Katholisch Leben!

The Jesus Brothers

Was, wenn Jesus wirklich meinte, was Er sagte?
Grundsätze organisierter christlicher Nächstenliebe
www.the-jason-foundation.org

Vorwort

Wir kennen sie alle – die Projekte, die für gewöhnlich in gemeinnützigen und mildtätigen Organisationen oder Kirchen von Zeit zu Zeit ins Leben gerufen werden. Projekte, wo über die Zukunft der eigenen Organisation nachgedacht werden soll, neue Wege ins Auge gefasst werden. Auch ich habe derartiges oft erlebt. Seit Anfang 1993 arbeite ich im Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. und zuvor war ich unter anderem zwei Jahre in einer Pfarrei tätig. Zusätzlich in verschiedenen nationalen und internationalen Organisationen dieser Art.
Kürzlich stolperte ich wieder über ein solches Projekt in unserem Intranet. Dieses Mal wollte ich es aber nicht mehr allein externen Firmen oder extra hierfür beauftragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern überlassen, sich hierzu Gedanken zu machen. Ich beschloss, meinen Teil zu unserer gemeinsamen Zukunft beizutragen.
Vieles davon mag für die meisten ungewöhnlich, neu – oder schlichtweg verrückt – klingen. Ich kann mir denken, dass es Jesus damals ähnlich ging (nein, ich will mich nicht mit Ihm vergleichen, sondern eher an Seinem Beispiel lernen und wachsen).
Auch Er hatte für die damalige – und heutige! – Zeit ungewöhnliche bis „verrückte“ Ideen. Er holte sich für deren Umsetzung nicht die besten Rabbis, Geschäftsleute, Politiker und Gelehrten Seiner Zeit, sondern einfache Menschen.
Als solchen sehe ich mich auch: Ein einfacher Mensch in der Nachfolge Jesu Christi.

München, 26.12.2014
Robert Gollwitzer

 www.katholisch-leben.org

„Meine Brüder, was nützt es, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen - was nützt das? So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat.“
(Jakobus 2,14-17 Einheitsübersetzung)

Was bedeutet „Caritas“ oder „Diakonie“ für die Organisation als Ganze und für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

„Die Liebe zu Gott wird an der Liebe zum Nächsten gemessen.“ Therese von Lisieux
„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ (Matthäus 7,16 Einheitsübersetzung)

Seit Jahrzehnten, ja seit meiner Kindheit an ist sie mir bekannt: „die Caritas“. Als ob das eine von mir/uns getrennte Organisation wäre. Eine Behörde sozusagen, zu der man geht, wenn man nichts hat.
Eine Einstellung, die sich offenbar nicht nur in mir, sondern in der Kirche als ganzer breit gemacht und in manchen Gemeinden zu unseligen Entwicklung geführt hat: Einer der Säulen, auf die jede Gemeinde (und jeder Christ!) steht, ist die „diakonia“ – also die Liebe am Nächsten, die sich in Werken der Liebe und Barmherzigkeit zeigt. Hierfür aber gab es ja „die Caritas“, also eine Art „kirchlicher Behörde“, zu der man die Bedürftigen hinschickte. Man selbst warf Geld in den sonntäglichen Klingelbeutel und zahlte Kirchensteuer.
Das Problem hierbei: Ich kann nicht jemand anderes dafür bezahlen, dass er meinen Nächsten liebt. Der christliche Glaube ist kein abstraktes, theologisches Gebilde, das ich für wahr halte und bei dem ich eine eingeschriebene Karteileiche bin. Er stellt hohe Anforderungen an mich und an die Kirche als Leib Christi als solche. Eine davon ist, dass unser Glaube sich in Werken zeigen muss, ansonsten ist er wertlos. Christlicher Glaube ist mehr als nur Wellness mit einem christlichen Touch. Hier geht es nicht darum, dass ich mich „wohl“ fühle, dass ich „glücklich“ bin (beides sehr subjektive und unbestimmte Begriffe), sondern er beinhaltet zwei große Gebote:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“(Matthäus 22,37-39 Einheitsübersetzung)
„Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Matthäus 28,19-20 Einheitsübersetzung)

Gemeinden haben eben diese Nächstenliebe nur allzu oft und bereitwillig an „die Caritas“ delegiert und sich auf die Feier der Gottesdienste und einige gemeindliche Aktivitäten beschränkt. Möglicherweise hätte hier die Caritas hier rechtzeitig in geschwisterlicher Liebe einschreiten und das Ganze in geordnete Bahnen bringen sollen.


Wie auch immer. Wir können die Vergangenheit nicht mehr ändern, wohl aber die Zukunft.
Die Caritas (oder alternativ die Diakonie oder andere Wohlfahrtsorganisationen) sind der professionelle Teil eines Auftrages, der für alle Christinnen und Christen gilt: Für Menschen, die arm, alleine, verzweifelt, krank oder in irgendeiner anderen Form bedürftig sind, Jesus Christus zu sein. Er selbst soll in dem, was wir anderen tun, gegenwärtig werden.


Wohlfahrtsorganisationen und örtliche Gemeinden

Wie also kann das Zusammenspiel von Ortsgemeinden und caritativen Organisationen aussehen?

Hier einige Vorschläge:

• Gemeinden finden eigene Formen caritativen Handelns: Etwa regelmäßige gemeinsame „Potlucks“ (Essen, bei denen jeder, der kann, etwas mitbringt und dann gemeinsam nach dem Gottesdienst gegessen wird. Obdachlose, Arme, Einsame etc. sind dabei herzlich willkommen. Die Vorbereitung und Durchführung wird von allen zusammen gemacht). Auch gibt es innerhalb der Gemeinden und im geografischen Einzugsbereich bestimmt viele Menschen, die etwas tätige Nächstenliebe brauchen könnten, für die es nicht gleich einer großen Organisation bedarf. Hier können wir uns ein Beispiel an unseren freikirchlichen Geschwistern nehmen: Warum nicht regelmäßig zu Beginn eines Gottesdienstes Angelegenheiten teilen, die unseren Geschwistern am Herzen liegen? Also etwa: „Anne konnte heute nicht kommen, da sie eine schlimme Erkältung hat. Sie wäre froh, wenn jemand vorbei kommt und sich um die Kinder kümmert.“ „Hans und Inge sind auf Reisen. Lasst uns für eine sichere Heimkehr beten.“ „Nebenan ist eine Familie aus dem Iran eingezogen. Sie können bestimmt noch Sachen für ihren Haushalt gebrauchen und würden sich vielleicht über einen netten Willkommensgruß freuen!“ Wäre das nicht gelebte Nächstenliebe?
• Die Zusammenarbeit von Ortsgemeinden, örtlichen Organisationen und Privatmenschen und den großen Wohlfahrtsorganisationen sollte weitaus enger sein als dies momentan der Fall ist. Dies umfasst Informationen über Hilfsangebote (nicht nur kurze Flyer, sondern unter Zuhilfenahme von Medien und unter praktischer Anleitung und Veranschaulichung). Wir können nicht nur warten, dass die Menschen zu uns kommen, sondern müssen aktiv auf sie zugehen und ihnen zeigen, wie sie selbst helfen können.
• Die großen Wohlfahrtsorganisationen wiederum täten gut daran, sich das Beispiel der kleinsten Einheiten vor Ort (bis hin zu Einzelpersonen) zu Herzen zu nehmen und sich selbst nur als ein Bestandteil eines größeren Ganzen zu sehen. Manchmal scheinen wir im Verwaltungsalltag vergessen zu haben, um was es hier geht: um Menschen.
Definition des Begriffes der Nächstenliebe - II

„Agape
Agape (griechisch) bzw. Caritas (lateinisch) nennt man die höchste Stufe der Liebe. Was Liebe in ihrer Vollendung ist, beschreibt Paulus in 1 Kor 13; mit diesem griechischen Begriff wurde in der Urkirche auch ein rituelles "Liebesmahl" der Gemeinde bezeichnet. 
Agape ist die schenkende Liebe, die nicht wartet, ob sie etwas zurückbekommt, eine Bewegung der Liebe, die dorthin zielt wo noch nichts ist, eine Kraft, die zum Leben liebt. Es geht nicht um tolle Gefühle, sondern um eine Grundhaltung des Lebens, die will, dass alle leben und blühen können. 
Alle drei Aspekte der Liebe – Eros, Philia und Agape, gehören zusammen – in der Agape kommt die Liebe zur Vollendung. Ohne Agape bleiben alle anderen Formen der Liebe verkleidete Formen von Egoismus. Anfangs sind die Motive der Liebe noch sehr gemischt, aber es ist doch ein Funke schon da, der zur Fülle geführt, ja hingeläutert werden kann. Wenn jemand dem inneren Gesetz der Liebe folgt, ist Gott gegenwärtig, ob derjenige Gott erkannt hat oder nicht. (Vgl. Matthäus 25). 
Agape ist eine hervorbringende Liebe, die das liebenswert macht, was jetzt noch nicht liebenswert ist. Eine Liebe, die den Anfang macht. Nur weil wir selber Beschenkte sind in der Hl. Eucharistie, können wir schenken. Jede Tat der Liebe und Hingabe wiederum wandelt uns selbst mehr und mehr zu Menschen der Liebe. 
Liebe ist ein Charakterzug und meint das „ungeteilte Herz“. Wenn man ein liebender Mensch ist, kann man nicht sagen, den einen liebe ich und den anderen nicht. Wer seine Liebe noch „teilt“, liebt noch nicht wirklich vollkommen, denn da ist noch viel Egoismus dabei (Gruppenegoismus, Sippenegoismus, Nationalegoismus…) 
Die erste Erfahrung der Liebe im Leben eines Menschen ist die Elternliebe – eine ungeschuldete Liebe; sie sollte eine Grunderfahrung der Liebe sein. Nach dem Katechismus der Katholischen Kirche ist den Eltern andererseits, wie auch allen weiteren älteren Verwandeten, Liebe geschuldet ("Es verlangt, den älteren Verwandten und den Vorfahren Ehre, Liebe und Dank zu erweisen."). 
Zitat
"Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean an Wissen und Verstand" – Blaise Pascal 
Quelle
Auszug aus dem Vortrag zum Thema "Deus Caritas est" von Pater Dr.Clemens Pilar COp., auf CD erhältlich bei der Jüngergemeinschaft“
(http://www.kathpedia.com/index.php?title=Caritas)


“Liebe bevormundet nicht und Mildtätigkeit hat nichts mit Mitleid zu tun, sondern mit Liebe. Mildtätigkeit und Liebe sind dasselbe – mit Mildtätigkeit gibt man Liebe. Gebt also nicht nur einfach Geld, sondern reicht den Menschen eure Hand.” Mother Teresa


Wir sind nicht wie irgendeine weltliche gemeinnützige Organisation. Wir haben eine andere Spiritualität, andere Werte und ein anderes Ziel. Einfach nur „Gutes zu tun“ macht einen zwar in gewisser Weise zu einem guten Menschen, nicht aber zu einem Christen. „Gut“ ist außerdem ein sehr subjektiver Begriff. Wenn wir wie die Welt sind, welche Existenzberechtigung hätten wir dann noch?

„Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir, alle Geschöpfe streben nach Glück wie wir. Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir, also sind sie uns gleich gestellte Werke des allmächtigen Schöpfers - unsere Brüder.“ Franziskus von Assisi
Liebe als Wesen Gottes
Gott "hat" nicht die Liebe, Er ist die Liebe – die Basis dafür ist die Eigenschaft Gottes, in Sich selbst dreifaltig zu sein, denn nur dadurch kann Er in Sich selbst Liebe sein. Der Vater ist die Hingabe die den Anfang macht, der Sohn ist die Liebe die antwortet, der Hl. Geist ist die Liebesfülle des Vaters und des Sohnes die überfließt. Jede Form der menschlichen Liebe ist schon eine (zumindest natürliche) Antwort auf die Liebe Gottes. 
Vater, Sohn und Heiliger Geist ist Liebe auf "Augenhöhe", auf gleicher Ebene. Ähnlich möchte Gott auch uns führen: Er lädt uns ein, Ihn in dieser Weise zu lieben – das ist nur möglich durch das Überfließen des Heiligen Geistes auf uns, der uns übernatürlich auf die Ebene der (geschaffenen) Sohneswürde anhebt. Die natürlichweise unterscheiden wir drei Formen der Liebe: Eros, Philia und Agape bzw. Caritas 
Gottesliebe - Nächstenliebe - Selbstliebe
Nicht immer in der Geschichte unseres Glaubens wurde auf eine rechte Ausgewogenheit der drei Ausrichtungen der Liebe Wert gelegt, obwohl es sich hier um das Hauptgebot handelt. 
Luk. 10:27 Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst. 
Die Liebe Gottes (Caritas), die uns bedingungslos und unverdient geschenkt ist, macht uns nicht nur fähig Ihn zu lieben sondern auch, uns selbst anzunehmen; und da Gott uns liebt, dürfen wir uns selbst auch in gebührender Weise lieben. Selbst-Liebe darf man jedoch nicht mit Selbst-Sucht, Egoismus, verwechseln. Eine erste Grunderfahrung der Liebe stellt die Liebe der Eltern dar. Sie ist in hohem Maße Basis für eine gesunde menschliche Entwicklung. Selbst die Wissenschaft hat erkannt, dass Kinder, denen die elterliche Liebe komplett vorenthalten wurde (Heimkinder in kommunistischen Ländern) nicht lebensfähig sind. 
Was man selbst nicht mag, mag man auch nicht verschenken: Erst wenn man sich selbst auch in der eigenen Fehlerhaftigkeit angenommen hat, ist man fähig, sich zu verschenken in der Liebe zu einem "Du", und weiter dann in der sich schenkenden Liebe zum Nächsten, die nicht mehr auf eine Gegenleistung wartet, die Caritas ist. Dazu wiederum müssen wir immer offener werden für die Liebe Gottes, die dann in uns und durch uns wirkt. Gott wird dann weiters jede Liebestat, die wir dem Nächsten tun, annehmen, als sei sie für Ihn getan worden. Im Tun der Nächstenliebe werden wir auch selbst wiederum mit der Liebe Gottes beschenkt, die unser Leben immer reicher macht. 
Im Volksmund gängig ist auch der Begriff der "Helfenden Liebe", den sich die Kaiserswerther Schwestern zum Wahlspruch machten. Für Benedikt XVI. wird die hingebende Liebe als Agape bezeichnet; die Liebe dessen, der ausschließlich das "Wohl des anderen" sucht. 
(http://www.kathpedia.com/index.php?title=Liebe)

„Was, wenn Jesus wirklich meinte, was Er sagte?“
"Was, wenn wir wirklich das leben würden, was Er uns gesagt hat?"
Shane Claiborne (http://www.thesimpleway.org/)

Werke der Barmherzigkeit
Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit sind:
1) Hungrige speisen
2) Durstige tränken
3) Nackte bekleiden
4) Fremde beherbergen
5) Gefangene erlösen
6) Kranke besuchen
7) Tote begraben

„Was ihr einem der geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.” (Mt 25,40)

Die geistigen Werke der Barmherzigkeit sind:
1) Sünder zurechtweisen
2) Unwissende lehren
3) Zweifelnden recht raten
4) Betrübte trösten
5) Lästige geduldig ertragen
6) denen, die uns beleidigen, gern verzeihen
7) für Lebende und Tote beten
Gaben und Früchte des Heiligen Geistes
Die sieben Gaben des Heiligen Geistes:
• Verstand
• Weisheit
• Rat
• Stärke
• Wissenschaft
• Frömmigkeit
• Gottesfurcht

Die zwölf Früchte des Heiligen Geistes:
• Liebe
• Freude
• Friede
• Geduld
• Freundlichkeit
• Güte
• Langmut
• Sanftmut
• Treue
• Bescheidenheit
• Enthaltsamkeit
• Keuschheit

Christliche Nächstenliebe – und damit alle Dienste und Leistungen, die christliche Organisationen anbieten – darf nie an irgendwelche Bedingungen wie Religionszugehörigkeit oder Überzeugungen, Herkunft oder Geschlecht gebunden sein. Das betrifft nicht nur die Leistungen, die „kostenlos“ erbracht werden, sondern auch Leistungen im Rahmen der Vermögensverwaltung (es widerspricht etwa der christlichen Grundeinstellung, eigene Wohnungen nur an Christen zu vermieten bzw. ein Zeugnis des Ortspfarrers über die „Christlichkeit“ des Bewerbers zu verlangen). Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hingegen sollten auf jeden Fall Christinnen und Christen sein – und dies nicht nur als Karteileichen, sondern sie sollten ihren Glauben auch leben, damit die Organisation als ganze glaub-würdig bleibt.
Wenn sich christliche Nächstenliebe jedoch darauf beschränkt, zu einem säkularen Wohlfahrtskonzern mit christlichen Touch zu werden, hat sie ihre Daseinsberechtigung verwirkt. Jesus hat Menschen nicht geheilt, um Gutes zu tun, sondern um ihren Glauben zu stärken bzw. überhaupt erst zu wecken. Es ist nicht genug, in den Verwaltungszentralen dieser christlichen Organisationen ab und zu einen Gottesdienst abzuhalten. Der Missionsauftrag Jesu Christi gilt für uns alle.Wir alle sind gerufen, von der Liebe und Hoffnung zu künden, die uns erfüllt. Die christliche Botschaft sollte deshalb nicht nur mit Taten verkündet werdeen, sondern auch mit Worten. Gnade und Wahrheit müssen sich die Waage halten. Wenn die Gnade überwiegt, sind wir bestenfalls „gute Menschen“ (nach welchem Standard auch immer), schlimmstenfalls geneigt zum Aberglauben. Überwiegt die Wahrheit, haben wir den Menschen zwar die Frohe Botschaft gebracht, sie aber immer noch hungrig, nackt und alleine gelassen – was uns zu legalistischen Pharisäern machen würde.

ENZYKLIKA DEUS CARITAS EST VON PAPST BENEDIKT XVI.
AN DIE BISCHÖFE
AN DIE PRIESTER UND DIAKONE
AN DIE GOTTGEWEIHTEN PERSONEN
UND AN ALLE CHRISTGLÄUBIGEN
ÜBER DIE CHRISTLICHE LIEBE

EINFÜHRUNG
1. ,,Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm’’ (1 Joh 4, 16). In diesen Worten aus dem Ersten Johannesbrief ist die Mitte des christlichen Glaubens, das christliche Gottesbild und auch das daraus folgende Bild des Menschen und seines Weges in einzigartiger Klarheit ausgesprochen. Außerdem gibt uns Johannes in demselben Vers auch sozusagen eine Formel der christlichen Existenz: ,,Wir haben die Liebe erkannt, die Gott zu uns hat, und ihr geglaubt’’ (vgl. 4, 16).
Wir haben der Liebe geglaubt: So kann der Christ den Grundentscheid seines Lebens ausdrücken. Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluß oder eine große Idee, sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt. In seinem Evangelium hatte Johannes dieses Ereignis mit den folgenden Worten ausgedrückt: ,,So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt ... das ewige Leben hat’’ (3, 16). Mit der Zentralität der Liebe hat der christliche Glaube aufgenommen, was innere Mitte von Israels Glauben war, und dieser Mitte zugleich eine neue Tiefe und Weite gegeben. Denn der gläubige Israelit betet jeden Tag die Worte aus dem Buch Deuteronomium, in denen er das Zentrum seiner Existenz zusammengefaßt weiß: ,,Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft’’ (6, 4-5). Jesus hat dieses Gebot der Gottesliebe mit demjenigen der Nächstenliebe aus dem Buch Levitikus: ,,Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst’’ (19, 18) zu einem einzigen Auftrag zusammengeschlossen (vgl. Mk 12, 29-31). Die Liebe ist nun dadurch, daß Gott uns zuerst geliebt hat (vgl. 1 Joh 4, 10), nicht mehr nur ein ,,Gebot’’, sondern Antwort auf das Geschenk des Geliebtseins, mit dem Gott uns entgegengeht.


In einer Welt, in der mit dem Namen Gottes bisweilen die Rache oder gar die Pflicht zu Haß und Gewalt verbunden wird, ist dies eine Botschaft von hoher Aktualität und von ganz praktischer Bedeutung. Deswegen möchte ich in meiner ersten Enzyklika von der Liebe sprechen, mit der Gott uns beschenkt und die von uns weitergegeben werden soll. Damit sind bereits die beiden großen, eng miteinander verbundenen Teile dieses Schreibens vorgezeichnet. Der erste wird einen mehr spekulativen Charakter haben, da ich beabsichtige, darin — zu Beginn meines Pontifikats — einige wesentliche Punkte über die Liebe, die Gott dem Menschen in geheimnisvoller Weise und völlig vorleistungsfrei anbietet, zu klären und zugleich die innere Verbindung zwischen dieser Liebe Gottes und der Realität der menschlichen Liebe aufzuzeigen. Der zweite Teil wird konkreterer Natur sein, denn er soll die kirchliche praktische Umsetzung des Gebotes der Nächstenliebe behandeln. Das Thema erweist sich somit als sehr weitläufig; eine erschöpfende Behandlung übersteigt jedoch den Zweck dieser Enzyklika. Mein Wunsch ist es, auf einige grundlegende Elemente nachdrücklich einzugehen, um so in der Welt eine neue Lebendigkeit wachzurufen in der praktischen Antwort der Menschen auf die göttliche Liebe.

ERSTER TEIL
DIE EINHEIT DER LIEBE
IN SCHÖPFUNG
UND HEILSGESCHICHTE
Ein sprachliches Problem
2. Die Liebe Gottes zu uns ist eine Grundfrage des Lebens und wirft entscheidende Fragen danach auf, wer Gott ist und wer wir selber sind. Zunächst aber steht uns diesbezüglich ein sprachliches Problem im Weg. Das Wort ,,Liebe’’ ist heute zu einem der meist gebrauchten und auch mißbrauchten Wörter geworden, mit dem wir völlig verschiedene Bedeutungen verbinden. Auch wenn das Thema dieses Rundschreibens sich auf die Frage nach dem Verständnis und der Praxis der Liebe gemäß der Heiligen Schrift und der Überlieferung der Kirche konzentriert, können wir doch nicht einfach von dem absehen, was dieses Wort in den verschiedenen Kulturen und im gegenwärtigen Sprachgebrauch aussagt.
Erinnern wir uns zunächst an die Bedeutungsvielfalt des Wortes ,,Liebe’’: Wir sprechen von Vaterlandsliebe, von Liebe zum Beruf, von Liebe unter Freunden, von der Liebe zur Arbeit, von der Liebe zwischen den Eltern und ihren Kindern, zwischen Geschwistern und Verwandten, von der Liebe zum Nächsten und von der Liebe zu Gott. In dieser ganzen Bedeutungsvielfalt erscheint aber doch die Liebe zwischen Mann und Frau, in der Leib und Seele untrennbar zusammenspielen und dem Menschen eine Verheißung des Glücks aufgeht, die unwiderstehlich scheint, als der Urtypus von Liebe schlechthin, neben dem auf den ersten Blick alle anderen Arten von Liebe verblassen. Da steht die Frage auf: Gehören alle diese Formen von Liebe doch letztlich in irgendeiner Weise zusammen, und ist Liebe doch — in aller Verschiedenheit ihrer Erscheinungen — eigentlich eins, oder aber gebrauchen wir nur ein und dasselbe Wort für ganz verschiedene Wirklichkeiten? (…)
Jesus Christus — die fleischgewordene Liebe Gottes
12. Haben wir bisher überwiegend vom Alten Testament gesprochen, so ist doch immer schon die innere Durchdringung der beiden Testamente als der einen Schrift des christlichen Glaubens sichtbar geworden. Das eigentlich Neue des Neuen Testaments sind nicht neue Ideen, sondern die Gestalt Christi selber, der den Gedanken Fleisch und Blut, einen unerhörten Realismus gibt. Schon im Alten Testament besteht das biblisch Neue nicht einfach in Gedanken, sondern in dem unerwarteten und in gewisser Hinsicht unerhörten Handeln Gottes. Dieses Handeln Gottes nimmt seine dramatische Form nun darin an, daß Gott in Jesus Christus selbst dem ,,verlorenen Schaf’’, der leidenden und verlorenen Menschheit, nachgeht. Wenn Jesus in seinen Gleichnissen von dem Hirten spricht, der dem verlorenen Schaf nachgeht, von der Frau, die die Drachme sucht, von dem Vater, der auf den verlorenen Sohn zugeht und ihn umarmt, dann sind dies alles nicht nur Worte, sondern Auslegungen seines eigenen Seins und Tuns. In seinem Tod am Kreuz vollzieht sich jene Wende Gottes gegen sich selbst, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten — Liebe in ihrer radikalsten Form. Der Blick auf die durchbohrte Seite Jesu, von dem Johannes spricht (vgl. 19, 37), begreift, was Ausgangspunkt dieses Schreibens war: ,,Gott ist Liebe’’ (1 Joh 4, 8). Dort kann diese Wahrheit angeschaut werden.
Und von dort her ist nun zu definieren, was Liebe ist. Von diesem Blick her findet der Christ den Weg seines Lebens und Liebens.
13. Diesem Akt der Hingabe hat Jesus bleibende Gegenwart verliehen durch die Einsetzung der Eucharistie während des Letzten Abendmahles. Er antizipiert seinen Tod und seine Auferstehung, indem er schon in jener Stunde den Jüngern in Brot und Wein sich selbst gibt, seinen Leib und sein Blut als das neue Manna (vgl. Joh 6, 31-33). Wenn die antike Welt davon geträumt hatte, daß letztlich die eigentliche Nahrung des Menschen — das, wovon er als Mensch lebt — der Logos, die ewige Vernunft sei: Nun ist dieser Logos wirklich Speise für uns geworden — als Liebe. Die Eucharistie zieht uns in den Hingabeakt Jesu hinein. Wir empfangen nicht nur statisch den inkarnierten Logos, sondern werden in die Dynamik seiner Hingabe hineingenommen. Das Bild von der Ehe zwischen Gott und Israel wird in einer zuvor nicht auszudenkenden Weise Wirklichkeit: Aus dem Gegenüber zu Gott wird durch die Gemeinschaft mit der Hingabe Jesu Gemeinschaft mit seinem Leib und Blut, wird Vereinigung: Die ,,Mystik’’ des Sakraments, die auf dem Abstieg Gottes zu uns beruht, reicht weiter und führt höher, als jede mystische Aufstiegsbegegnung des Menschen reichen könnte.
14. Aber nun ist ein Weiteres zu beachten: Die ,,Mystik’’ des Sakraments hat sozialen Charakter. Denn in der Kommunion werde ich mit dem Herrn vereint wie alle anderen Kommunikanten: ,,Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib, denn wir alle haben teil an dem einen Brot’’, sagt der heilige Paulus (1 Kor 10, 17). Die Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denen er sich schenkt. Ich kann Christus nicht allein für mich haben, ich kann ihm zugehören nur in der Gemeinschaft mit allen, die die Seinigen geworden sind oder werden sollen. Die Kommunion zieht mich aus mir heraus zu ihm hin und damit zugleich in die Einheit mit allen Christen. Wir werden ,,ein Leib’’, eine ineinander verschmolzene Existenz. Gottesliebe und Nächstenliebe sind nun wirklich vereint: Der fleischgewordene Gott zieht uns alle an sich. Von da versteht es sich, daß Agape nun auch eine Bezeichnung der Eucharistie wird: In ihr kommt die Agape Gottes leibhaft zu uns, um in uns und durch uns weiterzuwirken. Nur von dieser christologisch-sakramentalen Grundlage her kann man die Lehre Jesu von der Liebe recht verstehen. Seine Führung von Gesetz und Propheten auf das Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe hin, die Zentrierung der ganzen gläubigen Existenz von diesem Auftrag her, ist nicht bloße Moral, die dann selbständig neben dem Glauben an Christus und neben seiner Vergegenwärtigung im Sakrament stünde: Glaube, Kult und Ethos greifen ineinander als eine einzige Realität, die in der Begegnung mit Gottes Agape sich bildet.
Die übliche Entgegensetzung von Kult und Ethos fällt hier einfach dahin: Im ,,Kult’’ selber, in der eucharistischen Gemeinschaft ist das Geliebtwerden und Weiterlieben enthalten. Eucharistie, die nicht praktisches Liebeshandeln wird, ist in sich selbst fragmentiert, und umgekehrt wird — wie wir noch ausführlicher werden bedenken müssen — das ,,Gebot’’ der Liebe überhaupt nur möglich, weil es nicht bloß Forderung ist: Liebe kann ,,geboten’’ werden, weil sie zuerst geschenkt wird.
15. Von da aus sind auch die großen Gleichnisse Jesu zu verstehen. Der reiche Prasser (vgl. Lk 16, 19-31) fleht vom Ort der Verdammung aus darum, daß seinen Brüdern verkündet werde, wie es dem ergeht, der den notleidenden Armen einfach übersehen hat. Jesus greift sozusagen den Notschrei auf und bringt ihn zu uns, um uns zu warnen, um uns auf den rechten Weg zu bringen. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (vgl. Lk 10, 25-37) bringt vor allem zwei wichtige Klärungen. Während der Begriff ,,Nächster’’ bisher wesentlich auf den Volksgenossen und den im Land Israel ansässig gewordenen Fremden, also auf die Solidargemeinschaft eines Landes und Volkes bezogen war, wird diese Grenze nun weggenommen: Jeder, der mich braucht und dem ich helfen kann, ist mein Nächster. Der Begriff ,,Nächster’’ wird universalisiert und bleibt doch konkret. Er wird trotz der Ausweitung auf alle Menschen nicht zum Ausdruck einer unverbindlichen Fernstenliebe, sondern verlangt meinen praktischen Einsatz hier und jetzt. Es bleibt Aufgabe der Kirche, diese Verbindung von Weite und Nähe immer wieder ins praktische Leben ihrer Glieder hinein auszulegen. Schließlich ist hier im besonderen noch das große Gleichnis vom letzten Gericht (vgl. Mt 25, 31-46) zu erwähnen, in dem die Liebe zum Maßstab für den endgültigen Entscheid über Wert oder Unwert eines Menschenlebens wird. Jesus identifiziert sich mit den Notleidenden: den Hungernden, den Dürstenden, den Fremden, den Nackten, den Kranken, denen im Gefängnis. ,,Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan’’ (Mt 25, 40). Gottes- und Nächstenliebe verschmelzen: Im Geringsten begegnen wir Jesus selbst, und in Jesus begegnen wir Gott.
Gottes- und Nächstenliebe
16. Nach all diesen Überlegungen über das Wesen der Liebe und ihre Deutung im biblischen Glauben bleibt eine zweifache Frage in bezug auf unser Verhalten: Können wir Gott überhaupt lieben, den wir doch nicht sehen? Und: kann man Liebe gebieten? Gegen das Doppelgebot der Liebe gibt es den in diesen Fragen anklingenden doppelten Einwand. Keiner hat Gott gesehen — wie sollten wir ihn lieben? Und des weiteren: Liebe kann man nicht befehlen, sie ist doch ein Gefühl, das da ist oder nicht da ist, aber nicht vom Willen geschaffen werden kann. Die Schrift scheint den ersten Einwand zu bestätigen, wenn da steht: ,,Wenn jemand sagt: 'Ich liebe Gott!', aber seinen Bruder haßt, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht’’ (1 Joh 4, 20). Aber dieser Text schließt keineswegs die Gottesliebe als etwas Unmögliches aus — im Gegenteil, sie wird im Zusammenhang des eben zitierten Ersten Johannesbriefes ausdrücklich verlangt. Unterstrichen wird die unlösliche Verschränkung von Gottes- und Nächstenliebe. Beide gehören so zusammen, daß die Behauptung der Gottesliebe zur Lüge wird, wenn der Mensch sich dem Nächsten verschließt oder gar ihn haßt. Man muß diesen johanneischen Vers vielmehr dahin auslegen, daß die Nächstenliebe ein Weg ist, auch Gott zu begegnen, und daß die Abwendung vom Nächsten auch für Gott blind macht.
17. In der Tat: Niemand hat Gott gesehen, so wie er in sich ist. Und trotzdem ist Gott uns nicht gänzlich unsichtbar, nicht einfach unzugänglich geblieben. Gott hat uns zuerst geliebt, sagt der zitierte Johannesbrief (vgl. 4, 10), und diese Liebe Gottes ist unter uns erschienen, sichtbar geworden dadurch, daß er ,,seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben’’ (1 Joh 4, 9). Gott hat sich sichtbar gemacht: In Jesus können wir den Vater anschauen (vgl. Joh 14, 9). In der Tat gibt es eine vielfältige Sichtbarkeit Gottes. In der Geschichte der Liebe, die uns die Bibel erzählt, geht er uns entgegen, wirbt um uns — bis hin zum Letzten Abendmahl, bis hin zu dem am Kreuz durchbohrten Herzen, bis hin zu den Erscheinungen des Auferstandenen und seinen Großtaten, mit denen er durch das Wirken der Apostel die entstehende Kirche auf ihrem Weg geführt hat. Und in der weiteren Geschichte der Kirche ist der Herr nicht abwesend geblieben: Immer neu geht er auf uns zu — durch Menschen, in denen er durchscheint; durch sein Wort, in den Sakramenten, besonders in der Eucharistie. In der Liturgie der Kirche, in ihrem Beten, in der lebendigen Gemeinschaft der Gläubigen erfahren wir die Liebe Gottes, nehmen wir ihn wahr und lernen so auch, seine Gegenwart in unserem Alltag zu erkennen. Er hat uns zuerst geliebt und liebt uns zuerst; deswegen können auch wir mit Liebe antworten. Gott schreibt uns nicht ein Gefühl vor, das wir nicht herbeirufen können. Er liebt uns, läßt uns seine Liebe sehen und spüren, und aus diesem ,,Zuerst’’ Gottes kann als Antwort auch in uns die Liebe aufkeimen.
Darüber hinaus wird in diesem Prozeß der Begegnung auch klar, daß Liebe nicht bloß Gefühl ist. Gefühle kommen und gehen. Das Gefühl kann eine großartige Initialzündung sein, aber das Ganze der Liebe ist es nicht. Wir haben anfangs von dem Prozeß der Reinigungen und Reifungen gesprochen, durch die Eros ganz er selbst, Liebe im Vollsinn des Wortes wird. Zur Reife der Liebe gehört es, daß sie alle Kräfte des Menschseins einbezieht, den Menschen sozusagen in seiner Ganzheit integriert. Die Begegnung mit den sichtbaren Erscheinungen der Liebe Gottes kann in uns das Gefühl der Freude wecken, das aus der Erfahrung des Geliebtseins kommt. Aber sie ruft auch unseren Willen und unseren Verstand auf den Plan. Die Erkenntnis des lebendigen Gottes ist Weg zur Liebe, und das Ja unseres Willens zu seinem Willen einigt Verstand, Wille und Gefühl zum ganzheitlichen Akt der Liebe. Dies ist freilich ein Vorgang, der fortwährend unterwegs bleibt: Liebe ist niemals ,,fertig’’ und vollendet; sie wandelt sich im Lauf des Lebens, reift und bleibt sich gerade dadurch treu. Idem velle atque idem nolle [9] — dasselbe wollen und dasselbe abweisen — das haben die Alten als eigentlichen Inhalt der Liebe definiert: das Einander-ähnlich-Werden, das zur Gemeinsamkeit des Wollens und des Denkens führt. Die Liebesgeschichte zwischen Gott und Mensch besteht eben darin, daß diese Willensgemeinschaft in der Gemeinschaft des Denkens und Fühlens wächst und so unser Wollen und Gottes Wille immer mehr ineinanderfallen: der Wille Gottes nicht mehr ein Fremdwille ist für mich, den mir Gebote von außen auferlegen, sondern mein eigener Wille aus der Erfahrung heraus, daß in der Tat Gott mir innerlicher ist als ich mir selbst.[10] Dann wächst Hingabe an Gott. Dann wird Gott unser Glück (vgl. Ps 73 [72], 23-28).
18. So wird Nächstenliebe in dem von der Bibel, von Jesus verkündigten Sinn möglich. Sie besteht ja darin, daß ich auch den Mitmenschen, den ich zunächst gar nicht mag oder nicht einmal kenne, von Gott her liebe. Das ist nur möglich aus der inneren Begegnung mit Gott heraus, die Willensgemeinschaft geworden ist und bis ins Gefühl hineinreicht. Dann lerne ich, diesen anderen nicht mehr bloß mit meinen Augen und Gefühlen anzusehen, sondern aus der Perspektive Jesu Christi heraus. Sein Freund ist mein Freund. Ich sehe durch das Äußere hindurch sein inneres Warten auf einen Gestus der Liebe — auf Zuwendung, die ich nicht nur über die dafür zuständigen Organisationen umleite und vielleicht als politische Notwendigkeit bejahe. Ich sehe mit Christus und kann dem anderen mehr geben als die äußerlich notwendigen Dinge: den Blick der Liebe, den er braucht. Hier zeigt sich die notwendige Wechselwirkung zwischen Gottes- und Nächstenliebe, von der der Erste Johannesbrief so eindringlich spricht. Wenn die Berührung mit Gott in meinem Leben ganz fehlt, dann kann ich im anderen immer nur den anderen sehen und kann das göttliche Bild in ihm nicht erkennen. Wenn ich aber die Zuwendung zum Nächsten aus meinem Leben ganz weglasse und nur ,,fromm’’ sein möchte, nur meine ,,religiösen Pflichten’’ tun, dann verdorrt auch die Gottesbeziehung. Dann ist sie nur noch ,,korrekt’’, aber ohne Liebe. Nur meine Bereitschaft, auf den Nächsten zuzugehen, ihm Liebe zu erweisen, macht mich auch fühlsam Gott gegenüber. Nur der Dienst am Nächsten öffnet mir die Augen dafür, was Gott für mich tut und wie er mich liebt. Die Heiligen — denken wir zum Beispiel an die sel. Theresa von Kalkutta — haben ihre Liebesfähigkeit dem Nächsten gegenüber immer neu aus ihrer Begegnung mit dem eucharistischen Herrn geschöpft, und umgekehrt hat diese Begegnung ihren Realismus und ihre Tiefe eben von ihrem Dienst an den Nächsten her gewonnen. Gottes- und Nächstenliebe sind untrennbar: Es ist nur ein Gebot. Beides aber lebt von der uns zuvorkommenden Liebe Gottes, der uns zuerst geliebt hat. So ist es nicht mehr ,,Gebot’’ von außen her, das uns Unmögliches vorschreibt, sondern geschenkte Erfahrung der Liebe von innen her, die ihrem Wesen nach sich weiter mitteilen muß. Liebe wächst durch Liebe. Sie ist ,,göttlich’’, weil sie von Gott kommt und uns mit Gott eint, uns in diesem Einungsprozeß zu einem Wir macht, das unsere Trennungen überwindet und uns eins werden läßt, so daß am Ende ,,Gott alles in allem’’ ist (vgl. 1 Kor 15, 28).

ZWEITER TEIL
CARITAS
DAS LIEBESTUN DER KIRCHE
ALS EINER
,,GEMEINSCHAFT DER LIEBE’’
Das Liebestun der Kirche als Ausdruck der trinitarischen Liebe
19. ,,Wenn du die Liebe siehst, siehst du die Heiligste Dreifaltigkeit’’, schrieb Augustinus.[11] In den vorangegangenen Überlegungen haben wir unseren Blick auf die geöffnete Seite Jesu, auf den, ,,den sie durchbohrt haben’’ (vgl. Joh 19, 37; Sach 12, 10), richten können und dabei den Plan des Vaters erkannt, der aus Liebe (vgl. Joh 3, 16) seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, um den Menschen zu erlösen. In seinem Tod am Kreuz hat Jesus, wie der Evangelist berichtet, ,,den Geist ausgehaucht’’ (vgl. Joh 19, 30) — eine Einleitung zu jener Weitergabe des Heiligen Geistes, die er nach seiner Auferstehung verwirklichen sollte (vgl. Joh 20, 22). So erfüllte sich die Verheißung der ,,Ströme von lebendigem Wasser’’, die dank der Ausgießung des Geistes aus dem Innern der Gläubigen fließen sollten (vgl. Joh 7, 38-39). Der Geist ist nämlich die innere Kraft, die ihr Herz mit dem Herzen Christi in Einklang bringt und sie bewegt, die Mitmenschen so zu lieben, wie er sie geliebt hat, als er sich niederbeugte, um den Jüngern die Füße zu waschen (vgl. Joh 13, 1-13), und insbesondere als er für alle sein Leben hingab (vgl. Joh 13, 1; 15, 13).
Der Geist ist auch eine Kraft, die das Herz der kirchlichen Gemeinschaft verwandelt, damit sie in der Welt eine Zeugin für die Liebe des Vaters ist, der die Menschheit in seinem Sohn zu einer einzigen Familie machen will. Alles Handeln der Kirche ist Ausdruck einer Liebe, die das ganzheitliche Wohl des Menschen anstrebt: seine Evangelisierung durch das Wort und die Sakramente — ein in seinen geschichtlichen Verwirklichungen oftmals heroisches Unterfangen — und seine Förderung und Entwicklung in den verschiedenen Bereichen menschlichen Lebens und Wirkens. So ist Liebe der Dienst, den die Kirche entfaltet, um unentwegt den auch materiellen Leiden und Nöten der Menschen zu begegnen. Auf diesen Aspekt, auf diesen Liebesdienst möchte ich in diesem zweiten Teil der Enzyklika näher eingehen.
Das Liebestun als Auftrag der Kirche
20. Die in der Gottesliebe verankerte Nächstenliebe ist zunächst ein Auftrag an jeden einzelnen Gläubigen, aber sie ist ebenfalls ein Auftrag an die gesamte kirchliche Gemeinschaft, und dies auf all ihren Ebenen: von der Ortsgemeinde über die Teilkirche bis zur Universalkirche als ganzer. Auch die Kirche als Gemeinschaft muß Liebe üben. Das wiederum bedingt es, daß Liebe auch der Organisation als Voraussetzung für geordnetes gemeinschaftliches Dienen bedarf. Das Bewußtsein dieses Auftrags war in der Kirche von Anfang an konstitutiv: ,,Alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte’’ (Apg 2, 44-45). Lukas erzählt uns das im Zusammenhang einer Art Definition der Kirche, zu deren Wesenselementen er das Festhalten an der ,,Lehre der Apostel’’ und an der ,,Gemeinschaft’’ (koinonia), am ,,Brotbrechen’’ und an den ,,Gebeten’’ rechnet (vgl. Apg 2, 42). Das hier zunächst nicht weiter beschriebene Element ,,Gemeinschaft’’ (koinonia) wird in den vorhin zitierten Versen konkretisiert: Ihre Gemeinschaft besteht eben darin, daß die Gläubigen alles gemeinsam haben und daß es den Unterschied zwischen arm und reich unter ihnen nicht mehr gibt (vgl. auch 4, 32-37). Diese radikale Form der materiellen Gemeinschaft ließ sich freilich beim Größerwerden der Kirche nicht aufrechterhalten. Der Kern, um den es ging, blieb aber bestehen: Innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen darf es keine Armut derart geben, daß jemandem die für ein menschenwürdiges Leben nötigen Güter versagt bleiben.
21. Eine entscheidende Stufe im Ringen um die Durchführung dieses ekklesialen Grundprinzips wird uns sichtbar in jener Wahl der sieben Männer, die der Ursprung des Diakonen-Amtes war (vgl. Apg 6, 5-6). Hier ging es um die Ungleichheit in der täglichen Versorgung der Witwen, die zwischen dem hebräisch und dem griechisch sprechenden Teil der Urkirche entstanden war. Die Apostel, denen vor allem ,,das Gebet’’ (Eucharistie und Liturgie) und der ,,Dienst am Wort’’ aufgetragen waren, sahen sich mit dem ,,Dienst an den Tischen’’ überfordert; sie beschlossen deshalb, bei ihrer zentralen Aufgabe zu bleiben und für die andere, in der Kirche ebenfalls nötige Aufgabe das Siebener-Gremium zu schaffen, das freilich auch keinen bloß technischen Verteilungsdienst leisten sollte: Es mußten Männer ,,voll Geist und Weisheit’’ sein (vgl. Apg 6, 1-6). Das bedeutet, daß der Sozialdienst, den sie zu leisten hatten, ein ganz konkreter, aber zugleich durchaus geistlicher Dienst und ihr Amt daher ein wirklich geistliches Amt war, das einen der Kirche wesentlichen Auftrag — eben die geordnete Nächstenliebe — wahrnahm. Mit der Bildung dieses Siebener-Gremiums war nun die ,,diakonia’’ — der Dienst gemeinsamer, geordnet geübter Nächstenliebe — in der grundlegenden Struktur der Kirche selbst verankert.
22. Im Laufe der Zeit und mit der fortschreitenden Ausbreitung der Kirche wurde ihr Liebesdienst, die Caritas, als ein ihr wesentlicher Sektor zusammen mit der Verwaltung der Sakramente und der Verkündigung des Wortes festgelegt: Liebe zu üben für die Witwen und Waisen, für die Gefangenen, für die Kranken und Notleidenden welcher Art auch immer, gehört genauso zu ihrem Wesen wie der Dienst der Sakramente und die Verkündigung des Evangeliums. Die Kirche kann den Liebesdienst so wenig ausfallen lassen wie Sakrament und Wort. Einige Beispiele mögen genügen, um dies zu zeigen. Der Martyrer Justinus († ca. 155) schildert im Zusammenhang der sonntäglichen Zelebration der Christen auch deren Liebestätigkeit, die mit der Eucharistie als solcher verknüpft ist: Die Besserstehenden geben nach dem Maß ihrer Möglichkeiten, ein jeder, so viel er will; mit dem Erlös unterstützt dann der Bischof die Waisen, die Witwen und diejenigen, die aufgrund von Krankheit oder aus anderen Gründen sich in Not befinden, wie auch die Gefangenen und die Fremden.[12] Der große christliche Schriftsteller Tertullian († nach 220) erzählt, wie die Sorge der Christen für Notleidende aller Art das Staunen der Heiden hervorruft.[13] Und wenn Ignatius von Antiochien († um 117) die Kirche von Rom die ,,Vorsitzende in der Liebe (Agape)’’ [14] nennt, darf man wohl mit Sicherheit annehmen, daß er mit dieser Bezeichnung in gewisser Weise auch ihre konkrete Liebestätigkeit zum Ausdruck bringen wollte.
23. In diesem Zusammenhang mag ein Hinweis auf die frühen Rechtsgestalten der Liebestätigkeit der Kirche nützlich sein. Etwa Mitte des 4. Jahrhunderts nimmt in Ägypten die sogenannte ,,Diakonie’’ Gestalt an; sie ist in den einzelnen Mönchsklöstern die Einrichtung, die für die Gesamtheit der Fürsorgetätigkeit — der Caritas — die Verantwortung trägt. Aus diesen Anfängen entwickelt sich in Ägypten bis zum 6. Jahrhundert eine Körperschaft mit voller Rechtsfähigkeit, der der Staat sogar einen Teil des Kornes zur öffentlichen Abgabe anvertraut. In Ägypten hatte schließlich nicht nur jedes Kloster, sondern auch jede Diözese ihre Diakonie — eine Einrichtung, die sich dann sowohl im Orient wie im Westen ausbreitet. Papst Gregor der Große († 604) berichtet von der Diakonie zu Neapel. Für Rom sind die Diakonien ab dem 7. und 8. Jahrhundert belegt; aber selbstverständlich gehörte die Fürsorgetätigkeit für die Armen und Leidenden gemäß den in der Apostelgeschichte entwickelten Prinzipien christlichen Lebens auch vorher schon und von Anfang an ganz wesentlich zur Kirche von Rom. Dieser Auftrag hat in der Gestalt des Diakons Laurentius († 258) seinen lebendigen Ausdruck gefunden. Die dramatische Darstellung seines Martyriums war schon dem heiligen Ambrosius († 397) bekannt und zeigt uns in ihrem Kern sicher die authentische Gestalt des Heiligen. Ihm war als dem Verantwortlichen für die römische Armenpflege nach der Verhaftung seiner Mitbrüder und des Papstes noch etwas Zeit gelassen worden, die Schätze der Kirche zu sammeln, um sie den weltlichen Instanzen abzuliefern. Laurentius verteilte die verfügbaren Mittel an die Armen und stellte diese den Machthabern als den wahren Schatz der Kirche vor.[15] Wie immer man über die historische Gewißheit solcher Details denken mag — Laurentius ist als großer Träger der kirchlichen Liebe in ihrem Gedächtnis präsent geblieben.
24. Ein Hinweis auf die Gestalt des Kaisers Julian des Apostaten († 363) kann noch einmal zeigen, wie wesentlich die organisierte und praktisch geübte Nächstenliebe für die frühe Kirche war. Julian hatte als sechsjähriges Kind die Ermordung seines Vaters, seines Bruders und anderer Verwandter durch die Palastgarde erlebt und schrieb diese Brutalität — zu Recht oder zu Unrecht — dem Kaiser Constanz zu, der sich als großer Christ ausgab. Damit war der christliche Glaube für ihn ein für alle Mal diskreditiert. Als Kaiser entschloß er sich, das Heidentum, die alte römische Religion, wiederherzustellen, zugleich aber sie zu reformieren, damit sie wirklich tragende Kraft des Reiches werden könne. Dazu machte er reichlich Anleihen beim Christentum. Er richtete eine Hierarchie aus Metropoliten und Priestern ein. Die Priester sollten die Liebe zu Gott und zum Nächsten pflegen. In einem seiner Briefe [16] hatte er geschrieben, das einzige, was ihn am Christentum beeindrucke, sei die Liebestätigkeit der Kirche. Und so war für sein neues Heidentum ein entscheidender Punkt, dem Liebessystem der Kirche eine gleichartige Aktivität seiner Religion an die Seite zu stellen. Die ,,Galiläer’’, so sagte er, hätten auf diesem Weg ihre Popularität erworben. Man müsse es ihnen gleichtun und sie noch übertreffen. Auf diese Weise bestätigte der Kaiser also, daß die praktizierte Nächstenliebe, die Caritas, ein entscheidendes Kennzeichen der christlichen Gemeinde, der Kirche, war.
25. An diesem Punkt halten wir zwei wesentliche Erkenntnisse aus unseren Überlegungen fest:
a) Das Wesen der Kirche drückt sich in einem dreifachen Auftrag aus: Verkündigung von Gottes Wort (kerygma-martyria), Feier der Sakramente (leiturgia), Dienst der Liebe (diakonia). Es sind Aufgaben, die sich gegenseitig bedingen und sich nicht voneinander trennen lassen. Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern er gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst.[17]
b) Die Kirche ist Gottes Familie in der Welt. In dieser Familie darf es keine Notleidenden geben. Zugleich aber überschreitet Caritas-Agape die Grenzen der Kirche: Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter bleibt Maßstab, gebietet die Universalität der Liebe, die sich dem Bedürftigen zuwendet, dem man ,,zufällig’’ (vgl. Lk 10, 31) begegnet, wer immer er auch sei. Unbeschadet dieser Universalität des Liebesgebotes gibt es aber doch einen spezifisch kirchlichen Auftrag — eben den, daß in der Kirche selbst als einer Familie kein Kind Not leiden darf. In diesem Sinn gilt das Wort aus dem Galaterbrief: ,,Deshalb wollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber den Hausgenossen des Glaubens’’ (6, 10).
Gerechtigkeit und Liebe
26. Gegen die kirchliche Liebestätigkeit erhebt sich seit dem 19. Jahrhundert ein Einwand, der dann vor allem vom marxistischen Denken nachdrücklich entwickelt wurde. Die Armen, heißt es, bräuchten nicht Liebeswerke, sondern Gerechtigkeit. Die Liebeswerke — die Almosen — seien in Wirklichkeit die Art und Weise, wie die Besitzenden sich an der Herstellung der Gerechtigkeit vorbeidrückten, ihr Gewissen beruhigten, ihre eigene Stellung festhielten und die Armen um ihr Recht betrügen würden. Statt mit einzelnen Liebeswerken an der Aufrechterhaltung der bestehenden Verhältnisse mitzuwirken, gelte es, eine Ordnung der Gerechtigkeit zu schaffen, in der alle ihren Anteil an den Gütern der Welt erhielten und daher der Liebeswerke nicht mehr bedürften. An diesem Argument ist zugegebenermaßen einiges richtig, aber vieles auch falsch. Richtig ist, daß das Grundprinzip des Staates die Verfolgung der Gerechtigkeit sein muß und daß es das Ziel einer gerechten Gesellschaftsordnung bildet, unter Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzips jedem seinen Anteil an den Gütern der Gemeinschaft zu gewährleisten. Das ist auch von der christlichen Staats- und Soziallehre immer betont worden. Die Frage der gerechten Ordnung des Gemeinwesens ist — historisch betrachtet — mit der Ausbildung der Industriegesellschaft im 19. Jahrhundert in eine neue Situation eingetreten. Das Entstehen der modernen Industrie hat die alten Gesellschaftsstrukturen aufgelöst und mit der Masse der lohnabhängigen Arbeiter eine radikale Veränderung im Aufbau der Gesellschaft bewirkt, in der das Verhältnis von Kapital und Arbeit zur bestimmenden Frage wurde, die es in dieser Form bisher nicht gegeben hatte. Die Produktionsstrukturen und das Kapital waren nun die neue Macht, die, in die Hände weniger gelegt, zu einer Rechtlosigkeit der arbeitenden Massen führte, gegen die aufzustehen war.
27. Man muß zugeben, daß die Vertreter der Kirche erst allmählich wahrgenommen haben, daß sich die Frage nach der gerechten Struktur der Gesellschaft in neuer Weise stellte. Es gab Wegbereiter; einer von ihnen war zum Beispiel Bischof Ketteler von Mainz († 1877). Als Antwort auf die konkreten Nöte entstanden Zirkel, Vereinigungen, Verbände, Föderationen und vor allem neue Ordensgemeinschaften, die im 19. Jahrhundert den Kampf gegen Armut, Krankheit und Bildungsnotstand aufnahmen. Das päpstliche Lehramt trat im Jahr 1891 mit der von Leo XIII. veröffentlichen Enzyklika Rerum novarum auf den Plan. Ihr folgte 1931 die von Pius XI. vorgelegte Enzyklika Quadragesimo anno. Der selige Papst Johannes XXIII. veröffentlichte 1961 seine Enzyklika Mater et Magistra, während Paul VI. in der Enzyklika Populorum progressio (1967) und in dem Apostolischen Schreiben Octogesima adveniens (1971) nachdrücklich auf die soziale Problematik einging, wie sie sich nun besonders in Lateinamerika verschärft hatte. Mein großer Vorgänger Johannes Paul II. hat uns eine Trilogie von Sozial-Enzykliken hinterlassen: Laborem exercens (1981), Sollicitudo rei socialis (1987) sowie schließlich Centesimus annus (1991). So ist stetig in der Auseinandersetzung mit den je neuen Situationen und Problemen eine Katholische Soziallehre gewachsen, die in dem vom ,,Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden’’ 2004 vorgelegten Kompendium der Soziallehre der Kirche zusammenhängend dargestellt ist. Der Marxismus hatte die Weltrevolution und deren Vorbereitung als das Allheilmittel für die soziale Problematik vorgestellt: Durch die Revolution und durch die damit verbundene Vergesellschaftung der Produktionsmittel sollte — so diese Lehre — plötzlich alles anders und besser werden. Dieser Traum ist zerronnen. In der schwierigen Situation, in der wir heute gerade auch durch die Globalisierung der Wirtschaft stehen, ist die Soziallehre der Kirche zu einer grundlegenden Wegweisung geworden, die weit über die Kirche hinaus Orientierungen bietet. Angesichts der fortschreitenden Entwicklung muß an diesen Orientierungen im Dialog mit all denen, die um den Menschen und seine Welt ernstlich Sorge tragen, gemeinsam gerungen werden.

28. Um nun das Verhältnis zwischen dem notwendigen Ringen um Gerechtigkeit und dem Dienst der Liebe genauer zu klären, müssen zwei grundlegende Sachverhalte beachtet werden:
a) Die gerechte Ordnung der Gesellschaft und des Staates ist zentraler Auftrag der Politik. Ein Staat, der nicht durch Gerechtigkeit definiert wäre, wäre nur eine große Räuberbande, wie Augustinus einmal sagte: ,,Remota itaque iustitia quid sunt regna nisi magna latrocinia?’’.[18] Zur Grundgestalt des Christentums gehört die Unterscheidung zwischen dem, was des Kaisers und dem, was Gottes ist (vgl. Mt 22, 21), das heißt die Unterscheidung von Staat und Kirche oder, wie das II. Vaticanum sagt, die Autonomie des weltlichen Bereichs.[19] Der Staat darf die Religion nicht vorschreiben, sondern muß deren Freiheit und den Frieden der Bekenner verschiedener Religionen untereinander gewährleisten; die Kirche als sozialer Ausdruck des christlichen Glaubens hat ihrerseits ihre Unabhängigkeit und lebt aus dem Glauben heraus ihre Gemeinschaftsform, die der Staat achten muß. Beide Sphären sind unterschieden, aber doch aufeinander bezogen.
Gerechtigkeit ist Ziel und daher auch inneres Maß aller Politik. Die Politik ist mehr als Technik der Gestaltung öffentlicher Ordnungen: Ihr Ursprung und Ziel ist eben die Gerechtigkeit, und die ist ethischer Natur. So steht der Staat praktisch unabweisbar immer vor der Frage: Wie ist Gerechtigkeit hier und jetzt zu verwirklichen? Aber diese Frage setzt die andere, grundsätzlichere voraus: Was ist Gerechtigkeit? Dies ist eine Frage der praktischen Vernunft; aber damit die Vernunft recht funktionieren kann, muß sie immer wieder gereinigt werden, denn ihre ethische Erblindung durch das Obsiegen des Interesses und der Macht, die die Vernunft blenden, ist eine nie ganz zu bannende Gefahr.
An dieser Stelle berühren sich Politik und Glaube. Der Glaube hat gewiß sein eigenes Wesen als Begegnung mit dem lebendigen Gott — eine Begegnung, die uns neue Horizonte weit über den eigenen Bereich der Vernunft hinaus öffnet. Aber er ist zugleich auch eine reinigende Kraft für die Vernunft selbst. Er befreit sie von der Perspektive Gottes her von ihren Verblendungen und hilft ihr deshalb, besser sie selbst zu sein. Er ermöglicht der Vernunft, ihr eigenes Werk besser zu tun und das ihr Eigene besser zu sehen. Genau hier ist der Ort der Katholischen Soziallehre anzusetzen: Sie will nicht der Kirche Macht über den Staat verschaffen; sie will auch nicht Einsichten und Verhaltensweisen, die dem Glauben zugehören, denen aufdrängen, die diesen Glauben nicht teilen. Sie will schlicht zur Reinigung der Vernunft beitragen und dazu helfen, daß das, was recht ist, jetzt und hier erkannt und dann auch durchgeführt werden kann.
Die Soziallehre der Kirche argumentiert von der Vernunft und vom Naturrecht her, das heißt von dem aus, was allen Menschen wesensgemäß ist. Und sie weiß, daß es nicht Auftrag der Kirche ist, selbst diese Lehre politisch durchzusetzen: Sie will der Gewissensbildung in der Politik dienen und helfen, daß die Hellsichtigkeit für die wahren Ansprüche der Gerechtigkeit wächst und zugleich auch die Bereitschaft, von ihnen her zu handeln, selbst wenn das verbreiteten Interessenlagen widerspricht. Das bedeutet aber: Das Erbauen einer gerechten Gesellschafts- und Staatsordnung, durch die jedem das Seine wird, ist eine grundlegende Aufgabe, der sich jede Generation neu stellen muß. Da es sich um eine politische Aufgabe handelt, kann dies nicht der unmittelbare Auftrag der Kirche sein. Da es aber zugleich eine grundlegende menschliche Aufgabe ist, hat die Kirche die Pflicht, auf ihre Weise durch die Reinigung der Vernunft und durch ethische Bildung ihren Beitrag zu leisten, damit die Ansprüche der Gerechtigkeit einsichtig und politisch durchsetzbar werden.
Die Kirche kann nicht und darf nicht den politischen Kampf an sich reißen, um die möglichst gerechte Gesellschaft zu verwirklichen. Sie kann und darf nicht sich an die Stelle des Staates setzen. Aber sie kann und darf im Ringen um Gerechtigkeit auch nicht abseits bleiben. Sie muß auf dem Weg der Argumentation in das Ringen der Vernunft eintreten, und sie muß die seelischen Kräfte wecken, ohne die Gerechtigkeit, die immer auch Verzichte verlangt, sich nicht durchsetzen und nicht gedeihen kann. Die gerechte Gesellschaft kann nicht das Werk der Kirche sein, sondern muß von der Politik geschaffen werden. Aber das Mühen um die Gerechtigkeit durch eine Öffnung von Erkenntnis und Willen für die Erfordernisse des Guten geht sie zutiefst an.
b) Liebe — Caritas — wird immer nötig sein, auch in der gerechtesten Gesellschaft. Es gibt keine gerechte Staatsordnung, die den Dienst der Liebe überflüssig machen könnte. Wer die Liebe abschaffen will, ist dabei, den Menschen als Menschen abzuschaffen. Immer wird es Leid geben, das Tröstung und Hilfe braucht. Immer wird es Einsamkeit geben. Immer wird es auch die Situationen materieller Not geben, in denen Hilfe im Sinn gelebter Nächstenliebe nötig ist.[20] Der totale Versorgungsstaat, der alles an sich zieht, wird letztlich zu einer bürokratischen Instanz, die das Wesentliche nicht geben kann, das der leidende Mensch — jeder Mensch — braucht: die liebevolle persönliche Zuwendung. Nicht den alles regelnden und beherrschenden Staat brauchen wir, sondern den Staat, der entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip großzügig die Initiativen anerkennt und unterstützt, die aus den verschiedenen gesellschaftlichen Kräften aufsteigen und Spontaneität mit Nähe zu den hilfsbedürftigen Menschen verbinden. Die Kirche ist eine solche lebendige Kraft: In ihr lebt die Dynamik der vom Geist Christi entfachten Liebe, die den Menschen nicht nur materielle Hilfe, sondern auch die seelische Stärkung und Heilung bringt, die oft noch nötiger ist als die materielle Unterstützung. Die Behauptung, gerechte Strukturen würden die Liebestätigkeit überflüssig machen, verbirgt tatsächlich ein materialistisches Menschenbild: den Aberglauben, der Mensch lebe ,,nur von Brot’’ (Mt 4, 4; vgl. Dtn 8, 3) — eine Überzeugung, die den Menschen erniedrigt und gerade das spezifisch Menschliche verkennt.
29. So können wir nun das Verhältnis zwischen dem Ringen um die gerechte Ordnung von Staat und Gesellschaft einerseits und dem gemeinschaftlich geordneten Tun der Liebe andererseits im Leben der Kirche näher bestimmen. Es hat sich gezeigt, daß der Aufbau gerechter Strukturen nicht unmittelbar Auftrag der Kirche ist, sondern der Ordnung der Politik — dem Bereich der selbstverantwortlichen Vernunft — zugehört. Die Kirche hat dabei eine mittelbare Aufgabe insofern, als ihr zukommt, zur Reinigung der Vernunft und zur Weckung der sittlichen Kräfte beizutragen, ohne die rechte Strukturen weder gebaut werden noch auf Dauer wirksam sein können.
Die unmittelbare Aufgabe, für eine gerechte Ordnung in der Gesellschaft zu wirken, kommt dagegen eigens den gläubigen Laien zu. Als Staatsbürger sind sie berufen, persönlich am öffentlichen Leben teilzunehmen. Sie können daher nicht darauf verzichten, sich einzuschalten ,,in die vielfältigen und verschiedenen Initiativen auf wirtschaftlicher, sozialer, gesetzgebender, verwaltungsmäßiger und kultureller Ebene, die der organischen und institutionellen Förderung des Gemeinwohls dienen’’.[21] Aufgabe der gläubigen Laien ist es also, das gesellschaftliche Leben in rechter Weise zu gestalten, indem sie dessen legitime Eigenständigkeit respektieren und mit den anderen Bürgern gemäß ihren jeweiligen Kompetenzen und in eigener Verantwortung zusammenarbeiten.[22] Auch wenn die spezifischen Ausdrucksformen der kirchlichen Liebestätigkeit niemals mit der Aktivität des Staates nivelliert werden dürfen, bleibt doch unbestritten, daß die Liebe das gesamte Leben der gläubigen Laien beseelen muß und folglich auch ihr politisches Wirken im Sinne einer ,,sozialen Liebe’’ [23] prägt.


Die karitativen Organisationen der Kirche stellen dagegen ihr opus proprium dar, eine ihr ureigenste Aufgabe, in der sie nicht mitwirkend zur Seite steht, sondern als unmittelbar verantwortliches Subjekt selbst handelt und das tut, was ihrem Wesen entspricht. Von der Übung der Liebestätigkeit als gemeinschaftlich geordneter Aktivität der Gläubigen kann die Kirche nie dispensiert werden, und es wird andererseits auch nie eine Situation geben, in der man der praktischen Nächstenliebe jedes einzelnen Christen nicht bedürfte, weil der Mensch über die Gerechtigkeit hinaus immer Liebe braucht und brauchen wird.
Die vielfältigen Strukturen des Liebesdienstes im heutigen sozialen Umfeld
30. Bevor ich versuche, das spezifische Profil der kirchlichen Aktivitäten im Dienst des Menschen zu definieren, möchte ich nun einen Blick auf die allgemeine Lage im Ringen um Gerechtigkeit und Liebe in der heutigen Welt werfen.
a) Die Massenkommunikationsmittel haben heute unseren Planeten kleiner werden lassen, indem sie unterschiedlichste Menschen und Kulturen schnell einander erheblich näher gebracht haben. Wenngleich dieses ,,Zusammenleben’’ gelegentlich zu Unverständnis und Spannungen führt, so stellt doch die Tatsache, daß man nun die Nöte der Menschen viel direkter erfährt, vor allem einen Aufruf zur Anteilnahme an ihrer Situation und an ihren Schwierigkeiten dar. Täglich wird uns bewußt, wie viel Leid es aufgrund vielgestaltiger materieller wie auch geistiger Not in der Welt gibt, und das trotz der großen Fortschritte auf wissenschaftlichem und technischem Gebiet. Folglich ist in dieser unserer Zeit eine neue Bereitschaft gefragt, dem notleidenden Nächsten zu helfen. Schon das Zweite Vatikanische Konzil hat das mit sehr deutlichen Worten hervorgehoben: ,,Heute, da die Kommunikationsmittel immer vollkommener arbeiten, die Entfernungen unter den Menschen sozusagen überwunden sind [...] kann und muß das karitative Tun alle Menschen und Nöte umfassen''.[24]
Andererseits — und das ist ein herausfordernder und zugleich ermutigender Aspekt der Globalisierung — stehen uns heute unzählige Mittel zur Verfügung, um den notleidenden Brüdern und Schwestern humanitäre Hilfe zukommen zu lassen, nicht zuletzt die modernen Systeme zur Verteilung von Nahrung und Kleidung sowie zur Bereitstellung von Aufnahme- und Unterbringungsmöglichkeiten. So überwindet die Sorge für den Nächsten die Grenzen nationaler Gemeinschaften und ist bestrebt, ihre Horizonte auf die gesamte Welt auszuweiten. Zu Recht hat das Zweite Vatikanische Konzil hervorgehoben: ,,Unter den charakteristischen Zeichen unserer Zeit verdient der wachsende und unwiderstehliche Sinn für die Solidarität aller Völker besondere Beachtung’’.[25] Die staatlichen Einrichtungen und die humanitären Vereinigungen unterstützen diesbezügliche Initiativen, die einen durch Beihilfen oder Steuererleichterungen, die anderen indem sie beträchtliche Geldmittel zur Verfügung stellen. Auf diese Weise übertrifft die von der menschlichen Gemeinschaft ausgedrückte Solidarität die der Einzelnen erheblich.
b) In dieser Situation sind zahlreiche Formen der Zusammenarbeit zwischen staatlichen und kirchlichen Instanzen entstanden und gewachsen, die sich als fruchtbar erwiesen haben. Die kirchlichen Instanzen können mit der Transparenz ihres Wirkens und der treuen Erfüllung ihrer Pflicht, die Liebe zu bezeugen, auch die zivilen Instanzen mit christlichem Geist befruchten und eine wechselseitige Abstimmung fördern, die zweifellos der Wirksamkeit des karitativen Dienstes nützlich sein wird.[26] Ebenso haben sich in diesem Kontext vielfältige Organisationen mit karitativen oder philantropischen Zielen gebildet, die sich dafür einsetzen, angesichts der bestehenden politischen und sozialen Probleme unter dem humanitären Aspekt zufriedenstellende Lösungen zu erreichen. Ein wichtiges Phänomen unserer Zeit ist das Entstehen und die Ausbreitung verschiedener Formen des Volontariats, die eine Vielfalt von Dienstleistungen übernehmen.[27] An alle, die sich in unterschiedlicher Form an diesen Aktivitäten beteiligen, möchte ich ein besonderes Wort der Anerkennung und der Dankbarkeit richten. Dieser verbreitete Einsatz ist für die Jugendlichen eine Schule für das Leben, die zur Solidarität und zu der Bereitschaft erzieht, nicht einfach etwas, sondern sich selbst zu geben. Der Anti-Kultur des Todes, die sich zum Beispiel in der Droge ausdrückt, tritt damit die Liebe entgegen, die nicht sich selber sucht, sondern gerade in der Bereitschaft des Sich-Verlierens für den anderen (vgl. Lk 17, 33 par.) sich als eine Kultur des Lebens erweist.
Auch in der katholischen Kirche und in anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften sind neue Formen karitativen Wirkens entstanden und haben sich alte mit neuer Kraft entfaltet — Formen, in denen häufig eine glückliche Verbindung von Evangelisierung und Liebeswerk gelingt. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich bekräftigen, was mein großer Vorgänger Johannes Paul II. in seiner Enzyklika Sollicitudo rei socialis [28] geschrieben hat, als er die Bereitschaft der katholischen Kirche zur Zusammenarbeit mit den karitativen Organisationen dieser Kirchen und Gemeinschaften erklärte, da wir ja alle von der gleichen Grundmotivation ausgehend handeln und so das gleiche Ziel vor Augen haben: einen wahren Humanismus, der im Menschen das Ebenbild Gottes erkennt und ihm helfen will, ein Leben gemäß dieser seiner Würde zu verwirklichen. Die Enzyklika Ut unum sint hat dann noch einmal betont, daß für eine Entwicklung der Welt zum Besseren hin die gemeinsame Stimme der Christen und ihr Einsatz nötig ist, damit ,,der Achtung der Rechte und der Bedürfnisse aller, besonders der Armen, der Gedemütigten und der Schutzlosen zum Sieg verholfen wird’’.[29] Ich möchte an dieser Stelle meine Freude darüber ausdrücken, daß dieser Wunsch in der ganzen Welt in zahlreichen Initiativen ein breites Echo gefunden hat.
Das spezifische Profil der kirchlichen Liebestätigkeit
31. Das Zunehmen vielfältiger Organisationen, die sich um den Menschen in seinen verschiedenen Nöten mühen, erklärt sich letztlich daraus, daß der Imperativ der Nächstenliebe vom Schöpfer in die Natur des Menschen selbst eingeschrieben ist. Es ist aber auch ein Ergebnis der Gegenwart des Christentums in der Welt, die diesen in der Geschichte oft tief verdunkelten Imperativ immer wieder weckt und zur Wirkung bringt: Das Reformheidentum von Kaiser Julian dem Apostaten ist für diese Wirkung nur ein frühes Beispiel. In diesem Sinn reicht die Kraft des Christentums weit über die Grenzen des christlichen Glaubens hinaus. Um so wichtiger ist es, daß das kirchliche Liebeshandeln seine volle Leuchtkraft behält und nicht einfach als eine Variante im allgemeinen Wohlfahrtswesen aufgeht. Was sind nun die konstitutiven Elemente, die das Wesen christlicher und kirchlicher Liebestätigkeit bilden?
a) Nach dem Vorbild, das das Gleichnis vom barmherzigen Samariter uns vor Augen stellt, ist christliche Liebestätigkeit zunächst einfach die Antwort auf das, was in einer konkreten Situation unmittelbar not tut: Die Hungrigen müssen gespeist, die Nackten gekleidet, die Kranken auf Heilung hin behandelt, die Gefangenen besucht werden usw. Die karitativen Organisationen der Kirche — angefangen bei denen der (diözesanen, nationalen und internationalen) ,,Caritas’’ — müssen das ihnen Mögliche tun, damit die Mittel dafür und vor allem die Menschen bereitstehen, die solche Aufgaben übernehmen. Was nun den Dienst der Menschen an den Leidenden betrifft, so ist zunächst berufliche Kompetenz nötig: Die Helfer müssen so ausgebildet sein, daß sie das Rechte auf rechte Weise tun und dann für die weitere Betreuung Sorge tragen können. Berufliche Kompetenz ist eine erste, grundlegende Notwendigkeit, aber sie allein genügt nicht. Es geht ja um Menschen, und Menschen brauchen immer mehr als eine bloß technisch richtige Behandlung. Sie brauchen Menschlichkeit. Sie brauchen die Zuwendung des Herzens. Für alle, die in den karitativen Organisationen der Kirche tätig sind, muß es kennzeichnend sein, daß sie nicht bloß auf gekonnte Weise das jetzt Anstehende tun, sondern sich dem andern mit dem Herzen zuwenden, so daß dieser ihre menschliche Güte zu spüren bekommt. Deswegen brauchen diese Helfer neben und mit der beruflichen Bildung vor allem Herzensbildung: Sie müssen zu jener Begegnung mit Gott in Christus geführt werden, die in ihnen die Liebe weckt und ihnen das Herz für den Nächsten öffnet, so daß Nächstenliebe für sie nicht mehr ein sozusagen von außen auferlegtes Gebot ist, sondern Folge ihres Glaubens, der in der Liebe wirksam wird (vgl. Gal 5, 6).
b) Das christliche Liebeshandeln muß unabhängig sein von Parteien und Ideologien. Es ist nicht ein Mittel ideologisch gesteuerter Weltveränderung und steht nicht im Dienst weltlicher Strategien, sondern ist hier und jetzt Vergegenwärtigung der Liebe, deren der Mensch immer bedarf. Die Neuzeit ist vor allem seit dem 19. Jahrhundert beherrscht von verschiedenen Variationen einer Philosophie des Fortschritts, deren radikalste Form der Marxismus darstellt. Zur marxistischen Strategie gehört die Verelendungstheorie. Sie behauptet, wer in einer Situation ungerechter Herrschaft dem Menschen karitativ helfe, stelle sich faktisch in den Dienst des bestehenden Unrechtssystems, indem er es scheinbar, wenigstens bis zu einem gewissen Grad, erträglich mache. So werde das revolutionäre Potential gehemmt und damit der Umbruch zur besseren Welt aufgehalten. Deswegen wird karitativer Einsatz als systemstabilisierend denunziert und angegriffen. In Wirklichkeit ist dies eine Philosophie der Unmenschlichkeit. Der jetzt lebende Mensch wird dem Moloch Zukunft geopfert, einer Zukunft, deren wirkliches Heraufkommen zumindest zweifelhaft bleibt. In Wahrheit kann die Menschlichkeit der Welt nicht dadurch gefördert werden, daß man sie einstweilen stillegt. Zu einer besseren Welt trägt man nur bei, indem man selbst jetzt das Gute tut, mit aller Leidenschaft und wo immer die Möglichkeit besteht, unabhängig von Parteistrategien und -programmen. Das Programm des Christen — das Programm des barmherzigen Samariters, das Programm Jesu — ist das ,,sehende Herz’’. Dieses Herz sieht, wo Liebe not tut und handelt danach. Wenn die karitative Aktivität von der Kirche als gemeinschaftliche Initiative ausgeübt wird, sind über die Spontaneität des einzelnen hinaus selbstverständlich auch Planung, Vorsorge und Zusammenarbeit mit anderen ähnlichen Einrichtungen notwendig.
c) Außerdem darf praktizierte Nächstenliebe nicht Mittel für das sein, was man heute als Proselytismus bezeichnet. Die Liebe ist umsonst; sie wird nicht getan, um damit andere Ziele zu erreichen.[30] Das bedeutet aber nicht, daß das karitative Wirken sozusagen Gott und Christus beiseite lassen müßte. Es ist ja immer der ganze Mensch im Spiel. Oft ist gerade die Abwesenheit Gottes der tiefste Grund des Leidens. Wer im Namen der Kirche karitativ wirkt, wird niemals dem anderen den Glauben der Kirche aufzudrängen versuchen. Er weiß, daß die Liebe in ihrer Reinheit und Absichtslosigkeit das beste Zeugnis für den Gott ist, dem wir glauben und der uns zur Liebe treibt. Der Christ weiß, wann es Zeit ist, von Gott zu reden, und wann es recht ist, von ihm zu schweigen und nur einfach die Liebe reden zu lassen. Er weiß, daß Gott Liebe ist (vgl. 1 Joh 4, 8) und gerade dann gegenwärtig wird, wenn nichts als Liebe getan wird. Er weiß — um auf die vorhin gestellten Fragen zurückzukommen —, daß die Verächtlichmachung der Liebe eine Verächtlichmachung Gottes und des Menschen ist — der Versuch, ohne Gott auszukommen. Daher besteht die beste Verteidigung Gottes und des Menschen eben in der Liebe. Aufgabe der karitativen Organisationen der Kirche ist es, dieses Bewußtsein in ihren Vertretern zu kräftigen, so daß sie durch ihr Tun wie durch ihr Reden, ihr Schweigen, ihr Beispiel glaubwürdige Zeugen Christi werden.
Die Träger des karitativen Handelns der Kirche
32. Schließlich müssen wir uns noch den bereits erwähnten Trägern des karitativen Handelns der Kirche zuwenden. In den bisherigen Überlegungen ist schon klar geworden, daß das eigentliche Subjekt der verschiedenen katholischen Organisationen, die einen karitativen Dienst leisten, die Kirche selber ist, und zwar auf allen Ebenen, angefangen von den Pfarreien über die Teilkirchen bis zur Universalkirche. Deshalb war es durchaus angebracht, daß mein verehrter Vorgänger Paul VI. den ,,Päpstlichen Rat Cor unum’’ als eine für die Orientierung und Koordination der von der Kirche geförderten karitativen Organisationen und Aktivitäten verantwortliche Instanz des Heiligen Stuhls eingerichtet hat. Der bischöflichen Struktur der Kirche entspricht es, daß dann in den Teilkirchen die Bischöfe als Nachfolger der Apostel die erste Verantwortung dafür tragen, daß das Programm der Apostelgeschichte (vgl. 2, 42-44) auch heute realisiert wird: Kirche als Familie Gottes muß heute wie gestern ein Ort der gegenseitigen Hilfe sein und zugleich ein Ort der Dienstbereitschaft für alle der Hilfe Bedürftigen, auch wenn diese nicht zur Kirche gehören. Bei der Bischofsweihe gehen dem eigentlichen Weiheakt Fragen an den Kandidaten voraus, in denen die wesentlichen Elemente seines Dienstes angesprochen und ihm die Pflichten seines zukünftigen Amtes vorgestellt werden. In diesem Zusammenhang verspricht der zu Weihende ausdrücklich, ,,um des Herrn willen den Armen und den Heimatlosen und allen Notleidenden gütig zu begegnen und zu ihnen barmherzig zu sein’’.[31] Der Kodex des Kanonischen Rechts (C.I.C.) behandelt in den Canones über das Bischofsamt die karitative Aktivität nicht ausdrücklich als eigenen Sektor des bischöflichen Wirkens, sondern spricht nur ganz allgemein von dem Auftrag des Bischofs, die verschiedenen apostolischen Werke unter Wahrung ihres je eigenen Charakters zu koordinieren.[32] Kürzlich hat jedoch das Direktorium für den pastoralen Dienst der Bischöfe die Pflicht zu karitativem Tun als Wesensauftrag der Kirche im ganzen und des Bischofs in seiner Diözese konkreter entfaltet [33] und hervorgehoben, daß der Liebesdienst ein Akt der Kirche als solcher ist und daß er ebenso wie der Dienst am Wort und an den Sakramenten einen Wesensteil ihres grundlegenden Auftrags darstellt.[34]



33. Was die Mitarbeiter betrifft, die praktisch das Werk der Nächstenliebe in der Kirche tun., so ist das Wesentliche schon gesagt worden: Sie dürfen sich nicht nach den Ideologien der Weltverbesserung richten, sondern müssen sich von dem Glauben führen lassen, der in der Liebe wirksam wird (vgl. Gal 5, 6). Sie müssen daher zuallererst Menschen sein, die von der Liebe Christi berührt sind, deren Herz Christus mit seiner Liebe gewonnen und darin die Liebe zum Nächsten geweckt hat. Ihr Leitwort sollte der Satz aus dem Zweiten Korintherbrief sein: ,,Die Liebe Christi drängt uns’’ (5, 14). Die Erkenntnis, daß in ihm Gott selbst sich für uns verschenkt hat bis in den Tod hinein, muß uns dazu bringen, nicht mehr für uns selber zu leben, sondern für ihn und mit ihm für die anderen. Wer Christus liebt, liebt die Kirche und will, daß sie immer mehr Ausdruck und Organ seiner Liebe sei. Der Mitarbeiter jeder katholischen karitativen Organisation will mit der Kirche und daher mit dem Bischof dafür arbeiten, daß sich die Liebe Gottes in der Welt ausbreitet. Er will durch sein Teilnehmen am Liebestun der Kirche Zeuge Gottes und Christi sein und gerade darum absichtslos den Menschen Gutes tun.
34. Das innere Offensein für die katholische Dimension der Kirche wird in dem Mitarbeiter zwangsläufig die Bereitschaft fördern, sich mit den anderen Organisationen im Dienst an den verschiedenen Formen der Bedürftigkeit abzustimmen; das muß jedoch unter Berücksichtigung des spezifischen Profils des Dienstes geschehen, den Christus von seinen Jüngern erwartet. In seinem Hymnus auf die Liebe lehrt uns der heilige Paulus (1 Kor 13), daß Liebe immer mehr ist als bloße Aktion: ,,Wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts’’ (V. 3). Dieser Hymnus muß die Magna Charta allen kirchlichen Dienens sein; in ihm sind alle Überlegungen zusammengefaßt, die ich im Laufe dieses Schreibens über die Liebe entwickelt habe. Die praktische Aktion bleibt zu wenig, wenn in ihr nicht die Liebe zum Menschen selbst spürbar wird, die sich von der Begegnung mit Christus nährt. Das persönliche, innere Teilnehmen an der Not und am Leid des anderen wird so Teilgabe meiner selbst für ihn: Ich muß dem anderen, damit die Gabe ihn nicht erniedrigt, nicht nur etwas von mir, sondern mich selbst geben, als Person darin anwesend sein.
35. Dieses rechte Dienen macht den Helfer demütig. Er setzt sich nicht in eine höhere Position dem andern gegenüber, wie armselig dessen Situation im Augenblick auch sein mag. Christus hat den letzten Platz in der Welt — das Kreuz — eingenommen, und gerade mit dieser radikalen Demut hat er uns erlöst und hilft uns fortwährend. Wer in der Lage ist zu helfen, erkennt, daß gerade so auch ihm selber geholfen wird und daß es nicht sein Verdienst und seine Größe ist, helfen zu können. Dieser Auftrag ist Gnade. Je mehr einer für die anderen wirkt, desto mehr wird er das Wort Christi verstehen und sich zueignen: ,,Unnütze Knechte sind wir’’ (Lk 17, 10). Denn er erkennt, daß er nicht aufgrund eigener Größe oder Leistung handelt, sondern weil der Herr es ihm gibt. Manchmal kann ihm das Übermaß der Not und die Grenze seines eigenen Tuns Versuchung zur Mutlosigkeit werden. Aber gerade dann wird ihm helfen zu wissen, daß er letzten Endes nur Werkzeug in der Hand des Herrn ist, er wird sich von dem Hochmut befreien, selbst und aus Eigenem die nötige Verbesserung der Welt zustande bringen zu müssen. Er wird in Demut das tun, was ihm möglich ist und in Demut das andere dem Herrn überlassen. Gott regiert die Welt, nicht wir. Wir dienen ihm nur, soweit wir können und er uns die Kraft dazu gibt. Mit dieser Kraft freilich alles zu tun, was wir vermögen, ist der Auftrag, der den rechten Diener Jesu Christi gleichsam immerfort in Bewegung hält: ,,Die Liebe Christi drängt uns’’ (2 Kor 5, 14).
36. Die Erfahrung der Endlosigkeit der Not kann uns einerseits in die Ideologie treiben, die vorgibt, nun das zu tun, was Gottes Weltregierung allem Anschein nach nicht ausrichtet — die universale Lösung des Ganzen. Sie kann andererseits Versuchung zur Trägheit werden, weil es scheint, da wäre ja doch nichts zu erreichen. In dieser Situation ist der lebendige Kontakt mit Christus die entscheidende Hilfe, um auf dem rechten Weg zu bleiben: weder in menschenverachtenden Hochmut zu verfallen, der nicht wirklich aufbaut, sondern vielmehr zerstört, noch sich der Resignation anheimzugeben, die verhindern würde, sich von der Liebe führen zu lassen und so dem Menschen zu dienen. Das Gebet als die Weise, immer neu von Christus her Kraft zu holen, wird hier zu einer ganz praktischen Dringlichkeit. Wer betet, vertut nicht seine Zeit, selbst wenn die Situation alle Anzeichen der Dringlichkeit besitzt und einzig zum Handeln zu treiben scheint. Die Frömmigkeit schwächt nicht den Kampf gegen die Armut oder sogar das Elend des Nächsten. Die selige Theresa von Kalkutta ist ein sehr offenkundiges Beispiel dafür, daß die Gott im Gebet gewidmete Zeit dem tatsächlichen Wirken der Nächstenliebe nicht nur nicht schadet, sondern in Wirklichkeit dessen unerschöpfliche Quelle ist. In ihrem Brief zur Fastenzeit 1996 schrieb die Selige an ihre Mitarbeiter im Laienstand: ,,Wir brauchen diese innige Verbindung zu Gott in unserem Alltagsleben. Und wie können wir sie erhalten? Durch das Gebet’’.
37. Es ist Zeit, angesichts des Aktivismus und des drohenden Säkularismus vieler in der karitativen Arbeit beschäftigter Christen die Bedeutung des Gebetes erneut zu bekräftigen. Der betende Christ bildet sich selbstverständlich nicht ein, Gottes Pläne zu ändern, oder zu verbessern, was Gott vorgesehen hat. Er sucht vielmehr die Begegnung mit dem Vater Jesu Christi und bittet, daß er mit dem Trost seines Geistes in ihm und in seinem Wirken gegenwärtig sei. Die Vertrautheit mit dem persönlichen Gott und die Hingabe an seinen Willen verhindern, daß der Mensch Schaden nimmt, und bewahren ihn vor den Fängen fanatischer und terroristischer Lehren. Eine echt religiöse Grundhaltung vermeidet, daß der Mensch sich zum Richter Gottes erhebt und ihn anklagt, das Elend zuzulassen, ohne Mitleid mit seinen Geschöpfen zu verspüren. Wer sich aber anmaßt, unter Berufung auf die Interessen des Menschen gegen Gott zu kämpfen — auf wen soll er sich verlassen, wenn das menschliche Handeln sich als machtlos erweist?
38. Natürlich kann Ijob sich bei Gott beklagen über das unbegreifliche und augenscheinlich nicht zu rechtfertigende Leiden, das in der Welt existiert. So sagt er in seinem Schmerz: ,,Wüßte ich doch, wie ich ihn finden könnte, gelangen könnte zu seiner Stätte! ... Wissen möchte ich die Worte, die er mir entgegnet, erfahren, was er zu mir sagt. Würde er in der Fülle der Macht mit mir streiten? ... Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht; denk' ich daran, gerate ich in Angst vor ihm. Gott macht mein Herz verzagt, der Allmächtige versetzt mich in Schrecken’’ (23, 3. 5-6. 15-16). Oft ist es uns nicht gegeben, den Grund zu kennen, warum Gott seinen Arm zurückhält, anstatt einzugreifen. Im Übrigen verbietet er uns nicht einmal, wie Jesus am Kreuz zu schreien: ,,Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?’’ (Mt 27, 46). In betendem Dialog sollten wir mit dieser Frage vor seinem Angesicht ausharren: ,,Wie lange zögerst du noch, Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger?’’ (Offb 6, 10). Augustinus gibt auf dieses unser Leiden die Antwort aus dem Glauben: ,,Si comprehendis, non est Deus — Wenn du ihn verstehst, dann ist er nicht Gott’’.[35] Unser Protest will Gott nicht herausfordern, noch ihm Irrtum, Schwäche oder Gleichgültigkeit unterstellen. Dem Glaubenden ist es unmöglich zu denken, Gott sei machtlos, oder aber er ,,schlafe’’ (vgl. 1 Kön 18, 27). Vielmehr trifft zu, daß sogar unser Schreien, wie das Jesu am Kreuz, die äußerste und tiefste Bestätigung unseres Glaubens an seine Souveränität ist. Christen glauben nämlich trotz aller Unbegreiflichkeiten und Wirrnisse ihrer Umwelt weiterhin an die ,,Güte und Menschenliebe Gottes’’ (Tit 3, 4). Obwohl sie wie alle anderen Menschen eingetaucht sind in die dramatische Komplexität der Ereignisse der Geschichte, bleiben sie gefestigt in der Hoffnung, daß Gott ein Vater ist und uns liebt, auch wenn uns sein Schweigen unverständlich bleibt.
39. Glaube, Hoffnung und Liebe gehören zusammen. Die Hoffnung artikuliert sich praktisch in der Tugend der Geduld, die im Guten auch in der scheinbaren Erfolglosigkeit nicht nachläßt, und in der Tugend der Demut, die Gottes Geheimnis annimmt und ihm auch im Dunklen traut. Der Glaube zeigt uns den Gott, der seinen Sohn für uns hingegeben hat, und gibt uns so die überwältigende Gewißheit, daß es wahr ist: Gott ist Liebe! Auf diese Weise verwandelt er unsere Ungeduld und unsere Zweifel in Hoffnungsgewißheit, daß Gott die Welt in Händen hält und daß er trotz allen Dunkels siegt, wie es in ihren erschütternden Bildern zuletzt strahlend die Geheime Offenbarung zeigt. Der Glaube, das Innewerden der Liebe Gottes, die sich im durchbohrten Herzen Jesu am Kreuz offenbart hat, erzeugt seinerseits die Liebe. Sie ist das Licht — letztlich das einzige –, das eine dunkle Welt immer wieder erhellt und uns den Mut zum Leben und zum Handeln gibt. Die Liebe ist möglich, und wir können sie tun, weil wir nach Gottes Bild geschaffen sind. Die Liebe zu verwirklichen und damit das Licht Gottes in die Welt einzulassen — dazu möchte ich mit diesem Rundschreiben einladen.
SCHLUSS
40. Schauen wir zuletzt hin auf die Heiligen, auf die, welche die Liebe in beispielhafter Weise verwirklicht haben. Im besonderen denken wir dabei an Martin von Tours († 397), den Soldaten, der später Mönch und Bischof wurde: Wie eine Ikone verdeutlicht er den unersetzlichen Wert des individuellen Liebes-Zeugnisses. Vor den Toren von Amiens teilt Martin seinen Mantel mit einem Armen. In der folgenden Nacht erscheint ihm, mit diesem Mantel bekleidet, Jesus selbst im Traum, um die ewige Gültigkeit der Worte aus dem Evangelium zu bestätigen: ,,Ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben ... Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Mt 25, 36. 40).[36] Doch wie viele weitere Zeugnisse der Liebe könnte man aus der Geschichte der Kirche noch anführen! Einen besonderen Ausdruck findet sie in dem beachtlichen Dienst praktizierter Nächstenliebe, den die gesamte monastische Bewegung von ihren Anfängen mit dem hl. Abt Antonius († 356) an verwirklicht. In der Begegnung ,,von Angesicht zu Angesicht’’ mit dem Gott, der die Liebe ist, spürt der Mönch den dringenden Anspruch, sein ganzes Leben in Dienst zu verwandeln — in Dienst an Gott und Dienst am Nächsten. So sind die großen Hospize, Kranken- und Armenhäuser zu erklären, die neben den Klöstern entstanden sind. Und so erklären sich auch die großen Initiativen für den menschlichen Fortschritt und die christliche Erziehung, die vor allem den Ärmsten zugedacht sind; ihrer haben sich zuerst die monastischen Orden und die Bettelorden angenommen und dann, die ganze Geschichte der Kirche hindurch, die verschiedenen männlichen und weiblichen Ordensinstitute. Heiligengestalten wie Franz von Assisi, Ignatius von Loyola, Johannes von Gott, Kamillus von Lellis, Vinzenz von Paul, Louise de Marillac, Giuseppe B. Cottolengo, Johannes Bosco, Luigi Orione und Theresa von Kalkutta — um nur einige zu nennen — sind berühmte Vorbilder sozialer Liebestätigkeit für alle Menschen guten Willens. Die Heiligen sind die wahren Lichtträger der Geschichte, weil sie Menschen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe sind.
41. Herausragend unter den Heiligen ist Maria, die Mutter des Herrn, Spiegel aller Heiligkeit. Im Lukasevangelium sehen wir sie in einem Liebesdienst an ihrer Kusine Elisabeth, bei der sie ,,etwa drei Monate’’ bleibt (1, 56), um ihr in der Endphase ihrer Schwangerschaft beizustehen. ,,Magnificat anima mea Dominum’’, sagt sie bei diesem Besuch — ,,Meine Seele macht den Herrn groß’’ — (Lk 1, 46) und drückt damit das ganze Programm ihres Lebens aus: nicht sich in den Mittelpunkt stellen, sondern Raum schaffen für Gott, dem sie sowohl im Gebet als auch im Dienst am Nächsten begegnet — nur dann wird die Welt gut. Maria ist groß eben deshalb, weil sie nicht sich, sondern Gott groß machen will. Sie ist demütig: Sie will nichts anderes sein als Dienerin des Herrn (vgl. Lk 1, 38. 48). Sie weiß, daß sie nur dadurch zum Heil der Welt beiträgt, daß sie nicht ihr eigenes Werk vollbringen will, sondern sich dem Wirken Gottes ganz zur Verfügung stellt. Sie ist eine Hoffende: Nur weil sie den Verheißungen Gottes glaubt und auf das Heil Israels wartet, kann der Engel zu ihr kommen und sie für den entscheidenden Dienst an diesen Verheißungen berufen. Sie ist eine Glaubende: ,,Selig bist du, weil du geglaubt hast’’, sagt Elisabeth zu ihr (vgl. Lk 1, 45). Das Magnifikat — gleichsam ein Porträt ihrer Seele — ist ganz gewoben aus Fäden der Heiligen Schrift, aus den Fäden von Gottes Wort. So wird sichtbar, daß sie im Wort Gottes wirklich zu Hause ist, darin aus- und eingeht. Sie redet und denkt mit dem Wort Gottes; das Wort Gottes wird zu ihrem Wort, und ihr Wort kommt vom Wort Gottes her. So ist auch sichtbar, daß ihre Gedanken Mitdenken mit Gottes Gedanken sind, daß ihr Wollen Mitwollen mit dem Willen Gottes ist. Weil sie zuinnerst von Gottes Wort durchdrungen war, konnte sie Mutter des fleischgewordenen Wortes werden. Endlich: Maria ist eine Liebende. Wie könnte es anders sein? Als Glaubende und im Glauben mit Gottes Gedanken denkend, mit Gottes Willen wollend kann sie nur eine Liebende sein. Wir ahnen es an den leisen Gebärden, von denen uns die Kindheitsgeschichten aus dem Evangelium erzählen. Wir sehen es in der Diskretion, mit der sie in Kana die Not der Brautleute wahrnimmt und zu Jesus trägt. Wir sehen es in der Demut, mit der sie die Zurückstellung in der Zeit des öffentlichen Lebens annimmt — wissend, daß der Sohn nun eine neue Familie gründen muß und daß die Stunde der Mutter erst wieder sein wird im Augenblick des Kreuzes, der ja die wahre Stunde Jesu ist (vgl. Joh 2, 4; 13, 1). Dann, wenn die Jünger geflohen sind, wird sie es sein, die unter dem Kreuz steht (vgl. Joh 19, 25-27); und später, in der Stunde von Pfingsten, werden die Jünger sich um sie scharen in der Erwartung des Heiligen Geistes (vgl. Apg 1, 14).
42. Zum Leben der Heiligen gehört nicht bloß ihre irdische Biographie, sondern ihr Leben und Wirken von Gott her nach ihrem Tod. In den Heiligen wird es sichtbar: Wer zu Gott geht, geht nicht weg von den Menschen, sondern wird ihnen erst wirklich nahe. Nirgends sehen wir das mehr als an Maria. Das Wort des Gekreuzigten an den Jünger, an Johannes und durch ihn hindurch an alle Jünger Jesu: ,,Siehe da, deine Mutter’’ (Joh 19, 27), wird durch alle Generationen hindurch immer neu wahr. Maria ist in der Tat zur Mutter aller Glaubenden geworden. Zu ihrer mütterlichen Güte wie zu ihrer jungfräulichen Reinheit und Schönheit kommen die Menschen aller Zeiten und aller Erdteile in ihren Nöten und ihren Hoffnungen, in ihren Freuden und Leiden, in ihren Einsamkeiten wie in der Gemeinschaft. Und immer erfahren sie das Geschenk ihrer Güte, erfahren sie die unerschöpfliche Liebe, die sie aus dem Grund ihres Herzens austeilt. Die Zeugnisse der Dankbarkeit, die ihr in allen Kontinenten und Kulturen erbracht werden, sind die Anerkennung jener reinen Liebe, die nicht sich selber sucht, sondern nur einfach das Gute will. Die Verehrung der Gläubigen zeigt zugleich das untrügliche Gespür dafür, wie solche Liebe möglich wird: durch die innerste Einung mit Gott, durch das Durchdrungensein von ihm, das denjenigen, der aus dem Brunnen von Gottes Liebe getrunken hat, selbst zum Quell werden läßt, ,,von dem Ströme lebendigen Wassers ausgehen’’ (vgl. Joh 7, 38). Maria, die Jungfrau, die Mutter, zeigt uns, was Liebe ist und von wo sie ihren Ursprung, ihre immer erneuerte Kraft nimmt. Ihr vertrauen wir die Kirche, ihre Sendung im Dienst der Liebe an:

Heilige Maria, Mutter Gottes,
du hast der Welt
das wahre Licht geschenkt,
Jesus, deinen Sohn — Gottes Sohn.
Du hast dich ganz
dem Ruf Gottes überantwortet
und bist so zum Quell der Güte geworden,
die aus ihm strömt.
Zeige uns Jesus. Führe uns zu ihm.
Lehre uns ihn kennen und ihn lieben,
damit auch wir selbst
wahrhaft Liebende
und Quelle lebendigen Wassers
werden können
inmitten einer dürstenden Welt.
Gegeben zu Rom, Sankt Peter, am 25. Dezember, dem Hochfest der Geburt des Herrn, im Jahr 2005, dem ersten des Pontifikats.
BENEDICTUS PP. XVI
________________________________________
[1] Vgl. Jenseits von Gut und Böse, IV, 168.
[2] X, 69.
[3] Vgl. R. Descartes, Œuvres, hrsg. von V. Cousin, Bd. 12, Paris 1824, S. 95 ff.
[4] II, 5: SCh 381, 196.
[5] Ebd., 198.
[6] Vgl. Metaphysik, XII, 7.
[7] Vgl. Pseudo Dionysius Areopagit, der in seinem Werk Über die göttlichen Namen, IV, 12-14: PG 3, 709-713 Gott zugleich Eros und Agape nennt.
[8] Vgl. Symposion, XIV-XV, 189c-192d.
[9] Sallust, De coniuratione Catilinae, XX, 4.
[10] Vgl. Augustinus, Confessiones, III, 6, 11: CCL 27, 32.
[11] De Trinitate, VIII, 8, 12: CCL 50, 287.
[12] Vgl. I Apologia, 67: PG 6, 429.
[13] Vgl. Apologeticum 39, 7: PL 1, 468.
[14] Ep. ad Rom., Inscr.: PG 5, 801.
[15] Vgl. Ambrosius, De officiis ministrorum, II, 28, 140: PL 16, 141.
[16] Vgl. Ep. 83: J. Bidez, L'Empereur Julien. Œuvres complètes, Paris 19602, t. I, 2a, S. 145.
[17] Vgl. Kongregation für die Bischöfe, Direktorium für den pastoralen Dienst der Bischöfe, Apostolorum Successores (22. Februar 2004), 194, Vatikanstadt 2004, 2a, 205-206.
[18] De Civitate Dei, IV, 4: CCL 47, 102.
[19] Vgl. Past. Konst. über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 36.
[20] Vgl. Kongregation für die Bischöfe, Direktorium für den pastoralen Dienst der Bischöfe Apostolorum Successores (22. Februar 2004), 197, Vatikanstadt 2004, 2a, 209.
[21] Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Christifideles laici (30. Dezember 1988), 42: AAS 81 (1989), 472.
[22] Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Lehrmäßige Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben (24. November 2002), 1: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 158.
[23] Katechismus der Katholischen Kirche, 1939.
[24] Dekret über das Laienapostolat Apostolicam actuositatem, 8.
[25] Ebd., 14.
[26] Vgl. Kongregation für die Bischöfe, Direktorium für den pastoralen Dienst der Bischöfe, Apostolorum Successores (22. Februar 2004), 195, Vatikanstadt 2004, 2a, 207.
[27] Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Christifideles laici (30. Dezember 1988), 41: AAS 81 (1989), 470-472.
[28] Vgl. Nr. 32: AAS 80 (1988), 556.
[29] Nr. 43: AAS 87 (1995), 946.
[30] Vgl. Kongregation für die Bischöfe, Direktorium für den pastoralen Dienst der Bischöfe Apostolorum Successores (22. Februar 2004), 196, Vatikanstadt 2004, 2a, 208.
[31] Pontificale Romanum, De ordinatione episcopi, 43.
[32] Vgl. Can. 394; Gesetzbuch der katholischen Ostkirchen, Can. 203.
[33] Vgl. Apostolorum Successores, 193-198, o. c., 204-210.
[34] Vgl. Ebd., 194, 205-206.
[35] Sermo 52, 16: PL 38, 360.
[36] Vgl. Sulpicius Severus, Vita Sancti Martini, 3, 1-3: SCh 133, 256-258.
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"Es ist leicht, die Menschen zu lieben, die weit weg sind. Es ist nicht immer leicht, die zu lieben, die uns nahe sind. Es ist leichter, eine Tasse Reis zu geben, um den Hunger zu lindern als die Einsamkeit und den Schmerz von jemandem zu lindern, der in unserem Zuhause nicht geliebt wird. Bringe Liebe in dein Haus, denn hier muss unsere Liebe zueinander beginnen."
Blessed Mother Teresa



Catholic Charity
Something New Under the Sun
By: Thomas E. Woods Jr.
We have all heard the bill of particulars that critics of Catholicism typically bring against the Church: She obstructed the sciences, opposed the spread of knowledge, and generally retarded the progress of civilization. These complaints are as unfounded as they are common, and the past several years have seen the publication of a number of books replying to them, including Rodney Stark’s The Victory of Reason, Robert Royal’s The God that Did Not Fail, and my own How the Catholic Church Built Western Civilization.
One of the few bright spots in Church history that even her most prejudiced opponents will concede, however, involves Catholic charity. Reasonable people acknowledge the extraordinary array of Catholic efforts to bring relief to the suffering all over the world. Indeed it would be difficult not to, what with the global reach of Catholic charitable institutions, and the vivid example of Bl. Teresa of Calcutta.

A New Way of Giving
Catholic charity was indeed something new under the sun, but not simply because in the early centuries of the Church the Western world had for the first time an institutionalized system for the care of widows, orphans, the sick, and the poor. Just as important as the sheer volume of Catholic charity was the qualitative difference that separated the Church’s charity from what had preceded it. Certainly some noble sentiments were voiced by the great ancient philosophers when it came to philanthropy, and men of wealth made impressive and substantial voluntary contributions to their communities. The wealthy were expected to finance baths, public buildings, and all manner of public entertainment: Pliny the Younger was far from alone in endowing his home town with a school and a library. Yet for all these good deeds, the spirit of giving in the ancient world was deficient when set against that of the Church.
Most ancient giving was self-interested rather than purely gratuitous. The buildings that the wealthy financed featured their own names in prominent display. Donors gave what they did either to put the recipients in their debt or to call attention to themselves and their great liberality. The idea that those in need were to be served with a cheerful heart and provided for without thought of reward or reciprocity would have made no sense to people reared in the ancient tradition.
Stoicism, a school of thought dating back to around 300 B.C. that was still alive and well in the early centuries of the Christian era, is sometimes cited as a pre-Christian line of thought that did recommend doing good to one’s fellow man without expecting anything in return.
To be sure, the Stoics did teach that the good man was a citizen of the world who enjoyed a spirit of fraternity with all men. For that reason they appear to have been messengers of charity. But they also taught the suppression of feeling and emotion as things unbecoming of a man. Man should be utterly unperturbed by outside events, even of the most tragic kind. He must possess a self-mastery so strong as to be able to face the worst catastrophe in a spirit of absolute indifference. In this spirit, the wise man should assist the less fortunate. He served not as one who shared the grief and sorrow of those he helped, but in the disinterested and emotionless spirit of one who is simply discharging his duty. Thus Seneca could write:
The sage will console those who weep, but without weeping with them; he will succor the shipwrecked, give hospitality to the proscribed, and alms to the poor, . . . restore the son to the mother’s tears, save the captive from the arena, and even bury the criminal; but in all his mind and his countenance will be alike untroubled. He will feel no pity. He will succor, he will do good, for he is born to assist his fellows, to labor for the welfare of mankind, and to offer each one his part. . . . His countenance and his soul will betray no emotion as he looks upon the withered legs, the tattered rags, the bent and emaciated frame of the beggar. But he will help those who are worthy, and, like the gods, his leaning will be towards the wretched. . . . It is only diseased eyes that grow moist in beholding tears in other eyes. (De Clementia 2.6-7)
Some of the harshness of earlier Stoicism began to dissolve during the early centuries of Christianity. But the ruthless suppression of emotion and feeling that characterized this school had taken its toll. It was certainly alien to human nature in its refusal to acknowledge such an important dimension of what it means to be human. We recoil from such examples of Stoicism as Anaxagoras, a man who upon learning of his son’s death merely remarked, "I never supposed that I had begotten an immortal."
It was only natural that men so insulated from the reality of evil would be slow to alleviate its effects on their fellow men. "Men who refused to recognize pain and sickness as evils," notes one observer, "were scarcely likely to be very eager to relieve them in others" (W.E.H. Lecky, History of European Morals from Augustus to Charlemagne, 1.202). The ancients had a tradition of good deeds without the love that he Church tells us must motivate them.
Cold Comfort Not Enough
Moving ahead to American Progressive Era of the late nineteenth and early twentieth centuries, we encounter the scientific charity movement, which sought to replace what it considered the disorganized and haphazard nature of existing charitable work with a more systematic approach to helping the less fortunate. In addition to relieving material want, it would try to uncover the underlying reasons behind a particular family’s destitution. Catholics at the time did not oppose scientific charity root and branch, and saw in it a potentially useful tool for alleviating suffering. Some even argued that scientific charity—like so many useful advances misleadingly described as "modern"—had actually been anticipated by the Church, in this case in the work of St. John Francis Regis (1597-1640) and St. Vincent de Paul (1581-1660). But they were concerned that in secular hands scientific charity could grow cold and clinical, with its science overpowering its charity. It could, in short, wind up as emotionless Stoicism all over again.
Such an outcome could not be more remote from the spirit of Catholic charity. A student wrote to Msgr. John J. Burke, who headed the National Catholic School of Social Service (which later merged with the School of Social Service at the Catholic University of America), to thank him for the supernatural dimension of his teaching, which she considered indispensable to good social work:
We have realized how favored we are in having your wealth of spiritual thought unfolded so generously, and if we, as Catholics, are to do any worthwhile social service, surely that is the side we should stress—there are many humanitarians better equipped than some of us, if that were the one thing necessary. (Rose Ferguson, Burke Papers, 1923)

Pope Benedict XVI reaffirmed this point in his encyclical Deus Caritas Est:
Yet, while professional competence is a primary, fundamental requirement, it is not of itself sufficient. We are dealing with human beings, and human beings always need something more than technically proper care. They need humanity. They need heartfelt concern. . . . [The Church’s] charity workers need a "formation of the heart": They need to be led to that encounter with God in Christ which awakens their love and opens their spirits to others. As a result, love of neighbor will no longer be for them a commandment imposed, so to speak, from without, but a consequence deriving from their faith, a faith which becomes active through love (cf. Gal. 5:6). (31)
Another Catholic fear was that "science" that lacked any foundation in Church teaching could lead to morally disastrous advice for the poor people involved. "For what appears to be a temporal advantage," warned Fr. Paul Blakely, assistant editor of America, the secular social worker "will counsel conscious birth restriction, sterilization, marriages forbidden by the Church, divorce, or legal remarriage after divorce" (America, May 16, 1916). Msgr. Burke agreed: "The cult of the intellectual alone, that is, the intellectual untempered by any spiritual sense, leads to the irrational, and the morally disastrous" (Burke Papers).



Charity Transcends Welfare
Now, generations later, Pope Benedict seeks to correct the spirit of some Christian charitable work on the same grounds that Catholics in the Progressive Era warned of the secular social work of their own day: "It is time to reaffirm the importance of prayer in the face of the activism and the growing secularism of many Christians engaged in charitable work" (Deus Caritas Est, 37). No wonder Mother Teresa once said of her Missionaries of Charity, "We are not social workers."

The charitable work of the Church, the Pope explains,

Does not simply offer people material help, but refreshment and care for their souls, something which often is even more necessary than material support. In the end, the claim that just social structures would make works of charity superfluous masks a materialist conception of man: the mistaken notion that man can live "by bread alone" (Matt. 4:4; cf. Deut. 8:3)—a conviction that demeans man and ultimately disregards all that is specifically human. (DCE, 28)
"Charity," Benedict writes, "is not a kind of welfare activity which could equally well be left to others, but is a part of [the Church’s] nature, an indispensable expression of her very being" (DCE, 25). Charity informed by the sacramental life of the Church gives us an indispensable ingredient as we seek to help others: "Seeing with the eyes of Christ, I can give to others much more than their outward necessities; I can give them the look of love which they crave" (DCE, 18).
As Pope Benedict reminds us, those who would have all welfare functions centralized in a remote government bureaucracy defy the Church’s emphasis on subsidiarity—that the tasks of civil society should be carried out by the most local unit possible. "The state which would provide everything, absorbing everything into itself," he explains,
Would ultimately become a mere bureaucracy incapable of guaranteeing the very thing which the suffering person—every person—needs: namely, loving personal concern. We do not need a state which regulates and controls everything, but a state which, in accordance with the principle of subsidiarity, generously acknowledges and supports initiatives arising from the different social forces and combines spontaneity with closeness to those in need. (DCE, 28)
"The greatest of these is charity," said St. Paul (1 Cor. 13:13) of the three theological virtues. Charity, which urges us to love others for God’s sake, can truly perform miracles. It is a safe bet that more souls in AIDS hospices have been converted by observing the kindness and selflessness of the nuns they encountered there than by didactic treatises or contentious debate. This is precisely the message of Pope Benedict: "The best defense of God and man consists precisely in love. It is the responsibility of the Church’s charitable organizations to reinforce this awareness in their members, so that by their activity—as well as their words, their silence, their example—they may be credible witnesses to Christ" (DCE, 31).
Truer words have rarely been spoken.

SIDEBARS

Holy and Efficient

In the early twentieth century, Catholics responding to the "scientific charity" movement pointed to the efficiency of their own system of charitable activity, which was motivated by supernatural concerns. Msgr. John Burke, who headed the National Catholic Welfare Council, explained that Catholics’ belief in the immortality of the soul and the intrinsic worth of human life infused them with a zeal for the service of their fellow man. "In such an individual," he wrote, "the whole meaning of life deepens, and deepens with an intensity that never reaches its limit. . . . His task is to perfect himself, and an essential element of that perfection is the dedication of himself and what he possesses to his fellow men" (Address to National Council of Catholic Men). Msgr. John Ryan, the great scholar of Catholic social doctrine, added that a religious motive in charitable work was "a much more effective motive than love of the neighbor for his own sake or for the sake of society; for the human being in distress assumes a much greater value when he is thought of in relation to God" (Social Doctrine in Action, 97).
Catholics also reminded their fellow Americans of the examples of St. John Francis Regis, whose organization and statistical methods anticipated modern scientific charity, and of St. Vincent de Paul, who did likewise. According to the Catholic World, the monthly publication of the Paulist Fathers, "the most representative of Catholic social workers [St. Vincent de Paul] was as thoroughly ‘scientific,’ and infinitely more successful in charity organization than the best of modern secular philanthropists" (June 1916, 299). The St. Vincent de Paul Society, founded in 1833, expanded on St. Vincent’s work, and sought to assist indigent families through such "scientific" practices as individual investigation of reported cases, personal visits to the poor in their homes, strict record-keeping, and attempts to uncover the ultimate causes of their deprivation.
"If American sociologists would only wipe away a certain mist of prejudice from their mental vision," wrote America magazine in 1915, "perchance they would find that the solution which they seek has been in the world for two thousand years and is even now under their very noses" (May 1, 1915, 58).

Further Reading
The Church Confronts Modernity by Thomas E. Woods, Jr. (Columbia University)
How the Catholic Church Built Western Civilization by Thomas E. Woods, Jr. (Regnery)
Sisters: Catholic Nuns and the Making of America by John Fialka (St. Martin’s Griffin)
(http://www.catholic.com/magazine/articles/catholic-charity)


Armut

„Wie können wir am Sonntag einen Obdachlosen anbeten und am Montag einen ignorieren?“
Shane Claiborne

“Diejenigen, dieChristus nicht in den Armen sehen können, sind wirklich Atheisten.”
Dorothy Day



Prof. Dr. Scott Hahn zeigt uns in seinem ausgezeichneten Buch „Catholic Bible Dictionary“ (Doubleday) den biblischen Hintergrund der Armut auf:
Jesus selbst war ein Kind armer Eltern und wurde in einem Stall geboren. Er teilte das Leben der Armen.
„Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe“ (Lukas 4,18 Einheitsübersetzung)
„Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ (Lukas 7,22 Einheitsübersetzung)
Er erklärte sie als „selig“:
„Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“ (Lukas 6,20 Einheitsübersetzung)

Jesus setzte eine Liebe, die sich in Taten zeigt, sogar als Bedingung für den Eintritt in das Himmelreich voraus:
„Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. 
Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40
Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. 
Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. 
Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? 
Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.
Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.“
(Matthäus 25,31-46 Einheitsübersetzung)

„Die Armen habt ihr immer bei euch“ (Johannes 12,8 Einheitsübersetzung)

Deshalb sollen Christinnen und Christen Werke der Liebe und des Mitleids vollbringen.

„Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Matthäus 6,2-4 Einheitsübersetzung)
„Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.“ (Lukas 3,11 Einheitsübersetzung)
„Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für euch alles rein.“ (Lukas 11,41 Einheitsübersetzung)
„Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen - was nützt das?“ (Jakobus 2,15-16 Einheitsübersetzung)
„Wenn jemand Vermögen hat und sein Herz vor dem Bruder verschließt, den er in Not sieht, wie kann die Gottesliebe in ihm bleiben? Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit.“ (1 Johannes 3,17-18 Einheitsübersetzung)

Was Armut theologisch beinhaltet, wurde von der Kongregation für die Glaubenslehre im Dokument Libertatis Conscientia im § 68 ausgedrückt:
„Unter seinen vielfältigen Formen - materielle Not, Unrecht und Unterdrückung, leibliche und seelische Krankheiten und schließlich der Tod - ist das menschliche Elend das offenkundige Zeichen für den Zustand einer angeborenen Schwäche, in dem sich der Mensch nach der Ursünde befindet, sowie für die Notwendigkeit einer Heilung. Darum hat es das Mitleid Christi, des Erlösers, geweckt, der dieses Elend hat auf sich nehmen und sich mit den "geringsten seiner Brüder" (Mt 25,40.45) hat identifizieren wollen. Darum richtet sich auf alle, die davon bedrückt sind, auch eine vorrangige Liebe der Kirche, die seit ihren Anfängen, ungeachtet der Schwächen vieler ihrer Glieder, unaufhörlich dafür gewirkt hat, die Bedrückten zu stützen, zu verteidigen und zu befreien. Das hat sie getan durch zahllose Werke der Wohltätigkeit, die immer und überall unentbehrlich bleiben“
Die Christen in Jerusalem waren besorgt um die Bedürfnisse der Armen in der Stadt sowie die der Gläubigen.

„Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam.Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte.“ (Apostelgeschichte 2,44-45 Einheitsübersetzung)
„Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.“ (Apostelgeschichte 4,34-35 Einheitsübersetzung)
Paulus arbeitete an seinen Reisen daran, Geld für die Armen in Jerusalem zu besorgen.

„Doch jetzt gehe ich zuerst nach Jerusalem, um den Heiligen einen Dienst zu erweisen. Denn Mazedonien und Achaia haben eine Sammlung beschlossen für die Armen unter den Heiligen in Jerusalem. Sie haben das beschlossen, weil sie ihre Schuldner sind. Denn wenn die Heiden an ihren geistlichen Gütern Anteil erhalten haben, so sind sie auch verpflichtet, ihnen mit irdischen Gütern zu dienen. Wenn ich diese Aufgabe erfüllt und ihnen den Ertrag der Sammlung ordnungsgemäß übergeben habe, will ich euch besuchen und dann nach Spanien weiterreisen. Ich weiß aber, wenn ich zu euch komme, werde ich mit der Fülle des Segens Christi kommen.“ (Römer 15,25-29 Einheitsübersetzung)
„Nur sollten wir an ihre Armen denken; und das zu tun, habe ich mich eifrig bemüht.“ (Galater 2,10 Einheitsübersetzung)

Im Zweiten Korintherbrief untersucht Paulus die Armut detailliert.

„Denn ihr wisst, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.“ (2. Korinther 8,9 Einheitsübersetzung)

Wir Gläubigen sollen Jesus nachahmen, in dem wir das, womit wir von Gott gesegnet wurden, großzügig mit denen teilen, die wenig oder nichts haben.

„Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.“ (Lukas 14,33 Einheitsübersetzung)
„Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“ (Lukas 8,35 Einheitsübersetzung)
„Das hebräische Wort für "arm" ist ganz ähnlich dem Wort für "elend". Der Unterschied liegt im ersten Buchstaben: das Wort "arm" beginnt mit Alef, dem Buchstaben, der für Gott steht. Nur wo Gott wirklich voransteht, ist die Armut selig; andernfalls ist es Elend. 
Arm im biblischen Sinne ist, wer sein Herz nicht an die Dinge dieser Welt hängt, sondern jederzeit frei ist für den Anruf Gottes - und ihm daher ohne hinderliches "Marschgepäck" folgen kann. Gemeint sind nicht nur materielle Dinge, sondern auch Positionen in Beruf und Gesellschaft, oder auch geistliche Positionen, die man sich erarbeitet hat und wo man sich gleichsam fest eingerichtet hat. 
Diese Grundhaltung einer Bereitschaft, dem Ruf Gottes zu folgen, finden wir im Alten Testament vielfach unter dem Bild des Nomaden - und auch wir sollten bereit sein wie Abraham, in jeder Lebenslage alles auszulassen, wenn Gott uns weiterführen will in das Land das wir noch nicht kennen. 
Das Maß, in dem Gott zu einem opferbereiten Herzen ruft, ist je nach dem persönlichen Lebensweg unterschiedlich. Jesus Christus hat aber jedenfalls die Armen selig gepriesen, nicht die Reichen. Allerdings gehört es auch zur Tugend geistlicher Armut, sich nicht von Neid und Gier überwältigen zu lassen. In der Geschichte der Orden war oft Art und Ausmaß der konkreten Verwirklichung der Armut ein Anlass für kritische Entwicklungen und Reformen. Nur einige wenige Christen und Ordensleute haben die Armut so ernst genommen, dass sie möglichst jegliche Annehmlichkeit im Leben aufopferten.“
(Kathpedia. http://www.kathpedia.com/index.php?title=Armut#Armut)


Care of the Poor by the Church
Objects, history, and organization

A. The care of the poor is a branch of charity. In the narrow sense charity means any exercise of mercy towards one's fellowman rooted in the love of God. While numerous classes of persons are fit objects for charity, the chief class is constituted by the poor. By the poor are meant persons who do not possess and cannot acquire the means of supporting life, and are thus dependent on the assistance of others. In accordance with Christ's command (Matthew 25:40), the care of the poor is the duty of all the members of the Christian body, so that by the works of each the welfare of the whole community may be promoted. As, however, success is most readily attained by the systematic co-operation of many, we find since the earliest days of Christianity, side by side with the private exercise of charity, strictly conceded measures taken by the Church for the care of the poor. The Church's care of the poor is by no means a substitute for private efforts; on the contrary, it is intended to supplement, extend, and complete the work of individuals. Modern moralists distinguish, according to the degree of need, three kinds of poverty: 
1. ordinary, such as that of the hired labourer, who lives from hand to mouth, has no property, but whose wages suffices to afford him a livelihood becoming his station; as applied to this class, the care of the poor is confined to preventive measures to keep them from falling into real poverty; 
2. real want, or beggary, is the condition of those who do not possess and cannot earn sufficient means to support life, and depend on charity for what is lacking; 
3. extreme want, or destitution, is a state in which the means of support are lacking to such a degree that, without extraneous aid, existence is impossible.
The latter two classes are the object first of curative, and then of preventive remedies. 
The object of ecclesiastical provision for the poor is, first the removal of their immediate need, then the nullification of the demoralizing effects of poverty, encouragement, the fostering of a desire for work and independence, and thus the exercise of an educative influence on the soul: "the care of souls is the soul of the care of the poor". There is in addition the social object of promoting the public welfare and of procuring for the greatest possible number of persons a share in the goods of material and intellectual civilization. From this object arise the general duties of ecclesiastical relief of the poor: to prevent those able to earn their living from falling into poverty, to assist with alms the sick and the poor, to raise the religious and moral condition of the poor, and to render social life a blessing for needy mankind. The relief of the poor includes also today a number of important tasks arising from the injurious influences of capitalistic forms of production, the modern system of interest and usury in general, and the neglect of the moral foundations of social life based on Christianity. The Church seeks to fulfil the objects and duties of poor-relief by means of the corporal and spiritual works of mercy usually included under the name of alms. 



B. The object of ecclesiastical poor-relief determines its relations to social politics and state provision for the poor. Social politics and ecclesiastical relief of the poor have both for their object the removal of the material, intellectual, and moral needs of the poorer classes of the community. They are essentially distinct in three points: 
1. the chief motive of social politics is justice, the chief motive of ecclesiastical relief is Christian charity; 
2. social politics considers whole groups or great classes of the people; ecclesiastical relief concerns itself essentially with the needs of the individual; the object of the former is to abolish pauperism, while the latter aims at removing individual poverty; 
3. social politics aims rather at prophylactic measures, seeking to prevent the continuation and increase of poverty, while ecclesiastical relief, although also prophylactic, is mainly curative, since it relieves and, as far as possible, removes existing need.
Both ecclesiastical relief-work and social politics are indispensable for society; they act and react on each other. Justice without charity would lead to rigidity, and leave the bitterest cases of need uncared for; charity without justice would allow thousands to suffer destitution, and save but a few. The man who is capable of earning his own livelihood needs not alms, but work and just wages. 
Between State provision for the poor and ecclesiastical relief the relation is as follows: the State should by its social politics prepare the way for the development of voluntary poor-relief, and should put these politics into practice against lazy individuals; on the other hand, the provision for the really poor is in the first place the business of the private person and the Church, in the second place of the community, and in the last place also of the State. (…) On the other hand, it must be remembered that the State should support the unalienable human rights of the helpless, and promote the common weal by uplifting the needy classes. It is therefore bound not only to interest itself in the politics of pauperism (i.e. to wage war on professional beggars and all malevolent exploitation of charity), but also in the private care or the poor, especially today, when the voluntary ecclesiastical and private relief of the poor cannot possibly satisfy all the demands made upon it. (…) The part played by the State should however be only subsidiary; the chief rôle should be regularly filled by voluntary relief and neighbourly charity, since thus alone will the principle of spontaneous generosity and individuality be retained, inasmuch as State relief rests on compulsory taxation and always remains bureaucratic. The Church therefore asserts her innate right to care for the poor together and in conjunction with the State, and condemns the agitation for a state monopoly of poor-relief as a violation of a principle of justice. The political side of pauperism does indeed pertain to the State; in the actual relief of the poor, however, Church and community should co-operate. While the institutions founded by the Church are to be administered by the ecclesiastical authorities the Church must be allowed to exercise also in State institutions her educative and moral influence. Close co-operation between ecclesiastical, public, and private poor-relief effectually prevents its exploitation by unworthy individuals.
C. Ecclesiastical relief of the poor is condemned by Protestants (e.g. in recent times by Dr. Uhlhorn) who assert that it is unmethodical, uncritical, and without organization, and consequently fosters begging and exercises a harmful influence. To this we may reply: Christianity disapproves of everything irrational, and therefore also a priori of disorganized and uncritical care of the poor. But the surveillance must not be injurious or degrading to the poor. Without transgressing the boundaries of charity and respect for the dignity of man, the New Testament distinctly demands discretion in the giving of alms, and condemns professional begging (1 Thessalonians 4:11; 1 Timothy 5:13 sqq.). The whole range of ecclesiastical literature and even the greatest friends of the poor among the teachers of the Church peremptorily insist upon order and distinction being employed in relieving the poor, warn against the encouragement of lazy beggars, and declare that one may as little support laziness as immorality; unjustly received poor-relief must be restored. Ecclesiastical relief of the poor has from the very beginning been very well organized, the organization being changed in every century to suit the changing conditions of the times. Not in those places where the Church has controlled poor-relief but in those where the State or other powers have interfered with its administration, have disorder and a want of discrimination been apparent. 
(…)
Sources
I. DEVAS, Political Economy (London, 1892); MANNING, Sermons on Ecclesiastical Subjects (London, 1873); IDEM, The Eternal Priesthood (8th ed., London, 1883); GLEN, The Poor Law (London, 1883); RATZINGER, Gesch. der kirchl. Armenpflege (Freiburg, 1884); SCHAUB, Die kathol. Caritas u. ihre Gegner (1909); EHRLE, Beiträge zur Gesch. u. Reform der Armenpflege (Freiburg, 1881); UHLHORN, Die christl. Liebestätigkeit in der alten Kirche (2nd ed., Stuttgart, 1882); IDEM, Die christl. L. im Mittelalter (1884); IDEM, Die christl. L. seit der Reformation (1890); MÜNSTERBERG, Die Armenpflege (Berlin, 1897); POSCHER, System der Armenpflege u. Armenpolitik (3rd ed., Stuttgart, 1906); SALLEMAND, Hist. de la charité (Paris, 1902).
II. Le Canada ecclésiastique (1910); Annuaire de l'Hôtel-Dieu de Québec (1909); Annuaire de l'Hôpital St-Joseph (Three Rivers, 1906-10); Report Hospitals and Charities (Ontario, 1909); Budget de La province de Québec (1911); Noces d'or de la Société St-Vincent de Paul, à Québec, 1846-96 (Quebec. 1897): Rapport général du conseil supérieur de la Société St-Vincent de Paul du Canada (1910).
III. Handbook of Catholic Charitable and Social Works (London, 1910); Catholic Directory (London, 1910); Irish Catholic Directory (Dublin, 1910); Catholic Social Year Book (London, 1910).
IV. Report of the First National Conference of Catholic Charities, held at the Catholic University, Washington, 1910; Reports of the National Conferences of the Society of St. Vincent de Paul, held at St. Louis, 1903, Richmond, 1908, Boston, 1911; St. Vincent de Paul Quarterly (New York) files; reports of organizations and institutions, passim.
(http://www.newadvent.org/cathen/12236a.htm)



BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS ZUR FASTENZEIT 2014
Er wurde arm, um uns durch seine Armut reich zu machen (vgl. 2 Kor 8,9)

Liebe Brüder und Schwestern,
anlässlich der Fastenzeit lege ich euch einige Gedanken vor, in der Hoffnung, dass sie dem persönlichen und gemeinschaftlichen Weg der Umkehr dienen mögen. Ausgehen möchte ich von einem Wort des heiligen Paulus: »Denn ihr wisst, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen« (2 Kor 8,9). Der Apostel wendet sich an die Christen von Korinth, um sie zu ermutigen, den Gläubigen von Jerusalem, die in Not sind, großzügig zu helfen. Was sagen diese Worte des heiligen Paulus uns Christen von heute? Was sagt uns heute der Aufruf zur Armut, zu einem Leben in Armut im Sinne des Evangeliums?
Die Gnade Christi
Zunächst einmal sagen sie uns, welches der Stil Gottes ist. Gott offenbart sich nicht durch die Mittel der Macht und des Reichtums dieser Welt, sondern durch jene der Schwäche und der Armut: »Er, der reich war, wurde euretwegen arm ...« Christus, der ewige Sohn Gottes, an Macht und Herrlichkeit dem Vater gleich, wurde arm; er ist herabgestiegen mitten unter uns, ist jedem von uns nahe gekommen; er entäußerte sich, „entleerte“ sich seiner Gottesgestalt, um in allem uns gleich zu sein (vgl. Phil 2,7; Hebr 4,15). Die Menschwerdung Gottes ist ein tiefes Geheimnis! Doch der Grund all dessen ist die Liebe Gottes – eine Liebe, die Gnade, Großzügigkeit, Wunsch nach Nähe ist und die nicht zögert, sich für die geliebten Geschöpfe hinzugeben und zu opfern. Liebe bedeutet, das Schicksal des Geliebten voll und ganz zu teilen. Die Liebe macht einander ähnlich, sie schafft Gleichheit, reißt trennende Mauern nieder und hebt Abstände auf. Und eben dies hat Gott mit uns getan. Denn Jesus hat »mit Menschenhänden (...) gearbeitet, mit menschlichem Geist gedacht, mit einem menschlichen Willen (...) gehandelt, mit einem menschlichen Herzen geliebt. Geboren aus Maria, der Jungfrau, ist er in Wahrheit einer aus uns geworden, in allem uns gleich außer der Sünde« (Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst. Gaudium et spes, 22).
Der Zweck des Armwerdens Jesu besteht nicht in der Armut an sich, sondern – wie der heilige Paulus sagt – darin, »euch durch seine Armut reich zu machen«. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein Wortspiel oder um einen effekthascherischen Ausdruck! Diese Worte bringen die Logik Gottes auf den Punkt, die Logik der Liebe, die Logik der Menschwerdung und des Kreuzes. Gott hat das Heil nicht von oben auf uns herabfallen lassen, wie das Almosen dessen, der einen Teil des eigenen Überflusses mit mitleidiger Geste hergibt. Die Liebe Christi ist nicht solcher Art! Als Jesus in den Jordan hinabsteigt und sich von Johannes dem Täufer taufen lässt, tut er dies nicht, weil er der Buße, der Bekehrung bedarf. Er tut es, um sich mitten unter die Menschen zu begeben, die Vergebung brauchen, mitten unter uns Sünder, und um die Last unserer Sünden auf sich zu nehmen. Das ist der Weg, den er gewählt hat, um uns zu trösten, um uns zu retten und aus unserem Elend zu befreien. Uns beeindrucken die Worte des Apostels, der sagt, dass wir nicht durch den Reichtum Christi, sondern durch seine Armut befreit wurden. Und doch weiß der heilige Paulus sehr wohl um »den unergründlichen Reichtum Christi« (Eph 3,8), des »Erben des Alls« (Hebr 1,2).


Was also ist diese Armut, durch die Jesus uns befreit und uns reich macht? Es ist gerade die Art, wie er uns liebt, die Tatsache, dass er für uns zum Nächsten wird wie der barmherzige Samariter, der zu dem Mann hingeht, der halb tot am Straßenrand zurückgelassen wurde (vgl. Lk 10,25ff). Was uns wahre Freiheit, wahres Heil und wahres Glück schenkt, ist seine barmherzige, zärtliche und teilnahmsvolle Liebe. Die Armut Christi, die uns reich macht, ist seine Menschwerdung, dass er unsere Schwächen, unsere Sünden auf sich nimmt und uns so an der unendlichen Barmherzigkeit Gottes teilhaben lässt. Die Armut Christi ist der größte Reichtum: Jesus ist reich durch sein grenzenloses Vertrauen auf Gott den Vater, dadurch, dass er sich in jedem Moment ihm anvertraut und dabei stets und ausschließlich seinen Willen und seine Ehre im Sinn hat. Er ist reich, wie es ein Kind ist, das sich geliebt fühlt und seine Eltern liebt und keinen Augenblick an ihrer Liebe und Zuwendung zweifelt. Der Reichtum Jesu ist seine Sohnschaft, seine einzigartige Beziehung zum Vater stellt das unumschränkte Vorrecht dieses armen Messias dar. Wenn Jesus uns dazu aufruft, sein „leichtes Joch“ auf uns zu nehmen, dann fordert er uns damit auf, uns mit dieser seiner „reichen Armut“ und seinem „armen Reichtum“ zu bereichern, seinen Geist der Sohnschaft und der Brüderlichkeit mit ihm zu teilen, Söhne und Töchter im Sohn, Brüder und Schwestern im erstgeborenen Bruder zu werden (vgl. Röm 8,29).
Nach Léon Bloy gibt es nur eine einzige wahre Traurigkeit: kein Heiliger zu sein. Wir könnten auch sagen, dass es nur ein einziges wahres Elend gibt: nicht als Kinder Gottes und als Brüder und Schwestern Christi zu leben.
Unser Zeugnis
Wir könnten nun meinen, dieser „Weg“ der Armut sei eben jener Jesu gewesen, während wir, die wir nach ihm kommen, in der Lage seien, die Welt mit geeigneten menschlichen Mitteln zu retten. Doch dem ist nicht so. In jeder Zeit und an jedem Ort rettet Gott weiterhin die Menschen und die Welt durch die Armut Christi, der arm wird in den Sakramenten, im Wort und in seiner Kirche, die ein Volk der Armen ist. Der Reichtum Gottes kann nicht durch unseren Reichtum vermittelt werden, sondern immer ausschließlich durch unsere persönliche und gemeinschaftliche, vom Geist Christi beseelte Armut.
Wir Christen sind aufgerufen, es unserem Meister gleichzutun und die Not unserer Brüder und Schwestern anzusehen und zu berühren, sie auf uns zu nehmen und konkret zu wirken, um sie zu lindern. Not ist nicht gleichzusetzen mit Armut; Not ist Armut ohne Vertrauen, ohne Solidarität, ohne Hoffnung. Wir können drei Arten der Not unterscheiden: die materielle Not, die moralische Not und die spirituelle Not. Die materielle Not ist das, was gemeinhin als „Armut“ bezeichnet wird und von der jene Menschen betroffen sind, die unter menschenunwürdigen Umständen leben: ihrer Grundrechte beraubt und ohne die Möglichkeit, grundlegende Bedürfnisse wie Nahrung, Wasser, Hygiene, Arbeit zu befriedigen oder sich persönlich und kulturell zu entfalten. Angesichts dieser Not bietet die Kirche ihren Dienst, ihre diakonia an, um den Bedürfnissen entgegenzukommen und diese Wunden, die das Antlitz der Menschheit entstellen, zu heilen. In den Armen, in den Letzten sehen wir das Antlitz Christi; indem wir die Armen lieben und ihnen helfen, lieben und dienen wir Christus. Ziel unserer Bemühungen ist es auch zu bewirken, dass die Verletzungen der Menschenwürde, die Diskriminierungen und Übergriffe, die vielfach die Ursachen der Not sind, weltweit ein Ende finden. Werden Macht, Luxus und Geld zu Götzen, so werden diese der Notwendigkeit einer gerechten Verteilung des Reichtums übergeordnet. Daher bedarf es dringend einer Umkehr der Gewissen zu den Werten der Gerechtigkeit, der Gleichheit, der Genügsamkeit und des Teilens.


Nicht minder beunruhigend ist die moralische Not, bei der die Menschen zu Sklaven von Lastern und Sünde werden. Wie viele Familien sind in ängstlicher Sorge, weil eines ihrer Mitglieder – zumeist ein junges – dem Alkohol, den Drogen, dem Glücksspiel oder der Pornographie verfallen ist! Wie viele Menschen können keinen Sinn mehr im Leben erkennen, sind ohne Zukunftsperspektiven und haben jede Hoffnung aufgegeben! Und wie viele Menschen geraten in diese Not durch ungerechte soziale Bedingungen; weil sie durch das Fehlen von Arbeitsplätzen der Würde beraubt werden, die damit verbunden ist, das Brot nach Hause zu bringen; aufgrund von Ungleichheit im Hinblick auf das Recht auf Bildung und Gesundheit. In solchen Fällen kann die moralische Not zu Recht als beginnender Selbstmord bezeichnet werden. Diese Form der Not, die auch finanziellen Ruin mit sich bringt, ist immer mit spiritueller Not verbunden. Diese sucht uns heim, wenn wir uns von Gott entfernen und seine Liebe ablehnen. Die Auffassung, dass wir uns selbst genügen und daher Gott, der uns in Christus seine Hand entgegenstreckt, nicht brauchen, führt uns auf einen Weg des Scheiterns. Allein Gott ist es, der wirklich rettet und befreit.
Das Evangelium ist das wahre Gegenmittel gegen die spirituelle Not: Der Christ ist aufgerufen, überallhin die befreiende Botschaft zu bringen, dass es die Vergebung des verübten Unrechts gibt, dass Gott größer als unsere Sünde ist und uns bedingungslos liebt, immer, und dass wir für die Gemeinschaft und für das ewige Leben bestimmt sind. Der Herr fordert uns auf, frohe Überbringer dieser Botschaft der Barmherzigkeit und der Hoffnung zu sein! Es ist schön, die Freude an der Verbreitung dieser guten Nachricht zu erfahren, den uns anvertrauten Schatz mit anderen zu teilen, um gebrochene Herzen zu trösten und vielen Brüdern und Schwestern, die von Finsternis umgeben sind, Hoffnung zu schenken. Es geht darum, Jesus zu folgen und es ihm gleichzutun, ihm, der den Armen und Sündern entgegengegangen ist wie der Hirte dem verlorenen Schaf, und dies voller Liebe getan hat. Mit ihm vereint können wir mutig neue Wege der Evangelisierung und der Förderung des Menschen eröffnen.
Liebe Brüder und Schwestern, möge die gesamte Kirche während dieser Fastenzeit bereitwillig und eifrig jenen, die von materieller, moralischer und spiritueller Not betroffen sind, Zeugnis geben von der Botschaft des Evangeliums, das zusammengefasst ist in der Botschaft von der Liebe des barmherzigen Vaters, der bereit ist, in Christus jeden Menschen zu umarmen. Dies wird uns in dem Maße gelingen, in dem wir uns nach Christus richten, der arm wurde und uns durch seine Armut reich gemacht hat. Die Fastenzeit eignet sich ganz besonders zur Entäußerung. Und es wird uns gut tun, uns zu fragen, worauf wir verzichten können, um durch unsere Armut anderen zu helfen und sie zu bereichern. Vergessen wir nicht, dass wahre Armut schmerzt: Ein Verzicht, der diesen Aspekt der Buße nicht einschließt, wäre bedeutungslos. Ich misstraue dem Almosen, das nichts kostet und nicht schmerzt.
Der Heilige Geist, durch den wir wie »Arme [sind], aber doch viele reich machen; nichts haben und doch alles haben« (2 Kor 6,10), möge diese unsere Vorsätze unterstützen und in uns die Aufmerksamkeit und die Verantwortung gegenüber der menschlichen Not stärken, damit wir barmherzig werden und Barmherzigkeit üben. Diesem Wunsch schließt sich mein Gebet an, dass jeder Gläubige und jede kirchliche Gemeinschaft den Weg der Fastenzeit fruchtbringend zurücklegen möge. Und ich bitte euch, für mich zu beten. Der Herr segne euch und die selige Jungfrau Maria behüte euch.
Aus dem Vatikan, am 26. Dezember 2013, 
dem Fest des heiligen Diakons und Märtyrers Stephanus.
FRANZISKUS
(http://w2.vatican.va/content/francescomobile/de/messages/lent/documents/papa-francesco_20131226_messaggio-quaresima2014.html)

“Was ist den der Unterschied zwischen jemandem, der absichtlich sexuellen Vergnügungen nachgibt und dabei die Bibel hinsichtlich der moralischen Reinheit ignoriert und jemandem, der sich absichtlich dem selbstsüchtigen Streben nach immer mehr materiellen Besitztümern hingibt und dabei die Bibel hinsichtlich des Sorgens für die Armen ignoriert? Der Unterschied ist, dass das eine ein soziales Tabu in der Kirche beinhaltet und das andere eine soziale Norm.”
David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream

"Ich war hungrig und ihr habt einen geisteswissenschaftlichen Club gegründet und meinen Hunger diskutiert.
Ich war im Gefängnis und ihr habt euch leise in eure Kapelle davon geschlichen und für meine Entlassung gebetet.
Ich war nackt und ihr habt hochgeistig diskutiert, ob meine Erscheinung moralisch sei.
Ich war krank und ihr habt euch hingekniet und Gott für eure Gesundheit gedankt.
Ich war obdachlos und ihr habt zu mir gepredigt über das spirituelle Obdach der Liebe Gottes.
Ich war einsam und ihr habt mich alleine gelassen um für mich zu beten.
Ihr scheint so heilig zu sein, so nah an Gott.
Aber ich bin immer noch sehr hungrig und einsam und mir ist kalt.“
Unbekannter Autor
Katechismus der Katholischen Kirche
III Armut des Herzens
2544 Jesus macht es seinen Jüngern zur Pflicht, ihn allem und allen Vorzuziehen, und schlägt ihnen vor, um seinetwillen und um des Evangeliums willen [Vgl. Mk 8,35] auf ihren „ganzen Besitz" zu verzichten (Lk 14,33). Kurz vor seinem Leiden stellt er ihnen die arme Witwe von Jerusalem als Vorbild hin, die, obwohl selbst bedürftig, alles gab, was sie zum Leben besaß [Vgl. Lk 21,4]. Das Gebot der Loslösung von den Besitztümern zu erfüllen, ist notwendig, um in das Himmelreich zu gelangen.
2545 Alle Christgläubigen sollen „ihre Willensantriebe richtig leiten, um nicht im Umgang mit Dingen der Welt und durch die Anhänglichkeit an die Reichtümer wider den Geist der evangelischen Armut im Streben nach vollkommener Liebe gehindert zu werden" (LG 42).
2546 „Selig, die arm sind im Geiste" (Mt 5,3). Die Seligpreisungen offenbaren eine Ordnung der Freude und der Gnade, der Schönheit und des Friedens. Jesus preist die Freude der Armen, denen das Reich Gottes schon gehört [Vgl. Lk 6,20].
„Das Wort [das heißt Christus] bezeichnet als ‚Armut im Geiste‘ die willige Demut und Entsagung eines menschlichen Geistes, und der Apostel stellt uns die Armut Gottes als Beispiel hin, wenn er sagt: ‚Er ist unseretwegen arm geworden‘ (2 Kor 8,9)" (Gregor v. Nyssa, beat. 1).
2547 Der Herr beklagt die Reichen, weil sie im Überfluß der Güter ihren Trost finden [Vgl. Lk 6,24]. „Der Stolze strebt nach irdischer Macht, während der Arme im Geist nach dem Himmelreich sucht" (Augustinus, serm. Dom. 1,1,3). Wer sich auf die Vorsehung des himmlischen Vaters verläßt, wird von unruhiger Sorge um seine Zukunft befreit [Vgl. Mt 6. 25-34]. Das Vertrauen auf Gott ist eine Vorbereitung auf die Seligkeit der Armen. Sie werden Gott schauen.

VI Liebe zu den Armen
2443 Gott segnet die, die den Armen zuhilfe kommen, und verurteilt jene, die sich von ihnen abwenden: „Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab" (Mt 5,42). „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben" (Mt 10,8). An dem, was sie für die Armen getan haben, wird Jesus Christus seine Auserwählten erkennen [Vgl. Lk 4,18]. Wenn „den Armen das Evangelium verkündet" wird (Mt 11,5)6, ist dies ein Zeichen für die Gegenwart Christi.
2444 Die Kirche läßt sich in ihrer „Liebe zu den Armen, die ... zu ihrer festen Tradition gehört" (CA 57), vom Evangelium der Seligpreisungen [Vgl. Lk 6,20-22], von der Armut Jesu [Vgl. Mt 8,20] und seiner Zuwendung zu den Armen [Vgl. Mk 12,41-44] leiten. Die Liebe zu den Armen ist für den Christen sogar einer der Beweggründe, zu arbeiten und etwas zu „verdienen, damit er den Notleidenden davon geben kann" (Eph 4,28). Dies betrifft nicht nur die materielle Armut, sondern auch zahlreiche Formen kultureller und religiöser Armut [Vgl. CA 57].
2445 Die Liebe zu den Armen ist mit der ungezügelten Liebe zum Reichtum oder mit dessen egoistischem Gebrauch unvereinbar:
„Ihr aber, ihr Reichen, weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird. Euer Reichtum verfault, und eure Kleider werden von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber verrostet; ihr Rost wird als Zeuge gegen euch. auftreten und euer Fleisch verzehren wie Feuer. Noch in den letzten Tagen sammelt ihr Schätze. Aber der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben, der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt, schreit zum Himmel; die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben, dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere. Ihr habt auf Erden ein üppiges und ausschweifendes Leben geführt, und noch am Schlachttag habt ihr euer Herz gemästet. Ihr habt den Gerechten verurteilt und umgebracht, er aber leistete euch keinen Widerstand" (Jak 5,1-6).
2446 Der hl. Johannes Chrysostomus erinnert an diese Pflicht mit den eindringlichen Worten: „Die Armen nicht an seinen Gütern teilhaben lassen, heißt sie bestehlen und ihnen das Leben nehmen. Nicht unsere Güter haben wir in Besitz, sondern die ihrigen" (Laz. 1,6). „Zuerst muß man den Forderungen der Gerechtigkeit Genüge tun, und man darf nicht als Liebesgabe anbieten, was schon aus Gerechtigkeit geschuldet ist" (AA 8).
„Wenn wir den Armen das unbedingt Nötige geben, machen wir ihnen nicht freigebige persönliche Spenden, sondern geben wir ihnen zurück, was ihnen gehört. Wir erfüllen damit viel eher eine Pflicht der Gerechtigkeit als daß wir damit eine Tat der Nächstenliebe vollziehen" (Gregor d. Gr., past. 3,21).
2447 Die Werke der Barmherzigkeit sind Liebestaten, durch die wir unserem Nächsten in seinen leiblichen und geistigen Bedürfnissen zuhilfe kommen [Vgl. Jes 58,6-7; Hebr 13,3]. Belehren, raten, trösten, ermutigen sowie vergeben und geduldig ertragen sind geistliche Werke der Barmherzigkeit. Leibliche Werke der Barmherzigkeit sind vor allem: die Hungrigen speisen, Obdachlose beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke und Gefangene besuchen und Tote begraben [Vgl. Mt 25,31-46]. Unter diesen Werken ist das Almosenspenden an Arme [Vgl. Tob 4,5-IL Sir 17,22] eines der Hauptzeugnisseder Bruderliebe; es ist auch eine Gott wohlgefällige Tat der Gerechtigkeit [Vgl. Mt 6,2-4]:
„Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso" (Lk 3,11). „Gebt lieber, was in den Schüsseln ist, den Armen, dann ist für euch alles rein" (Lk 11,41). „Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung ist und ohne das tägliche Brot und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen - was nützt das?" (Jak 2,15-16) [Vgl. 1 ich 3,17].
2448 „Unter seinen vielfältigen Formen - materielle Not, Unrecht und Unterdrückung, leibliche und seelische Krankheiten und schließlich der Tod - ist das menschliche Elend das offenkundige Zeichen für den Zustand einer angeborenen Schwäche, in dem sich der Mensch nach der Ursünde befindet, sowie für die Notwendigkeit einer Heilung. Darum hat es das Mitleid Christi, des Erlösers, geweckt, der dieses Elend hat auf sich nehmen und sich mit den ‚geringsten seiner Brüder‘ hat identifizieren wollen. Darum richtet sich auf alle, die davon bedrückt sind, auch eine vorrangige Liebe der Kirche, die seit ihren Anfängen, ungeachtet der Schwächen vieler ihrer Glieder, unaufhörlich dafür gewirkt hat, die Bedrückten zu stützen, zu verteidigen und zu befreien. Das hat sie getan durch zahllose Werke der Wohltätigkeit, die immer und überall unentbehrlich bleiben" (CDF, Instr. „Libertatis conscientia" 68).



2449 Schon im Alten Testament entsprechen allerlei gesetzliche Maßnahmen (Schuldenerlaßjahr, Verbot, Zins zu verlangen und ein Pfand zu behalten, Verpflichtung zum Zehnten, tägliche Bezahlung von Tagelöhnern, Recht zur Nachlese in Weinbergen und auf Fruchtfeldern) der Mahnung im Buch Deuteronomium: „Die Armen werden niemals ganz aus deinem Land verschwinden. Darum mache ich dir zur Pflicht: Du sollst deinem notleidenden und armen Bruder, der in deinem Land lebt, deine Hand öffnen" (Dtn 15,11). Jesus hat sich dieses Wort zu eigen gemacht: „Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch" (Joh 12,8). Damit entkräftet er nicht die früheren heftigen Anklagen der Propheten gegen Leute, die sagten: „Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein Paar Sandalen die Armen" (Am 8,6), sondern er fordert uns damit auf, seine Gegenwart in seinen Brüdern, den Armen, zu erkennen [Vgl. Mt 25,40].
Die hl. Rosa antwortete ihrer Mutter, als diese sie tadelte, weil sie zu Hause Arme und Kranke beherbergte: „Wenn wir den Armen und Kranken dienen, dienen wir Jesus. Wir dürfen nicht müde werden, unseren Nächsten zu helfen, denn in ihnen dienen wir Jesus" (vita).
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Flüchtlinge

Hospitalität
Wir Barmherzigen Brüder legen nicht nur die klassischen drei Mönchsgelübde - ehelose Keuschheit, Armut und Gehorsam - ab, sondern auch ein viertes Gelübde, das der Hospitalität. Hospitalität lässt sich, einfach ausgedrückt, mit dem Wort Gastfreundschaft übersetzen. Man muss dieses Wort Gastfreundschaft jedoch biblisch interpretieren, um zu verstehen, was Hospitalität im Geist der Tradition des heiligen Johannes von Gott bedeutet.
Die Konstitutionen des Ordens der Barmherzigen Brüder sehen den Ursprung dieses Gelübdes im Leben Jesu selber, der, vom Geist gesalbt und gesandt, den Armen die Frohe Botschaft brachte und die Kranken heilte (vgl. Lukas 4,18-19). Die Konsequenz der gelobten Hospitalität wird von den Konstitutionen mit drei knappen Sätzen umschrieben: sich für die Rechte der Person einzusetzen und über sie zu wachen; der Mensch hat das Recht, geboren zu werden und menschenwürdig zu leben; er hat den Anspruch auf Pflege in seiner Krankheit und das Recht, in Würde zu sterben. Diese sehr knappen Aussagen müssen auf den jeweiligen Zweck der Einrichtung hin interpretiert werden. Das geschieht zum Beispiel durch die Leitbilder oder auch durch die Charta der Hospitalität, die vor wenigen Monaten erschienen ist. Maßstab für diese Interpretation ist das Leben des Ordensgründers des heiligen Johannes von Gott.
„Das Handeln des Johannes von Gott für die Armen und Kranken überraschte und machte betroffen, wirkte aber zugleich wie ein Lichtstrahl, der neue Wege zur Betreuung und zum humanen Umgang mit ihnen wies. Er hat praktisch aus dem Nichts ein alternatives Modell geschaffen, wie man Bürger, Christ und dem Schwächsten Bruder sein kann. Diese prophetische Hospitalität hat wie ein Sauerteig im Gesundheitsdienst und in der Kirche gewirkt. Das Modell des heiligen Johannes von Gott hat auch als kritisches Gewissen gewirkt und neue Wege für Hilfsinitiativen zum Wohle der Armen und Randgruppen gewiesen.“ (Charta der Hospitalität)
http://www.barmherzige.de/1346.html
Die Thematik der Flüchtlinge ist ja allgegenwärtig in den Medien und jeder hat irgendwie etwas zu sagen hierzu, wenig davon hilft den Betroffenen tatsächlich.
Die Lösungsvorschläge des Flüchtlings-Problems reichen vom Aufmachen der Grenzen und dem ungehinderten Zustrom jedes Menschen, der aus irgendeinem Grund sein Land verlassen möchte bis hin zum kompletten verschließen derselben. Beides ist naiv und würde katastophale Konsequenzen haben.
Was also tun?
Die Lösung kann und darf nur zweigleisig erfolgen:
1) Befriedigung der Grundbedürfnisse sowohl in den Heimatländern wie dort, wohin sie geflohen sind.
2) Beseitigung der Ursache für die Flucht.

Menschen, die in Not sind, muss geholfen werden – unabhängig davon, wer hier „Recht“ hat und wer „schuld“ ist. Wir sind eine Menschheit, eine Familie und füreinander verantwortlich. Dies verlangt viel von jedem von uns – als Privatmenschen wie als Organisationen und Staaten.
Den Flüchtlingen jedoch nur Essen und Obdach zu geben, ohne die Ursachen zum Thema zu machen, ist verantwortungslos und unsinnig. Deshalb ist jeder von uns auch gerufen, Anteil am täglichen politischen Geschehen zu nehmen. Gerade Wohlfahrtsorganisationen und Staaten tun gut daran, dazu beizutragen, dass die Wurzel des Problems bereits in den Herkunftsländern beseitigt wird – sei es nun sozial-caritativ oder militärisch.
Gerade bei letzterem scheinen wir Deutschen ja immer noch einen Komplex zu haben. Sollen doch die anderen. Wir halten uns schön heraus und steuern allerhöchstens logistische Mittel bei. Wir kurzfristig ist doch diese Denkweise! Wenn wir uns dann doch einmal dazu hinreißen lassen, mehr zu tun, nimmt das schon fast peinliche Ausmaße an: Lang hat die deutsche Regierung zugesehen, wie der IS Menschen abschlachtete, um dann irgendwann ein paar Maschinengewehre rüber zu schicken. Wohl eher zur eigenen Gewissensberuhigung und zur Beruhigung der Kritiker, denn Maschinengewehre helfen gegen die schwere Bewaffnung des IS nichts. Gleichzeitig hat man aber keine Probleme damit, zweifelhaften Staaten wie Saudi Arabien alle möglichen Waffen zu verkaufen.
Was heißt dies für Wohlfahrtsorganisationen?
Wer Hungrigen zu essen gibt, muss auch nachfragen, warum sie hungrig sind und die Schuldigen hierfür an den Pranger stellen bzw. konkrete Lösungsvorschläge anbieten.
In all dem jedoch, muss unser tun Zeugnis geben von unserem Glauben.

Es ist kein Staatsgeheimnis, dass die großen christlichen Kirchen steinreich sind und enorme Mehreinnahmen an Kirchensteuer haben. Hiervon profitieren letztlich auch kirchliche Wohlfahrtsunternehmen. Wir sollten uns also immer unsere Verantwortung vor Augen halten: Hier sind Menschen, die ums nackte Überleben kämpfen. Wie schnell und wie effektiv können und müssen wir helfen?
Dies sollte immer in unserem Kopf sein, wenn wir Entscheidungen über eigene Ausgaben treffen – sei es bei der Renovierung unserer Gebäude, bei Ausgaben für Ausstattung oder was auch immer.
Wenig hilfreich und keinesfalls ein würdiger Ausdruck unseres Auftrages sind repräsentative Multi-Millionen-Verwaltungszentren, egal wie schön wir das in der Öffentlichkeit reden. Uns ist allen bewusst, dass es auch billiger geht. Es gibt Menschen, die unsere Hilfe und unser Geld eher nötig haben. Menschen, die um ihr nacktes Überleben kämpfen.
Mit all unserem gutgemeintem Qualitätsmanagement, unserer Corporate Identity und unserem medienwirksamen Auftritt laufen wir Gefahr, unsere Seele zu verlieren.

Wie wäre es, wenn wir nicht nur etwas „für“ Flüchtlinge tun, sondern „mit“ ihnen! Wenn wir keine Veranstaltungen über sie machen, sondern uns dort mit ihnen treffen, wo sie leben und uns nicht zu schade dafür sind –egal, ob das nun „schöne“ Bilder in der Presse gibt oder nicht?
Öffnen wir unsere Verwaltungsgebäude, unsere Kirchen und Liegenschaften, ja unsere Wohnungen für die, die Hilfe am Nötigsten haben!
BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS ZUM WELTTAG DES MIGRANTEN UND FLÜCHTLINGS (2015)
"Kirche ohne Grenzen, Mutter aller"

Liebe Brüder und Schwestern,
Jesus ist »der Evangelisierende schlechthin und das Evangelium in Person« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 209). Seine Sorge, besonders für die am meisten Gefährdeten und an den Rand Gedrängten fordert alle auf, sich der Schwächsten anzunehmen und sein leidendes Angesicht vor allem in den Opfern der neuen Formen von Armut und Sklaverei zu erkennen. Der Herr sagt: »Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen« (Mt 25,35-36). Aufgabe der Kirche, der Pilgerin auf Erden und Mutter aller, ist es daher, Jesus Christus zu lieben, ihn anzubeten und ihn zu lieben, besonders in den Ärmsten und den am meisten Vernachlässigten; zu ihnen gehören gewiss die Migranten und die Flüchtlinge, die versuchen, harte Lebensbedingungen und Gefahren aller Art hinter sich zu lassen. Darum hat der Welttag der Migranten und Flüchtlinge in diesem Jahr das Thema: Kirche ohne Grenzen, Mutter aller.
In der Tat breitet die Kirche ihre Arme aus, um unterschiedslos und unbegrenzt alle Völker aufzunehmen und um allen zu verkünden: »Gott ist die Liebe« (1 Joh 4,8.16). Nach seinem Tod und seiner Auferstehung hat Jesus seinen Jüngern die Aufgabe anvertraut, seine Zeugen zu sein und das Evangelium der Freude und der Barmherzigkeit zu verkünden. Am Pfingsttag haben sie mutig und begeistert den Abendmahlssaal verlassen; die Kraft des Heiligen Geistes hat sich über Zweifel und Unsicherheiten behauptet und hat bewirkt, dass jeder ihre Verkündigung in der eigenen Sprache verstand. So ist die Kirche von Anfang an eine Mutter, deren Herz der ganzen Welt ohne Grenzen offensteht. Diese Sendung zieht sich bereits über zwei Jahrtausende der Geschichte hin, doch schon von den ersten Jahrhunderten an hat die missionarische Verkündigung die universale Mutterschaft der Kirche betont, die dann in den Schriften der Väter entfaltet und vom Zweiten Vatikanischen Konzil wieder aufgegriffen wurde. Die Konzilsväter haben von der Ecclesiae mater gesprochen, um ihr Wesen zu erklären. Sie bringt nämlich Söhne und Töchter hervor, gliedert sie ein und umfasst sie in liebender Sorge (vgl. Dogm. Konst. Lumen gentium, 14).
Die Kirche ohne Grenzen und Mutter aller verbreitet in der Welt die Kultur der Aufnahme und der Solidarität, der zufolge niemand als unnütz, als fehl am Platze oder als Auszusondernder betrachtet wird. Wenn die christliche Gemeinschaft ihre Mutterschaft tatsächlich lebt, schenkt sie Nahrung, Orientierung, Wegweisung, geduldige Begleitung. Sie kommt den Menschen im Gebet wie in den Werken der Barmherzigkeit nahe.
Heute nimmt all das eine besondere Bedeutung an. In einer Zeit so umfangreicher Migrationen verlässt nämlich eine große Zahl von Menschen ihre Ursprungsorte und tritt die gewagte Reise der Hoffnung an mit einem Gepäck voller Sehnsüchte und Ängste, auf der Suche nach menschlicheren Lebensbedingungen. Nicht selten lösen jedoch diese Wanderungsbewegungen auch in kirchlichen Gemeinden Misstrauen und Feindseligkeiten aus, noch bevor man die Geschichten des  Lebens, der Verfolgung oder des Elends der betroffenen Menschen kennt. In dem Fall geraten Verdächtigungen und Vorurteile in Konflikt mit dem biblischen Gebot, den bedürftigen Fremden mit Achtung und Solidarität aufzunehmen.
Einerseits wird man im Innersten des Gewissens den Ruf gewahr, das menschliche Elend zu berühren und das Liebesgebot in die Tat umzusetzen, das Jesus uns hinterlassen hat, als er sich mit dem Fremden, dem Leidenden und mit allen unschuldigen Opfern von Gewalt und Ausbeutung identifizierte. Andererseits verspüren wir aber aufgrund der Schwäche unserer menschlichen Natur »die Versuchung, Christen zu sein, die einen sicheren Abstand zu den Wundmalen des Herrn halten« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 270).
Der Mut des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe ermöglicht es, die Abstände zu vermindern, die uns von den menschlichen Tragödien trennen. Jesus Christus ist immer in der Erwartung, in den Migranten und den Flüchtlingen, in den Vertriebenen und den Heimatlosen erkannt zu werden, und auch auf diese Weise ruft er uns auf, die Ressourcen zu teilen und manchmal auf etwas von unserem erworbenen Wohlstand zu verzichten. Daran erinnerte Papst Paul VI., als er sagte: »Die am meisten Bevorzugten müssen auf einige ihrer Rechte verzichten, um mit größerer Freigebigkeit ihre Güter in den Dienst der anderen zu stellen« (Apostolisches Schreiben Octogesima adveniens, 14. Mai 1971, 23).
Überdies ermutigt der multikulturelle Charakter der heutigen Gesellschaften die Kirche, neue Verpflichtungen der Solidarität, des Miteinanders und der Evangelisierung zu übernehmen. Die Wanderungsbewegungen regen nämlich dazu an, die Werte zu vertiefen und zu stärken, die notwendig sind, um das harmonische Zusammenleben von Menschen und Kulturen zu gewährleisten. Zu diesem Zweck kann die bloße Toleranz, die den Weg zur Achtung gegenüber den Verschiedenheiten öffnet und ein Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und  Kultur in Gang bringt, nicht genügen. Hier fügt sich die Berufung der Kirche ein, die Grenzen zu überwinden und einen »Übergang von einer Haltung der Verteidigung und der Angst, des Desinteresses oder der Ausgrenzung … zu einer Einstellung, deren Basis die „Kultur der Begegnung“ ist«,  zu fördern. »Diese allein vermag eine gerechtere und brüderlichere … Welt aufzubauen« (Botschaft zum Welttag des Migranten und des Flüchtlings 2014).
Die Wanderungsbewegungen haben allerdings solche Dimensionen angenommen, dass nur eine systematische und tatkräftige Zusammenarbeit, welche die Staaten und die internationalen Organisationen einbezieht, imstande sein kann, sie wirksam zu regulieren und zu leiten. Tatsächlich rufen die Migrationen alle auf den Plan, nicht nur wegen des Ausmaßes des Phänomens, sondern auch »wegen der sozialen, wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und religiösen Probleme, die es aufwirft, wegen der dramatischen Herausforderungen, vor die es die Nationen und die internationale Gemeinschaft stellt« (Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 29. Juni 2009, 62).
Auf der internationalen Tagesordnung stehen häufige Debatten über die Zweckmäßigkeit, die Methoden und die Rechtsvorschriften, um dem Migrationsphänomen zu begegnen. Es gibt Organismen und Einrichtungen auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene, die ihre Arbeit und ihre Energien in den Dienst derer stellen, die mit der Auswanderung ein besseres Leben suchen. Trotz ihrer großherzigen und lobenswerten Bemühungen ist eine tiefer greifende und wirksamere Aktion notwendig, die sich eines universalen Netzes der Zusammenarbeit bedient, gegründet auf den Schutz der Würde und der Zentralität jedes Menschen. Auf diese Weise wird der Kampf gegen den schändlichen und kriminellen Menschenhandel, gegen die Verletzung der Grundrechte, gegen alle Formen von Gewalt, Überwältigung und Versklavung wirkungsvoller sein. Gemeinsam zu arbeiten verlangt jedoch Wechselseitigkeit und Zusammenwirken mit Bereitschaft und Vertrauen, in dem Bewusstsein, dass »Kein Land … den Schwierigkeiten, die mit diesem Phänomen verbunden sind, alleine gegenübertreten [kann]; es ist so weitreichend, dass es mittlerweile alle Kontinente in der zweifachen Bewegung von Immigration und Emigration betrifft« (Botschaft zum Welttag des Migranten und des Flüchtlings 2014).
Auf die Globalisierung des Phänomens der Migration muss mit der Globalisierung der Nächstenliebe und der Zusammenarbeit geantwortet werden, um die Lage der Migranten menschlicher zu gestalten. Zugleich müssen die Bemühungen verstärkt werden, Bedingungen zu schaffen, die geeignet sind, eine fortschreitende Verminderung der Gründe zu gewährleisten, welche ganze Völker dazu drängen, aufgrund von Kriegen und Hungersnöten, die sich häufig gegenseitig bedingen, ihr Geburtsland zu verlassen.
Mit der Solidarität gegenüber den Migranten und den Flüchtlingen müssen der Mut und die Kreativität verbunden werden, die notwendig sind, um weltweit eine gerechtere und angemessenere Wirtschafts- und Finanzordnung zu entwickeln, gemeinsam mit einem verstärkten Einsatz für den Frieden, der eine unabdingbare Voraussetzung für jeden echten Fortschritt ist.
Liebe Migranten und Flüchtlinge! Ihr habt einen besonderen Platz im Herzen der Kirche, und ihr helft ihr, die Dimensionen ihres Herzens zu erweitern, um ihre Mutterschaft gegenüber der gesamten Menschheitsfamilie zum Ausdruck zu bringen. Verliert nicht eure Zuversicht und eure Hoffnung! Denken wir an die in Ägypten im Exil lebende Heilige Familie: Wie sich im mütterlichen Herzen der Jungfrau Maria und im fürsorglichen Herzen des heiligen Josefs das Vertrauen hielt, dass Gott uns niemals verlässt, so möge es auch euch nie an diesem Vertrauen auf den Herrn fehlen. Ihrem Schutz vertraue ich euch an und erteile euch allen von Herzen den Apostolischen Segen.
Aus dem Vatikan, am 3. September 2014
Franziskus




“Wir werden uns nicht wünschen, wir hättenmehr Geld gemacht, mehr Zeug angehäuft, komfortabler gelebt, mehr Urlaub gemacht, mehr Fernseh geschaut, eine bessere Rente angestrebt odere erfolgreicher in den Augen dieser Welt gewesen. Stattdessen, werden wir uns wünschen, dass wir mehr von uns selbst gegeben hätten, um für den Tag zu leben, wenn jede Nation, jeder Stamm, jedes Volk und Sprache sich um den Thron verneigen und dem Erlöser zu Ehren singen wird, der Freude hat amj radikalen Gehorsam – und dem Gott, der ewigen Lobpreis verdient.”
― David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream

“Opfer bedeutet das wegzugeben, be idem das Geben weh tut. Opfer bedeutet nicht gemäß deinen Möglichkeiten zu geben, sondern darüber hinaus.”
― David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream

„Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus: denn er wird sagen: "Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen." (Mt 25,35)“
„Vor allem bei der Aufnahme von Armen und Fremden zeige man Eifer und Sorge, denn besonders in ihnen wird Christus aufgenommen.“
Benedikt von Nursia – “Benediktus-Regel”


BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS  ZUM WELTTAG DES MIGRANTEN  UND FLÜCHTLINGS (2014)
„Migranten und Flüchtlinge: unterwegs zu einer besseren Welt“
Liebe Brüder und Schwestern,
wie nie zuvor in der Geschichte erleben unsere Gesellschaften Prozesse weltweiter gegenseitiger Abhängigkeit und Wechselwirkung, die, obgleich sie auch problematische oder negative Elemente aufweisen, das Ziel haben, die Lebensbedingungen der Menschheitsfamilie zu verbessern, und zwar nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer und kultureller Hinsicht. Jeder Mensch gehört ja der Menschheit an und teilt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit der gesamten Völkerfamilie. Aus dieser Feststellung geht das Thema hervor, das ich für den diesjährigen Welttag des Migranten und Flüchtlings gewählt habe: „Migranten und Flüchtlinge: unterwegs zu einer besseren Welt“.
Unter den Ergebnissen der modernen Veränderungen ragt als ein „Zeichen der Zeit“ – so hat Papst Benedikt XVI. es definiert (vgl. Botschaft zum Welttag des Migranten und Flüchtlings 2006) – das zunehmende Phänomen der menschlichen Mobilität heraus. Wenn nämlich einerseits die Migrationen häufig Mängel und Versäumnisse der Staaten und der Internationalen Gemeinschaft anzeigen, offenbaren sie andererseits auch das Bestreben der Menschheit, die Einheit in der Achtung der Unterschiede, die Aufnahmebereitschaft und die Gastfreundschaft zu leben, die eine gerechte Teilung der Güter der Erde sowie den Schutz und die Förderung der Würde und der Zentralität jedes Menschen erlauben.
Aus christlicher Sicht besteht auch in den Migrationserscheinungen – wie in anderen Dingen, die den Menschen betreffen – die Spannung zwischen der von der Gnade und der Erlösung geprägten Schönheit der Schöpfung und dem Geheimnis der Sünde. Der Solidarität und der Aufnahmebereitschaft, den Gesten der Brüderlichkeit und des Verständnisses stellen sich Ablehnung, Diskriminierung und die Machenschaften der Ausbeutung, des Schmerzes und des Todes entgegen. Besorgnis erregend sind vor allem die Situationen, in der die Migration nicht nur aus Zwang geschieht, sondern sogar in verschiedenen Formen  von Menschenhandel und Versklavung stattfindet. „Sklavenarbeit“ ist heute gültige Währung! Und doch ist das, was trotz der zu bewältigenden Probleme, Risiken und Schwierigkeiten viele Migranten und Flüchtlinge treibt, die Kombination aus Vertrauen und Hoffnung; sie tragen die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft im Herzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Familien und für die Menschen, die ihnen lieb sind.
Was bedingt die Schaffung einer „besseren Welt“? Dieser Ausdruck spielt nicht naiv auf abstrakte Vorstellungen oder auf etwas Unerreichbares an, sondern leitet vielmehr zur Bemühung um eine authentische, ganzheitliche Entwicklung an und zum Handeln, damit es würdige Lebensbedingungen für alle gibt, damit den Bedürfnissen der einzelnen Menschen und der Familien in rechter Weise entsprochen wird und damit die Schöpfung, die Gott uns geschenkt hat, geachtet, bewahrt und gepflegt wird. Der ehrwürdige Diener Gottes Paul VI. beschrieb die Bestrebungen der Menschen von heute mit diesen Worten: »Freisein von Elend, Sicherung des Lebensunterhalts, Gesundheit, feste Beschäftigung, Schutz vor Situationen, die seine Würde als Mensch verletzen, ständig wachsende Leistungsfähigkeit, bessere Bildung, mit einem Wort: mehr arbeiten, mehr lernen, mehr besitzen, um mehr zu gelten« (Enzyklika Populorum progressio, 26 März 1967, 6).


Unser Herz sehnt sich nach einem „Mehr“, das nicht einfach ein Mehr an Wissen oder an Besitz ist, sondern vor allem bedeutet, mehr zu sein. Man kann die Entwicklung nicht auf das bloße Wirtschaftswachstum reduzieren, das häufig verfolgt wird, ohne auf die Ärmsten und die Schutzlosesten Rücksicht zu nehmen. Die Welt kann nur besser werden, wenn die Hauptaufmerksamkeit dem Menschen gilt, wenn die Förderung der Person ganzheitlich angelegt ist und alle ihre Dimensionen betrifft, einschließlich der geistigen; wenn niemand vernachlässigt wird, auch nicht die Armen, die Kranken, die Gefangenen, die Bedürftigen, die Fremden (vgl. Mt 25,31-46); wenn man dazu fähig ist, von einer Wegwerf-Mentalität zu einer Kultur der Begegnung und der Aufnahme überzugehen. 
Migranten und Flüchtlinge sind keine Figuren auf dem Schachbrett der Menschheit. Es geht um Kinder, Frauen und Männer, die aus verschiedenen Gründen ihre Häuser verlassen oder gezwungen sind, sie zu verlassen, Menschen, die den gleichen legitimen Wunsch haben, mehr zu lernen und mehr zu besitzen, vor allem aber mehr zu sein. Die Anzahl der Menschen, die von einem Kontinent zum anderen ziehen, wie auch derer, die innerhalb ihrer Länder und ihrer geographischen Gebiete einen Ortswechsel vornehmen, ist eindrucksvoll. Die augenblicklichen Migrationsströme sind die umfassendsten Bewegungen von Menschen –wenn nicht von Völkern –, die es je gegeben hat. Mit Migranten und Flüchtlingen unterwegs, bemüht sich die Kirche, die Ursachen zu verstehen, die diese Wanderungen auslösen. Zugleich arbeitet sie aber auch daran, die negativen Folgen der Wanderbewegungen zu überwinden und ihre positiven Auswirkungen auf die Gemeinschaften an den Herkunfts-, Durchreise- und Zielorten zu nutzen.
Leider können wir, während wir die Entwicklung zu einer besseren Welt anregen, nicht schweigen über den Skandal der Armut in ihren verschiedenen Dimensionen. Gewalt, Ausbeutung, Diskriminierung, Ausgrenzung und Einschränkungen der Grundfreiheiten sowohl von Einzelnen als auch von Gemeinschaften sind einige der Hauptelemente der Armut, die überwunden werden müssen. Vielmals kennzeichnen gerade diese Aspekte die Migrationsbewegungen und verbinden Migration mit Armut. Auf der Flucht vor Situationen des Elends oder der Verfolgung, um bessere Aussichten zu finden oder mit dem Leben davonzukommen begeben sich Millionen von Menschen auf Wanderung, und während sie auf die Erfüllung ihrer Erwartungen hoffen, stoßen sie häufig auf Misstrauen, Verschlossenheit und Ausschließung und werden von anderen, oft noch schwereren Formen des Unglücks getroffen, die ihre Menschenwürde verletzen.
Die Wirklichkeit der Migrationen verlangt in den Dimensionen, die sie in unserer Zeit der Globalisierung annimmt, eine neue angemessene und wirksame Art der Handhabung, die vor allem eine internationale Zusammenarbeit und einen Geist tiefer Solidarität und ehrlichen Mitgefühls erfordert. Wichtig ist die Zusammenarbeit auf den verschiedenen Ebenen, unter gemeinsamer Anwendung der normativen Mittel, welche den Menschen schützen und fördern. Papst Benedikt XVI. hat die Koordinaten dafür umrissen, als er betonte: »Eine solche Politik muss ausgehend von einer engen Zusammenarbeit zwischen Herkunfts- und Aufnahmeländern der Migranten entwickelt werden; sie muss mit angemessenen internationalen Bestimmungen einhergehen, die imstande sind, die verschiedenen gesetzgeberischen Ordnungen in Einklang zu bringen in der Aussicht, die Bedürfnisse und Rechte der ausgewanderten Personen und Familien sowie zugleich der Zielgesellschaften der Emigranten selbst zu schützen« (Enzyklika Caritas in veritate, 19. Juni 2009, 62). Gemeinsam für eine bessere Welt zu arbeiten, erfordert die gegenseitige Hilfe unter den Ländern, in Bereitschaft und Vertrauen, ohne unüberwindliche Hürden aufzubauen. Eine gute Synergie kann für die Regierenden eine Ermutigung sein, den sozioökonomischen Ungleichgewichten und einer ungeregelten Globalisierung entgegenzutreten, die zu den Ursachen von Migrationen gehören, in denen die Menschen mehr Opfer als Protagonisten sind. Kein Land kann den Schwierigkeiten, die mit diesem Phänomen verbunden sind, alleine gegenübertreten; es ist so weitreichend, dass es mittlerweile alle Kontinente in der zweifachen Bewegung von Immigration und Emigration betrifft.
Es ist überdies wichtig hervorzuheben, dass diese Zusammenarbeit bereits mit der Anstrengung beginnt, die jedes Land unternehmen müsste, um bessere wirtschaftliche und soziale Bedingungen in der Heimat zu schaffen, so dass für den, der Frieden, Gerechtigkeit, Sicherheit und volle Achtung der Menschenwürde sucht, die Emigration nicht die einzige Wahl darstellt. Arbeitsmöglichkeiten in den lokalen Volkswirtschaften zu schaffen, wird außerdem die Trennung der Familien vermeiden und den Einzelnen wie den Gemeinschaften Bedingungen für Stabilität und Ausgeglichenheit garantieren.
Schließlich gibt es im Blick auf die Wirklichkeit der Migranten und Flüchtlinge noch ein drittes Element, das ich auf dem Weg des Aufbaus einer besseren Welt hervorheben möchte: die Überwindung von Vorurteilen und Vorverständnissen bei der Betrachtung der Migrationen. Nicht selten löst nämlich das Eintreffen von Migranten, Vertriebenen, Asylbewerbern und Flüchtlingen bei der örtlichen Bevölkerung Verdächtigungen und Feindseligkeiten aus. Es kommt die Angst auf, dass sich Umwälzungen in der sozialen Sicherheit ergeben, dass man Gefahr läuft, die eigene Identität und Kultur zu verlieren, dass auf dem Arbeitsmarkt die Konkurrenz geschürt wird oder sogar dass neue Faktoren von Kriminalität eindringen. Auf diesem Gebiet haben die sozialen Kommunikationsmittel eine sehr verantwortungsvolle Rolle: Ihre Aufgabe ist es nämlich, feste, eingebürgerte Vorurteile zu entlarven und korrekte Informationen zu bieten, wo es darum geht, den Fehler einiger öffentlich anzuklagen, aber auch, die Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit und Seelengröße der Mehrheit zu beschreiben. In diesem Punkt ist ein Wandel der Einstellung aller gegenüber den Migranten und Flüchtlingen notwendig; der Übergang von einer Haltung der Verteidigung und der Angst, des Desinteresses oder der Ausgrenzung – was letztlich genau der „Wegwerf-Mentalität“ entspricht – zu einer Einstellung, deren Basis die „Kultur der Begegnung“ ist. Diese allein vermag eine gerechtere und brüderlichere, eine bessere Welt aufzubauen. Auch die Kommunikationsmittel sind aufgerufen, in diese „Umkehr der Einstellungen“ einzutreten und diesen Wandel im Verhalten gegenüber Migranten und Flüchtlingen zu begünstigen.
Ich denke daran, wie auch die Heilige Familie von Nazareth am Anfang ihres Weges die Erfahrung der Ablehnung gemacht hat: Maria »gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war« (Lk 2,7). Ja, Jesus, Maria und Joseph haben erfahren, was es bedeutet, das eigene Land zu verlassen und Migranten zu sein: Vom Machthunger des Herodes bedroht, waren sie gezwungen, zu fliehen und in Ägypten Zuflucht zu suchen (vgl. Mt 2,13-14). Aber das mütterliche Herz Marias und das aufmerksam fürsorgliche Herz Josephs, des Beschützers der Heiligen Familie, haben immer die Zuversicht bewahrt, dass Gott einen nie verlässt. Möge auf ihre Fürsprache dieselbe Gewissheit im Herzen des Migranten und des Flüchtlings immer unerschütterlich sein.
In der Erfüllung des Auftrags Christi, »Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern«, ist die Kirche berufen, das Volk Gottes zu sein, das alle Völker umfasst und allen Völkern das Evangelium verkündet, denn dem Gesicht eines jeden Menschen ist das Angesicht Christi eingeprägt! Hier liegt die tiefste Wurzel der Würde des Menschen, die immer zu achten und zu schützen ist. Nicht die Kriterien der Leistung, der Produktivität, des sozialen Stands, der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit begründen die Würde des Menschen, sondern die Tatsache, dass er als Gottes Abbild und ihm ähnlich erschaffen ist (vgl. Gen 1,26-27), und mehr noch, dass er Kind Gottes ist; jeder Mensch ist Kind Gottes! Ihm ist das Bild Christi eingeprägt! Es geht also darum, dass wir als Erste und dann mit unserer Hilfe auch die anderen im Migranten und im Flüchtling nicht nur ein Problem sehen, das bewältigt werden muss, sondern einen Bruder und eine Schwester, die aufgenommen, geachtet und geliebt werden müssen – eine Gelegenheit, welche die Vorsehung uns bietet, um zum Aufbau einer gerechteren Gesellschaft, einer vollkommeneren Demokratie, eines solidarischeren Landes, einer brüderlicheren Welt und einer offeneren christlichen Gemeinschaft entsprechend dem Evangelium beizutragen.
Die Migrationen können Möglichkeiten zu neuer Evangelisierung entstehen lassen und Räume öffnen für das Wachsen einer neuen Menschheit, wie sie im Ostergeheimnis angekündigt ist: eine Menschheit, für die jede Fremde Heimat und jede Heimat Fremde ist.
Liebe Migranten und Flüchtlinge, verliert nicht die Hoffnung, dass auch euch eine sicherere Zukunft vorbehalten ist; dass ihr auf euren Wegen einer ausgestreckten Hand begegnen könnt; dass es euch geschenkt wird, die brüderliche Solidarität und die Wärme der Freundschaft zu erfahren! Euch allen sowie denen, die ihr Leben und ihre Energie der Aufgabe widmen, euch zur Seite zu stehen, verspreche ich mein Gebet und erteile ich von Herzen den Apostolischen Segen.
Aus dem Vatikan, am 5. August 2013
FRANZISKUS
(http://w2.vatican.va/content/francesco/de/messages/migration/documents/papa-francesco_20130805_world-migrants-day.html)


Flüchtlinge, eine Herausforderung der Solidarität (Wortlaut)
Schreiben des Päpstlichen Rates Cor unum und des Päpstlichen Rates für die Seelsorge der Migranten und Menschen unterwegs unseres Heiligen Vaters Johannes Paul II.
2. Oktober 1992
Flüchtlinge, eine Herausforderung der Solidarität
(Quelle: Deutsche Bischofskonferenz: Arbeitshilfen 101)
Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).

Einführung: „Eine schmachvolle Wunde unserer Zeit“
In einer Botschaft an den Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge beschrieb Papst Johannes Paul II. am 25. Juni 1982 das weltweite Flüchtlingsproblem mit den deutlichen Worten „eine schmachvolle Wunde unserer Zeit“. Heute, zehn Jahre nach dieser Botschaft des Heiligen Vaters, breitet sich diese Wunde trotz unermüdlicher Aktivitäten der Völkergemeinschaft und der Hilfswerke noch immer weiter aus und zieht dabei vor allem die ärmsten Länder sehr stark in Mitleidenschaft .
Etwa 90% der Flüchtlinge sind in den Ländern der sog. Dritten Welt anzutreffen. Die bereits heute sehr hohe Zahl von Flüchtlingen, nämlich etwa 17 Millionen, die unter die strenge, durch das Völkerrecht vorgegebene Begriffsbestimmung fallen, verdoppelt sich durch die Zahl jener, die Opfer von Vertreibung und zwangsweiser Umsiedlung innerhalb ihrer eigenen Länder werden und insoweit rechtlich nicht geschützt sind.
Auch die Zahl derer, die ihre Länder verlassen, um vor extremer und erdrückender Armut zu flüchten, steigt ständig weiter an.
Obgleich man immer zwischen Flüchtlingen und anderen „Menschen unterwegs“ (Migranten) unterscheiden muss, ist es manchmal schwierig, eine genaue Trennungslinie zu ziehen, und gewisse willkürliche Auslegungen in dieser Frage werden oft zur Begründung für restriktive politische Verfahrensweisen herangezogen, die kaum mit der Achtung der Würde der Person im Einklang stehen.




Das hier vorgelegte Dokument gibt sich nicht damit zufrieden, die Menschen wieder stärker auf die inhumanen Lebensbedingungen der Flüchtlinge aufmerksam machen zu wollen, die durch Raum und Zeit hin- und hergeworfen werden bis zum völligen Verlust ihrer Identität; es will vielmehr auch einen Beitrag leisten zur Förderung einer stärkeren internationalen Solidarität nicht nur im Hinblick auf die Auswirkungen, unter denen Flüchtlinge leiden, sondern vor allem auch auf die Ursachen ihres Schicksals: eine Welt, in der Menschenrechte ungestraft verletzt werden, wird immer neue Flüchtlinge hervorbringen. Wenn im folgenden die Vorrangstellung und Würde der Person erneut unterstrichen wird, dann möchte die Kirche damit jeden einzelnen und alle Völker und alle, die national oder international Verantwortung tragen, ansprechen und sie dazu aufrufen, ihre Phantasie und ihren Mut einzusetzen bei der Suche nach gerechten und dauerhaften Lösungen für das sich weiter verschärfende Flüchtlingsproblem, das Papst Johannes Paul II. die „größte menschliche Tragödie unserer Tage“ genannt hat . *
Kardinal Roger Etchegaray
Präsident des Päpstlichen des Päpstlichen Rates „Cor Unum
Erzbischof Giovanni Cheli
Präsident des Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs


JO H A N N E S PAU L II., Gebet für die Flüchtlinge in aller Welt. Ansprache des Papstes im Flüchtlingslager in Morong (Philippinen) am 21. Februar 1981, in: L’ O s s e rvatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 6. März 1981; ebenso in: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrs g.), Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. bei seiner apostolischen Reise nach Asien 16.–27. 2. 1981, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 29. 

I. Flüchtlinge gestern und heute: Die Tragik eines sich weltweit verschärfenden Problems
Vertreibung und Exil in der Geschichte der Völker
1 Flüchtlinge sind keine besondere Erscheinung unserer Tage. Im Laufe der Geschichte führten Gegensätze und Spannungen zwischen kulturell und ethnisch unterschiedlichen Gruppen und zwischen den Rechten des einzelnen und der Macht des Staates oft zu Krieg, Verfolgung, Vertreibung und Flucht. Solche Erfahrungen sind im kollektiven Gedächtnis eines jeden Volkes tief verwurzelt, und auch in der Bibel trifft man auf Beispiele, die hierfür typisch sind. Die Brüder Josefs gingen hinunter nach Ägypten (Gen 42, 1–3), durch eine verheerende Hungersnot gedrängt; der Stamm Juda, im Krieg besiegt, wurde „von seiner Heimat“ weg in die Verbannung geführt (2 Kön 25, 21); Josef nahm Jesus und seine Mutter und floh in der Nacht nach Ägypten, „denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten“ (Mt 2, 13–15); „An jenem Tag brach eine schwere Verfolgung über die Kirche in Jerusalem herein. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut, mit Ausnahme der Apostel“ (Apg 8, 1).

Situation und Lebensbedingungen von Flüchtlingen heute
2 Die Tragik von Vertreibung und Exil besteht noch immer und nimmt in der ganzen Welt zu, so dass unser Jahrhundert als das „Jahrhundert der Flüchtlinge“ beschrieben wurde. Viele von ihnen, wie die in zahlreichen Lagern lebenden Palästinenser, haben über Jahre oder sogar Generationen hinweg diese traumatische Erfahrung erlitten, ohne jemals eine andere Lebensweise gekannt zu haben.
Hinter den nicht immer exakten, doch insgesamt aussagekräftigen statistischen Daten verbergen sich sowohl erschütternde Einzelschicksale als auch von ganzen Völkern erduldetes Leid. Für Flüchtlinge sind die Ort e, die dem Leben Sinn und Würde geben, verloren. Verloren sind für sie auch die Stätten, welche die Begebenheiten der eigenen Geschichte wieder wachrufen. Vergangen ist für sie die Möglichkeit, an den Gräbern der eigenen Eltern zu beten. Manche Exodus-Erfahrungen waren und sind ganz besonders dramatisch, z. B. die der „Boat People“ oder die verfolgter ethnischer Gruppen.(1)
Das Leben von Flüchtlingen in Auffanglagern ist in Anbetracht der Überbelegung vieler dieser Lager, der Unsicherheit von Ländergrenzen und einer Abschreckungspolitik, die manche Lager fast zu Gefängnissen werden läßt, oft sehr qualvoll. Selbst bei einer menschlichen Behandlung fühlt sich der Flüchtling gedemütigt, er kann sein Schicksal nicht mehr selbst bestimmen und ist auf Gedeih und Verderb anderen ausgeliefert .


Völkerrechtlich anerkannte Flüchtlinge
3 Bei der Gesamtzahl der Menschen, die durch die verschiedensten Konflikte und andere lebensbedrohende Situationen zu Flüchtlingen geworden sind, kann man verschiedene Kategorien unterscheiden. Insbesondere sind hier zunächst diejenigen zu nennen, die wegen ihrer Rasse, Religion oder ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen oder politischen Gruppe verfolgt werden. Nur die Flüchtlinge, die diesen Kategorien zuzuordnen sind, werden explizit in zwei wichtigen Dokumenten der Vereinten Nationen als solche anerkannt .(2) Die vielen anderen, deren Menschenrechte genauso missachtet wurden oder werden, genießen den Schutz dieser völkerrechtlichen Instrumente nicht.

„ De - facto “ - Flüchtlinge
4 Somit sind in den Kategorien der Konvention über die Rechtsstellung der Flüchtlinge die Opfer von bewaffneten Auseinandersetzungen, falscher Wirtschaftspolitik oder Naturkatastrophen nicht berücksichtigt. Aus humanitären Gründen besteht heute jedoch eine zunehmende Tendenz, solche Menschen in Anbetracht der unfreiwilligen Art ihres Aufenthalts in einem anderen Land als „ De - fact o “- Flüchtlinge anzuerkennen. Schließlich hatten die Staaten, welche die Konvention unterzeichneten, die Hoffnung ausgedrückt, dass sie über den vertraglichen Rahmen hinaus das Gewicht eines Beispiels haben würde.(3) Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat bei verschiedenen Gelegenheiten den Hohen Kommissar für Flüchtlinge gebeten, seine guten Dienste einzusetzen, um solchen Personen zu helfen, die sich unfreiwillig außerhalb ihres Landes aufhalten. Die in Europa nach den beiden Weltkriegen und in den letzten Jahren von einigen Ländern auf anderen Kontinenten, in denen Flüchtlinge eine erste Zufluchtsstätte fanden, übernommene Praxis bewegte sich denn auch in diese Richtung.(4)
Bei den so genannten „ Wirtschaftsflüchtlingen“ fordern Recht und Gerechtigkeit, dass entsprechende Unterschiede gemacht werden. Jene, die wegen wirtschaftlicher Verhältnisse flüchten, die so schlecht sind, dass ihr Leben und ihre physische Sicherheit bedroht sind, müssen anders behandelt werden als jene, die letztlich nur deshalb auswandern, um ihre persönliche Situation weiter zu verbessern.

Vertrieben innerhalb des eigenen Landes
5 Eine große Zahl von Menschen wird gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben, ohne dabei Staatsgrenzen zu überqueren. In Revolutionen und Gegenrevolutionen gerät die Zivilbevölkerung oft zwischen die Fronten von Guerilla und Regierungstruppen, die aus ideologischen Gründen und mit dem Ziel der Besitznahme von Land und Ressourcen gegeneinander kämpfen. Aus humanitären Erwägungen sollten diese Vertriebenen in gleicher Weise als Flüchtlinge angesehen werden wie jene, die durch die Konvention von 1951 offiziell anerkannt werden, denn sie sind Opfer der gleichen Art von Gewaltanwendung.




Tendenzen zur Einschränkung des Flüchtlingsschutzes
6 Trotz eines wachsenden Bewusstseins der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen den Völkern und Nationen bestimmen einige Staaten, entsprechend ihren eigenen Ideologien und besonderen Interessen, die Kriterien für die Einlösung internationaler Verpflichtungen recht willkürlich. Gleichzeitig gibt es heute in Ländern, die in der Vergangenheit zu einer großzügigen Aufnahme von Flüchtlingen bereit waren, eine besorgniserregend ähnliche Tendenz hin zu politischen Entscheidungen, die darauf abzielen, die Zahl der Asylsuchenden möglichst niedrig zu halten und Anträge auf Asyl zu erschweren .

Während Zeiten wirtschaftlicher Rezession die Auferlegung bestimmter Aufnahmebeschränkungen verständlich machen können, kann gleich wohl das Grundrecht auf Asyl niemals verweigert werden, wenn das Leben im Heimatland des Asylsuchenden ernsthaft bedroht ist. Es ist sehr beunruhigend, zusehen zu müssen, wie die für die Lösung des Flüchtlingsproblems bereitgestellten Mittel reduziert werden und wie die politische Unterstützung für die Strukturen, die gerade zum Zweck des humanitären Dienstes an Flüchtlingen geschaffen wurden, schwindet .

Neue Chancen des Fortschritts
7 Zahlreiche Menschen in verschiedenen Ländern beziehen heute jedoch entschieden Position gegenüber egoistischen nationalen Haltungen und gegen eine Einführung von restriktiven Verfahrensweisen und tragen wesentlich zu einer Sensibilisierung der öffentlichen Meinung bei zugunsten des Schutzes der Rechte aller und des Wertes der Gastfreundschaft. Die jüngsten Umwälzungen in Mittel- und Osteuropa und in anderen Teilen der Welt haben neue Aussichten auf Kontakte und Reisen, Dialog und Zusammenarbeit eröffnet, und es ist sehr zu hoffen, dass die abgerissenen Mauern nicht an anderer Stelle neu aufgebaut werden .




II. Herausforderungen an die Völkergemeinschaft
Flüchtlinge fordern das Gewissen der Welt heraus
8 Die ersten internationalen Initiativen fanden in einem eher begrenzten Kontext statt. Sie spiegelten ein Interesse für das Leid bestimmter, besonders verfolgter Personen wider, das sich vor allem auf die individuellen Gründe für das Verlassen ihrer Länder bezog. Heute jedoch, wo die Anzahl gewaltsam entwurzelter Menschen ganz andere Ausmaße angenommen hat, müssen internationale Abkommen überarbeitet und der Schutz, den sie garantieren, muss auch auf andere Gruppen ausgedehnt werden. In den letzten Jahren hat die Diskussion über die Ursachen, welche politische Instabilität erzeugen und verschärfen, sich auf die Armut, die Ungleichheit in der Verteilung von lebenswichtigen Ressourcen, die Auslandsschulden, galoppierende Inflation, strukturelle wirtschaftliche Abhängigkeit und Naturkatastrophen konzentriert. Es ist ja nicht überraschend, dass die Mehrheit der Flüchtlinge heute aus den Entwicklungsländern kommt.(5) Eine Neustrukturierung der wirtschaftlichen Beziehungen allein würde jedoch nicht genügen, um politische Differenzen, ethnische Auseinandersetzungen und Rivalitäten anderer Art zu überwinden. Es wird so lange Flüchtlinge, also Opfer von Machtmissbrauch, geben, wie die Beziehungen zwischen Personen und Nationen nicht auf eine echte Fähigkeit gegründet sind, einander in Verschiedenheit und gegenseitiger Bereicherung immer mehr anzunehmen.(6)

Das Recht auf Heimat
9 Das Flüchtlingsproblem muss an seinen Wurzeln angegangen werden, d. h. auf der Ebene der wahren Ursachen für Vertreibung und Flucht. Das erste Kriterium darf dabei nicht das Interesse des Staates oder der nationalen Sicherheit sein, sondern allein der Mensch, so dass das Bedürfnis, in einer Gemeinschaft zu leben und sich zu einem Gemeinwesen, einem Land zugehörig zu fühlen, ein Grundbedürfnis, das sich aus der Natur des Menschen selbst ergibt, respektiert wird.(7)
Die Menschenrechte, wie sie durch Gesetz, Vereinbarungen und internationale Abkommen definiert werden, zeigen den Weg auf, den wir gehen müssen. Eine dauerhafte Lösung des Flüchtlingsproblems jedoch wird dann erreicht werden, wenn die Völkergemeinschaft über die gesetzten Normen für den Schutz von Flüchtlingen hinaus deren Recht anerkennt, einem Gemeinwesen anzugehören. Viele Rufe nach einem umfassenderen, integralen Ansatz zum Schutz der Rechte von Menschen, die nach einem Zufluchtsort suchen, werden laut.(8)

Die Grundhaltung der Gastfreundschaft
10 Mögliche Fortschritte in der Fähigkeit zum Zusammenleben innerhalb der weltumspannenden Völkerfamilie sind eng an das Wachsen einer Grundhaltung der Gastfreundschaft gebunden. Jede Person, die sich in Gefahr befindet und als solche an einer Landesgrenze zu erkennen gibt, hat ein Recht auf Schutz. Um in der Zukunft leichter ermitteln zu können,warum solche Menschen ihr Land verlassen haben und um zu dauerhaften Lösungen zu kommen, ist eine erneute Anstrengung zur Erarbeitung international annehmbarer Normen für die Gewährung von Asyl auf dem Hoheitsgebiet eines anderen Landes unerlässlich .(9) Eine solche Grundhaltung der Gastfreundschaft erleichtert auch die Suche nach gemeinsamen Lösungen und verringert die Stichhaltigkeit gewisser Stellungnahmen, die mitunter vorgebracht werden und darauf hinauslaufen, die Aufnahm e von Flüchtlingen und die Gewährung des Asylrechts dem alleinigen Kriterium des nationalen Interesses unterzuordnen.
Für einen umfassenderen Flüchtlingsschutz
11 Der einem Flüchtling gewährte Schutz ist nicht einfach ein ihm gemachtes Zugeständnis: er (sie) ist nicht Objekt von Hilfeleistungen, sondern Subjekt von Rechten und Pflichten. Jedes Land hat die Pflicht, die Rechte von Flüchtlingen zu achten und sicherzustellen, dass sie genauso respektiert werden wie die Rechte der eigenen Bürger.
Wenn Menschen vor einem Bürgerkrieg oder einer militärischen Invasion fliehen, dann ist es zu ihrem Schutz erforderlich, dass sie als nicht - kombattant angesehen werden. Sie wiederum müssen ausdrücklich auf den Gebrauch von Gewalt verzichten .
12 „ Konventionsgemäßen“ Flüchtlingen, also solchen, die unter die Kategorien der genannten Konvention fallen, steht von daher bereits ein gewisses Maß an Schutz zu; ein solcher Schutz darf jedoch nicht auf die Garantie der körperlichen Unversehrtheit begrenzt sein, sondern muss auf alle für ein menschenwürdiges Leben notwendigen Voraussetzungen erweitert werden. Somit müssen für sie nicht nur Ernährung, Kleidung, Wohnung und Schutz vor Gewalt gesichert werden, sondern auch der Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, die Möglichkeit, ihr Leben wieder selbstverantwortlich in die eigenen Hände zu nehmen, ihre eigenen Kulturen und Traditionen zu pflegen und frei ihren Glauben zum Ausdruck zu bringen. Da die Familie die Grundeinheit jeder Gesellschaft ist, muss gleichermaßen die Wiederzusammenführung von Flüchtlingsfamilien gefördert werden.
13 Viele Staaten sind der Konvention von 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und dem darauf bezogenen Protokoll von 1967 bereits beigetreten, aber es wäre sehr wünschenswert, dass alle Staaten dies tun und darauf achten würden, dass beide eingehalten werden. Die Wahrnehmung des Asylrechts, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Artikel 14,1) festgelegt ist, muss überall gewährleistet und darf nicht durch Abschreckungs- oder andere rigorose, strafähnliche Maßnahmen behindert werden. Ein(e) Asylbewerber(in) darf nicht interniert werden, es sei denn, es kann nach gewiesen werden, dass er (sie) eine wirkliche Gefahr darstellt, oder es gibt zwingende Gründe, anzunehmen, dass er (sie) sich nicht mehr bei den zuständigen Behörden zur ordnungsgemäßen Prüfung seines (ihres) Falles melden wird. Ferner sollte Asylbewerbern dabei geholfen werden, eine Arbeit zu finden, und es sollte für sie ein gerechtes und rasches gesetzliches Verfahren sichergestellt sein .
Was die Flüchtlinge betrifft, die aus humanitären Gründen als solche anerkannt sind, so muss die Vorgehensweise der Staaten in entsprechenden Gesetzen so festgelegt sein, dass alle Bedürfnisse für ein menschenwürdiges Leben berücksichtigt werden. Insbesondere sollten internationale Vereinbarungen die Verpflichtung enthalten, dass diejenigen, die vor systematischer Unterdrückung und schweren sozialen Konflikten flüchten, nicht als „Wirtschaftsflüchtlinge“ betrachtet werden. Länder, die erkennen, dass sie innerhalb einer Region in der Flüchtlingsproblematik voneinander abhängen und ihre diesbezügliche Politik aufeinander abstimmen wollen, sollten eine großzügige und einheitliche Vorgehensweise gegenüber den Flüchtlingen praktizieren, die eine Bandbreite verschiedener Lösungen möglich macht.




Nein zur gewaltsamen Rückführung
14 Eine überaus genaue und gewissenhafte Beachtung des Prinzips der Freiwilligkeit der Rückkehr ist eine nicht verhandelbare Grundvoraussetzung für jede Verfahrensweise den Flüchtlingen gegenüber. Niemand darf in ein Land zurückgeschickt werden, wo er oder sie diskriminierende Handlungen oder ernste, lebensbedrohende Situationen zu befürchten hat. In den Fällen, in denen die zuständigen Behörden eines Landes beschließen, Asylbewerber nicht anzuerkennen, weil sie keine echten Flüchtlinge seien, sind sie moralisch verpflichtet, sicherzustellen, dass den Betroffenen eine sichere und freie Existenz anderswo garantiert wird. Die jüngste Geschichte hat gezeigt, dass viele Menschen gegen ihren Willen zurückgeschickt worden sind in ein Schicksal, das mitunter sehr tragisch war; einige wurden zurück auf die See hinausgedrängt, andere wurden gewaltsam in Gebiete mit Minenfeldern geführt, wo sie grausam umkamen.

Ort und Struktur von Flüchtlingslagern
15 Flüchtlingslager sind zwar notwendige, aber selbstverständlich nicht ideale und nur für eine erste Aufnahme der Betroffenen gedachte Einrichtungen; sie sollten an Orten errichtet werden, die so weit wie möglich von jeglichen bewaffneten Auseinandersetzungen entfernt liegen, so dass die Flüchtlinge vor möglichen Angriffen in Sicherheit sind.(10) Die Lager sollten auch so organisiert sein, dass sie ein Minimum an Privatsphäre sowie Zugang zu medizinischen, schulischen und religiösen Diensten und Einrichtungen haben. Die Lagerbewohner sollten ferner vor jeglicher Form moralischer und physischer Gewalt geschützt werden und die Möglichkeit haben, an Entscheidungen mitzuwirken, die ihr tägliches Leben berühren. Sicherheitsvorkehrungen sollten da verstärkt werden, wo alleinstehende Frauen untergebracht sind, um jene Formen von Gewalttätigkeit zu vermeiden, denen sie oftmals ausgesetzt sind.
Internationale Organisationen, besonders diejenigen, die sich für die Achtung der Menschenrechte einsetzen, und die Medien sollten freien Zugang zu den Lagern haben. Da das Leben in Lagern unnatürlich und aufgezwungen, ja sogar traumatisierend ist, macht ein längerer Aufenthalt darin die Flüchtlinge noch mehr zu Opfern. Lager müssen das bleiben, was sie ursprünglich sein sollten: eine nur vorübergehende Notlösung.

Nein zu Stillschweigen und Gleichgültigkeit
16 Die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen, selbst wenn sie als eine moralische Verpflichtung empfunden wird, die Leiden anderer zu mildern, liegt in den Menschen der Aufnahmeländer oft im Widerstreit mit einer Furcht vor der ansteigenden Zahl von Flüchtlingen und Asylbewerbern und vor einer Konfrontation mit anderen Kulturen, d. h. mit Faktoren und Momenten, die die gewohnten, festen Lebens- und Verhaltensmuster in den Aufnahmeländern stören könnten. Menschen, die man gestern mit Sympathie betrachtete, weil sie noch „ weit weg“ waren, werden heute abgewiesen, weil sie als zu „nah“ und zu „ aufdringlich“ empfunden werden.


Folglich neigt man dazu, abgesehen von einem gelegentlichen Aufflammen des öffentlichen Interesses, den konkreten Umgang mit dem Flüchtlingsproblem auf bestimmte Institutionen, Organisationen und Gruppen abzuschieben, die in diesem Bereich besonders engagiert sind. Die Medien können hier dazu beitragen, Voreingenommenheit zu zerstreuen und in der Öffentlichkeit ein anhaltendes Interesse für die Flüchtlinge zu wecken. Wenn sie eine Politik einfordern, die auf Solidarität und menschlichem Verständnis gründet, dann tragen sie dazu bei, zu verhindern, dass die Flüchtlinge oder Asylbewerber zu Sündenböcken für alle Übel und Missstände in der Gesellschaft gemacht werden. Besonders in den Ländern, in denen die Anwesenheit von Flüchtlingen dazu benutzt wird, die Aufmerksamkeit absichtlich von anderen ernsten innen- oder außenpolitischen Problemen abzulenken, ist es notwendig, dass die Medien ein klares und positives Bild der Flüchtlinge vermitteln. Gleichgültigkeit stellt eine Unterlassungssünde dar.
Solidarität trägt dazu bei, die Tendenz umzukehren, dass man die Welt allein von seinem eigenen Blickwinkel aus sieht. Wenn wir die globale Dimension der Probleme erkennen, werden uns die Grenzen jeder Kultur bewusst, und wir spüren, dass wir eindringlich dazu aufgerufen sind, uns einem einfacheren Lebensstil zuzuwenden, um zum gemeinsamen Wohl beizutragen; so wird eine wirksame Antwort auf die sehr berechtigten Erwartungen von Flüchtlingen möglich, und Wege zum Frieden werden eröffnet .

III. Der Weg der Solidarität
Die Zerrissenheit der Welt
17 Der vom Zweiten Vatikanischen Konzil wahrgenommene Widerspruch gilt auch heute noch: „Die Welt spürt lebhaft ihre Einheit und die wechselseitige Abhängigkeit aller von allen in einer notwendigen Solidarität und wird doch zugleich heftig von einander widerstreitenden Kräften auseinandergerissen“.(11) Denn harte politische, soziale, wirtschaftliche, rassische und ideologische Spannungen dauern an. Das ungelöste Flüchtlingsproblem ist ein schmerzliches Beispiel für die Zerrissenheit der Welt. Das Ausbleiben einer adäquaten Antwort ist um so besorgniserregender, als es ein mangelndes Interesse für die Grundrechte des Individuums und aller Menschen widerspiegelt, die doch als große Errungenschaften unserer Zeit gepriesen werden.

Der Beitrag der internationalen Organisationen
18 Dennoch findet das Bewusstsein von der wechselseitigen Abhängigkeit aufgrund der geschichtlichen Entwicklung und als Ergebnis ethischer Reflexion mehr und mehr seinen Ausdruck in den internationalen Institutionen.Die Tätigkeit und das konkrete Zeugnis der entsprechenden Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, zahlreicher Nichtregierungsorganisationen und Hilfswerke, von staatlichen oder kirchlichen Stellen ausgesandter Entwicklungshelfer, sozialer und seelsorglicher Dienste der Bischofskonferenzen verdienen größten Respekt und Dankbarkeit. Besondere Anerkennung gebührt dem Hohen Kommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen, das im Jahre 1950 ins Leben gerufen wurde; seine beiden Hauptfunktionen sind die Sicherstellung des internationalen Schutzes für Flüchtlinge und die Suche nach dauerhaften Lösungen ihrer Probleme.(12)

19 Trotz vieler Schwierigkeiten jeglicher Art widmen sich zahlreiche Mitglieder privater Verbände und Organisationen sowie Mitarbeiter und Vertreter internationaler Institutionen dem Dienst an den Ärmsten der Armen und bezahlen manchmal ihr außergewöhnliches Engagement sogar mit ihrem Leben. Der Einsatz von Menschen, die sich in der Arbeit für und mit Flüchtlingen engagieren, ob als hauptberufliche Tätigkeit über viele Jahre oder nur für einen kürzeren Zeitraum, stellt ein wirksames Zeugnis dar, das weitergeführt und verstärkt werden sollte.

Die konkrete Verantwortung der Staaten
20 Heute ist die Zeit gekommen, das Flüchtlingsproblem völlig unabhängig von jeglichen ideologischen Positionen zu betrachten – diese waren nämlich in der Vergangenheit ein wesentlicher Faktor, der das Zustandekommen von internationalen Vereinbarungen verhindert hat, die den heutigen Notwendigkeiten angemessen wären .
Ein Blick in die Welt im Geiste der Solidarität offenbart sofort die ethisch unannehmbare Tatsache, dass Millionen von Flüchtlingen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Besonders die Bürger und Institutionen der demokratischen und wirtschaftlich entwickelten Staaten können angesichts einer derartig tragischen Situation nicht gleichgültig bleiben. Untätigkeit oder ein nur mageres Engagement seitens dieser Länder würde in eklatanter Weise den Grundsätzen widersprechen, die sie selbst zu Recht als das Fundament ihrer eigenen, auf die gleiche Würde einer jeden menschlichen Person gegründeten Kultur betrachten. Die weltweite Durchsetzung der Menschenrechte hängt heute in einem großen Ausmaß von der Fähigkeit der entwickelten Länder ab, den qualitativen Sprung zu einer Änderung jener Strukturen zu vollziehen, die so viele Menschen in einem Zustand der extremen Marginalisierung halten. Es kann sich nicht nur darum handeln, schon entstandene Wunden zu verbinden: entschlossenes Engagement ist notwendig, um die Ursachen für das Entstehen der Flüchtlingsströme anzugehen. Internationale Solidarität muss zuerst und vor allem innerhalb des eigenen Landes praktiziert und sie muss von jedem einzelnen Bürger konkret gelebt werden.(13)
21 Der Schutz der Menschenrechte von innerhalb ein und desselben Landes Vertriebenen erfordert die Schaffung spezifischer rechtlicher Möglichkeiten der Einwirkung und entsprechender angepasster Koordinierungsmechanismen seitens der Völkergemeinschaft, deren rechtmäßige Interventionen dann nicht als Verstöße gegen die nationale Souveränität angesehen werden könnten.
Die heute bereits zu beobachtende Bereitschaft, verschiedene Kategorien gewaltsam entwurzelter und vertriebener Menschen anzuerkennen, stellt eine positive Entwicklung in der internationalen Diskussion dieses Themas dar, die es auch leichter gemacht hat, das Ausmaß der Flüchtlingsmisere insgesamt zu erkennen sowie Hilfeleistungs- und Schutzmaßnahmen zu planen.
22 Ein möglicher Ausdruck der Solidarität gegenüber Flüchtlingen ist die Unterstützung der freiwilligen Rückkehr, auf die die meisten von ihnen ihre Hoffnung richten. Die Notwendigkeit, ein internationales Kontrollsystem zu schaffen, das es Flüchtlingen ermöglichen müsste, in völliger Freiheit in ihr Heimatland zurückzukehren, ist heute deutlicher denn je.


Solidarität – unausweichliche Notwendigkeit in einer Welt vielfacher gegenseitiger Abhängigkeit
23 Es ist symptomatisch, dass heute nur ein kleiner Prozentsatz von Flüchtlingen in Ländern außerhalb ihrer Herkunftsregion Asyl sucht oder erhält. Zum großen Teil tragen die angrenzenden Länder die Last der Unterstützung, welche den Flüchtlingen zusteht. Diese Last sollte jedoch fair und gerecht von der gesamten weltweiten Völkergemeinschaft getragen werden.(14) Solidarität mit Flüchtlingen erfordert gemeinsame Initiativen humanitärer Hilfe und Kooperation in der Entwicklungsarbeit, wobei Kreativität und wohl verstandene Großzügigkeit heute nötiger sind denn je, um solche Initiativen gedeihen zu lassen.
24 Die Regierungen, die bereits soviel für die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen getan haben, sollten ihre diesbezüglichen Aktivitäten nicht einstellen und ihre Grenzen so lange nicht schließen, wie für viele Flüchtlinge die einzige Überlebenschance darin besteht, in einem dritten Land Zuflucht zu suchen. Obgleich die Ankunft von Flüchtlingen in einem Land unvermeidliche Unannehmlichkeiten schaffen kann, kann ihre Anwesenheit doch auch die Entwicklung der Gesellschaft dieses Landes stimulieren. Eine solche Chance setzt allerdings geeignete politische und wirtschaftliche Entscheidungen des Gastlandes voraus. Die Flüchtlinge müssen ihrerseits einander helfen, indem sie ihre menschlichen und spirituellen Kräfte und Fähigkeiten einsetzen für die Suche nach guten Lösungen, die dazu beitragen, dass sie mit ihrer Situation besser fertig werden können.(15)
Die internationalen Einrichtungen sind aufgerufen, eine Vermittlerrolle zwischen den verschiedenen Kulturen und soziopolitischen Systemen einzunehmen, um den Menschen dabei zu helfen, sich Verhaltensweisen zu eigen zu machen, durch die soziale Integration erleichtert und gefördert wird.
Der Weg der Solidarität verlangt von allen die Überwindung des eigenen Egoismus und der Angst vor dem anderen; er erfordert langfristiges Engagement im Bereich der Bewusstseinsbildung- und Öffentlichkeitsarbeit, die schon durch sich selbst zur Überwindung mancher Ursachen des tragischen Exodus der Flüchtlinge beitragen kann; er erfordert weiterhin die Einrichtung von wirksamen Präventionsmechanismen sowie eine bessere Koordinierung von Maßnahmen und Aktivitäten zwischen den internationalen Organisationen und örtlichen Behörden.
IV. Die Liebe der Kirche zu den Flüchtlingen
Die Fürsorge der Kirche für alle Flüchtlinge
25 Die weltweite Flüchtlingstragödie ist eine „Plage, die typisch und bezeichnend ist für die Ungleichgewichte und Konflikte der heutigen Welt“.(16) Sie zeigt eine geteilte Welt, die weit entfernt ist von dem Ideal: „Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit“ (1 Kor 12, 26). Die Kirche bietet allen Flüchtlingen ihre Liebe und Hilfe an ohne Unterschied der Religion oder ethnischen Herkunft, wobei sie in jedem von ihnen die unveräußerliche Würde der menschlichen Person erkennt, die nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurde (vgl. Gen 1, 27).
Christen müssen aus der Gewissheit ihres Glaubens heraus in ihrem Leben zeigen, dass die durch Ungerechtigkeit hervorgerufenen Hindernisse bald zu fallen beginnen, wenn man die Würde der Person mit allen ihren legitimen Bedürfnissen an erste Stelle setzt. Sie wissen, dass Gott, der mit dem Volk Israel den Weg des Exodus auf der Suche nach einem Land ohne Sklaverei ging, auch mit den heutigen Flüchtlingen unterwegs ist, um seinen Plan der Liebe mit ihnen zusammen zu erfüllen.

Die Aufgabe der Ortskirche
26 Die Pflicht, den Flüchtlingen Gastfreundschaft, Solidarität und Hilfe entgegenzubringen, liegt in erster Linie bei der Ortskirche.
Sie ist aufgerufen, die Forderungen des Evangeliums zu verwirklichen und den Betroffenen in der Zeit ihrer Not und Einsamkeit ohne jeden Unterschied die Hand zu reichen. Sie kann dabei ihre Aufgabe in verschiedenen Formen erfüllen: persönliche Kontaktaufnahme; Verteidigung der Rechte von Einzelpersonen und Gruppen; unmissverständliche Verurteilung der Ungerechtigkeiten, die die Wurzel dieses Übels sind; Aktionen für die Einführung von Gesetzen, welche den wirkungsvollen Schutz der Flüchtlinge garantieren; Erziehungs- und Bildungsmaßnahmen gegen Ausländerfeindlichkeit; Schaffung von Gruppen ehrenamtlich Engagierter und von Nothilfefonds; Seelsorge. Sie wird ferner danach trachten, bei den Flüchtlingen ein respektvolles Verhalten und Offenheit gegenüber dem Gastland zu fördern.
Wenn die Ortskirchen so die Fürsorgeder gesamten Weltkirche zum Ausdruck bringen, dann müssen sie sich auf die tätige Nächstenliebe auch der anderen kirchlichen Gemeinschaften verlassen können, besonders derer mit größeren Ressourcen. Wo Flüchtlinge in großer Zahl anwesend sind,wird die Kirche ihre Zusammenarbeit mit allen interessierten gesellschaftlichen Kräften und Organisationen sowie mit den zuständigen Behörden intensivieren.
Die Gemeinde
27 Der erste Ort, an dem die Kirche den Flüchtlingen ihre Hilfsbereitschaft zeigen muss, ist die Pfarrgemeinde; sie hat die Aufgabe, die Gemeindeglieder für die Not der Flüchtlinge zu sensibilisieren, indem sie sie ermahnt, Fremde freundlich aufzunehmen, wie Jesus es lehrte: „…ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25, 35). Die Gemeinde sollte die Neuankömmlinge nicht als eine Bedrohung ihrer kulturellen Identität und ihres Wohlstands betrachten, sondern als Anruf, gemeinsam mit diesen neuen Brüdern und Schwestern, die selbst reich an bestimmten Gaben sind, den Weg eines Volkes zu gehen, das sich weitere entwickeln und seine Einheit in der Verschiedenheit feiern kann. Wohlwollen, Achtung, Vertrauen und Teilen sind die praktischen Ausdrucks formen einer solchen Kultur der Solidarität und Gastfreundschaft. Die christliche Gemeinde muss Angst und Misstrauen gegenüber Flüchtlingen überwinden und in ihnen das Angesicht des Erlösers sehen können.

Seelsorgerische Betreuung für Lagerbewohner und die am stärksten gefährdeten Gruppen
28 Alle Flüchtlinge haben das Recht auf umfassende Hilfe, die auch ihre religiösen Bedürfnisse während der Zeit, die sie z. B. als Asylsuchende in einem Lager zubringen müssen, und während des Integrationsprozesses im Gastland berücksichtigt. So können sie Trost und Kraft finden, um ihr schweres Schicksal zu ertragen und in ihrer eigenen religiösen Erfahrung zu wachsen. Es muss deshalb den Geistlichen unterschiedlicher Religionen die volle Freiheit gegeben werden, Flüchtlinge aufzusuchen, mit ihnen zu leben und ihnen angemessene Hilfe und Betreuung zu geben.(17) Die Kirche missbilligt jedoch jede Form des Proselytismus unter den Flüchtlngen, mit dem ihre prekäre Situation ausgenutzt wird; auch und gerade unter den schwierigen Bedingungen des Asyls ist ihre Gewissensfreiheit zu achten.
Ein großer Prozentsatz der Flüchtlinge besteht aus Kindern, die durch das während ihrer Entwicklung erlebte Trauma am schwersten betroffen sind. Ihr physisches, psychisches und spirituelles Gleichgewicht ist ernsthaft gefährdet. Den weltweit größten Prozentsatz der Flüchtlinge nehmen jedoch die Frauen ein, und sie leiden häufig am meisten unter dem Mangel an Verständnis und der Isolierung, denen sie ausgesetzt sind. Angesichts solcher Verhältnisse muss eine gemeinsame Anstrengung zur gezielten moralischen Unterstützung von Flüchtlingen Priorität genießen.

Freiwillige Mitarbeiter vor Ort
29 Freiwillige Sozialarbeiter, Entwicklungshelfer, ehrenamtliche Helfer und Engagierte etc., die bei den Flüchtlingen arbeiten, bedürfen ebenfalls einer besonderen Seelsorge. Sie leben unter Bedingungen, die schwer auf ihnen lasten. Sie sind fast immer weit entfernt von ihrer eigenen sprachlichen und kulturellen Heimat tätig und sehen sich menschlichen Problemen gegenübergestellt, für deren Bewältigung sie nicht immer ausgebildet sind. Daher haben sie Zuspruch und Unterstützung nötig, auch in finanzieller Hinsicht. Die Flüchtlinge selbst sind aufgerufen, mit dem Freiwilligen personal eng zusammenzuarbeiten, wodurch sie auch in die Lage versetzt werden, ihren Nöten und Hoffnungen besser Gehör verschaffen zu können.


Zusammenarbeit innerhalb der Kirche
30 In der Ausübung der Seelsorge für Flüchtlinge ist heute eine Zusammenarbeit zwischen den Kirchen der Herkunftsländer, der Länder, die vorübergehendes Asyl gewähren, und der Länder, in denen sich Flüchtlinge dauerhaft niederlassen, notwendiger als je zuvor; Begegnungen, Treffen und Kooperation zwischen den beteiligten Kirchen sind sehr wichtig, denn sie fördern die geistliche und soziale Zusammenarbeit sowie die Möglichkeit, den Flüchtlingen Priester und Ordensleute der gleichen Sprache und, wenn möglich, der gleichen Kultur zur Verfügung zu stellen. Brüderliche Zusammenarbeit und regionale Koordination zwischen den Kirchen kann einen Dialog zwischen allen mit der Flüchtlingshilfe befassten Gruppen, Organisationen, Institutionen etc. in Gang setzen und verstärken.
31 In diesem Zusammenhang spielen die sozialen und karitativen Organisationen der Bischofskonferenzen, besonders die Pastoralkommissionen, die für die spezifische Hilfe für Flüchtlinge, Vertriebene und andere Migranten zuständig sind, eine wesentliche Rolle und müssen in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen tätig werden.(18) Kulturelle Institutionen, Universitäten und Seminare sind ebenfalls aufgerufen, über das Flüchtlingsproblem und die konkreten Lebensbedingungen von Flüchtlingen nachzudenken. Wenn man eine gesellschaftliche Haltung der Gastfreundschaft fördern will, dann ist es nötig, zur öffentlichen Meinungsbildung beizutragen und geeignete Instrumente der Analyse zu entwickeln.
32 Angesichts des weltumspannenden Charakters ihres Auftrags und ihrer Mitglieder sind die Orden und geistlichen Gemeinschaften dazu aufgefordert, ihre Präsenz unter den Flüchtlingen zu verstärken, um so die Anstrengungen der Ortskirchen zu ergänzen, wobei sie eng mit den Bischöfen zusammenarbeiten sollten. Das oft heldenhafte apostolische Zeugnis vieler Ordensleute auf diesem Gebiet ist ein besonderer Anlass der Freude für die Kirche.
33 Der Dienst der internationalen katholischen Organisationen und Hilfswerke, die in der Sozial- und Entwicklungsarbeit tätig sind, ist ebenfalls von größter Wichtigkeit. Sie dürfen jedoch nicht die von den örtlichen Organisationen zu leistende Arbeit übernehmen, deren unmittelbare Kenntnis des sozialen und kulturellen Umfeldes vor Ort größere Effizienz gewährleistet, sondern müssen diese sinnvoll unterstützen.(19) Darüber hinaus ist es wichtig, die soziale Hilfe nicht von der Seelsorge zu trennen. In Zusammenarbeit mit den zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls kann so ein effektives Netzwerk aufgebaut werden, das sowohl auf Notfälle reagieren als auch die Aufmerksamkeit auf die wirklichen Ursachen lenken kann, die Flüchtlinge hervorbringen.

===Ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen und nichtchristlichen Religionen
34 Die Arbeit der Flüchtlingshilfe eröffnet große Möglichkeiten für ökumenisches Handeln. Offenheit, Kommunikation, der Austausch einschlägiger Informationen, gegenseitige Einladungen zu internationalen und regionalen Versammlungen spielen alle eine wichtige Rolle in den ökumenischen Beziehungen und in der Gestaltung einer weltweiten Antwort auf das Flüchtlingsproblem.
Auf dem Weg zu einer stärkeren Einheit der Menschheitsfamilie wird sich die Kooperation in der Flüchtlingsarbeit unter den christlichen Kirchen sowie zwischen diesen und den verschiedenen nichtchristlichen Religionen als fruchtbar erweisen. Die Erfahrung des Exils kann daneben zu einer besonderen Zeit der Gnade werden, so wie es dem Volk Israel geschah, das beim Auszug aus Ägypten in der Wüste am Sinai den Namen Gottes kennenlernte und seine befreiende Macht erfuhr.
Schlussbetrachtung: Flüchtlinge und Asylanten – eine Herausforderung zur Solidarität
35 Von der Not und den menschenunwürdigen Lebensbedingungen eines Flüchtlingsdaseins werden heute Gruppen und ganze Völker überall auf der Erde heimgesucht. Ihr Schicksal muss als Ergebnis eines fortgesetzten Angriffs auf grundlegende Menschenrechte angesehen werden. Das Ausmaß der Tragödie treibt die Betroffenen an die Grenzen menschlicher Leidensfähigkeit und stellt eine unmissverständliche Herausforderung an das Gewissen aller Menschen dar.
36 Die Kirche als ein „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit “(20) nimmt den Anruf an, eine menschliche Zivilisation der Liebe aufzubauen und setzt zu diesem Zweck alle ihr verfügbaren Mittel ein, ihre verschiedenen inneren Strukturen, ihre vielfältigen Werke und Dienste sowie die ökumenische Zusammenarbeit zwischen den Kirchen und Religionen. Sie bietet ihre selbstlose Liebe allen Flüchtlingen an, lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit auf deren Lage und bringt ihre ethische und religiöse Anschauung von der Würde eines jeden Menschen, die wiederhergestellt und aufrechterhalten werden muss, ein.
Ihre im Laufe der Geschichte erworbene Erfahrung in vielfältigen Diensten der Nächstenliebe, ergänzt durch die einschlägige fachliche Reflexion und Arbeit vieler Menschen, kann eine entscheidende Hilfe bei der Erziehung und Ausbildung zukünftiger Generationen sowie bei der Erarbeitung geeigneter Gesetze sein.
37 Zwischenmenschliche Solidarität, wie sie bezeugt wird durch jede Gemeinschaft, die Flüchtlinge willkommen heißt, und durch das Engagement nationaler und internationaler Organisationen, die sich ihrer annehmen, ist eine Quelle der Hoffnung für die reale Möglichkeit menschlichen Zusammenlebens in Brüderlichkeit und Frieden.

Anmerkungen
1 Vgl. JOHANNES PAU L II., Enzyklika Centesimus annus, N r. 18: „Viele Völker verlieren die Möglichkeit, über sich selbst zu verfügen. Sie werden in die bedrückenden Grenzen eines Machtblockes eingeschlossen, während man darauf hinarbeitet, ihr Geschichtsbewusstsein und die Wurzeln ihrer jahrhundertealten Kultur auszulöschen. Ungeheure Massen von Menschen werden als Folge der gewaltsamen Teilung dazu gezwungen, ihr Land zu verlassen und werden gewaltsam vertrieben. “
2 Vgl. Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951, Bundesgesetzblatt 1953 Teil II, S. 559 ff.; Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 31. 1. 1967, Bundesgesetzblatt 1969 Teil II, S. 1294 ff. Das Abkommen definiert einen Flüchtling als eine Person, „die aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will; oder die sich als Staatenlose infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will“ (Artikel I,A . 2).

3 Vgl. Final Act of the United Nations Conference of Plenipotentiaries on the Status of Refugees and Stateless Persons (Schlussakte der UN-Konferenz der Regierungsbevollmächtigten über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und Staatenlosen), Genf, 28. Juli 1951, Artikel IV, E. „Die Konferenz drückt die Hoffnung aus, dass die Konvention über die Rechtsstellung der Flüchtlinge das Gewicht eines Beispiels über ihren vertraglichen Rahmen hinaus haben wird und dass alle Nationen sich davon leiten lassen, indem sie soweit wie möglich auch solchen Personen auf ihrem Territorium, die nicht unter die Bestimmungen der Konvention fallen, gleich wohl jene Behandlung, wie sie letztere für Flüchtlinge vorsieht, zuteil werden lassen.“
4 Einige offizielle Erklärungen und Vereinbarungen haben die Definition des Begriffs „Flüchtling“ im Sinne einer humanitären Betrachtungsweise erweitert, so z. B. die Erklärung überterritoriales Asyl, verabschiedet von der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 14. 12. 1967; die Konvention der Organisation der Afrikanischen Einheit vom 10. 9. 1969, welche die besonderen Aspekte der Flüchtlingsprobleme in Afrika regelt; die Konferenz von Cartagena (Kolumbien) vom 22. 11. 1984, deren Schlussdeklaration, die allerdings zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur das Gewicht eines informellen Konsensus auf internationaler Ebene hat, eben falls eine aus ihrem Land wegen „schwerwiegender Verletzung der Menschenrechte“ geflohene Person als einen Flüchtling betrachtet (III, 3).
5 Die von der Vollversammlung der Vereinten Nationen im Jahre 1986 verabschiedete Erklärung über das Recht auf Entwicklung würde eigentlich eine besondere Überlegung erfordern hinsichtlich der Möglichkeiten, die in Kraft befindlichen rechtlichen Instrumente (also z. B. internationale Abkommen) auch auf solche Menschen anzuwenden, die ein Land verlassen haben, in welchem ihr Recht auf Entwicklung nicht respektiert wird. Denn stellt dies nicht eine neue Form der „Verfolgung“ wegen einer Zugehörigkeit „zu einer bestimmten sozialen Gruppe“ dar entsprechend Artikel I, A.2 der Konvention von 1951?
6 JOHANNES XXIII., Enzyklika Pacem in terris, N r. 104. Das Phänomen der Existenz von Flüchtlingen „zeigt, dass die Regierungen gewisser Nationen die Grenzen der gehörigen Freiheit allzu sehr einengen, in deren Bereich es den einzelnen gestattet sein soll, ein menschenwürdiges Leben zu führen“.
7 Die Römische KONGREGATION FÜR DIE BISCHÖFE, Instruktion zur Seelsorge unter den Wandernden vom 22. August 1969, 6, in: Beilage zum Kirchlichen Amtsblatt für das Bistum Mainz 1970. Nachkonziliare Dokumente N r. 28, S. 6: „Aus der Natur des Menschen, der ein soziales Wesen ist, folgt, dass er Bürger eines Staates und eines Vaterlandes ist, dem er (. . .) auch durch Geist und Kultur verbunden ist. Dieses wesentliche und fundamentale Recht wird verletzt, wenn dem einzelnen oder ethnischen Gruppen wegen der Verschiedenheit der Abstammung, der Religion oder aus anderen Gründen Haus und Vaterland genommen werden.“
8 Vgl. EUROPARAT, Final Communiqué, Conference of Ministers on the Movement of Persons from Central and Eastern European Countries (Schlusskommuniqué deer Ministerkonferenz über Ost-West-Wanderungsfragen des Europarats), Wien, 24.–25. 1. 1991.
9 Die Vereinten Nationen hatten im Jahre 1977 in Genf eine diplomatische Konferenz einberufen, um eine Konvention über territoriales Asyl zu erarbeiten, die den durch die Entwicklung des Flüchtlingsproblems entstandenen Raum der Rechtsunsicherheit hätte füllen können. Leider schlug die Initiative, hauptsächlich wegen der ideologischen Gegensätze zwischen den damals bestehenden politischen Blöcken, fehl. Heute, 15 Jahre später, ist die Völkergemeinschaft in einem neuen geopolitischen Kontext erneut aufgerufen, ein wirksames juristisches Instrument zu schaffen mit dem Ziel, allen Flüchtlingen in unserer heutigen Welt angemessenen Schutz zu sichern.
10 Ein Beschluss des Exekutivkomitees des Hohen Kommissariats der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (Schutz von Asylsuchenden in Fällen von Massenfluchtbewegungen. Beschluss des Exekutivkomitees Nr. 22, 1981) legt den Grundsatz fest, nach dem Asylsuchende „in angemessener Entfernung von der Grenze zu ihrem Herkunftsland“ untergebracht werden müssen.

11 ZWEITES VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 4.
12 Unter den Organisationen der Vereinten Nationen, die für Flüchtlinge tätig sind, muss auch das im Jahre 1949 geschaffene Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East/UNRWA) genannt werden.
Unter den Nichtregierungsorganisationen hat u. a. die vom Heiligen Stuhl 1951 gegründete Internationale Katholische Kommission für Wanderungsfragen (International Catholic Migration Commission/ICMC) eine bedeutsame Rolle gespielt im Dienst an Flüchtlingen und anderen „Menschen unterwegs“.



13 Vgl. JOHANNES PAUL II., Enzyklika Sollicitudo rei socialis, N r. 38. „Vor allem die Tatsache der gegenseitigen Abhängigkeit wird als entscheidendes System von Beziehungen in der heutigen Welt mit seinen wirtschaftlichen, kulturellen, politischen und religiösen Faktoren verstanden und als moralische Kategorie angenommen. Wenn die gegenseitige Abhängigkeit in diesem Sinne anerkannt wird, ist die ihr entsprechende Antwort als moralisches und soziales Verhalten, als ,Tugend‘ also, die Solidarität. Diese ist nicht ein Gefühl vagen Mitleids oder oberflächlicher Rührung wegen der Leiden so vieler Menschen nah oder fern. Im Gegenteil, sie ist die feste und beständige Entschlossenheit, sich für das ,Gemeinwohl‘ einzusetzen, das heißt, für das Wohl aller und eines jeden, weil wir alle für alle verantwortlich sind. “
14 JOHANNES PAUL II., Botschaft an die 2. Internationale Konferenz der Vereinten Nationen über Hilfe für Flüchtlinge in Afrika (ICARA II) vom 5. 7. 1984, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, VII (1984/2), 26–28 (in französischer Sprache).
15 Vgl. JOHANNES PAUL II., Flüchtlinge sind die Nächsten der Nächsten, Botschaft für die Fastenzeit 1990, in: L’ Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 2. 3. 1990, Abschnitt 5, S. 3; JOHANNES PAUL II., Fasten und Solidarität. Papstbotschaften zur Fastenzeit, hrs g. v. Päpstlichen Rat „Cor Unum“, Vatikanstadt 1991, S. 39.
16 JOHANNES PAUL II., Enzyklika Sollicitudo rei socialis, N r. 24.
17 PONTIFICAL COMMISSION FOR THEPASTORAL CARE OF MIGRANTS AND TOURISM, Circular Letter to Episcopal Conferences, For the Pastoral Care of Refugees: On the Move, 36, Vatikanstadt 1983 (Rundschreiben der Päpstlichen Kommission für die Seelsorge am Menschen unterwegs – heute Päpstlicher Rat für die Seelsorge der Migranten und Menschen unterwegs – an die Bischofskonferenzen über die Seelsorge an Flüchtlingen; existiert in englischer, französischer und italienischer Sprache, nicht jedoch auf deutsch. Anm. d. Übers.) .
18 Hier sollte der bedeutende Beitrag zahlreicher Orden und Kongregationen, die spezialisierte Zentren und Programme für den Dienst an Flüchtlingen geschaffen haben, nicht unerwähnt bleiben .
19 Vgl. JOHANNES PAUL II., Address at the John XXIII International Peace Prize Ceremony (Ansprache anlässlich der Verleihung des Internationalen Friedenspreises Johannes ’ XXIII. an das Catholic Office for Emergency Relief and Refugees (COERR) in Thailand in Anerkennung seiner Arbeit zugunsten der südostasiatischen Flüchtlinge am 3. 6.1986), in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, IX (1986/1) 1747–1756.
20 ZWEITES VAT I K ANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 1.
(http://www.kathpedia.com/index.php?title=Fl%C3%BCchtlinge,_eine_Herausforderung_der_Solidarit%C3%A4t_%28Wortlaut%29)


Subsidiaritätsprinzip
„Subsidiarität
Der Begriff Subsidiarität bezeichnet ein Prinzip der katholischen Soziallehre. Die klassische Definition entstammt der Enzyklika Quadragesimo anno von 1931. Erarbeitet wurde diese, von Pius XI. vehement vertretene Forderung maßgeblich von den deutschen Jesuiten Gustav Gundlach und Oswald von Nell-Breuning. Der Grundgedanke findet sich aber bereits bei klassischen Autoren wie Thomas von Aquin und Franz von Vitoria. Bischof Emmanuel von Ketteler wies besonders markant den Staat in seine Schranken, indem er einen Vorrang der Selbstbestimmung der Familien und damit der Gesellschaft insgesamt in Fragen der Bildung, Erziehung und Religion einforderte.
Das Wort leitet sich her vom lat. subsidium, Hilfeleistung. Gemeint waren damit ursprünglich Hilfstruppen, die der Haupttruppe zu Hilfe kamen, um das Schlachtenglück noch zu wenden.
Das Subsidiaritätsprinzip enthält zwei Maximen: Es kommt 1.) der kleineren, orts- und sachnäheren Einheit zu, ihre Angelegenheiten selbst zu ordnen, solange sie dazu imstande ist, z.B. der kommunalen Selbstverwaltung gegenüber der staatlichen Verwaltung. 2.) ist die größere, übergeordnete Einheit aber zur Hilfeleistung verpflichtet, wenn die Mittel der kleineren Einheit erschöpft sind. Das Ermessen ist im einzelnen Fall zwar aus der Sicht der kleineren Einheit zu beurteilen, das Urteil kommt aber der höheren Einheit. Hier entstehen in der Praxis die Probleme: Die höhere Einheit wird nicht erst "auf Anforderung" der kleineren Einheit tätig. Der höheren Einheit steht es aber auch nicht zu, jeden beliebigen Fall ohne ausreichende Begründung an sich zu ziehen.

Subsidiarität in der Kirche
Seit jeher wird das Subsidiaritätsprinzip auch in der Kirche praktiziert. Angesichts der universalen Verbreitung der katholischen Kirche wäre eine zentrale Verwaltung aller Angelegenheiten gar nicht möglich. Bewährt hat sich vor allem die Gliederung in Papsttum und Ortskirche sowie innerhalb der Ortskirchen (auch nichtlateinischer Riten) in Bischof und Pfarrei (bzw. pastoraler Stelle anderer Art); generell bewährt hat sich auch die Gliederung sowohl des Klerus als auch der Laien in einen "Weltstand" und einen Stand der "Vollkommenheit" (Ordensleute u.a.). Diese Grundstruktur gehört zur Verfassung der Kirche.
Jedoch kann in der Kirche, in der alle Gewalt auf einen geistlichen Zweck bezogen ist, die Subsidiarität nur unbeschadet der Hierarchie göttlichen Rechtes ausgeübt werden. Sonst verfehlt sie ihren Zweck effektiver und effizienter Hilfeleistung. Das Urteil darüber, wann ein Einschreiten erforderlich ist, steht also der höheren Ebene zu. Dieses Urteil ist aber aus der Perspektive der Zweckerreichung der niederen Ebene zu begründen; ein Anwendungsfall in jüngerer Zeit war die Re-Zentralisierung der Behandlung von schweren Delikten im Klerus. Hier haben die Ortskirchen seit ca. 40-50 Jahren erwiesenermaßen versagt, sodass 2001 eine zentrale Zuständigkeit der Glaubenskongregation begründet wurde.“
(http://www.kathpedia.com/index.php?title=Subsidiarit%C3%A4t)


“Ich kann Dinge tun, die du nicht tun kannst. Du kannst Dinge tun, die ich nicht tun kann. Zusammen können wir große Dinge tun.” Mother Theresa
"Der Zweck der Sozialhilfe sollte es sein, so weit wie möglich die Notwendigkeit ihrer eigenen Existenz zu beseitigen." - 7. Januar 1970 Ronald Reagan

Was auch immer wir für Menschen in Not, für Arme, Alte, Kranke, Behinderte und Gescheiterte tun, oberstes Prinzip dabei sollte nie sein, diese in künstlicher Abhängigkeit getrennt von der Gesellschaft zu belassen und dabei noch eine Stange Geld an diesem Zustand zu verdienen, sondern diese voll in die Gesellschaft zu integrieren und sie zu befähigen, soweit als möglich selbstständig zu leben. Alles andere ist unserem christlichen Auftrag nicht würdig.
Das mag auch uns selbst weh tun: Wenn Firmen nicht mehr die Möglichkeiten haben, sich zur Zahlungen eines Geldbetrages von der Beschäftigung Behinderter zu befreien, sondern diese anstellen und ihnen geeignete Arbeitsplätze zur Verfügung stellen müssen, verdienen wir keine Geld mehr an ihnen mit unseren Werkstätten. Wenn Arme und Gescheiterte ergebnisorientiert beraten und schnellstmöglich wieder lernen, auf eigenen Füßen zu stehen (siehe http://www.biss-magazin.de/), braucht man vielleicht weniger Sozialarbeiter. Wenn es Generationenhäuser Menschen erlauben, in jeder Lebensphase noch möglichst lange zuhause zu leben, haben unsere Alten- und Pflegeheime Einbußen. Sollte das aber nicht unser Ziel sein?

“Nur allzu leicht vergessen amerikanische Christen wie Jesus sagte, dass die, die Ihm nachfolgen, leben würden und wie ihr neuer Lebensstil aussehen würde. Er sagte, dass sie Sicherheit, Geld, Bequemlichkeit und sogar ihre Familien für Ihn hinter sich lassen würden. Sie würden alles für das Evangelium aufgeben. Sie würden ihre Kreuze täglich auf sich nehmen.“
David Platt (http://www.radicalthebook.com/home.html)

Eigenes Lebenszeugnis

„Es kam ein Mann zu Jesus und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist «der Gute». Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote! Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! Der junge Mann erwiderte ihm: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir jetzt noch? Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach. Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Da sagte Jesus zu seinen Jüngern: Amen, das sage ich euch: Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen. Nochmals sage ich euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Als die Jünger das hörten, erschraken sie sehr und sagten: Wer kann dann noch gerettet werden?“
(Matthäus 19,16-25 Einheitsübersetzung)

Was, wenn Jesus das wirklich so gemeint hat? „Kann nicht sein“, werden manche wie aus der Pistole geschossen antworten. Andere mögen einwenden, sie hätten Familie und könnten nicht einfach alles verschenken.
Tatsächlich?
Vor Jahren trug ich mich mit dem Gedanken, dem Kapuziner-Orden beizutreten und verbrachte hierfür einige Zeit mit den Brüdern. Diese Zeit halte ich immer noch als wahren Schatz in meinem Herzen fest. Eines der täglichen Glaubenszeugnisse, die mich tief bewegt haben, war die völlige Mittellosigkeit der Brüder. Persönlich besaßen sie fast nichts. Wenn man einem Kapuziner etwas schenkt, würde er es wohl dankend entgegen nehmen – und dann mit seinen Brüdern oder mit Menschen in Not teilen.
Im Garten eines der Klöster, in dem ich war, gab es einige Obstbäumchen. Das war so ziemlich alles, was die Brüder für sich hatten. Zu der Zeit, als ich dort war, stellten die Brüder fest, dass es an Sitzpolstern im Kirchenraum fehlte und die Gläubigen möglicherweise froren, wenn sie den Gottesdienst besuchten. Geld hatten die Kapuziner keines und so sammelten sie bereitwillig und voller Freude (!) ihr weniges eigenes Obst ein, machten Saft oder Marmelade daraus, verkauften es vor dem Kirchenraum und verwendeten den Ertrag, um die Polster zu kaufen. Man muss nicht immer Theologie studieren, um das Wesentliche am christlichen Glauben zu begreifen.
Als ich nach diesem Besuch zurück nach Hause kam, war ich tief beschämt, wieviel unnützes Zeug sich in meiner Wohnung angesammelt hatte. Zeug, an dem mein Herz hing und das mich nur vom wahren Zentrum meines Lebens abhielten: Jesus – und meinem Nächsten, in dem Er gegenwärtig wird.


Kurz und gut: Ja, Jesus meinte das mit dem Besitz verkaufen sehr ernst. Wenn du Kinder hast, hast du damit auch die Aufgabe, für sie zu sorgen – auch in materieller Hinsicht. Das eine schließt das andere aber nicht aus. Ich kann mich sehr wohl auf das wirklich wichtige beschränken und den Rest als Almosen und für die Kirche verwenden. Ich muss nicht eine Schrankwand für Tausende von Euro kaufen, wenn es im Gebrauchtwarenmarkt der Diakonie etwas Gleichwertiges zu einem Bruchteil des Preises gibt. So lehre ich meinen Kindern gleichzeitig, was und wer wirklich wichtig ist im Leben und was nur unnützer Ballast.
Dasselbe gilt für kirchliche Einrichtungen: Welche Botschaft vermittle ich, wenn ich Multi-Millionen-Euro-Gebäude für die kirchliche Verwaltung errichte (um damit alles zu „zentralisieren“ und „Miete für dezentrale Einrichtungen“ zu sparen, wie einige der „Begründungen“ dafür lauten mögen)? Wie kann ich dann noch behaupten, eine Kirche füür die Armen und Notleidenden zu sein, wenn mein eigenes Haus eher einem Konzerngebäude gleicht, in dem sich Hilfesuchende wie Fremdkörper vorkommen müssen? In dem ich alles derart weltlichen Organisationsformen angepasst habe, dass der einzige Unterschied zu diesen ein „christlicher Anstrich“ ist, der mehr und mehr zu verblassen droht?

Lesen wir noch ein wenig mehr von Matthäus:

„Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.“
(Matthäus 25,31-46 Einheitsübersetzung)

Die Situation, in der dies stattfindet, ist sehr ernst. Jesus sitzt mit Seinen Jüngern zusammen. Er spricht vom Ende und will ihnen (einfachen Menschen!) in einfachen Worten begreiflich machen, was wirklich wichtig ist.

„Als er auf dem Ölberg saß, wandten sich die Jünger, die mit ihm allein waren, an ihn und fragten: Sag uns, wann wird das geschehen, und was ist das Zeichen für deine Ankunft und das Ende der Welt? Jesus antwortete: Gebt Acht, dass euch niemand irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin der Messias!, und sie werden viele irreführen. Ihr werdet von Kriegen hören und Nachrichten über Kriege werden euch beunruhigen. Gebt Acht, lasst euch nicht erschrecken! Das muss geschehen. Es ist aber noch nicht das Ende. Denn ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere und an vielen Orten wird es Hungersnöte und Erdbeben geben. Doch das alles ist erst der Anfang der Wehen. Dann wird man euch in große Not bringen und euch töten und ihr werdet von allen Völkern um meines Namens willen gehasst. Dann werden viele zu Fall kommen und einander hassen und verraten. Viele falsche Propheten werden auftreten und sie werden viele irreführen. Und weil die Missachtung von Gottes Gesetz überhandnimmt, wird die Liebe bei vielen erkalten. Wer jedoch bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet. Aber dieses Evangelium vom Reich wird auf der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker es hören; dann erst kommt das Ende. Wenn ihr dann am heiligen Ort den unheilvollen Gräuel stehen seht, der durch den Propheten Daniel vorhergesagt worden ist - der Leser begreife -, dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; wer gerade auf dem Dach ist, soll nicht mehr ins Haus gehen, um seine Sachen mitzunehmen; wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. Weh aber den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Betet darum, dass ihr nicht im Winter oder an einem Sabbat fliehen müsst. Denn es wird eine so große Not kommen, wie es noch nie eine gegeben hat, seit die Welt besteht, und wie es auch keine mehr geben wird. Und wenn jene Zeit nicht verkürzt würde, dann würde kein Mensch gerettet; doch um der Auserwählten willen wird jene Zeit verkürzt werden. Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Messias!, oder: Da ist er!, so glaubt es nicht! Denn es wird mancher falsche Messias und mancher falsche Prophet auftreten und sie werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten irrezuführen. Denkt daran: Ich habe es euch vorausgesagt. Wenn sie also zu euch sagen: Seht, er ist draußen in der Wüste!, so geht nicht hinaus; und wenn sie sagen: Seht, er ist im Haus!, so glaubt es nicht. Denn wie der Blitz bis zum Westen hin leuchtet, wenn er im Osten aufflammt, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein. Überall wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier.“
(Matthäus 24,3-28 Einheitsübersetzung)

Jesus hat dies nicht nur einigen Wenigen aufgetragen, sondern uns allen. Er hat keine Hintertür für eventuelle Ausnahmen oder Ausreden offen gelassen und keinen Spielraum für missbräuchliche Interpretationen. Das Ganze ist leicht verständlich und bedarf keiner weiteren Erklärungen.

“Lebe einfach, damit andere einfach leben können.” Mother Theresa
“Wenn du nichts hast, hast du alles.” Mother Teresa
“Das Beste, was man mit den besten Dingen im Leben tun kann, ist, sie wegzugeben.”
Dorothy Day

“Gib; aber gib, bis es weh tut.” Mother Teresa

„Die Erneuerung des Volkes muss eine Herzenserneuerung sein, eine Umwandlung des inneren Menschen. Diese Herzenserneuerung muss bestehen in einer gründlichen Abkehr von der Gottlosigkeit, vom reinen Diesseitskult und einer herzhaften Rückkehr zum Gottesglauben, zum Geist des Christentums.“
Pater Rupert Mayer

Als Christinnen und Christen sind wir gerufen, Licht und Salz für die Welt zu sein. Dies jedoch können wir nur, wenn wir selbst das sind, was wir durch unser eigenes Lebenszeugnis verkünden. Sünde, die toleriert wird, breitet sich wie ein Krebsgeschwür aus – in uns und in der christlichen Organisation, der wir dienen. Durch sie verlieren wir genau dieses Licht und Salz und können somit unserer Berufung nicht mehr nachkommen.
Hier gibt es enormen Veränderungsbedarf. Wir müssen zu einer Organisation werden, durch die die Menschen Jesus Christus sehen – und nicht einen Wettbewerber auf dem Wohltätigkeitsmarkt oder einen weltlichen Konzern.
Es ist eine Schande, dass es zugelassen wird, dass Menschen Lebensstile führen, die offen den Grundsätzen des christlichen Glaubens widerspricht – solange sie dies nicht offen tun. Von Ehebruch bis zu außerehelichen Lebensgemeinschaften – heterosexuell oder homosexuell – und vielem anderen wird zwar Kenntnis genommen, solange die Betroffenen aber nicht öffentlich dazu stehen, ist es mehr oder weniger egal.

Auch werden Menschen angestellt, die nicht diese Glaubensüberzeugungen teilen – sei es, dass sie einer anderen oder gar keiner Religion angehören. Offiziell gibt es zwar meist „Hürden“ hierfür (also etwa wenn sonst niemand für die betreffende Stelle gefunden wird), deren Sinn und Zweck dürfte aber mittlerweile nicht mehr ernsthaft verfolgt werden.
Wenn wir wie die Welt werden, wozu braucht man uns dann noch? Soziale Arbeit können andere auch leisten – und das vielleicht sogar besser als wir.
Noch haben die Kirchen als „Tendenzbetriebe“ in einigen bereichen Sonderrechte (etwa bezüglich der Arbeitsverhältnisse), es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis diese fallen.Grund genug, sich ernsthaft mit uns selbst zu beschäftigen – ohne „Qualitätsmanagement“ und Unternehmensberatungen, wohl aber mit Geistlichen.
Es kann nicht sein, dass jemand, der sich aus tiefster christlicher Überzeugung einer evangelikalen Freikirche anschließt und seinen Glauben tagtäglich aufopferungsvoll lebt, fristlos gekündigt wird, all die „katholischen Karteileichen“ jedoch, die allein durch ihr Lebenszeugnis all das verleugnen, wofür wir eigentlich stehen sollten, problemlos weiterbeschäftigt werden, solange sie nur auf dem Papier zur jeweiligen Kirche gehören und Kirchensteuer zahlen.
 „Die kürzeste Antwort auf etwas ist es einfach zu tun.“
Ernest Hemingway

„Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam.Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte.“ (Apostelgeschichte 2,44-45 Einheitsübersetzung)
„Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.“ (Apostelgeschichte 4,34-35 Einheitsübersetzung)

“Wir leben zusammen wie Brüder einer Familie, verbunden in unserer Liebe zu Christus. Die Brüder unsterstützen einander durch Gebet, gegenseitige Ermutigung, ehrliche Kommunikation und durch freudigen, aufopferungsvollen Dienst.”
Franciscan Friars of the Renewal

“Wir alle haben diese lange Einsamkeit gekannt und wir haben gelernt, dass die einzige Lösung Liebe ist und dass Liebe mt der Gemeinschaft kommt.”
Dorothy Day, The Long Loneliness: The Autobiography of the Legendary Catholic Social Activist

Spiritualität

“Ein Herzschlag,” antwortete er, “ein Herzschlag. Das ist es. Das ist alles. Du bist nur einen Herzschlag weg von der Ewigkeit. Alles was du hast—dein Leben, dein Atem, dieser Moment, es ist alles geliehen, es ist alles ein Geschenk. Eskann jederzeit mit einem Herzschlag enden…nu rein Herzschlag und da ist keine Zeit mehr. Ein Herzschlag und die Chance, gerettet zu werden, ist vorbei. Ein Herzschlag und man kann sich nicht mehr entscheiden—es ist alles besiegelt: ewiger Tod oder ewiges Leben.”
Jonathan Cahn, The Harbinger: The ancient mystery that holds the secret of America's future

“Beten heisst nicht, um etwas zu bitten. Beten heisst, sich selbst in die Hände Gottes zu legen, zu Seiner Verfügung, und Seiner Stimme in der Tiefe unserer Herzen zuzuhören.”
Mother Theresa

„Das Gebet ist ein mächtiges Werkzeug,  ein Schlüssel, der das Herz Gottes öffnet.“
Padre Pio

“Meine Stärke kehrt zu mir zurück, zusammen mit meiner Tasse Kaffe und dem Lesen der Psalmen.”
Dorothy Day

“Das Evangelium nimmt uns auf immer das Recht, zwischen Armen zu diskriminieren, die es verdienen und denen, die es nicht verdienen.”
Dorothy Day

„Eher könnte die Welt ohne Sonne bestehen als ohne das heilige Messopfer.“
Padre Pio

"Unkenntnis der Heiligen Schrift ist Unkenntis Christi"
Saint Jerome



"Das Leben ist kurz. Wir sind von Gott gekommen und warden zu Gott zurückgehen…Jeder Moment, den wir in dieser Welt sind, ist wertvoll für uns, weil wir in jedem Moment tatsächlich unser ewiges Schicksal gestalten und formen…wir machen uns selbst zu dem, was wir auf ewig sein werden durch die Entscheidungen, die wir hier und jetzt in diesem Leben treffen und so ruft uns Gott, das Meiste aus der Gelegenheit, aus dem Geschenk des Lebens und dem Geschenk der Zeit zu machen, die Gott uns gegeben hat.“
"Die Zeit, deinen Schatz im Himmel anzusammeln, ist jetzt. Die Zeit, sich mit Gott und dem Nächsten zu versöhnen, ist jetzt. Die Zeit, etwas von sich selbst anderen zu geben, ist jetzt. Die Zeit, den Herrn deinen Gott mit all deinem Herzen und Seele und Verstand und Stärke zu lieben, ist jetzt. Schieb es nicht hinaus. Verschieb es nicht auf morgen, denn …für so viele von uns scheint morgen nie zu kommen."
~ Fr. Bill Casey ~ www.fathersofmercy.com

“Wenn wir unseren Kopf nicht mit Gebeten füllen, sir der sich selbst mit Ängsten, Sorgen, Versuchungen, Feindseligkeiten und unwillkommenen Erinnerungen füllen.”
― Scott Hahn, Signs of Life: 40 Catholic Customs and Their Biblical Roots

"Beten ist der Weg, um alles Übel, das uns leiden macht, zu überwinden."
"Nicht alle können reich, gelehrt, berühmt werden... Dafür sind wir aber alle - wirklich "alle" - dazu berufen heilig zu werden."
Josemaría Escrivá

“Wenn wir beten, werden wir glauben. Wenn wir glauben, werden wir lieben. Wenn wir lieben, werden wir dienen.”
― Mother Teresa

“Im Schweigen des Herzens spricht Gott. Wenn du Gott im Gebet und im Schweigen begenest, wird Gott zu dir sprechen. Dann wirst du wissen, dass du nichts bist. Erst wenn dir dein Nichts-Sein bewusst wird, deine Leere, kann Gott dich mit Sich selbst füllen. Seelen des Gebets sind Seelen großen Schweigens.”
Mother Teresa, In the Heart of the World: Thoughts, Stories and Prayers

“Neue Evangelisation ist die Arbeit der ganzen Kirche – Laien, Ordinierte und Geweihte. Es geht darum, dass Freunde, Familienangehörige und Mitarbeiter in Kontakt zueinander treten und die Wahrheit Christi verkünden, indem sie alle zur Verfügung stehenden Mittel benutzen – Unterhaltung, persönliches Zeugnis, Medien und die umfangreiche Reihe intellektueller und spiritueller Reichtümer, die die Kirche in ihrer 2.000-jährigen Geschichte angesammelt hat. Es geht um einfache Taten der Liebenswürdigkeit, einfache Herausforderungen, die aus Liebe ergehen und einfache Fragen, die mit Aufrichtigkeit gestellt werden. Noch grundlegender ist die Neue Evangelisation eher für die Getauften als für die Ungetauften. Sie ist für die, die nicht ausreichend über die Lehren der Kirche unterrichtet, aber nur zu ausreichend säkulasiert wurden – und sie ist für die, die dem Christentum entfremdet wurden, und zwar genau während der Zeit der Sakramentenspendung.”
― Scott Hahn, Evangelizing Catholics: A Mission Manual for the New Evangelization

“Vor allem das Evangelium spricht mich während meiner inneren Gebete an; in ihm finde ich alles, was meiner armen Seele Not tut. Ich entdecke darin stets neue Einsichten, verborgene, geheimnisvolle Sinngehalte.”
Therese von Lisieux 
„Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
(Matthäus 25,40 Einheitsübersetzung)

„Glücklich der Mensch, der seinen Nächsten trägt in seiner ganzen Gebrechlichkeit, wie er sich wünscht, von jenem getragen zu werden in seiner eigenen Schwäche.“
Franziskus von Assisi

"Das Evangelium verspricht niemanden ein bequemes Leben. Es stellt Ansprüche."
"Das schlimmste Gefängnis ist das geschlossene Herz."
"Die Wahrheit ist kein Produkt einer "Kirche von unten", sondern es kommt "von oben", von Gott."
"Man kann nicht nur auf Probe leben, man kann nicht nur auf Probe sterben, man kann nicht nur auf Probe lieben, nur auf Probe und Zeit einen Menschen annehmen."
(Karol Józef Wojtyla) Papst Johannes Paul II

„Zeig mir deine Hände. Haben sie Wunden vom Geben? Zeig mir deine Füße. Wurden sie während des Dienens verletzt? Zeig mir dein Herz. Hast du einen Platz für die göttliche Liebe frei gelassen?”
"Freude ist nicht dasselbe wie Vergnügen oder Glücklichsein. Ein verschlagener und böser Mann kann vielleicht Vergnügen haben, während jeder gewöhnliche Sterbliche fähig dazu ist, glücklich zu sein. Vergnügen kommt für gewöhnlich von Dingen und immer durch die Sinne; Glücklichsein kommt von Menschen durch die Verbundenheit. Freude entsteht, wenn man Gott und den Nächsten liebt. Vergnügen ist schnell und intensiv, wie ein Blitzschlag. Freude ist beständig und dauerhaft, wie ein Stern, der immer an seiner Position steht. Vergnügen hängt von äußeren Umständen ab, wie etwa Geld, Essen, Reisen usw. Freude ist davon unabhängig, denn sie kommt von einem guten Gewissen und der Liebe zu Gott."
"Es gibt nicht mehr als 100 Menschen auf der Welt, die die Katholische Kirche wirklich hassen, aber es gibt Millionen, die das hassen, was sie für die Katholische Kirche halten…Wenn wir Katholiken all die Unwahrheiten und Lügen, die gegen die Kirche gesagt wurden, glauben würden, würden wir die Kirche wahrscheinlich Tausend Mal mehr hassen als sie es tun."
Archbishop Fulton Sheen


“Nicht alle von uns können große Dinge tun. Aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun.”
Mother Theresa

„Oh Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens! Wo Hass ist, lass mich Liebe säen; wo Unrecht, Verzeihung; wo Zweifel, Glaube; wo Verzweiflung, Hoffnung; wo Finsternis, Licht und wo Trauer, Freude.“
Franziskus von Assisi

“Ich fragte Teilnehmer, die behaupteten, “starke Nachfolger Jesu zu sein”, ob Jesus Zeit mit den Armen verbrachte. Fast 80 Prozent sagten ja. Später in der Umfrage schob ich eine andere Frage ein. Ich fragte dieselbe Gruppe der starken Nachfolger, ob sie Zeit mit den Armen verbrachten und weniger als zwei Prozent stimmten dem zu. Wir können Jesus bewundern und anbeten ohne zu tun was Er tat. Wir können dem begeistert zustimmen, was Er predigte und wofür Er eintrat ohne das suns dieselben Sachen wirklich berühren. Wir können Sein Kreuz anbeten ohne unser eigenes auf uns zu nehmen. Mir war klar geworden, dass es nicht die große Tragödie der Kirche ist, dass reiche Christen sich nicht um die Armen sorgten, sondern dass reiche Christen die Armen nicht kannten.” 
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical

“Am 11. September fragten die Menschen, “Wo war Gott?” “Wo war Gott?“ fragte er, als ob er überrascht von der Frage war. „Wir haben Ihn aus unseren Schulen getrieben, aus unserer Regierung, aus unseren Medien, aus unserer Kultur, aus der Öffentlichkeit. Wir haben Ihne aus unserem nationalen Leben vertrieben – und dann fragen wir, ‚Wo ist Gott?‘”
"Eine Nation, die sich vom Gebet abwendet, wird sich schließlich im verzweifelten Bedürfnis danach wiederfinden.”
Jonathan Cahn, The Harbinger: The ancient mystery that holds the secret of America's future

Spirtualität ist eine wesentliche Grundsäule christlichen Lebens – sei es nun hinsichtlich des einzelnen Menschen oder einer Organisation. Eine tägliche spirituelle Struktur und der regelmäßige Empfang der Sakramente sowie eine regelmäßige Katechese sollten für Mitarbeiter wie für christliche Wohlfahrtsunternehmen selbstverständlich sein.
Hier einige konkrete Vorschläge:
• Erweiterung des spirituellen Angebotes in den Organisationen. Es darf nicht mehr nur um „christliche Wellness“ gehen, sondern um fundierte Glaubensvermittlung.
• Angebot geistlicher Begleitung.
• Organisieren von Bibelgruppen in den Organisationen, die sich dem Bibelstudium widmen (und nicht alleine dem Bibel-Teilen!).
• Ermutigung der Teilnahme an nebenberuflichen theologischen Ausbildungsmöglichkeiten.
• Regelmäßige gemeinsame Gebete, Andachten und Gottesdienste (inklusiv der täglichen Stundengebete).
• Zusammenarbeit mit Orden und christlichen Gemeinschaften vor Ort.
• Angebot von Eheberatung, Lebensberatung, Krisenberatung etc. für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
• Ermutigung der Berufungspastoral: Einladen und Vorstellen von Orden, Gemeinschaften usw.
• Praktisches Training in Evangelisation und Glaubensvermittlung.
• Ermutigung des privaten, gemeinsamen spirituellen Lebens (z.B. Gründung von Hauskreisen).


Seelsorge

Seelsorge ist ein wesentlicher und oft vernachlässigter Bestandteil christlicher Nächstenliebe. Es reicht nicht, sich um Körper und Psyche zu kümmern – erst mit der Seele formen die drei eine untrennbare Einheit:

• Wenn wir über Beratung, Psychotherapie und Seelsorge nachdenken und Wege zur Begegnung suchen, müssen wir unsere persönliche Denkstruktur und diejenige unseres Gegenübers berücksichtigen.
• Die menschliche Seele ist eine Einheit. Oder: Der Mensch ist eine Seele.
• Seelische Störungen entstehen durch eine Vergrößerung der "Unordnung" (Entropie).
• Zwischen seelischer Gesundheit und seelischer Krankheit gibt es einen kontinuierlichen Übergang.
• Menschen sind, entsprechend ihrer Persönlichkeitsstruktur, unterschiedlich verletzlich (vulnerabel).
• Beim Gesundungsprozess gibt es immer wieder Rückschläge.
• Es gibt keinen wissenschaftlich begründbaren Unterschied zwischen
• der Arbeit in Pädagogik, Beratung, Psychotherapie und Seelsorge.
• Beratung, Psychotherapie und Seelsorge brauchen Ziele bzw. eine nachvollziehbare Anthropologie.

Wir verstehen die Biblisch-Therapeutische Seelsorge als notwendigen Samariterdienst an Menschen, die Lebens- und Glaubenshilfe brauchen. Unseren Auftrag dazu entnehmen wir aus der biblischen Verheißung in 1.Thess. 5,14 :
„Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann."
(Quelle: Biblisch-therapeutische Seelsorge BTS www.bts-ips.de)

Eine grundlegende Schulung in Theorie und Praxis für alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre somit unerlässlich. Weg von der nur allzuoft praktizierten „Wohlfühl-Seelsorge“, die eher einem „christlichen Wellness-Programm“ gleicht, hin zu einer Seel-Sorge um uns selbst und die Menschen, denen wir dienen. Hierbei sollten ganz bewusst nicht nur mit Ausbildungsinstituten der eigenen Konfession zusammengearbeitet werden, sondern auch und gerade mit anderen christlichen Einrichtungen dieser Art, die das ebenso gut oder gar besser können.
Leider wird offensichtlich noch immer geglaubt, dass ein Priester oder ein pastoraler Mitarbeiter gleichzeitig auch Seelsorger ist, da er/sie ja Theologie studiert hat. Dies befähigt jemanden aber nicht gleichzeitig zum qualifizierten Seelsorger – weder in der Theorie noch in der Praxis. Hier haben wir alle noch Nachholbedarf.

Anstatt sich in Gender-Mainstreaming Konzepten zu verirren, sollten wir auch auf besondere Themengebiete und Menschen mit speziellen Problemen, Fragen oder Sehnsüchten eingehen und hierfür mit bereits existierenden Einrichtungen zusammenarbeiten. Als ein Beispiel sei hier die Seelsorge an und für Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen zu nennen. Eine Zusammenarbeit bietet sich hier mit der internationalen christlichen Ex-Gay Einrichtung „Jason“ an (siehe http://jason-online.webs.com).


Mission Statement

"Wer eine Seele rettet, rettet die ganze Welt"
Martin Buber (österreichisch-israelischer jüdischer Religionsphilosoph)

“Mit Verständnis und ohne Verständnis lieben. Blind und bis zur Verrücktheit lieben. Nur das sehen, was liebenswert ist. Nur an diese Dinge denken. Das Beste in jedem um einen herum sehen, eher ihre Tugenden als ihre Fehler. Christus in ihnen sehen!”
Dorothy Day

“Das vorrangige Ziel unserer Gemeinschaft ist eine Annahme Jesu Christi und unseres Heiligen Vaters St. Franziskus aus vollem Herzen. Durch unsere Ergebenheit für das Gebet und die Kontemplation, dem Studium der Heiligen Schrift und unserer Treue der Kirche und den Sakramenten gegenüber sowie unserem brüderlichen Leben und unsererem großzügigen Dienst an Anderen, besonders den Armen, erhalten wir die Nahrung, die notwendig ist um unser Leben als Söhne des Heiligen Franziskus in der Tradition der Kapuziner zu leben.”
CFR Constitutions – Franciscan Friars of the Renewal

“Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt.”
(Matthäus 10,7-10 Einheitsübersetzung)

“Weiterhin erfolgt unser Evangelisationsauftrag in der Kirche durch das Predigen und Lehren des Evangeliums und durch das Teilen der reichen Schatzümer unseres Katholischen Glaubens mit allen. Einige Art und Weisen, wie sich dieses Apostolat ausdrückt, sind: Missionszentren für die Armen bereitstellen, Straßenevangelisation, Missionen in Pfarreien, Exerzitien für junge Erwachsene, Missionen in den Universitäten, Besinnungstage, Wallfahrten, Freizeiten im Rahmen von Jugend 2000 und der sakramentale Dienst.”
Franciscan Friars of the Renewal

"Die christliche Botschaft wird dank der Männer und Frauen, die Christus lieben, verbreitet und kann nicht umhin, die Freude darüber zu teilen, dass wir geliebt und erlöst sind."
Pope Francis
“Habt keine Angst davor, hinaus auf die Straßen und auf öffentliche Plätze zu gehen, wie die ersten Apostel, die Christus und die Gute Nachricht der Erlösung auf den Plätzen der Städte und Dörfer predigten. Jetzt ist nicht die Zeit, um sich des Evangeliums zu schämen. Es ist die Zeit, es von den Dächern zu predigen. Habt keine Angst davor, aus komfortablen und gewohnten Arten des Lebens auszubrechen um die Herausforderung anzunehmen, Christus in den modernen Metropolen bekannt zu machen. Ihr müsst überall hingehen und jeden, den ihr trefft, zum Bankett einladen, das Gott für Sein Volk bereitet hat. Das Evangelium darf nicht aus Angst oder Gleichgültigkeit versteckt bleiben.Es muss auf ein Podest gestellt werden, sodass die Menschen sein Licht sehen und den Himmlischen Vater lobpreisen“
“Im Westen haben wir die Tendenz, profit-orientiert zu sein, wo alles gemäß den Ergebnissen bewertet wird und wir ständig damit beschäftigt sind, immer aktiver zu sein, um Ergebnisse zu erwirtschaften. Im Osten – besonders in Indien –habe ich den Eindruck, dass die Menschen mehr damit zufrieden sind, einfach nur da zu sein und einen halben Tag herumzusitzen unter einem Banyan-Baum, während man sich unterhält. Wir im Westen würden das wahrscheinlich Zeitverschwendung nennen. Es hat jedoch seinen Wert. Mit jemandem zusammen sein, ohne eine Uhr und ohne Ergebnisse zu erwarten zuzuhören, das lehrt uns etwas über die Liebe. Der Erfolg der Liebe liegt im Lieben – nicht im Ergebnis des Liebens.
These words, taken from the book A Simple Path, are the words of one of the Missionaries of Charity Sisters, not of Mother Teresa.”
Mother Teresa, A Simple Path
Ein gelebtes “Mission Statement”, also eine konkreteAussage darüber, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir wollen, ist unerlässlich für das, was wir tun und sind.
Es kann und darf jedoch kein mehr oder weniger aufgesetztes Dokument sein, das im Rahmen von teuren Verfahren ermittelt und der Organisation dann aufgezwungen wird. Ein Mission Statement muss ein Ergebnis eines gemeinsamen Prozesses sein, allen bekannt und von allen gelebt. Menschen, die zu uns kommen, müssen allein aufgrund unseres Verhaltens sehen, um was es uns geht und wie wir uns von rein weltlichen Organisationen unterscheiden. Tun sie dies nicht, ist das ganze Geld, das man für die Erstellung solcher Leitsätze im Rahmen eines Qualitätsmanagements ausgegeben hat, zum Fenster hinaus geworfen worden.


Ziele

„Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche.“
Franziskus von Assisi

„Der Schuh kann nicht dem Fuß sagen, wie groß er wachsen soll” Dr. Robert H. Schuller

Leider hat die „Zielvereinbarung“ in christlichen Organisationen oft mit Betriebswirtschaft und dem Hin- und Herschieben von Geld auf internen Kostenstellen, damit am Ende des Jahres das „Ergebenis“ stimmt, zu tun als mit den Visionen des Christentums. Dementsprechend die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Man/frau ist bestrebt, „Vorgaben“ zu erfüllen. „Das muss halt so sein“ –mit ähnlichen Ausreden versucht man, sich das selbst schön zu reden. Muss es wirklich?

Wie viel motivierter wären sie, wenn sie ein Ziel hätten, für das ihre Herzen brennen könnten und würden? Ein Ziel, das so unrealistisch und doch so faszinierend ist, dass es das Letzte aus einem herausholt, um es zu erreichen?

Wie soll das gehen?

Die Kurzversion: Zunächst kann so ein Ziel nicht hoch genug gesteckt sein. Es ist besser, 50% von etwas wirklich Großem zu erreichen und dabei hoch begeistert zu sein, als gelangweilt 100% einer lauwarmen „Zielvorgabe“, die niedriger nicht sein könnte.
Unbedingt notwendig hiefür ist der Praxisbezug. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen ganz konkret wissen, was sie wofür tun. Über die finanzielle Entlohnung lassen sich Menschen nur sehr bedingt und sehr kurzfristig motivieren – über ihren Glauben an etwas aber unbegrenzt.
Einfache Vorschläge:
• Die Organisation BISS veranstaltet regelmäßig Rundgänge, wo ehemals Obdachlose durch die verschiedenen Projekte führen und dabei viel aus dem eigenen Leben erzählen. Hier erhält man nicht nur viele wichtige Informationen und sieht, wie so etwas angegangen werden muss, man wird auch tief im Herzen bewegt. So etwas sollte eigentlich selbstverständlich bei und für uns sein. Auch wir könnten so etwas regelmäßig organisieren – für unsere eigenen Kolleginnen und Kollegen sowie für Interessierte von „Aussen“.
• Ein regelmäßiger Austausch und Kontakt mit denen, für die wir arbeiten, sollte von vorneherein eingeplant werden – inklusive gemeinsamer Veranstaltungen, Feiern, gemeinsamen Essen und Gottesdiensten bzw. Gebetsgruppen usw.
• Anstatt auf Biegen und Brechen vorgaben eines „Qualitätsmanagements“ durchzuziehen, bei denen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fast wie Roboter vorprogrammierte Schamata durchgehen, sollte der eigentliche Sinn und Zweck unseres Tuns, das Ziel – also die Menschen selbst! – in den Vordergrund treten.
• Dieses Ziel sollte uns immer wieder, ganz praktisch und mit Herz und Verstand – sowie mit dem spirituellen Hintergrund vor Augen geführt werden.
• Ein ganz praktisches Beispiel: Wir setzen uns ein großes Ziel, auch wenn uns das angesichts unserer momentanen Ressourcen momentan noch unerreichbar scheint. Die Zielsetzung sollte unabhängig von der Hierarchie erfolgen. Die Reinigungskraft kann und soll genause Ideen beitragen wie der Abteilungsleiter. Diese konkrete Zielsetzung mit Zeitangabe ist enorm wichtig, da sonst das Ganze im Sande verläuft. Also etwa: Bis Ende nächsten Jahres werden wir einen Stadtteil-Treffpunkt aufbauen, wo Flüchtlinge, Arme und Notleidende sowie Menschen aus dem Stadtteil überhaupt sich treffen, gemeinsame Veranstaltungen durchführen und sich gegenseitig unterstützen und austauschen. Dieses Ziel wird von allen gemeinsam gesteckt. Möglicherweise verfasst man hierfür auch ein Dokument, das alle unterschreiben und das man dann einrahmt und für alle sichtbar aufhängt. Als nächstes würde dann ein Brainstorming folgen, bei dem erstmal alles zusammengetragen wird, was den Beteiligten dazu einfällt. Schließlich werden gemeinsame Unterziele vereinbart – definiert, mit genauem Endzeitpunkt und Verantwortung. Also entweder: Gitte und Herbert werden bis zum 31. Januar sämtlichen örtlichen Vereine, Gruppen, Schulen und religiösen Organisationen etc. kontaktieren und praktische Möglichkeiten der Unterstützung ausfindig machen. Wird das Ziel dann am Ende des Jahres erreicht, setzt man sich zusammen, diskutiert was gut bzw. nicht so gut gelaufen ist (und warum) und besiegelt das Ganze mit einem Fest unter Beteiligung der Menschen, die in diesem Treffpunkt zusammenkommen sollen. Ein weiteres internes Treffen mit Evaluation folgt ein Jahr später.
• Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen diese Ziele als „ihr Ding“ begreifen, als etwas, hinter dem sie zu 100% stehen und in dem ihr Herzblut steckt – ansonsten ist eine Zielvereinbarung völlig wertlos.
“Was wir gerne tun würden, ist die Welt herauszufordern – es ein wenig leichter für die Menschen zu machen, sich zu ernähren, kleiden und Obdach zu finden wie Gott das für sie beabsichtigt hatte. Und indem wir für bessere Bedingungen kämpfen, indem wir unablässig für die Rechte der Arbeite, der Armen und Notleidenden, mit anderen Worten der würdigen und unwürdigen Armen –  kämpfen, können wir bis zu einem bestimmten Grad die Welt verändern. Wir können für die Oase, die kleine Zelle der Freude und des Friedens in einer gehetzten Welt arbeiten. Wir können unseren Kieselstein in den Weiher werfen und darauf vertrauen, dass sein immer größer werdender Kreis die ganze Welt umfassen wird. Wir wiederholen, es gibt nichts, das wir tun können außer zu lieben und, lieber Gott, bitte mache unsere Herzen größer, damit wir einander, unseren Nächsten und Feind wie unseren Freund lieben.” Dorothy Day

“Mutter Theresa sagte immer, "Kalkuttas gibt es überall, wenn wir nur Augen zu sehen hätten. Finde dein Kalkutta.” 
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical

„Soziale Arbeit darf nicht im Dilettantentum stecken bleiben, denn sie ist verantwortungsvolle Arbeit am Menschen, mehr wie jede andere.“ Ellen Ammann

Erfolg

"Erfolgreiche Menschen behalten einen positiven Fokus im Leben, egal was um sie herum vor sich geht. Sie konzentrieren sich auf ihre vergangenen Erfolge anstatt auf ihre vergangenen Fehler und ebenso auf die nächsten Handlungsschritte, die sie unternehmen müssen, um näher an ihre Zielerreichung zu kommen – und nicht auf all die anderen Ablenkungen, die das Leben ihnen bietet."
Jack Canfield

“Kümmere dich nie um Zahlen. Hilf einem Menschen nach dem anderen und beginne immer mit der Person, die dir am nächsten ist.”
Mother Teresa

Über Zielvereinbarung und Zielerreichung sowie Motivation habe ich ja bereits geschrieben. Alle drei sind wesentlich für einen „Erfolg“.
Bei der Bemessung und Bewertung dieses Erfolges sollten wir nie aus dem Auge verlieren, dass wir christliche Organisationen sind. Die Maßstäbe, mit denen wir unseren Erfolg definieren, können und dürfen nie weltliche Maßstäbe sein. Warum? Ganz einfach: Unsere Werte und unser Herr ist nicht derselbe wie der anderer, rein finanzorientierter Unternehmen. Hätten wir dieselben Maßstäbe, gäbe es nicht den geringsten Grund für unsere Existenz.
Auch müssen wir diese Maßstäbe nicht neu erfinden – sie wurden uns bereits von Jesus vorgegeben.
Gleichwohl gibt es jedoch praktische Verfahren, diesen Erfolg zu erreichen. Mutter Theresa ist ein wunderbares Beispiel hierfür: Bei ihr hätten wohl alle Unternehmensberater die Hände über den Kopf zusammen geschlagen. Kein Qualitätsmanagement, keine Zielvereinbarung, kein professionelles Fundraising, keine Unternehmensstruktur, keine Rechtsabteilung, keine Experten für Öffentlichkeitsarbeit – nichts von alledem. Und doch kennt sie die ganze Welt. Sie hat erreicht, was niemand von uns erreicht hätte – allein durch ihren starken Glauben. Sie war immer authentisch, immer sie selbst. Vor allem aber hatte sie ein Gebetsleben, das seinesgleichen sucht.
Ach ja, da gab es noch jemanden, der so ziemlich alles „falsch“ machte, was man falsch machen konnte, wenn man Erfolg haben und eine große Organisation aufbauen wollte. Jemand, dem nichts an weltlichem Reichtum lag und der sich mit denen abgab, die sonst niemand haben wollte. Jemand, der letztlich sogar sein eigenes Leben hingab, damit wir ewig leben dürfen:

Jesus.


Solidarität

„Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes. Wenn eine Scholle ins Meer gespült wird, wird Europa weniger, genauso als wenn’s eine Landzunge wäre, oder ein Landgut deines Freundes oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn ich bin Teil der Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; sie schlägt dir selbst.“
John Donne

“Wir können nicht Gott lieben, wenn wir nicht einander lieben und um zu lieben müssen wir uns kennen. Wir erkennen Ihn im Brechen des Brotes und wir lernen einander kennen im Brechen des Brotes und wir sind nicht mehr länger alleine. Der Himmel ist ein Hochzeitsmahl und auch das Leben ist ein Hochzeitsmahl – sogar mit einer Kruste, dort wo Gemeinschaft ist.“
Dorothy Day, The Long Loneliness: The Autobiography of the Legendary Catholic Social Activist

“Wohltätigkeit wird nicht die Ungerechtigkeiten beenden, die bedeuten, dass Frauen 2/3 der Arbeit auf der Welt verrichten, aber nur 1/10 des Einkommens der Welt verdienen.
Sie wird die internationalen Konzerne nicht davon abhalten, Millionen an Steuern zu umgehen, indem sie arme Länder ihres Geldes berauben, das sie für die Gesundheitsfürsorge und die Erziehung brauchen.
Sie wird nicht die ärmsten Gemeinschaften der Welt, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen, davor bewahren, die Hauptlast dessen Konsequenzen zu tragen.
Um Armut zu beenden müssen wir Ungerechtigkeit beenden.”
christian aid (http://www.christianaid.org.uk/global-progress-review/)

“Solidarität (abgeleitet vom lateinischen solidus für gediegen, echt oder fest; Adjektiv: solidarisch) bezeichnet eine, zumeist in einem ethisch-politischen Zusammenhang benannte Haltung der Verbundenheit mit – und Unterstützung von – Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Sie drückt ferner den Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte aus.“
(Wikipedia)

Zwei Begriffe bzw. Begriffspaare fallen hier ins Auge: „Zusammenhalt“ und „gleichgesinnt“ bzw. „gleichgestellt“. Begriffe, die das Wesen des Christentums ausmachen: Zusammenhalt aufgrund bedingungsloser und selbstaufopfernder Liebe, wie Jesus uns geliebt hat. „Gleichgestellt“, weil wir vor Gott alle gleich sind – egal, in welcher gesellschaftlichen Schicht wir uns befinden, wie es um unsere körperliche oder geistige Gesundheit bestellt ist, aus welchem Land wir kommen, welche Vergangenheit wir haben oder welche „Vorleistungen“ wir erfüllt haben. Liebe und Glaube sind Geschenke Gottes, die wir in freier Entscheidung annehmen und weitergeben. Ein Gott, der uns so geliebt hat, dass er Seinen einzigen Sohn zu uns sandte. Ein Sohn Gottes, der sich nicht zu schade war, Mensch zu werden, damit wir Kinder Gottes sein können. Der die Letzten zu den Ersten gemacht und die Tür zu Seinem Herzen und Himmelreich für alle geöffnet hat.

„Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“ 
(Johannes 15,12 Einheitsübersetzung)

"Die Hungrigen bitten um Würde, nicht um Wohltätigkeit" Papst Franziskus

„Wir sind echte Laien,
die keine anderen Gelübde haben als unser Taufversprechen
und seine Wirklichkeit und die Wirklichkeit unserer Firmung.
Die Arbeit dient uns als "Ort"
unseres Zeugnisses für das Evangelium,
als Feld der Begegnung mit unseren Mitmenschen."
„Das Evangelium leben - den Glauben weitergeben:
"Christi Worte, seine Gebärden, seine Weisungen zum heutigen Zeitpunkt in der Kirche leben.
Und dies ganz schlicht, ein wenig buchstäblich, wie Leute, die das Evangelium zum ersten Mal hören.
Wie Kinder, die Vertrauen haben
und keine Erklärungen verlangen;
wie Unwissende, die keine Einwände haben;
wie Liebende, die den geringsten Wünschen des Geliebten nachkommen können."
Madeleine Delbrêl
‘“Die erste dieser Stimmen ist die der Armen. In der Welt gibt es zu viele Frauen und Männer, die an ernsthafter Unterernährung leiden, an wachsender Arbeitslosigkeit, den steigenden Zahlen von arbeitslosen Jugendlichen und an einer wachsenden gesellschaftlichen Ausgrenzung. Das kann kriminelle Aktivität und sogar die Rekrutierung von Terroristen fördern. Wir können nicht gleichgültig bleiben vor den Schreien unserer Brüder und Schwestern. Diese erbitten von uns nicht nur materielle Unterstützung – wie sie in so vielen Umständen gebraucht wird – sondern vor allem unsere Unterstützung bei der Verteidigung ihrer Würde als Menschen, sodass sie die spirituelle Kraft finden können, um wieder Protagonisten in ihren eigenen Leben zu werden. Sie bitten uns, im Lichte des Evangeliums die strukturellen Ursachen der Armut, der Ungleichheit, dem Mangel an würdevoller Arbeit und Unterkunft und dem Leugnen ihrer Rechte als Mitglieder der Gesellschaft und als Arbeiter zu bekämpfen. Als Christen sind wir gemeinsam berufen, diese Globalisierung der Gleichgültigkeit auszurotten, die heutzutage alles zu beherrschen scheint, und gleichzeitig eine neue Zivilisation der Liebe und Solidarität zu errichten.”
Pope Francis

“Ich bete dafür, dass ihr die Worte von Jesus verstehen werdet: “Liebt einander wie ich euch geliebt habe.” Fragt euch selbst “Wie hat Er mich geliebt? Liebe ich andere wirklich auf dieselbe Art und Weise?” Wenn diese Liebe nicht unter uns ist, dann können wir uns mit Arbeit umbringen und es wird doch nur Arbeit sein, nicht Liebe. Arbeit ohne liebe ist Sklaverei.”
Mother Teresa

“Hungrig nach Liebe blickt Er dich an. Durstig nach Freundlichkeit, bettelt Er dich an. Nackt nach Loyalität, hofft Er auf dich. Obdachlos hinsichtlich einer Unterkunft in deinem Herzen, bittet Er von dir. Wirst du der eine für Ihn sein?”
Mother Teresa, In the Heart of the World: Thoughts, Stories and Prayers

“Je älter ich werde, je mehr Menschen ich treffe, desto überzeugter bin ich, dass wir nur an uns selbst arbeiten müssen, um in Gnade zu wachsen. Das Einzige, was wir für andere Menschen tun können, ist sie zulieben.”
Dorothy Day, All the Way to Heaven: The Selected Letters of Dorothy Day

“Einer unserer apostolischen Missionsaufträge ist es, den materiell Armen zu dienen, besonders den Bettelarmen und Obdachlosen. Indem sie in armen Gegenden leben, Obdachlosenunterkünfte, Suppenküchen und Jugendprogramme betreiben, streben die Brüder danach, das Gebot des Evangeliums und unseres Heiligen Vaters St. Franziskus zu erfüllen, unter den Armen zu leben und für ihre materiellen und spirituellen Bedürfnisse zu sorgen.” Franciscan Friars of the Renewal
“Die Suche nach göttlicher Schönheit treibt geweihte Menschen danach, sich um das entstellte Bild Gottes auf den Gesichtern ihrer Brüder und Schwestern zu kümmern, Gesichter, die durch Hunger entstellt wurden, Gesichter, die durch politische Versprechen desillusioniert wurden, Gesichter, die gedemütigt wurden, als sie sahen, wie ihre Kultur verachtet wurde, Gesichter, in denen die Angst vor ständiger und wahlloser Gewalt und Drogen steht, erniedrigte Gesichter missbrauchter Frauen und müde Gesichter von Migranten, denen kein warmes Willkommen bereitet wurde.” 
Papst Johannes Paul II, Vita Consecrata 

“Wen nein Opfer wahrhaftig sein soll, muss es etwas kosten, es muss wehtun und uns leer machten. Gib dich ganz Gott hin. Er wird dich verwenden um große Dinge zu erreichen – unter der Voraussetzung, dass di viel mehr an Sein Liebe als in deine Schwäche glaubst.”
Mother Teresa

“Es gibt da einen wunderschönen Moment in der Bibel, als der Prophet Elijah Gottes Gegenwart fühlt. Die Helige Schrift sagt, das sein großer und määchtiger Wind die Berge auseinanderriß, aber Gott war nicht in dem Wind. Nach dem Wind gab es ein Erdbeben, aber Gott war nicht im Erdbeben. Nach dem Erdbeben kam ein Feuer, aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kame in sanftes Flüstern. Es war das Flüstern Gottes. Heute können wir das Flüstern hören, wenn wir es am wenigsten erwarten, in einem Flüchtlings-Baby und in einem obdachlosen Rabbi, in Crack-Süchtigen und heimatvertriebenen Kindern, in einer stühnenden Schöpfung.” 
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical
“NurJesus wäre verrückt genug, vorzuschlagen, dass du – wenn du der Größte werden willst – der Kleinste werden solltest. Nur Jesus würde Gottes Segen eher auf den Armen als auf den Reichen verkünden und darauf bestehen, dass es nicht genug ist, nur seine Freunde zu lieben. Ich fragte mich langsam, ob irgendjemand noch glaubte, dass die Dinge, die Er da sagte, auch wirklich so meinte.” 
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical

“Und hier kommen die Dinge aus dem Lot. Wenn Menschen sich jenseits der Wohlfahrt hin zur Gerechtigkeit und Solidarität mit den Armen und Unterdrückten bewegen, so wie Jesus das getan hat, geraten sie in Schwierigkeiten. Wenn wir einmal Freundschaft mit den Leuten im Kampf geschlossen haben, beginnen wir zu fragen, warum Menschen arm sind, was nie so populär ist wie etwas der Wohlfahrt zu geben. Einer meiner Freunde hat ein Shirt mit den Worten den verstorbenen katholischen Bischofs Dom Helder Camara: „Als ich die Hungrigen ernährte, nannten sie mich einen Heiligen. Als ich fragte, warum Menschen hungrig sind, nannten sie mich einen Kommunisten.“ Wohltätigkeit gewinnt Ehrungen und Beifall, aber wenn du Seite an Seite mit den Armen gehst, wirst du umgebracht. Menschen werden nicht gekreuzigt, wenn sie aus einer Liebe heraus leben, die die soziale Ordnung zerreißt, die eine neue Ordnung hervorruft. Menschen werden nicht gekreuzigt, weil sie armen Menschen helfen. Menschen werden gekreeuzigt, weil sie sich ihnen anschließen.” 
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical

“Mir war klar geworden, dass die große Tragödie, die sich in der Kirche abspielt, nicht darum geht, dass die reichen Christen sich nicht um die Armen sorgen, sondern dass reiche Christen die Armen nicht kennen. Ich glaube tatsächlich, dass Reichtümer keine Bedeutung mehr haben werden, wenn die Reichen die Armen treffen. Und wenn dies geschieht, werden wir das Ende der Armut erleben.” 
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical

“Wir geben Menschen Fisch. Wir lehren sie, zu fischen. Wir reißen die Mauern nieder, die um den Fischteich errichtet wurden. Und wir finden heraus, wer ihn vergiftet hat.” 
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical

“Wenn ich Gott frage, warum all diese Ungerechtigkeiten in der Weldexistieren dürfen, kann ich fühlen, wie mir der Heilige Geist zuflüstert: ‘Sag du mir, warum wir zulassen, dass dies geschieht. Du bist mein Körper, meine Hände, meine Füße.”
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical

“Wir können der Welt erzählen, dass e sein Leben nach dem Tod gibt, aber die Welt scheint sich vielmehr zu fragen, ob e sein Leben vor dem Tod gibt.” 
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical

“Wenige Menschen haben ein Interesse an einer Religion, die der Welt nichts zu sagen hat und ihnen nu rein Leben nach dem Tod bietet, wenn die Menschen sich doch vielmehr fragen, ob es ein Leben vor dem Tod gibt.”
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical

„Verkündige das Evangelium. Wenn nötig, nimm Worte dazu.“
Franziskus von Assisi

“Und wenn die Welt uns hasst, so ermutigt es uns doch, dass sie Jesus zuerst gehasst hat. Wenn du dich also fragst, ob du sicher sein wirst, dann schau einfach darauf, was sie Jesus und Seinen Jüngern angetan haben. Es gibt bestimmt sicherere Arten zu leben als die eines Christen.” 
Shane Claiborne, The Irresistible Revolution: Living as an Ordinary Radical
„Wir alle sind gerufen, arm zu sein, uns von uns selbst zu entäußern; und deshalb müssen wir lernen, den Armen nah zu sein, mit den Menschen zu teilen, denen das Notwendigste fehlt, das Fleisch Christi zu berühren! Ein Christ beschränkt sich nicht darauf, über die Armen zu reden, nein! Ein Christ geht auf sie zu, er sieht ihnen in die Augen, er berührt sie.“ (Begegnung mit den von der Caritas betreuten Armen in Assisi, 04.10.2013)
„Der Aufruf, auf den Schrei der Armen zu hören, nimmt in uns menschliche Gestalt an, wenn uns das Leiden anderer zutiefst erschüttert.“ (aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013), Nr. 193)
(Papst Franziskus)




Die Kirche


Wie wäre es, wenn wir alle zusammen lernen würden, Kirche zu sein, anstatt nur in die Kirche zu gehen?

"In die Kirche zu gehen macht dich auch nicht mehr zum Christen wie es dich zum Auto macht, wenn du in der Garage stehst."
(Albert Schweitzer (?))

“Satans Strategie ist es, die Kirche zu institutionalisieren und in ein machtloses religiöses System zu verwandeln.Wenn diese Taktik versagt, versucht er, uns abzustumpfen und in den Schlaf zu wiegen, bis wir unsere Überzeugungen verlieren und unsere Gefühl der Empörung verschwunden ist. Er versucht uns auch immer zur Sünde zur ve3rführen, bis wir genauso wie die Weltwerden, von ihren Leidenschaften und Lüsten versklavt. Wenn er dann denkt, dass er Erfolg hatte, wenn er sich nicht mehr länger von dem Volk Gottes bedroht fühlt, wird er aggressiv und treibt seinen Plan schamlos voran. Er tut dies heute, jetzt gerade. Wir brauchen eine Revolution!“
Dr. Michael Brown (http://www.voiceofrevolution.com/the-jesus-manifesto/)
Papstpredigt: Warnung vor „kirchlichem Mikroklima“ 
Wenn Christen zwar Jesus nahe sein wollen, nicht aber den Armen und Vernachlässigten in der Welt, dann entsteht ein „kirchliches Mikroklima“, das nichts mit Kirche zu tun hat. Das sagte Papst Franziskus bei seiner Predigt während der Morgenmesse an diesem Montag. Die Versuchung, sich in einem solchen Mikroklima zu isolieren, begegne der Kirche in jeder Epoche der Geschichte.
Papst Franziskus legte das Tagesevangelium aus (Lk 18: 35-43), in dem Jesus vor Jericho einem Blinden begegnet. Hier zeige sich eine „Klassengesellschaft“, so der Papst: Der Blinde gelte nichts, aber er habe den Wunsch nach Rettung, nach Heilung. Deshalb schreie er laut gegen die Mauer der Gleichgültigkeit an, die ihn umgebe. Der Ring der Jünger um Jesus stehe ihm entgegen und wolle – unter dem Vorwand, Unruhe zu vermeiden – verhindern, dass Jesus mit der Peripherie in Kontakt kommt.
„Das passiert oft unter uns Gläubigen: Wenn wir den Herrn gefunden haben, dann bildet sich dieses kirchliche Mikroklima. Nicht nur unter Priestern und Bischöfen, sondern auch unter den Gläubigen: ‚Aber wir sind es doch, die beim Herrn sind’. Und über das viele auf Jesus schauen übersehen wir das, was Jesus will, wir sehen nicht den Hunger und den Durst des Herrn, wir sehen nicht, dass er im Gefängnis ist oder im Krankenhaus. Der Herr, der Vernachlässigte.“
Von der falschen Kirchlichkeit
Von dieser bitteren Ironie ging Papst Franziskus über zur Beschreibung einer Gruppe, die sich selbst als auserwählt betrachtet: ‚Wir Erwählten, die wir beim Herrn sind’. Diese kleine Welt wollten sie erhalten und alles fernhalten, was Unruhe bringen könnte, auch die Kinder. Diese Menschen hätten ihre ‚erste Liebe’ verlassen, so der Papst.
„Wenn in der Kirche die Gläubigen zu einer solchen Gruppe werden, einer Gruppe mit einer falschen Kirchlichkeit des Privilegs der Nähe zum Herrn, dann besteht für sie die Versuchung, ihre erste Liebe zu vergessen, diese Liebe, die wir alle gespürt haben, als uns der Herr das erste Mal gerufen hat, uns errettet hat und uns gesagt hat: ‚Ich will nur Gutes für dich’. Das ist die Versuchung der Jünger: Die erste Liebe vergessen, das heißt auch die Peripherie vergessen, wo ich vorher war, auch wenn ich mich dafür schämen muss.“
(rv 17.11.2014 ord)
Dieser Text stammt von der Webseite http://de.radiovaticana.va/news/2014/11/17/papstpredigt:_warnung_vor_%E2%80%9Ekirchlichem_mikroklima%E2%80
“Jünger zu machen ist nicht ein Ruf an Andere, zu uns zu kommen, um das Evangelium zu hören, sondern ein Gebot für uns, zu Anderen zu gehen, um das Evangelium zu teilen.”
David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream

„Für die Kirche ist die Option für die Armen in erster Linie eine theologische Kategorie und erst an zweiter Stelle eine kulturelle, soziologische, politische oder philosophische Frage.“ (aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013), Nr. 198)
“Ach, wie sehr möchte ich eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen!" (Begegnung mit den Medienvertretern am 16.03.2013)
„Ich möchte, dass wir heute uns alle fragen: Sind wir noch eine Kirche, die imstande ist, die Herzen zu erwärmen? Eine Kirche, die fähig ist, nach Jerusalem zurückzuführen? Wieder nach Hause zu begleiten? In Jerusalem wohnen unsere Quellen: Schrift, Katechese, Sakramente, Gemeinschaft, Freundschaft des Herrn, Maria und die Apostel… Sind wir noch fähig, von diesen Quellen so zu erzählen, dass wir die Begeisterung für ihre Schönheit wiedererwecken?“ (Begegnung mit den brasilianischen Bischöfen, 27.07.2013)
„Kirche muss attraktiv sein. Weckt die Welt auf! Seid Zeugen eines anderen Handelns!“ (Begegnung mit Ordensleuten während der 82. Generalversammlung der Generaloberen, Ende November 2013 im Vatikan)
„Bei der Alternative zwischen einer Kirche, die auf die Straße geht und dabei Probleme bekommt, und einer Kirche, die an Selbstbezogenheit krank ist, habe ich keine Zweifel, der ersten den Vorzug zu geben.“ (Botschaft vom 23.01.2014 zum kirchlichen Weltmedientag 2014)
„Ich sehe ganz klar, dass das, was die Kirche heute braucht, die Fähigkeit ist, Wunden zu heilen und die Herzen der Menschen zu wärmen - Nähe und Verbundenheit. Ich sehe die Kirche wie ein Feldlazarett nach einer Schlacht. Man muss einen Schwerverwundeten nicht nach Cholesterin oder nach hohem Zucker fragen. Man muss die Wunden heilen. Dann können wir von allem anderen sprechen. Die Wunden heilen, die Wunden heilen… Man muss ganz unten anfangen.“ (Interview mit Antonio Spadaro SJ vom 21.09.2013)
“Die Kirche ist kein Kulturverein, sondern die Familie Jesu!” (Frühmesse im Gästehaus Santa Marta am 01.06.2013)
„Selbst wenn die Kirche gewiss auch eine menschliche, geschichtliche Institution ist mit allem, was damit verbunden ist, so hat sie doch keine politische, sondern eine wesentlich geistliche Natur: Sie ist das Volk Gottes, das heilige Volk Gottes, das unterwegs ist zur Begegnung mit Jesus Christus. Nur in dieser Perspektive kann man vollkommen erklären, was die katholische Kirche bewirkt.“ (Begegnung mit den Medienvertretern am 16.03.2013)
(Papst Franziskus)
„Wenn wir wirklich Freude an dir hätten, mein Gott,
könnten wir dieser Tanzlust nicht widerstehen,
die sich über die Welt hin ausbreitet,
und wir könnten sogar erraten,
welchen Tanz du getanzt haben willst,
uns den Schritten deiner Vorsehung überlassend.

Eines Tages, als du ein wenig Lust nach etwas anderem hattest,
hast du den heiligen Franz erfunden
und aus ihm einen Gaukler gemacht.
An uns ist’s, uns von dir erfinden zu lassen,
um fröhliche Leute zu sein, die ihr Leben mit dir tanzen."
(1949, aus: Der Ball des Gehorsams)

"Je kirchenloser die Welt ist, in die man hineingeht, um so mehr muss man Kirche sein. In ihr liegt die Mission - durch uns muss sie hindurchgehen." - in: Wir Nachbarn der Kommunisten. Übertragen von Hans Urs von Balthasar. Johannes Verlag Einsiedeln 1975, ISBN 978-3-89411-117-5, S. 123

„Gott möchte nicht geliebt werden, wie wir wollen, sondern wie er will.“

„Wenn du dein Gesicht verlierst, mach weiter; verlierst du den Kopf, hör auf.“

„Wenn du selbst nicht tanzen kannst, dann laß' deine Seele tanzen.“

Madeleine Delbrêl

Schwerpunkte caritativer Arbeit

Na, das ist doch logisch, wird manch einer sagen. Behinderte, Arme, Flüchtlinge, Kranke usw. Das sind die Schwerpunkte caritativer Arbeit.
Ganz so logisch ist es aber dann doch nicht.
Ein Beispiel: Vermögensverwaltung. Wenn jemand der Caritas oder irgendeinem anderen Wohlfahrtsverband eine Liegenschaft, also ein Haus mit Grund, vermacht, in dem mehrere Mietparteien wohnen, muss man sich entscheiden, ob man das Erbe annimmt und wenn ja, ob man es gleich wieder verkauft, um von dem Erlös andere Projekte zu finanzieren oder ob man es verwaltet, um langfristig Einnahmen zu haben. Die Immobilienverwaltung ist aber nicht notwendigerweise „Kerngeschäft“ caritativer Arbeit, also muss weiter entschieden werden, ob man selbst tätig wird und Immobilienverwalter, Techniker, Architekten usw. anstellt oder ob man zusammen mit anderen christlichen oder auch jüdischen Wohlfahrtsverbänden eine gemeinsame Verwaltung aufbaut. Nehmen wir die katholische Kirche in München: Hier gibt es die Liegenschaftsabteilung der Erzbischöflichen Finanzkammer, das Katholische Siedlungswerk und den Caritasverband der Erzdiözese München und Freising mit eigener Liegenschaftsabteilung. All diese sind zwar rechtlich getrennt, spirituell aber eine Einheit: Alle sind katholisch. Soll also jeder für sich soweiter machen oder schließt man sich zusammen, wenngleich die einzelnen Objekte buchhalterisch getrennt erfasst werden müssen?
Mein Vorschlag: Zusammenschluss der katholischen Liegenschaftsverwaltungen in Verbindung mit einem abgeänderten Konzept. Bisher wurde ein Großteil verwaltet wie man auch in der freien Immobilienwirtschaft verwaltet. Dies ist grundsätzlich nichts Schlechtes, da mit dem Geld der Spender ja wirtschaftlich gearbeitet werden muss, um Einnahmen für wohltätige Zwecke zu erwirtschaften.
Hier sollten wir aber etwas Neues, Ungewohntes – Christliches! – schaffen. Warum nicht Mehrgenerationenhäuser daraus machen, und zwar Mehrgenerationenhäuser, die über die bestehenden Konzepte dieser Art hinausgehen und aus Wohnraum- und Geschäftsraummietern eine lebendige, einander unterstützende Einheit machen, in der auch Angebote caritativer Arbeit integriert werden. Dies würde verschiedene caritative Abteilungen vereinen und einen Synergie-Effekt schaffen (das Ganze wäre also hier mehr als nur die Summe der Einzelteile). Weg mit dem unseligen Kostenstellendenken hin zu einer ergebnisorientierten, christlichen Unternehmenskultur!
Eine weitere Anregung: Im Zuge der „Konzentrierung auf das Kerngeschäft“ dachte man eine Zeitlang, es sei sinnvoll, alles andere extern zu vergeben. Dies wären etwa Hausmeisterdienste, Reinigungs-Dienstleistungen, Pförtnerdienste, Post-Dienstleistungen, Kantinenbewirtschaftung usw. Bald jedoch zeigten sich die Konsequenzen dieser doch recht kurzfristig gedachten Vorgehensweise: Hier arbeiten dann verschiedenste Firmen unter einem Dach, die zumeist wohl auch nach dem Kriterium ausgesucht wurden, wer am billigsten (anstatt am wirtschaftlichsten) anbietet und die vor allem nicht das eigene Leitbild vertreten, sondern rein gewinnorientiert arbeiten. Das hat nicht das Geringste mit unserem Leitbild zu tun. Wir sind eine christliche Familie, die nur als solche nach außen das vertreten kann, wozu wir nach innen stehen. Auch Reinigungskräfte müssen zum Beispiel Teil dieser Familie sein und unsere Werte vermitteln.
Nur dann können wir glaubhaft und authentisch auftreten. Nächstenliebe bezieht sich nicht nur auf den Dienst an Armen, sondern auf den Dienst an anderen überhaupt!
Ein Haus, ds geteilt ist, kann nicht bestehen.

Ein weiterer Grundsatz bei der Entwicklung von Schwerpunkten sollte die Dezentralisierung auf Basis des Subsidiaritätsprinzips sein. Abteilungsleitungen, Geschäftsführungen, Vorstände usw. sollten nur dann tätig werden, wenn dies Einrichtungen vor Ort nicht selbst regeln können.
Auch sollten wir uns bei der Festlegung dieserSchwerpunkte immer wieder Rückmeldung holen von denen, denen wir in christlicher Nächstenliebe dienen. Was brauchen sie wirklich? Wie können wir ihnen am besten helfen? Wie machen dies andere Wohlfahrtsverbände? Was sagt der Staat oder die örtliche Stadtverwaltung hierzu?




Kooperationen

„Natürlich ist Christus nicht zerteilt worden. Wir müssen jedoch aufrichtig und mit Schmerz erkennen, dass unsere Gemeinschaften auch weiterhin in Spaltungen leben, die ein Ärgernis sind. Die Spaltungen unter uns Christen sind ein Skandal. Es gibt kein anderes Wort: ein Skandal.“
(Papst Franziskus. Generalaudienz vom 22.01.2014)

Hier einige Vorschläge für nationale und internationale Kooperationen (und zwar auf allen Ebenen, regelmäßig und praktisch – nicht nur abstrakt bei Treffen auf „oberster Ebene“):

- BISS-Magazin: http://www.biss-magazin.de/
- Missionarinnen der Nächstenliebe: http://www.bistum-essen.de/seelsorge-glauben/orden-gemeinschaften/orden/missionarinnen-der-naechstenliebe.html
- the simple way: http://www.thesimpleway.org/
- Franciscan Friars of the Renewal: http://franciscanfriars.com/
- Claus Fussek: http://www.vif-selbstbestimmt-leben.de/kontakt/
- Tagklinik Westend: http://tagklinik-westend.de/
- Biblisch-therapeutische Seelsorge BTS: http://www.bts-ips.de/
- The Fathers of Mercy: http://fathersofmercy.com/
- St. Paul Center for Biblical Theology: http://www.salvationhistory.com/
- L’Arche Daybreak: http://www.larchedaybreak.com/
- Gemeinschaften Charles de Foucauld: http://charlesdefoucauld.de/


Politisches Engagement

„Die Welt ist im Wandel. Ich spüre es im Wasser. Ich spüre es in der Erde. Ich rieche es in der Luft. Vieles, was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert.“
Herr der Ringe

„Politik (von griech. polis, die Stadt) ist, im modernen Sinne, die öffentliche Erörterung öffentlicher Fragen zum Zweck einer am Gemeinwohl orientierten Entscheidungsfindung durch die zuständigen Stellen im Staat, der Recht schaffen soll. 
(http://www.kathpedia.com/index.php?title=Politik)

Oft wird ja die Trennung von Politik und Staat erklärt und die Religion zur Privatsache erklärt. Angesichts des Missionsauftrages Jesu kann und darf das Christentum jedoch niemals Privatsache und die Politik nie getrennt von christlichen Werten sein.
So sind auch christliche caritative Organisationen gerufen, Jesus in der Welt zu sein. Ihre Aufgabe ist es auch, Misstände anzuprangern, auch wenn daraufhin möglicherweise Subventionen gekürzt werden oder die öffentliche Meinung sich gegen einen wendet. Sie sollen aber auch konstruktive Lösungsvorschläge machen und dort helfen, wo alle anderen längst verschwunden sind.



„Das stimmt, die Globalisierung hat viele Menschen aus der Armut gerettet, aber auch viele andere zum Hungertod verurteilt, weil sie mit diesem Wirtschaftssystem selektiv wird... Die derzeitige wirtschaftliche und vor allem finanzielle Globalisierung führt zu einem Einheitsdenken, zu einem schwachen Denken. Im Zentrum steht nicht mehr der Mensch, sondern das Geld.“ (Interview mit „Corriere della Sera“ vom 05.03.2014)
„Wir dürfen nicht mehr auf die blinden Kräfte und die unsichtbare Hand des Marktes vertrauen. … Es liegt mir völlig fern, einen unverantwortlichen Populismus vorzuschlagen, aber die Wirtschaft darf nicht mehr auf „Heilmittel“ zurückgreifen, die ein neues Gift sind, wie wenn man sich einbildet, die Ertragsfähigkeit zu steigern, indem man den Arbeitsmarkt einschränkt und auf diese Weise neue Ausgeschlossene schafft.“ (aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013), Nr. 204)
„In dieser Welt der Globalisierung sind wir in die Globalisierung der Gleichgültigkeit geraten. Wir haben uns an das Leiden des anderen gewöhnt, es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an!“ (Predigt während des Besuchs auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa, 08.07.2013)
„Ebenso wie das Gebot „du sollst nicht töten“ eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen“ sagen. Diese Wirtschaft tötet.“ (aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013), Nr. 53)
(Papst Franziskus)

„Nie dürfen wir für einen faulen Frieden eintreten. Wenn es um Dinge geht, die Gott gebietet, müssen wir durchhalten, auch wenn es Kampf und Streit gibt. Wo die Interessen Gottes in Frage stehen, hört der Frieden auf.“
Rupert Mayer

Profil, Vision und Strategie 

“Wir müssen das Evangelium auf allen Straßen verkünden, die frohe Botschaft vom Reich Gottes verkünden und - auch mit unserer Verkündigung - jede Form von Krankheit und Wunde pflegen.“ (Interview mit Antonio Spadaro SJ vom 21.09.2013)
„Jeder Getaufte ist, unabhängig von seiner Funktion in der Kirche und dem Bildungsniveau seines Glaubens, aktiver Träger der Evangelisierung, und es wäre unangemessen, an einen Evangelisierungsplan zu denken, der von qualifizierten Mitarbeitern umgesetzt würde, wobei der Rest des gläubigen Volkes nur Empfänger ihres Handelns wäre. Die neue Evangelisierung muss ein neues Verständnis der tragenden Rolle eines jeden Getauften einschließen.“ (aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013), Nr. 120)
„Aber das Evangelium, liebe Freunde, betrifft nicht nur die Religion, es betrifft den Menschen, den ganzen Menschen, es betrifft die Welt, die Gesellschaft, die menschliche Zivilisation. Das Evangelium ist die Heilsbotschaft Gottes für die Menschheit. Aber wenn wir »Heilsbotschaft« sagen, dann ist das nicht nur eine Floskel, nicht nur ein einfaches, leeres Wort, wie es heute so viele gibt! Die Menschheit bedarf dringend der Rettung!“ (Begegnung mit der umbrischen Jugend in Assisi, 04.10.2013)
(Papst Franziskus)



Ein wesentliches Ziel unserer Arbeit sollte die Hilfe zur Selbsthilfe sein. Wir helfen armen und notleidenden Menschen nicht, wenn wir ihnen Lebensmittel geben oder Suppenküchen einrichten. Das hindert sie – und den Staat – eher daran, eine wirkliche Lösung zu finden. Wir sollten mit und für die Betroffenen arbeiten, so wie das etwa BISS tut: www.biss-magazin.de:

„BISS ist ein Zeitungsprojekt, das Bürgern in sozialen Schwierigkeiten hilft, sich selbst zu helfen.

Die Zeitschrift
Das BISS-Magazin ist die älteste und mit einer monatlichen Auflage von zirka 38.000 Exemplaren eine der erfolgreichsten Straßenzeitungen Deutschlands. Vom Verkaufspreis, derzeit 2,20 Euro, behält der Verkäufer 1,10 Euro. Die Zeitschrift versteht sich auch als Lobby für gesellschaftlich benachteiligte Gruppen. Sie möchte ein Bewusstsein schaffen für die Belange obdachloser und armer Menschen. Eine schlanke, professionelle Redaktion stellt das Magazin her, das von armen, obdachlosen und ehemals obdachlosen Menschen auf der Straße verkauft wird. Die Zeitschrift ist Mittel zum Zweck. Das heißt, ihr Budget wird klein gehalten, denn Geld soll hauptsächlich den Verkäufern zu Gute kommen.

Die Verkäufer
Über 100 Verkäuferinnen und Verkäufer bringen die BISS an die Leser. BISS-Verkäufer kann nur werden, wer bedürftig im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB) ist. Die Bedürftigkeit wird von BISS geprüft. Dem Verkäufer erschließen sich durch den Verkauf mehrere Möglichkeiten. Er kann sich ein Zubrot zu seiner Sozialhilfe oder zur Grundsicherung verdienen (in diesem Fall ist sein Verkaufskontingent  beschränkt). Er kann auch nur von seiner Arbeit bei BISS leben. Ist er in der Lage, regelmäßig mindestens 400 Exemplare der Zeitschrift zu verkaufen, kann er fest angestellt werden (auch in Teilzeit).

Neben dem Arbeitsangebot geht BISS auch die Entschuldung des Verkäufers und seine gesundheitliche Sanierung an. Beim Erstbezug einer Wohnung stellt ihm BISS Geld zur Finanzierung der Erstausstattung zur Verfügung.

Die Schreibwerkstatt
Verkäufer, die sich auch in der Zeitschrift engagieren möchten, haben die Möglichkeit, in die BISS-Schreibwerkstatt zu gehen. Einmal in der Woche bringen sie mit Hilfe zweier Journalisten ihre Gedanken und Ansichten zu Papier. Unter der gleichnamigen Rubrik werden die Texte dann veröffentlicht. Durch diese Texte ist BISS in der Münchner Medienlandschaft einzigartig, denn relativ ungefilterte Beiträge von bedürftigen oder armen Menschen gibt es nur in der BISS.
Der gemeinnützige Verein
Der gemeinnützige und gleichnamige Verein, der die Zeitschrift herausgibt, hat Ziele, die die Verkäufer betreffen, festgeschrieben: Der Verkauf der Zeitschrift soll Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Der Verkäufer verdient dadurch nicht nur Geld. Die regelmäßige Tätigkeit strukturiert seinen Tag, und er hat die Möglichkeit, Kontakte zu seinen Kunden zu knüpfen. Durch die kontinuierliche persönliche Betreuung, die sich daraus ergibt, wird das Selbstwertgefühl der Verkäufer gestärkt, ihnen wird somit ein schrittweiser Austritt aus ihrer Isolation, Armut und Ausgrenzung ermöglicht. Durch Öffentlichkeitsarbeit wie Diskussionsrunden und Vorträge in Schulen möchte der Verein die Gesellschaft aufklären und sie für Menschen in sozialen Notlagen sensibilisieren.

Das Netz
Das Projekt BISS nützt das professionelle und noch immer engmaschige Hilfesystem der Stadt München auch für seine Verkäufer. Für notwendige Vorarbeiten und Abklärungen sowie für besonders komplizierte Fälle, hat BISS einen Sozialarbeiter auf Teilzeitbasis angestellt. Beim Kauf einer Zeitschrift ergibt sich die Möglichkeit zur unverbindlichen Kontaktaufnahme. Wenn es einen Käufer interessiert, kann er mehr über das Leben eines BISS-Verkäufers erfahren und entdecken, wie er helfen kann. BISS funktioniert, weil es in der Lage ist, die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Kräfte zu bündeln. Münchner Bürger, Unternehmen, Werbeagenturen, Kirchenleute und Stiftungen tragen zum Erfolg des Projekts bei. (Siehe auch Ausgabe 10/2013, Seite 13/14 und Seite 28)

Das Geld
BISS erhält keine öffentlichen Gelder, sondern finanziert sich durch den Verkauf der Zeitschrift und der Anzeigen. Damit werden die Herstellungskosten des Magazins inklusive der Honorare, die Gehälter des Fachpersonals und die Betriebskosten bezahlt. Bußgelder, die BISS – wie anderen sozialen Einrichtungen in Bayern – sporadisch  von Richtern und Staatsanwälten zugesprochen werden, dienen, soweit notwendig, ebenfalls der Finanzierung des Geschäftsbereichs. Alle Spenden werden nur für Bürger in sozialen Schwierigkeiten eingesetzt.“
(http://www.biss-magazin.de/projekt)


Hier wird den Notleidenden nicht nur Arbeit, Wohnung, Kranken- und Rentenversicherung und eine Altersversorgung über das Dienstverhältnis hinaus geboten (anstelle ein Leben lang Hartz IV oder Grundsicherung zu beziehen), sondern ihnen vor allem ihre Würde wieder gegeben. Von solchen Organitionen können andere nur lernen und wir täten gut daran, in einem Netzwerk zusammenzuarbeiten und uns nicht als Konkurrenten zu sehen. Wir dürfen nicht an der Hilfsbedürftigkeit und Unselbständigkeit von Menschen verdienen und diese deshalb weiterhin in diesem Zustand belassen. Uns muss es darum gehen, diesen Menschen als Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und sie auch so zu behandeln.


Ein weiteres Beispiel:

The Simple Way:
Foundation
Simplicity
Striving to live with only what one needs, not wants. We are not driven by simplicity (or we still serve money), but we are committed to love, which demands simplicity.

Non-violence
Driven by love which does not express itself in violence towards people... absolute community and individual commitment to not use violence.

Spirituality
The community shares a common desire for spirituality, often expressed through work, worship, prayer, and sharing of the sacraments.

Relationships
Commitment to balance time inside the intentional community as well as building relationships outside... balance between inward growth and relationships and outward growth and relationships.

Jobs
Commitment to balance work inside and outside The Simple Way, individually and communally.

Kingdom of God
Commitment to building the Kingdom of God, through ending poverty.

Together
TSW will strives to work with, not for, people -- allowing the people most affected by problems to lead the way in the struggle for their solutions.
Healing
We are all broken. And we are all on a journey towards wholeness. This healing is individual, communal, and social.

Accountability
Community members are held accountable to one another by love. With open permission and intentional commitment to actively hold one another accountable, we work toward loving God and loving people.

Local assembly
The community worships with and builds relationships with congregations.

Non-profit
The non-profit is an instrument to systematically function as a Body, but if this system hinders the Spirit of the community or its vision, it will be abandoned.

Structure
The community recognizes the necessity and danger of structure, and establishes structures not as a prescription for community but as a description of how the body and family function, often driven by individual roles rather than systematic delegation.

The creative and performing arts
We recognize that we are created Imago Dei to be creators. Each individual has unique and special creative abilities that add to communal "art". Also, we value the role that art has in breaking the cycle of poverty and liberating emotional and spiritual deprivation.

Projects
The community may find projects to do as a Body and family, which all persons commit themselves to (in different capacities), and individuals initiate personal projects with the community involvement in mind. All projects are born out of love, not out of the desire for programs.


Growth
The nature of love is to grow. There are both opportunities and dangers in growth. Everyone is invited to "come and see". Anyone desiring to join the community or a new Simple house must first have a journey with the existing community members.

Balance
The community will continue to struggle for transformation both on the systematic (in the macro and micro) level and on the personal level... small things with great love, great things with great love.

Play
The community is committed to playing... creating foolishness as we dance together; never forgetting to cry and always remembering to laugh.

Rest
Action must be accompanied by reflection, and reflection by action. Rest is done as a community and as individuals, distinct from playing.

Justice

Hope

Beauty
(http://www.thesimpleway.org/about/foundation/)


New Monasticism

Values

Most new monastic communities emphasize the following:

- Thoughtful, prayerful, and contemplative lives
- Communal life (expressed in a variety of ways depending on the community)
- A focus on hospitality
- Practical engagement with the poor

"Twelve Marks"
The "Twelve Marks" of new monasticism express the common thread of many new monastic communities.[9] These "marks" are:
1. Relocation to the "abandoned places of Empire" [at the margins of society]
2. Sharing economic resources with fellow community members and the needy among us
3. Hospitality to the stranger
4. Lament for racial divisions within the church and our communities combined with the active pursuit of a just reconciliation
5. Humble submission to Christ’s body, the Church
6. Intentional formation in the way of Christ and the rule of the community along the lines of the old novitiate
7. Nurturing common life among members of an intentional community
8. Support for celibate singles alongside monogamous married couples and their children
9. Geographical proximity to community members who share a common rule of life
10. Care for the plot of God’s earth given to us along with support of our local economies
11. Peacemaking in the midst of violence and conflict resolution within communities along the lines of Matthew 18
12. Commitment to a disciplined contemplative life
(http://en.wikipedia.org/wiki/New_Monasticism)



Verbands-/Unternehmendskultur

„...Ich kenn die Hälfte von euch nicht so gut, wie ich es gerne möchte und ich mag nur die Hälfte, nur halb so viel und gern, wie ihr es verdient...." Bilbo Beutlin in „Herr der Ringe“
Es wird Zeit, dass wir das praktisch leben, für was wir stehen. Nur dann sind wir in der Öffentlichkeit glaubhaft. Dann müssen wir auch keine Bettelbriefe mehr verschicken, sondern sind für das bekannt und werden für das unterstützt, was und wer wir sind und tun.
Wie bereits erwähnt, ist eine solide, tägliche spirituelle Struktur Grundlage für jegliches Handeln. Auch in unserem Alltag sollten wir das leben, was wir vorgeben zu sein. Warum unsere Kantinen nicht auch für Arme und Obdachlose öffnen? Warum kein eigenes Reinigungspersonal einstellen, anstatt diesem unseligen Outsourcing?
Weitere Vorschläge:
• Ermutigung und Förderung christlicher Wohn- und Lebensgemeinschaften unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Christ ist man 24 Stunden am Tag, nicht nur in der Arbeit und nicht nur sonntags.
• Komplette Umstrukturierung. Weg mit der unsinnigen Kostenstellen-Konkurrenz hin zu zielorientiertem Arbeiten, das sich an den Bedürfnissen derer orientiert, denen wir dienen (ja, dienen!).
• In christlichern Organisationen sollten auch christliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten, die ihren Glauben mit Feuereifer leben und weitergeben wollen. Für alle anderen gibt es anderswo genügend Beschäftigungsmöglichkeiten.
• Es kann nicht angehen, dass beide Augen zugedrückt werden, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Lebensstil haben, der christlichen Werten grob widerspricht.
• Wir sind nicht die Welt. Bei uns gelten andere Maßstäbe. Dementsprechend sollten alle, die bei und für uns arbeiten, ermutigt werden, unabhängig von ihrem Status neue und unkonventionelle Verbesserungsvorschläge zu machen, die dann gemeinsam unvoreingenommen überprüft werden.
• Auch sollten wir unsere Aufwendungen konsequent auf deren Notwendigkeit durchsehen. Eine Büroeinrichtung muß nicht maßgeschneidert sein und nicht bei jedem Wechsel erneuert werden. Gebrauchte Möbel tun es genauso und haben gleichzeitig den Effekt, dass wir nach außen hin zeigen, dass all unsere Ressourcen den Bedürftigen zugute kommen. Wir brauchen in unseren Büros kein spezielles Raumpogramm, keine aufwändigen Bodenbeläte und keinen umfangreichen Umbau. Auch muss nicht alles zentralisiert sein. Gleichzeitig sollten wir mehr menschliche Wärme in unseren Räumlichkeiten haben. Weg mit Vorgaben, die abstrusen Repräsentationszwecken dienen. Warum sollte ein Kollege etwa nicht seinen Hund in die Arbeit mitbringen dürfen? Vielleicht würde es einem Hilfesuchenden so sogar leichter fallen, sich zu öffnen, wenn er einen „Therapiehund“ zur Seite hat!
• Warum sollte nicht jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin sein/ihr Büro regelmäßig selbstständig saugen und reinigen? Das kann man durchaus von jedem/jeder verlangen, ohne dass dabei zu viel Zeit verloren geht. Wir müssen nicht alles an Reinigungskräfte abgeben.
• Es sollte selbstverständlich sein, dass wir regelmäßig Besuche an den Orten und bei den Menschen machen, die unsere Zielgruppen sind. Vielleicht sollten wir diese auch zu unseren Betriebsausflügen und Weihnachtsfeiern einladen?
Herr, wie Du willst, so will ich geh’n,
Und wie Du willst, soll mir gescheh’n.
Hilf Deinen Willen nur versteh’n.

Herr, wann Du willst, dann ist es Zeit,
Und wann Du willst, bin ich bereit.
Heut und in alle Ewigkeit.

Herr, was Du willst, das nehm’ ich hin,
Und was Du willst, ist mir Gewinn.
Genug, dass ich Dein Eigen bin.

Herr, weil Du's willst, d’rum ist es gut,
Und weil Du's willst, d’rum hab’ ich Mut.
Mein Herz in Deinen Händen ruht.
(Pater-Rupert-Mayer-Gebet)



Hier einige Gedanken des Opus Dei, die für uns sehr nützlich sein können:

„Zum Geist des Opus Dei
Das Opus Dei hilft, Christus in der Arbeit, im Familienleben und in den übrigen gewöhnlichen Lebensbereichen zu finden.
Alle Getauften sind berufen, Christus nachzufolgen, das heißt nach dem Evangelium zu leben und seine Botschaft bekannt zu machen. Das Opus Dei hat die Aufgabe, an der Umsetzung dieses Evangelisierungsauftrages der Kirche dadurch mitzuwirken, dass es unter den Christen aller sozialen Stellungen ein Leben im Alltag und besonders in der Arbeit fördert, das ganz mit dem Glauben übereinstimmt.
Zum geistlichen Profil des Opus Dei gehören folgende Wesenszüge:
Gotteskindschaft: „Der Geist des Opus Dei gründet auf der Gotteskindschaft“,unterstreicht der hl. Josemaría. Kraft der Taufe sind die Christen Töchter und Söhne Gottes. Daher fördert die Prälatur in den Christen ein lebendiges Bewusstsein ihrer Gotteskindschaft. Aus dieser erwachsen Vertrauen in Gottes Vorsehung, Einfachheit im Umgang mit ihm, ein tiefer Sinn für die Würde der menschlichen Person und für die Geschwisterlichkeit unter den Menschen, echte christliche Liebe zur Welt und zu den geschaffenen Realitäten, innere Ausgeglichenheit und eine bejahende Einstellung zum Leben.
Christlicher Sinn des Alltagslebens: „Inmitten der durch und durch materiellen irdischen Dinge müssen wir uns bemühen, heilig zu werden, indem wir Gott und allen Menschen dienen“, schrieb der Gründer des Opus Dei. Die Familie, die Ehe, die Arbeit und die Beschäftigungen jeden Augenblicks sind ständige Gelegenheiten, Christus zu begegnen und ihn nachzuahmen, indem man sich bemüht, die menschlichen und christlichen Tugenden auszuüben: Liebe, Geduld, Demut, Arbeitsamkeit, Gerechtigkeit, Freude usw.
Die Arbeit heiligen: Die Heiligkeit in der Arbeit suchen bedeutet, sie einerseits so gut und professionell wie möglich und andererseits mit christlichem Sinn zu tun, d.h. aus Liebe zu Gott und um den anderen zu dienen. Auf diese Weise wird die gewöhnliche Arbeit zum Ort der Begegnung mit Christus.
Gebet und Opfer: Die vom Opus Dei erteilte Bildung erinnert daran, dass Gebet und Opfer notwendig zum christlichen Geist gehören. Die Angehörigen des Opus Dei besuchen täglich die hl. Messe und verrichten verschiedene Übungen christlicher Frömmigkeit. Zum Beispiel widmen sie eine gewisse Zeit dem persönlichen Gebet und lesen ein paar Minuten im Neuen Testament. Sie empfangen häufig das Beichtsakrament. Einen wichtigen Platz nimmt bei ihnen die Verehrung der Muttergottes ein. Im Sinne der Christusnachfolge versuchen sie auch, kleine Opfer darzubringen, besonders solche, die zu einer verlässlichen Pflichterfüllung beitragen und den Mitmenschen das Leben angenehmer machen, ferner das Fasten und das Almosengeben.


Leben aus einem Guss: Der Gründer des Opus Dei suchte die Christen davor zu bewahren, „eine Art Doppelleben zu führen: auf der einen Seite das Innenleben, der Umgang mit Gott, und auf der anderen Seite, säuberlich getrennt davon, das familiäre, berufliche und soziale Leben“. Vielmehr gebe es „nur ein einziges Leben, welches aus Fleisch und Geist besteht, und dieses einzige Leben muss an Leib und Seele geheiligt und von Gott erfüllt werden“.
Freiheit: Die Gläubigen des Opus Dei haben dieselben Rechte und Pflichten wie alle anderen Bürger. In Fragen der Politik, der Wirtschaft, der Kultur usw. handeln sie in persönlicher Freiheit und Verantwortung, ohne die Autorität der Kirche oder des Opus Dei für sich zu vereinnahmen und ohne ihre Ansichten als die einzigen hinzustellen, die mit dem Glauben übereinstimmen. Dazu gehört, dass sie die Freiheit und die Meinungen der anderen achten.
Liebe: Wer Christus kennen lernt, findet einen Schatz, den er nicht für sich behalten kann. Die Christen sind seine Zeugen und verbreiten seine Botschaft der Hoffnung unter Verwandten, Freunden und Kollegen, mit dem Beispiel und dem Wort. Der hl. Josemaría bemerkt dazu: „Im gemeinsamen Bemühen, Seite an Seite mit unseren Berufskollegen, unseren Freunden oder unseren Verwandten, können wir diesen helfen, dass sie zu Christus kommen.“ Dieses Bestreben ist untrennbar mit dem Willen verbunden, bei der Lösung der anstehenden materiellen und sozialen Probleme mitzuhelfen.“
(http://opusdei.de/de-de/article/zum-geist-des-opus-dei/)

Struktur und Organisation

“I felt that the Church was the Church of the poor,... but at the same time, I felt that it did not set its face against a social order which made so much charity in the present sense of the word necessary. I felt that charity was a word to choke over. Who wanted charity? And it was not just human pride but a strong sense of man's dignity and worth, and what was due to him in justice, that made me resent, rather than feel pround of so mighty a sum total of Catholic institutions.”
― Dorothy Day, The Long Loneliness: The Autobiography of the Legendary Catholic Social Activist

“As Dostoevski said: 'Love in action is a harsh and dreadful thing compared with love in dreams.”
― Dorothy Day

“God meant for things to be much easier than we have made them”
― Dorothy Day

Wie bereits beschrieben, ist es unerlässlich, christliche Wohlfahrtsorganisationen nach dem Subsidiaritätsprinzip so dezentral und so wenig hierarchisch wie möglich zu organisieren. Anstatt starrer Strukturen (oft mit „Qualitätsmanagement“ schön geredet) sollte das treten, was das beste Ergebnis für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und unsere Zielgruppen bringt und gleichzeitig am ehesten unseren christlichen Glauben zum Ausdruck bringt – so wie ihn Jesus im Sinn hatte, nicht das, was wir oft daraus gemacht haben.

Konkret:
• Kein Qualitätsmanagement, keine externen Unternehmensberater oder ähnliches mehr. Wir holen uns Rückmeldung von denen, denen wir dienen und die mit und bei uns arbeiten.
• Nach dem franziskanischem Prinzip sind alle Brüder und Schwestern – egal, welchen Rang und welche Aufgabe sie haben.
• Und jetzt wird’s radikal: Dieses Prinzip ist Schall und Rauch, wenn es nicht in die Tat umgesetzt wird. Will heissen: Aller erhalten den gleichen Lohn und haben ein Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen. Geht nicht? Geht wohl.




Um zu verdeutlichen, was ich damit sagen will. Hier eine Ansprache, die Papst Franziskus vor einigen Tagen an die Kurie in Rom gehalten hat. Festschnallen und los geht’s:

PRESENTATION OF THE CHRISTMAS GREETINGS TO THE ROMAN CURIA
ADDRESS OF HIS HOLINESS POPE FRANCIS
Clementine Hall
Monday, 22 December 2014

THE ROMAN CURIA AND THE BODY OF CHRIST

“You are higher than the cherubim, you who changed the pitiful plight of the world
when you became like one of us”  (Saint Athanasius)

Dear Brothers and Sisters,
At the end of Advent, we meet for our traditional greetings. In a few days we will have the joy of celebrating the birth of the Lord: the event of God who became man in order to save us; the manifestation of the love of God who does not just give us something, or send us a message or a few messengers, but gives us himself; the mystery of God who took upon himself our humanity and our sins in order to reveal his divine life, his immense grace and his freely-given forgiveness. It is our encounter with God who is born in the poverty of the stable of Bethlehem in order to teach us the power of humility. For Christmas is also the feast of the light which is not received by the “chosen”, but by the poor and simple who awaited the salvation of the Lord.
Before all else, I would like to offer all of you – co-workers, brothers and sisters, papal representatives throughout the world, and all your dear ones – my prayerful good wishes for a holy Christmas and a happy New Year. I want to thank you most heartily for your daily commitment in the service of the Holy See, the Catholic Church, the particular Churches and the Successor of Peter.
Since we are persons and not numbers or mere titles, I would mention in a particular way those who in the course of this year concluded their service for reasons of age, or the assumption of new duties, or because they were called to the house of the Father. My thoughts and my gratitude go to them and to their families.
Together with you, I want to lift up to the Lord a lively and heartfelt thanksgiving for the year now ending, for all we have experienced, and for all the good which he has graciously willed to accomplish through our service of the Holy See, while at the same time humbly begging his forgiveness for our failings committed “in our thoughts and words, in what we have done and what we have failed to do”.
Taking this request for forgiveness as my starting point, I would like this meeting and the reflections which I will now share with you to be for all of us a help and a stimulus to a true examination of conscience, in order to prepare our hearts for the holy feast of Christmas.
As I thought about this meeting, there came to mind the image of the Church as the Mystical Body of Jesus Christ. This is an expression which, as Pope Pius XII explained, “springs up and in some way blossoms from the frequent teaching of sacred Scripture and the Fathers of the Church”.[1] As Saint Paul wrote: “For just as the body is one and has many members, and all the members of the body, though many, are one body, so it is with Christ” (1 Cor 12:12).[2]
The Second Vatican Council thus recalls that “a diversity of members and functions is engaged in the building up of Christ’s body too, There is only one Spirit who, out of his own richness and the needs of the ministries, gives his various gifts for the welfare of the Church (cf. 1 Cor 12:1-11).[3] As a result, “Christ and the Church together make up the ‘whole Christ’ (Christus totus). The Church is one with Christ”.[4]
It is attractive to think of the Roman Curia as a small-scale model of the Church, in other words, as a “body” which strives seriously every day to be more alive, more healthy, more harmonious and more united in itself and with Christ.
In fact, though, the Roman Curia is a complex body, made up of a number of Congregations, Councils, Offices, Tribunals, Commissions, as of numerous elements which do not all have the same task but are coordinated in view of an effective, edifying, disciplined and exemplary functioning, notwithstanding the cultural, linguistic and national differences of its members.[5]
However, since the Curia is a dynamic body, it cannot live without nourishment and care. In fact, the Curia – like the Church – cannot live without a vital, personal, authentic and solid relationship with Christ.[6] A member of the Curia who is not daily nourished by that Food will become a bureaucrat (a formalist, a functionalist, a mere employee): a branch which withers, slowly dies and is then cast off. Daily prayer, assiduous reception of the sacraments, particularly the Eucharist and Reconciliation, daily contact with the word of God and a spirituality which translates into lived charity – these are vital nourishment for each of us. Let it be clear to all of us that apart from him we can do nothing (cf. Jn 15:8).
As a result, a living relationship with God also nourishes and strengthens our communion with others. In other words, the more closely we are joined to God, the more we are united among ourselves, since the Spirit of God unites and the spirit of evil divides.
The Curia is called constantly to improve and to grow in communion, holiness and wisdom, in order to carry out fully its mission.[7] And yet, like any body, like any human body, it is also exposed to diseases, malfunctioning, infirmity. Here I would like to mention some of these probable diseases, “curial diseases”. They are the more common diseases in our life in the Curia. They are diseases and temptations which weaken our service to the Lord. I think a “listing” of these diseases – along the lines of the Desert Fathers who used to draw up such lists – will help us to prepare for the sacrament of Reconciliation, which will be a good step for all of us to take in preparing for Christmas.

1. The disease of thinking we are “immortal”, “immune” or downright “indispensable”, neglecting the need for regular check-ups. A Curia which is not self-critical, which does not keep up with things, which does not seek to be more fit, is a sick body. A simple visit to the cemetery might help us see the names of many people who thought they were immortal, immune and indispensable! It is the disease of the rich fool in the Gospel, who thought he would live forever (cf. Lk 12:13-21), but also of those who turn into lords and masters, and think of themselves as above others and not at their service. It is often an effect of the pathology of power, from a superiority complex, from a narcissism which passionately gazes at its own image and does not see the image of God on the face of others, especially the weakest and those most in need.[8] The antidote to this plague is the grace of realizing that we are sinners and able to say heartily: “We are unworthy servants. We have only done what was our duty” (Lk 17:10).
2. Another disease is the “Martha complex”, excessive busy-ness. It is found in those who immerse themselves in work and inevitably neglect “the better part”: sitting at the feet of Jesus (cf. Lk 10:38-42). Jesus called his disciples to “rest a while” (cf. Mk 6:31) for a reason, because neglecting needed rest leads to stress and agitation. A time of rest, for those who have completed their work, is necessary, obligatory and should be taken seriously: by spending time with one’s family and respecting holidays as moments of spiritual and physical recharging. We need to learn from Qohelet that “for everything there is a season” (3:1-15).
3. Then too there is the disease of mental and spiritual “petrification”. It is found in those who have a heart of stone, the “stiff-necked” (Acts 7:51-60), in those who in the course of time lose their interior serenity, alertness and daring, and hide under a pile of papers, turning into paper pushers and not men of God (cf. Heb 3:12). It is dangerous to lose the human sensitivity that enables us to weep with those who weep and to rejoice with those who rejoice! This is the disease of those who lose “the sentiments of Jesus” (cf. Phil 2:5-11), because as time goes on their hearts grow hard and become incapable of loving unconditionally the Father and our neighbour (cf. Mt 22:34-35). Being a Christian means “having the same sentiments that were in Christ Jesus” (Phil 2:5), sentiments of humility and unselfishness, of detachment and generosity.[9]
4. The disease of excessive planning and of functionalism. When the apostle plans everything down to the last detail and believes that with perfect planning things will fall into place, he becomes an accountant or an office manager. Things need to be prepared well, but without ever falling into the temptation of trying to contain and direct the freedom of the Holy Spirit, which is always greater and more flexible than any human planning (cf. Jn 3:8). We contract this disease because “it is always more easy and comfortable to settle in our own sedentary and unchanging ways. In truth, the Church shows her fidelity to the Holy Spirit to the extent that she does not try to control or tame him… to tame the Holy Spirit! … He is freshness, imagination, and newness”.[10]
5. The disease of poor coordination. Once its members lose communion among themselves, the body loses its harmonious functioning and its equilibrium; it then becomes an orchestra which produces noise: its members do not work together and lose the spirit of fellowship and teamwork. When the foot says to the arm: “I don't need you ”, or the hand says to the head, “I’m in charge”, they create discomfort and scandal.

6. There is also a “spiritual Alzheimer’s disease”. It consists in losing the memory of our personal “salvation history”, our past history with the Lord and our “first love” (Rev 2:4). It involves a progressive decline in the spiritual faculties which in the long or short run greatly handicaps a person by making him incapable of doing anything on his own, living in a state of absolute dependence on his often imaginary perceptions. We see it in those who have lost the memory of their encounter with the Lord; in those who no longer see life’s meaning in “deuteronomic” terms; in those who are completely caught up in the present moment, in their passions, whims and obsessions; in those who build walls and routines around themselves, and thus become more and more the slaves of idols carved by their own hands.
7. The disease of rivalry and vainglory.[11] When appearances, the colour of our clothes and our titles of honour become the primary object in life, we forget the words of Saint Paul: “Do nothing from selfishness or conceit but in humility count others better than yourselves. Let each of you look not only to his own interests, but also to the interests of others” (Phil 2:3-4). This is a disease which leads us to be men and woman of deceit, and to live a false “mysticism” and a false “quietism”. Saint Paul himself defines such persons as “enemies of the cross of Christ” because “they glory in their shame, with minds set on earthly things” (Phil 3:19).
8. The disease of existential schizophrenia. This is the disease of those who live a double life, the fruit of that hypocrisy typical of the mediocre and of a progressive spiritual emptiness which no doctorates or academic titles can fill. It is a disease which often strikes those who abandon pastoral service and restrict themselves to bureaucratic matters, thus losing contact with reality, with concrete people. In this way they create their own parallel world, where they set aside all that they teach with severity to others and begin to live a hidden and often dissolute life. For this most serious disease conversion is most urgent and indeed indispensable (cf. Lk 15:11-32).
9. The disease of gossiping, grumbling and back-biting. I have already spoken many times about this disease, but never enough. It is a grave illness which begins simply, perhaps even in small talk, and takes over a person, making him become a “sower of weeds” (like Satan) and in many cases, a cold-blooded killer of the good name of our colleagues and confrères. It is the disease of cowardly persons who lack the courage to speak out directly, but instead speak behind other people’s backs. Saint Paul admonishes us to do all things without grumbling or questioning, that you may be blameless and innocent” (Phil 2:14-15). Brothers, let us be on our guard against the terrorism of gossip!
10. The disease of idolizing superiors. This is the disease of those who court their superiors in the hope of gaining their favour. They are victims of careerism and opportunism; they honour persons and not God (cf. Mt 23:8-12). They serve thinking only of what they can get and not of what they should give. Small-minded persons, unhappy and inspired only by their own lethal selfishness (cf. Gal 5:16-25). Superiors themselves could be affected by this disease, when they court their collaborators in order to obtain their submission, loyalty and psychological dependency, but the end result is a real complicity.

11. The disease of indifference to others. This is where each individual thinks only of himself and loses sincerity and warmth of human relationships. When the most knowledgeable person does not put that knowledge at the service of his less knowledgeable colleagues. When we learn something and then keep it to ourselves rather than sharing it in a helpful way with others. When out of jealousy or deceit we take joy in seeing others fall instead of helping them up and encouraging them.
12. The disease of a lugubrious face. Those glum and dour persons who think that to be serious we have to put on a face of melancholy and severity, and treat others – especially those we consider our inferiors – with rigour, brusqueness and arrogance. In fact, a show of severity and sterile pessimism[12] are frequently symptoms of fear and insecurity. An apostle must make an effort to be courteous, serene, enthusiastic and joyful, a person who transmits joy everywhere he goes. A heart filled with God is a happy heart which radiates an infectious joy: it is immediately evident! So let us not lose that joyful, humorous and even self-deprecating spirit which makes people amiable even in difficult situations.[13] How beneficial is a good dose of humour! We would do well to recite often the prayer of St. Thomas More.[14] I say it every day, and it helps.
13. The disease of hoarding. When an apostle tries to fill an existential void in his heart by accumulating material goods, not out of need but only in order to feel secure. The fact is that we are not able to bring material goods with us, since “the winding sheet does not have pockets”, and all our earthly treasures – even if they are gifts – will never be able to fill that void; instead, they will only make it deeper and more demanding. To these persons the Lord repeats: “You say, I am rich, I have prospered and I need nothing; not knowing that you are wretched, pitiable, poor, blind and naked. So be zealous and repent” (Rev 3:17, 19). Accumulating goods only burdens and inexorably slows down the journey! Here I think of an anecdote: the Spanish Jesuits used to describe the Society of Jesus as the “light brigade of the Church”. I remember when a young Jesuit was moving, and while he was loading a truck full of his many possessions, suitcases, books, objects and gifts, an old Jesuit standing by was heard to say with a smile: And this is “the light brigade of the Church”? Our moving can be a sign of this disease.
14. The disease of closed circles, where belonging to a clique becomes more powerful than belonging to the Body and, in some circumstances, to Christ himself. This disease too always begins with good intentions, but with the passing of time it enslaves its members and becomes a cancer which threatens the harmony of the Body and causes immense evil – scandals – especially to our weaker brothers and sisters. Self-destruction, “friendly fire” from our fellow soldiers, is the most insidious danger.[15] It is the evil which strikes from within;[16] and, as Christ says: “Every kingdom divided against itself is laid waste” (Lk 11:17).

15. Lastly: the disease of worldly profit, of forms of self-exhibition.[17] When an apostle turns his service into power, and his power into a commodity in order to gain worldly profit or even greater power. This is the disease of persons who insatiably try to accumulate power and to this end are ready to slander, defame and discredit others, even in newspapers and magazines. Naturally, so as to put themselves on display and to show that they are more capable than others. This disease does great harm to the Body because it leads persons to justify the use of any means whatsoever to attain their goal, often in the name of justice and transparency! Here I remember a priest who used to call journalists to tell – and invent – private and confidential matters involving his confrères and parishioners. The only thing he was concerned about was being able to see himself on the front page, since this made him feel “powerful and glamorous”, while causing great harm to others and to the Church. Poor sad soul!
Brothers, these diseases and these temptations are naturally a danger for each Christian and for every curia, community, congregation, parish and ecclesial movement; and they can strike at the individual and the community levels.
We need to be clear that it is only the Holy Spirit who can heal all our infirmities. He is the soul of the Mystical Body of Christ; as the Nicene-Constantinopolitan Creed says: “I believe in the Holy Spirit, Lord and Giver of Life”. It is the Holy Spirit who sustains every sincere effort at purification and in every effort at conversion. It is he who makes us realize that every member participates in the sanctification of the Body and its weakening. He is the promoter of harmony:[18] Ipse harmonia est”, as Saint Basil says. Saint Augustine tells us that “as long as a member is still part of the body, its healing can be hoped for. But once it is removed, it can be neither cured nor healed”.[19]
Healing also comes about through an awareness of our sickness and of a personal and communal decision to be cured by patiently and perseveringly accepting the remedy.[20]
And so we are called – in this Christmas season and throughout our time of service and our lives – to live “in truth and love, we must grow up in every way into him who is the head, into Christ, from whom the whole body, joined and knit together by every ligament with which it is equipped, as each part is working properly, promotes the body’s growth in building itself up in love (Eph 4:15-16).

Dear brothers!
I read once that priests are like planes: they only make news when they crash, even though so many of them are in the air. Many people criticize, and few pray for them. It is a very touching, but also very true saying, because it points to the importance and the frailty of our priestly service, and how much evil a single priest who “crashes” can do to the whole body of the Church.

Therefore, so as not to fall in these days when we are preparing ourselves for Confession, let us ask the Virgin Mary, Mother of God and Mother of the Church, to heal the wounds of sin which each of us bears in his heart, and to sustain the Church and the Curia so that they can be healthy and health-giving; holy and sanctifying, to the glory of her Son and for our salvation and that of the entire world. Let us ask her to make us love the Church as Christ, her Son and our Lord, loves her, to have the courage to acknowledge that we are sinners in need of his mercy, and not to fear surrendering our hands into her maternal hands.
I offer cordial good wishes for a holy Christmas to all of you, to your families and your co-workers. And please, do not forget to pray for me! Heartfelt thanks!

[1] He states that the Church, being mysticum Corpus Christi, “calls also for a multiplicity of members, which are linked together in such a way as to help one another. As in the body, when one member suffers, all the other members share its pain, and the healthy members come to the aid of the ailing, so in the Church the individual members do not live for themselves alone, but also help their fellows, and all work in mutual collaboration for the common comfort and for the more perfect building up of the whole Body… a Body not formed by a haphazard grouping of members, but… constituted of organs, that is of members, that have not the same function and are arranged in due order; so for this reason above all the Church is called a body, that it is constituted by the coalescence of structurally united parts” (Encyclical Mystici Corporis, Part One: AAS 35 [1943], 200; ed. Carlen, Nos. 15-16)
[2] Cf. Rom 12:5: “So we, though many, are one body in Christ, and individually members of one another”.
[3] Dogmatic Constitution Lumen Gentium, 7.
[4] It should be remembered that “the comparison of the Church with the body casts light on the intimate bond between Christ and his Church. Not only is she gathered around him; she is united in him, in his body. Three aspects of the Church as the body of Christ are to be more specifically noted: the unity of all her members with each other as a result of their union with Christ; Christ as the head of the body; and the Church as bride of Christ. Cf. Catechism of the Catholic Church, Nos. 789 and 795.
[5] Cf. Evangelii Gaudium, 130-131.
[6] Jesus often spoke of the union which the faithful should have with him: “As the branch cannot bear fruit by itself, unless it abides in the vine, neither can you, unless you abide in me” (Jn 15:4-5).
[7] Cf. Pastor Bonus, Art. 1 and CIC can. 360.
[8] Cf. Evangelii Gaudium, 197-201.
[9] Benedict XVI, General Audience, 1 June 2005.
[10] Francis, Homily at Mass in Turkey, 29 November 2014.
[11] Cf. Evangelii Gaudium, 95-96.
[12] Ibid., 84-86.
[13] Ibid., 2

[14] “Grant me, O Lord, good digestion, and also something to digest. Grant me a healthy body, and the necessary good humour to maintain it. Grant me a simple soul that knows to treasure all that is good and that doesn’t frighten easily at the sight of evil, but rather finds the means to put things back in their place. Give me a soul that knows not boredom, grumbling, sighs and laments, nor excess of stress, because of that obstructing thing called ‘I’. Grant me, O Lord, a sense of good humour. Allow me the grace to be able to take a joke and to discover in life a bit of joy, and to be able to share it with others”.
[15] Evangelii Gaudium, 88.
[16] Blessed Paul VI, referring to the situation of the Church stated that he had the feeling that “through some crack, the smoke of Satan has entered the temple of God”: Homily for the Solemnity of Saints Peter and Paul (29 June 1972); cf. Evangelii Gaudium, 98-101.
[17] Cf. Evangelii Gaudium, 93-97.
[18] “The Holy Spirit is the soul of the Church. He gives life, he brings forth different charisms which enrich the people of God and, above all, he creates unity among believers: from the many he makes one body, the Body of Christ… The Holy Spirit brings unity to the Church: unity in faith, unity in love, unity in interior cohesion” (Homily at Holy Mass in Turkey, 29 November 2014).
[19] Augustine, Sermo CXXXVII, 1 (PL 38, 754).
[20] Cf. Evangelii Gaudium, 25-33.
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(http://w2.vatican.va/content/francesco/en/speeches/2014/december/documents/papa-francesco_20141222_curia-romana.html)



“Wenn wir uns selbst überlassen wären mit der Aufgabe, das Evangelium in die Welt zu bringen, würden wir sofort damit beginnen, innovative Strategien zu planen und ausführliche Schemata zu entwerfen. Wir würden Treffen abhalten, Programme entwickeln und Stiftungen gründen. (…) Aber Jesus ist so ganz anders als wir. Mit der Aufgabe, das Evangelium in die Welt zu bringen, wanderte Er durch die Straßen und Seitenwege. (…) Alles, was Er wollte, waren einige Männer, die so dachten wie Er. Alles, was Ertun musste, war die Herzen einiger weniger zu revolutionieren und sie würden die Welt beeinflussen.”
David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream

“Du und ich können uns dazu entscheiden, weiter wie bisher zu machen im christlichen Leben und in der Kirche als ganzer und uns am Erfolg erfreuen, der auf den Standards basiert, die von der Kultur um uns herum definiert wurde. Oder wir können einen ernsthaften Blick auf den Jesus der Bibel werfen und uns trauen, zu fragen, was den die Folgen sein könnten, wenn wir Ihm wirklich glaubten und Ihm wirklich gehorchten.”
David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream

“Anstatt uns vorzustellen, was wir alles erreichen können, bitten wir Gott, das zu tun, was nur Er erreichen kann. Ja, wir arbeiten, wir planen, wir organisieren und wir erschaffen, aber wir tun all das, während wir fasten, während wir beten und während wir immer wieder unser Bedürfnis nach der Vorsehung Gottes eingestehen.”
David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream

Gender Mainstreaming

Nun zu einem Thema, dass offensichtlich für sehr viel Verwirrung in christlichen Kreisen sorgt: Gender Mainstreaming.
Was heißt das eigentlich, "Gender Mainstreaming"?
Im Gegensatz zum englischen Wort "Sex", das mehr das körperliche Geschlecht meint, bezieht sich "Gender" auf das Geschlecht, das von der Gesellschaft geprägt oder auch von anderen erlernt wird. Wo ist der Unterschied? Nun, "Sex" lässt sich nicht verändern - "Gender" durchaus. "Gender" ist etwas, das man lernt oder selbst bestimmt, was man selbst bestimmen oder zumindest beeinflussen kann - oder sich in gewisser Weise sogar aussuchen kann. "Mainstreaming" heißt nichts anderes, als dass etwas als zentraler Leitsatz über allem steht, was man tut, das sich alles gleichsam zu einem allumfassenden "Strom" bündelt, was bisher ein Sammelsurium von kleineren und unbedeutenderen Nebenflüssen war. Ein Strom, der durch seine Macht alles mit sich reißt. Ach ja, manche nennen es auch "geschlechtersensible Sichtweise".

Warum eigentlich Gender Mainstreaming?
Nun, Politiker sagen, hiermit sollen Männer und Frauen die gleichen Chancen bekommen. Wo ist das Problem dabei? Gender Mainstreaming wird Auswirkungen haben, die sich viele noch kaum vorstellen können. Wenn wir nicht mehr wissen, was einen christlichen Mann oder eine christliche Frau ausmacht, welche Rolle und Verantwortung wir in Familie, Beruf und Gesellschaft haben, sind wir hinsichtlich unserer eigenen Identität extrem verwirrt. Und verwirrte Menschen können eine Menge von Problemen verursachen.

Was für ein Problem habe ich damit?
Nun, Männer und Frauen sind gleichwertig -aber nicht gleichartig. Es ist nicht so, wie man uns immer vormachen will: dass Männer und Frauen im Grunde nichts unterscheidet. Beide sind von Grund auf - und nicht nur körperlich - verschieden. Und das ist von Gott gewollt und etwas Gutes! Verwischt man jedoch die Geschlechterrollen und -identitäten, stellt man all das in Frage, was unser christliches Abendland bisher ausgemacht hat. All die moralischen Werte, das biblische Bild von Mann und Frau, traditionelle christliche Familienwerte - alles futsch. Na und, werden manche sagen, was ist schon dabei?
Eine ganze Menge ist dabei. Im Zuge der sexuellen Revolution der 60-er wurden bereits traditionelle Familienwerte über den Haufen geworfen, die in Jahrhunderten gewachsen sind und sich auf der Bibel gründen. Was zunächst als große Befreiung gefeiert wurde, erwies sich schnell als Schuss nach hinten: die Zahl der vaterlosen Familien steigt weltweit, ebenso scheint der bisherige Familienbegriff - ein Mann heiratet eine Frau, bekommt mit ihr Kinder, erzieht diese in christlicher Tradition und bleibt auch ein Leben lang mit der frau, die er liebt zusammen und ihr treu - immer weniger die Norm zu sein. Kurzfristige Beziehungen, oft ohne Trauschein oder gar gleichgeschlechtliche Beziehungen setzen sich immer mehr durch. Na und, werden wieder viele sagen.
Nun, ganz so egal ist es nicht. Kinder brauchen eine geschützte familiäre Umgebung mit festen Bezugspersonen. Mama und Papa. Und zwar einen Papa und eine Mama. Und möglichst dieselbe und nicht wechselnde Partner oder einen Papa, den das Kind mal so ab und an sieht.
Außerdem muss ein Kind lernen, was es heißt, ein Mann bzw. eine Frau zu sein. Welche Verantwortungen es später in Familie, Gesellschaft, Gemeinde und Beruf haben wird. Was überhaupt ein Mann bzw. eine Frau ist. Welche moralischen werte es zu vertreten und weiter zu geben hat.
Der Relativismus, der heute immer mehr um sich greift, kann uns ins Verderben stürzen. wenn jeder für sich selbst bestimmen kann, was richtig, gut und wahr ist; wenn es darüber keinen gemeinsamen gesellschaftlichen Konsens gibt, wird unsere Gesellschaft sich mit Problemen auseinander zu setzen haben, deren Auswirkungen uns heute schon ansatzweise vor Augen geführt werden.
Ist das wirklich alles so gut und schön? Ist der biblische Begriff von Mann und Frau wirklich so schlecht?
Wir denken nein! Gott hat uns geschaffen - Er sollte am besten wissen, was gut und richtig ist. Und als Christinnen und Christen halten wir uns daran, auch wenn wir uns damit zum Gespött anderer machen.
Natürlich sollen Männe rund Frauen die gleichen Rechte haben - sie sind ja beide in Gottes Augen gleich viel wert! Beide wurden als Sein Ebenbild geschaffen!
Das heißt aber noch lange nicht, dass beide auch identisch sind und dieselben Rollen, Aufgaben und Verantwortungen haben. Die Bibel betont unaufhörlich von Anfang an die Verschiedenheit der beiden - und hebt sie als etwas Positives hervor! Gleichwertig heißt noch lange nicht gleich!
Die Notwendigkeit von "Gender Mainstreaming" wird oft damit begründet, dass durch die Beseitigung der Geschlechterrollen auch die Grundlage für männliche Dominanz und Unterdrückung beseitigt wird. Eines vergisst man aber bei einer derartigen Argumentation: ein biblisches Bild von Mann und Frau hat nichts - aber auch GAR nichts - mit männlicher Dominanz und Unterdrückung zu tun. Ja, ein Mann ist das Haupt der Familie, wie Christus das Haupt der Kirche ist. Aber mit der gleichen aufopfernden Liebe, mit der sich Jesus hingegeben hat, sorgt auch ein christlicher Mann für seine Frau und Familie. Ja, er hat die Führungsrolle - das ist aber ebenso eine Menge an Aufgaben und Verantwortung. Ebenso hat eine Frau verschiedene Aufgaben und Verantwortungen im Leben. Auch Jesus hat die Führungsrolle von Gott Vater akzeptiert - ohne dadurch unterdrückt worden zu sein. Eine Ehe ist wie ein gemeinsamer Tanz - wenn beide versuchen zu führen, gibt es Chaos.
Selbst in sexueller Hinsicht wird von Vertretern der "Gender Ideologie" argumentiert, empfindet jeder Mensch sowohl homo- als auch heterosexuell. Christen hingegen wissen, dass sie im Ebenbild Gottes geschaffen wurden. Und Gott hat uns heterosexuell geschaffen - ein Standard, begründet in Genesis und selbst von Jesus zitiert. Ja, manche Menschen haben homosexuelle Empfindungen. Das macht sie aber nicht zu Homosexuellen, sondern zu Heterosexuellen mit homosexuellen Empfindungen.
Nochmal: Mann und Frau unterscheiden sich in weitaus mehr als nur körperlichen "Details".
Als Christinnen und Christen sind wir gerufen, allen Menschen mit Respekt und Liebe zu begegnen und niemanden zu beleidigen oder zu verurteilen. Wir stehen aber auch offen zu den Wahrheiten der Bibel. Auch wenn wir Homo-, Bi- oder Transsexuelle als Menschen achten und lieben, denken wir dennoch nicht, dass ein Abweichen vom biblischen Standard, vom heterosexuellen Bild von Mann und Frau mit den entsprechenden Aufgaben und Rollen im Leben, richtig ist. Toleranz darf nicht falsch verstanden werden - auch wenn wir andere achten, werden wir weiter zu unserem Glauben stehen.
Mag sein, dass wir dadurch Nachteile erleiden. Mag sein, dass man uns nicht mehr anstellt, wenn wir offen zu unserer biblischen Auffassung stehen, die doch so sehr dem "Gender Mainstreaming" widerspricht. Das ist uns aber immer noch lieber, als uns der Bibel zu schämen und zu schweigen, nur um einen Job zu bekommen. Dann wird auch Gott sich unserer schämen und uns nicht kennen, wenn wir eines Tages vor Ihm stehen.
Mag sein, dass man uns Diskriminierung und Radikalität unterstellt, wenn wir uns zum biblischen Menschenbild bekennen und uns gegen die "Gender Ideologie" aussprechen. Jeder Mensch, der die Bibel kennt, weiß, wie unsinnig eine derartige Argumentation ist. Vor allem, wenn man selbst etwa gleichgeschlechtliche Empfindungen hat, dennoch aber ein Leben nach biblischen Vorbild führen will.
Interessant auch, dass es oft schon ausreicht, wenn sich Menschen "diskriminiert fühlen", also tatsächlich vielleicht gar nicht diskriminiert wurden. Hierunter würde unter Umständen auch das Vertreten von biblischen Wahrheiten fallen. Wenn mich also jemand fragt, was ich vom Auslebne von Homosexualität halte und ich ihm sage, dass das für mich als Christ eine Sünde ist - kann er sich dann vielleicht schon diskriminiert fühlen?
Die Bibel hat uns gewarnt, dass solche Zeiten anbrechen werden. Dass uns die Menschen verfolgen werden, uns vor Gericht bringen werden - und sogar nicht der festen Auffassung sind, sie täten der Menschheit einen Gefallen damit. Die Bibel hat uns aber auch gemahnt, in diesen Zeiten fest zu ihren Wahrheiten zu stehen - wir würden es nicht bereuen.

Bedeutet Gender Mainstreaming das Herstellen der Geschlechtergerechtigkeit?
Mitnichten. Wenn ich Geschlechtergerechtigkeit möchte, dann ist es das, was ich tue und ich nenne es auch so. Gender Mainstreaming aber geht weit über die Beseitigung von Benachteiligungen aufgrund des körperlichen Geschlechtes hinaus.
Sehen wir uns die Wortzusammensetzung an: „Gender“ meint im Englischen keineswegs nur das körperliche Geschlecht, also das Geschlecht, mit dem wir geboren wurden. Es bezeichnet vielmehr ein Geschlecht, das von Kultur, Gesellschaft, Politik und vor allem vom Individuum beeinflusst und bestimmt wird – und somit auch veränderlich ist. Mit „mainstreaming“ wird angedeutet, dass das, was bisher unterschiedliche „Ströme“ waren (also das körperliche Geschlecht von Mann und Frau mit einem klaren Rollenverständnis, das für Christen auf der Bibel und den seit über 2.000 Jahren bestehenden christlichen traditionellen Familienwerten beruht) nun „zusammengeführt“ zu einem “Strom“ wird. Mit anderen Worten: Die Unterschiede von Mann und Frau sollen aufgehoben und der Definition des einzelnen oder der Gesellschaft überlassen werden.
Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie naiv viele Christinnen und Christen damit umgehen und wie wenig ihnen offenbar die Gefahren bewusst sind, die damit verbunden sind. Die christlichen Familienwerte und Rollenverständnisse waren zum Besten eines jeden Einzelnen in der Familie. Sie halfen weiterhin, hinsichtlich der eigenen Geschlechtsidentität Sicherheit und Stabilität zu haben sowie in das hineinzuwachsen, zu dem uns Gott bestimmt und berufen hat.
Eine „Geschlechtergerechtigkeit“ in dem gewünschten Sinne lässt sich nicht durch Verordnungen und Strukturen erreichen. Welche Frau etwa, die etwas auf sich hält, möchte eine Position in einem Unternehmen allein aufgrund der Tatsache bekommen, dass sie Frau ist – und nicht etwa wegen ihres Könnens?
Es gibt genügend Gesetze, die das demokratische und respektvolle Miteinander soweit regeln, wie es geregelt werden muss. Nicht alles kann und darf von staatlicher Seite bestimmt werden, schon gar nicht Angelegenheiten, die in den Bereich von Familie und Kirche fallen.
Grundlage einer wahren Geschlechtergerechtigkeit ist eine moralische Grundlage auf Basis des christlichen Glaubens, die eine Vorstellung der eigenen Geschlechts-Identität vermittelt und fördert. Wer bin ich etwa als christlicher Mann? Wie definiere ich Männlichkeit? Was sind die Aufgaben eines Mannes in Familie, Beruf, Gesellschaft und Kirche? Wer meint, etwas derart Grundlegendes wie die eigene Geschlechts-Identität der eigenen Definition überlassen zu können, sägt an den Grundwerten einer Gesellschaft und letztlich auch des christlichen Glaubens. Menschen, die hinsichtlich ihrer Geschlechts-Identität verwirrt sind, können und werden eine Menge Probleme verursachen. Verordnungen und Strukturen können keine Unterschiede der Geschlechter beseitigen, sie können und werden dauerhaft keine „Gerechtigkeit“ bringen und am allerwenigsten wird „Gender Mainstreaming“ dem körperlichen, psychischen und geistigen Wohl des Einzelnen dienen.
www.freewebs.com/mensfraternity
Die Gender-Blender
Gender-Forscher ignorieren die Biologie. Unsere Geschlechterrolle ist nur anerzogen, davon sind sie überzeugt. Trotzdem haben sie es geschafft, ihre Ideologie in die Politik zu schmuggeln. Über ein Mädchen, das eigentlich ein Junge ist, Politiker, die nicht wissen, wofür sie abstimmen und einen Norweger, dessen Film eine ganze Nation wachrüttelte.
Von Nicolai Franz
Lügen, Manipulation, Leid. Janet und Ron Reimer ahnen nicht, was sie erwartet, als sie das Glück ihres Lebens in den Armen halten: Ihre Zwillingssöhne Brian und Bruce, geboren am 22. August 1965. Acht Monate nach der Geburt müssen beide Kinder wegen einer Vorhautverengung beschnitten werden. Ein Routineeingriff - eigentlich. Bei Bruce gibt es einen Unfall, sein Penis wird bei der Operation durch elektrischen Strom verbrannt. Die Horrornachricht verunsichert das junge Ehepaar. Kann Bruce überhaupt noch zu einem Mann reifen? In einer TV-Talkshow sehen sie den Psychologen und Sex¬ologen John Money. Er vertritt die These: Unser Geschlecht ist nicht angeboren, sondern anerzogen. Jedes männliche Neugeborene könne ebensogut ein Mädchen werden. Eine Transsexuelle in der Show soll der lebende Beweis sein. Das überzeugt Janet. "Ich dachte: Hier ist unsere Antwort, hier ist unsere Erlösung, hier ist unsere Hoffnung." Die Begegnung mit Money sollte die Rettung sein. In Wahrheit ist sie erst der Anfang einer tragischen Geschichte über ideologische Wissenschaft, Unterdrückung und Ignoranz. Der Psychologe rät den Reimers, Bruce als Mädchen zu erziehen. "Dr. Money war sehr charismatisch. Er schien sehr intelligent und zuversichtlich zu sein", sagt Janet. Ein noch nie dagewesenes Experiment beginnt. Bruce ist noch sehr jung, außerdem gibt es einen identischen Zwilling als "Kontrollgruppe". Perfekte Bedingungen. Am 3. Juli 1967 wird Bruce kastriert. Ab jetzt heißt er Brenda.
Money war mit seiner Ansicht nicht allein. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts begannen Feministinnen, die englischen Begriffe für "Geschlecht" voneinander zu trennen. Aus "sex" wurde "biologisches Geschlecht" und aus "gender" wurde "soziales Geschlecht". Mit der Unterscheidung von angeborenem und anerzogenem Geschlecht war Gender-Vertretern ein Coup gelungen, der noch heute das politische Programm dominiert  - in Form von "Gender-Mainstreaming". Eine der radikalsten und einflussreichsten Gender-Vertreterinnen ist die in Berkeley lehrende Philosophin Judith Butler. Für sie ist das Geschlecht eine kulturell konstruierte Kategorie - selbst das biologische Geschlecht. Das Ziel müsse sein, dass das Geschlecht keine Rolle mehr spiele, schreibt sie 1990 in ihrem Buch "Das Unbehagen der Geschlechter".

Die Ignoranz der Gender-Forscher
Ist unsere Geschlechterrolle nur anerzogen? Diese Frage stellte sich auch der Norweger Harald Eia. Der studierte Soziologe ist in seinem Land aus dem Comedy-Geschäft bekannt. In seiner Reportage "Gehirnwäsche" geht er aber einer ernsten Frage nach: Warum wählen Männer und Frauen in Norwegen so unterschiedliche Berufe, obwohl das Land in Sachen Gender-Gerechtigkeit weltweit auf Platz eins liegt? Wenn die Politik und die Gesellschaft alle Gender-Hürden überwunden hat, warum sind dann seit 1980 durchgängig 90 Prozent aller norwegischen Ingenieure männlich und fast 90 Prozent aller Krankenpfleger weiblich?
Eia befragte dazu den amerikanischen Psychologie-Professor Richard Lippa. In einer seiner Studien nannten 200.000 Männer und Frauen aus 53 Ländern ihren Lieblingsberuf. "Es gibt einen großen Unterschied. Männer interessieren sich viel häufiger für Objekte, zum Beispiel als Ingenieure oder Mechaniker. Frauen möchten eher mit Menschen arbeiten", erklärt Lippa. Dieser Unterschied zog sich durch alle Kulturen, Länder und Kontinente. "Er war in Norwegen so groß wie in Saudi-Arabien oder Pakistan, Indien, Singapur oder Malaysia." Wohlstand, Religion, Fortschritt der Gleichberechtigung - all das spielt keine Rolle. "Das gibt einen Hinweis darauf, dass hier etwas Biologisches am Werk ist." Diese These unterstützt auch der britische Psychologe Simon Baron-Cohen. Er zeigte Säuglingen entweder einen mechanischen Gegenstand oder ein Gesicht. Das Ergebnis: "Mehr Jungen schauen sich das mechanische Objekt länger an, mehr Mädchen das Gesicht - schon am ersten Tag des Lebens." Vor irgendwelchen anderen Einflüssen also. Verantwortlich dafür sei das Hormon Testosteron, bei Jungen mehr, bei Mädchen weniger, sagt er in Eias Film. Für Baron-Cohen sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern "eine Mischung aus Biologie und Kultur". Es gehe natürlich nicht nur um Biologie. "Ich sage nur: Vergesst die Biologie nicht!" Die Studien im Film zeigen sogar: Je mehr Gleichberechtigung, desto weniger Frauen wollen einen technischen Beruf erlernen. Je freier Männer und Frauen sind, desto eher können sie das tun, was sie wirklich wollen - und nicht das, was am ehesten einen Job bringt.
Damit konfrontiert, antworten die norwegischen Genderforscher immer gleich: Das ist altmodisch, schlechte Forschung, Ideologie. Ignoranz statt Argumente. Eine Wissenschaftlerin bekennt sogar, dass sie die Biologie schlicht nicht interessiere. Sieht so ernsthafte Wissenschaft aus? Auf Harald Eias Film folgte nicht nur eine heftige Debatte über Geschlechterrollen. Es ging den Genderforschern regelrecht an die Existenz. Dem "Nordic Gender Institute" in Oslo wurde der Geldhahn zugedreht, die Einrichtung musste schließen. Ein Riesenskandal. Die Reaktion in Deutschland? Zahlreiche Blogs berichteten, die Reportage ist bei Youtube abrufbar, bei größeren Medien schaffte Eia es in die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Für den Focus durfte er im November 2012 eine Titelgeschichte schreiben. Die anderen Redaktionen interessierten sich nicht dafür - und das, obwohl deutsche Gender-Forscher biologische Gründe für Geschlechterrollen ebenfalls ignorieren.

"Ich spürte, dass er männlich ist"
Brenda Reimer, das Mädchen, das früher ein Junge war, fühlte sich in ihrer Rolle nicht wohl. "Ich war groß, ich war ein Mädchen. Ich mochte es nicht, mich wie ein Mädchen anzuziehen, mich wie ein Mädchen zu benehmen und zu verhalten." Doch das interessierte John Money nicht. Als Brenda sieben Jahre alt war, erklärte der Sexologe sein Experiment für geglückt. Doch das Gegenteil war der Fall. Für Brendas Mutter war klar: "Nicht nur ich, auch andere spürten, dass er männlich ist." Money hatte den Eltern eingeschärft, dass das Experiment scheitern würde, sollten sie ihrer Tochter etwas davon erzählen. Brenda hatte kaum Freunde. Die Mädchen wollten nicht mit ihr spielen, weil sie sich für Jungskram interessierte, die Jungs wollten kein Mädchen um sich herum haben.. Ihr Leben wird zu einer einzigen Identitätskrise. Als Money die Probleme bemerkte, griff er zu schrecklichen Methoden, um den Geschwistern zu zeigen, dass Brenda ein Mädchen ist. Brian und Brenda mussten sich vor ihm ausziehen, sexuelle Stellungen einnehmen. Money fotografierte sie dabei. Die Eltern bekamen davon nichts mit.
Im Alter von 13 Jahren konnte Brenda nicht mehr. Sie sagte ihren Eltern, sie würde sich das Leben nehmen, wenn sie noch einmal zu Money gehen müsse. Ron und Janet trafen eine harte Entscheidung: Ihre Tochter sollte die Wahrheit erfahren. Brenda bekam ein Eis von ihrem Vater, sie aßen es im Auto. Sie spürte, dass etwas nicht stimmte. "Ich kann mich an 90 Prozent von dem, was im Auto passierte, nicht erinnern. Papa sagte mir, dass ich mit glasigen Augen über das Armaturenbrett starrte und ich voll mit geschmolzener Eiscreme war."
Brenda beschloss, als Junge zu leben. Ab da hieß er David Reimer. Zum ersten Mal in seinem Leben war er glücklich. Sein Zwilling Brian erfuhr die Wahrheit von seiner Mutter. Er sollte nie darüber hinweg kommen. Stattdessen entwickelte er eine psychische Störung bis hin zur Schizophrenie. John Money verkündete der Wissenschaft weiterhin seine "bewiesene" Theorie, auch wenn er Reimers Fall nicht mehr erwähnte.
Auch Deutschlands Chef-Feministin Alice Schwarzer führt das Experiment in ihrem Buch "Der kleine Unterschied" von 1975 als vorbildliches Beispiel für den "aufklärenden Auftrag der Forschung" an. David selbst hatte 1997 genug von den falschen Behauptungen. Der Journalist John Colapinto veröffentlichte seine Geschichte in einem viel beachteten Artikel im "Rolling Stone Magazine". Im Jahr 2000 folgte ein gemeinsames Buch: "Der Junge, der als Mädchen aufwuchs". Seinem Bruder Brian ging es seit der Veröffentlichung immer schlechter. 2002 brachte er sich um. David selbst litt an Depressionen, steckte in finanziellen Schwierigkeiten, seine Ehe geriet in eine tiefe Krise. 2004 nahm auch er sich das Leben, vier Jahre nach Erscheinen des Buches.
Noch 2007 rechtfertigte sich Alice Schwarzer in der "Emma" und gab die wahre Schuld an Reimers Schicksal nicht John Money, sondern dem Journalisten Colapinto und Davids Eltern. Die angeblichen Gründe dafür klingen reichlich zurechtgebogen. "Die Eltern sind gläubige Mennoniten, also Angehörige einer christlichen Sekte", urteilte Schwarzer. Nebenbei schrieb sie den Nachnamen "Reimer" konsequent falsch ("Reimers") und datierte den Tod von David fälschlicherweise auf das Jahr 2001, also auf ein Jahr nach Erscheinen des Buches. Für die Emma-Chefin ist deshalb Colapinto für den Tod Reimers verantwortlich, "dem die Story wichtiger war als die Rücksicht auf dieses schon so funktionalisierte Leben".

Ahnungslose Politiker und Gender-Lobbyisten
Der Erfolg der Gender-Theorie ist vor allem ein politischer. 1985 diskutierten Delegierte auf der Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen (UN) erstmals den Begriff
"Gender-Mainstreaming". Auf der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking wurde er zum offiziellen politischen Programm. Von den UN aus sickerte der Begriff auch in die unteren Ebenen, die Europäische Union (EU) und nach Deutschland. Gender-Mainstreaming ist in der EU und der Bundesrepublik offizielles Programm. "To mainstream" bedeutet in diesem Zusammenhang "berücksichtigen" oder "einbinden". Auf allen gesellschaftlichen Ebenen sollen die Verantwortlichen darauf achten, dass es unterschiedliche Geschlechter gibt, die ihre eigenen Bedürfnisse haben. Das Ziel: Gleichberechtigung. Das klingt zunächst wie ein Anliegen, das jeder vertreten kann.

Doch hinter dem Begriff steckt mehr. Warum steht in den UN-Dokumenten zum Beispiel nicht "Sex-Mainstreaming", was sich auf das biologische Geschlecht beziehen würde? Genau genommen handelt es sich dabei um einen der größten Erfolge, den Lobbyisten in den letzten Jahrzehnten erzielen konnten. Denn mit "Gender" hatten sie der Politik ein Wort untergejubelt, das sie selbst mit Inhalt füllen konnten: Nicht die Biologie und die Erziehung prägen die Geschlechterrollen, sondern nur die Erziehung. Die wenigsten Teilnehmer der Weltfrauenkonferenz dürften sich darüber im Klaren gewesen sein. Sie wollten sich einfach für die Frauen einsetzen, die unter schlimmsten Diskriminierungen litten. Es ist verständlich, dass Vokabeln egal sind, wenn die Frauen im eigenen Land nicht studieren dürfen, sexuelle Belästigungen ertragen müssen und als weniger wertvoll gelten als der Mann. Wer großen Durst hat, kümmert sich nicht darum, was auf der Flasche steht.

So geht es offenbar auch den meisten EU-Abgeordneten. "Vielleicht fünf Prozent" würden die Gender-Theorie vertreten, die restlichen schauen einen mit großen Augen an", wenn sie erführen, wofür sie gerade wirklich abgestimmt hätten, berichtet ein Insider. Die, die es wüssten, würden es absichtlich verschweigen und die anderen ins Messer laufen lassen. Die Kommission würde das Wort "Gender" nur benutzen, weil das jeder tue. In der deutschen Politik ist es ähnlich. Die "Welt am Sonntag" befragte 2009 die Familienministerin Kristina Schröder - damals noch Köhler - zu Gender-Mainstreaming. Sie antwortete, zwar solle der Staat alle Hürden für eine junge Frau aus dem Weg räumen, wenn sie Elektrotechnik studieren wolle. "Aber der Staat sollte nicht zwanghaft versuchen zu erreichen, dass 50 Prozent der Elektrotechnikstudenten weiblich sind." Doch genau das wäre die Konsequenz aus der Gender-Theorie: Wenn es keine biologisch begründeten Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt, dann werden sie auch alle dieselben Interessen und Wünsche haben. Ansonsten stünde der echten Gleichheit noch etwas im Weg. Doch offenbar sind sich nur wenige Politiker darüber im Klaren.

"Junge oder Mädchen - du weißt es einfach"
FAZ-Autor Volker Zastrow hatte schon 2006 vor den fragwürdigen Voraussetzungen der "politischen Geschlechtsumwandlung" gewarnt, wie er Gender-Mainstreaming in einem Artikel und einem darauf folgenden Buch bezeichnete. Der Spiegel-Journalist René Pfister stimmte mit ein. Gender-Mainstreaming wolle nicht nur die Lage der Menschen ändern, sondern die Menschen selbst". Die Reaktionen darauf bestätigten aber nur die kritischen Ansichten Zastrows und Pfisters. So schreibt Ulrike Frobäse in dem Gender-Buch "Nie wieder Sex", dass "menschliche Identität schon immer "hergestellt" worden sei. Die beiden Journalisten wollten nur verhindern, dass jetzt auch Frauen und transsexuelle Menschen das Geschlecht formen würden; sie fühlten sich "in ihrer Identität als alleinige Wächter menschlicher und männlicher Norm" bedroht.
David Reimer haben solche Theorien jedenfalls nicht geholfen. "Ich bin kein Professor. Aber du wachst nicht eines Morgens auf und entscheidest dich, ein Junge oder ein Mädchen zu sein -“ du weißt es einfach", hat er einst gesagt.


Nicht irritieren lassen
Ein Kommentar von Nicolai Franz

Die Gender-Theorie ist Unfug. Seit dem Film des Norwegers Harald Eia realisieren das auch immer mehr Politiker. Christen sollten die Sache entspannt sehen - und sich umso mehr gegen Diskriminierung stark machen.
Ist ja alles richtig. Ja, die Gender-Ideologie ist pseudowissenschaftlicher Unsinn, der in der Vergangenheit zu absurden Forderungen geführt hat. Zum Beispiel bei der Sprachhygiene. Aus "Freunden" wurden "Freundinnen und Freunde", "das "taz-I" oder "innen-I" gebietet sogar, "FreundInnen" zu schreiben. Obwohl Sprachliebhaber schon dabei Augenschmerzen bekommen, geht das besonders orthodoxen Anti-Diskriminierern noch nicht weit genug: "Freund_innen" muss es heißen. Oder "Vergewaltiger_innen", wie es der konservative Journalist Jan Fleischhauer einer Vertreterin der Grünen Jugend entlockte. Der Grund: Auch die, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen, müssen berücksichtigt werden. Nur der Unterstrich verdeutlicht den angeblich fließenden Üœbergang der Geschlechter. Die allermeisten Menschen halten das Gebaren der Gender-Ideolog_innen für Mumpitz. Deswegen musste nach dem Enthüllungsfilm des Norwegers Harald Eia auch das Nordic Gender Institute schließen. Ist ja alles richtig.

Doch Christen machen oft den Fehler, hinter jeder Maßnahme zur Gleichberechtigung den "Dämon des Gender-Wahns" zu vermuten. Dabei sollten gerade Gläubige mit aller Kraft für den Schutz von Frauen kämpfen. Noch immer wird weltweit Millionen von Frauen der Zugang zu Bildung verwehrt, sie werden als Sexsklavinnen verkauft, in China werden Mädchen abgetrieben, weil männliche Nachkommen als wertvoller gelten. In Deutschland verdienen Frauen immer noch weniger als Männer, auch wenn sie die gleiche Arbeit tun. Von Sexismus ganz zu schweigen. Wer daran glaubt, dass Gott die Menschen als Mann und Frau geschaffen hat und sie liebt, sollte sich umso mehr für den Schutz der Schwachen und Verletzten einsetzen. Paradoxerweise sind das oft die lautesten Pro-Gender-Schreihälse. Auch hinter Ideologien stecken Menschen mit persönlichen Erfahrungen und Verletzungen. Der Feminismus ist nicht umsonst in einer Zeit entstanden, in der Frauen sich als Menschen zweiter Klasse fühlten und sich zu Recht dagegen auflehnten. Das erklärt auch, warum die meisten jüngeren Studentinnen die Geschlechter-Debatte entspannter sehen als ihre kratzbürstigen Professor_innen. Gelassenheit ist nicht der schlechteste Ratgeber.
"Uns wird eine Ideologie übergestülpt"
Gender-Mainstreaming betrachtet das Geschlecht nicht als etwas Biologisches, sondern als soziales Konstrukt. Für die katholische Journalistin Birgit Kelle ist das ideologisches Gedankengut und gefährdet die Demokratie. Im ARD-Talk "hart aber fair"€œ wurde sie beschimpft, weil sie ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ablehnt. pro hat die Mutter von vier Kindern besucht. | Die Fragen stellte Moritz Breckner

pro: Frau Kelle, angenommen, die Politik in Deutschland hält an Gender- Mainstreaming fest - wie wird das unsere Gesellschaft in den nächsten 20 Jahren verändern?

Birgit Kelle: Ich glaube, dass dies ganz verheerende Auswirkungen hätte. Die sowieso niedrige Geburtenrate würde dramatisch einbrechen. Unsere Familienstrukturen würden sich langfristig verändern - weniger Menschen würden heiraten und stattdessen nur zeitweise Beziehungen haben. Unsere Gesellschaft würde anonymer, weil die Geschlechter nur noch androgyn (geschlechtslos, d. Red.)nebeneinander herleben. Die Menschen wü¼rden durch diese Veränderungen ganz bestimmt nicht glücklich. Und ich glaube, dass eine solche Gesellschaft anfälliger wird für totalitäre Regime. Wenn der Mensch von Kindheit an keine Identität mehr findet, ist er leichter zu formen und zu führen. Das macht mir Angst.

Übertreiben Sie da nicht? In Frankreich ist Gender-Mainstreaming deutlich etablierter als in Deutschland. Das Land ist nach wie vor demokratisch und die Geburtenrate ist höher als bei uns.

Frankreich tut ganz andere Dinge, um Familien zu unterstützen, als wir. Dort fördert man zum Beispiel massiv steuerlich das dritte Kind in der Familie, während man bei uns ab dem dritten Kind als Familie in die Armutsfalle rutschen kann. Man muss immer die Gesamtheit der Instrumente betrachten. Einzelne Staaten lassen sich nur schwer direkt vergleichen, weil auch geschichtliche und kulturelle Unterschiede eine Rolle spielen. Die USA unterstützen zum Beispiel Kindergärten und Krippen von staatlicher Seite aus nahezu gar nicht, haben aber eine ähnliche Geburtenrate wie die Skandinavier, die voll auf staatliche Krippen setzen.


Sie bezeichnen Gender-Mainstreaming als eine Ideologie, die wissenschaftlich nicht bewiesen wurde. Wie konnte Gender-Mainstreaming dann überhaupt so einflussreich werden?

Das ist in der Tat ein erstaunliches Phänomen. Wir haben es beim Gender-Mainstreaming mit einer Top-Down-Bewegung zu tun, das heißt, anders als im demokratischen Prozess üblich, ging diese Idee nicht von der breiten Masse der Bürger, sondern von einer kleinen Gruppe aus. Begonnen hat das in den Vereinten Nationen, dort ist das Konzept zum ersten Mal verankert worden. Von der UN-Ebene aus ging die Idee auf die nächsten Stufen, also die EU und die Nationalstaaten. Manche Staaten haben gezögert, aber in Deutschland ist Gender-Mainstreaming auf fruchtbaren Boden gefallen. Das Familienministerium hat die Idee relativ freudig und völlig widerspruchslos einfach hingenommen. Zusammengefasst: Den Bürgern wird hier eine Ideologie übergestülpt, die überhaupt nicht ihren Bedürfnissen entspricht.

Eine große Anzahl von Wissenschaftlern nimmt Gender-Mainstreaming sehr ernst. Glauben Sie wirklich, dass die sich alle irren?

Fakt ist, dass zahlreiche Forscher und vor allem Forscherinnen in dem Feld offensichtlich versuchen, ein Wunschbild zu beweisen, anstatt sich an Fakten zu orientieren. Bis heute konnte niemand, wirklich niemand, nachweisen, dass das biologische Geschlecht irrelevant ist und die Frage des Geschlechtes nur eine soziale Konstruktion sei. Dennoch tun wir so, als ob das so ist. Das Einfrieren der Gelder für die Gender-Forschung in Norwegen hat doch gezeigt, dass sich die Wissenschaft in dieser Sache ganz und gar nicht einig ist. Ich erwarte von der Wissenschaft, dass sie unvoreingenommen ist und nicht einfach die Ergebnisse produziert, die gewünscht sind. 

Gibt es Auswüchse von Gender-Mainstreaming, die Sie besonders irritieren? 

Ja, nämlich dass wir anfangen, auf sprachlicher Ebene das Mann- oder Frau-sein neu zu definieren. In der Schweiz werden die Wörter "Vater" und "Mutter" aus amtlichen Dokumenten entfernt und durch die Begriffe "Elter 1" und "Elter 2" ersetzt. Auch in den USA gibt es Beispiele dieser Art. Es wird versucht, über die Sprache eine Geschlechtszuordnung zu vermeiden. So wandelt sich nebenbei auch der "Eltern"-Begriff: Eltern sind nicht mehr leibliche Eltern, sondern ein soziales Konstrukt, das angeblich jeder erfüllen kann. Der Lebenspartner des Sängers Elton John beispielsweise ist auf der Geburtsurkunde seines Adoptivsohnes als "Mutter" eingetragen. Heute lächeln wir darüber, aber die Frage ist, was das langfristig mit unserer Gesellschaft macht. 


Was stört Sie als engagierte Christin an Gender-Mainstreaming? 

Ich bin gar nicht in erster Linie gegen Gender-Mainstreaming, weil ich Christin bin, sondern weil ihm ein völlig falsches Konzept vom Menschen zu Grunde liegt und es negiert, dass Mannsein und Frausein etwas Unterschiedliches ist. Natürlich bin ich durch das christliche Menschenbild geprägt, wonach Mann und Frau verschieden geschaffen sind. Davon würde ich aber auch ohne meinen Glauben ausgehen, denn unsere ganze Natur ist bipolar angelegt. Dass man jetzt Geschlechter als nebensächliches "soziales Konstrukt" definieren will, ist absurd. Die Unterschiedlichkeit von Mann und Frau ist gewollt. Das ist kein Fehler, sondern das Leben wird dadurch bereichert. Wir ergänzen uns in unseren Eigenschaften und Fähigkeiten. So zu tun, als wären wir alle gleich, verleugnet einen Teil unseres Wesens.

Heißt das, dass Familien an der traditionellen Rollenaufteilung festhalten sollten? Also der Mann geht in die Firma, die Frau bleibt daheim bei den Kindern?

Nein, nicht zwangsläufig. Man muss sich aber bewusst machen, dass die Mehrheit der Deutschen nach wie vor so lebt. 80 Prozent der Frauen bleiben in den ersten Lebensjahren ihres Kindes daheim. Heute wollen viele Frauen diese Rollenaufteilung, allerdings nur für eine gewisse Zeitspanne. Wir haben mehr hochqualifizierte Frauen als je zuvor, und sie wollen und sollen ihre Fähigkeiten am Arbeitsmarkt einsetzen. Die Rahmenbedingungen müssen ihnen das ermöglichen - ohne dabei Frauen, die sich dafür entscheiden, bei den Kindern zu bleiben, unter Rechtfertigungsdruck zu setzen. Mir ist es ein Anliegen, dass Familien selbstständig entscheiden, in welchem Umfang Vater und Mutter arbeiten, beziehungsweise sie bei den Kindern sind. Das geht den Staat nichts an, das kann man nicht mit Gleichstellungsbeauftragten und Vorschriften regeln. Dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, heißt ja nicht, dass das eine Geschlecht das andere in irgendeiner Form unterdrücken müsste. Das ist auch von der göttlichen Schöpfung nicht gewollt. Aber auch nach 100 Jahren Diskussion bleibt es dabei, dass Männer Kinder zeugen und Frauen Kinder gebären. Und aus der Perspektive des Kindes sind sowohl Mutter als auch Vater wichtig.

Aber nicht in allen Familien werden die Kinder auch wirklich fit fürs Leben gemacht. Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, fordert deshalb eine Kindergartenpflicht ab dem ersten Geburtstag. Dann könnten Mütter auch schneller wieder arbeiten.



Heinz Buschkowsky ist geprägt von dem Milieu, in dem er lebt. Die überwältigende Mehrheit der Kinder in Deutschland wächst sehr gut bei ihren Eltern auf. Eine Kindergartenpflicht ist in meinen Augen ein schwerer Eingriff in die Autonomie der Familien und daher grundgesetzwidrig. Das Grundgesetz gibt uns nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht, unsere Kinder nach unseren Werten zu erziehen. Sobald Kinder in eine staatliche Einrichtung gehen, müssen wir fragen, nach welchen Richtlinien und Maßstäben sie dort erzogen werden. Welches Amt bestimmt denn, welche Werte an meine Kinder weitergegeben werden sollen, mit welchem Recht übernimmt der Staat meine Aufgabe als Mutter? Außerdem: Auch Eltern wachsen mit ihren Herausforderungen, sind in einem Lernprozess. Mir hat noch kein Wissenschaftler erklären können, wie man Elternkompetenz stärkt, indem man die Eltern von ihrem Kind trennt. Die Bindung zwischen einem Kind und seinen Eltern ist etwas Einzigartiges und kann auch von einer liebevollen Erzieherin nicht ersetzt werden. Ein Kind braucht Vater und Mutter. 

Haben Sie sich deswegen in der Sendung „hart aber fair“ gegen ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ausgesprochen?

Bei dieser Frage geht es darum, ob homosexuelle Paare ein Recht auf ein Kind haben. Das haben sie nicht - ebensowenig wie heterosexuelle Paare. Ein Kind ist ein Geschenk, darauf gibt es kein Anrecht. Wenn es um Adoptivkinder geht, muss das Wohl des Kindes ausschlaggebend sein. In meinen Augen ist es für ein Kind am Besten, Vater und Mutter zu haben. Kinder reagieren auf Vater und Mutter sehr unterschiedlich, der männliche und weibliche Einfluss ist für die Identitätsfindung eines Kindes extrem wichtig. Solange wir Kindern dies bieten könnten, sollten wir es auch tun. Es gibt in Deutschland eine Vielzahl von Paaren, die ein Kind adoptieren wollen, und nur für jedes achte Paar ist ein Kind da. Im Interesse der Entwicklung dieser Kinder sollten heterosexuelle Paare bevorzugt werden. Ich sage aber auch: Bevor ein Kind im Heim aufwächst, ist es bei einem homosexuellen Paar besser aufgehoben. Gäbe es mehr Kinder als adoptionswillige Hetero-Paare, sollten auch homosexuelle Paare adoptieren dürfen. Diese Konstellation ist aber Fiktion.

Sie wurden nach der Sendung öffentlich beschimpft und bedroht. Hat Sie das überrascht? 

Ich habe mit Widerstand gerechnet, weil man in Deutschland nicht ungestraft gegen die Homo-Ehe sein kann. Die Heftigkeit hat mich dann doch etwas überrascht. Etwa 90 Prozent der Reaktionen, die mich erreicht haben, waren zustimmend. Von den ablehnenden Zuschriften waren fast alle auf einem Niveau, das nicht zitierfähig ist. Man hat versucht, mich durch persönliche Angriffe zu diskreditieren und mundtot zu machen. Sowas tangiert mich aber nicht. Ich habe Homosexuelle in meinem Bekanntenkreis, mit denen ich gut und sachlich diskutieren kann. Das sind ganz normale Menschen, die sich durch die oft aggressiven Vorzeige-Schwulen, die man aus dem Fernsehen kennt, nicht repräsentiert fühlen.

In Paris haben im Januar Hunderttausende gegen die Homo-Ehe demon-striert. In Deutschland wäre das kaum denkbar ...

Ich bewundere die Franzosen für ihren Mut, geradeheraus zu sagen, was sie denken. Ich glaube, wenn wir in Deutschland eine geheime Abstimmung über die Homo-Ehe hätten, gäbe es eine breite Ablehnung. Aber es ist fast unmöglich, bei uns über dieses Thema zu diskutieren, Sie werden sofort von allen Seiten angegriffen. Sie finden keinen Püolitiker, und übrigens auch keinen kirchlichen Amts- und Würdenträger mehr, der es wagt, sich kritisch dazu zu äußern. Bei der Kundgebung in Frankreich waren Geistliche dabei und auch mehrere Tausend Bürgermeister. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich in Deutschland auch nur ein Bürgermeister so etwas trauen würde, weil er wüsste, dass er hinterher politisch tot ist. Homosexualität ist ein solches Reizthema, dass der Ton schnell aggressiv wird und man nicht mehr sachlich diskutieren kann. Es gibt leider Themen, über die man in Deutschland nicht reden darf. Das Problem ist auch, dass Medienschaffende eine sehr homogene Gruppe sind. Es gibt mehrere Erhebungen, die belegen, dass Journalisten in Deutschland eher links stehen, auf Seiten von rot-grün. Nähmen an der Bundestagswahl nur Journalisten teil, käme schwarz-gelb auf gerade mal 20 Prozent. Das schlägt sich auf die Berichterstattung nieder, Fakten und Meinungen werden nicht sauber getrennt. Ich kenne das ja auch von mir selber: Ich schreibe, was ich denke. Durch die Homogenität der Medienmacher wird ein großer Teil der Gesellschaft zu wenig abgebildet.

Hat Gender-Mainstreaming Zukunft?
In Norwegen wurde seit gut 20 Jahren das Gender-Mainstreaming auf die Spitze getrieben, und letztes Jahr ist das komplette Kartenhaus zusammengebrochen. Ein Kabarettist hat eine Dokumentation gedreht, die den Irrsinn dieser Ideologie aufgezeigt hat. Es entstand eine breite Diskussion darüber, ob Gender-Mainstreaming wirklich eine so gute Idee war. Am Ende der Debatte wurden immerhin 60 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern für Gender Studies gestrichen. Offenbar hat es den Narren am Hof gebraucht, um zu zeigen, dass der Kaiser keine Kleider anhat. Wenn wir in Deutschland so weitermachen, kommen wir vielleicht auch an diesen Punkt. Aber vielleicht muss erst alles schlimmer werden, bevor es besser wird.

Vielen Dank für das Gespräch! 
Birgit Kelle wurde 1975 in Siebenbürgen geboren. Sie absolvierte ein redaktionelles Volontariat beim Badischen Verlag in Freiburg. Heute schreibt sie Kolumnen für verschiedene Magazine, ist Vorsitzende des Vereins "€žFrau 2000plus" sowie Vorstandsmitglied des Familien-Dachverbandes "€žNew Women for Europe"€œ mit Beraterstatus am Europäischen Parlament. Kelle lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in der Nähe von Düsseldorf.
(Quelle: Christliches Medienmagazin pro | www.pro-medienmagazin.de" pro erscheint sechsmal jährlich kostenfrei, Bestellung unter pro.medienmagazin.de (http://www.pro-medienmagazin.de/pro_bestellen.html)
Der Erfolg der Gender-Theorie ist vor allem ein politischer. 1985 diskutierten Delegierte auf der Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen (UN) erstmals den Begriff 
"Gender-Mainstreaming". Auf der Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking wurde er zum offiziellen politischen Programm. Von den UN aus sickerte der Begriff auch in die unteren Ebenen, die Europäische Union (EU) und nach Deutschland. Gender-Mainstreaming ist in der EU und der Bundesrepublik offizielles Programm. "To mainstream" bedeutet in diesem Zusammenhang "berücksichtigen" oder "einbinden". Auf allen gesellschaftlichen Ebenen sollen die Verantwortlichen darauf achten, dass es unterschiedliche Geschlechter gibt, die ihre eigenen Bedürfnisse haben. Das Ziel: Gleichberechtigung. Das klingt zunächst wie ein Anliegen, das jeder vertreten kann.

Doch hinter dem Begriff steckt mehr. Warum steht in den UN-Dokumenten zum Beispiel nicht "Sex-Mainstreaming", was sich auf das biologische Geschlecht beziehen würde? Genau genommen handelt es sich dabei um einen der größten Erfolge, den Lobbyisten in den letzten Jahrzehnten erzielen konnten. Denn mit "Gender" hatten sie der Politik ein Wort untergejubelt, das sie selbst mit Inhalt füllen konnten: Nicht die Biologie und die Erziehung prägen die Geschlechterrollen, sondern nur die Erziehung. Die wenigsten Teilnehmer der Weltfrauenkonferenz dürften sich darüber im Klaren gewesen sein. Sie wollten sich einfach für die Frauen einsetzen, die unter schlimmsten Diskriminierungen litten. Es ist verständlich, dass Vokabeln egal sind, wenn die Frauen im eigenen Land nicht studieren dürfen, sexuelle Belästigungen ertragen müssen und als weniger wertvoll gelten als der Mann. Wer groߟen Durst hat, kümmert sich nicht darum, was auf der Flasche steht.

So geht es offenbar auch den meisten EU-Abgeordneten. "Vielleicht fünf Prozent" würden die Gender-Theorie vertreten, die restlichen „schauen einen mit großen Augen an", wenn sie erführen, wofür sie gerade wirklich abgestimmt hätten, berichtet ein Insider. Die, die es wüssten, würden es absichtlich verschweigen und die anderen „ins Messer laufen lassen“. Die Kommission würde das Wort "Gender" nur benutzen, weil das jeder tue. In der deutschen Politik ist es ähnlich. Die "Welt am Sonntag" befragte 2009 die Familienministerin Kristina Schröder - damals noch Köhler - zu Gender-Mainstreaming. Sie antwortete, zwar solle der Staat alle Hürden für eine junge Frau aus dem Weg räumen, wenn sie Elektrotechnik studieren wolle. "Aber der Staat sollte nicht zwanghaft versuchen zu erreichen, dass 50 Prozent der Elektrotechnikstudenten weiblich sind."€œ Doch genau das wäre die Konsequenz aus der Gender-Theorie: Wenn es keine biologisch begründeten Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt, dann werden sie auch alle dieselben Interessen und Wünsche haben. Ansonsten stünde der echten Gleichheit noch etwas im Weg. Doch offenbar sind sich nur wenige Politiker darüber im Klaren.


"Junge oder Mädchen - du weißt es einfach"

FAZ-Autor Volker Zastrow hatte schon 2006 vor den fragwürdigen Voraussetzungen der "politischen Geschlechtsumwandlung" gewarnt, wie er Gender-Mainstreaming in einem Artikel und einem darauf folgenden Buch bezeichnete. Der Spiegel-Journalist René Pfister stimmte mit ein. Gender-Mainstreaming wolle „nicht nur die Lage der Menschen ändern, sondern die Menschen selbst". Die Reaktionen darauf bestätigten aber nur die kritischen Ansichten Zastrows und Pfisters. So schreibt Ulrike Frobäse in dem Gender-Buch "Nie wieder Sex", dass "menschliche Identität schon immer "hergestellt" worden sei. Die beiden Journalisten wollten nur verhindern, dass jetzt auch Frauen und transsexuelle Menschen das Geschlecht formen würden; sie fühlten sich "in ihrer Identität als alleinige Wächter menschlicher und männlicher Norm" bedroht.
David Reimer haben solche Theorien jedenfalls nicht geholfen. "Ich bin kein Professor. Aber du wachst nicht eines Morgens auf und entscheidest dich, ein Junge oder ein Mädchen zu sein - du weißt es einfach", hat er einst gesagt.

Warum sollten wir uns überhaupt mit "Gender Mainstreaming" beschäftigen? Was geht uns das an?

"Gender Mainstreaming" wird immer mehr in öffentlichen Behörden als allgemein verbindliche Richtlinie eingeführt und findet offensichtlich auch in der EU-weiten Gesetzgebung Einfluss. Mit dem Ergebnis, dass man sich unter Umständen schon bald strafbar macht, wenn man gegen diese Richtlinien verstößt. "Gender Mainstreaming" geht noch weit über hinlänglich bekannte Antidiskriminierungsgesetze hinaus, da es auch eine völlig neue Definition der Geschlechterrollen beinhaltet. Eine Definition, die erheblich von dem abweicht, was viele gläubige Christinnen und Christen als biblische Standards vertreten.
Vieles, was uns im Zuge von "Gender Mainstreaming" angeboten wird, scheint auf den ersten Blick als ganz in Ordnung - und wir denken durchaus, dass Menschen, die diese Theorie vertreten, durchaus der festen Überzeugung sind, sie tun damit etwas Gutes für Männer und Frauen. Für die gesamte Menschheit sozusagen.
Man denkt vielleicht, man bietet Kindern und Jugendlichen eine besonders fortschrittliche und gerechte Form der Erziehung, wenn man ihnen erzählt, im Grunde unterscheide Jungs und Mädchen nichts. Beide seien gleich und eine feste Geschlechterrolle gebe es nicht.
Was uns dabei zu denken gibt, ist, mit welcher Konsequenz im selben Atemzug andere Meinungen und Glaubensüberzeugungen ausgeklammert und vielleicht bald sogar radikalisiert und kriminalisiert werden. Es wird Menschen, die hier eine andere Auffassung vertreten, schwer bis unmöglich gemacht, diese auch weiterhin offen zu verkünden - geschweige denn an unsere Kinder weiter zu geben.
"Gender Mainstreaming" soll ein Mittel zu echter Gleichberechtigung von Mann und Frau sein. Unserer Meinung nach ist etwas, dass die Grenzen von Mann und Frau verwischt oder gar aufhebt und derart vom biblischen Menschenbild abweicht, nicht vertretbar. Ganz zu schweigen von den Konsequenzen, die das nach sich ziehen kann - ob nun beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Wir denken nicht, dass es Aufgabe des Staates sein kann, Geschlechterrollen neu zu definieren. Und um bestehende Ungerechtigkeiten hinsichtlich der Rechte von Männern und Frauen zu beseitigen, gibt es bestimmt andere und weitaus bessere Mittel.Wenn es aber darum geht, bereits Kindern und Jugendlichen eine derartige Auffassung einzuimpfen, haben wir allerdings schon etwas dagegen.
Es scheint immer mehr um sich zu greifen, dass nicht mehr die Eltern bestimmen dürfen, welche Moralvorstellungen und welche Glaubenswerte sie ihren Kindern vermitteln möchten, sondern der Staat dies übernimmt. Mit welchem Recht? Wir denken nicht, dass dies dem Wohl unserer Kinder dient oder gar der Gleichberechtigung von Mann und Frau.
Manche möchten uns sogar einreden, dass uns das heterosexuelle biblische Menschenbild nur aufgezwungen wurde. Als Christinnen und Christen wissen wir jedoch, dass unser Vater uns liebt. Er, der uns erschaffen hat, dürfte wohl besser wissen als Professor XY, was gut und richtig und wahr für uns ist!

Erschreckend auch, dass es bereits Kindergärten gibt, in denen diese Ideologie Einzug findet.
Erschreckend weiterhin, dass für die Umsetzung des "Gender Mainstreaming" Unsummen an Geld ausgegeben werden. Wir denken, dass diese finanziellen Mittel weitaus besser eingesetzt werden könnten.
Außerdem glauben wir nicht, dass es Aufgabe des Staates ist, sich derart in das Privatleben seiner Bürgerinnen und Bürger einzumischen.
An der momentanen Regierung sind auch CDU und CSU beteiligt. Beide tragen das "C" für "christlich" in ihrem Namen.
Ich fordere die Politikerinnen und Politiker auf, sich wieder darauf zu besinnen und für ein christliches Bild von Mann und Frau einzutreten.

Was heißt das eigentlich - "Diversity"?

Es klingt ja erstmal wunderbar. "Verschiedenheit". Und mittlerweile bekennen sich viele Betriebe zu diesem Leitsatz der "Diversity".
Was heißt das nun, wenn man sich der "Diversity" verschreibt - wenn man sie im Betrieb akzeptiert?
Will man hiermit Menschen aus anderen Ländern unterstützen? Oder Männer und Frauen in gleicher Weise? Verschiedene Kulturen oder Religionen? Menschen mit langen oder kurzen Nasen?
Wenn man jedoch einen Blick auf die heutige Gesellschaft wirft - vor allem auch die Geschäftswelt - sieht man, dass das Wort "Diversity" vor allem in der Bedeutung verwendet wird, die eine völlige Akzeptanz von Homosexualität einschließt. Der Ausdruck klingt nicht aggressiv und wird oft als anderes Wort (eine Art "Code") für "Homosexualität" verwendet. So wird das, was man mit dem Wort "Diversity" eigentlich sagen will, geschickt verschleiert (wenn vielleicht die Absicht derjenigen, die das tun, nicht unbedingt schlecht sein muss. Manche mögen sich dessen auch gar nicht bewusst sein).
"Diversity" - wer würde das nicht sofort unterschreiben? Höchstens altmodische, radikale, verklemmte, oder engstirnige Menschen. Menschen voller Hass und Menschen mit wenig Hirn. Die Art von Menschen, die auch Hexen verbrennen würden (vergleiche auch die "Human Rights Campaign!). Alle anderen würden aber "Diversity" unterstützen.
Wenn man das Ganze aber anders - mit eindeutig homosexuellem Hintergrund - ausdrücken würde, ergäbe sich wohl eine andere Antwort.
"Diversity" steht also meist für alle möglichen Arten von Homosexualität - wie wir sie heute in der Gesellschaft vorfinden und wie sie sich in verschiedenster Art und Weise darstellt.
Eine Akzeptanz von "Diversity" heißt also meist nichts anderes als eine Akzeptanz von Homosexualität in all ihren Ausdrucksformen.
Dies sollte man also immer im Hinterkopf haben, wenn im Betrieb, in der Schule oder sonstwo "Diversity" propagiert wird.
Ein Beispiel unter vielen:
Als am 27. August 2005 zum ersten Mal britische Soldaten an einer Gay Pride Parade in Manchester teilnahmen, brachte dies zum Ausdruck, "dass die Armee Veränderung akzeptiert und sehr fortschrittlich und aufgeschlossen ist, was die Akzeptanz von Diversity betrifft, und damit ein höheres Level an Toleranz zeigt".
Das Problem dabei: im Gegensatz zur Nationalität etwa ist bei der Homosexualität - unabhängig von deren Ursachen - doch ein gewisses Maß an freier Entscheidung möglich (zumindest was das Ausleben der Neigungen betrifft). Man darf sich schon fragen, wie es so weit kommen konnte, dass sexuelle Vorlieben oder Orientierungen hier Einzug gehalten haben und Teil des "politisch korrektem" geworden sind.
(Quelle: ICN Ministries: http://www.icnministries.org/resources/video.htm)
Forum Deutscher Katholiken
Der Kongress des "Forums Deutscher Katholiken" gibt zu den Thema "Christen müssen Europa gestalten" folgende Erklärung ab:

"Gender-Mainstreaming" löst die Geschlechtsidentität von Mann und Frau auf
"Gender-Mainstreaming" ist seit 1999 "Leitprinzip und Querschnittsaufgabe" der Bundesregierung Deutschland. Über diese verbindliche Zielvorgabe hat es weder eine öffentliche Debatte noch eine parlamentarische Entscheidung gegeben. Der Begriff "gender" ist den Wählern so gut wie unbekannt.
"Die Gender-Perspektive" behauptet, das "soziale Geschlecht" (gender) sei unabhängig vom biologischen Geschlecht. Es gehöre zur Freiheit des Menschen, sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung zu wählen, also selbst zu bestimmen, ob er Mann oder Frau sein und hetero-, homo-, bi- oder transsexuell leben wolle. Unter dem Deckmantel der "Gleichstellungspolitik" wird die Geschlechtsidentität von Mann und Frau aufgelöst. Das Fach "Gender-Studies" wird an fast allen Universitäten gelehrt und zunehmend zum Pflichtfach für alle Studiengänge. Die Gender-Ideologie ist bereits in die Lehrpläne der Schulen und Kindergärten eingedrungen. Ihr sozialrevolutionärer Kern ist die Sexualisierung der Kinder und Jugendlichen durch den staatlichen Sexualkundeunterricht.
Es handelt sich um eine kulturelle Revolution der internationalen Homo- und Lesbenorganisationen zur Schaffung des neuen Gender-Menschen. Sie wird von der UN, der EU und dem Staat mit aller Macht durchgesetzt. Zunehmend wird Widerstand ausgeschaltet und international durch Antidiskriminierungsgesetze als "Homophobie" kriminalisiert. Gender-Mainstreaming steht in Widerspruch zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Biologie, Neurologie und Psychologie über die natürliche Geschlechtsdifferenz von Mann und Frau. Der Versuch des Staates, über Erziehung und Ausbildung die Geschlechtsidentität der Kinder und Jugendlichen zu verändern, ist ein illegitimer Missbrauch staatlicher Macht. Zu diesem Missbrauch gehört auch die strategische Veränderung der Sprache.



Gender-Mainstreaming
• zielt auf die Zerstörung der Familie an der Wurzel, denn die Familie beruht auf der Ergänzung von Mann und Frau in der Ehe und auf deren Bereitschaft, Kinder zu bekommen und sie als Vater und Mutter zu verantwortungsvollen und leistungsfähigen Menschen zu erziehen.
• ist eine schleichende Aushöhlung des Verfassungsauftrages, welcher den Staat zum besonderen Schutz von Ehe und Familie verpflichtet.
• richtet sich gegen die Frau, weil es das feministische, am Mann orientierte Frauenbild durchsetzt und die Mutter materiell und ideell entwertet.
• richtet sich gegen den Mann, weil es Mädchen und Frauen systematisch bevorzugt und dem Mann Autorität und Einfluss nimmt, indem es ihn verweiblichen will.
• richtet sich gegen das Kind, weil es die Abtreibung zum "Menschenrecht" erklärt und die Auflösung der Familie betreibt.
• ist die atheistische Ideologie unserer Zeit. Sie rebelliert gegen die Schöpfungsordnung und bekämpft das Christentum.
• beschleunigt die demographische Krise und den kulturellen Verfall.

Wir fordern jeden Bürger zum Widerstand gegen Gender-Mainstreaming auf, insbesondere gegen die Vermittlung im Sexualkundeunterricht.
Wir fordern die Politiker auf, statt Gender-Mainstreaming die reale Stärkung der Familie zum Leitprinzip und zur Querschnittsaufgabe der Politik zu machen, damit der kulturelle Niedergang und die demographische Krise langfristig überwunden werden können.
Wir fordern die Bischöfe auf, ihrer Hirtenpflicht nachzukommen und das Volk vor den Versuchen, einen neuen geschlechtsvariablen Menschen zu schaffen, zu schützen.
Fulda, am 13. September 2008
Forum Deutscher Katholiken
(Quelle:http://www.forum-deutscher-katholiken.de/index.php?item=declarations/decl-20080913-gender)
Hintergrund Gender Mainstreaming
Ein wesentlicher Faktor, der zur Entwicklung von Gender Mainstreaming beitrug, war der Feminismus. Gender Mainstreaming an sich ist keineswegs so neu, wie man glauben mag.
Schon 1985 stellte man auf der 3. Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Nairobi Gender Mainstreaming als politische Strategie vor. Einige Jahre später, 1999, verpflichtete dann der Amsterdamer Vertrag die EU-Mitgliedsstaaten rechtlich zur Umsetzung des Gender Mainstreaming im Sinne einer aktiven Gleichstellungspolitik.
Zunächst hört sich Gender Mainstreaming ja ganz gut an: man sollte Männer und Frauen nicht in traditionelle Geschlechterrollen zwängen, was etwa Familie und Beruf betrifft. Was aber heißt dieses "gleich" in "Gleichstellung" von Mann und Frau genau?
Verfechter von Gender Mainstreaming führen hier an, niemand solle aufgrund seines Geschlechts berufliche oder sonstige Nachteile erleiden müssen. So weit, so gut - das ist eine legitime Sache. Heißt diesses "gleich" nun aber lediglich, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte und Chancen haben sollen, oder dass sie wesensgleich sind? Gerade radikale Feministinnen argumentieren hier, dass eine wirkliche Freiheit nur dann erreicht wird, wenn auch Gleichheit im Geschlecht besteht und Unterschiede hier beseitigt werden (zumindest so, dass sie nicht mehr erkennbar sind). Ein bioligischer Unterschied zwischen Mann und Frau wird hier als konstruiert gesehen.
Christen sehen dass anders: Männer und Frauen sind sehr wohl gleich viel wert - sie sind aber nicht dasselbe! Männer und Frauen sind voneinander unterschiedlich - und dieser Unterschied ist von Gott gewollt und gut so. Er dient dem Besten von Mann, Frau und Kindern im Rahmen einer Familie und spiegelt den Bund wieder, den Gott mit uns Menschen eingegangen ist. So wie Christus sein Leben hingegeben hat für seine Braut, die Kirche, so soll ein Mann sich selbst in lebensspendender weise seiner Frau hingeben. Und so wie Christus das Haupt der Kirche ist, ist der Mann das Haupt der Familie. Er führt sie in bedingungsloser und selbstloser Liebe - und ebenso wie Christus würde er auch sein Leben für sie geben! Eine Ehe ist wie ein gemeinsamer Tanz - und wie bei einem Tanz kann nur einer führen - sonst gibt es blaue Zehen!
Verfechter des Gender-Mainstreaming sagen nun, ihnen würde es um Vielfalt gehen, nicht um eine Uniformität oder Gleichmacherei. Oder eine Polarität (Mann und Frau). Es gäbe eben verschiedene Formen von Männlichkeit und Weiblichkeit.
Das Problem hierbei - und hierauf hat Dr. Robert Lewis von www.mensfraternity.com zu Recht hingewiesen: Wenn Männer nicht mehr wissen, was es heißt, ein Mann zu sein, was einen Mann ausmacht, welche Rollen und Aufgaben er in Familie, Beruf, Gesellschaft und Kirche hat, dan sind Männer hinsichtlich ihrer Identität sehr verwirrt. Und verwirrte Männer können eine Menge Schaden anrichten - man vergleiche nur einmal die Zahl der Männer in unseren Gefängnissen mit der Zahl der Frauen!
Manch einer mag nun einwenden, dass es in Gal 3,28 doch heisse: " Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus." (Einheitsübersetzung) und somit eine klare Rollenverteilung für Christen nicht angebracht ist.
Derartige Interpretiationen von Bibelversen entstehen, wenn man Bibelverse isoliert und völlig aus dem Zusammenhang gerissen betrachtet. Leider begehen auch Theologen diesen Fehler oft. Liest man das Kapitel 2 des Galaterbriefes und die Verse vor 3,1-27, versteht man schnell, dass es hier nicht um das Rollenverständnis von Mann und Frau geht, sondern um Werke des Gesetzes (also etwa Beschneidung) im Gegensatz zur Taufe in Christus, durch die wir neue Menschen werden - unabhängig davon, ob wir nun Juden, Griechen, Männer oder Frauen sind. Als in Christus Getaufte sind wir gerechtfertigt und somit eins - Brüder und Schwestern. Das heißt aber keineswegs, dass der Unterschied von Männern und Frauen aufgehoben wurde! Jesus selbst hat männliche Apostel berufen. Die Apostel wiederum haben mehrmals klar auf den Unterschied von Mann und Frau hingewiesen, gleichzeitig die Männer auch aufgefordert, ihre Frauen zu lieben! Dies ist auch keineswegs ein kultureller Umstand, der nur zur damaligen Zet galt, sondern ein roter Faden, der sich über tausende von Jahren durch die ganze Bibel zieht - in unterschiedlichsten Kulturen!
Jesus selbst nahm auf die (Fang-)Frage hin, ob sich ein Mann unter bestimmten Voraussetzungen von einer Frau scheiden lassen darf, klar auf Genesis Bezug - auf den Idealzustand zu Beginn und Gottes Plan für Männer und Frauen! Er bestätigte diesen somit und schuf damit einen Standard für alle Ewigkeit!
Sehen wir uns diesen Jesus näher an: Er ist wesensgleich mit dem Vater (also gleich viel "wert") - ordnete sich diesem aber unter!
Männer und Frauen sind geich viel wert - aber sie sind nicht dasselbe. Und dieser Unterschied ist gut so!
(Quelle: u.a. Dr. Robert Lewis (www.mensfraternity.com). Adam Online - Emmerich Adam. Ausgezeichneter Artikel von einem ausgezeichneten Autor in einer ausgezeichneten Zeitung! http://www.adam-online-magazin.de/Artikelansicht.41.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=96&tx_ttnews[backPid]=9&cHash=9daf15ce2c)

Dient Gender Mainstreaming der Geschlechtergerechtigkeit?
Ich möchte nicht bestreiten, dass einzelne Menschen dies so sehen und anstreben; das ist aber - nur auf dem ersten Blick! - eine "Nebenwirkung" von Gender-Mainstreaming. Wie das Wort "Mainstreaming" schon sagt, soll hier das, was vorher verschieden war (Mann und Frau als gleichwertige, aber nicht gleichartige Menschen) zu einem "("main") "Strom" ("stream") zusammengeführt werden - mit dem Ziel, die (von Gott gewollte und für gut befundene!) Andersartigkeit der Geschlechter zugunsten eines von jedem selbst zu definierenden Etwas aufzuheben. Mit verheerenden Folgen, denn die Andersartigkeit entspricht - im Gegensatz zur Gleichartigkeit des Gender Mainstreaming - unserem innersten Wesen. Dies verändern zu wollen, kann nicht ohne dramatische Folgen für die Gesellschaft als solche geschehen - in psychischer, psychosomatischer, sozialer und spiritueller Hinsicht. Mit anderen Worten: Mann und Frau sind in den Augen Gottes gleich viel wert - aber nicht dasselbe. Diese Andersartigkeit ist nicht nur gut, sondern zum Erhalt einer gesunden Gesellschaft notwendig. Ein Aufheben derselben bringt nur insofern "Gerechtigkeit", als dies die Unterschiede der Geschlechter auszulöschen versucht, um so beiden die gleichen "Chancen" zu geben. Dies ist jedoch nichts Positives. Anstatt die beiden Geschlechter in ihrer Andersartigkeit anzuerkennen und wert zu schätzen, indem man genau diese Andersartigkeit positiv bewertet und fördert, wird versucht, gleichzumachen, was nicht gleich ist - oder etwas der Definition des Einzelnen zu überlassen, was individuell nicht definiert werden kann (etwa das Geschlecht). Dies führt nicht zu einer "Chancengleichheit" oder "Geschlechtergerechtigkeit", sondern ist von beiden Geschlechtern mit einem hohen Preis zu bezahlen.

Weg mit der gesellschaftlichen Trennung!

Bisher besteht ein Großteil der Organisation und Tätigkeit sozialer Einrichtungen darin, Angebote und Unterbringungsmöglichkeiten für körperlich wie psychisch Kranke oder Behinderte, Suchtkranke, Alte, Arme, Obdachlose, Kinder, Flüchtlinge usw. zu schaffen.
Kaum jemand scheint sich aber Gedanken darum zu machen, ob dies denn überhaupt sinnvoll oder gar richtig bzw. moralisch und/oder theologisch akzeptabel ist – selbst wenn die Betroffenen das „wollen“.
Mag sein, dass mich manch Einer an dieser Stelle als verrückt abstempelt. Damit kann ich gut leben.
Was wäre denn, wenn wir uns mal Gedanken darüber machen?
Wollen diese Menschen denn überhaupt gesellschaftlich getrennt werden (und oft läuft es darauf hinaus: Behindertenwerkstätten oder-wohnheime, Kindergärten, Altenheime, Obdachlosenheime, Flüchtlingsunterkünfte, Suchtkliniken, Therapieeinrichtungen usw.).
Warum sie nicht einfach integrieren – sei es im Arbeitsleben, im privaten Umfeld, in der Kirche oder sonstwo.
„Das versuchen wir doch, aber wenn es nicht anders geht…“, „Organisatorisch unmöglich!“, „Undenkbar“, „Wo kämen wir denn da hin?“, „Der spinnt doch!“ – all das mag durch die Köpfe der Angesprochenen gehen.
Warum aber nicht das Undenkbare denken und das Unmögliche angehen?
„Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich.“ (Matthäus 19,26 Einheitsübersetzung)
Unkonventionell denken, völlig neue Wege gehen, es einfach mal wagen – machte das nicht auch die ersten Christen aus?
Wer weiß, vielleicht würden sich Synergie-Effekte ergeben (die Summe der Einzelteile ist mehr als das Ganze!) und am Ende würden alle gewinnen?
„In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Anbieter pädagogischer Hilfen auf staatliche Vorgaben hin in kapitalistische Musterbetriebe umgewandelt. (…) Nichts ist wichtiger, als Umsätze zu steigern, Kapazitäten auszulasten, neue Märkte zu erschließen, Konkurrenten zu verdrängen und immer mehr Behinderte, die im neoliberalen Neusprech als "Kunden" oder "Nutzer" bezeichnet werden, für den geschlossenen Verwertungskreislauf von der Frühförderung bis zur Werkstatt, vom Behindertenheim bis hin zu den ambulanten Diensten und der anschließenden Pflege zu akquirieren. (…) Das rasante Wachstum der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) hat bislang jede Prognose übertroffen. (…). Die Träger expandieren, der Staat zahlt, und für arme Seelen, die in der exklusiven "Wissensgesellschaft" keinen Job finden, ist ein sicherer WfbM-Platz eine zunehmend interessante Alternative zu einem Leben mit Hartz IV. (…) Noch nicht einmal 1 Prozent ihrer Klienten können die Werkstätten auf den ersten Arbeitsmarkt vermitteln, obwohl dies ihr Auftrag ist. (…)
Im Wohnbereich sieht es kaum anders aus. (…) Fast 90 Prozent der Gelder fließen in stationäre Einrichtungen, während die ambulante Alltagsbegleitung zur billigen Discounthilfe abqualifiziert wird.
Allzu viel pädagogischer Einsatz könnte zu mehr Eigenständigkeit führen. Damit die Heimbewohner aber im Heim wohnen bleiben, wird auf pädagogisches Fachpersonal immer mehr verzichtet. (…)
Inklusion wäre das genaue Gegenteil: die soziale Aufhebung von Behinderung. Hierfür müssen die Träger aber erst noch staatlicherseits zum Umsteuern gezwungen werden. (…). Der dauerhafte Verbleib im Heim und in der WfbM darf sich nicht länger lohnen. (…) Arbeitgeber müssen gesetzlich ausnahmslos gezwungen werden, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen.“
(Quelle: Rainer Kreuzer in der taz vom 15.07.2011 http://www.taz.de/!74546/)

Prozesse und Abläufe 

“People say, what is the sense of our small effort? They cannot see that we must lay one brick at a time, take one step at a time. A pebble cast into a pond causes ripples that spread in all directions. Each one of our thoughts, words and deeds is like that. No one has a right to sit down and feel hopeless. There is too much work to do.”
― Dorothy Day

„Die organisatorischen und strukturellen Reformen sind sekundär, sie kommen danach. Die erste Reform muss die der Einstellung sein.“
(Papst Franziskus. Interview mit Antonio Spadaro SJ vom 21.09.2013)

Ich habe ja bereits beschrieben, wie und wo Änderungen von Nöten sind. Wir können und dürfen keine Kopie von weltlichen Unternehmen sein – die können das allemal besser als wir. Wir müssen anders sein, weil unser Auftrag – und unser Herr! – ein anderer ist. Wir können nicht mit den Mitteln der Welt unser Ziel erreichen, ohne dabei eine grobe Zielverfehlung in Kauf zu nehmen.
Ich habe in den vielen Jahren, in denen ich in diesem Bereich tätig bin, viele Neustrukturierungen hinsichtlich von Prozessen und Abläufen erleben dürfen. Alles hörte sich sehr wissenschaftlich an und hatte große Namen. Wen man dabei jedoch manchmal nicht gefragt hat, waren die, die es betrifft: die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die, für die und mit denen wir arbeiten. Und so haben wir eben all diese kostspieligen Verfahren durchlaufen, die uns in meinen Augen schon fast zu ersetzbaren Robotern machen: Wenn Fall A, dann tue dies, bei Fall B tue das…
Natürlich immer mit dem Argument, damit würde alles „schneller“, „besser“ und „strukturierter“. Das erinnert mich an die Zeiten, in denen es hieß, mit Emails würde alles schneller und einfacher gehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich jeder, der mit Computern zu tun hat, tot lacht angesichts einer solchen Aussage. Wo man früher seine Gedanken sammeln und nach Wichtigkeit ordnen musste und dann einen Brief schrieb oder anrief, schickt heute die ganze Welt nach Lust und Laune Emails – alles, was einem gerade so in den Kopf kommt. Das Ganze muss dann dokumentiert und bearbeitet werden und verursacht weitaus mehr Arbeit als je zuvor.
Wir brauchen keine Ablauf-Schemata, wie etwas zu tun ist, sondern kleinstmögliche Einheiten, die dies zusammen mit ihren Kunden erarbeiten. Einheiten, die dies schließlich am besten wissen müssen.
Oft schon habe ich mich nämlich gefragt, wie wir früher je überlebt haben und es fertiggebracht haben, wirtschaftlich und ergebnisorientiert zu arbeiten, ohne dass man uns erzählte, wie wir das zu strukturieren hätten.


Wie „positionieren“ wir uns auf dem Markt und wie „heben wir uns von anderen Anbietern ab“?

“Sorge dich nicht darum, ob du effektiv bist. Konzentriere dich einfach darauf, treu der Wahrheit gegenüber zu sein.”
Dorothy Day

„Heute meint man, dass wir alle wie alle sein müssen, dass wir normaler sein müssen, wie das alle tun, mit diesem pubertären Fortschrittsdenken.“ (Morgenmesse in Santa Marta, 18.11.2013)
„Die Weltlichkeit tut uns nicht gut. Es ist sehr traurig, wenn man einem Christen begegnet, der dem Geist der Welt verfallen ist und meint, die Sicherheit zu haben, die ihm der Glaube gibt, und auch die, die ihm die Welt gibt. Man kann nicht auf beiden Seiten zugleich agieren. Die Kirche – wir alle – müssen die Weltlichkeit ablegen, die zur Eitelkeit führt, zum Stolz, zum Götzendienst.“ (Begegnung mit den von der Caritas betreuten Armen in Assisi, 04.10.2013)
(Papst Franziskus)

Allein bei dieser Frage und Ausdrucksweise stellen sich mir die Haare auf.
Wir „positionieren“ uns nicht, schon gar nicht auf einem „Markt“ und wir müssen uns auch nicht von anderen „Anbietern“ [Konkurrenten] abheben – weil wir keine weltlichen Unternehmen sind und auch nie sein dürfen. Das ganze „ja, aber…“ das ich hier schon höre, kann man sich getrost schenken. Wenn wir einmal diesen Weg beschreiten und diese Mentalität annehmen, gibt es schlichtweg keinen Grund für unsere Existenz mehr und es wäre besser für alle Beteiligten – auf jeden Fall besser für den christlichen Glauben -, wenn wir sofort schließen.
Hat sich Mutter Theresa je überlegt, wie sie sich auf den Markt positionieren oder von Konkurrenten abheben muss? Mit Sicherheit nicht – und ihr gegenüber verblassen wir alle vor Ehrfurcht.
Hatte Mother Angelica solche Gedanken, als sie den weltweiten katholischen Fernsehsender EWTN ins Leben rief? Ganz im Gegenteil, sie machte sich zunächst nicht nur Freunde. Inzwischen ist EWTN ein Unternehmen, das in vielen Ländern sowie im Internet sehr aktiv ist und den katholischen Glauben lebensnah und voller Energie verbreitet.
Hatte Jesus selbst weltliche Strategien im Auge, als Er Seine Apostel beauftragte? Mitnichten.
Warum in aller Welt sollten wir das dann tun?


Ehrenamtliche

„Du kannst nichts für Dich selbst tun? Aber vielleicht kannst Du etwas für jemanden anderen tun.“
Ernest Hemingway

„Kraft der empfangenen Taufe ist jedes Mitglied des Gottesvolkes ein missionarischer Jünger geworden (vgl. Mt 28,19).“ (aus dem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ (2013), Nr. 120)
(Papst Franziskus)

Das Ehrenamt ist gleichzeit auch Frucht des gemeinsamen Priestertums aller Gläubigen:

„Christus der Herr, als Hoherpriester aus den Menschen genommen (vgl. Hebr 5,1–5), hat das neue Volk ‚zum Königreich und zu Priestern für Gott und seinen Vater gemacht‘ (vgl. Offb 1,6; 5,9–10). Durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen Geist werden die Getauften zu einem geistigen Bau und einem heiligen Priestertum geweiht, damit sie in allen Werken eines christlichen Menschen geistige Opfer darbringen und die Machttaten dessen verkünden, der sie aus der Finsternis in sein wunderbares Licht berufen hat (vgl. 1 Petr 2,4–10). So sollen alle Jünger Christi ausharren im Gebet und gemeinsam Gott loben (vgl. Apg 2,42–47) und sich als lebendige, heilige, Gott wohlgefällige Opfergabe darbringen (vgl. Röm 12,1); überall auf Erden sollen sie für Christus Zeugnis geben und allen, die es fordern, Rechenschaft ablegen von der Hoffnung auf das ewige Leben, die in ihnen ist (vgl. 1 Petr 3,15). Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen aber und das Priestertum des Dienstes, das heißt das hierarchische Priestertum, unterscheiden sich zwar dem Wesen und nicht bloß dem Grade nach. Dennoch sind sie einander zugeordnet: das eine wie das andere nämlich nimmt je auf besondere Weise am Priestertum Christi teil (16). Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran und leitet es; er vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar; die Gläubigen hingegen wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mit (17) und üben ihr Priestertum aus im Empfang der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe.“
II. Vatikanisches Konzil: Dogmatische Konstitution Lumen Gentium, Nr. 10


Wir bieten den Menschen mehr als nur eine ehrenamtliche Tätigkeit – und das ist unsere Stärke, das, was uns ausmacht und von anderen unterscheidet. Wir können und dürfen nicht eine unter vielen gemeinnützigen Organisationen sein. Genau deshalb sollten unser Glaube und die Werke der Liebe, die wir aufgrund ebendieses Glaubens verrichten, „Werbung“ genug sein. Mutter Theresa hatte es nie nötig, teure Werbekampagnen zur Anwerbung von Ehrenamtlichen ins Leben zu rufen. Sie überzeugte durch ihren Glauben an den lebendigen Gott und durch ihre bedingungslose und aufopferungsvolle Liebe zu denen, die sonst niemand haben wollte. Sollten wir sie uns nicht zum Beispiel nehmen?

Öffentlichkeitsarbeit

“Ich kann fast die Gesichter der Jünger vor mir sehen. „Nein, nicht die trinkt-mein-Blut Rede! Wir werden nieauf dieListe der am schnellsten wachsenden Bewegungen kommen, wenn Du sie weiterhin bittest, dich zu essen!”
David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream

Wer kennt sie nicht, diese “Bettelbriefe”, die Jahr für Jahr ungefragt in unseren Briefkästen landen? Fotos von Kindern, die uns mit großen Augen ansehen (ein zerlumpter Obdachloser würde wohl weniger spendenwirksam sein), „Geschenke“, die uns wohl ein Schuldgefühl geben sollen, wenn wir dafür nichts geben, herzzerreißende Geschichten, Worte wie „Engel“, „Weihnachten“, „Liebe“, „Vertrauen“, „Wunder“, „Not“, „Armut“, - nachgemachte händische Unterschriften – das Ganze mit einem „passenden“ Bibelspruch, damit das schlechte Gewissen noch größer und der eigene Anspruch göttlich unterlegt wird – das alles hat in meinen Augen wenig mit dem zu tun, wozu wir eigentlich gerufen sind. Eher im Gegenteil – es ist an Peinlichkeit kaum mehr zu übertreffen. Aber natürlich ist das alles gut gemeint. Der Weg zur Hölle ist gepflastert mit den besten Absichten.
Jesus hat in Hinsicht Öffentlichkeitsarbeit, Fundraising, Organisationsstruktur, Qualitätsmanagement, Ablaufplanung, Strategie und Corporate Identity wohl so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann: Er hat sich eine Handvoll einfacher Männer ausgesucht, Er hat die falschen Dinge zur falschen Zeit gesagt (siehe die „Drinkt-mein-Blut-und-esst-mein-Fleisch-Rede) oder getan (etwa die Händler aus dem Tempel getrieben, sich mit Prostituierten abgegeben und mit denen, die Rang und Namen haben angelegt), Er hat sich nichts gekümmert um Seine öffentliche Wirkung oder ob den Menschen das gefällt, was Er zu sagen hat. Er hat weltlichen Besitz abgelehnt und war selbst „obdachlos“ („Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Matthäus 8,20 Einheitsübersetzung). Er hat sich wie ein gemeiner Dieb ans Kreuz schlagen lassen und hat mit so ziemlich allen gesellschaftlichen und religiösen Regeln und Gepflogenheiten Seiner – und unserer? – Zeit gebrochen. Seht was Er daraus geschaffen hat – eine Kirche, einen Leib, der bis zum Ende aller Zeiten Bestand haben wird. Gerade dadurch, dass Er mit den Mitteln und Strategien der Welt gebrochen hat, hat Er das geschaffen, was nicht von dieser Welt ist. Sollten wir hier nicht Seinem Beispiel folgen? Wenn ja, wie soll das aussehen?
Nun, zunächst müssen wir authentisch sein. Wir können nur das „verkaufen“, was wir selbst leben – als Einzelpersonen wie als Organisation. Wenn wir nur eine andere Version eines Produktes sind, das es so oder gar noch besser auf dem öffentlichen Markt gibt, erfüllen wir nicht Jesu‘ Auftrag und versagen somit als christliche Organisation.


Als ergebnis-orientierter und praktisch veranlagter Mensch kann ich aber mit konkreten Beispielen und Vorschlägen mehr anfangen als mit einem abgehoben-theoretischen Überbau, deshalb hier ein kurzes Brainstorming:

Theologisch:
• Gemeinsame Bibelgruppen und Katechesen in der Arbeit.
• Ausweitung der theologischen Angebote (weg von reinem „christlichen Wellness“ hin zu fundierter Wissensvermittlung – theoretisch wie praktisch. Ich kann nur das wirklich lieben, was ich kenne und wenn ich selbst nicht weiß, was die Katholische Kirche lehrt und warum, kann ich es weder praktisch noch theoretisch in Wort und Tat weiter geben).
• Spirituelle Gemeinschaft nicht nur untereinander in der Arbeit, sondern auch und vor allem mit denen, die in Not sind und denen wir dienen.
• Eine christliche Organisation, der es egal ist, wie ihre eigenen Glieder privat leben, solange sie nur Kirchensteuer zahlen und „offizielles“ Kirchenglied sind, kann auf dauer keinen – spirituellen – Bestand haben. Deshalb muss hierauf ein besonderes Augenmerk gelegt werden und bei Bedarf helfend, unterstützend, aber nötigenfalls auch korrigierend, ermahnend und als letztes Mittel auch bestrafend einzugreifen – auch und gerade im Sinne der Betroffenen. Wahre Liebe muss stark genug sein, um jemanden auch die Wahrheit zu sagen und Ermahnung bis hin zur Bestrafung hat als letzten Sinn ja die zu erhoffende Einsicht des Betroffenen. Eine christliche Organisation jedoch, die es zulässt, dass sich Unchristliches in den eigenen Reihen verbreitet, wird zum Gegenteil dessen, als das sie angetreten ist.

Organisatorisch:
• Fragen wir doch mal unsere „Kundschaft“, was ihnen am besten hilft!
• Ermutigen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu neuen Ideen und belohnen diese auch!
• Zusammenarbeit mit „BISS“

Praktisch:
• Wie wäre es, wenn wir nicht nur „für“ die Notleidenden arbeiten, sondern „mit“ ihnen und die Gemeinschaft mit ihnen so oft wie möglich suchen?
• Wie wäre es, wenn wir Armen und Obdachlosen unsere Betriebskantine und unsere Betriebs-Kapelle öffnen und mit ihnen essen und beten?
• Wie wäre es, wenn wir unsere eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermutigen, zusammen mit Armen, Obdachlosen, Behinderten, Alten, „schwer Erziehbaren“ usw. zu leben?


Öffentlichkeitsarbeit:
• Manchmal hat man den Eindruck, moderne Kommunikationsmittel sind kirchlichen Einrichtungen spurlos vorüber gegangen. In Sachen Social Media jedenfalls hinken so einige der Realität weit hinterher. Hier ist eine Aktualisierung dringend erforderlich.
• Anstatt „private“christliche Organisationen bzw. Individuen einfach nur als „radikal“. „fundamentalistisch“ oder „verrückt“ abzustempeln oder wie gehabt komplett zu ignorieren, sollte man sich vielleicht mit ihnen verbünden. Im Grunde tun sie nur die Arbeit, die eigentlich die Kirche tun sollte und verdienen dabei viel Lob und Respekt.
• Auch mit Christinnen und Christen anderer Konfessionen sollten konkrete Zusammenarbeiten laufen. Das Rad muss nicht zweimal erfunden werden.
• Öffentlichkeitskampagnen wie etwa die vom BISS-Magazin (wo sich Prominente für BISS ablichten lassen)

Fundraising:
• Jesus ist nicht von Tür zu Tür gelaufen oder hat „Profis“ beauftragt, Spenden einzutreiben. Es ist nicht falsch, Geld anzunehmen, mit zweifelhaften Mitteln darum zu betteln ist es sehr wohl.
• Wir überzeugen Menschen am ehesten durch das, was wir tun. Nicht mit reißerischen Briefen, sondern durch ganz andere Zeugnisse: Möglicherweise kurze Einblicke in unsere Arbeit auf YouTube, Zeugnisse von Betroffenen, öffentliche Aktionen, Leben für und mit den Notleidenden…
• Bestes Beispiel: Mutter Theresa. Sie hatte es nicht nötig, Fundraiser anzustellen. Sie überzeugte durch das, was sie war, tat und sagte. Einfach so.


Wir müssen unbedingt wegkommen von den Strategien und Zielen weltlicher Organisationen. Gerade in christlichen Verbänden herrscht manchmal eine panische Angst davor, irgendjemand auf den Schlips zu treten oder negative Schlagzeilen zu machen.
Unser Herr jedoch ist nicht von dieser Welt. Wir dienen Ihm und Ihm alleine. Wenn wir damit andere verärgern, dann soll es so sein. Wovor haben wir denn so große Angst? Vor einigen Spendern, die wegfallen? Vor negativer Berichterstattung in der Presse?
„Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt. Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten.“
(Johannes 15,18-20 Einheitsübersetzung)

"Denn wer sich vor dieser treulosen und sündigen Generation meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er mit den heiligen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommt."
(Markus 8,38 Einheitsübersetzung)
"So werden alle, die in der Gemeinschaft mit Christus Jesus ein frommes Leben führen wollen, verfolgt werden."
(2. Timotheus 3,12 Einheitsübersetzung)
"Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen."
(Apostelgeschichte 14,22 Einheitsübersetzung)

Es kommt nicht von ungefähr, dass das Christentum mittlerweile die am meisten verfolgte Religion weltweit ist!

Gerade im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit sind wir gerufen, die Stimme Gottes in der Welt zu sein! Genug der weichgespülten Predigten und Veröffentlichungen, mit denen jeder leben kann und von denen niemand etwas hat!

"Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien."
(Offenbarung 3,16 Einheitsübersetzung)

Fundraising

Wir alle kennen sie – christliche Einrichtungen, die um Geld betteln und dabei mehr oder weniger ausgefeilte Methoden der Öffentlichkeitsarbeit und moderner Medien benutzen. Da werden einem große Kinderaugen präsentiert, herzzerreißende Geschichten sollen Mitleid erwecken und irgendwelche billigen “Geschenke” wohl Schuldgefühle, wenn man nicht im Gegenzug dafür spendet.
Irgendetwas falsch daran? Oh ja, eine ganze Menge. Abgesehen davon, dass wir nicht Bilder von dramatischen Situationen für Fundraising-zwecke missbrauchen sollten, vergessen wir dabei, wofür wir als christliche Einrichtungen eigentlich ursprünglich hier sind und was das Zentrum unserer Aufmerksamkeit sein sollte – und was nicht.
Ist es also falsch, wenn christliche Einrichtungen Geld annehmen? Nicht unbedingt – zu Betteln ist es aber sehr wohl.
Wie das denn? Nun, sehen wir uns Jesus und die Abostel an. Ja, wenn ihnen etwas angeboten wurde, nahmen sie es an, aber sie gingen nicht von Haus zu Haus und erzählten den Menschen Geschichten ihrer verfolgten und inhaftierten Jünger um sie dazu zu bekommen, einige Münzen zu spenden.


Almost all of the apostles knew some trade – and most likely used it. So can we. We can use simple methods to meet our daily needs and teach others how to do that. Example: Dr. Douglas McIntyre serves as a missionary in Uganda right now. Among others, they lack electricity there. So instead of begging others for money, he learned how to build a simple wind generator by using a barrel – and he taught others how to do that so they don’t have to beg either.
Whatever ministry you are having: Accept what is offered to you, but don’t send out emails asking people to give you money and don’t organize events with the sole purpose to raise cash.
That stinks.
As Christians, our purpose is to fulfill the Great Commission and the Great Commandment: leave everything behind, take up our cross daily, love the Lord with all of our hearts; go out, baptize people and make them disciples – and love everyone in word and deed (like by feeding them or teaching them how to get food). The apostles did not care whether or not they received donations. They lived a very simple life – even for the times back then – and look what they did with that.
So can we: Cut it down to the basics. You don’t need to act like a worldly company. We have a love burning within us that is beyond anything the world could possibly offer. We do not share that burning love by raising huge ministries who make millions of dollars, but by loving them, living with them, being there for them and make Jesus become present in us.
Go out and become a true disciple before you call others to. Leave the world behind – and with it worldly methods – and become more like Christ. Jesus did not start a fundraising campaign among the Jews or the gentiles either: He owned nothing and asked for nothing. He taught us to become the lowest of the lowest.
Think back of Mother Theresa. I cannot remember ever having heard from her she wanted money. And yet she saved so many lives – and souls!
We should do no less.

“Der Mensch, der mit einem Lächeln gibt, ist der beste Spender, weil Gott einen fröhlichen Spender liebt.”
Mother Teresa




Transparenz

Hier möchte ich nur ein Beispiel anführen: Der Passauer Bischof lebt in einer Wohngemeinschaft und hat kürlich ein Fernsehteam durch seine Wohnung geführt. DAS ist Transparenz.

Caritative Organisationen als Trägerverband
Auch hier nur ein kurzer Hinweis: Wir sollten weitaus mehr und weitaus unterschiedlichere Einrichtungen unter unserem Dach vereinen, als dies bisher der Fall war. Hierfür bedarf es aber eines völlig neuen und unvoreingenommenen Denkens.

www.homosexuals-anonymous.com
http://jason-online.webs.com





Kommunikation und Partizipation 


„Wenn Menschen reden, höre ihnen zu. Die meisten Menschen hören niemals zu.“
„Der beste Weg herauszufinden ob du jemand vertrauen kannst, ist ihm zu vertrauen.“
Ernest Hemingway

„Man verliert eine Generation nicht, weil man sie nicht gut unterhalten hat, sondern weil man sie nicht herausgefordert hat, das zu tun, was Jesus gesagt hat.“
Shane Claiborne

Man kommuniziert nicht, indem man treu-deutsch und mit einer Beamten-Mentalität vorgegebene Dienstwege einhält. Wir müssen neue Wege der Kommunikation und Partizipation (Teilnahme und Teilhabe) entwickeln.
Vorschläge:
• Kommunikation sollte jederzeit mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ohne Rücksicht auf deren „Rang“ möglich sein und ermutigt werden.
• Wir sollten uns regelmäßig Rückmeldungen holen – von unseren eigenen Kolleginnen und Kollegen wie von denen, für die wir tätig sind.
• Auch mit ähnlichen Organisationen sollte es auf allen Ebenen einen lebendigen Austauch in Wort und Tat – inklusiv gegenseitigen Besuchen und Einsätzen geben.
• Wir sollten nicht nur für eine christliche Organisation arbeiten, sondern eine christliche Organisation sein. Dies muss sich aber auch in den zu treffenden Entscheidungen wiederfinden. Wir entscheiden gemeinsam, sind gemeinsam verantwortlich und stehen gemeinsam für unsere Organisation ein – und dies nicht nur während der Arbeitszeit.


Personalentwicklung/Personalgewinnung/Fort- und Weiterbildung

Wie gewinnen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Nun, auf dem regulären Arbeitsmarkt, mag manch einer antworten. Durch gezielte Aktionen, etwa im Ausland (Pflegekräfte). Oder indem wir sie selbst ausbilden.
An all dem ist natürlich etwas dran. Und doch – was unterscheidet uns hierbei von irgendeinem weltlichen Unternehmen? Wenn man sich überlegt, dass es Ziel und Zweck der bei uns Beschäftigten ist, Jesus Christus für Notleidende zu sein, darf es uns nicht nur darum gehen, weltliche Qualifikationen zu vermitteln oder abzufragen. Bei allem, was wir tun, sollten wir dieses Ziel im Auge haben. Wir bilden etwa nicht nur Kaufleute für Bürokommunikation aus, wir bilden sie auch in einer christlichen Organisation aus. Hier sollten die Lehrlinge dann auch ermutigt werden, spirituelle Angebote (wie Exerzitien, Fort- und Weiterbildung, geistliche Begleitung…) wahrzunehmen.
Auch im Bereich Fort- und Weiterbildung an sich sollten wir uns noch weitaus mehr auf unsere Berufung konzentrieren. Allzu oft unterscheiden wir uns nicht von säkularen Instituten dieser Art. Hier ist die Kreativität der Beschäftigten und die Rückmeldung von Interessierten sowie die enge Kooperation mit anderen Organisationen – auch und vor allem die, mit denen wir bisher nichts zu tun hatten – gefragt.
Was spirituelle Angebote angeht, so haben wir hier auch Aufholbedarf. Hier darf unser ziel nicht sein, eine Art christliches Wellness-Programm zusammenzustellen, das es unseren Kolleginnen und Kollegen (sowie allen anderen Interessierten!) „gut geht“. Es ist nicht Sinn und Zweck des Christentums, sich „gut zu fühlen“. Körper, Geist und Seele bilden eine Einheit und wollen als solche gestärkt werden. „Resilienz“ in diesem Zusammenhang ist nicht nur die psychische, sondern auch die körperliche und spirituelle Widerstandskraft. Hierfür aber bedarf es substantiell hochwertiger Programme: Bibelkreise, geistliche Begleitung, Ermutigung und Angebot theologischer Katechese und Fortbildung, Pilgern, Sport- und Freizeitangebote, gemeinsame private Ausflüge (Bergsteigen, Wandern…), Gymnastik, Sport, Angebote christlicher Seelsorge-Organisationen usw.
www.breath-of-life.org


Wahre Jüngerschaft

„Die Kirche ist gut darin, Menschen zum Glauben zu bringen – aber nicht gut darin, Menschen zu Nachfolgern zu machen.“
Shane Claiborne

Wer Christ ist, muss ein klares Verständnis von Jüngerschaft haben, was es also heisst, Jesus Christus nachzufolgen. Anonsten ist der eigene Glaube und ein Sammelsurium aus einem spirituellen Buffet auf Basis eines moralischen Relativismus, bei dem jeder selbst bestimmt, was gut, richtig, wahrhaftig und moralisch ist. Der Tod jeder Gesellschaft.

Was ist ein Jünger?

Kurz gesagt ein Schüler oder ganz einfach jemand, der dem Beispiel eines Lehrers folgt und sich dessen Lehren zueigen macht.

Jünger gab es auch schon im Alten Testament, wo sie Propheten gefolgt sind:
“Ich will diese Warnung sorgfältig bewahren und die Lehre in meinen Jüngern wie mit einem Siegel verschließen.” (Jes 8,16 – Einheitsübersetzung)
Auch in 2 Kön 2,7 lesen wir von “Prophetenjüngern”.
In ähnlichem Sinn sind auch Verse wie Sprichwörter 4,1 (Einheitsübersetzung) zu verstehen:
“Ihr Söhne, hört auf die Mahnung des Vaters, merkt auf, damit ihr Einsicht lernt.”

Wenn wir ins Neue Testament sehen, so hatte zum Beispiel Johannes der Täufer Jünger:
“Am Tag darauf stand Johannes wieder dort und zwei seiner Jünger standen bei ihm.” (Joh 1,35 – Einheitsübersetzung)

Aber auch die Pharisäer hatten Jünger:

“Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen…” (Mt 22,16 – Einheitsübersetzug)
Die Phaerisäer wiederum nannten sich Jünger des Moses:
“wir aber sind Jünger des Mose” (Joh 9,28 – Einheitsübersetzung)
Meist jedoch wird mit dem Wort “Jünger” im Neuen Testament ein Nachfolger Jesu Christi bezeichnet. Dies kann etwa ganz allgemein gehalten sein:
“In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm…” (Apg 6,1 – Einheitsübersetzung)

Oder aber bezogen auf einen der zwölf Apostel:

“Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.” (Mt 10,1 – Einheitsübersetzung)
“Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.” (Mk 16,15-18 – Einheitsübersetzung)

Mit “Jünger” koennen aber die 72 Ausgesendeten bezeichnet werden:

“Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.” (Lk 10,1 – Einheitsübersetzung)

In der Apostelgeschichte wird mit “Jünger” jeder Gläubige – Mann oder Frau – bezeichnet.
Zumeist finden wir den Begriff “Jünger” in den Evangelien und der Apostelgeschichte und zumeist bezeichnet er die zwölf Apostel. Paulus etwa war ein solcher Juenger: Er haette ein respektierter Rabbi werden können, dies sah er aber als wertlos an, verglichen mit der Nachfolge Jesu Christi. Er nahm das Kreuz auf sich und ertrug bereitwillig Verfolgung, körperliche Gewalt und schließlich sogar den Märtyrertod. Er war der Schüler des berühmtesten Rabbis aller Zeiten – Gamaliel – und hätte mit seinem Talent Ruhm und Geld bekommen können. Stattdessen verzichtete er auf Reichtum und predigte lieber das Evangelium. Im Gegensatz zu so manchen heutigen Fernsehprediger vermied er nicht die schwierigen und unbequemen Worte Jesu, auch und gerade, was Sünde anging, sondern hörte, liebte und befolgte sie.


Jesus ist nach Seiner Auferstehung in eine besondere und direkte Beziehung mit Seinen Jüngern getreten: Er hat mit Ihnen gegessen und hat sich sogar von ihnen berühren lassen. Er ist die Mitte und ruft uns durch Sein Wort und Seine Zeichen. (KKK 542, 645)
Jesus hat Seine Jünger angehaucht und somit den Geist gespendet (vgl. Joh, 20,22). Die Sendung Christi und des Geistes wird somit zur Sendung der Kirche: “Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.” (Joh 20,21 – Einheitsübersetzung) (KKK 730). Der Heilige Geist wird bei und in den Jüngern sein und sie “in die ganze Wahrheit führen” (Joh 16,13 – Einheitsübersetzung). Der Heilige Geist wird zuerst von demütigen Menschen aufgenommen – so etwa von den ersten Jüngern (KKK 725).
“Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.” (1 Petr 2,21 – Einheitsübersetzung)
Jesus will diejenigen an Seinem Erlösungsopfer beteiligen, denen Sein Erlösungsopfer zuerst zugute kommt, vor allem etwa Seine Mutter (vgl. Lk 2,35). (KKK 618)
In Seinem Namen haben die Jünger Wunder gewirkt (vgl. Mk 16,17), da Gott Vater Ihnen alles gewaehrte, worum sie um Jesu Namen gebittet haben (vgl. Joh 15,16). (KKK 434).


Was bedeutete es nun aber, Jünger Jesu zu sein?

Es hat mal jemand gesagt, dass das Christentum bedeutet, zum Fuß des Kreuzes zu kommen. Jüngerschaft aber bedeutet, das Kreuz zu umfassen. Dafuer müssen wir Ihm aber unser ganzes Leben geben.
Jünger sein bedeutet auf jeden Fall weitaus mehr, als nur ein Schüler oder ein Anhänger zu sein. Damals ging es nicht darum, einem normalen Rabbi nachzufolgen – Jesus war weitaus mehr als das.
Er hatte nicht Theologie studiert und braucht auch keine Erlaubnis, um zu lehren:
“Die Juden wunderten sich und sagten: Wie kann der die Schrift verstehen, ohne dafür ausgebildet zu sein?” (Joh 7,15 – Einheitsübersetzung)
So wie Jesus lehrte, hatte noch nie jemand zuvor gelehrt:
“Als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der (göttliche) Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.” (Mt 7,28-29 – Einheitsübersetzung)
Jesu Jünger kamen nicht einfach nur zu Ihm, um belehrt oder unterrichtet zu werden. Er rief sie mit eigener Autoritaet zur Jüngerschaft:
“Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.” (Mt 4,19 – Einheitsübersetzung)
Auch in anderer Hinsicht unterschied sich die Jüngerschaft, zu der Jesus Seine Anhänger rief, von der Jüngerschaft anderer: Es ging hier nicht darum, dass Seine Jünger danach trachteten, eines Tages Jesus gleichgestellt zu sein, so wie dies etwa bei den Pharisäern der Fall war. Er war nicht einfach nur ein weiser und schlauer Lehrer, dem Seine Jünger andächtig lauschten. Jesus rief Seine Jünger zu einem völlig neuen Leben – und Er lebte ihnen dies selbst vor!
“Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?” (Mt 16,24-26 – Einheitsübersetzung)
“Wenn dich deine Hand zum Bösen verfuehrt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.” (Mk 9,43 – Einheitsübersetzung)
“Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.” (Mt 10,37-39 – Einheitsübersetzung)
Das ist eine harte Botschaft: Wir sollen Jesus mehr lieben als Vater und Mutter, wir sollen unser Kreuz auf uns nehmen, Ihm nachfolgen und all unsere Besitztümer aufgeben. Um in Sein Königreich zu kommen, bedarf es einer schweren und folgenreichen Entscheidung unsererseits. Ein radikaler Ruf nach ebenso radikaler Nachfolge – selbst wenn der Preis hierfuer unser eigenes Leben ist! Ein Ruf zu wahrer Juengerschaft!
Viele Menschen heutzutage erkennen nicht, wie radikal und wie ernst gemeint dieser Ruf ist.
Wie war das aber nun: Einerseits sollen wir Vater und Mutter ehren – zumindest steht das so in den Zehn Geboten – andererseits sollen wir Jesus mehr als Vater und Mutter lieben, sie sogar für Ihn verlassen und Jesus auch dann nachfolgen, wenn das einen Keil in unsere Familien treibt! Widerspricht sich da die Bibel nicht? Ebenso sollen wir Ihn mehr als unsere Ehegattinnen und Ehegatten lieben – wie passt das alles zusammen?
Wir sollen Vater und Mutter gar “hassen” (in Lk 14,26 heisst es etwa in der Einheitsübersetzung: “Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.”)??
Um all dies zu verstehen, muessen wir uns auch bewusst sein, dass sowohl im damaligen Hebräischen wie im Aramäischen keine Komparative wie im Deutschen gebildet werden. Wenn wir also jemanden mehr als einen anderen lieben, wurde das damals so ausgedrückt, dass man den, der einem am wichtigsten ist, “liebt” – und jeden, der danach kommt, “hasst”.
Jesus sagte tatsächlich, dass es in unserem Leben nur eine absolute Priorität geben dürfe. Nur einer vierdiene absoluten Gehorsam und absolute Zuneigung: Gott.
Diese Verse sollen uns dazu bringen, unser eingenes Gewissen zu erforschen: Lieben wir Ihn wirklich mehr als alles und alle anderen? Lieben wir Ihn mit ganzem Herzen, Geist und Verstand? Mit allem was wir haben? Jesus kann nicht einfach nur ein Teil unseres Lebens sein, eine Art Zutat zum Hauptgericht. Er muss das sein, was Er ist: Gott.
Wie oft haben wir uns entschuldigt, wenn es darum ging, Verantwortung in der Gemeinde zu uebernehmen, an Veranstaltungen teilzunehmen, aktiv unseren Glauben im Rahmen der Evangelisation zu verkünden, anderen Menschen zu helfen – mit Ausreden wie “Ich habe keine Zeit”, “Ich muss arbeiten”, “Wir bekomen Besuch”, “Das Thema liegt mir nicht”, “Ich komme mit dem Priester nicht zurecht”, “Ich will noch ins Fitnessstudio”, “Wir haben nur eine gemütliche Männerrunde – fang’ bloß nicht wieder mit deiner Evangelisation an!” usw. War uns da Gott wichtiger als alles andere? Wohl kaum.
Wie oft haben wir Kompromisse geschlossen, wenn es um Sünde ging, um Entschuldigungen dafür zu finden, dass wir etwas tun können, dass Gott nicht gefällt. Ein Motto der frühen Heiligen war: Lieber sterben als sündigen! Wenn sie die Wahl hatten zwischen Gott und etwas, das Gott missfallen koennte, wählten sie immer Gott. Ein wunderbares Beispiel hierfür sind die Märtyrer. Sie opferten ihre Verpflichtungen Gott gegenüber nicht einmal, wenn das ihr eigenes Leben kostete! Das ist wahre Jüngerschaft!
Was bedeutet es nun, dass wir unser Kreuz auf uns nehmen und ihm nachfolgen müssen, um sein Jünger zu sein?
Vergessen wir nicht, dass Er vom Kreuz sprach, bevor Er gekreuzigt wurde und Seine Jünger diesen Hinweis wirklich völlig verstehen konnten! Wie seltsam muss sich das für Seine Jünger damals angehört haben!
Unser Kreuz auf uns zu nehmen bedeutet mehr, als nur ein wenig mehr Gewicht auf unsere Schultern zu laden. Der zentrale Punkt beim Kreuz ist ja gerade, dass wir auch sterben könnten! Wir selbst müssen sterben, unser altes Ich, unser eigener Wille, unser Ego muss sterben, damit Jesus leben kann! Im äußersten Fall müssen wir sogar bereit sein, unser eigenes Leben niederzulegen!
Was meint Jesus nun damit, dass wir all unsere Besitztümer aufgeben sollten?
Jesus sagt dieser Worte nach der Analogie vom Turmbau, für dessen Planung erst überprüft werden müsse, ob die Mittel ausreichen und vom König, der gegen einen anderen in den Krieg zieht und sich erst hinsetzt und überlegt, ob die Zahl seiner Männer ausreicht.
Dann sagt Jesus in Lk 14,33: “Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.” (Einheitsübersetzung)
Genauso dumm wie es waere, einen Turm zu bauen, ohne die nötigen Mittel hierfür zu haben oder in den Krieg zu ziehen, um hierfür gerüstet zu sein, wäre es auch, Jesu Jünger sein zu wollen, ohne all seine Besitztümer vorher aufzugeben! Wir würden ganz einfach nicht durchhalten als Seine Jünger! Warum? Sehen wir uns hierfür Mt 6,24 an (Einheitsübersetzung):
“Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.”
Jesus meint nicht zwangsweise, dass wir all unsere Bankkonten auflösen sollen. Er meint vielmehr, dass wir ALL unsere Besitztümer Gott übergeben müssen und für den Dienst an und für Ihn verwendet werden sollen. Wir sind nur Verwalter, nicht aber Eigentümer von den Dingen, von denen wir denken, dass sie uns gehören. Alles, was wir haben, hat Gott uns gegeben – und es ist mit einer Absicht und einer Verantwortung verbunden. Unsere Familien zu ernähren ist offensichtlich Teil dieser Verantwortung. Ebenso ist es Teil dieser Verantwortung, für die eigene Ernährung, Ausbildung, Kleidung und Unterkunft zu sorgen. Wir werden hierfür auch zur Verantwortung gezogen werden (vgl. Mt 25,14-30). Besitzt das, was wir haben, uns – oder besitzt es Gott? Hängen wir an diesen Dingen, oder haben wir ein gelöstes Verhältnis dazu? Jesus sagt uns sehr deutlich, dass wir nicht Seine Jünger sein koennen, wenn wir daran hängen!
Jesus hat eine Menge Fans heutzutage – wieviele Jüngerinnen und Jünger sind aber darunter?
Wer Sein Jünger sein will, muss mehr tun, als einfach nur ab und an von oder über Ihn zu hören, auf christliche Veranstaltungen oder in Gottesdienste zu gehen (so wichtig das auch ist!). Er muss all das auch in die Praxis umsetzen!
Wer Jesu’ Jünger sein will, muss brennen, wenn es darum geht, Seine Lehre jeden Tag mit voller Leidenschaft zu leben, sein Kreuz auf sich zu nehmen, Jesus immer an die erste Stelle zu setzen und Ihm absolute Priorität enzuraeumen sowie für Seinen Ruhm und für den Dienst and und für Ihn alles zu geben!
Maria war so eine Jüngerin. Sie sagte Ja zu Gott – auch wenn es ihren Tod bedeutet haette (sie hätte unter dem Gesetz Mose für ein Kind, das außerhalb der Ehe gezeugt wurde, gesteinigt werden können!). Sie sagte Ja, auch wenn das ihre Ehe zu Josef zerstören hätte koennen (wenn Gott Josef nicht im Traum erschienen wäre). Sie nahm ihr Kreuz jeden Tag auf sich und folgte Jesus nach bis zum Ölberg. Ihr Herz wurde unzählige Male durchbohrt – dies aber vereinigte sie noch mehr mit Jesus. Außerdem war sie arm und losgelöst von irdischen Besitztümern – so arm sogar, dass sie in einem Stall für Tiere gebar und ihr Kind in eine Krippe legte. So arm, dass sie und Josef sich nicht einmal ein Lamm im Tempel bei der Vorstellung Jesu leisten konnten, sondern zwei Tauben nehmen mussten. So arm – und doch so reich, da Gott ihr einziger Schatz war.
Auch die Apostel waren wahre Jünger. Alle ausser einem wurden auch tatsächlich gekreuzigt. Sie “freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden.” (Apg 5,41 – Einheitsübersetzung) Auch sie waren losgelöst von der materiellen Welt, arm im Geiste und fanden ihren wahren Schatz in Gott. Sie folgten Jesu’ Gebot: “Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt” (Mt 10,9-10 – Einheitsübersetzung). So arm, dass Petrus dem Gelähmten beim Tempeltor, der dort um Almosen bettelte, antwortete: “Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!” (Apg 3,6 – Einheitsübersetzung).
Auch Mutter Theresa zeigte uns, was es heisst, Jüngerin Jesu zu sein. Sie gab sich Jesus ganz und voller Vertrauern hin – und war gleichzeitig immer frohen Mutes und voller Liebe! Sie liebte Jesus ueber alles und vertraute sich Ihm bedingungslos an. Sie nahm Sein Kreuz täglich auf sich und stellte dabei fest, dass es nicht so sehr ein Symbol des Schmerzes, sondern der Liebe war, die sogar den Schmerz der Kreuzigung erträglich machte. Was weltliche Besitztuemer anging, so lebte sie selbst in völliger Armut, losgelöst von all dem, was sie von Gott trennen koennte.
Gott ruft uns zu einer ähnlichen Jüngerschaft. Wir sollen Ihn an die erste Stelle setzen, uns aufopfernd und voller Liebe Ihm und anderen hingeben und alles, was wir haben, zum Dienst an und für Ihn zu verwenden. Um das aber zu tun, brauchen wir einen Plan – so wie man einen Plan braucht, um einen Turm zu bauen. Angesichts der ungeheuren Aufgabe, die Gott uns gegeben hat – Seine Jünger zu sein – muessen wir uns hinsetzen und einen Plan entwerfen, wie wir dieses Ziel mit Seinen Vorgaben erreichen können. Alles andere wäre ganz einfach dumm.


Was sind also wesentliche Bestandteile davon, Jünger zu sein?

Das Gebet. Tägliches Gebet hilft uns dabei, in der Liebe zu Gott zu wachsen. Wie seltsam und befremdend ist es doch, hören zu müssen, dass Menschen keine Zeit zum Beten finden! Wohl aber zum Fernsehen oder für andere Vergnügungen! Die Form ist hierbei nicht so wichtig – solange wir das Gebet zum Bestandteil unseres täglichen Lebens machen. Das Gebet hilft uns auch, Entscheidungen zu treffen, die uns von Gott geschenkten Gaben am besten zu nutzen, demütig zu werden sowie unser tägliches Kreuz zu tragen.

Tägliches Bibelstudium. Unerlässlich für jeden Christen!
Der wöchentliche Gottesdienstbesuch. Hier hören wir Gottes Wort und können uns von Ihm durch Sein Fleisch und Sein Blut in den Gestalten von Brot und Wein ernähren lassen. Dies wird uns stärken, wenn es darum geht, die täglichen Kämpfe im Zusammenhang mit der Jüngerschaft zu bestehen. Ja, es erfordert tägliche Opfer, dies zu tun – aber ist es all das nicht wert, um Gott selbst empfangen zu dürfen? Außerdem können wir Gott so zeigen, dass wir nicht jeden Tag nur dem Mammon dienen, sondern zuallererst Ihm.
Regelmäßige Beichte. Jeder von uns wird gelegentlich fallen. Lassen wir unsere Wunden von Jesus heilen, bekennen wir unsere Sünden und lassen uns von Ihm vergeben, lassen wir uns von Ihm die Kraft für den Neuanfang schenken! Die Beichte hilft uns auch, zu erkennen, ob wir Gott wirklich mit unserem ganzen Herzen, Geist und mit unserer ganzen Kraft geliebt haben. Auch schenkt sie uns Klarheit, wenn es darum geht, auszumachen, ob wir an irgendetwas mehr haengen als an Gott. Hierzu gehört auch ein System von gegenseitiger Rechenschaft. Wir muessen anderen die Chance geben, uns zu ermutigen, aber auch zu ermahnen, falls erforderlich – und dasselbe für sie tun.

Die bedingungslose Aufopferung. Andere zu lieben, wie Jesus uns geliebt hat, notfalls sogar sein Leben fuer andere hinzugeben sind Kennzeichen Seiner Jüngerinnen und Jünger. Jesus ruft vielleicht nicht jeden dazu, Maertyrer zu werden, gleichwohl sollen wir alle in aufopfernder und demütiger Liebe dienen – Gott und den Mitmenschen. Wir müssen uns zum Wohle anderer selbst verleugnen. Diese aufopfernde und selbstlose Liebe hilft uns dabei, unser Ego zu überwinden, ebenso unsere Bequemlichkeit und unser Hängen an irdischen Besitztümern – und stattdessen mehr so wie Christus zu werden. “Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.” (Kol 1,24 – Einheitsübersetzung).

Nicht zu vergessen: Das Eingebundensein in eine Gemeinde und in eine Familie sowie in einNetz von engen christlichen Freunden, die unser Innerstes kennen und uns bei Bedarf auffangen können. Letztlich gehört hierzu auch die Sorge um das eigene leibliche und psychisch-/mentale Wohl. Unser Körper ist der Tempel Gottes – und wir sollten pfleglich mit ihm umgehen. Auch die Sorge um unser geistiges Wohl gehört hierzu: zum einen der Kontakt zu, einem geistlichen Ratgeber, zum anderen das tägliche Verweilen im Heiligen Geist, das Erfülltsein von Ihm und das Hören auf Seine Stimme:
“Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem anderen – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, Geister zu unterscheiden, wiedem einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten.” (1 Kor 12,7-10 – Einheitsübersetzung)
“Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allen widerspricht das Gesetz nicht.” (Gal 5,22-23 – Einheitsübersetzung)
Werden wir uns dafür entscheiden, die Saat, die Gott in unseren Herzen gesaet hat, wachsen zu lassen? Werden wir wahre Jüngerinnen und Jünger Jesu werden – anstatt nur Fans? Jüngerinnen und Jünger, die ständig danach trachten, zu lernen und zu wachsen, um Jesus ähnlicher zu werden? Jesus, der uns als Seine Jüngerinnen und Juenger ruft, wird uns auch all die Hilfe geben, die wir hierfür brauchen. Sagen wir Ja zu Ihm wie Maria dies in Nazareth tat, oder am Fuss des Kreuzes, damit wir die Chance haben, einmal fuer immer Amen zu Ihm im Himmel zu sagen!
Eine weitere wesentliche Aufgabe der Juenger war und ist die Weitergabe des christlichen Glaubens, die Verkuendigung Jesu Christi. Durch sie sollen Menschen zum Glauben an Ihn gefuehrt werden (KKK 425).
Die Apostel brannten förmlich danach, dies zu tun:
“Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.” (Apg 4,20 – Einheitsübersetzung)
“Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde.” (1 Joh 1,1-2 – Einheitsübersetzung)t
“Meine Botschaft und Verkuendigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stuetzte, sondern auf die Kraft Gottes.” (1 Kor 2,4-5 – Einheitsübersetzung)
“Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.” (Joh 3,30 – Einheitsübersetzung)
Gott will nicht nur unsere Fähigkeiten, Er will vor allem unsere Verfügbarkeit – uns selbst.
Vielleicht haben wir Angst oder denken, wir sind nicht geeignet dafür, Jünger zu werden. Sehen wir uns den Propheten Jeremia im Alten Testament an, wie er auf die Berufung Gottes voller Zweifel reagiert und wie Gott ihn beruhigt:
“Das Wort des Herrn erging an mich: Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt. Da sagte ich: Ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung. Aber der Herr erwiderte mir: Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollt du verkünden. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten – Spruch des Herrn.” (Jer 1,4-8 – Einheitsübersetzung)
Wir können Gott immer trauen. Er wird immer an unserer Seite sein und uns nie verlassen. Manchmal ist vielleicht alles dunkel um uns herum – dann bedarf es einfach ein klein wenig Glauben und Vertrauen in Seine Macht, Stärke und Weisheit.
Fuer die Jünger Christi war es wesentlich, den Glauben zu bewahren, aus ihm zu leben, ihn zu bekennen, mutig zu bezeugen und weiterzugeben (KKK 1816). Alle müssen “bereit sein, Christus vor den Menschen zu bekennen und ihm in den Verfolgungen, die der Kirche nie fehlen, auf dem Weg des Kreuzes zu folgen” (LG 42 – vgl. DH 14).
“Wer sich nun vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. (…) Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.” (Mt 10,32-33.35-36 – Einheitsübersetzung)
Werden wir uns kühn zu Jesus bekennen? Werden wir die Wahrheit verkünden – ohne Abstriche und ohne Rücksicht auf Verluste? Oder werden wir zu einer einer Art liberalen Christentums, wie es der protestantische Theologe H. Richard Niebuhr vor 70 Jahren beschrieben hat:
“A God without wrath brought men without sin into a kingdom without judgement through the ministrations of a Christ without a cross.” (Source: http://insightscoop.typepad.com. Taken from a column that originally appeared in the September 9, 2007 edition of Our Sunday Visitor newspaper in a slightly different form).
Dietrich Bonhoeffer hat derartige Auffassungen als “billige Gnade” bezeichnet. Derselbe Bonhoeffer, der von den Nazis umgebracht wurde, weil er sich weigerte, seinen Glauben an Jesus Christus zu verleugnen.
Wie weit sind wir bereit, zu gehen?

Gehen wir noch einmal zurück ins Alte Testament:
“Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist.” (Jes 55,6 – Einheitsübersetzung)
Es wird also eine Zeit geben, in der der Herr nicht mehr nahe ist und sich nicht mehr finden lässt!
“Sät als eure Saat Gerechtigkeit aus, so werdet ihr ernten, wie es der (göttlichen) Liebe entspricht. Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird er kommen und euch mit Heil überschütten.” (Hos 10,12 – Einheitsübersetzung)
Jetzt ist die Stunde! Jetzt ist der Tag! Eine zweite Chance werden wir nicht bekommen!
“Bittet den Herrn um Regen zur Regenzeit im Frühjahr! Der Herr lässt Gewitterwolken entstehen, er füllt sie mit Regen und gibt den Menschen das Grün auf dem Feld.” (Sach 10,1 – Einheitsübersetzung)
Bereiten wir unser Feld vor – und überlassen es dem Herrn, wann Er den Regen sendet!
Werden wir zu Kriegern Jesu!
“Und schliesslich: Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn! Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs. Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt.” (Eph 6,10-13 – Einheitsübersetzung)
Satan ist eine Realität – auch wenn das heute viele icht mehr wahrhaben wollen. Er steckt hinter jeder Art von sündhaften Emotion und Absicht: Hass, Lügen, Gewalt, Lust, Gier, Wut und Neid. Ebenso entwickelt er neue Mittel und Wege, sündhaftes Vergnügen zu suchen und zu bekommen – etwa stärkere Drogen oder Pornographie über das Internet. Für seine Absichten benutzt er alles Mögliche: Musik, Sex, Essen, Sport, Geld, Kunst, Kino, Medien, Krieg, Internet und vieles mehr. Nichts ist ihm zu schade, um die menschliche Rasse anzugreifen!
Und was tun wir?
Vielleicht haben wir ein spärlich besuchtes Gebetstreffen einmal wöchentlich. Oder wir helfen ab und zu mal bei einer Suppenküche für Arme aus. Vielleicht organisieren wir einmal jährlich eine Veranstaltung oder stellen uns mit einem Stand auf eine jährliche Großveranstaltung. Oder wir starten ein oberflächliches Programm, um unsere Jugend bei der Stange zu halten. Dazu noch ein wenig Fasten ab und zu – und wir denken, wir sind die großen Glaubenskämpfer!
Das sind wir aber ganz bestimmt nicht. Eher kleine Kinder, die mit Spielzeugsoldaten spielen und hölzerne Häuserblocks anstatt wirkliche Häuserblocks erobern. Das muss sich ändern, wenn wir eine wirkliche spirituelle Revolution starten wollen! Wir müssen zu den Waffen des Glaubens rufen!
Satan ist ein Meister der Lügen – und eine der Geheimnisse psychologischer Kriegsführung ist es, feindliche Truppen zu überzeugen, dass Aufgabe süss schmeckt, dass es besser ist, zu kapitulieren als weiterhin zu kämpfen, dass die Niederlage unvermeidlich ist.
Wie oft haben wir diesen Lügen geglaubt, anstatt den Kampf aufzunehmen? Wie oft haben wir uns mit Kompromissen zufriedengegeben oder uns biblische Wahrheiten, die uns nicht schmeckten, schön geredet? Wie oft haben wir uns eingeredet, dass Jesus nicht wirklich gemeint hat, was Er gesagt hat – dass man das nicht wörtlich nehmen dürfe, was da in der Bibel steht, sondern mehr oder weniger als schöne Geschichte des Glaubens sehen soll? Wie oft haben wir resigniert, anstatt zu kämpfen?
Wenn Satan einmal seinen Fuss in der Tür hat, wird er auch versuchen, reinzukommen.
Er versucht uns zu erzählen, dass die Dinge doch gar nicht so schlimm sind. Wir sollten uns nicht so viele Gedanken wegen der Sünde machen und dass ein Kompromiss doch besser sei als ein Konflikt. Wir müssten doch nicht auf diese radikalen christlichen Fundamentalisten hören – warum nicht einfach vernünftig sein? Man darf doch nicht gleich so übertreiben! Was ist schon so schlimm dabei, wenn zwei Erwachsene, die sich lieben, aus freiem Willen Sex miteinander haben, auch wenn sie nicht miteinander verheiratet sind? Was ist schon so dramatisch daran, wenn man sich einen Drink gönnt, um die Nerven zu beruhigen? Was ist so falsch daran, wenn ein Mann mit einem anderen Mann intim wird – schließich sind sie doch so geboren und können nicht anders! Was ist schon so sündig daran, wenn eine Frau mit einer anderen Frau Sex hat, wenn sie doch für Männer nichts empfinden kann? Sei doch kein Fundamentalist – es reicht doch, wenn du dich von den wirklich schlimmen Sachen wie Mord, Diebstahl oder Vergewaltigung fernhältst – und ansonsten lernst, tolerant zu sein! Und warum gleich in die Luft gehen, wenn sich jemand auch mal woanders umsieht – schließlich gibt es Schönes in allen Religionen zu entdecken! Natürlich sind deine Überzeugungen wahr – Jesus ist tatsächlich der einzige Retter und Erlöser! Aber man muss ja nicht gleich so fanatisch werden wie diese Verrückten, die die Abtreibungsärzte umbringen oder sich in entlegene Gegenden zurueckziehen und auf das Ende der Welt warten! Es reicht doch, wenn man ein gutes Leben führt und sich um seine Familie kümmert – eine höhere Berufung als das gibt es nicht! Du kannst doch auch dein Christsein zeigen, ohne so viele Worte dabei zu verlieren. Spende was an die nächste Kirche und halte dich ansonsten mit deinen Überzeugungen etwas zurück - ist doch Privatsache und hat in der Arbeit nichts zu suchen! Im Übrigen brauchst du dich auch nicht so aufregen wegen der paar Sünden ab und zu – Gott versteht das. Er kennt dich doch!
Derartige Lügen klingen sehr verlockend und so manch einer fällt darauf herein. Öffnen wir den Menschen die Augen! Steigen wir in den Ring! Wir haben einen mächtigen Gegner – lernen wir zu kämpfen!
Wenn wir aber kämpfen, dürfen wir nicht aufhören, bis wir unser Ziel erreicht haben. Ansonsten waren unsere Anstrengungen umsonst – zumindest teilweise. Wenn wir nicht bis zur Erreichung unseres Ziels kämpfen, lassen wir die Tür für Satan offen – und das kann tödliche Konsequenzen mit sich bringen!
Dennoch kämpfen einige von uns nicht – vielleicht weil sie wenig Hoffnung haben, dass sich etwas ändert. Wenig Hoffnung, dass es eine spirituelle und moralische Revolution in unserer Gesellschaft geben könnte. Kein Wunder, dass wir so am Boden sind! D.L. Moody wies einmal darauf hin, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen denen, die kämpfen, um zu gewinnen – wenn sie können – und denen, die ganz einfach käempfen, um zu gewinnen!
Ein feiges Herz und ein zweifelnder Geist werden im Kampf nicht bestehen können, wie C.H. Mackintosh einmal festgestellt hat!
Che Guevara und mit ihm die kubanische Revolution waren unter anderem deshalb erfolgreich darin, das Regime von Batista zu stürzen, weil sie die gefährliche Einstellung mancher Revolutionäre und Möchtegern-Revolutionäre überwinden konnten, die inaktiv blieben und sich hinter dem Vorwand verstecken, dass man gegen eine professionelle Armee sowieso nichts unternehmen kann, die schließlich abwarteten, bis in irgendeiner Art und Weise alle notwendigen objektiven und subjektiven Bedingungen gegeben waeren – ohne jedoch selbst daran zu arbeiten, dass dieser Fall eintritt.
Viele Gläubige haben genau diese Einstellung. Sie hoffen, dass sich die Dinge irgendwie und irgendwann zum besseren wenden. Oder sie warten einfach voellig ziel- und planlos darauf, dass der Herr wiederkommt. Bis dahin wird ja eh alles einfach nur schlechter.
Wir müssen handeln! Wir sind gerufen, in die Welt zu gehen und die Gute Nachricht zu verkünden sowie Menschen zu Jüngern Jesu Christi zu machen! Worauf warten wir noch?
Die Dunkelheit ist dunkel genug. Was haelt uns also noch zurueck? Warum haben wir noch keinen Handlungsplan entwickelt?
Wir vertrauen immer noch auf die Politik – darauf, dass jeder Politiker, der sagt, er sei ein praktizierender Christ, auch tatsächlich einer ist. Man müsse ihn also nur wählen und darauf vertrauen, dass es dieses Mal nach der Wahl doch anders ausgehen wird als beim letzten Mal!
“Gottesfurcht verlangt, Böses zu hassen. Hochmut und Hoffart, schlechte Taten und einen verlogenen Mund hasse ich.” (Sprichwörter 8,13 – Einheitsübersetzung
“Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten!” (Röm 12,9 – Einheitsübersetzung)
Unser Kampf richtet sich nicht gegen Menschen. Wir kämpfen mit dem Teufel selbst, mit seiner dämonischen Armee, mit seinen hinterhältigen Plänen. Dieser Kampf wird mit Gebeten gekämpft, mit Aufopferung, Taten, Gehorsam, Glauben und Gottvertrauen – gestützt auf den Empfang der Sakramente. Er wird in unseren Koepfen geführt, in unseren Wohnungen, in unseren Schulen und an unseren Arbeitsplätzen, in unseren Kirchengemeinden und in unserer Gesellschaft.
Manchmal ist es ein Kampf Mensch gegen Mensch, ein Leben nach dem anderen, eine Entscheidung nach der anderen, ein Gebet nach dem anderen, eine Tat des Gehorsams nach der anderen. Wenn wir uns aber weigern, aufzugeben und Kompromisse zu schließen, werden wir den Sieg des Herrn sehen. Natürlich werden wir nicht erleben, dass jede Seele gerettet wird oder jede Stadt sich – oder gar das ganze Land sich ändert. Wir können aber mit Sicherheit davon ausgehen, dass eine spirituelle Revolution uns nach vorantreiben wird. Millionen werden gerettet werden und viele Staedte werden sich ebenfalls ändern. Ein Großteil der Nation wird erneuert werden.
Teile mit uns diese Vision!
Der Grund warum unsere Gesellschaft heute in einem derart dramatischen Zustand ist, liegt nicht so sehr bei korrupten Politikern oder vom rechten Weg abgekommenen Schauspielern oder Rockstars. Das Hauptproblem dürfte bei der Kirche selbst zu suchen sehen, die oft zu viele Kompromisse eingegangen ist. Den Weg, den die Kirche geht, geht auch die Gesellschaft! Wollen wir die Gesellschaft ändern, müssen wir erst einmal wieder zurück zum Altar!
Unsere Revolution muss eine Revolution der Liebe sein – eine selbstlose, aufopfernde, übernatürliche Liebe. Wenn unsere Feinde uns vefluchen, segnen wir sie. Wenn sie uns Böses antun, tun wir ihnen Gutes. Wenn sie uns verfolgen, beten wir für sie. Wenn sie uns hassen, lieben wir sie. Wenn sie uns töten, werden wir leben! Alle reden über Radikalität - was könnte radikaler sein als das?
Wenn wir Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen die Gute Nachricht verkünden wollen, müssen wir zuerst einmal ihre Füße waschen! Wenn wir Müttern, die abtreiben wollen, davon abbringen und sie von der Sündhaftigkeit ihres Vorhabens überzeugen wollen, müssen wir uns zuerst einmal um ledige Mütter und ihre Kinder kümmern! Wenn wir den Frauen beistehen, die gerade eine Abtreibung hinter sich haben und die geistigen und emotionalen Wunden davon mit sich tragen!
Henly nennt das “militante Liebe”: Bei dieser Art der Liebe greift das Leben den Tod an, das Licht den Tod, die Wahrheit Lügen. Militante Liebe fügt anderen kein Leid zu, sondern ist sogar bereit, Leid für andere auf sich zu nehmen. Militante Liebe nagelt ihre Feinde nicht ans Kreuz, sondern ist bereit, sich für sie ans Kreuz nageln zu lassen. militante Liebe wäscht die Füße derer, die sie betrügen und verraten.
“In allem erweisen wir uns als Gottes Diener: durch große Standhaftigkeit, in Bedrängnis, in Not, in Angst, unter Schlägen, in Gefängnissen, in Zeiten der Unruhe, unter der Last der Arbeit, in durchwachten Nächten, durch Fasten, durch lautere Gesinnung, durch Erkenntnis, durch Langmut, durch Güte, durch den Heiligen Geist, durch ungeheuchelte Liebe, durch das Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten und in der Linken” (2 Kor 6,4-7 – Einheitsübersetzung)
Vergessen wir unser Selbstmitleid und unsere Ausreden und gehen wir das an, wozu uns Gott jetzt berufen hat! Wenn jetzt nicht die Stunde ist, wird die Stunde nie kommen!
J. Hudson Taylor hat einmal gesagt, dass wir bei unserer Konzentration auf Methoden und Mittel vielleicht zu wenig auf die Quelle der Kraft selbst geachtet haben: das Erfülltsein vom Heiligen Geist!
Wir wurden von Gott damit beauftragt, die Gute Nachricht zu verkünden und Menschen zu Jüngern zu machen. Haben wir dabei vielleicht vergessen, dass wir dafür auch einen Handlungsplan brauchen?
Reicht es denn nicht, sich auf den Heiligen Geist zu verlassen?, mag manch einer fragen. Hat der Heilige Geist aber keinen Plan? Verlässt Er sich bei der Durchführung Seiner Absichten nur auf den Zufall? Auf keinen Fall! Es ist kaum möglich, die Evangelien und die Apostelgeschichte zu lesen, ohne darin einen Plan zu erkennen, eine göttliche Strategie. Die Tatsache, dass Gott uns manchmal überrascht und anders handelt, als wir uns das vielleicht vorgestellt haben, bedeutet nicht, dass Er nicht weiss, wo Er hin will oder wie Er dorthin gelangt.
“Pläne kommen durch Beratung zustande. Darum führe den Kampf mit Überlegung!” (Sprichwörter 20,18 – Einheitsübersetzung)
“Denn durch Überlegung gewinnst du den Kampf, viele Ratgeber verhelfen zum Sieg” (Sprichwörter 24,6 – Einheitsübersetzung)
“Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln der Sünde abwerfen. Lasst uns mit Ausdauer in den Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.” (Heb 12,12 – Einheitsübersetzung)
Ein Punkt, den wir oft vernachlässigen: Evangelisation. Missionare wie Oswald Smith haben uns daran erinnert, dass die Kirche, die nicht evangelisiert, zum Fossil wird und dass eine der wichtigsten (wenn nicht die wichtigste!) Aufgabe der Kirche die Evangelisation der Welt ist! Aber – wie F.H. Henry sagte – das Evangelium ist nur dann die Gute Nachricht, wenn sie auch rechtzeitig bei den Menschen ankommt!
Worauf warten wir also?
”Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst.”
(Jakobus 1,22 – Einheitsübersetzung)
Wir gehen vielleicht regelmässig in den Gottesdienst, singen die Lieder mit – und denken, wir tun damit schon viel und sind deshalb gute Christen. All dies ist natürlich nichts Schlechtes, aber wenn es dabei bleibt, sind wir einfach nur ein mehr oder weniger passiv konsumierendes Publikum und täuschen uns somit selbst. Jesus hat uns aber nicht erlöst, damit wir nur ein passives Publikum sind!
Passive Zuhörer verändern die Welt nicht. Sie beginnen auch keine Revolutionen. Genausowenig bringen sie das Königreich Gottes voran oder erfüllen das grosse Gebot (zu allen Völkern zu gehen, alle Menschen zu taufen und sie zu Jüngern Jesu zu machen sowie sie zu lehren, alles zu befolgen, was Jesus den ersten Jüngern geboten hat). Ein passives Publikum macht dem Teufel keine Angst. Nicht im Geringsten. Wir müssen diese passive “Zuhörer-Mentalität” zerstoeren. Das wird ganz bestimmt nicht leicht in einer Kultur, die ganz auf Unterhaltung und Superstars hin orientiert ist (was auch an der Kirche nicht spurlos vorübergegangen ist!).

WIR müssen aktiv werden – und nicht nur irgendjemand in der Kirche, der dafür bezahlt wird! Jeder einzelne von uns! Frank Viola hat bereits deutlich darauf hingewiesen, dass Paulus sich immer (abgesehen von den Pastoralbriefen, die an einzelne Menschen geschrieben waren) an die Kirche insgesamt – also alle Gläubigen – gewandt hat und nicht nur an ihre Leiter! Die gläubige Gemeinde als ganze ist gerufen, sich selbst zu organisieren, gefallene Glieder in geschwisterlicher Liebe zu disziplinieren, die zu warnen, die vom Weg abkommen, die Schwachen und Traurigen zu trösten und zu unterstützen, Werke der Liebe zu verrichten, einander zu ermahnen und zu ermutigen, einander zu lehren und voneinander zu lernen, einander zu dienen, die Lasten der anderen zu tragen, füreinander zu sorgen, einander die Füßße zu waschen, einander zu lieben, Güte und Mitgefühl füreinander zu zeigen, einander aufzurichten, einander zu ertragen, einander zu guten Taten zu ermuntern, füreinander zu beten, Gastfreundschaft füreinander zu zeigen und einander unsere Sünden zu gestehen, füreinander Mitleid zu zeigen, aber auch andere zu fuehren, materielle Güter zu teilen und andere zu heilen.
Jesus fordert von Seinen Jüngern einen radikalen, absoluten Gehorsam. Ein Gehorsam, der so extrem ist, dass er für einen Großteil der Welt – und einen grossen Teil der Kirche – als fanatisch, ja fast wie ein Kult erscheint. Jesus ruft uns alle als Seine Jünger. Wissen wir wirklich, was das bedeutet?
Wir sollten nicht nur ein “Christ” oder ein “Gläubiger”, sondern vor allem ein “Jünger” sein – ein Begriff, der mehr als 260 Mal im gesamten Neuen Testament verwendet wird (einschliesslich mehr als 230 mal in den Evangelien und 28 mal in der Apostelgeschichte). Wie können wir den Ruf nach wahrer Jüngerschaft herunterspielen oder gar ignorieren, wenn er doch ein derart wichtiges Thema in der Bibel darstellt?
Zum Vergleich: Das Wort “Christ” etwa kommt nur drei mal im gesamten Neuen Testament vor (Apg 11, Apg 26, 1 Ptr 4) – das Wort “Gläubiger” oder “Glaubender” nur 26 mal!
Was bedeutet das?
Was sagt uns das, wenn viele von uns kein Problem haetten, sich als “Christ” oder “Gläubiger” oder “Glaubender” zu bezeichnen, sehr wohl aber, wenn es darum geht, sich “Jünger” zu nennen? Alleine das Wort laut auszusprechen, zwingt uns beinahe dazu, unser Gewissen zu erforschen, ob wir den wirklich Jünger sind!
Denken wir an die Kultur des Neuen Testaments:
“Rabbi” war nicht ein formaler Titel oder ein klerikales Amt zu dieser Zeit. “Rabbi” war vielmehr ein Ehrerntitel, den besondere Lehrer und Führer erhielten. Ergebene Studenten folgten diesen Rabbis nach. Rabbi Yohanan (Johannes der Täufer) hatte seine Anhänger, ebenso Rabbi Yeshua (Jesus) (vgl. Joh 4,1; 31).
Ein Schüler wurde mit seinem Lehrer in Verbindung gebracht. Sein ganzes Leben drehte sich um seinen Meister (Lk 6,40; Mt 10,24-25). So blieben auch die ursprünglichen zwölf Jünger Jesu stets an dessen Seite. Sie waren Ihm sogar näher als Seine eigene Familie (Mt 12,48-50). Er teilte Seine Geheimnisse mit ihnen und sandte sie auch aus, um Ihn zu vertreten (Mt 10,40) und um Seine Mission auszufuehren (Mt 10,7-8).
In den Evangelien ist aber nicht nur von den zwölf Aposteln die Rede. In der Mehrzahl der Fälle ist sogar nicht von den zwölf Aposteln die Rede, wenn es “Jünger” heisst, sondern von den vielen Männern und Frauen, die Jesus nachfolgten. Und Jesus hat es ihnen bestimmt nicht leicht gemacht, Ihm nachzufolgen!
“Ein anderer aber, einer seiner Jünger, sagte zu ihm: Herr, lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben! Jesus erwiderte: Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben!” (Mt 8,21-22 – Einheitsübersetzung)
Das New International Dictonary of New Testament Theology betont, dass die Nachfolge Jesu als Jünger das bedingungslose Opfern seines ganzen Lebens bedeutet. Matthäus unterstreicht besonders, dass Jünger sein bedeutet, an Jesus und an Gottes Willen gebunden zu sein (Mt 12,46-50; vgl. Mk 3,31-35).
“Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.” (Lk 9,61-62 – Einheitsübersetzung)
“Als Jesus von dort wegging, sah er einen Zöllner namens Levi am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf, verließ alles und folgte ihm.” (Lk 5,27-28 – Einheitsübersetzung)
“Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort liessen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.” (Mt 4,18-20 – Einheitsübersetzung)
Er rief – und sie ließen alles zurück und folgten Ihm. Das ist Kurzform die Vorstellung von Jüngerschaft, von wahrer Ergebenheit. Das ist die Norm des Neuen Testaments.
Dieser Ruf nach wahrer Jüngerschaft beinhaltete aber immer auch den Ruf nach dem Dienen. Der messianische jüdische Gelehrte Dan Gruber meinte einmal, anstatt jemanden zu fragen: “Bist du gerettet”, sollten wir lieber fragen: “Wem dienst du?”.
In Lk 14,33 sagt Jesus: “Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.”
Tom Skinner wies darauf hin, dass dies einer der härtesten Verse in der Bibel sei und viele Menschen wünschten, er wäre nicht da. Solche Menschen sagen, Gott wolle doch nicht wirklich, dass wir alles aufgeben. Man könne doch Christus nachfolgen und sein Ding durchziehen, ohne alles aufzugeben! Sie führen dann oft an, was die Bibel wirklich damit sagen will, ist, dass wir dazu bereit sein sollten.
Sieh dir selbst diesen Vers an – siehst du hier irgendwo den Ausdruck “bereit sein”?
Wir tendieren manchmal dazu, unseren Verstand abzuschalten, wenn wir bestimmte Abschnitte in der Bibel lesen. Der Jesus der Evangelien ist ja immer so offen und direkt in Seinen Forderungen! Es sieht fast so aus, als bedürften Seine Lehren immer eine Erklärung oder Abänderung unsererseits. Denken wir nicht manchmal – bewusst oder unbewusst – genau so?
Vielleicht versuchen wir uns einzureden, dass all das vielleicht für die ersten Jünger Jesu gegolten haben mag. Sie konnten ja wirklich alles verlassen und mit Jesus gehen, sogar bis zum Tod. Bei uns ist das aber doch ganz anders! Sie waren Jünger – wir sind doch nur Gläubige, Glieder einer Ortskirche!
Unser Glaube ist doch sehr bequem und kostet uns wenig, geschweige denn dass er uns irgendwie in Schwierigkeiten bringen koennte. Unser Glaube ist doch eher “vernünftig” als radikal. Die Dinge sind doch heute anders. Alles hat sich geändert. Oder?
Nicht, was Gottes Wille und Wege angeht. Nicht, was Seine Forderungen und Ansprüche betrifft. Ein Jünger ist ein Jünger, und dieser Begriff bezeichnete am öftesten die Glieder der Kirche, des Leibes Christi, in der Apostelgeschichte. Wenn man ein Gläubiger war, war man ein Jünger – und Jesus machte unzweifelhaft klar, was das bedeutete.
Jetzt einmal ganz offen: Welches Buch, welcher Theologe, welcher Mensch hat das Recht, uns sagen zu wollen, Jesus hätte nicht wirklich gemeint, was Er da gesagt hatte, als Er davon sprach, was es bedeutete, Sein Jünger zu sein? Dass Seine Aussagen nur für einige wenige Auserwählte zutrafen? Auserwählte, die aus anderem Stoff waren als die Gläubigen des 21. Jahrhunderts? Auf welcher Grundlage verfälschen wir die Aussagen unseres Herrn?
“We're called to be the Church militant, not the Church mush!”
Fr. Bill Casey, Superior of the Fathers of Mercy
Als Christinnen und Christen ist es nicht unser Ziel, um jeden Preis Menschen gefallen zu wollen, sondern Gott. Wir gehorchen den Gesetzen des Landes, in dem wir leben; wenn diese jedoch Gottes Gesetz widersprechen, dann müssen und werden wir Gottes Gesetz befolgen. Hierfür bedarf es aber viel Weisheit und Vorbereitung, was mögliche Konsequenzen angeht (siehe Apg 5,25-29).
Auch sollten wir ständig vom Heiligen Geiste erfüllt sein. Keinesfalls sollten wir Seine Stimme ignorieren. Auch sollten wir unsere geistigen Gaben trainieren und ausüben (siehe 1 Kor 12,1-11).
“Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.” (Joh 15,16 – Einheitsübersetzung)
Eine wesentliche Quelle unserer Jüngerschaft: Das tägliche Gebet und Bibelstudium. Nehmen wir uns Jesus als Vorbild: Er wusste, wo Er herkam und wo Er hinging. Auch wir sollten das wissen. Auch Mutter Theresa betete täglich und ausgiebig.
Gott hat uns mit vielen wunderbaren Gaben ausgestattet – die wenigsten unter uns nutzen jedoch dieses ungeheure Potential! Was wir doch tun und erreichen könnten, wenn wir nur mutig und furchtlos voranschreiten und Unbekanntes wagen würden!
Wenn wir behaupten, Christinnen und Christen zu sein, uns aber weigern, auch so zu leben, wie Jesus es uns aufgetragen hat, verleugnen und entehren wir Ihn. Geben wir Ihm also unser uneingeschränkt und für alle sichtbar unser ganzes Leben!
In einer Zeit, in der sich Menschen vom christlichen Glauben abwenden, ist es umso wichtiger – ja lebenswichtiger! -, diesen offen und furchtlos sowie in Liebe und Demut zu verkünden!
“Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen. Dann werden die, die euch beschimpfen, weil ihr in (der Gemeinschaft mit) Christus ein rechtschaffenes Leben führt, sich wegen ihrer Verleumdungen schämen müssen.” (1 Petr 3,15-16 – Einheitsübersetzung)
Papst Benedikt XVI. hat in “Ubicumque et Semper” einem Apostolischen Brief in der Form eines Motu Proprio darauf hingewiesen, dass es einer neuen Evangelisierung zur Vertiefung des reinen und festen Glaubens bedarf. Eine Evangelisierung, deren wiederbelebende Kraft vom Heiligen Geist sowie von einer tiefgehenden Gotteserfahrung kommen muss. Als Instrumente empfahl er ausdrücklich auch die neuen Formen sozialer Kommunikationsmittel, aber auch die Verwendung des “Katechismus der Katholischen Kirche”.
Eine derartige Evangelisierung muss von allen Gläubigen getragen werden. Wir alle haben von Gott Gaben und damit auch Aufgaben bekommen. Nutzen wir sie!
In diesem Zusammenhang ein Verweis auf das Sakrament der Firmung (vgl. Joh 14,15-21):
Durch dieses Sakrament und die damit geschenkte Gnade des Heiligen Geistes werden wir zu Soldaten Christi, zu Zeugen des Evangeliums für die Welt. Jesus versprach, den Heiligen Geist zu schicken, was dann an Pfingsten geschah (Apg 2,3-4): Der Heilige Geist kam auf die Apostel herab. Diese wurden von Ihm verändert und verwandelt:
“Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.” (Apg 4,33 – Einheitsübersetzung)
“Alle wurden von Furcht ergriffen; denn durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen.” (Apg 2,43 – Einheitsübersetzung)
Sie zeigten auch die persönliche Heiligkeit des christlichen Lebens:
“Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besassen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füssen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte” (Apg 4,34-35 – Einheitsübersetzung)
Die Firmung setzt diese Gnade, die Die Apostel an Pfingsten erfahren durften, fort.
In Samaria sehen wir die Firmung als eine sakramentale Handlung ausserhalb und getrennt von der Beichte: Petrus und Johannes besuchen eine Gruppe von Gläubigen, die im Namen Jesu getauft worden waren, aber noch nicht den Heiligen Geist empfangen hatten. Die Apostel legten die Hände auf die getauften Gläubigen und der Heilige Geist kam über sie (Apg 8,14-17). Auch heute noch wird durch dieses Handauflegen seitens der Bischöfe der Ritus der Firmung vollzogen (KKK, 1285-1321).
Durch diese Gnade des Heiligen Geistes wurde uns auch eine ganz persönliche Berufung als Jünger Jesu Christi aufgegeben! Wir sind Soldaten Christi – also handeln wir auch danach!
“Seid also standhaft: Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen. Vor alem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes. Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen” (Eph 6,14-18 – Einheitsübersetzung)
Amen.
Quellen:
u.a. Scott Hahn, “Catholic Bible Dictionary”, Doubleday Religion, New York 2009. ISBN 978-0-385-51229-9
Michael L. Brown, “Revolution – The Call to Holy War” Regel Books. Ventura, California, USA, 2000. ISBN 0-8307-2640-3
Michael L. Brown, “Revolution in the Church. Challenging the Religious System with a Call for Radical Change.” Chosen Books, Grand Rapids, MI, USA, 2002. ISBN 0-8807-9310-2 (pbk.)
Fr. Roger J. Landry on www.cuf.org
Katechismus der Katholischen Kirche. München (R. Oldenburg Verlag) 1993.
http://insightscoop.typepad.com
Our Sunday Visitor
Matthew Bakholer, “Mission Preparation Training”, ByFaith Media, Great Brittain 2006, ISBN 1846851653 (978-1-84685-165-0)
Papst Benedikt XVI: “Apostolischer Brief in Form eines Motu Proprio Ubicumque et Semper des Obersten Hirten Benedikt XVI. mit dem der päpstliche Rat zur Förderung der neuen Evangelisierung errichtet wird” (Quelle:www.kath.net / Dr. Alexander Pytlik)



Prüfung des Gewissens und der katholischen Lehre

Zuletzt noch die Grundzüge des katholischen Glaubens. Wir können schließlich nur das lieben, was wir auch kennen.

Die Zehn Gebote:
Ich bin der Herr, dein Gott.
1. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
2. Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
3. Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
4. Du sollst Vater und Mutter ehren.
5. Du sollst nicht töten.
6. Du sollst nicht ehebrechen.
7. Du sollst nicht stehlen.
8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.
10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.

Die zwei größten Gebote:
1. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.
2. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Die Weisungen der Kirche:
1. Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen an der Heiligen Messe teilnehmen und keine Arbeiten oder Tätigkeiten verrichten, welche die Heiligung dieser Tage gefährden
2. Wenigstens einmal im Jahr die eigenen Sünden beichten
3. Wenigstens zu Ostern das Sakrament der Eucharistie empfangen
4. Die Fast- und Abstinenztage einhalten
5. Im Rahmen der eigenen Möglichkeiten der Kirche in ihren materiellen Erfordernissen beistehen
Gott:
Es gibt einen Gott in drei Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Jesus Christus:
Jesus ist eine Person: eine göttliche Person. Er hat zwei Eigenschaften: eine göttliche und eine menschliche.

Die wesentlichen Ereignisse im Leben Christi:
Empfängnis im Leib der Heiligen Jungfrau Maria, Geburt in Bethlehem, Vorstellung im Tempel, Taufe im Fluss Jordan durch den Heiligen Johannes den Täufer, Versuchungen in der Wüste zu Beginn Seines öffentlichen Lebens, Bergpredigt, Verklärung, Letztes Abendmahl, Tragen des Kreuzes zum Kalvarienberg, Tod am Kreuz, Auferstehung und Auffahrt in den Himmel.

Titel der Heiligen Jungfrau Maria:
Die neue Eva, Muttergottes, Mutter der Kirche, Unsere Liebe Frau, Allerheiligste Jungfrau, Königin, Fürsprecherin, Voll der Gnade, Helferin, Mittlerin.

Die vier Kennzeichen der Kirche:
Eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

Die sieben Sakramente:
Taufe, Beichte, Heilige Eucharistie, Firmung, Ehe, Weihe und Krankensalbung.

Was ist ein Sakrament?
Ein Sakrament (lateinisch; deutsch: Geheimnis) ist ein von Christus für seine Kirche und für immer eingesetztes, mit den Sinnen erfahrbares, besonderes und wirksames Zeichen einer unsichtbaren Gnadenwirkung.

Die göttlichen Tugenden:
Glaube, Liebe, Hoffnung.

Die Kardinaltugenden:
Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung.

Die Gaben des Heiligen Geistes:
Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Die Früchte des Heiligen Geistes:
„Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit" (Gal 5,22-23 Vg.).

Die Seligpreisungen:
Selig, die arm sind im Geiste; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. (Mt 5,3-12)

Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit:
Die Hungrigen speisen, den Dürstenden zu trinken geben, die Nackten bekleiden, die Fremden aufnehmen, die Kranken besuchen, die Gefangenen besuchen, die Toten begraben. 


Die geistigen Werke der Barmherzigkeit:
Die Unwissenden lehren, den Zweifelnden recht raten, die Betrübten trösten, die Sünder zurechtweisen, die Lästigen geduldig ertragen, denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen, für die Lebenden und die Toten beten.

Die drei herausragenden guten Werke:
Beten, Fasten und Almosengeben.

Die evangelischen Räte:
Keuschheit, Armut und Gehorsam.

Die sieben Todsünden und die ihnen gegenüberstehenden Tugenden:
1. Hochmut (Eitelkeit, Übermut) – Demut.
2. Geiz (Habgier) – Großzügigkeit.
3. Wollust (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren) – Keuschheit.
4. Zorn (Wut, Rachsucht) – Sanftmut.
5. Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht) – Mäßigung.
6. Neid (Eifersucht, Missgunst) – Brüderliche Liebe.
7. Faulheit (Feigheit, Ignoranz, Trägheit des Herzens) – Fleiß.

Sünden gegen den Heiligen Geist:
1. Vermessene Hoffnung auf das Heil ohne Verdienste.
2. Verzweiflung am Heil.
3. Zurückweisung der erkannten Wahrheit.
4. Neid auf die Gnadengabe eines anderen.
5. Verstockung in den Sünden.
6. Unbußfertigkeit bis zum Tod.

Sünden, die zum Himmel nach Rache schreien:
1. Absichtlicher Mord.
2. Analverkehr.
3. Unterdrückung der Armen.
4. Arbeitende um ihren Lohn betrügen.


Neun Arten, wie man zum Gehilfen für die Sünden eines Anderen wird:
1. Durch Rat.
2. Durch Anordnung.
3. Durch Zustimmung.
4. Durch Provokation.
5. Durch Lob oder Schmeicheln.
6. Durch Verbergen.
7. Durch Teilnahme.
8. Durch Schweigen.
9. Durch Verteidigung der sündigen Handlung.

Die vier letzten Dinge:
Tod, Gericht, Himmel oder Hölle.

Gebet vor der Beichte:
Komm, Heiliger Geist, erleuchte meinen Geist, damit ich meine Sünden klar erkenne. Bewege mein Herz, damit ich sie aufrichtig bereue, ehrlich beichte und fest dazu entschlossen bin, mein Leben wieder in Ordnung zu bringen. Geist der Weisheit, gewähre mir, die Bösartigkeit der Sünde zu sehen und ebenso meine Undankbarkeit Dir gegenüber, dem all-liebenden Gott. Geist der Tapferkeit und Stärke, hilf mir, jedes notwendige Opfer zu bringen, um in Zukunft die Sünde zu vermeiden.
Amen.

Gewissenserforschung:
Habe ich Gottes Existenz bezweifelt oder sie geleugnet?
Habe ich mich geweigert, an Gottes Offenbarung zu glauben?
Habe ich an Horoskope, Wahrsagerei, Träume, Glückszauber oder Reinkarnation geglaubt?
Habe ich geleugnet, Katholik zu sein?
Habe ich den katholischen Glauben aufgegeben?
War ich verzweifelt oder habe ich nicht an Gottes Mitleid geglaubt?
Habe ich das Gebet über einen längeren Zeitraum hinweg vernachlässigt?
Habe ich nicht täglich gebetet?
Habe ich Gott gelästert oder Gottes Name missbraucht? Habe ich geflucht oder einen Eid oder Schwur gebrochen?
Habe ich durch meine eigene Schuld die Sonntagsmesse verpasst oder an einem Feiertag, an dem der Messbesuch verpflichtend ist?
Bin ich immer ehrfürchtig in Gegenwart des Allerheiligsten Sakramentes?
War ich unaufmerksam während der Messe?
Bin ich zu spät zur Messe gekommen?
Habe ich die Messe zu früh verlassen?
Habe ich am Sonntag unnötige Arbeit verrichtet?
Habe ich meinen Eltern oder meinen legitimen Vorgesetzten nicht gehorcht oder habe ich sie nicht respektiert?
Habe ich meine Pflichten meinem Gatten, meiner Gattin, meinen Kindern oder Eltern gegenüber vernachlässigt?
Habe ich nicht aktiv Interesse an der religiösen Erziehung und Bildung meiner Kinder gezeigt?
Habe ich mich selbst nicht weitergebildet, was die Lehren der Kirche betrifft?
Habe ich in der Arbeit auch jeden Tag vollständig das geleistet, wofür ich bezahlt wurde?
Habe ich Menschen – besonders junge – schockiert durch das, was ich gesagt oder getan habe?
War ich die Ursache dafür, dass irgendjemand den katholischen Glauben aufgegeben hat?
Habe ich meinen Angestellten einen fairen Lohn gezahlt?
War ich ungeduldig, wütend, neidisch, unfreundlich, stolz, eifersüchtig, rachsüchtig oder voll Hass gegenüber anderen oder war ich faul?
Habe ich ein schlechtes Beispiel abgegeben, Drogen genommen, exzessiv Alkohol getrunken oder mich gestritten?
Habe ich jemanden körperlich verletzt oder getötet?
Habe ich jemanden dazu gebracht, abzutreiben oder dazu geraten?
Habe ich an dem großen Übel, das unter dem Namen „Töten aus Mitleid“ oder Euthanasie bekannt ist, teilgenommen oder dies gebilligt?
Habe ich versucht, mich selbst zu töten?
Bin ich absichtlich unreinen Gedanken oder Sehnsüchten nachgegangen?
Habe ich mich nicht bescheiden und anständig gekleidet?
Habe ich unreine oder anzügliche Worte verwendet?
Habe ich unreine Geschichten erzählt oder ihnen zugehört?
Habe ich absichtlich unreine Fernsehsendungen, Sachen im Internet, in Spielen, Bildern oder Filmen angeschaut?
Habe ich absichtlich unreines Material gelesen?
Habe ich selbst unreine Handlungen vollzogen (Masturbation) oder dies mit jemand anderes getan (Ehebruch, Unzucht oder gleichgeschlechtlichen Verkehr)?
Habe ich außerhalb der Kirche geheiratet oder dies jemand anderem geraten?
Habe ich meine ehelichen Rechte missbraucht?
War ich meinen Ehegelübden gegenüber untreu?
Hatte ich Gesellschaft mit dem Ehepartner eines anderen?
Habe ich künstliche Empfängnisverhütung praktiziert oder wurde ich oder mein Gatte/meine Gattin dauerhaft sterilisiert?
Habe ich gestohlen, betrogen oder anderen geholfen zu stehlen oder gestohlene Waren zu behalten?
Habe ich Wiedergutmachung für gestohlene Waren geleistet?
Habe ich meine Verträge erfüllt, mich bestechen lassen oder dies selbst getan, meine Rechnungen bezahlt, unbedacht gespielt oder spekuliert oder meine Familie der Notwendigkeiten des Lebens beraubt?
Habe ich absichtlich gelogen, um andere zu täuschen oder zu verletzen?
Habe ich einen Meineid geleistet?
Habe ich mit einem gut informierten Gewissen gewählt und in einer Art und Weise, die mit den Lehren der Kirche übereinstimmt, besonders bezüglich der Unantastbarkeit des Lebens und allgemein Angelegenheit hinsichtlich des menschlichen Lebens?
War ich nicht wohltätig in Wort und Tat?
Habe ich Geschwätz verbreitet oder die Fehler und Sünden von anderen offenbart?
Habe ich Geheimnisse, die ich für mich behalten sollte, ausgeplaudert?
Habe ich an den Freitagen während der Fastenzeit oder am Aschermittwoch Fleisch gegessen?
Habe ich wie vorgeschrieben am Aschermittwoch und am Karfreitag gefastet?
Habe ich während der Osterzeit keine Kommunion empfangen?
Habe ich meine Sünden nicht wenigstens einmal pro Jahr gebeichtet?
Habe ich die Kommunion im Zustand der Todsünde empfangen?
Bin ich zur Kommunion gegangen, ohne nicht wenigstens eine Stunde vorher nicht gegessen und getrunken zu haben (Wasser und Medizin sind erlaubt)?
Habe ich eine schlechte Beichte abgelegt?
Habe ich bewusst nicht alle Sünden während einer meiner Beichten gestanden?
Habe ich die Kirche nicht unterstützt?

Wie beichtet man?
1. Der Beichtende bekreuzigt sich und spricht: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“
2. Der Priester sagt in etwa folgendes: „Gott, der unser Herz erleuchtet, schenke dir wahre Erkenntnis deiner Sünden und seiner Barmherzigkeit“.
3. Der Beichtende antwortet mit „Amen“.
4. Es folgt das ehrliche und persönliche Bekenntnis des Beichtenden, das mit einem Reuegebet wie diesem abgeschlossen wird: „Ich bereue, dass ich Böses getan und Gutes unterlassen habe. Erbarme dich meiner, o Herr“. Der Beichtende wird nun mögliche Fragen beantworten, die der Priester an ihn stellt.
5. Der Priester wird dir Ratschläge mitgeben und eine Buße auferlegen.
6. Schließlich erteilt der Priester dem Beichtenden die Lossprechung (Absolution), sofern folgende Voraussetzungen auf der Seite des Beichtenden vorliegen: Reue über die begangenen Sünden, ehrliches Aussprechen der Schuld im Bekenntnis und der Vorsatz, schuldhaftes Verhalten zu ändern und Schaden wieder gutzumachen.
7. Die Lossprechung erfolgt mit folgenden Worten: „Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
8. Der Beichtende antwortet mit „Amen“.
9. Es folgt nun der Dank und die Entlassung.
10. Nach der Beichte kann der Beichtende etwa wie folgt beten: „Allmächtiger und gnädiger Gott, dessen Mitleid grenzenlos und immerwährend und dessen Güte unendlich ist, ich danke Dir, weil Du so großzügig all meine Sünden vergeben und Deine himmlische Gunst wieder hergestellt hast. Ich bin voll Ehrfurcht vor Deinem göttlichen Mitleid und der unfassbaren Liebe Deines Sohnes, die Ihn dazu gebracht hat, ein so mächtiges Heilmittel für Sünden einzurichten. In Verbindung mit all der Dankbarkeit, die jemals zu Dir von aufrichtig bereuenden Herzen aufgestiegen ist lobpreise ich Deine Güte und Dein Mitleid im Namen aller im Himmel, auf der Erde und im Fegfeuer – für alle Zeit. Amen.

(Quellen: www.fathersofmercy.com, www.kathpedia.com, www.bistum-eichstaett.de, www.vatican.va, www.de.wikipedia.org)



Schlusswort
Ich hoffe, dass ich mit all dem eure Herzen, euren Geist und Verstand berührt habe. Mir geht es nicht darum, irgendjemand schlecht aussehen zu lassen, sondern darum, meinen Anteil am Leib Christi – der Kirche, die wir alle zusammen sind – zu leisten.
Gerne stehe ich euch für Rückfragen, persönliche Gespräche, Treffen oder anderes zur Verfügung.

„Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“
(4. Mose 6,24-26 Einheitsübersetzung)

München, 28.12.2014

Robert Gollwitzer
Ridlerstr. 21
80339 München
Tel.: 089/78018960
Mobil: 0170-1293016
Email: free32@gmx.de
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(Verwendung und Verteilung erlaubt und erwünscht!)

“Ungewollt oder ungeliebt zu sein, niemand, er sich um einen kümmert, vergessen von jedem – ich denke, das ist ein viel größerer Hunger, eine viel größere Armut als der Mensch der nichts zu essen hat.”
Mother Teresa

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