Viele Protestanten sind der Meinung, dass man gegen Jesu' Wort verstoße, wenn man andere Menschen "Vater" nennt (siehe Matth 23,9).
Um hier etwas tiefer zu gehen, lohnt es sich durchaus, einmal bei den Kirchenvätern nachzusehen. Bereits gesunder Menschenverstand sagt uns aber, dass es uns nicht verboten ist, etwa unseren leiblichen Vater auch so zu nennen. Hier würde man dem Wort sogar seine Bedeutung nehmen - würde Gott als "himmlischer Vater" doch keine weltliche Entsprechung mehr haben. Wie ist also dieser Vorwurf zu sehen?
In der Bibel ist die Verwendung des Begriffs "Vater" keineswegs nur auf den himmlischen oder den leiblichen Vater beschränkt. Der Kreis derer, die so genannt werden, ist weitaus größer und umfasst Menschen, zu denen wir eine besondere Beziehung und vor denen wir einen hohen Respekt haben.
Joseph erzählt etwa von der besonderen väterlichen Beziehung, die Gott ihm dem König von Ägypten gegenüber gegeben hat (Gen 45,8).
Hiob erwähnt, er habe eine väterliche Beziehung zu denen gehabt, die weniger Glück im Leben hatten (Hiob 29,16).
Gott selbst erwähnt, er würde Eliakim eine Veterrolle zuweisen (Is 22,20-21).
Eine Vaterrolle wurde etwa weisen Ratgebern zugesprochen (etwa Joseph) oder Wohltätern (etwa Hiob) oder beiden (etwa Eliakim), aber auch denen, die für uns ein spiritueller Vater sind (eta Elija in 2 Kön 2,12 oder Elisha in 2 Kön 6,21).
Manche meinen nun, das hätte sich im Neuen Testament geändert. Ist das so?
Wie wir gesehen haben, gilt das Gebot, niemanden Vater zu nennen, nicht für den biologischen Vater. Auch unsere Vorfahren sind damit nicht gemeint (siehe Apostelgeschichte 7,2 oder Röm 9,10).
Es gibt aber auch zahlreiche Beispiele im Neuen Testament wo der Begriff "Vater" für Männer verwendet wird, zu denen kein biologischer Zusammenhang besteht.
Wenn man außerdem Matth 23 genauer untersucht, merkt man schnell, dass Jesus das nicht wörtlich gemeint hat. Man dürfte dann auch niemanden Lehrer nennen (auch das wird in Matth 28,19-20 "verboten"), sodass jemand, der den Titel "Doktor" (was ja nichts anderes als "Lehrer" heitßt!) vor seinem Namen hat, sündigen würde. Gleichwohl trägt Jesus aber den Aposteln auf, anderen das zu lehren, was Er ihnen beigebracht hat. In 1 Tim 2,7 oder 2 Tim 1,11 schreibt Paulus sich selbst die Rolle des Lehrers zu. Im 1. Kor 12,28 (siehe auch Eph 4,11) erinnert er uns daran, dass auch die Kirche lehren soll.
Was hat Jesus also gemeint?
(Fortsetzung folgt)
(Quelle: www.catholic.com)
Philemon 10-11: "Ich bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin. Früher konntest du ihn zu nichts gebrauchen, doch jetzt ist er dir und mir recht nützlich." (Einheitsübersetzung)
Paulus zum Beispiel hatte selbst keine Kinder. Als Kirchenführer hat er aber die Menschen in seiner Gemeinde seine Kinder genannt. Das macht ihn also zu nichts anderem als einem "Vater"! Wenn man einen Bibelvers (also etwa Mt 23,9, wo es heißt, man solle niemanden "Vater" nennen) so einfach aus dem Zusammenhang reisst, kann das schnell zu falschen Auffassungen führen. Wie bei jeder Interpretation muss die gesamte Hl. Schrift im Kontext und im Lichte der Lehrern der Hl. Katholischen Kirche gelesen werden!
Richter 17,9-10: "Micha fragte ihn: Woher kommst du? Er antwortete ihm: Ich bin ein Levit aus Bethlehem in Juda und bin unterwegs, um mich irgendwo als Fremder niederzulassen, wo immer es sei. Micha sagte zu ihm: Bleib bei mir und sei mir Vater und Priester! Ich werde dir jährlich zehn Silberstücke geben, dazu die nötigen Kleider und deinen Lebensunterhalt." (Einheitsübersetzung)
Micha hat also den jungen Leviten gebeten, bei ihm zu bleiben - aber warum denn eigentlich als Vater und Priester? Micha wusste sehr wohl, dass er ein Prieste war, da die Leviten die Priester Gottes waren. Man nannte sie aber auch Väter, denn sie sollten den Kindern Israels ein Vater sein. Eine geistige Vaterschaft war also durchaus üblich im Alten Testament! Und ebenso bekommen wir heute von unserem Priester die nötige geistige Vaterschaft und Führung.
1 Kor 4,14-17: "Nicht um euch bloßzustellen, schreibe ich das, sondern um euch als meine geliebten Kinder zu ermahnen. Hättet ihr nämlich auch ungezählte Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden. Darum ermahne ich euch: Haltet euch an mein Vorbild! Eben deswegen schicke ich Timotheus zu euch, mein geliebtes und treues Kind im Herrn. Er wird euch erinnern an meine Weisungen, wie ich sie als Dienser Christi Jesu überall in allen Gemeinden gebe." (Einheitsübersetzung).
Priester sind unsere geistlichen Väter. Und genauso, wie auch unsere leiblichen Väter die Familie zuhause leiten, leitet ein Priester das Zuhause Jesu: die Kirche. Wenn wir also gefragt werden, warum wir unsere Priester Väter nennen, sollten wir mit einer Gegenfrage antworten: Warum nennt ihr eure Pastoren NICHT Väter? Der Hl. Paulus jedenfalls tut das - und ermutigt auch andere, es zu tun!
Röm 4,16-17: "Deshalb gilt: "aus Glauben", damit auch gilt: "aus Gnade". Nur so bleibt die Verheißung für alle Nachkommen gültig, nicht nur für die, welche das Gesetz haben, sondern auch für die, welche wie Abraham den Glauben haben. Nach dem Schriftwort: Ich habe dich zum Vater vieler Völker bestimmt, ist er unser aller Vater vor Gott, dem er geglaubt hat, dem Gott, der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft." (Einheitsübersetzung).
Sollen wir also glauben, der Hl. Paulus würde mit voller Absicht Jesu Gebot missachten, indem der Abraham Vater nennt? Keineswegs! Der Hl. Paulus wusste vielmehr sehr wohl, was Jesus gemeint hat - und was nicht. Ein wichtiger Punkt: Wir lieben und ehren Gott Vater - aber nicht in der selben Art und Weise, wie wir unsere leiblichen und geistigen Väter (also die Priester) hier auf Erden lieben. Wir ehren unsere Priester, weil sie eben unsere geistigen Väter sind. Göttliche Ehre und Anbetung hingegen gebühren nur Gott Vater allein.
1 Johannes 2,14: "Ich schreibe euch, ihr Kinder, dass ihr den Vater erkannt habt. Ich schreibe euch, ihr Väter, dass ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch, ihr jungen Männer, dass ihr stark seid, dass das Wort Gottes in euch bleibt und dass ihr den Bösen besiegt habt." (Einheitsübersetzung)
Der Hl. Johannes würde ebenso wohl kaum laufend Jesu Gebot missachten, indem er das Wort "Vater" verwendet. Er verstand also keineswegs das Gebot in Mt 23,9 so, wie es manche Christinnen und Christen heute verstehen. Er sah weltliche Väter nicht auf einem Nvieau mit dem himmlischen Vater. Der Hl. Johannes wusste sehr wohl um die wahre Bedeutung von Jesu Gebot - und Katholiken an dieser wahren Bedeutung fest.
1 Thess 2,10-12: "Ihr seid Zeugen, und auch Gott ist Zeuge, wie gottgefällig, gerecht, und untadelig wir uns euch, den Gläubigen, gegenüber verhalten haben. Ihr wisst auch, dass wir, wie ein Vater seine Kinder, jeden Einzelnen von euch ermahnt, ermutigt und beschworen haben zu leben, wie es Gottes würdig ist, der euch zu seinem Reich und zu seiner Herrlichkeit beruft." (Einheitsübersetzung)
Der Hl. Paulus selbst sowie die Leiter der Kirche sind also geistige Väter. Und genau das - jemanden seinen geistigen und spirituellen Vater zu nennen - hat Jesus nicht verurteilt! Er meinte vielmehr, wir sollten Gott die Ehre, Liebe und Hochachtung erweisen, die nur Ihm allein gebührt - und sonst niemandem. Das ist uns Katholiken wohl bewusst und wir halten uns auch daran. Wie immer muss man auch hier die Bibel im Gesamtzusammenhang lesen, um zu einem vollen Verständnis eines einzelnen Bibelverses zu gelangen.
1 Tim 5,1-2: "Einen älteren Mann sollst du nicht grob behandeln, sondern ihm zureden wie einem Vater. Mit jüngeren Männern rede wie mit Brüdern, mit älteren Frauen wie mit Müttern, mit jüngeren wie mit Schwestern, in aller Zurückhaltung." (Einheitsübersetzung).
Wir sind also eine Familie - und dementsprechend sollten wir unsere christlichen Brüder und Schwestern wie Familienangehörige behandeln. Das weltliche Haupt dieser Familie ist der Priester, der uns durch die Sakramente geitsitge Nahrung gibt und den wir deshalb auch respektieren und ehren sollten. Wir sind Christen und als solche Glieder im Leib Christi, die einander spirituell näher stehen als Familienmitglieder, die keine Christen sind.
(Quelle: www.saintjoe.com)
Ja, Christen sehen in Gott ihren liebenden Vater. Aber Gott ist nicht nur das. Wir sind auch Seine Diener - und erst durch Jesu Tod am Kreuz dürfen wir (ja, auch wir!) Gott auch Vater nennen!
(Quelle: Prof. Dr. Scott Hahn)
Roman Catholic Christians have a long custom--tradition--to address their priests as "father." Many Christians feel that this practice is in disagreement with the word of God.
If this passage was meant to be taken literally, then we all offend the Scripture. We all have used "father" to designate our birth father; and "teacher," our instructors at school. On the other hand, the meaning of the scripture is that no person should be given the respect and honor due ultimately to God the Father.
Catholic Christians call the priests "father" with the sense understood by Paul.
(Quelle: http://romanticcatholic.com/apologetics.html - used with permission)
AlphaOmega: Ist es schriftwidrig, jemand "Vater" zu nennen?
Michael Cumbie Evangelistic Association & The Micah Project
Dr. Scott Hahn: Stand Up for Your Faith! (CD)