sie im Namen der ganzen Kirche vollzieht: er betet im Namen aller; er opfert in der Messe das Opfer der ganzen Kirche: im neuen Ostermahl wird Christus von der Kirche durch die Priester unter sichtbaren Zeichen geopfert.20 Da der Priester also auch die Kirche repräsentiert, könnte man sich da nicht denken, dass diese Repräsentation entsprechend der schon dargelegten Symbolik auch von einer Frau vorgenommen wird? Es ist wahr, dass der Priester die Kirche repräsentiert, die der Leib Christi ist. Er tut das jedoch gerade deshalb, weil er zuvor Christus selbst repräsentiert, der das Haupt und der Hirt der Kirche ist. So sagt es das II. Vatikanische Konzil (21), wodurch es den Ausdruck in persona Christi genauer bestimmt und ergänzt. In dieser Eigenschaft führt der Priester in der christlichen Versammlung den Vorsitz und feiert er das eucharistische Opfer, „das die ganze Kirche aufopfert und in dem sie auch sich selbst ganz als Opfer darbringt“ (22) Wenn man diesen Überlegungen die gebührende Bedeutung beimisst, wird man besser erkennen, wie gut begründet die geltende Praxis der Kirche ist. Durch die Diskussion, die in unseren Tagen um die Priesterweihe der Frau entstanden ist, sollten sich alle Christen eindringlich dazu aufgerufen fühlen, die Natur und die Bedeutung des Bischofs- und Priesteramtes tiefer zu erforschen und die authentische Stellung des Priesters in der Gemeinschaft der Getauften wiederzuentdecken, der er selbst als Glied angehört, von der er sich aber auch unterscheidet. Denn in den Handlungen, die den Weihecharakter erfordern, ist er für sie mit der ganzen Wirksamkeit, die dem Sakrament innewohnt, das Abbild und Zeichen Christi selbst, der zusammenruft, von Sünden losspricht und das Opfer des Bundes vollzieht.
Das Priesteramt im Geheimnis der Kirche
Es ist vielleicht nützlich, daran zu erinnern, dass die Probleme der Ekklesiologie und der Sakramententheologie, besonders wenn sie – wie im hier vorliegenden Fall – das Priestertum betreffen, ihre Lösung nur im Licht der Offenbarung finden können. Die menschlichen Wissenschaften, so wertvoll ihr Beitrag in ihrem jeweiligen Bereich auch sein mag, können hier nicht genügen, denn sie vermögen die Wirklichkeiten des Glaubens nicht zu erfassen: was hiervon im eigentlichen Sinn übernatürlich ist, entzieht sich ihrer Zuständigkeit.
Ebenso deutlich muss hervorgehoben werden, wie sehr die Kirche eine Gesellschaft ist, die von anderen Gesellschaften verschieden ist; sie ist einzigartig in ihrer Natur und in ihren Strukturen. Der pastorale Auftrag ist in der Kirche gewöhnlich an das Weihesakrament gebunden: es ist nicht eine einfache Leitung, die mit den verschiedenen Formen der Autoritätsausübung im Staat vergleichbar wäre. Er wird nicht nach dem freien Belieben der Menschen übertragen. Wenn er auch eine Designierung nach Art einer Wahl miteinschließt, so sind es doch die Handauflegung und das Gebet der Nachfolger der Apostel, die die Erwählung durch Gott verbürgen. Der Heilige Geist ist es, der durch die Weihe Anteil gibt an der Leitungsgewalt Christi, des obersten Hirten (vgl. Apg 20, 28). Es ist ein Auftrag zum Dienst und zur Liebe: „Wenn du mich liebst, weide meine Schafe“ (vgl. Jo 21, 15–17).
Aus diesem Grund ist nicht einzusehen, wie man den Zugang der Frau zum Priestertum aufgrund der Gleichheit der Rechte der menschlichen Person fordern kann, die auch für die Christen gelte. Man beruft sich zu diesem Zweck mitunter auf die früher schon zitierte Stelle aus dem Galaterbrief (3, 28), nach der in Christus zwischen Mann und Frau kein Unterschied mehr besteht. Doch bezieht sich dieser Text keinesfalls auf die Ämter der Kirche. Er bekräftigt nur die universelle Berufung zur Gotteskindschaft, die für alle die gleiche ist. Anderseits missversteht derjenige vor allem völlig die Natur des Priesteramtes, der es als ein Recht betrachtet: die Taufe verleiht kein persönliches Anrecht auf ein öffentliches Amt in der Kirche. Das Priestertum wird nicht zur Ehre oder zum Nutzen dessen übertragen, der es empfängt, sondern zum Dienst für Gott und die Kirche. Es ist die Frucht einer ausdrücklichen und gänzlich unverdienten Berufung: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt“ (Jo 15, 16; vgl. Hebr 5, 4).
Man sagt und schreibt ferner mitunter in Büchern oder Zeitschriften, dass einige Frauen in sich eine Berufung zum Priestertum verspüren. Ein solches Empfinden, so edel und verständlich es auch sein mag, stellt noch keine Berufung dar. Diese lässt sich nämlich nicht auf eine persönliche Neigung reduzieren, die rein subjektiv bleiben könnte. Da das Priestertum ein besonderes Amt ist, von dem die Kirche die Verantwortung und Verwaltung empfangen hat, ist hier die Bestätigung durch die Kirche unerlässlich: diese bildet einen wesentlichen Bestandteil der Berufung; denn Christus erwählte die, „die er wollte“ (Mk 3, 13). Hingegen gibt es eine universelle Berufung aller Getauften zur Ausübung des königlichen Priestertums, indem sie Gott ihr Leben aufopfern und zur Ehre Gottes Zeugnis ablegen.
Die Frauen, die für sich das Priesteramt erbitten, sind sicher von dem Wunsch beseelt, Christus und der Kirche zu dienen. Und es überrascht nicht, dass in dem Augenblick, da die Frauen der Diskriminierungen bewusst werden, denen sie bisher ausgesetzt gewesen sind, einige von ihnen dazu veranlasst werden, sogar das Priesteramt für sich zu erstreben. Man darf jedoch nicht vergessen, dass das Priestertum nicht zu den Rechten der menschlichen Person gehört, sondern sich aus der Ökonomie des Geheimnisses Christi und der Kirche herleitet. Die Sendung des Priesters ist keine Funktion, die man zur Hebung seiner sozialen Stellung erlangen könnte. Kein rein menschlicher Fortschritt der Gesellschaft oder der menschlichen Person kann von sich aus den Zugang dazu eröffnen, da diese Sendung einer anderen Ordnung angehört.
Es bleibt uns also nun doch die wahre Natur dieser Gleichheit der Getauften tiefer zu bedenken, die eine der bedeutendsten Lehren des Christentums darstellt: Gleichheit ist nicht gleich Identität, da die Kirche ein vielgestaltiger Leib ist, in dem ein jeder seine Aufgabe hat. Die Aufgaben sind aber verschieden und dürfen deshalb nicht vermischt werden. Sie begründen keine Überlegenheit der einen über die andern und bieten auch keinen Vorwand für Eifersucht. Das einzige höhere Charisma, das sehnlichst erstrebt werden darf und soll, ist die Liebe (vgl. 1 Kor 12–13). Die Größten im Himmelreich sind nicht die Amtsdiener, sondern die Heiligen.
Die Kirche wünscht, dass die christlichen Frauen sich der Größe ihrer Sendung voll bewusst werden. Ihre Aufgabe ist heute von höchster Bedeutung sowohl für die Erneuerung und Vermenschlichung der Gesellschaft als auch dafür, dass die Gläubigen das wahre Antlitz der Kirche wieder neuentdecken.
Seine Heiligkeit Papst Paul Vl. hat diese Erklärung in der am 15. Oktober 1976 dem unterzeichneten Präfekten der Kongregation gewährten Audienz approbiert, bekräftigt und ihre Veröffentlichung angeordnet.
Gegeben zu Rom, bei der Kongregation für die Glaubenslehre,
am 15. Oktober 1976, dem Fest der hl. Theresia von Avila.
Franjo Card. Seper
Präfekt
+ Fr. Jérôme Hamer, O. P.
Titularerzbischof von Lorium
Sekretär
Anmerkungen
(1) AAS 55 (1963), S. 267–268.
(2) Vgl. II. Vat. Konzil, Past. Konst. Gaudium et spes, 7. Dez. 1965, Nr. 29; AAS 58 (1966), S. 1048–1049.
(3) Vgl. Papst Paul VI., Ansprache an die Mitglieder der „Studienkommission über die Aufgaben der Frau in der Gesellschaft und der Kirche“ und des „Komitees für das Internationale Jahr der Frau“, 18. April 1975; AAS 67 (1975), S. 265.
(4) II. Vat. Konzil, Dekret Apostolicam actuositatem, 18. Nov. 1965, Nr. 9; AAS 58 (1966), S. 846.
(5) Vgl. Papst Paul VI., Ansprache an die Mitglieder der „Studienkommission über die Aufgaben der Frau in der Gesellschaft und der Kirche“ und des „Komitees für das Internationale Jahr der Frau“, a.a.O., S. 266.
(8) Vgl. AAS 68 (1976), S. 599–600; vgl. ebd., S. 600–601.
(7) Vgl. Irenäus, Adv. haereses I, 13, 2; PG 7, 580–581; ed Harvey, I, 114–122; Tertullian, De praescript. haeretic. 41, 5; CCL 1, S. 221; Firmilian von Cäsarea, in S. Cyprian, Epist. 75; CSEL 3, S. 817–818; Origenes, Fragmenta in I Cor. 74, in Journal of theological studies 10 (1909), S. 41–42; Epiphanes, Panarion, 49, 2–3; 78, 23; 79, 2–4: Bd. 2, GCS 31, S. 243–244; Bd. 3, GCS 37, S. 473, 477–479.
(8) Vgl. Didascalia Apostolorum, c. 15, ed. R. H. Connolly, S. 133 u. 142; Constitutiones Apostolicae, lib. 3, c. 6, Nr. 1–2; c. 9, Nr. 3–4; ed. F. X. Funk, S. 191, 201; Johannes Chrysostomus, De sacerdotio, 2, 2; PG 48, 633.
(9) Vgl. Bonaventura, In IV Sent., Dist. 25, art. 2, q. 1, ed. Quaracchi, Bd. 4, S. 649; Richardus de Mediavilla (Middletown), in IV Sent., Dist. 25, art. 4, Nr. 1, ed. Venedig, 1499, fo 177r; Johannes Duns Scotus, In IV Sent., Dist. 25; Opus Oxoniense, ed. Vivès, Bd. 19, S. 140; Reportata Parisiensia, Bd. 24, S. 369–371; Durand de Saint-Pourcain, In IV Sent., Dist. 25, q. 2, Venedig, 1571, fo 364v.
(10) Man hat diese Tatsache auch durch einen von Jesus beabsichtigten Symbolismus erklären wollen: die Zwölf hätten die Stammväter der zwölf Stämme Israels repräsentieren sollen (vgl. Mt 19, 28; Lk 22, 30). Doch geht es in diesem Text nur um ihre Teilnahme am eschatologischen Gericht. Der eigentliche Grund für die Wahl der Zwölf ist vielmehr in ihrer gesamten Sendung zu suchen (vgl. Mk 3, 14): sie sollen Jesus im Volk repräsentieren und sein Werk fortsetzen.
(11) Papst Innozenz III., Brief vom 11. Dezember 1210 an die Bischöfe von Palencia und Burgos, in Corpu Iuris, Decret. lib. 5, tit. 38, De paenit., c. 10 Nova: ed. A. Friedberg, Bd. 2, col. 886–887; vgl. Glossa in Decretal. lib. 1, tit. 33, c. 12 Dilecta, v° Iurisdictioni; vgl. Thomas v. Aquin, Summa theol., IIIa pars, q. 27, a. 5, ad 3; Pseudo Albertus Magnus, Mariale, quaest. 42, ed. Borgnet 37, 81.
(12) Vgl. Papst Pius XII., Apost. Konst. Sacramentum ordinis, 30. Nov. 1947, AAS 40 (1948), S. 5–7; Papst Paul VI., Apost. Konst. Divine consortium naturae, 15. Aug. 1971, AAS 63 (1971), S. 657–664; Apost. Konst. Sacram unctionem, 30. Nov. 1972, AAS 65 (1973), S. 5–9.
(13) Papst Pius XII., Apost. Konst. Sacramentum ordinis, a.a.O., S. 5.
(14) Sessio 21, cap. 2; Denzinger-Schönmetzer, Enchiridion symbolorum ..., Nr. 1728.
(15) Cyprian, Epist. 63, 14: PL 4, 397 B; ed. Hartel, Bd. 3, S. 713.
(16) Vgl. II. Vat. Konzil, Konst. Sacrosanctum Concilium, 4. Dez. 1963, Nr. 33: „... der Priester, in der Rolle Christi an der Spitze der Gemeinde stehend ...“; Dogm. Konst. Lumen gentium, 21. Nov. 1964, Nr. 10; „Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran und leitet es; er vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar“; Nr. 28: „kraft des Weihesakramentes nach dem Bilde Christi, des höchsten und ewigen Priesters, … üben sie ihr heiliges Amt am meisten in der eucharistischen Feier oder Versammlung aus, wobei sie in der Person Christi handeln ...“ ; Dekret Presbyterorum ordinis, 7. Dez. 1965, Nr. 2: „Dieses zeichnet die Priester durch die Salbung des Heiligen Geistes mit einem besonderen Prägemal und macht sie auf diese Weise dem Priester Christus gleichförmig, so dass sie in der Person des Hauptes Christi handeln können“; Nr. 13: „Im Dienst am Heiligen, vor allem beim Messopfer, handeln die Priester in besonderer Weise an Christi Statt ...“ ; vgl. ferner Bischofssynode 1971, De sacerdotio ministeriali, I, Nr. 4; Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung zur katholischen Lehre über die Kirche, 24. Juni 1973, Nr. 6.
(17) Thomas v. Aquin, Summa theol., IIIa pars, q. 83, art. 1, ad 3um: „Es ist zu sagen, dass (wie die Feier dieses Sakramentes das vergegenwärtigende Abbild seines Kreuzes ist: ebd. ad 2um) aus demselben Grunde der Priester das Abbild Christi ist, in dessen Person und Kraft er die Wandlungsworte spricht“.
(18) „Denn da das Sakrament ein Zeichen ist, wird in dem, was im Sakrament geschieht, nicht nur die ,res‘, sondern auch die Bedeutung der ,res‘ gefordert“, sagt der hl. Thomas gerade um die Weihe von Frauen zurückzuweisen: In IV Sent., Dist. 25, q. 2, art. 2, quaestiuncula la, corp.
(19) Thomas v. Aquin, In IV Sent., Dist. 25, q. 2, art. 2, quaestiuncula la, ad 4um
(20) Vgl. Konzil von Trient, Sessio 22, cap. 1; DS, Nr. 1741.
(21) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, Nr. 28: „Das Amt Christi des Hirten und Hauptes üben sie entsprechend dem Anteil ihrer Vollmacht aus ...“; Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 2: „... so dass sie in der Person des Hauptes Christus handeln können“; Nr. 6: „das Amt Christi, des Hauptes und Hirten“. – Vgl. Papst Pius XII., Enzykl. Mediator Dei: „Der Diener des Altares handelt in der Person Christi als des Hauptes, der im Namen aller Glieder opfert“; AAS 39 (1947), S. 556. – Bischofssynode 1971, De sacerdotio ministeriali, I, Nr. 4: „Christus, das Haupt der Gemeinschaft, setzt er gegenwärtig ...“.
(22) Papst Paul VI., Enzykl. Mysterium fidei, 3. Sept. 1965, AAS 57 (1965), S. 761.
(Quelle: www.kathpedia.com)
Predigen...
Es gibt so viele Priester da draussen, die jeden Sonntag predigen - und praktisch gar nichts sagen!
(Quelle: Fr. Bill Casey: "What are we afraid of?")
Priesterbruderschaft St. Petrus (= PB)
Die PB wurde am 18.10.1988 als Gemeinschaft päpstlichen Rechtes anerkannt. Ihr Ziel ist es in der Einheit mit dem Hl. Vater und den Bischöfen die ausserordentliche Form der Liturgie nach dem Missale von 1962 zu pflegen und apostolisch zu wirken. Dieses Wirken wird durch des "Motu propio" von Papst Benedikt XVI (7.7.2007) bestärkt, der um die spirituellen Schätze der "alten" Liturgie weiß und sich auch in der "neuen" Liturgie (d.h. das Missale Papst Pauls VI von 1970) um Objektivität, Ehrfurcht und den Historienchrakter bemüht.
Die PB St. Petrus hat ihren Sitz und ein Priesterseminar in Wigratzbad (Allgäu) ca. 15 km von Lindau entfernt und Niederlassungen in Deutschland, A, CH, Frankreich, Italien, Polen und in den USA. Dort befindet sich ebenfalls ein Priesterseminar. Zur PB St. Petrus gehören mittlerweile weltweit ca. 200 Priester und ca. 100 Seminaristen.
Wünschenswert wäre vor allem ein Abbau von Vorurteilen gegenüber den traditionellen Formen, ein unvoreingenommenes Kennenlernen oder Wiederentdecken der Liturgie v. 1962 und eine sachliche Auseinandersetzung mit der Liturgiegeschichte.
Pater Walter Huber
Statistik
Gemäß dem Jahrbuch "Annuario Pontificio" 2009 stieg die Zahl der Katholiken weltweit von 2006 auf 2007 gewaltig an: bis Ende 2007 auf 1,147 Milliarden!!
Vergleicht man diese Zahl mit dem Wert von 2006, ergibt das ein Wachstum von 16 Millionen (!!) Gläubigen!
Und wer ständig nur am jammern über den Priesterschwund ist: Während es im Jahr 2000 noch 405.179 Priester gab, waren es 2007 gar 408.024!
Halelujah!
(Quelle: Annuario Pontificio, Münchner Kirchenzeitung)
Franziskus: Brief an die Kleriker
Brief an die Kleriker 24
(Kler)
Dieser Brief ist in zwei Fassungen überliefert, die hier unmittelbar hintereinandergestellt werden, damit sie besser verglichen werden können. Die erste Fassung ist wahrscheinlich nach dem IV. Laterankonzil (1215) und vor Erscheinen des Schreibens "Sane cum olim" von Papst Honorius III. (1219/20) 25 entstanden. Gedanken dieses Schreibens über die Ehrfurcht vor der Eucharistie hat Franziskus in der zweiten Fassung eingearbeitet. Das Schreiben wendet sich an die Kleriker der ganzen Kirche. Die Verse 8, 10 und 13 zeigen, daß Franziskus sich als Diakon diesen Klerikern besonders verbunden wußte.
1. Fassung
1 Laßt uns beachten, wir Kleriker alle, die große Sünde und Unwissenheit, die manche an den Tag legen gegenüber dem heiligsten Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus und seinen hochheiligen niedergeschriebenen Namen und Worten, die den Leib [Christi] heilig gegenwärtig setzen.
2 Wir wissen, daß der Leib nicht sein kann, wenn er nicht zuvor vom Worte heilig gegenwärtig gesetzt wird.
3 Nichts haben und sehen wir nämlich leiblich in dieser Weltzeit von ihm, dem Allerhöchsten selbst, als den Leib und das Blut, die Namen und Worte, durch die wir geschaffen und "vom Tode zum Leben" (1 Job 3,14) erlöst sind.
4 Alle jene aber, die solche hochheiligen Geheimnisse verwalten, und besonders die, welche sie in unerlaubter Weise verwalten, mögen in ihrem Innern bedenken, wie minderwertig die Kelche, Korporalien und Altartücher sind, auf denen sein Leib und Blut geopfert werden.
5 Und von vielen wird er an gewöhnlichen Orten hingelegt und liegengelassen, in kläglicher Weise getragen und unwürdig empfangen und unterschiedslos anderen ausgeteilt.
6 Auch seine geschriebenen Namen und Worte werden zuweilen mit den Füßen zertreten;
7 denn "der irdisch gesinnte Mensch erfaßt nicht das, was Gottes ist" (1 Kor 2,14).
8 Werden wir nicht über all dies von liebender Hingabe bewegt, da er, der gütige Herr, sich selbst in unseren Händen darbietet und wir ihn berühren und täglich durch unseren Mund empfangen?
9 Oder wissen wir nicht, daß wir in seine Hände gelangen müssen?
10 Daher wollen wir uns in all diesen und in den anderen Dingen schnell und gründlich bessern.
11 Und wo immer der heiligste Leib unseres Herrn Jesus Christus in nicht statthafter Weise aufbewahrt und liegengelassen ist, soll er von jener Stelle fortgenommen und an einen kostbar ausgestatteten Platz hingelegt und verschlossen werden.
12 Ebenso sollen auch die geschriebenen Namen und Worte des Herrn, wo immer sie an unsauberen Stellen gefunden werden, aufgesammelt und an ehrenvoller Stelle hingelegt werden.
13 Alle KIeriker sind verpflichtet, dies alles bis zum Ende vor allem anderen zu beobachten.
14 Und die dies nicht tun sollen wissen, daß sie "am Tage des Gerichtes" vor unserem Herrn Jesu Christus "Rechenschaft" ablegen müssen (vgl. Mt 12,36).
15 Und die dieses Schreiben abschreiben lassen, damit es besser beobachtet werde, sollen wissen, daß sie von Gott, dem Herrn, gesegnet sind.
2. Fassung
1 Laßt uns beachten, wir Kleriker alle, die große Sünde und Unwissenheit, die manche an den Tag legen gegenüber dem heiligsten Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus und seinen hochheiligen niedergeschriebenen Namen und Worten, die den Leib [Christi] heilig gegenwärtig setzen.
2 Wir wissen, daß der Leib nicht sein kann, wenn er nicht zuvor vom Worte heilig gegenwärtig gesetzt wird.
3 Nichts haben und sehen wir nämlich leiblich in dieser Weltzeit von ihm, dem Allerhöchsten selbst, als den Leib und das Blut, die Namen und Worte durch die wir geschaffen und "vom Tode zum Leben" (1 Job 3, 14) erlöst sind.
4 Alle jene aber, die solche hochheiligen Dienste verwalten, und besonders die, welche sie unterschiedslos verwalten, mögen in ihrem Innern bedenken, wie minderwertig die Kelche, Korporalien und Altartücher sind, auf denen der Leib und das Blut unseres Herrn geopfert werden.
5 Und von vielen wird er an gewöhnlichen Orten liegengelassen, in kläglicher Weise getragen und unwürdig empfangen und unterschiedslos anderen ausgeteilt.
6 Auch seine geschriebenen Namen und Worte werden zuweilen mit den Füßen zertreten;
7 denn "der irdisch gesinnte Mensch erfaßt nicht das, was Gottes ist" (1 Kor 2,14).
8 Werden wir nicht über all dies von liebender Hingabe bewegt, da er, der gütige Herr, sich selbst in unseren Händen darbietet und wir ihn berühren und täglich durch unseren Mund empfangen?
9 Oder wissen wir nicht, daß wir in seine Hände gelangen müssen?
10 Daher wollen wir uns in all diesen und in den anderen Dingen schnell und gründlich bessern.
11 Und wo immer der heiligste Leib unseres Herrn Jesus Christus in nicht statthafter Weise aufbewahrt und liegengelassen ist, soll er von jener Stelle fortgenommen und an einen kostbar ausgestatteten Platz hingelegt und verschlossen werden.
12 Ebenso sollen auch die geschriebenen Namen und Worte des Herrn, wo immer sie an unsauberen Stellen gefunden werden, aufgesammelt und an ehrenvoller Stelle hingelegt werden.
13 Und wir wissen, daß wir dies alles vor allem anderen beobachten müssen nach den Geboten des Herrn und den Bestimmungen der heiligen Mutter Kirche 26 .
14 Und wer dies nicht tut, soll wissen, daß er "am Tage des Gerichtes" vor unserem Herrn Jesus Christus "Rechenschaft" ablegen muß (vgl. Mt 12,36).
15 Und die dieses Schreiben abschreiben lassen, damit es besser beobachtet werde, sollen wissen, daß sie von Gott, dem Herrn, gesegnet sind.
(Quelle: http://www.schriften.franziskaner-werd.ch/ankler.htm)
Darf ein Mann mit gleichgeschlechtlichen Neigungen Priester werden?
Kurz gesagt: Kommt darauf an. Grundsätzlich aber ja.
Der betroffene Mann sollte keine "tiefgehenden" gleichgeschlechtlichen Neigungen haben und wenigstens drei Jahre vor seiner Entscheidung keusch gelebt haben.
Ebenso sollte er natürlich den schwulen Lebensstil nicht befürworten oder der Schwulenbewegung angehören oder ähnliches.
Wer aber z.B. hart an sich selbst gearbeitet hat (und etwa die Hilfe von Einrichtungen wie JASON in Anspruch genommen hat), anhand seines Lebenswandels, seiner Einstellung und seines Glaubenszeugnisses nachweisen kann, dass er oben genannte Voraussetzungen erfüllt, kann durchaus Priester werden!
Die Rolle des Priesters in der Gemeinde
In manchen Gemeinden spielen sich heutzutage wahre Dramen ab, wenn es darum geht, die Rolle des Priesters und der Laien zu definieren. Ich will an dieser Stelle nicht zu sehr auf den theologischen und kirchenrechtlichen Aspekt eingehen, sondern das Problem als Ganzes beleuchten.
Eines der wesentlichen Missverständnisse, die in Gemeinden vorherrschen: viele Gläubige sehen die Kirche als eine demokratische Organisation an. Dies kann und darf die Kirche aber niemals sein. Vom ersten Tag an hatte sie eine hierarchische Struktur, nicht zuletzt Jesus selbst hat Petrus die Schlüssel zum Himmelreich gegeben und ihn zum Felsen gemacht, auf dem die Kirche gebaut wurde. Die Apostel gaben das Bischofsamt schließlich durch Handauflegung an ihre Nachfolger weiter (apostolische Sukzession). Heißt das nun, die Kirche ist eine autoritäre, auf Machtmissbrauch basierende Organisation? Nein. Es gab immer auch schlechte Priester und Bischöfe, das Priestertum leitet sich jedoch direkt aus dem Priestertum Jesu Christi ab und ist somit ein gottgegebenes Amt, beruhend auf der Weihe. Geweihte Menschen, die für den besonderen Dienst berufen waren, gab es bereits im Alten Testament. Sehen wir uns anhand des Konflikts zwischen David und Saul – beide gesalbt und von Gott berufen - an, wie sie dort behandelt wurden:
“Als Saul von der Verfolgung der Philister zurückkehrte, berichtete man ihm: Gib Acht, David ist in der Steppe von En-Gedi. Da nahm Saul dreitausend Mann, ausgesuchte Leute aus ganz Israel, und zog aus, um David und seine Männer bei den Steinbock-Felsen zu suchen. Auf seinem Weg kam er zu einigen Schafhürden. Dort war eine Höhle. Saul ging hinein, um seine Notdurft zu verrichten. David aber und seine Männer saßen hinten in der Höhle. Da sagten die Männer zu David: Das ist der Tag, von dem der Herr zu dir gesagt hat: Sieh her, ich gebe deinen Feind in deine Gewalt und du kannst mit ihm machen, was dir richtig erscheint. Da stand David auf und schnitt Heimlich einen Zipfel von Sauls Mantel ab. Hinterher aber schlug David das Gewissen, weil er einen Zipfel vom Mantel Sauls abgeschnitten hatte. Er sagte zu seinen Männern: Der Herr bewahre mich davor, meinem Gebieter, dem Gesalbten des Herrn, so etwas anzutun und Hand an ihn zu legen; denn er ist der Gesalbte des Herrn. Und David fuhr seine Leute mit scharfen Worten an und ließ nicht zu, dass sie sich an Saul vergriffen. Als Saul die Höhle verlassen hatte und seinen Weg fortsetzte, stand auch David auf, verließ die Höhle und rief Saul nach: Mein Herr und Koenig! Als Saul sich umblickte, verneigte sich David bis zur Erde und warf sich (vor ihm) nieder. Dann sagte David zu Saul: Warum hörst du auf die Worte von Leuten, die sagen: Gib acht, David will dein Verderben. Doch heute kannst du mit eigenen Augen sehen, dass der Herr dich heute in der Höhle in meine Gewalt gegeben hat. Man hat mir gesagt, ich solle dich töten; aber ich habe dich geschont. Ich sagte: Ich will nicht die Hand an meinen Herrn legen; denn er ist der Gesalbte des Herrn.” (1 Sam 24,2-11 – Einheitsübersetzung)
Aus dieser Geschichte können wir auch auf heutige Verhältnisse bezogen viel lernen. David hätte nun wirklich genügend Gründe gehabt, zornig auf Saul zu sein und ihm nach dem Leben zu trachten. Schließlich wollte Saul ihn töten! David aber war sich bewusst, dass Saul der “Gesalbte des Herrn” war. Und obwohl auch David gesalbt war, wusste er um die herausragende Rolle, die Saul damit vor den Augen Gottes hatte. Er schonte nicht nur sein Leben, als es ihm ein Leichtes gewesen wäre, Saul zu töten, David verteidigte und beschützte Saul sogar vor anderen und erwies ihm die gebührende Ehre und den ihm zustehenden Respekt!
Im Kapitel 31 schließlich begeht Saul Selbstmord (in der gesamten Bibel gibt es übrigens nur zwei Selbstmorde: Saul und Judas). David erfährt von einem Mann aus dem Lager Sauls von dessen Tod. Dieser Mann gab auch an, Saul auf dessen Wunsch hin getötet zu haben, da Saul selbst zu schwach gewesen sei. David erschlug daraufhin den jungen Mann, da dieser den Gesalbten des Herrn getötet hatte.
Eine “menschliche” Reaktion wäre nun gewesen, dass David Sauls Tod mit Genugtuung verkündet hätte. Das hat dieser Saul nun davon, dass er mich umbringen wollte!
Wie aber reagierte David?
Er zerriss sein Gewand, klagte und weinte. Er sang eine Totenklage auf Saul und seinen Sohn Jonathan und ordnete an, dass es die Söhne Judas als Bogenlied lernen. Hierin bekräftigte David, man solle deren Tod nicht in den Strassen verkünden,
“damit die Töchter der Philister sich nicht freuen, damit die Töchter der Ungeschnittenen nicht jauchzen. Ihr Berge in Gilboa, kein Tau und kein Regen falle auf euch, ihr trügerischen Gefilde. Denn dort wurde der Schild der Helden befleckt, der Schild des Saul, als wäre er nicht mit Öl gesalbt.” (2 Sam 1,20-21 – Einheitsübersetzung).
Wer wurde im Alten Testament gesalbt? Priester, Propheten und Könige!
Sehen wir uns die Situation in vielen Pfarreien an: die Rolle des Priesters als “Hirte” der Pfarrei wird heute oft als “altmodisch” belächelt. Oft und gerne wird das II. Vatikanische Konzil zitiert – meist jedoch von denen, die mit dem “Geist des Konzils” Missbrauch treiben wollen und den Laien Rollen und Aufgaben anmaßen möchten, die ihnen nicht zustehen.
Ja, es gibt das allgemeine Priestertum der Gläubigen. Wir alle sind von Gott berufen. Er hat jeden von uns unterschiedliche Gaben und damit auch Auf-Gaben gegeben und jeden von uns berufen. Wir sind ein Leib. Ein Leib mit verschiedenen Gliedern, die alle verschiedene Aufgaben haben. Das bedeutet nicht, dass ein Glied “besser” sei als das andere. Alle sind gleich viel wert – aber sie sind auch unterschiedlich und dieser Unterschied ist gut und von Gott gewollt.
Als ich aufwuchs, waren Priester noch Respektspersonen. Traf man einen Priester auf der Strasse, hatte man sich zu verneigen und ihn mit “Gelobt sei Jesus Christus!” zu grüssen. Vielen lachen darüber heute. Ich nicht. Hiermit erwiesen wir nicht (nur) dem Menschen an sich, sondern den Menschen in seiner von Gott übertragenen Rolle als Hirte der Pfarrei. Als geistlicher Vater (auch ein Begriff, den man heute gerne meidet).
Um es klar und deutlich zu sagen: hier ist nicht die Rede von Unterwerfung, Dominanz oder willenlose Untertänigkeit. All dies sind Früchte des Fleisches und haben mit dem Priestertum und der Kirche an sich nichts zu tun. Hier geht es um die Kirche als Leib Christi und als Familie mit Brüdern, Schwestern, einem Vater im Himmel und einen Priester als geistlichen Vater und Hirten auf Erden. Ihm ist das Seelenheil der Gemeinde anvertraut (ja, noch ein “altmodischer” Begriff). Im Vertrauen darauf sollten wir ihm auch gehorchen, ihm Respekt erweisen und ihn lieben.
Ja, es hat immer wieder auch schlechte Priester gegeben. Priester, die selbst gefallen sind, Missbrauch mit ihrem Amt getrieben haben oder selbst nur lauwarm waren, anstatt mit dem heiligen Feuer zu brennen. Priester, die mehr dem Zeitgeist gefolgt sind als sich um das Seelenheil ihrer Schafe zu kümmern und denen irgendwann die Liebe zur Herde abhanden gekommen ist. Auch Saul war kein Vorbild für einen Gesalbten des Herrn. Gleichwohl steht es uns aber nicht und niemals zu, schlecht über und hinter dem Rücken eines Priesters zu reden, Aufgaben zu übernehmen, die eindeutig nur Priestern zustehen (und wenn wir uns selbst noch für so geeignet dafür halten!), innerhalb der Pfarrei gegen ihn zu hetzen und ihm nicht den gebührenden Respekt zu zollen.
So manche Gemeindeglieder und Pfarrgemeinderäte wollen ihren eigenen Willen durchsetzen. Wenn der Pfarrer hier nicht mitspielt, wird er manchmal dazu gebracht: durch Mobbing, übler Nachrede, Verweigerung der Unterstützung, Missachtung seiner Anweisungen und Wünsche und Untergraben seiner Rolle. Oder ganz einfach nur mit der Drohung, wenn dieses oder jenes nicht nach meinem Willen geht, verlasse ich die Pfarrei (nicht ohne den Pfarrer vorher überall schlecht gemacht zu haben).
Wie bereits erwähnt, war ich lange Zeit in evangelikalen bzw. fundamentalistischen Gemeinden. Auch in den USA. In diesen Kreisen ist es üblich, sich auf die Position des Pastoren bzw. der Ältesten oder Evangelisten zu konzentrieren (was auch nicht wundert: nach dem Prinzip “Sola Scriptura” – allein die Bibel zählt als Autorität – hat man außer dem, der im Gottesdienst predigt und das Wort verkündet, keinen zentralen Punkt. Das “Abendmahl” verkommt dort oft zur Nebensache). Passt einem die Nase des Pastors nicht mehr oder ist die Gemeinde zu langweilig, zieht man weiter zur nächsten Gemeinde (“Church Hopping”) – oder gründet seine eigene “Kirche”, die dann den eigenen Vorstellungen entspricht. Natürlich versäumt man es nicht, die eigentlich zumeist menschlichen Motive mit spirituellen “aufzuwerten” und reichlich Bibelverse für die eigene Position zu zitieren.
Wollen wir dorthin? Laut letzter Schätzung der Oxford University gibt es mittlerweile weltweit etwa 37.000 (!!!) verschiedener protestantischer “Kirchen” – mit teilweise völlig unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen. Wollen wir das auch?
Jesus hat eine Kirche gegründet. Nicht eine spirituelle Einheit unterschiedlichster Gemeinden, sondern eine physisch seit dem ersten Tag der Gründung gegenwärtige Kirche.
Wir sind gerufen, sowohl unseren Priester wie unsere Brüder und Schwestern in der Pfarrei zu lieben – nicht, weil wir sie sympathisch finden, sondern weil Gott sie an unsere Seite gestellt hat. Es ist ein Leichtes, nur die zu lieben, mit denen man etwas “anfangen” kann oder die einen auch lieben. Wo wäre hier der Unterschied zu Nicht-Christen? Nein, wahres Christsein kommt dort zum Ausdruck, wo ich meine Brüder und Schwestern im Herrn – und meinen Priester! – ohne irgendwelche Vorbedingungen liebe. Selbst wenn er/sie etwas tut, das ich für falsch halte oder das ganz objektiv falsch ist.
Das heißt nicht, dass man auf Gedeih und Verderb alles hinnehmen muss, was sich an menschlichen Beziehungsdramen in Pfarreien abspielt. Auch muss man geistigen Missbrauch nicht dulden. Es gibt aber einen erheblichen Unterschied zwischen einer respektvollen Unterhaltung und zwischen selbstgefälligen und egozentrischen Angriffen.
Völlig unverständlich wird es, wenn Gläubige der Heiligen Messe fern bleiben, weil ihnen der Priester nicht passt. Egal wie “gut” oder “schlecht” ein Priester ist und egal wie falsch er sich objektiv verhalten hat – er ist und bleibt ein Priester und die Sakramente, die er spendet, sind gültig!
Ein weiterer Punkt: Vielen selbsternannten “Experten” in katholischer Glaubenslehre fehlt es schlichtweg an Wissen. Manch einer gibt sogar vor, die Katholische Kirche zu hassen oder zumindest in Teilen abzulehnen oder er/sie verlässt die Kirche im guten Glauben, sie wäre nicht “biblisch”. Anderswo lässt man dann wieder den “Experten” raushängen und klärt jeden, der es hören will oder auch nicht darüber auf, was “wirklich” in der Katholischen Kirche los ist. Wie Erzbischof Fulton Sheen schon gesagt hat: Es gibt tatsächlich wenige, die die Katholische Kirche ablehnen. Es gibt jedoch viele, die ablehnen, was sie für die Katholische Kirche halten.
Jede Katholiken und jeder Katholik ist gerufen, sich darüber zu informieren, was die Kirche lehrt und warum sie es lehrt. Dies formt letztlich unser Gewissen, auf das wir uns nur gültig berufen können, wenn wir auch unseren Teil zu der Formung beitragen, indem wir unser Wissen laufend erweitern. Wunderbare Hilfsmittel: die Bibel, der Katechismus, das Gebet, die Heilige Messe, die Sakramente, Werke der Nächstenliebe – und der Priester.
Ich selbst bin Laie. Selbst wenn ich Universitätsprofessor in Theologie werden sollte, bin ich immer noch Laie. Das ist keineswegs “weniger wert” als ein Priester. Es bedeutet ganz einfach, dass ich andere Aufgaben und eine andere Berufung habe wie ein Priester. Als Glied einer Pfarrei jedoch habe ich mich an den Priester zu wenden, wenn ich die Sakramente empfangen möchte. Ich wende mich weiter an ihn, wenn ich Fragen spiritueller Art habe – oder ganz einfach ein menschliches Problem. Schließlich folge ich ihm und bin gehorsam, wohl wissend, dass er als von Gott Gesalbter mir nicht sagt, ich solle etwas tun oder unterlassen, weil er mich gerne herumkommandiert, sondern weil er mich liebt und weiß, wohin es führt, wenn ich einen anderen Weg einschlage.
Andererseits kann es sein, dass (m)ein Priester zu mir kommt, wenn er Hilfe braucht. Wenn ich etwa Zahnarzt bin (was nicht der Fall ist), würde er zu mir kommen, um sich einen Zahn plombieren zu lassen. Auch in geistiger Hinsicht ist er sich (im Idealfall) wohl bewusst meiner besonderen Gaben und des durch die Taufe und die Firmung begründeten allgemeinen Priestertums. Vielleicht habe ich z.B. die Gabe, Menschen zu erreichen, die er selbst nie erreichen könnte.
Ein guter Priester wird auch wissen, dass es nicht sein Theologiestudium ist, das ihn zu einem “besseren” Katholiken macht. Er wird erkennen, dass er von jedem etwas lernen kann, da Gott oft in und durch die niedrigsten Seiner Diener zu uns spricht.
Die, die mich besser kennen, werden wissen, wie mein “Idealbild” eines Priesters aussieht: Fernandel in “Don Camillo und Peppone”. Das mag manch einen zum Lachen bringen und viele mögen mich nun für rückständig halten, mir ist es aber sehr ernst damit.
Ich habe in meiner Zeit als Christ – und in meiner Zeit als Nicht-Christ – einen langen Weg zurück gelegt. Ich habe mittlerweile viel gelesen und gelernt – in praktischer und theoretischer Hinsicht. Es war aber immer der Glaube meiner Kindheit, nach dem ich mich so gesehnt habe. Das heißt nicht, dass man sich nicht theologisch weiterbilden sollte oder das Kindliche / Kindische nicht ablegen sollte. Der unverfälschte, einfache und ehrliche Glaube jedoch ist der Glaube, der mir immer ein Leitbild sein wird und den ich (hoffentlich) nie verlieren werde.
Danken wir Gott für unsere Priester und beten wir für neue Berufungen. Unterstützen und lieben wir sie nach Kräften. Sie sind die von Gott Gesalbten.
Die Katholische Kirche darf nie zu einer Art von christlicher Unterhaltung verkommen. Die Heilige Messe wird immer unser Mittelpunkt bleiben. Und dafür brauchen wir Priester. Auch wenn so manch einer sich anmaßt, auch priesterliche Aufgaben übernehmen zu können, ist das nicht so.
Ja, es ist manchmal schwer, einem Priester zu gehorchen, wenn man selbst glaubt, er liegt völlig falsch. Und wie viel schwerer ist es, ihm zu vergeben, wenn er sein Amt missbraucht hat.
Wie oft hat Gott aber uns vergeben, wenn wir nach all dem, was Er für uns getan hat, wieder gesündigt haben?
Danken wir Gott auf Knien für unsere Priester.
München, 01.08.2009
Robert GollwitzerKatholisch Leben: The Jesus Brothers!www.katholisch-leben.org
Wieso sollen wir Priestern gegenüber gehorsam sein? Wo steht das?
Was sagt die Bibel, wie wir uns unseren Priestern gegenüber verhalten sollen?
"Gehorcht euren Vorstehern und ordnet euch ihnen unter, denn sie wachen über euch und müssen Rechenschaft darüber ablegen; sie sollen das mit Freude tun können, nicht mit Seufzen, denn das wäre zu eurem Schaden." (Heb 13,17 - Einheitsübersetzung)
Und was der Codex Iuris Canonici, das Kirchenrecht?
CIC 212: "Was die geistlichen Hirten in Stellvertretung Christi als Lehrer des Glaubens erklären oder als Leiter der Kirche bestimmen, haben die Gläubigen im Bewußtsein ihrer eigenen Verantwortung in christlichem Gehorsam zu befolgen." (© für alle lateinischen Texte: Heiliger Stuhl / Libreria Editrice Vaticana; © für den deutschen Text: Verband der Diözesen Deutschlands.)
Priester handeln in der erson Jesu Christi. Sie sind die Hirten, die über ihre Herde wachen und ihnen obliegt es, dass keines der Schafe verloren geht - darüber haben sie auch vor Gott Rechenschaft abzulegen. Wenn sie uns also sagen, dieses oder jenes zu unterlassen, dann nicht, weil sie uns gerne herumkommandieren, sondern im Gegenteil weil sie uns lieben und wissen, wohin es führt, wenn wir gegen den Willen Gottes handeln und unseren eigenen Weg gehen.
Ein Hirte kann aber nur wirksam handeln, wenn die Schafe ihm auch gehorchen, wenn sie ihn lieben wie einen Vater und ihm auch den Respekt und den Gehorsam entgegenbringen, der einem Vater gebührt. Genauso lieben Priester ihre Gläubigen wie ihre Kinder und sie tragen Sorge, dass keines vom Weg abkommt.
Wohin eine andere Haltung führt, sieht man an den vielen protestantischen und freikirchlichen Gemeinschaften. Abgesehen davon, dass dort der Pastor keine besondere Rolle hat, sondern auf einer Ebene mit allen anderen steht (was ganz klar dem biblischen Vorbild widerspricht!), sobald er etwas sagt, was einem nicht passt, zieht man beleidigt weiter zur nächsten Gemeinde - oder gründet eine neue, in der man genau das machen kann, was man selbst für richtig hält.
Bin ich froh, dass ich Katholik bin - dann muss nich nicht jeden Tag selbst Papst spielen!
Abstimmen?
Es gibt mittlerweile im evangelikalen Bereich Gemeinden, die abstimmen, ob Frauen Älteste oder Pastoren oder ähnliches werden können.
Hier liegt ein grundfalsches Verständnis von der Kirche sowie vom christlichen Glauben vor. Hier geht es um fundamentale Glaubenswahrheiten, um Offenbarungen Gottes - und die kann man nicht einfach so mittels einer Abstimmung ändern. Eine Kirche ist KEINE Demokratie!
Auch wenn uns einiges nicht gefallen mag, aber Gott hatte Seine Vorstellung von Mann und Frau sowie von Seiner Kirche!
kathpedia.com: Priester
Das Wort Priester leitet sich vom griechischen "presbyteros", Ältester her. Als Mitarbeiter der Bischöfe sind die Priester mit der Verkündigung des Evangeliums, der Feier des Gottesdiensts, vor allem der Eucharistie, und dem Hirtendienst an den Gläubigen beauftragt.
Begriff
Priester sind durch das Weihesakrament beauftragt, die Sendung weiterzuführen, die Jesus Christus seinen Aposteln anvertraut hat. Durch die Weihe haben die Priester ein unauslöschliches geistliches Siegel, das sie Christus gleichförmig macht und sie befähigt, auf besondere Weise im Namen Jesu Christi zu handeln. Ein Priester hat insbesondere die Vollmacht, in der Eucharistie die eucharistischen Gaben (Brot und Wein), in persona Christi handelnd, in den Leib und das Blut Jesu Christi zu wandeln ("Das ist mein Leib..") und gleichfalls in persona Christi in der Beichte den Gläubigen ihre Sünden zu vergeben ("Ich spreche Dich los..").
Das priesterliche Amt geht direkt auf den Willen Jesu zurück, der seine Kirche auf Petrus und die Apostel gründete. Diakonat, Priester- und Bischofsamt sind die in der Kirche weitergegebene Gestalt apostolischer Autorität. Diese Amtsverfassung der Kirche übt zugleich einen notwendigen Dienst am allgemeinen Priestertum aller Getauften aus. Jeder Getaufte hat Anteil am einzigen Priestertum Christi, der einziger Mittler zum himmlischen Vater ist. Jedoch hat niemand in der Gemeinde aus eigener Legitimität das Recht, die anderen Getauften zu lehren, zu leiten und zu heiligen. Der Vollzug des Lehramts, Leitungsamts und Priesteramts Christi setzt vielmehr einen besonderen Ruf des Herrn voraus, der in der sakramentalen Weihe die Anerkennung der Kirche gefunden hat. Nur die sorgfältige Unterscheidung, der gleichen Königswürde aller Getauften in Christus einerseits und der besonderen Berufung des verfassten Amtes andererseits, garantiert den bestmöglichen Zugang des ganzen Gottesvolkes zu dem im Sakrament gegenwärtigen Christus.
Die scheinbare Abwertung spezieller Charismen durch das Amtsprinzip hat in der Kirchengeschichte immer wieder zu schweren Konflikten geführt. Letztlich hat sich aber oft und oft gezeigt, dass nur so die Vielfalt besonderer Gnadengaben zum Wohl des gesamten mystischen Leibes Christi, der nämlich die Kirche ist, weitergetragen werden konnte.
Exkurs: so gen. "Frauenordination"
Die Kirche hat keine Vollmacht darüber, diese Amtsverfassung in wesentlichen Zügen zu ändern. Daher ist eine Frauenordination im Katholizismus ausgeschlossen. Das dem getauften Mann vorbehaltene Priestertum "nach der Ordnung Melchisedeks" besagt, dass der Priester nicht einer besonderen Familie oder einem Adel angehört, sondern Anteil am ewigen Amt Christi hat. Es besagt ferner, dass der Priester kein rituelles Opfer vollzieht nach dem Vorbild von Tier- oder gar Menschenopfern, sondern in persona Christi die reine Opfergabe unter den Gestalten von Brot und Wein darbringt. Das Opfer Christi nährt die Seinen und eröffnet ihnen in der communio sanctorum das ewige Leben. Der Priester Christi erringt nicht, von Menschen bestellt, durch pagane Opferrituale, die Milde des Göttlichen. Sondern Gott selbst ist es, der durch seine Hingabe die Menschen zur Liebe ruft. Da aber das eine Opfer Christi in der Eucharistie sakramental vergegenwärtigt wird (nicht nur symbolisch), gehört zu dieser Repräsentanz nach fester Überzeugung aller das Priester- und Bischofsamt wahrenden Kirchen (auch der Orthodoxie), dass dieses Opfer durch einen geweihten, mit Christus besonders verbundenen Mann dargebracht wird. Da jede Frau eine andere Verbindung zu Christus hat als jeder Mann ist aus anthropologischen wie christologischen Gründen keine Frauenordination möglich. Sie kann nur vorgetäuscht werden Wird sie dennoch vorgetäuscht, so fallen die Betrüger (bischöfliche Täter wie weibliche "Opfer") unter die Exkommunikation.
Priestertum Christi
Christus selbst ist nämlich der einzige Priester des neuen Bundes. Innerhalb des göttlichen Heilswirkens in der Geschichte kommt dem Priester, aufgrund der besonderen sakramentalen Beziehung zu Christus, eine für das Heil der Vielen unverzichtbare Würde zu, die Gabe der Vergegenwärtigung Christi und Dienst an seiner Präsenz in der Gemeinde zugleich ist.
Das Priesteramt ist eines der Drei Ämter Christi und wird an den Priesterseminaren gelehrt.
Gebetsinitiative: Geistliche Mutterschaft
Im Jahre 2007, gab die Kongregation für den Klerus den geistlichen Impuls, der das Bewusstsein hinsichtlich des ontologischen Bandes zwischen Eucharistie und Priestertum und hinsichtlich der speziellen Mutterschaft, die Maria gegenüber den Priestern ausübt, vertiefe. Mithilfe der ewigen Anbetung soll eine ununterbrochene Gebetskette geschaffen werden und auf diese Weise zur Heiligung des Klerus beitragen. Es soll fortlaufend aus jedem Teil der Erde die Stimme der anbetenden Kirche zu Gott aufsteigen, Dankgebete, Lobpreis und Sühneopfer mit dem spezifischen Anliegen dargebracht werden, eine ausreichende Anzahl von Priesterberufungen zu erwecken. Gleichzeitig sollen auf diese Weise in Form einer vom Mystischen Leib getragenen geistlichen Mutterschaft all jene begleitet werden, die bereits zum priesterlichen Amt berufen sind und als solche dem einzigen Hohenpriester wesensmäßig gleich gestaltet wurden. Sie ermutigt gottgeweihte Frauen - nach dem Vorbild der Allerseligsten Jungfrau, der Mutter des Ewigen Hohenpriesters und Mitarbeiterin an Seinem Erlösungswerk - geistlicherweise Priester zu „adoptieren“, um ihnen durch Selbstaufopferung, Gebet und Buße beizustehen.
Daher bittet die Kongregation alle Ortsordinarien, die in besonderer Weise den für die Kirche spezifischen und unersetzbaren Charakter des geweihten Priestertums schätzen und sich der Dringlichkeit einer diesbezüglichen gemeinsamen Aktion bewusst sind, sich aktiv einzusetzen und dort, wo immer ihnen ein Teil des Gottesvolkes anvertraut ist, die Bildung regelrechter Zönakel zu fördern, in denen Kleriker, Ordensleute und Laien sich im Geiste wahrer Gemeinschaft, aufrichtiger Wiedergutmachung und Läuterung, miteinander vereint dem Gebet in Form einer kontinuierlichen eucharistischen Anbetung widmen. [[1]
Eigene Votivmesse
20. Dezember 1935 Eigene Votivmesse „Vom höchsten und ewigen Priestertum Jesu Christi", welche an den Donnerstagen entsprechend den liturgischen Vorschriften gefeiert werden kann.
Päpstliches Werk für Priesterberufe
4. November 1941 Motu proprio Cum nobis über die Errichtung des Päpstlichen Werkes für Priesterberufe bei der Kongregation für die Seminarien und Universitäten und ihr unterstellt. (AAS XXXIII [1941]).
1. Oktober 1960 Kongregation für die Seminarien und Universitäten, Instruktion „La preminente“ für das Werk der Katholischen Aktion zur Förderung von Priesterberufen.
6. Januar 1998 Päpstliches Werk für geistliche Berufe (in Zusammenarbeit der Kongregationen für das Katholische Bildungswesen, für die orientalen Kirchen, für die Institute des gottgeweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens, Neue Berufungen für ein neues Europa („In verbo tuo...“; Schlussdokument des Europäischen Kongresses über die Berufungen zum Priestertum und Ordensleben in Europa vom 5-10.5.1997; [2]).
Jährlicher Weltgebetstag zur Heiligung der Priester am Herz-Jesu-Fest
23. Juni 1995 I. Weltgebetstag zur Heiligung der Priester Herz-Jesu-Fest
Päpstliche Schreiben
3. Mai 1858 Enzyklika „Amantissimi redemptoris“ über die Priester und die Sorge für die Seelen.
Pius X. 4. August 1908 Apostolisches Mahnwor Haerent animo an den katholischen Klerus anlässlich seines 50. Priesterjubiläums (ASS XLI [1908] 555-577).
Pius XI. 20. Dezember 1935 Enzyklika Ad catholici sacerdotii zum fünfzigjährigen Priesterjubiläum des Papstes über das katholische Priestertum (AAS XXVIII [1936] 5-53).
Pius XII. 23. September 1950 Apostolisches Mahnschreiben Menti nostrae über die Heiligkeit des Priesterlebens (AAS XLII [1950] 657-702).
Johannes XXIII. 1. August 1959 Enzyklika Sacerdotii nostri primordia anlässlich des 100. Jahrestages des Heimganges des heiligen Pfarrer von Ars, Vorbild der Priester (AAS LI [1959] 545-579).
5. November 1964 Apostolischen Pönitentiarie, Dekret Facultas sacerdotibus novensilibus tributa zur Erteilung des Päpstlichen Segens bei der Primiz.
7. Dezember 1965 Dekret Presbyterorum ordinis über den Dienst und Leben der Priester (AAS LVIII [1966] 991-1024).
18. Juni 1968 Apostolische Konstitution "Pontificalis romani" Approbation der liturgischen Ordnung für die Weihe des Diakons, Priesters und Bischofs (AAS 60 [1968] 569-573).
6. März 1970 Kongregation für den Gottesdienst, Text zur Erneuerung der priesterlichen Versprechen und einer eigenen Präfation für die Chrisammesse (N 6 [1970] 87-89).
11. April 1970 Rundschreiben der Kleruskongregation Presbyteri sacra an die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aufgrund der Beschlüsse der Vollversammlung der Kongregation am 10. Oktober 1969, über die Priesterräte (AAS 62 [1970] 459-465).
30. September - 6. November 1971 II. Ordentliche Generalversammlung der Weltbischofssynode in Rom, Dokument Ultimis temporis über das Amtspriestertum (AAS LXIII [1971] 898-922).
Johannes Paul II. gibt von 1979-2005 jährlich zum Gründonnerstag eine Botschaft an die Mitbrüder im Priesteramt.
8. April 1979 Schreiben zum Gründonnerstag Novo incipiente an alle Priester der Kirche über den priesterlichen Dienst (AAS 71 [1979] 393-417).
25. März 1980 Kongregation für den Klerus, Instruktion Postquam apostoli für die Förderung der gegenseitigen Zusammenarbeit der Teilkirchen und insbesondere für die geeignete Verteilung de Klerus (AAS LXXII [1980] 343-363),, VAS Nr. 31)
3. Oktober 1981 Kongregation für die Sakramente und den Gottesdienst, Schreiben "Quattuor abhinc annos" Die Priester brauchen die Erlaubnis ihres Diözesanbischofs, wenn sie die Messe nach dem Tridentinischen Ritus feiern wollen. Sie müssen außerdem klarstellen, dass sie die Glaubenslehre des von Papst Paul VI. promulgierten Römischen Messbuches nicht in Frage stellen (AAS LXXVI).
27. März 1983 Schreiben Mentem ad vos Papst Johannes Pauls II. an die Priester über den priesterlichen Dienst zum Gründonnerstag (AAS LXXV [1983] 413-422; dt.: VAS Nr. 45).
6. August 1983 Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre, Sacerdotium ministeriale über einige Fragen bezüglich des Dieners der Eucharistie an die Bischöfe der Katholischen Kirche (AAS LXXV [1983] 1001-1009).
18. Oktober 1988 Der Heilige Vater gewährt der Kommission Ecclesia dei in einem förmlichen Dekret die Vollmacht, „allen, die darum bitten, den Gebrauch des Missale Romanum von 1962 zu gestatten“. Jedem Priester wurde das Recht zugestanden, sich in Rom ein ausdrückliches „Zelebret“ für die „tridentinische“ Messe zu besorgen.
12. März 1989 Schreiben von Papst Johannes Paul II. an alle Priester der Kirche über das gemeinsame Priestertum und das Priestertum des Dienstes zum Gründonnerstag (dt.: VAS 88).
1. Oktober 1989 Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Pastorale Leitlinien für Diözesanpriester in Missionsgebieten.
12. April 1990 Johannes Paul II., Gründonnerstagsschreiben an alle Priester über das Wirken des Heiligen Geistes im priesterlichen Leben (dt.: Der Apostolische Stuhl 1990)..
22. Februar 1991 Kongregation für den Klerus, Dekret Mos iugiter mit Richtlinien „für die Annahme von Messstipendien durch die Priester (AAS 83 [1991] 443-446).
25. März 1992 Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis der VIII. Ordentlichen Generalversammlung zur Welt-Bischofssynode vom 30. September - 28. Oktober 1990 über die Priesterbildung im Kontext der Gegenwart an die Bischöfe, Priester und Gläubigen (AAS 84 [1992] 657-804; dt.: VAS 105).
31. Januar 1994 Kongregation für den Klerus, Direktorium Dives ecclesia für Dienst und Leben der Priester (LEV [1994]; ca. 56; dt.: VAS 113).
12. Februar 1997 Päpstlicher Rat für die Familie, Vademecum für Beichtväter zu einigen Fragen der Ehemoral.
15. Mai 1997 Päpstlicher Rat für die Gesetzestexte, Erklärung über die Feier der Hl. Messe für verheiratete Priester.
15. August 1997 Verschiedene Kongregationen + Räte , Instruktion Ecclesia de mysterio zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester.
13. November 1997 Päpstlicher Rat für die Interpretation von Gesetzestexten (Kongregation für den Klerus) „Nota explicativa“ – Fälle in denen die Seelsorge von mehr als einer Pfarrei einem einzigen Priester übertragen (Communicationes 30).
19. März 1999 Kongregation für den Klerus, Der Priester, Lehrer des Wortes, Diener der Sakramente und Leiter der Gemeinde für das dritts christliche Jahrtausend ([3] VAS 139).
25.4.2001 Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Instruktion über die Entsendung von Priestern des Diözesanklerus der Missionsgebiete ins Ausland und über die Dauer ihres Aufenthaltes im Ausland [4]
4. August 2002 Kongregation für den Klerus, Instruktion vom 4. August 2002 „Der Priester, Hirte und Leiter der Pfarrgemeinde ([5] VAS 157).
Benedikt XVI. 7. Juli 2007 Motu proprio Summorum pontificum Erlaubnis an alle Priester den vollständigen lateinischen Ritus des seligen Johannes XXIII. von 1962 zu verwenden (mit Begeleitbrief).
Priestertum der Frau ?
30. November 1975 Antwortschreiben De mulierum sacerdotio Pauls VI. an Frederic Donald Coggan]], Erbischof von Canterbury über die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe (AAS LXVIII [1968] 599 f).
23. März 1976 Antwortbrief Papst Paul VI. an Frederic Donald Coggan, Erzbischof von Canterbury über das Priestertum der Frauen (AAS LXVIII [1976] 600 f) [6].
15. Oktober 1976 Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Inter insigniores zur Frage der Zulassung der Frauen zum Priesteramt (AAS LXIX [1977] 98-116; dt.: VAS 3 enthalten in: VAS 117).
20. Dezember 1984 Johannes Paul II., Brief an Robert Runcie, Erzbischof von Canterbury über das Priestertum der Frau (AAS 79 [1987] 184-186)[7].
22. Mai 1994 Apostolisches Schreiben Ordinatio sacerdotalis über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe (VAS 117).
28. Oktober 1995 Kongregation für die Glaubenslehre, Zweifel bezüglich Ordinatio sacerdotalis. Die Lehre ist endgültig.
10.7.2002 Kongregation für die Glaubenslehre, Mahnschreiben zu den simulierten „Weihen“ von „Priesterinnen“ [8].
31. Dezember 2002 Kongregation für die Glaubenslehre, Bestätigung der Exkommunikation der „Priesterinnen“ [9].
30. Mai 2008 Kongregation für die Glaubenslehre, in Bezug zur Straftat der versuchten Ordination einer Frau
Literatur
Sacerdotis Imago, Päpstliche Dokumente über das Priestertum von Pius X. bis Johannes XXIII., in deutscher Fassung herausgegeben von Anton Rohrbasser, Paulinusdruckerei Freiburg Schweiz1962 (Imprimatur Friburgi Helv., die 3 Februarii 1962 R. Pittet, v.g.).
Alfons Maria von Liguori, "Der Priester am Altare" und "Der Priester in der Einsamkeit" (beide in einem Buchban), Verlags-Anstalt vorm. G. Joseph Manz, Regensburg 1891 (in deutschen Buchstaben).
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Priester)
Gloria TV / Kirche in Not: Gebt mir heilige Priester
Was heisst hier Gehorsam einem Priester gegenüber? So eine Art von blindem Gehorsam hat schon Hitler an die Macht gebracht!
Sehen wir uns einmal den Codex iuris canonici 1983, also das Kirchenrecht an:
Can. 212 — § 1. Was die geistlichen
Hirten in Stellvertretung Christi als Lehrer des Glaubens erklären oder
als Leiter der Kirche bestimmen, haben die Gläubigen im Bewußtsein
ihrer eigenen Verantwortung in christlichem Gehorsam zu befolgen.
§ 2. Den Gläubigen ist es unbenommen, ihre Anliegen, insbesondere die
geistlichen, und ihre Wünsche den Hirten der Kirche zu eröffnen.
§ 3. Entsprechend ihrem Wissen, ihrer Zuständigkeit und ihrer
hervorragenden Stellung haben sie das Recht und bisweilen sogar die
Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den
geistlichen Hirten mitzuteilen und sie unter Wahrung der Unversehrtheit
des Glaubens und der Sitten und der Ehrfurcht gegenüber den Hirten und
unter Beachtung des allgemeinen Nutzens und der Würde der Personen den
übrigen Gläubigen kundzutun.
Diese Paragraphen mögen zwar vielen nicht passen - unter anderem
werden sie auch von katholischen Theologen angegriffen - sie stehen
aber so im Kirchenrecht und die Verfasser werden sich wohl als
geistliche Hirten der Kirche etwas dabei gedacht haben.
Es ist vielleicht hier anzumerken, dass diese Paragraphen nicht dazu
gedacht sind, es einigen Herren zu ermöglichen, andere
herumzukommandieren. Das wäre eine rein weltliche Sichtweise.
Geistliche Hirten haben vielmehr das Wohl der Gläubigen im Sinn und
wenn uns einer dieser Hirten etwas sagt, dann nicht, weil er gerne den
Chef spielt, sondern weil er uns liebt und weiß, was geschieht, wenn
wir ungehorsam sind!
Wie oft aber treibt uns unser Stolz dazu, solche Glaubensgrundsätze
anzugreifen und unsere Ablehnung noch mit theologischen Argumenten zu
rechtfertigen!
Ganz abgesehen davon handelt es sich hier nicht um "blinden" Gehorsam.
Natürlich gibt es auch schlechte Hirten und Gott hat uns nicht umsonst
die Vernunft gegeben, die uns Unrecht erkennen lässt (Papst Johannes
Paul II. hat über den Glauben und die Vernunft auch eine Erklärung
geschrieben: Fides et Ratio). Auch lehrt uns die Kirche, unser Gewissen
laufend zu schulen - etwa durch Gebet, tätgliches Bibelstudium, Wissen
um die Lehre der Kirche usw.
Hier geht es um den Gehorsam des Glaubens. Wer glaubt, dass es eine
apostolische Sukzession gibt, die die Autorität, die Jesus Petrus
gegeben hat, über die Bischöfe in ungebrochener Reihenfolge bis in die
heutige Zeit den Priestrn überträgt; wer weiterhin glaubt, dass Jesu'
Versprechen, im Heiligen Geist ständig bei uns und Seiner Kirche zu
sein, wahr ist, der sieht das geistliche Hirtenamt auch nicht als eine
weltliche Form der Macht, sondern als Vergegenwärtigung Jesu Christi
selbst!
Letztlich sollte man aus Respekt und im Gedenken an die Opfer der
Nazizeit sowie aus Liebe und Achtung vor der Katholischen Kirche und
ihrer Priester derartige Vergleiche unterlassen. Der Gehorsam, den man
einem geistlichen Hirten schuldet, unterscheidet sich doch wesentlich
vom blinden Gehorsam, den Hitler für sich einforderte. Wer derartige
Vergleiche anstellt, sollte wirklich einmal im Gebet in sich gehen.
© für alle lateinischen Texte: Heiliger Stuhl / Libreria Editrice
Vaticana; © für den deutschen Text: Verband der Diözesen Deutschlands.
Inter insigniores
Erklärung
Inter insigniores
der Kongregation für die Glaubenslehre
unseres Heiligen Vaters
Paul VI.
zur Frage der Zulassung von Frauen zum Priestertum
15. Oktober 1976
(Lateinischer Text: AAS LXIX [1977] 98-116)
(Quelle: Deutsche Bischofskonferenz, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 117)
Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).
Einleitung: Die Stellung der Frau in der modernen Gesellschaft und in der Kirche
Zu den besonderen Merkmalen, die unsere Zeit kennzeichnen, zählte Papst Johannes XXIII. in seiner Enzyklika Pacem in terris vom 11. April 1963 „den Eintritt der Frau in das öffentliche Leben, der vielleicht rascher bei den christlichen Völkern erfolgt und langsamer, jedoch in zunehmendem Umfang auch bei den Völkern anderer Traditionen und Kulturen“. (1) Ebenso nennt das II. Vatikanische Konzil in seiner Pastoralkonstitution Gaudium et spes, wo es die Formen von Diskriminierung in den Grundrechten der Person aufzählt, die überwunden und beseitigt werden müssen, da sie dem Plan Gottes widersprechen, an erster Stelle jene Diskriminierung, die wegen des Geschlechts erfolgt. (2) Die Gleichheit, die sich hieraus ergibt, wird dazu führen, eine Gesellschaft zu verwirklichen, die nicht völlig nivelliert und einförmig, sondern harmonisch und in sich geeint ist, wenn die Männer und die Frauen ihre jeweiligen Veranlagungen und ihren Dynamismus in sie einbringen, wie es Papst Paul VI. erst kürzlich dargelegt hat. (3)
Im Leben der Kirche selbst haben Frauen, wie die Geschichte bezeugt, einen entscheidenden Beitrag geleistet und bedeutsame Werke vollbracht. Es genügt, an die Gründerinnen der großen Frauenorden zu erinnern, wie die hl. Klara oder die hl. Theresia von Avila. Letztere und die hl. Katharina von Siena haben der Nachwelt so tiefgründige geistliche Schriften hinterlassen, dass Papst Paul VI. sie unter die Zahl der Kirchenlehrer aufgenommen hat. Noch sind jene unzähligen Frauen zu vergessen, die sich dem Herrn geweiht haben, um die tätige Nächstenliebe zu üben oder in den Missionen zu arbeiten, noch die christlichen Mütter, die in ihren Familien einen tiefen Einfluss ausüben und vor allem ihren Kindern den Glauben vermitteln.
Unsere Zeit erhebt jedoch noch höhere Forderungen: „Da heute die Frauen eine immer aktivere Funktion im ganzen Leben der Gesellschaft ausüben, ist es von großer Wichtigkeit, dass sie auch an den verschiedenen Bereichen des Apostolates der Kirche wachsenden Anteil nehmen.“ (4) Dieser Hinweis des II. Vatikanischen Konzils hat bereits eine entsprechende Entwicklung in die Wege geleitet: die verschiedenen Erfahrungen müssen natürlich noch reifen. Sehr zahlreich sind jedoch schon, wie Papst Paul VI. noch bemerkt hat (5), die christlichen Gemeinschaften, denen der apostolische Einsatz der Frauen sehr zum Nutzen gereicht. Einige von diesen Frauen wurden als Mitglieder in die Gremien für die pastorale Planung sowohl auf diözesaner wie pfarrlicher Ebene berufen. Auch der Heilige Stuhl hat in einige Ämter der Kurie Frauen aufgenommen.
Nun haben seit einigen Jahren mehrere christliche Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts oder der nachfolgenden Zeit hervorgegangen sind, auch Frauen in der gleichen Weise wie Männern den Zugang zum pastoralen Dienst eröffnet. Ihre Initiative hatte von seiten der Mitglieder dieser Gemeinschaften oder ähnlicher Gruppen Forderungen und Veröffentlichungen zur Folge, die darauf abzielen, diese Zulassung auszuweiten, ebenso aber auch Reaktionen im entgegengesetzten Sinn. Diese Frage stellt also ein ökumenisches Problem dar, zu dem die katholische Kirche ihre Auffassung darlegen muss, und das um so mehr, als man sich in verschiedenen Bereichen der öffentlichen Meinung die Frage gestellt hat, ob die Kirche nicht auch ihrerseits ihre Praxis ändern und Frauen zur Priesterweihe zulassen sollte. Sogar mehrere katholische Theologen haben diese Frage offen gestellt und so zu Untersuchungen nicht nur im Bereich der Exegese, der Patristik und der Kirchengeschichte, sondern auch auf dem Gebiet der geschichtlichen Erforschung der Institutionen und Gebräuche, der Soziologie und der Psychologie angeregt. Die verschiedenen Argumente, die zur Klärung dieses bedeutsamen Problems beitragen können, sind einer kritischen Prüfung unterzogen worden. Da es sich hierbei aber um eine Diskussion handelt, der die klassische Theologie kaum größere Aufmerksamkeit geschenkt hat, läuft die gegenwärtige Argumentation leicht Gefahr, einige wesentliche Elemente zu vernachlässigen.
Aus diesen Gründen erachtet es die Kongregation für die Glaubenslehre in Erfüllung eines Auftrags, den sie vom Heiligen Vater erhalten hat, und als Antwort auf die von ihm in seinem Schreiben vom 30. November 1975 gemachten Erklärung (6) als ihre Pflicht, erneut festzustellen: Die Kirche hält sich aus Treue zum Vorbild ihres Herrn nicht dazu berechtigt, die Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Gleichzeitig ist die Kongregation der Meinung, dass es in der gegenwärtigen Situation nützlich ist, diese Haltung der Kirche näher zu erklären, da sie von einigen vielleicht mit Bedauern zur Kenntnis genommen werden wird. Auf längere Sicht dürfte jedoch ihr positiver Wert ersichtlich werden, da sie dazu beitragen könnte, die jeweilige Sendung von Mann und Frau tiefer zu erfassen.
Die Tatsache der Tradition
Niemals ist die katholische Kirche der Auffassung gewesen, dass die Frauen gültig die Priester- oder Bischofsweihe empfangen könnten. Einige häretische Sekten der ersten Jahrhunderte, vor allem gnostische, haben das Priesteramt von Frauen ausüben lassen wollen. Die Kirchenväter haben jedoch sogleich auf diese Neuerung hingewiesen und sie getadelt, da sie sie als für die Kirche unannehmbar ansahen. (7) Es ist wahr, dass man in ihren Schriften den unleugbaren Einfluss von Vorurteilen findet, die sich gegen die Frau richten, die sich aber – was ebenfalls festzustellen ist – kaum auf ihre pastorale Tätigkeit und noch weniger auf ihre geistliche Führung ausgewirkt haben. Neben diesen durch den Geist der Zeit beeinflussten Überlegungen findet man, vor allem in den kirchenrechtlichen Werken der antiochenischen und ägyptischen Tradition, als wesentliches Motiv dafür angeführt, dass die Kirche, indem sie nur Männer zur Weihe und zum eigentlichen priesterlichen Dienst beruft, jenem Urbild des Priesteramtes treu zu bleiben sucht, das der Herr Jesus Christus gewollt und die Apostel gewissenhaft bewahrt haben.(8) Dieselbe Überzeugung bestimmt auch die mittelalterliche Theologie (9), obgleich die scholastischen Theologen, wenn sie die Glaubenswahrheiten durch die Vernunft zu erklären suchen, zu dieser Frage oft Argumente anführen, die das moderne Denken nur schwerlich gelten lässt oder sogar mit Recht zurückweist. Seither ist diese Frage bis in unsere Zeit sozusagen nicht mehr erörtert worden, da die geltende Praxis von einer bereitwilligen und allgemeinen Zustimmung getragen wurde.
Die Tradition der Kirche ist also in diesem Punkt durch die Jahrhunderte hindurch so sicher gewesen, dass das Lehramt niemals einzuschreiten brauchte, um einen Grundsatz zu bekräftigen, der nicht bekämpft wurde, oder ein Gesetz zu verteidigen, das man nicht in Frage stellte. Jedes Mal aber, wenn diese Tradition Gelegenheit hatte, deutlicher in Erscheinung zu treten, bezeugte sie den Willen der Kirche, dem ihr vom Herrn gegebenen Beispiel zu folgen.
Dieselbe Tradition ist auch von den Ostkirchen treu bewahrt worden. Ihre Einmütigkeit in diesem Punkt ist um so bemerkenswerter, als ihre Kirchenordnung in vielen anderen Fragen eine große Verschiedenheit zulässt. Auch diese Kirchen lehnen es heute ab, sich jenen Forderungen anzuschließen, die den Frauen den Zugang zur Priesterweihe eröffnen möchten.
Das Verhalten Christi
Jesus Christus hat keine Frau unter die Zahl der Zwölf berufen. Wenn er so gehandelt hat, dann tat er das nicht etwa deshalb, um sich den Gewohnheiten seiner Zeit anzupassen, denn sein Verhalten gegenüber den Frauen unterscheidet sich in einzigartiger Weise von dem seiner Umwelt und stellt einen absichtlichen und mutigen Bruch mit ihr dar.
So spricht er zur großen Verwunderung seiner eigenen Jünger öffentlich mit der Samariterin (vgl. Jo 4, 27); er beachtet nicht die gesetzliche Unreinheit der blutflüssigen Frau (vgl. Mt 9, 20–22); er lässt sich im Hause des Pharisäers Simon von einer Sünderin berühren (vgl. Lk 7, 37 ff.); indem er der Ehebrecherin verzeiht, möchte er zeigen, dass man mit der Verfehlung einer Frau nicht strenger verfahren darf, als mit der von Männern (vgl. Jo 8, 11); ferner zögert er nicht, sich vom Gesetz des Moses zu distanzieren, um die Gleichheit der Rechte und Pflichten von Mann und Frau hinsichtlich des Ehebandes zu bekräftigen (vgl. Mk 10, 2011; Mt 19, 3–9).
Auf seinen Wanderpredigten ließ Jesus sich nicht nur von den Zwölf begleiten, sondern auch von einer Gruppe von Frauen: „Maria, genannt Maria aus Magdala, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren, Johanna, die Frau des Chuzas, eines Bekannten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen“ (Lk 8, 2–3). Im Gegensatz zur jüdischen Mentalität, die dem Zeugnis von Frauen keinen großen Wert zuerkannte, wie es das jüdische Gesetz bezeugt, waren es dennoch Frauen, die als erste den auferstandenen Christus sehen durften und von Jesus den Auftrag erhielten, die erste österliche Botschaft sogar den Aposteln mitzuteilen (vgl. Mt 28, 7–10; Lk 24, 9–10; Jo 20, 11–18), um sie darauf vorzubereiten, später selbst die offiziellen Zeugen der Auferstehung zu werden.
Gewiss, diese Feststellungen bieten keine unmittelbare Evidenz. Man sollte sich darüber aber nicht wundern, denn die Fragen, die sich aus dem Worte Gottes ergeben, übersteigen die Evidenz. Um den letzten Sinn der Sendung Jesu und den der Schrift zu verstehen, kann die rein historische Exegese der Texte nicht genügen. Man muss jedoch anerkennen, dass es hier eine Anzahl von konvergierenden Fakten gibt, die die bemerkenswerte Tatsache unterstreichen, dass Jesus den Auftrag der Zwölf keinen Frauen anvertraut hat. (10) Nicht einmal seine Mutter, die so eng mit seinem Geheimnis verbunden ist und deren erhabene Funktion in den Evangelien von Lukas und Johannes hervorgehoben wird, war mit dem apostolischen Amt vertraut. Das veranlasst die Kirchenväter, sie als das Beispiel für den Willen Christi in dieser Frage hinzustellen. Dieselbe Lehre hat noch am Anfang des 13. Jahrhunderts Papst Innozenz III. wiederholt, indem er schrieb: „Obwohl die allerseligste Jungfrau Maria alle Apostel an Würde und Erhabenheit übertroffen hat, hat der Herr nicht ihr, sondern jenen die Schlüssel des Himmelreiches anvertraut.“ (11)
Die Handlungsweise der Apostel
Die apostolische Gemeinde ist dem Verhalten Jesu Christi treu geblieben. Obgleich Maria im engen Kreis derer, die sich nach der Himmelfahrt im Abendmahlssaal versammelten, einen bevorzugten Platz einnahm (vgl. Apg 1, 14), war nicht sie es, die man in das Kollegium der Zwölf berief, sondern man schritt zur Wahl, die dann auf Matthias fiel. Aufgestellt wurden zwei Jünger, die in den Evangelien nicht einmal erwähnt werden.
Am Pfingsttag ist der Heilige Geist auf alle herabgekommen, auf Männer und Frauen (vgl. Apg 2, 1; 1, 14), und dennoch waren es nur „Petrus zusammen mit den Elf“, die die Stimme erhoben und verkündeten, dass in Jesus die Propheten erfüllt sind (Apg 2, 14).
Als diese und Paulus die Grenzen der jüdischen Welt überschritten, haben die Verkündigung des Evangeliums und das christliche Leben in der griechisch-römischen Zivilisation sie veranlasst, mitunter sogar auf schmerzliche Weise mit der Beobachtung des mosaischen Gesetzes zu brechen. Sie hätten also auch daran denken können, Frauen die Weihe zu erteilen, wenn sie nicht davon überzeugt gewesen wären, in diesem Punkt dem Herrn die Treue wahren zu müssen. In der hellenistischen Welt waren mehrere Kulte der heidnischen Gottheiten Priesterinnen anvertraut. Die Griechen teilten nämlich nicht die jüdischen Vorstellungen. Wenn auch die Philosophen die Frau als minderwertiger beurteilten, so weisen die Geschichtsexperten doch während der römischen Kaiserzeit auch die Existenz einer gewissen Bewegung nach, die sich um die Förderung der Frau bemühte. In der Tat stellen wir auch in der Apostelgeschichte und in den Briefen des hl. Paulus fest, dass die Frauen bei der Verkündigung des Evangeliums mit den Aposteln zusammenarbeiteten (vgl. Röm 16, 3–12; Phil 4, 3); er nennt mit Freude ihre Namen in den abschließenden Grußworten seiner Briefe; einige von ihnen üben häufig einen bedeutenden Einfluss bei den Bekehrungen aus: Priscilla, Lydia und andere; Priscilla vor allem, die sich darum bemühte, die Glaubensunterweisung des Apollo noch weiter zu vervollkommnen (vgl. Apg 18, 26) ; Phöbe steht im Dienst der Gemeinde Kenchreä (vgl. Röm 16, 1). All diese Tatsachen offenbaren in der Kirche zur Zeit der Apostel einen beachtlichen Fortschritt im Vergleich zu den Sitten des Judentums. Und dennoch hat man niemals daran gedacht, diesen Frauen die Weihe zu erteilen.
In den paulinischen Briefen haben anerkannte Exegeten einen Unterschied zwischen zwei Redeweisen des Apostels festgestellt: er spricht unterschiedslos von „meinen Mitarbeitern“ (Röm 16, 3; Phil 4, 2–3) hinsichtlich der Männer und Frauen, die ihm auf die eine oder andere Weise in seiner apostolischen Arbeit helfen; dagegen reserviert er die Bezeichnung „Mitarbeiter Gottes“ (1 Kor 3, 9; vgl. 1 Thess 3, 2) für Apollo, Timotheus und sich selbst, Paulus; sie werden so bezeichnet, weil sie direkt zum apostolischen Amt und zur Verkündigung des Gotteswortes berufen sind. Obgleich die Frauen am Tag der Auferstehung eine bedeutsame Aufgabe zu erfüllen hatten, geht ihre Mitarbeit für den hl. Paulus nicht bis zur offiziellen und öffentlichen Verkündigung der Frohbotschaft, die exklusiv der apostolischen Sendung vorbehalten bleibt.
Die bleibende Bedeutung der Verhaltensweise Jesu und der Apostel
Könnte sich die Kirche nicht von dieser Verhaltensweise Jesu und der Apostel, die zwar durch die ganze Tradition bis in unsere Tage als Norm angesehen worden ist, heute eventuell entfernen? Man hat zugunsten einer positiven Beantwortung dieser Frage verschiedene Argumente vorgebracht, die es nun zu prüfen gilt.
Man hat vor allem behauptet, dass das Verhalten Jesu und der Apostel sich durch den Einfluss ihres Milieus und ihrer Zeit erklären ließe. Wenn Jesus, so sagt man, weder den Frauen noch seiner eigenen Mutter ein Amt übertragen hat, das sie den Zwölfen zuordnete, so liegt der Grund darin, dass die historischen Umstände es ihm nicht gestatteten. Keiner hat indes jemals bewiesen, und es ist auch nicht möglich nachzuweisen, dass dieses Verhalten sich allein an soziologisch-kulturellen Motiven orientiert. Die Nachforschungen in den Evangelien ergeben, wie wir oben gesehen haben, gerade das Gegenteil, dass nämlich Jesus mit den Vorurteilen seiner Zeit gebrochen hat, indem er den konkreten Formen der Diskriminierung der Frauen entschlossen entgegengetreten ist. Man kann also nicht behaupten, dass Jesus sich einfach von Opportunitätsgründen habe leiten lassen, wenn er keine Frauen in die Gruppe der Apostel aufgenommen habe. Noch weniger hätten diese soziologisch-kulturellen Bedingungen die Apostel im griechischen Milieu davon zurückhalten können, wo diese Diskriminierungen nicht existierten. Einen weiteren Einwand leitet man von dem zeitbedingten Charakter her, den man heute in einigen Vorschriften des heiligen Paulus für die Frauen und in den Schwierigkeiten, die sich diesbezüglich aus einigen Aspekten seiner Lehre ergeben, zu erkennen glaubt. Man muss jedoch dagegen feststellen, dass diese Vorschriften, die wahrscheinlich durch die Sitten seiner Zeit beeinflusst sind, sich fast nur auf disziplinäre Praktiken von geringer Bedeutung beziehen, wie z. B. die den Frauen auferlegte Verpflichtung, einen Schleier zu tragen (vgl. 1 Kor 11, 2–16); diese Forderungen haben natürlich keinen normativen Wert mehr. Das Verbot des Apostels jedoch, dass Frauen in der Versammlung nicht „sprechen“ dürfen (vgl. 1 Kor 14, 34–35; 1 Tim 2, 12), ist anderer Natur. Die Exegeten erklären seine richtige Bedeutung: Paulus widersetzt sich keineswegs dem Recht, in der Versammlung prophetisch zu reden, was er den Frauen übrigens ausdrücklich zuerkennt (vgl. 1 Kor 11, 5); das Verbot bezieht sich ausschließlich auf die offizielle Funktion, in der christlichen Versammlung zu lehren. Diese Vorschrift ist für den heiligen Paulus mit dem göttlichen Schöpfungsplan verbunden (vgl. 1 Kor 11, 7; Gen 2, 18–24); man könnte sie nur schwerlich als Ausdruck der kulturellen Verhältnisse ansehen. Ferner darf nicht vergessen werden, dass wir dem hl. Paulus einen jener Texte verdanken, in denen im Neuen Testament mit größtem Nachdruck die grundsätzliche Gleichheit von Mann und Frau als Kinder Gottes in Christus unterstrichen wird (vgl. Gal 3, 28). Es besteht also kein Grund, ihn unfreundlicher Vorurteile gegenüber den Frauen anzuklagen, wenn man das Vertrauen beachtet, das er ihnen entgegenbringt, und die Mitarbeit, die er von ihnen für seine apostolische Tätigkeit erbittet.
Außer diesen Einwänden, die man aus der Geschichte der apostolischen Zeit entnimmt, gibt es andere, die für eine berechtigte Entwicklung in dieser Frage eintreten und als Argument dafür auf die Praxis hinweisen, die die Kirche hinsichtlich der Riten der Sakramente befolgt hat. Man hat hervorheben können, wie sehr die Kirche gerade in unserer Zeit darum weiß, dass sie über die Sakramente, obgleich sie von Christus eingesetzt worden sind, eine gewisse Verfügungsgewalt besitzt. Sie bedient sich ihrer im Lauf der Jahrhunderte, um für diese das äußere Zeichen und die Bedingungen der Spendung genauer zu bestimmen: die jüngsten Entscheidungen der Päpste Pius XII. und Paul VI. sind ein Beweis dafür.(12) Doch muss betont werden, dass diese Gewalt, die tatsächlich besteht, begrenzt ist. Pius XII. hat daran erinnert, als er schrieb: „Die Kirche hat keine Gewalt über die Substanz der Sakramente, d. h. über alles, von dem Christus nach dem Zeugnis der Quellen der Offenbarung gewollt hat, dass es im sakramentalen Zeichen erhalten bleibt.“(13) Dies war auch schon die Lehre des Trienter Konzils: „Stets hatte die Kirche die Vollmacht, in der Spendung der Sakramente unter Beibehaltung ihres Wesens Bestimmungen oder Abänderungen zu treffen, die, entsprechend dem Wechsel von Verhältnissen, Zeit und Ort, das Seelenheil der Empfänger oder die Ehrfurcht vor den Sakramenten förderten.“(14)
Anderseits darf nicht vergessen werden, dass die sakramentalen Zeichen keine konventionellen Zeichen sind; und selbst wenn es zutrifft, dass sie unter bestimmten Aspekten natürliche Zeichen sind, weil sie der tiefen Symbolik der Gesten und Dinge entsprechen, so sind sie doch mehr als das: sie sind vor allem dafür bestimmt, den Menschen einer jeden Epoche mit dem erhabensten Geschehen der Heilsgeschichte in Verbindung zu bringen, ihm durch den ganzen Reichtum der Pädagogik und der Symbolik der Bibel die Erkenntnis der Gnade zu vermitteln, die sie bezeichnen und bewirken. So ist das Sakrament der Eucharistie nicht nur ein brüderliches Mahl, sondern zugleich auch die Gedächtnisfeier, die das Opfer Christi und seine Hingabe durch die Kirche vergegenwärtigt und wirksam macht; das Priesteramt ist nicht ein einfacher pastoraler Dienst, sondern gewährleistet die Kontinuität jener Funktionen, die Christus den Zwölfen übertragen hat, und der Gewalten, die sich darauf beziehen.
Die Angleichung an bestimmte Zivilisationen und Epochen kann also nicht, was die wesentlichen Elemente betrifft, ihre sakramentale Bezogenheit auf die grundlegenden Ereignisse des Christentums und auf Christus selbst abschaffen.
Es ist letztlich die Kirche, die durch die Stimme ihres Lehramtes in diesen verschiedenen Bereichen die richtige Unterscheidung zwischen den wandelbaren und den unwandelbaren Elementen gewährleistet. Wenn sie gewisse Änderungen nicht übernehmen zu können glaubt, so geschieht es deshalb, weil sie sich durch die Handlungsweise Christi gebunden weiß: ihre Haltung ist also entgegen allem Anschein nicht eine Art Archaismus, sondern Treue. Nur in diesem einen Licht kann sie sich selbst richtig verstehen. Die Kirche fällt ihre Entscheidungen kraft der Verheißung des Herrn und der Gegenwart des Heiligen Geistes, und zwar stets in der Absicht, das Geheimnis Christi noch besser zu verkünden und dessen Reichtum unversehrt zu bewahren und zum Ausdruck zu bringen.
Diese Praxis der Kirche erhält also einen normativen Charakter: in der Tatsache, dass sie nur Männern die Priesterweihe erteilt, bewahrt sich eine Tradition, die durch die Jahrhunderte konstant geblieben und im Orient wie im Okzident allgemein anerkannt ist, stets darauf bedacht, Missbräuche sogleich zu beseitigen. Diese Norm, die sich auf das Beispiel Christi stützt, wird befolgt, weil sie als übereinstimmend mit dem Plan Gottes für seine Kirche angesehen wird.
Das Priesteramt im Lichte des Geheimnisses Christi
Nachdem die Norm der Kirche und ihre Grundlagen in Erinnerung gebracht worden sind, scheint es nützlich und angemessen zu sein, sie noch weiter zu erläutern. Dabei soll nun die tiefe Übereinstimmung aufgezeigt werden, die die theologische Reflexion zwischen der dem Weihesakrament eigenen Natur – mit ihrem besonderen Bezug auf das Geheimnis Christi – und der Tatsache, dass nur Männer zum Empfang der Priesterweihe berufen werden, feststellt. Es geht hierbei nicht darum, einen stringenten Beweis zu erbringen, sondern diese Lehre durch die Analogie des Glaubens zu erhellen.
Die konstante Lehre der Kirche, die das II. Vatikanische Konzil erneut bekräftigt und präzisiert hat und die auch durch die Bischofssynode von 1971 und durch diese Kongregation für die Glaubenslehre in ihrer Erklärung vom 24. Juni 1973 vorgetragen worden ist, bekennt, dass der Bischof oder der Priester bei der Ausübung seines Amtes nicht in eigener Person, in persona propria, handelt: er repräsentiert Christus, der durch ihn handelt. „Der Priester waltet wirklich an Christi Statt“, schreibt wörtlich schon der hl. Cyprian im 3. Jahrhundert.15 Diese Eigenschaft, Christus zu repräsentieren, ist es, die der hl. Paulus als charakteristisch für seine apostolische Tätigkeit betrachtet (vgl. 2 Kor 5, 20; Gal 4, 14). Sie erreicht ihren höchsten Ausdruck in der Feier der Eucharistie, die die Quelle und der Mittelpunkt der Einheit der Kirche ist, das Opfermahl, in dem sich das Volk Gottes mit dem Opfer Christi vereint. Der Priester, der allein die Vollmacht hat, die Eucharistiefeier zu vollziehen, handelt also nicht nur kraft der ihm von Christus übertragenen Amtsgewalt, sondern in persona Christi16, indem er die Stelle Christi einnimmt und sogar sein Abbild wird, wenn er die Wandlungsworte spricht.(17)
Das christliche Priesteramt ist also sakramentaler Natur: der Priester ist ein Zeichen, dessen übernatürliche Wirksamkeit sich aus der empfangenen Weihe herleitet, ein Zeichen aber, das wahrnehmbar sein muss (18) und von den Gläubigen auch leicht verstanden werden soll. Die Ökonomie der Sakramente ist in der Tat auf natürlichen Zeichen begründet, auf Symbolen, die in die menschliche Psychologie eingeschrieben sind: „Die sakramentalen Zeichen“, sagt der hl. Thomas, „repräsentieren das, was sie bezeichnen, durch eine natürliche Ähnlichkeit.“19 Dasselbe Gesetz der Ähnlichkeit gilt ebenso für die Personen wie für die Dinge: wenn die Stellung und Funktion Christi in der Eucharistie sakramental dargestellt werden soll, so liegt diese „natürliche Ähnlichkeit“, die zwischen Christus und seinem Diener bestehen muss, nicht vor, wenn die Stelle Christi dabei nicht von einem Mann vertreten wird: andernfalls würde man in ihm schwerlich das Abbild Christi erblicken. Christus selbst war und bleibt nämlich ein Mann.
Gewiss, Christus ist der Erstgeborene der ganzen Schöpfung, der Frauen ebenso wie der Männer: die Einheit, die er nach dem Sündenfall wiederherstellt, ist derart, dass es nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau gibt; denn alle sind eins in Christus Jesus (vgl. Gal 3, 28). Nichtsdestoweniger ist die Menschwerdung des Wortes in der Form des männlichen Geschlechtes erfolgt. Dies ist natürlich eine Tatsachenfrage; doch ist diese Tatsache, ohne dass sie im geringsten eine vermeintliche natürliche Überordnung des Mannes über die Frau beinhaltet, unlösbar mit der Heilsökonomie verbunden: sie steht in der Tat im Einklang mit dem Gesamtplan Gottes, wie er selbst ihn geoffenbart hat und dessen Mittelpunkt das Geheimnis des Bundes ist.
Das Heil, das von Gott den Menschen angeboten wird, die Gemeinschaft, zu der sie mit ihm berufen sind, mit einem Wort der Bund, wird schon von den Propheten des Alten Testaments mit Vorliebe unter dem Bild eines geheimnisvollen Brautverhältnisses beschrieben: das erwählte Volk wird für Gott zur innig geliebten Braut; die jüdische wie die christliche Tradition haben die Tiefe dieser innigen Liebe erkannt, indem man immer wieder das Hohelied der Liebe gelesen hat; der göttliche Bräutigam bleibt treu, selbst dann, wenn die Braut seine Liebe verrät, d. h. wenn Israel Gott gegenüber untreu wird (vgl. Os 1–3; Jer 2). Als die „Fülle der Zeit“ (Gal 4, 4) kam, hat das Wort, der Sohn Gottes, Fleisch angenommen, um in seinem Blut, und das für die vielen zur Vergebung der Sünden vergossen wird, den neuen und ewigen Bund zu beginnen und zu besiegeln: sein Tod wird erneut die zerstreuten Kinder Gottes versammeln; aus seiner durchbohrten Seite wird die Kirche geboren, wie Eva aus der Seite Adams geboren wurde. Jetzt erst verwirklicht sich vollkommen und endgültig das bräutliche Geheimnis, das im Alten Testament angekündigt und besungen worden ist: Christus ist der Bräutigam; die Kirche ist seine Braut, die er liebt, da er sie durch sein Blut erworben und sie lobwürdig, heilig und ohne Makel gestaltet hat und mit ihr nunmehr untrennbar verbunden ist. Das Brautthema, das sich von den Briefen des hl. Paulus (vgl. 2 Kor 11, 2; Eph 5, 22–33) bis zu den Schriften des hl. Johannes entfaltet (vgl. vor allem Jo 3, 29; Offb 19, 7 und 9), ist auch in den synoptischen Evangelien anzutreffen: solange der Bräutigam unter ihnen weilt, dürfen seine Freunde nicht fasten (vgl. Mk 2, 19) ; das Himmelreich ist zu vergleichen mit einem König, der für seinen Sohn ein Hochzeitsfest veranstaltet (vgl. Mt 22, 1–14). Durch diese Sprache der Schrift, die ganz von Symbolen durchdrungen ist und den Mann und die Frau in ihrer tiefen Identität zum Ausdruck bringt und erfasst, wird uns das Geheimnis Gottes und Christi geoffenbart, ein Geheimnis, das in sich unergründlich ist.
Das ist auch der Grund, warum man nicht die Tatsache vernachlässigen kann, dass Christus ein Mann ist. Um die Bedeutung dieser Symbolik für die Ökonomie der Offenbarung gebührend zu berücksichtigen, muss man daher einräumen, dass in den Funktionen, die den Weihecharakter erfordern und wo Christus selbst, der Urheber des Bundes, der Bräutigam und das Haupt der Kirche, in der Ausübung seiner Heilssendung repräsentiert wird – was im höchsten Maße in der Eucharistie geschieht – seine Rolle von einem Mann verkörpert wird (das ist der eigentliche Sinn des Wortes persona).
Das gründet bei diesem letzteren nicht in irgendeiner persönlichen höheren Würde in der Wertordnung, sondern ergibt sich allein aus einer faktischen Verschiedenheit in der Verteilung der Aufgaben und Dienste.
Könnte man vielleicht dagegen einwenden, dass es nun, da Christus in seiner himmlischen Seinsweise lebt, gleichgültig sei, ob er fortan von einem Mann oder von einer Frau repräsentiert wird, da man ja „im Zustand der Auferstehung nicht mehr heiratet“ (Mt 22, 30)? Dieser Text bedeutet jedoch nicht, dass der Unterschied von Mann und Frau, insofern er die Identität der Person bestimmt, in der ewigen Herrlichkeit aufgehoben wäre. Das gilt für Christus ebenso wie für uns. Es ist offensichtlich, dass der geschlechtliche Unterschied in der menschlichen Natur einen bedeutenden Einfluss ausübt, mehr noch als z. B. die ethnischen Unterschiede: diese berühren die menschliche Person nicht so tief wie der Unterschied der Geschlechter, der direkt auf die Gemeinschaft zwischen den Personen sowie auf die menschliche Fortpflanzung hingeordnet ist und in der biblischen Offenbarung einem ursprünglichen Willensentscheid Gottes zugeschrieben wird: „Als Mann und Weib schuf er sie“ (Gen 1, 27).Es mag einer ferner einwenden, dass der Priester, vor allem wenn er bei den liturgischen und sakramentalen Handlungen den Vorsitz führt, in gleicher Weise die Kirche repräsentiert: er handelt in ihrem Namen, mit der Intention „zu tun, was sie tut“. In diesem Sinn sagten die mittelalterlichen Theologen, dass der Priester auch in persona Ecclesiae handle, d. h. im Namen der ganzen Kirche und um sie zu repräsentieren. Welches auch immer die Teilnahme der Gläubigen an der liturgischen Handlung sein mag, es ist in der Tat der Priester, der sie im Namen der ganzen Kirche vollzieht: er betet im Namen aller; er opfert in der Messe das Opfer der ganzen Kirche: im neuen Ostermahl wird Christus von der Kirche durch die Priester unter sichtbaren Zeichen geopfert.20 Da der Priester also auch die Kirche repräsentiert, könnte man sich da nicht denken, dass diese Repräsentation entsprechend der schon dargelegten Symbolik auch von einer Frau vorgenommen wird? Es ist wahr, dass der Priester die Kirche repräsentiert, die der Leib Christi ist. Er tut das jedoch gerade deshalb, weil er zuvor Christus selbst repräsentiert, der das Haupt und der Hirt der Kirche ist. So sagt es das II. Vatikanische Konzil (21), wodurch es den Ausdruck in persona Christi genauer bestimmt und ergänzt. In dieser Eigenschaft führt der Priester in der christlichen Versammlung den Vorsitz und feiert er das eucharistische Opfer, „das die ganze Kirche aufopfert und in dem sie auch sich selbst ganz als Opfer darbringt“ (22) Wenn man diesen Überlegungen die gebührende Bedeutung beimisst, wird man besser erkennen, wie gut begründet die geltende Praxis der Kirche ist. Durch die Diskussion, die in unseren Tagen um die Priesterweihe der Frau entstanden ist, sollten sich alle Christen eindringlich dazu aufgerufen fühlen, die Natur und die Bedeutung des Bischofs- und Priesteramtes tiefer zu erforschen und die authentische Stellung des Priesters in der Gemeinschaft der Getauften wiederzuentdecken, der er selbst als Glied angehört, von der er sich aber auch unterscheidet. Denn in den Handlungen, die den Weihecharakter erfordern, ist er für sie mit der ganzen Wirksamkeit, die dem Sakrament innewohnt, das Abbild und Zeichen Christi selbst, der zusammenruft, von Sünden losspricht und das Opfer des Bundes vollzieht.
Das Priesteramt im Geheimnis der Kirche
Es ist vielleicht nützlich, daran zu erinnern, dass die Probleme der Ekklesiologie und der Sakramententheologie, besonders wenn sie – wie im hier vorliegenden Fall – das Priestertum betreffen, ihre Lösung nur im Licht der Offenbarung finden können. Die menschlichen Wissenschaften, so wertvoll ihr Beitrag in ihrem jeweiligen Bereich auch sein mag, können hier nicht genügen, denn sie vermögen die Wirklichkeiten des Glaubens nicht zu erfassen: was hiervon im eigentlichen Sinn übernatürlich ist, entzieht sich ihrer Zuständigkeit.
Ebenso deutlich muss hervorgehoben werden, wie sehr die Kirche eine Gesellschaft ist, die von anderen Gesellschaften verschieden ist; sie ist einzigartig in ihrer Natur und in ihren Strukturen. Der pastorale Auftrag ist in der Kirche gewöhnlich an das Weihesakrament gebunden: es ist nicht eine einfache Leitung, die mit den verschiedenen Formen der Autoritätsausübung im Staat vergleichbar wäre. Er wird nicht nach dem freien Belieben der Menschen übertragen. Wenn er auch eine Designierung nach Art einer Wahl miteinschließt, so sind es doch die Handauflegung und das Gebet der Nachfolger der Apostel, die die Erwählung durch Gott verbürgen. Der Heilige Geist ist es, der durch die Weihe Anteil gibt an der Leitungsgewalt Christi, des obersten Hirten (vgl. Apg 20, 28). Es ist ein Auftrag zum Dienst und zur Liebe: „Wenn du mich liebst, weide meine Schafe“ (vgl. Jo 21, 15–17).
Aus diesem Grund ist nicht einzusehen, wie man den Zugang der Frau zum Priestertum aufgrund der Gleichheit der Rechte der menschlichen Person fordern kann, die auch für die Christen gelte. Man beruft sich zu diesem Zweck mitunter auf die früher schon zitierte Stelle aus dem Galaterbrief (3, 28), nach der in Christus zwischen Mann und Frau kein Unterschied mehr besteht. Doch bezieht sich dieser Text keinesfalls auf die Ämter der Kirche. Er bekräftigt nur die universelle Berufung zur Gotteskindschaft, die für alle die gleiche ist. Anderseits missversteht derjenige vor allem völlig die Natur des Priesteramtes, der es als ein Recht betrachtet: die Taufe verleiht kein persönliches Anrecht auf ein öffentliches Amt in der Kirche. Das Priestertum wird nicht zur Ehre oder zum Nutzen dessen übertragen, der es empfängt, sondern zum Dienst für Gott und die Kirche. Es ist die Frucht einer ausdrücklichen und gänzlich unverdienten Berufung: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt“ (Jo 15, 16; vgl. Hebr 5, 4).
Man sagt und schreibt ferner mitunter in Büchern oder Zeitschriften, dass einige Frauen in sich eine Berufung zum Priestertum verspüren. Ein solches Empfinden, so edel und verständlich es auch sein mag, stellt noch keine Berufung dar. Diese lässt sich nämlich nicht auf eine persönliche Neigung reduzieren, die rein subjektiv bleiben könnte. Da das Priestertum ein besonderes Amt ist, von dem die Kirche die Verantwortung und Verwaltung empfangen hat, ist hier die Bestätigung durch die Kirche unerlässlich: diese bildet einen wesentlichen Bestandteil der Berufung; denn Christus erwählte die, „die er wollte“ (Mk 3, 13). Hingegen gibt es eine universelle Berufung aller Getauften zur Ausübung des königlichen Priestertums, indem sie Gott ihr Leben aufopfern und zur Ehre Gottes Zeugnis ablegen.
Die Frauen, die für sich das Priesteramt erbitten, sind sicher von dem Wunsch beseelt, Christus und der Kirche zu dienen. Und es überrascht nicht, dass in dem Augenblick, da die Frauen der Diskriminierungen bewusst werden, denen sie bisher ausgesetzt gewesen sind, einige von ihnen dazu veranlasst werden, sogar das Priesteramt für sich zu erstreben. Man darf jedoch nicht vergessen, dass das Priestertum nicht zu den Rechten der menschlichen Person gehört, sondern sich aus der Ökonomie des Geheimnisses Christi und der Kirche herleitet. Die Sendung des Priesters ist keine Funktion, die man zur Hebung seiner sozialen Stellung erlangen könnte. Kein rein menschlicher Fortschritt der Gesellschaft oder der menschlichen Person kann von sich aus den Zugang dazu eröffnen, da diese Sendung einer anderen Ordnung angehört.
Es bleibt uns also nun doch die wahre Natur dieser Gleichheit der Getauften tiefer zu bedenken, die eine der bedeutendsten Lehren des Christentums darstellt: Gleichheit ist nicht gleich Identität, da die Kirche ein vielgestaltiger Leib ist, in dem ein jeder seine Aufgabe hat. Die Aufgaben sind aber verschieden und dürfen deshalb nicht vermischt werden. Sie begründen keine Überlegenheit der einen über die andern und bieten auch keinen Vorwand für Eifersucht. Das einzige höhere Charisma, das sehnlichst erstrebt werden darf und soll, ist die Liebe (vgl. 1 Kor 12–13). Die Größten im Himmelreich sind nicht die Amtsdiener, sondern die Heiligen.
Die Kirche wünscht, dass die christlichen Frauen sich der Größe ihrer Sendung voll bewusst werden. Ihre Aufgabe ist heute von höchster Bedeutung sowohl für die Erneuerung und Vermenschlichung der Gesellschaft als auch dafür, dass die Gläubigen das wahre Antlitz der Kirche wieder neuentdecken.
Seine Heiligkeit Papst Paul Vl. hat diese Erklärung in der am 15. Oktober 1976 dem unterzeichneten Präfekten der Kongregation gewährten Audienz approbiert, bekräftigt und ihre Veröffentlichung angeordnet.
Gegeben zu Rom, bei der Kongregation für die Glaubenslehre,
am 15. Oktober 1976, dem Fest der hl. Theresia von Avila.
Franjo Card. Seper
Präfekt
+ Fr. Jérôme Hamer, O. P.
Titularerzbischof von Lorium
Sekretär
Anmerkungen
(1) AAS 55 (1963), S. 267–268.
(2) Vgl. II. Vat. Konzil, Past. Konst. Gaudium et spes, 7. Dez. 1965, Nr. 29; AAS 58 (1966), S. 1048–1049.
(3) Vgl. Papst Paul VI., Ansprache an die Mitglieder der „Studienkommission über die Aufgaben der Frau in der Gesellschaft und der Kirche“ und des „Komitees für das Internationale Jahr der Frau“, 18. April 1975; AAS 67 (1975), S. 265.
(4) II. Vat. Konzil, Dekret Apostolicam actuositatem, 18. Nov. 1965, Nr. 9; AAS 58 (1966), S. 846.
(5) Vgl. Papst Paul VI., Ansprache an die Mitglieder der „Studienkommission über die Aufgaben der Frau in der Gesellschaft und der Kirche“ und des „Komitees für das Internationale Jahr der Frau“, a.a.O., S. 266.
(8) Vgl. AAS 68 (1976), S. 599–600; vgl. ebd., S. 600–601.
(7) Vgl. Irenäus, Adv. haereses I, 13, 2; PG 7, 580–581; ed Harvey, I, 114–122; Tertullian, De praescript. haeretic. 41, 5; CCL 1, S. 221; Firmilian von Cäsarea, in S. Cyprian, Epist. 75; CSEL 3, S. 817–818; Origenes, Fragmenta in I Cor. 74, in Journal of theological studies 10 (1909), S. 41–42; Epiphanes, Panarion, 49, 2–3; 78, 23; 79, 2–4: Bd. 2, GCS 31, S. 243–244; Bd. 3, GCS 37, S. 473, 477–479.
(8) Vgl. Didascalia Apostolorum, c. 15, ed. R. H. Connolly, S. 133 u. 142; Constitutiones Apostolicae, lib. 3, c. 6, Nr. 1–2; c. 9, Nr. 3–4; ed. F. X. Funk, S. 191, 201; Johannes Chrysostomus, De sacerdotio, 2, 2; PG 48, 633.
(9) Vgl. Bonaventura, In IV Sent., Dist. 25, art. 2, q. 1, ed. Quaracchi, Bd. 4, S. 649; Richardus de Mediavilla (Middletown), in IV Sent., Dist. 25, art. 4, Nr. 1, ed. Venedig, 1499, fo 177r; Johannes Duns Scotus, In IV Sent., Dist. 25; Opus Oxoniense, ed. Vivès, Bd. 19, S. 140; Reportata Parisiensia, Bd. 24, S. 369–371; Durand de Saint-Pourcain, In IV Sent., Dist. 25, q. 2, Venedig, 1571, fo 364v.
(10) Man hat diese Tatsache auch durch einen von Jesus beabsichtigten Symbolismus erklären wollen: die Zwölf hätten die Stammväter der zwölf Stämme Israels repräsentieren sollen (vgl. Mt 19, 28; Lk 22, 30). Doch geht es in diesem Text nur um ihre Teilnahme am eschatologischen Gericht. Der eigentliche Grund für die Wahl der Zwölf ist vielmehr in ihrer gesamten Sendung zu suchen (vgl. Mk 3, 14): sie sollen Jesus im Volk repräsentieren und sein Werk fortsetzen.
(11) Papst Innozenz III., Brief vom 11. Dezember 1210 an die Bischöfe von Palencia und Burgos, in Corpu Iuris, Decret. lib. 5, tit. 38, De paenit., c. 10 Nova: ed. A. Friedberg, Bd. 2, col. 886–887; vgl. Glossa in Decretal. lib. 1, tit. 33, c. 12 Dilecta, v° Iurisdictioni; vgl. Thomas v. Aquin, Summa theol., IIIa pars, q. 27, a. 5, ad 3; Pseudo Albertus Magnus, Mariale, quaest. 42, ed. Borgnet 37, 81.
(12) Vgl. Papst Pius XII., Apost. Konst. Sacramentum ordinis, 30. Nov. 1947, AAS 40 (1948), S. 5–7; Papst Paul VI., Apost. Konst. Divine consortium naturae, 15. Aug. 1971, AAS 63 (1971), S. 657–664; Apost. Konst. Sacram unctionem, 30. Nov. 1972, AAS 65 (1973), S. 5–9.
(13) Papst Pius XII., Apost. Konst. Sacramentum ordinis, a.a.O., S. 5.
(14) Sessio 21, cap. 2; Denzinger-Schönmetzer, Enchiridion symbolorum ..., Nr. 1728.
(15) Cyprian, Epist. 63, 14: PL 4, 397 B; ed. Hartel, Bd. 3, S. 713.
(16) Vgl. II. Vat. Konzil, Konst. Sacrosanctum Concilium, 4. Dez. 1963, Nr. 33: „... der Priester, in der Rolle Christi an der Spitze der Gemeinde stehend ...“; Dogm. Konst. Lumen gentium, 21. Nov. 1964, Nr. 10; „Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran und leitet es; er vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar“; Nr. 28: „kraft des Weihesakramentes nach dem Bilde Christi, des höchsten und ewigen Priesters, … üben sie ihr heiliges Amt am meisten in der eucharistischen Feier oder Versammlung aus, wobei sie in der Person Christi handeln ...“ ; Dekret Presbyterorum ordinis, 7. Dez. 1965, Nr. 2: „Dieses zeichnet die Priester durch die Salbung des Heiligen Geistes mit einem besonderen Prägemal und macht sie auf diese Weise dem Priester Christus gleichförmig, so dass sie in der Person des Hauptes Christi handeln können“; Nr. 13: „Im Dienst am Heiligen, vor allem beim Messopfer, handeln die Priester in besonderer Weise an Christi Statt ...“ ; vgl. ferner Bischofssynode 1971, De sacerdotio ministeriali, I, Nr. 4; Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung zur katholischen Lehre über die Kirche, 24. Juni 1973, Nr. 6.
(17) Thomas v. Aquin, Summa theol., IIIa pars, q. 83, art. 1, ad 3um: „Es ist zu sagen, dass (wie die Feier dieses Sakramentes das vergegenwärtigende Abbild seines Kreuzes ist: ebd. ad 2um) aus demselben Grunde der Priester das Abbild Christi ist, in dessen Person und Kraft er die Wandlungsworte spricht“.
(18) „Denn da das Sakrament ein Zeichen ist, wird in dem, was im Sakrament geschieht, nicht nur die ,res‘, sondern auch die Bedeutung der ,res‘ gefordert“, sagt der hl. Thomas gerade um die Weihe von Frauen zurückzuweisen: In IV Sent., Dist. 25, q. 2, art. 2, quaestiuncula la, corp.
(19) Thomas v. Aquin, In IV Sent., Dist. 25, q. 2, art. 2, quaestiuncula la, ad 4um
(20) Vgl. Konzil von Trient, Sessio 22, cap. 1; DS, Nr. 1741.
(21) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, Nr. 28: „Das Amt Christi des Hirten und Hauptes üben sie entsprechend dem Anteil ihrer Vollmacht aus ...“; Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 2: „... so dass sie in der Person des Hauptes Christus handeln können“; Nr. 6: „das Amt Christi, des Hauptes und Hirten“. – Vgl. Papst Pius XII., Enzykl. Mediator Dei: „Der Diener des Altares handelt in der Person Christi als des Hauptes, der im Namen aller Glieder opfert“; AAS 39 (1947), S. 556. – Bischofssynode 1971, De sacerdotio ministeriali, I, Nr. 4: „Christus, das Haupt der Gemeinschaft, setzt er gegenwärtig ...“.
(22) Papst Paul VI., Enzykl. Mysterium fidei, 3. Sept. 1965, AAS 57 (1965), S. 761.
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Inter_insigniores_(Wortlaut))
kathpedia.com: Priesterausbildung
Die Priesterausbildung in der heutigen Zeit, fußt auf der Ausbildung der philosophischen und theologischen Tradition und den neuen Herausforderungen der Gegenwart. Beim Zweiten Vatikanischen Konzils wurde ein Dekret mit dem Namen Optatam totius über die Ausbildung der Priester vom 28. Oktober 1965 gegeben, das durch Papst Paul VI. angenommen wurde.
Geschichte
Der Hauptgegenstand des Ersten Vatikanischen Konzils, war die Abwehr der das Christentum ablehnenden philosophischen Systeme der Neuzeit. Da dieses Konzil nicht vollendet werden konnte, gab Leo XIII. am Beginn seines Pontifikates die Enzyklika Aeterni patris (4. August 1879) heraus, indem er die Ursache der Übel der Zeit in der falschen Philospphie brandmarkt und die scholastische Philosophie, welche ein Zusammentragen der verstreuten Lehre der (katholischen) Väter sei, sammelt. Er erwähnt darin, dass die Päpste den heiligen Thomas von Aquin gelobt und Konzilien ihn geehrt haben. Er ordnet dieses Lehrsystem in den Priesterausbildungsstätten an.
Papst Pius XI. forderte in der Enzyklika Studiorem ducem vom 29. Juni 1923 die Professoren auf, sie mögen die Studenten der der systematischen Philosophie und Theologie sowie die Ausbildung der Priesteramtskandidaten in diesem Sinne, nach der Lehre und den Prinzipien des engelhaften Lehrers durchführen und diese Prinzipien heilig halten (vgl. auch CIC 1917 can. 1366 § 2).
Das Drängen eines Nuntius, zur schoastischen Ausbildung der Kleriker
Sehr distanziert war Eugenio Pacellis Verhältnis zur Katholisch-Theologischen Fakultät an der staatlichen Universität in Tübingen. »In Anbetracht der allzu bekannten Unzulänglichkeiten in der Ausbildung der jungen Kleriker an der besagten theologischen Fakultät, beharrte ich besonders auf der Notwendigkeit, dass im Lehrplan, gemäß den Anweisungen des Heiligen Stuhls, der scholastischen Philosophie und Theologie nach der Methode und der Lehre des Doctor Angelicus, der gebührliche Platz eingeräumt werde«, berichtete er 1928 über seinen Aufenthalt in Schwaben nach Rom (Sonntagsblatt Nr. 44; 2. November 2008).
Die Scholastik, Grundlage klaren Denkens
In der Enzyklika Ad catholici sacerdotii über die Heiligkeit des Priesterlebens vom 20. Dezember 1935, schreibt Pius XI. (Nr. 68):
Damit die künftigen Priester jenes zeitgemäße Wissen besitzen, ist es von höchster Bedeutung, daß sie nach einer gründlichen Ausbildung in den klassischen Studien auch gut in der scholastischen Philosophie „nach Art, Lehre und Grundsätzen des "Doctor angelicus" (Cod. Iur. Can. can. 1366, § 2) unterrichtet und geübt werden. Diese Philosophia perennis, wie sie Unser großer Vorgänger Leo XIII. genannt hat, ist ihnen nicht nur für die Vertiefung des Dogmas nötig, sondern bewahrt sie auch wirksam gegen alle Arten moderner Irrtümer: sie befähigt ihren Geist, das Wahre vom Falschen genau zu unterscheiden, und verleiht ihnen in den verschiedensten Fragen oder späteren Studien eine Klarheit des Denkens, die dem anderer, die diese philosophische Schulung nicht erhalten haben, weit überlegen ist, auch wenn diese mit einem ausgedehnteren Einzelwissen ausgerüstet sind.
Pius XII. sagt in der Ansprache an die Kleriker von Rom vom 24. Juni 1939 in Nr. 4: Ferner ist die wohlweisliche Vorschrift (vgl. CIC 1917 can. 1366 § 2) genau zu befolgen, die besagt: «Die Professoren der Philosophie und der Theologie sollen bei ihren Forschungen und Vorlesungen die Methode, die Lehre und die Grundsätze des heiligen Thomas befolgen und sich gewissenhaft daran halten». Darin besteht ja das Merkmal der Philosophie des Aquinaten, daß sie die menschlichen Vernunftwahrheiten ins hellste Licht rückt und deren harmonische Beziehungen mit Geschick aufzeigt, dass sie ferner im höchsten Maße geeignet ist zur Darlegung und Verteidigung der Glaubensdogmen und schließlich eine wirksame Waffe bietet zur Widerlegung der Grundirrtümer aller Zeiten und zu ihrer erfolgreichen Überwindung.
Die Scholastik, stets gültige philosophische Erbe
Das Zweite Vatikanische Konzil ist das Erste Konzil, das ein Lehrsystem anordnet, wenn es im Dokument über die Priesterausbildung „Optatam totius“, Nr. 15 heißt: "Die philosophischen Disziplinen sollen so dargeboten werden, daß die Alumnen vor allem zu einem gründlichen und zusammenhängenden Wissen über Mensch, Welt und Gott hingeführt werden. Sie sollen sich dabei auf das stets gültige philosophische Erbe (patrimonio philosophico valido) stützen (Vgl. Pius XII., Enz. Humani generis, 31 12. Aug. 1950: AAS 42 (1950) 571-575.). Weiter heißt in Nr. 16: "sodann sollen sie lernen, mit dem heiligen Thomas als Meister (Doctor communis), die Heilsgeheimnisse in ihrer Ganzheit spekulativ tiefer zu durchdringen und ihren Zusammenhang zu verstehen, um sie, soweit möglich, zu erhellen."
Gemischte Ausbildung
Im Kirchenrecht von 1983 can. 250 heißt es, dass die philosophischen und theologischen Studien im Seminar gemäß der Ordnung für die Priesterausbildung nacheinander oder miteinander verbunden erfolgen können. Im Rechtsbuch von 1917 war vorgeschrieben, dass die philosophische Ausbildung der theologischen vorausgehen musste.
Päpstliche Schreiben
Pius IX. 18. September 1861 Kongregation des Heiligen Offiziums, Dekret „Errores ontologistarum“.
Leo XIII. 4. August 1879 Enzyklika Aeterni patris Der Wert der Philospohie, um den Glauben zu sichern; die scholastische Methode des Heiligen Thomas von Aquin.
7. März 1880 Ansprache "Pergratus nobis" an eine Deputation von Gelehrten über die Notwendigkeit des Studiums der Philosophie des heiligen Thomas von Auin.
4. August 1880 Breve "Cum hoc sit" – Einsetzung: St. Thomas von Aquin als Schutzpatron aller katholischen Schulen.
8. September 1899 Enzyklika "Depuis le jour" an die französischen Bischöfe über die Erziehung des Klerus: Er beschreibt die „Summa theologiae“ als „le livre par exellence“ für die Priesterstudenten.
Pius X. 29. Juni 1914 Motu proprio "Doctoris angelici" zur Bestärkung die Philosophie des Heiligen Thomas von Aquin in den Schulen zu studieren.
27. Juli 1914 Kongregation für die Studien, Dekret Thesen der thomistischen Philosophie. Der Papst lässt die Hauptsätze der thomistischen Metaphysik für gutheißen.
Benedikt XV. Codex Iuris Canonici 15. September 1917, can. 1366 § 2: Die Professoren der Philosophie und der Theologie sollen bei ihren Forschungen und Vorlesungen die Methode, die Lehre und die Grundsätze des heiligen Thomas befolgen und sich gewissenhaft daran halten».
Pius XI. 29. Juni 1923 Enzyklika Studiorum ducem zur sechsten Jahrhundertfeier der Heiligsprechung des Thomas von Aquin.
24. Mai 1931 Apostolische Konstitution Deus scientiarum dominus Auftrag zur Reform der Studien in den kirchlichen Fakultäten vor allem, um die Bildung und das Wissen der Priester zu erweitern und zu heben.
12. Juni 1931 Studienkongregation, Sacra congregatio seminariis zur richtigen Durchführung der Apostolischen Konstitution Deus scientiarum dominus über die kirchlichen Universitäten und Fakultäten.
7. Juli 1932 Kongregation der Seminarien und Universitäten, Instruktion vom 7. Juli 1932 zur Durchführung der Apostolischen Konstitution Deus scientiarum dominus an den theologischen Fakultäten der deutschen Universitäten.
Pius XII. 24. Juni 1939 Ansprache an die Kleriker und Alumnen von Rom, über das Studium und Gebet. Empfehlung des Heiligen Thomas zur Glaubensverbreitung.
29. Juni 1943 Enzyklika Mystici corporis über den Geheimnisvollen Leib Christi.
12. August 1950 Enzyklika Humani generis über einige falsche Ansichten, die die Grundlagen der Katholischen Lehre zu untergraben drohen (heutige gefährliche philosophische Tendenzen; Prinzipien einer gesunden Philosophie).
Johannes XXIII. 17. Juli 1961 Schreiben des Sekretärs des Heiligen Offiziums, über die Graduierung von Nichtkatholiken an kirchlichen Universitäten.
Paul VI. 4. November 1963, Apostolischer Brief Summi Dei Verbum über die tridentinischen Seminare und ihren bleibenden Wert und dass Theologie und Philosophie den Prinzipien und Methoden des Heiligen Thomas folgen sollen.
12. März 1964 Ansprache für Dozenten der Römischen Hochschule Gregoriana.
Paul VI. 28. Oktober 1965 Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Optatam totius über die Ausbildung der Priester (AAS LVIII [1966] 713-727).
20. Mai 1968 Kongregation für das Katholische Bildungswesen Normae quaedam Normen zur Revision der Apostolischen Konstitution Deus scientiarum dominus über die kirchlichen akademischen Studien.
6. Januar 1970 Priesterausbildung und Theologiestudium. Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Ratio fundamentalis institutionis sacersotalis, Grundordnung für die Ausbildung der Priester.
20. April 1972 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Habilitation oder die Berufung von Nichtpriestern an den Katholisch-Theologischen Fakultäten und Philosophisch-Theologischen Hochschulen.
22. Februar 1976 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Dekret Die theologische Ausbildung der künftigen Priester.
19. März 1977 Die katholische Schule.
3. Juni 1979 Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Instruktion In ecclesiasticam futurorum über die liturgische Ausbildung der Priesteramtskandidaten (N 15 [1979] 526-565).
6. Januar 1980 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Rundschreiben Aktuelle Hinweise vom 6. Januar 1980 für die Einführung der Priesteramtskandidaten in das geistliche Leben]].
Johannes Paul II. 25. Januar 1983, Codex Iuris Canonici, Ausbildung der Kleriker can. 232-264
can 245 § 2. Die Alumnen sind so zu bilden, dass sie, von der LIEBE zur KIRCHE CHRISTI erfüllt, dem Papst als Nachfolger Petri in demütiger und kindlicher LIEBE ergeben sind und dem eigenen Bischof als dessen treue Mitarbeiter anhangen und gemeinsam mit den Mitbrüdern ihren Dienst
Can. 250 – Die philosophischen und theologischen Studien im Seminar können gemäß der Ordnung für die Priesterausbildung nacheinander oder miteinander verbunden erfolgen; die Studien haben insgesamt wenigstens sechs Jahre zu dauern, und zwar so, dass die Zeit für die philosophischen Studien volle zwei Jahre, für die theologischen Studien volle vier Jahre umfaßt.
Can. 251 – Die philosophische Ausbildung, die sich auf das immer gültige philosophiscbe Erbe stützen muß auch Rücksicht auf die philosophische Forschung der fortschreitenden Zeit nehmen muss, ist so zu vermitteln, dass sie die menschliche Bildung der Alumnen vervollkommnet, ihren Verstand schärft und sie für die theologischen Studien fähiger macht.
Can. 252 § 1. Die theologische Ausbildung ist im Lichte des Glaubens unter der Führung des Lehramtes so zu erteilen, dass die Alumnen die ganze katholische auf göttlicher Offenbarung beruhende Lehre kennen lernen, sie zur Nahrung des eigenen geistlichen Lebens machen und bei der Ausübung ihres Dienstes in rechter Weise verkündigen und schützen können.
§ 2. In der Heiligen Schrift sind die Alumnen mit besonderer Sorgfalt zu unterrichten, so dass sie einen Überblick über die ganze Heilige Schrift erlangen.
§ 3. Es sind Vorlesungen in dogmatischer Theologie zu halten, die sich immer auf das geschriebene Wort GOTTES zusammen mit der heiligen Tradition stützen; mit deren Hilfe sollen die Alumnen die Heilsgeheimnisse, vor allem unter Anleitung des heilige Thomas als Lehrer, tiefer zu durchdringen lernen; ebenso muss es gemäß den Vorschriften der Ordnung für die Priesterausbildung Vorlesungen geben in Moraltheologie, Pastoraltheologie, Kirchenrecht, Liturgiewissenschaft, Kirchengeschichte und in Hilfs- und Spezialwissenschaften.
19. März 1985 Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Tria iam lustra Neuausgabe der Grundordnung für die Ausbildung der Priester "Ratio fundamentalis institutionis sacersotalis von 1970". Diese Neufassung ergänzt die „RATIO“ vom 6. Januar 1970 durch nötige Änderungen durch den CIC und weitere Dokumente des Apostolischen Stuhls
19. März 1986 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Leitlinien vom 19. März 1986 für die Ausbildung der künftigen Priester in den Medien der Sozialen Kommunikation (Vatikanstadt [1]
25. März 1988 Kongregation für das Katholische Bildungswesen, A segunda Die Jungfrau Maria in der intellektuellen und spirituellen Ausbildung.
27. Juni 1989 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Leitlinien vom 27. Juni 1989 für das Studium und den Unterricht der Soziallehre der Kirche in der Priesterausbildung]] (dt.: VAS 91).
10. November 1989 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Instruktion Inspectis dierum über das Studium der Kirchenväter in der Priesterausbildung ( AAS 82 [1990] 607-636; dt.: VAS 96).
25. März 1992 Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis der VIII. Ordentlichen Generalversammlung zur Welt-Bischofssynode vom 30. September - 28. Oktober 1990 über die Priesterbildung im Kontext der Gegenwart an die Bischöfe, Priester und Gläubigen (AAS 84 [1992] 657-804; dt.: VAS 105).
29. März 1992 Gründonnerstagsschreiben Ego sum vitis an alle Priester der Kirche indem er das Apostolische Mahnschreiben über die Priesterbildung erläutert (lat.: AAS 84 [1992] 572 f).
15.10.1992 Schreiben Päpstliche Kommission für die Erhaltung des künstlerischen und geschichtlichen Erbes Il santo padre an alle residierenden Bischöfe, mit dem die Verantwortlichen für die Ausbildung der Kandidaten für das Priestertum bei der Vorbereitung der zukünftigen Priester auf ihre Aufgaben bezüglich des kunstgeschichtlichen Erbes in der Kirche unterstützt werden sollen.
4. November 1993 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Instruktion Tra i vari mezza, für die Vorbereitung der Seminarerzieher.
19.März 1995 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Instruktion vom 19.März 1995 für die Ausbildung der Priesteramtskandidaten im Hinblick auf die Probleme von Ehe und Familie.
1. Mai 1998 Informationsdokument, Der propädeutische Abschnitt.
17. Juli 2004 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Leitlinien für die Ausbildung der künftigen Priester in den Medien der Sozialen Kommunikation.
4. November 2005 Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Instruktion In continuity über Kriterien zur Berufungsklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen im Hinblick auf ihre Zulassung für das Priesterseminar und zu den heiligen Weihen (AAS 97 [2005] –1007-1013 [2] VAS 170).
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Priesterausbildung)
kathpedia.com: Priesterseminar
Ein Priesterseminar, Großes Seminar oder Alumnat ist gemäß kirchlicher Vorschrift (CIC cann. 232-264) die ordentliche Lehr- und Erziehungstättte für jene, die vom Bischof einer Diözese als Priesteramtskandidaten (Alumnen) angenommen worden sind. Maßgeblich ist das Dekret des II. Vatikanum Optatam totius und sind die im Anschluss daran erlassenen Ausbildungsordnungen.
"In das Priesterseminar dürfen vom Diözesanbischof nur solche zugelassen werden, die aufgrund ihrer menschlichen, sittlichen, geistlichen und intellektuellen Anlagen, ihrer physischen und psychischen Gesundheit und auch ihrer rechten Absicht fähig erscheinen, sich dauernd geistlichen Ämtern zu widmen." (CIC, can. 241, § 1)
Die Zeit der Formung der Kandidaten im Seminar umfasst eine gediegene menschliche, geistliche und wissenschaftliche Bildung.
Es ist Aufgabe der Kirche, die der Bischof durch seine Mitarbeiter wie Regens, Subregens und Spiritual wahrnimmt, die Eignung jener festzustellen, die in das Priesterseminar eintreten wollen.
Die Weihe zum Diakon und Priester kann nur dann erfolgen, wenn der Kandidaten über alle erforderlichen Eigenschaften und Voraussetzungen verfügt. Niemand hat ein Recht auf die heiligen Weihen.
Priesterseminare
Bistum Essen
Bischöfliches Priesterseminar des Bistums Essen (Priesterseminar St. Ludgerus Bochum)
Bistum Osnabrück
Priesterseminar
Regens: Dr. Martin Schomaker
Bistum Trier
Bischöfliches Priesterseminar Trier
Erzbistum Bamberg
Erzbischöfliches Priesterseminar Bamberg
Erzbistum München und Freising
Priesterseminar der Erzdiözese München und Freising (Priesterseminar St. Johannes der Täufer)
Erzbistum Paderborn
Erzbischöfliches Priesterseminar Paderborn
Regens: Msgr. Uwe Wischkony (informatio)
Päpstliche Schreiben
1. August 1922 Apostolisches Schreiben „Officiorum omnium“ an den Kardinalpräfekten der Heiligen Kongregation der Seminare und Universitäten zum Entwurf der Richtlinien, nach denen die jungen Diener des Heiligtums zu Priestern erzogen werden sollen (AAS XIV [1922] 449-458).
8. Dezember 1938 Kongregation der Sakramente, Instruktion „Postquam pius" an die Bischöfe über die tägliche Kommunion in Seminarien und anderen kirchlichen Instituten.
15. August 1949 Studienkongregation, Anweisung für die kirchenmusikalische Ausbildung in den Seminarien (AAS XLI [1949] 618-619).
13. Mai 1950 Päpstliche Bibelkommission, Instruktion über die rechte Art in Klerikalseminarien und Ordenskollegien über die Bibel zu dozieren (AAS XLII [1950]).
4. November 1963 Apostolisches Schreiben Summi Dei Verbum zur Vierhundertjahrfeier der Seminare nach Maßgabe des Konzil von Trient
25. Dezember 1965 Kongregation für die Seminare und Universitäten über die liturgische Bildung der Alumnen (EV II, 514-578).
20. Januar 1972 Rundschreiben der Kongregation für das katholische Bildungswesen, Schreiben an alle Bischöfe über die Notwendigkeit einer intensiven Förderung des Studiums der Philosophie an den Seminaren.
27. Juli 1992 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Rundschreiben über die verschiedenen rechtlichen Verfügungen der Zulassung von Kandidaten ins Seminar und zu den Weihen.
15. Oktober 1992 Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche, Rundschreiben „Il santo padre“ über die Ausbildung in den Kulturgütern in den Seminaren (dt.: DEL 3, Nr. 6718-6749).
4. November 1993 Kongregation für das katholische Bildungswesen, Instruktion Tra i vari mezza Normen für die Vorbereitung der Seminarerzieher.
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Priesterseminar)
kathpedia.com: Priesterweihe
Das Sakrament der Weihe (Ordo) besteht in drei wesentlich miteinander verbundenen Stufen: Weihe zum Diakon, Priester, Bischof.
Wer zum Priester geweiht wird, erhält besonderen Anteil am Priestertum Christi, des einzigen Mittlers zwischen Gott und den Menschen. Der Priester ist dazu berufen, in der Person Christi das eucharistische Opfer zu feiern (heilige Messe), das Wort Gottes zu verkünden und die Sakramente zu spenden, insbesondere das Bußsakrament.
Aus den Getauften genommen ist der Priester für das Volk Gottes bestellt und berufen. Gott beruft seine Priester durch die Kirche. Wer objektiv geeignet ist, diesen Dienst zu übernehmen, und seine Bereitschaft dazu vor der Kirche kundtut, kann - nach Bestätigung und Annahme dieser Berufung durch die Kirche (vertreten durch den Bischof) - die Priesterweihe empfangen. Während der Taufbefehl Jesu jedem Menschen, der sich zu Christus bekennt, die Taufe eröffnet, hat niemand "Anspruch" auf die Weihe. Diese wird durch Handauflegung und Gebet gespendet (wesentliche Zeichen). Als ausdeutende Zeichen werden die heiligen Geräte überreicht sowie die Hände gesalbt.
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Priesterweihe)
kathpedia.com: Pfarrer
Ein Pfarrer (in manchen Gegenden auch Pastor genannt) ist der Priester, der vom Bischof mit der Leitung einer Pfarrei beauftragt ist. Das Kirchenrecht untergliedert den Dienst des Pfarrers in die "Dienste des Lehrens, des Heiligens und des Leitens" (vgl. Can. 519). In seinem Amt können dem Pfarrer weitere Priester (meist Vikare oder Kapläne genannt), Diakone und Laien zur Seite stehen. Dabei ist der Pfarrer verpflichtet, seinen Dienst in Übereinstimmung mit der Autorität des Ortsbischofes auszuüben.
Der Bischof kann auch einer Ordensgemeinschaft eine Pfarrei übertragen. Dabei muss aber klar sein, welches Mitglied des Ordens gegenüber dem Bischof die Verantwortung übernimmt.
Um zum Pfarrdienst zugelassen zu werden, ist eine Eignungsprüfung vorgeschrieben (vgl. Can. 521, $3), in Deutschland wird diese Pfarrexamen genannt.
Das Dienstamt des Pfarrers unterliegt in der jüngsten Zeit zahlreichen Hinterfragungen und Wandlungen. Durch den Rückgang der Pfarrerzahlen im Vergleich zu den Gemeindezahlen nehmen zahlreiche Diözesen im deutschen Sprachraum Umstrukturierungen vor. So kann es sein, dass ein Pfarrer für eine ganze Reihe von Pfarreien verantwortlich ist oder aber die Aufgabe übertragen bekommt, Gemeinden aufzulösen und in eine Großpfarrei zusammenzuführen. Eine andere Möglichkeit des Zusammenschlusses ist der Pastoralverbund.
Päpstliche Schreiben
Pius X., Dekret Maxima cura semper über die Entfernug der Pfarrer von Amt und Pfründe auf dem Verwaltungsweg.
Johannes Paul II. 4. August 2002 Kongregation für den Klerus, Instruktion vom 4. August 2002 „Der Priester, Hirte und Leiter der Pfarrgemeinde ([1] VAS 157).
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Pfarrer)
Gloria TV / Kirche in Not: Gebt uns heilige Priester!
kathTube.com: Ordination Sacerdotalis
kathpedia.com: Marianische Priesterbewegung
Die Marianische Priesterbewegung (MPB) ist eine geistliche Bewegung, die die Wünsche der Gottesmutter aus den Erscheinungen in Fatima umsetzen möchte. Sie ist keine juridische Organisation. Es gehören ihr ungefähr 400 Bischöfe und 100 000 Priester an.
Ursprung
Am 8. Mai 1972 nimmt der italienische Priester Stefano Gobbi an einer Wallfahrt nach Fatima teil. Er befindet sich in der Erscheinungskapelle, um für einige Priester zu beten, die nicht nur ihre persönliche Berufung verraten, sondern versuchen, sich in Vereinigungen zu organisieren, die der Autorität der Kirche entgegengesetzt sind. Eine innere Kraft drängte ihn, auf die Liebe Mariens zu vertrauen. Die Muttergottes wählt ihn als ihr bescheidenes Werkzeug, um all jene Priester zu sammeln, die ihre Aufforderung annehmen: sich ihrem Unbefleckten Herzen weihen, entschlossen mit dem Papst und der mit ihm vereinten Kirche verbunden bleiben und die Gläubigen in den sicheren Zufluchtsort ihres mütterlichen Herzens führen. So sollte sich eine große Schar bilden, die sich in allen Teilen der Welt verbreitet, die aber nicht durch menschliche Propagandamittel, sondern durch übernatürliche Kraft gesammelt wird, die aus der Stille, aus dem Gebet, dem Leiden und der standhaften Treue gegenüber den Pflichten entspringt. Don Stefano bat die Muttergottes um ein kleines Zeichen der Bestätigung, das sie ihm vor Ende desselben Monats in der Verkündigungsbasilika von Nazareth gab. Daraufhin begann Don Gobbi und viele Priester, durch Gebetsstunden sogenannte Coenakel (Abendmahlssaal) mit anschließender Zusammenkunft (Fraternitá), an denen Laien teilnehmen, die Botschaft von Fatima umzusetzen. Er hält auf alle fünf Kontinenten Versammlungen ab.
Charakteristik
die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens
die Einheit mit dem Papst und der mit ihm verbundenen Kirche
die Führung der Gläubigen zu einem Leben der Hingabe an Maria. Ziel ist es, Maria im eigenen Leben handeln zu lassen.
Das Beten des Rosenkranzes
Mitglieder
Nach den schriftlichen Anmeldungen gehören zur MPB etwa 400 Bischöfe und 100 000 Priester aus dem Diözesanklerus und aus den verschiedenen Orden und Kongregationen an. Da für Brüder und Schwestern der Orden und Kongregationen und für Laien in manchen Ländern keine regelrechte Anmeldung vorgesehen ist, läßt sich - auch nicht annähernd - eine Zahl angeben, schätzungsweise handelt es sich um Millionen, die dem »Helferkreis der Marianischen Priesterbewegung« angehören. Darüber hinaus gibt es eine beträchtliche Anzahl von sympathisierenden Priestern. Sie sind der Bewegung noch nicht beigetreten, zeigen jedoch auf verschiedene Weise und bei verschiedensten Anlässen ihre Solidarität. Wenn sie im Geist der Bewegung leben, tun sie bereits das Wesentliche, auch wenn sie in keiner Mitgliederliste stehen."
Deutschsprachige Sekretariate
Deutschland: Marianische Priesterbewegung, Blumenfeld, Schlossstrasse 8, D-78250 Tengen, Tel. 0 77 36 / 73 44 Fax 0 77 36 / 78 59
Österreich: Marianische Priesterbewegung, Schrutkagasse 48, A-1130 Wien, Tel. 01- 8 77 81 62, Versandstelle der MPB, A-5020 Salzburg, Griesgasse 8
Schweiz: Marianische Priesterbewegung, P. Paul Holdener CSSR, Redemptoristen Mariawil, Bruggerstr. 143, CH-5400 Baden
Internationales Zentrum
Internationales Zentrum, Marianische Priesterbewegung, Via Terruggia 14, I-20162 Milano (Italien)
Literatur
Buch: (DIN A 6, ca. 1500 Seiten) An die Priester, die vielgeliebten Söhne der Muttergottes (Übersetzung aus dem Italienischen) Einsprechungen Unsrer Lieben Frau an Don Stefano Gobbi (Imprimatur Bernadino Kardinal Echeverría, Emeritierter Erzbischof von Guayaquil, Apostolischer Administratur von Ibarra 2.2.1998) Dieses Buch ist nicht in Buchhandlungen erhältlich, sondern nur über die Sekretariate der Marianischen Priesterbewegung und in Deutschland bei Pfarrer Helmut Maria Gressung, Reisbach, Kirchplatz 12, D-66793 Saarwellingen, Tel. 0 68 38 / 98 30 80 Fax 0 68 386 / 98 30 81)
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Marianische_Priesterbewegung)
Eschatologisches Zeichen
Ich glaube, es war Michael D. O’Brien, der einmal sinngemäß sagte, dass das zölibatäre Priestertum ein eschatologisches Zeichen ist, also ein Zeichen, das auf das Ende aller Zeiten hinweist. Ein Zeichen, das in seinem eigenen Fleisch etwas über das endgültige Ziel von Liebe trägt, das, wonach jede menschliche Liebe ausgerichtet ist und trachtet und dem gegenüber jede menschliche Liebe nicht gerecht wird.
kathpedia.com: Klerus
Mit dem Wort Klerus oder Geistliche wird der Stand der Amtsträger in der Kirche bezeichnet, der Bischöfe, Priester und Diakone. Bestimmte Befugnisse sind von der Zugehörigkeit zum Klerus abhängig. In den Kirchen der Reformation besteht zwar theologisch kein von der Gemeinde verschiedener Klerus. In der Praxis wird die Kirchenleitung jedoch gleichfalls von "Beamten" dominiert. Nach katholischer Auffassung (und auch in der Orthodoxie) setzt der Zugang zum Klerus jedoch eine besondere, persönliche Berufung durch Jesus Christus als dem Haupt der Kirche voraus, die in der Weihe vollzogen wird. Ein Kleriker ist jeder, der mindestens die Diakonatsweihe und von Gott durch das Weihesakrament ein für immer unauslöschliches Merkmal empfangen hat.
Früher begann der Eintritt in den rechtlichen Klerikerstand mit der Tonsur, nach dem neuen CIC von 1983 mit der Diakonenweihe (vgl. c. 266 §1 CIC; c. 358 CCEO). Die neue Rechtsordnung nähert den Stand des Klerus also enger an die (auch zuvor gültige) sakramentale Amtsauffassung der Kirche an.
Anredeformen für kirchliche Personen
Diakon: Herr Diakon
Vikar: Herr Vikar, Herr Kaplan
Priester: Hochwürdiger Herr ...
Pfarrer (Weltpriester, füher Leutpriester genannt): Herr Pfarrer, Hochwürdiger Herr Pfarrer
Ordenspriester: Herr Pater
Bischof: Herr Bischof oder Eure Excellenz
Kardinal: Herr Kardinal oder Eure Eminenz
Papst: Heiliger Vater oder Eure Heiligkeit
Kirchliche Kleidung
Konzil von Trient
am 25 November 1551, 14. Sitzung, 6. Kapitel: Wie dass die Geistlichen, die in die heiligen Weihen erhoben oder Benefizien besitzend, sich nicht einer ihrem Stande geziemenden Kleidung bedienen, bestraft werden sollen:
Weil es aber den Geistlichen, obgleich der Habit den Mönch nicht macht, doch geziemt, stets eine dem eigenen Stande angemessenen Kleidung zu tragen, um durch die Wohlanständigkeit des äußeren Anzuges zu tragen, um durch die Wohlanständigkeit die innere Ehrbarkeit der Sitten an den Tag zu legen, bei einigen aber heutzutage eine so große Leichtfertigkeit und Missachtung der Religion eingewachsen ist, dass sie, ihre eigene Würde und geistliche Ehre geringschätzend, auch öffentlich weltliche Kleidung tragen, ihre Füße auf entgegengesetzten Boden, den einen auf göttlichen, den andern auf fleischlichen setzend: so können und sollen deswegen alle kirchlichen, wie immer befreiten Personen, welche sich in den heiligen Weihen befinden oder kirchliche Würden, Personalstellen, Ämter oder was immer für Benefizien inne haben, wenn sie einmal von ihrem Bischofe auch durch ein öffentliches Edikt ermahnt sind und nicht gemäß der Anordnung und dem Gebote dieses Bischofs, eine ehrbare, ihrem Stande und ihrer Würde angemessene Klerikalkleidung tragen, durch Suspension von den Weihen und vom Amt und Benedfizium und von den Früchten, Einkünften und Gehalten von diesen Benefizien, so auch, wenn sie nach einmaliger Zurechtweisung, sich abermals hierin verfehlen, auch durch Entfernung von diesen Ämtern und Benefizien gebändigt werden, zumal hiermit die Verordnung Klemens des V. im Kirchenrat von Wien, welche anfängt „Quoniam“, erneuert und erweitert wird.
Das Kirchenrecht zur Klerikalen Kleidung
Can. 284: Die Kleriker haben gemäß den von den Bischofskonferenz erlassenen Normen und den rechtmäßigen örtlichen Gewohnheiten eine geziemende kirchliche Kleidung zu tragen.
Die Bischofskonferenz zur Klerikalen Kleidung
Deutschland: DBK: Oratorianerkragen oder römisches Kollar, in begründeten Fällen dunkler Anzug mit Kreuz. Österreich:
Schweiz:
Weltweite Verteilung des Klerus
Kongregation für den Klerus, Instruktion Postquam apostoli vom 25. März 1980 für die Förderung der gegenseitigen Zusammenarbeit der Teilkirchen und insbesondere für die geeignete Verteilung de Klerus (AAS LXXII [1980] 343-363),, VAS Nr. 31)
Päpstliche Schreiben
18. Juni 1968 Apostolische Konstitution Pontificalis romani Approbation der liturgischen Ordnung für die Weihe des Diakons, Priesters und Bischofs (AAS 60 [1968] 569-573).
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Klerus)
kathpedia.com: Priesterbewegung Corpus Christi
Die Priesterbewegung Corpus Christi ist eine Gründung der seligen Mutter Teresa. Das erste Mitglied war Johannes Paul II. Es können ihr Weltpriester und Ordensleute angehören. Alle Priester der Bewegung sind zuerst ihrem Bischof oder Ordensobern unterstellt.
Ziel
Das Ziel der Bewegung ist, das Evangelium treu zu leben in Einfachheit und Armut im Geiste, in Verbindung mit der Spiritualität und dem Charisma, das Gott der ganzen Welt durch Mutter Teresa gegeben hat.
Jesus am Kreuz sagte: «Mich dürstet». Als Priester sollen die Mitglieder diesen Ruf hören, um Seinen Durst nach Liebe und nach Seelen zu stillen, indem realisiert wird, dass man selber dürstet nach Seiner Liebe. Sie wollen das leben, indem sie sich ganz auf die Eucharistie zentrieren, die für sie Quelle und Höhepunkt des priesterlichen Lebens ist. Dabei wollen sich die Priester ganz in die Hände Mariens, der Mutter der Kirche und der Mutter der Priester, hineinbegeben.
In den einzelnen Ländern sollen ab und zu Treffen organisiert werden, damit ein Austausch untereinander stattfinden kann.
Geschichte
Im Rahmen von Exerzitien vom 26. März bis 1. April 2000 in Perth Amboy, New Jersey (USA), wurde der letzte Wunsch von Mutter Teresa, die Priesterbewegung «Corpus Christi», wiederbelebt und offiziell gegründet. Seither finden jährlich 1 bis 2x Exerzitien statt, um neue Interessenten in die Spiritualität von Mutter Teresa und ihrer Bewegung einzuführen.
Charakteristik
In der täglichen Zelebration des Heiligen Messeopfers und einer Stunde Eucharistischer Anbetung sollen die Priester das Zentrum ihres Lebens finden. Sie wachsen in der Liebe zu Jesus, indem sie sich so von Seiner Liebe ernähren.
Sie lieben besonders die Armen, sei es die materiell oder spirituell Armen, und versuchen in ihnen den leidenden und dürstenden Christus zu sehen und zu lieben.
Sie bemühen sich um einen einfachen Lebensstil, indem sie überflüssige Dinge weggeben.
Sie sollen den anderen Priestern der Bewegung eine Stütze und Hilfe sein und gegenseitig im geistigen Wachstum bestärken.
Als Mitglieder der Bewegung werden sie von einer Mutter-Teresa-Schwester «adoptiert» und auch sie «adoptieren» diese Schwester, indem sie täglich für sie beten.
Adressen
Schweiz: Corpus Christi Bewegung für Priester
z. Hd. Pfr. Andreas Gschwind, CH-4106 Therwil
E-Mail: and-veloce@bluewin.ch
Österreich: Pfr. Dr. Leo-M. Maasburg, Wien
E-Mail: lmaasburg@missio.at
Medien
CD: Radio Horeb, Sendung Spiritualität, 16. Januar 2008, Orden stellen sich vor: Priesterbewegung Corpus Christi, (Die CD ist kostenlos – jedoch Spende erwünscht; sie kann hier unter diesen Angaben mit Adresse bestellt werden) oder Herunterladen (Download): 2008-01-16_sp.mp3 [1]
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Priesterbewegung_Corpus_Christi)
Die Praxis der Katholischen Kirche, nur Maenner zu Priester zu weihen, ist sexistisch! Fuer Jesus sind Maenner und Frauen doch gleich – warum also koennen Frauen keine Priesterinnen werden? Jesus haette Frauen nie so diskriminiert!
Die Tatsache, dass nur Maenner Priester werden koennen, hat keineswegs etwas damit zu tun, dass Frauen weniger „wert“ seien. Ganz im Gegenteil: vor Gott sind beide gleich viel wert (Gal 3,28) – jedoch haben beide auch unterschiedliche Rollen und Aufgaben. Sie sind also nicht „dasselbe“.
Zunaechst einmal war auch Jesus ein Mann. Na und? werden manche sagen. Nun, der Priester nimmt an Jesu’ Priestertum teil und steht an Seiner Stelle in der Messe am Altar. Genau genommen ist es ja nicht der Priester, sondern Jesus selbst, der das Opfer darbringt. Auch die von Jesus selbst ausgewaehlten Apostel waren dementsprechend Maenner. Auch lesen wir in der Bibel nur von maennlichen Priestern/Aeltesten oder Bischoefen (1 Kor 9,5; 1 Tim 2,12; 1 Tim 3,2, 12). Man kann aber nun weder Jesus noch die Kirche selbst wohl kaum als „sexistisch“ bezeichnen. Denken wir doch nur an die Muttergottes, die die Kirche seit jeher verehrt hat – eine Frau! Ihr wurde die hoechste Ehre zuteil, naemlich den Sohn Gottes in sich zu tragen und zur Welt zu bringen! Auch Jesus selbst hat im Laufe Seines Wirkens immer den hoechsten Respekt vor Frauen gehabt.
Einer weiteren Frau, Maria Magdalena, wurde die Ehre zuteil, als erste den auferstandenen Jesus zu sehen!
So stellt auch die Katholische Kirche den Wert und die Bedeutung von Frauen immer wieder heraus – man denke nur an die Frauen, die wir in der Bibel finden oder an all die weiblichen Heiligen!
Ist es vielleicht auch sexistisch, dass Jesus in einem maennlichen Koerper zur Welt kam? Haette Er vielleicht als eine Art geschlechtsloses Wesen oder als Frau kommen sollen?
Die Katholische Kirche kann Frauen nicht als Priester akzeptieren, weil dies nicht Gottes Willen entsprechen wuerde. Wer sind wir, dass wir Seinen Willen in Frage stellen?
Manche moegen nun einwenden, dass diese Unterschiede der Geschlechter doch nirgends in der Bibel zu finden seien, sondern Ergebnis einer patriarchalen Gesellschaft waeren.
Jesus selbst aber legte die Grundlage fuer das Priestertum. Aus gutem Grund waehlte Er nur Maenner als Apostel aus – und genau diese Apostel bildeten die Basis der apostolischen Sukzession, also der ungebrochenen Nachfolge und Lehre seit Jesu Zeiten, die durch das Handauflegen der Bischoefe weitergegeben wird. Man kann Jesus aber kaum unterstellen, Er haette etwas gegen Frauen gehabt. Auch war Er keineswegs zimperlich, wenn es darum ging, ueberholte Regeln ueber den Haufen zu werfen. Wenn Er also Frauen als Priester gewollt haette, haette Er das auch klargestellt und Frauen auch als Apostel berufen. Nichts dergleichen aber tat Er. Auch duerfen wir nicht Jesu Versprechen vergessen, der Heilige Geist wuerde Seine Kirche immer leiten. In der Kirchengeschichte gab es aber nie (!) weibliche Priester. Selbst in einer patriarchalen Gesellschaft haette Gott, wenn Er dies denn beabsichtigt haette, durch die Fuehrung des Heiligen Geistes jederzeit Priesterinnen berufen koennen.
Frauen und Maenner haben unterschiedliche Rollen. Das bedeutet nicht, dass Frauen weniger wert sind als Maenner. Sie sind anders – und dieser Unterschied ist gut und gottgewollt.
Sehen wir uns Jesus selbst an: Er ordnete sich dem Vater unter (Phil. 2,5-8; vgl. 1 Kor 11,3; 15,28) – ja sogar Maria und Josef (Lk 2,51). Jesus ist gleich viel „wert“ wie der Vater, hat aber andere Aufgaben und hat sich diesem auch untergeordnet. Auch hat Er Seiner Braut – der Kirche – der Er als Haupt vorstand, in einer Art und Weise gedient, die letztlich sogar Sein eigenes Leben kostete!
Die Katholische Kirche hat Frauen immer eine besondere Rolle eingeraeumt. Sie kann aber nicht von Gottes Wort abweichen und etwas tun, dass klar dem biblischen Menschenbild wie der biblischen Lehre und der kirchlichen Tradition widerspricht – auch auf die Gefahr hin, dass Sie damit nicht „politisch korrekt“ ist.
(Quelle: Dave Armstrong, The One-Minute Apologist. Sophia Institute Press. Manchester, New Hampshire 2007. Go and get it!)
SCHREIBEN VON PAPST BENEDIKT XVI.
SCHREIBEN VON PAPST
BENEDIKT XVI.
ZUM BEGINN DES PRIESTERJAHRES
ANLÄSSLICH DES 150. JAHRESTAGES DES "DIES NATALIS"
VON JOHANNES MARIA VIANNEY
Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst,
am kommenden Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, Freitag, dem 19. Juni 2009 – dem Tag, der traditionsgemäß dem Gebet um die Heiligung der Priester gewidmet ist – möchte ich anläßlich des 150. Jahrestags des „dies natalis“ von Johannes Maria Vianney, dem Schutzheiligen aller Pfarrer der Welt[1], offiziell ein „Jahr der Priester“ ausrufen. Dieses Jahr, das dazu beitragen möchte, das Engagement einer inneren Erneuerung aller Priester für ein noch stärkeres und wirksameres Zeugnis für das Evangelium in der Welt von heute zu fördern, wird 2010 wiederum an diesem Hochfest seinen Abschluß finden. „Das Priestertum ist die Liebe des Herzens Jesu“, pflegte der heilige Pfarrer von Ars zu sagen.[2] Diese bewegende Formulierung veranlaßt uns vor allem, uns innerlich angerührt und dankbar bewußt zu werden, welch unermeßliches Geschenk die Priester nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Menschheit überhaupt sind. Ich denke an all die Priester, die in Demut Tag für Tag den Christgläubigen und der ganzen Welt die Worte und Taten Christi nahebringen, indem sie versuchen, mit ihren Gedanken, ihrem Willen, ihren Gefühlen und ihrem gesamten Lebensstil mit ihm übereinzustimmen. Wie könnte man es versäumen, ihre apostolischen Mühen, ihren unermüdlichen und verborgenen Dienst und ihre im Grunde allumfassende Liebe zu unterstreichen? Und was soll man zu der mutigen Treue so vieler Priester sagen, die – wenn auch inmitten von Schwierigkeiten und Unverständnis – ihrer Berufung treu bleiben, „Freunde Christi“ zu sein, die von ihm in besonderer Weise gerufen, erwählt und ausgesandt sind?
Ich selbst trage noch die Erinnerung an den ersten Pfarrer im Herzen, an dessen Seite ich meinen Dienst als junger Priester ausübte: Er hinterließ mir das Beispiel einer rückhaltlosen Hingabe an seine seelsorgliche Aufgabe bis zu seinem Tod, der ihn ereilte, als er einem Schwerkranken das Sakrament der Wegzehrung brachte. Und dann kommen mir die unzähligen Mitbrüder in den Sinn, denen ich begegnet bin und immer noch begegne, auch während meiner Pastoralreisen in die verschiedenen Nationen – Mitbrüder, die großherzig in der täglichen Ausübung ihres priesterlichen Dienstes aufgehen. Aber die vom heiligen Pfarrer von Ars gebrauchte Formulierung ruft auch die Erinnerung an das durchbohrte Herz Christi und an die Dornenkrone auf seinem Haupt wach. Folglich gehen die Gedanken zu den unzähligen Situationen des Leidens, in die viele Priester hineingezogen sind, sei es weil sie Anteil nehmen an den menschlichen Erfahrungen von Schmerz in der Vielfalt seiner Ausdrucksformen, sei es weil sie bei denjenigen, denen ihr Dienst gilt, auf Unverständnis stoßen: Wie könnte man die vielen Priester vergessen, die in ihrer Würde verletzt, in ihrer Sendung behindert, manchmal sogar bis hin zum extremen Zeugnis der Hingabe des eigenen Lebens verfolgt werden?
Leider gibt es auch Situationen, die nie genug beklagt werden können, in denen es die Kirche selber ist, die leidet, und zwar wegen der Untreue einiger ihrer Diener. Die Welt findet dann darin Grund zu Anstoß und Ablehnung. Was in solchen Fällen der Kirche am hilfreichsten sein kann, ist weniger die eigensinnige Aufdeckung der Schwächen ihrer Diener, als vielmehr das erneute und frohe Bewußtsein der Größe des Geschenkes Gottes, das in leuchtender Weise Gestalt angenommen hat in großherzigen Hirten, in von brennender Liebe zu Gott und den Menschen erfüllten Ordensleuten, in erleuchteten und geduldigen geistlichen Führern. In diesem Zusammenhang können die Lehren und die Beispiele des heiligen Johannes Maria Vianney allen einen bedeutsamen Anhaltspunkt bieten: Der Pfarrer von Ars war äußerst demütig, doch er wußte, daß er als Priester ein unermeßliches Geschenk für seine Leute war: „Ein guter Hirte, ein Hirte nach dem Herzen Gottes, ist der größte Schatz, den der liebe Gott einer Pfarrei gewähren kann, und eines der wertvollsten Geschenke der göttlichen Barmherzigkeit.“[3] Er sprach vom Priestertum, als könne er die Größe der dem Geschöpf Mensch anvertrauten Gabe und Aufgabe einfach nicht fassen: „Oh, wie groß ist der Priester! … Wenn er sich selbst verstünde, würde er sterben … Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Sätze aus, und auf sein Wort hin steigt der Herr vom Himmel herab und schließt sich in eine kleine Hostie ein…“[4] Und als er seinen Gläubigen die Bedeutsamkeit der Sakramente erklärte, sagte er: „Ohne das Sakrament der Weihe hätten wir den Herrn nicht. Wer hat ihn da in den Tabernakel gesetzt? Der Priester. Wer hat Eure Seele beim ersten Eintritt in das Leben aufgenommen? Der Priester. Wer nährt sie, um ihr die Kraft zu geben, ihre Pilgerschaft zu vollenden? Der Priester. Wer wird sie darauf vorbereiten, vor Gott zu erscheinen, indem er sie zum letzten Mal im Blut Jesu Christi wäscht? Der Priester, immer der Priester. Und wenn diese Seele [durch die Sünde] stirbt, wer wird sie auferwecken, wer wird ihr die Ruhe und den Frieden geben? Wieder der Priester … Nach Gott ist der Priester alles! … Erst im Himmel wird er sich selbst recht verstehen.“[5] Diese Aussagen, die aus dem priesterlichen Herzen eines heiligen Priesters hervorgegangen sind, mögen übertrieben erscheinen. Doch in ihnen offenbart sich die außerordentliche Achtung, die er dem Sakrament des Priestertums entgegenbrachte. Er schien überwältigt von einem grenzenlosen Verantwortungsbewußtsein: „Wenn wir recht begreifen würden, was ein Priester auf Erden ist, würden wir sterben: nicht vor Schreck, sondern aus Liebe … Ohne den Priester würden der Tod und das Leiden unseres Herrn zu nichts nützen. Der Priester ist es, der das Werk der Erlösung auf Erden fortführt … Was nützte uns ein Haus voller Gold, wenn es niemanden gäbe, der uns die Tür dazu öffnet? Der Priester besitzt den Schlüssel zu den himmlischen Schätzen: Er ist es, der die Tür öffnet; er ist der Haushälter des lieben Gottes; der Verwalter seiner Güter … Laßt eine Pfarrei zwanzig Jahre lang ohne Priester, und man wird dort die Tiere anbeten … Der Priester ist nicht Priester für sich selbst, er ist es für euch.“[6]
Als er nach Ars, einem kleinen Dorf mit 230 Einwohnern, kam, war er vom Bischof bereits vorgewarnt worden, daß er eine religiös prekäre Situation vorfinden werde: „Es gibt in dieser Pfarrei nicht viel Liebe zu Gott; Sie werden sie dort einführen.“ Folglich war er sich völlig bewußt, daß er dorthin gehen mußte, um die Gegenwart Christi zu verkörpern, indem er dessen heilbringende Sanftmut bezeugte. „[Mein Gott,] gewährt mir die Bekehrung meiner Pfarrei; ich will dafür alles erleiden, was Ihr wollt, mein ganzes Leben lang!“ – mit diesem Gebet begann er seine Mission.[7] Der Bekehrung seiner Pfarrei widmete sich der heilige Pfarrer mit all seinen Kräften und stellte die christliche Bildung des ihm anvertrauten Volkes in all seinem Denken an erste Stelle. Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, erbitten wir vom Herrn Jesus die Gnade, daß auch wir die pastorale Methode des Johannes Maria Vianney erlernen können! Was wir als erstes lernen müssen, ist die völlige Identifizierung mit der eigenen Aufgabe. In Jesus fallen Person und Sendung im Grunde zusammen: Sein gesamtes Heilshandeln war und ist Ausdruck seines „Sohn-Ich“, das von Ewigkeit her vor dem Vater steht in einer Haltung liebevoller Unterwerfung unter dessen Willen. In bescheidener und doch wahrer Analogie muß auch der Priester diese Identifizierung anstreben. Natürlich geht es nicht darum zu vergessen, daß die substanzielle Wirksamkeit des Dienstes von der Heiligkeit des Priesters unabhängig bleibt; doch man darf auch die außerordentliche Fruchtbarkeit nicht außer Acht lassen, die aus dem Zusammentreffen der objektiven Heiligkeit des Dienstes und der subjektiven des Priesters hervorgeht. Der Pfarrer von Ars begann sofort mit dieser demütigen und geduldigen Arbeit, sein Leben als Priester mit der Heiligkeit des ihm anvertrauten Dienstes in Einklang zu bringen und sagte, daß er sogar materiell in seiner Pfarrkirche „wohne“: „Kaum war er angekommen, wählte er die Kirche zu seinem Wohnsitz … Vor dem Morgenrot betrat er die Kirche und kam erst nach dem abendlichen Angelus wieder heraus. Dort mußte man ihn suchen, wenn man ihn brauchte“, heißt es in seiner ersten Biographie.[8]
Die fromme Übertreibung des ehrfurchtsvollen Hagiographen darf uns nicht veranlassen zu übersehen, daß der heilige Pfarrer auch aktiv im gesamten Gebiet seiner Pfarrei zu „wohnen“ verstand: Er besuchte systematisch die Kranken und die Familien; er organisierte Volksmissionen und Patronatsfeste; er sammelte und verwaltete Geld für seine karitativen und missionarischen Werke; er verschönerte seine Kirche und stattete sie mit Kirchengerät aus; er kümmerte sich um die Waisenmädchen der „Providence“ (einer von ihm gegründeten Einrichtung) und ihre Erzieherinnen; er kümmerte sich um die Schulausbildung der Kinder; er gründete Bruderschaften und forderte die Laien zur Zusammenarbeit mit ihm auf.
Sein Beispiel veranlaßt mich, das Feld der Zusammenarbeit zu betonen, das immer mehr auf die gläubigen Laien auszudehnen ist, mit denen die Priester das eine priesterliche Volk bilden[9] und in deren Mitte sie leben, um kraft des Weihepriestertums „alle zur Einheit in der Liebe zu führen, 'indem sie in Bruderliebe einander herzlich zugetan sind, in Ehrerbietung einander übertreffen' (Röm 12, 10)“.[10] In diesem Zusammenhang ist an die lebhafte Aufforderung zu erinnern, mit der das Zweite Vatikanische Konzil die Priester ermutigt, „die Würde der Laien und die bestimmte Funktion, die den Laien für die Sendung der Kirche zukommt, wahrhaft [zu] erkennen und [zu] fördern … Sie sollen gern auf die Laien hören, ihre Wünsche brüderlich erwägen und ihre Erfahrung und Zuständigkeit in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Wirkens anerkennen, damit sie gemeinsam mit ihnen die Zeichen der Zeit erkennen können.“[11]
Seine Pfarreimitglieder belehrte der heilige Pfarrer vor allem mit dem Zeugnis seines Lebens. Durch sein Vorbild lernten die Gläubigen zu beten und für einen Besuch beim eucharistischen Jesus gern vor dem Tabernakel zu verharren.[12] „Es ist nicht nötig, viel zu sprechen, um gut zu beten“, erklärte ihnen der Pfarrer. „Man weiß, daß Jesus dort ist, im heiligen Tabernakel: Öffnen wir ihm unser Herz, freuen wir uns über seine heilige Gegenwart. Das ist das beste Gebet.“[13] Und er ermunterte sie: „Kommt zur Kommunion, meine Brüder, kommt zu Jesus. Kommt, um von ihm zu leben, damit ihr mit ihm leben könnt…“[14] „Es stimmt, daß ihr dessen nicht würdig seid, aber ihr habt es nötig!“[15] Diese Erziehung der Gläubigen zur eucharistischen Gegenwart und zum Kommunionempfang wurde besonders wirkkräftig, wenn die Gläubigen ihn das heilige Meßopfer zelebrieren sahen. Wer ihm beiwohnte, sagte, daß „es nicht möglich war, eine Gestalt zu finden, welche die Anbetung besser ausgedrückt hätte … Er betrachtete die Hostie liebevoll“.[16] „Alle guten Werke zusammen wiegen das Meßopfer nicht auf, denn sie sind Werke von Menschen, während die heilige Messe Werk Gottes ist“[17], sagte er. Er war überzeugt, daß von der Messe der ganze Eifer eines Priesterlebens abhängt: „Die Ursache der Erschlaffung des Priesters liegt darin, daß er bei der Messe nicht aufmerksam ist! Mein Gott, wie ist ein Priester zu beklagen, der so zelebriert, als ob er etwas Gewöhnliches täte!“[18] Und er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, bei der Zelebration immer auch das eigene Leben aufzuopfern: „Wie gut tut ein Priester, wenn er Gott allmorgendlich sich selbst als Opfer darbringt!“[19]
Dieses persönliche Sicheinfühlen in das Kreuzesopfer führte ihn – in einer einzigen inneren Bewegung – vom Altar zum Beichtstuhl. Die Priester dürften niemals resignieren, wenn sie ihre Beichtstühle verlassen sehen, noch sich darauf beschränken, die Abneigung der Gläubigen gegenüber diesem Sakrament festzustellen. Zur Zeit des heiligen Pfarrers war in Frankreich die Beichte weder einfacher, noch häufiger als in unseren Tagen, da der eisige Sturm der Revolution die religiöse Praxis auf lange Zeit erstickt hatte. Doch er versuchte auf alle Arten, durch Predigt und überzeugenden Ratschlag, die Mitglieder seiner Pfarrei die Bedeutung und die Schönheit der sakramentalen Buße neu entdecken zu lassen, indem er sie als eine mit der eucharistischen Gegenwart innerlich verbundene Notwendigkeit darstellte. Auf diese Weise verstand er, einen Kreislauf der Tugend in Gang zu setzen. Durch seine langen Aufenthalte in der Kirche vor dem Tabernakel erreichte er, daß die Gläubigen begannen, es ihm nachzutun; sie begaben sich dorthin, um Jesus zu besuchen, und waren zugleich sicher, den Pfarrer anzutreffen, der bereit war zum Hören und zum Vergeben. Später war es dann die wachsende Menge der Bußfertigen aus ganz Frankreich, die ihn bis zu 16 Stunden täglich im Beichtstuhl hielt. Man sagte damals, Ars sei „das große Krankenhaus der Seelen“[20] geworden. „Die Gnade, die er empfing [für die Bekehrung der Sünder], war so stark, daß sie ihnen nachging, ohne ihnen einen Moment der Ruhe zu lassen“, sagt der erste Biograph.[21] Der heilige Pfarrer sah das nicht anders, wenn er sagte: „Nicht der Sünder ist es, der zu Gott zurückkehrt, um ihn um Vergebung zu bitten, sondern Gott selbst läuft dem Sünder nach und läßt ihn zu sich zurückkehren.“[22] „Dieser gute Heiland ist so von Liebe erfüllt, daß er uns überall sucht.“[23]
Wir Priester müßten alle spüren, daß jene Worte, die er Christus in den Mund legte, uns persönlich angehen: „Ich beauftrage meine Diener, den Sündern zu verkünden, daß ich immer bereit bin, sie zu empfangen, daß meine Barmherzigkeit unbegrenzt ist.“[24] Vom heiligen Pfarrer von Ars können wir Priester nicht nur ein unerschöpfliches Vertrauen in das Bußsakrament lernen, das uns drängt, es wieder ins Zentrum unserer pastoralen Sorge zu setzen, sondern auch die Methode des „Dialogs des Heils“, der sich darin vollziehen muß. Der Pfarrer von Ars hatte gegenüber den verschiedenen Büßern eine jeweils unterschiedliche Verhaltensweise. Wer zu seinem Beichtstuhl kam, weil er von einem inneren und demütigen Bedürfnis nach der Vergebung Gottes angezogen war, fand bei ihm die Ermutigung, in den „Strom der göttlichen Barmherzigkeit“ einzutauchen, der in seiner Wucht alles mit sich fortreißt. Und wenn jemand niedergeschlagen war beim Gedanken an seine Schwäche und Unbeständigkeit und sich vor zukünftigen Rückfällen fürchtete, offenbarte der Pfarrer ihm das Geheimnis Gottes mit einem Ausspruch von rührender Schönheit: „Der liebe Gott weiß alles. Noch bevor ihr sündigt, weiß er schon, daß ihr wieder sündigen werdet, und trotzdem vergibt er euch. Wie groß ist die Liebe unseres Gottes, der so weit geht, freiwillig die Zukunft zu vergessen, nur damit er uns vergeben kann!“[25] Wer sich dagegen lau und fast gleichgültig anklagte, dem bot er durch seine eigenen Tränen die ernste und erlittene deutliche Einsicht, wie „abscheulich“ diese Haltung sei: „Ich weine, weil ihr nicht weint“[26], sagte er. „Wenn der Herr bloß nicht so gut wäre! Aber er ist so gut! Man muß ein Barbar sei, um sich einem so guten Vater gegenüber so zu verhalten!“[27] Er ließ die Reue im Herzen der Lauen aufkommen, indem er sie zwang, das im Gesicht des Beichtvaters gleichsam „verkörperte“ Leiden Gottes wegen der Sünden mit eigenen Augen zu sehen. Wer sich dagegen voll Verlangen und fähig zu einem tieferen geistlichen Leben zeigte, dem öffnete er weit die Tiefen der Liebe, indem er ihm erklärte, wie unbeschreiblich schön es ist, mit Gott vereint und in seiner Gegenwart zu leben: „Alles unter den Augen Gottes, alles mit Gott, alles, um Gott zu gefallen … Wie schön ist das!“[28] Und er lehrte sie zu beten: „Mein Gott, erweise mir die Gnade, dich so sehr wie nur möglich zu lieben.“[29]
Der Pfarrer von Ars hat in seiner Zeit das Herz und das Leben so vieler Menschen zu verwandeln vermocht, weil es ihm gelungen ist, sie die barmherzige Liebe des Herrn wahrnehmen zu lassen. Auch in unserer Zeit ist eine solche Verkündigung und ein solches Zeugnis der Wahrheit der Liebe dringend: Deus caritas est (1 Joh 4, 8). Mit dem Wort und den Sakramenten seines Jesus wußte Johannes Maria Vianney sein Volk aufzubauen, auch wenn er, überzeugt von seiner persönlichen Unzulänglichkeit, oft schauderte, so daß er mehrmals wünschte, sich der Verantwortung des Dienstes in der Pfarrei zu entziehen, dessen er sich unwürdig fühlte. Trotzdem blieb er in vorbildlichem Gehorsam stets an seinem Posten, denn die apostolische Leidenschaft für das Heil der Seelen verzehrte ihn. Durch eine strenge Askese versuchte er, seiner Berufung völlig nachzukommen: „Das große Unglück für uns Pfarrer“, beklagte der Heilige, „besteht darin, daß die Seele abstumpft“[30], und er meinte damit ein gefährliches Sich-Gewöhnen des Hirten an den Zustand der Sünde oder der Gleichgültigkeit, in der viele seiner Schafe leben. Mit Wachen und Fasten zügelte er den Leib, um zu vermeiden, daß dieser sich seiner priesterlichen Seele widersetzte. Und er schreckte nicht davor zurück, sich selbst zu kasteien zum Wohl der ihm anvertrauten Seelen und um zur Sühne all der Sünden beizutragen, die er in der Beichte gehört hatte. Einem priesterlichen Mitbruder erklärte er: „Ich verrate Euch mein Rezept: Ich gebe den Sündern eine kleine Buße auf, und den Rest tue ich an ihrer Stelle.“[31] Jenseits der konkreten Bußübungen, denen der Pfarrer von Ars sich unterzog, bleibt in jedem Fall der Kern seiner Lehre für alle gültig: die Seelen sind mit dem Blut Jesu erkauft, und der Priester kann sich nicht ihrer Rettung widmen, wenn er sich weigert, sich persönlich an dem „teuren Preis“ ihrer Erlösung zu beteiligen.
In der Welt von heute ist es ebenso nötig wie in den schwierigen Zeiten des Pfarrers von Ars, daß die Priester sich in ihrem Leben und Handeln durch ein starkes Zeugnis für das Evangelium auszeichnen. Paul VI. hat zu Recht bemerkt: „Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind.“[32] Damit in uns nicht eine existenzielle Leere entsteht und die Wirksamkeit unseres Dienstes nicht gefährdet wird, müssen wir uns immer neu fragen: „Sind wir wirklich durchtränkt vom Wort Gottes? Ist es wirklich die Nahrung, von der wir leben, mehr als vom Brot und von den Dingen dieser Welt? Kennen wir es wirklich? Lieben wir es? Gehen wir innerlich damit um, so daß es wirklich unser Leben prägt, unser Denken formt?“[33] Wie Jesus die Zwölf rief, damit sie bei ihm sein sollten (vgl. Mk 3, 14), und sie erst danach zum Predigen aussandte, so sind auch in unseren Tagen die Priester berufen, jenen „neuen Lebensstil“ anzunehmen, den Jesus, der Herr, eingeführt hat und den die Apostel sich zu eigen gemacht haben.[34]
Gerade die rückhaltlose Annahme dieses „neuen Lebensstils“ war ein Merkmal des priesterlichen Einsatzes des Pfarrers von Ars. In der Enzyklika Sacerdotii nostri primordia, die 1959, hundert Jahre nach dem Tod von Johannes Maria Vianney, publiziert wurde, stellte Johannes XXIII. dessen asketische Wesensart unter besonderer Bezugnahme auf das Thema der „drei evangelischen Räte“ dar, die er auch für die Priester als notwendig erachtete: „Auch wenn dem Priester zur Erlangung dieser Heiligkeit des Lebens die Verwirklichung der evangelischen Räte nicht aufgrund seines klerikalen Standes auferlegt ist, bietet sie sich ihm wie allen Jüngern des Herrn doch als der normale Weg der christlichen Heiligung an.“[35] Der Pfarrer von Ars verstand es, die „evangelischen Räte“ in der seiner Situation als Priester angemessenen Weise zu leben. Seine Armut war nämlich nicht die eines Ordensmannes bzw. eines Mönches, sondern die, welche von einem Weltpriester erwartet wird: Obwohl er mit viel Geld wirtschaftete (da die wohlhabenderen Pilger nicht versäumten, sich seiner karitativen Werke anzunehmen), wußte er, daß alles seiner Kirche, seinen Armen, seinen Waisen, den Mädchen seiner „Providence“[36], den am meisten notleidenden Familien zugedacht war. Darum war er „reich, um den anderen zu geben, und sehr arm für sich selbst“.[37] Er erklärte: „Mein Geheimnis ist einfach: Alles geben und nichts behalten.“[38] Wenn er mit leeren Händen dastand, sagte er zufrieden zu den Armen, die sich an ihn wendeten: „Heute bin ich arm wie ihr, bin einer von euch.“[39] So konnte er am Ende seines Lebens in aller Ruhe sagen: „Ich habe nichts mehr. Nun kann der liebe Gott mich rufen, wann er will!“[40] Auch seine Keuschheit war so, wie sie für den Dienst eines Priesters nötig ist. Man kann sagen, es war die angemessene Keuschheit dessen, der gewöhnlich die Eucharistie berühren muß und der sie gewöhnlich mit der ganzen Begeisterung seines Herzens betrachtet und sie mit derselben Begeisterung seinen Gläubigen reicht. Man sagte von ihm, „die Keuschheit strahle in seinem Blick“, und die Gläubigen bemerkten es, wenn er mit den Augen eines Verliebten zum Tabernakel schaute.[41] Auch der Gehorsam von Johannes Maria Vianney war ganz und gar verkörpert in der leidvoll errungenen inneren Einwilligung in die täglichen Anforderungen seines Amtes. Es ist bekannt, wie sehr ihn der Gedanke an seine Unzulänglichkeit für den Dienst des Pfarrers quälte und wie sehr ihn der Wunsch umtrieb, zu fliehen „um in Einsamkeit sein armes Leben zu beweinen“.[42] Nur der Gehorsam und seine Leidenschaft für die Seelen konnten ihn überzeugen, an seinem Platz zu bleiben. Sich selbst und seinen Gläubigen erklärte er: „Es gibt nicht zwei gute Arten, Gott zu dienen. Es gibt nur eine einzige: ihm so zu dienen, wie er es will.“[43] Die goldene Regel für ein Leben im Gehorsam schien ihm diese zu sein: „Nur das tun, was dem lieben Gott dargebracht werden kann.“[44]
Im Zusammenhang mit der Spiritualität, die durch die Übung der evangelischen Räte gefördert wird, möchte ich die Priester in diesem ihnen gewidmeten Jahr gern ganz besonders dazu aufrufen, den neuen Frühling zu nutzen, den der Geist in unseren Tagen in der Kirche hervorbringt, nicht zuletzt durch die kirchlichen Bewegungen und die neuen Gemeinschaften. „Der Geist ist vielfältig in seinen Gaben … Er weht, wo er will. Er tut es auf unerwartete Weise, an unerwarteten Orten und in vorher nicht ausgedachten Formen … aber er zeigt uns auch, daß er auf den einen Leib hin und in der Einheit des einen Leibes wirkt.“[45] In diesem Zusammenhang gilt die Anweisung des Dekretes Presbyterorum ordinis: „Sie [die Priester] sollen die Geister prüfen, ob sie aus Gott sind, und die vielfältigen Charismen der Laien, schlichte und bedeutendere, mit Glaubenssinn aufspüren, freudig anerkennen und mit Sorgfalt hegen.“[46] Diese Gaben, die viele zu einem höheren geistlichen Leben drängen, können nicht nur den gläubigen Laien, sondern den Priestern selbst hilfreich sein. Aus dem Miteinander von geweihten Amtsträgern und Charismen kann nämlich „ein gesunder Impuls für ein neues Engagement der Kirche in der Verkündigung und im Zeugnis des Evangeliums der Hoffnung und der Liebe in allen Teilen der Welt“ entspringen.[47] Außerdem möchte ich in Bezugnahme auf das Apostolische Schreiben Pastores dabo vobis von Papst Johannes Paul II. ergänzen, daß das geweihte Amt eine radikale „Gemeinschaftsform“ hat und nur in der Gemeinschaft der Presbyter mit ihrem Bischof erfüllt werden kann.[48] Es ist nötig, daß diese im Weihesakrament begründete und in der Konzelebration ausgedrückte Gemeinschaft der Priester untereinander und mit ihrem Bischof sich in den verschiedenen konkreten Formen einer effektiven und affektiven priesterlichen Brüderlichkeit verwirklicht.[49] Nur so können die Priester die Gabe des Zölibats vollends leben und sind fähig, christliche Gemeinschaften aufblühen zu lassen, in denen sich die Wunder der ersten Verkündigung des Evangeliums wiederholen.
Das Paulusjahr, das sich seinem Ende zuneigt, richtet unsere Gedanken auch auf den Völkerapostel, in dem vor unseren Augen ein glänzendes Beispiel eines ganz und gar seinem Dienst „hingegebenen“ Priesters aufleuchtet. „Die Liebe Christi hat uns in Besitz genommen“, schreibt er, „da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben“ (vgl. 2 Kor 5, 14). Und er fügt hinzu: „Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde“ (2 Kor 5, 15). Gibt es ein besseres Programm, das man einem Priester vorschlagen könnte, der damit beschäftigt ist, auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit voranzuschreiten?
Liebe Priester, die Feier des 150. Todestags des heiligen Johannes Maria Vianney (1859) schließt sich unmittelbar an die kaum abgeschlossenen Feiern zum 150. Jahrestag der Erscheinungen von Lourdes (1858) an. Schon 1959 hatte der selige Papst Johannes XXIII. bemerkt: „Kurz bevor der Pfarrer von Ars seine lange verdienstvolle Laufbahn beendet hatte, war in einem anderen Teil Franreichs die Unbefleckte Jungfrau einem demütigen und reinen Mädchen erschienen, um ihm eine Botschaft des Gebetes und der Buße zu übermitteln, deren enorme geistliche Resonanz seit einem Jahrhundert wohlbekannt ist. Tatsächlich war das Leben des heiligen Priesters, dessen Gedenken wir feiern, im voraus eine lebendige Darstellung der großen übernatürlichen Wahrheiten, die der Seherin von Massabielle vermittelt wurden. Er selbst hegte für die Unbefleckte Empfängnis der Allerseligsten Jungfrau eine glühende Verehrung – er, der 1836 seine Pfarrei der ohne Sünde empfangenen Maria geweiht hatte und dann die dogmatische Definition von 1854 mit so viel Glauben und Freude aufnehmen sollte.“[50] Der heilige Pfarrer erinnerte seine Gläubigen immer daran, daß „Jesus Christus, nachdem er uns alles gegeben hatte, was er uns geben konnte, uns noch das Wertvollste als Erbe hinterlassen wollte, das er besitzt, nämlich seine Mutter“[51].
Der Allerseligsten Jungfrau vertraue ich dieses Jahr der Priester an und bitte sie, im Innern jedes Priesters eine großherzige Wiederbelebung jener Ideale der völligen Hingabe an Christus und an die Kirche auszulösen, die das Denken und Handeln des heiligen Pfarrers von Ars bestimmten. Mit seinem eifrigen Gebetsleben und seiner leidenschaftlichen Liebe zum gekreuzigten Jesus nährte Johannes Maria Vianney seine tägliche rückhaltlose Hingabe an Gott und an die Kirche. Möge sein Beispiel die Priester zu jenem Zeugnis der Einheit mit dem Bischof, untereinander und mit den Laien bewegen, das heute wie immer so notwendig ist. Trotz des Übels, das es in der Welt gibt, sind die Worte Christi an seine Apostel im Abendmahlssaal stets aktuell: „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt“ (Joh 16, 33). Der Glaube an den göttlichen Meister gibt uns die Kraft, vertrauensvoll in die Zukunft zu schauen. Liebe Priester, Christus rechnet mit euch. Nach dem Beispiel des heiligen Pfarrers von Ars laßt euch von ihm vereinnahmen, dann seid in der Welt von heute auch ihr Boten der Hoffnung, der Versöhnung und des Friedens!
Von Herzen erteile ich euch meinen Segen.
Aus dem Vatikan, am 16. Juni 2009
[1] Dazu hat Papst Pius XI. ihn 1929 erklärt.
[2] Le Sacerdoce, c’est l’amour du cœur de Jésus” (in Le curé d’Ars. Sa pensée – Son cœur. Présantés par l’Abbé Bernard Nodet, éd. Xavier Mappus, Foi Vivante, 1966, S. 98). In der Folge: Nodet.
Dieser Satz ist unter der Nummer 1589 auch im Katechismus der Katholischen Kirche zitiert.
[3] Nodet, S. 101.
[4] Ebd., S. 97.
[5] Ebd., S. 98–99.
[6] Ebd., S. 98–100.
[7] Ebd., 183.
[8] Monnin A., Il curato d’Ars. Vita di Gian-Battista-Maria Vianney, Bd. I, ed. Marietti, Turin 1870, S. 122.
[9] Vgl. Lumen gentium, 10.
[10] Presbyterorum ordinis, 9.
[11] Ebd.
[12] „Die Beschauung [ Kontemplation] ist gläubiges Hinschauen auf Jesus. 'Ich schaue ihn an, und er schaut mich an', sagte zur Zeit seines heiligen Pfarrers ein Bauer von Ars, der vor dem Tabernakel betete“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2715).
[13] Nodet, S. 85.
[14] Ebd., S. 114.
[15] Ebd., S. 119.
[16] Monnin A., a.a.O., II, S. 430ff.
[17] Nodet, S. 105.
[18] Ebd.
[19] Ebd., S. 104.
[20] Monnin A., a.a.O., II, S. 293.
[21] Ebd., S. 10.
[22] Nodet, S. 128.
[23] Ebd., S. 50.
[24] Ebd., S. 131.
[25] Ebd., S. 130.
[26] Ebd., S. 27.
[27] Ebd., S. 139.
[28] Ebd., S. 28.
[29] Ebd., S. 77.
[30] Ebd., S. 102.
[31] Ebd., S. 189.
[32] Evangelii nuntiandi, 41.
[33] Benedikt XVI., Homilie in der Chrisam-Messe, 9.4.2009.
[34] Vgl. Benedikt XVI., Ansprache an die Teilnehmer der Vollversammlung der Kongregation für den Klerus, 16.3.2009.
[35] Teil I.
[36] Diesen Namen gab er dem Haus, in dem er über 60 verlassene Mädchen aufnehmen und erziehen ließ. Um es zu erhalten, war er zum äußersten bereit: „J’ai fait tous les commerces imaginables – Ich habe dafür alle Geschäfte gemacht, die man sich nur vorstellen kann“, sagte er lachend (Nodet, S. 214).
[37] Nodet, S. 216.
[38] Ebd., S. 215.
[39] Ebd., S. 216.
[40] Ebd., S. 214.
[41] Vgl. Ebd., S. 112.
[42] Vgl. Ebd., S. 82-84; 102-103.
[43] Ebd., S. 75.
[44] Ebd., S. 76.
[45] Benedikt XVI., Homilie zur Pfingstvigil, 3.6.2006.
[46] Nr. 9.
[47] Benedikt XVI., Ansprache an die Bischöfe, die der Fokolarbewegung und der Gemeinschaft „Sant’Egidio“ nahestehen, 8.2.2007.
[48] Vgl. Nr. 17.
[49] Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis, 74.
[50] Enzyklika Sacerdotii nostri primordia, Teil III.
[51] Nodet, S. 244.
(Quelle: http://www.clerus.org/clerus/dati/2009-06/18-13/Let_An_Sac_de.html)
Lehre der Kirchenväter versione testuale
PRIESTER WIE UNSERE VÄTER
Die Kirchenväter, Meister der Priesterausbildung
ERSTES KAPITEL
Methodologische und bibliographische Hinweise[1]
1. Einführung zum Thema unter Bezugnahme auf Pastores dabo vobis (= PDV)
Was die Priesterausbildung, ist ein Hinweis auf die Ursprünge der Kirche nicht nur nützlich, sondern sogar «eine verpflichtende Notwendigkeit». Da die Urkirche, chronologisch gesehen, nach Christus und den Aposteln entstand, ist sie erste Zeugin der bildenden Beziehung, die zwischen Christus und seinen Jüngern bestand und auf die die Kirche immer wieder zurückgreifen muss, um den wahren Sinn der Ausbildung zum Presbyter zu erfassen.[2]
Der Hinweis auf die Kirchenväter als Meister der Priesterausbildung durchfließt von selbst die vielen Seiten des apostolischen Schreibens Über die Priesterausbildung im Kontext der Gegenwart (PDV) und ist auf gleiche Weise in den Zitaten des heiligen Augustinus (elf) und mancher anderen Väter (Cyprian, Beda) enthalten.
Darüber hinaus behauptet das apostolische Schreiben, dort, wo es von der theologischen Ausbildung des Presbyters spricht, dass das Studium des Gotteswortes, «der Seele der gesamten Theologie», geleitet sein muss durch die Lektüre der Kirchenväter und die Aussagen der Lehre der Kirche.[3]
Ich will mich aber nicht auf eine Rezension oder Analyse der in PDV enthaltenen patristischen Zitate beschränken. Ich ziehe es vor, über die grundlegende Frage nachdenken, auf der diese Zitate beruhen, und zwar: Auf welche Weise sind die Kirchenväter Meister der Priesterausbildung?
Wir werden bei den nachstehenden Betrachtungen zwei Aspekte der Frage getrennt untersuchen. In erster Linie werden wir das Thema der Priesterausbildung bei den Kirchenvätern behandeln (das wichtigste Thema dieser Seiten, auf das wir in den nächsten Kapiteln zurückkommen werden, indem wir einige der für den Kommentar und die Betrachtungen bedeutendsten Texte herausgreifen werden); an zweiter Stelle werden wir das Studium der Väter in der Presbyterausbildung (eine nicht zweitrangige Frage vor allem für diejenigen, die auf die eine oder andere Weise an der Organisation des Studiums in den Seminaren und den theologischen Instituten beteiligt sind) behandeln.
2. Die Priesterausbildung bei den Kirchenvätern. Das Beispiel des Bischofs Ambrosius
Wenige Monate vor der Synode, die der Priesterausbildung gewidmet war (September-Oktober 1990), hat die Fakultät für christliche und klassische Philosophie und Philologie der Salesianischen Universität (Pontificium Institutum Altioris Latinitatis) eine Tagung zu dem Thema: «Die Ausbildung zum Amtspriestertum in der Katechese und im Zeugnis des Lebens der Väter» organisiert (Rom, 15.-17. März 1990).[4]
Diese Tagung wollte aus historisch-katechetischer Sicht einen qualifizierten wissenschaftlichen Beitrag zur Synoden leisten. Die Dokumente der Tagung sind 1992 in einem Band erschienen, der heute noch grundlegend ist, um einige Aspekte der Priesterausbildung bei den Kirchenvätern zu umreißen.[5] Wir wollen davon eine Probe geben, wobei wir den Mailänder Bischof Ambrosius (337 oder 339-397) und die zwei ihm gewidmeten Berichte, nämlich von G. Coppa und von J. Janssens, als Anhaltspunkt wählen.
Der sehr umfassende und gut gegliederte Bericht von G. Coppa[6] untersucht systematisch das Leben und Wirken des Ambrosius, um die besonders erwähnenswerten Aspekt der menschlichen, geistlichen und pastoralen Ausbildung des Priesters hervortreten zu lassen.
Diese Aspekte sind reich an theologischen Inhalten und praktischen Anleitungen. Sie sind in ein Priesterbild einzuordnen, das durch präzise Merkmale gekennzeichnet sind.
Es handelt sich um ein christliche Bild, auf das übrigens das gesamte Wirken des Ambrosius hingeordnet ist. Christus ist der wahre Levit (Priester), der sein Priestertum der ganzen Kirche und besonders den Presbytern vermittelt, die daher wie von ihm verschlungen leben, ihn lieben, nachahmen müssen, sein Abbild den Gläubigen vorstellen, sein Leben hingeben müssen. Wenn Christus der verus levites ist, ist auch der Presbyter levita verus, engagiert in einem ständigen Kampf gegen sich selbst und den Geist der Welt, um – wie Er – ganz Gottes zu sein.
Und es handelt sich um ein totalitäres (ganzheitliche) Bild: Die Innigkeit der Eucharistie, die Demut, der Gehorsam vor dem Bischof, die vollkommene Keuschheit, die Hingabe seiner selbst sind Ausdruck jener Liebe zu Christus, die keine Kompromisse oder teilweisen Anpassungen zulässt.
Es ist eine kommunitäres (alles umfassendes) Bild: Die Ausbildung des Presbyters hat kosmische Breite und ist in das Geheimnis der Kirche eingebettet. Das geistliche Leben ist laut Ambrosius den Bedürfnissen der Welt offen, und nicht Selbstbezogenheit: Der Priester ist ein Mensch, der für die anderen da ist, er bewahrt nichts für sich selbst und heiligt sich somit nicht nur für sich selbst, sondern für die Bereicherung der gesamten Kirchengemeinschaft.
Es ist ein praktisches Bild: Ambrosius versteht den Priester nicht als «ein engelhaftes Geschöpf», ein irreales Wesen, sondern als einen Christen, der solide menschliche Tugenden besitzt, gemäß Ciceros Modell der antiken Moral, die durch die Übung des Evangeliums erhoben und verchristlicht wird.
Und schließlich ein dynamisches Bild: Der Priester muss sich durch die eifrige Übung der munera heiligen, die die Kirche ihm durch den Bischof, das heißt durch die Feier der Eucharistie und des Gotteswortes anvertraut hat.
So wie der Priester von Christus verschlungen ist, so ist er von den Seelen verschlungen: Die Seelsorge nimmt seine ganze Zeit in Anspruch, seine ganzen körperlichen, intellektuellen und auch materiellen Ressourcen, und er hat kaum Zeit, an seine eigenen Bedürfnisse zu denken. Die pastoralen Tätigkeiten beschränken sich nicht nur auf den kulturellen und ritualen Bereich, sondern bedeuten in der Presbyterausbildung auch die ständige Übung der Nächstenliebe und verlangen von ihm ein genügsamen, armes, selbstloses Leben.[7]
Wir könnten selbst noch eine weitere Betrachtung hinzufügen.
Ambrosius erläutert klar und deutlich die verschiedenen Aspekte der Ausbildung und Sendung des Presbyters. Inwieweit dieses Zeugnis die Bekehrung des Augustinus und schließlich seine Ausbildung zum Priester und Hirten beeinflussen konnte, geht aus einigen berühmten Stellen der Bekenntnisse hervor.[8]
Kaum in Mailand angelangt – wir sind im Herbst des Jahres 384 – besucht Augustinus, der junge Professor der Redekunst die verschiedenen Stadtbehörden und begegnet auch dem Bischof Ambrosius. Unsere Quelle erzählt, dass diese ihn satis episcopaliter empfingen. Ein etwas geheimnisvolle Adverb: Was meinte Augustinus damit? Vermutlich, dass Ambrosius ihn mit der einem Bischof eigenen Würde, mit Väterlichkeit, aber auch mit ein wenig Abstand empfing.
Augustinus war sicher von Ambrosius fasziniert; gleichermaßen besteht die Gewissheit, dass ein Gespräch unter vier Augen über das, was Augustinus am meisten am Herzen lag, nämlich die grundlegenden Probleme der Suche nach der Wahrheit, von einem Tag auf den anderen verschoben wurde, weshalb so mancher behaupten konnte, dass Ambrosius Augustinus gegenüber sich sehr kühl verhielt und wenig oder nichts mit seiner Bekehrung zu tun hatte.
Dennoch begegneten Ambrosius und Augustinus einander mehrere Male. Ambrosius aber sprach von allgemeinen Dingen, er beschränkte sich beispielsweise darauf, Monikas Lob zu singen und den Sohn für eine derartige Mutter zu beglückwünschen.
Als sich Augustinus zuweilen absichtlich zu Ambrosius begab, war dieser gewöhnlich mit ganzen Scharen von Leuten voll Anliegen beschäftigt, deren Bedürfnissen er seine Aufmerksamkeit schenkte; oder wenn er nicht mit diesen zusammen war ( meist nur ein bisschen Zeit), körperlich, indem er sich mit dem Nötigsten versorgte, geistige, indem er las.
Und hier ist Augustinus erstaunt, denn Ambrosius las die Schriften mit geschlossenen Lippen, nur mit den Augen. In den ersten christlichen Jahrhunderten wurde das Lesen ausschließlich zum Zweck der Verkündung verstanden, und das Lesen mit lauter Stimme erleichterte auch das bessere Verständnis dessen, der las: Dass Ambrosius die Seiten nur mit den Augen überfliegen konnte, beweist dem verwunderten Augustinus, dass Ambrosius eine einzigartige Fähigkeit zur Kenntnis und zum Verständnis der Schriften besaß.
Augustinus sitzt oft abseits, in Schweigen versunken, diskret, und beobachtet Ambrosius; dann, als er nicht wagt, ihn zu stören, geht er im Schweigen wieder. «Mir jedenfalls bot sich keine Gelegenheit», so Augustinus, « von seinem so heiligen Orakel, seinem Herzen, das, was ich wissen wollte, in Erfahrung zu bringen, es sei denn, es handelte sich um eine kurze Audienz. Damit ich ihm aber mein Herz mit seiner inneren Unruhe hätte ausschütten können, hätte er sich sehr viel Zeit nehmen müssen, doch die fand sich niemals».[9]
Das sind sehr schwerwiegende Worte: Man könnte sogar an der pastoralen Fürsorge des Ambrosius und seiner wirklichen Aufmerksamkeit für die Personen zweifeln.
Ich bin jedoch überzeugt, dass Ambrosius Augustinus gegenüber eine echte Strategie zum Einsatz brachte und dass diese die Gestalt des Ambrosius als Hirte und Ausbildner wirklich deutlich macht.
Ambrosius weiß mit Sicherheit, abgesehen vom Rest, auch von der geistlichen Situation des Augustinus, denn er steht im Genuss des vollen Vertrauens von Monika. Dennoch erachtet es der Bischof als angebracht, sich nicht mit ihm in eine widersprüchliche Dialektik einzulassen, bei der er, Ambrosius, als Verlierer hätte hervorgehen können…
Somit schweigt der Bischof, er lässt die Tatsachen sprechen und bejaht mit seiner Praktik, dass das “Sein” des Hirten vor seinem “Sagen” den Vorrang hat.
Aber welche sind diese Tatsachen?
Zunächst das Lebenszeugnis des Ambrosius, durchtränkt vom Gebet und dem Dienst für die Armen. Augustinus ist heilsam beeindruckt, denn Ambrosius erweist sich als Mann Gottes und ganz dem Dienst an den Gläubigen hingegebener Mensch. Das Gebet und die Nächstenliebe, von welchen dieser außergewöhnliche Hirte Zeugnis ablegt, treten an Stelle der Worte und menschlichen Gedankengänge.
Das andere, was zu Augustinus spricht, ist das Zeugnis der Mailänder Kirche. Eine glaubensstarke Kirche, versammelt wie ein einziger Leib zu den heiligen Zusammenkünften, die Ambrosius, der Lehrer, auch mit den von ihm komponierten Hymnen animiert; eine Kirche, die fähig ist, den Forderungen des Kaisers Valentinian und seiner Mutter Justina zu widerstehen, die in deren ersten Tagen des Jahre 386 zurückgekehrt waren und die Beschlagnahmung einer Kirche für die Feiern der Arianer verlangten.
In der Kirche, die beschlagnahmt werden sollte – so erzählt Augustinus -, verbrachte das gläubige Volk, zum Sterben bereit, mit seinem Bischof die Nacht. «Auch wir», und dieses Zeugnis der Bekenntnisse ist sehr wertvoll, denn es verweist darauf, dass im Inneren des Augustinus etwas geschah, «obwohl uns die Flamme deines Geistes noch nicht erfüllt hatte, nahmen Anteil; die ganze Stadt war bestürzt und aufgewühlt, und das erregte auch uns».[10]
Obgleich es Augustinus nicht gelungen war, mit dem Bischof Ambrosius so zu sprechen, wie er gewollt hätte, war er positiv beeindruckt von dessen Leben, dessen Geist des Gebets, dessen Nächstenliebe und der Tatsache, dass Ambrosius ein Mann der Kirche war: Er sieht, dass Ambrosius engagiert ist in der Animation der Liturgien, er erfasst dessen mutigen Plan, eine einheitliche und reife Kirche aufzubauen.
Auf diese Weise findet Augustinus im Zeugnis des Bischofs Ambrosius eine echte «Schule der Ausbildung» und das Musterbeispiel eines Priesters und Hirten.[11]
Ein besonderer Aspekt der Forschung von G. Coppa wird dann von J. Janssens auf anregende Weise vertieft, und zwar das Thema der verecundia oder des «würdigen Verhaltens» in De officiis [ministrorum] des heiligen Ambrosius.[12]
Ausgehend von einer umfassenden Konfrontation zwischen De officiis von Cicero und der gleichnamigen Abhandlung des Ambrosius, konzentriert sich Janssens in seiner Analyse auf das genannte Thema.
Denn sowohl Cicero als auch Augustinus betrachteten die verecundia als wesentlichen Bestandteil in der Ausbildung junger Menschen, seien sie Bürger oder Seminaristen. Laut Janssens ist der vom heiligen Augustinus der äußerlichen Anstand beigemessene Wert mit seiner Auffassung des christlichen Verhaltens in Beziehung zu bringen, das durch Wahrheit und Einfachheit gekennzeichnet ist. Wichtig ist es, «von Innen heraus» ein echter und aufrichtiger Mensch zu sein, was folglich zu einem würdigen und natürlichen Verhalten führt.
Die vom Mailänder Bischof vorgegebenen Regeln gelten nicht dem weltlichen Anschein, dessen Ziel es wäre, die echte innere Wirklichkeit zu verbergen, um die anderen zu täuschen: Im Gegenteil, sie tragen dazu bei, den inneren Reichtum einer Person voll an den Tag zu legen. Wenn Ambrosius aber ein gewisses Verhalten für seine Seminaristen festlegt, womit er die in patrizischen Kreisen zu Ciceros Zeit üblichen Verhaltensregeln übernimmt, so muss auch hinzugefügt werden, dass er sie als vom evangelischen Geist belebt versteht. Es ist die Seele, der Geist, die die Natur, das Wesen einer Verhaltensregel festlegen.
Der Anstand, von dem Cicero spricht und der die grundlegenden Tugenden der Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung und selbst die sophrosyne der Griechen umfasst, enthalten, obwohl sie nicht die Grundlage der ambrosianischen Abhandlung bilden, infolge der biblischen Inspiration des heiligen Bischofs eine besondere geistliche Prägung, die die verecundia zu einem wesentlichen Bestandteil der Ausbildung der Kleriker macht.[13]
3. Das Studium der Väter in der Presbyterausbildung
Auf den zweiten hier untersuchten Aspekt wollte die jüngste Instruktion der Kongregation für das katholische Bildungswesen über das Studium der Kirchenväter in der Priesterausbildung (IPC) eine genaue Antwort geben.
Das Dokument, das mit dem 10. November 1989, Fest des heiligen Leo d. Großen, datiert ist, wurde im Vatikanischen Pressessaal von Msgr. J. Saraiva Martins, dem Sekretär der Kongregation, vorgestellt. Der Text seiner Ansprache, der auch vom Präfekt Kard. W. Baum unterzeichnet ist, erläutert die grundlegenden Sorgen, die der Fassung der IPC eine Ausrichtung waren, nämlich die Suche nach den Ursachen und Mitteln gegen das «geringer Interesse» für die Kirchenväter, das scheinbar die postkonziliare Zeit gekennzeichnet hat.
Es wird auf die Aporien einer gewissen Theologie angespielt, die sosehr auf die Dringlichkeiten der Gegenwart bezogen ist, dass sie aus den Augen verliert, wie wichtig es sich, sich auf die christliche Tradition zu berufen. Kritisiert wird auch ein auf die Kirchenväter bezogener Ansatz, der sich – weil er zu viel Vertrauen in die historisch-kritischen Methode setzt und wenig aufmerksam ist für die geistlichen und doktrinären Werte der patristischen Lehre - schließlich als schädlich erweist oder sogar dem vollen Verständnis der antiken christlichen Schriftsteller feindlich gesinnt ist. Die größte Verantwortung trägt jedoch das «zeitgenössische, von den Naturwissenschaften, der Technologie und dem Pragmatismus beherrschte kulturelle Klima, in dem die in der Vergangenheit verwurzelte humanistische Kultur immer mehr an den Rand gestellt wird»: In vielen Fällen «scheint es, dass es heute an echter Sensibilität für die Werte der christlichen Antike, ebenso wie an einer angemessenen Kenntnis der klassischen Sprachen mangelt».
Alles in allem wird die Patristik «durch die Spannungen zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen Offensein und Verschlossensein, zwischen einer vorwiegend technologischen Welt und einer Welt beeinflusst, die immer noch an die geistlichen Werte des christlichen Humanismus glaubt».[14]
Und hier steht vieles auf dem Spiel: das «geringer Interesse» für die Kirchenvätern könnte sogar das Symptom eines sträflichen Kompromisses zwischen der heutigen Theologie und einer vom Säkularismus und Technologismus entkräfteten Kultur sein.
Daher kann die Reaktion des Theologen und Hirten – angesichts eine Dokuments, das direkt auf den Kernpunkt einer unumgänglichen Debatte eingeht - nur die aufmerksame und dankbare Hinnahme sein, wie die vor einem schon lange erhofften Geschenk: ein umso wertvolleres Geschenk, als es nicht nur seinen Empfängern große Freude schenkt, sie zur gleiche Zeit aber auch verpflichtet, das empfangene «Talent zu benutzen auszuschöpfen», - das heißt die lehramtliche Botschaft zu vertiefen, ihre Aspekt und Folgen zu erfassen und sie vor allem wirksam zu machen-.
Wir sagen „vor allem“ , da sich das Gewicht des Dokuments in einigen abschließenden Vorschriften, die die Lehre der Patristik gewissermaßen revolutionieren, «nach Hinten verschiebt».
Zunächst muss das Studium der Kirchenväter auf den institutionellen theologischen Zyklus ausgedehnt werden «zumindest über drei Semester mit zwei Wochenstunden».[15] Im allgemeinen, wie Msgr. Saraiva Martins wiederum spricht, «werden klare Anforderungen sowohl an die Schüler als auch die Professoren gestellt, für die ein spezifischer Vorbereitungskurs an spezialisierten Patristischen Instituten verlangt wird. Diesbezüglich erwähnen wir gerne zwei in Rom seinerzeit von Papst Paul VI. errichtete Institute: das Päpstliche Institut für Höheres Latein an der Päpstlichen Universität der Salesianer und das Patristische Institut “Augustinianum”, das der Päpstlichen Universität Lateranense angeschlossen ist. Beide Institute entfalten schon seit langem im Einklang mit ihren Zielen eine verdienstvolle wissenschaftliche und ausbildnerische Tätigkeit, die viel zur Erforschung und Verbreitung des patristischen Gedankenguts beigetragen hat und den Bischöfen und anderen Oberen der Kirche bei der getreuen Anwendung dieser Instruktion sehr hilfreich sein kann».[16]
An diesem Punkt konnten sich die Universität der Salesianer und das Päpstliche Institut für Höheres Latein nicht der Aufgabe entziehen, einen originalen Studienbeitrag, verstanden zur Förderung der Rezeption der IPC und ihrer Aspekte, zu leisten. Und eben aus dieser Überzeugung entstand ein gesammelter Kommentar zum lehramtlichen Text.[17]
Dieser Band umfasst acht von ebenso vielen Professoren der Theologischen Fakultät und des Instituts für Höheres Latein (Fakultät für christliche und klassische Philosophie und Philologie) der Salesianischen Universität unterzeichnete Beiträge.
Das Buch beginnt mit einer Betrachtung von E. dal Covolo über die Natur der patristischen Studien und ihre Ziele, als Kommentar zu Nummer 49-52 der IPC. Der Autor, der im Dokument «einen entscheidenden und maßgebenden Fortschritt in der Anerkennung und Definition der disziplinären und methodologischen Autonomie der patristischen Forschungen erkennt», schlägt einige zusätzliche Argumentationen zum untersuchten Text vor, um einen besser gegliederten und umfassenderen Dialog mit denen herzustellen, die sich der christlichen Antike widmen.[18]
Der nachfolgende Artikel von F. Bergamelli, der die Methode im Studium der Kirchenväter behandelt, setzt diesen Kommentar fort, indem er sich vor allem auf die Nummern 53-56 der IPC bezieht, aber auch andere Hinweise analysiert, die das Dokument der selben Frage widmet. Der Verfasser verzichtet notwendigerweise auf eine erschöpfende Abhandlung über das epistemiologische Statut der patristischen Studien, bietet aber fruchtbare Perspektiven und Orientierungen zur Vertiefung der Überlegungen zum Lehramt.[19]
Der gleiche analytisch-integrative Charakter wird von O. Pasquato in der neuerlichen Untersuchung der Beziehung zwischen patristischen Studien und historischen Lehrfächern aufgegriffen, die in der IPC vor allem in Nummer 60 umrissen wird. Im ersten Teil des Beitrags wird ein zusammenfassender Überblick über die ganzheitliche Rolle der Geschichtswissenschaften gegenüber den patristischen Forschungen geboten; der zweite, eher analytisch geprägte Teil behandelt den besonderen Beitrag, den jeder historische Wissenszweig zum Studium der Patrologie leistet.[20]
Verglichen mit den ersten drei Artikeln, scheint man in den nachfolgenden Ausführungen Betrachtungen zu wählen, die «am Rande» IPC oder «aus Anlass» dieser angestellt werden, ohne eine direkte Verbindung mit dem Kommentar oder den jeweiligen Ergänzungen zu einigen ihrer Absätze zu schaffen.
In seinem Beitrag setzt sich A. Amato also mit einem tragende Problemkreis des Dokuments auseinander, nämlich dem des reziproken Dienens zwischen Studium der Kirchenväter und dogmatischer Theologie : Daraus resultiert lebhaft umrissen der globale Kontext, in den der jeweilige Beitrag des Lehramtes einzureihen ist.[21]
Auch R. Iacoangeli greift auf die gleiche Methodik zurück, indem er die klassische «humanitas» als «praenuntia aurora» der Lehre der Väter definiert. Seine Ausführungen sind ein leidenschaftlicher – von geeigneten Beispielen begleiteter – Aufruf zum Studium der klassischen Kultur und Sprachen, als unumgängliche Voraussetzung für einen fruchtbaren Ansatz an die patristische Botschaft.[22]
Selbst die Ausführungen über die Bedeutung der philosophischen und literarischen Studien werden in dem darauffolgenden Artikel von S. Felici fortgesetzt: Auch er erkennt in der sprachlichen und literarischen Kompetenz das «technische» Instrument, um die Schriften der Väter zu entschlüsseln.[23]
A.M. Triacca hingegen, der die Anwendung der patristischen «loci» in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils in Betracht zieht, erkennt einerseits in der lectura Patrum eine unersetzliche Hilfe für das sentire cum Ecclesia, getreu der in der Stundenliturgie aufgenommenen Disziplin; andererseits sieht er in der Liturgie selbst einen vorzüglichen Schlüssel zum Verständnis und zur Aufnahme des Gedankenguts und der Spiritualität der Väter gemäß einer vom Lehramt des Konzils übernommenen und geteilten Instanz.[24]
M. Maritano schließlich umreißt die Situation der patristischen Studien im 19. Jahrhundert und bietet einen wertvollen bibliographische Führer, der sich – obwohl er sich vorwiegend auf das vergangene Jahrhundert konzentriert, als neue historische und kulturelle Situationen die Wiederentdeckung der patristischen Tradition förderten – de facto auch in der heutige Zeit noch gilt. [25]
Und die letzten zwei Studien bilden den Abschluss des Bandes, wobei sie die Forschung wieder anregen wollen und den Forscher auffordern, die jüngste Lehre der Wissenschaft und Geschichte zu beherzigen.
Wir sind der Ansicht, dass diese acht Beiträge insgesamt eine einigermaßen gute Radiographie einiger der bedeutendsten Züge der IPC bieten können.
In dem Band wird jedoch nicht auf die Fragen der Entstehung des Dokuments eingegangen. Wir erwähnen nur kurz, dass seine «Inkubationszeit» eher lange dauerte, zumal da – wie Msgr. J. Saraiva Martins den Journalisten erklärte-[26] «seit 1981 an der Abfassung dieser Instruktion gearbeitet wurde». Es ist nicht auszuschließen, dass «die bevorstehende Präsentation der Instruktion», die von der Synode September-Oktober 1990 vorgesehen wurde, dazu veranlasste, die endgültige Abfassung zu beschleunigen. So ist vielleicht einer der Gründe zu erklären, weshalb der anfänglichen «ausführlichen Beratung» keine ebenso allgemein geteilte Verifizierung bei der abschließenden Erarbeitung des Dokuments folgte.
Wenn wir zusammenfassend die von der IPC eröffneten Perspektiven betrachten, müssen wir in erster Linie anerkennen, dass das Dokument deutlich auf die Zukunft hingeordnet ist.
Die grundlegende Forderung des Dokuments nach einer erneuten Förderung der patristischen Studien im Rahmen der Priesterausbildung hätte vielleicht über eine vollständigere und konsequentere doktrinäre Erarbeitung laufen können; die Reihe von Argumentierungen hätte auf andere und einschneidende Dimensionen erweitert werden können, der interdisziplinäre Dialog hätte offener und umfassender sein können.
Das Diktat der Lehre, das besonders auf die abschließenden Vorschriften eingeht, verleiht der IPC einen charakteristischen dynamischen Zug.
Unter diesem Gesichtspunkt – so glauben wir – empfiehlt das Dokument den Hirten und Theologen eine operative Übereinstimmung und konsequente Entscheidungen, während es kritisch-integrativen Eingriffen seiner theoretischen Instrumente das Terrain offen lässt.
Dieser Perspektive folgt klar und deutlich der von uns vorgestellte Band.[27]
Am Rande der IPC jedoch existiert ein anderer maßgebender Beitrag des Kard. P. Laghi, Nachfolger von W. Baum in der Leitung der Kongregation für das katholische Bildungswesen. Es handelt sich um einen Vortrag, den er am 31. Oktober 1991 anlässlich der wissenschaftlichen Veranstaltungen zur «Neuerlichen Lancierung» der Corona Patrum, der wertvollen turinischen Sammlung von patristischen Texten, an der Päpstlichen Universität der Salesianer gehalten hat.[28]
Eine Zusammenfassung der bedeutendsten Stellen ist an diesem Punkt angebracht.[29]
In erster Linie behauptet Krad. Laghi, dass die Instruktion , die zwar das Engagement zum Studium und zur Forschung in der Patristik ermutigt und unterstützt, auch über deren Grenzen hinausblickt und allgemeinere Ziele verfolgt. Denn sie ist nicht nur an die Patrologen, sondern an alle Theologen gerichtet und fordert diese auf, den zukünftigen Presbytern eine gesunde und möglichst komplette kulturelle Vorbereitung zu bieten: Und gerade die patristischen Studien, so bemerkt Kardinal Laghi, können den Priestern eine wertvolle Hilfe sein für die Realisierung der Synthese ihres theologischen Wissens.
Auf dieses Weise lädt die IPC die Theologiestudenten in die Schule der Väter ein, eine Schule, deren Ziel immer das Wesentliche ist. «Wie diesbezüglich Yves-Marie Congar spricht, ist die patristische Tradition “nicht eine trennende, sie ist hingegen Synthesis, Harmonisierung. Sie geht nicht von der Peripherie (vom Rande aus, indem sie da und dort einige Texte isoliert, im Gegenteil, sie arbeitet von Innen heraus, indem sie alle im Zentrum verbindet und die Einzelheiten je nach ihrer Bezugnahme auf das Wesentliche disponiert“. Die patristische Tradition „ist somit Erzeugerin der Totalität, Harmonie und Synthesis. Sie lebt und lässt vom dem ganzheitlichen Sinn des Plans Gottes leben, von dem ausgehend die Architektur dessen, was Irenäus System oder oikonomia nennt, sich verteilt und zu verstehen ist"».[30]
Selbstverständlich werden sich die Theologiestudenten nicht nur mit einfachen Hinweisen der Patrologen zufrieden geben müssen, um sich eine derartige spirituelle Haltung und Gewohnheit anzueignen, sondern sie müssen immer inniger vertraut werden mit den patristischen Werken. Wenn sie diesen Weg beschreiten, werden sie lernen, den wesentlichen Kern der christlichen Theologie besser zu erfassen. Die Einheit des theologischen Wissens – wie jedes Wissens – ist ein sehr hochgestecktes Ziel, das viel Mühe verlangt und nur in der Erkenntnis der wahren Natur und Sendung der Theologie selbst erreicht werden kann.[31] Sehr zweckmäßig wird in Nummer 6 der IPC ein berühmter Satz aus dem Brief zitiert, den Paul VI. 1975 an Kard. M. Pelelgrino anlässlich des 100. Todestages von J.-P. Migne schrieb. Unter anderem heißt es dort: «L'étude des Pères, d'une grande utilité pour tous, apparaît d'une impérieuse nécessité pour ceux qui ont à coeur le renouvellement théologique, pastoral et spirituel promu par le récent Concile, et qui veulent y coopérer».[32]
Doch es gibt noch einen anderen Grund, so setzt Kardinal Laghi fort, weshalb die Väter Meister in der Priesterausbildung sind. Denn sie, die zum Großteil erfahrene und voll dem Dienst gewidmete Bischöfe waren, bieten den Schülern ausgezeichnete Beispiele und Impulse für ihre Vorbereitung auf ihre Sendung als Hirten. Die pastorale Dimension, die vom II. Vatikanischen Konzil besonders stark hervorgehoben wird, ist ein Bestandteil der Ausbildung, dem heute große Wichtigkeit beigemessen wird und der bei den Priesterkandidaten Begeisterung erweckt. Diese Begeisterung verwandelt sich jedoch oft in ein einseitiges Aktivsein, arm an Motivierungen und theologischen Inhalten, das mit jenem sublimen pastoralen Ideal, das von den Kirchenvätern verkörpert wird, in Widerspruch steht. Die bekanntesten dem Priestertum gewidmeten patristischen Schriften, wie z.B. der Dialog über das Priestertum von Johannes Chrysostomos oder die Pastorale Regel von Gregor dem Großen, offenbaren das wahre Herz der Hirten, die einerseits auf alle spirituellen Bedürfnisse der Seelen eingehen, andererseits aber versuchen, diese zum hohen Grad der evangelischen Vollkommenheit zu erheben, aber auch die Schwierigkeiten und materiellen Bedürfnisse, in denen sie sich befinden, nicht vernachlässigen.
Um der Gefahr eine horizontal verlaufenden Vereinheitlichung zu entfliehen, muss der Priesterkandidat und jeder Priester von den Vätern lernen, dass sie in dieser Welt und nicht von dieser Welt sein sollen und wie sie dies erreichen können; dass und wie sie zutiefst menschlich und zur gleichen Zeit übernatürlich, echte Männer der Kirche sein sollen. Diese grandiose Auffassung des Hirtendienste enthält die lebendigen Sorgen der Väter für die Einheit der Kirche (was wir heute als ökumenisches Problem bezeichnen würden); sie enthält die Anstrengungen für die Einbindung des Christentums in den griechisch-römischen Kulturbereich (das missionarische Problem der Inkulturation) sowie die unermüdliche Fürsorge, um das Schicksal der Unterdrückten und der Armen zu lindern (das soziale Problem).
Aus den oben genannten postoralen Leitlinien, so schließt Kard. Laghi, schimmert die christuszentrische Theologie der Väter durch, die ihren ganzen heiligen Dienst stützt und nährt. Daraus ergibt sich ein leuchtendes Beispiel für die Vorbereitung der zukünftigen Priester, die, um gute Seelenhirten zu werden, ihr Apostolat auf eine gesunde Theologie und ein tiefes geistliches Leben gründen müssen.[33]
Ich persönlich bin der Ansicht, dass die IPC zahlreiche und wohl begründete Hinweise zur neuen Förderung der patristischen Studien in der Priesterausbildung enthält.
Ich begnüge mich in diesem Hinblick mit einem ganz einfachen Hinweis, der jedoch ausreichend ist, um eine Vorstellung von der raschen Veränderung der Perspektiven in den letzten Jahren zu vermitteln.
Noch am Beginn der 50er-Jahre beklagte Kard. M. Pellegrino, dass in der Erforschung der patristischen Theologie «eine angemessene philologische Grundlage und eine solide historische Ausrichtung fehlten», an deren Stelle oft «ein bequemerer doktrinärer Schematismus» trat, «der oft eingegeben war von Entwicklungen des theologischen Denkens“, das der Mentalität der Väter meist fremd war.[34]
M. Pellegrino erklärte auf diese Weise das «Unterworfen-sein» der Patristik gegenüber der Dogmatik, die die theologischen Curricula der 50er- und 60er-Jahre prägte. Das Studium der Kirchenväter in diesen Lehrgängen gewöhnlich kein eigenes Fach. Es wurde zwar eine mehr oder weniger umfassende Darstellung der patristischen Doktrinen gewährleistet, die aber immer abhängig war von den jeweils untersuchten dogmatischen Abhandlungen. So konnten die kirchlichen Schriftsteller dem Studenten nur sehr selten als wirkliche Personen erscheinen, eingebunden in ihren historisch-kulturellen Kontext. Es bestand die deutliche Gefahr einer gewissen „Vereinheitlichung“ der theologischen Reflexion und einer unpassenden Verabsolutierung des theologischen, von den dogmatischen Abhandlungen durchwobenen Modells: An dieses Modell – wie an ein „Prokustesbett“ – wurde die Lektüre der Väter angepasst. [35]
Angesichts eines solchen Kontextes, eröffnet die IPC – wie bereits erwähnt – eine Art «kopernikanische Revolution», wenn es stimmt, dass die Patristik dort unter den Hauptfächern des Ausbildungsgangs erwähnt wird, die getrennt, mit ihrer Methode und ihrem Stoff, «zumindest über drei Semester mit zwei Wochenstunden» unterrichtet werden solle.[36]
4. Vorläufige Schlussfolgerungen
Es ist klar, dass die verwendeten lehramtlichen Dokumente – vornehmlich die IPC und PDV – die Kirchenväter als unersetzbare Meister in der intellektuellen, geistlichen und pastoralen Ausbildung der zukünftigen Priester betrachten.[37]
Ja, ich glaube, vor allem den Dienern der Kirche sollen die Worte vor Augen gehalten werden, mit denen Benedikt die Mönche zur Lektüre der heiligen Väter aufforderte, denn ihre Lehren – so erklärte er – können zum «höchsten Grad der Vollkommenheit» führen.[38]
[1]Quellenangaben, in der Reihenfolge der Absätze: 1) JOHANNES PAUL II., Pastores dabo vobis, «Acta Apostolicae Sedis» 84 (1992), S. 657-804 (in per Folge: PDV); E. DAL COVOLO-A.M. TRIACCA (curr.), Sacerdoti per la nuova evangelizzazione. Studi sull'Esortazione apostolica «Pastores dabo vobis» von Johannes Paul II. (= Bibliothek d. Religionswissenschaften , 109), Rom 1994, S. 333-345; 2) S. FELICI (cur.), La formazione al sacerdozio ministeriale nella catechesi e nella testimonianza di vita dei Padri (= Bibliothek d. Religionswissenschaften, 98), Rom 1992; 3) KONGREGATION FÜR DAS KATH. BILDUNGSWESEN, Instructio de Patrum Ecclesiae studio in Sacerdotali Institutione, «Acta Apostolicae Sedis» 82 (1990), S. 607-636 (in per Folge: IPC); E. DAL COVOLO - A.M. TRIACCA, Lo studio dei Padri della Chiesa oggi (= Bibliothek d. Religionswissenschaften, 96), Rom 1991.
[2]Über den «Normencharkater» und damit die Gefahren der «Idealisierung» der antiken Kirche, s. R. FARINA, La Chiesa antica modello di riforma, «Salesianum» 38 (1976), S. 593-612; L. PERRONE, La via dei Padri. Indicazioni contemporanee per un «ressourcement» critico, in A. u. G. ALBERIGO (curr.), «Con tutte le tue forze». I nodi della fede cristiana oggi. Omaggio a Giuseppe Dossetti, Genua 1993, S. 81-122 (vor allem 94 ff.), und E. DAL COVOLO, Raccogliere l'eredità dei Padri, «Rivista del clero italiano» 77 (1996), S. 57-63.
[3]Vgl. PDV 54, S. 753 f.
[4]Vgl. E. DAL COVOLO, La formazione sacerdotale nei Padri della Chiesa. Il XIII Convegno di catechesi patristica, «Salesianum» 52 (1990), S. 703-715. Zum Argument - nach A. ORBE, Lo studio dei Padri della Chiesa nella formazione sacerdotale, in R. LATOURELLE (cur.), Vaticano II: bilancio e prospettive venticinque anni dopo (1962-1987), Assisi 1987, S. 1366-1380 - siehe A.-G. HAMMAN, La formation du clergé latin dans les quatre premiers siècles, nun in ID., Études patristiques. Méthodologie - Liturgie - Histoire - Théologie (= Théologie historique, 85), Paris 1991, S. 279-290, und die umfassende bibliographische Auswahl von A. FAIVRE, Ordonner la fraternité. Pouvoir d'innover et retour à l'ordre dans l'Église ancienne (= Histoire), Paris 1992, S. 455-511, und von S. LONGOSZ, De sacerdotio in antiquitate christiana bibliographia [in polnischer Sprache], «Vox Patrum» 13-15 (1993-1995), S. 499-555 (vgl. ibidem, S. 29-311, einige wichtige Beiträge zu unserem Thema).
[5]Vgl. S. FELICI (cur.), La formazione al sacerdozio ministeriale...
[6]Vgl. G. COPPA, Istanze formative e pastorali del presbitero nella vita e nelle opere di S. Ambrogio, in S. FELICI (cur.), La formazione al sacerdozio ministeriale..., S. 95-132.
[7]Ibidem, S. 131 f.
[8]Vgl. A. PINCHERLE, Ambrogio ed Agostino, «Augustinianum» 14 (1974), S. 385-407; G. BIFFI, Conversione di Agostino e vita di una Chiesa, in A. CAPRIOLI-L. VACCARO (curr.), Agostino e la conversione cristiana (= Augustiniana. Testi e Studi, 1), Palermo 1987, S. 23-34.
[9]AUGUSTINUS, Bekenntnisse 6,4, edd. M. SKUTELLA - H. JUERGENS - W. SCHAUB, BT, Stuttgart 1981, S. 102. Siehe auch Hl. AUGUSTINUS , Bekenntnisse, 2 (Bücher IV-VI), edd. M. SIMONETTI et alii, Fondazione Lorenzo Valla 1993, S. 94-99 (Kommentar, S. 252-255).
[10]AUGUSTINUS, Confessiones 9,7, edd. M. SKUTELLA et alii, S. 192.
[11]Über die Sorge um die Berufungen und das ideale Priesterbild des Augustinus, aus vieler Sicht dem des Ambrosius ähnlich, s. letztlich JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben «Augustinum Hipponensem», «Acta Apostolicae Sedis» 79 (1987), S. 164-167; G. CERIOTTI, La pastorale delle vocazioni in S. Agostino (= Quaerere Deum, 9), Palermo 1991; A.-G. HAMMAN, Saint Augustin et la formation du clergé en Afrique chrétienne, nun in ID., Études patristiques..., S. 269-278; P. LANGA, La ordinación sacerdotal de san Augustín, «Revista Augustiniana» 33 (1992), S. 133-143.
[12]Vgl. J. JANSSENS, La verecondia nel comportamento dei chierici secondo il "De officiis ministrorum" di Sant'Ambrogio, in S. FELICI (cur.), La formazione al sacerdozio ministeriale..., S. 133-143.
[13]Ibidem, S. 142 f.
[14]Vgl. «L'Osservatore Romano» 10.1.1990, S. 1.5.
[15]IPC 62, S. 634 f.
[16]«L'Osservatore...», S. 5.
[17]Vgl. E. DAL COVOLO-A.M. TRIACCA (curr.), Lo studio dei Padri della Chiesa.... Das Patristische Institut Augustininum hat selbst folgenden Text veröffentlicht: Lo studio dei Padri della Chiesa nella ricerca attuale, Rom 1991 (Auszug aus «Seminarium» n.s. 30 [1990], S. 327-578): für unsere Untersuchung ist besonders nützlich C. CORSATO, L'insegnamento dei Padri della Chiesa nell'ambito delle discipline teologiche: una memoria feconda di futuro, ibidem, S. 460-485.
[18]Vgl. E. DAL COVOLO-A.M. TRIACCA (curr.), Lo studio dei Padri della Chiesa..., S. 7-17.
[19]Ibidem, S. 19-43.
[20]Ibidem, S. 45-88.
[21]Ibidem, S. 89-100.
[22]Ibidem, S. 101-131.
[23]Ibidem, S. 133-148.
[24]Ibidem, S. 149-183.
[25]Ibidem, S. 185-202.
[26]«L'Osservatore...», S. 5.
[27]Vgl. E. DAL COVOLO-A.M. TRIACCA (curr.), Lo studio dei Padri della Chiesa..., S. 3-6. Siehe auch die eingehende Rezension von G. CREMASCOLI in «La Civiltà Cattolica» 143 (1992) III, S. 448 f.
[28]Vgl. E. DAL COVOLO, Corona Patrum: recenti e prossime pubblicazioni nel progresso delle ricerche patristiche italiane, «Ricerche Teologiche» 1 (1990), S. 207-219; ID., La «Corona Patrum»: un contributo al progresso degli studi patristici in Italia, «Filosofia e Teologia» 6 (1992), S. 321-330; ID., I Padri della Chiesa e la cultura odierna. In margine a due convegni sugli studi patristici, «La rivista del clero italiano» 73 (1992), S. 221-231.
[29]Vgl. P. LAGHI, Riflessioni sulla formazione culturale del sacerdote in margine all'istruzione sullo studio dei Padri della Chiesa, in E. DAL COVOLO (cur.), Per una cultura dell'Europa unita. Lo studio dei Padri della Chiesa oggi, Turin 1992, S. 77-86.
[30]Ibidem, S. 83 f.
[31]Ibidem, S. 84.
[32]PAUL VI., Lettera a Sua Eminenza il Cardinale Michele Pellegrino per il centenario della morte di J.P. Migne, «Acta Apostolicae Sedis» 67 (1975), S. 471.
[33]Vgl. P. LAGHI, Riflessioni sulla formazione culturale del sacerdote..., S. 86.
[34]Vgl. M. PELLEGRINO, Un cinquantennio di studi patristici in Italia, «La scuola cattolica» 80 (1952), S. 424-452 (neuveröffentlicht in ID., Ricerche patristiche, 2, Torino 1982, S. 45-73). Siehe auch ID., Il posto dei Padri nell'insegnamento teologico, «Seminarium» 18 (1966), S. 894; E. DAL COVOLO, I Padri della Chiesa negli scritti del salesiano don Giuseppe Quadrio, «Ricerche storiche salesiane» 9 (1990), S. 443; ID., Fra letteratura cristiana antica e teologia: lo studio dei Padri, «Ricerche Teologiche» 2 (1991), S. 45-56; ID., Un'intervista al prof. Manlio Simonetti, ibidem, S. 139-144.
[35]Vgl. ID., I Padri della Chiesa..., S. 443. M. PELLEGRINO, Un cinquantennio..., verwies unter den Symptomen einer schon aktuellen Erneuerung darauf hin, dass der Unterricht in Patrologie bereits um die 50er-Jahre als selbständiges Lehrfach in verschiedenen Seminaren eingeführt wurde. Laut A. MARRANZINI, La teologia italiana dal Vaticano I al Vaticano II, in Bilancio della teologia del XX secolo, 2. La teologia del XX secolo, Rom 1972, S. 104, «die Fortschritte der biblischen und patristischen Studien nach dem 2. Weltkrieg sind in den dogmatischen Abhandlungen wiederzuerkennen, die meist noch in lateinischer Sprache abgefasst waren, aber nur wenig von jenen aus der Vorkriegszeit abwichen». Marranzini identifiziert die Merkmale der Erneuerung mit der «besseren Kenntnis der Exegese, der Patristik und der historischen Methode» und «mit der größeren Sorge, den vitalen Wert der Dogmen hervortreten zu lassen und auf die Beziehung zwischen der ewigen christlichen Wahrheit und den spirituellen Einstellungen der Menschen hinzuweisen» (ibidem).
[36]Vgl. supra, Anm. 16 und Kontext.
[37]«Die Väter können durch den Reichtum ihres theologischen Gedankenguts, durch ihre tiefe Geistlichkeit und ihre pastorale Sensibilität auch in unserer Zeit zu einer soliden Ausbildung der zukünftigen Presbyter wirksam beitragen»: J. SARAIVA MARTINS, Lo studio dei Padri della Chiesa nella formazione sacerdotale, «L'Osservatore Romano» 13.6.1992, S. 5 (neuveröffentlicht in Vi darò pastori secondo il mio cuore... Testo e commenti [= Quaderni de «L'Osservatore Romano», 20], Vatikanstadt 1992, S. 302); vgl. ID., Gli studi teologici secondo gli orientamenti del Magistero. Loro funzione nella preparazione al presbiterato, «Seminarium» n.s. 32 (1992), S. 330-345, wo «die Gründe aufgezeigt werden, die uns zum Studium und Unterrichten der Werke der Väter» in Der Priesterausbildung veranlassen (ibidem, S. 333); ID., I Padri della Chiesa nella ricerca teologica attuale, «Seminarium» n.s. 33 (1993), S. 272-285. Siehe auch P. MELONI, Lo studio dei Padri della Chiesa nella formazione sacerdotale, in Theologica. Annali della Pontificia Facoltà Teologica della Sardegna, 2, Cagliari 1993, S. 85-94; C. DAGENS, Une certaine manière de faire de la théologie. De l'interêt des Pères de l'Église à l'aube du IIIe millénaire, «Nouvelle Revue Théologique» 117 (1995), S. 65-83.
[38]BENEDIKT, Regula 73,2, edd. A. DE VOGÜÉ-J. NEUFVILLE, SC 182, Paris 1972, S. 672.
(Quelle: http://www.annussacerdotalis.org/clerus/dati/2009-06/18-13/indicazioni_metodologiche_de.html)
ZWEITES KAPITEL
Die antiochenische Tradition: von Ignatius bis Johannes Chrysostomos[1]
1. Einführung
In diesem und dem nächsten Kapitel möchte ich einige auf die Priesterausbildung bezogene patristische Dokumente behandeln.
Notgedrungen werde ich mich unter den vielen Beispielen[2] nur auf einige beschränken und in diesem Kapitel auf die «antiochenische Tradition» und im nächsten auf die «alexandrinische Tradition» eingehen.
Mit dieser Entscheidung will ich ein wenig Ordnung schaffen in meinen Ausführungen, was andererseits auch helfen soll, das Bild einer wie ein Monolith starren und kompakten “Theologie der Väter“ zu überwinden. In der Tat, die Vielfalt der antiken «Schulen» von Antiochien, Alexandrien, Edessa…sowie der jeweiligen historisch-kulturellen Wurzeln ist der Grund für unterschiedliche Stellungnahmen und verschiedene Formen von Sensibilität in den patristischen Texten.
Wohl bekannt sind die Ausrichtungen der antiken Traditionen von Antiochien und Alexandrien.
Auf der einen Seite haben wir Antiochien, das wahrscheinlich die deutlichsten Merkmal des sogenannten asiatischen «Materialismus» verkörpert, der in der Exegese das Wort und in der Christologie das Menschsein des Sohnes in den Vordergrund stellt; Alexandrien hingegen scheint die zwei – jeweils komplementären – Aspekt der Allegorie in der Exegese und der Göttlichkeit des Wortes in der Christologie zu übernehmen.[3]
2. Aus den Briefen des Ignatius (+ 107)[4]
Verbreitet ist der Brauch, Lukian, den Lehrer des Arius, als Gründer der antiochenischen «Schule» zu erachten.
Aber schon Ignatius nimmt in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts einige charakteristische Züge, vor allem im deutlichen Realismus der Hinweise auf das Menschsein Christi, vorweg. Er «stammt wahrhaft aus dem Geschlecht Davids», so schreibt Ignatius an die Smyrnäer, «er ist wahrhaft aus einer Jungfrau geboren..., er wurde wahrhaft für uns im Fleisch angenagelt».[5]
Ignatius spricht von der Kirche mit dem selben Realismus. Im Besonderen spielt er mehrmals auf die kirchliche Hierarchie an, wenn er von den Bischöfen, Presbytern und Diakonen spricht.[6]
«Es ziemt sich für euch», schreibt er an die Epheser, «dem Willen des Bischofs entsprechend zu wandeln, wie ihr es auch tut. Denn euer ehrwürdiges Presbyterium, seines Gottes wert, ist so mit dem Bischof verbunden, wie die Saiten mit der Zither. Deshalb erklingt Jesu Christi Lied in eurer Eintracht und einmütigen Liebe. Aber auch die einzelnen sollen einen Chor bilden, damit ihr in Eintracht zusammenstimmet, in Einigkeit die Melodie Christi auffasset und mit einer Stimme dem Vater singet».[7] Und nachdem er den Smyrnäern empfohlen hatte, «in den Dingen, die die Kirche betreffen nichts ohne den Bischof zu tun»,[8] vertraut er Polykarp an: «Meine Seele setze ich daran für die, die dem Bischof, den Presbytern und den Diakonen untertan sind; möge es mir gegönnt sein, mit ihnen mein Teil zu bekommen bei Gott. Mühet euch miteinander, kämpfet, laufet, leidet, ruhet, wachet miteinander als Verwalter, Genossen und Diener Gottes. Gewinnet die Zufriedenheit eures Kriegsherrn, von dem ihr ja auch den Sold empfanget; keiner werde fahnenflüchtig. Eure Taufe bleibt als Rüstung, der Glaube als Helm, die Liebe als Speer, die Geduld als volle Rüstung».[9]
In den Briefen des Ignatius ist eine Art ständige und fruchtbare Dialektik zwischen zwei kennzeichnenden Aspekten der christlichen Erfahrung herauszulesen: ohne Zweifel die hierarchische Struktur der kirchlichen Gemeinschaft, von der wir schon gesprochen haben, aber auch die grundlegende Einheit, die alle Christusgläubigen miteinander verbindet.
Folglich gibt es keine Möglichkeit zu einander widersprechenden Rollen.[10] Im Gegenteil, die Tatsache, dass er auf der Gemeinschaft und Gegenseitigkeit der Gläubigen besteht, die immer wieder durch Bilder und Analogien (die Zither, die Saiten, das Anstimmen, der Chor…) dargestellt werden, mag der bewusste Widerhall der gemeinsamen Identität der Gläubigen sein, seien sie geweihte Diener oder nicht.
Andererseits geht deutlich hervor, dass die Diakone, die Presbyter und die Bischöfe für die Erbauung der Gemeinschaft verantwortlich sind.[11]
Vor allem ihnen gilt die Aufforderung zur Liebe und Einheit: «Ihr sollt eins sein», schreibt Ignatius an die Magnesier, indem er auf das Gebet Jesu beim letzte Abendmahl zurückgreift: «Ein Bitte, ein Sinn, eine Hoffnung in Liebe…Kommet alle zusammen wie in einen Tempel Gottes, wie zu einem Altar, zu dem einen Jesus Christus, welcher von einem Vater ausging und bei dem einen blieb und zu ihm zurückgekehrt ist».[12]
Ignatius erklärt nicht die ausbildnerischen Aspekte, die sich auf die heiligen Diener beziehen, deswegen aber nicht weniger deutlich sind. Man nehme zum Beispiel die Stelle aus dem Brief an die Tallianer, wo der Bischof, auf die Lehre der Apostelgeschichte 6 (Ordination der ersten Diakone) zurückgreifend, offen erklärt: «Es ist nötig, dass die Diakonen, welche die Geheimnisse Jesu Christi verwalten, auf jede Weise allen angenehm seien. Denn sie sind nicht (einfache) Diener für Speise und Trank, sondern Gehilfen (huperétai: wörtlich "Ruderer") der Kirche Gottes. Daher müssen sie sich vor Anschuldigen hüten wir vor Feuer».[13]
Diese Stelle des Ignatius kann auf nützliche Weise mit dem Identikit des Diakons verglichen werden, das sich aus der Erzählung der Apostelgeschichte ergibt.
Die Diakone, so heißt es dort, sind Männer «von gutem Ruf», oder besser «Leute von nachgewiesenem Zeugnis, Geist und Weisheit» (martyrouménoi: Apg 6,3). Wie wir sehen, ist das dort verwendete Wort an den Terminus «Märtyrer» gebunden. Wir könnten also sagen, der Diakon muss in jedem Falle ein «Märtyrer» sein, in dem Sinn, dass er niemals auf das Zeugnis seines Diakonats verzichten kann, selbst zum Preis – wenn nötig – des eigenen Lebens. In diesem Sinne erklärt Ignatius, dass die Diakone Diener der Kirche und Gottes sind.
An zweiter Stelle muss der Diakon, laut der Apostelgeschichte «von Geist und Weisheit » sein (6,3). Sie ist die Weisheit, die von Gott kommt: die «Weisheit des Geistes», die eine tiefe Innigkeit mit dem Herrn verlangt. Der Dienst der Liebe – der sogenannte «Dienst an den Tafeln», zu dem die Diakone bestimmt sind – setzt daher auch voraus, das in ihrem Leben der geistlichen Dimension der Vorrang eingeräumt wird.
Um zu den Worten des Ignatius zurückzukehren, die Diakone wirken nicht einfach als Verteiler von Speise und Trank, sondern stehen im Dienst der Geheimnisse Jesu Christi. Wenn ein Diener sich nicht in der Beschauung der heiligen Geheimnisse Christi bildet und zur «wahrhaften Einheit» mit ihm gelangt, kann er den echten Dienst der Liebe nicht ausüben und die Kirche Gottes «nicht verwalten».
3. Johannes Chrysostomos (+ 407)[14]
Ich komme nun zu einem anderen antiochenischen Vater, der auf mystische Weise in das
Priestertum verliebt war.
Bevor ich jede andere Betrachtung anstelle, möchte ich diesen Hirten bei seinem Wirken, «auf dem Gipfel» seines Dienstes überrascht, vorstellen.
Ich beziehe mich auf die berühmten Homilien auf das Evangelium nach Matthäus und die Art und Weise, wie sich Chrystostomos als Hirte mit den brennenden Problemen, nämlich dem Reichtum und der Armut in der christlichen Gemeinschaft von Antiochien, auseinandersetzte.
Die Homilien des Chrysostotmos (etwa 350-407) Über das Evangelium nach Matthäus sind für uns der älteste vollständige Kommentar zum ersten Evangelium. Sie stellen gleichermaßen ein bedeutendes Zeugnis jener homilitischen Tätigkeit dar, die Chrysostomos die höchste Anerkennung unter den kirchlichen Rednern gewährleistet hätte. Sie gehen auf die Jahre zwischen 386 und 397 zurück – nämlich die Zeit zwischen der Priesterweihe in Antiochien und der Wahl zum Patriarchen der Kathedrale von Konstantinopel -, als Chrysostomos mit verschiedenen Predigten in den wichtigsten antiochenischen Kirchen beauftragt wurde. Diese Aufgaben sagten Johannes besonders zu, der sich nach seiner Erfahrung als Mönch und Eremit infolge einer unwiderstehlichen pastoralen Berufung,[15] dem Priestertum widmete und vor allem durch das Predigen der Schriften diese Berufung realisieren wollte: Dementsprechend waren seine Predigten und seine Exegese – die den grundlegenden Vorgaben der «antiochenischen Schule» treu waren – besonders empfindlich für die konkreten Bedingungen, die Probleme und auch materiellen Erfordernisse der Adressaten.
Im besonderen wird Chrysostomos – im Antiochien der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts, als ungeheure soziale und wirtschaftliche Missverhältnisse infolge der Kriege, der Latifundien, des Kapitalismus, des ungerechten Steuersystems bestanden... - ständig angeregt, sich mit den vielfältigen, durch das Zusammenleben von Reichen und Armen innerhalb der Gemeinschaft aufgeworfenen Problemen auseinanderzusetzen:[16] Man bedenke, dass dieses Thema alleine in den Homilien Über das Evangelium nach Matthäus nicht weniger als hundert Mal erwähnt wird!
Nun wollen wir «den Hirten auf der Höhe seines Wirkens» und einige Stellen aus der fünfzigsten Homilie Über das Evangelium nach Matthäus lesen.[17]
Insgesamt kommentiert er in dieser Homilie die abschließende Perikope von Matthäus 14: Doch der letzte Vers des Kapitels – in welchem zu lesen ist, dass die Leute von Gennesaret Jesus ihre Kranken brache «und ihn baten, er möge sie wenigsten den Saum seines Gewandes berühren lassen» (Matthäus 14,36) – erlaubt es Chrysostomos, sich im Wesentlichen und vorwiegend auf eine eigenständige Paränese zu konzentrieren, die alleine die zweite Hälfte der Homilie einnimmt.
Diese Ausgestaltung ist durch den Kontext der eucharistischen Liturgie gerechtfertigt, in den die Homilie eingebunden wird: “«Berühren auch wir den Saum seines Gewandes», fordert Chrysostomos auf; «im Gegenteil, wenn wir wollen, haben wir den ganzen Christus für uns. Denn sein Leib ist jetzt und hier vor uns». Und weiter: «Glaubet also, dass es auch jetzt noch das gleiche Mahl ist, an dem er selber zugegen war».[18]
Nach Ansicht des Chrysostomos befrag diese Glaubensgewissheit entschlossen die Verantwortlichkeit der Gläubigen, denn die Teilnahme am Mahl des Herrn lässt keine folgewidriges Handeln zu: «Keinen Judas möge diesem Tisch sich nahen!», ruft der Homilet aus. Und es ist kein Maßstab der Würde, wenn man mit goldenen Gefäßen an den Tisch tritt: «Jener Tisch war ja damals auch nicht aus Silber und der Kelch nicht aus Gold, aus dem Christus seinen Jüngern sein eigenes Blut reichte... Willst du also Christi Leib ehren? Geh nicht an ihm vorüber, wenn du ihn nackt siehst; ehre ihn nicht hier mit seidenen Gewändern, während du dich draußen auf der Straße nicht um ihn kümmerst, wo er vor Kälte und Blöße zugrunde geht. Derselbe, der da gesagt hat: „Dies ist mein Leib“, und derselbe hat auch gesagt: „Ihr habt mich hungern gesehen, und habt mich nicht genährt, und: Was ihr einem von diesen Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan“. Lernen wir also, weise zu sein, und Christus so zu ehren, wie er geehrt sein will. So verwende deinen Reichtum für die Armen. Gott braucht keine goldenen Kelche, sondern goldene Seelen. Was nützt es dem Herrn, wenn sein Tisch voll ist von goldenen Kelchen, er selber dagegen vor Hunger stirbt? Stille zuerst seinen Hunger, dann magst du auch seinen Tisch schmücken, soviel du kannst!».[19]
Diese hier erwähnten Zitate sind hinreichend, um zu beweisen, dass sich Christus ganz mit dem Armen und Bedürftigen identifiziert. Chrysostomos weiß sehr wohl, dass ohne jede weitere Erklärung, dieser Grundsatz gilt: Wer den Armen dient, der dient Christus, wer den Armen abweist, weist Christus ab. Und darüber werden wir gerichtet werden (Matthäus 25, 31-46). Chrysostomos ist sich aber irgendwie bewusst, dass diese Nächstenliebe – um wahrhaft jener Jesu gleich zu sein – sich an der Gemeinschaft mit Gott, an seiner Liebe zu uns nähren muss.
In seiner Predigt unterstreicht der Bischof eindringlich die innige Beziehung, die zwischen dem Gebot der Liebe und dem Leben Gottes besteht. Der echte Zeuge der Liebe muss wie der Apostel Johannes sagen können: «Was wir mit unseren Augen gesehen haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens!» (1 Johannes 1-4).
Mit anderen Worten, die Gläubige, und umso mehr die geweihten Diener, müssen, um in echter Liebe zu wachsen, Jesus kennen , in innige Gemeinsamkeit mit ihm treten.[20]
Und wieder kehren wir hier auf die «betrachtende Dimension» des Presbyters und die Qualität seiner Begegnung mit dem Herrn im Wort und in den Sakramenten zurück.
In dieser Sicht kann auch der berühmte Dialog mit Basilius gedeutet werden, der um etwa 390 geschrieben wurde,[21] in dem Johannes Chrysostomos vom “Beispiel” und vom “Wort” als Heilmittel des Presbyters spricht: «Diejenigen, die die Körper der Menschen behandeln», so schreibt er, «verfügen über eine Menge Heilmittel... Was uns angeht, gibt es, abgesehen vom Beispiel, kein anderes Mittel, keine andere Methode zur Heilung, als die der Lehre, die mit dem Wort verwirklicht wird». [22]
Im demselben Dialog spricht Chrysostomos vom Priestertum wie von «einem Leben aus Mut und Hingabe», denn der Dienst des (wahren) Hirten kennt die engen Grenzen des persönlichen Nutzen nicht, sondern gereicht der ganzen Herde.[23]
Für Chrysostomos ist die Sorge um die Herde das «Zeichen der Liebe », der konkrete Beweis, dass der Diener den Herrn wirklich liebt: «Wenn du mich liebst, weide meine Schafe…».
Bei dieser Gelegenheit, so bemerkt Chrysostomos, fragt der Meister den Jünger, ob er ihn liebte, nicht um es selbst zu wissen: Weshalb hätte er es tun sollen, er, der das Herz aller erforscht und kennt? Noch «wollte er uns beweisen, wie sehr Petrus ihn liebte: Das war uns schon aus vielen anderen Tatsachen bekannt; aber er wollte beweisen, wie sehr er (der Herr) seine Kirche liebt, und er wollte Petrus und uns allen lehren, mit welcher Sorge wir uns in diesem Werk ergehen müssten».[24]
Gerade darin liegt der unüberwindbare Unterschied zwischen dem «Tagelöhner» und dem «Hirten»: «Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe» (Johannes 10,11).
4. Vorläufige Schlussfolgerungen
Man hat den Eindruck, dass sowohl Ignatius als auch Johannes eher die Identität und Sendung des Presbyters, als seinen Ausbildungsweg in den Vordergrund stellen. In der Mehrheit der Fälle jedoch sind die Elemente der Ausbildung stillschweigend inbegriffen.
Bei beiden Vätern konnten wir aber feststellen, dass sie die Einheit des Presbyters mit Christus als unerlässlich hervorheben.
Darüber hinaus sind für beide Antiochener die vollkommene Einheit mit Christus und die totale Hingabe an die Herde nicht einfach Merkmale, die den Presbyter kennzeichnen (auf welche folglich jeder Weg der Priesterausbildung ständig hingeordnet sein muss). Sie bilden eine einzige Wirklichkeit. Sie sind wie zwei Seiten ein und derselben Medaille. Die eine macht die andere wahr, und es sollte keinen Priester geben, der das eine Merkmal ohne die andere besitzt. Für den Presbyter ist die totale Hingabe an die Herde das Zeichen seiner Einheit mit Christus; denn die volle Hingabe an die Herde verpflichtet ihn, ständig «zu Jesus Christus als einzigen Tempel Gottes, als einzigen Altar hinzustreben».
Schließlich fordert der «Realismus» der antiochenischen Väter den Presbyter auf, eine schrittweise Synthese zwischen Angleichung an Christus ( Vereinigung mit ihm, Leben in ihm) und pastoraler Hingabe (Mission, Dienst an Kirche und Welt) zu finden, dahingehend, dass eine Dimension durch die andere spricht, und die Diener nicht nur «einfache Verteiler», sondern «echte Zeugen» der Geheimnisse Christi und seiner Kirche seien.
[1]Grundlegende Bibliographie: L. PADOVESE, I sacerdoti dei primi secoli. Testimonianze dei Padri sui ministeri ordinati, Casale Monferrato 1992; F. RODERO, El sacerdocio en los Padres de la Iglesia. Grandeza, Pequeñez y Ascesis. Antología de Textos, Madrid 1993; G. HAMMANN, L'amour retrouvé. La diaconie chrétienne et le ministère de diacre du christianisme primitif aux réformateurs protestants du XVIe siècle (= Histoire), Paris 1994.
[2]Eine Liste Der wichtigsten patristischen Texte zur Heiligkeit, zu der der Presbyter gerufen ist, finden wir beispielsweise bei A. TRAPÉ, Il sacerdote uomo di Dio al servizio della Chiesa. Considerazioni patristiche (= Collana Studi Agostiniani, 1), Rom 19852, S. 41-42.
[3]Zur Vertiefung der Fragen vgl. E. DAL COVOLO (cur.), Storia della teologia, 1. Dalle origini a Bernardo di Chiaravalle, Bologna-Rom 1995, S. 181-203 («Esegesi biblica e teologia tra Alessandria e Antiochia») imd S. 520, Anm. 11. Vor allem zur «antiochenischen Theologie» vgl. D.S. WALLACE-HADRILL, Christian Antioch. A study of Early Christian Thought in the East, Cambridge 1982; S. ZINCONE, Studi sulla visione dell'uomo in ambito antiocheno (Diodoro, Crisostomo, Teodoro, Teodoreto) (= Quaderni di studi e materiali di storia delle religioni, 1), L'Aquila-Rom 1988.
[4]Eine wertvolle Einführung zu Ignatius ist die von F. BERGAMELLI in G. BOSIO - E. DAL COVOLO - M. MARITANO, Introduzione ai Padri della Chiesa. Secoli I e II (= Strumenti della Corona Patrum, 1), Torino 19953, S. 88-106 (mit Quellenangaben). Für das von uns behandelte Argument siehe ebenso C. RIGGI, Il sacerdozio ministeriale nel pensiero di Ignazio di Antiochia, in S. FELICI (cur.), La formazione al sacerdozio ministeriale..., S. 39-57; M. SIMONETTI, Presbiteri e vescovi nella chiesa del I e II secolo, «Vetera Christianorum» 33 (1996), S. 115-132.
[5]IGNATIUS, Smyrnäer 1,1, ed. P.T. CAMELOT, SC 10, Paris 19694, S. 132.
[6]Auch J. COLSON, Ministre de Jésus-Christ ou le sacerdoce de l'Évangile. Étude sur la condition sacerdotale des ministres chrétiens dans l'Église primitive (= Théologie historique, 4), Paris 1966 – der auch «dans le Corpus ignacien la tendance à "spiritualiser" les valeurs cultuelles et sacerdotales» sieht (ibidem, S. 332) -, muss anerkennen, dass sich der christliche Kult wirklich «dans une société, dirigée par une hiérarchie fortement constituée, qui en est l'organisme visible» verkörpert (ibidem, S. 334).
[7]ID., Epheser 4,1-2, S. 60.
[8]ID., Smyrnäer 8,1, S. 138.
[9]ID., Polykarp 6,1-2, S. 150-152.
[10]Vgl. E. DAL COVOLO, Sacerdozio ministeriale e sacerdozio comune. La rilettura patristica di 1 Petri 2,9 nell'attuale dibattito sulle origini della distinzione gerarchica, in S. FELICI (cur.), La formazione al sacerdozio ministeriale..., S. 255-266.
[11]Vgl. E. DAL COVOLO, Ministeri e missione alle origini della Chiesa, in E. DAL COVOLO-A.M. TRIACCA (curr.), La missione del Redentore. Studi sull'Enciclica missionaria di Giovanni Paolo II, Leumann (Torino) 1992, S. 123-136.
[12]IGNATIUS, Magnesier 7,1-2, S. 84-86.
[13]ID., Trallianer 2,3, S. 96.
[14]Eine gute Einführung zu Chrysostomos, vgl. O. PASQUATO in G. BOSIO - E. DAL COVOLO - M. MARITANO, Introduzione ai Padri della Chiesa. Secoli III e IV (= Strumenti della Corona Patrum, 3), Torino 19952, S. 390-435 (mit Quellenangaben).
[15]Vgl. O. PASQUATO, Ideale sacerdotale e formazione al sacerdozio del giovane Crisostomo: evoluzione o continuità?, in S. FELICI (cur.), La formazione al sacerdozio ministeriale..., S. 59-93.
[16]Vgl. S. ZINCONE, Ricchezza e povertà nelle omelie di Giovanni Crisostomo, L'Aquila 1973, und jetzt A. OLIVAR, I poveri alle porte delle chiese nella predicazione del IV secolo, in E. MANICARDI - F. RUGGIERO (curr.), Liturgia ed evangelizzazione nell'epoca dei Padri e nella Chiesa del Vaticano II. Studi in onore di Enzo Lodi, Bologna 1996, S. 219-235.
[17]Vgl. E. DAL COVOLO, I Padri della Chiesa e la Sollicitudo Rei Socialis, in M. TOSO (cur.), Solidarietà. Nuovo nome della pace. Studi sull'Enciclica Sollicitudo Rei Socialis di Giovanni Paolo II, Leumann (Torino) 1988, S. 15-27.
[18]JOHANNES CHRYSOSTOMOS, Über das Evangelium nach Matthäus 50,2-3, PG 58, c. 507.
[19]Ibidem 50,3-4, PG 58, cc. 508-509.
[20]Siehe z.B. auch die vierzigste Homilie Über das Evangelium nach Johannes: «Um ein Leib zu werden, nicht nur für die Liebe, sondern auch die Wirklichkeit, müssen wir mit seinem Fleisch Eins werden; und dies geschieht durch die Speise, die er uns als Zeichen seiner großen Liebe zu uns gegeben hat. Er hat uns so sehr durchdrungen, dass er gerade deshalb nur ein Leib ist; damit wir Eins mit ihm seien, so wie der mit dem Haupt vereinte Körper, Eins ist. Das ist das Zeichen der größten Liebe» (ID., Über das Evangelium nach Johannes 46,3, PG 59, c. 260).
[21]Siehe z.B. JOHANNES CHRYSOSTOMOS, Dialogo sul sacerdozio von G. Falbo (= Schon in Pocketausgabe, 33), Mailand 1978; F. MARINELLI, La carta del prete. Guida alla lettura del «Dialogo sul sacerdozio» des Heiligen Johannes Chrysostomos, Rom 1986; und vor allem M. LOCHBRUNNER, Über das Priestertum. Historische und systematische Untersuchung zum Priesterbild des Johannes Chrysostomus (= Hereditas. Studien zur Alten Kirchengeschichte, 5), Bonn 1993.
[22]JOHANNES CHRYSOSTOMOS, Über das Priestertum 4,3,5-13, ed. A.M. MALINGREY, SC 272, Paris 1980, S. 248-250.
[23]Ibidem 2,4,51-64, S. 116-118: Es wird vor allem auf die Redewendung ghennáia psyché in der semantischen Bedeutung hingewiesen, die das Adjektiv im christlichen Wortschatz und vor allem bei Chrysostomos übernimmt (vgl. ibidem, S. 117, Anm. 3).
[24]Ibidem 2,1,35-40, S. 102.
(Quelle: http://www.annussacerdotalis.org/clerus/dati/2009-06/18-13/La_tradizione_antiochena_de.html)
DRITTES KAPITEL
Die alexandrinische Tradition: Origenes[1]
1. Einführung
Wir setzen unsere Präsentation und unseren Kommentar zu einigen patristischen Texten fort, die von der Priesterausbildung sprechen. Ich nehme nun auf die sogenannte «alexandrinische Tradition» Bezug.
Alexandrien scheint – wie bereits erwähnt – zwei zusätzliche Aspekte zur antiochenischen Tradition zu verkörpern, nämliche die Allegorie in der Exegese und die Valorisierung der Göttlichkeit des Wortes in der Christologie. Allgemeiner gesagt, Alexandrien ist weit entfernt von dem sogenannten asiatischen «Materialismus», von dem im zweiten Kapitel gesprochen wurde: Dies ist auch in der Ekklesiologie, vor allem in der Auffassung des geweihten Dienstes zu erkennen.[2]
In der Darlegung der alexandrinischen Orientierungen zum Thema der Priesterausbildung beschränke ich mich nur auf ein Beispiel, das in höchster Weise bezeichnend ist: Ich spreche von Origenes, vor allem seinen Homilien zum Buch Levitikus , die er in Cesarea von Palästina zwischen 239 und 242 gesprochen hatte. Die schwere Krise, die – aufgrund der Priesterweihe, die ihm um 231 von den Bischöfen von Cesarea und Jerusalem ohne Wissen des Bischofs von Alexandrien erteilt wurde – zu Gegensätzen zwischen Origenes und seinem Ordinarius Demetrius führten, liegt schon einige Jahre zurück. Die Krise wurde nicht beigelegt und war der Grund zur Versetzung des Origenes nach Cesarea.
Erbe der alexandrinische Tradition im Abendland – vor allem im exegetischen Bereich – ist Ambrosius, der Bischof von Mailand. (+ 397).[3] Über Ambrosius und Augustinus, seinen «Schüler», haben wir bereits im ersten Kapitel gesprochen. Zur Ergänzung dieser Ausführungen verweise auch auf den oben zitierten Bericht von Pater Janssens über die verecundia (oder «würdiges Verhalten») der Kleriker, von der Ambrosius in seiner Abhandlung De officiis [ministrorum]spricht.[4]
2. Origenes (+ 254)[5]
In erster Linie muss zugeben werden, dass es für Origenes, als echten Alexandriner, wichtiger ist, die Kirche in ihrem geistlichen Aspekt als mystischen Leib Christi, und nicht in ihrer Sichtbarkeit zu betrachten.
Origenes schenkt sein Augenmerk also mehr der sogenannten «Hierarchie der Heiligkeit», gesehen als der jeden Christen vorgeschlagene, unablässige Weg der Vollkommenheit, als der «sichtbaren Hierarchie».
Demzufolge spricht der Alexandriner häufiger vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen und seinen Eigenarten, als vom hierarchischen Priestertum.[6]
Wenn wir den Ausführungen des Origenes über das eine und andere Argument folgen, wird es keinesfalls schwierig sein, daraus einige Hinweise über den Weg der Ausbildung der Presbyter abzuleiten.
2.1. Das Priestertum der Gläubigen und die Bedingungen für dessen Ausübung
Eine lange Reihe von Texten des Origenes will die für die Ausübung des allgemeinen Priestertums verlangten Voraussetzungen erläutern.
In der neunten Homilie zum Buch Levitikus warnt Origines – indem er sich darauf bezieht, dass Aaron nach dem Tod seiner beiden Söhne verboten wurde, das sancta sanctorum (das Heiligtum) «zu jeder beliebigen Zeit» zu betreten (Levitikus 16,2) - : «Damit wird bewiesen, dass, wenn einer zu jeder beliebigen Zeit, ohne die gebotenen Vorbereitungen, ohne die priesterliche Gewänder zu tragen, ohne die vorgeschrieben Opfergaben vorbereitet zu haben und sich Gott gewogen gemacht zu haben, das Heiligtum betritt, er sterben wird [...]. Dies Sache betrifft uns alle: Es wird nämlich angeordnet, dass wir wissen, wie wir zum Altar Gottes treten sollen. Oder weißt du nicht, dass auch dir, das heißt der ganzen Kirche Gottes und dem Volk der Gläubigen das Priestertum übertragen worden ist? Höre, wie Petrus von den Gläubigen spricht: “Auserwähltes Geschlecht - königliches, priesterliches Geschlecht”, sagt er, „heiliger Stamm, Volk, das Gottes besonderes Eigentum wurde". Du also hast das Priestertum, weil du „priesterliches Geschlecht“ bist, und deshalb musst du Gott das Opfer darbringen, das Opfer des Gebets, das Opfer der Barmherzigkeit, das Opfer der Reinheit, das Opfer der Gerechtigkeit, das Opfer der Heiligkeit darbringen. Damit du es aber würdig darbringen kannst, brauchst du ein reines Gewand, die sich von den gewöhnlichen Gewändern der anderen Menschen unterscheiden, und du brauchst das das göttliche Feuer – nicht ein Gott fremdes Feuer, sondern das Feuer, das den Menschen von Gott gegeben wird -, von dem der Sohn Gottes spricht: “Ich bin gekommen, um das Feuer auf die Erde zu senden».[7]
Auch in der vierten Homilie, in der Origines die levitischen Regeln, gemäß der das Feuer für das Brandopfer auf dem Altar brennen bleiben soll (Levitikus 6,8-13), zum Anlass nimmt, wendet er sich mit diesen Worten an seine Gläubigen: «Höre: Das Feuer muss immer auf dem Altar bleiben: Und auch du, wenn du Priester Gottes sein willst – wie geschrieben steht: „Ihr alle werdet Priester des Herrn sein“, und dir wird gesagt werden: „Auserwähltes Geschlechte, königliches Priestertum, Volk, das Gottes Eigentum wurde“ -; wenn du das Priesteramt deiner Seele ausüben willst, lass niemals das Feuer auf deinem Altar erlöschen».[8]
Wie wir sehen, deutet der Alexandriner auf die inneren Bedingungen hin, die den Gläubigen mehr oder weniger der Ausübung seines Priesteramtes würdig machen. Denn mit diesen Worten setzt diese Homilie fort: «Das bedeutet das, was der Herr in den Evangelien befiehlt, dass “eure Flanken geschürzt seien und eure Lampe brennen“. Für dich also brenne immer das Feuer des Glaubens und die Lampe der Weisheit».[9]
Schließlich nehmen einerseits die «geschürzten Flanken»[10] und die «priesterlichen Gewänder», das heißt die Reinheit und Rechtschaffenheit des Lebens, und andererseits die «stets brennende Lampe», nämlich der Glaube und das Wissen um die Schriften, Gestalt an als die unverzichtbaren Bedingungen für die Ausübung des universalen Priestertums.
Umso unerlässlicher sind sie natürlich für die Ausübung des Amtspriestertums: Ja, wir könnten sagen, dass sie im Gedankengut des Origenes die «Meilensteine» der Ausbildung zum Presbyter sind. Darauf werden wir jedoch in den Schlussfolgerungen zurückkommen.
2.2. Priestertum der Gläubigen und Aufnahme des Wortes
Mehr als auf den «geschürzten Flanken», besteht Origenes auf der «brennenden Lampe», nämlich der Aufnahme und dem Studium des Gotteswortes.
«Jericho bricht unter den Widderhörnern der Priester zusammen», so beginnt der Alexandriner die siebente Homilie über das Buch Josua; und kurz danach folgt sein Kommentar: «Du hast dank des Glaubens Josua[= Jesus] als Führer in dir. Wenn du Priester bist, baue dir „metallene Hörner“ (tubae ductiles); oder besser, weil du Priester bist – und du bist “königliche Sippe”, und von dir wird gesagt, dass die “heiliges Priestertum” bist -, baue dir “metallene Hörner” aus den heiligen Schriften, ihnen entnehme (duc) die wahre Bedeutung, ihnen entnehme deine Worte; gerade deswegen werden sie tubae ductiles genannt. Mit ihnen sollst du singen, singen mit den Psalmen, den Hymnen und heiligen Gesängen, sollst du singen mit den Symbolen der Propheten, mit den Geheimnissen des Gesetztes, mit der Lehre der Apostel».[11]
Laut der dritten Homilie über das Buch Genesis muss das “auserwählte Volk, das Gottes Eigentum geworden ist» die Beschneidung des Gotteswortes in sich aufnehmen: «Ihr, das Gottesvolk», so spricht Origenes, «"das Volk, das auserwählt wurde, um von den Tugenden des Herrn zu erzählen“, nehmt die würdige Beschneidung des Gotteswortes in eure Ohren und eure Lippen und euer Herz und auf dem Präputium eures Fleisches auf und allgemeinen in allen euren Gliedern».[12]
«Du, Volk Gottes», fügt Origenes in einem anderen Zusammenhang hinzu, «bist gerufen, das Wort Gottes zu hören, nicht als plebs, sondern als rex. Denn dir wird ja gesagt: „königliches und priesterliches Geschlecht, Volk, das Gott auserwählt hat"».[13]
Die Aufnahme der heiligen Schriften ist entscheidend für das volle Teilhaben am «priesterlichen Geschlecht». In seiner allegorischen Deutung von Ezechiel 17, erläutert Origenes seinen Gläubigen zwei gegensätzliche Möglichkeiten: den Bund mit Nebukadnezaar– gezeichnet durch Fluch und Exil -, ein charakteristisches Merkmal dessen, der das Wort zurückweist; oder der Bund mit Gott, dessen unterscheidendes Element eben die Aufnahme der Schriften ist. Diesem Bund folgt die Segnung und das Versprechen: So «sind wird alle, die das Gotteswort gehört haben, regium semen», erklärt Origenes in der zwölften Homilie zum Buch Ezechiel. «In der Tat, wir werden “auserwähltes Geschlecht und königliches Priestertum, heiliger Stamm, Volk, das Gottes Eigentum geworden ist, genannt"».[14]
2.3. Priestertum der Gläubigen und «Hierarchie der Heiligkeit»
Diese Bedingungen - eine rechtschaffener Lebenswandel, vor allem aber die Aufnahme und das Studium des Wortes – legen eine echte «Hierarchie der Heiligkeit»[15] im allgemeinen Priestertum der Christen fest.
Origenes, zum Beispiel, denkt eher und ganz klar an eine «Hierarchie geistlicher Dienste», als an eine «sichtbare Hierarchie», wenn er in der vierten Homilie zum Buch Numeri bei der Erklärung der Zählung der Kehatiter unter den Leviten (Numero 4) abschließend behauptet: «Da also Gott auf diese Weise seine Geheimnisse verteilt und den Dienst der heiligen Gegenstände regelt, müssen wir uns als solche zeigen, nämlich des Priesterranges würdig [...]. Denn wir sind ein “heiliger Stamm, königliches Priestertum, ein an Kindes Statt angenommenes Volk”, denn, wenn wir mit den Verdiensten unseres Lebens der empfangenen Gnade antworten, werden wir des heiligen Dienstes als würdig erachtet».[16]
In der nachfolgenden Homilie , der fünften zum Buch Numeri, interpretiert er allegorisch die verschiedenen Elemente, die das “Offenbarungszelt” bilden, indem er sich auf eine kühne Auslegung des Textes (Numeri 4,7-9) einlässt. Zu erkennen sind noch einige Hinweise auf die «Hierarchie der Heiligkeit» , wo der Homilet behauptet, «unter diesem Zelt», das heißt in der Kirche des lebendigen Gottes, gäbe es «an Verdienst höhere und an Gnade reichere Personen». Alle Gläubigen in ihrer Ganzheit bilden somit den «Rest», das heißt das Volk der Heiligen, die die Engel auf ihren Händen tragen, damit ihr Fuß nicht über den Stein stolpere, und sie in den Ort des Versprechens eintreten können. Trotz der strengen Vorsichtsmaßnahmen der Leviten, ist es jedem von ihnen erlaubt, ohne Frevel einige Aspekte des Geheimnisses Gottes zu betrachten, denn alle zusammen werden «königliches Geschlecht und Priestertum, heiliger Stamm, Volk, das Gottes Eigentum geworden ist, genannt».[17]
Ebenso in der Homilie zum Buch Numeri lesen wir die berühmte origenische Auslegung des Brunnens zu Beer, «von dem der Herr zu Mose gesagt hat: "Versammle das Volk, damit ich ihnen Wasser gebe". Damals sang Israel das folgende Lied: "Steig auf, Brunnen! Singt über ihn ein Lied! Über den Brunnen, den die Heerführer gruben, den die Edlen des Volkes aushoben mit dem Zepter, mit ihren Stäben"» (Numeri 21,16-18). Origenes sieht in diesem Brunnen Jesus Christus selbst, die Quelle des Wortes, und im Hinweis auf die Heerführer und Edlen des Volkes den verschiedenartigen Grad der Tiefe, mit der die Schriften gelesen und gedeutet werden. Und dort, wo zwischen den Heerführern und Edlen zu unterscheiden ist, meint Origines in den Heerführern die Propheten und in den Edlen die Apostel zu sehen. «Dass nun die Apostel Edle genannt werden könne», so erklärt der Alexandriner, «ist leicht dem zu entnehmen, was allen Gläubigen gesagt wird: "Ihr seid königliches Geschlecht, höchstes Priestertum, heiliger Stamm"».[18]
Damit wird in jedem Fall bekräftigt, dass die wirkliche Hierarchie laut Origines jene ist, die darauf gründet, wie die Schriften aufgenommen werden, während es – zumindest in der letztgenannten Homilie – als selbstverständlich erscheint, dass die Bezugnahme auf das Gotteswort unerlässlich ist für die Ausübung des allen Gläubigen gemeinsamen «königlichen Priestertums».
2.4. Die «Hierarchie des Dienstamtes»
Origenes spricht in seinen Homilien ausdrücklich von den Bischöfen, den Presbytern und Diakonen. Seiner Ansicht nach, muss diese «sichtbare Hierarchie» in den Augen der Gläubigen die «unsichtbare Hierarchie» der Heiligkeit darstellen. Mit anderen Worten, die Ordination zum Dienst und die Heiligkeit müssen in der Doktrin des Origenes Hand in Hand gehen.
«Die Priester», so schreibt er in der sechsten Homilie zum Buch Levitikus «müssen sich in den Vorschriften des göttlichen Gesetzes wie in einem Spiegel anblicken und dieser Prüfung den Grad ihres Verdienste entnehmen: Wenn sie in die priesterlichen Gewänder gekleidet sind [...], wenn sie erkennen, dass sie den Höhepunkt [ihrer Berufung] im Wissen, in den Handlungen, in der Lehre erreicht haben; dann können sie glauben, dass sie das höchste Priestertum nicht nur dem Namen nach, sondern auch durch den wirklichen Verdienst erlangt haben. Andernfalls sollen sie sich als niedrigeren Ranges betrachten, auch wenn sie dem Namen nach den ersten Rang erhalten haben».[19]
Wie wir sehen, die sehr hohe Achtung des Origenes für das geweihte Priestertum lässt ihn besonders anspruchsvoll, gleichsam radikal, gegenüber den heiligen Dienern werden. Deshalb warnt er jeden davor, sich «auf jene Würden, die von Gott kommen, und die Präsidentschaft und Dienste der Kirche zu stürzen».[20] Und in der zweiten Homilie zum Buch Numeri stellt er die schmerzliche Frage: «Glaubst du, dass die, die den Titel Priester tragen, die sich rühmen, dem Priesterorden anzugehören, ihrer Weihe entsprechend wandeln und all das tun, was ihrer Weihe angemessen ist? Und glaubst du auch, dass die Diakone gemäß der Ordnung ihres Dienstes wandeln? Und wie kommt es, dass man Leute oft klagen und sagen hört: "Schau dir diesen Bischof, diesen Priester, diesen Diakon an…?“ Sagt man das nicht vielleicht, weil der Priester oder der Diener Gottes den Pflichten seiner Weihe nicht entspricht?». [21]
So zögert er in seinen Homilien nicht, die deutlichsten Mängel der Priester seiner Zeit offen zu tadeln. Für uns ergibt sich daraus ein wirksames, wie «im Negativ» gesehenes Bild der Gefahren, die in der Ausbildung der Presbyter zu vermeiden sind.
Eine schwache Seite der Priester ist, nach Ansicht des Origenes, der Hunger nach Geld und zeitlichen Verdiensten; kurz und gut – wie wir sagen würden – die Versuchung der Verbürgerlichung und des übertriebenen Horizontaslismus. Origenes klagt darüber, dass sich die Priester von den profanen Sorgen ganz in Anspruch nehmen lassen und nichts anderes wollen, als dieses Leben damit zu verbringen, dass sie «an die Geschäfte der Welt, die zeitlichen Verdienste und das gute Essen denken».[22] Und in einem anderen Kontext fügt er hinzu: «Unter uns Geistlichen wird es auch diejenigen geben, die alles daran setzen, ihren Leib zu befriedigen, um verehrt zu werden und die für die Kirche bestimmten Spenden zu eigen Vorteil zu erhalten. Das sind die, die von nichts anderem als dem Leib sprechen und von dort alle ihre Worte ableiten...».[23]
Origenes wirft den Priester auch die Überheblichkeit und den Hochmut vor. «Zuweilen», so bemerkt er in der zweiten Homilie zum Buch der Richter , «befinden sich unter uns – die wir Beispiel der Demut sein sollten, versammelt um den Altar des Herrn als Spiegel für jene, die auf uns blicken, einige Männer, von denen die Untugend der Überheblichkeit ausströmt. So verbreitet sich der widerlicher Geruch des Hochmuts vom Altar des Herrn».[24]. Und an anderer Stelle spricht er: «Wie viele geweihte Priester haben die Demut vergessen! Als wären sie geweiht worden, um zu vergessen, demütig zu sein. [...] Sie haben dich als Oberhaupt gewählt: Rühme dich nicht, sondern sei unter den deinen wie einer von ihnen; du musst die Hoffart fliehen, die Gipfel alles Bösen ist».[25]
Andere Sünden der Priester sind, nach Ansicht des Origenes, die Verachtung – oder zumindest die Geringschätzung – der Einfachen, der Demütigen und Armen, und in ihrer Beziehung zu den Gläubigen eine Art von «Auf und Ab» zwischen übermäßiger Strenge und einer nicht weniger übertriebenen Nachsicht.
3. Vorläufige Schlussfolgerungen
Wenn wir die Ausführungen des Origenes über das allgemeine und das Hierarchische Priestertum zusammenfassen, können wir aus diesen den folgenden Weg für die Ausbildung zum Presbyter ableiten.
Der «Ausweis», um diesen Weg zu begehen, ist die «brennende Lampe», das heißt das Anhören des Wortes. Andere unverzichtbare Bedingungen sind «die geschürzten Flanken» und die «priesterlichen Gewänder», nämlich ein rechtschaffenes und reines Leben: In diesem Hinblick müssen sich die geweihten Diener in erster Linie vor den Versuchungen der Verbürgerlichung, des Hochmuts, der übermäßigen Strenge und der Nachsicht hüten. Von den Priestern wird also ein radikaler Gehorsam vor dem Herrn und seinem Wort, die Abkehr vom Geist der Welt, die volle Brüderlichkeit mit dem Volk verlangt. Der Gipfel dieses Weges der Vollkommenheit – das heißt das Endziel des Wegs der Priesterausbildung, zumal da die «Hierarchie der Heiligkeit» und die «Hierarchie des Dienstes» sich gleichen müssen – ist laut Orignes das Martyrium.
In der neunten Homilie zum Buch Levitikus – wo er auf das «Feuer für das Brandopfer», anspielt, das heißt den Glauben und das Wissen um die Schriften, das auf dem Altar dessen, der das Priestertum ausübt, nie erlöschen darf -[26]– fügt der Alexandriner hinzu: «Aber jeder von uns» hat nicht nur das Feuer in sich; er hat «auch das Brandopfer, und mit seinem Brandopfer entzündet er den Altar, damit stets brenne. Wenn ich auf alles verzichte, was ich besitze, mein Kreuz nehme und Christus nachfolge, biete ich mein Sühneopfer auf dem Altar Gottes dar; und wenn ich meinen Leib gebe, damit er in Liebe brenne, und den Ruhm des Martyriums erlangen werde, biete ich mein Sühneopfer auf dem Altar Gottes dar».[27]
Diese Worte offenbaren die ganze Sehnsucht des Origenes nach der Blutstaufe. In der siebten Homilie zum Buch der Richter – die vielleicht auf die Jahre von Philipp des Arabers (244-249) zurückgeht, als die Möglichkeit eines grausamen Zeugnisses schon ausgeschlossen schien – ruft er aus:: «Würde Gott mir gewähren, mit meinem eigenen Blut gewaschen zu werden, damit ich die zweite Taufe empfange, da ich den Tod Christi hingenommen habe, würde ich mich sicher von der Welt abkehren [...]. Aber selig sind die, die diese Dinge verdienen».[28]
Ich schließe mit einer ganzheitlichen Betrachtung über den origenischen Weg der Priesterausbildung.
Man kann dem Eindruck nicht entgehen, dass Origenes Einstellung in diesem Bereich, wie auch in anderen, als sehr anspruchsvoll, wenn nicht sogar als radikal zu bezeichnen ist.
Seine Reflexion über das Priestertum (wie auch die anderer alexandrinischer Lehrer: siehe auch Clemens Alexandrinus),[29] stellt den Priester, obwohl er die «Hierarchie des Dienstes» mit der «Hierarchie der Vollkommenheit» verbindet, niemals als eine Art Engel dar: Er versteht ihn eher so, als wäre er auf einem sehr konkreten Weg der täglichen Askese, im Kampf gegen die Sünde und das Böse.
Ich möchte hier nur ein Beispiel nennen: Die schrittweise Abkehr von der Welt, die die Priesterausbildung kennzeichnen soll, wird keineswegs zur mühevollen Suche nach einem von der Welt getrennten Ort, denn, wie Origenes in der zwölften Homilie zum Buch Levitikus schreibt, «ist es nicht an einem Ort, wo man das Heiligtum suchen muss, sondern in den Handlungen, im Leben und in den Gewohnheiten. Wenn sie nach dem Willen Gottes sind, wenn sie den Geboten Gottes entsprechen, ist es unwichtig, ob du zu Hause oder auf dem offenen Platz bist; was sage ich, "auf dem offenen Platz"? Es ist sogar nicht wichtig, ob du vielleicht im Theater bist: Wenn du dem Wort Gottes dienst, bist du im Heiligtum, zweifle nicht».[30]
Letzten Endes aber bereichert die alexandrinische Tradition das von Ignatius von Antiochien und Johannes Chrysostomos umrissene Bild des Hirten – vielleicht auf unerwartete Weise – doch gewissermaßen korrekt.
[1]Grundlegende Bibliographie: siehe oben, Anmerkung 39.
[2]Es handelt sich selbstverständlich um Betonungen, nicht einseitige und ausschließliche Lehren, wie z.B. die Tatsache beweist, dass Origenes, Meister der Allegorie und geistlichen Auslegung der Bibel, ein Wissenschaftler ist, der nur selten den heiligen Text wörtlich wiedergibt. Zur Vertiefung der Fragen verweise ich auch auf E. DAL COVOLO (cur.), Storia della teologia..., S. 181-203 («Esegesi biblica e teologia tra Alessandria e Antiochia») und S. 520, Anm. 11. Siehe ebenso H. CROUZEL, La Scuola di Alessandria e le sue vicissitudini, in ISTITUTO PATRISTICO AUGUSTINIANUM (cur.), Storia della teologia, 1. Età patristica, Casale Monferrato 1993, S. 179-223; J.J. FERNáNDEZ SANGRADOR, Los origenes de la comunidad cristiana de Alejandría (= Plenitudo Temporis, 1), Salamanca 1994.
[3]Vgl. M. SIMONETTI, Lettera e/o allegoria. Un contributo alla storia dell'esegesi patristica (= Studia Ephemeridis «Augustinianum», 23), Rom 1985, S. 271-280.
[4]Siehe oben, Anm. 12-13 und Kontext.
[5]Als Einführung zu Origenes, nach dem Band von H. CROUZEL, Origenes (= Antike christliche Kultur) (franz. Ausgabe, Paris 1985), Rom 1986, siehe M. MARITANO, in G. BOSIO - E. DAL COVOLO - M. MARITANO, Introduzione ai Padri della Chiesa. Secoli II e III (= Strumenti della Corona Patrum, 2), Torino 19953, S. 290-395 (mit Bibliographie). Über die Priesterweihe des Origenes, siehe letztlich M. SZRAM, Das Problem per Priesterweihe von Origenes [in polnischer Sprache], «Vox Patrum» 10 (1990), S. 659-670.
[6]Neben den Werken von J. Lécuyer und A. Vilela (weiter unten zitiert, Anm. 76), über das Priestertum bei Origenes vgl. vor allem - nach H.U. von BALTHASAR, Parole et mystère chez Origène, Paris 1957, S. 86-94 (ital. Übersetzung in ID., Origene: il mondo, Cristo e la Chiesa [= Teologia. Fonti, 2], Mailand 1972, S. 60-65), worauf sich Vilela oft bezieht - Th. SCHÄFER, Das Priester-Bild im Leben und Werk des Origenes, Frankfurt 1977 und Zusammenfassungen v. H. CROUZEL, Origenes, S. 299-301, und v. L. PADOVESE, I sacerdoti dei primi secoli..., pp. 52-66. Siehe ebenso A. QUACQUARELLI, I fondamenti della teologia comunitaria in Origene: il sacerdozio dei fedeli, in S. FELICI (cur.), Sacerdozio battesimale e formazione teologica nella catechesi e nella testimonianza di vita dei Padri (= Biblioteca di Scienze Religiose, 99), Rom 1992, S. 51-59; Th. HERMANS, Origène. Théologie sacrificielle du sacerdoce des chrétiens (= Théologie historique, 102), Paris 1996.
[7]ORIGENES, Homilie zum Buch Levitikus 9,1, ed. M. BORRET, SC 287, Paris 1981, S. 72-74.
[8]Ibidem 4,6, ed. M. BORRET, SC 286, Paris 1981, S. 180.
[9]Ibidem.
[10]Hinsichtlich der origenischen Auslegung der «geschürzten Flanken» ist es nützlich, eine Stelle aus der ersten Abhandlung Über das Paschafest zu zitieren, die 1941 in Tura aufgefunden wurde, wo der Alexandriner die Bedeutung der «gegürteten Hüften» für das Paschamahl (Exodus 12,11) erklärt. «Es ist uns geboten», kommentiert Origenes, «rein zu sein von körperlichen Begegnungen, womit die Umgürtung der Hüften gemeint ist. [Die Bibel] lehrt uns, ein Band um den Ort zu legen, woher die Samen kommen, und befiehlt uns, die geschlechtlichen Impulse zu bremsen, wenn wir am Fleische Christi teilhaben» (vgl. O. GUÉRAUD-P. NAUTIN, Origène. Sur la Pâque. Traité inédit publié d'après un papyrus de Toura [= Christianisme antique, 2], Paris 1979, S. 74. Die italien. Übersetzung ist von G. SGHERRI, Origene. Sulla Pasqua. Il papiro di Tura [= Letture cristiane del primo millennio, 6], Milano 1989, S. 107, auf die ich auch zum Kommentar verweise. Vgl. schließlich E. DAL COVOLO, Origene: sulla Pasqua, «Ricerche Teologiche» 2 (1991), S. 207-221).
[11] ORIGENES, Homilie zum Buch Josua 7,2 ed. A.JAUBERT, SC 71, Paris 1960, S.200.
[12]ID., Homelie über das Buch Genesis 3,5, ed. L. DOUTRELEAU, SC 7 bis, Paris 1976, S. 130. Die Stelle erinnert an einige Aspekte der origenischen Doktrin der geistlichen Sinne, dazu siehe K. RAHNER, I «sensi spirituali» secondo Origene, in ID., Teologia dell'esperienza dello Spirito (= Nuovi Saggi, 6), Rom 1978, S. 133-163. Allgemeine Hinweise zur origenischen Exegese siehe letztlich T. HEITHER, Origenes als Exeget. Ein Forschungsüberblick, in G. SCHÖLLGEN - C. SCHOLTEN (curr.),Stimuli. Exegese und ihre Hermeneutik in Antike und Christentum. Festschrift für Ernst Dassmann, Münster Westfalen 1996, S. 141-153.
[13]ORIGENES, Homilie zum Buch der Richter 6,3, edd. P. MESSIÉ-L. NEYRAND-M. BORRET, SC 389, Paris 1993, S. 158. Laut Origenes ist somit jeder, der das Wissen um das göttliche Gesetz besitzt, ein Priester, «et, ut breviter explicem, qui legem et secundum spiritum et secundum litteram novit»: ID., Homilie zum Buch Levitikusmelia 6,3, ed. M. BORRET, SC 286, S. 280.
[14]ID., Homilie zum Buch Ezechiel 12,3, ed. M. BORRET, SC 352, Paris 1989, S. 386.
[15]J. LÉCUYER, Sacerdoce des fidèles et sacerdoce ministériel chez Origène, «Vetera Christianorum» 7 (1970), S. 259; A. VILELA, La condition collégiale des prêtres au III siècle (= Théologie historique, 14), Paris 1971, S. 79-83.
[16]ORIGENES, Homilie zum Buch Numeri 4,3, ed. W.A. BAEHRENS, GCS 30, Leipzig 1921, S. 24; vgl. A. MÉHAT, SC 29, Paris 1951, S. 108: «Origène songe plus à la hiérarchie des mérites qu'à la hiérarchie visible».
[17]ORIGENES, Homilie zum Buch Numeri 5,3, ed. W.A. BAEHRENS, GCS 30, S. 28 f.
[18]Ibidem 12,2, S. 99.
[19]ID., Homilie zum Buch Levitikus 6,6, ed. M. BORRET, SC 286, S. 290-292.
[20]ID., Homilie zum Buch Jesaja 6,1, ed. W.A. BAEHRENS, GCS 33, Leipzig 1925, S. 269.
[21]ID., Homilie zum Buch Numeri 2,1, ed. W.A. BAEHRENS, GCS 30, S. 10.
[22]ID., Homilie zum Buch Ezechiel 3,7, ed. M. BORRET, SC 352, Paris 1989, S. 140.
[23]ID., Homilie zum Buch Jesaja 7,3, ed. W.A. BAEHRENS, GCS 33, S. 283.
[24]ID., Homilie zum Buch der Richter 2,2, ed. W.A. BAEHRENS, GCS 30, S. 481.
[25]ID., Homilie zum Buch Ezechiel 9,2, ed. M. BORRET, SC 352, S. 304-306.
[26] Siehe oben, Anmerkung 68 und Kontext.
[27]ID., Homilie zum Buch Levitikus 9,9, ed. M. BORRET, SC 287, S. 116.
[28]ID., Homilie zum Buch der Richter 7,2, edd. P. MESSIÉ-L. NEYRAND-M. BORRET, SC 389, S. 180-182. Zur origenischen Martyrologie siehe nun E. DAL COVOLO, Appunti di escatologia origeniana con particolare riferimento alla morte e al martirio, «Salesianum» 51 (1989), S. 769-784; ID., Morte e martirio in Origene, «Filosofia e Teologia» 4 (1990), S. 287-294; ID., Note sulla dottrina origeniana della morte, in R.J. DALY (cur.), Origeniana Quinta (= Bibliotheca Ephemeridum Theologicarum Lovaniensium, 105), Leuven 1992, S. 430-437; T. BAUMEISTER, La teologia del martirio nella Chiesa antica (= Traditio Christiana, 7), Torino 1995, S. 138-151 (siehe auch die Quellenangaben, S. XXIX-XXXIX). Siehe schließlich Anm. 2, S. 180-181, der genannten Ausgabe P. MESSIÉ-L. NEYRAND-M. BORRET, SC 389.
[29]«Die Großen der Kirche hier auf Erden, Bischöfe, Presbyter, Diakone, sind, so glaube ich, ein Reflex der engelhaften Hierarchie und jener Ökonomie, die – wie die Schriften sagen - , diejenigen erwartet, die auf den Spuren der Apostel in vollkommener Gerechtigkeit nach dem Evangelium gelebt haben»: CLEMENS AL., Stromateis 6,13,107,2, edd. O. STÄHLIN-L. FRÜCHTEL-U. TREU, GCS 524, Berlin 1985, S. 485.
[30]ORIGENES, Homilie zum Buch Levitikus 12,4, ed. M. BORRET, SC 287, S. 182.
(Quelle: http://www.annussacerdotalis.org/clerus/dati/2009-06/18-13/La_tradizione_alessandrina_de.html)
VIERTES KAPITEL
Zusammenfassung der Perspektiven: die Ausbildung des Priesters in den ersten Jahrhunderten der Kirche[1]
In den vorhergehenden Kapiteln haben wir – nach einer eingehenden methodologischen und bibliographischen Einführung – einige Texte über die Priesterausbildung untersucht, wobei wir auf die «antiochenische Tradition» (von Ignatius bis Johannes Chrysostomos) und die «alexandrinische Tradition» (vor allem Origenes) Bezug genommen haben.
In diesem abschließenden Kapitel wollen wir die bisher erwähnten Lektüren und angestellten Überlegungen – von den Ursprüngen bis zum 5. Jahrhundert – in einen systematischen historischen Rahmen eingliedern. Die Hinweise auf das spezifische Thema der Priesterausbildung bei den Vätern werden somit Hand in Hand gehen mit den historischen Ausführungen über die Ursprünge und Entwicklung der hierarchischen Diener in der Kirche.[2]
1. Vor dem Konzil von Nizäa (325)
Die vornizäischen Zeugnisse über die geweihten Diener entsprechen zwei sich ergänzenden Elementen: einerseits die Treue zu den neutestamentlichen Schriften und die Kontinuität der Erfahrung der ersten christlichen Gemeinschaften;[3] andererseits die Anpassung an die neuen innerkirchlichen und außerkirchlichen Situationen.
Wie wir sehen werden, laufen die beiden Aspekte in Nizäa zusammen, im Sinne einer schrittweisen Hierarchisierung des Amtspriestertums.
In der antikeren Zeit, nämlich vom Ende des 1. Jh. bis in die letzten Jahrzehnten des 2. Jh., überwiegt das starke Gefühl für die Einheit der Kirche und die gemeinsame Zugehörigkeit der Christen zum «auserwählten Geschlecht», zum «königlichen Priestertum», zur «heiligen Nation», «zum Volk, das Gottes Eigentum geworden ist». Daher überarbeiten antike und ehrwürdige Texte wie die Didaché, der Brief an die Korinther von Clemens Romanus und die Briefe des Ignatius die neutestamentlichen Angaben über die geweihten Diener, ohne sich besonders um die Unterscheidung zwischen den Rollen zu kümmern, als vielmehr um die neue gemeinsame Identität aller Gläubigen.
In der nachfolgenden Zeit , das heißt zwischen dem Ende des 2. Jahrhunderts und den ersten Jahrzehnten des 3. Jahrhundert, entwickelt sich die Situation. In erster Linie ändert sich das politische Panorama; infolge dieser neuen Situation erfreut sich die Kirche im Rahmen der Toleranz, die den ersten heftigen Verfolgungen folgte, einer Zeit der Ruhe und des Friedens, womit sie ihre innerkirchliche Struktur festigen kann. In diesem historischen Rahmen wird das «geweihte Priestertum» immer deutlicher durch die «Hierarchie» geprägt, wobei die soziologische Unterscheidung zwischen Klerikern und Laien festgelegt wird. Dieses Phänomen verweist auf eine präzise Gegenüberstellung des Wortes laikós in der Geschichte und in einer Reihe von Zeugnissen – vor allem von Clemens Alexandrinus, von Origenes und Cyprian - , die die zwei Wirklichkeiten des Klerus und des Laientums sogar entgegenstellen, indem sie zuweilen den Laienstandes pejorativer darstellen .[4] Nicht deswegen lässt in der Kirche das Bewusstsein nach, dass auch die geweihten Diener aus der Laienschaft stammen, und dass das Priestertum der Gläubigen das gemeinsame Unterscheidungsmerkmal des neuen Gottesvolkes ist.
Im Übergang von der ersten zur zweiten Periode gewinnt die Kaiserzeit der Severer (193-235) ganz besondere Bedeutung. Anhand der historiographischen Analyse kann behauptet werden, dass einige Merkmale der sogenannten «konstantinischen Wende» durch die Toleranz der Dynastie der Severer vorweggenommen wurden – in welchem Maß dies geschah, kann nur schwer gesagt werden. In diesem historisch-institutionellen Kontext nahmen die Bischöfe – und vornehmlich Viktor, Zephirinus und Callistus – klar und deutlich die Notwendigkeit war, die Organisation der Gemeinschaft zu festigen. Ihre Aufgabe erfüllten sie auf zweifacher Ebene. Mit der bürgerlichen Gesellschaft und den politischen Institutionen förderten sie einen vorsichtigen missionarischen Dialog, der bis in die einflussreichsten Schichten des Reiches erstreckt wurde; innerhalb der Gemeinschaft sorgten sie jedoch für eine effizientere Organisation der kirchlichen Einrichtungen, angefangen vom hierarchischen Priestertum bis zur Autorität des Bischof. Diesbezüglich ist als Dokument in erster Linie die Apostolische Überlieferung zu untersuchen.
Allgemein muss anerkannt werden, dass bei den vornizäischen Vätern nur ganz zufällige Hinweise auf den Ausbildungsweg des Presbyters zu finden sind. Erst gegen Ende des 2. Jahrhunderts erscheint die Gestalt des «Diakons», der mit der Ausbildung der Geistlichen beauftragt ist: In den ersten christlichen Generationen sind es eben «die Bischöfe, die Nachfolger der Apostel, die die Ausbildung der Priesterkandidaten fortsetzen, wie es die Apostel taten [...]. Der Ausbildner der Geistlichen ist somit der Bischof in seiner Rolle als Lehrer, Kenner der Liturgie, Hirte».[5]
Doch betrachten wir nun im Einzelnen die drei angesprochenen Momente: zunächst die antikere Zeit, dann das 3. Jahrhundert und schließlich das «Zwischenglied», nämlich die Zeit der Severer.
1.1. Die Väter des 1. Und 2.. Jahrhunderts
«Wählt für euch Bischöfe und Diakone, die des Herrn würdig sind, sanftmütige, nicht an das Geld geklammerte, aufrichtige und bewährte Männer. Denn auch sie üben für euch den Dienst (leitourgia) der Propheten und Lehrer aus. Daher missachtet sie nicht, weil sie, gemeinsam mit den Propheten und Lehrers, unter euch ehrbare Männer sind».[6]
So erwähnte die Didaché anhand des Neuen Testamentes «Bischöfe und Diakone», die von der Gemeinschaft gewählt werden. Sie üben einen ähnlichen Dienst wie die Propheten und Lehrer aus, die ihrerseits «lehren , um die Gerechtigkeit und die Kenntnis des Herrn festzulegen».[7]
Der Kontext des Zitats – und zwar die Kapitel 11-15 – macht vieles klar und deutlich. Dort wird die wesentliche Einheit der Christen beschrieben, die, den «lieblichen lukanischen Szenen» der Apostelgeschichte gemäß, das Gebot der brüderlichen Liebe derart leben, dass sie «alles gemeinsam haben». Jeder fühlt sich als «Gefährte» des Nachbarn, alle waren gleichberechtigt und gleich. Dennoch aber handelt es sich nicht um eine amorphe, unterschiedslose Gemeinschaft. Im Gegenteil, es treten schon verschiedene Charismen und Rollen hervor. Man spricht in der Tat von wandernden Propheten, die in der Gemeinschaft besondere Achtung und Verehrung genossen, von Lehrern und schließlich von Bischöfen und Diakonen. Letzterer Hinweis ist sehr wichtig, auch weil er von der langsamen Eingliederung der charismatisch-wandernden Hierarchie (Apostel-Propheten-Lehrer) in die institutionelle Hierarchie der einzelnen Ortskirchen(Bischöfe-Presbyter-Diakone) Zeugnis ablegt.[8]
Interessant ist die Feststellung, dass diese Pluralität an Dienern dem Bild einer Kirche entspricht, die heilsam in ihrer Sendung auf der Erde «verstreut» ist, während das Geschenk der Einheit erbeten und erwartet wird: «Wie das gebrochen Brot auf den Hügeln verstreut war und gesammelt zu Eins wurde», lautet das Hochgebet der Didaché, «so sammelt sich deine Kirche von den Grenzen der Erde in deinem Reich». Und kurz danach: «Herr, vergiss nicht deine Kirche. Mach sie vollkommen in deiner Liebe und geheiligt sammle sie aus den vier Winden deines Reiches, das du für sie vorbereitet hast, denn dein ist die Macht und Ehre in alle Ewigkeit».[9]
Clemens wiederum empfiehlt den Korinthern in seinem ersten Brief , «alles, was der Herr zu den ordentlichen Zeiten vorgeschrieben hat, der Ordnung gemäß zu tun. Er hat nämlich vorgeschrieben, die Spenden und liturgischen Dienste (leitourgiai) nicht aufs Geratewohl und ohne Ordnung, sondern zu festgelegten Zeiten und Stunden zu verrichten. Er selbst hat dann, mit seinem unumschränkten Willen festgelegt, wo und von wem sie verrichtet werden sollen, damit alle heilig und mit seiner Billigung gemachten Dinge seinem Willen genehm seien [...]. Dem Hohepriester sind die im eigenen liturgischen Funktionen anvertraut, den Priestern wurde die ihnen vorherbestimmte Stellung eingeräumt, den Leviten stehen eigene Dienste zu. Der laienhafte Mensch ist an die laienhaften Regelungen gebunden».[10]
Auf diese Weise und unter Bezugnahme auf die Liturgie im antiken Israel, offenbart Clemens seine Idealvorstellung von der Kirche. Schon in den vorherigen Kapiteln des Briefes hatte er sich auf zwei anderen Analogien bezogen. Die erste, die des Heeres, in dem die Soldaten, je nach dem eigenen Rang, den Befehlshabern unterworfen sind. Die zweite ist dies des Körpers, in dem alle Glieder sich «gemeinsam-atmen» (con-spirare) in einer einzigen Unterwerfung für die Erhaltung des gesamten Körpers. Doch die Grundlage, auf der sich die drei Analogien bewegen – die des Heeres, des Körpers und des antiken Israels – ist nur eine, nämlich die universale Ordnung, auf der das Marko- und Mikrokosmos beruht. Seine vereinenden Kraft ist «der einzige über uns ausgegossene Geist der Gnade», der in den verschiedenen Gliedern des Leibs der Kirche atmet, in dem alle, ohne je getrennt zu sein, «die einen Glieder der anderen sind».[11] Die Kirche ist jedoch nicht Ort der Verwirrung und Anarchie, wo jeder tun kann, was er will, denn jeder verrichtet in ihr seinen Dienst in seiner Ordnung , indem er an dem Platz bleibt, der ihm gemäß dem empfangenen Chrisma zugewiesen wird.
Aber diese Pluralität von Diensten ist – sowohl bei Clemens als auch in der Didaché – auf die gemeinsame Sendung hingeordnet , die im abschließenden «großen Gebet» erwähnt wird: «Alle Völker sollen wissen, dass du der einzige Gott bist, und dass Jesus Christus dein Sohn ist, und wir dein Volk, deine Herde auf deiner Weide sind».[12]
Dieses wunderbare «gemeinsame Atmen», von dem Clemens spricht, wird in den Briefen des Ignatius zur «Symphonie der Einheit» : Diesbezüglich verweisen wir auf die bereits über die Ignatiusbriefe angestellten Betrachtungen.[13]
Was den bislang untersuchten Dokumente gemeinsam ist und bei Ignatius den Höhepunkt erreicht, ist – wie wir schon bemerken konnten – eine gewisse Dialektik zwischen zwei unverzichtbaren Elementen des christlichen Lebens: einerseits die grundlegende Einheit, die alle Christusgläubigen untereinander verbindet, andererseits der hierarchische Aufbau der Kirche.
Diese antiken Texte aber lassen dem Gegensatz der Rollen keinen Raum. Im Gegenteil, die grundlegende Erfahrung der Gemeinsamkeit und Gegenseitigkeit der Gläubigen begründet und stützt das Wissen um die gemeinsame Sendung. Eben die Gewissheit, einem einzigen Leib anzugehören, der ganz auf die Sendung hingeordnet ist , geht über die Kraft hinaus, aufgrund derer man sich mit jedem Dienst identifiziert, der in dem selben Körper verrichtet wird, dessen Haupt Christus ist.[14]
1.2. Die Väter des 3. Jahrhunderts
Im 3. Jahrhundert ändert sich die Situation, und man beginnt, in der Kirche ausdrücklich von den Laien als «Kategorie» zu sprechen. Sie werden von den Geistlichen unterschieden, obwohl man weiß, dass auch diese aus dem Laienstand kommen. Das Wort Laie wird gewissermaßen im negativen Sinn gesehen, wohingegen das ganze hierarchische Gewicht der geweihten Diener zutage tritt.
Andererseits kann auch nicht behauptet werden, dass im 3. Jahrhundert das Wissen darum verloren ging, dass das gemeinsame Priestertum der Gläubigen ein kennzeichnendes Merkmal des neuen Gottesvolkes war. Dies beweisen unzählige Zeugnisse, auch jene, die üblicherweise aufgegriffen werden, um die fortschreitende Hierarchisierung der Kirche unter Beweis zu stellen.
Selbst Clemens Alexandrinus, der an anderer Stelle auf die «Untreue der Laien» anspielt,[15] wiederholt immer wieder, dass der Logos der gemeinsame Pädagoge eines einzigen «neuen und jungen Volkes» ist, das das Volk des «neuen und jungen Bundes» ist.[16] Und Origenes, der wieder zurückgreift auf die reichhaltige subapostolische Exegese im 1. Brief des Petrus 2,9 («Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das Gottes Eigentum wurde»),[17] stellt in der neunten Homilie zum Buch Levitikus die priesterliche Identität jedes Gläubigen mit folgenden Worten dar: “Weißt du nicht, dass auch dir, das heißt der ganzen Kirche Gottes und dem Volk der Gläubigen die Priesterschaft erteilt wurde? Höre, was Petrus zu den Gläubigen spricht: "Auserwähltes, königliches, priesterliches Geschlecht“, sagt er, „heiliger Stamm, Volk, das Gottes Eigentum geworden ist". Du hast also die Priesterschaft, weil die „priesterliches Geschlecht“ bist».[18]
Dass alle Gläubigen dann, in der Vielfalt ihres spezifischen Dienstes, zu einer gemeinsamen Heilsmission gerufen sind, ergibt sich unter anderem aus einem besonderen Zeugnis in Contra Celsum : Die Christen, so behauptet Origenes, leisten keinen Heeresdienst, weil sie Priester sind, und nehmen somit Anteil an der Rolle, die die Heiden ihren Priestern zuerkannten. «Die Christen», setzt der Aleandriner in diesem Kontext fort, «sind dem Vaterland sehr viel nützlicher als alle anderen Männer; sie bilden ihre Mitbürger aus und lehren sie die Frömmigkeit gegenüber Gott, dem Hüter der Stadt. Sie helfen, zur göttlichen und himmlischen polis diejenigen aufsteigen zu lassen, die in ihren kleine Städten rechtschaffen leben ».[19]
1.3. Der Übergang von der ersten zur zweiten Periode
Alles in allem ist es – trotz Ansicht mancher, die geneigt sind, in den patristischen Zeugnissen eine systematische Kontraposition zwischen Hierarchie und Laientum[20], und letztendlich einen bedingungslosen Auftrag der Sendung an die geweihten Diener zu sehen - wahrscheinlich, dass in der vornizäischen Zeit immer eine fruchtbare Dialektik zwischen der grundlegenden Einheit des «auserwählten Geschlechts» und dem hierarchischen Aufbau der Kirche bestand. Man sollte eher von einer andersartigen “Ausbalancierung” der beiden Aspekte sprechen. Im höchsten Maß vereinfacht könnten wir sagen, dass die Hegemonie des ersten dem zweiten Element nachfolgt, das die Oberhand gewinnt: zwischen den beiden erstreckt sich, gleichsam als «Zwischenglied» die Kaiserzeit der Severer (193-235).
Eine derartige Simplifizierung mag zweifelsohne übertrieben sein. Sie will aber auch eine Herausforderung sein, die sofort zum Studium des historisch-institutionellen Umfelds zwischen dem 2. Und 3. Jahrhundert auffordert. Und es ist tatsächlich ein entscheidendes Kapitel für diejenigen, die «eine Geschichte der christlichen Sendung und der Bekehrung über die antike Welt schreiben wollen».[21]
Alles in allem weist die Organisation der respublica in diesem Zeitraum schon die Risse der kommenden Krise auf, während sich die kirchlichen Institutionen in dem offiziell als Verfolger wirkenden Reich Schritt für Schritt durchsetzen. Und während die Krise durch den Aufstieg der Severer – die ganz deutlich in der Festigung und der religiösen Propaganda der Monarchie engagiert sind – etwas verzögert wird, kündigt der Beitritt des Hofes und der clarissimae senatorischen Familien zum Christentum die endgültige Eroberung des Kaiserreiches durch die Kirche an, die sich wie nie zuvor darin engagiert, den missionarischen Dialog sogar auf die einflussreichsten Schichten der Gesellschaft auszudehnen.
In diesem paradoxen Kontext des Zeitalters der Severer – wo die Christen verfolgt wurden, obwohl sie in die Kaiserfamilie zugelassen waren – führte diese weitgehende Ausdehnung des Christentums zunächst zu einem parallel laufenden quantitativen und qualitativen Anstieg der Laien in der Kirche. An zweiter Stelle setzte der intensivere Austausch zwischen heidnischer und christlicher Kultur die kirchlichen Institution einer Reihe von heterogenen Einflüssen aus, die einerseits von der römischen Gesellschaft und ihrer pyramidalen Organisation, andererseits von der platonischen Tradition und ihren Modellen einer polis ausgingen, deren Aufbau von der Vollkommenheit des Einen zur Unvollkommenheit des Vielfachen regredierte. Zu diesen Einflüssen sind noch jene hinzuzuzählen, die aus verschiedenen alttestamentlichen Darstellungen abgeleitet wurden, die auf eine deutliche Trennung zwischen der Priesterkaste und dem Volk hinwiesen.[22]
Dementsprechend wurden die zwei sich ergänzenden und unumgänglichen Aspekte des kirchlichen Lebens – auf der einen Seite die Achtung für das allgemeine Priestertum der Gläubigen und die charismatische Struktur der Kirche, auf der anderen die Valorisierung des Sakraments der Weihe und der hierarchischen Struktur des Gottesvolkes – durch die neue politische und kulturelle Atmosphäre wie nie zuvor angeregt.
Vor allem musste sich die dringende Notwendigkeit, genauer umrissene und effizientere organisatorische Strukturen zu schaffen, angefangen von der Autorität des Bischofs und der Ausbildung der Geistlichen , in einer deutlichen Hierarchisierung der Gemeinschaft widerspiegeln.
Die dokumentarische Bestätigung finden wir in erster Linie in einer berühmten Schrift aus dem corpus ippolitanus : die Apostolische Überlieferung, das älteste Ritual für die Ordinationen, das auch unsere Liturgien noch inspiriert. Denn noch heute zelebriert die römische Kirche die Weihe der Bischöfe anhand des Textes der Traditio und rezeptiert das Wesen der Anaphora im zweiten Hochgebet.[23]
Die Probleme der Autorschaft, der Datierung und Überlieferung dieses ehrwürdigen Dokuments – das uns nicht direkt überliefert wurde, sondern erst anhand späterer Quellen identifiziert und rekonstruiert wurde – kreuzen sich mit der vexata quaestio der Hippolyt.[24] In jedem Fall wird der antike Text der Traditio allgemein auf das Herz der Zeit der Severer, und zwar um das Jahr 215 zurückgeführt.
In der Apostolischen Überlieferung werden die Kleriker endgültig in der Triade Bischöfe-Presbyter-Diakone dargestellt.
Nur diesen ist die Weihe durch die Handauflegung vorbehalten.[25] Durch diesen Ritus wird die Gnade ausgegossen, die auf besondere Weise der Ausübung des entsprechenden Dienstes gilt. Andere Diener werden anerkannt und eingeführt, jedoch ohne Weihe und impositio manuum: Denn es geht nicht darum, jemanden zu einem liturgischen Dienst der Präsidentschaft zu befähigen, sondern einfach einen Tatbestand anzuerkennen (Beichtväter, Jungfrauen, Heiler), einen Titel zu verleihen (Witwen) oder eine Aufgabe anzuvertrauen (Lektor, Subdiakon).
Der Rolle des Bischofs wird die höchste Bedeutung beigemessen: Es ist er, der weiht, er ist das Oberhaupt, er ist der Nachfolger der Apostel, er wird des Geistes des Hohepriesters teilhaftig. Die Presbyter sind seine Ratgeber und Helfer in der Leitung des Volkes, wie die von Mose auserwählten Priester. Die Diakone werden dann nicht zum Priestertum, sondern zum Dienst am Bischof geweiht, denn sie führen dessen Anordnungen aus.
«Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus», so lautet das Hochgebet der Bischofsweihe, «gieße nun die – von dir kommende - Kraft des ersten Geistes aus, den du deinem geliebten Sohn Jesus Christus gegeben hast, und den er den heiligen Aposteln geschenkt hat (…). Lass o Vater, Kenner der Herzen, deinen Diener, den du für das Episkopat gewählt hast deine heilige Herde weiden, lass ihn für dich das Primat des Priestertums untadelig ausüben, indem er Tag und Nacht dient, lass ihn dein Antlitz immer wieder geneigt machen und die Gaben deiner heiligen Kirche darbieten, gib ihm die Macht – durch den Geist des Hohepriesters - nach deinem Auftrag die Sünden zu vergeben, nach deinem Gebot die Ämter zu verteilen, jedes Band zu lösen gemäß der Macht, die du den Aposteln erteilt hast».[26]
Sicher kann der dreifache Hinweis auf die Vorrangstellung des bischöflichen Priestertums nicht entgehen. Wir vertreten die Meinung, dass dieses als die Summe jenes «hierarchisierenden Impulses» zu betrachten ist, der die Pontifikate von Viktor, Zephyrus und Callistus durchkreuzte und die christliche Gemeinschaft von Rom zwischen Ende des 2. Und Anfang des 3. Jahrhunderts dazu führte, «eine stark durch die Einheit geprägte Organisation zu schaffen, indem die Autorität des Bischofs gestärkt wurde».[27]
Andererseits – wie wir gesehen haben – enthält die Apostolische Überlieferung auch eine fruchtbare Pluralität von nicht geweihten Diensten - nämlich die der Beichtväter, der Witwen, der Jungfrauen, der Subdiakone und der Exorzisten, zu denen noch die der Ostiarien und der Akolythen hinzuzuzählen sind -, eine Pluralität, die durch die Autorität des Bischofs gewiss nicht «abgeflacht» wird.[28] Den Dialog mit den Dienern und allen Gläubigen feiert der Bischof mit diesen, in der Liturgie und im Leben, das Opfergebet und die abschließende feierliche Doxologie, die die ewige Sendung des Sohnes und des Geistes für die Kirche und die Welt zum Ausdruck bringt: «Dich bitten wir, sende deinen Geist herab auf die Darbietung der heiligen Kirche, schenken allen Einheit, die dieses Geistes teilhaftig werden, gewähre ihnen, dass sie erfüllt seinen vom heiligen Geist und gestärkt im Glauben der Wahrheit, damit wir dich für Jesus Christus, deinen Sohn, lobpreisen und verehren, durch den du, Vater und Sohn mit dem heiligen Geist in der heiligen Kirche Ehre und Ruhm in alle Ewigkeit hast».[29]
2. Nach Nizäa, hin zu Kalzedonien (325-451)
2.1. Der historische Kontext
Der in der Kirche des 4.-5. Jahrhunderts vorherrschende «geschichtliche Trend» war der, dass sich die christliche Religion gegenüber dem Heidentum immer mehr durchsetzte. In weniger als achtzig Jahren gewinnt sich das anfänglich verfolgte Christentum die Übermacht (Edikt des Theodosius von 380).[30]
In diesem Kontext ist die sogenannte «kaiserliche Kirche»[31] immer mehr angespornt, den kircheninternen Strukturen, in erster Linie den verschiedenen hierarchischen Graden und der Ausbildung der heiligen Diener, eine Organisation zu verleihen.
2.2. Die hierarchischen Ordnungen oder «Ränge»
Gerade im Zuge des 4. Jahrhunderts setzt sich die Aufteilung des Klerus in zwei Gruppen durch, die Innozenz I. (401-417) am Beginn des darauffolgenden Jahrhunderts als clerici superioris ordinis (Bischöfe-Presbyter-Diakone) und clerici inferioris ordinis (Subdiakon- Akolyth- Exorzist –Ostiarius-Lektor) bezeichnet.[32] Die unteren Ränge jedoch sind weiterhin starken Veränderungen unterworfen, sei es was die Zahl als auch die Evaluierung (gehörten sie wirklich dem Klerus an?) sowie die Definierung der jeweiligen Aufgaben anbelangt.[33]
2.3. Die Abhandlungen über das Priestertum
Im selben Zeitraum, zwischen dem 4. Und 5. Jahrhundert, wohnt man einer regelrechten Proliferation von Schriften über die priesterliche Heiligkeit bei. Ich möchte diese hier aufzählen. Im Orient haben wir, neben der kurzen Predigt über das Priestertum von Efrem Siro (+ 373), die zweite Oration von Gregorius Natianzenus (+390) und den berühmten Dialog über das Priestertum von Johannes Chrysostomos (+470); im Abendland sind zumindest die De officiis [ministrorum] des Ambrosius (+ 397), der Brief des Hieronymus (+ 419 oder 420) an Nepotianus und die verschiedenen Reden und Briefe des heiligen Augustinus (+ 430) zu erwähnen.[34].
2.4. «Klerikale Ausbildung» und «monastische Ausbildung»
Der ausbildnerische Aspekt ist auch in den monastischen Erfahrungen des 4. Und 5. Jahrhunderts gut zu erkennen.[35] Man kann sogar von einer «engen Interaktion» zwischen klerikaler und monastischer Ausbildung sprechen.[36] In diesem Sinne sind in erster Linie die Conlationes, gemeinschaftliche Gespräche in Form eines Dialogs, zu berücksichtigen, die von dem «Ältesten» geleitet wurden: So entstand vor allem in den monastisch und Einsiedlerkreisen die Gestalt des «geistlichen Vaters».
Antonius Abate (+ 356) ist der Initiator des Monachismus in eremitischer Form. Und ebenso Antonius erteilt dem geistlichen Vater die Aufgabe, als Leiter zur Vollkommenheit zu wirken: «Ihr als Söhne», sprach er zu seinen Mönchen, «bringt mir, wie einem Vater, die Dinge, die ihr wisst, und sagt sie mir. Ich aber, der ich dem Alter nach der Älteste bin, werde euch an dem teilhaben, was ich weiß und erlebt habe».[37]
Neben Antonius ist jedoch auch Pacomius zu erwähnen, der 323 die erste zönobitische Gemeinschaft mit ihren charakteristischen Einrichtungen (Kloster, Regel, Abt) gründete, und Basilius (+ 379), für den das Klosterleben die vollkommene Umsetzung des christlichen Lebens ist.
Doch vor allem im Westen ist die Begegnung zwischen klerikaler und monastischer Ausbildung zu verzeichnen. Eusebius, Bischof von Vercelli ab 345, ist der erste, der seinen Klerus in vita communis versammelt, weshalb er als Gründer des antiksten monasterium clericorum gesehen wird. Diese Begegnung zwischen monastischer und kirchlicher Einrichtung findet ihre Fortsetzung bei Ilarius von Poitiers (+ 367) und Martin von Tours (+ 357), der als echtes Beispiel eines Mönchs und Bischofs galt. «Am Ende» gelangen wir bei Augustinus an. Nach der Bischofsweihe, so schreibt er selbst, «wollte ich bei mir zu Hause ein Kloster mit Klerikern haben…Und ihr wisst alle», bemerkt er vor seinen Leuten, «dass wir hier leben, im sogenannten Haus des Bischofs, um im Rahmen des Möglichen jene Heiligen nachzuahmen, von denen das Buch der Apostelgeschichte spricht: „Es gab keinen, der das, was er besaß, als sein Eigen betrachtete, sondern sie hatten alles gemeinsam“».[38] Auch in Karthago gründet Augustinus ein Kloster, das die selben Ziele verfolgt.
3. Abschließenden Betrachtungen
Zum Abschluss dieser zusammenfassenden Betrachtungen, mit welchen wir die patristischen Zeugnisse über die Priesterausbildung in ihrem historischen Rahmen durchlaufen wollten, sollte eine wichtige Stelle des Apostolischen Schreibens Evangelii Nuntiandi gelesen werden: «Ein Blick auf die Ursprünge der Kirche», so schrieb Paul VI. im Jahre 1975, «macht vieles klar und deutlich und erlaubt, eine alte Erfahrung bei den Dienstämtern aufzugreifen. Die Erfahrung ist umso wertvoller, weil sie es der Kirche erlaubt, zu wachsen, sich zu festigen und auszubreiten».[39]
Das ist die Perspektive, die wir auf diesen Seiten vorgestellt haben, wo wir anfängliche Reflexionen über die PDV mit der Geschichte der christlichen Ursprünge vergleichen wollten: «"Jesus stieg auf den Berg, er rief jene zu sich, die er wollte, und sie gingen zu ihm hin...". Wir können behaupten, das die Kirche in unserer Geschichte», so lautet unser Text, «diese Seite des Evangeliums, obgleich mit anderer Intensität und anderen Modalitäten, immer wieder durch das Ausbildungswerk gelebt hat, das den Presbyterkandidaten und den Priestern selbst vorbehalten ist».[40]
Wir sind überzeugt, dass der Hinweis auf die lebendige Tradition der Väter den «Ausbildnern» und den «Auszubildenden» eine Hilfe ist, um sich in jedem Augenblick der Priesterausbildung mit der sich niemals ändernden Wesensart des Priester» wirksam zu konfrontieren:[41] Denn der Priester der «neuen Evangelisierung», ist wie der Presbyter der christlichen Ursprünge wohl immer gerufen, lebendiges und transparentes Abbild Christi, des guten Hirten, zu sein.
Enrico dal Covolo
[1]Grundlegende Bibliographie: O. PASQUATO, L'istituzione formativa del presbitero nel suo sviluppo storico (sec. I-XVI), «Salesianum» 58 (1996), S. 269-299 (umfassende weit verstreute Bibliographie).
[2]Vgl. A. FAIVRE, Naissance d'une hiérarchie. Les premières étapes du cursus clérical (= Théologie historique, 40), Paris 1977; ID., Ordonner la fraternité..., S. 55-109 (mit umfassender bibliographischer Auswahl: vgl. vor allem S. 459-472, zusätzlich nun auch J. YSEBAERT, Die Amtsterminologie im Neuen Testament und in der Alten Kirche. Eine lexikographische Untersuchung, Breda 1994. Die von Faivre aufgestellten Thesen sind jedoch einer aufmerksamen kritischen Prüfung zu unterziehen: vgl. E. DAL COVOLO, Chiesa Società Politica. Aree di «laicità» nel cristianesimo delle origini [= Ieri Oggi Domani, 14], Rom 1994, S. 160-162). Zu den Ursprüngen des hierarchischen Priestertums s. auch R.M. HÜBNER, Die Anfänge von Diakonat, Presbyterat und Episkopat in der frühen Kirche, in A. RAUCH-P. IMHOF SJ (curr.), Das Priestertum in der Einen Kirche. Diakonat, Presbyterat und Episkopat. Regensburger Ökumenisches Symposion 1985 (= Koinonia, 4), Aschaffenburg 1987, S. 45-89; A. HOUSSIAU, Le sacerdoce ministériel dans l'Église ancienne, in A. HOUSSIAU-J.-P. MONDET (curr.), Le sacerdoce du Christ et de ses serviteurs selon les Pères de l'Église (= Collection Cerfaux-Lefort, 8), Louvain-La-Neuve 1990, S. 1-47; P. CHAUVET, Sacerdoce des baptisés, sacerdoce des prêtres (= Pères dans la foi, 46), Paris 1991; J. SARAIVA MARTINS, Il sacerdozio ministeriale. Storia e teologia (= Subsidia Urbaniana, 48), Rom 1991; E. FERGUSON (cur.), Church, Ministry, and Organization in the Early Church Era (= Studies in Early Christianity, 13), New York-London 1993; siehe ebenso M. SIMONETTI, Presbiteri e vescovi nella chiesa del I e II secolo, «Vetera Christianorum» 33 (1996), S. 115-132, und vor allem E. CATTANEO, I ministeri nella Chiesa antica. Testi patristici dei primi tre secoli (= Letture cristiane del primo millennio, 25), Milano 1997.
[3]Über die kirchliche Ordnung im Neuen Testament – gesehen als ein sich weiterentwickelndes System - siehe G. GHIBERTI, Sacerdozio ministeriale e laicità. Il progetto neotestamentario, in DIPARTIMENTO DI SCIENZE RELIGIOSE DELL'UNIVERSITA' CATTOLICA (cur.), Laicità nella Chiesa (= Glaube und moderne Welt, 3), Milano 1977, S. 160-180.
[4]Vgl. E. DAL COVOLO (et alii), Laici e laicità nei primi secoli della Chiesa (= Letture cristiane del primo millennio, 21), Mailand 1995.
[5]O. PASQUATO, L'istituzione formativa del presbitero...
[6]Didaché 15,1-2, edd. W. RORDORF-A. TUILIER, SC 248, Paris 1978, S. 192-194.
[7]Ibidem 11,2, S. 182-188.
[8]Vgl. Didaché. Dottrina dei Dodici Apostoli. Einführung, Übersetzung und Anmerkungen U. MATTIOLI (= Letture cristiane delle origini, 5/Testi), Rom 19803, S. 63-69, und zum Gesamtüberblick K. NIEDERWIMMER, Die Didaché (= Kommentar zu den Apostolischen Vätern, 1), Göttingen 1989. Siehe auch F.E. VOKES, Life and Order in Early Church: the Didache, in W. HAASE (cur.), Aufstieg und Niedergang der Römischen Welt, 2,27,1, Berlin-New York 1993, S. 209-233; C.N. JEFFORD (cur.) The Didache in Context. Essays on Its Text, History and Transmission (= Supplements to Novum Testamentum, 77), Leiden - New York - Köln 1995 (A Bibliography of Literature on the Didake, S. 368-382). Über die Beziehung zwischen «Charisma» und «Institution» in den ersten Jahrhunderten, siehe nun E. CATTANEO, Carisma e istituzione nella Chiesa antica 37 (1996), S. 201-216.
[9]Didaché 9,4. 10,5, S. 176.
[10]CLEMENS ROMANUS, Brief an die Korinther 40,1-5, ed. A. JAUBERT, SC 167, Paris 1971, S. 166.
[11]Ibidem 46,6-7, S. 176.
[12]Ibidem 59,4, S. 196.
[13]Siehe oben, Anmerkungen 42-51 und Kontext.
[14]Vgl. E. DAL COVOLO, I laici nella chiesa delle origini, in M. TOSO (cur.), Laici per una nuova evangelizzazione. Studi sull'esortazione apostolica «Christifideles Laici», Leumann (Torino) 1990, S. 41-54; E. DAL COVOLO, Ministeri e missione..., pp. 123-136; ID., Laici e laicità nei primi secoli della Chiesa, «Rassegna di Teologia» 37 (1996), S. 359-375.
[15]CLEMENS AL., Stromateis 5,6,33,3, edd. O. STÄHLIN - L. FRÜCHTEL - U. TREU, GCS 524, S. 347-348.
[16]ID., Paidagogos 1,7,58,1. 59,1, edd. H.I. MARROU - M. HARL, SC 70, Paris 1960, S. 214.
[17]Siehe vor allem G. OTRANTO, Il sacerdozio comune dei fedeli nei riflessi della 1 Petr. 2,9 (I e II secolo), «Vetera Christianorum» 7 (1970), S. 225-246.
[18]ORIGENES, Homilie zum Buch Levitikus 9,1, ed. M. BORRET, SC 287, S. 72. Vgl. E. DAL COVOLO, «Voi siete stirpe eletta, sacerdozio regale, popolo santo...». Esegesi e catechesi nell'interpretazione origeniana di 1 Petri 2,9, in S. FELICI (cur.), Esegesi e catechesi nei Padri della Chiesa (secc. II-IV) (= Bibliothek für Religionswissenschaften, 106), Rom 1993, S. 85-95.
[19]ORIGENES, Contra Celsum 8,74, ed. M. BORRET, SC 150, Paris 1969, S. 348-350.
[20] Siehe besonders A. FAIVRE, Die Laien im Ursprung der Kirche (franz. Ausgabe, Paris 1984), Cinisello Balsamo 1986. Aber vgl. die “zusammenfassenden Perspektiven” v.P. Siniscalo und mir in E. Dal COVOLO, Chiesa Società Politica…, S.159-173.
[21]C. PIETRI, Prefazione, in E. DAL COVOLO, I Severi e il cristianesimo. Ricerche sull'ambiente storico-istituzionale delle origini cristiane tra il secondo e il terzo secolo (= Bibliothek für Religionswissenschaften, 87), Rom 1989, S. 6.
[22]Zur gegenständlichen Dokumentation verweise ich auf E. DAL COVOLO, I Severi e il cristianesimo...; P. SINISCALCO, I laici nei primi secoli del cristianesimo, in P.S. VANZAN (cur.), Il laicato nella Bibbia e nella storia (= Nuovi saggi, 2), Rom 1987, S. 95-96.
[23]A.G. MARTIMORT, Nouvel examen de la "Tradition Apostolique" d'Hippolyte, «Bulletin de Littérature Ecclésiastique» 88 (1987), S. 5-25; ID., Encore Hippolyte et la "Tradition Apostolique", ibidem 92 (1991), S. 133-137; M. METZGER, Enquêtes autour de la pretendue "Tradition Apostolique", «Ecclesia orans» 9 (1992), S. 7-36; ID., A' propos des règlements ecclésiastiques et de la prétendue Tradition Apostolique, «Revue des Sciences Religieuses» 66 (1992), S. 249-261; A.G. MARTIMORT, Encore Hippolyte et la "Tradition Apostolique" (II), «Bulletin de Littérature Ecclésiastique» 97 (1996), S. 275-287; F. RUGGIERO, Celebrazione, effusione della grazia e annuncio nella Tradizione Apostolica, in E. MANICARDI - F. RUGGIERO (curr.), Liturgia ed evangelizzazione..., S. 147-184.
[24]Vgl. M. SIMONETTI, Aggiornamento su Ippolito, in INSTITUTUM PATRISTICUM AUGUSTINIANUM (cur.), Nuove ricerche su Ippolito (= Studia Ephemeridis "Augustinianum", 30), Rom, 1989, S. 75-130 (vor allem über die Apostolische Überlieferung vgl. Anm.160, S. 127-128). Die kürzliche Publikation des Bandes von A. BRENT, Hippolytus and the Roman Church in the Third Century. Communities in Tension before the Emergence of a Monarch-Bishop (= Supplements to Vigiliae Christianae, 31), Leiden - New York - Köln 1995, scheint weitere Anregungen zur Forschung zu geben. Ich habe jedoch den Eindruck, die im Titel ausgesprochene These kann nur schwer der Untersuchung anhand der Zeugnisse standhalten: siehe diesbezüglich M. SIMONETTI, Una nuova proposta su Ippolito, «Augustinianum» 36 (1996), S. 13-46. Vgl. schließlich J.-P. BOUHOT, L'auteur romain des Philosophumena et l'écrivain Hippolyte, «Ecclesia Orans» 13 (1996), S. 137-164.
[25]Im Griechischen cheirotonia. Vgl. C. VOGEL, Cheirotonie et Chirotésie. Importance et relativité de l'imposition des mains dans la collation des ordres, «Irénikon» 45 (1972), S. 7-21. 207-238; G. KRETSCHMAR, Die Ordination im frühen Christentum, «Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie» 22 (1975), S. 35-69; E. FERGUSON, Laying on of Hands: its Significance in Ordination, «Journal of Theological Studies» 26 (1975), S. 1-12. Über die Theologie der Ordintation vom Beginn des 3. Jh. bis zum Konzil von Nizäa, vgl. J. LÉCUYER, Le sacrement de l'ordination. Recherche historique et théologique (= Théologie historique, 65), Paris 1983, S. 28-59.
[26]PSEUDOHIPPOLYT, Die Apostolische Überlieferung 3, ed. B. BOTTE, SC 11 bis, Parigi 19842, S. 42-46.
[27]M. SIMONETTI, Roma cristiana tra II e III secolo, «Vetera Christianorum» 26 (1989), S. 135-136 (Neudruck in ID., Ortodossia ed eresia tra I e II secolo [= Armarium. Biblioteca di storia e cultura religiosa, 5], Messina 1994, S. 291-314).
[28]Siehe zuletzt U. FALESIEDI, Le diaconie. I servizi assistenziali nella Chiesa antica (= Sussidi Patristici, 7), Rom 1995, vor allem S. 51-55.
[29]PSEUDOHIPPOLYTH, Die Apostolische Überlieferung 4, ed. B. BOTTE, SC 11 bis, S. 52.
[30]Siehe die kurze, nicht weniger effiziente Zusammenfassung von P.F. BEATRICE, Storia della Chiesa Antica, Torino 1991, S. 67-73 (kritisch-bibliographische Anmerkung, S. 119-127).
[31]Vgl. B. STUDER, La teologia nella Chiesa imperiale (300-450), in ISTITUTO PATRISTICO AUGUSTINIANUM (cur.), Storia della teologia..., S. 305 ff.
[32]INNOZENZ I., Epistola 2,3, PL 20, c. 472.
[33]Vgl. K. BAUS - E. EWIG, Die Zeit der Konzile (= Kirchengeschichte geleitet von Hubert Jedin, 2) (deut. Ausgabe, Freiburg im Breisgau 1971), Mailand 1972, S 295-315.
[34]Vgl., auch als Hinweis auf die jeweiligen Ausgaben, A. TRAPÉ, Il sacerdote uomo di Dio..., S 16-17.
[35]Siehe z.B. L. BOUYER, La spiritualità dei Padri (III-VI secolo). Monachesimo antico e Padri (= Storia della spiritualità, 3/B), Bologna 1986.
[36]Ebenso O. PASQUATO, L'istituzione formativa del presbitero..., S. 278, worauf wir auch für die nachfolgenden Betrachtungen verweisen.
[37]ATANASIUS, Leben des Antonius, ed. G.J.M. BARTELINK, SC 400, Paris 1994, S. 178.
[38]AUGUSTINUS, Sermon 355,2, Neue Augustinische Bibliothek 34, Rom 1989, S. 244-246.
[39]PAUL VI. , Evangelii Nuntiandi 73, «Acta Apostolicae Sedis» 68 (1976), S. 62.
[40]PDV 2, S. 659. Für einen Gesamtüberblick über den ganzen Zeitraum der Kirchengeschichte, sie auch L. PACOMIO (cur.), I preti da 2.000 anni memoria di Cristo tra gli uomini, Casale Monf. 1991 (über das patristiche Zeitalter siehe den Beitrag von PADOVESE, Sacerdote in un «regno di sacerdoti» (Ap 1,6): riflessioni e testimonianze patristiche sul ministero ordinato, ibidem, S. 85-151).
[41]PDV 5, S. 664.
(Quelle: http://www.annussacerdotalis.org/clerus/dati/2009-06/18-13/Prospettive_di_sintesi_de.html)
Ad catholici sacerdotii
Unseres Heiligen Vaters
Pius XI.
durch göttliche Vorsehung Papst
Rundschreiben
über das katholische Priestertum
20. Dezember 1935:
„Ad catholici sacerdotii"
An die Patriarchen, Primaten,
Erzbischöfe, Bischöfe und alle anderen Ordinarien,
die im Frieden und in Vereinigung mit dem
Apostolischen Stuhle leben:
Über das katholische Priestertum.
Papst Pius XI.
entbietet seinen ehrwürdigen Brüdern
Gruß und Apostolischen Segen.
Seit dem Tage, da Wir Uns durch den unerforschlichen Ratschluß der göttlichen Vorsehung auf dem höchsten Gipfel des katholischen Priestertums erhoben sahen, haben Wir unablässig Unsere ganz besondere Aufmerksamkeit und Liebe jenen Unserer zahllosen, gottgeschenkten Söhne zugewendet, die, mit dem Charakter des Priestertums geschmückt, den Auftrag erhalten haben, „Salz der Erde und Licht der Welt" (Matth. 5, 13 14) zu sein; und in noch höherem Grade jenen lieben jungen Männern, die im Schatten des Heiligtums erzogen werden und sich auf diese erhabene Mission vorbereiten.
Schon in den ersten Monaten Unseres Pontifikates, noch vor Unserem ersten feierlichen Rundschreiben an die Gläubigen des ganzen Erdkreises (Rundschreiben Ubi arcano vom 23. Dez. 1922), ließen Wir es Uns in dem Apostolischen Schreiben Officiorum omnimum von 1. August 1922 an Unsern geliebten Sohn, den Kardinalpräfekten der Heiligen Kongregation der Seminare und Universitäten (A.A.S. 14, 1922, 449 ff.), angelegen sein, die Richtlinien zu entwerfen, nach denen die jungen Diener des Heiligtums zu Priestern erzogen werden sollen. Und sooft Uns die Hirtensorge antreibt, die Anliegen und Bedürfnisse der Kirche mehr im einzelnen zu betrachten, gilt Unsere Aufmerksamkeit in erster Linie den Priestern und Klerikern. Sie sind immer der Hauptgegenstand Unserer fürsorglichen Liebe.
In beredter Weise zeigen Unser besonderes Interesse für Priester und Priestertum zahlreiche Seminare. Wo noch seine bestanden, haben Wir solche gegründet. Andern haben Wir unter hohen Kosten ein neues geräumiges und würdiges Heim errichtet oder sie reichlicher mit Mitteln und Personal ausgestattet, so daß sie ihr hohes Ziel in entsprechenderer Weise erreichen können.
Anläßlich Unseres goldenen Priesterjubiläums haben Wir Unsere Zustimmung dazu gegeben, daß der schöne Erinnerungstag festlich begangen würde, und hocherfreut war Unser Vaterherz über die Äußerungen kindlicher Liebe, die Uns aus allen Teilen der Welt entgegengebracht wurden. Aber das geschah weniger, weil Wir darin eine Huldigung Unserer Person sahen, sondern vor allem darum, weil Wir in dieser Feier eine gebührende Ehrung der priesterlichen Würde und des priesterlichen Charakters erblickten. Auch mit der Reform der Studien in den kirchlichen Fakultäten, die Wir durch die Apostolische Konstitution Deus scientiarum Dominus vom 24. Mai 1931 anordneten, beabsichtigten Wir hauptsächlich, die Bildung und das Wissen der Priester zu erweitern und zu heben (A.A.S. 23, 1931, 241FF.).
Das Priestertum scheint Uns jedoch ein Gegenstand von so großer und allgemeiner Bedeutung zu sein, daß Wir darüber noch ausdrücklicher in diesem Unserem Rundschreiben handeln wollen; denn nicht nur jene, die schon das unschätzbare Geschenk des Glaubens besitzen, sollen die Erhabenheit des katholischen Priestertums und seine providentielle Sendung in die Welt erkennen, sondern auch alle jene, die mit ehrlichem und aufrichtigem Herzen die Wahrheit suchen. Vor allem aber sollen jene die Größe des Priestertums erkennen und schätzen, die zu ihm berufen sind.
Gerade für den Abschluß dieses Jahres scheint Uns das Priestertum ein geeigneter Gegenstand Unseres Hirtenschreibens zu sein. Sah dieses Jahr doch zu Lourdes, im helleuchtenden Heiligtum der Unbefleckten, und beiden andächtigen, ununterbrochenen Feiern des Eucharistischen Triduums, das katholische Priestertum aller Zungen und aller Riten, wie umflossen von den letzten himmlischen Sonnenstrahlen des untergehenden Gnadentages des Jubiläums der Erlösung, das von der Hauptstadt der Christenheit auf den ganzen katholischen Erdkreis ausgedehnt war; jener Erlösung, deren Diener Unsere treuen, verehrten Priester sind, die sich nie so eifrig und wohltätig zeigten wie in diesem außerordentlichen Heiligen Jahr, in dem auch, wie Wir in der Apostolischen Konstitution Quod nuper (A.A.S. 25, 1933, 5 — 10) ausgeführt haben, die 19. Jahrhundertfeier der Einsetzung des Priestertums begangen wurde.
So wollen Wir denn diese Enzyklika in die Reihe Unserer früherer Rundschreiben eingliedern, in denen Wir die schweren und drückenden Fragen des modernen Lebens durch das Licht katholischen Lehre zu erhellen suchten, und dadurch allen jenen Unsern feierlichen Unterweisungen eine zeitgemäße Ergänzung geben.
Der Priester ist nämlich durch den Beruf und göttlichen Auftrag der besondere Apostel und unermüdliche Förderer der christlichen Jungenderziehung (Rundschreiben Divini illius Magistri von 31. Dez. 1929). Der Priester segnet im Ramen Gottes die christliche Ehe und verteidigt ihre Heiligkeit und Unauflöslichkeit gegen die Angriffe und Irrungen, die herrühren von der Begirde und Sinnlichkeit (Rundschreiben Casti connubii vom 31. Dez. 1930). Der Priester trägt am meisten zur Lösung oder wenigstens zur Linderung der sozialen Gegensätze bei: er predigt die christliche Bruderliebe; er erinnert an alle gegenseitigen Pflichten der Gerechtigkeit und evangelischen Liebe: er beruhigt die Gemüter, die durch sittliche und wirtschaftliche Mißstände erbittert sind; reich und arm weist er auf die einzig wahren Güter hin, die alle erstreben müssen und können (Rundschreiben Quadragesimo anno vom 15. Mai 1931). Der Priester ist schließlich der wirksamste Bannerträger jenes Kreuzzuges der Sühne und Buße, zu dem Wir alle Guten aufgefordert haben, um die Gotteslästerungen, Schändlichkeiten und Verbrechen zu sühnen, die die Menschheit in der jetzigen Zeit entehren (Rundschreiben Caritate Christi vom 3. Mai 1932), einer Zeit, die wie wenige andere in der Geschichte Gottes Barmherzigkeit und Verziehen nötig hat.
Die Feinde der Kirche kennen sehr wohl die lebenswichtige Bedeutung der Priestertums. Richten sie doch ihre Angriffe — wie Wir es schon für Unser liebes mexikanisches Volk beklagt haben (Rundschreiben Acerba animi vom 29. Sept. 1932) — vor allem gegen das Priestertum, um es zu beseitigen und sich dadurch den Weg zu bahnen zu der immer ersehnten, aber nie erreichten Vernichtung der Kirche selbst.
I.
Immer hat die Menschheit das Bedürfnis nach Priestern empfunden, d. h. nach Menschen, die durch ihre amtliche Sendung Mittler zwischen Gott und den Menschen sind und aus der gänzlichen Hingabe an ihre Mittlerschaft ihre Lebensaufgabe machen. Sie sind beauftragt, Gott öffentliche Gebete und Opfer im Namen der Gesellschaft darzubringen; denn diese hat auch als solche die Pflicht, Gott durch einen öffentlichen und sozialen Kult zu verehren, ihn als ihren höchsten Herrn und ersten Ursprung anzuerkennen, zu ihm als dem letzten Ziele zu streben, ihm unaufhörlich zu danken und ihn zu versöhnen. In der Tat, bei allen Völkern, deren Gebräuche wir kennen, finden sich, wenn sie nicht durch Gewalt zur Verleugnung der heiligsten Gesetze der menschlichen Natur gezwungen wurden, Priester, wenn auch oft im Dienste falscher Gottheiten. Wo immer sich Religion zeigt, wo immer man Altäre errichtet, dort gibt es auch ein Priestertum, das mit besondern Erweisen der Achtung und Verehrung umgeben ist.
Aber im Glanze der göttlichen Offenbarung zeigt sich das Priestertum mit weit größerer Würde umkleidet, von der eine ferne Andeutung ist (Gen. 14, 18) die geheimnisvolle, ehrwürdige Gestalt des Melchisedech, des Priesters und Königs, den der hl. Paulus zu der Person und zum Priestertum Jesu Christi selbst in Beziehung bringt (Hebr. 5, 10; 6, 20; 7, 1 10 11 15).
Der Priester ist nach der großartigen Begriffsbestimmung des hl. Paulus zwar ein Mensch „aus der Zahl der Menschen genommen", aber einer, der „für die Menschen aufgestellt wird in ihren Angelegenheiten mit Gott" (Hebr. 5,1). Gegenstand seines Amtes sind nicht menschliche und vergängliche Dinge, so hoch und schätzenswert sie auch scheinen mögen, sondern göttliche und ewige: Dinge, die man zwar aus Unwissenheit verlachen und verachten kann, die aus Bosheit und mit teuflischer Wut bekämpft werden, wie es eine traurige Erfahrung oft gezeigt hat und noch heute zeigt, die aber immer an erster Stelle aller Einzel und Gemeinschaftsinteressen der menschlichen Gesellschaft stehen; denn diese fühlt unwiederstehlich, daß sie von Gott geschaffen ist und darum nur in ihm zur Ruhe kommen kann.
Im mosaischen Gesetz wurden dem Priestertum, dessen positiv—göttliche Einsetzung von Moses auf Eingebung Gottes veröffentlicht wurde, bestimmte Aufgaben, Obligenheiten und Riten im einzelnen zugewiesen. Es scheint, daß Gott in seiner Sorge dem noch unentwickelten Geiste des jüdischen Volkes einen großen Grundgedanken einprägen wollte, der in der Geschichte des auserwählten Volkes sein Licht über alle Ereignisse, Gesetze, Würden und Ämter ausstrahlen sollte: Opfer und Priestertum, die durch den Glauben an den fünftigen Messias (vgl. Hebr. Kap.11) ein Quell der Hoffnung, des Ruhmes, der Kraft und geistigen Befreiung werden sollten. Der Tempel des Salomon, herrlich in seinem Reichtum und Glanz, aber noch herrlicher in seinen Einrichtungen und Riten, dem einzig wahren Gott als Zelt der göttlichen Majestät auf Erden errichtet, war ein hohes Lied, gesungen auf jenes Opfer und jenes Priestertum, das — Schatten und Gleichnis nur — doch ein so gewaltiges Geheimnis in sich schloß, daß es den Sieger Alexander den Großen in Ehrfurcht von der geheiligten Erscheinung des Hohenpriesters auf die Kniee zwang (vgl. Ios. Flav., Antiquit. 1. 9, c. 8, n. 5 Ausg. Teubner III, 61, § 331). Und Gott selbst ließ den ruchlosen König Balthasar seinen Zorn fühlen, weil er mit den geweihten Gefäßen des Tempels Zechgelage gehalten hatte (vgl. Dan. 5,1 — 30).
Und doch besaß jenes alte Priestertum seine erhabene Majestät und Herrlichkeit nur als Vorbild des christlichen Priestertums, des Priestertums des Reuen und Ewigen Bundes, der geschlossen ist in dem Blute des Welterlösers Jesus Christus, der da ist Wahrer Gott und Wahrer Mensch!
Der Völkerapostel faßt das kurz in die plastischen Worte zusammen, soweit Worte die erhabene Würde und Aufgabe des christlichen Priestertums überhaupt ausdrücken können: „So betrachte man uns als Diener Christi und als Ausspender der Geheimnisse Gottes" (1 Kor. 4,1).
Der Priester ist Diener Jesu Christi: er ist also Werkzeug in der Hand des göttlichen Erlöser zur Fortführung seines Erlösungswerkes in seiner ganzen Weltweite und göttlichen Wirksamkeit, zur Fortführung jenes Wunderwerkes, das die Welt umgestaltet hat. Ja, der Priester ist, wie man mit voller Berechtigung zu sagen pflegt, in der Tat „ein zweiter Christus", weil er in gewisser Weise Jesus Christus selbst fortsetzt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch" (Joh. 20, 21). Wie Christus fährt auch er fort, nach dem Lobgesang der Engel, „Ehre" zu geben „Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind" (Luk. 2, 14).
Zunächst also setzte, wie das Konzil von Trient lehrt (sess. 22 , cap.1 ), Jesus Christus beim letzten Abendmahle das Opfer und Priestertum des Reuen Bundes ein: „Zwar hat sich unser Herr und Gott nur einmal durch den Tod auf dem Altare des Kreuzes dem himmlischen Vater darbringen wollen, um dort unsere ewige Erlösung zu wirken. Es sollte aber sein Priestertum durch den Tod nicht ausgelöscht werden. Deshalb hat er beim letzten Abendmahle, in der Nacht, da er verraten wurde, seiner geliebten Braut, der Kirche, ein Opfer hinterlassen, ein sichtbares Opfer, wie es die menschliche Natur verlangt. Durch dieses Opfer sollte jenes einmalige blutige Kreuzesopfer dargestellt werden, und sein Gedächtnis sollte fortdauern bis zum Ende der Welt und uns seine Kraft zur Tilgung all unserer täglichen Sünden zugewendet werden. Er erklärte sich als ewigen Priester nach der Ordnung des Melchisedech. Seinen Leib und sein Blut brachte er unter den Gestalten von Brot und Wein dem göttlichen Vater dar. Unter den Sinnbildern der gleichen Gestalten reichte er sie seinen Aposteln zum Empfange dar, die er damals zu Priestern des Reuen Bundes einsetzte. Ihnen und ihren Nachfolgern im Priestertum befahl er zu opfern, indem er sprach: ¸Tut dies zu meinem Andenken!‘ (Luk. 22, 19; 1 Kor. 11, 24)."
Von da an begannen die Apostel und ihre Nachfolger im Priesteramte jene „reine Opfergabe" zum Himmel zu erheben, durch die nach Weissagung des Malachias (1, 2) der Name Gottes groß ist unter den Völkern und die, nunmehr dargebracht in allen Teilen der Erde und zu jeder Stunde des Tages und der Nacht, unaufhörlich bis zum Ende der Welt sich opfern wird.
Es ist dies eine wahre und nicht bloß symbolische Opferhandlung. Durch die Versöhnung des Sünders mit der göttlichen Majestät übt sie eine reale Wirksamkeit aus, „da Gott, durch diese Opfergabe versöhnt, die Gnade und die Gabe der Buße verleiht und dadurch Verbrechen und Sünden — auch die schwersten — nachläßt" (Conc. Trid. sess. 22, cap. 2).
Den Grund hierfür gibt dasselbe Konzil von Trient mit den Worten an: „Es ist ein und dieselbe Opfergabe. Derselbe, der sich damals selbst am Kreuze geopfert hat, bringt jetzt durch den Dienst der Priester das Opfer dar. Nur die Art zu opfern ist verschieden" (Conc. Trid. sess. 22, cap. 2). Daraus erhellt die unaussprechliche Größe des menschlichen Priesters, der Gewalt selbst über den Leib Jesu Christi hat. Er macht ihn auf unsern Altären gegenwärtig und bringt ihn, im Namen Christi selbst, als unendlich wohlgefällige Opfergabe der göttlichen Majestät dar. „Wunderbar ist das, wunderbar und staunenswert", ruft da voller Berechtigung der hl. Johannes Chrysostomus aus (De sacerdotio 1. 3, c. 4: Migne, P.G. 48, 642).
Außer der Macht, die der Priester über den wirklichen Leib Christi ausübt, hat er noch andere hohe und erhabene Gewalten erhalten: über Christi mystischen Leib. Wir brauchen Uns, Ehrwürdige Brüder, nicht dabei aufzuhalten, diese herrliche Lehre vom mystischen Leibe Jesu Christi, die dem hl. Paulus so lieb war, darzulegen; jene Lehre, die uns die Person des fleischgewordenen Wortes zeigt in Vereinigung mit all seinen Brüdern, auf die sich die übernatürliche Wirkung, die von ihm ausgeht, erstreckt und die mit ihm als dem Haupte einen einzigen Leib bilden, dessen Glieder sie sind. Der Priester ist nun eingesetzt als „Ausspender der Geheimnisse Gottes" (1 Kor. 4,1) zum Segen dieser Glieder des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi. Er ist der ordentliche Ausspender fast aller Sakramente, die da sind die Kanäle, durch welche die Gnade des Erlösers zum Heile der Menschheit uns zufließt. Fast bei jedem entscheidungsvollen Schritt seines Erdenweges findet der Christi an seiner Seite den Priester, bereit, ihm mit der von Gott verliehenen Vollmacht jene Gnade mitzuteilen oder zu vermehren, die das übernatürliche Leben der Seele ist. Gerade ist der Mensch zum Erdenleben geboren, da teilt ihm der Priester durch die Taufe die Wiedergeburt zu einem edleren und kostbareren Leben mit, zum übernatürlichen Leben, und macht ihn zum Kinde Gottes und der Kirche Christi. Um ihn stark zu machen für einen großmütigen geistlichen Kampf, macht ihn ein Priester, der mit besonderer Würde bekleidet ist, in der Firmung zum Streiter Christi. Sobald er das Brot der Engel zu unterscheiden und würdigen vermag, reicht es ihm der Priester, diese lebendige und lebenspendende Speise, die vom Himmel herabgestiegen ist. Ist er gefallen, dann richtet ihn der Priester im Namen Gottes wieder auf und versöhnt ihn mit Gott im Bußsakrament. Beruft ihn Gott dazu, eine Familie zu gründen und mit ihm an der Weitergabe des menschlichen Lebens in der Welt mitzuwirken, um die Zahl der Gläubigen auf Erden und damit die Zahl der Auserwählten im Himmel zu vermehren, dann ist der Priester zur Stelle, um seine Ehe und seine keusche Liebe zu segnen. Und wenn der Christ an der Schwelle der Ewigkeit angekommen ist und Stärkung und Ermutigung benötigt, bevor er vor dem Richterstuhle Gottes erscheint, dann neigt sich der Priester über den schmerzenden Leib des Kranken und heiligt und stärkt mit dem heiligen Öl. Hat endlich der Priester den Christen so auf der Erdenpilgerschaft bis zur Pforte des Himmels begleitet, dann geleitet er den Leib zum Grade mit den heiligen Zeremonien und Gebeten, die voll unsterblicher Hoffnung sind, und folgt der Seele über die Schwelle der Ewigkeit, um ihr mit christlicher Fürsprache zu helfen, falls sie noch der Reinigung und Tröstung bedarf. So ist der Priester von der Wiege bis zum Grabe, ja bis zum Himmel an der Seite der Gläubigen: als Führer und Tröster, Diener des Heiles, Ausspender von Gnaden und Segnungen.
Jedoch unter allen diesen Vollmachten, die der Priester über den mystischen Leib Christi zum Segen der Gläubigen besitzt, befindet sich eine, bei der Wir Uns nicht mit dem einfachen obigen Hinweis begnügen können. Wir meinen die Vollmacht, „die Gott", nach einem Wort des hl. Johannes Chrysostomus, „weder Engeln noch Erzengeln verlieh" (De sacerdotio 1. 3, c. 5: P.G. 48, 642), die Gewalt der Sündenvergebung: „Welchen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten" (Joh. 20, 23). Eine staunenerregende Vollmacht, die nur Gott zukommt, so daß selbst menschlicher Stolz nicht begreifen konnte, daß es möglich sei, sie Menschen mitzuteilen: „Wer kann Sünden nachlassen als Gott allein?" (Mark. 2,7.)
Und wenn wir sie von einem gewöhnlichen Menschen ausgeübt sehen, da fragen wir uns mit Recht, nicht in pharisäischem Ärgernis, sondern in ehrfürchtigem Staunen vor so großer Würde:„Wer ist dieser, daßer sogar Sünden vergibt?" (Luk. 7, 49.) Aber der Gottmensch, der die „Vollmacht, Sünden auf Erden zu vergeben" (Luk. 5, 24), hatte und noch hat, wollte sie gerade seinen Priestern mitteilen, um mit der Freigebigkeit und dem Erbarmen Gottes dem Bedürfnis nach Reinigung der Seele entgegenzukommen, das den Herzen aller Menschen eingepflanzt ist.
Welch einen Trost bedeutet es für den schuldbeladenen, von Gewissensbissen geqälten, reuigen Menschen, das Wort zu hören, das der Priester im Namen Gottes zu ihm sagt: „Ich spreche dich los von deinen Sünden„! Und der Umstand, daß er es hört aus dem Munde eines Menschen, der auch seinerseits es für sich von einem andern Priester erbitten muß, entwertet nicht nur nicht dieses Geschenk der Barmherzigkeit, sondern läßt es ihm nur so größer erscheinen; denn so wird durch das gebrechliche Geschöpf hindurch viel deutlicher sichtbar Gottes Hand, dessen Macht das Wunder wirkt. Und deshalb „sind wir", um ein Wort des berühmten Schriftstellers zu gebrauchen, der über religiöse Fragen mit einer für Laien seltenen Sachkenntnis handelt, „uns bewußt, keine niedrige Handlung begangen zu haben, wenn wir uns von den Füßen des Priesters erheben. Denn in tiefer Ergriffenheit vor seiner eigenen Unwürdigkeit und vor der Erhabenheit seines Tuns streckt dieser ja seine geweihten Hände über unser Haupt aus; und im demütigenden Bewußtsein seiner Unwürdigkeit, Ausspender des Blutes des Bundes zu sein, und jedesmal voll Staunen darüber, daß er Worte des Lebens sagen kann, sprach er — der Sünder — den Sünder los. Zu Füßen eines Menschen haben wir uns befunden, der Christi Stelle vertrat. Wir standen dort, um Freiheit und Gotteskindschaft zu erlagen" (Al. Manzoni, Osservazioni sulla morale cattolica Kap. 18).
Und diese erhabenen Gewalten, die dem Priester in einem eigens dafür eingesetzten Sakramente verliehen wurden, sind in ihm nicht nur zeitweilig und vorübergehend, sondern ständig und dauernd. Denn sie sind mit einem unauslöschlichen Merkmal verbunden, das seiner Seele eingeprägt wurde. „Priester in Ewigkeit"(vgl. Ps. 109, 4) wurde er dadurch, änlich dem, an dessen ewigen Priestertum er Anteil bekam. Dieses Merkmal wird er, auch in den bedauerlichsten Verirrungen, in die er durch menschliche Schwäche fallen kann, nie aus seiner Seele austilgen können. Zusammen mit diesem Charakter und diesen Vollmachten empfängt der Priester durch das Weihesakrament eine neue und besondere Gnade mit dem Recht auf besondere Hilfen. Wenn er die göttlich mächtige Wirksamkeit der Gnade mit seiner freien persönlichen Mitarbeit begleitet, dann kann er in Kraft dieser Hilfen alle die harten Pflichten des erhabenen Standes, zu dem er berufen wurde, würdig erfüllen und kann, ohne erdrückt zu werden, die furchtbare Verantwortung des priesterlichen Amtes tragen, die sogar die stärksten Helden des christlichen Priestertums erzittern ließ, wie einen hl. Johannes Chrysostomus, einen hl. Gregor den Großen, einen hl. Karl Borromäus und so machen andern.
Der katholische Priester ist ferner „Diener Christi und Ausspender der Geheimnisse Gottes" (1 Kor. 4, 1) auch durch das Wort, durch jenen „Dienst am Worte" (Apg. 6, 4) der ein unveräußerliches Recht ist und zugleich eine unverjährbare Pflicht, von Jesus Christus selbst ihm auferlegt: „Gehet hin und lehret alle Völker ..., lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe" (Matth. 28, 19—20). Die Kirche Christi, die unfehlbare Verwalterin und Hüterin der göttlichen Offenbarung, teilt durch ihre Priester die Schätze der himmlischen Wahrheit aus. Die predigt ihn, der da ist „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt" (Joh. 1, 9). Mit göttlicher Fülle streut sie jenen Samen aus, der in den Augen der Welt unbedeutend und verächtlich ist, der aber, dem Senfkörnlein des Evangeliums gleich (vgl. Matth. 13, 31—32), in sich die Kraft birgt, feste und tiefe Wurzeln in die aufrichtigen und nach Wahrheit dürstenden Seelen zu senken und sie starken Bäumen gleich auch in den heftigsten Stürmen unerschüttert dastehen zu lassen.
Inmitten der Verirrungen des menschlichen Denkens, das gleichsam aufgebläht ist durch eine falsche Freiheit von jedem Gesetzt und jeder Bindung, inmitten der erschreckenden Verderbnis menschlicher Schlechtigkeit, erhebt sich als heller Leuchtturm die Kirche. Sie verurteilt jede Abirrung von der Wahrheit nach rechts und nach links und weist allen und jedem den rechten Weg. Kraft der unfehlbaren Verheißungen, auf denen er steht, kann dieser Leuchtturm nie verlöschen. Aber wehe, wenn er daran gehindert wird, sein segenbringendes Licht in Fülle auszusenden! Wir sehen es ja mit eigenen Augen, wohin die Welt dadurch gekommen ist, daß sie in ihrem Stolz die göttliche Offenbarung verworfen hat und — wenn auch unter dem Scheintitel der Wissenschaft — falschen Theorien der Philosophie und Sittenlehre gefolgt ist. Wenn die Welt auf der abschüssigen Bahn des Irrtums und des Lasters nicht noch tiefer abgeglitten ist, dann schuldet sie das dem Licht der christlichen Wahrheit, das immer noch in die Welt hineinstrahlt. Nun wohl, diesen ihren „Dienst am Worte" übt die Kirche durch die Priester aus. In weiser Ordnung sind diese von ihr auf die verschiedenen Stufen der heiligen Hierarchie verteilt und werden von ihr in alle Länder ausgesandt als unermüdliche Bannerträger der Frohbotschaft, die allein wahre Kultur erhalten, bringen oder neu erstehen lassen kann.
Das Wort des Priesters bringt in die Seelen und bringt ihnen Licht und Kraft. Auch mitten im Sturme der Leidenschaften ertönt es in unbeirrbarer Ruhe und verkündet unerschrocken die Wahrheit und fordert das Gute: jene Wahrheit, welche die schwersten Fragen des menschlichen Lebens aufklärt und löst; jenes Gute, das kein Unglück, nicht einmal der Tod, rauben kann, ja das der Tod sogar sicherstellt und unsterblich macht.
Betrachtet man die einzelnen Wahrheiten in sich, die der Priester pflichtgemäß immer wieder einschärfen muß, und wägt man ihre innere Kraft, dann begreift man, wie groß und wohltuend der Einfluß des Priester für die sittliche Hebung und für die Versöhnung und die Ruhe der Völker sein muß. So wenn er z. B. vornehm und gering erinnert an die Vergänglichkeit des gegenwärtigen Lebens, an die Wertlosigkeit der irdischen Güter, an den Wert der geistigen Güter und der unsterblichen Seele, an die Strenge der göttlichen Gerichte, an die unbestechliche Heiligkeit des Auges Gottes, der die Herzen aller erforscht und „einem jeden nach seinen Werken vergilt" (Matth. 16, 27). So gibt es kein besseres Mittel als alle diese und ähnliche Unterweisungen zur Beherrschung der fieberhaften Vergnügungssucht und ungezügelten Gier nach zeitlichen Gütern, die heute so viele Menschen entwürdigen und die verschiedenen Klassen der menschlichen Gesellschaft dazu treiben, sich als Feinde zu bekämpfen, statt einander in gegenseitiger Zusammenarbeit zu helfen. Inmitten sodann des Zusammenpralls so hemmungsloser egoistischer Wünsche, beim Auflodern so großen Hasses, bei so finsteren Racheplänen gibt es kein angebrachteres und wirksameres Mittel als die laute Verkündigung des „neuen Gebotes" Christi (Joh. 13, 14) des Gebotes der Liebe, das sich auf alle Menschen erstreckt und keine Schranken und Grenzen kennt, ja selbst die Feinde nicht ausnimmt.
Eine ruhmreiche Erfahrung von nunmehr zwanzig Jahrhunderten beweist die ganze segenbringende Wirksamkeit des priesterlichen Wortes. Denn da es ein treuer Widerhall des „Wortes Gottes" ist, das „lebendig, wirksam und schärfer ist als jedes zweischneidige Schwert", so dringt auch dieses vor „bis zur Scheidung von Seele und Geist" (Hebr. 4, 12). Es erweckt Heldentum jeglicher Art, in jeder Menschenklasse und an allen Orten, und gibt selbstloses Wirken den ganz großmütigen Herzen ein.
Alle Wohltaten, welche die christliche Kultur in die Welt gebracht hat, sind wenigstens in ihrer Wurzel dem Wort und Wirken des katholischen Priester zu verdanken. Eine solche Vergangenheit würde aus sich schon eine Gewähr auch für die Zukunft bieten, hätten wir nicht in den unfehlbaren Verheißungen Christi ein „noch zuverlässigeres Wort" (2 Petr. 1, 19).
Auch das Missionswerk, das so klar die gottgegebene innere Kraft der Kirche zur Ausbreitung offenbart, wird hauptsächlich durch den Priester gefördert und getragen. Als Bahnbrecher des Glaubens und der Liebe breitet er unter zahllofen Opfern das Reich Gottes auf Erden immer weiter aus.
Endlich ist der Priester der öffentliche und amtliche Fürsprecher der Menschlichkeit bei Gott: auch darin setzt er die Sendung Christi fort, der „die ganze Nacht im Gebete mit Gott verbrachte" (Luk. 6, 12) und „immer lebt, um für uns Fürbitte einzulegen" (Hebr. 7, 25): darum hat er die Aufgabe und den Auftrag, Gott im Namen der Kirche nicht allein das eigentliche Opfer, sondern mit dem öffentlichen und amtlichen Gebet auch das „Opfer des Lobes" darzubringen (Ps. 49, 14). Täglich entrichtet er Gott mit Psalmen, Gebeten und Gesängen, die großenteils den heiligen Büchern entnommen sind, zu wiederholten Malen den schuldigen Tribut der Anbetung und erfüllt die notwendige Aufgabe der Fürsprache für die Menschheit, die heute mehr denn je in Bedrängnis ist und Gottes Hilfe bedarf. Wer kann sagen, wie viele Strafen das Gebet des Priesters von der treulosen Menschheit fernhält und wie viele Wohltaten es beständig erwirkt?
Wenn schon das Privatgebet so großartige und feierliche Verheißungen von Jesus Christus erhalten hat (vgl. Matth. 7, 7—11; Mark. 11, 24; Luk. 11, 9—13), wie machtvoll muß dann erst das Gebet sein, das amtlich im Ramen der Kirche, der geliebten Braut des Erlösers, verrichtet wird. Und der Christi, auch wenn er in den Tagen des Glückes allzu selten an Gott denkt, bewahrt in der Tiefe seines Herzens doch das Vertrauen auf das Gebet und fühlt, daß das Gebet alles vermag. Gleichsam durch heiligen Naturtrieb nimmt er in allem Unheil, in jeder privaten oder öffentlichen Not seine besondere Zuflucht zum priesterlichen Gebet. Von ihm erwarten die Unglücklichen aller Art Trost und Kraft. An ihn wendet man sich, daß er in den verschiedenen Wechselfällen dieser irdischen Verbannung Gottes Hilfe erflehe. In Wahrheit „mitten zwischen Gott und Mensch steht der Priester: Gottes Wohltaten bringt er zu uns herab; unsere Bitten trägt er zu ihm empor und versöhnt den Herrn in seinem Zorne" (S. Io. Chrysost., Hom. 5 in Isaiam: P.G. 56, 131).
Schließlich zeigen in ihrer Weise selbst die Feinde der Kirche — wie Wir eingangs andeuteten —, daß sie die ganze Würde und Bedeutung des katholischen Priestertums fühlen; denn immer richten sie gegen dieses ihre ersten und leidenschaftlichsten Angriffe. Wissen sie doch recht wohl, wie innig das Band zwischen der Kirche und ihren Priestern ist. Am erbittertsten hassen heute das katholische Priestertum die, welche auch Gott hassen: ein Ehrentitel, der das Priestertum nur noch mehr der Achtung und Verehrung würdig macht.
II.
Erhaben ist also, Ehrwürdige Brüder, die Würde des Priesters. Sind auch die Schwächen einiger Unwürdiger noch so beklagenswert und schmerzlich, so können sie doch nicht den Glanz einer so hohen Würde verdunkeln; zumal da man ihretwegen die Verdienste so vieler Priester nicht vergessen darf, die sich durch Tugend und Wissen, durch Werke des Seeleneifers, ja selbst durch das Martyrium ausgezeichnet haben. Dazu kommt, daß die Unwürdigkeit des Trägers keineswegs die Ausübung des Amtes ungültig macht. Die Unwürdigkeit des Spenders berührt nicht die Gültigkeit der Sakramente. Diese empfangen ja ihre Wirksamkeit vom Blute Christi, unabhängig von der Heiligkeit des Werkzeuges: sie üben ihre Wirksamkeit nach dem Sprachgebrauch der Scholastik ex opere operato aus.
Trotzdem verlangt gerade die Würde des Priesters in ihrem Träger einen Hochsinn, eine Reinheit des Herzens und eine Heiligkeit des Lebens, wie sie der Erhabenheit und Heiligkeit des priesterlichen Amtes entspricht. Dieses macht ja, wie Wir schon gesagt haben, den Priester zum Mittler zwischen Gott und den Menschen, in Vertretung und im Auftrage dessen, der da ist „der eine Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Jesus Christus" (1 Tim. 2,5).
Darum muß auch der Priester der Vollkommenheit Christi, dessen Stelle er vertritt, möglichst nahe kommen und sich Gott immer wohlgefälliger machen durch die Heiligkeit des Lebens und Wirkens; denn mehr als den Duft des Weihrauchs, mehr als den Glanz der Altäre und Tempel liebt und wünscht Gott die Tugend. „Wer zwischen Gott und dem Volke Mittler ist", sagt der hl. Thomas, „muß im Glanze eines reinen Gewissens vor Gott und in gutem Rufe bei den Menschen stehen" (Summ. Theol., Suppl. q. 36, a. 1 ad 2).
Anderseits aber, wenn jemand, der heilige Dinge zu besorgen oder zu verwalten hat, ein tadelnswertes Leben führt, so entheiligt er sie und macht sich des Sakrilegs schuldig: „Wer nicht heilig ist, soll auch nicht mit Heiligem umgehen" (Decret., dist. 88, can. 6).
Darum befahl Gott im Alten Bunde seinen Priestern und Leviten: „Sie sollen heilig sein, weil auch ich, der Herr, heilig bin, ich, der sie heiligt" (Lev. 21, 8). Um Heiligkeit bittet den Herrn auch der weise Salomon im Lied der Tempelweihe für die Söhne Aarons: „Mögen deine Priester sich in Gerechtigkeit kleiden; mögen deine Heiligen Frohlocken" (Ps. 131, 9). Nun wohl, Ehrwürdige Brüder, „wenn so große Gerechtigkeit, Heiligkeit und Eifer schon von jenen Priestern verlangt wurde" so sagen Wir mit dem hl. Robert Bellarmin, „die doch nur Schafe und Rinder opferten und Gottes Lob sagen nur für zeitliche Wohltaten, was wird dann erst von den Priestern verlangt, die das göttliche Opferlamm darbringen und Dank sagen für ewige Wohltaten?" (Explanatio in Psalmos, Ps. 131, 9.) „Groß ist die Würde der Vorsteher", ruft der hl. Laurentius Justinianus aus, „aber größer die Verantwortung: zu erhabener Stellung vor den Augen der Menschen erhoben, müssen sie auch auf dem Gipfel der Tugend vor dem Auge des Allwissenden stehen; sonst gereicht ihnen ihre Gewalt nicht zum Verdienst, sondern zum Gericht" (De instit. et regim. prael. c. 11; Ausg. Venedig 1606, fol. 380—381).
Und in der Tat können jetzt alle von Uns oben angeführten Beweisgründe für die Würde des katholischen Priestertums gleichfalls als Beweise für die Pflicht des Priesters dienen, nach hoher Heiligkeit zu streben. Denn „zur würdigen Ausübung der Weihen genügt nicht", wie der hl. Thomas lehrt, „irgend eine Stufe der Vollkommenheit, sondern ein hervorragenden Grab der Tugend wird verlangt; wie nämlich durch den Weihegrad der Empfänger der Weihe über das Volk gestellt wird, so soll er auch durch das Verdienst seiner Heiligkeit über ihm stehen" (Summ. Theol., Suppl. q. 35, a. 1 ad 3). Wirklich fordert das eucharistische Opfer, in dem sich das unbefleckte Opferlamm, das da die Sünden der Welt hinwegnimmt, selbst darbringt, in besonderer Weise, daß der Priester durch ein reines und unbeflecktes Leben sich Gottes möglichst wenig unwürdig mache. Täglich bringt er ja ihm jene anbedeutungswürdige Opfergabe dar, die da Gottes Wort selbst ist, das aus Liebe zu uns Fleisch ward. „Beachtet, was ihr tut, und ahmt nach, was ihr vollzieht", spricht die Kirche durch den Bischof zu den Diakonen, die bald zu Priestern geweiht werden sollen (Pont. Rom. in ordinat. presbyt.).
Der Priester ist ferner der Ausspender der göttlichen Gnade, die uns durch die Sakramente zuströmt. Aber gar ungeziemend und widerspruchsvoll würde es für einen solchen Gnadenspender sein, wenn er selbst jene so kostbare Gnade nicht besäße oder sie auch nur gering einschätzte und nachlässig behütete. Der Priester soll weiterhin die Wahrheit des Glaubens verkünden! Aber die religiöse Wahrheit wird am würdigsten und wirksamsten gelehrt, wenn der Lehrer groß ist an Tugend. Deshalb sagt ein bekanntes Wort: „Worte bewegen, Beispiele reißen hin." Der Priester muß das Gesetz des Evangeliums verkünden! Aber zur Erreichung der Annahme dieses Gesetzes gibt es mit der Gnade Gottes kein annehmbareres und überzeugenderes Motiv als das Vorbild der Gesetzestreue im Leben dessen, der die Gesetzesbeobachtung einschärft. Den Grund dafür gibt der hl. Gregor der Große an: „Jenem Wort gewährt der Hörer lieber Eingang in sein Herz, das der Lebenswandel des Sprechers empfiehlt; denn was dieser durch sein Wort verlangt, hilft er durch sein Beispiel bereits verwirklichen" (Epist. I. 1, ep. 25: P.L. 77, 470). So sagt auch die Heilige Schrift vom göttlichen Erlöser: „Er fing an zu handeln und zu lehren" (Apg. 1,1), und die Volksmenge jubelte im zu, nicht so sehr weil „noch nie einer so gesprochen hatte wie dieser" (Joh. 7, 46), sondern vielmehr weil „er alles gut gemacht hat" (Mark. 7, 37). Alle hingegen, „die lehren, aber nicht nach ihrer Lehre handeln", machen sich den Schriftgelehrten und Pharisäern gleich, die derselbe göttliche Heiland von der lauschenden Volksmenge tadelte mit einem Vorwurf, der zugleich das Ansehen des Gotteswortes schützte, das jene gesetzmäßig predigten: „Auf dem Lehrstuhl Moses' sitzen Schriftgelehrte und Pharisäer; alles, was sie euch sagen, tuet und beobachtet, nach ihren Werken aber sollt ihr nicht handeln" (Matth. 23, 2—3). Ein Prediger, der sich nicht bemüht, die Wahrheit, die er lehrt, durch seinen Lebenswandel zu bekräftigen, würde mit der einen Hand zerstören, was er mit der andern aufbaut. Reichlich dagegen segnet Gott die Mühen der Bannerträger des Evangeliums, die vor allem auf die eigene Heiligung Gewicht legen. Sie werden zahlreiche Blüten und Früchte ihres Apostolates wachsen sehen, und am Tage der Ernte „kehren sie jauchzend heim mit ihrem Garben in den Armen" (Pf. 125, 6).
Es wäre ein schwerer und gefärlicher Irrtum, wenn ein Priester aus falschem Eifer die eigene Heiligung vernachlässigte, um in den äußern Arbeiten seines Priesterberufes, so wertvoll sie auch sind, ganz unterzugehen. Denn dadurch brächte er nicht bloß sein eigenes ewiges Heil in Gefahr, wie der große Völkerapostel es von sich selbst sagt: „Ich züchtige meinen Leib und mache ihn mir dienstbar, damit ich nicht etwa verloren gehe, nachdem ich andern gepredigt habe"(1 Kor. 9, 27); nein, er setzte sich auch der Gefahr aus, wenn nicht Gottes Gnade selbst, dann sicher jene Salbung des Heiligen Geistes zu verlieren, die dem äußern Apostolat eine wunderbare Kraft und Wirksamkeit verleiht.
Übrigens, wenn schon zu allen Christen gesagt ist: „Seid vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist"(Matth. 5, 48), um wieviel mehr müssen dann aber die Priester dieses Wort des göttlichen Meisters auf sich beziehen, weil sie ja in besonderer Weise zu seiner näheren Nachfolge berufen sind.
Darum schärft die Kirche diese ernste Pflicht offen in ihrem Gesetzbuch allen Klerikern ein: „Die Kleriker haben die Pflicht, ihr inneres Leben und ihr äußeres Benehmen heiliger als die Laien zu gestalten und in Tugend und rechtem Handeln ihnen als Beispiel voranzuleuchten"(Cod. Iur. Can. can. 124). Da der Priester „an Christi Statt die Sendung ausübt"
(2 Kor. 5, 20), muß er auch in seinem Leben nach Kräften das Wort des Apostels wahr machen: „Ahmt mir nach, wie ich meinerseits Christus nachahme!" (1 Kor. 4, 16; 11, 1.) Er muß wie ein zweiter Christus leben, der mit dem Glanze seiner Tugend die Welt erleuchtete und noch heute erleuchtet.
Gewiß sollen alle christlichen Tugenden in der Seele des Priesters blühen. Es gibt aber doch einige, die sich für den Priester in ganz besonderer Weise ziemen und ihm mehr entsprechen. Das ist nach der Mahnung des Apostels an seinen lieben Timotheus an erster Stelle die Frömmigkeit: „Übe dich in der Frömmigkeit (1 Tim. 4,7). Wirklich, so innig, so zart und häufig ist ja der Verkehr des Priesters mit Gott, daß er ohne Zweifel begleitet und wie durchdrungen sein muß vom Duft der Frömmigkeit. „Frömmigkeit ist zu allem nützlich"(1 Tim. 4, 8), somit ganz besonders zur rechten Ausübung des priesterlichen Amtes. Ohne Frömmigkeit werden der heiligste Dienst und die erhabensten Riten des heiligen Amtes mechanisch und gewohnheitsmäßig ausgeübt. Es fehlt ihnen den Geist, die Salbung und das Leben. Die Frömmigkeit jedoch, Ehrwürdige Brüder, von der Wir hier sprechen, ist nicht jene leichtfertige und oberflächliche Frömmigkeit, die gefällt, aber nicht stark macht, die angenehme Gefühle weckt, aber nicht heiligt. Wir meinen jene gediegene Frömmigkeit, die nicht den unbeständigen Schwankungen des Gefühls unterworfen ist, sondern sich stützt auf die Grundsätze ganz sicherer Doktrin; die Frömmigkeit, die somit entstanden ist aus festen Überzeugungen heraus, die auch den Angriffen und Schmeicheleien der Versuchung Widerstand leisten.
Und diese Frömmigkeit muß sich zwar an erster Stelle in kindlicher Liebe auf den Vater im Himmel richten, muß sich dann aber auch auf die Gottesmutter erstrecken, und zwar mit größerer Zärtlichkeit beim Priester als bei den einfachen Gläubigen, weil besonders wahre und tiefe Ähnlichkeit besteht zwischen den Beziehungen des Priesters zu Christus und denen Marias zu ihrem göttlichen Sohn.
Innig verbunden mit der Frömmigkeit, von der sie ihren Bestand und ihren Glanz erhalten muß, ist die Keuschheit, der andere leuchtende Edelstein des katholischen Priestertums. Zu ihrer vollkommenen und allseitigen Beobachtung sind die Kleriker der höheren Weihen in der Lateinischen Kirche unter so schwerer Verpflichtung gehalten, daß die Verletzung dieser Verpflichtung ein Sakrileg sein würde (Cod. Iur. Can. can. 132, § 1). Wenn auch ein derartiges Gesetzt die Kleriker der Orientalischen Kirchen nicht in seiner ganzen Strenge verpflichtet, so steht doch auch bei ihnen der kirchliche Zölibat in Ehren und ist in bestimmten Fällen, zumal für die höchsten Grade der Hierarchie, eine notwendige und verpflichtende Forderung.
Einen gewissen Zusammenhang zwischen dieser Tugend und dem priesterlichen Amt nimmt schon allein die natürliche Vernunft wahr. Da „Gott Geist ist" (Joh. 4, 24), scheint es angebracht, daß ein jeder, der sich seinem Dienste widmet und weiht, sich auch in gewisser Weise „von seinem Liebe freimache". Schon die alten Römer hatten das Geziemende eines solchen Verhaltens erkannt. Eines ihrer Gesetze, das folgenden Wortlaut hat: „Man soll keusch zu den Göttern hintreten", wurde vom größten ihrer Redner angeführt und mit der Erklärung versehen: „Keusch befiehlt uns das Gesetz vor die Götter hinzutreten, nämlich im Geiste, der alles umfaßt; doch sieht das von der Reinheit des Leibes nicht ab, sondern diese muß mit- verstanden werden, da der Geist über dem Lieb steht; auch möge bemerkt sein, daß die Keuschheit vor allem im Geiste zu pflegen ist, um die Keuschheit des Körpers zu haben" (M.T. Cicero, De legibus 1. 2, c. 8 u. 10).
Im Alten Bunde wurde Aaron und seinen Söhnen und Moses im Namen Gottes befohlen, nicht aus dem Zelte zu gehen und somit Enthaltsamkeit zu beobachten in den sieben Tagen bis zur Beendigung ihrer Weihe (vgl. Lev. 8, 33—35).
Aber dem christlichen Priestertum, das viel erhabener ist als das alte, entsprach darum auch eine viel größere Reinheit. So findet sich denn die erste schriftliche Spur des kirchlichen Zölibatsgesetzes, die offenbar eine ältere Beobachtung des Zölibates voraussetzt, schon in einem Kanon des Konzils von Elvira (Conc. Eliberit. can. 33: Mansi tom. 2, col. 11), aus dem Anfang des 4. Jahrhunderts, zu einer Zeit, wo die Christenverfolgung noch wütete. Doch das Kirchengesetz hat nur zu einer strengen Verpflichtung erhoben, was eine gewisse, sagen Wir, moralische Forderung, die ihren Ursprung im Evangelium und in der Predigt der Apostel hat, auferlegt. Die Hochschätzung, die der göttliche Meister von der Keuschheit hatte: er pries sie ja als etwas, was über die Fassungskraft der menge geht (vgl. Matth. 19, 11); die Tatsache, daß er selbst die „Blüte einer jungfräulichen Mutter" ist (vgl. Brev. Rom., Hymn. ad Laud. in festo SS. Nom. Iesu) und von Kindheit an in der jungfräulichen Familie Josephs und Marias aufwuchs, daß er eine besondere Vorliebe zeigte für reine Seelen wie für die beiden Johannes, den Täufer und den Evangelisten; der Umstand, daß der große Apostel Paulus, der treue Ausleger der evangelischen Gesetze und des Gedankens Christi, die unschätzbaren Vorzüge der Jungfräulichkeit verkündet, besonders hinsichtlich eines Dienstes Gottes: „Wer unverheiratet ist, der ist um die Sache des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefalle" (1 Kor. 7, 32): Alles das mußte die fast notwendige Wirkung haben, die die Priester des Neuen Bundes den himmlischen Zauber dieser erhabenen Tugend spürten, daß sie sich bemühten, doch auch zur Zahl derer zu gehören, „denen es gegeben ist, jenes Wort zu verstehen" (vgl. Matth. 19,11), und daß sie sich freiwillig die Beobachtung der Jungfräulichkeit auferlegten, die dann bald noch durch ein strenges kanonisches Gesetz in der ganzen Lateinischen Kirche zur Pflicht gemacht wurde: „Auch wir sollen", wie am Ende des 4. Jahrhunderts das zweite Konzil von Karthago erklärte, „üben, was schon die Apostel lehrten und was bereits die alte Zeit beobachtete" (Conc. Carthag. II can. 2: Mansi, Collect. Conc. tom. 3, col. 692).
Auch fehlen nicht Zegnisse berühmter orientalischer Väter, die die Erhabenheit des katholischen Zölibates preisen und beweisen, daß schon damals in den Gegenden, wo einen strengere Disziplin herrschte, auch in diesem Punkte zwischen der Lateinischen und Orientalischen Kirche Übereinstimmung bestand. Der hl. Epiphanius bezeugt gegen Ende des gleichen 4. Jahrhunderts, daß der Zölibat sich schon bis auf die Subdiakone erstreckte: „Niemand, der in der Ehe lebt und sich um Kinder bemüht, wird von der Kirche zur Weihe des Diakons, Priesters, Bischofs oder des Subdiakons zugefallen, auch wenn es die erste Ehe war; nur den ist die Kirche bereit zu weihen, der die Lebensgemeinschaft mit seiner ersten und einzigen Gattin aufgegeben oder diese bereits durch den Tod verloren hat. Das geschieht vor allem an den Orten, wo die kirchlichen Kanones genau beobachtet werden" (S. Epiph., Advers. haer. Panar. 59, 4: P. G. 41, 1024). Ganz besonders beredt ist in dieser Frage der heilige Diakon von Edessa und Kirchenlehrer Ephrem der Syrer, der mit Recht „Zither des Heiligen Geistes" heißt (Brev. Rom., d. 18 Iun., lect. 6). In einem seiner Lieder richtet er an seinen Freund, den Bischof Abraham, das Wort: „Du bist wirklich", so sagt er ihm, „was dein Name sagt, Abraham, weil auch du Vater vieler geworden bist. Weil du aber keine Gattin hast, wie Abraham die Sara, siehe, so ist deine Herde deine Gattin. Erziehe ihre Kinder in deiner Wahrheit. Mögen sie dir Kinder des Geistes werden und Söhne der Verheißung, damit sie auch Erden werden in Erden. O schöne Frucht der Keuschheit! Du machtest das Priestertum wohlgefällig, ....das Horn schäumte über und salbte dich, die Hand lag auf dir und wählte dich aus, die Kirche rief und liebte dich" (Carm. Nisib., carm. 19; Ausg. Bickell 112).An einer andern Stelle sagt er: „Es genügt nicht für den Namen des Priesters, der den lebendigen Leib des Herrn opfert, Gedanken und Zunge zu läutern, die Hände zu reinigen und seinen ganzen Leid sauber zu halten, sondern er muß stets ganz rein sein, weil er als Mittler zwischen Gott und das Menschengeschlechts gestellt ist. Gepriesen sei, der da seine Diener gereinigt hat!" (Carm. Nisib., carm. 18; Ausg. Bickell 112). Johannes Chrysostomus behauptet gleicherweise, daß „der Priester so rein sein muß, als ob er in den Himmel mitten unter die himmlischen Mächte versetzt sei" (De sacerdotio lib. 3, cap. 4: P. G. 48, 642).
Die höchste Angemessenheit des Zölibats und des Gesetzes, das ihn den Dienern des Altares zur Pflicht macht, wird schließlich auch durch die Erhabenheit selbst oder — nach einem Ausdruck des hl. Epiphanius (Advers. haer. Panar. 59, 4: P. G. 41, 1024) — durch die „unglaubliche Ehre und Würde" des christlichen Priestertums, die schon von Uns ausgeführt ist, erweisen. Wenn jemand ein Amt hat, das in gewisser Hinsicht selbst jenes der reinsten Geister überragt, die „vor dem Herrn stehen" (vgl. Tob. 12, 15), ist er dann wohl nicht das Richtige, daß er auch möglichst wie ein reiner Geist leben muß? Wer ganz „in dem sein muß, was des Herrn ist" (vgl. Luk. 2, 49; 1 Kor. 7, 32), muß der dann nicht wohl entsprechenderweise von den irdischen Dingen gänzlich losgelöst, muß sein Wandel nicht immer im Himmel sein? (Vgl. Phil. 3, 20.) Wenn jemand eifrig in der Sorge um das Heil der Seelen das Werk des Erlösers fortführen soll, ist es dann nicht wohl angemessen, daß er sich freihält von den Sorgen um eine eigene Familie, die einen großen Teil seiner Tätigkeit in Anspruch nähme?
Und es ist in Wahrheit ein bewundernswertes, doch in der katholischen Kirche so häufiges Schauspiel, das die Jungen Leviten, bevor sie die heilige Weihe des Subdiakonates empfangen und sich damit dem Dienste und der Verehrung Gottes gänzlich weihen, frei den Freuden und Annehmlichkeiten entsagen, die sie sich in einem andern Lebensstande ehrbarerweise gestatten dürften. Nach der Weihe sind sie allerdings nicht mehr frei, eine irdische Ehe einzugehen. Dennoch gebrauchen Wir das Wort „frei": weil sie nicht gezwungen durch irgend ein Gesetz oder eine Person zur Weihe hinzutreten, sondern aus eigenem freiem Willen (vgl. Cod. Iur. Can. can. 971).
Was Wir zur Empfehlung des kirchlichen Zölibats gesagt haben, wollen Wir aber keineswegs so verstanden wissen, als ob Wir in irgend einer Form gegen den anders gearteten, in der Orientalischen Kirche rechtmäßig zugelassenen Brauch Tadel oder Vorwürfe erheben wollten. Wir sagen es einzig deshalb, um im Herrn zu preisen jene Wahrheit, die Wir für einen der Größten Ruhmestitel des katholischen Priestertums halten und die Uns mehr den Wünschen und Absichten des heiligsten Herzens Jesu in Bezug auf die Seelen der Priester zu entsprechen scheint.
Nicht weniger als in der Keuschheit muß sich der katholische Priester in der Uneigennützigkeit auszeichnen. Mitten in der Korruption der Welt, in der alles käuflich und verkäuflich ist, muß er frei von jeglicher Selbstsucht wandeln, in heiliger Verachtung für jede niedrige Gier nach irdischem Gewinn, auf der Suche nach Seelen und nicht nach Geld, nach Gottes Ehre und nicht nach seiner eigenen. Er ist nicht der Taglöhner, der um zeitlichen Lohn arbeitet, auch nicht der Beamte, der bei aller gewissenhaften Erfüllung seiner Amtspflichten doch auch an seine Laufbahn und seine Beförderung denkt. Er ist vielmehr „der wackere Streiter Christi", der „sich nicht in weltliche Geschäfte einläßt, um dem zu gefallen, denn er sich verschrieben hat" (2 Tim. 2, 3 — 4). Er ist der Diener Gottes und der Vater der Seelen. Er weiß, daß sich seine Mühen und Sorgen nicht mit irdischen Schätzen und Ehren vollwertig entgelten lassen. Die Annahme eines angemessenen Unterhaltes ist ihm nicht verboten nach dem Wort des Apostels: „Wer dem Altare dient, erhält auch vom Altare seinen Anteil; ... der Herr hat befohlen, daß die Boten des Evangeliums auch vom Evangelium leben sollen" (1 Kor. 9, 13 14). Jedoch „zum Anteil des Herrn berufen", wie sein Name „Kleriker" andeutet, erwartet er keinen andern Lohn als den, welchen Christus seinen Aposteln versprach: „Euer Lohn ist groß im Himmel" (Matt. 5, 12). Wehe, wenn der Priester, uneingedenk so göttlicher Verheißungen, begänne, sich „gierig nach häßlichem Gewinn" (Tit. 1,7) zu zeigen, und sich der Masse der Kinder dieser Welt zugesellte, über welche die Kirche mit dem Apostel klagt: „Alle suchen nur das Ihrige, nicht aber die Sache Jesu Christi!" (Phil. 2, 21.) In einem solchen Falle würde er sich nicht nur an seinem Berufe verfehlen, er zöge sich auch die Verachtung der Gläubigen zu. Denn diese würden in ihm einen beklagenswerter Widerspruch finden zwischen seiner Lebensführung und der Lehre des Evangeliums, die Jesus so klar ausgesprochen hat und die der Priester verkünden muß: „Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Rost und Motten sie verzehren, wo Diebe sie ausgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel!" (Matth. 6, 20.) Wenn man bedenkt, das Judas, ein Apostel Christi, „einer der Zwölfe" — wie traurig die Evangeliesten bemerken —, gerade durch den Geist der Habsucht nach irdischen Gütern in den Abgrund seiner Bosheit gestürzt wurde, dann begreift man, wie derselbe Geist im Laufe der Jahrhunderte so viel Unglück über die Kirche hat bringen können. Diese Habsucht, die vom Heiligen Geist „die Wurzel aller Übel" (1 Tim. 6,10) genannt wird, kann zu jedem Verbrechen hinreißen; und sollte es auch nicht so weit kommen, so macht ein Priester, der vom diesem Laster angesteckt ist, in der Tat bewußt gemeinsame Sache mit den Feinden Gottes und der Kirche und arbeitet mit an ihren schändlichen Plänen.
Echte Selbstlosigkeit gewinnt dagegen dem Priester die Herzen aller. Das gilt um so mehr, da mit dieser Loslösung von den Erdengütern, die aus innere Glaubenskraft entspringt, auch immer jene zarte Teilnahme mit Unglücklichen aller Art verbunden ist, die den Priester zu einem wahren Vater der Armen macht. Sieht er ja in ihnen, eingedenk jener ergreifenden Worte seines Herrn: „Was ihr einem der geringsten meiner Brüder getan, habt ihr mir getan" (Matth. 25, 40), und verehrt und liebt in ihnen mit besonderer Herzlichkeit Jesus Christus selbst.
Ist so der katholische Priester von den beiden Banden frei, die ihn hauptsächlich an die Erde fesseln könnten, von den Banden einer eigenen Familie und von den Fesseln des Eigennutzes, dann kann er viel leichter von jenem himmlischen Feuer ergriffen werden, das aus dem Innern des Herzens Jesu hervorlodert und nichts so sehr sucht, als überzugreifen auf apostolische Herzen, um die ganze Erde zu entflammen (vgl. Luk. 12, 49): vom Feuer des Eifers. Dieser Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen muß, wie es in der Heiligen Schrift von Jesus heißt, den Priester verzehren (Ps. 68, 10; Joh. 2, 17), muß ihn dahin bringen, sich selbst und alle irdischen Interessen zu vergessen, und muß ihm ein mächtiger Ansporn sein, sich restlos seiner erhabenen Sendung zu weihen und immer geeignetere Mittel zu suchen, um seine Sendung in immer weiteren Kreisen und stets besser zu erfüllen.
Wie kann denn ein Priester das Evangelium betrachten, wie kann er die Klage des Guten Hirten hören: „Noch andere Schafe habe ich, die nicht aus diesem Schafstall sind, auch sie muß ich heimführen" (Joh. 10, 16), wie kann er ansehen, wie „die Saaten schon reif für die Ernte sind" (Joh. 4, 35), ohne in sich die Sehnsucht entbrannt zu fühlen, doch auch solche Seelen zum Herzen des Guten Hirten zu führen, und ohne sich dem Herrn der Ernte als unermüdliche Arbeiter anzubieten? Wie kann ein Priester soviel armes Volk sehen, das „verlassen ist wie Schafe, die keinen Hirten haben" (Matth. 9,36) — nicht nur in den fernen Missionsgebieten, nein, leider auch in Ländern, die seit Jahrhunderten schon christlich sind —, ohne in seiner Seele einen tiefen Widerhall jenes göttlichen Erbarmens zu spüren, das sooft das Herz des Gottessohnes bewegte? (Vgl. Matth. 9, 36; 14, 14; 15, 32; Mark. 6, 34; 8, 2 usw.) Könnte das bei einem Priester geschehen, der weiß, daß er auf seinen Lippen Worte des Lebens und in seinen Händen die göttlichen Mittel der Wiedergeburt und des Heiles hat? Aber Gott sei gelobt, gerade dieses Feuer des apostolischen Eifers ist einer der leuchtenden Strahlen, die auf der Stirn des katholischen Priestertum glänzen! Mit freudigem Trost im Vaterherzen schauen Wir auf Unsere Ehrwürdigen Brüder und geliebten Söhne, die Bischöfe und Priester. Wie eine erlesene Truppe sind sie stets bereit, auf den Ruf des Führers an alle Fronten des ungeheuren Kampffeldes zu eilen, um dort die friedenbringenden, aber doch harten Kämpfe der Wahrheit gegen den Irrtum, des Lichtes gegen die Finsternis, des Reiches Gottes gegen das Reich des Teufels zu führen.
Aber diese Eigenschaft des katholischen Priestertums, eine bewegliche und tapfere Streiterschar zu sein, bringt mit sich die Notwendigkeit eines Geistes der Disziplin oder, um es mit einem mehr christlichen Wort anzudrücken, die Notwendigkeit des Gehorsams: jenes Gehorsams, der alle die verschiedenen Grade der kirchlichen Hierarchie so schön miteinander verbindet. So „ist in wunderbarerer Mannigfaltigkeit die heilige Kirche gekleidet, geschmückt und regiert — wie der Bischof in seiner Ermahnung an die Weihekandidaten sagt —, da in ihr die einen zu Bischöfen, die andern zu Priestern niederer Ordnung geweiht werden und so aus vielen Gliedern verschiedener Würde der eine Leib Christi gebildet wird" (Pont. Rom. in ordinat. presb.). Diesen Gehorsam versprachen die gerade geweihten Priester ihrem Bischof, bevor er sie am Schluß der Weihe entließ. Diesen Gehorsam schwuren ihrerseits die Bischöfe am Tage ihrer Konsekration dem höchsten sichtbaren Haupte der Kirche, dem Nachfolger des hl. Petrus, dem Stellvertreter Jesu Christi.
Der Gehorsam soll also immer mehr die verschiedenen Glieder der kirchlichen Hierarchie untereinander und mit dem Haupte verbinden und so die streitende Kirche den Feinden Gottes wahrhaft furchtbar machen „wie ein gutgeordnetes Schlachtheer" (vgl. Hohel. 6, 3 9). Er soll den vielleicht zu stürmischen Eifer der einen mäßigen und die Schwäche und Schlaffheit der andern anspornen; er soll jedem seinen Posten und seine Aufgaben anweisen, und jeder soll folgen ohne Widerstand: denn dieser würde das herrliche Werk, das die Kirche in der Welt leistet, nur stören; jeder soll in den Weisungen der kirchlichen Obern die Weisungen des wahren und einzigen Hauptes sehen, dem wir alle gehorchen, Jesus Christus, unseres Herrn, der „für uns gehorsam ward bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze" (Phil. 2,8).
In der Tat wollte der göttliche Hohepriester, daß sein ganz vollkommener Gehorsam gegen den himmlischen Vater uns in ganz besonderer Weise offenbar würde, und deshalb sind die Zeugnisse der Propheten und Evangelisten für diese restlose und vollkommene Unterwerfung des Sohnes Gottes unter den Willen des Vaters sehr zahlreich: „Bei seinem Eintritt in die Welt spricht er: Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gewollt; aber einen Leib hast du mir bereitet.... Da sprach ich: Sieh, ich komme, in der Buchrolle steht von mir geschrieben, daß ich deinen Willen, o Gott, erfülle" (Hebr. 10, 5—7). „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat" (Joh. 4, 34). Selbst noch am Kreuze wollte er seine Seele nicht in die Hände des Vaters übergeben, bevor er nicht erklärt hatte, alles sei erfüllt, was die Heilige Schrift von ihm vorausgesagt hatte: nämlich die ganze Sendung, die ihm vom Vater anvertraut war, bis zu jenem letzten, so tief geheimnisvollen „Mich dürftet", das er aussprach, „damit die Schrift erfüllt würde" (Joh. 19, 28).
Er wollte damit zeigen, wie auch der glühendste Eifer immer dem Willen des Vaters vollkommen untergeordnet sein müsse, mit andern Worten, stets geregelt sein müsse durch den Gehorsam dem gegenüber, der für uns die Stelle des Vaters im Himmel vertritt und uns seinen Willen übermittelt, das heißt, gegenüber den rechtmäßigen kirchlichen Obern.
Aber das Bild des katholischen Priesters, das Wir in heller Beleuchtung der ganzen Welt zeigen wollen, würde unvollständig sein, wenn Wir es unterließen, eine andere notwendige Eigenschaft von großer Wichtigkeit einzuzeichnen, die die Kirche von ihm verlangt: die Wissenschaft. Der katholische Priester ist zum „Lehrer in Israel" (Joh. 3, 10) bestellt. Von Christus hat er das Amt und die Sendung empfangen, die Wahrheit zu lehren: „Lehret alle Völker...!" (Matth. 28, 19.) Er soll die Wissenschaft des Heiles lehren und dadurch, dem Völkerapostel gleich, Schuldner „für Gebildete und Ungebildete" (Röm. 1, 14) sein. Aber wie kann er sie lehren, wenn er sie nicht besitzt? „Die Lippen des Priesters werden die Weisheit hüten, und von seinem Munde wird man das Gesetz fordern", spricht der Heilige Geist bei Malachias (2, 7), und niemand könnte jemals mit ernsteren Worten die Forderung auf Wissenschaft im Priester stellen als die göttliche Weisheit selbst, die einst durch den Mund des Propheten Oseas gesagt hat: „Du hast die Erkenntnis verschmäht. Darum will auch ich dich verschmähen, daß du mir nicht mehr als Priester dienest!" (Os. 4, 6.) Der Priester muß die katholische Glaubens- und Sittenlehre vollkommen beherrschen. Er muß sie vortragen können und fähig sein, Rede und Antwort zu stehen über die Dogmen, Gesetze und den Kult der Kirche, deren Diener er ist. Die Unwissenheit in religiösen Fragen, die trotzt des Fortschrittes der weltlichen Wissenschaft tatsächlich den Geist so vieler Zeitgenossen verdunkelt, muß er beseitigen. Nie war die Mahnung Tertullians so zeitgemäß wie heute: „Das eine verlangt bisweilen die Wahrheit, nicht ungehört verurteilt zu werden" (Apolog. c. 1: P.L. 1, 260). Es ist Pflicht des Priesters, seine Zuhörer von Vorurteilen und Irrtümern zu befreien, die der Haß der Gegner aufgehäuft hat. Dem modernen Menschen, der so sehnsüchtig die Wahrheit sucht, muß er sie mit unbefangenem Freimut zeigen können. Den Seelen, die noch suchen und von Zweifeln gequält sind, muß er Mut und Vertrauen einflößen und sie mit ruhiger Sicherheit zum sicheren Hafen des bewußt und fest angenommenen Glaubens führen. Den Angriffen des anmaßenden und hartnäckigen Irrtums muß er einen mutigen und starken, aber doch ruhig besonnenen und gut begründeten Widerstand entgegensetzen können.
Deshalb, Ehrwürdige Brüder, ist es für den Priester notwendig, das ernste und gründliche Studium der Theologie mit Rücksicht auf seine Aufgaben auch mitten im Drang der Geschäfte jenes heiligen Amtes fortzusetzen. So wird er zu der hinreichenden wissenschaftlichen Ausbildung, die er aus dem Seminar mitgebracht hat, immer reichere theologische Kenntnisse hinzufügen und sich so für Predigt und Seelenleitung immer geeigneter machen (Cod. Iur. Can. can. 129).Ferner muß der Priester, um seinem Amte Ansehen zu verschaffen und sich, wie es sich gehört, beim Volke Vertrauen und Achtung zu erwerben, was so sehr dazu beiträgt, seine Hirtentätigkeit erfolgreicher zu gestalten, jene Bildung, auch soweit sie nicht streng theologischer Natur ist, besitzen, die Gemeingut der Gebildeten unserer Zeit ist. Das heißt: Er soll in gesunder Weise modern sein, wie es die Kirche ist, die alle Zeiten und Länder umspannt und sich allen anpaßt, die alle gefunden Anregungen segnet und fördert und sich auch nicht fürchtet vor den kühnsten Fortschritten der Wissenschaft, wenn sie nur wahre Wissenschaft ist. Immer zeichnete sich der katholische Klerus auf allen Gebieten des menschlichen Wissens aus. Ja es gab Zeiten, da trat er so an die Spitze der Wissenschaft, daß „Kleriker" gleichbedeutend wurde mit „Gelehrter". Und die Kirche hat nicht nur die Schätze der antiken Kultur behütet und bewahrt, die ohne sie und ihre Klöster fast gänzlich verlorengegangen wären, sondern auch in ihren größten Gelehrten bewiesen, wie alle menschliche Erkenntnis zur Erläuterung und Verteidigung des katholischen Glaubens dienen kann. Dafür haben Wir selbst der Welt noch jüngst ein leuchtendes Beispiel vor Augen geführt, als Wir jenen großen Lehrer des noch größeren Aquinaten mit dem Glorienschein des Heiligen und der Aureola der Kirchenlehrer schmückten, jenen Albert den Deutschen, den schon seine Zeitgenossen mit dem Namen „der Große" und „Doctor Universalis" ehrten.
Sicher kann man heute eine solche Vorrangstellung auf allen Wissensgebieten vom Klerus nicht mehr verlangen. Der menschliche Wissensschatz ist jetzt so groß geworden, daß ihn kein Mensch völlig umspannen und sich noch viel weniger in all den unzähligen Wissenszweigen auszeichnen kann. Aber man soll jene Glieder des Klerus, die sich durch Neigung oder besondere Anlagen zur Pflege und Vertiefung dieses oder jenes Kunst- und Wissensgebietes — sofern es für ihre kirchliche Stellung nicht unpassend ist — berufen fühlen, in kluger Weise ermutigen und unterstützen. Denn hält sich diese Betätigung in den erforderlichen Grenzen und unter der Leitung der Kirche, so gereicht sie der Kirche selbst zur Zierde und ihrem göttlichen Haupte Jesus Christus zur Ehre. Jedoch auch die übrigen Kleriker dürfen sich nicht mit dem Wissensstand begnügen, der vielleicht in früheren Zeiten ausreichte. Sie müssen sich um umfassendere und vollständigere Allgemeinbildung bemühen; ja vielmehr sollen sie diese tatsächlich schon besitzen. Wir meinen eine Allgemeinbildung, die dem Höheren Stand und der breiteren Ausdehnung entspricht, die heute, ganz allgemein gesprochen, die moderne Kultur gegenüber der Bildung früherer Zeiten erreicht hat.
Gewiß, der Herr hat mitunter, „auf dem Erdkreis spielend" (Spr. 8, 31), auch noch in neuerer Zeit Menschen zur Priesterwürde berufen und Wunder des Segens wirken wollen durch solche, die fast gänzlich dieses Wissensschatzes, von dem Wir sprechen, entbehrten. Er tat dies, damit alle lernten, die Heiligkeit höher zu schätzen als die Wissenschaft und auf menschliche Mittel nicht mehr Vertrauen zu setzen als auf die göttlichen. Mit andern Worten: Er tat es, weil die Welt von Zeit zu Zeit diese heilsame praktische Lehre wieder hören muß: „Was der Welt als töricht gilt, hat Gott auserwählt, um die Weisen zu beschämen ..., damit sich kein Erdenmensch vor seinen Augen rühmen könne" (1 Kor. 1, 27 29). Aber wie in der natürlichen Ordnung die Wunder Gottes die Wirkung der Naturgesetze für kurze Zeit aufheben, ohne die Gesetze selbst abzuschaffen, so sind auch diese Menschen wahre lebendige Wunder, in denen die hohe Heiligkeit alles Fehlende ersetzt, ohne daß jedoch dadurch die Wahrheit und Notwendigkeit dessen aufgehoben wurde, was Wir hier einschärfen wollten.
Heute ist sodann diese Notwendigkeit von Tugend und Wissenschaft, dieses Bedürfnis nach vorbildlichem Wandel und Erbauung, nach diesem „Wohlgeruch Christi" (vgl. 2 Kor. 2, 15), den der Priester überall in seiner Umgebung verbreiten soll, um so fühlbarer und eindringlicher, als die Katholische Aktion — diese so tröstliche Bewegung, welche die Seelen auch zu den höchsten Idealen der Vollkommenheit anspornt — die Laien in häufigere Berührung und innigere Zusammenarbeit mit dem Priester bringt, an dem sie natürlich nicht nur einen Führer haben wollen, sondern zu dem sie auch aufschauen wie zu einem Vorbild christlichen Lebens und apostolischer Tugend.
III.
Erhaben ist die Würde des Priesters, und wirklich groß sind die Anforderungen, die sie an ihn stellt. Darum, Ehrwürdige Brüder, müssen auch die Kandidaten des Priestertums unbedingt eine der Würde und dem Amte entsprechende Ausbildung erhalten. Die Kirche war sich dieser Notwenigkeit bewußt. Sie hat darum wohl für nichts anderes im Laufe der Jahrhunderte eine so zarte Sorge und mütterliche Aufmerksamkeit gezeigt wie für die Ausbildung ihrer Priester. Sie weiß sehr wohl, daß, wenn die religiöse und sittliche Lage der Völker zum großen Teil vom Priesterstand abhängt, die Zukunft des Priesters von der Ausbildung bestimmt wird, die er empfangen hat. Auch für ihn bleibt das Wort des Heiligen Geistes wahr: „Selbst im Alter weicht der Mensch von dem Wege seiner Jugend nicht ab" (Spr. 22, 6). Daher wünschte die Kirche auf die Anregung des Heiligen Geistes hin, daß allerorts Seminare errichtet werden, in denen die Priesteramtskandidaten heranwachsen und erzogen werden sollen. Das Seminar müßt ihr daher, Ehrwürdige Brüder, die ihr mit Uns die verantwortungsschwere Leitung der Kirche teilt, wie euern Augapfel behüten. Es ist und muß der Hauptgegenstand eurer Sorge sein. Besonders sorgfältig muß die Auswahl der Obern, der Lehrer und vor allem des Spirituals sein; denn dieser hat ja einen so innigen und wichtigen Anteil an der Bildung der Priesterseele. Gebt euern Seminaren die besten Priester! Fürchtet nicht, sie auch Aufgaben zu entziehen, die scheinbar wichtiger sind, aber in Wirklichkeit nicht verglichen werden können mit dieser grundlegenden und unersetzbaren Tätigkeit. Suchet sie auch anderswo, wo immer ihr für diese hohe Aufgabe wirklich geeignete Männern findet! Männer sollen es sein, die zuerst durch ihr Beispiel, dann durch ihr Wort die priesterlichen Tugenden lehren, und die es verstehen, mit dem Wissen auch den gediegenen, mannhaften, apostolischen Geist einzuflößen. Sie sollen im Seminar Frömmigkeit, Reinheit, Zucht und Studium zur Blüte bringen. Die jugendlichen Herzen sollen sie in kluger Weise nicht bloß gegen die augenblicklichen Versuchungen festigen, nein, auch gegen die weit schwereren Gefahren, denen sie sich später in der Welt ausgesetzt sehen; denn in ihr müssen sie einst leben, „um alle zu retten" (1 Kor. 9, 22).
Damit die künftigen Priester jenes zeitgemäße Wissen besitzen — wir Wir oben angeführt haben —, ist es von höchster Bedeutung, daß sie nach einer gründlichen Ausbildung in den klassischen Studien auch gut in der scholastischen Philosophie „nach Art, Lehre und Grundsätzen des Doctor angelicus" (Cod. Iur. Can. can. 1366, § 2) unterrichtet und geübt werden. Diese Philosophia perennis, wie sie Unser großer Vorgänger Leo XIII. genannt hat, ist ihnen nicht nur für die Vertiefung des Dogmas nötig, sondern bewahrt sie auch wirksam gegen alle Arten moderner Irrtümer: sie befähigt ihren Geist, das Wahre vom Falschen genau zu unterscheiden, und verleiht ihnen in den verschiedensten Fragen oder späteren Studien eine Klarheit des Denkens, die dem anderer, die diese philosophische Schulung nicht erhalten haben, weit überlegen ist, auch wenn diese mit einem ausgedehnteren Einzelwissen ausgerüstet sind.
Vielleicht gestatten aber, wie es besonders in einigen Gebieten der Fall ist, die geringe Ausdehnung der Diözese, ein bedauernswerter Mangel an Nachwuchs, Knappheit an Mitteln und geeignetem Personal nicht jeder Diözese die Errichtung eines eigenen Seminars, das allen Bestimmungen des Kirchlichen Gesetzbuches (Cod. Iur. Can. tit. 21, can. 1352—1371) und den sonstigen kirchlichen Vorschriften wahrhaft entspricht. In diesem Falle ist es höchst angebracht, daß sich die Bischöfe dieses Gebietes in brüderlicher Weise helfen und mit vereinten Kräften ein gemeinsames Seminar unterhalten, das seiner hohen Aufgabe vollständig gewachsen ist.
Die großen Vorteile einer solchen Kräftevereinigung lohnen reichlich die Opfer, die man dafür gebracht hat. Zuweilen wird es freilich einen schmerzlichen Verzicht für das Vaterherz des Bischofs bedeuten, zu sehen, wie seine Kleriker zeitweilig getrennt werden von ihm, dem Hirten, der doch selbst gerne seine apostolischen Geist in die Herzen seiner künftigen Mitarbeit senken möchte, und von dem Arbeitsfeld, auf dem sie einmal ihre Hirtensorge betätigen sollen. Aber dieses Opfer wird doch dadurch überreich belohnt, daß er sie weit besser durchgebildet zurückerhält und reichlicher ausgestattet mit geistlichen Gütern, die sie dann in größerer Fülle und mit größerem Segen zum Wohle ihrer Diözese ausspenden werden. Darum haben Wir es nie unterlassen, solche Pläne zu unterstützen, zu fördern und zu begünstigen, ja oft haben Wir sie sogar angeregt und empfohlen. Wo Wir es für notwendig hielten, haben Wir selbst eine Anzahl solcher Regionalseminare errichtet oder vervollkommnet oder erweitert, und zwar, wie allen bekannt ist, unter großen Kosten und nicht geringen Bemühungen. Und auch in Zukunft werden Wir weiter mit Gottes Hilfe eifrig an einem Werke mitarbeiten, das Wir unter diejenige rechnen, die am meisten zum Wohle der Kirche dienen.
Aber all diese herrlichen Anstrengungen für die Erziehung des Priesternachwuchses würden nur wenig Nutzen bringen ohne eine sorgfältige Auslese der Kandidaten, für die die Seminare errichtet und unterhalten sind. Daher müssen an der guten Auswahl alle mitarbeiten, die in Bezug auf die Ausbildung des Klerus in leitender Stellung sind: die Obern, die Spirituale und die Beichtväter, jeder in der Weise und in den Grenzen seines Amtes! Sie sollen zwar mit den göttlichen Beruf pflegen und festigen. Aber mit nicht geringerem Eifer sollen sie zeitig von einem Wege, der nicht der ihrige ist, abzubringen suchen und entfernen jene jungen Leute, die offenbar nicht die erforderliche Tauglichkeit zum geistlichen Berufe haben, und von denen man daher voraussieht, daß sie nicht imstande sein werden, ihre priesterlichen Verpflichtungen würdig und angemessen zu erfüllen. Am besten ist es, ungeeignete Leute gleich zu entfernen. Denn Zögern und Warten bedeutet in solchen Angelegenheiten nur schweren Irrtum und großen Schaden. Sollte man jedoch aus irgend einem Grunde gezögert haben, so muß man den Fehler wieder gutmachen, sobald man ihn erkannt, ohne menschliche Rücksichten, ohne jenes falsche Mitleid, das zu einer wahren Grausamkeit würde nicht bloß der Kirche gegenüber, weil man ihr einen untauglichen und unwürdigen Diener gäbe, sondern auch dem jungen Mann selbst gegenüber, der, auf einem falschen Weg belassen, nur zu leicht sein und anderer ewiges Heil gefährden würde.
Für den wachsamen und erfahrenen Blick des Seminarleiters, der die ihm anvertrauten jungen Männer und ihre Neigungen im einzelnen liebevoll studiert, wird es nicht schwierig sein, sich über den echten Priesterberuf eines jeden zu vergewissern. Dieser zeigt sich, wie ihr wißt, Ehrwürdige Brüder, weniger in einem Gefühle des Herzens oder in einer spürbaren Neigung der Seele, die mitunter fehlen oder vergehen können, sondern vielmehr in der rechten Absicht des Priesteramtskandidaten im Verein mit all den körperlichen, geistigen und sittlichen Anlagen, die ihn für diesen Stand geeignet machen. Wer nach dem Priestertum strebt einzig aus dem edlen Beweggrund, sich dem Dienste Gottes und dem Heile der Seelen zu weihen, und dazu gediegene Frömmigkeit, erprobte Reinheit des Lebens und genügendes Wissen — „genügend" in dem von Uns oben erklärten Sinn — besitzt oder sich ernstlich darum bemüht, der zeigt, daß er von Gott zum Priesterstand berufen ist. Wer dagegen, vielleicht von unklugen Eltern gedrängt, diesen Stand erwählen wollte wegen der Aussicht auf zeitliche und irdische Vorteile, die er im Priestertum sieht oder von ihm erhofft, wie es in der Vergangenheit häufiger geschah; wer sich gewohnheitsmäßig gegen Gehorsam und Disziplin vergeht, wer wenig Neigung zur Frömmigkeit, wenig Liebe zur Arbeit und wenig Seeleneifer besitzt; besonders aber wer zur Sinnlichkeit neigt und auf Grund einer langen Erfahrung gezeigt hat, daß er sie nicht zu beherrschen versteht; wer endlich ungeeignet ist für das Studium, so daß er voraussichtlich den vorgeschriebenen Studiengang nicht mit genügendem Erfolg machen kann: alle diese sind für das Priestertum nicht geschaffen! Läßt man sie aber doch gleichsam bis zur Schwelle des Heiligtums kommen, so macht man ihnen den Rücktritt immer schwieriger, ja man treibt sie vielleicht sogar an, aus menschlichen Rücksichten die Schwelle des Heiligtums ohne Beruf und priesterlichen Geist zu überschreiten. Die Seminarleiter, die Spirituale und Beichtväter mögen daher bedenken, welch schwere Beantwortung sie vor Gott, vor der Kirche und vor den jungen Leuten selbst auf sich nehmen, wenn sie von ihrer Seite nicht tun, was sie tun können, um einen so falschen Schritt zu verhindern. Auch die Beichtväter und Spirituale könnten, so sagten Wir, für einen so schweren Irrtum verantwortlich sein. Nicht etwa, weil sie nach außen hin irgend etwas tun könnten, was ihnen ja aufs strengste ihr Amt, das so viel Feingefühl verlangt, und oft sogar auch das unverletzliche Beichtgeheimnis verbietet, sondern weil sie einen großen Einfluß auf den Geist der einzelnen Alumnen auszuüben vermögen und einen jeden mit väterlicher Festigkeit so, wie es sein geistliches Wohl erfordert, leiten müssen. Sie haben daher die Pflicht, zumal wenn aus irgend einem Grunde die Obern nicht eingreifen oder sich schwächlich zeigen, ohne Menschenrücksicht die untauglichen und unwürdigen Alumnen auf die Verpflichtung aufmerksam zu machen, zurückzutreten, solange es noch Zeit ist. Sie sollen sich dabei an die sicherere Auffassung halten, die in einem solchen Falle für das Beichtkind auch die wohlwollendere ist, da sie es vor einem Schritt bewahrt, der für es ewig verhängnisvoll sein könnte.
Auch in den Fällen, wo es ihnen nicht ganz klar ist, daß sie eine strenge Verpflichtung auferlegen müssen, sollen sie wenigstens von dem ganzen Ansehen Gebrauch machen, das ihnen ihr Amt und ihr väterliches Wohlwollen zu ihren geistlichen Söhnen gibt, um die Ungeeigneten zum freiwilligen Rücktritt zu veranlassen. Die Beichtväter mögen an jenes Wort denken, das der hl. Alfons von Liguori in einer ähnlichen Frage schreibt: „Allgemein gesprochen, (in diesen Fällen) wird der Beichtvater um so mehr dem Seelenheile seiner Beichtkinder deinen, je strenger er mit ihnen verfährt; dagegen wird er um so grausamer gegen sie sein, je gutmütiger er mit ihnen ist. Der hl. Thomas von Villanova nannte solche allzu gütigen Beichtväter herzlos barmherzig, impie pios. Eine solche Liebe ist aber gegen die Liebe" (Opere asc. vol. 3; Ausg. Marietti, 1847, S. 122).
Die Hauptverantwortung trägt aber stets der Bischof. Denn nach dem strengen Gesetzt der Kirche „darf er keinem die höheren Weihen spenden, von dessen kanonischer Eignung er nicht auf Grund positiver Beweise moralische Sicherheit hat. Sonst begeht er selbst nicht bloß eine sehr schwere Sünde, sondern setzt sich noch obendrein der Gefahr aus, auch fremder Sünden mitschuldig zu werden" (Cod. Iur. Can. can. 973, § 3). In diesem Kanon klingt sehr deutlich die Mahnung des Apostels an Timotheus nach: „Lege niemand voreilig die Hände auf, und mache dich nicht fremder Sünden mitschuldig!" (1 Tim. 5, 22.) „Voreilig die Hände auflegen, bedeutet aber", nach einer Erklärung Unseres Vorgängers, des hl. Leo des Großen, „die Übertragung der priesterlichen Würde an die, welche noch nicht die Reife des Alters und das Verdienst des Gehorsams besitzen, noch genügend lange erprobt sind und ihre Treue gegenüber der Kirchenzucht bewiesen haben; und sich fremder Sünden mitschuldig machen, bedeutet, daß der weihende Bischof so wird, wie jener ist, der die Weihe nicht verdient" (Ep. 12: P.L. 54, 647). „Darum", so richtet der hl. Johannes Chrysostomus an den Bischof das Wort, „wirst auch du für seine vergangenen und zukünftigen Sünden bestraft werden, der du ihm die Würde verliehen hast" (Hom. 16 in Tim.: P. G. 62, 587).
Ernste Worte, Ehrwürdige Brüder, aber noch viel erschreckender ist die Verantwortung, auf die sie hinweisen. Sie ließ den großen Bischof von Mailand, den hl. Karl Borromäus, das Wort sprechen: „In dieser Angelegenheit kann schon eine kleine Nachlässigkeit mir eine schwere aufbürden" (Hom. ad ordinand., d. 1 Iun. 1577: Homiliae, ed. Bibl. Ambros., Mediolani 1747, t. 4, pag. 270). Haltet euch darum an den Rat des oben schon zitierten hl. Johannes Chrysostomus: „Nicht nach der ersten, auch nicht nach der zweiten oder dritten Prüfung, sondern erst, nachdem du dich genau umgehört und sorgfältige Untersuchungen angestellt hast, lege die Hände auf" (Hom. 16 in Tim.: P. G. 62, 587). Vor allem gilt das von der untadeligen Lebensführung der Priesteramtskandidaten. „Es genügt nicht", schreibt der heilige Bischof und Kirchenlehrer Alfons Maria von Liguori, „daß der Bischof nichts Nachteiliges über den Weihekandidaten erfahren hat, er muß vielmehr über sein wirklich tugendhaftes Verhalten Gewißheit haben" (Theol. mor., de Sacram. Ord. n. 803). Fürchtet darum nicht, zu strenge zu erscheinen, wenn ihr im Hinblick auf euer Recht und in Erfüllung eurer Pflicht schon vor der Weihe solche positive Beweise der Tugend verlangt und im Zweifelsfalle die Weihe aufschiebt. „Geeignetes Bauholz fällt man im Walde", schreibt der hl. Gregor der Große. „Aber man setzt die Last des Gebäudes nicht zu früh auf die frisch gefällten Stämme. Man wartet vielmehr so lange, bis sie trocken und für den Gebrauch tauglich geworden sind. Vernachlässigt man diese Vorsicht, so brechen die noch grünen Stämme unter der Last zusammen" (lib. 9, ep. 106: P. L. 70, 1031), oder, um die knappen und klaren Worte des hl. Thomas zu gebrauchen, „die heiligen Weihen setzen Heiligkeit voraus....Deshalb ist die Last der Weihen auf Wände zu setzen, durch die Heiligkeit die Feuchtigkeit der Laster verloren haben" (Summ. Theol. 2, 2, q. 189, a. 1 ad 3).
Werden übrigens sämtliche kanonischen Vorschriften sorgfältig beobachtet, richten sich alle nach den klugen Weisungen, die Wir vor einigen Jahren durch die heilige Sakramentenkongregation über diese Frage veröffentlichen ließen (Instructio super scrutinio candidatorum instituendo antequam ad ordines promoveantur, d. d. 27 Dec. 1930: A.A.S. vol. 23, pag. 120), dann bleiben viele Tränen der Kirche und viele Ärgernisse den Gläubigen erspart. Ähnliche Richtlinien sind auf Unsern Wunsch für die Ordensleute gegeben worden (Instructio ad supremos Religiosorum etc. Moderatores de formatione clericali etc., d. d. 1 Dec. 1931: A.A.S. vol. 24, pag. 74—81). Ihre genaue Beobachtung schärfen Wir allen ein, die sie angehen, und ermahnen die Generalobern aller religiösen Institute, die junge Leute haben, welche fürs Priestertum bestimmt sind, sie sollen alles, was Wir bis jetzt in Bezug auf die Heranbildung des Klerus empfohlen haben, auch als an sich gerichtet betrachten. Sie präsentieren ja ihre Alumnen zur Weihe, und der Bischof verläßt sich gewöhnlich auf ihr Urteil.
Weder die Bischöfe noch die Ordensobern sollen sich von dieser notwendigen Strenge abschrecken lassen aus Furcht, die Zahl der Priester könne sich in ihrer Diözese oder Genossenschaft dadurch vermindern. Der hl. Thomas hat sich schon diese Schwierigkeit vorgelegt und beantwortet sie so in seiner gewohnten Klarheit und Weisheit: „Wenn die Würdigen geweiht und die Untauglichen ferngehalten würden, dann wird Gott seine Kirche nie so verlassen, daß nicht geeignete Männer in hinreichender Zahl für die Bedürfnisse des Volkes gefunden werden" (Summ. Theol., Suppl. q. 36, a. 4 ad 1). „Übrigens", so bemerkt derselbe heilige Kirchenlehrer sehr gut fast mit denselben ernsten Worten wie das 4. Allgemeine Laterankonzil (Conc. Later. IV, an. 1215, can. 22: Decret. p. I, dist. 23, can. 4), „sollten sich nicht so viele Diener des Altares finden lassen, wie es jetzt gibt, so wäre es immer noch besser, wenige gute als viele schlechte zu haben" (S. Thom. a. a. O.). Es ist derselbe Gedanke, den Wir bei einer feierlichen Gelegenheit erwähnt haben, nämlich damals, als Wir bei Gelegenheit erwähnt haben, nämlich damals, als Wir bei Gelegenheit der internationalen Wallfahrt der Seminaristen im Jahre Unseres Priesterjubiläums vor einer großen Anzahl von Erzbischöfen und Bischöfen Italiens sagten: ein gut durchgebildeter Priester sei mehr wert als viele, die wenig oder gar nicht vorbereitet seien und auf die die Kirche sich nicht verlassen könne, mögen sie ihr auch keinen Anlaß zu ernster Sorge geben (vgl. Osserv. Rom. 1929, Nr. 176, 29./30. Juli). Welch furchtbare Rechenschaft, Ehrwürdige Brüder, müßten wir dem Obersten Hirten (1 Petr. 5, 4) und Höchsten Bischof der Seelen (1 Petr. 2, 25) ablegen, wenn wir diese Seelen ungeeigneten und unfähigen Führern anvertraut hätten!
Obgleich man immer die Wahrheit im Auge behalten muß, daß die große Zahl der Seminaristen an sich nicht die Hauptsorge für die Erzieher des Klerus sein darf, sollen sich aber doch alle bemühen, daß die Schar tüchtiger und eifriger Arbeiter im Weinberge des Herrn wachse, besonders, weil die religiösen Bedürfnisse der Menschheit statt abzunehmen ständig steigen. Das leichteste, zugleich wirksamste und auch ganz allgemein anwendbare Mittel für diesen edlen Zweck ist das Gebet. Zu ihm sollen deshalb alle fleißig ihre Zuflucht nehmen nach dem Gebot Jesu Christi selbst: „Die Ernte ist groß; aber der Arbeiter sind wenige. Bittet darum den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende!" (Matth. 9, 37 38.) Welches Gebet könnte auch dem heiligsten Herzen unseres Erlösers lieber sein; welches Gebet könnte eher und reichlicher auf Erhörung rechnen als jenes, das so sehr den brennenden Wünschen des göttlichen Herzens selbst entspricht? „Bittet also, und es wird euch gegeben werden!" (Matth. 7, 7.) Bittet um gute und heilige Priester! Der Herr wird sie seiner Kirche nicht verweigern. Immer hat er sie ihr im Laufe der Jahrhunderte gewährt, auch in Zeiten, die weniger geeignet schienen zur Erweckung von Priesterberufen; ja gerade dann in noch größere Zahl, wie allein die katholische Hagiographie des 19. Jahrhunderts bezeugt, die so reich an herrlichen Gestalten des Welt- und Ordensklerus ist. Unter ihnen glänzen als Sterne erster Größe jene drei ganz großen Heiligen, die sich auf drei so sehr verschiedenen Arbeitsfeldern betätigt haben und denen Wir zu Unserer großen Freude den Glorienschein der Heiligen verleihen durften: der hl. Johannes Maria Vianney, der hl. Joseph Benedikt Cottolengo und der hl. Johannes Bosco.
Indes dürfen die menschlichen Bemühungen zur Pflege der kostbaren Saat des Priesterberufes, die Gott so reichlich in die Herzen großmütiger junger Männer ausstreut, nicht vernachlässigt werden. Darum loben, segnen und empfehlen Wir von ganzem Herzen jene segenbringenden Werke, die in großer Mannigfaltigkeit und mit zahllosen heiligen, vom Heiligen Geist eingegebenen Bemühungen die Priesterberufe hüten, fördern und unterstützen wollen. „Mögen wir noch soviel nachdenken", versicherte der liebenswürdige Heilige der Nächstenliebe, Vinzenz von Paul, „immer werden wir feststellen müssen, daß wir zu nichts Größerem hätten mitwirken können als zur Heranbildung guter Priester" (vgl. P. Renaudin, St Vincent de Paul chap. 5). Nichts in der Tat ist Gott wohlgefälliger, nichts für die Kirche ehrenvoller, nichts für die Seelen gewinnbringender als das kostbare Geschenk eines heiligen Priesters! Und wenn schon jeder, der einen Becher Wassers einem der geringsten Jünger Christi reicht, „nicht seines Lohnes verlustig gehen wird" (Matth. 10, 42), welchen Lohn wird dann erst jener erhalten, der sozusagen in die reinen Hände eines jungen Leviten den heiligen Kelch gibt, in dem das Blut der Erlösung rot leuchtet, und ihm diesen Kelch zum Himmel erheben hilft als Unterpfand des Friedens und Segens für die Menschheit?
Und hier geht Unser Gedanke in Dankbarkeit zur Katholischen Aktion, die Wir so unablässig gewünscht, gefördert und verteidigt haben. Als Anteilnahme der Laienwelt am hierarchischen Apostolat der Kirche kann sie gegen diese lebenswichtige Frage der Priesterberufe nicht gleichgültig sein. Zu Unserem innigen Troste sehen Wir auch, daß sie sich überall, wie auf jedem andern Feld christlicher Betätigung, so in besonderer Weise auf diesem auszeichnet. Sicherlich ist der reichste Lohn für diese Wirksamkeit gerade der wahrhaft erstaunliche Reichtum an Priester- und Ordensberufen, die im Schoß ihrer Jugendverbände heranreifen und so zeigen, daß diese nicht nur ein fruchtbarer Boden für das Gute sind, sondern auch ein wohlgehütetes und wohlgepflegtes Beet, in dem die schönsten und zartesten Blumen ohne Gefahr sich entwickeln können. Alle Mitglieder der Katholischen Aktion mögen die Ehre fühlen, die dadurch auf ihre Verreinigung zurückstrahlt, und sie mögen überzeugt sein, daß der katholische Laienstand durch diese Mitarbeit an dem Wachstum des Welt- und Ordensklerus in vorzüglichster Weise teilnimmt an der hohen Würde des „königlichen Priestertums" (1 Petr. 2, 9), die der Apostelfürst dem ganzen Volke der Erlösten zuschreibt.
Aber der beste und natürlichste Boden, aus dem fast wie von selbst die Blumen des Heiligtums keimen und erblühen müssen, ist immer die echt und tief christliche Familie. Die Mehrzahl der heiligen Bischöfe und Priester, „deren Lob die Kirche verkündet" (Ekkli. 44, 15), verdanken die Grundlage ihres Berufes und ihrer Heiligkeit dem Beispiel und den Unterweisungen eines Vaters voll Glauben und mannhafter Tugend, einer keuschen und frommen Mutter, einer Familie, in der neben der Sittenreinheit die Liebe zu Gott und dem Nächsten als Königin herrschte.
Die Ausnahmen von dieser Regel der gewöhnlichen göttlichen Vorsehung sind selten und bestätigen nur die Regel selbst. Wenn in einer Familie die Eltern nach dem Beispiel von Tobias und Sara Gott um eine zahlreiche Nachkommenschaft bitten, „durch die der Name des Herrn in alle Ewigkeit gepriesen werde" (Tob. 8, 9), und die Kinder mit Dankbarkeit als Geschenk des Himmels und als kostbaren Schatz annehmen, wenn sie sich alle Mühe geben, ihnen von den ersten Kinderjahren an heilige Gottesfrucht, christliche Frömmigkeit, eine innige Verehrung zu Christus im heiligsten Sakramente und zu der Unbefleckten Jungfrau, Achtung und Ehrfurcht von den heiligen Orten und Personen einzuflößen; wenn die Kinder in ihren Eltern das Vorbild eines ehrbaren, arbeitsamen und frommen Lebens sehen; wenn sie sehen, wie sich die Eltern im Herrn lieben, wie sie oft zu den heiligen Sakramenten gehen, wie sie nicht bloß die kirchlichen Abstinenz- und Fastengebote beobachten, sondern auch dem Geist der freiwilligen christlichen Abtötung entsprechen; wenn sie Zeugen sind, wie die Eltern beten und die ganze Familie im Haufe zum Gebet um sich versammeln, weil das gemeinsame Gebet dem Himmel wohlgefälliger ist: wenn sie ihr mitleidiges Herz für das Leid anderer kennen und sehen, wie sie mit den Armen das viele oder Wenige teilen, das sie besitzen: dann kann es kaum vorkommen, daß nicht wenigstens eines dieses Kinder, die sich doch alle bemühen, dem Beispiel der Eltern nachzueifern, in seinem Herzen die Einladung des göttlichen Meisters hört: „Komm, folge mir nach (Matth. 19, 21), und ich werde dich zum Menschenfischer machen!" (Matth. 4, 19.) Glücklich jene Eltern, die eine solche Berufung als eine ganz große Ehre, als einen ganz besondern Liebeserweis des Herrn für ihre Familie anzusehen wissen! Sie haben vielleicht nicht um ein solches Kommen Gottes, um einen solchen göttlichen Ruf an ihre Söhne inbrünstig gebetet, wie es häufiger als heute in Zeiten stärkeren Glaubens geschah; aber sie haben doch wenigstens davor keine Furcht gehabt.
Leider müssen Wir indes gestehen, daß oft, nur zu oft, Eltern, auch solche, die sich rühmen, aufrichtige Christen und Katholiken zu sein, zumal in den höheren und gebildeteren Kreisen der Gesellschaft, sich offenbar mit der Berufung ihrer Kinder zum Priester- oder Ordensstande nicht zufrieden erklären wollen. Ungescheut bekämpften sie mit allen möglichen Mitteln den göttlichen Ruf, auch mit Mitteln, die nicht bloß den Beruf zum Stand einer höheren Vollkommenheit gefährden, sondern selbst das Gewissen und das ewige Heil jener Seelen, die ihnen doch so teuer sein müßten. Sicher bringt dieser bedauerlicher Mißbrauch jenen höheren Gesellschaftskreisen, die heute so spärlich, allgemein gesprochen, in den Reihen des Klerus vertreten sind, keine Ehre ein; ebensowenig wie jener entgegensetze Übelstand vergangener Jahrhunderte, da man die Söhne gegen ihren Willen und ohne jegliche Eignung (vgl. Cod. Iur. Can. can. 971) zum Klerikerstand zwang. Gewiß, die Zerstreuungen des modernen Lebens, die Verführungen, die zumal in den Großständen die jugendlichen Leidenschaften vorzeitig wecken, die Schulen ferner, die vielerorts der Entwicklung von religiösen Berufen so wenig förderlich sind, verursachen und erklären zum großen Teil die bedauerliche Seltenheit solcher Berufe in den wohlhabenden und vornehmen Familien. Aber es läßt sich auch nicht leugnen, daß diese Seltenheit auch eine schmerzliche Abnahme des Glaubensgeistes in diesen Familien zeigt. In der Tat, wenn man die Dinge im Licht des Glaubens betrachten würde, welch höhere Würde könnten dann christliche Eltern ihren Kindern wünschen; welch vornehmeres Amt als jenes, das — wie Wir gesagt haben — der Verehrung der Menschen und Engel würdig ist? Eine lange, schmerzliche Erfahrung lehrt, daß ein verratener Beruf (man halte dieses Wort nicht für zu scharf!) eine Quelle von Tränen nicht nur für den Sohn ist, den Gott rief, sondern auch für die unklugen Eltern; und verhüte Gott, daß solche Tränen zu ewigen Tränen werden.
IV.
Und jetzt wollen Wir an euch, geliebte Söhne, Unser väterliches Wort richten, an euch alle aus dem Welt- und Ordensklerus auf dem weiten katholischen Erdenrund, die ihr Priester des Allerhöchstens seid. Ihr, „Unser Ruhm und Unsere Freude" (1 Thess. 2, 20), tragt mit Großmut „die Last und Hitze des Tages" (Matth. 20, 12). Ihr seid Uns und Unsern Brüdern im Bischofsamt eine so starke Hilfe bei der Erfüllung der Pflicht, die Herde Christi zu weiden. Empfanget dafür Unsern väterlichen Dank und Unsere warme Ermunterung. Und da Wir euern lobenswerten Eifer kennen und schätzen, rufen Wir euch in Unserer Sorge auf, mitzuhelfen in den Nöten der Gegenwart. Je drückender diese werden, um so größer und stärker muß euer Wirken für die Erlösung sein. Denn „ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt" (Matth. 5, 13 14).
Damit aber euer Wirken wirklich von Gott gesegnet werde und reiche Frucht bringe, muß es auf Heiligkeit des Lebenswandels gegründet sein. Diese ist, wie Wir oben erklärt haben, das erste und wichtigste Erfordernis für den katholischen Priester. Ohne sie ist der Wert aller andern guten Eigenschaften gering. Mit ihr können auch weniger begabte Priester Wunderbares leisten. Das zeigen (um nur einige Beispiele anzuführen) der hl. Joseph von Copertino und in neuerer Zeit der schon erwähnte demütige Pfarrer von Ars, der hl. Johannes Maria Vianney, den Wir allen Pfarrern zum Vorbild und himmlischen Patron gegeben haben. Darum „schauet", so rufen Wir euch mit dem Völkerapostel zu, „auf euern Beruf"! (1 Kor. 1, 26.) Diese Erwägung wird euch eine immer größere Wertschätzung jener Gnade geben, die euch mit der heiligen Weihe zuteilt ward, und wird euch anspornen, „würdig des Berufes zu wandeln, zu dem ihr berufen seid" (Eph. 4, 1).
Dazu wird euch in höchstem Maße jenes Mittel helfen, welches Unser Vorgänger, Pius X., seligen Angedenkens, in seiner so frommen und herzlichen Exhortatio ad clerum catholicum (Haerent animo vom 4. Aug. 1908: A.A.S. vol. 41, p.555—577), deren eifrige Lesung Wir euch warm empfehlen, an die erste Stelle setzt unter den wirksamsten Hilfsmitteln zur Bewahrung und Stärkung der Weihegnade (a. a. O. 575), jenes Mittel, das auch Wir schon oft, zumal in Unserem Rundschreiben Mens Nostra (vom 20. Dez. 1929: A.A.S. vol. 21, 1929, p. 689—706), in väterlicher und feierlicher Weise allen Unsern Söhnen, besonders aber Unsern Priestern, angeraten haben: wir meinen die öfteren Geistlichen Übungen. Zum Abschluß Unseres Priesterjubiläums glaubten Wir Unsern Söhnen kein besseres und heilsameres Andenken an jenes glückliche Ereignis geben zu können als die Einladung, die Wir in dem genannten Rundschreiben an sie richteten, doch reichlicher das lebendige Wasser, das zum ewigen Leben emporquillt (Joh. 4, 14), aus diesem stets fließenden Quell zu schöpfen, der da durch Gottes Vorsehung in seiner heiligen Kirche erschlossen wurde. Auch heute glauben Wir euch, geliebte Söhne, die ihr Uns besonders teuer seid, weil ihr mit Uns ganz unmittelbar an der Verwirklichung des Reiches Christi auf Erden mitarbeitet, Unsere väterliche Liebe nicht besser zeigen zu können als durch die eindringliche Mahnung, euch dieses gleichen Mittels zur Heiligung in bester Weise zu bedienen: Zieht euch nach den Grundsätzen und Vorschriften Unseres erwähnten Rundschreibens in die heilige Einsamkeit der Geistlichen Übungen zurück, nicht nur in der Zeit und für die Dauer, die die Kirchengesetze streng vorschreiben (Cod. Iur. Can. can. 126 595 1001 1367), sondern auch öfter und länger, soweit es euch gestattet ist, und widmet ferner monatlich einen Tag inständigerem Gebete und größerer Sammlung (Rundschreiben Mens Nostra: A.A.S. vol. 21, 1929, p. 705), wie es eifrige Priester schon immer getan haben.
In der Einsamkeit und Sammlung wird auch jener Priester „die Gnade Gottes zum Leben erwecken" (2 Tim. 1, 6) können, der in das „Erbe des Herrn" nicht auf dem geraden Wege der wahren Berufung, sondern aus irdischen oder weniger edlen Beweggründen eingetreten ist. Da auch er unlösbar an Gott und die heilige Kirche gebunden ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als dem Rate des hl. Bernhard zu folgen: „Mache gut deine Wege, dein Wollen und dein heiliges Amt! War das vergangene Leben nicht heilig, so soll es wenigstens das zukünftige sein" (Epist. 27, ad Ardut.: P.L. 182, 131). Die Gnade Gottes, vor allem jene, die das Weihesakrament mit sich bringt, wird ihm, wenn er es aufrichtig wünscht, sicher helfen, das zu verbessern, was früher fehlerhaft in seinem persönlichen Verhalten war, und alle Pflichten seines Standes treu zu erfüllen, ganz gleich in welcher Verfassung er in ihn eingetreten ist.
Aus den Tagen der Sammlung und des Gebetes werdet ihr alle dann neu gestärkt gegen die Nachstellungen der Welt heraustreten, voll heiligen Eifers für das Heil der Seelen, ganz entflammt von Gottesliebe. So müssen die Priester mehr denn je in diesen Zeiten sein, wo zwar die Sittenverderbnis und die teuflische Bosheit erschreckend groß sind, wo man aber auch in allen Teilen der Welt ein mächtigeres religiöses Erwachen in den Seelen spürt, ein Wehen des Heiligen Geistes, das durch die Welt geht, um sie zu heiligen und durch seine Schöpferkraft das Angesicht der Erde zu erneuern (Ps. 103, 30). Erfüllt mit diesem Heiligen Geiste, werdet ihr diese große Gottesliebe wie ein heiliges Feuer allen mitteilen, die sich euch nahen. So werdet ihr in Wahrheit zu Christusträgern mitten in einer verderbten Welt, die nur von Jesus Christus Rettung erhoffen kann. Denn er bleibt allein und für immer „wahrhaft der Retter der Welt" (Joh. 4, 42).
Bevor wir schließen, wenden Wir Uns in Gedanken und mit diesem Unserem Wort in besonders herzlicher Liebe an euch, ihr jungen Kleriker, die ihr euch für das Priestertum ausbildet. Aus innerstem Herzen heraus bitten Wir euch, mit allem Eifer euch für die große Sendung zu rüsten, zu der Gott euch ruft. Ihr seid die Hoffnung der Kirche und der Völker. Von euch erwarten sie viel, ja alles, weil sie von euch jene tätige und lebenspendende Erkenntnis Gottes und Jesu Christi erhoffen, in der das ewige Leben besteht (Joh. 17, 3). Strebt danach, in Frömmigkeit und Reinheit, in Demut und Gehorsam, durch Zucht und Studium Priester so ganz nach dem Herzen Gottes zu werden! Seid überzeugt: auch die peinlichste und eifrigste Sorgfalt, mit der ihr an eurer gründlichen Ausbildung arbeitet, ist nicht zu groß! Von ihr hängt ja großenteils euer ganzes späteres apostolisches Wirken ab. Sorgt dafür, daß ihr euch der Kirche am Tage eurer Priesterweihe so vorstellen könnt, wie sie euch wünscht, daß nämlich „himmlische Weisheit, reine Sitten und treue Beobachtung der Gerechtigkeit euch empfehlen". Dann wird „der Wohlgeruch eures Lebens eine Freude für die Kirche Christi sein; dann werdet ihr in Wort und Beispiel das Haus erbauen, das da ist die Familie Gottes" (Pont. Rom., in ordinat. Presbyt.).
So allein könnt ihr die ruhmreiche Vergangenheit des katholischen Priestertum fortführen. Nur so könnt ihr die Ankunft der glückverheißenden Stunde beschleunigen, in der sich die Menschheit der Früchte des Friedens Christi im Reiche Christi erfreuen darf.
Wir schließen jetzt dieses Rundschreiben mit einer Mitteilung an euch, Ehrwürdige Brüder im Bischofsamte, und durch euch an all Unsere geliebten Söhne des Welt- und Ordensklerus. Als feierliches Zeichen Unseres Dankes für jene heilige Mitarbeit, mit der sie unter eurer Führung und nach eurem Beispiel dieses Heilige Jahr der Erlösung so überaus segensreich für die Seelen gestaltet haben, besonders aber zur immerwährenden Erinnerung und Verherrlichung jenes Priestertums, an dem das Unsere, das eurige, Ehrwürdige Brüder, und das aller Priester Christi teilnimmt und das es fortsetzt, hielten Wir es, nachdem Wir den Rat der Heiligen Ritenkongregation eingeholt haben, für angebracht, eine eigene Votivmesse „vom höchsten und ewigen Priestertum Jesu Christi" verfallen zu lassen. Wir haben den Trost und die Freude, mit diesem Rundschreiben zugleich die neue Messe veröffentlichen zu können. Sie kann an den Donnerstagen entsprechend den liturgischen Vorschriften gefeiert werden.
Zum Schluß, Ehrwürdige Brüder, erteilen Wir allen jenen apostolischen und väterlichen Segen, den alle von ihrem gemeinsamen Vater erwarten und ersehnen. Er soll sein ein Segen der Danksagung für alle Wohltaten, die Gottes Güte in diesem außerordentlichen Heiligen Jahre der Erlösung geschenkt hat; ebenso soll er ein glückverheißender Segen für das neue Jahr sein, an dessen Schwelle wir stehen.
Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 20. Dezember 1935, am 56. Jahrestag Unserer Priesterweihe, im 14. Jahre Unseres Pontifikates.
Papst Pius XI.
(Quelle: http://www.clerus.org/clerus/dati/2000-04/15-10/Adcatsac.html)
YouTube.com / CNA TV: The Priesthood and Sacred Scripture
Johannes Paul II:
Jede Berufung ist ein Geschenk Gottes
Ansprache bei der Generalaudienz am 29. September 1993
„Nos vos me elegistis sed ego elegi vos." „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt." Mit diesen Worten möchte ich die Katechese beginnen, die zum großen Katechesezyklus über die Kirche gehört. In diesem umfangreichen Zyklus befindet sich die Katechese über die Priesterberufungen. Die Worte, die Jesus an die Apostel gerichtet hat, sind sinnbildlich gemeint und beziehen sich nicht nur auf die Zwölf, sondern auf alle Generationen von Menschen, die Jesus Christus im Laufe der Jahrhunderte berufen hat. Sie beziehen sich auf manche Menschen persönlich:
Wir sprechen von der priesterlichen Berufung, denken aber zugleich an die Berufungen zum gottgeweihten Leben der Männer und Frauen. Die Berufungen sind eine Hauptaufgabe für die Kirche, für den Glauben, für die Zukunft des Glaubens in dieser Welt: Jede Berufung ist ein Geschenk, nach den Worten Jesu ein Geschenk Gottes. Ich habe euch gewählt. Also ist es eine Wahl, eine Erwählung durch Jesus, die immer den Menschen trifft, aber dieser lebt in einem bestimmten Umfeld der Familie, der Gesellschaft, der Zivilisation und der Kirche. Deshalb ist die Berufung ein Geschenk, aber auch Antwort auf dieses Geschenk. Wie jeder von uns, wie der Berufene, der Erwählte auf diesen göttlichen Ruf zu antworten weiß, hängt von vielen Umständen ab, von einer gewissen inneren Reife des Menschen, von dem, was man Mitarbeit mit der Gnade Gottes nennt.
Mitarbeiten, hören, nachfolgen. Wir wissen gut, wir erinnern uns, daß Jesus zu dem jungen Mann im Evangelium gesagt hat: „Folge mir!" Nachfolgen können, und wenn man Jesus nachfolgt, dann ist die Berufung reif, sie wird konkrete Wirklichkeit. Und das geschieht immer zum Wohl des Menschen und der Gemeinschaft.
Die Gemeinschaft ihrerseits soll auch auf diese Berufungen zu antworten wissen, die aus ihren Bereichen erwachsen. Sie entstehen in der Familie, und die Familie soll es verstehen, die Berufung zu fördern. Es sind die Bereiche des menschlichen Lebens, des Daseins: die Lebensbereiche.
Die Berufung und die Antwort auf die Berufung hängen im höchsten Maß vom Zeugnis der ganzen Gemeinschaft, der Familie, der Pfarrgemeinde ab. Die Menschen sind es, die zum Wachstum der Berufungen beitragen. Die Priester sind es, die durch ihr Beispiel die Jugendlichen anziehen und die Antwort erleichtern auf die Einladung Jesu: „Folge mir!" Diejenigen, die den Ruf angenommen haben, sollen ein Beispiel geben, wie man nachfolgt.
Heute sieht man in der Pfarrgemeinde immer mehr, daß vor allem die Vereinigungen und Bewegungen zum Werk der Berufungen beitragen. Eine der Bewegungen oder vielmehr Vereinigungen, die typisch sind für die Pfarrei, ist die der Ministranten.
Sie dient den zukünftigen Berufungen. So war es in der Vergangenheit. Viele Ministranten sind Priester geworden. Auch heute ist das gut, aber man soll auch andere Wege ausprobieren sozusagen andere Methoden wie mit dem göttlichen Ruf mit der göttlichen Erwählung mitzuwirken ist; wie Jesu Worte: Die Ernte ist groß, aber die Arbeiter sind wenige, auszuführen sind; wie man dazu beiträgt, sie zu vollbringen. Und das ist wahr: Die Ernte ist immer groß, die Arbeiter sind immer wenige, besonders in einigen Ländern.
Aber Jesus sagt: Bittet den Herrn der Ernte darum. Also bleibt für uns alle, ohne Ausnahme, insbesondere das schmerzliche, sorgenvolle Gebet für die Berufungen. Wenn wir uns in das Erlösungswerk Christi und der Kirche einbezogen fühlen, müssen wir für die Berufungen beten. Die Ernte ist groß.
Gelobt sei Jesus Christus!
In deutscher Sprache sagte der Papst:
Liebe Schwestern und Brüder!
Es ist mir eine besondere Freude, Euch, die Ihr aus den Ländern deutscher Sprache so zahlreich am Grab des Apostels Petrus versammelt seid, willkommen heißen zu können.
In der Reihe unserer Katechesen über das Priestertum wollen wir heute über die dazu unerläßliche Berufung nachdenken Sie ist ein Ruf ein Geschenk ein Werk Gottes sie ist eine Tat der Gnade die zum Geheimnis der unverdienten Gaben Gottes gehört mit denen er durch Jesus Christus das Haupt der Kirche die Menschen beschenkt.
Dies kommt auch in den Worten Jesu zum Ausdruck Nicht ihr habt mich erwählt sondern ich habe euch erwählt daß ihr Frucht bringt und eure Frucht bleibt (Joh 15,16).
Dieser Anruf Gottes bedarf jedoch des Mitwirkens vor allem des Berufenen selbst. Nachdem er die vom Bischof bestätigte Berufung zur Christusnachfolge angenommen hat, soll er ihr durch Verfügbarkeit, Gehorsam, Hingabe seiner selbst und durch die erforderliche Vorbereitung entsprechen.
Um dies verwirklichen zu können, bedarf es dazu des Zusammenwirkens der Gemeinschaft der Gläubigen, wie das jüngste Konzil lehrt: „Berufe zu fördern ist Aufgabe der gesamten christlichen Gemeinde sie erfüllt sie vor allem durch ein wirklich christliches Leben" (Optatam totius, Nr. 2). Den wichtigsten Beitrag dazu leisten einmal die Familien, die gleichsam zum ersten Seminar werden; zum anderen die Pfarrgemeinden, an deren Leben die Jugendlichen selbst teilnehmen. Auch die Lehrer und die katholischen Verbände sollen die ihnen anvertrauten jungen Menschen so zu erziehen suchen, daß sie den göttlichen Ruf wahrnehmen und ihm bereitwillig folgen Schließlich sollen die Priester selbst ihren apostolischen Eifer vor allem in der Förderung der geistlichen Berufe zeigen.
Aufgabe der Bischöfe ist es, die Angehörigen ihrer Diözese in der Förderung von Berufungen anzuspornen, für den Zusammenschluß aller Kräfte und Berufungen zu sorgen und diejenigen, „die nach ihrem Urteil zum Anteil des Herrn berufen sind, väterlich zu unterstützen ohne dabei irgendein Opfer zu scheuen (Optatam totius Nr. 2).
Indem ich Euch, liebe Schwestern und Brüder, herzlich bitte, für Priesterberufe ohne Unterlaß zu beten (Mt 9,38) und den jungen Menschen mit Wort und Tat beizustehen, grüße ich Euch alle sehr herzlich. Mein besonderer Willkommensgruß gilt der Pilgergruppe aus Augsburg anläßlich des tausendjährigen Jubiläums der Heiligsprechung des Bischofs Ulrich, der Pilgergruppe aus Osnabrück mit Herrn Bischof Ludwig Averkamp, den Teilnehmern an der jährlichen Pilgerfahrt „Rom im Rollstuhl aus der Schweiz einer ökumenischen Pilgergruppe aus Salzgitter sowie den Seminaristen der Diözese Fulda.
Euch, Euren lieben Angehörigen und Freunden in der Heimat sowie allen, die uns in diesem Augenblick verbunden sind, erteile ich von Herzen meinen Apostolischen Segen.
(Quelle: http://www.clerus.org/clerus/dati/1999-11/20-5/290993.rtf.html)
Die Priester sollen immer und überall Menschen des Friedens sein
Ansprache bei der Generalaudienz am 22 September 1993
1. Die priesterliche Gemeinschaft über die wir mehrmals in den vorhergehenden Katechesen gesprochen haben ist nicht zu trennen von der kirchlichen Gemeinschaft sondern gehört zu ihrem innersten Wesen Sie ist ihr Wesenskern und steht ständig in Verbindung mit allen anderen Gliedern des Leibes Christi Dieser lebendigen Gemeinschaft dienen die Priester in ihrer Eigenschaft als Hirten kraft des Weihesakraments und der Sendung mit der die Kirche sie betraut hat.
Beim II. Vatikanischen Konzil hat die Kirche versucht, in den Priestern dieses Bewußtsein der Zugehörigkeit und der Teilhabe neu zu beleben, damit jeder von ihnen daran denkt, daß er zwar ein Hirt, aber weiterhin auch ein Christ ist, der allen Anforderungen seiner Taufe entsprechen und als Bruder unter allen anderen Getauften leben soll, im Dienst „ein und desselben Leibes Christi, dessen Auferbauung allen anvertraut ist" (Presbyterorum ordinis, Nr. 9). Es ist wichtig, daß das Konzil gemäß der Ekklesiologie des Leibes Christi den brüderlichen Charakter der Beziehungen des Priesters zu den anderen Gläubigen unterstreicht, so wie es bereits den brüderlichen Charakter der Beziehungen des Bischofs zu den Priestern bekräftigt hat. In der christlichen Gemeinschaft sind die Beziehungen grundlegend brüderlich, wie Jesus in „seinem" Auftrag gefordert hat, den der Apostel Johannes im Evangelium und in den Briefen so beharrlich unterstreicht (vgl. Joh 13, 14: 15,12. 17; 1 Joh 4, 11. 21) Jesus selbst sagt zu seinen Jüngern: „Ihr alle .... seid Bruder" (Mt 23,8).
2. Nach der Lehre Jesu heißt der Gemeinschaft vorstehen nicht, über sie zu herrschen, sondern ihr zu dienen. Er selbst hat uns das Beispiel des Hirten gegeben, der seine Herde weidet und ihr dient, und er hat verkündet, daß er nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (vgl. Mk 10,45; Mt 20,28). Wenn er Jesus, den guten Hirten und einzigen Herrn und Meister (vgl.; Mt 23,8), betrachtet, versteht der Priester, daß er weder die eigene Ehre noch das eigene Interesse suchen kann, sondern nur das, was Jesus Christus gewollt hat, so daß er sich in den Dienst seines Reiches in der Welt stellt. Deshalb weiß er - und das Konzil erinnert ihn daran daß er sich als Diener aller, mit ehrlicher und hochherziger Selbsthingabe verhalten soll, indem er alle mit dem Dienst verbundenen Opfer auf sich nimmt und immer daran denkt, daß Jesus Christus, der einzige Herr und Meister, gekommen ist, um zu dienen, und es getan hat, um „sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele" (Mt 20,28).
3. Das Problem der Beziehungen der Priester zu den anderen Gläubigen in der christlichen Gemeinschaft ist von besonderer Bedeutung in bezug auf die sogenannte Laienschaft die als solche außerordentliches Gewicht in unserer Zeit besitzt durch das neue Bewußtsein von der entscheidenden Rolle die die Laienchristen in der Kirche spielen.
Bekanntlich haben die geschichtlichen Umstände die kulturelle und organisatorische Wiedergeburt der Laienschaft besonders im 19 Jahrhundert begünstigt und in der Kirche hat sich zwischen den zwei Weltkriegen eine Theologie der Laienschaft entwickelt, die zum besonderen Konzilsdekret Apostolicam actuositatem und noch weiter zur gemeinschaftlichen Sicht der Kirche geführt hat, die in der dogmatischen Konstitution Lumen Gentium dargelegt ist, und zu der Rolle, die dort der Laienschaft zuerkannt wird.
Was die Beziehungen der Priester zu den Laien betrifft, so betrachtet sie das Konzil in bezug auf eine lebendige, aktive und organische Gemeinschaft, die zu bilden und zu leiten der Priester berufen ist. Zu diesem Zweck empfiehlt das Konzil den Priestern die Wurde der Laien wirklich zu fordern die Wurde der Menschen die durch die Taufe zur Gotteskindschaft erhoben und mit den Gnadengaben bekleidet werden. Für jeden von ihnen bringt die göttliche Gnade eine eigene Aufgabe in der kirchlichen Heilssendung mit sich, auch in den Bereichen wie Familie, Gesellschaft, Beruf, Kultur usw., wo die Priester gewöhnlich nicht die besonderen Aufgaben der Laien erfüllen können (vgl. Presbyterorum ordinis, Nr. 9). Das Bewußtsein dieser Besonderheit soll sowohl von den Laien als auch von den Priestern immer mehr entwickelt werden aufgrund eines verstärkten Sinnes der kirchlichen Zugehörigkeit und Teilhabe.
4. Dem Konzil entsprechend sollen die Priester die rechte Freiheit der Laien achten die als Kinder Gottes vom Heiligen Geist beseelt sind In dieser Atmosphäre der Achtung der Würde und Freiheit ist die Mahnung des Konzils an die Priester zu verstehen: „Sie sollen gern auf die Laien hören, ihre Wünsche brüderlich erwägen und ihre Erfahrung und Zuständigkeit in den verschiedenen Bereichen des menschlichen Wirkens anerkennen, damit sie gemeinsam mit ihnen die Zeichen der Zeit verstehen können." Die Priester werden versuchen, mit Hilfe des Herrn die Charismen der Laien, „schlichte wie bedeutendere, mit Glaubenssinn aufspüren, freudig anerkennen und mit Sorgfalt hegen" (ebd.).
Es ist wichtig und interessant, daß das Konzil feststellt: „Unter den Gaben Gottes, die sich reichlich bei den Gläubigen finden, verdienen die eine besondere Pflege, die nicht wenige zu einem intensiveren geistlichen Leben anspornen" (ebd.). Gott sei Dank, wissen wir, daß sich viele Gläubige - auch in der Kirche von heute und oft sogar über ihre sichtbaren Vereinigungen hinaus - dem Gebet, der Meditation, der Buße widmen oder widmen wollen (zumindest der täglichen Arbeit die fleißig und geduldig verrichtet wird, und dem schwierigen Zusammenleben) mit oder ohne unmittelbare Verpflichtung zum aktiven Apostolat. Sie fühlen häufig das Bedürfnis nach einem priesterlichen Berater oder sogar geistlichen Führer, der sie empfängt, anhört und in christlicher Freundschaft bescheiden und liebevoll behandelt. Man konnte sagen daß die moralische und soziale Krise unserer Zeit mit den Problemen die sich sowohl für den Einzelnen als auch für die Familien stellen dieses Bedürfnis nach priesterlicher Hilfe im geistlichen Leben starker spuren laßt Eine neue Einsicht und neue Hingabe an den Beichtdienst und die geistliche Führung ist den Priestern lebhaft zu empfehlen auch in bezug auf die neuen Forderungen der Laien die eifriger danach streben den Weg der vom Evangelium vorgezeichneten christlichen Vollkommenheit zu gehen.
5. Das Konzil empfiehlt den Priestern die Mitarbeit der Laien im Apostolat und in der Seelsorge innerhalb der Christengemeinde anzuerkennen zu fordern und zu nähren und nicht zu zögern ihnen Ämter zum Dienst in der Kirche anzuvertrauen ihnen Freiheit und Raum zum Handeln zu lassen (ebd.) Wir befinden uns folgerichtig im Bereich der Achtung der Wurde und der Freiheit der Kinder Gottes aber auch des Dienstes im Sinn des Evangeliums Dienst in der Kirche sagt das Konzil Es ist gut zu wiederholen daß das alles ein lebendiges Gefühl der Zugehörigke