Wir alle sind Glieder des Leibes Christi - der Kirche. Als solche haben wir unterschiedliche Charismen (griechisch für Gnadengaben, siehe auch 1 Kor 12,7; 14,26). Diese Gnadengaben sind aber nie für uns alleine gedacht, sondern im Verbund mit der Gemeinde zu sehen.
Das Wort "Laie" werden wir im Neuen Testament nicht finden. Wir alle sind auserwählt: "ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum werde..." (1 Petr 2,9). Dieser Vers bezieht sich auf das Versprechen, das Gott Mose am Sinai gegeben hat (Ex 19,5 f.). Und dieses Versprechen, diese Zusage gilt für das gesamte Volk Gottes.
Die frühe Kirche kennt also keinen Unterschied zwischen Laien und Priestern - eher einen zwischen den Christen als das neue Volk Gottes und der Welt, zu der sie als Kirche im Widerspruch stehen. Unsere Berufung als Gläubige und als Kirche ist es, Zeugnis in dieser Welt vom Reich Gottes zu geben und die Gute Nachricht zu verkünden. Auch wenn wir nicht von dieser Welt sind, sind wir doch in sie hinein gerufen.
Diese Gute Nachricht, dieses Wort Gottes und diese Boschaft Christi gilt für alle Menschen. Dementsprechend predigten die Kirchenväter für alle Christen, ohne hier irgendwelche Gruppen zu betonen.
Gleichwohl steht das Priester- und Bischofsamt auf solider biblischer Basis. Genauso wie jeder einzelne Gläubige seine unterschiedlichen Gaben und Talente hat, haben dies die Priester und Bischöfe - und sie haben ihre Gnadengaben im kirchlichen Amt verwirklicht - zum Wohle der Kirche und aller Gläubigen. Eine Herde ohne Hirten kommt nicht weit - sie verirrt sich und stürzt in den Abgrund.
Allerdings kommt auch eine Hirte ohne Herde nicht weit. Dessen sollten sich beide Parteien bewusst sein und sich auf ihre eigene Rolle und Aufgabe im Leib Christi konzentrieren, ohne dabei zu schauen, was andere machen - oder nicht machen.
Seit dem 2. Vatikanischen Konzil ist uns allen bewusst, dass die gesamte Kirche sowohl lehrende als auch lernende Kirche ist - was aber der Autorität von Bischöfen und Priestern keinen Abbruch tut (und das vergessen wir leider allzu oft). Sie sind unsere geistlichen "Väter", die uns führen und leiten - nicht, weil sie uns gerne herumkommandieren, sondern weil sie uns lieben und wissen, wohin es führt, wenn man vom Weg abweicht.
Diese Unterweisungen der Kirchenväter enthielten unter anderem folgende Punkte:
- Die Taufe verpflichtet jeden Christen zu einem Leben, das seinem Glauben entspricht und so Vollkommenheit anzustreben. Christ ist man nicht nur auf dem Papier, sondern unser ganzes Leben soll Zeugnis geben von der Liebe Jesu Christi.
- Berufung eines Christen ist auch das Martyrium. Dies bedeutet keineswegs zwangsweise gleich Folter und Tod, sondern bedeutet zunächst "Zeugnis". Und so waren die ersten Märtyrer auch Laien und keineswegs nur Christen mit besonderen Ämtern. Auch war selbst bei denen, die hingerichtet wurden, nicht alleine ihr erlittener Tod ausschlaggebend, sondern ihr vorbildliches Leben!
- Unsere vorrangige Aufgabe ist es nicht, die evangelischen Räte der Armut, Keuschheit und des Gehorsams zu erfüllen (so wertvoll diese auch sind!). Die vorrangige Aufgabe eines jeden Christen ist es, Gott, den Nächsten und sich selbst zu lieben!
- Die "Kurzversion" christlichen Lebens ist im Vaterunser sowie in der Bergpredigt zu finden.
Alle Christen haben also eine Aufgabe und sind als solche berufen, schon bald aber gibt es hier Unterschiede. Im Klemensbrief 40,9 (ca. 95) liest man zum ersten Mal von "laikos" - ein Wort, das für einfache Christen gebraucht wurde (im Gegensatz zu den Presbytern und Diakonen, die Ämter inne hatten). Erst im 3. Jahrhundert ist dieser Unterschied dann allgemein üblich, wenngleich er hier noch nicht die Rechtsfolgen sowie Folgen sozialer Art wie in späterer Zeit hat.
(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/)
(in Vorbereitung)
Als Ausdruck erscheint Laie (λαικός) zum ersten Mal im Klemensbrief (40,6) aus dem Jahre 96 und bezeichnet dort einen einfachen Gläubigen im Unterschied zu einem Diakon oder Presbyter.
Der Begriff Laie dient demnach in erster Linie zur Unterscheidung und nicht zur Ausgrenzung. Der Wortstamm liegt im griechischen Wort λαός (=Volk) und bezeichnet demnach einen zum Volk gehörenden (λαικός). Im Laufe der Geschichte hat die Bezeichnung Laie eine zum Teil diskriminierende Bedeutung bekommen, indem sie mit Nichtfachmann, und dies wohl auf dem Hintergrund dessen, dass im Mittelalter vorwiegend die Geistlichkeit gebildet war, gleichgesetzt wurde. Dennoch kann die Definition aus dem Jahre 96 heute zur Grundlage eines Neuanfangs in der Beziehung zwischen Laien und Klerikern werden. In der Gestalt spricht das II. Vatikanische Konzil dem Laien eine wichtige Aufgabe zu, wenn es sagt: Denn das Apostolat der Laien, das in deren christlicher Berufung selbst seinen Ursprung hat, kann in der Kirche niemals fehlen.
Das Konzil hat mit besonderer Sorgfalt in Lumen gentium und ergänzenden Dokumenten (insb. Apostolicam actuositatem) hervorgehoben, dass die Taufe den Christgläubigen bereits im vollgültigen Sinne mit einem unverlierbaren Anteil am Priestertum Christi ausstattet. Somit ist auch der Laie berufen, in der Welt für das Reich Christi als Zeuge zu wirken. Die Laien sind daher, angeleitet durch das kirchliche Amt, aber aus eigenem Auftrag, dazu befugt, sich in der Lehre Christi und der Kirche zu bilden und diese weiter zu geben. Die Laien haben tätigen Anteil an der sakramentalen Wirklichkeit des christlichen Kultes und sie gehören als wirkliche Glieder des Mystischen Leibes Christi dem pilgernden Volk Gottes an.
Tätige Teilnahme
Diese Teilhabe der Laien an der Präsenz Christi in der Zeit bedarf jedoch der Ordnung durch das dazu berufene, besondere Amt des Bischofs, des Priesters und des Diakons. Insgesamt ist die Lehre des II. Vatikanum von der allgeminen Berufung zur Heiligkeit noch so neu, dass in vielen Weltgegenden noch keine ausgewogene Kooperation der Getauften mit den Amtsdienern geglückt ist. Häufig halten einerseits Bischöfe und Priester an ihrer Allzuständigkeit fest, neigen mitunter dazu, ihre Kompetenz vorzugsweise auf weltliche Sachbereiche zu erstrecken. Andererseits sind etablierte Laienorganisationen nicht selten dazu übergegangen, ihr Apostolat in erster Linie auf das Begehren zu konzentrieren, an der konkreten Gestaltung des kirchenamtlichen Lebens mitzuwirken, so dass ihnen die Partizipation an den Befugnissen des Klerus erstrebenswerter zu sein scheint als ihr gelebtes Priestertum mitten in der Welt außerhalb kirchlicher Personal- und Vermögensbestände.
Möglicherweise wurde bislang zu wenig bedacht, dass erst im Gegenüber zum berufenen Amt eine wirkliche Gleichheit der Königswürde aller Getauften gewährleistet ist, so wie innerhalb des Weihestandes der Bischof die Gleichheit der Priester und der Papst die Gleichheit der Bischöfe untereinander garantiert. Das jeweilige Miteinander von Haupt und Gliedern ermöglicht ein für alle gültiges Gehorsamsprinzip, im Hören auf das Wort Gottes, das allein geeignet ist, zum Allgemeinwohl der Kirche beizutragen.
Ohne die Wiederentdeckung der Taufe, als des anfänglichen Sakramentes der Einheit aller in Christus, wiedergewonnen im Bußsakrament, vervollendet in der Eucharistie, wird die Definition des Laien immer noch abhängig vom jeweiligen Amtsverständnis des Klerus bleiben, da Christus die Gnade in erster Linie durch den Klerus schenken möchte.
Päpstliche Schreiben
12. März 1948 Motu proprio Primo feliciter über die Belobigung und Bestätigung der weltlichen Institute (AAS XL [1948] 283-286).
12. März 1948 Apostolische Konstitution über die kanonischen Stände und weltlichen Institute zur Erlangung der christlichen Vollkommenheit.
19. März 1948 Kongregation für die Ordensleute Cum sanctissimus zur Ausführung des Motu proprio Provida mater ecclesia für die weltlichen Institute (AAS XL [1948] 293 ff).
14. Oktober 1951 Ansprache De quelle consolation an den 1. Weltkongress des katholischen Laienapostolates in Rom (AAS XLIII [1951] 784-792).
18. November 1965 Dekret Apostolicam actuositatem über das Laienapostolat (AAS LVIII [1966] 837-864).
6. Januar 1967 „Motu proprio Catholicam christi ecclesiam über die Einrichtung eines Laienrates und der Päpstlichen Studienkommission Justitia et pax – Gerechtigkeit und Frieden“: Es erlischt heute die (noch bestehende) Gesetzesschwebe hinsichtlich des Dekrets Apostolicam actuositatem des Ökumenischen Konzils (AAS LIX [1967] 25-28).
15. August 1972 Motu proprio Ministeria quadam Reform der Weihestufen (Klerikerstand mit Diakonat) und Dienste der Laien (Lektor, Akolyth) in der lateinischen Kirche neu geordnet wird; (AAS LXIV [1972] 534-540).
15. Oktober 1982 Der katholische Laie – Zeuge des Glaubens in der Schule (dt.: VAS 42).
1.- 30. Oktober 1987 VII. Ordentliche Generalversammlung der Welt-Bischofssynode zum Thema „Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt" - Instrumentum laboris (dt.: VAS 78, S. 1-57).
30. Dezember 1988 Nachsynodales Apostolisches Mahnschreiben Christifideles laici zur VII. Ordentlichen Generalversammlung der Welt-Bischofssynode vom 1.-30. Oktober 1987 über die Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt (AAS 81 [1989] 393-521; dt.: VAS 87; KDK 28).
15. März 1994 Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Brief an die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen über den liturgischen Dienst der Laien (Notitiae 30].
15. August 1997 Kongregationen: für den Klerus, die Glaubenslehre, für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, die Bischöfe, für die Evangelisierung der Völker, für die Institute des gottgeweihten Lebens, Päpstlicher Räte: für die Laien, für die Interpretation von Gesetzestexten, Instruktion Ecclesia de mysterio zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester (AAS 89 [1997] 852-877.; dt.: VAS 129).
Literatur
Franz von Sales Seelenführungsbriefe an Laien
Hans Urs von Balthasar, Der Laie und der Ordensstand, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1949.
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Laien)
Der Päpstliche Rat für die Laien ist ein Dikasterium der Römischen Kurie, das den Papst bei der Ausübung seines höchsten Hirtenamts als Dienst zum Wohl der Universalkirche und der Teilkirchen unterstützt. Präsident des Rates ist seit dem 4. Oktober 2004 Erzbischof Stanislaw Rylko, Sekretär ist seit 25. November 2003 Bischof Josef Clemens, Untersekretär ist der Laie Prof. Guzmán Carriquiry.
Geschichte des Rates
Der Hintergrund für die Entstehung des Päpstlichen Rates für die Laien bildet die Weisung in Paragraph 26 des Konzilsdekrets Apostolicam actuositatem über das Laienapostolat. Der "Pontificium Consilium pro Laicis" wurde am 6. Januar 1967 durch das Motu proprio Catholicam Christi Ecclesiam durch Papst Paul VI. eingerichtet. Seit dem 10. Dezember 1976 ist der zunächst auf Probezeit eingerichtete Rat durch das Motu proprio Apostolatus Peragendi ein fester Bestandteil der römischen Kurie und mit der Kurienreform 1988 bestätigt worden.
Aufgaben
Die Aufgabe des Laienrates besteht vor allem in der Strukturierung und Förderung des Laienapostolates.
Paul VI. hat den weiten Aufgabenbereich des Dikasteriums klar abgesteckt: "Das Feld ist groß und die Herausforderung ist beträchtlich: Menschen und Kulturen evangelisieren, als Sauerteig zur Heiligung der Welt gewissermaßen von innen her beitragen, die zeitlichen Dinge mit dem Geist des Evangeliums beseelen und ordnen, damit die Welt immer mehr der Würde der Menschen als Kinder Gottes entspricht" (Paul VI., in: Insegnamenti XV (1977), 1013).
Präsidenten des Päpstlichen Laienrates
1967 - 1976: Kardinal Maurice Roy (kanad.), zugleich Präs. Justitia et pax
1976 - 1984: Kardinal Opilio Rossi (ital.)
1984 - 1996: Kardinal Eduardo Francisco Pironio (argent.)
1996 - 2003: Kardinal James Francis Stafford (amerik.)
seit 2003: Kardinal Stanislaw Rylko (poln.)
Kontakt
Päpstlicher Rat für die Laien
Piazza San Calisto 16
00153 Roma
vatio89@laity.va
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/P%C3%A4pstlicher_Rat_f%C3%BCr_die_Laien)
DOGMATISCHE KONSTITUTION
LUMEN GENTIUM
ÜBER DIE KIRCHE
KAPITEL IV
DIE LAIEN
30. Nachdem die Heilige Synode von den hierarchischen Ämtern gehandelt hat, wendet sie nun bereitwillig ihre Aufmerksamkeit dem Stand jener Christgläubigen zu, die man Laien nennt. Gewiß richtet sich alles, was über das Volk Gottes gesagt wurde, in gleicher Weise an Laien, Ordensleute und Kleriker. Doch einiges gilt in besonderer Weise für die Laien, Männer und Frauen, aufgrund ihrer Stellung und Sendung. Die Grundzüge davon müssen wegen der besonderen Verhältnisse unserer Zeit eingehender erörtert werden. Die geweihten Hirten wissen sehr gut, wieviel die Laien zum Wohl der ganzen Kirche beitragen. Sie wissen ja, daß sie von Christus nicht bestellt sind, um die ganze Heilsmission der Kirche an der Welt allein auf sich zu nehmen, sondern daß es ihre vornehmliche Aufgabe ist, die Gläubigen so als Hirten zu führen und ihre Dienstleistungen und Charismen so zu prüfen, daß alle in ihrer Weise zum gemeinsamen Werk einmütig zusammenarbeiten. Wir alle müssen nämlich, "indem wir die Wahrheit in Liebe tun, in allem auf ihn hin wachsen, der das Haupt ist, Christus: von ihm her besorgt der ganze Leib, durch ein jedes hilfreiche Gelenk zusammengefügt und zusammengehalten, kräftig nach dem Maß eines jeden Teiles, das Wachstum des Leibes zum Aufbau seiner selbst in Liebe" (Eph 4,15-16).
31. Unter der Bezeichnung Laien sind hier alle Christgläubigen verstanden mit Ausnahme der Glieder des Weihestandes und des in der Kirche anerkannten Ordensstandes, das heißt die Christgläubigen, die, durch die Taufe Christus einverleibt, zum Volk Gottes gemacht und des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi auf ihre Weise teilhaftig, zu ihrem Teil die Sendung des ganzen christlichen Volkes in der Kirche und in der Welt ausüben.
Den Laien ist der Weltcharakter in besonderer Weise eigen. Die Glieder des geweihten Standes können zwar bisweilen mit weltlichen Dingen zu tun haben, sogar in Ausübung eines weltlichen Berufes. Aufgrund ihrer besonderen Erwählung aber sind sie vor allem und von Berufs wegen dem heiligen Dienstamt zugeordnet; und die Ordensleute geben durch ihren Stand ein deutliches und hervorragendes Zeugnis dafür, daß die Welt nicht ohne den Geist der Seligpreisungen verwandelt und Gott dargebracht werden kann. Sache der Laien ist es, kraft der ihnen eigenen Berufung in der Verwaltung und gottgemäßen Regelung der zeitlichen Dinge das Reich Gottes zu suchen. Sie leben in der Welt, das heißt in all den einzelnen irdischen Aufgaben und Werken und den normalen Verhältnissen des Familien- und Gesellschaftslebens, aus denen ihre Existenz gleichsam zusammengewoben ist. Dort sind sie von Gott gerufen, ihre eigentümliche Aufgabe, vom Geist des Evangeliums geleitet, auszuüben und so wie ein Sauerteig zur Heiligung der Welt gewissermaßen von innen her beizutragen und vor allem durch das Zeugnis ihres Lebens, im Glanz von Glaube, Hoffnung und Liebe Christus den anderen kund zu machen. Ihre Aufgabe ist es also in besonderer Weise, alle zeitlichen Dinge, mit denen sie eng verbunden sind, so zu durchleuchten und zu ordnen, daß sie immer Christus entsprechend geschehen und sich entwickeln und zum Lob des Schöpfers und Erlösers gereichen.
32. Die heilige Kirche ist kraft göttlicher Einrichtung in wunderbarer Mannigfaltigkeit geordnet und geleitet. "Wie wir nämlich an dem einen Leibe viele Glieder haben, die Glieder aber nicht alle den gleichen Dienst verrichten, so sind wir als viele ein einziger Leib in Christus, als einzelne aber untereinander Glieder (Röm 12,4-5).
Eines ist also das auserwählte Volk Gottes: "Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe" (Eph 4,5); gemeinsam die Würde der Glieder aus ihrer Wiedergeburt in Christus, gemeinsam die Gnade der Kindschaft, gemeinsam die Berufung zur Vollkommenheit, eines ist das Heil, eine die Hoffnung und ungeteilt die Liebe. Es ist also in Christus und in der Kirche keine Ungleichheit aufgrund von Rasse und Volkszugehörigkeit, sozialer Stellung oder Geschlecht; denn "es gilt nicht mehr Jude und Grieche, nicht Sklave und Freier, nicht Mann und Frau; denn alle seid ihr einer in Christus Jesus" (Gal 3,28 griech.; vgl. Kol 3,11).
Wenn also in der Kirche nicht alle denselben Weg gehen, so sind doch alle zur Heiligkeit berufen und haben den gleichen Glauben erlangt in Gottes Gerechtigkeit (vgl. 2 Petr 1,1). Wenn auch einige nach Gottes Willen als Lehrer, Ausspender der Geheimnisse und Hirten für die anderen bestellt sind, so waltet doch unter allen eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau des Leibes Christi. Der Unterschied, den der Herr zwischen den geweihten Amtsträgern und dem übrigen Gottesvolk gesetzt hat, schließt eine Verbundenheit ein, da ja die Hirten und die anderen Gläubigen in enger Beziehung miteinander verbunden sind. Die Hirten der Kirche sollen nach dem Beispiel des Herrn einander und den übrigen Gläubigen dienen, diese aber sollen voll Eifer mit den Hirten und Lehrern eng zusammenarbeiten. So geben alle in der Verschiedenheit Zeugnis von der wunderbaren Einheit im Leibe Christi: denn gerade die Vielfalt der Gnadengaben, Dienstleistungen und Tätigkeiten vereint die Kinder Gottes, weil "dies alles der eine und gleiche Geist wirkt" (1 Kor 12,11).
Wie die Laien aus Gottes Herablassung Christus zum Bruder haben, der, obwohl aller Herr, doch gekommen ist, nicht um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen (vgl. Mt 20,28), so haben sie auch die geweihten Amtsträger zu Brüdern, die in Christi Autorität die Familie Gottes durch Lehre, Heiligung und Leitung so weiden, daß das neue Gebot der Liebe von allen erfüllt wird. Daher sagt der heilige Augustinus sehr schön: "Wo mich erschreckt, was ich für euch bin, da tröstet mich, was ich mit euch bin. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes bezeichnet das Amt, dieses die Gnade, jenes die Gefahr, dieses das Heil." (112)
33. Die im Volk Gottes versammelten und dem einen Leibe Christi unter dem einen Haupt eingefügten Laien sind, wer auch immer sie sein mögen, berufen, als lebendige Glieder alle ihre Kräfte, die sie durch das Geschenk des Schöpfers und die Gnade des Erlösers empfangen haben, zum Wachstum und zur ständigen Heiligung der Kirche beizutragen.
Der Apostolat der Laien ist Teilnahme an der Heilssendung der Kirche selbst. Zu diesem Apostolat werden alle vom Herrn selbst durch Taufe und Firmung bestellt. Durch die Sakramente, vor allem durch die heilige Eucharistie, wird jene Liebe zu Gott und den Menschen mitgeteilt und genährt, die die Seele des ganzen Apostolates ist. Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie das Salz der Erde werden kann113. So ist jeder Laie kraft der ihm geschenkten Gaben zugleich Zeuge und lebendiges Werkzeug der Sendung der Kirche selbst "nach dem Maß der Gabe Christi" (Eph 4,7).
Außer diesem Apostolat, das schlechthin alle Christgläubigen angeht, können die Laien darüber hinaus in verschiedener Weise zu unmittelbarerer Mitarbeit mit dem Apostolat der Hierarchie berufen werden114, nach Art jener Männer und Frauen, die den Apostel Paulus in der Verkündigung des Evangeliums unterstützten und sich sehr im Herrn mühten (vgl. Phil 4,3; Röm 16,3ff). Außerdem haben sie die Befähigung dazu, von der Hierarchie zu gewissen kirchlichen Ämtern herangezogen zu werden, die geistlichen Zielen dienen.
So obliegt allen Laien die ehrenvolle Bürde, dafür zu wirken, daß der göttliche Heilsratschluß mehr und mehr alle Menschen aller Zeiten und überall auf der Erde erreiche. Es soll daher auch ihnen in jeder Hinsicht der Weg offenstehen, nach ihren Kräften und entsprechend den Zeitbedürfnissen am Heilswirken der Kirche in tätigem Eifer teilzunehmen.
34. Da der ewige Hohepriester Christus Jesus auch durch die Laien sein Zeugnis und seinen Dienst fortsetzen will, macht er sie durch seinen Geist lebendig und treibt sie unaufhörlich an zu jedem guten und vollkommenen Werk.
Denen nämlich, die er mit seinem Leben und seiner Sendung innigst verbindet, gibt er auch Anteil an seinem Priesteramt zur Ausübung eines geistlichen Kultes zur Verherrlichung Gottes und zum Heil der Menschen. Deshalb sind die Laien Christus geweiht und mit dem Heiligen Geist gesalbt und dadurch wunderbar dazu berufen und ausgerüstet, daß immer reichere Früchte des Geistes in ihnen hervorgebracht werden. Es sind nämlich alle ihre Werke, Gebete und apostolischen Unternehmungen, ihr Ehe- und Familienleben, die tägliche Arbeit, die geistige und körperliche Erholung, wenn sie im Geist getan werden, aber auch die Lasten des Lebens, wenn sie geduldig ertragen werden, "geistige Opfer, wohlgefällig vor Gott durch Jesus Christus" (1 Petr 2,5). Bei der Feier der Eucharistie werden sie mit der Darbringung des Herrenleibes dem Vater in Ehrfurcht dargeboten. So weihen auch die Laien, überall Anbeter in heiligem Tun, die Welt selbst Gott.
35. Christus, der große Prophet, der durch das Zeugnis seines Lebens und in Kraft seines Wortes die Herrschaft des Vaters ausgerufen hat, erfüllt bis zur vollen Offenbarung der Herrlichkeit sein prophetisches Amt nicht nur durch die Hierarchie, die in seinem Namen und in seiner Vollmacht lehrt, sondern auch durch die Laien. Sie bestellt er deshalb zu Zeugen und rüstet sie mit dem Glaubenssinn und der Gnade des Wortes aus (vgl. Apg 2,17-18; Offb 19,10), damit die Kraft des Evangeliums im alltäglichen Familien- und Gesellschaftsleben aufleuchte. Sie zeigen sich als Söhne der Verheißung, wenn sie stark in Glauben und Hoffnung den gegenwärtigen Augenblick auskaufen (vgl. Eph 5,16; Kol 4,5) und die künftige Herrlichkeit in Geduld erwarten (vgl. Röm 8,25). Diese Hoffnung sollen sie aber nicht im Inneren des Herzens verbergen, sondern in ständiger Bekehrung und im Kampf "gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister des Bösen" (Eph 6,12) auch durch die Strukturen des Weltlebens ausdrücken.
Wie die Sakramente des Neuen Bundes, durch die das Leben und der Apostolat der Gläubigen genährt werden, einen neuen Himmel und eine neue Erde (vgl. Offb 21,1) vorbilden, so werden die Laien gültige Verkünder des Glaubens an die zu erhoffenden Dinge (vgl. Hebr 11,1), wenn sie mit dem Leben aus dem Glauben ohne Zögern das Bekenntnis des Glaubens verbinden. Diese Evangelisation, das heißt die Verkündigung der Botschaft Christi durch das Zeugnis des Lebens und das Wort, bekommt eine eigentümliche Prägung und besondere Wirksamkeit von da her, daß sie in den gewöhnlichen Verhältnissen der Welt erfüllt wird.
In dieser Aufgabe erscheint als besonders wertvoll jener Lebensstand, der durch ein besonderes Sakrament geheiligt wird, das Ehe- und Familienleben. Dort gibt es eine hervorragende Übung und Schule des Laienapostolates, wo die christliche Religion die ganze Einrichtung des Lebens durch dringt und von Tag zu Tag mehr umbildet. Dort haben die Eheleute ihre eigene Berufung, sich gegenseitig und den Kindern den Glauben und die Liebe Christi zu bezeugen. Die christliche Familie verkündet mit lauter Stimme die gegenwärtige Wirkkraft des Gottesreiches, besonders aber auch die Hoffnung auf das selige Leben. So überführt sie durch Beispiel und Zeugnis die Welt der Sünde und erleuchtet jene, die die Wahrheit suchen.
Daher können und müssen die Laien, wenn auch den zeitlichen Sorgen verpflichtet, eine wertvolle Wirksamkeit zur Evangelisation der Welt ausüben. Wenn nun einige von ihnen beim Mangel an geweihten Amtsträgern oder bei deren Verhinderung unter einem Verfolgungsregime nach Möglichkeit gewisse heilige Aufgaben stellvertretend erfüllen und viele von ihnen ihre ganzen Kräfte dem apostolischen Werk widmen, so müssen doch alle zur Ausweitung und zum Wachstum des Reiches Christi in der Welt mitarbeiten. Deshalb sollen die Laien sich um eine tiefere Kenntnis der geoffenbarten Wahrheit bemühen und inständig von Gott die Gabe der Weisheit erbitten.
36. Christus ist gehorsam geworden bis zum Tod. Deshalb wurde er vom Vater erhöht (vgl. Phil 2,8-9) und ging in die Herrlichkeit seines Reiches ein. Ihm ist alles unterworfen, bis er selbst sich und alles Geschaffene dem Vater unterwirft, damit Gott alles in allem sei (vgl. 1 Kor 15,27-28). Diese Gewalt teilte er seinen Jüngern mit, damit auch sie in königlicher Freiheit stehen und durch Selbstverleugnung und ein heiliges Leben das Reich der Sünde in sich selbst besiegen (vgl. Röm 6,12), aber auch Christus in den anderen dienen und ihre Brüder in Demut und Geduld zu dem König hinführen, dem zu dienen herrschen bedeutet. Der Herr will ja sein Reich auch durch die gläubigen Laien ausbreiten, das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens (115). In diesem Reich wird auch die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes (vgl. Röm 8,21). Eine wahrlich große Verheißung und ein großer Auftrag ist den Jüngern gegeben: "Alles ist euer, ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes" (1 Kor 3,23).
Die Gläubigen müssen also die innerste Natur der ganzen Schöpfung, ihren Wert und ihre Hinordnung auf das Lob Gottes anerkennen. Sie müssen auch durch das weltliche Wirken sich gegenseitig zu einem heiligeren Leben verhelfen. So soll die Welt vom Geist Christi erfüllt werden und in Gerechtigkeit, Liebe und Frieden ihr Ziel wirksamer erreichen. In der Erfüllung dieser allgemeinen Pflicht haben die Laien einen besonderen Platz. Sie sollen also durch ihre Zuständigkeit in den profanen Bereichen und durch ihre innerlich von der Gnade Christi erhöhte Tätigkeit einen gültigen Beitrag leisten, daß die geschaffenen Güter gemäß der Ordnung des Schöpfers und im Lichte seines Wortes durch menschliche Arbeit, Technik und Kultur zum Nutzen wirklich aller Menschen entwickelt und besser unter ihnen verteilt werden und in menschlicher und christlicher Freiheit auf ihre Weise dem allgemeinen Fortschritt dienen. So wird Christus durch die Glieder der Kirche die ganze menschliche Gesellschaft mehr und mehr mit seinem heilsamen Licht erleuchten.
Außerdem sollen die Laien, auch in Zusammenarbeit, die Einrichtungen und Verhältnisse der Welt, da wo Gewohnheiten zur Sünde aufreizen, so zu heilen suchen, daß dies alles nach der Norm der Gerechtigkeit umgestaltet wird und der Ausübung der Tugenden eher förderlich als schädlich ist. Auf diese Weise erfüllen sie die Kultur und die menschlichen Leistungen mit sittlichem Wert. Gleichzeitig wird dadurch das Ackerfeld der Welt besser für den Samen des Gotteswortes bereitet, und es öffnen sich der Kirche weiter die Tore für die Verkündigung des Friedens in der Welt.
Um der Heilsökonomie selbst willen sollen die Gläubigen genau zu unterscheiden lernen zwischen den Rechten und Pflichten, die sie haben, insofern sie zur Kirche gehören, und denen, die sie als Glieder der menschlichen Gesellschaft haben. Beide sollen sie harmonisch miteinander zu verbinden suchen und daran denken, daß sie sich auch in jeder zeitlichen Angelegenheit vom christlichen Gewissen führen lassen müssen; keine menschliche Tätigkeit, auch in weltlichen Dingen nicht, läßt sich ja der Herrschaft Gottes entziehen. Heutzutage ist es aber besonders wichtig, daß diese Unterscheidung und Harmonie zugleich möglichst klar im Handeln der Gläubigen aufleuchten, damit die Sendung der Kirche den besonderen Verhältnissen der heutigen Welt voller entsprechen kann. Man muß gewiß anerkennen, daß die irdische Gesellschaft mit Recht den weltlichen Bestrebungen zugeordnet ist und darin von eigenen Prinzipien geleitet wird. Ebenso aber wird mit Recht jene unselige Lehre verworfen, die eine Gesellschaft ohne Rücksicht auf die Religion zu errichten sucht und die Religionsfreiheit der Bürger bekämpft und austilgt (116).
37. Die Laien haben wie alle Christgläubigen das Recht, aus den geistlichen Gütern der Kirche, vor allem die Hilfe des Wortes Gottes und der Sakramente, von den geweihten Hirten reichlich zu empfangen (117). Und ihnen sollen sie ihre Bedürfnisse und Wünsche mit der Freiheit und dem Vertrauen, wie es den Kindern Gottes und den Brüdern in Christus ansteht, eröffnen. Entsprechend dem Wissen, der Zuständigkeit und hervorragenden Stellung, die sie einnehmen, haben sie die Möglichkeit, bisweilen auch die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, zu erklären (118). Gegebenenfalls soll das durch die dazu von der Kirche festgesetzten Einrichtungen geschehen, immer in Wahrhaftigkeit, Mut und Klugheit, mit Ehrfurcht und Liebe gegenüber denen, die aufgrund ihres geweihten Amtes die Stelle Christi vertreten. Die Laien sollen wie alle Gläubigen das, was die geweihten Hirten in Stellvertretung Christi als Lehrer und Leiter in der Kirche festsetzen, in christlichem Gehorsam bereitwillig aufnehmen nach dem Beispiel Christi, der durch seinen Gehorsam bis zum Tode den seligen Weg der Freiheit der Kinder Gottes für alle Menschen eröffnet hat. Sie sollen auch nicht unterlassen, ihre Vorgesetzten Gott zu empfehlen, die ja wachen, um Rechenschaft für unsere Seelen zu geben, damit sie das mit Freude tun können und nicht mit Seufzen (vgl. Hebr 13,17).
Die geweihten Hirten aber sollen die Würde und Verantwortung der Laien in der Kirche anerkennen und fördern. Sie sollen gern deren klugen Rat benutzen, ihnen vertrauensvoll Aufgaben im Dienst der Kirche übertragen und ihnen Freiheit und Raum im Handeln lassen, ihnen auch Mut machen, aus eigener Initiative Werke in Angriff zu nehmen. Mit väterlicher Liebe sollen sie Vorhaben, Eingaben und Wünsche, die die Laien vorlegen, aufmerksam in Christus in Erwägung ziehen (119). Die gerechte Freiheit, die allen im irdischen bürgerlichen Bereich zusteht, sollen die Hirten sorgfältig anerkennen.
Aus diesem vertrauten Umgang zwischen Laien und Hirten kann man viel Gutes für die Kirche erwarten. In den Laien wird so der Sinn für eigene Verantwortung gestärkt, die Bereitwilligkeit gefördert. Die Kraft der Laien verbindet sich leichter mit dem Werk der Hirten. Sie können mit Hilfe der Erfahrung der Laien in geistlichen wie in weltlichen Dingen genauer und besser urteilen. So mag die ganze Kirche, durch alle ihre Glieder gestärkt, ihre Sendung für das Leben der Welt wirksamer erfüllen.
38. Jeder Laie muß vor der Welt Zeuge der Auferstehung und des Lebens Jesu, unseres Herrn, und ein Zeichen des lebendigen Gottes sein. Alle zusammen und jeder Einzelne zu seinem Teil müssen die Welt mit den Früchten des Geistes nähren (vgl. Gal 5,22), in sie hinein den Geist ausgießen, der jene Armen, Sanftmütigen und Friedfertigen beseelt, die der Herr im Evangelium seligpries (vgl. Mt 5,3-9). Mit einem Wort: "Was die Seele im Leibe ist, das sollen in der Welt die Christen sein." (120)
KAPITEL V
DIE ALLGEMEINE BERUFUNG ZUR HEILIGKEIT IN DER KIRCHE
39. Es ist Gegenstand des Glaubens, daß die Kirche, deren Geheimnis die Heilige Synode vorlegt, unzerstörbar heilig ist. Denn Christus, der Sohn Gottes, der mit dem Vater und dem Geist als "allein Heiliger" gepriesen wird (121), hat die Kirche als seine Braut geliebt und sich für sie hingegeben, um sie zu heiligen (vgl. Eph 5,25-26), er hat sie als seinen Leib mit sich verbunden und mit der Gabe des Heiligen Geistes reich beschenkt zur Ehre Gottes. Daher sind in der Kirche alle, mögen sie zur Hierarchie gehören oder von ihr geleitet werden, zur Heiligkeit berufen gemäß dem Apostelwort: "Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung" (1 Thess 4,3; vgl. Eph 1,4). Diese Heiligkeit der Kirche tut sich aber in den Gnadenfrüchten, die der Heilige Geist in den Gläubigen hervorbringt, unaufhörlich kund und muß das tun. Sie drückt sich vielgestaltig in den Einzelnen aus, die in ihrer Lebensgestaltung zur Vollkommenheit der Liebe in der Erbauung anderer streben. In eigener Weise erscheint sie in der Übung der sogenannten evangelischen Räte. Diese von vielen Christen auf Antrieb des Heiligen Geistes privat oder in einer von der Kirche anerkannten Lebensform, einem Stand, übernommene Übung der Räte gibt in der Welt ein hervorragendes Zeugnis und Beispiel dieser Heiligkeit und muß es geben.
40. Der Herr Jesus, göttlicher Lehrer und Urbild jeder Vollkommenheit, hat die Heiligkeit des Lebens, deren Urheber und Vollender er selbst ist, allen und jedem einzelnen seiner Jünger in jedweden Lebensverhältnissen gepredigt: "Seid ihr also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist" (Mt 5,48)122. Allen hat er den Heiligen Geist gesandt, daß er sie innerlich bewege, Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüt und aus ganzer Kraft zu lieben (vgl. Mk 12,30), und einander zu lieben, wie Christus sie geliebt hat (vgl. Joh 13,34; 15,12). Die Anhänger Christi sind von Gott nicht kraft ihrer Werke, sondern aufgrund seines gnädigen Ratschlusses berufen und in Jesus dem Herrn gerechtfertigt, in der Taufe des Glaubens wahrhaft Kinder Gottes und der göttlichen Natur teilhaftig und so wirklich heilig geworden. Sie müssen daher die Heiligung, die sie empfangen haben, mit Gottes Gnade im Leben bewahren und zur vollen Entfaltung bringen. Vom Apostel werden sie gemahnt, zu leben, "wie es Heiligen geziemt" (Eph 5,3), und "als von Gott erwählte Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld" anzuziehen (Kol 3,12), und die Früchte des Geistes zur Heiligung zu zeitigen (vgl. Gal 5,22; Röm 6,22). Da wir aber in vielem alle fehlen (vgl. Jak 3,2), bedürfen wir auch ständig der Barmherzigkeit Gottes und müssen täglich beten: "Und vergib uns unsere Schuld" (Mt 6,12)123.
Jedem ist also klar, daß alle Christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen sind124. Durch diese Heiligkeit wird auch in der irdischen Gesellschaft eine menschlichere Weise zu leben gefördert. Zur Erreichung dieser Vollkommenheit sollen die Gläubigen die Kräfte, die sie nach Maß der Gnadengabe Christi empfangen haben, anwenden, um, seinen Spuren folgend und seinem Bild gleichgestaltet, dem Willen des Vaters in allem folgsam, sich mit ganzem Herzen der Ehre Gottes und dem Dienst des Nächsten hinzugeben. So wird die Heiligkeit des Gottesvolkes zu überreicher Frucht anwachsen, wie es die Kirchengeschichte durch das Leben so vieler Heiliger strahlend zeigt.
41. In den verschiedenen Verhältnissen und Aufgaben des Lebens wird die eine Heiligkeit von allen entfaltet, die sich vom Geist Gottes leiten lassen und, der Stimme des Vaters gehorsam, Gott den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten und dem armen, demütigen, das Kreuz tragenden Christus folgen und so der Teilnahme an seiner Herrlichkeit würdig werden. Jeder aber muß nach seinen eigenen Gaben und Gnaden auf dem Weg eines lebendigen Glaubens, der die Hoffnung weckt und durch Liebe wirksam ist, entschlossen vorangehen. Vor allem die Hirten der Herde Christi müssen nach dem Bild des ewigen Hohenpriesters, des Hirten und Bischofs unserer Seelen, heilig und freudig, demütig und kraftvoll ihr Amt ausüben, das auch für sie, wenn sie es so erfüllen, das hervorragende Mittel der Heiligung ist. Sie wurden zur Fülle des Priestertums erwählt und sind mit sakramentaler Gnade beschenkt, damit sie durch Gebet, Opfer und Verkündigung, durch jede Weise ihres bischöflichen Sorgens und Dienens vollkommen das Amt der Hirtenliebe ausüben125, nicht fürchten, ihr Leben für ihre Schafe einzusetzen, und als Vorbild für die Herde (vgl. 1 Petr 5,3) die Kirche auch durch ihr Beispiel zu täglich größerer Heiligkeit voranführen.
Die Priester sollen ähnlich wie die Ordnung der Bischöfe, um die sie einen geistlichen Kranz bilden (126), in Teilnahme an deren Amtsgnade durch Christus, den ewigen und einzigen Mittler, in täglicher Ausübung ihrer Pflicht in der Liebe zu Gott und dem Nächsten wachsen. Sie sollen das Band der priesterlichen Gemeinschaft wahren, an jedem geistlichen Gut Überfluß haben und vor allen ein lebendiges Zeugnis für Gott geben (127), als eifrige Nachahmer jener Priester, die im Laufe der Jahrhunderte in oft demütigem und verborgenem Dienst ein hervorragendes Beispiel von Heiligkeit hinterließen. Ihr Lob lebt in der Kirche Gottes. Im pflichtmäßigen Gebet und Opfer für ihre Gemeinde und das ganze Volk Gottes sollen sie erkennen, was sie tun, und nachahmen, was sie vollziehen (128). Es sollen ihnen die apostolischen Sorgen, Gefahren und Mühsale so wenig ein Hindernis sein, daß sie dadurch vielmehr zu höherer Heiligkeit emporsteigen, indem sie aus der Fülle der Kontemplation ihre Tätigkeit nähren und fördern zur Freude der ganzen Kirche Gottes. Alle Priester, und vor allem die, die auf ihren besonderen Weihetitel hin Diözesanpriester heißen, sollen bedenken, wie sehr die treue Verbundenheit und großmütige Zusammenarbeit mit ihrem Bischof zu ihrer Heiligkeit beiträgt.
An der Sendung und Gnade des Hohenpriesters haben in eigener Weise auch die Amtsträger der niederen Ordnung teil, vor allem die Diakone, die den Geheimnissen Christi und der Kirche dienen (129) und sich deshalb von jedem Laster rein bewahren, Gott gefallen und für alles Gute vor den Menschen sorgen müssen (vgl. 1 Tim 3,8-10 und 12-13). Die Kleriker, die, vom Herrn gerufen und in seinen Besitz abgesondert, sich unter der Aufsicht der Hirten auf die Aufgaben ihres Amtes vorbereiten, müssen Geist und Herz entsprechend der so erhabenen Erwählung bilden, eifrig im Gebet, glühend in Liebe, denkend, was wahr, gerecht und guten Rufes ist. Alles sollen sie zur Verherrlichung und Ehre Gottes tun. Dazu kommen jene von Gott erwählten Laien, die vom Bischof gerufen sind, sich voll dem apostolischen Wirken hinzugeben, und im Ackerfeld des Herrn mit reicher Frucht arbeiten (130).
Die christlichen Eheleute und Eltern müssen auf ihrem eigenen Weg in treuer Liebe das ganze Leben hindurch einander in der Gnade Halt und Stütze sein und die von Gott gerne empfangenen Kinder mit den christlichen Lehren und den Tugenden des Evangeliums erfüllen. So geben sie allen das Beispiel einer unermüdlichen und großmütigen Liebe, sie bauen die Bruderschaft der Liebe auf, sind Zeugen und Mitarbeiter der fruchtbaren Mutter Kirche, zum Zeichen und in Teilnahme jener Liebe, in der Christus seine Braut geliebt und sich für sie hingegeben hat (131). Ein ähnliches Beispiel wird auf andere Weise von den Witwen und Unverheirateten gegeben; auch sie können nicht wenig zur Heiligkeit und Wirksamkeit in der Kirche beitragen. Jene aber, die - oft so schwer - arbeiten, müssen durch die menschliche Arbeit sich selbst vollenden, das Wohl der Mitbürger fördern und die ganze Gesellschaft und Schöpfung höherführen. Sie sollen aber auch Christus in tätiger Liebe nachahmen, der handwerklich gearbeitet hat und immer mit dem Vater zum Heil aller wirkt. In freudiger Hoffnung soll einer des anderen Last tragen und gerade durch die tägliche Arbeit zu einer höheren, auch apostolischen Heiligkeit emporsteigen.
Die Armen, Schwachen, Kranken und von verschiedener Mühseligkeit Bedrückten oder die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten sollen sich in besonderer Weise mit Christus in seinem Leiden für das Heil der Welt zu vereinigen wissen. Sie hat der Herr im Evangelium seliggepriesen, und "der Gott ... aller Gnade, der uns in Christus Jesus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird (sie) nach kurzer Zeit des Leidens selber vollenden, stärken, kräftigen und festigen" (1 Petr 5,10).
Alle Christgläubigen also werden in ihrer Lebenslage, ihren Pflichten und Verhältnissen und durch dies alles von Tag zu Tag mehr geheiligt, wenn sie alles aus der Hand des himmlischen Vaters im Glauben entgegennehmen und mit Gottes Willen zusammenwirken und so die Liebe, mit der Gott die Welt geliebt hat, im zeitlichen Dienst selbst allen kundmachen.
42. "Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm" (1 Joh 4,16). Gott aber gießt seine Liebe in unseren Herzen aus durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (vgl. Röm 5,5). Daher ist die erste und notwendigste Gabe die Liebe, durch die wir Gott über alles und den Nächsten um Gottes willen lieben. Damit aber die Liebe wie ein guter Same in der Seele wachse und Frucht bringe, muß jeder Gläubige das Wort Gottes bereitwillig hören und seinen Willen mit Hilfe seiner Gnade in der Tat erfüllen, an den Sakramenten, vor allem der Eucharistie, und an den gottesdienstlichen Handlungen häufig teilnehmen und sich standhaft dem Gebet, der Selbstverleugnung, dem tatkräftigen Bruderdienst und der Übung aller Tugenden widmen. Denn die Liebe als Band der Vollkommenheit und Fülle des Gesetzes (vgl. Kol 3,14; Röm 13,10) leitet und beseelt alle Mittel der Heiligung und führt sie zum Ziel132. Daher ist die Liebe zu Gott wie zum Nächsten das Siegel des wahren Jüngers Christi.
Da Jesus, der Sohn Gottes, seine Liebe durch die Hingabe seines Lebens für uns bekundet hat, hat keiner eine größere Liebe, als wer sein Leben für ihn und die Brüder hingibt (vgl. 1 Joh 3,16; Joh 15,13). Dieses höchste Zeugnis der Liebe vor allen, besonders den Verfolgern, zu geben war die Berufung einiger Christen schon in den ersten Zeiten und wird es immer sein. Das Martyrium, das den Jünger dem Meister in der freien Annahme des Todes für das Heil der Welt ähnlich macht und im Vergießen des Blutes gleichgestaltet, wertet die Kirche als hervorragendes Geschenk und als höchsten Erweis der Liebe. Wenn es auch wenigen gegeben wird, so müssen doch alle bereit sein, Christus vor den Menschen zu bekennen und ihm in den Verfolgungen, die der Kirche nie fehlen, auf dem Weg des Kreuzes zu folgen.
Ferner wird die Heiligkeit der Kirche in besonderer Weise gefördert durch die vielfachen Räte, deren Beobachtung der Herr im Evangelium seinen Jüngern vorlegt (133). Darunter ragt die kostbare göttliche Gnadengabe hervor, die der Vater einigen gibt (vgl. Mt 19,11; 1 Kor 7,7), die Jungfräulichkeit oder der Zölibat, in dem man sich leichter ungeteilten Herzens (vgl. 1 Kor 7,32-34) Gott allein hingibt (134). Diese vollkommene Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen wurde von der Kirche immer besonders in Ehren gehalten als Zeichen und Antrieb für die Liebe und als eine besondere Quelle geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt.
Die Kirche bedenkt auch die Mahnung des Apostels, der die Gläubigen zur Liebe aufruft und sie ermahnt, die Gesinnung in sich zu tragen, die auch in Christus Jesus war, der "sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm ... und gehorsam wurde bis in den Tod" (Phil 2,7-8) und der um unseretwillen "arm wurde, da er reich war" (2 Kor 8,9). Diese Nachahmung und Bezeugung der Liebe und Demut Christi müssen die Jünger immer leisten. Deshalb freut sich die Mutter Kirche darüber, daß sich in ihrem Schoß viele Männer und Frauen finden, die die Entäußerung des Erlösers nachdrücklicher befolgen und deutlicher erweisen, indem sie die Armut in der Freiheit der Kinder Gottes übernehmen und auf den Eigenwillen verzichten, das heißt, sie unterwerfen sich einem Menschen um Gottes willen hinsichtlich der Vollkommenheit über das Maß des Gebotes hinaus, um sich dem gehorsamen Christus mehr gleichzugestalten (135).
Alle Christgläubigen sind also zum Streben nach Heiligkeit und ihrem Stand entsprechender Vollkommenheit eingeladen und verpflichtet. Alle sollen deshalb ihre Willensantriebe richtig leiten, um nicht im Umgang mit Dingen der Welt und durch die Anhänglichkeit an die Reichtümer wider den Geist der evangelischen Armut im Streben nach vollkommener Liebe gehindert zu werden. Mahnt doch der Apostel: Die mit dieser Welt umgehen, sollen sich in ihr nicht festsetzen; denn die Gestalt dieser Welt vergeht (vgl. 1 Kor 7,31 griech.) (136).
(2. Vatikanisches Konzil: Lumen Gentium. http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19641121_lumen-gentium_ge.html)
Lesen wir hierzu erst einige kirchliche Dokumente:
Katechismus:
Wer feiert die Liturgie der Sakramente?
1140
Die ganze Gemeinde, der mit Christus, dem Haupt, vereinte Leib, feiert.
„Die liturgischen Handlungen sind keine privaten Handlungen, sondern
Feiern der Kirche, die das ‚Sakrament der Einheit‘ ist, nämlich das
heilige Volk, unter den Bischöfen geeint und geordnet. Daher gehen sie
den ganzen mystischen Leib der Kirche an, machen ihn sichtbar und
wirken auf ihn ein; seine einzelnen Glieder aber berühren sie auf
verschiedene Weise, entsprechend der Verschiedenheit von Stand, Aufgabe
und tätiger Teilnahme" (SC 26). Darum gilt: „Jedesmal, wenn Riten gemäß
ihrer jeweiligen Eigenart eine gemeinschaftliche Feier mit Beteiligung
und tätiger Teilnahme der Gläubigen mit sich bringen, soll betont
werden, daß diese so weit wie möglich einer einzelnen und gleichsam
privaten Feier dieser [Riten] vorzuziehen ist" (SC 27).
1141
Die Gemeinde, die feiert, ist die Gemeinschaft der Getauften, die
„durch die Wiedergeburt und die Salbung mit dem Heiligen Geist ... zu
einem geistigen Haus und einem heiligen Priestertum geweiht [wurden],
damit sie ... geistige Opfer darbringen" (LG 10). Dieses „gemeinsame
Priestertum" ist das Priestertum Christi, des einzigen Priesters, an
dem alle seine Glieder teilhaben[Vgl. LG 10; 34: P0 2].
„Die
Mutter Kirche wünscht sehr, daß alle Gläubigen zu jener vollen,
bewußten und tätigen Teilnahme an den liturgischen Feiern geführt
werden, die vom Wesen der Liturgie selbst erfordert wird und zu der das
christliche Volk, ‚das auserwählte Geschlecht, das königliche
Priestertum, der heilige Stamm, das Eigentumsvolk‘ (1 Petr 2,9)[Vgl. 1
Petr 2,4-5] kraft der Taufe das Recht und die Pflicht hat" (SC 14).
1142
Aber „nicht alle Glieder [leisten] denselben Dienst" (Röm 12,4).
Einzelne Glieder sind in und durch die Kirche von Gott zu einem
besonderen Dienst an der Gemeinde berufen. Diese Diener werden
ausgewählt und durch das Weihesakrament geweiht. Dadurch befähigt sie
der Heilige Geist, in der Person Christi, des Hauptes, zu handeln, um
allen Gliedern der Kirche zu dienen [Vgl. P0 2 und 15]. Der geweihte
Amtsträger ist gleichsam die „Ikone" Christi, des Priesters. In
der Eucharistie tritt das Sakrament der Kirche voll zutage; daher
findet das Amt des Bischofs im Vorsitz der Eucharistiefeier seinen
vorzüglichen Ausdruck und, in Gemeinschaft mit ihm, das Amt der
Priester und der Diakone.
1143 Für den Dienst an den
Aufgaben des gemeinsamen Priestertums der Gläubigen gibt es noch
weitere besondere Dienste. Die damit Betrauten empfangen nicht das
Sakrament der Weihe; ihre Aufgaben werden von den Bischöfen gemäß den
liturgischen Traditionen und den pastoralen Bedürfnissen bestimmt.
„Auch die Ministranten, Lektoren, Kommentatoren und jene, die zum
Kirchenchor gehören, versehen einen wahrhaft liturgischen Dienst" (SC
29).
1144 So ist bei der Feier der Sakramente
die ganze Versammlung „Liturge" [Feiernde], jeder seiner Aufgabe
entsprechend, aber in der „Einheit des Geistes", der in allen handelt.
„Bei den liturgischen Feiern soll jeder, ob Amtsträger oder Gläubiger,
in der Ausübung seiner Aufgabe nur das und all das tun, was ihm
aufgrund der Natur der Sache und der liturgischen Normen zukommt" (SC
28).
http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P3D.HTM
Copyright © Libreria Editrice Vaticana
1154
Der Wortgottesdienst bildet einen unerläßlichen Bestandteil der
sakramentalen Feiern. Um den Glauben der Gläubigen zu nähren, werden
die Zeichen, die das Wort Gottes begleiten, verdeutlicht: die Heilige
Schrift (Lektionar oder Evangeliar), ihre Verehrung (Prozession,
Weihrauch, Licht), die Stätte ihrer Verkündigung (Ambo), ihre Lesung,
die gut vernehmbar und verständlich sein soll, die Homilie des Amtsträgers, welche die Verkündigung weiterführt sowie die Antworten der Versammlung (wie Akklamationen, Psalmen, Litaneien und Glaubensbekenntnis).
http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P3E.HTM
Copyright © Libreria Editrice Vaticana
Homilie
Aus Kathpedia
(Weitergeleitet von Predigt)
Als
Homilie (sprich: homi´li:) wird die Predigt in der Eucharistiefeier
nach dem Evangelium bezeichnet. Sie ist an Sonntagen und Hochfesten
vorgeschrieben, sonst empfohlen. Sie ist einem geweihten
Amtsträger (Diakon, Priester oder Bischof) vorbehalten, die Homilie
durch einen Laien ist ausdrücklich verboten, zuletzt in der Instruktion
Redemptionis Sacramentum.
http://www.kathpedia.com/index.php/Predigt
KONGREGATION FÜR DEN GOTTESDIENST
UND DIE SAKRAMENTENORDNUNG
INSTRUKTION
Redemptionis sacramentum
über einige Dinge bezüglich der heiligsten Eucharistie,
die einzuhalten und zu vermeiden sind
63.
Die Lesung des Evangeliums, die «den Höhepunkt des Wortgottesdienstes
bildet»,[139] ist gemäß der Tradition der Kirche in der Feier der
heiligen Liturgie dem geweihten Amtsträger vorbehalten.[140] Daher ist
es einem Laien, auch einem Ordenschristen, nicht gestattet, das
Evangelium während der Feier der heiligen Messe zu verkünden, auch
nicht in den anderen Fällen, in denen die Normen es nicht ausdrücklich
erlauben.[141]
64. Die Homilie, die während der Feier
der heiligen Messe gehalten wird und Teil der Liturgie selbst ist,[142]
«wird in der Regel vom zelebrierenden Priester gehalten oder von ihm
einem konzelebrierenden Priester oder manchmal, wenn dies angebracht
erscheint, auch einem Diakon übertragen, niemals aber einem Laien.[143]
In besonderen Fällen kann die Homilie aus einem gerechten Grund auch
von einem Bischof oder einem Priester gehalten werden, der an der Feier
teilnimmt, ohne konzelebrieren zu können».[144]
65. Es muß daran
erinnert werden, daß jedwede frühere Norm, die nichtgeweihten Gläubigen
die Homilie innerhalb der Meßfeier gestattet hatte, aufgrund der
Vorschrift von can. 767 § 1 als aufgehoben anzusehen ist.[145] Diese
Praxis ist verworfen und kann deshalb nicht aufgrund irgendeiner
Gewohnheit gestattet werden.
66. Das Verbot der Zulassung von
Laien zur Predigt innerhalb der Meßfeier gilt auch für die Alumnen der
Seminare, für Studenten der theologischen Disziplinen und für jene, die
als sogenannte «Pastoralassistenten» eingesetzt sind, sowie für jedwede
Art, Gruppe, Gemeinschaft oder Vereinigung von Laien.[146]
67.
Man muß besonders dafür Sorge tragen, daß die Homilie streng auf die
Heilsmysterien Bezug nimmt, während des liturgischen Jahres die
Geheimnisse des Glaubens und die Grundsätze des christlichen Lebens aus
den biblischen Lesungen und den liturgischen Texten darlegt und die
Texte des Ordinarium und des Proprium der Messe oder eines anderen
Ritus der Kirche erklärt.[147] Es ist klar, daß alle Auslegungen der
Heiligen Schrift auf Christus als dem höchsten Angelpunkt der
Heilsökonomie bezogen werden müssen; dabei soll aber auch der besondere
Kontext der liturgischen Feier beachtet werden. In der Homilie ist
dafür Sorge zu tragen, daß das Licht Christi auf die Ereignisse des
Lebens strahle. Dies soll aber in der Weise geschehen, daß der
authentische und wahre Sinn des Wortes Gottes nicht entleert wird,
indem zum Beispiel nur über Themen des politischen oder weltlichen
Lebens gesprochen oder aus Kenntnissen wie aus einer Quelle geschöpft
wird, die von pseudoreligiösen Bewegungen unserer Zeit herkommen.[148]
68.
Der Diözesanbischof soll gewissenhaft über die Homilie wachen,[149]
auch indem er unter den geistlichen Amtsträgern Normen, Hinweise und
Arbeitshilfen verbreitet und Zusammenkünfte und andere Initiativen
fördert, damit sie oft Gelegenheit haben, sich näher mit der Eigenart
der Homilie zu befassen und Hilfe für ihre Vorbereitung finden.
183.
Alle haben entsprechend den Möglichkeiten in ganz besonderer Weise
dafür zu sorgen, daß das heiligste Sakrament der Eucharistie vor jeder
Art von Ehrfurchtslosigkeit und Mißachtung bewahrt wird und alle
Mißbräuche vollständig korrigiert werden. Dies ist für alle und für
jeden einzelnen eine sehr wichtige Aufgabe, und alle sind ungeachtet
der Person zur Verwirklichung dieser Aufgabe gehalten.
184.
Jeder Katholik, ob Priester, Diakon oder christgläubiger Laie, hat das
Recht, über einen liturgischen Mißbrauch beim Diözesanbischof oder beim
zuständigen Ordinarius, der ihm rechtlich gleichgestellt ist, oder beim
Apostolischen Stuhl aufgrund des Primats des Papstes Klage
einzureichen.[290] Es ist aber angemessen, daß die Beschwerde oder
Klage nach Möglichkeit zuerst dem Diözesanbischof vorgelegt wird. Dies
soll immer im Geist der Wahrheit und der Liebe geschehen.
http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccdds/documents/rc_con_ccdds_doc_20040423_redemptionis-sacramentum_ge.html
Es ist also eigentlich völlig klar und eindeutig, dass zuallererst der Priester die Predigt hält. In Ausnahmefällen auch der Diakon (beide sind geweiht!), in der Eucharistiefeier aber nur in extrem seltenen und klar umrissenen und definierten Ausnahmefällen aber ein Laie (Mann oder Frau)! Leider kommt es gerade hier immer wieder zu Missbräuchen, selbst von Menschen, die es eigentlich besser wissen müssten und mit kirchlichem Lehrauftrag unterwegs sind oder mit besonderen Aufgaben betraut wurden. Gleichwohl bleiben sie Laien. Das ist keineswegs eine Herabsetzung der Laien - es sollte nur jeder daran denken, dass der Leib Christi verschiedene Gleider hat und ein jedes davon unterschiedliche Aufgaben. Das macht das eine nicht "besser" oder "wichtiger" als das andere. Sie sind einfach nur unterschiedlich.
Hier sind wir alle in der Verantwortung, bei uns selbst wie bei der Kirche insgesamt darauf zu achten, dass die klaren Vorgaben der Bibel wie des Katechismus eingehalten werden. Was für eine Kirche wäre das, die nicht das lebt und verkündet, was sie in ihren Glaubensgrundsätzen verankert hat!
Sehr geehrter Herr Gollwitzer!
Ihre Email vom 10. Januar 2010 wurde
zuständigkeitshalber von der Pressestelle an mich weitergeleitet.
Zunächst entschuldige ich mich, dass es mir aufgrund personeller
Veränderungen erst jetzt möglich ist, Ihre Frage zu beantworten.
In der Tat existieren in der Erzdiözese München und Freising bischöfliche Regelungen zur Predigt von Laien. Diese sind in der "Ordnung des Predigtdienstes von Laien" vom 24. Februar 1988 niedergelegt. Sie finden diese Ordnung im Amtsblatt für das Erzbistum München und Freising 1988, Seite 238 - 240.
Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergehlfen zu haben, und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Dr. Stefan Korta, Ordinariatsrat
Leiter des Referates Recht
Kathpedia: Päpstlicher Rat für die Laien
kirchensite: Laie
Bistum Regensburg: Laien in der Kirche
Bistum Regensburg: Laienapostolat
Wikipedia: Laie (Religion)
Forum deutscher Katholiken e.V.
kirchensite: missio canonica
Erzbistum München und Freising: Laiengremien
Erzbistum München und Freising: Diözesanrat
Erzbistum München und Freising: Katholikenrat der Region München
Erzbistum München und Freising: Dekanatsräte
kath.net: Papst: Laienapostolat wird immer dringlicher
kath.net: Unfähig für die Mitgliedschaft in kirchlichen Räten
kath.net: Warum 'Wir-sind-Laien' vom Vatikan keine Antwort bekommen hatkath.net: 'Inkompatibel mit dem katholischen Glauben'
kath.net: Vatikan: Keine Lehrerlaubnis bei Vorsitz von ,Wir-sind-Kirche’Die weltweit größte kath. Laienorganisation: Legion Mariens (Legion of Mary)
Vatikan: Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester
Vatikan: Päpstlicher Rat für die Laien
Original Catholic Encyclopedia: Laity
New Advent: Laity
Catholic Answers: What is the Lay Apostolate?
Wikipedia: Laity
Pontifico Consiglio Per I Laici (Päpstlicher Rat für die Laien)
ICN: Pope calls for laypeople to be more aware of 'being Church'
Opus Dei -- Secular Consecrated Life
Miles Jesu -- Lay Consecrated Life; Conferences
Legion of Mary -- World's Largest Lay Apostolate
Apostolate for Family Consecration -- Catholic Familyland
Oratory of Divine Love -- St. Catherine of Genoa & Fr. Benedict Groeschel, CFR
Militia Immaculata -- Founded by St. Maximilian Kolbe
Fullness of Truth -- Catholic Conferences & Evangelization
Living His Life Abundantly -- Women's Conferences; Books, Audio & Videos
Catholic Resource Center -- Conferences & Radio Programs
Call to Holiness -- Conferences