Kirchensteuer?
Wie oft wird nicht die Kirchensteuer kritisiert!
Die einen verlassen gar die Katholische Kirche, weil sie sich die Kirchensteuer sparen wollen, andere sagen, die Kirche und der Staat sollten wie überall auf der Welt getrennt sein.
Sind das nicht einfach nur vorgeschobene Argumente? Die Bibel ist ziemlich eindeutig, wenn es darum geht, sein Hab und Gut mit anderen zu teilen. Und die Kirchensteuer ist nun wirklich nicht so hoch, dass sie jemanden in bittere Armut stürzt. Andererseits kann sich jeder selbst davon überzeugen, wofür diese Steuer verwendet wird. Die wenigsten tun dies allerdings.
Mit den Einnahmen aus der Kirchensteuer wird sehr viel Gutes bewirkt. Würden die, die so vehement für die Trennung von Kirche und Staat eintreten, wirklich bereit sein, freiwillig regelmäßig zu geben - und sei es nur von ihrer Zeit oder Arbeitskraft?
Manchmal wird auch das Argument vorgebracht, wenn die Kirche nur die Hälfte ihrer Kunstschätze verkaufen würde, gäbe es keinen Hunger mehr auf der Welt.
Kirchen haben eng kalkulierte Finanzhaushalte. Sie müssen sehr wohl wirtschaftlich handeln. Die Restaurierung von Kirchen verschlingt Unmengen an Geld. Nun kann man natürlich sagen, verkauft doch das ganze Zeug. Sollen wir wirklich Kunstwerke einfach so verscherbeln, die Menschen in liebevoller Arbeit zum Lobpreis Gottes geschaffen haben? Teils Jahrhunderte alte Werke?
Auch dies sind in den meisten Fällen nur vorgeschobene Argumente. Und jeder kann sich selbst prüfen, ob sie nicht auch ein klein wenig scheinheilig sind. Was verkauft man denn von seiner eigenen Habe, von der man bestimmt auch nicht alles braucht, um den Hunger in der Welt zu stillen?
Und was wäre denn, wenn wir morgen die Kirchensteuer abschaffen würden? Nun, kurz gesagt: das gesamte Sozialsystem in Deutschland dürfte zusammen brechen. Man kann nicht einfach nur populistische Thesen verbreiten, ohne sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen.
Es ist also jeder gerufen, sich selbst zu fragen, was denn wirklich kritisiert werden soll. Was hinter diesen vorgeschobenen Argumenten stecken mag. Es hilft niemanden weiter, wenn man einfach nur nachplappert, was man von anderen aufgeschnappt hat und was sich irgendwie gut anhört.
Am wenigsten aber hilft das den Bedürftigen.
kathpedia.com: Kirchensteuer
Die Kirchensteuer ist eine besondere Form der Besteuerung in Deutschland, die im Auftrag der Kirche(n) vom Finanzamt (von den Mitgliedern der anerkannten kirchlichen und steuerberechtigten Gemeinschaften) als Zuschlag erhhoben wird und an die jeweiligen Kirchen weitergegeben wird.
Die Bemessungsgrundlage für diese Steuer sind die Einkommenssteuer bzw. die Lohnsteuer.
Die rechtliche Grundlage für die Kirchensteuer sind die Artikel 140 des Grundgesetzes von 1949 in Verbindung mit Artikel 137 der Weimarer Verfassung von 1919. Die Höhe der Kirchensteuer wird von den jeweiligen Kirchenverantwortlichen festgelegt. Das jeweilige Landesparlament muss aber die Zustimmung geben. Hier gibt es lokale Unterschiede. In der Regel sind dies aber ein Prozentsatz von 9% der Einkommen- beziehungsweise Lohnsteuerschuld.
In den meisten Bundesländern erfolgt die Einhebung direkt von den (weltlichen) Finanzämtern; in Bayern bestehen eigene Kirchensteuerämter. Die Kirchensteuer auf die Lohnsteuer wird jedoch auch in Bayern direkt von den staatlichen Finanzämtern kassiert.
Eine Kirchensteuer gibt es nur in wenigen Ländern, in Österreich besteht ein bedingt ähnliches System unter dem Namen Kirchenbeitrag (umgangssprachlich auch als Kirchensteuer bezeichnet), der aber nicht vom Staat, sondern der Kirche selbst eingetrieben wird. In der Schweiz wird eine Steuer der staatskirchenrechtlichen Körperschaft abgegeben.
Geschichte der Kirchensteuer
Entgegen einer weitverbreiteten Ansicht wurde die Kirchensteuer nicht unmittelbar in Zusammenhang mit der Säkularisation von 1803/06 als Kompensation für die beschlagnahmten Kirchengüter eingeführt, sondern erst nach Abschaffung der kirchlichen Personenstandsbeurkundung (für staatliche Zwecke) nach 1871, wobei anfangs die meisten Religionsgemeinschaften von diesem Recht zur Steuererhebung nicht einmal Gebrauch machten. Im Jahr 1897 bestand beispielsweise katholischerseits eine Kirchensteuer ausschließlich in Baden.
Die weltlichen Finanzämter stellten seit Beginn des Systems den kirchlichen Behörden die Einkommensdaten zur Verfügung; die staatliche Einhebung in Form des Abzugs zusammen mit der Lohnsteuer wurde allerdings erst nach dem 2. Weltkrieg in der Bundesrepublik eingeführt. Die Ausweitung des Systems auf das Beitrittsgebiet 1990 führte dort zu einer massiven Austrittswelle.
Bewertung der Kirchensteuer
Die Kirchensteuer wird auch im kirchlichen Bereich unterschiedlich bewertet. Auf der einen Seite wird darauf hingewiesen, dass kirchliche Institutionen auf die Gelder angewiesen, um ihren pastoralen und karitativen Verpflichtungen nachzukommen. Auf der anderen Seite wird die Kirchensteuer als zu enge Verquickung der Kirche mit dem Staat angesehen. Dadurch mache sich die Kirche vom Staat abhängig. Zudem begünstige die Kirchensteuer einige Institutionen, während andere - wie Klöster, geistliche Gemeinschaften - leer ausgingen.
(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Kirchensteuer)
Den Zehnten geben?
Wer macht denn sowas heute noch - den "Zehnten" von seinem Verdienst hergeben? Da jammern wir doch schon bei ein paar Euro Kirchensteuer - und dann den Zehnten?
Den Zehnten von was eigentlich? Vom Netto- oder Bruttoverdienst?
"Na, vom Nettoverdienst natürlich", höre ich es schon laut schreien. Tatsächlich?
Welchen Teil willst du, dass Gott segnet?
Wenn du den Zehnten vom Nettoverdienst gibst, heißt das nichts anderes, also dass du Gott an die zweite Stelle setzt (an der ersten wäre dann der Staat). Wenn du aber Gott an die zweite Stelle setzt, wird Er das gleiche auch mit dir tun!
"Aber ich spende doch eh schon an wohltätige Organisationen!" Das ist mit Sicherheit eine noble Sache (abgesehen davon, dass man damit nicht prahlen sollte!), aber Almosengeben geschieht zusätzlich zum Geben des Zehnten an die Kirche.
Jesus hat das Geben des Zehnten auch nicht abgeschafft. Er kam, um das Gesetz zu erfüllen, nicht um es abzuschaffen. Ihm ging es nicht darum, den Zehnten abzuschaffen, sondern den Missbrauch des Gebens, der damals herrschte, anzuprangern und auf die rechte Einstellung beim Geben hinzuweisen.
Wer gibt, wird auch reich empfangen. Es mag sich komisch anhören, aber das Geben des Zehnten kann der erste Schritt zu einem - auch in fnanzieller Sicht! - befreiten und glücklichen Leben sein.
Wir sind Glieder eines Leibes, und als solche haben wir Verantwortung - sowohl füreinander als auch für das Ganze (die Kirche).
Geben wir voll Freude und zeigen wir damit, dass Gott und Seine Kirche in unserem Leben die Nummer eins sind!
Der "Zehnte" in der Bibel
"Darf der Mensch Gott betrügen? Denn ihr betrügt mich. Doch ihr sagt: Womit betrügen wir dich? - Mit den Zehnten und Abgaben! Dem Fluch seid ihr verfallen, doch ihr betrügt mich weiter, ihr, das ganze Volk. Bringt den ganzen Zehnten ins Vorratshaus, damit in meinem Haus Nahrung vorhanden ist. Ja, stellt mich auf die Probe damit, spricht der Herr der Heere, und wartet, ob ich euch dann nicht die Schleusen des Himmels öffne und Segen im Übermaß auf euch herabschütte."
(Maleachi 3,8-10 - Einheitsübersetzung)
Deutsche Bischofskonferenz
Kirchensteuer
In Deutschland ist die Kirchensteuer eine gesetzlich festgelegte Abgabe der Kirchenmitglieder. Rechtliche Grundlage bilden die in das Grundgesetz von 1949 unverändert übernommenen staatskirchenrechtlichen Artikel der Weimarer Verfassung. Dort wird den Kirchen unter anderem das Recht zugesprochen, Steuern nach Maßgabe landesrechtlicher Bestimmungen zu erheben (WRV Art. 137, 6).
Die Kirchensteuer beträgt in der Regel neun Prozent der Lohn- und Einkommensteuer (in einigen Bundesländern acht Prozent). Sie wird über das staatliche Finanzamt eingezogen und an die Kirchen weitergegeben. Der Staat erhält für diesen Dienst etwa drei Prozent des Steuereinkommens.
Letztlich zahlt nur knapp ein Drittel der Katholiken Kirchensteuer. Kinder und Jugendliche ohne eigenes Einkommen, alte Menschen mit geringer Rente und Arbeitslose zahlen keine Lohn- und Einkommenssteuer und daher auch keine Kirchensteuer.
Für die Verabschiedung des Haushalts und die Überwachung der Verteilung der Kirchensteuern ist der jeweilige diözesane Kirchensteuerrat zuständig. In diesen Gremien sitzen mehrheitlich Laien, die nicht im kirchlichen Dienst stehen und von den Kirchenvorständen der Gemeinden gewählt werden.
Hinweis:
Informationen über die Verwendung der Kirchensteuer in der Broschüre
"Wir sind die Kirche. Wir und das Thema Geld".
Bestellung: broschueren@dbk.de
Abgeltungssteuer
Mit Wirkung zum 1. Januar 2009 wird die Besteuerung von Kapitelerträgen neu geordnet und sowohl für den Steuerbürger als auch für die Finanzverwaltung vereinheitlicht und vereinfacht.
Bisher wurden Kapitalerträge unterschiedlich besteuert. Mit Einführung der sog. Abgeltungssteuer werden Zinsen, Dividenden und Kursgewinne ab dem 1. Januar 2009 steuerlich gleich behandelt.
Ab diesem Zeitpunkt wird auf Kapitalerträge eine Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % erhoben. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die einbehaltene Kapitalertragssteuer.
Soweit Steuerpflichtige einer Religionsgemeinschaft angehören, wird auf die 25 %-ige Kapitalertragssteuer noch die Kirchensteuer in Höhe von 9 % – bzw. 8 % in Bayern und Baden-Württemberg – einbehalten. Die steuermindernde Wirkung des Sonderausgabenabzugs für die Kirchensteuer ist gleich mit berücksichtigt.
Die Besteuerung von Kapitalerträgen ist an sich nicht neu, da bisher die Kapitalerträge in der jeweiligen Einkommensteuererklärung angegeben und der Besteuerung unterworfen werden mussten. Neu ist nur die pauschale Abgeltung der Steuerpflichten dadurch, dass schon an der Quelle – also im Regelfall bei der Bank – die Kapitalertragssteuer und ggf. die Kirchensteuer einbehalten und an die jeweiligen Steuergläubiger – den Staat und die Kirchen – weitergeleitet wird.
Der Steuerbürger, der bei einer Bank oder bei anderen Institutionen Kapitalerträge erzielt, wird demnächst von diesen Einrichtungen angeschrieben werden. Er erhält ein Antragsformular auf Einbehalt der Kirchensteuer und allgemeine Hinweise zu dem Antrag. Damit die Kirchenmitglieder auch weiterhin entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit und unabhängig von der Art ihrer Einkünfte die Finanzierung der vielfältigen kirchlichen Arbeit mittragen, bitten die Kirchen ihre Mitglieder darum, in den bei der Bank einzureichenden Formularen Angaben über ihre Konfessionszugehörigkeit zu machen, damit die Banken die Kirchensteuer direkt als Zuschlag auf die Abgeltungssteuer einbehalten und an die Kirchen abführen können. Werden von einer Person bei verschiedenen Banken Konten unterhalten, müssen die Formulare bei allen kontoführenden Banken eingereicht werden. Diese Regelung gilt für die Jahre 2009 und 2010.
Soweit die steuerpflichtigen Kirchenmitglieder diesen pauschalen Abgeltungsweg nicht wünschen, z. B. weil ihr persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt, haben sie – wie bisher – die Kapitalerträge in ihrer individuellen Steuererklärung anzugeben. Die Finanzverwaltung wird dann im Veranlagungsverfahren die Kirchensteuer erheben.
Die bisher mögliche Steuerfreistellung von Kapitalerträgen (z. B. beim Sparerpauschbetrag) bleibt beibehalten.
(Quelle: http://www.dbk.de/stichwoerter/data/01724/index.html)
Kirchensteuer - zur Geschichte
Die Kirchensteuer ist als Spätfolge der Säkularisation eine staatliche Erfindung des 19. Jahrhunderts. In Bayern wurde sie erst 1912 durch die sogenannte Kirchengemeindeordnung eingeführt. Wie hat sich die Kirche zuvor finanziert?
Schon die ersten Christengemeinden brauchten Geld, um die drei Grunddienste der Kirche (Liturgie, Verkündigung und Diakonie) betreiben zu können. Die sozialen Aufgaben, erste Christenpflicht, wurden durch freiwillige Spenden einzelner Gemeindemitglieder finanziert. Überschritten jedoch die Ausgaben das Spendenaufkommen, war eine Gemeinde, auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
Die christlichen Gemeinden haben zunächst das alte jüdische Zehntrecht abgelehnt. Es verpflichtete Juden, den Zehnt (zehnten Teil) an Getreide, Most, Öl und Vieh abzuliefern. Diese Abgabe galt den Christen als unterste Grenze ihrer Spende. Seit dem 3. Jahrhundert schenkten Gläubige neben Geld- und Sachspenden den Kirchen auch Grundbesitz. Dessen Erträge wurden zur Bezahlung der Kleriker (Bischöfe, Priester, Diakone und Subdiakone), zum Erhalt der Kirchengebäude und zur Unterstützung der Armen verwendet.
Ab dem 4. Jahrhundert war auch in christlichen Gemeinden der Zehnt üblich. Schließlich wurde diese Abgabe Kirchengebot. 799 wurde unter Karl dem Großen der Zehnt im fränkischen Reich verbindlich. Abgabenpflichtig waren alle Gläubigen, Laien wie Kleriker. Nur Klöster wurden im Mittelalter von der Zehntpflicht befreit. Bis zum 18. Jahrhundert bildete der Zehnt mehr als die Hälfte der kirchlichen Einkünfte. Die anderen Einnahmen kamen aus dem nicht unbeträchtlichen Grundbesitz der Kirche.
1803 wurden durch die Säkularisation (über 200) Klöster aufgehoben und alle geistlichen Territorien und Güter gingen an die Fürsten über. Die deutsche Kirche wurde dadurch ihrer organisatorischen und wirtschaftlichen Existenzgrundlagen (Jahreseinnahmen etwa 21 Millionen Gulden) beraubt. Zunächst verpflichteten sich die Fürsten, die Geistlichkeit zu besolden und das kirchliche Leben in den Gemeinden zu ermöglichen. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts aber gingen die Staaten dazu über, sich der Unterhaltspflicht gegenüber der Kirche zu entledigen und die Eigenfinanzierung der Kirche durch die Gläubigen einzuführen.
1919 garantierte die Weimarer Verfassung in Artikel 137 das Besteuerungsrecht der Religionsgemeinschaften. Das Grundgesetz von 1949 hat diese Regelung mit dem Artikel 140 übernommen.
Mit der Kirchensteuer werden bis heute seelsorgliche und soziale Dienste finanziert, die das menschliche Gesicht der Gesellschaft wesentlich bestimmen. Dank dieser Steuer hält die Kirche viele Angebote vor, die Staat und Gesellschaft finanziell entlasten.
(Quelle: http://www.bistum-regensburg.de/borPage000075.asp)
Was passiert, wenn ich als Katholik die Kirchensteuer nicht bezahle?
Die Zahlung von Kirchensteuern ist eine normative Erwartung an die Laien. Ihre Nichterfuellung kann Konsequenzen auf die Kirchenmitgliedschaft haben. Anders gesagt: bei Nichtzahlen der Kirchensteuer erfolgt die Exkommunikation. Wer also als Katholik keine Kirchensteuer mehr zahlen will, muss aus der Kirche austreten.Wenn man also die Kirche zwar als Glaubensgemeinschaft, nicht aber als Kirchensteuerverein sieht, verfaellt man der Exkommunikation. Dies haben die deutschen Bischoefe 1970 in einer Erklaerung zu Fragen des kirchlichen Finanzwesens erklaert. Bestaetigt wurde dies durch eine „Erklaerung der Deutschen Bischofskonferenz zum Austritt aus der katholischen Kirche vom 24.04.06.
Das mag manchen Menschen befremdlich erscheinen: sobald es um’s Geld geht, wird man exkommuniziert. Das ist aber eine voellig falsche Sichtweise. In der gesamten Bibel finden wir immer wieder Aufforderungen, unsere materiellen Besitztuemer mit anderen zu teilen sowie der Kirche oder dem Tempel unseren Teil beizusteuern. Es wurde schon immer als sehr negativ gesehen, weniger zu geben als man geben koennte (oder mit der falschen Motivation bzw. aus eigenem Interesse heraus zu geben). Etwas von dem weiterzugeben, das uns Gott gibt und damit sowohl die Kirche als auch Beduerftige zu unterstuetzen, ist ein wesentliches Charakteristikum des Christentums und entspringt nicht etwa der Habgier eines Machtapparates, der uns gerne das Geld aus den Taschen zieht!
(Quelle: u.a. Theologie im Fernkurs, Katholische Akademie Domschule. Pastoraltheologischer Kurs. Menschen in Organisationen. Wuerzburg, Auflage 2007. C. Andresen/G. Denzler (Hrsg.), Woerterbuch der Kirchengeschichte. Muenchen (dtv) 1982, 326f)
Money, Money, Money...
Die Kirche ist doch sowieso so reich! Man braucht sich ja nur mal die Kunstschaetze in den Kirchen anzusehen! Und der ganze sonstige Besitz, den die Kirche hat! Warum gibt man das nicht den Armen? Die Kirche hat sich doch laengst von der Botschaft des Evangeliums verabschiedet!
Fangen wir mit den Kirchen, also den Gebaeuden an. Frueher sollte eine Kirche das hoechste Gebaeude im Ort sein und der Kirchturm gen Himmel zeigen. Unter grossen Opfern wurden wunderschoene Bauwerke mit einer praechtigen Ausstattung geschaffen. Nicht, um die Kirchenoberen reich zu machen, sondern um dem Haus Gottes die Ehre und den Respekt zu zollen, dem es zukommt! Nichts sollte zu schoen fuer Gott sein! Heute mussten leider schon etliche Kirchengebaeude aufgegeben bzw. verkauft oder vermietet werden, weil die Kirche sich die aufwaendige Renovierung sowie den Unterhalt nicht mehr leisten kann. Es entstehen durch diese wunderbaren Kunstwerke also auch sehr viele Unkosten! Mit einer einfachen „Milchmaedchenrechnung“ verschafft man sich also vielleicht am Stammtisch Eindruck – mit der Wirklichkeit hat dies aber wenig zu tun.
Wenn man sich andererseits ansieht, wie die Kirche die Kirchensteuereinnahmen und Spendengelder verwendet – und das kann jeder nachvollziehen, da die Daten jaehrlich veroeffentlicht werden! -, kann man schwerlich behaupten, die Kirche haette sich vom Evangelium verabschiedet. Was waere denn, wenn wir die Kirchensteuer auf einen Schlag abschaffen wuerden, der Kirche kein Geld mehr spenden und die Kirche „ihren Laden zumacht“? Abgesehen davon, dass dies nie geschehen wird und auch abgesehen von spirituellen Konsequenzen solcher Szenarien wuerde damit auf einen Schlag das gesamt soziale und wirtschaftliche Leben in Deutschland zusammenbrechen! Vergessen wir z.B. nicht, dass z.B. der Caritasverband der groesste private Arbeitgeber in Deutschland ist und dass kirchliche Organisationen und Verbaende viele Taetigkeiten umsonst uebernehmen, die ansonsten der Staat fuer viel Geld organisieren muesste!
Sowohl die caritativen Aktivitaeten der Kirche wie die Verkuendigung des Glaubens und die Sakramentenpastoral kosten viel Geld – selbst wenn sich dankendwerterweise viele Ehrenamtliche engagieren. Und gerade von den kirchlichen Sozialberatungen, den Behinderten- und Altenheimen, den Schuldnerberatungsstellen, Sozialpsychiatrischen Diensten, Krankenhaeusern, Erziehungsberatungsstellen, Kleiderkammern, Essensausgaben, Fluechtlingsberatungsstellen, internationalen Katastrophenhilfen usw. profitiert der Staat – und jeder einzelne von uns! – enorm. Ganz zu schweigen vom internationalen Engagement der Kirche ueberall dort, wo Menschen Not leiden! Wie viele Ordensmenschen beispielsweise haben ihr Leben gelassen, um selbstlos den christlichen Glauben in Wort und Tat zu verkuenden – und da wollen wir wegen ein paar Euro Kirchensteuer jammern?
Die Kirche tut also viel Wichtiges und Sinnvolles, wofuer einfach Geld notwendig ist. Auch muessen kirchliche Gebaeude instand gehalten werden, Ruecklagen gebildet werden, um wirtschaftlich abgesichert zu sein und ebenso muessen die Gehaelter der vielen kirchlichen Mitarbeiter gezahlt werden.
Alles schoen und gut, mag mancher sagen, aber sieh’ dir doch nur mal den ganzen Reichtum im Vatikan an!
Mal ganz abgesehen davon, dass der Haushalt des Vatikan weitaus geringer ist als weithin angenommen, gilt auch hier: im Vatikan ist der Sitz dessen, der in der Nachfolge Petri steht und die Schluessel des Himmelreiches hat. Im Laufe der Jahrhunderte haben unzaehlige Kuenstler ihr Bestes gegeben, um dem Zentrum der Christenheit ein angemessenes Aeusseres zu verleihen und ihre Ehrerbietung Gott gegenueber zum Ausdruck zu bringen. Nichts sollte zu schoen fuer den Herrgott sein!
Auch heute stoesst es manchem sauer auf, wenn er den ganzen Aufwand bei Papstmessen sieht. Verglichen mit so manchem politischen Oberhaupt haelt sich das aber noch in Grenzen. Auch hier gilt: wir haben es hier mit dem Oberhaupt der Christenheit und dem Stellvertreter Christi auf Erden zu tun – sollte uns hier nicht ein wenig Aufwand angebracht erscheinen?
Und dann noch ein eigener Staat! Hier scheint manchem der Gipfel erreicht.
All dies zeugt von einer tiefgruendigen Ablehnung der Katholischen Kirche, die sich irgendwelcher Aeusserlichkeiten bedient, um einen Vorwand fuer die eigene Grundeinstellung zu liefern. Man kann nun versuchen, jedes einzelnen Argument zu widerlegen bzw. die Hintergruende all dessen zu erlaeutern, was hier angegriffen wird, oder man versucht das Ganze abzukuerzen und zu ergruenden, warum hier eine derartige Ablehnung vorherrscht.
Bleiben wir aber sachlich: Ueberlegen wir doch einmal, welche besseren Alternativen es gaebe, eine weltumspannende Kirche mit dem Ausmass der Katholischen Kirche (ca. eine Milliarde Katholiken!) zu verwalten und regieren. Hier wird man wohl zugeben muessen, dass sogar aus weltlicher Sicht die Organisationsform der Kirche angebracht und angemessen scheint. Ganz im Gegenteil: weltliche Organisationen haetten hier wohl eine weitaus groessere und umfangreichere Verwaltung sowie einen hoeheren Kapitalbedarf und eine repraesentativere Ausstattung.
Die roemische Kurie und der Vatikan beschaeftigen ca. 2.500 Personen – einschliesslich des Papstes und aller Mitarbeiter. Zum Vergleich nochmals: die Katholische Kirche zaehlt etwa eine Milliarde Glaeubige!
Wer nun aber gegen den „Prunk“ des Petersdoms und anderer Gebaeude des Vatikan wettert, muss sich schon fragen, warum dann in der eigenen Heimatstadt historische Gebaeude erhalten und nicht einfach nur abgerissen und durch billige Plattenbauten ersetzt werden. Es gehoert zum menschlichen Wesen, der eigenen Geschichte den noetigen Respekt zu zollen und das, was unsere Eltern und Grosseltern erbaut haben, nicht einfach abzureissen.
Und wer hier dauernd meckert, dass man doch mit dem „Gold des Vatikan“ alle Armen der Welt versorgen und ernaehren koenne, sollte einmal in sich gehen und die eigenen materiellen Verhaeltnisse betrachten und darueber nachdenken, was er wirklich zum Leben braucht und warum er den Rest nicht regelmaessig den Armen spendet.
Ganz abgesehen davon der realistische Aspekt: es mag gut klingen, den Petersdom mit allen angrenzenden Gebaeuden und Kunstschaetzen zu verkaufen und damit die Armen zu ernaehren, aber ganz praktisch betrachtet wird sich dafuer kaum ein Kaeufer finden, da die Gebaeude des Vatikan mehr Geld kosten als sie abwerfen. Man lindert die Not der Armen auch nicht dauerhaft, wenn man die „Kunstschaetze des Vatikan“ verkauft, sondern in dem man wirtschaftliche, politische und letztlich auch moralisch-spirituelle Verhaeltnisse aendert.
Warum aber derart pompoese Messen feiern, wenn der Papst unterwegs ist und warum derart praechtig gestaltete Kirchen unterhalten?
Nochmals: wir reden hier vom Vertreter Jesu auf Erden bzw. von der Anbetung Gottes! Ebenso waere es ein Unding, alles zu verscherbeln, was Menschen in Jahrtausenden zur Ehre Gottes erbaut oder zusammengetragen haben. Die Kirche baut heute uebrigens weitaus weniger schmuckhaft – dies zur Beruhigung unserer Kritiker.
986 schickte Fuerst Wladimir von Kiew einen Gesandten in das christliche Konstantinopel. Die Berichte dieses Gesandten sprachen Baende: angesichts dessen, was sie dort in der Messe erlebten und gesehen haben, wussten sie nicht mehr, ob sie im Himmel oder auf der Erde waren. Eines aber konnten sie daraus erkennen: dass Gott hier unter den Menschen wandelte.
In einer Messe, in der wir unseren Gott anbeten, hat nichts billiges Platz. Hier sollte uns nichts zuwenig sein. Vergessen wir nicht, dass in jeder Messe Jesus selbst in der Gestalt von Brot und Wein, in der versammelten Gemeinde, im Beten und Singen, im Lesen des Wortes Gottes und in der Gestalt des Priesters gegenwaertig ist!
Wir sollten uns gut ueberlegen, ob wir mit Stammtisch-Argumenten irgendjemanden ueberzeugen oder ob wir hiermit vielleicht eher etwas zu verbergen versuchen, was viel tiefgruendiger ist und ganz andere Hintergruende hat.
(Quelle: u.a. Guido Horst, Gott Ja, Kirche Nein. Antworten auf 66x Kritik. Band II. MM Verlag, Aachen 1. Auflage 2001. ISBN 3-928272-61-6. Sehr zu empfehlen!)
Austritt
Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zum Austritt aus der katholischen Kirche
Mit einem Rundschreiben vom 13. März 2006 hat der Päpstliche Rat für die Gesetzestexte (auf Anordnung von Papst Benedikt XVI.) den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen eine
Erläuterung zu dem im kirchlichen Eherecht (cc. 1086 §1, 1117, 1124 CIC) verwendeten Begriff actus formalis defectionis ab Ecclesia catholica mitgeteilt. Diese Klarstellung berührt nicht
die in der deutschen Rechtstradition stehende staatliche Regelung für den „Kirchenaustritt“.
Zur Vermeidung von Missverständnissen stellt die Deutsche Bischofskonferenz deshalb — im Einklang mit der ständigen Auffassung der deutschen Bischöfe 1 — Folgendes fest:
1. Durch die Erklärung des Austritts aus der katholischen Kirche vor der staatlichen Behörde2 wird mit öffentlicher Wirkung die Trennung von der Kirche vollzogen. Der Kirchenaustritt ist der öffentlich erklärte und amtlich bekundete Abfall von der Kirche und erfüllt den Tatbestand des Schismas im Sinn des c. 751 CIC.
2. Die Erklärung des Austritts vor der staatlichen Behörde wird durch die Zuleitung an die zuständige kirchliche Autorität auch kirchlich wirksam. Dies wird durch die Eintragung im Taufbuch dokumentiert.
3. Wer — aus welchen Gründen auch immer3 — den Austritt aus der katholischen Kirche erklärt, zieht sich die Tatstrafe der Exkommunikation4 zu, d.h. er verliert die mit der Zugehörigkeit zur kirchlichen Gemeinschaft (Communio) verbundenen Gliedschaftsrechte, insbesondere zum Empfang der Sakramente und zur Mitwirkung in der Kirche. Ebenso treten die im kirchlichen Eherecht vorgesehenen Rechtsfolgen5 ein.
4. Wer den Austritt aus der katholischen Kirche erklärt, kann nicht in einem kirchlichen Dienst- bzw. Arbeitsverhältnis stehen.
5. Die Exkommunikation ist eine Beugestrafe, die zur Umkehr auffordert. Nach dem Austritt wird sich die Kirche durch den zuständigen Seelsorger um eine Versöhnung mit der betreffenden Person und um eine Wiederherstellung ihrer vollen Gemeinschaft mit der Kirche bemühen.
Magdeburg, den 24. April 2006
Für das Bistum Magdeburg
Bischof
1 Vgl. die Kanzelverkündigung der Konferenz der westdeutschen Bischöfe vom 15.02.1937 [Volk, L. (Hg.), Akten der deutschen
Bischöfe über die Lage der Kirche 1933 — 1945, Bd. 4, Mainz 1981, 175]; „Erklärung der Diözesanbischöfe zu Fragen des
kirchlichen Finanzwesens“ vom 22.12.1969 [AfkKR 138 (1969) 557]. Auch in den Diözesen liegen entsprechende Beschlüsse vor,
vgl. Diözesansynode Köln 1954, Trier 1959, Bischöflicher Erlass Augsburg 1988.
2 Eine Ausnahme bildet die Freie und Hansestadt Bremen, wo der Kirchenaustritt vor der kirchlichen Autorität zu erklären ist.
3 Auch der Austritt wegen der Kirchensteuer stellt als Verweigerung der solidarischen Beitragspflicht für die Erfordernisse der
Kirche (cc. 222 § 1; 1262 CIC i.V.m. Partikularnorm <b>Nr. 17 der Deutschen Bischofskonferenz zu c. 1262 CIC vom 22.09.1992)
eine schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Communio dar und mindert die Rechtsfolgen nicht.
4 cc. 751, 1318, 1321 § 2, 1364 § 1 CIC.
5 cc. 1086, 1117, 1124 CIC
(Quelle: www.bistum-magdeburg.de)
Warum machen wir es denn nicht wie in anderen Laendern und ueberlassen es jedem einzelnen Glaeubigen, wieviel er freiwillig gibt, anstatt verpflichtende Kirchensteuern zu haben?
Hoert sich ja erst einmal gut und vernuenftig an und waere prinzipiell auch denkbar, wenn es da nicht einige Punkte gaebe, die man gern – bewusst oder unbewusst – „vergisst“’, wenn man mit derartig populistisch gestrickten und vielleicht sogar naiven Vorschlaegen argumentiert.
Das System der Kirchensteuer gibt es nun schon seit geraumer Zeit und sowohl der Staat wie die Kirche und die Gesellschaft allgemein – also jeder einzelne Mensch – haben sich darauf eingestellt. Das System von heute auf morgen abzuschaffen, wuerde den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch Deutschlands bedeuten, da die Kirche gerade mit ihren sozialen Einrichtungen dem Staat eine Menge Arbeit abnimmt und kirchliche Verbaende wie der Caritasverband Deutschlands groesster Arbeitgeber sind. Zwar wird der Caritasverband nicht mit Mitteln aus der Kirchensteuer finanziert, jedoch wird er im Bedarfsfall mit kirchlichen Mitteln unterstuetzt und kann nicht getrennt von dieser gesehen werden. Auch die Kirche selbst ist ein grosser Arbeitgeber, der viele Menschen entlassen muesste, wenn von heute auf morgen die Gelder gestrichen waeren, da man die Kirchensteuer nicht mehr einziehen duerfte. Ganz zu schweigen von den vielen kirchlichen sozialen Angeboten und Einrichtungen, die dan zumindest teilweise schliessen muessten. Woher soll das Geld kommen, das der Staat dann braucht, um diese Angebote und Einrichtungen durch weltliche Angebote und Einrichtungen zu ersetzen?
Aber dann werden die Menschen doch freiwillig geben!, mag nun manch einer sagen. Werden sie wirklich? Man kann ein System, das es schon so lange gibt, nicht einfach von heute auf morgen abschaffen und dann erwarten, dass sich die Mentalitaet der Menschen ebenso schnell aendert. Tut sie aber nicht. Das Ausland, das oft als „Vorbild“ herhalten muss – allen voran die USA, wo die Kirchen – auch die Katholische Kirche! – aus privaten Spenden finanziert werden, lohnt eine naehere Betrachtung.
Ich bin in einer englischsprachigen katholischen Gemeinde, ausserdem in taeglichem Kontakt mit Menschen aus den USA und war auch selbst in Gemeinden in den USA, habe also durchaus einen Eindruck davon bekommen, was dort laeuft.
Ja, die Kirchen werden dort durch Spenden finanziert. Allerdings hat freiwilliges Geben von Geld ebenso wie von anderen Ressourcen wie Zeit und Arbeitskraft dort einen voellig anderen Stellenwert als bei uns. Gerade in christlichen Gemeinden und Gegenden ist es normal, dass jeder Einzelne zum Wohl der Kirche und der Beduerftigen beitraegt. Man gibt Geld, engagiert sich ehrenamtlich oder geht selbst als Laie und als Jugendlicher eine Zeitlang auf Mission – verbringt also eine Zeit in anderen Laendern, um dort beim Gemeindeaufbau zu helfen.
Derartiges gibt es bei uns wenn ueberhaupt erst ansatzweise. Nun kann man es der Kirche ankreiden, dass „man“ das nicht mehr gefoerdert hat – aber wer ist denn dieses „man“? Die Kirche ist jeder einzelne von uns. Jeder Einzelne ist gefordert und hat hier auch Fehler gemacht – nicht nur die „Kirchenoberen“.
Zusammenfassend laesst sich also sagen, dass es zwar der Idealzustand waere, wenn jeder Glaeubige freiwillig gibt, solange man aber nicht schrittweise einen Uebergang in einen solchen Idealzustand vorbereitet hat (etwa durch eine besondere Foerderung des Ehrenamtes, durch eine Kultur der Evangelisation und Missionierung im In- und Ausland und im Bedarfsfall sogar verpflichtende Abgaben fuer alle – wahlweise fuer kirchliche Belange oder fuer weltliche soziale Belange), kann ein vorschnelles Vorgehen sehr schnell katastrophale Folgen haben.
Kirchensteuer und Kirchenaustritte
Die Kirchensteuer macht acht Prozent vom Lohn aus, hängt also vom Einkommen des jeweiligen Steuerzahlers ab. Die Bistümer finanzieren damit einen Großteil ihres Haushaltes und übernehmen damit unter anderem Aufgaben, die ansonsten der Staat organisieren müsste: Kindergärten, Altenheime, Schulen, Krankenhäuser, Behindertenheime und verschiedene andere soziale Einrichtungen.
Selbst wenn man den religiösen Hintergrund der Kirchensteuer einmal zurückstellt, bringt sie doch zum Ausdruck, dass das Eigentum in einer sozialen Marktwirtschaft sozialpflichtig ist. Dass bei uns nicht jeder für sich selbst lebt, sondern auch Verantwortung für andere und für die Gesellschaft insgesamt bzw. auf globaler Ebene für die gesamte Menschheit hat - ob ihm/ihr dies nun passt oder nicht. Niemand ist eine Insel - jeder ist Teil eines großen Ganzen.
Insofern ist es nicht nachzuvollziehen, dass Menschen wegen der Kirchensteuer aus der Kirche austreten. Wenn sie dies aus mangelndem Glauben tun oder weil sie die Lehre der Kirche nicht mehr akzeptieren können, ist das ihre freie Entscheidung und muss als solche akzeptiert werden. Wenn es ihnen aber nur um diese acht Prozent ihres Einkommens geht, dann ist dies mehr als traurig (vor allem, wenn dann - wie dies leider manchmal der Fall ist - andere Gründe vorgeschoben werden und man der Kirche die Schuld am eigenen Geiz zuschieben will).
In beiden Fällen jedoch ist die Kirche als Folge davon gezwungen, Kürzungen - u.a. in ihren sozialen Einrichtungen - vorzunehmen. Ganz so leicht darf man es Bürgern eines Staates aber nicht machen, sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung zu stehlen. Hier ist auch die Politik gefordert.
Die Kirchensteuer ist außerdem keineswegs eine Erfindung der Katholischen Kirche - sie ist schon in der Urkirche als "Dienst an den Tischen" zu finden. Hierbei wurde sichergestellt, dass auch arme Menschen einen Teil des Vermögens Wohlhabender abbekommen. Das Prinzip der Kirchensteuer ist also nichts anderes als eine Art organisierte Form der Nächstenliebe, deren Abschaffung sowohl aus staatskirchenrechtlicher wie theologischer Sicht unsinnig ist.
Eine Anmerkung noch zu denen, die aus der Katholischen Kirche austreten, weil sie die Kirchensteuer nicht mehr zahlen möchten:
Wenn die Steuerbelastung für den Einzelnen zu hoch ist, gibt es durchaus die Möglichkeit eines Gesprächs mit dem Ortspfarrer. Ist es aber wirklich so, dass acht Prozent des Einkommens zu viel sind? Wie viel Geld geben wir für Dinge aus, die wir wirklich nicht brauchen und die sogar schädlich für uns sind? Und da sind uns acht Prozent für die Kirche zu viel? Was für eine Art von Glauben ist das eigentlich? Was für eine Art von gesellschaftlicher Verantwortung zeigt man da vor seinen Kindern, seiner Familie und seinem sozialen Umfeld?
Nicht vergessen werden sollte hier auch, dass nach einem Austritt eine kirchliche Heirat, der Empfang der Sakramente und vieles andere, das man dann doch noch gerne haben möchte, nicht mehr möglich sind.
Manche fordern nun, dass man ähnlich wie in den USA oder anderen Ländern, freiwillige Beiträge der Kirchenglieder annehmen sollte. Schön und gut - nur dass es in den USA nach jahrhundertelanger Übung in christlichen Kreisen üblich ist, freiwillig und regelmäßig von seinem Einkommen und von seiner freien Zeit etwas zum Wohle der jeweiligen Kirche azugeben. Wenn man sich das Engagement und die Konsumenten- bzw. Anspruchshaltung vieler "Karteileichen" unserer Pfarreien ansieht, darf hier doch sehr gezweifelt werden, dass dies so einfach und problemlos bei uns der Fall wäre.
Hand auf's Herz:
Würden SIE monatlich mindestens acht Prozent ihres Einkimmens abgeben (die Bibel spricht übrigens von zehn Prozent, wobei wir uns bewusst sein sollten, dass wir hier an das Bruttoeinkommen denken sollten, da schließlich zuerst Gott und dann der Staat kommen sollte!)? Würden SIE sich monatlich für Ihren Glauben, Ihre Pfarrei und soziale Zwecke einsetzen? Wirklich? Tun Sie das denn jetzt schon? Wenn nicht, warum denn nicht?
Hinter der ganzen Diskussion um die Kirchensteuer und Kirchenaustritte stehen also manchmal - wenn auch nicht immer - ganz banale und wenig christliche bzw. verantwortungsvolle Motive.
(Quelle: u.a. "Der Neue Tag" vom 26./27.09.09)
Kirchensteuer in der Bibel?
"In jedem dritten Jahr sollst du den ganzen Zehnten deiner Jahresernte in deinen Stadtbereichen abliefern und einlagern" (Dtn 14,28 - Einheitsübersetzung)
Wahrscheinlich ist hier gemeint in jedem dritten Jahr nach einem Sabbatjahr; denn im Sabbatjahr gehörten alle Erträge den Armen:
"Sechs Jahre kannst du in deinem Land säen und die Ernte einbringen; im siebten sollst du es brach liegen lassen und nicht bestellen. Die Armen in deinem Volk sollen davon essen, den Rest mögen die Tiere des Feldes fressen. Das Gleiche sollst du mit deinem Weinberg und deinen Ölbäumen tun." (Ex 23,10-11 - Einheitsübersetzung)
Dtn 14,28 ordnete also an, dass 10 % der Ernte eines Jahres jedes dritte Jahr abzuführen ist. Dieser zehnte Teil wird dann an Leviten, die selbst nicht genügend haben, verteilt, weiterhin an Witwen, an Fremde oder an Waise. Hier handelt es sich also um nichts anderes als um eine öffentliche Anordnung, mit der sichergestellt wurde, dass arme Menschen materiell abgesichert waren. Eine Anordnung deshalb, da dies sichergestellt sein musste.
Außerdem sollte das Land sowie die Weinberge und Ölbäume in jedem siebten Jahr brach liegen - nicht etwa aus ökologischen Gründen oder damit der Boden sich erholt. Auch hier eine klare Anordnung, die gewährleistete, dass die Armen genügend zu essen hatten.
Weitere Regeln:
"Leihst du einem aus meinem Volk, einem Armen, der neben dir wohnt, Geld, dann sollst du dich gegen ihn nicht wie ein Wucherer benehmen. Ihr sollt von ihm keinen Wucherzins fordern. Nimmst du von einem Mitbürger den Mantel zum Pfand, dann sollst du ihn bis Sonnenuntergang zurückgeben; denn es ist seine einzige Decke, der Mantel, mit dem er seinen bloßen Leib bedeckt. Worin soll er sonst schlafen? Wenn er zu mir schreit, höre ich es, denn ich habe Mitleid." (Ex 22,24-26 - Einheitsübersetzung)
Hiermit sollte verhindert werden, dass Arme von den Reichen abhängig werden und ihre soziale Ausgrenzung damit festgeschrieben wird.
Sehen wir uns Dtn 15,1-11 an:
"In jedem siebten Jahr sollst du die Ackerbrache einhalten. Und so lautet eine Bestimmung für die Brache: Jeder Gläubiger soll den Teil seines Vermögens, den er einem andern unter Personalhaftung als Darlehen gegeben hat, brachliegen lassen. Er soll gegen den andern, falls dieser sein Bruder ist, nicht mit Zwang vorgehen; denn er hat die Brache für den Herrn verkündet. Gegen einen Ausländer darfst du mit Zwang vorgehen. Wenn es sich aber um deinen Bruder handelt, dann lass deinen Vermögensteil brachliegen! Doch eigentlich sollte es bei dir gar keine Armen geben; denn der Herr wird dich reich segnen in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt und das du in Besitz nimmst, wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst, auf dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, achtest und es hältst. Wenn der Herr, dein Gott, dich segnet, wie er es dir zugesagt hat, dann kannst du vielen Völkern gegen Pfand leihen, du selbst aber brauchst nichts zu verpfänden; du wirst über viele Völker Gewalt haben, über dich aber werden sie keine Gewalt haben. Wenn bei dir ein Armer lebt, irgendeiner deiner Brüder in irgendeinem deiner Stadtbereiche in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt, dann sollst du nicht hartherzig sein und sollst deinem armen Bruder deine Hand nicht verschließen. Du sollst ihm deine Hand öffnen und ihm gegen Pfand leihen, was der Not, die ihn bedrückt, abhilft. Nimm dich in Acht, dass du nicht in niederträchtigem Herzen den Gedanken hegst: Bald kommt das siebte Jahr, das Brachjahr!, und deinen armen Bruder böse ansiehst und ihm nichts gibst, sodass er den Herrn gegen dich anruft und Strafe für diese Sünde über dich kommt. Du sollst ihm etwas geben, und wenn du ihm gibst, soll auch dein Herz nicht böse darüber sein; denn wegen dieser Tat wird dich der Herr, dein Gott, segnen in allem, was du arbeitest, und in allem, was deine Hände schaffen. Die Armen werden niemals ganz aus deinem Land verschwinden. Darum mache ich dir zur Pflicht: Du sollst deinem Not leidenden und armen Bruder, der in deinem Land lebt, deine Hand öffnen." (Einheitsübersetzung)
Hier wird doch sehr radikal in das wirtschaftliche Gefüge und die Verteilung der Güter einer Gesellschaft eingegriffen, womit verhindert wird, dass arme Menschen in existenzgefährdende Notlagen geraten.
Zum Schluss noch Mal 3,6-10:
"Ich, der Herr, habe mich nicht geändert und ihr habt nicht aufgehört, Söhne Jakobs zu sein. Seit den Tagen eurer Väter seid ihr von meinen Gesetzen abgewichen und habt auf sie nicht geachtet. Kehrt um zu mir, dann kehre ich mich euch zu, spricht der Herr der Heere. Doch ihr sagt: Worin soll denn unsere Umkehr bestehen? - Darf der Mensch Gott betrügen? Denn ihr betrügt mich. Doch ihr sagt: Womit betrügen wir dich? - Mit den Zehnten und Abgaben! Dem Fluch seid ihr verfallen, doch ihr betrügt mich weiter, ihr, das ganze Volk. Bringt den ganzen Zehnten ins Vorratshaus, damit in meinem Haus Nahrung vorhanden ist. Ja, stellt mich auf die Probe damit, spricht der Herr der Heere, und wartet, ob ich euch dann nicht die Schleusen des Himmels öffne und Segen im Übermaß auf euch herabschütte." (Einheitsübersetzung)
Es war also schon vor tausenden von Jahren beim Volk üblich, dass der Zehnte u.a. den Armen - und damit Gott! - vorbehalten war! Dies geschah aufgrund religiöser Gebote, also nicht nur aufgrund irgendwelcher weltlicher Gesetze, wenngleich beides damals vermischt war.
Warum tun wir uns dann so schwer, zu akzeptieren, dass uns alles, was wir haben, nur von Gott geschenkt wurde und dass wir unsererseits eine Verantwortung gegenüber anderen sowie gegenüber der Kirche als Leib Christi haben?
(Quelle: u.a. Fernkurs Würzburg www.fernkurswuerzburg.de)
Fundraising?
In dieser ganzen Diskussion um die Abschaffung der Kirchensteuer sollten wir doch aufpassen, dass wir - auch und gerade als Kirche! - nicht zu sehr in die "Fundraising-Mentalität" verfallen, sondern den Gläubigen klar machen, dass die Bibel sehr klar und deutlich ist, wenn es darum geht, den Zehnten zu geben! Das ist nicht etwas, wofür man als Kirche den roten Teppich ausrollen muss und auch nichts, das man als Gläubiger mal ab und an nach Lust und Laune tut - und dann noch einen überschwängliche Dank erwartet! -, sondern etwas, wozu wir als Christen einerseits verpflichtet sind und andererseits etwas, das wir tun dürfen: Wir geben etwas von dem, was uns Gott geschenkt hat, weiter. Werke der Nächstenliebe und Werke der Liebe zur Kirche!
Was ist mit unseren Kirchen geschehen?
Viele Nicht-Katholiken
kritisieren die Katholische Kirche wegen der “Reichtümer” in ihren
Kirchen. Wenn man nur die Kunstschätze dort verkaufen würde, wenn man
nur einen Teil des “Goldes” im Vatikan den Armen geben wuerde, gäbe es
keine Hungernden mehr auf der Welt.
Menschen, die derartiges von
sich geben, haben zumeist wenig Ahnung von der Realität und man darf
dem einen oder anderen möglicherweise gar ein wenig Scheinheiligkeit
unterstellen. Wie viel geben denn die Menschen, die die Katholische
Kirche mit solchen “Argumenten” angreifen, von dem, was Gott ihnen
jeden Monat schenkt, an die Kirche und an Bedürftige? Wieviel
Unnötiges gibt es in jedem einzelnen Haushalt, das man nicht unbedingt
braucht und Menschen in Not schenken könnte?
Ja, in
katholischen Kirchen gibt es noch so einige Kunstschätze, die der
Katholischen Kirche aber kein Geld einbringen, sondern deren Unterhalt
jährlich Unsummen kostet! Trotzdem versuchen wir nach Kräften, diese
Schätze zu bewahren. Zum einen mit einem säkularen Hintergrund: diese
Kunstschätze zu bewahren ist auch unsere Pflicht und Verantwortung!
Eines
vergisst man aber – auch in katholischen Kreisen – wenn es darum geht,
die “pompösen” Kirchen und die “Reichtümer” und “Kunstschätze” zu
kritisieren: In früheren Zeiten gab es wirklich viele sehr arme
Menschen. Gleichwohl wollte nicht nur die “reiche Kirche”, sondern alle
Gläubigen, dass das größte und schönste Gebäude im Ort das Haus
des Vaters – die Kirche – sein sollte. Es sollte von unbeschreiblicher
Schönheit sein und für Ihren Gott war ihnen nichts zu schön und
nichts zu teuer! Die Kirchen waren unglaublich schön geschmückt,
enthielten viele Statuen der Heiligen und waren von atemberaubender
Schönheit. Eine Schönheit, die auch heute noch sogar - oder gerade! –
Nicht-Katholiken beeindrucken und allein durch die Geschichten, die sie
in den Bildern, den reich gestalteten Kirchenfenstern oder den Figuren
erzaehlen, schon einen Eindruck von dem geben, was das Christentum
ausmacht, selbst wenn man noch nie die Bibel gelesen hat.
Viele
der “moderneren” Kirchen hingegen bieten ein anderes Bild: auf dem
Architektentisch entworfene und in modernem – weltlichen! – Design
gestaltete Gebäude und Räumlichkeiten. Nackte Wände und stilisierte
Kreuze. Heiligenstatuen sind zumeist verschwunden. Den Tabernakel muss
man erst einmal suchen. Und irgendwie sitzt man in diesen Kirchen etwas
verloren und fremd herum und weiss nicht so recht, was man hier soll –
oder besser: was das hier soll. Ich will hier niemanden die Schuld
geben. Nicht zuletzt ist es unsere eigene Schuld, die wir nicht Sorge
tragen, dass unsere Kirchen erhalten und neue wunderschöne Kirchen
gebaut werden. Es muss den Gestaltern dieser modernen Kirchen aber
schon einmal gesagt werden, dass man auch mit wenig Geld eine schöne,
volksnahe Kirche gestalten kann und nicht einen fremd anmutenden kalten
Tempel, der zwar das Architektenherz erfreuen mag, für die meisten
Gläubigen aber doch etwas sein dürfte, mit dem sie wenig bis nichts
anzufangen wissen.
Bringen wir die Schönheit zurück in unsere
Kirchen! Machen wir wieder ein Haus des Vaters daraus, für das uns
nichts zu schade ist!
Gloria TV: Kirchenbeitrag Wien
Gloria TV / kath.ch: Arme Kirche, reiche Kirche