Katholisch Leben!

The Jesus Brothers

Migration

Ich halte die derzeitige deutsche Flüchtlingspolitik für naiv, verantwortungslos und brandgefährlich. Wer wirklich etwas für die Menschen tun will, die momentan ihre Heimatländer verlassen und zu uns kommen, muss dazu beitragen, das Problem in den Ursprungsländern zu lösen. Egal wie viele Flüchtlinge wir aufnehmen, an der Ursache für ihre Flucht ändert das nicht das Geringste. Das verfestigt in den Heimatländern nur den Status Quo - und führt bei uns zu untragbaren und hoch explosiven Zuständen. Wer jeden, der von der politisch korrekten Sichtweise zum Thema Flüchtlinge abweicht, als fremdenfeindlich abstempelt, macht es sich sehr leicht. Ich stehe zu meiner Position und zu meiner Mitgliedschaft bei der AfD. Gleichzeitig habe ich viele Stunden ehrenamtlicher Praxiserfahrung mit Flüchtlingen, verschiedenste Seminare zu dem Thema auf eigene Kosten besucht und auch diverse Fremdsprachen gelernt. Ich sage dies nicht, mich meiner guten Taten zu rühmen oder mich zu rechtfertigen. Ich weiß, wer ich bin und habe wohl täglich mehr Kontakt zu Flüchtlingen als die meisten. Als Christ begegne ich jedem Menschen mit Liebe und Respekt - und fordere das Gleiche auch für mich ein. Wer etwas für die Flüchtlinge tun will, muss tun, was ihnen wirklich hilft, damit sie sich erst gar nicht auf die Flucht machen müssen. Wer kritiklos einfach nur Türen und Portmonnaies (anderer) öffnet, mag zwar sein eigenes Gewissen beruhigen und schön vor anderen da stehen, muss aber auch die Verantwortung für die Konsequenzen dieses irrationalen Handelns übernehmen.


Zitat der Deutschen Bischofskonferenz:
"Wir haben auch über die gegenwärtigen populistischen Tendenzen in unserem Land gesprochen. Immer wieder kommt die Frage auf, ob man die AfD wählen kann oder nicht. Es geht uns nicht um eine Stigmatisierung der AfD. Aber wir distanzieren uns klar vom populistischen Vorgehen und vielen inhaltlichen Haltungen der Partei, die in Wahlprogrammen und öffentlichen Äußerungen deutlich werden. Die deutschen Bischöfe betonen ihr Bekenntnis zur repräsentativen Demokratie des Grundgesetzes, zur Menschenwürde in all ihren Dimensionen (nicht nur beim Lebensschutz, auch bei der Flüchtlingsfrage), zur Religions- und Weltanschauungsfreiheit, zur sozialen Marktwirtschaft, zu Inklusion und Solidarität mit den Schwachen, zum Zusammenhang zwischen Freiheit und Verantwortung. Wir unterstreichen die Notwendigkeit eines fairen, respektvollen und ehrlichen demokratischen Diskurses.

In aller Klarheit: Mit einer christlichen Perspektive ist politisches Agieren nicht vereinbar, das vom Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen, einem nationalistisches Kulturverständnis, Religionsfreiheit unter dem Vorbehalt staatlicher Kontrolle oder der grundsätzlichen Infragestellung der repräsentativen Demokratielebt. Wir lehnen eine politische Einseitigkeit ab, die Antworten auf drängende Fragen in einer globalisierten Welt stets so gibt, dass es auf Abschottung und Rückkehr in längst vergangene Zeiten hinausläuft, die vermeintlich Sicherheit gewährleisten."

Werte Bischöfe, die Position der AfD beruht nicht auf diffusen "Ängsten vor Überfremdung" oder auf "Schüren von Fremdenfeindlichkeit", so als ob es sich hier um fehlgeleitete psychisch Kranke handelt, sondern auf rationalen Argumenten. Vor allem aber ist die gegenwärtige Migrationspolitik nicht mit einer christlichen Perspektive vereinbar, da sie verantwortungslos gegenüber den Migranten und den Einheimischen ist und teilweise auch gut Geld damit verdient wird - auch kirchlicherseits. Wir haben kein "nationalistisches Kulturverständnis", sondern wir lieben unser Land, so wie andere Völker ihre Länder lieben. Religion sollte insoweit frei sein, als es sich wirklich um Religionen handelt - und nicht um totalitäre Ideologien. Es würde mich auch interessieren, anhand welchen Zitates die Bischöfe belegen wollen, dass die AfD "in längst vergangene Zeiten" zurückkehren will, "die vermeintlich Sicherheit gewährleisten." Auf gut Deutsch heißt doch das nichts anderes als dass sie sich eine Rückkehr in das Nazi-Deutschland wünschen. Das ist eine üble Form der Verleumdung und kann durch nichts belegt werden. Vor allem aber ist eine solche Behauptung alles andere als christlich.

Mit einer derart dilletantischen Alltags-Psychologie und mit einer naiven, politisch korrekten Gutmenschen-Politik ist niemandem geholfen - ganz im Gegenteil.

Die katholischen Bistümer haben teils ein Milliarden-Vermögen angehäuft. Wenn euch so an den Migranten und Armen gelegen ist, dann kann ich nur eines von euch fordern: Her mit der Kohle! Gebt euren Reichtum denen, die ihn wirklich brauchen und erspart uns pseudo-sozialistische Parolen, die regelmäßig von anderen fordern, dass sie etwas tun oder lassen sollen. Das Problem am Sozialismus aber ist, dass einem irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht!


Christliche Organisationen reagierten ja sehr aggressiv auf den Vorwurf, sie würden an den Flüchtlingen kräftig verdienen. Gleichzeitig scheinen ihre Mitarbeiter sich aber um jeden Preis und immer für Flüchtlinge auszusprechen und schon fast panisch Fakten, die nicht in dieses Weltbild passen, zu meiden oder "wegzuerklären". In bester Bollwerk-Mentalität werden da die eigenen Mitarbeiter mit "Argumentationshilfen" ausgestattet - und Tatsachen, die ganz andere Perspektiven zulassen, mehr oder weniger bewusst ignoriert. Andersdenkende werden - wenn Nichtbeachtung nicht mehr weiter hilft - in eine radikale Ecke gestellt - fast auf einem Niveau mit Nazis. Oder es werden ihnen diffuse "Ängste" unterstellt, sie also als psychisch instabil präsentiert - als Menschen, mit denen man Mitleid haben muss. Das ist Propaganda der untersten Schublade.
Ich liebe die Kirche und mit einem solchen Verhalten helfen wir bestimmt nicht der Sache der Flüchtlinge. Vom Schaden, den wir dem Ansehen der Kirche dabei zufügen, ganz zu schweigen.


Asylbewerber (in Österreich Asylwerber; in der Schweiz Asylsuchende) sind Personen, die in einem Territorium oder einem Staat, dessen Staatsangehörigkeit sie nicht besitzen, Asyl, also Aufnahme und Schutz vor politischer, religiöser oder sonstiger Verfolgung suchen. Der Begriff Asylant wird gelegentlich als abwertend empfunden und von Behörden nicht verwendet.

„Das Völkerrecht zieht eine klare Trennlinie: Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, werden als Flüchtlinge bezeichnet. Menschen, die aus eigenem Antrieb ihr Land verlassen, gelten als Migranten und solche, die einen Asylantrag gestellt haben, über den noch nicht entschieden wurde, werden als Asylbewerber bezeichnet.“

Der Staat, in dem die Asylbewerber Aufnahme suchen, prüft in einem Asylverfahren, ob ein Anspruch auf Asyl besteht. Wer weder als Flüchtling anerkannt wird noch Asyl erhält, kann in Deutschland vorübergehend subsidiären Schutz erhalten.

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Als Flüchtling bezeichnet man eine Person, die ihre Heimat hat verlassen müssen und in absehbarer Zeit nicht dorthin zurückkehren kann. In der Regel flüchten diese Personen in ein Flüchtlingslager oder in ein urbanes Zentrum eines Nachbarlandes, um dort Asyl, Schutz und Unterstützung zu suchen. Mehr als 60 % der Flüchtlinge und 80 % der intern vertriebenen Personen leben in urbanen Zentren.

Nach der Genfer Flüchtlingskonvention gilt als Flüchtling eine Person, die „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt“. Menschen, die aufgrund der Genfer Flüchtlingskonvention als Flüchtlinge anerkannt wurden, werden auch als Konventionsflüchtlinge bezeichnet.

„Das Völkerrecht zieht eine klare Trennlinie: Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, werden als Flüchtlinge bezeichnet. Menschen, die aus eigenem Antrieb ihr Land verlassen, gelten als Migranten und solche, die einen Asylantrag gestellt haben, über den noch nicht entschieden wurde, werden als Asylbewerber bezeichnet.“

Wer weder als Flüchtling anerkannt wird noch Asyl erhält, kann in Deutschland vorübergehend subsidiären Schutz erhalten.

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Als Migranten werden jene Menschen bezeichnet, die von einem Wohnsitz/Land zu anderen Wohnsitzen/Ländern wandern beziehungsweise durchziehen. Sie geben (wie viele Expatriates) ihren bisherigen Wohnsitz auf, um an einen anderen Wohnsitz zu ziehen (das lateinische Verb migrare bedeutet auswandern, wandern, reisen).

„Das Völkerrecht zieht eine klare Trennlinie: Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, werden als Flüchtlinge bezeichnet. Menschen, die aus eigenem Antrieb ihr Land verlassen, gelten als Migranten und solche, die einen Asylantrag gestellt haben, über den noch nicht entschieden wurde, werden als Asylbewerber bezeichnet.“

Wer weder als Flüchtling anerkannt wird noch Asyl erhält, kann in Deutschland vorübergehend subsidiären Schutz erhalten.

(Quelle: Wikipedia)

Adressen

Wilhelm Dräxler

Migrations-Beauftragter des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising e.V.

Hirtenstr. 4

80335 München

Tel.: 089 / 55169-471

Email: [email protected]


Alveni - Dienste für Flüchtlinge

Arnulfstr. 83

80634 München

Tel.: 089/724499200

https://www.caritas-nah-am-naechsten.de/Migration/Alveni-Fluechtlingsdienste/default.aspx



Willkommen in München

https://willkommen-in-muenchen.de/



Schiller 25 - Migrationsberatung Wohnungsloser

Schillerstraße 25 / Ecke Landwehrstraße

80336 München

Tel.: 089 - 54 59 41 40, Fax: 089 - 54 59 41 50

E-Mail: [email protected]

http://www.hilfswerk-muenchen.de/86_7_1_Schiller%2025%20-%20Migrationsberatung%20Wohnungsloser.html




Josip Smoljo

Migrationsberatung für Erwachsene bei der Caritas Regensburg

Von-der-Tann-Straße 9

93407 Regensburg

Tel.: 0941 / 5021-156

Email: [email protected]


Refugee Law Clinic Regensburg

Arbeitet im Asyl- und Ausländerrecht. Angesichts der derzeit rund 700 Flüchtlinge in Regensburg besteht in diesem Rechtsgebiet gesteigerter Beratungsbedarf. Um das Asylverfahren als solches geht es zwar auch, aber nicht nur. Begleitend stellt sich eine Vielzahl weiterer Fragen, z.B. zur Krankenversorgung oder Arbeitsaufnahme.

Lehrstuhl Prof. Dr. Alexander Graser

Universitätsstraße 31

93053 Regensburg

Deutschland

Telefon +49 941 943-5763

Mail: [email protected]

Internet: www.rlc-regensburg.de


Refugee Law Clinic Munich e.V.

"Wir bieten AsylbewerberInnen, Flüchtlingen und AusländerInnen eine kostenlose Anlaufstelle und stehen bei juristischen, administrativen und sonstigen Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Dabei stehen wir in ständigem Kontakt mit den Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten aus unserem Beirat. (Beirat) Egal ob jung oder alt, Mann oder Frau – wir möchten allen Asylbewerberinnen und Asylbewerbern, Flüchtlingen und Ausländern eine kostenlose Rechtberatung anbieten."

vertreten durch Tassilo Schröck

Tulbeckstr. 2A

80339 München

Telefon: +49 (0) 157 516 110 20

Fax: +49 (89) 255513-4436

E-Mail: [email protected]

Internet: www.lawclinicmunich.de


ArrivalAid

David J. Offenwanger (Geschäftsführer)

Hochbrückenstr. 8 München

[email protected]

 

 

Mögliche Fragen des BAMF: https://nksnet.wordpress.com/asylum/

 

adwiGa - Fachberatungsstelle

Schwanthalerstr. 79

80336 München

Tel.: 089-38534455

www.jadwiga-online.de

 

Mathias Hühnerbein (Supervisor)

Kleestr. 21-23

90461 Nürnberg

Tel.: 0911-23985950

www.proceo.de

 

mimikri - Chancen für junge Flüchtlinge

Kleestr. 21-23

90461 Nürnberg

Tel.: 0911-23985340

www.mimikri.eu

 

FBB - Fortbildung für Betreuerinnen und Betreuer

Kleestr. 21-23

90461 Nürnberg

Tel.: 0911-23985340

www.fbbweb.de



Wer etwas "Gutes" tut, also anderen Menschen in irgendeiner Form hilft oder helfen will, sollte im Kopf immer folgende Checkliste haben:

1. Subsidiarität: Ich helfe Menschen nur dort, wo sie sich nicht selbst helfen können und wenn möglich befähige ich sie, dies zu tun.
2. Ich höre immer wieder in mich hinein: Warum tue ich das eigentlich? Wirklich nur für die anderen oder weil ich damit - bewusst oder unbewusst - ein eigenes Gefühl oder Bedürfnis befriedigen will? Beispiele: Emotionale oder soziale Bedürfnisse, Geltungsbedürfnisse, Bedürfnis danach, gebraucht zu werden, gerne im Mittelpunkt stehen oder kommandieren, Helfer-Syndrom etc. Am besten in Supervision.
3. Ich sorge dafür, dass ich auch fachlich qualifiziert bin.
4. Ich achte auf meine eigene körperliche, psychische und spirtuelle Gesundheit.
5. Ich gebe meinen Glauben und meine Überzeugungen dabei nicht ab.
6. Ich werte Kritik nicht automatisch als persönlichen Angriff.
7. Ich tue dies uneigennützig und bedingungslos. So darf ich meine Hilfe nicht nur auf Menschen einer Religion beschränken. Auch muss ich damit rechnen, dass sich der Hilfeempfänger nicht zwangsweise danbkbar zeigt.
8. Ich sage den Hilfeempfängern, was sie hören müssen und nicht nur, was sie hören wollen. Ebenso verfahre ich mit meinen Taten.
9. Ich liebe andere, weil Gott mich zuerst geliebt hat.
10. Wenn ich etwas Gutes tue, rede ich nicht darüber. Ich gebe nicht damit an und halte mich nicht für etwas Besonderes deswegen.

Flüchtlinge


Hospitalität

Wir Barmherzigen Brüder legen nicht nur die klassischen drei Mönchsgelübde - ehelose Keuschheit, Armut und Gehorsam - ab, sondern auch ein viertes Gelübde, das der Hospitalität. Hospitalität lässt sich, einfach ausgedrückt, mit dem Wort Gastfreundschaft übersetzen. Man muss dieses Wort Gastfreundschaft jedoch biblisch interpretieren, um zu verstehen, was Hospitalität im Geist der Tradition des heiligen Johannes von Gott bedeutet.

Die Konstitutionen des Ordens der Barmherzigen Brüder sehen den Ursprung dieses Gelübdes im Leben Jesu selber, der, vom Geist gesalbt und gesandt, den Armen die Frohe Botschaft brachte und die Kranken heilte (vgl. Lukas 4,18-19). Die Konsequenz der gelobten Hospitalität wird von den Konstitutionen mit drei knappen Sätzen umschrieben: sich für die Rechte der Person einzusetzen und über sie zu wachen; der Mensch hat das Recht, geboren zu werden und menschenwürdig zu leben; er hat den Anspruch auf Pflege in seiner Krankheit und das Recht, in Würde zu sterben. Diese sehr knappen Aussagen müssen auf den jeweiligen Zweck der Einrichtung hin interpretiert werden. Das geschieht zum Beispiel durch die Leitbilder oder auch durch die Charta der Hospitalität, die vor wenigen Monaten erschienen ist. Maßstab für diese Interpretation ist das Leben des Ordensgründers des heiligen Johannes von Gott.

„Das Handeln des Johannes von Gott für die Armen und Kranken überraschte und machte betroffen, wirkte aber zugleich wie ein Lichtstrahl, der neue Wege zur Betreuung und zum humanen Umgang mit ihnen wies. Er hat praktisch aus dem Nichts ein alternatives Modell geschaffen, wie man Bürger, Christ und dem Schwächsten Bruder sein kann. Diese prophetische Hospitalität hat wie ein Sauerteig im Gesundheitsdienst und in der Kirche gewirkt. Das Modell des heiligen Johannes von Gott hat auch als kritisches Gewissen gewirkt und neue Wege für Hilfsinitiativen zum Wohle der Armen und Randgruppen gewiesen.“ (Charta der Hospitalität)

http://www.barmherzige.de/1346.html

 

Die Thematik der Flüchtlinge ist ja allgegenwärtig in den Medien und jeder hat irgendwie etwas zu sagen hierzu, wenig davon hilft den Betroffenen tatsächlich.


Die Lösungsvorschläge des Flüchtlings-Problems reichen vom Aufmachen der Grenzen und dem ungehinderten Zustrom jedes Menschen, der aus irgendeinem Grund sein Land verlassen möchte bis hin zum kompletten verschließen derselben. Beides ist naiv und würde katastrophale Konsequenzen haben.


Was also tun?


Die Lösung kann und darf nur zweigleisig erfolgen:

1) Befriedigung der Grundbedürfnisse sowohl in den Heimatländern wie dort, wohin sie geflohen sind.

2) Beseitigung der Ursache für die Flucht.


Menschen, die in Not sind, muss geholfen werden – unabhängig davon, wer hier „Recht“ hat und wer „schuld“ ist. Wir sind eine Menschheit, eine Familie und füreinander verantwortlich. Dies verlangt viel von jedem von uns – als Privatmenschen wie als Organisationen und Staaten.

Den Flüchtlingen jedoch nur Essen und Obdach zu geben, ohne die Ursachen zum Thema zu machen, ist verantwortungslos und unsinnig. Deshalb ist jeder von uns auch gerufen, Anteil am täglichen politischen Geschehen zu nehmen. Gerade Wohlfahrtsorganisationen und Staaten tun gut daran, dazu beizutragen, dass die Wurzel des Problems bereits in den Herkunftsländern beseitigt wird – sei es nun sozial-caritativ oder militärisch.

Gerade bei letzterem scheinen wir Deutschen ja immer noch einen Komplex zu haben. Sollen doch die anderen. Wir halten uns schön heraus und steuern allerhöchstens logistische Mittel bei. Wir kurzfristig ist doch diese Denkweise! Wenn wir uns dann doch einmal dazu hinreißen lassen, mehr zu tun, nimmt das schon fast peinliche Ausmaße an: Lang hat die deutsche Regierung zugesehen, wie der IS Menschen abschlachtete, um dann irgendwann ein paar Maschinengewehre rüber zu schicken. Wohl eher zur eigenen Gewissensberuhigung und zur Beruhigung der Kritiker, denn Maschinengewehre helfen gegen die schwere Bewaffnung des IS nichts. Gleichzeitig hat man aber keine Probleme damit, zweifelhaften Staaten wie Saudi Arabien alle möglichen Waffen zu verkaufen.


Was heißt dies für Wohlfahrtsorganisationen?


Wer Hungrigen zu essen gibt, muss auch nachfragen, warum sie hungrig sind und die Schuldigen hierfür an den Pranger stellen bzw. konkrete Lösungsvorschläge anbieten.


In all dem jedoch, muss unser tun Zeugnis geben von unserem Glauben.


Es ist kein Staatsgeheimnis, dass die großen christlichen Kirchen steinreich sind und enorme Mehreinnahmen an Kirchensteuer haben. Hiervon profitieren letztlich auch kirchliche Wohlfahrtsunternehmen. Wir sollten uns also immer unsere Verantwortung vor Augen halten: Hier sind Menschen, die ums nackte Überleben kämpfen. Wie schnell und wie effektiv können und müssen wir helfen?

Dies sollte immer in unserem Kopf sein, wenn wir Entscheidungen über eigene Ausgaben treffen – sei es bei der Renovierung unserer Gebäude, bei Ausgaben für Ausstattung oder was auch immer.

Wenig hilfreich und keinesfalls ein würdiger Ausdruck unseres Auftrages sind repräsentative Multi-Millionen-Verwaltungszentren, egal wie schön wir das in der Öffentlichkeit reden. Uns ist allen bewusst, dass es auch billiger geht. Es gibt Menschen, die unsere Hilfe und unser Geld eher nötig haben. Menschen, die um ihr nacktes Überleben kämpfen.

Mit all unserem gutgemeintem Qualitätsmanagement, unserer Corporate Identity und unserem medienwirksamen Auftritt laufen wir Gefahr, unsere Seele zu verlieren.


Wie wäre es, wenn wir nicht nur etwas „für“ Flüchtlinge tun, sondern „mit“ ihnen! Wenn wir keine Veranstaltungen über sie machen, sondern uns dort mit ihnen treffen, wo sie leben und uns nicht zu schade dafür sind –egal, ob das nun „schöne“ Bilder in der Presse gibt oder nicht?

Öffnen wir unsere Verwaltungsgebäude, unsere Kirchen und Liegenschaften, ja unsere Wohnungen für die, die Hilfe am Nötigsten haben!

 

BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS ZUM WELTTAG DES MIGRANTEN UND FLÜCHTLINGS (2015)

"Kirche ohne Grenzen, Mutter aller"


Liebe Brüder und Schwestern,

Jesus ist »der Evangelisierende schlechthin und das Evangelium in Person« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 209). Seine Sorge, besonders für die am meisten Gefährdeten und an den Rand Gedrängten fordert alle auf, sich der Schwächsten anzunehmen und sein leidendes Angesicht vor allem in den Opfern der neuen Formen von Armut und Sklaverei zu erkennen. Der Herr sagt: »Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen« (Mt 25,35-36). Aufgabe der Kirche, der Pilgerin auf Erden und Mutter aller, ist es daher, Jesus Christus zu lieben, ihn anzubeten und ihn zu lieben, besonders in den Ärmsten und den am meisten Vernachlässigten; zu ihnen gehören gewiss die Migranten und die Flüchtlinge, die versuchen, harte Lebensbedingungen und Gefahren aller Art hinter sich zu lassen. Darum hat der Welttag der Migranten und Flüchtlinge in diesem Jahr das Thema: Kirche ohne Grenzen, Mutter aller.

In der Tat breitet die Kirche ihre Arme aus, um unterschiedslos und unbegrenzt alle Völker aufzunehmen und um allen zu verkünden: »Gott ist die Liebe« (1 Joh 4,8.16). Nach seinem Tod und seiner Auferstehung hat Jesus seinen Jüngern die Aufgabe anvertraut, seine Zeugen zu sein und das Evangelium der Freude und der Barmherzigkeit zu verkünden. Am Pfingsttag haben sie mutig und begeistert den Abendmahlssaal verlassen; die Kraft des Heiligen Geistes hat sich über Zweifel und Unsicherheiten behauptet und hat bewirkt, dass jeder ihre Verkündigung in der eigenen Sprache verstand. So ist die Kirche von Anfang an eine Mutter, deren Herz der ganzen Welt ohne Grenzen offensteht. Diese Sendung zieht sich bereits über zwei Jahrtausende der Geschichte hin, doch schon von den ersten Jahrhunderten an hat die missionarische Verkündigung die universale Mutterschaft der Kirche betont, die dann in den Schriften der Väter entfaltet und vom Zweiten Vatikanischen Konzil wieder aufgegriffen wurde. Die Konzilsväter haben von der Ecclesiae mater gesprochen, um ihr Wesen zu erklären. Sie bringt nämlich Söhne und Töchter hervor, gliedert sie ein und umfasst sie in liebender Sorge (vgl. Dogm. Konst. Lumen gentium, 14).

Die Kirche ohne Grenzen und Mutter aller verbreitet in der Welt die Kultur der Aufnahme und der Solidarität, der zufolge niemand als unnütz, als fehl am Platze oder als Auszusondernder betrachtet wird. Wenn die christliche Gemeinschaft ihre Mutterschaft tatsächlich lebt, schenkt sie Nahrung, Orientierung, Wegweisung, geduldige Begleitung. Sie kommt den Menschen im Gebet wie in den Werken der Barmherzigkeit nahe.

Heute nimmt all das eine besondere Bedeutung an. In einer Zeit so umfangreicher Migrationen verlässt nämlich eine große Zahl von Menschen ihre Ursprungsorte und tritt die gewagte Reise der Hoffnung an mit einem Gepäck voller Sehnsüchte und Ängste, auf der Suche nach menschlicheren Lebensbedingungen. Nicht selten lösen jedoch diese Wanderungsbewegungen auch in kirchlichen Gemeinden Misstrauen und Feindseligkeiten aus, noch bevor man die Geschichten des  Lebens, der Verfolgung oder des Elends der betroffenen Menschen kennt. In dem Fall geraten Verdächtigungen und Vorurteile in Konflikt mit dem biblischen Gebot, den bedürftigen Fremden mit Achtung und Solidarität aufzunehmen.

Einerseits wird man im Innersten des Gewissens den Ruf gewahr, das menschliche Elend zu berühren und das Liebesgebot in die Tat umzusetzen, das Jesus uns hinterlassen hat, als er sich mit dem Fremden, dem Leidenden und mit allen unschuldigen Opfern von Gewalt und Ausbeutung identifizierte. Andererseits verspüren wir aber aufgrund der Schwäche unserer menschlichen Natur »die Versuchung, Christen zu sein, die einen sicheren Abstand zu den Wundmalen des Herrn halten« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 270).

Der Mut des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe ermöglicht es, die Abstände zu vermindern, die uns von den menschlichen Tragödien trennen. Jesus Christus ist immer in der Erwartung, in den Migranten und den Flüchtlingen, in den Vertriebenen und den Heimatlosen erkannt zu werden, und auch auf diese Weise ruft er uns auf, die Ressourcen zu teilen und manchmal auf etwas von unserem erworbenen Wohlstand zu verzichten. Daran erinnerte Papst Paul VI., als er sagte: »Die am meisten Bevorzugten müssen auf einige ihrer Rechte verzichten, um mit größerer Freigebigkeit ihre Güter in den Dienst der anderen zu stellen« (Apostolisches Schreiben Octogesima adveniens, 14. Mai 1971, 23).

Überdies ermutigt der multikulturelle Charakter der heutigen Gesellschaften die Kirche, neue Verpflichtungen der Solidarität, des Miteinanders und der Evangelisierung zu übernehmen. Die Wanderungsbewegungen regen nämlich dazu an, die Werte zu vertiefen und zu stärken, die notwendig sind, um das harmonische Zusammenleben von Menschen und Kulturen zu gewährleisten. Zu diesem Zweck kann die bloße Toleranz, die den Weg zur Achtung gegenüber den Verschiedenheiten öffnet und ein Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft und  Kultur in Gang bringt, nicht genügen. Hier fügt sich die Berufung der Kirche ein, die Grenzen zu überwinden und einen »Übergang von einer Haltung der Verteidigung und der Angst, des Desinteresses oder der Ausgrenzung … zu einer Einstellung, deren Basis die „Kultur der Begegnung“ ist«,  zu fördern. »Diese allein vermag eine gerechtere und brüderlichere … Welt aufzubauen« (Botschaft zum Welttag des Migranten und des Flüchtlings 2014).

Die Wanderungsbewegungen haben allerdings solche Dimensionen angenommen, dass nur eine systematische und tatkräftige Zusammenarbeit, welche die Staaten und die internationalen Organisationen einbezieht, imstande sein kann, sie wirksam zu regulieren und zu leiten. Tatsächlich rufen die Migrationen alle auf den Plan, nicht nur wegen des Ausmaßes des Phänomens, sondern auch »wegen der sozialen, wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und religiösen Probleme, die es aufwirft, wegen der dramatischen Herausforderungen, vor die es die Nationen und die internationale Gemeinschaft stellt« (Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 29. Juni 2009, 62).

Auf der internationalen Tagesordnung stehen häufige Debatten über die Zweckmäßigkeit, die Methoden und die Rechtsvorschriften, um dem Migrationsphänomen zu begegnen. Es gibt Organismen und Einrichtungen auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene, die ihre Arbeit und ihre Energien in den Dienst derer stellen, die mit der Auswanderung ein besseres Leben suchen. Trotz ihrer großherzigen und lobenswerten Bemühungen ist eine tiefer greifende und wirksamere Aktion notwendig, die sich eines universalen Netzes der Zusammenarbeit bedient, gegründet auf den Schutz der Würde und der Zentralität jedes Menschen. Auf diese Weise wird der Kampf gegen den schändlichen und kriminellen Menschenhandel, gegen die Verletzung der Grundrechte, gegen alle Formen von Gewalt, Überwältigung und Versklavung wirkungsvoller sein. Gemeinsam zu arbeiten verlangt jedoch Wechselseitigkeit und Zusammenwirken mit Bereitschaft und Vertrauen, in dem Bewusstsein, dass »Kein Land … den Schwierigkeiten, die mit diesem Phänomen verbunden sind, alleine gegenübertreten [kann]; es ist so weitreichend, dass es mittlerweile alle Kontinente in der zweifachen Bewegung von Immigration und Emigration betrifft« (Botschaft zum Welttag des Migranten und des Flüchtlings 2014).

Auf die Globalisierung des Phänomens der Migration muss mit der Globalisierung der Nächstenliebe und der Zusammenarbeit geantwortet werden, um die Lage der Migranten menschlicher zu gestalten. Zugleich müssen die Bemühungen verstärkt werden, Bedingungen zu schaffen, die geeignet sind, eine fortschreitende Verminderung der Gründe zu gewährleisten, welche ganze Völker dazu drängen, aufgrund von Kriegen und Hungersnöten, die sich häufig gegenseitig bedingen, ihr Geburtsland zu verlassen.

Mit der Solidarität gegenüber den Migranten und den Flüchtlingen müssen der Mut und die Kreativität verbunden werden, die notwendig sind, um weltweit eine gerechtere und angemessenere Wirtschafts- und Finanzordnung zu entwickeln, gemeinsam mit einem verstärkten Einsatz für den Frieden, der eine unabdingbare Voraussetzung für jeden echten Fortschritt ist.

Liebe Migranten und Flüchtlinge! Ihr habt einen besonderen Platz im Herzen der Kirche, und ihr helft ihr, die Dimensionen ihres Herzens zu erweitern, um ihre Mutterschaft gegenüber der gesamten Menschheitsfamilie zum Ausdruck zu bringen. Verliert nicht eure Zuversicht und eure Hoffnung! Denken wir an die in Ägypten im Exil lebende Heilige Familie: Wie sich im mütterlichen Herzen der Jungfrau Maria und im fürsorglichen Herzen des heiligen Josefs das Vertrauen hielt, dass Gott uns niemals verlässt, so möge es auch euch nie an diesem Vertrauen auf den Herrn fehlen. Ihrem Schutz vertraue ich euch an und erteile euch allen von Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 3. September 2014

Franziskus



“Wir werden uns nicht wünschen, wir hätten mehr Geld gemacht, mehr Zeug angehäuft, komfortabler gelebt, mehr Urlaub gemacht, mehr Fernsehen geschaut, eine bessere Rente angestrebt oder erfolgreicher in den Augen dieser Welt gewesen. Stattdessen, werden wir uns wünschen, dass wir mehr von uns selbst gegeben hätten, um für den Tag zu leben, wenn jede Nation, jeder Stamm, jedes Volk und Sprache sich um den Thron verneigen und dem Erlöser zu Ehren singen wird, der Freude hat am radikalen Gehorsam – und dem Gott, der ewigen Lobpreis verdient.”

― David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream


“Opfer bedeutet das wegzugeben, bei dem das Geben weh tut. Opfer bedeutet nicht gemäß deinen Möglichkeiten zu geben, sondern darüber hinaus.”

― David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream


„Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus: denn er wird sagen: "Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen." (Mt 25,35)“

„Vor allem bei der Aufnahme von Armen und Fremden zeige man Eifer und Sorge, denn besonders in ihnen wird Christus aufgenommen.“

Benedikt von Nursia – “Benediktus-Regel”


 


BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS  ZUM WELTTAG DES MIGRANTEN  UND FLÜCHTLINGS (2014)

„Migranten und Flüchtlinge: unterwegs zu einer besseren Welt“

Liebe Brüder und Schwestern,

wie nie zuvor in der Geschichte erleben unsere Gesellschaften Prozesse weltweiter gegenseitiger Abhängigkeit und Wechselwirkung, die, obgleich sie auch problematische oder negative Elemente aufweisen, das Ziel haben, die Lebensbedingungen der Menschheitsfamilie zu verbessern, und zwar nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in politischer und kultureller Hinsicht. Jeder Mensch gehört ja der Menschheit an und teilt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft mit der gesamten Völkerfamilie. Aus dieser Feststellung geht das Thema hervor, das ich für den diesjährigen Welttag des Migranten und Flüchtlings gewählt habe: „Migranten und Flüchtlinge: unterwegs zu einer besseren Welt“.

Unter den Ergebnissen der modernen Veränderungen ragt als ein „Zeichen der Zeit“ – so hat Papst Benedikt XVI. es definiert (vgl. Botschaft zum Welttag des Migranten und Flüchtlings 2006) – das zunehmende Phänomen der menschlichen Mobilität heraus. Wenn nämlich einerseits die Migrationen häufig Mängel und Versäumnisse der Staaten und der Internationalen Gemeinschaft anzeigen, offenbaren sie andererseits auch das Bestreben der Menschheit, die Einheit in der Achtung der Unterschiede, die Aufnahmebereitschaft und die Gastfreundschaft zu leben, die eine gerechte Teilung der Güter der Erde sowie den Schutz und die Förderung der Würde und der Zentralität jedes Menschen erlauben.

Aus christlicher Sicht besteht auch in den Migrationserscheinungen – wie in anderen Dingen, die den Menschen betreffen – die Spannung zwischen der von der Gnade und der Erlösung geprägten Schönheit der Schöpfung und dem Geheimnis der Sünde. Der Solidarität und der Aufnahmebereitschaft, den Gesten der Brüderlichkeit und des Verständnisses stellen sich Ablehnung, Diskriminierung und die Machenschaften der Ausbeutung, des Schmerzes und des Todes entgegen. Besorgnis erregend sind vor allem die Situationen, in der die Migration nicht nur aus Zwang geschieht, sondern sogar in verschiedenen Formen  von Menschenhandel und Versklavung stattfindet. „Sklavenarbeit“ ist heute gültige Währung! Und doch ist das, was trotz der zu bewältigenden Probleme, Risiken und Schwierigkeiten viele Migranten und Flüchtlinge treibt, die Kombination aus Vertrauen und Hoffnung; sie tragen die Sehnsucht nach einer besseren Zukunft im Herzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Familien und für die Menschen, die ihnen lieb sind.

Was bedingt die Schaffung einer „besseren Welt“? Dieser Ausdruck spielt nicht naiv auf abstrakte Vorstellungen oder auf etwas Unerreichbares an, sondern leitet vielmehr zur Bemühung um eine authentische, ganzheitliche Entwicklung an und zum Handeln, damit es würdige Lebensbedingungen für alle gibt, damit den Bedürfnissen der einzelnen Menschen und der Familien in rechter Weise entsprochen wird und damit die Schöpfung, die Gott uns geschenkt hat, geachtet, bewahrt und gepflegt wird. Der ehrwürdige Diener Gottes Paul VI. beschrieb die Bestrebungen der Menschen von heute mit diesen Worten: »Freisein von Elend, Sicherung des Lebensunterhalts, Gesundheit, feste Beschäftigung, Schutz vor Situationen, die seine Würde als Mensch verletzen, ständig wachsende Leistungsfähigkeit, bessere Bildung, mit einem Wort: mehr arbeiten, mehr lernen, mehr besitzen, um mehr zu gelten« (Enzyklika Populorum progressio, 26 März 1967, 6).



Unser Herz sehnt sich nach einem „Mehr“, das nicht einfach ein Mehr an Wissen oder an Besitz ist, sondern vor allem bedeutet, mehr zu sein. Man kann die Entwicklung nicht auf das bloße Wirtschaftswachstum reduzieren, das häufig verfolgt wird, ohne auf die Ärmsten und die Schutzlosesten Rücksicht zu nehmen. Die Welt kann nur besser werden, wenn die Hauptaufmerksamkeit dem Menschen gilt, wenn die Förderung der Person ganzheitlich angelegt ist und alle ihre Dimensionen betrifft, einschließlich der geistigen; wenn niemand vernachlässigt wird, auch nicht die Armen, die Kranken, die Gefangenen, die Bedürftigen, die Fremden (vgl. Mt 25,31-46); wenn man dazu fähig ist, von einer Wegwerf-Mentalität zu einer Kultur der Begegnung und der Aufnahme überzugehen. 

Migranten und Flüchtlinge sind keine Figuren auf dem Schachbrett der Menschheit. Es geht um Kinder, Frauen und Männer, die aus verschiedenen Gründen ihre Häuser verlassen oder gezwungen sind, sie zu verlassen, Menschen, die den gleichen legitimen Wunsch haben, mehr zu lernen und mehr zu besitzen, vor allem aber mehr zu sein. Die Anzahl der Menschen, die von einem Kontinent zum anderen ziehen, wie auch derer, die innerhalb ihrer Länder und ihrer geographischen Gebiete einen Ortswechsel vornehmen, ist eindrucksvoll. Die augenblicklichen Migrationsströme sind die umfassendsten Bewegungen von Menschen –wenn nicht von Völkern –, die es je gegeben hat. Mit Migranten und Flüchtlingen unterwegs, bemüht sich die Kirche, die Ursachen zu verstehen, die diese Wanderungen auslösen. Zugleich arbeitet sie aber auch daran, die negativen Folgen der Wanderbewegungen zu überwinden und ihre positiven Auswirkungen auf die Gemeinschaften an den Herkunfts-, Durchreise- und Zielorten zu nutzen.

Leider können wir, während wir die Entwicklung zu einer besseren Welt anregen, nicht schweigen über den Skandal der Armut in ihren verschiedenen Dimensionen. Gewalt, Ausbeutung, Diskriminierung, Ausgrenzung und Einschränkungen der Grundfreiheiten sowohl von Einzelnen als auch von Gemeinschaften sind einige der Hauptelemente der Armut, die überwunden werden müssen. Vielmals kennzeichnen gerade diese Aspekte die Migrationsbewegungen und verbinden Migration mit Armut. Auf der Flucht vor Situationen des Elends oder der Verfolgung, um bessere Aussichten zu finden oder mit dem Leben davonzukommen begeben sich Millionen von Menschen auf Wanderung, und während sie auf die Erfüllung ihrer Erwartungen hoffen, stoßen sie häufig auf Misstrauen, Verschlossenheit und Ausschließung und werden von anderen, oft noch schwereren Formen des Unglücks getroffen, die ihre Menschenwürde verletzen.

Die Wirklichkeit der Migrationen verlangt in den Dimensionen, die sie in unserer Zeit der Globalisierung annimmt, eine neue angemessene und wirksame Art der Handhabung, die vor allem eine internationale Zusammenarbeit und einen Geist tiefer Solidarität und ehrlichen Mitgefühls erfordert. Wichtig ist die Zusammenarbeit auf den verschiedenen Ebenen, unter gemeinsamer Anwendung der normativen Mittel, welche den Menschen schützen und fördern. Papst Benedikt XVI. hat die Koordinaten dafür umrissen, als er betonte: »Eine solche Politik muss ausgehend von einer engen Zusammenarbeit zwischen Herkunfts- und Aufnahmeländern der Migranten entwickelt werden; sie muss mit angemessenen internationalen Bestimmungen einhergehen, die imstande sind, die verschiedenen gesetzgeberischen Ordnungen in Einklang zu bringen in der Aussicht, die Bedürfnisse und Rechte der ausgewanderten Personen und Familien sowie zugleich der Zielgesellschaften der Emigranten selbst zu schützen« (Enzyklika Caritas in veritate, 19. Juni 2009, 62). Gemeinsam für eine bessere Welt zu arbeiten, erfordert die gegenseitige Hilfe unter den Ländern, in Bereitschaft und Vertrauen, ohne unüberwindliche Hürden aufzubauen. Eine gute Synergie kann für die Regierenden eine Ermutigung sein, den sozioökonomischen Ungleichgewichten und einer ungeregelten Globalisierung entgegenzutreten, die zu den Ursachen von Migrationen gehören, in denen die Menschen mehr Opfer als Protagonisten sind. Kein Land kann den Schwierigkeiten, die mit diesem Phänomen verbunden sind, alleine gegenübertreten; es ist so weitreichend, dass es mittlerweile alle Kontinente in der zweifachen Bewegung von Immigration und Emigration betrifft.

Es ist überdies wichtig hervorzuheben, dass diese Zusammenarbeit bereits mit der Anstrengung beginnt, die jedes Land unternehmen müsste, um bessere wirtschaftliche und soziale Bedingungen in der Heimat zu schaffen, so dass für den, der Frieden, Gerechtigkeit, Sicherheit und volle Achtung der Menschenwürde sucht, die Emigration nicht die einzige Wahl darstellt. Arbeitsmöglichkeiten in den lokalen Volkswirtschaften zu schaffen, wird außerdem die Trennung der Familien vermeiden und den Einzelnen wie den Gemeinschaften Bedingungen für Stabilität und Ausgeglichenheit garantieren.

Schließlich gibt es im Blick auf die Wirklichkeit der Migranten und Flüchtlinge noch ein drittes Element, das ich auf dem Weg des Aufbaus einer besseren Welt hervorheben möchte: die Überwindung von Vorurteilen und Vorverständnissen bei der Betrachtung der Migrationen. Nicht selten löst nämlich das Eintreffen von Migranten, Vertriebenen, Asylbewerbern und Flüchtlingen bei der örtlichen Bevölkerung Verdächtigungen und Feindseligkeiten aus. Es kommt die Angst auf, dass sich Umwälzungen in der sozialen Sicherheit ergeben, dass man Gefahr läuft, die eigene Identität und Kultur zu verlieren, dass auf dem Arbeitsmarkt die Konkurrenz geschürt wird oder sogar dass neue Faktoren von Kriminalität eindringen. Auf diesem Gebiet haben die sozialen Kommunikationsmittel eine sehr verantwortungsvolle Rolle: Ihre Aufgabe ist es nämlich, feste, eingebürgerte Vorurteile zu entlarven und korrekte Informationen zu bieten, wo es darum geht, den Fehler einiger öffentlich anzuklagen, aber auch, die Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit und Seelengröße der Mehrheit zu beschreiben. In diesem Punkt ist ein Wandel der Einstellung aller gegenüber den Migranten und Flüchtlingen notwendig; der Übergang von einer Haltung der Verteidigung und der Angst, des Desinteresses oder der Ausgrenzung – was letztlich genau der „Wegwerf-Mentalität“ entspricht – zu einer Einstellung, deren Basis die „Kultur der Begegnung“ ist. Diese allein vermag eine gerechtere und brüderlichere, eine bessere Welt aufzubauen. Auch die Kommunikationsmittel sind aufgerufen, in diese „Umkehr der Einstellungen“ einzutreten und diesen Wandel im Verhalten gegenüber Migranten und Flüchtlingen zu begünstigen.

Ich denke daran, wie auch die Heilige Familie von Nazareth am Anfang ihres Weges die Erfahrung der Ablehnung gemacht hat: Maria »gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war« (Lk 2,7). Ja, Jesus, Maria und Joseph haben erfahren, was es bedeutet, das eigene Land zu verlassen und Migranten zu sein: Vom Machthunger des Herodes bedroht, waren sie gezwungen, zu fliehen und in Ägypten Zuflucht zu suchen (vgl. Mt 2,13-14). Aber das mütterliche Herz Marias und das aufmerksam fürsorgliche Herz Josephs, des Beschützers der Heiligen Familie, haben immer die Zuversicht bewahrt, dass Gott einen nie verlässt. Möge auf ihre Fürsprache dieselbe Gewissheit im Herzen des Migranten und des Flüchtlings immer unerschütterlich sein.

In der Erfüllung des Auftrags Christi, »Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern«, ist die Kirche berufen, das Volk Gottes zu sein, das alle Völker umfasst und allen Völkern das Evangelium verkündet, denn dem Gesicht eines jeden Menschen ist das Angesicht Christi eingeprägt! Hier liegt die tiefste Wurzel der Würde des Menschen, die immer zu achten und zu schützen ist. Nicht die Kriterien der Leistung, der Produktivität, des sozialen Stands, der ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit begründen die Würde des Menschen, sondern die Tatsache, dass er als Gottes Abbild und ihm ähnlich erschaffen ist (vgl. Gen 1,26-27), und mehr noch, dass er Kind Gottes ist; jeder Mensch ist Kind Gottes! Ihm ist das Bild Christi eingeprägt! Es geht also darum, dass wir als Erste und dann mit unserer Hilfe auch die anderen im Migranten und im Flüchtling nicht nur ein Problem sehen, das bewältigt werden muss, sondern einen Bruder und eine Schwester, die aufgenommen, geachtet und geliebt werden müssen – eine Gelegenheit, welche die Vorsehung uns bietet, um zum Aufbau einer gerechteren Gesellschaft, einer vollkommeneren Demokratie, eines solidarischeren Landes, einer brüderlicheren Welt und einer offeneren christlichen Gemeinschaft entsprechend dem Evangelium beizutragen.

Die Migrationen können Möglichkeiten zu neuer Evangelisierung entstehen lassen und Räume öffnen für das Wachsen einer neuen Menschheit, wie sie im Ostergeheimnis angekündigt ist: eine Menschheit, für die jede Fremde Heimat und jede Heimat Fremde ist.

Liebe Migranten und Flüchtlinge, verliert nicht die Hoffnung, dass auch euch eine sicherere Zukunft vorbehalten ist; dass ihr auf euren Wegen einer ausgestreckten Hand begegnen könnt; dass es euch geschenkt wird, die brüderliche Solidarität und die Wärme der Freundschaft zu erfahren! Euch allen sowie denen, die ihr Leben und ihre Energie der Aufgabe widmen, euch zur Seite zu stehen, verspreche ich mein Gebet und erteile ich von Herzen den Apostolischen Segen.

Aus dem Vatikan, am 5. August 2013

FRANZISKUS

(http://w2.vatican.va/content/francesco/de/messages/migration/documents/papa-francesco_20130805_world-migrants-day.html)




Flüchtlinge, eine Herausforderung der Solidarität (Wortlaut)

Schreiben des Päpstlichen Rates Cor unum und des Päpstlichen Rates für die Seelsorge der Migranten und Menschen unterwegs unseres Heiligen Vaters Johannes Paul II.

2. Oktober 1992

Flüchtlinge, eine Herausforderung der Solidarität

(Quelle: Deutsche Bischofskonferenz: Arbeitshilfen 101)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Einführung: „Eine schmachvolle Wunde unserer Zeit“

In einer Botschaft an den Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge beschrieb Papst Johannes Paul II. am 25. Juni 1982 das weltweite Flüchtlingsproblem mit den deutlichen Worten „eine schmachvolle Wunde unserer Zeit“. Heute, zehn Jahre nach dieser Botschaft des Heiligen Vaters, breitet sich diese Wunde trotz unermüdlicher Aktivitäten der Völkergemeinschaft und der Hilfswerke noch immer weiter aus und zieht dabei vor allem die ärmsten Länder sehr stark in Mitleidenschaft .

Etwa 90% der Flüchtlinge sind in den Ländern der sog. Dritten Welt anzutreffen. Die bereits heute sehr hohe Zahl von Flüchtlingen, nämlich etwa 17 Millionen, die unter die strenge, durch das Völkerrecht vorgegebene Begriffsbestimmung fallen, verdoppelt sich durch die Zahl jener, die Opfer von Vertreibung und zwangsweiser Umsiedlung innerhalb ihrer eigenen Länder werden und insoweit rechtlich nicht geschützt sind.

Auch die Zahl derer, die ihre Länder verlassen, um vor extremer und erdrückender Armut zu flüchten, steigt ständig weiter an.

Obgleich man immer zwischen Flüchtlingen und anderen „Menschen unterwegs“ (Migranten) unterscheiden muss, ist es manchmal schwierig, eine genaue Trennungslinie zu ziehen, und gewisse willkürliche Auslegungen in dieser Frage werden oft zur Begründung für restriktive politische Verfahrensweisen herangezogen, die kaum mit der Achtung der Würde der Person im Einklang stehen.



Das hier vorgelegte Dokument gibt sich nicht damit zufrieden, die Menschen wieder stärker auf die inhumanen Lebensbedingungen der Flüchtlinge aufmerksam machen zu wollen, die durch Raum und Zeit hin- und hergeworfen werden bis zum völligen Verlust ihrer Identität; es will vielmehr auch einen Beitrag leisten zur Förderung einer stärkeren internationalen Solidarität nicht nur im Hinblick auf die Auswirkungen, unter denen Flüchtlinge leiden, sondern vor allem auch auf die Ursachen ihres Schicksals: eine Welt, in der Menschenrechte ungestraft verletzt werden, wird immer neue Flüchtlinge hervorbringen. Wenn im folgenden die Vorrangstellung und Würde der Person erneut unterstrichen wird, dann möchte die Kirche damit jeden einzelnen und alle Völker und alle, die national oder international Verantwortung tragen, ansprechen und sie dazu aufrufen, ihre Phantasie und ihren Mut einzusetzen bei der Suche nach gerechten und dauerhaften Lösungen für das sich weiter verschärfende Flüchtlingsproblem, das Papst Johannes Paul II. die „größte menschliche Tragödie unserer Tage“ genannt hat . *

Kardinal Roger Etchegaray

Präsident des Päpstlichen des Päpstlichen Rates „Cor Unum

Erzbischof Giovanni Cheli

Präsident des Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs


 


JO H A N N E S PAU L II., Gebet für die Flüchtlinge in aller Welt. Ansprache des Papstes im Flüchtlingslager in Morong (Philippinen) am 21. Februar 1981, in: L’ O s s e rvatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 6. März 1981; ebenso in: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrs g.), Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. bei seiner apostolischen Reise nach Asien 16.–27. 2. 1981, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 29. 


I. Flüchtlinge gestern und heute: Die Tragik eines sich weltweit verschärfenden Problems

Vertreibung und Exil in der Geschichte der Völker

1 Flüchtlinge sind keine besondere Erscheinung unserer Tage. Im Laufe der Geschichte führten Gegensätze und Spannungen zwischen kulturell und ethnisch unterschiedlichen Gruppen und zwischen den Rechten des einzelnen und der Macht des Staates oft zu Krieg, Verfolgung, Vertreibung und Flucht. Solche Erfahrungen sind im kollektiven Gedächtnis eines jeden Volkes tief verwurzelt, und auch in der Bibel trifft man auf Beispiele, die hierfür typisch sind. Die Brüder Josefs gingen hinunter nach Ägypten (Gen 42, 1–3), durch eine verheerende Hungersnot gedrängt; der Stamm Juda, im Krieg besiegt, wurde „von seiner Heimat“ weg in die Verbannung geführt (2 Kön 25, 21); Josef nahm Jesus und seine Mutter und floh in der Nacht nach Ägypten, „denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten“ (Mt 2, 13–15); „An jenem Tag brach eine schwere Verfolgung über die Kirche in Jerusalem herein. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut, mit Ausnahme der Apostel“ (Apg 8, 1).


Situation und Lebensbedingungen von Flüchtlingen heute

2 Die Tragik von Vertreibung und Exil besteht noch immer und nimmt in der ganzen Welt zu, so dass unser Jahrhundert als das „Jahrhundert der Flüchtlinge“ beschrieben wurde. Viele von ihnen, wie die in zahlreichen Lagern lebenden Palästinenser, haben über Jahre oder sogar Generationen hinweg diese traumatische Erfahrung erlitten, ohne jemals eine andere Lebensweise gekannt zu haben.

Hinter den nicht immer exakten, doch insgesamt aussagekräftigen statistischen Daten verbergen sich sowohl erschütternde Einzelschicksale als auch von ganzen Völkern erduldetes Leid. Für Flüchtlinge sind die Ort e, die dem Leben Sinn und Würde geben, verloren. Verloren sind für sie auch die Stätten, welche die Begebenheiten der eigenen Geschichte wieder wachrufen. Vergangen ist für sie die Möglichkeit, an den Gräbern der eigenen Eltern zu beten. Manche Exodus-Erfahrungen waren und sind ganz besonders dramatisch, z. B. die der „Boat People“ oder die verfolgter ethnischer Gruppen.(1)

Das Leben von Flüchtlingen in Auffanglagern ist in Anbetracht der Überbelegung vieler dieser Lager, der Unsicherheit von Ländergrenzen und einer Abschreckungspolitik, die manche Lager fast zu Gefängnissen werden läßt, oft sehr qualvoll. Selbst bei einer menschlichen Behandlung fühlt sich der Flüchtling gedemütigt, er kann sein Schicksal nicht mehr selbst bestimmen und ist auf Gedeih und Verderb anderen ausgeliefert .



Völkerrechtlich anerkannte Flüchtlinge

3 Bei der Gesamtzahl der Menschen, die durch die verschiedensten Konflikte und andere lebensbedrohende Situationen zu Flüchtlingen geworden sind, kann man verschiedene Kategorien unterscheiden. Insbesondere sind hier zunächst diejenigen zu nennen, die wegen ihrer Rasse, Religion oder ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen oder politischen Gruppe verfolgt werden. Nur die Flüchtlinge, die diesen Kategorien zuzuordnen sind, werden explizit in zwei wichtigen Dokumenten der Vereinten Nationen als solche anerkannt .(2) Die vielen anderen, deren Menschenrechte genauso missachtet wurden oder werden, genießen den Schutz dieser völkerrechtlichen Instrumente nicht.


„ De - facto “ - Flüchtlinge

4 Somit sind in den Kategorien der Konvention über die Rechtsstellung der Flüchtlinge die Opfer von bewaffneten Auseinandersetzungen, falscher Wirtschaftspolitik oder Naturkatastrophen nicht berücksichtigt. Aus humanitären Gründen besteht heute jedoch eine zunehmende Tendenz, solche Menschen in Anbetracht der unfreiwilligen Art ihres Aufenthalts in einem anderen Land als „ De - fact o “- Flüchtlinge anzuerkennen. Schließlich hatten die Staaten, welche die Konvention unterzeichneten, die Hoffnung ausgedrückt, dass sie über den vertraglichen Rahmen hinaus das Gewicht eines Beispiels haben würde.(3) Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat bei verschiedenen Gelegenheiten den Hohen Kommissar für Flüchtlinge gebeten, seine guten Dienste einzusetzen, um solchen Personen zu helfen, die sich unfreiwillig außerhalb ihres Landes aufhalten. Die in Europa nach den beiden Weltkriegen und in den letzten Jahren von einigen Ländern auf anderen Kontinenten, in denen Flüchtlinge eine erste Zufluchtsstätte fanden, übernommene Praxis bewegte sich denn auch in diese Richtung.(4)

Bei den so genannten „ Wirtschaftsflüchtlingen“ fordern Recht und Gerechtigkeit, dass entsprechende Unterschiede gemacht werden. Jene, die wegen wirtschaftlicher Verhältnisse flüchten, die so schlecht sind, dass ihr Leben und ihre physische Sicherheit bedroht sind, müssen anders behandelt werden als jene, die letztlich nur deshalb auswandern, um ihre persönliche Situation weiter zu verbessern.


Vertrieben innerhalb des eigenen Landes

5 Eine große Zahl von Menschen wird gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben, ohne dabei Staatsgrenzen zu überqueren. In Revolutionen und Gegenrevolutionen gerät die Zivilbevölkerung oft zwischen die Fronten von Guerilla und Regierungstruppen, die aus ideologischen Gründen und mit dem Ziel der Besitznahme von Land und Ressourcen gegeneinander kämpfen. Aus humanitären Erwägungen sollten diese Vertriebenen in gleicher Weise als Flüchtlinge angesehen werden wie jene, die durch die Konvention von 1951 offiziell anerkannt werden, denn sie sind Opfer der gleichen Art von Gewaltanwendung.




Tendenzen zur Einschränkung des Flüchtlingsschutzes

6 Trotz eines wachsenden Bewusstseins der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen den Völkern und Nationen bestimmen einige Staaten, entsprechend ihren eigenen Ideologien und besonderen Interessen, die Kriterien für die Einlösung internationaler Verpflichtungen recht willkürlich. Gleichzeitig gibt es heute in Ländern, die in der Vergangenheit zu einer großzügigen Aufnahme von Flüchtlingen bereit waren, eine besorgniserregend ähnliche Tendenz hin zu politischen Entscheidungen, die darauf abzielen, die Zahl der Asylsuchenden möglichst niedrig zu halten und Anträge auf Asyl zu erschweren .


Während Zeiten wirtschaftlicher Rezession die Auferlegung bestimmter Aufnahmebeschränkungen verständlich machen können, kann gleich wohl das Grundrecht auf Asyl niemals verweigert werden, wenn das Leben im Heimatland des Asylsuchenden ernsthaft bedroht ist. Es ist sehr beunruhigend, zusehen zu müssen, wie die für die Lösung des Flüchtlingsproblems bereitgestellten Mittel reduziert werden und wie die politische Unterstützung für die Strukturen, die gerade zum Zweck des humanitären Dienstes an Flüchtlingen geschaffen wurden, schwindet .


Neue Chancen des Fortschritts

7 Zahlreiche Menschen in verschiedenen Ländern beziehen heute jedoch entschieden Position gegenüber egoistischen nationalen Haltungen und gegen eine Einführung von restriktiven Verfahrensweisen und tragen wesentlich zu einer Sensibilisierung der öffentlichen Meinung bei zugunsten des Schutzes der Rechte aller und des Wertes der Gastfreundschaft. Die jüngsten Umwälzungen in Mittel- und Osteuropa und in anderen Teilen der Welt haben neue Aussichten auf Kontakte und Reisen, Dialog und Zusammenarbeit eröffnet, und es ist sehr zu hoffen, dass die abgerissenen Mauern nicht an anderer Stelle neu aufgebaut werden .




II. Herausforderungen an die Völkergemeinschaft

Flüchtlinge fordern das Gewissen der Welt heraus

8 Die ersten internationalen Initiativen fanden in einem eher begrenzten Kontext statt. Sie spiegelten ein Interesse für das Leid bestimmter, besonders verfolgter Personen wider, das sich vor allem auf die individuellen Gründe für das Verlassen ihrer Länder bezog. Heute jedoch, wo die Anzahl gewaltsam entwurzelter Menschen ganz andere Ausmaße angenommen hat, müssen internationale Abkommen überarbeitet und der Schutz, den sie garantieren, muss auch auf andere Gruppen ausgedehnt werden. In den letzten Jahren hat die Diskussion über die Ursachen, welche politische Instabilität erzeugen und verschärfen, sich auf die Armut, die Ungleichheit in der Verteilung von lebenswichtigen Ressourcen, die Auslandsschulden, galoppierende Inflation, strukturelle wirtschaftliche Abhängigkeit und Naturkatastrophen konzentriert. Es ist ja nicht überraschend, dass die Mehrheit der Flüchtlinge heute aus den Entwicklungsländern kommt.(5) Eine Neustrukturierung der wirtschaftlichen Beziehungen allein würde jedoch nicht genügen, um politische Differenzen, ethnische Auseinandersetzungen und Rivalitäten anderer Art zu überwinden. Es wird so lange Flüchtlinge, also Opfer von Machtmissbrauch, geben, wie die Beziehungen zwischen Personen und Nationen nicht auf eine echte Fähigkeit gegründet sind, einander in Verschiedenheit und gegenseitiger Bereicherung immer mehr anzunehmen.(6)


Das Recht auf Heimat

9 Das Flüchtlingsproblem muss an seinen Wurzeln angegangen werden, d. h. auf der Ebene der wahren Ursachen für Vertreibung und Flucht. Das erste Kriterium darf dabei nicht das Interesse des Staates oder der nationalen Sicherheit sein, sondern allein der Mensch, so dass das Bedürfnis, in einer Gemeinschaft zu leben und sich zu einem Gemeinwesen, einem Land zugehörig zu fühlen, ein Grundbedürfnis, das sich aus der Natur des Menschen selbst ergibt, respektiert wird.(7)

Die Menschenrechte, wie sie durch Gesetz, Vereinbarungen und internationale Abkommen definiert werden, zeigen den Weg auf, den wir gehen müssen. Eine dauerhafte Lösung des Flüchtlingsproblems jedoch wird dann erreicht werden, wenn die Völkergemeinschaft über die gesetzten Normen für den Schutz von Flüchtlingen hinaus deren Recht anerkennt, einem Gemeinwesen anzugehören. Viele Rufe nach einem umfassenderen, integralen Ansatz zum Schutz der Rechte von Menschen, die nach einem Zufluchtsort suchen, werden laut.(8)


Die Grundhaltung der Gastfreundschaft

10 Mögliche Fortschritte in der Fähigkeit zum Zusammenleben innerhalb der weltumspannenden Völkerfamilie sind eng an das Wachsen einer Grundhaltung der Gastfreundschaft gebunden. Jede Person, die sich in Gefahr befindet und als solche an einer Landesgrenze zu erkennen gibt, hat ein Recht auf Schutz. Um in der Zukunft leichter ermitteln zu können,warum solche Menschen ihr Land verlassen haben und um zu dauerhaften Lösungen zu kommen, ist eine erneute Anstrengung zur Erarbeitung international annehmbarer Normen für die Gewährung von Asyl auf dem Hoheitsgebiet eines anderen Landes unerlässlich .(9) Eine solche Grundhaltung der Gastfreundschaft erleichtert auch die Suche nach gemeinsamen Lösungen und verringert die Stichhaltigkeit gewisser Stellungnahmen, die mitunter vorgebracht werden und darauf hinauslaufen, die Aufnahm e von Flüchtlingen und die Gewährung des Asylrechts dem alleinigen Kriterium des nationalen Interesses unterzuordnen.

Für einen umfassenderen Flüchtlingsschutz

11 Der einem Flüchtling gewährte Schutz ist nicht einfach ein ihm gemachtes Zugeständnis: er (sie) ist nicht Objekt von Hilfeleistungen, sondern Subjekt von Rechten und Pflichten. Jedes Land hat die Pflicht, die Rechte von Flüchtlingen zu achten und sicherzustellen, dass sie genauso respektiert werden wie die Rechte der eigenen Bürger.

Wenn Menschen vor einem Bürgerkrieg oder einer militärischen Invasion fliehen, dann ist es zu ihrem Schutz erforderlich, dass sie als nicht - kombattant angesehen werden. Sie wiederum müssen ausdrücklich auf den Gebrauch von Gewalt verzichten .

12 „ Konventionsgemäßen“ Flüchtlingen, also solchen, die unter die Kategorien der genannten Konvention fallen, steht von daher bereits ein gewisses Maß an Schutz zu; ein solcher Schutz darf jedoch nicht auf die Garantie der körperlichen Unversehrtheit begrenzt sein, sondern muss auf alle für ein menschenwürdiges Leben notwendigen Voraussetzungen erweitert werden. Somit müssen für sie nicht nur Ernährung, Kleidung, Wohnung und Schutz vor Gewalt gesichert werden, sondern auch der Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, die Möglichkeit, ihr Leben wieder selbstverantwortlich in die eigenen Hände zu nehmen, ihre eigenen Kulturen und Traditionen zu pflegen und frei ihren Glauben zum Ausdruck zu bringen. Da die Familie die Grundeinheit jeder Gesellschaft ist, muss gleichermaßen die Wiederzusammenführung von Flüchtlingsfamilien gefördert werden.

13 Viele Staaten sind der Konvention von 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und dem darauf bezogenen Protokoll von 1967 bereits beigetreten, aber es wäre sehr wünschenswert, dass alle Staaten dies tun und darauf achten würden, dass beide eingehalten werden. Die Wahrnehmung des Asylrechts, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Artikel 14,1) festgelegt ist, muss überall gewährleistet und darf nicht durch Abschreckungs- oder andere rigorose, strafähnliche Maßnahmen behindert werden. Ein(e) Asylbewerber(in) darf nicht interniert werden, es sei denn, es kann nach gewiesen werden, dass er (sie) eine wirkliche Gefahr darstellt, oder es gibt zwingende Gründe, anzunehmen, dass er (sie) sich nicht mehr bei den zuständigen Behörden zur ordnungsgemäßen Prüfung seines (ihres) Falles melden wird. Ferner sollte Asylbewerbern dabei geholfen werden, eine Arbeit zu finden, und es sollte für sie ein gerechtes und rasches gesetzliches Verfahren sichergestellt sein .

Was die Flüchtlinge betrifft, die aus humanitären Gründen als solche anerkannt sind, so muss die Vorgehensweise der Staaten in entsprechenden Gesetzen so festgelegt sein, dass alle Bedürfnisse für ein menschenwürdiges Leben berücksichtigt werden. Insbesondere sollten internationale Vereinbarungen die Verpflichtung enthalten, dass diejenigen, die vor systematischer Unterdrückung und schweren sozialen Konflikten flüchten, nicht als „Wirtschaftsflüchtlinge“ betrachtet werden. Länder, die erkennen, dass sie innerhalb einer Region in der Flüchtlingsproblematik voneinander abhängen und ihre diesbezügliche Politik aufeinander abstimmen wollen, sollten eine großzügige und einheitliche Vorgehensweise gegenüber den Flüchtlingen praktizieren, die eine Bandbreite verschiedener Lösungen möglich macht.



Nein zur gewaltsamen Rückführung

14 Eine überaus genaue und gewissenhafte Beachtung des Prinzips der Freiwilligkeit der Rückkehr ist eine nicht verhandelbare Grundvoraussetzung für jede Verfahrensweise den Flüchtlingen gegenüber. Niemand darf in ein Land zurückgeschickt werden, wo er oder sie diskriminierende Handlungen oder ernste, lebensbedrohende Situationen zu befürchten hat. In den Fällen, in denen die zuständigen Behörden eines Landes beschließen, Asylbewerber nicht anzuerkennen, weil sie keine echten Flüchtlinge seien, sind sie moralisch verpflichtet, sicherzustellen, dass den Betroffenen eine sichere und freie Existenz anderswo garantiert wird. Die jüngste Geschichte hat gezeigt, dass viele Menschen gegen ihren Willen zurückgeschickt worden sind in ein Schicksal, das mitunter sehr tragisch war; einige wurden zurück auf die See hinausgedrängt, andere wurden gewaltsam in Gebiete mit Minenfeldern geführt, wo sie grausam umkamen.


Ort und Struktur von Flüchtlingslagern

15 Flüchtlingslager sind zwar notwendige, aber selbstverständlich nicht ideale und nur für eine erste Aufnahme der Betroffenen gedachte Einrichtungen; sie sollten an Orten errichtet werden, die so weit wie möglich von jeglichen bewaffneten Auseinandersetzungen entfernt liegen, so dass die Flüchtlinge vor möglichen Angriffen in Sicherheit sind.(10) Die Lager sollten auch so organisiert sein, dass sie ein Minimum an Privatsphäre sowie Zugang zu medizinischen, schulischen und religiösen Diensten und Einrichtungen haben. Die Lagerbewohner sollten ferner vor jeglicher Form moralischer und physischer Gewalt geschützt werden und die Möglichkeit haben, an Entscheidungen mitzuwirken, die ihr tägliches Leben berühren. Sicherheitsvorkehrungen sollten da verstärkt werden, wo alleinstehende Frauen untergebracht sind, um jene Formen von Gewalttätigkeit zu vermeiden, denen sie oftmals ausgesetzt sind.

Internationale Organisationen, besonders diejenigen, die sich für die Achtung der Menschenrechte einsetzen, und die Medien sollten freien Zugang zu den Lagern haben. Da das Leben in Lagern unnatürlich und aufgezwungen, ja sogar traumatisierend ist, macht ein längerer Aufenthalt darin die Flüchtlinge noch mehr zu Opfern. Lager müssen das bleiben, was sie ursprünglich sein sollten: eine nur vorübergehende Notlösung.


Nein zu Stillschweigen und Gleichgültigkeit

16 Die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen, selbst wenn sie als eine moralische Verpflichtung empfunden wird, die Leiden anderer zu mildern, liegt in den Menschen der Aufnahmeländer oft im Widerstreit mit einer Furcht vor der ansteigenden Zahl von Flüchtlingen und Asylbewerbern und vor einer Konfrontation mit anderen Kulturen, d. h. mit Faktoren und Momenten, die die gewohnten, festen Lebens- und Verhaltensmuster in den Aufnahmeländern stören könnten. Menschen, die man gestern mit Sympathie betrachtete, weil sie noch „ weit weg“ waren, werden heute abgewiesen, weil sie als zu „nah“ und zu „ aufdringlich“ empfunden werden.



Folglich neigt man dazu, abgesehen von einem gelegentlichen Aufflammen des öffentlichen Interesses, den konkreten Umgang mit dem Flüchtlingsproblem auf bestimmte Institutionen, Organisationen und Gruppen abzuschieben, die in diesem Bereich besonders engagiert sind. Die Medien können hier dazu beitragen, Voreingenommenheit zu zerstreuen und in der Öffentlichkeit ein anhaltendes Interesse für die Flüchtlinge zu wecken. Wenn sie eine Politik einfordern, die auf Solidarität und menschlichem Verständnis gründet, dann tragen sie dazu bei, zu verhindern, dass die Flüchtlinge oder Asylbewerber zu Sündenböcken für alle Übel und Missstände in der Gesellschaft gemacht werden. Besonders in den Ländern, in denen die Anwesenheit von Flüchtlingen dazu benutzt wird, die Aufmerksamkeit absichtlich von anderen ernsten innen- oder außenpolitischen Problemen abzulenken, ist es notwendig, dass die Medien ein klares und positives Bild der Flüchtlinge vermitteln. Gleichgültigkeit stellt eine Unterlassungssünde dar.

Solidarität trägt dazu bei, die Tendenz umzukehren, dass man die Welt allein von seinem eigenen Blickwinkel aus sieht. Wenn wir die globale Dimension der Probleme erkennen, werden uns die Grenzen jeder Kultur bewusst, und wir spüren, dass wir eindringlich dazu aufgerufen sind, uns einem einfacheren Lebensstil zuzuwenden, um zum gemeinsamen Wohl beizutragen; so wird eine wirksame Antwort auf die sehr berechtigten Erwartungen von Flüchtlingen möglich, und Wege zum Frieden werden eröffnet .


III. Der Weg der Solidarität

Die Zerrissenheit der Welt

17 Der vom Zweiten Vatikanischen Konzil wahrgenommene Widerspruch gilt auch heute noch: „Die Welt spürt lebhaft ihre Einheit und die wechselseitige Abhängigkeit aller von allen in einer notwendigen Solidarität und wird doch zugleich heftig von einander widerstreitenden Kräften auseinandergerissen“.(11) Denn harte politische, soziale, wirtschaftliche, rassische und ideologische Spannungen dauern an. Das ungelöste Flüchtlingsproblem ist ein schmerzliches Beispiel für die Zerrissenheit der Welt. Das Ausbleiben einer adäquaten Antwort ist um so besorgniserregender, als es ein mangelndes Interesse für die Grundrechte des Individuums und aller Menschen widerspiegelt, die doch als große Errungenschaften unserer Zeit gepriesen werden.


Der Beitrag der internationalen Organisationen

18 Dennoch findet das Bewusstsein von der wechselseitigen Abhängigkeit aufgrund der geschichtlichen Entwicklung und als Ergebnis ethischer Reflexion mehr und mehr seinen Ausdruck in den internationalen Institutionen.Die Tätigkeit und das konkrete Zeugnis der entsprechenden Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, zahlreicher Nichtregierungsorganisationen und Hilfswerke, von staatlichen oder kirchlichen Stellen ausgesandter Entwicklungshelfer, sozialer und seelsorglicher Dienste der Bischofskonferenzen verdienen größten Respekt und Dankbarkeit. Besondere Anerkennung gebührt dem Hohen Kommissariat für Flüchtlinge der Vereinten Nationen, das im Jahre 1950 ins Leben gerufen wurde; seine beiden Hauptfunktionen sind die Sicherstellung des internationalen Schutzes für Flüchtlinge und die Suche nach dauerhaften Lösungen ihrer Probleme.(12)


19 Trotz vieler Schwierigkeiten jeglicher Art widmen sich zahlreiche Mitglieder privater Verbände und Organisationen sowie Mitarbeiter und Vertreter internationaler Institutionen dem Dienst an den Ärmsten der Armen und bezahlen manchmal ihr außergewöhnliches Engagement sogar mit ihrem Leben. Der Einsatz von Menschen, die sich in der Arbeit für und mit Flüchtlingen engagieren, ob als hauptberufliche Tätigkeit über viele Jahre oder nur für einen kürzeren Zeitraum, stellt ein wirksames Zeugnis dar, das weitergeführt und verstärkt werden sollte.


Die konkrete Verantwortung der Staaten

20 Heute ist die Zeit gekommen, das Flüchtlingsproblem völlig unabhängig von jeglichen ideologischen Positionen zu betrachten – diese waren nämlich in der Vergangenheit ein wesentlicher Faktor, der das Zustandekommen von internationalen Vereinbarungen verhindert hat, die den heutigen Notwendigkeiten angemessen wären .

Ein Blick in die Welt im Geiste der Solidarität offenbart sofort die ethisch unannehmbare Tatsache, dass Millionen von Flüchtlingen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Besonders die Bürger und Institutionen der demokratischen und wirtschaftlich entwickelten Staaten können angesichts einer derartig tragischen Situation nicht gleichgültig bleiben. Untätigkeit oder ein nur mageres Engagement seitens dieser Länder würde in eklatanter Weise den Grundsätzen widersprechen, die sie selbst zu Recht als das Fundament ihrer eigenen, auf die gleiche Würde einer jeden menschlichen Person gegründeten Kultur betrachten. Die weltweite Durchsetzung der Menschenrechte hängt heute in einem großen Ausmaß von der Fähigkeit der entwickelten Länder ab, den qualitativen Sprung zu einer Änderung jener Strukturen zu vollziehen, die so viele Menschen in einem Zustand der extremen Marginalisierung halten. Es kann sich nicht nur darum handeln, schon entstandene Wunden zu verbinden: entschlossenes Engagement ist notwendig, um die Ursachen für das Entstehen der Flüchtlingsströme anzugehen. Internationale Solidarität muss zuerst und vor allem innerhalb des eigenen Landes praktiziert und sie muss von jedem einzelnen Bürger konkret gelebt werden.(13)

21 Der Schutz der Menschenrechte von innerhalb ein und desselben Landes Vertriebenen erfordert die Schaffung spezifischer rechtlicher Möglichkeiten der Einwirkung und entsprechender angepasster Koordinierungsmechanismen seitens der Völkergemeinschaft, deren rechtmäßige Interventionen dann nicht als Verstöße gegen die nationale Souveränität angesehen werden könnten.

Die heute bereits zu beobachtende Bereitschaft, verschiedene Kategorien gewaltsam entwurzelter und vertriebener Menschen anzuerkennen, stellt eine positive Entwicklung in der internationalen Diskussion dieses Themas dar, die es auch leichter gemacht hat, das Ausmaß der Flüchtlingsmisere insgesamt zu erkennen sowie Hilfeleistungs- und Schutzmaßnahmen zu planen.

22 Ein möglicher Ausdruck der Solidarität gegenüber Flüchtlingen ist die Unterstützung der freiwilligen Rückkehr, auf die die meisten von ihnen ihre Hoffnung richten. Die Notwendigkeit, ein internationales Kontrollsystem zu schaffen, das es Flüchtlingen ermöglichen müsste, in völliger Freiheit in ihr Heimatland zurückzukehren, ist heute deutlicher denn je.



Solidarität – unausweichliche Notwendigkeit in einer Welt vielfacher gegenseitiger Abhängigkeit

23 Es ist symptomatisch, dass heute nur ein kleiner Prozentsatz von Flüchtlingen in Ländern außerhalb ihrer Herkunftsregion Asyl sucht oder erhält. Zum großen Teil tragen die angrenzenden Länder die Last der Unterstützung, welche den Flüchtlingen zusteht. Diese Last sollte jedoch fair und gerecht von der gesamten weltweiten Völkergemeinschaft getragen werden.(14) Solidarität mit Flüchtlingen erfordert gemeinsame Initiativen humanitärer Hilfe und Kooperation in der Entwicklungsarbeit, wobei Kreativität und wohl verstandene Großzügigkeit heute nötiger sind denn je, um solche Initiativen gedeihen zu lassen.

24 Die Regierungen, die bereits soviel für die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen getan haben, sollten ihre diesbezüglichen Aktivitäten nicht einstellen und ihre Grenzen so lange nicht schließen, wie für viele Flüchtlinge die einzige Überlebenschance darin besteht, in einem dritten Land Zuflucht zu suchen. Obgleich die Ankunft von Flüchtlingen in einem Land unvermeidliche Unannehmlichkeiten schaffen kann, kann ihre Anwesenheit doch auch die Entwicklung der Gesellschaft dieses Landes stimulieren. Eine solche Chance setzt allerdings geeignete politische und wirtschaftliche Entscheidungen des Gastlandes voraus. Die Flüchtlinge müssen ihrerseits einander helfen, indem sie ihre menschlichen und spirituellen Kräfte und Fähigkeiten einsetzen für die Suche nach guten Lösungen, die dazu beitragen, dass sie mit ihrer Situation besser fertig werden können.(15)

Die internationalen Einrichtungen sind aufgerufen, eine Vermittlerrolle zwischen den verschiedenen Kulturen und soziopolitischen Systemen einzunehmen, um den Menschen dabei zu helfen, sich Verhaltensweisen zu eigen zu machen, durch die soziale Integration erleichtert und gefördert wird.

Der Weg der Solidarität verlangt von allen die Überwindung des eigenen Egoismus und der Angst vor dem anderen; er erfordert langfristiges Engagement im Bereich der Bewusstseinsbildung- und Öffentlichkeitsarbeit, die schon durch sich selbst zur Überwindung mancher Ursachen des tragischen Exodus der Flüchtlinge beitragen kann; er erfordert weiterhin die Einrichtung von wirksamen Präventionsmechanismen sowie eine bessere Koordinierung von Maßnahmen und Aktivitäten zwischen den internationalen Organisationen und örtlichen Behörden.

 

IV. Die Liebe der Kirche zu den Flüchtlingen

Die Fürsorge der Kirche für alle Flüchtlinge

25 Die weltweite Flüchtlingstragödie ist eine „Plage, die typisch und bezeichnend ist für die Ungleichgewichte und Konflikte der heutigen Welt“.(16) Sie zeigt eine geteilte Welt, die weit entfernt ist von dem Ideal: „Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit“ (1 Kor 12, 26). Die Kirche bietet allen Flüchtlingen ihre Liebe und Hilfe an ohne Unterschied der Religion oder ethnischen Herkunft, wobei sie in jedem von ihnen die unveräußerliche Würde der menschlichen Person erkennt, die nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurde (vgl. Gen 1, 27).

Christen müssen aus der Gewissheit ihres Glaubens heraus in ihrem Leben zeigen, dass die durch Ungerechtigkeit hervorgerufenen Hindernisse bald zu fallen beginnen, wenn man die Würde der Person mit allen ihren legitimen Bedürfnissen an erste Stelle setzt. Sie wissen, dass Gott, der mit dem Volk Israel den Weg des Exodus auf der Suche nach einem Land ohne Sklaverei ging, auch mit den heutigen Flüchtlingen unterwegs ist, um seinen Plan der Liebe mit ihnen zusammen zu erfüllen.


Die Aufgabe der Ortskirche

26 Die Pflicht, den Flüchtlingen Gastfreundschaft, Solidarität und Hilfe entgegenzubringen, liegt in erster Linie bei der Ortskirche.

Sie ist aufgerufen, die Forderungen des Evangeliums zu verwirklichen und den Betroffenen in der Zeit ihrer Not und Einsamkeit ohne jeden Unterschied die Hand zu reichen. Sie kann dabei ihre Aufgabe in verschiedenen Formen erfüllen: persönliche Kontaktaufnahme; Verteidigung der Rechte von Einzelpersonen und Gruppen; unmissverständliche Verurteilung der Ungerechtigkeiten, die die Wurzel dieses Übels sind; Aktionen für die Einführung von Gesetzen, welche den wirkungsvollen Schutz der Flüchtlinge garantieren; Erziehungs- und Bildungsmaßnahmen gegen Ausländerfeindlichkeit; Schaffung von Gruppen ehrenamtlich Engagierter und von Nothilfefonds; Seelsorge. Sie wird ferner danach trachten, bei den Flüchtlingen ein respektvolles Verhalten und Offenheit gegenüber dem Gastland zu fördern.

Wenn die Ortskirchen so die Fürsorgeder gesamten Weltkirche zum Ausdruck bringen, dann müssen sie sich auf die tätige Nächstenliebe auch der anderen kirchlichen Gemeinschaften verlassen können, besonders derer mit größeren Ressourcen. Wo Flüchtlinge in großer Zahl anwesend sind,wird die Kirche ihre Zusammenarbeit mit allen interessierten gesellschaftlichen Kräften und Organisationen sowie mit den zuständigen Behörden intensivieren.

 

Die Gemeinde

27 Der erste Ort, an dem die Kirche den Flüchtlingen ihre Hilfsbereitschaft zeigen muss, ist die Pfarrgemeinde; sie hat die Aufgabe, die Gemeindeglieder für die Not der Flüchtlinge zu sensibilisieren, indem sie sie ermahnt, Fremde freundlich aufzunehmen, wie Jesus es lehrte: „…ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25, 35). Die Gemeinde sollte die Neuankömmlinge nicht als eine Bedrohung ihrer kulturellen Identität und ihres Wohlstands betrachten, sondern als Anruf, gemeinsam mit diesen neuen Brüdern und Schwestern, die selbst reich an bestimmten Gaben sind, den Weg eines Volkes zu gehen, das sich weitere entwickeln und seine Einheit in der Verschiedenheit feiern kann. Wohlwollen, Achtung, Vertrauen und Teilen sind die praktischen Ausdrucks formen einer solchen Kultur der Solidarität und Gastfreundschaft. Die christliche Gemeinde muss Angst und Misstrauen gegenüber Flüchtlingen überwinden und in ihnen das Angesicht des Erlösers sehen können.


Seelsorgerische Betreuung für Lagerbewohner und die am stärksten gefährdeten Gruppen

28 Alle Flüchtlinge haben das Recht auf umfassende Hilfe, die auch ihre religiösen Bedürfnisse während der Zeit, die sie z. B. als Asylsuchende in einem Lager zubringen müssen, und während des Integrationsprozesses im Gastland berücksichtigt. So können sie Trost und Kraft finden, um ihr schweres Schicksal zu ertragen und in ihrer eigenen religiösen Erfahrung zu wachsen. Es muss deshalb den Geistlichen unterschiedlicher Religionen die volle Freiheit gegeben werden, Flüchtlinge aufzusuchen, mit ihnen zu leben und ihnen angemessene Hilfe und Betreuung zu geben.(17) Die Kirche missbilligt jedoch jede Form des Proselytismus unter den Flüchtlngen, mit dem ihre prekäre Situation ausgenutzt wird; auch und gerade unter den schwierigen Bedingungen des Asyls ist ihre Gewissensfreiheit zu achten.

Ein großer Prozentsatz der Flüchtlinge besteht aus Kindern, die durch das während ihrer Entwicklung erlebte Trauma am schwersten betroffen sind. Ihr physisches, psychisches und spirituelles Gleichgewicht ist ernsthaft gefährdet. Den weltweit größten Prozentsatz der Flüchtlinge nehmen jedoch die Frauen ein, und sie leiden häufig am meisten unter dem Mangel an Verständnis und der Isolierung, denen sie ausgesetzt sind. Angesichts solcher Verhältnisse muss eine gemeinsame Anstrengung zur gezielten moralischen Unterstützung von Flüchtlingen Priorität genießen.


Freiwillige Mitarbeiter vor Ort

29 Freiwillige Sozialarbeiter, Entwicklungshelfer, ehrenamtliche Helfer und Engagierte etc., die bei den Flüchtlingen arbeiten, bedürfen ebenfalls einer besonderen Seelsorge. Sie leben unter Bedingungen, die schwer auf ihnen lasten. Sie sind fast immer weit entfernt von ihrer eigenen sprachlichen und kulturellen Heimat tätig und sehen sich menschlichen Problemen gegenübergestellt, für deren Bewältigung sie nicht immer ausgebildet sind. Daher haben sie Zuspruch und Unterstützung nötig, auch in finanzieller Hinsicht. Die Flüchtlinge selbst sind aufgerufen, mit dem Freiwilligen personal eng zusammenzuarbeiten, wodurch sie auch in die Lage versetzt werden, ihren Nöten und Hoffnungen besser Gehör verschaffen zu können.



Zusammenarbeit innerhalb der Kirche

30 In der Ausübung der Seelsorge für Flüchtlinge ist heute eine Zusammenarbeit zwischen den Kirchen der Herkunftsländer, der Länder, die vorübergehendes Asyl gewähren, und der Länder, in denen sich Flüchtlinge dauerhaft niederlassen, notwendiger als je zuvor; Begegnungen, Treffen und Kooperation zwischen den beteiligten Kirchen sind sehr wichtig, denn sie fördern die geistliche und soziale Zusammenarbeit sowie die Möglichkeit, den Flüchtlingen Priester und Ordensleute der gleichen Sprache und, wenn möglich, der gleichen Kultur zur Verfügung zu stellen. Brüderliche Zusammenarbeit und regionale Koordination zwischen den Kirchen kann einen Dialog zwischen allen mit der Flüchtlingshilfe befassten Gruppen, Organisationen, Institutionen etc. in Gang setzen und verstärken.

31 In diesem Zusammenhang spielen die sozialen und karitativen Organisationen der Bischofskonferenzen, besonders die Pastoralkommissionen, die für die spezifische Hilfe für Flüchtlinge, Vertriebene und andere Migranten zuständig sind, eine wesentliche Rolle und müssen in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen tätig werden.(18) Kulturelle Institutionen, Universitäten und Seminare sind ebenfalls aufgerufen, über das Flüchtlingsproblem und die konkreten Lebensbedingungen von Flüchtlingen nachzudenken. Wenn man eine gesellschaftliche Haltung der Gastfreundschaft fördern will, dann ist es nötig, zur öffentlichen Meinungsbildung beizutragen und geeignete Instrumente der Analyse zu entwickeln.

32 Angesichts des weltumspannenden Charakters ihres Auftrags und ihrer Mitglieder sind die Orden und geistlichen Gemeinschaften dazu aufgefordert, ihre Präsenz unter den Flüchtlingen zu verstärken, um so die Anstrengungen der Ortskirchen zu ergänzen, wobei sie eng mit den Bischöfen zusammenarbeiten sollten. Das oft heldenhafte apostolische Zeugnis vieler Ordensleute auf diesem Gebiet ist ein besonderer Anlass der Freude für die Kirche.

33 Der Dienst der internationalen katholischen Organisationen und Hilfswerke, die in der Sozial- und Entwicklungsarbeit tätig sind, ist ebenfalls von größter Wichtigkeit. Sie dürfen jedoch nicht die von den örtlichen Organisationen zu leistende Arbeit übernehmen, deren unmittelbare Kenntnis des sozialen und kulturellen Umfeldes vor Ort größere Effizienz gewährleistet, sondern müssen diese sinnvoll unterstützen.(19) Darüber hinaus ist es wichtig, die soziale Hilfe nicht von der Seelsorge zu trennen. In Zusammenarbeit mit den zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls kann so ein effektives Netzwerk aufgebaut werden, das sowohl auf Notfälle reagieren als auch die Aufmerksamkeit auf die wirklichen Ursachen lenken kann, die Flüchtlinge hervorbringen.


===Ökumenische Zusammenarbeit der Kirchen und nichtchristlichen Religionen

34 Die Arbeit der Flüchtlingshilfe eröffnet große Möglichkeiten für ökumenisches Handeln. Offenheit, Kommunikation, der Austausch einschlägiger Informationen, gegenseitige Einladungen zu internationalen und regionalen Versammlungen spielen alle eine wichtige Rolle in den ökumenischen Beziehungen und in der Gestaltung einer weltweiten Antwort auf das Flüchtlingsproblem.

Auf dem Weg zu einer stärkeren Einheit der Menschheitsfamilie wird sich die Kooperation in der Flüchtlingsarbeit unter den christlichen Kirchen sowie zwischen diesen und den verschiedenen nichtchristlichen Religionen als fruchtbar erweisen. Die Erfahrung des Exils kann daneben zu einer besonderen Zeit der Gnade werden, so wie es dem Volk Israel geschah, das beim Auszug aus Ägypten in der Wüste am Sinai den Namen Gottes kennenlernte und seine befreiende Macht erfuhr.

Schlussbetrachtung: Flüchtlinge und Asylanten – eine Herausforderung zur Solidarität

35 Von der Not und den menschenunwürdigen Lebensbedingungen eines Flüchtlingsdaseins werden heute Gruppen und ganze Völker überall auf der Erde heimgesucht. Ihr Schicksal muss als Ergebnis eines fortgesetzten Angriffs auf grundlegende Menschenrechte angesehen werden. Das Ausmaß der Tragödie treibt die Betroffenen an die Grenzen menschlicher Leidensfähigkeit und stellt eine unmissverständliche Herausforderung an das Gewissen aller Menschen dar.

36 Die Kirche als ein „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit “(20) nimmt den Anruf an, eine menschliche Zivilisation der Liebe aufzubauen und setzt zu diesem Zweck alle ihr verfügbaren Mittel ein, ihre verschiedenen inneren Strukturen, ihre vielfältigen Werke und Dienste sowie die ökumenische Zusammenarbeit zwischen den Kirchen und Religionen. Sie bietet ihre selbstlose Liebe allen Flüchtlingen an, lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit auf deren Lage und bringt ihre ethische und religiöse Anschauung von der Würde eines jeden Menschen, die wiederhergestellt und aufrechterhalten werden muss, ein.

Ihre im Laufe der Geschichte erworbene Erfahrung in vielfältigen Diensten der Nächstenliebe, ergänzt durch die einschlägige fachliche Reflexion und Arbeit vieler Menschen, kann eine entscheidende Hilfe bei der Erziehung und Ausbildung zukünftiger Generationen sowie bei der Erarbeitung geeigneter Gesetze sein.

37 Zwischenmenschliche Solidarität, wie sie bezeugt wird durch jede Gemeinschaft, die Flüchtlinge willkommen heißt, und durch das Engagement nationaler und internationaler Organisationen, die sich ihrer annehmen, ist eine Quelle der Hoffnung für die reale Möglichkeit menschlichen Zusammenlebens in Brüderlichkeit und Frieden.


Anmerkungen

1 Vgl. JOHANNES PAU L II., Enzyklika Centesimus annus, N r. 18: „Viele Völker verlieren die Möglichkeit, über sich selbst zu verfügen. Sie werden in die bedrückenden Grenzen eines Machtblockes eingeschlossen, während man darauf hinarbeitet, ihr Geschichtsbewusstsein und die Wurzeln ihrer jahrhundertealten Kultur auszulöschen. Ungeheure Massen von Menschen werden als Folge der gewaltsamen Teilung dazu gezwungen, ihr Land zu verlassen und werden gewaltsam vertrieben. “

2 Vgl. Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951, Bundesgesetzblatt 1953 Teil II, S. 559 ff.; Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 31. 1. 1967, Bundesgesetzblatt 1969 Teil II, S. 1294 ff. Das Abkommen definiert einen Flüchtling als eine Person, „die aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will; oder die sich als Staatenlose infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will“ (Artikel I,A . 2).


3 Vgl. Final Act of the United Nations Conference of Plenipotentiaries on the Status of Refugees and Stateless Persons (Schlussakte der UN-Konferenz der Regierungsbevollmächtigten über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und Staatenlosen), Genf, 28. Juli 1951, Artikel IV, E. „Die Konferenz drückt die Hoffnung aus, dass die Konvention über die Rechtsstellung der Flüchtlinge das Gewicht eines Beispiels über ihren vertraglichen Rahmen hinaus haben wird und dass alle Nationen sich davon leiten lassen, indem sie soweit wie möglich auch solchen Personen auf ihrem Territorium, die nicht unter die Bestimmungen der Konvention fallen, gleich wohl jene Behandlung, wie sie letztere für Flüchtlinge vorsieht, zuteil werden lassen.“

4 Einige offizielle Erklärungen und Vereinbarungen haben die Definition des Begriffs „Flüchtling“ im Sinne einer humanitären Betrachtungsweise erweitert, so z. B. die Erklärung überterritoriales Asyl, verabschiedet von der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 14. 12. 1967; die Konvention der Organisation der Afrikanischen Einheit vom 10. 9. 1969, welche die besonderen Aspekte der Flüchtlingsprobleme in Afrika regelt; die Konferenz von Cartagena (Kolumbien) vom 22. 11. 1984, deren Schlussdeklaration, die allerdings zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur das Gewicht eines informellen Konsensus auf internationaler Ebene hat, eben falls eine aus ihrem Land wegen „schwerwiegender Verletzung der Menschenrechte“ geflohene Person als einen Flüchtling betrachtet (III, 3).

5 Die von der Vollversammlung der Vereinten Nationen im Jahre 1986 verabschiedete Erklärung über das Recht auf Entwicklung würde eigentlich eine besondere Überlegung erfordern hinsichtlich der Möglichkeiten, die in Kraft befindlichen rechtlichen Instrumente (also z. B. internationale Abkommen) auch auf solche Menschen anzuwenden, die ein Land verlassen haben, in welchem ihr Recht auf Entwicklung nicht respektiert wird. Denn stellt dies nicht eine neue Form der „Verfolgung“ wegen einer Zugehörigkeit „zu einer bestimmten sozialen Gruppe“ dar entsprechend Artikel I, A.2 der Konvention von 1951?

6 JOHANNES XXIII., Enzyklika Pacem in terris, N r. 104. Das Phänomen der Existenz von Flüchtlingen „zeigt, dass die Regierungen gewisser Nationen die Grenzen der gehörigen Freiheit allzu sehr einengen, in deren Bereich es den einzelnen gestattet sein soll, ein menschenwürdiges Leben zu führen“.

7 Die Römische KONGREGATION FÜR DIE BISCHÖFE, Instruktion zur Seelsorge unter den Wandernden vom 22. August 1969, 6, in: Beilage zum Kirchlichen Amtsblatt für das Bistum Mainz 1970. Nachkonziliare Dokumente N r. 28, S. 6: „Aus der Natur des Menschen, der ein soziales Wesen ist, folgt, dass er Bürger eines Staates und eines Vaterlandes ist, dem er (. . .) auch durch Geist und Kultur verbunden ist. Dieses wesentliche und fundamentale Recht wird verletzt, wenn dem einzelnen oder ethnischen Gruppen wegen der Verschiedenheit der Abstammung, der Religion oder aus anderen Gründen Haus und Vaterland genommen werden.“

8 Vgl. EUROPARAT, Final Communiqué, Conference of Ministers on the Movement of Persons from Central and Eastern European Countries (Schlusskommuniqué deer Ministerkonferenz über Ost-West-Wanderungsfragen des Europarats), Wien, 24.–25. 1. 1991.

9 Die Vereinten Nationen hatten im Jahre 1977 in Genf eine diplomatische Konferenz einberufen, um eine Konvention über territoriales Asyl zu erarbeiten, die den durch die Entwicklung des Flüchtlingsproblems entstandenen Raum der Rechtsunsicherheit hätte füllen können. Leider schlug die Initiative, hauptsächlich wegen der ideologischen Gegensätze zwischen den damals bestehenden politischen Blöcken, fehl. Heute, 15 Jahre später, ist die Völkergemeinschaft in einem neuen geopolitischen Kontext erneut aufgerufen, ein wirksames juristisches Instrument zu schaffen mit dem Ziel, allen Flüchtlingen in unserer heutigen Welt angemessenen Schutz zu sichern.

10 Ein Beschluss des Exekutivkomitees des Hohen Kommissariats der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (Schutz von Asylsuchenden in Fällen von Massenfluchtbewegungen. Beschluss des Exekutivkomitees Nr. 22, 1981) legt den Grundsatz fest, nach dem Asylsuchende „in angemessener Entfernung von der Grenze zu ihrem Herkunftsland“ untergebracht werden müssen.


11 ZWEITES VATIKANISCHES KONZIL, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 4.

12 Unter den Organisationen der Vereinten Nationen, die für Flüchtlinge tätig sind, muss auch das im Jahre 1949 geschaffene Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East/UNRWA) genannt werden.

Unter den Nichtregierungsorganisationen hat u. a. die vom Heiligen Stuhl 1951 gegründete Internationale Katholische Kommission für Wanderungsfragen (International Catholic Migration Commission/ICMC) eine bedeutsame Rolle gespielt im Dienst an Flüchtlingen und anderen „Menschen unterwegs“.




13 Vgl. JOHANNES PAUL II., Enzyklika Sollicitudo rei socialis, N r. 38. „Vor allem die Tatsache der gegenseitigen Abhängigkeit wird als entscheidendes System von Beziehungen in der heutigen Welt mit seinen wirtschaftlichen, kulturellen, politischen und religiösen Faktoren verstanden und als moralische Kategorie angenommen. Wenn die gegenseitige Abhängigkeit in diesem Sinne anerkannt wird, ist die ihr entsprechende Antwort als moralisches und soziales Verhalten, als ,Tugend‘ also, die Solidarität. Diese ist nicht ein Gefühl vagen Mitleids oder oberflächlicher Rührung wegen der Leiden so vieler Menschen nah oder fern. Im Gegenteil, sie ist die feste und beständige Entschlossenheit, sich für das ,Gemeinwohl‘ einzusetzen, das heißt, für das Wohl aller und eines jeden, weil wir alle für alle verantwortlich sind. “

14 JOHANNES PAUL II., Botschaft an die 2. Internationale Konferenz der Vereinten Nationen über Hilfe für Flüchtlinge in Afrika (ICARA II) vom 5. 7. 1984, in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, VII (1984/2), 26–28 (in französischer Sprache).

15 Vgl. JOHANNES PAUL II., Flüchtlinge sind die Nächsten der Nächsten, Botschaft für die Fastenzeit 1990, in: L’ Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, 2. 3. 1990, Abschnitt 5, S. 3; JOHANNES PAUL II., Fasten und Solidarität. Papstbotschaften zur Fastenzeit, hrs g. v. Päpstlichen Rat „Cor Unum“, Vatikanstadt 1991, S. 39.

16 JOHANNES PAUL II., Enzyklika Sollicitudo rei socialis, N r. 24.

17 PONTIFICAL COMMISSION FOR THEPASTORAL CARE OF MIGRANTS AND TOURISM, Circular Letter to Episcopal Conferences, For the Pastoral Care of Refugees: On the Move, 36, Vatikanstadt 1983 (Rundschreiben der Päpstlichen Kommission für die Seelsorge am Menschen unterwegs – heute Päpstlicher Rat für die Seelsorge der Migranten und Menschen unterwegs – an die Bischofskonferenzen über die Seelsorge an Flüchtlingen; existiert in englischer, französischer und italienischer Sprache, nicht jedoch auf deutsch. Anm. d. Übers.) .

18 Hier sollte der bedeutende Beitrag zahlreicher Orden und Kongregationen, die spezialisierte Zentren und Programme für den Dienst an Flüchtlingen geschaffen haben, nicht unerwähnt bleiben .

19 Vgl. JOHANNES PAUL II., Address at the John XXIII International Peace Prize Ceremony (Ansprache anlässlich der Verleihung des Internationalen Friedenspreises Johannes ’ XXIII. an das Catholic Office for Emergency Relief and Refugees (COERR) in Thailand in Anerkennung seiner Arbeit zugunsten der südostasiatischen Flüchtlinge am 3. 6.1986), in: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, IX (1986/1) 1747–1756.

20 ZWEITES VAT I K ANISCHES KONZIL, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Nr. 1.

(http://www.kathpedia.com/index.php?title=Fl%C3%BCchtlinge,_eine_Herausforderung_der_Solidarit%C3%A4t_%28Wortlaut%29)


Und wieder dieselbe Leier: Wer nicht in den politisch korrekten Singsang zum Thema Flüchtlinge einstimmt, sondern kritische Anmerkungen über die unsägliche Naivität macht, mit der unsere Bundesregierung dies momentan angeht, lässt "Hasstiraden" los. So wie jeder, der nicht gleich Hallelujah schreit, wenn zwei Männer heiraten, "homophob" ist. Oder diejenigen, die vor dem Islam an sich warnen, gleich "islamophob" sind (zeigt mir mal einen islamischen Staat mit vergleichbarer Demokratie wie bei uns!). Derartige Kommentare sind im Grunde schmutzige Mittel der Propaganda. Man gesteht Andersdenkenden nicht die Meinungsfreiheit zu, die man für sich selbst einfordert. Schon gar nicht respektiert man die Tatsache, dass jemand vernünftige Gründe für seine Meinung anführen kann. Was nicht sein darf, kann nicht sein - und so stellt man Menschen, die nicht die eigene Meinung vertreten, entweder in eine psychisch kranke ("...phob") oder radikale bis nationalsozialistische Ecke (siehe das Unwort "Rechtspopulismus"). Dann muss man sich selbst nicht mit diesen Argumenten auseinandersetzen und versucht auch andere, von einer Auseinandersetzung abzubringen. Bestenfalls werden noch "Argumentationshilfen" veröffentlicht, die zwar ganz nett klingen, aber teils Löcher zum Durchsteigen haben. Wir leben in einer Demokratie. Offenbar haben das noch nicht alle mitbekommen. Ach ja, und denjenigen, die gerne Andersdenkende als "Verschwörungstheoretiker" lächerlich machen, möchte ich eines sagen: Mir sind 999 Verschwörungstheorien, die sich als unwahr herausstellen, hundert Mal lieber als die eine, die wir verpassen, weil wir naiverweise darauf vertrauen, dass alles, was man uns so präsentiert, auch der Wirklichkeit entspricht und dass es Verschwörungen einfach nicht geben kann,weil es sie nicht geben darf.

Wenn man Pegida in eine rechtsradikale Ecke stellt anstatt sich mit den Gründen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen, die Pegida hervorgebracht haben, werden diese Gründe und Bedürfnisse noch ganz andere Sachen (und Menschen!) hervorbringen. Macht man es sich da nicht sehr einfach? Ist "multikulti" nicht längst als gescheitert bewiesen? Macht es Sinn, naiv die Augen vor der Realität zu verschließen, bis einen diese ein- und überholt? Der einzige, der den Flüchtlingen momentan wirklich hilft, ist Putin. Er beseitigt die Ursache für deren Flucht (Angriffe auf den IS / kostenlose Lebensmittellieferungen an die Bevölkerung) - und blamiert gleichzeitig den Westen, der jahrelang tatenlos zugesehen hat, wie diese Ursache wächst. Und er blamiert die USA, die ständig behauptet haben, mehr als ein paar Bomben zu werfen könne nun mal nicht getan werden. Keiner von denen, die jetzt in Gutmenschen-Manier auf die Straße gehen, war zu sehen, als der IS massenweise Unschuldige ermordet hat. Keiner ist auf die Straßen gegangen und hat gefordert, endlich militärisch einzugreifen. Nun einfach alle Türen aufzumachen, ohne zu wissen, wer da kommt, ohne sich mit anderen Ländern abzusprechen und ohne gleichzeitig die Ursache der Flucht anzugreifen, ist nicht nur naiv, es ist dumm . und gemeingefährlich.