"Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt"
(1 Petr 3,15 - Einheitsüberstzung)
"Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen."
(Mk 12, 34 - Einheitsübersetzung)
"Glaubensbegründung" ist erst einmal ein Wort, das man so eigentlich nur mit Einschränkungen verwenden kann, dann aber auch etwas, wozu jeder Christ und jede Christin gerufen ist.
Einschränkungen unter anderem deshalb, weil der Glaube an Gott nicht mit dem menschlichen Verstand begründet werden kann. Schließlich ist Gott unser aller Fundament und Gründung.
So gesehen ist der Glaube aber keineswegs unvernünftig oder irrational, sondern im Gegenteil die Vernunft selbst.
Man kann also den Glauben in der Hinsicht begründen, dass er zum Glauben hin führt, oder in der Art und Weise, dass man vom Wesen des Glaubens selbst ausgeht und den Beweis zu führen versucht, dass er in jeder Beziehung vernünftig ist.
Wesentliche Teile des Glaubens sind hierbei sowohl die Transzendenz als auch die irdischen Zeichen des Göttlichen.
Was heißt denn das nun, Glaubensbegründung? Was bedeutet das?
Glaubensbegründung bekennt sich zum einen natürlich zu Gott. Darauf aufbauend will sie den Glauben auch vernünftig erklären und verständlich machen. Hier ist auch ein enger Zusammenhang zur apologetik zu sehen, denn die Glaubensbegründung heißt ja nichts anderes, als dass man sich unter anderem auch Fragen hinsichtlich des Sinns, der Vernunft & der Wahrheit des Glaubens ausgesetzt sieht bzw. vielleicht sogar Angriffen. In der Glaubensbegründung wird die enge Beziehung zwischen dem rechten Glauben und der rechten Vernunft deutlich. Wichtig auch, zu betonen, dass die Glaubensbegründung nie vollständig (im Sinne von abgeschlossen) ist, da uns der volle Inhalt des Glaubens wohl erst bewusst wird, wenn wir bei Jesus sind. Auch ist die Glaubensbegründung immer von den jeweiligen zeitbedingten Umständen geprägt, muss also auch in diesem Zusammenhang gesehen werden.
Bereits im frühen Christentum, gleich nach den Aposteln, wurden Christen teils sehr heftig vom Judentum wie von heidnischen Gelehrten angegriffen und verwendeten unter anderem die Philosophie, um ihren Glauben mittels der Vernunft zu rechtfertigen, zu verteidigen und zu begründen. Dies waren die ersten Tage christlicher Aoplogetik, also des Bereiches der Theologie, wo der Glaube gerechtfertigt wird, indem seine Glaubwürdigkeit dargelegt wird.
Der Glaube kann aber nicht begründet werden, ohne dass man selbst glaubt - oder auch am Glauben vorbei. Auch kann durch Vernunft kein Glaube "erzwungen" werden, weder für den den Inhalt noch den Akt des Glaubens. Im Grunde gibt es keine andere "Begründung" des Glaubens als die freie Antwort des Menschen auf den in Liebe erfolgten Ruf Gottes.
Glaubensbegründung heißt, dass der, der glaubt, sich seinen Glauben nachträglich rechtfertigen und gegen Angriffe anderer verteidigen oder deren Fragen beantworten kann. Rechter Glaube und rechte Vernunft sind also eng verbunden. Der Glaube braucht auch die Vernunft.
Nun kann man zwar mit keiner Glaubensbegründung alle möglichen Fragen beantworten, aber sie ist und bleibt ein wertvolles und notwendiges Mittel. Auch sollte man sich bewusst sein, dass Glaubensbegründung nie abgeschlossen, sondern ein ständig fortwährender Prozess ist. Warum? Weil sie Bestandteil des Glaubens ist - und der wird sein Ziel erst in der Vollendung im Himmel finden.
(Fortsetzung folgt)
(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/)
Durch Glaubensbegründung kann man niemanden zum Glauben "zwingen". Man kann aber durchaus den Weg bereiten, der zum Glauben hinführt, Hindernisse auf diesem Weg beseitigen. Ebenso ann man sich selbst und anderen die Vernünftigkeit des eigenen Glaubens deutlich machen.
Gleichzeitig sollte man sich aber bewusst sein, dass sowohl der eigene Glaube wie auch der Glaube der Kirche als ganzer etwas nicht abgeschlossenes ist, etwas, das sich immer weiter entwickelt und verändert und erst bei Jesus in der einstigen Vollendung an sein Ziel kommen wird. Ebenso ist natürlich dann auch die Glaubensbegründung selbst nicht abgeschlossen, da sie ja vom Glauben abhängt.
(Quelle: http://www.fernkurswuerzburg.de/)
Zeigen Sie auf, welche grundsaetzliche Bedeutung der Vernunft bei der Erkenntnis der Glaubenswahrheiten zukommt und wie die Rolle der Vernunft im Wandel der Geschichte jeweils gesehen wurde. Inwiefern ist die heutige Theologie bemueht, sowohl Notwendigkeit wie Grenzen eines von der Vernunft geleiteten Zugangs zum Glauben wahrzunehmen?
Gliederung
A. Glaube muss vernunftgemaess sein, da der Mensch ein mit Vernunft ausgestattetes Geschoepf ist
B. 1. Begriffserklaerungen
Was bedeutet “Glaube”?
Was versteht man unter “Vernunft”?
Was ist “Theologie”?
Die grundsaetzliche Bedeutung der Vernunft bei der Erkenntnis der Glaubenswahrheiten
Die Rolle der Vernunft im Wandel der Geschichte
3.1 Mittelalter
Aufklaerung
Reaktionen der Kirche
Erneuerungsbestrebungen
Das II. Vatikanische Konzil
Heutige Theologie
Notwendigkeit eines von der Vernunft geleiteten Zugangs zum Glauben
Glaubensbegruendung
4.1.1.2 Formen der Glaubensbegruendung
4.1.1.3 Kann man Glauben ueberhaupt begruenden?
4.1.1.4 Grundlagen und Bedingungen der Glaubensbegruendung
4.1.1.5 Wesensmerkmale der Glaubensbegruendung
4.1.1.6 Aeltere Religionskritik und Glaubensbegruendung
4.1.1.7 Gottesbeweise
4.1.1.8 Neuere Religionskritik und Glaubensbegruendung
4.1.1.9 Glaubensbegruendung als argumentative Bestreitung der Religionskritik durch erklaerende Auslegung des Atheismus
Religionskritik als argumentative Bestreitung der Sinnhaftigkeit religioeser Aussagen
Glaubensbegruendung als argumentative Bestreitung der Sinnhaftigkeit religionskritischer Aussagen
Religionskritik und Glaubensbegruendung – eine Auseinandersetzung mit offenem Ausgang
4.3 Grenzen eines von der Vernunft geleiteten Zugangs zum Glauben
C. Neue Wege des vernunftgemaessen Zugangs zum Glauben – oder warum die Auseinandersetzung zwischen Religionskritik und Glaubensbegruendung weitergeht
A. Glaube muss vernunftgemaess sein, da der Mensch ein mit Vernunft ausgestattetes Geschoepf ist
Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen. Das biblische Menschenbild umfasst Soma (Koerper), Psyche und Pneuma (Geist). Christlicher Glaube muss also den Menschen als ganzen ansprechen. Als solcher muss er vernuenftig sein, da er sich auf Gott bezieht und Gott letztlich die Vernunft ueberhaupt, die letzte Vernunft sozusagen ist. Ein Glaube, der nicht vernuenftig ist, wird schnell zum Aberglauben oder gleitet in Fundamentalismus, Radikalitaet, Intoleranz und spirituellen Hochmut ab. Glaube muss erwachsen werden und kann nicht ewig der kindlich-naïve Glaube bleiben, der unabhaengig von Vernunftgruenden alles glaubt, was ihm vorgegeben wird. Diese Art von Glauben bereitet den Naehrboden fuer Sekten, Aberglauben und Goetzendienst, sicher aber nicht das Fundament fuer den erwachsenen Glauben eines Menschen, der aus seiner Freiheit heraus das Gnadengeschenk Gottes – den Glauben – annimmt und durch sein Lebens- und Glaubenszeugnis beantwortet. Glaube muss ebenso vernuenftig sein, um ihn sich selbst gegenueber zu begruenden, um anderen, die auf dem Weg zu Gott sind, Hindernisse zum Glauben aus dem Weg raeumen zu helfen und um den Glauben gegen Angriffe verteidigen zu koennen.
Manche haben nun Angst, der Aufweis, dass der christliche Glaube vernunftgemaess ist, wuerde ihn noch mehr zu etwas machen, das zu “intellektuell” oder zu “kopfgesteuert” ist. Das Gegenteil ist der Fall. Wer die Vernunftgemaessheit des Glaubens anerkennt, sieht den Glauben als etwas, das den Menschen als ganzen anspricht – sein Denken, Fuehlen und Empfinden – und eben nicht nur einen Teil davon.
B.
1.1 Was bedeutet “Glaube”?
“Glaube aber ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Ueberzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.” (Heb 11, 1)1
“Im Glauben vertraut sich ein jeder den von anderen Personen erworbenen Erkenntnissen an. Darin ist eine bedeutungsvolle Spannung erkennbar: einerseits erscheint die Erkenntnis durch Glauben als eine unvollkommene Erkenntnisform, die sich nach und nach durch die persoenlich gewonnene Einsicht vervollkommnen soll; andererseits erweist sich der Glaube oft als menschlich reicher im Vergleich zur blossen Einsichtigkeit, weil er eine Beziehung zwischen Personen einschliesst und nicht nur die persoenlichen Erkenntnisfaehigkeiten, sondern auch die tiefergehende Faehigkeit ins Spiel bringt, sich anderen Personen anzuvertrauen, indem man eine festere und innige Verbindung mit ihnen eingeht.”2
Ein wesentlicher Gesichtspunkt des Glaubens: man kann ihn sich nicht selbst ausdenken. Es bedarf jemandem, der einem sagt, was man glauben soll. Glaube hat als Fundament das Heilwort Jesu und ist damit auch der Tradition verpflichtet. Er entsteht nicht jeden Tag neu, sondern hat eine Geschichte.
Glaube kommt vom Hoeren des Wortes Gottes. Dementsprechend muss das Gehoerte auch wirklich Glaubensbotschaft sein. Eine Botschaft, die der kritischen Ueberpruefung der Theologie und des Lehramts bedarf. Schliesslich soll sichergestellt werden, dass nur die Offenbarung und nichts anderes geglaubt wird.
Der Glaube schafft Heil und ist damit fuer alle Menschen und zu allen Zeiten Glaube. Seine Vermittlung und Verkuendigung als Botschaft, die sich ueber alle Zeiten erstreckt, muss daher zeitgemaess sein. Wer glaubt, beschreitet einen Weg und antwortet auf die in Jesus Christus ergangene Selbstoffenbarung Gottes.
Der Verstand des Menschen kann ebenfalls eine Antwort auf die Frage nach den Urspruengen aller Dinge geben. Die Existenz eines Gottes, der alles erschaffen hat, kann aus dem Geschaffenen durch eben diese menschliche Vernunft erkannt werden, auch wenn man sich dabei oft irren kann. Um diesen Irrtum auszuschliessen, haben die Menschen den Glauben: “Aufgrund des Glaubens erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort erschaffen worden und dass so aus Unsichtbarem das Sichtbare entstanden ist.” (Hebr 11,3)” Wir glauben aber nicht etwa, weil uns die Offenbarung von unserern menschlichen Vernunft aus betrachtet so klar und verstaendlich erscheint, sondern aufgrund der Autoritaet Gottes, der werder sich noch andere taeuschen kann, wie das 1. Vatikanische Konzil schon festgestellt hat (DS 3008). Durch die Fuehrung des Heiligen Geistes koennen die aeusseren Beweise Seiner Offenbarung wahrgenommen und verstanden werden (DS 3009). Glaube und Vernunft bilden so eine Einheit. Glaube ist also nicht allein eine Herzensangelegenheit (DS 3009), sondern kann auch verstandesmaessig erfasst werden. Manchmal jedoch kann die menschliche Vernunft etwas gar nicht oder nur sehr schwach erkennen lassen. Hier sorgt der Glaube dafuer, dass wir klar sehen und verstehen. Wer jedoch glaubt, will das, woran er glaubt, auch verstehen koennen. Dieses bessere Verstaendnis wiederum verstaerkt auch wieder den eigenen Glauben. Der Glaube ist ein Gnadengeschenk Gottes. Er oeffnet “die Augen des Herzens” (Eph 1,18) fuer die goettliche Offenbarung. Der Glaube ist der Vernunft uebergeordnet, jedoch kann es keinen Widerspruch zwischen Glaube und Vernunft geben, da uns Gott sowohl das Geschenk des Glaubens gemacht hat wie uns auch mit Vernunft ausgestattet hat – und Gott kann sich nicht selbst widersprechen (vgl. 1. Vatik. Konzil, DS 3017).3
Erzbischof Reinhard Marx wies bei einer Tagung im April 2007 darauf hin, dass der christliche Glaube weder unvernuenftig noch banal sei. Ebenso wenig sei er eine Folkore oder ein subjektives Gefuehl oder auf bestimmte moralische Ueberzeugungen zu reduzieren. Er stelle vielmehr einen hohen Anspruch an das Denken und Handeln der Menschen und sei eine neue, umfassende Sicht des Lebens und des Denkens: Es geht um die Suche nach der Wahrheit.”4
1.2 Was versteht man unter “Vernunft”?
“Mit Vernunft als philosophischem Fachbegriff wird die Faehigkeit des menschlichen Geistes bezeichnet, von einzelnen Beobachtungen und Erfahrungen auf universelle Zusammenhaenge in der Welt zu schliessen, deren Bedeutung zu erkennen und danach zu handeln – insbesondere auch im Hinblick auf die eigene Lebenssituation (vgl. Nous). Die Vernunft ist das oberste Erkenntnisvermoegen, das den Verstand kontrolliert und diesem Grenzen setzt bzw. dessen Beschraenkungen erkennt. Sie ist damit das wichtigste Mittel der geistigen Reflexion und das wichtigste Werkzeug der Philosophie.”5
Dies kennzeichnet die subjektive Vernunft von Menschen. Die objektive Vernunft hingegen waere die metaphysische oder kosmologische Vernunft als ein die Welt ordnendes Prinzip.
Zusaetzlich verwendet man den Begriff “Verstand”, wenn etwas abseits vom grossen Ganzen beleuchtet werden soll.
Vernunft kann verschiedene Bedeutungen annehmen. Sie ist die Basis fuer Erkenntnis, da sie Wissen ermoeglicht. Beim Verstand wiederum konzentrieren sich mehrere kognitive Denkmuster. Ein weiterer Bestandteil von Vernunft kommt im vernuenftigen Handeln als Fundament einer normgebenden Ethik zum Ausdruck. Aristoteles spricht hier vom rechten Mass, Kant vom kategorischen Imperativ. Im religioesen Bereich kennzeichnet Vernunft das “Denken Gottes”, als etwas, worauf der Mensch keinen Einfluss hat. Eine derartige Vernunft Gottes ist etwa in der Schoepfung zu erkennen.
Eine besondere Bedeutung erhielt die Vernunft in der Aufklaerung, wo sie gleichsam in den Status einer Religion erhoben wurde und die autoritaere christliche Religion ueberwinden und damit allen zur Freiheit verhelfen sollte.
Die Vernunft gebraucht den Verstand durch das logische, notwendige und Irrtuemer vermeidende Denken – durch Zweifeln, Behaupten usw. Vernunft ist also die Faehigkeit, nach den Regeln der Logik und Notwendigkeit kommunizieren zu koennen.
Der Mensch kann durch die Vernunft die Wirklichkeit erkennen. Durch die Suende allerdings ist der Blick des Menschen verdunkelt worden und ebenso seine Faehigkeit, die Welt nach Gottes Willen zu gestalten. So wurden die zehn Gebote dem Menschen auch geoffenbart, obwohl er sie prinzipiell bereits erkennen konnte.
1.3 Was ist “Theologie”?
“Naeherhin ergibt sich Theologie notwendig aus der Verschmelzung von biblischem Glauben und griechischer Rationalitaet, auf der schon im Neuen Testament selbst das geschichtliche Christentum beruht. Wenn das Johannesevangelium Christus als den Logos bezeichnet, kommt diese Verschmelzung sehr deutlich zum Vorschein: Der Text drueckt damit die Ueberzeugung aus, dass im christlichen Glauben das Vernuenftige, die Grundvernunft selbst, zum Vorschein kommt, ja, er will sagen, dass der Grund des Seins selbst Vernunft ist und dass die Vernunft nicht ein zufaelliges Nebenprodukt aus dem Ozean des Unvernuenftigen darstellt, aus dem eigentlich alles stammte.”6
Das Wort Theologie setzt sich aus den griechischen Woertern theos (Gott) und logos (Wort, Rede, Kunde, Wissenschaft) zusammen.7 Sie meint also zunaechst die Rede von Gott. Voraussetzung fuer Theologie ist, dass Gott zu Wort kommt, sich also offenbart und den Menschen etwas mitteilt, die diese Mitteilung wiederum im Glauben annehmen. Durch Offenbarung und Glaube ensteht somit die Kommunikation zwischen Gott und dem Menschen. Theologie bedenkt nun diese Kommunikation. Der Anteil des Menschen ist der Glaube, somit kann Theologie auch definiert werden als die Kunde vom Glauben an den sich offenbarenden Gott. Dies umfasst sowohl das Sich-Einlassen auf Gott wie den Inhalt des Glaubens selbst. Da Theologie auch eine Wissenschaft ist, erarbeitet und betrachtet sie den Glauben systematisch und methodisch.
Die Offenbarung Gottes wiederum kann auf verschiedene Art und Weise geschehen:
“Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vaetern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat”.8 Offenbarung bezieht sich demnach ueber einen laengeren Zeitraum und laeuft auf einen Hoehepunkt zu: die Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus.
Damit diese Offenbarung also verstandesmaessig erfasst werden kann, muss sie denkerisch betrachtet werden. Nur so kann sie wirklich angenommen werden.
Theologie macht nun diese Selbstoffenbarung Gottes in Jesus immer wieder neu zugaenglich, sodass sie von jeder Generation angenommen und verstanden werden kann. Wichtig ist dabei, dass allein Gottes Wort verkuendigt wird. Deshalb hat Theologie auch kritisch zu sein.
Christliche Theologie kann daher auch definiert werden als die Wissenschaft vom christlichen Glauben. Sie erfasst und beleuchtet mit den Mitteln der Vernunft sowohl Art wie Gehalt des Glaubens methodisch, getreu dem Worte des Heiligen Petrus: “Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfuellt.”9 Theologie verschafft den Menschen den Zugang zum Wort Gottes, indem sie dieses erklaert und verdeutlicht. Dies aber nicht abgehoben und fuer sich alleine, sondern im Rahmen der Kirche als Leib Christi und Gemeinschaft der Glaubenden. Eng verbunden ist die Theologie somit mit der Heiligen Schrift, der Glaubenstradition, dem Lehramt und der Glaubensgemeinschaft.
Die Theologie ist eine Wissenschaft. Als Funktion der Vernunft vermittelt sie zwischen dem Glaubensinhalt, also der Offenbarung, und dem Akt des Glaubens, somit dem Glaubensbekenntnis der Menschen. Sie steht somit zwischen Glaube und Vernunft, zwischen Tradition und Fortschritt, was oft auch zu Konflikten innerhalb der Theologen sowie zwischen Theologie und Lehramt fuehrt. Wichtig hierbei: “alt” und “neu” sind noch keine Merkmale fuer “moralisch gut” oder “moralisch schlecht”. Altes ist nicht allein deshalb schon gut, weil es alt ist und neues nicht allein deshalb zu befuerworten, weil es neu ist.
Da der Glaube vom Hoeren auf das Wort Gottes kommt, hat die Theologie dieses Wort der Ueberlieferung zu bedenken. Die Ueberlieferung aber ist ein unabgeschlossener Prozess. Insofern ist auch Tradition nicht etwas Lebloses, das weitergegeben wird, sondern etwas Lebendiges, das vom lebendigen Wort auch am Leben erhalten wird.
Was weitergegeben wird, wird aber in menschlicher Sprache weitergegeben. Tatsaechlich aber zaehlt der Inhalt des Weitergegebenen.
Das Verhaeltnis von Glaube und Vernunft hat natuerlich auch der Geschichte sowie der Gegenwart Rechnung tragen. Theologie muss also einerseits der Tradition verpflichtet sein und andererseits im Heute leben und auf die Zukunft hin orientiert sein.
Theologie hat dem Glauben zu dienen. Sie hat zum einen das Fundament dafuer zu schaffen, dass die menschliche Vernunft den Glauben akzeptieren kann. Sie muss aber auch den Glauben selbst fuer den Glaubenden darstellen.
Theologie vermittelt also zwischen Glaube und Vernunft. Die zu vermittelnde Offenbarung ist aber vor langer Zeit ergangen. Sie soll aber zu jeder Zeit gehoert und angenommen werden. Dafuer muss sie verstaendlich und der Vernunft zugaenglich sein. Beim Verhaeltnis zwischen Vernunft und dem Wort Gottes sind aber einige wichtige Punkte zu beachten:
Die in Jesus Christus ergangene Selbstmitteilung Gottes, wie sie sich im Wort Gottes offenbart, entspringt nicht menschlichem Denken und ist deshalb letztlich mit menschlicher Vernunft nicht voellig zu erfassen. Das Wort Gottes laesst sich also weder aus Vernunftgruenden ableiten, noch laesst sich Gottes Wort mittels menschlicher Vernunft zwingend beweisen oder nachvollziehbar machen. Der Glaubende allein entscheidet in Freiheit und Liebe und kommt so zu der Erkenntnis, dass ihm das Wort Gottes Heil bringt.
Die Gefahr hierbei ist natuerlich, dass der Glaube irrational wird. Hier ist die Theologie als der Vernunft vermittelnde Wissenschaft gerufen. Die Theologie hat mit ihrem kritischen Denken Argumente gegen den Glauben vernuenftig zu widerlegen, sie ueberprueft, ob Glaubensdokumente im Widerspruch zur Vernunft stehen und deshalb auch nicht durch den Glauben angenommen werden koennen, sie zeigt unsere – wenn auch begrenzte – Moeglichkeiten, die Offenbarung zu verstehen, auf und sie zeigt auf, ob die Glaubensvorlage vielleicht eine positive Glaubensentscheidung fordert oder sinnvoll macht.
Der Glaube muss die Vernunft fordern, um selbst Glaube zu bleiben und nicht zum Aberglauben zu verkommen. Die Vernunft wiederum kann nur kritisch wirken und den Glauben weiterzugeben, wenn sie unabhaengig ist.
Die Theologische Vernunft filtert den Glauben. Der Glaube selbst bedarf keiner besonderen intellektuellen Faehigkeiten oder Wissenschaft. Theologie ist aber fuer das Verstaendnis des Glaubens und dessen, was man glaubt, unerlaesslich. Jeder Christ muss sich selbst und anderen gegenueber erklaeren koennen, was und warum er glaubt – und wird damit theologisch taetig.
Der Glaube orientiert sich an Jesus, weshalb die Theologie auch eine historische Funktion hat. Diese Funktion wird wahrgenommen von der biblischen Exegese und Theologie, der Kirchen- und Dogmengeschichte. Da aber der Glaube auch vernuenftig dargestellt werden soll, ist auch das Gehoerte zu untersuchen, was von der systematischen Theologie erledigt wird: die Fundamentaltheologie, die Dogmatik, die Moraltheologie und dem Kirchenrecht. Der Glaube muss aber auch “gegenwartstauglich” gemacht werden, was vor allem von der praktischen Theologie gemacht wird, der Liturgiewissenschaft, der Katechetik, der Pastoraltheologie und der Religionspaedagogik.
Die Theologie hat auch ihrem Ursprung treu zu bleiben, hat dafuer aber eine kritische Ueberpruefung der Tradition vorzunehmen und hat gleichzeitig auch die ungekuerzte Ueberlieferung wertend zu Wort kommen zu lassen und die historischen Dokumente in den richtigen Gesamtzusammenhang zu stellen. Die Glaubensvermittlung hat weiterhin zeitgemaess zu erfolgen – unter Beruecksichtigung der aktuellen Wirklichkeit in ihrer ganzen Breite, also auch unter Bezugnahme auf alle Wissenschaften, die sich mit dem Menschen beschaeftigen. Die Theologie muss aber auch das Gespraech mit den Gegnern des christlichen Glaubens suchen. Sie hat dafuer den Glauben zu begruenden, eine kritische Kommunikation zu fuehren, die christliche Botschaft anhand von zeitgenoessischen Erfahrungen erklaeren und den christlichen Glauben so zu vermitteln, dass die Menschen etwas damit in ihrem Alltag anfangen koennen. Diese Vermittlung betrifft aber nicht nur den Glaubensinhalt, sondern auch ein Vorausdenken im Hinblick auf die Glaubensvermittlung an kuenftige Generationen, denen durch die Hilfe der heutigen Theologie eine Einsicht in den christlichen Glauben ermoeglicht werden soll. Sie muss deshalb ergruenden, welche Themen den Menschen auf den Herzen brennen und welche Art von Interpretation die Glaubenseinsicht erleichtert. Hierfuer braucht die Theologie aber auch eine gewisse Freiheit – auch die Freiheit, sich einmal irren zu duerfen. Sie sollte aber auch am Dialog und Kompromiss interessiert sein und nicht autoritaer zu handeln versuchen.
Die Theologie hat auch eine bekehrende Funktion: Sie leitet die Vernunft zu dem einen Gott; dem Gott, der das Heil selbst ist.
Da das Ziel des Menschen letztlich die Liebe zu Gott ist und die Theologie die Offenbarung an die glaubensbereite Vernunft vermittelt, muss sie auch zur Liebe Gottes motivieren.
Bis zum Mittelalter gab es in der Theologie zwei Bereiche: Einerseits war die Theologie Wissenschaft (scientia) und vermittelte das Wort Gottes an die Vernunft, andererseits war sie Weisheit (sapientia), da sie die Vernunft auf Gott hin oeffnete. Durch die inhaltliche Erfassung des Glaubens fuehrte sie zur Erfassung seiner inneren Gestalt.
Von hier an beginnt aber das Mysterium Gottes. Die versenkende Meditation macht also dort weiter, wo die Theologie enden muss.
2. Die grundsaetzliche Bedeutung der Vernunft bei der Erkenntnis der Glaubenswahrheiten
“Ich glaube, um zu verstehen, und ich verstehe, um besser zu glauben.”10
Bereits im Schoepfungsglauben laesst sich die Vernuenftigkeit des Glaubens an Gott nachvollziehen. Menschen haben in der Regel eine tiefe Existenzangst, die sich nicht nur als etwas naturgegebenes erklaeren laesst. Diese Angst ist so grundlegend, dass es sich hier nur um die Angst handeln kann, Gott zu verlieren. Dies ist deshalb so dramatisch, da Gott grundlegend verschieden vom Menschen ist. Der Mensch kann von seiner Existenzangst also nur frei werden, wenn die Ursache seines Daseins in genau diesem personalen Schoepfergott zu finden ist. Waere Gott nur ein Geist, so etwas wie die Natur, die sich ihrer Vernuenftigkeit nicht bewusst ist, waere der Mensch mit seiner Existenzangst voellig auf sich alleine gestellt. Wer nicht glaubt, dass es Gott gibt, muss von der Interaktion von Natur und menschlicher Seele ausgehen. Dies schliesst aber menschliche Zuege wie Schuld, Vergebung oder Verantwortung aus, da eine klare Trennung zwischen Gott und dem Boesen in der Welt nicht mehr moeglich ist. Wer sich selbst sowohl als endliches als auch unendliches Wesen begreifen will, muss sich auch als Geschoepf Gottes verstehen. Wenn Menschsein gelingen will, muss es einen Bezug zu Gott haben. Eine Abwendung von Gott wuerde einen Verlust des eigenen Selbst bedeuten.
Wer sein Vertrauen und seinen Halt nicht mehr in Gott findet, sieht andere Menschen nur mehr als Konkurrenten im Ueberlebenskampf.
Der Glaube an Gott ist also unerlaesslich fuer ein gelingendes Leben – und fuer ein ewiges Leben. Welche Rolle spielt nun aber die Vernunft hierbei? Wieso muss christlicher Glaube ueberhaupt vernuenftig sein?
3. Die Rolle der Vernunft im Wandel der Geschichte
3.1 Mittelalter
Im Mittelalter sah sich die Christenheit noch als Einheit. Man hatte einen Glauben und war eine Kirche mit derselben Liturgie. Auch die Autoritaeten innerhalb der Kirche wurden voll und ganz akzeptiert und respektiert. Was das Verhaeltnis von Glaube und Vernunft anging, so war die Rollenverteilung hier klar: zwar sind beide voneinander abhaengig, doch galt folgendes: Fundament des Glaubens war Schrift, Tradition und kirchliches Lehramt. Diese Grundlage durfte der Glaube auch nicht verlassen, weswegen die Aufgabe der mittelalterlichen Theologie wesentlich in der Auslegung historischer Dokumente, meist auch durch kirchliche Autoritaeten aus der Vergangenheit, bestand.
Die Rolle der Vernunft war klar. In Beziehung zur irdischen Welt war sie selbstaendig, allerdings nicht ohne jegliche Grenzen. So war die Vernunft auch verwiesen auf Autoritaeten. Als etwas, das von Gott kommt, musste sich Vernunft Gottes Ordnung unterwerfen. Eine Ordnung, die sie letztlich allein zu bedenken hatte. Bestandteil dieser Ordnung war aber Offenbarung und dieser gegenueber war die Vernunft untergeordnet. Zwischen Glaube und Vernunft bestand also eine hierarchische Beziehung. Die Vernunft wurde als eine Art Vorzimmer des Glaubens gesehen. Sie bringt die Menschen bis zur Tuer des Glaubens hin, muss aber selbst draussen bleiben.
Die Theologie wurde als wesentliche Unterstuetzung fuer den Glauben gesehen. Bei den langsam aufkommenden Universitaeten galt sie als die Disziplin ueberhaupt. Sie stand auf derselben Stufe wie das weltliche Lehramt und die Staatsgewalt. Teilweise stand sie gar stellvertretend fuer das kirchliche Lehramt und erklaerte Glaubensaussagen fuer bindend.
In der mittelalterlichen Vorstellung umgab Gottes Wirklichkeit alles. Sie wurde als unendlich gesehen. Menschliche Vernunft ermoeglichte nun das Erkennen der weltlichen Ordnung, eben weil sie von Gott stammte. Als Vorstufe des Glaubens war es der Vernunft gar moeglich, bis an die Grenzen dieser weltlichen Ordnung zu gelangen. Hier aber trifft sie auf die goettliche Offenbarung und damit an ihre Grenzen. Erst durch diese Offenbarung gelangt der Mensch zur wahren Erkenntnis. Eine Erkenntnis, die die Vernunft mittels der Theologie nun methodisch analysieren, strukturieren und darstellen kann.
3.2 Aufklaerung
Bereits in der Renaissance (15. und 16. Jahrhundert) wurde an diesem Weltbild geruettelt. Neue Gedanken machten sich breit und erreichten im 17. und 18. Jh. enorme Bedeutung. Im 19. Jh. wurden sie schliesslich extremer. Diese neuen Gedanken wurden schliesslich als Aufklaerung bekannt.
In den letzten Jahrhunderten machte der Mensch ungeheuere Fortschritte auf dem Gebiet der Wissenschaft sowie viele neue Entdeckungen – inklusiv das Entdecken neuer Laender. Man hielt die menschlichen Faehigkeiten daher fuer unendlich.
Auch das Christentum hatte seinen Anteil an dieser Entwicklung. Die Reformation des 16. Jh. zerbrach die Einheit der Kirche und die Einheit der Theologie. Was frueher eine Kirche war, bestand nun in einer wachsenden Anzahl unterschiedlichster Konfessionen, die einander noch dazu bekaempften. Wie sollte aber eine zerbrochene Kirche ein geschlossenes Weltbild liefern? Und so machten sich die Menschen auf, mittels der Vernunft ihr eigenes Weltbild zu schaffen.
Es schien, als ob die Welt offen stand – und mit ihr ungeahnte Moeglichkeiten. Man musste nur den Mut aufbringen, den Fortschritt zu wagen. Die Grenzen, die seinerzeit die Vernunft gesetzt hatte, galten nicht mehr. Die mittelalterliche Vorstellung, dass Gott alles mit Seiner Wirklichkeit umgab, wurde verworfen. An ihre Stelle trat die Auffassung, dass die Welt alleine alles war. Dies markierte den Beginn der Saekularisierung.
Was bisher als verboten galt, wurde nun zur Tugend. Was bisher als unerforschbar galt, stand nun offen fuer menschliche Kuehnheit. Grundgedanke der Aufklaerung war, den Menschen aus seiner Unmuendigkeit zu befreien. Eine Unmuendigkeit, die darauf zurueckzufuehren war, dass die Menschen nicht ihren eigenen Verstand ohne die Fuehrung durch Autoritaeten gebrauchten. Eine Unmuendigkeit, die als selbstverschuldet galt, wenn ihre Ursache nicht der mangelnde Verstand, sondern der mangelnde Mut war, die Angst vor der eigenen Kuehnheit, sich frei und ohne Fuehrung seines eigenen Verstandes zu bedienen. Sapere aude! Hiess es seinerzeit – habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen! Feigheit und Faulheit wurden als Hauptursachen der eigenen Unmuendigkeit gesehen.
War die Vernunft im Mittelalter noch im Vorzimmer des Glaubens angesiedelt, wird sie nun zur Ueber-Instanz fuer alles – einschliesslich des Glaubens. Wo bisher die goettliche Offenbarung als Gegenstand religioesen Glaubens galt, zaehlt nunmehr nur das, was die Vernunft als glaubenswert betrachtete. Fuer eine Offenbarung, sollte es sie denn ueberhaupt jemals gegeben haben, war jetzt kein Platz mehr. Nur das, was sich vernuenftig rechtfertigen und begruenden liess, zaehlte von nun an. Ueberlieferte Uerzeugungen galten im Vergleich hierzu als minderwertig.
Man ging hierbei von der reinen Vernunft aus, die im Gegensatz zur praktischen Vernunft, die sich auf menschliches Handeln konzentriert, die Wirklichkeit der Welt erkennen will. Hier kommt ein Gott nicht vor, wie Immanuel Kant es ausdrueckte.
Somit wurde der Glaube auf die Vernunft verkuerzt – eine Entwicklung, die an der Theologie nicht spurlos vorueber ging. Zu Beginn der Aufklaerung war die christliche Vergangenheit noch zu lebendig, als dass die Vordenker dieser neuen Richtung Gott geleugnet haetten. Man sah Ihn aber nicht mehr als etwas von dieser Welt jenseitiges, sondern als etwas diese Welt bedingendes.
Im 19. Jh. schliesslich erklaerte man Gott als ueberfluessig. Der Mensch allein sollte das Denken bestimmen und Prinzip von Welt sein. Theologie, wie man sie bisher kannte, hatte hier keinen Platz mehr. Theologie galt als menschliches Wunschbild, das auf etwas von dieser Welt jenseitiges projieziert wurde. Der erste Vertreter dieser Auffassung war der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804 – 1872).
Die Aufklaerung sah die Vernunft als Taetigkeit des Verstandes an. Der Verstand arbeitete mit wissenschaftlichen Methoden und die Ergebnisse seiner Forschungen wurden als fuer immer und ewig gueltig betrachtet. Diese Theorie wurde aber von einigen Philosophen stark angezweifelt. Hierzu zaehlten Johann Gottlieb Fichte (1762 – 1814), Friedrich Wilhelm von Schelling (1775 – 1854), Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831). Ihnen wurde klar, dass man Vernunft von der freien menschlichen Selbstverwirklichung nicht trennen konnte. Diese Selbstverwirklichung muss aber immer in ihrem geschichtlichen Zusammenhang gesehen werden. Diese Haltung brachte dem Christentum auch den Vorwurf ein, ein gestoertes Verhaeltnis zur Geschichte zu haben. Ludwig Feuerbach und Karl Marx etwa gaben dem Offenbarungsglauben die Schuld dafuer, dass der Mensch sich selber entfremdet wurde. Die Vertroestung auf das Jenseits wuerde ihn daran hindern, das Paradies schon hier auf Erden zu verwirklichen. Der Mensch muesse sein Augenmerk also wieder der Welt und ihrer Geschichte zuwenden, um seine Entfremdung zu ueberwinden.
Die neuen Ideen der Aufklaerung hatten natuerlich auch Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Durch das Zerstoeren des alten Weltbildes gab es zwar zunaechst eine grosse Unsicherheit, diese wich jedoch schnell neuen schoepferischen Kraeften. Der mittelalterliche Mensch, der immer wusste, wohin er gehoerte und in einer beschaulichen kleinen Welt lebte sowie seinem Schicksal ausgeliefert war, war auf einmal auf sich alleine gestellt. Kreative Kraefte wie das Forschen, die Suche nach der Wahrheit sowie Kraefte sozialer Art wurden so freigesetzt. Dies kann zunaechst einmal als etwas durchaus Positives gesehen werden. Allerdings gab und gibt es bei dieser Entwicklung auch Schattenseiten wie etwa eine alles dominierende Technik, die keinerlei moralischen Standards mehr unterworfen ist. Die allseits propagierte Selbststaendigkeit und Selbstverantwortlichkeit brachte auch einen enormen Entscheidungsdruck mit sich. Ueberzeugungen und Weltanschauungen wurden nicht mehr von Generation zu Generation weitergegeben – etwa durch die Gesellschaft, die Kirche, durch Erziehung oder die Umwelt, sondern jeder kann sich seine Weltanschauung auf dem Markt der verschiedensten Ideen selbst zusammen suchen. Ein Einfluss der Religion auf die eigene Weltanschauung wurde geleugnet. Der Mensch war fuer sich selbst veranwortlich. Religion wurde buchstaeblich als sinnlos angesehen.
Laut dem amerikanischen Soziologen Peter L. Berger gibt es verschiedene Moeglichkeiten, wie Religionen mit einer solchen Situation umgehen koennen.
Zum einen kann man einfach am Althergebrachten festhalten und saemtliche Neuerungen ablehnen, um so allgemein und immer geltende Standards zu sichern.
Eine andere Alternative waere das andere Extrem: die voellige Anpassung an den Zeitgeist, was aber das Ende einer Religion bedeuten koennte, die sich dann gleichsam “in Luft aufloest”.
Schliesslich kann man sich fuer den Mittelweg entscheiden und eine ausgewogene Mischung aus moderner und traditioneller Erfahrung.
Fuer eine dieser drei Optionen muss sich die Kirche aber entscheiden, und genau das war das Problem zu Beginn der Neuzeit.
3.3 Reaktionen der Kirche
Die Reformation des 16. Jh. bedeutete einen ungeheuren Einschnitt fuer die Katholische Kirche. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie auf dem Konzil von Trient versuchte, ihre Position zu sichern und zu verteidigen. Waehrend des Barock kam es dann auch zu starken gegenreformatorischen Tendenzen. Dass sich das Denken in der Gesellschaft wesentlich veraenderte, wurde nur sehr langsam realisiert. Warum auch? Noch war das Bollwerk Kirche ungefaehrdet und widerstand allen Angriffen.
Dann kam es im 18. Jh. zur Franzoesischen Revolution, die alles veraenderte. Staat und Kirche wurden getrennt, und die Kirche stand zum ersten Mal alleine da und musste sehen, wie sie zurecht kam.
Die Saekularisierung griff schnell um sich. Die Kirche wehrte sich zunaechst mit allem, was ihr zur Verfuegung stand. Die erste von Bergers Optionen wurde schnell ergriffen. Das kirchliche Lehramt wollte nicht auf die Veraenderungen eingehen; man wollte eine Mauer zwischen sich und allem Neuen errichten.
Dieser Abschottung im Denken entsprach eine Verfestigung der kirchlichen Institutionen. Ihren Ausdruck fand diese Entwicklung dann im 1. Vatikanischen Konzil im Dogma der paepstlichen Unfehlbarkeit und die zentrale Rolle des Papstes, die sich im universalen Jurisdiktionsprimat zeigte, also in der Tatsache, dass er unmittelbar und direkt regierte.
Die Theologie war dem Lehramt untergeordnet und hatte gehorsam zu sein. Ihre Aufgabe war die Apologetik: die Verteidigung des Glaubens und das Verstaendlichmachen kirchlicher Dokumente. Ihre Aufgabe war es nicht, eigenmaechtig zu forschen.
Die Theologie der damaligen Zeit hatte sich eher an den “hohen” theologischen Schulen der Scholastik im Mittelalter zu orientieren. Zumindest war dies die Theorie. Tatsaechlich aber war nicht mehr der hl. Thomas Orientierungspunkt christlicher Theologie, sondern dessen Nachfolger, die ein eigenes System entwickelten. Dementsprechend redete man im 19. Jh. von der “Neuscholastik”. Hier ging man von den Glaubenssaetzen aus und kam zu immer neuen Schluessen. So entstand ein sehr komplexes Denkgebaeude, das zwar eine innere Logik aufwies, aber hinsichtlich gesellschaftlicher Veraenderungen hoechst unflexibel war. Die Antworten dieser Neuscholastik waren zwar richtig, die dahinterliegenden Fragen interessierten aber niemanden. Aktuelle Fragen wurden mit den Mitteln der Apologetik, der Glaubensverteidigung beantwortet.
Wenn man die Urspruenge christlicher Theologie betrachtet, stellt man fest, dass es das Bestreben war, Glaube und Vernunft in eine fruchtbare Verbindung zu bringen, das sie praegte und den Erfolg in der weltweiten Mission bescherte. Dieses Bestreben wurde nun zunichte gemacht. Statt der Auseinandersetzung mit den Ideen der Aufklaerung zog man sich zurueck und verteidigte die eigene Position. Von aussen betrachtet, sah es nun so aus, als ob fuer die Kirche Offenbarung und Vernunft zwei verschiedende Paar Schuhe waren. Anstatt zwischen Glaube und Vernunft sah man die Gegensaetze zwischen Tradition und Fortschritt, wobei der Tradition der Vorzug gewaehrt wurde. Aus der Kirche drohte ein Getto zu werden.
3.4 Erneuerungsbestrebungen
Manche Theologen wollten sich nun nicht auf diese Polarisierung von Tradition und Fortschritt einlassen. Tradition und Vergangenheit sind nicht allein deshalb schon zu bevorzugen, weil sie alt sind; ebenso wenig ist Neues nicht per se schon gut, weil es neu ist. Die Frage, die sie bewegte, war die nach den heute geltenden Werten. Fuer die Loesung dieser Frage aber wollte man sowohl die Tradition wie die Moderne gleichwertig zu Rate ziehen. Die Gefahr hierbei war aber, sich dennoch wieder auf einen der beiden Pole zu konzentrieren. Dies geschah etwa beim Modernismus. Seine Hauptvertreter: Alfred Loisy (1857 – 1940) und Georges Tyrell (1861 – 1909).
Modernisten hatten nun die Tendenz, zu vergessen, dass der Glaube ein Gnadengeschenk Gottes war und dass Dogma und Kirche ebenso uebernatuerlichen Ursprungs waren und neigten dazu, sich zu sehr auf die Gotteserfahrung zu konzentrieren, die allen Menschen zugaenglich war. Man ging zwar nicht so weit wie in der Aufklaerung, die die kritische Vernunft uebermaessig betonte, sprach aber durchaus von einer Art inneren Erfahrung, die der Mensch praktisch schon von Natur aus hatte. Eine Vermittlungstaetigkeit durch die Kirche sowie eine Polaritaet von Gott und Mensch war in dieser Denkweise kaum mehr vorstellbar.
Dieser Modernismus auf der einen Seite sowie eher traditionell eingestellte katholische Theologen auf der anderen verlangsamten die theologische wie die kirchliche Erneuerung.
Tatsache aber war auch, dass die christliche Tradition reichere Schatze barg, als die Neuscholastik wahrnehmen wollte.
Bereits am Beispiel des Hl. Thomas zeigt sich, dass der spaeter aufkommende Thomismus grundsaetzliche Unterschiede zum Denken seines Patrons aufwies. Der Neuthomismus und seine wichtigsten Vertretern, der Jesuit Joseph Marechal (1878 – 1944) und Pierre Rousselot (1878 – 1915) schliesslich wollten wieder eine Verbindung zwischen dem Denken des Hl. Thomas und der modernen Theologie herstellen.
Gleichzeitig aber erinnerte man sich auch an andere Stroemungen des Mittelalters wie die Moenchsorden, die die Traditionen der Kirchenvaeter bewahrt hatten. Theologen wie Romano Guardini (1885 – 1968) oder Vertreter der “Theologie Nouvelle” wiesen auf die enge Verbindung des heutigen Glaubens zum Denken der Kirchenvaeter hin. Deshalb koennen Glaubenswahrheiten erst richtig verstanden werden, wenn man zum Ursprung zurueck geht. Dieses Denken umfasste somit das gesamte christliche Erbe.
Diese Theologen wollten es aber nicht bei einer reinen Rueckschau belassen. Auch neuere Entwicklungen sollten beruecksichtigt werden. Eine fruchtbringende Verkuendigung des Glaubens erforderte auch ein Sorgen um die Menschen von heute.
Es kam nun zu etwas, was man mit der “anthropologischen Wende der Theologie” bezeichnete, eine Reform- und Erneuerungsbewegung, die sich auf den modernen Menschen konzentrierte. Die Philosophie wie die Theologie wandten sich der Realitaet des Glaubens zu und nahmen auch geschichtliche Erfahrungen der Zeitgenossen in ihr Denken auf.
Auch die Dogmatik naeherte sich der Gegenwart an und entwickelte Kriterien, wie die Menschen Wesen, Funktion und Werden der Glaubenssaetze verstehen konnten. In diesem Zusammenhang gewann auch die Hermeneutik, also die Auslegung von Texten, an Bedeutung.
Um diese Zeit begann auch der Oekumenismus Wurzeln zu fassen, was angesichts der in viele unterschiedliche Konfessionen in der Christenheit nicht verwunderlich war.
Auch die Art und Weise, wie man Kirche sah, aenderte sich. Was bisher als rein hierarchisches Gebilde wahrgenommen wurde, erkannte man nun als Gemeinschaft, die von Christus zusammengehalten wurde, ein gemeinsames Ziel hatte und sich dem Heil der Welt verpflichtet fuehlte – wenn auch in unterschiedlicher Art und Weise.
Ein weiteres wichtiges Thema nun: die Christologie – das Konzentrieren auf den Mensch gewordenen Christus.
Franzoesischsprachige Laender begannen eine “Theologie der irdischen Wirklichkeiten” (G. Thils) auszuarbeiten.
Ein weiters Novum: man begann den Laien wahrzunehmen.
Schliesslich setzte man sich endlich auch mit dem immer weiter um sich greifenden Atheismus auseinander.
Auch neben der Theologie gab es noch weitere Stroemungen: die Bibelbewegung etwa oder die liturgische Bewegung und die oekumenische Bewegung.
Eine weitere Entwicklung, die etwa Ende des 19. Jh. mit dem Philosophen Wilhelm Dilthey (1833 – 1911) begann, war die Unterscheidung in Natur- und Geisteswissenschaften. Hintergrund war die Vorstellung der Aufklaerung, dass nur das Bedeutung hatte, was zaehl-, wieg- und messbar war. Dies wurde zwar mittlerweile als falsch erkannt, die Frage war nun aber, wie man Wirklichkeiten bewerten sollte, die nicht dergestalt erfasst werden konnten, also etwa die Geschichte. Dilthey und andere gaben nun an, dass Naturwissenschaften die Gesetzmaessigkeit der Wirklichkeit erfassten, Geisteswissenschaften hingegen die inneren Zusammenhaenge der Geschichte erklaeren wollten. Hierfuer waren etwa Texte aus den jeweiligen Epochen und deren Analyse mittels der Hermeneutik, der Auslegungskunst, von Bedeutung. Aehnliches gilt fuer die Theologie, da ja auch die Offenbarung ein geschichtliches Zeugnis ist: die Heilige Schrift, die Dokumente von Paepsten, Konzilen, Kirchenvaetern und –lehrern usw. Bei ihrer Interpretation ist also auf den Zusammenhang und auf ihren inneren Zusammenhalt zu achten. Interpretation umfasst dabei nicht nur die Erkenntnis ueber den Inhalt eines Textes und dessen Autor, sondern fuehrte auch zur Selbsterkenntnis. Durch das Verstaendnis von anderen Zusammenhaengen beginnt man auch, sich selbst besser zu verstehen – ein Ziel von Gottes Wort. Die Hermeneutik wurde so ein wichtiger Bestandteil des theologischen Instrumentariums.
Ein weiterer Aspekt: Die Aufklaerung hatte enorme Auswirkungen auf die Theologie, die in der Folgezeit erst einmal zu reiner Apologetik erstarrte. Selbst nach der Neuscholastik reagierte die Theologie mehr als sie agierte. Man wurde sich deshalb schon bald der Notwendigkeit bewusst, die christliche Verkuendigung dem menschlichen Verstehensvermoegen anzupassen. Bald schon entwarf man erste Konzepte hierzu. Sowohl Humanwissenschaften wie gesellschaftliche Konzepte wurden hierbei beruecksichtigt. Johann B. Metz (geb. 1928) begruendete die “Politische Theologie” und betonte die wechselseitige Beeinflussung von Theologie und Gesellschaft.
Andere Theologien konzentrierten sich mehr auf gesellschaftliche Probleme, so etwa die “Theologie der Befreiung”.
Da aber all diese Theologien zeitgenoessisches Denken anzusprechen versuchten, stiessen sie teils auf heftigen Widerstand innerhalb der Kirche.
3.5 Das II. Vatikanische Konzil
Bisher fanden Kirchenversammlungen immer dann statt, wenn Irrlehren die Einheit der Kirche gefaehrdeten oder der Zeitgeist die Glaubensgemeinschaft angriff.
Das II. Vatikanische Konzil wurde u.a. von dogmatischen Fragen ueber die Offenbarung gepraegt, die ja in der Aufklaerung sehr in Frage gestellt wurde. Nun musste man sich damit auseinandersetzen, ob man bei den traditionellen Positionen bleiben oder auf die Fragen der Aufklaerung eingehen wollte.
Ein neuer Kurs wurde zum einen von der Entscheidung des Papstes fuer eine Zeitgemaessheit des Glaubens (Aggiornamento) wie von der Konzilserfahrung der Bischoefe bestimmt, die die Kirche als wahrhaft “katholisch” (universal) erfahren durften, als eine weltumspannende Kirche.
Das Konzil ging zum einen zu den Quellen zurueck, zum anderen ging man sowohl auf die moderne Forschung wie auf die moderne Theologie ein. Wesentlich war auch das Eingehen auf die Probleme und Fragen des heutigen Menschen (inklusiv der Anerkennung der Religionsfreiheit sowie der Bedeutung der Laien in der Kirche) sowie die Oekumene – hier vor allem das Verhaeltnis zu anderen christlichen Konfessionen, von denen einige Vertreter als Gaeste geladen waren.
Zusammengefasst laesst sich sagen, dass das II. Vatikanische Konzil Glauben und Vernunft bzw. Glauben und modernes Denken einander naeher bringen wollte. Ob dies tatsaechlich gelungen ist oder nicht eher zu Auswuechsen gefuehrt hat, die kaum im Sinne der Konzilsteilnehmer gewesen sein duerften, darueber scheiden sich heute die Geister.
Was bisher etwa eine einheitliche Interpretation der Bibel war, wurde nun zu einem Pluralismus verschiedener Interpretationen, die teilweise auch mit der Tradition brachen. Bedeutete das nun, dass die biblische Wahrheit relativiert wurde oder das die eine Wahrheit nur vielschichtig betrachtet wurde?
Bedeutete die anthropologische Wende nun, dass der Glaube saekularisiert und humanisisert wurde und das Christliche verlorenging oder war dies ein wesentlicher Schritt fuer die Mission?
Gab man mit den oekumenischen Bestrebungen die katholische Identitaet auf und verwaesserte den eigenen Glauben oder war dieser Dialog und der Kontakt zu anderen christlichen Konfessionen Ausdruck des katholischen Glaubens?
Hiess die Betonung des Gemeinschaftscharakters der Kirche nun, dass man aus der auf Christus hin geordneten und seit apostolischen Zeiten hierarchisch aufgebauten Kirche eine nach menschlichen Grundsaetzen und Denkmustern organisierten Demokratie machen wollte oder wurde so nicht eher herausgestellt, dass die Kirche das Volk Gottes ist?
Es gab also neue Pole: Traditionsverbundenheit auf der einen Seite und Hinwendung zur Welt auf der anderen. Auch wollte man lieber mit der heutigen Welt kommunizieren als einfach nur neue Dogmen aufzustellen.
Wie sich jedoch in nachkonziliarer Zeit zeigte, hielt diese lockere Atmosphaere zwischen Theologie und Lehramt nicht lange an und es gab und gibt immer wieder Spannungen.
4. Heutige Theologie
Gemeinsam ist heutigen Theologen die Bereitschaft, die Offenbarung den Menschen in der Kirche zu vermitteln, die hierfuer offen sind. Diese Vermittlung sowohl von Glaube wie von Offenbarung geschieht durch die Heilige Schrift, die Ueberlieferung, das Lehramt und den Glaubenssinn der Glaeubigen.
Viele Theologen nehmen den bei Kant uebriggebliebenen Ansatz fuer die Frage nach Gott wieder auf, um von hier aus auf die Bedeutung und Notwendigkeit des Gottesglaubens hinzuweisen. Diese Vorgehenseise ist rein anthropologisch, geht also vom Menschen aus und will aufzeigen, dass dieser Mensch von seinem innersten Wesen aus schon immer auf Gott hin orientiert ist und auch dieses Gottes bedarf. Man spricht hier von der “transzendentalen Theologie”.
Andere stimmen Kant zu: Ja, Gott steht jenseits von Vernunft, er befindet sich sozusagen ueber jeder Vernunft – oder ist die absolute Vernunft ueberhaupt. Dies aber nicht, weil Er unter vernuenftigen Gesichtspunkten nicht bestehen koennte, sondern weil die Vernunft nicht vor Ihm bestehen kann. Gott kann als der ganz Andere immer nur durch sich selbst ausgelegt werden. Diese Theologie wird auch “dialektische Theologie” genannt, da sie die goettliche Offenbarung als eine Verbindung von Gegensaetzen betrachtet, als eine Vereinigung von Gott und Mensch.
Wieder andere Theologen waehlen einen dritten Weg: Kant sprach im Zusammenhang mit der Aufklaerung von empirischen Erfahrungen, also Erfahrungen, die naturwissenschaftlicher Art sind. Der neue Ansatz ist nun, zu diesen Erfahrungen auch die inneren Erfahrungen der Menschen zu zaehlen, die neben der menschlichen Vernunft auch die Intuition gelten lassen. Diese Theologie wird aufgrund der ueber die rationale Welt hinaus gehenden Erfahrungen bzw. Erscheinungen “phaenomenologische Theologie” genannt. Sie sieht in der Offenbarung die Liebe des dreifaltigen Gottes. Ihre wichtigsten Vertreter sind Romano Guardini (1885 – 1968) und Urs von Balthasar.
Urs von Balthasar ist wohl eher dem Bereich “Offenbarung” zuzurechnen. Er ist wohl der einzige Theologe, der nicht die neue anthropologische Theologie mit ihrer Hinwendung zum Menschen vertreten hat, sondern sich vielmehr der meditativen Betrachtung der Tradition verschrieben hat. Wesentlicher Punkt bei ihm war die Herrlichkeit Gottes. Er konzentrierte sich auch nicht auf ein von der Vernunft getragenes Verstaendnis des Menschen, sondern auf die Offenbarung Gottes in Jesus Christus und deren Hoehepunkt in Jesu Kreuzestod.
Der Neuthomist Josef Marechal (1878 – 1944) ging auf ein auf ein anderes Thema ein: In der Scholastik gab es ja teilweise eine so starke Betonung der Eigenstaendigkeit von Gnade und Natur, dass man sich fragen musste, wofuer eine selbstaendige Natur eigentlich noch einer reinen Natur, also der Offenbarung, bedurfte. Marechal zeigte nun auf, dass der Mensch schon immer von der Natur her auf Gott hingeordnet ist. Somit entstand eine Einheit von Natur und Gnade, Glaube und Erfahrung, Offenbarung und Geschichte, Theologie und Philosophie.
Karl Rahner trat spaeter in Marechals Fussstapfen. Bei ihm kommen Offenbarung und menschliches Denken in eine Verbindung zueinander. Auch er betont die Bezogenenheit des Menschen auf Gott, ohne den er aufhoeren wuerde, Mensch zu sein.
Hans Kueng (geb. 1928) steht fuer eine Christologie von unten. Wer die Bibel verstehen wolle, muesse seiner Meinung nach auf das schauen, was Jesus selbst gesagt hat, also auf das Evangelium. Fuer ihn sind christlicher Glaube und Theologie Hilfen zum wahren Menschsein.
Die Theologie der Befreiung wiederum konzentrierte sich auf das Verhaeltnis von Theologie und gesellschaftlichem Handeln. Wenn die gesellschaftliche Lage dem Willen Gottes widerspricht, seien die Menschen zum Handeln verpflichtet. Gefordert war hier eine soziale Erneuerung mit christlichen Gesichtspunkten, getragen vom Evangelium.
4.1 Notwendigkeit eines von der Vernunft geleiteten Zugangs zum Glauben
“Der Glaube fuerchtet den Fortschritt der Wissenschaft nicht, wenn ihre Errungenschaften auf den Menschen, sein Wohlergehen und den Fortschritt der ganzen Menschheit ausgerichtet sind. (…) Sie [die Kirche] “wolle die Kraft der Vernunft und ihre Faehigkeit verteidigen, die Wahrheit zu erreichen.” Dabei habe sie erneut den Glauben als besondere Erkenntnisform vorgestellt, durch die man sich der Wahrheit der Offenbarung oeffne. Benedikt XVI. zitierte jene Stelle der Enzyklika, wo es heisst: “Es ist der Glaube, der die Vernunft dazu herausfordert, aus jedweder Isolation herauszutreten und fuer alles, was schoen, gut und wahr ist, etwas zu riskieren. So wird der Glaube zum ueberzeugten und ueberzeugenden Anwalt der Vernunft” (56) Und er fuegte hinzu, dass die Suche nach der Wahrheit vor allem dann Fruechte trage, wenn sie von der Liebe zur Wahrheit getragen sei. (…) Des Weiteren sei die Wissenschaft nicht in der Lage, ethische Prinzipien zu erarbeiten. Philosophie und Theologie seien somit unverzichtbare und notwendige Hilfen, um zu vermeiden, dass die Wissenschaft alleine auf einem gewundenem Weg voranschreite; auf einem Weg, der voller Gefahren sei und auf dem viel Unvorhergesehenes lauere. (…) Diesbezueglich erinnerte der Papst an die Lehre des heiligen Augustinus ueber den rechten Gebrauch der Vernunft. Er muesse auf die Wahrheit ausgerichtet sein, deren Verstaendlichkeit in der Schoepfung zu finden sei. (…) Die Vernunft entdecke auf diesem Weg, dass es eine Wahrheit gibt, die niemals aus sich selbst heraus entdeckt, sondern nur als Geschenk empfangen werden kann, so Benedikt XVI. Und es sei nicht so, dass sich die “Wahrheit der Offenbarung” gewissermassen ueber jene Wahrheit lege, die die Vernunft erreicht habe. Sie reinige vielmehr die Vernunft, erhebe sie und gestatte es ihr, ihren Raum zu erweitern, um sich in ein Forschungsfeld einzugliedern, das so unergruendlich ist wie das Geheimnis selbst. Die Wahrheit Christi uebertreffe jede andere Wahrheit, die die Vernunft finden koenne.”11
Die Offenbarung betrifft den ganzen Menschen und muss von ihm als ganze befuerwortet werden. Da der Mensch aber ein “vernunftbegabtes Wesen ist, muss die Offenbarung ihn auch als solches ansprechen. Umgekehrt muss sie auch mit und durch die Vernunft betrachtet werden koennen. Da die menschliche Vernunft aber eine geschichtliche ist, hat die Vermittlung der Offenbarung durch die Theologie genau darauf einzugehen. Die Frage hierbei ist aber, wie man das Verhaeltnis zwischen Offenbarung und geschichtlicher Wirklichkeit sieht. Lehnt man die geschichtliche Wirklichkeit voellig ab (wie in der Neuscholastik) oder waehlt man die voellige Anpassung des Offenbarungsglaubens an die gegenwaertige Realitaet. Ein wesentlicher Gesichtspunkt bei all dem gerade fuer die Theologie in Europa ist die Lage nach der Aufklaerung.
Ebenso ist die Geschichte durch die Brille der heutigen Philosophie zu betrachten. Schliesslich hat die Theologie bei der Beantwortung all dieser Fragen auch andere Wissenschaften zu Hilfe zu ziehen. Der einzelne Mensch ist hierbei sowohl als Individuum wie als jemand, der in einen geschichtlichen Zusammehang eingebunden ist, zu betrachten.
Wie haben Theologen der juengeren Geschichte die Frage nach einer Verbindung von christlicher Offenbarung und menschlicher Vernunft zu loesen versucht?
Einen Versuch einer Verbindung zwischen beiden machte etwa der protestantische Theologe Paul Tillich (1886 – 1965) mit seiner “Methode der Korrelation”. Er vertrat die Ansicht, dass die Vernunft erst mittels der Offenbarung zu sich selber sowie den Sinn der Geschichte findet. Erst vom Blickwinkel des Kreuzes Christi aus koenne die erloeste Vernunft die Geschichte neu betrachten.
Andere Theologen wiederum vertreten eine “personalistische Theologie”. Hier geht man davon aus, dass ein wesentlicher Bestandteil menschlicher Geschichte die Begegnung mit einer anderen Person ist. Entsprechend sei die Offenbarung anzusehen: Gott trifft in der Geschichte auf den Menschen.
Ein weiterer Gedankengang ist die Vorstellung einer Universalgeschichte, die sich sinnvoll entwickelt, so wie etwa Hegel dies beschreibt. Dementsprechend ermoeglicht die Offenbarungsbotschaft erst eine sinnvolle Deutung der Geschichte. Gemaess dieser Ansicht ist alles, was geschieht, Teil eines Ganzen, Teil einer Geschichte, deren Ausgang dem Menschen nicht zugaenglich ist. Umgekehrt ist aber nur von diesem Ausgang aus der einzelne Mensch wirklich zu erkennen. Diesen Ausgang kennt jedoch nur Gott und somit kann nur Er aus der Geschichte ein sinnvolles Ganzes machen. Somit kann nur Gott allein der Geschichte Sinn geben.
Tertullian, einer der Kirchenvaeter, hat einst darauf hingewiesen, dass unter allen Lebewesen allein der Mensch von Gott ein Gesetz erhalten hat. Er hat die Gabe zu verstehen und zu unterscheiden und in Freiheit vernunftgemaesse Entscheidungen zu treffen, dabei aber daran denken, dass er sich in all dem seinem Schoepfer unterzuordnen hat.12
“Glaube und Vernunft (Fides et ratio) sind wie die beiden Fluegel, mit denen sich der menschliche Geist zur Betrachtung der Wahrheit erhebt. Das Streben, die Wahrheit zu erkennen und letztlich ihn selbst zu erkennen, hat Gott dem Menschen ins Herz gesenkt, damit er dadurch, dass er Ihn erkennt und liebt, auch zur vollen Wahrheit ueber sich selbst gelangen koenne (vgl. Ex 33, 18; Ps 27 [26], 8-9; Ps 63 [62], 2-3; Joh 14, 8; 1 Joh 3, 2).”13
Johannes Paul II betonte in “Fides et ratio”, dass die Suche nach der Wahrheit zum Wesen des Menschen gehoert. Seine Vernunft bringt ihn dazu, nach der Ursache aller Dinge und nach ihrem Ziel zu fragen. Hier hat die Philosophie, die “Liebe zur Wahrheit” besondere Bedeutung gewonnen.
Die Vernunft sei dort angebracht, wo sie dazu beitraegt, das Leben der Menschen zu erleichtern und wuerdiger zu gestalten. Jedoch habe das Streben des Menschen nach der letzten Wahrheit trotz vieler positiver Ergebnisse in Bereichen wie der Anthropologie, der Logik, der Naturwissenschaften, der Geschichte und Sprache doch vergessen, dass es eine Wahrheit gibt, die den Menschen uebersteigt. Anhand des vielen Wissens sei es aber immer schwierieger gewirden, nach oben zu blicken, um zur Wahrheit des Seins zu gelangen. Auch die Philosophie habe sich zu sehr auf den Menschen selbst konzentriert. Dies fuehrte zu Richtungen wie den Agnostizismus und den Relativismus. Das Suchen nach der Wahrheit verlor sich in einem allgemeinem Skeptizismus. Anstatt einer gerechtfertigten Pluralitaet verschiedener Denkrichtungen gab es nun einen indifferenten Pluralismus, der davon ausgeht, dass alle Denkrichtungen gleich viel wert seien. Hier geht es nur mehr um verschiedene Meinungen. Antworten auf den letzten Sinn des Lebens konnte die Philosophie bisher nicht geben, was zu einer gewissen Skepsis gegenueber der Erkenntnisfaehigkeit der Menschen gefuehrt hat.
Bereits das I. Vatikanische Konzil hat gelehrt, dass es ausser der menschlichen Vernunft und der daraus erwachsenene Erkenntnis auch eine Erkenntnis gibt, die aus dem Glauben kommt und die die in Gott verborgenen und in der Offenbarung mitgeteilten Geheimnisse zugaenglich macht.
Durch den Glauben stimmt der Mensch der goettlichen Offenbarung zu, wie das II. Vatikanische Konzil lehrt, und diese Zustimmung bedarf der ganzen Person, also des Willen und des Verstandes.
Diese Offenbarung fuehrt in die menschliche Geschichte eine letzte Wahrheit ein, die den menschlichen Verstand fortwaehrend antreibt und ermutigt, sein Wissen zu erweitern.
Sie laesst ihn eine Wahrheit erkennen, die nicht einem auf die menschliche Vernunft zurueckzufuehrendem Denken entspringt, sondern bringt dieses Denken vielmehr hervor und will als Zeichen der Liebe angenommen werden.
Das Verhaeltnis von Glaube und Vernunft zeigt sich in der Heiligen Schrift vor allem in den Weisheitsbuechern. Hier ist nicht nur der Glaube Israels zu finden, sondern auch ein reiches Wissen untergegangener Kulturen. So liest man etwa in Sir 14,20-27: “Wohl dem Menschen, der nachsinnt ueber die Weisheit, der sich bemueht um Einsicht, der seinen Sinn richtet auf ihre Wege und auf ihre Pfade achtet, der ihr nachgeht wie ein Spaeher und an ihren Eingaengen lauert, der durch ihre Fenster schaut und an ihren Tueren horcht, der sich bei ihrem Haus niederlaesst und seine Zeltstricke an ihrer Mauer befestigt, der neben ihr sein Zelt aufstellt und so eine gute Wohnung hat, der sein Nest in ihr Laub baut und in ihren Zweigen die Nacht verbringt, der sich in ihrem Schatten vor der Hitze verbirgt und im Schutze ihres Hauses wohnt.”
Der sehnliche Wunsch nach Erkenntnis ist hier ein Wesensmerkmal, das alle Menschen vereint. Alle Menschen, ob sie nun glauben oder nicht, koennen “schoepfen im tiefen Wasser” (vgl. Spr 20,5).
Gemaess den biblischen Aussagen gibt es zwischen der Vernunfterkenntnis und der Glaubenserkenntnis eine tiefe Einheit, die sich auch nicht trennen laesst. Man kann alles in der Welt mit den Mitteln der Vernunft erforschen und analysieren, was aber keinesfalls heisst, dass der Glaube aussen vor bleiben muss. Er beschraenkt die Vernunft aber nicht, sondern zeigt dem Menschen auf, dass sie Gott in all dem, was sie hier erforschen und analysieren, erkennen koennen. Weder die Welt noch ihre Geschichte kann erkannt werden, ohne gleichzeitig an den zu glauben, der in all dem zu erkennen ist: Gott.
“Des Menschen Herz plant seinen Weg, doch der Herr lenkt seinen Schritt” heisst es in Spr 16,9. Der Mensch kann mit seiner Vernunft also den Weg erkennen, zuegig und ohne Schwierigkeiten zu Ende gehen kann er ihn aber nur im Glauben an Gott. Wer Vernunft und Glaube trennt, riskiert daher, weder sich selbst, die Welt oder Gott erkennen zu koennen.
Vernunft und Glaube konkurrieren nicht miteinander. “Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verhuellen, des Koenigs Ehre ist es, eine Sache zu erforschen.” (Spr 25,2). In Gott findet alles seinen Ursprung, der Mensch forscht mit seiner Vernunft nach der Wahrheit. “Wie schwierig sind fuer mich, o Gott, deine Gedanken, wie gewaltig ist ihre Zahl! Wollte ich sie zaehlen, es waeren mehr als der Sand. Kaeme ich bis zum Ende, waere ich noch immer bei dir.” heisst es in Ps 139,17-18.
Israel konnte in der Offenbarung all das ergruenden, was es mit der menschlichen Vernunft nicht erkennen konnte. Gleichzeitig hat das auserwaehlte Volk begriffen, dass es einige Regeln in Zusammenhang mit dieser Vernunft gibt, um deren Natur ausdruecken zu koennen. Zum einen kennt das menschliche Erkennen kein Stehenbleiben, ferner darf der eigene Hochmut nicht zu dem Irrglauben fuehren, das bisher Erreichte sei ein Produkt persoenlicher Anstrengung, schliesslich muss die Vernunft begreifen, dass der transzendente Gott souveraen ist, also ueber den Dingen steht und diese Welt mit Seiner unendlichen Liebe fuehrt und leitet.
Missachtet der Mensch diese Regeln, kann er scheitern, was lebensbedrohliche Folgen haben kann. Der Mensch ist dann wie ein Tor und denkt, er wisse viel, kann aber das Wesentliche in all dem nicht erkennen und ebensowenig Ordnung in seinen Verstand bringen (vgl. Spr 1,7). Behauptet er dann schliesslich “Es gibt keinen Gott” (Ps 14,1), zeigt er damit nur, wie unzulaenglich das vermeintliche Wissen doch ist und wieviel ihn doch von der vollen Wahrheit trennt. Der Wahrheit ueber die Dinge, ihren Ursprung und ihre Bestimmung.
Im 13. Kapitel des Buches der Weisheit ist die Rede davon, dass sich Gott auch durch die Natur erkennen laesst. So wurde in der Antike das Studium der Naturwissenschaften meist auch mit dem philosophischen Wissen verbunden. Zunaechst heisst es hier, dass der Mensch mittels seines Verstandes in der Lage ist, “den Aufbau der Welt und das Wirken der elemente, … den Kreislauf der Jahre und die Stellung der Sterne, die Natur der Tiere und die Wildheit der Raubtiere” zu verstehen (Weish 7, 17. 19-20), also Philosophie zu betreiben. Dann gibt es im Text aber eine Wende und der Verfasser weist darauf hin, dass man sehr wohl auch den Schoepfergott durch das vernuenftige Nachdenken ueber die Natur erkennen koenne: “Denn von der Groesse und Schoenheit der Geschoepfe laesst sich auf ihren Schoepfer schliessen” (Weish 13,5). Das heisst nichts anderes, als dass die erste Stufe der Offenbarung sozusagen die Natur selbst ist. Selbst aus und in ihr kann der Mensch den Schoepfer erkennen.
Nun erhaelt die Vernunft hier zwar eine bestimmte Wuerdigung, aber es werden auch Grenzen klar. Ihr zuviel Wert beizumessen, waere unangebracht. Wahre Bedeutung erhaelt sie erst durch den Glauben: “Der Herr lenkt die Schritte eines jeden. Wie koennte der Mensch seinen Weg verstehen?” (Spr 20,24). Der Glaube befreit die Vernunft, weil sie durch ihn den Gegenstand ihrer Erkenntnis konsequent erreichen und in den goettlichen “Gottesfurcht ist der Anfang der Erkenntnis” (Spr 1, 7; vgl. Sir 1, 14). “Erwirb dir Weisheit, erwirb dir Einsicht” (Spr 4, 5) [21-23].
Das Alte Testament offenbart, dass der Mensch nicht nur erkennt, weil er sorgfaeltig beobachtet, sondern weil er glaubt und eine enge Beziehung zu den Inhalten der Offenbarung hat.
Diese Offenbarung erlaubt wahre Erkenntnis, da sie der Vernunft den Zugang zur Unendlichkeit ermoeglicht und ihm neue Horizonte eroeffnet, auch wenn dies fuer den beschaenkten menschlichen Verstand oft mit grosser Anstrengung verbunden ist (vgl. Spr. 30, 1-6). Der Glaubende jedoch schreitet weiter fort auf seinem Weg zur Wahrheit, denn dazu hat ihn Gott berufen (vgl. Koh 1, 13).
Auch der hl. Paulus geht auf dieses Thema ein. Die “Augen des Verstandes” koennen durch die Schoepfung Gott erkennen (vgl. Roem 1, 20). Offensichtlich kann die menschliche Vernunft ueber ihre natuerlichen Grenzen hinaus gehen.
Die Leichtigkeit jedoch, mit der der Mensch Gottes Schoepfung zufolge die sinnliche Welt uebersteigen und zum Schoepfer selbst gelangen sollte, ging durch den Suendenfall verloren. Im Garten Eden stand “der Baum der Erkenntnis von Gut und Boese” (Gen 2, 17). Von sich aus konnte der Mensch also nicht zwischen Gut und Boese unterscheiden. Er brauchte hierfuer etwas Hoeheres. Aufgrund von Taeuschung und Ueberheblichkeit dachten Adam und Eva, sie wuerden die Erkenntnis, die von Gott stammt, nicht mehr brauchen, da sie ja unabhaengig seien. Durch ihren Ungehorsam wurden all ihre Nachkommen daran gehindert, den Weg zur vollen Wahrheit zu erkennen. Wegen der Suende wurde das Denken der Menschen “nichtig” und entstellt (vgl. Roem 1, 21-22). Die Klarheit des Verstandes wurde getruebt. Jesu Menschwerdung jedoch befreite die Vernunft von den Fesseln, die sie sich selbst angelegt hatte.
In den Briefen des hl. Paulus zeigt sich ein Gegensatz zwischen “Weisheit dieser Welt” und der Weisheit Gottes, die ihre Offenbarung in Jesus Christus fand. Am Beispiel Jesu zeit sich, wie nutzlos alle Versuche menschlicher Vernunft sind, den Sinn des Lebens erklaeren zu wollen. Jesu Tod am Kreuz machte jeden Versuch, den Heilsplan Gottes durch menschliche Logik erklaeren zu wollen, unsinnig. “Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortfuehrer in dieser Welt? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt?” (1 Kor 1, 20). Der hl. Paulus betont das, was menschliche Weisheit nicht akzeptieren will: “Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark” (2 Kor 12, 10). Mit einem Paradoxon drueckt Paulus den Hoehepunkt seiner Lehre aus: “Gott hat in der Welt das, was nichts ist, erwaehlt, um das, was etwas ist, zu vernichten” (1 Kor 1, 28). Er verdeutlicht, dass sich am Kreuz die ungeschuldete Liebe Jesu geoffenbart hat. Das Kreuz kann die Antwort geben, nach der die Vernunft sucht. Das Kreuz fordert auf, sich der Universalitaet der Wahrheit zu oeffnen.
Als Paulus nach Athen, der Stadt der Philosophen kam, sah er einen Altar und erkannte darin eine gemeinsame Grundlage, auf der aufbauend er mit der Verkuendigung des Glaubens beginnen konnte: “Athener, nach allem, was ich sehe, seid ihr besonders fromme Menschen. Denn als ich umherging und mir eure Heiligtuemer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: Einem unbekannten Gott. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkuende ich euch” (Apg 17, 22-23). Er faehrt fort, von Gott zu erzaehlen – dem Gott, der alles erschaffen hat und allem Leben gibt. “Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat fuer sie bestimme Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgelegt. Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden koennten; denn keinem von uns ist er fern” (Apg 17, 26-27).
Tief im Herz des Menschen findet sich die Sehnsucht nach Gott. Um es mit den Worten der Karfreitagsliturgie zu sagen: “Allmaechtiger, ewiger Gott, du hast eine so tiefe Sehnsucht nach dir ins Herz des Menschen gesenkt, dass sie erst Frieden haben, wenn sie dich finden”.14 Der Mensch kann demnach einen Weg gehen, der mit der Vernunft beginnt und ueber die reine Zufaelligkeit dem Unendlichen zustrebt.
Bereits Aristoteles hat festgestellt, dass alle Menschen nach Wissen streben. Wahrheit ist dabei das Schluesselwort.
Der Mensch besitzt Wissen – und im Gegensatz zur gesamten uebrigen Schoepfung ist er sich dieses Wissens auch bewusst. Genau deshalb ist er auf der Suche nach der Wahrheit. Um es mit den Worten des hl Augustinus zu sagen: “Ich habe manchen gefunden, der andere taeuschen wollte, aber keinen, der getaeuscht werden wollte”.15 So wird auch die Faehigkeit, zwischen wahr und unwahr zu entscheiden, als Kriterium fuer das Erwachsensein gesehen.
Nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis ist bei diesem Wissensdrang von Bedeutung. Sittliches Handeln ist ein Mittel zur Vollkommenheit. Auch hier ist Wahrheit das Schluesselwort.
Eine der Formen, in der der Mensch nach der Wahrheit sucht ist etwa die Frage nach dem Sinn des Lebens. Zunaechst erscheint dieses Leben vielleicht als sinnlos und absurd. So zweifelt auch Ijob am Sinn des Lebens. Angesichts des unvermeidlichen Todes verstaerkt sich dieses Zweifeln am Sinn des Lebens noch. Die Suche nach der Wahrheit ueber das Leben und das Ende – und was danach kommt - wird zu einer zentralen Frage menschlichen Denkens.
Bei der Antwort hierauf stellt sich eine neue Frage: kann es eine absolute Wahrheit geben? Einen absoluten Sinn? Eine letzte Ursache aller Dinge? Bewusst oder unbewusst sehnen sich alle Menschen nach dieser letzten Wahrheit, dem absoluten Sinn und der letzten Ursache – nach etwas Stabilen, das keine Zweifel mehr zulaesst.
Da die Vernunft des Menschen begrenzt ist und sein Herz unbestaendig sowie widerspruechliche Interessen mit der Wahrheitssuche konkurrieren, sind aber seiner Wahrheitssuche Grenzen gesetzt. Und kaum hat man einen kurzen Blick auf diese Wahrheit erhascht, laeuft man vor den Konsequenzen, die sie mit sich bringen koennte, davon.
Die Suche nach der Wahrheit ist also tief im Menschen verwurzelt. Eine derart tiefe Verwurzelung laesst es jedoch als undenkbar erscheinen, dass diese Suche nutzlos bzw. umsonst sei. Dies ist aber bereits der Beginn einer Antwort: der Mensch wuerde nicht suchen, was er nicht finden koennte oder von dem er gar nichts wuesste. Allein die Hoffnung, tatsaechlich eine Antwort zu bekommen, laesst ihn mit der Suche beginnen.
Aehnliches gilt fuer die Suche nach den letzten Dingen.
Der Mensch sucht nach einer jenseitigen Wahrheit, die ihm den Sinn des Lebens verdeutlichen kann. Gleichzeitig hat er die ihm innewohnenden Faehigkeiten, diese Wahrheit zu erkennen, wenn sie ihm begegnet. Dies erreicht er aber nicht allein durch seine Vernunft, sondern indem er sein Vertrauen in andere Menschen setzt.
Die Vernunft bedarf des Dialogs und der aufrichtigen Freundschaft. Die Wahrheit, die diese menschliche Vernunft im Rahmen etwa der Philosophie sucht, steht keineswegs im Widerspruch zur geoffenbarten Wahrheit. Der Gott, der die Welt erschaffen hat, ist auch der Gott der Heilsgeschichte. Die Einheit der natuerlichen und der geoffenbarten Wahrheit zeigt sich in Jesus Christus. “Die Wahrheit ist in Christus” (vgl. Eph 4, 21; Kol 1, 15-20). Jesus ist sowohl das ewige wie das fleischgewordene Wort. Er offenbart d19en Vater (vgl. Joh 1, 14.18).16 Die menschliche Vernunft sucht etwas, “ohne es zu kennen” (Apg 17, 23). Sie kann diese Wahrheit nur durch Christus finden. In Jesus Christus offenbart sich die “volle Wahrheit” (vgl. Joh 1, 14-16). Jedes Wesen findet in Ihm seine Vollendung (vgl. Kol 1, 17).
Die christliche Verkuendigung musste sich von Anfang an mit philosophischen Stroemungen auseinandersetzen. In Apg 17, 18 liest man etwa, dass der hl. Paulus mit “einigen epikureischen und stoischen Philosophen” diskutierte. Es war unerlaesslich, wollte man denn von den Heiden verstanden werden, dass man es bei Hinweisen auf “Moses und die Propheten” beliess, sondern sich auf das moralische Gewissen der Menschen stuetzte (vgl. Roem 1, 19-21; 2, 14-15; Apg 14, 14-16). Diese natuerliche Erkenntnis verkam aber bei den Heiden zum Goetzendienst (vgl. Roem 1, 21-32). Deshalb ging der hl. Paulus auf das philosophische Denken ein.
Diese Philosophie hatte sehr viel mit der Praxis zu tun und war eine Art Lebensschule. Leicht wurde sie verwechselt mit einer Art hoeherer, esoterischer Erkenntnis, die nur fuer wenige bestimmt war. So warnt der hl. Paulus die Kolosser: “Gebt acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verfuehrt, die sich nur auf menschliche Ueberlieferung stuetzen und sich auf die Elementarmaechte der Welt, nicht auf Christus berufen” (2, 8).
So wandten sich auch Kirchenvaeter wie der hl. Irenaeus und Tertullian gegen Versuche, die Wahrheit der Offenbarung der menschlichen Philosophie unterzuordnen.
Das Christentum zeichnete sich dadurch aus, dass es Trennungen aufgrund von Rasse, sozialen Stand und Rasse beseitigte. So war auch die Wahrheitssuche nicht mehr etwas, das nur fuer einen elitaeren Zirkel vorbehalten war. Die Wahrheit ermoeglicht es, zu Gott zu gelangen. Dementsprechend muessen auch alle Menschen diesen Weg gehen koennen.
Die ersten Annaeherungen zur Philosophie machte der hl. Justin, gefolgt von Clemens Alexandrinus, der das Evangelium die “wahre Philosophie” nannte, eine Art Vorstufe zum christlichen Glauben und zum Evangelium. Er sah die Hauptaufgabe der Philosophie in der Verteidigung des Glaubens: “In sich vollendet und keiner Ergaenzung beduerftig ist die Lehre im Sinne des Erloesers, da sie goettliche Kraft und Weisheit ist. Wenn aber die griechische Weisheit hinzukommt, so macht sie die Wahrheit zwar nicht wirksamer, aber weil sie die sophistischen Angriffe gegen die Wahrheit abwehrt, ist sie mit Recht Zaun und Mauer des Weinbergs genannt worden”.17
Origines war einer der ersten christlichen Denker, der das philosophische Denken in kritischer Art und Weise uebernommen hat. Er verwendete das platonische Denken und entwickelte zum ersten Mal so etwas wie eine christliche Theologie. Theologie in der christlichen Lehre bezeichnete fortan das Nachdenken, das der Glaeubige vollzog, um zur wahren Lehre ueber Gott zu kommen.
Erwaehnt werden sollten an dieser Stelle auch Dionysios, Areopagita und besonders der hl. Augustinus. Er, der zum Bischof von Hippo wurde, verband zum ersten Mal philosophisches und theologisches Denken und darin eingeschlossen griechisches und lateinisches Denken.
“Eine Frage, die Augustinus zeit seines Lebens sehr beschaeftigt hat, war die des Verheltnisses zwischen Glaube und Vernunft. Er betonte, dass der Glaube der Vernunft niemals entbehren duerfe, aber auch umgekehrt die Vernunft den Glauben braucht. Der Einklang zwischen Glaube und Vernunft ist noetig, um in der Erkenntnis Gottes voranzuschreiten und das Ziel des ewigen Heils zu erreichen. Die innere Wechselbeziehung von Glaube und Vernunft laesst uns bewusst werden, dass Gott im Innersten unseres Ichs erkannt und gefunden werden kann”. 18
Die Kirchenvaeter erkannten, dass die Vernunft fuer das Absolute offen war und verbanden sie mit dem Reichtum der Offenbarung. Diese Verbindung geschah nicht nur auf kultureller Ebene, sondern ebenso in den Koepfen und Herzen der Menschen. Die Vernunft ueberschritt ihre naturgegebenen Grenzen und konnte in der Person Jesu zur hoechsten Wahrheit gelangen. Die Kirchenvaeter zeigten aber nicht nur Gemeinsamkeiten auf, sondern wiesen auch auf Verschiedenheiten hinsichtlich der Offenbarung hin.
Anselm von Canterbury sorgte schliesslich dafuer, dass in der scholastischen Theologie durch den Anstoss der Interpretation des intellectus fidei die Bedeutung der philosophisch geschulten Vernunft wuchs. Er war der Ansicht, dass der Glaube nicht mit der Wahrheitssuche der Vernunft konkurrierte. Es sei ja nicht Aufgabe der Vernunft, Glaubensinhalte zu bewerten, sondern einen Sinn zu finden und ein Verstaendnis fuer Glaubensinhalte zu erleichtern. Der Verstand muesse das suchen, was er liebt. Diese Liebe treibe ihn auch danach, sich nach der Erkenntnis zu sehnen.
Ebenso zu erwaehnen sei an dieser Stelle der hl. Thomas von Aquin. Er betonte die Harmonie zwischen Glaube und Vernunft aufgrund der Tatsache, dass beide von Gott kommen. Die Natur, ihrerseits Gegenstand der Philosophie, koenne zum Verstehen der goettlichen Offenbarung beitragen. Der Glaube kann also durchaus auf die Vernunft vertrauen. Er setzt die Vernunft voraus und vollendet sie. Wenn die Vernunft Glaubensinhalten zustimmt, erniedrigt sie sich dadurch keineswegs, sondern sie entscheidet sich aus freiem Willen zu diesem Schritt.
Deshalb galt der hl Thomas seit jeher als der Lehrmeister des Glaubens.
Der hl. Thomas erkannte auch die Rolle des Heiligen Geistes bei der Reifung des menschlichen Wissens hin zur Weisheit. Die Weisheit erkennt, weil sie von Natur aus verwandt ist (Konnaturalitaet). Voraussetzung hierfuer ist der Glaube. Ihr Urteil trifft sie von der Wahrheit des Glaubens her. “Die Weisheit, die zu den Gaben des Heiligen Geistes zaehlt, unterscheidet sich von jener (Klugheit), den zu den Tugenden des Verstandes gehoert. Diese letztere naemlich erwirbt man sich durch das Studium: jene hingegen “kommt von oben”, wie es der heilige Jakobus ausdrueckt. So ist sie auch verschieden vom Glauben. Denn der Glaube nimmt die goettliche Wahrheit so an, wie sie ist: Eigenart der Gabe der Weisheit ist es hingegen, genaess der goettlichen Wahrheit zu urteilen”.19
Thomas anerkannte das Vorhandensein zweier Weisheitsformen, die einander ergaenzen: die philosophische Weisheit, die mit dem menschlichen Verstand innerhalb der Grenzen der Wirklichkeit forscht und die theologische Weisheit, die ihren Ursprung in der Offenbarung hat und die durch das Ueberpruefen von Glaubensinhalten zu Gott vordringt.
Als die ersten Universitaeten entstanden, musste sich die Theologie wohl oder uebel mit dem Forschen und dem wissenschaftlichen Wissen auseinandersetzen. So waren auch der hl. Albertus Magnus und der hl. Thomas die ersten die anerkannten, dass die Philosophie und die neuen Wissenschaften autonom waren – obwohl sie weiterhin die Bedeutung der Verbindung von Glaube und Vernunft betonten. Im spaeten Mittelalter kam es dann zu einer unseligen Trennung von Glaube und Vernunft. Extrem rationalistische Auffassungen kamen auf, was schliesslich dazu fuehrt, dass die Philosophie voellig autonom von den Glaubensinhalten wurde. Auf der anderen Seite wuchs das Misstrauen gegenueber der Vernunft.
Letztlich kam die Philosophie an einen Punkt an dem sie in Gegensatz zur christlichen Offenbarung stand. Diese Bewegung erreichte im 19. Jh. ihren Hoehepunkt. So gab es sogar Versuche, den christlichen Glauben sowie den Tod und die Auferstehung Christi dialektisch zu strukturieren. Auf der anderen Seite gab es Formen des atheistischen Humanismus, der den Glauben als schaedlich und entfremdend fuer die Vernunft hielt. Sie erhoben sich sogar in den Status von neuen Religionen, was auf gesellschaftpolitischer Ebene zu totalitaeren Systemen fuehrte.
In der Wissenschaft griff der Positivismus um sich, der sich streng von christlichen Weltanschauungen, Metaphysik und Moral distanzierte. Schnell laeuft man so Gefahr, nicht mehr den Menschen im Mittelpunkt des Forschens zu sehen. Manche Forscher sahen sich bzw. die Wissenschaft gar als ueber der Natur und dem Menschen stehend an
Aus der Krise des Rationalismus entstand dann der Nihilismus, die Philosophie vom Nichts. Sie vertraten die Ansicht, dass die Suche bereits alles sei und es keine Aussicht und keine Hoffnung gebe, jemals die Wahrheit zu finden. Im Dasein sollen allein fluechtige Eindruecke und Erfahrungen gesammelt werden. Niemand muss mehr wirkliche Verantwortung uebernemen, da ja sowieso alles vergaenglich und damit vorlaeufig ist.
Allerdings hat sich auch die Rolle der Philosophie veraendert – vom universalen Wissen hin zu einer unter vielen Wissensgebieten. Teils wurde sie angesichts anderer Formen von Vernuenftigkeit sogar zur Nebensache. Vernunft diente nicht mehr der Suche nach der Wahrheit und dem Sinn des Lebens, sondern dem Genuss und der Macht.
Man suchte nicht mehr die Wahrheit an sich, sondern subjektive Gewissheit und praktische Nuetzlichkeit.
Die Vernunft, die sich von der Offenbarung getrennt hat, ist unselige und gefaehrliche Wege gegangen und dabei riskiert, das Ziel aus den Augen zu verlieren. Der Glaube jedoch, der die Vernunft hinter sich laesst, betont nur Emotionen und Erfahrungen und riskiert damit, kein universals Angebot mehr zu sein. Nur weil die Vernunft schwaecher ist, wird der Glaube deshalb noch lange nicht staerker und ueberzeugender, sondern verkommt so schnell zum Mythos oder Aberglauben.
So hat Johannes Paul II. auch gefordert, dass der parresia (Freimuetigkeit) des Glaubens die Kuehnheit der Vernunft entsprechen muss.
Das Lehramt hat hierbei die Aufgabe, einzugreifen, wenn philosophische Ueberzeugungen dazu fuehren, dass die Offenbarung nicht mehr richtig verstanden wird und irrige Theorien verkuendet werden und die Reinheit des Glaubens verwirren.
Es muss deshalb klar darauf hinweisen, welche philosophischen Auffassungen nicht mit der Offenbarung uebereinstimmen und die Forderungen herauszustellen, die die Philosophie unter Gesichtspunkten des Glaubens unterliegt.
Die Philosophie hat somit die recta ratio zu beachten, d.h. ueber die Wahrheit in rechter Weise nachzudenken.
Das Lehramt will die Philosophie aber nicht einschraenken, sondern es sogar ermutigen.
Ebenso gab es immer wieder die Tendenz, dass Katholiken den modernen Denkstroemungen ihre eigene Philosophie entgegensetzten und so manchmal ebenfalls irrige Wege einschlugen. Auch hier gab und gibt es die Verpflichtung des Lehramtes, einzugreifen. Zensuren ergingen etwa gegen den Fideismus, den radikalen Traditionalismus – beide deshalb, weil sie der menschlichen Vernunft zu sehr misstrauten; gegen den Rationalismus und den Ontologismus, weil sie der menschlichen Vernunft etwas zutrauten, was nur im Lichte des Glaubens erkannt werden kann. Diese Debatte wurde auf dem I. Vatikanischen Konzil in der Konstitution Dei Filius festgehalten, wo zum ersten Mal in die Beziehung von Vernunft und Glaube eingegriffen wurde.
Bischof Gerhard Ludwig Mueller erklaerte in einer Vorlesung in Regensburg im Mai 2008, dass eine Verneinung der Transzendenz gefaehrlich sei, was sich unschwer aus der Geschichte dokumentieren liesse: Eine Vergoetzung des Menschen fuehrt zu totalitaeren Systemen. Das Recht des Staerkeren vernichte das christliche Menschenbild. Ein Relativismus in Bezug auf die Wahrheit sei nicht nur eine philosophische Denkrichtung, sondern fuehre zur Intoleranz gegenueber Gott. Religioese Aussagen wuerden dann nur mehr als Auffassungen einer religioesen Subkultur angesehen. Gott werde zum “Ideal” zur Erbauung und Paedagogisierung und Jesus zum “Fall” mit Vorbildfunktion. Die Kirche sei dann eine Art Verein, ein freier Zusammenschluss mit Menschen, die die gleichen subjektiven religioesen Anschauungen haetten. Eine Vernunft der Aufklaerung erklaere sich selbst zum Gott und vertritt die Meinung, dass der Mensch sich selbst genug sei. Wir sind jedoch vernunftbegate Wesen und muessen Gott nicht vor der Vernunft verstecken. Gott, das allumgreifende LOGOS habe sie schliesslich geschaffen und kann uns ueberhaupt erst zu Erfahrung und Erkenntnis bringen. Eine Vernunft ohne Bezug zu Gott koenne nicht einmal selbst denken. Pluralismus und Saekularismus wuerden den Menschen bedienen, der ohne Gott leben will, damit er keinen Regeln unterliegt. Die Welt brauche aber eine Vernunft, die dem Goettlichen gegenueber nicht gleichgueltig sei. Der Glaube habe vielmehr von der Vernunft und die Vernunft vom Glauben zu lernen, wie bereits Papst Benedikt XVI feststellte. Die Vernunft koenne auch eine ordnende und reinigende Funktion haben. Sie sei jedoch nicht der Religion zur Seite gestellt, sondern habe ihren Ursprung in Gott.20
So ist es etwa Aufgabe der Fundamentaltheologie, Rechenschaft ueber den Glauben und seine Beziehung zur Philosophie abzuliefern. Manche Wahrheiten sind auf dem natuerlichen Weg erkennbar – un damit auch auf dem philosophischen. So kann der Gaube der Vernunft den Weg weisen.
4.1.1 Glaubensbegruendung21
“Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfuellt” (1 Pet 3, 15)22
Es ist nicht genug, dass Glaeubige sich irgendwie hoffnungsvoll fuehlen und hoffen, dass dieses Gefuehl ansteckend wirkt. Der hl. Petrus will, dass Christen Rechenschaft ueber ihren Glauben ablegen und diesen auch verteidigen. Dass sie aufweisen, dass seine Fundamente unerschuetterlich sind, da sie sich auf die ultimative Wirklichkeit gruenden.23 Bereits der hl. Paulus hat in diesem Zusammenhang in Roem 1, 16 darauf hingewiesen, dass er sich des Evangeliums nicht schaeme, da es eine Kraft Gottes sei, die jeden rette, der glaubt.
Glaube und Vernunft sind zwei verschiedene – jedoch sich ergaenzende - Arten, ueber die Wahrheit nachzudenken. Aehnlich einem Vogel, der zu Boden faellt, wenn er nur einen Fluegel benuetzt, fallen auch Menschen, wenn sie nur eine der beiden Arten verwenden. Eine ohne die andere funktioniert nicht: sowohl die alleinige Betonung des Glaubens (Fideismus) wie die alleinige Betonung der Vernunft (Rationalismus) wurden und werden von der Katholischen Kirche verurteilt.
Selbst wenn sie jedoch wollten, koennten etwa Wissenschaftler nicht voellig objektiv und ohne jeglichen Glauben sein. Sie haben ihre eigene Geschichte, kommen aus einem bestimmten kulturellen Hintergrund und haben auch eine Art von “Glauben”, denn auch der Atheismus glaubt in gewisser Weise etwas. Auch Wissenschaftler gehen von Annahmen und einem Vertrauen in ihre Kollegen und in bestimmte Gesetzmaessigkeiten aus.
Menschen, die sich nur auf die Vernunft verlassen, gehen davon aus, dass die menschliche Logik ein allgemein anerkanntes Prinzip ist. Ist sie aber nicht. Viele Menschen heute leugnen die unbedingte Gueltigkeit der Logik. Sie sagen, dass deren Macht nur eingebildet sei und ausserdem kulturell bedingt. Logik ist vielmehr nur eine Art und Weise, wie das Gehirn seine Gedanken strukturiert. Logik ist ein Instrument der Vernunft, eine Art Regelwerk.
Die “natuerliche Theologie” erforscht Gottes Existenz und Wesen mit den Mitteln der Vernunft – ohne sich auf die Bibel, Tradition oder Kirche zu verlassen. Bereits der hl. Paulus schrieb in Roem 1, 20-21: “Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schoepfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar. Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit und ihr unverstaendiges Herz wurde verfinstert”.24 Mit der Erkenntnis Gottes aus der Natur ging also auch eine Verpflichtung zum Lobpreis einher, was die Menschen aber nicht taten. So verfiel ihr Denken der Nichtigkeit. Sie hielten sich fuer Weise und waren doch Narren. Dies fuehrte zu einer Art Kettenreaktion. Die Suende verfinsterte ihrerseits das Denken und machte es den Menschen nicht mehr moeglich, wie bisher Gottes Wesen in der Natur zu erkennen. Da Menschen aber von Natur aus religioes sind, beteten sie das an, was sie am meisten liebten, also weltliche Dinge (vgl. Roem 1, 23). Wenn die Menschen aber etwas anderes als Gott anbeten – und selbst wenn es etwas aus Seiner eigenen Schoepfung ist – entwerten sie sich selbst. Und so, wie die Menschen Anbetung feierten, war dann auch ihr Leben: sie folgten tierischen Instinkten, anstatt der wahrhaft menschlichen Moral. Gott nimmt diese Entscheidung an und lieferte sie der Unreinheit aus, sowie entehrenden Leidenschaften (vgl. Roem 1, 24 ff).
Fuer Paulus ist der Atheismus kein intellektuelles Problem – wenngleich er viele intellektuelle Symptome aufweist -, sondern eine Angelegenheit des Willen und des Herzen.
Die natuerliche Theologie kann auch dabei behilflich sei, sich mit Agnostikern und Atheisten auf einer gemeinsamen Ebene zu treffen.
Auch das I. Vatikanische Konzil hat bekraeftigt, dass Gott aus der Betrachtung der Schoepfung erkannt werden kann, durch die natuerliche Kraft der menschlichen Vernunft.
Schliesslich wurde ja auch der Mensch als Gottes Ebenbild erschaffen.
Auch der hl. Paulus aeusserte sich ueber das natuerliche Gesetz: “Wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind die, die das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab, ihre Gedanken klagen sich gegenseitig an und verteidigen sich”. (Roem 2, 14-15)25. Zusammen mit der natuerlichen Theologie ist das natuerliche Gesetz jedermann als eine Art “natuerlicher Religion” zugaenglich. Zusammen mit der uebernatuerlichen Offenbarung, dem goettlichen Gesetz also, bildet die menschliche Vernunft (das Naturgesetz, das sich als Ordnung der Vernunft auf den Menschen als Einheit von Seele und Leib bezieht, nachdem dieser sein Leben auszurichten hat) das ewige Gesetz. Was das natuerliche Sittengesetz angeht, bedeutet es nichts anderes, als dass das Gute zu tun und das Boese zu meiden ist. Nicht alle Menschen erkennen aber die Gebote des natuerlichen Gesetzes, sodass sie der Gnade und Offenbarung beduerfen.26
Die Offenbarung korrigiert und perfektioniert nun, was wir mit der menschlichen Vernunft erkannt haben.
Nicht immer brauchen Menschen eine Begruendung fuer ihren Glauben. Ein Bekehrungserlebnis etwa kann so intensiv sein, dass der Glaube so hell und klar – und selbstverstaendlich - ist, dass eine Begruendung unnoetig wird. Auch ein Aufwachsen in einer glaeubiger Familie kann den Glauben zur Selbstverstaendlichkeit werden lassen.
Dann wiederum gibt es Momente, die eine Glaubensbegruendung notwendig erscheinen lassenst: in der Pubertaet etwa, oder auch als Erwachsener inmitten einer glaubensfeindlichen Umgebung. Sei es, dass man sich anti-katholischen Angriffen ausgesetzt sieht oder einfach nur in einer Welt lebt, in der alles nur mit der modernen Wissenschaft erklaert wird und auch moeglich und machbar scheint. Hier wird der christliche Glaube schon fast zwangsweise in Frage gestellt.
Ein weiterer Aspekt: Angesichts weltweiter fundamentalistischer und radikaler, fanatischer und intoleranter religioeser Stroemungen ist die Selbstreflexion und Begruendung des Glaubens unerlaesslich geworden.
4.1.1.2 Es gibt heute verschiedene Formen der Glaubensbegruendung:
An irgend etwas glaubt fast jeder. Ohne den Bezug zur Transzendenz, ohne das Absolute, ist unser endliches Leben mit all seinen leidvollen Erfahrungen kaum zu ertragen. Noch viel weniger aber der Tod.
Ein gesellschaftpolitischer Grundkonsens laesst sich nur erreichen, wenn ein gemeinsames religioeses Fundament vorhanden ist. Ansonsten haengt jegliche Moral in der Luft. Ein reiner Pluralismus erhaelt eine Gesellschaft nicht am Leben, da die Gegensaetze innerhalb der Gesellschaft zu gross wuerden.
Auch fuer die Entwicklung der eigenen Identitaet ist der christliche Glaube unabdingbar, der er die Grundvoraussetzung einer gesunden Reifung in sich traegt: das Urvertrauen.
Was den Glaubenden selbst angeht, so wird sein Glaube staendig mit der Welt um ihn herum konfrontiert.
Ohne einen Gott waere alles rein zufaellig. Es wuerde auch das Gute nicht geben und ebensowenig das Boese, das dann im uebrigen unerklaerlich waere. Wahrheit und Unwahrheit wuerden sich auf einer Ebene befinden.
Ohne einen Gott muesste der Mensch alles was in ihm ist – seine Aggressivitaet und all seine sonstigen Eigenschaften – zwangsweise vergoettlichen, da er sie rein biologisch oder psychologisch nicht erklaeren kann.
Ohne einen Gott gaebe es keine Hoffnung auf Erloesung. Die Beziehung zwischen Menschen waere von Konkurrenz gepraegt.
Ohne Gott wird menschliche Liebe zerstoererisch. Ohne Gott gibt es keine Hoffnung fuer Verlierer, fuer Menschen, die gequaelt und unterdrueckt – oder gar ermordet werden.
4.1.1.3 Kann man diesen Glauben aber ueberhaupt begruenden?
Verfehlt man denn nicht den Glauben, wenn man dafuer Gruende ins Feld fuehrt? Christlicher Glaube ist ein Gnadengeschenk Gottes und drueckt sich in bedingungsloser Liebe aus – ist eine Begruendung hierfuer nicht voellig fehl am Platz? Reicht fuer den Glauben nicht Vertrauen und Dankbarkeit?
Wovon ist also die Rede, wenn es um “Glaubensbegruendung geht?
In gewisser Weise kann der Glaube natuerlich nicht mit menschlichen Mitteln begruendet werden. Sein Fundament ist Gottes Treue und vaeterliche Liebe, der Weg Jesu Christi und das Erfuelltsein vom Heiligen Geist. Dieses Fundament widerspricht aber nicht jeglicher Vernunft, sondern ist die Vernunft selbst – und kann damit durchaus begruendet werden. Da der Mensch als ganzer vor Gott steht, bedarf der Glaube sogar des Bedenkens und der Begruendung, ist der Akt des Glaubens doch nicht zuletzt ein Akt, der von diesem Menschen als ganzen vollzogen wird und damit auch ein Akt der Vernunft, da der Mensch ein vernunftbegabtes Wesen ist. Glaubensbegruendung kann deshalb zum Glauben hinfuehren, indem sie Hindernisse aus dem Weg raeumt, die dem Glauben im Weg stehen, wie auch den Glauben sich selbst und anderen gegenueber begruenden.
Rationale Glaubensbegruendung bedeutet jedoch nicht einfach nur, dass man die Frage, ob es Gott gibt, philosophisch bedenkt. Bei ihr geht es auch darum, wie denn dieser christliche Gottesglaube konkret aussieht.
Allein die Tatsache, dass man die Frage nach der Existenz Gottes philosophisch betrachtet, beinhaltet schon einen Akt des Glaubens (“Philosophie” bedeutet ja auch nichts anderes als “Liebe zur Wesiheit”). Wenngleich bestimmte Glaubensinhalte (Leben, Tod und Auferstehung Jesu) philosophisch nicht entdeckt werden koennen, bedeutet dies nicht, dass christlicher Glaube nicht vernuenftig bedacht werden kann. Christlicher Glaube sagt ja, dass sich in seiner konkreten Gestalt die eine Wahrheit Gottes zeigt. Eine Wahrheit, die die Einheit von Glaube und Vernunft ist.
Diese eine Wahrheit hat den Hoehepunkt ihrer Offenbarung in Jesus Christus erreicht. Sie beinhaltet die Wahrheit von Welt und Mensch. Wenn christlicher Glaube also vernunftgemaess sein will, muss er dies an der Vernuenftigkeit des Welt- und Selbstverstaendnisses messen lassen, das sich in Gottes Offenbarung in Jesus Christus zeigt.
Ein Beispiel fuer diesen Vernuenftigkeitsanspruch christlichen Glaubens ist das trinitarische Gottesbild, also die Dreifaltigkeit. Diese Dreifaltigkeit steht in deutlichem Gegensatz etwa zu weltlichen Herrschern. Gott ist nicht das Vorbild oder Urbild fuer die Herrscher dieser Welt, sondern Vater des gekreuzigten Jesus Christus, der die Allmacht Seiner Liebe dadurch bewiesen hat, dass Er Seinen einzigen Sohn fuer uns hingab. Seine Glorie zeigt sich also in den Herrschern dieser Welt, sondern auf dem Antlitz Seines gekreuzigten Sohnes und mit ihm aller Leidenden, Unterdrueckten und Verlorenen sowie in Seiner Kirche.
Die Einheit des dreifaltigen Gottes zeigt sich also in einer Gemeinschaft, in der es nicht um Macht und Ruhm, sondern um demuetige, selbstlose Liebe zueinander geht. Die Einheit der Dreifaltigkeit als Einheit in Liebe spiegelt sich in der Kirche wieder, in der sich dieser Bund der christlichen Familie mit Gott als Vater und den Glaeubigen als Schwestern und Bruedern ebenfalls als Einheit in Liebe zeigt.
Der neuzeitliche Mensch wird seiner Umwelt und seinen Mitmenschen gegenueber entfremdet, indem er seine Selbstverwirklichung und sein Glueck auf eigene Faust zu verwirklichen suchte und so nicht die Einheit mit seinen Mitmenschen zu finden konnte.
Das trinitarische Bekenntnis jedoch bringt zum Ausdruck, dass Gott in Jesus Mensch geworden ist und die Last wie die Entfremdung des Menschen auf sich genommen hat. Christen muessen sich also nicht mehr selbst behaupten oder selbst produzieren sondern sind frei, sich in der Liturgie und Diakonie ganz dem Dienst an Gott hinzugeben und durch sein Leben ein Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe zu geben.
4.1.1.4 Welche Grundlagen hat nun die Glaubensbegruendung und welcher Bedingungen bedarf sie?
In der christlichen Theologie gibt es hier die verschiedensten Ansaetze. Zum einen gab es die ersten Ansaetze von Glaubenbegruendung bereits in nachapostolischer Zeit, als sowohl das Judentum, die heidnische Intelligenz und die Gesellschaft an sich den christlichen Glauben angriffen. Die Christen bedienten sich unter anderem der Philosophie, um ihren Glauben vernuenftig zu begruenden und fuer andere verstaendlich zu machen. Manchmal nannten sie ihn sogar die “wahre Philosophie”. Damals wurde die christliche Apologetik begruendet, deren Ziel und Aufgabe es ist, den Glauben sowohl zu begruenden und gegen Angriffe von aussen durch die Darlegung seiner Glaubwuerdigkeit zu verteidigen, wie auch sich selbst gegenueber mit den Mitteln dern Vernunft verstaendlich zu machen.
Ein besonderes Vertrauen in die Vernunftgemaessheit des Glaubens findet sich im Mittelalter. Anselm von Canterbury etwa stuetzte seine Begruendung nicht auf die Heilige Schrift, sondern auf Wunsch seiner Mitbrueder allein auf die Vernunft. Diese Vernunftgemaessheit des Glaubens ist letztlich auf den Schoepfungsglauben zurueck zu fuehren, dern den Glauben zunaechst als Einsicht in die Geheimnisse der Schoepfung sieht. Der Mensch ist Ebenbild Gottes und als solches vernunftbegabt.
Ebenso findet sich aber in der Geschichte eine Kritik der Vernunft und der Philosophie. Diese Vernunftkritik ist auf den Erloesungsglauben zurueck zu fuehren, der den Glauben als freie Antwort des Menschen auf die Liebe Gottes sieht.
Letztlich aber kann die Freiheit des Menschen, sein Erkenntnis, Wissen und Fuehlen ihre Vollendung erst durch den Heiligen Geist im Vollendungsbekenntnis.
Die Dreifaltigkeit unterscheidet den christlichen Glauben von anderen Religionen. Diese Dreifaltigkeit fuehrt zu einer Gotteserfahrung, die sowohl einheitlich wie verschieden ist.
Nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift wird Gott zuerst als der Schoepfergott gesehen. Da unsere Welt von diesem einen Gott geschaffen wurde, kann es auch nur eine Wahrheit geben. In dieser einen Wahrheit muessen sich deshalb die Erfahrung der Glaubenden und das Denken treffen. Da aber alle Menschen letztlich Gott als Ursprung haben, kann es auch nur eine Vernunft geben.
Ob man nun vom Schoepfungsglauben, vom Erloesungs- oder Vollendungsglauben ausgeht, jede der drei Formen hat eine eigene Sicht der Wirklichkeit und eine eigene Erfahrung Gottes sowie der Welt und des Menschen. Dass diese Einheit in Verschiedenheit auf Gott zurueck zu fuehren ist, zeigt das trinitarische Glaubensbekenntnis.
So ist der Glaube sich immer auch seiner unterschiedlichen Pole bewusst: das Goettliche, dessen Wahrheit, Heil und Leben einerseits und menschliche Erfahrungen in einer gefallenen und voll Schuld beladenen Welt andererseits. So wendet sich religioeser Glaube gegen alle Bestrebungen, irgendetwas Weltliches zu vergoettlichen – ob das nun Vernunft, Philosophie oder Geld, Macht oder Sex sind. Allerdings sind sowohl religioeses Bewusstsein wie religioese Institutionen ebenfalls Teil dieser Welt und deshalb nur als unzulaenglich und vorlaeufig anzusehen. Irdische Erscheinungsweisen goettlichen Handelns.
Ein echter religioeser Glaube ist daher immer dialektisch – er hat zwei Pole, die einander gegenueber stehen, aber doch zusammen gehoeren.
Die Frage, was denn nun am Glauben begruendet werden soll, haengt, was, wie und warum er eigentlich in Frage gestellt wird. Ebenso sind hier der geschichtliche Hintergrund der Infragestellung und die dahinter stehenden Grundannahmen zu beruecksichtigen. Ein systematischer Atheismus, eine systematische Christentums- und Kirchenkritik etwa gibt es erst seit Mitte des 2. Jahrtausends. Eine systematische Kirchenkritik setzt bestimmte gesellschaftliche Bedingungen voraus, um ueberhaupt Erfolg zu haben und als Alternative zum Christentum erscheinen zu lassen. Derartige Umstaende boten etwa die Aufklaerung, die neuen technischen Entdeckungen, die Industrialisierung und der Kapitalismus.
Die Glaubensbegruendung muss Bezug nehmen auf die Aeusserungen des Glaubens selbst: die Heilige Schrift, das Glaubensbekenntnis, die Liturgie, das Dogma, das kirchliche Lehramt – kurz: die muendliche und schriftliche Ueberlieferung. Schliesslich muss die Theologie wissen, welcher Glaube eigentlich begruendet werden soll. Keinesfalls darf der Glaube den Vorstellungen der Glaubenskritik angepasst werden.
Glaubensbegruendung muss vernuenftig – also rational – sein. Sie hat auf einer Ebene mit der vernuenftigen Glaubenskritik anzusetzen, aber auch, um zu vermeiden, “abzuheben”. Wer staendig nur die Differenz zur Vernunft betont, wird schnell elitaer und selbstgenuegsam. Er erklaert alles im Zusammenhang mit dem Glauben als vernuenftig und verfaellt so leicht dem Fanatismus und Dogmatismus oder bedient sich einer “doppelten Wahrheit”, wenn er an anderen Wahrheiten nicht vorbei kommt. Glaube hat nicht blind, sondern verstaendlich zu sein. Deshalb muss wissenschaftliche Glaubensbegruendung rational und philosophisch stichhaltig sein.
Philosophie und Wissenschaft koennen eine grosse Hilfe fuer den Glauben sein – wenn sie der Erkenntnis der Wahrheit gegenueber offen sind und dazu beitragen. Dann sind sie auch ein Zeugnis rechter Vernunft. In gewisser Art und Weise ist die Vernunft also selbstaendig vom Glauben, was auf den Unterschied von Schoepfungs- und Erloesungsbekenntnis zurueckzufuehren ist. Beide zeugen vom dreifaltigen Gott, sind aber nicht einfach dasselbe. Da es aber sowohl in der Philosophie wie in der Wissenschaft eine Vielfalt verschiedener Meinungen und auch Erkenntnisstufen gibt, kann sich auch die Glaubensbegruendung immer nur auf den momentanen Stand der Diskussion beziehen, ist damit also ein fortlaufender Prozess.
Christliche Glaubensbegruendung setzt nicht auf Konfrontation, sondern auf Gespraech. Ihre Grundhaltung ist gepraegt von Demut, Gelassenheit, Freundlichkeit und Weisheit. Sie will sich nicht selbst durchsetzen, sondern von der Liebe Gottes zu kuenden.
Gottes Heilsoffenbarung, so wie sie sich in der Geschichte erweist, ist letztlich die absolute Vernunft, die Vernunft selbst – im Gegensatz zur in sich selbst verfangenen menschlichen Vernunft. Diese befreiende Vernunft Gottes kann sich gerade dann zeigen, wenn Christen mit anderen Menschen kommunizieren.
Gleichzeitig sollte dabei aber immer bedacht werden, dass sich Unglaube durch christliche Glaubensbegruendung und Apologetik nicht beseitigen laesst. Glaube ist und bleibt ein Gnadengeschenk Gottes, das vom Menschen in freier Entscheidung angenommen und beantwortet wird.
Glaube, so wie er sich heute zeigt und ausdrueckt, ist immer auch gepraegt von menschlicher Unzulaenglichkeit. Gerade deshalb ist er laufend auf Reinigung und Erneuerung angewiesen. Kritik am christlichen Glauben kann also durchaus auch als Anregung gesehen werden, den Glauben zu erneuern.
4.1.1.5 Welche Wesensmerkmale hat die Glaubensbegruendung?
Glaubensbegruendung kann nicht ohne Glauben oder am Glauben vorbei geschehen. Ebenso wenig kann sie vernuenftige Erkenntis erwecken, die zum Glauben zwingt, weder zum Inhalt noch zum Akt des Glaubens. Hier kann es nur die freie Antwort des Menschen auf den freien Anruf der Liebe Gottes geben. Letztlich ist es die ultimative Vernuenftigkeit, Gott zu vertrauen und Ihm wider alle menschlichen Stimmen zu gehorchen, so wie es etwa Abraham oder Maria taten.
Glaube ist fuer Christen nur als Glaube an und durch das Kreuz Christi moeglich, das gleichzeitig fuer die bedingungslose Liebe des Vaters und die Hingabe des Sohnes steht, die den Tod fuer immer ueberwunden hat. Dieser Glaube ermoeglicht erst Erkennen und Verstehen.
In der Glaubensbegruendung bekennt sich der Mensch zum Schoepfergott und macht sich selbst gegenueber nachtraeglich den Glauben verstaendlich und sinnvoll – und verteidigt diesen Glauben auch bzw. erklaert ihn und macht ihn verstaendlich bei Angriffen gegen dessen Vernuenftigkeit, Wahrheit und Sinnhaftigkeit. Glaube kann ja nur das als wahr erkennen, dass auch die Vernunft als wahr erkennen kann, weswegen rechter Glaube und rechte Vernunft hier als identisch gesehen werden koennen. Der Glaube bedarf also der Vernunft.
Glaubensbegruendung wird allerdings nie alle auftauchenden Fragen endgueltig beantworten koennen, sondern ist ein unabgeschlossenen, immer fortwaehrender Prozess. Ein Prozess, der als solcher auch von der Geschichte und der Gesellschaft als Rahmengedingungen abhaengt.
4.1.1.6 Aeltere Religionskritik und Glaubensbegruendung
Die Tatsache, dass Menschen mit denkerischen Mitteln, also mit ihrer eigenen Vernunft, den christlichen Glauben begruenden und verstaendlich machen wollten, war unter den vorhandenen heidnischen Religionen eine absolute Neuigkeit. Ein derartiges Nachdenken ueber den Glauben fand sich allein in der antiken Philosophie. Zunaechst wurden derartige Gedankengaenge allerdings misstrauisch beaeugt. So heisst es bereits in Kol 2, 8: “Gebt Acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verfuehrt, die sich nur auf menschliche Ueberlieferung stuetzen und sich auf die Elementarmaechte der Welt, nicht auf Christus berufen.”27 Auch Petrus wies darauf hin, dass in den Schriften des hl. Paulus manches schwer verstaendlich sei (vgl. 2 Petr 3, 16). Der Glaube orientierte sich zunaechst an den einfachen Aposteln, die ohne jegliche Bildung das Neue Testament verfassten (mit Ausnahme von Paulus).28
Die wichtigste Aufgabe der alteuropaeischen Gesellschaft und Kultur (ca. 800 v. Chr. – 1.500 n.Chr.), die den Rahmen der Entwicklung christlicher Theologie liefert, ist es, goettliche Urgruende in der Wirklichkeit zu erkennen (Metaphysik).
Die zunehmende gesellschaftliche Differenzierung im Mittelalter hatte im Mittelalter dann erste Konsequenzen: Waehrend des ersten Streites zwischen dem Papst und dem Kaiser kam es zur ersten Saekularisierung der politischen Instanzen. Auch im Denken der Menschen kam es zur Unterscheidung von der profanen Welt, in der wir leben, und dem heiligen Jenseits. Und ebenso, wie alles Sakrale aus der Welt genommen wurde, wuchs die Autonomie menschlichen Denkens und menschlicher Vernunft. Aus dieser Konfrontation mit dem christlichen Glauben entstand die abendlaendische Philosophie.
Aeltere Formen der Religionskritik bestreiten argumentativ religioese Aussagen. Sie suchen sich bestimmte religioese Inhalte und fuehren gegen sie Vernunftgruende ins Feld.
Diese Gruende koennen logischer Natur sein oder auf Erfahrungen zurueck gehen. Epikur etwa hat folgendes Argument verwendet: Wenn es einen allmaechtigen und guetigen Gott gibt, wie kann es dann angehen, dass gleichzeitig so viel Uebel und Boeses in der Welt zu finden sind?
Andere bedienten sich der Psychologie. Fuer Demokrit etwa ist der Glaube an Gott auf die Furcht der Menschen vor ungewoehnlichen Naturerscheinungen zurueckzufuehren.
Aristophanes (445 – 385 v. Chr.) machte sich in seiner Komoedie “Wolken” ueber religioes-mythologische Erklaerungen fuer Ereignisse am Himmel lustig und sah darin einen Ausdruck primitiven und unvernuenftigen Bewusstseins.
Der Staatsmann Kritias (Ende 5. Jh.) war der Ansicht, die Gottesfurcht waere aus sozialen Absichten kuenstlich geschaffen worden.
Euhemeros hingegen (ca. 300 v. Chr.) vertrat die These, mythologische Goetter und Helden waeren ganz einfach nur wichtige und herausragende Menschen der Vergangenheit, die nach ihrem Tod besonders geehrt werden sollten.
Da die gesellschaftliche Bedeutung dieser Art von Religionskritik gering war, begnuegte sich die Glaubensbegruendung damit, die Vernuenftigkeit des Glaubens nachzuweisen.
4.1.1.7 Gottesbeweise
Prof. Dr. Scott Hahn erzaehlt in “Reasons to Believe” von einer Begebenheit mit einem seiner Schueler. Dieser sagte ihm, wenn Gott nicht existierte, wuerden die Menschen Ihn trotzdem erfinden. Und genau das haetten sie getan.
Prof. Dr. Scott Hahn antwortete ihm, wenn es Gott gaebe, wuerden die Menschen den Atheismus trotzdem erfinden. Und genau das haetten sie getan. Gott, der ja unendlich und weise ist, wuesste alles ueber den Menschen Scott Hahn. Gott sei gut, gerecht und in perfekter Art und Weise heilig – und das wuerde Er auch von Scott Hahn verlangen: heilig zu sein. Als Allwissender wuesste Gott aber auch, wenn Scott Hahn nicht heilig sei und urteile ihn dementsprechend ueber ihn. Gott sei immer derselbe und wuerde immer nach den selben Grundsaetzen urteilen. Eine Art von Gott also, von dem man sagen koenne, dass er eine “Bedrohung” fuer den eigenen Lebensstil darstelle. Wenn Scott Hahn also einen Gott erfinden wuerde, dann waere das wohl eher einer, der mehr seinem persoenlichen Geschmack und Vorstellungen entspraeche. Selbst wenn Scott Hahn Gott aber zunaechst nicht so erfunden haette, haette er doch einen Gott erfunden, der zumindest Seine Meinung aendern koennte.29
“Gottesbeweise” sind Glaubensbegruendungen als argumentative Verteidigung religioeser Aussagen.
Die Argumente, die die antike Religionskritik ins Feld gefuehrt hatte, gewannen erst im Umfeld der Neuzeit an Bedeutung. Die Theologie musste sich also wohl oder uebel mit ihnen befassen.
Waehrend der glaubende Mensch von der Existenz Gottes ausgeht und eher daran interessiert ist, wie sich Gott uns erweist und wie sich unser Glaube auf unser taegliches Leben auswirkt, fragt ein Philosoph, der ohne Glauben zu denken versucht, ob es ueberhaupt einen Gott gibt. Und wenn dem so ist, was kann ueber diesen Gott gesagt werden – ohne dabei die Offenbarung zu Hilfe zu nehmen? So definiert der Philosoph das Wesen Gottes – etwa als den Urgrund allen Seins. Ein Glaeubiger hingegen fragt nach dem Namen Gottes. Wo der Philosoph Argumente sucht, erkennt der Glaubende Offenbarungen und Erscheinungen als Inhalte von Erfahrungen.
Man kann diesen Unterschied zwischen Glauben und Vernunft in etwa auch mit dem Unterschied zwischen dem juedischen und dem griechisch-hellenistischen Denken vergleichen.
Zumindest bis ins 16. Jh. hinein bezogen sich aber die Theologie wie die Philosophie auf denselben Gegenstand: selbst die Philisophie hat bis dahin Existenz und Wesen Gottes bejaht und als das Sein schlechthin akzeptiert und damit als das oberste transzendente Prinzip.
Diese Art philosphischen Denkens hatte Gemeinsamkeiten mit den monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam. Diese Gemeinsamkeiten betrafen vor allem die Frage nach der Verbindung von der Transzendenz und Immanenz Gottes (also die Tatsache, dass Er sowohl jenseits dieser Welt als auch in ihr ist), nach Seinem Wesen, das anders ist als alles Sein, nach Seiner Naehe und Ferne. So entstand im Umfeld dieser monotheistischen Religionen eine Onto-Theologie, also eine philosophische Theologie, in der die philosophische Rede vom Sein und die Theologie eine enge Verbindung eingehen. Diese philosophische Theologie lieferte eine philosophische Begruendung der Religion gegenueber ersten atheistischen Stroemungen. Sie fuehrte alles Seiende auf das “Sein selbst” zurueck – und dieses “Sein selbst” erklaerte sie als Gott (Gottesbeweise).
Hier wurde aber auch eine Unterscheidung von Glaube und Wissen notwendig. Die klassische Position war, dass Gottes Heilratsschluesse nicht durch philosophische Argumente erkannt werden koennen, sondern nur von Gott offenbart und vom Menschen in freier Glaubensentscheidung angenommen werden. Das philosophische Denken von Gott jedoch wurde nur als eine Art “Vorbau” des Glaubens gesehen, so notwendig es angesichts des Anspruchs der Theologie, vernuenftig zu sein, auch war. Und so war der Sinn der Gottesbeweise auch nicht, den Glauben zu beweisen, sondern nur, vorbereitende Arbeit zu leisten, damit der Glaube sich ausbreiten und entwickeln konnte.
Anselm von Canterbury entwickelte um 1077/1078 in seinem Werk “Proslogion” (“Anrede”) den ontologischen Gottesbeweis, also den Beweis, der das Seinsverstaendnis betraf. Anselm wollte ein Argument finden, das fuer sich allein genug war, um Gottes Existenz zu beweisen. Er setzt hierfuer das christliche Gottesverstaendnis voraus und will es durch vernuenftige Argumente erklaeren und verdeutlichen.
Zunaechst bestimmte er Gott als “etwas, worueber hinaus nichts Groesseres gedacht werden kann” (aliquid quo maius nihil cogitari potest). Gott ist also das hoechste Wesen, und nicht einmal gedanklich kann man sich ein hoeheres vorstellen.
Als naechstes stellte Anselm fest, dass dieser Gott zumindest gedanklich existierte.
Schliesslich folgert Anselm von Canterbury, dass man sich zwangsweise widerspricht, wenn man nicht akzeptierte, dass es Gott gibt. Warum? Nun, etwas, dass es sowohl im Verstand wie in der Wirklichkeit gibt, ist groesser als etwas, das es nur im Verstand gibt. Wer also sagt, dass es “das, worueber hinaus nichts groesseres gedacht werden kann” nicht in der Wirklichkeit gibt, sagt damit gleichzeitig, dass “das, worueber hinaus nichts groesseres gedacht werden kann” nicht das ist, “worueber hinaus nichts groesseres gedacht werden kann”. Diese Aussage widerspricht sich und kann deshalb nicht sein. Folglich muss es “das, worueber hinaus nichts groesseres gedacht werden kann” sowohl im Denken wie in der Wirklichkeit geben.
Anselm ging sogar noch weiter: “Das, worueber hinaus nichts groesseres gedacht werden kann” kann noch nicht einmal theoretisch als nicht existierend gedacht werden. Wenn etwas naemlich tatsaechlich – also in der Wirklichkeit – existiert, ist es groesser, als wenn es nur mit Einschraenkungen existiert.
Gott existiert also – und das ohne Einschraenkungen und notwendigerweise.
Nun wurde dieser Gottesbeweis bis heute immer wieder kritisiert, aber auch immer wieder befuerwortet und verteidigt.
Zunaechst brachte man dagegen vor, dass hier ein logischer Gedankengang einfach so in die Wirklichkeit uebertragen wurde. Anders ausgedrueckt: nur, weil man sich etwas ausdenkt, heisst das noch lange nicht, dass es das Gedachte auch tatsaechlich gibt.
Das raeumten die Befuerworter des ontologischen Gottesbeweises auch durchaus ein, brachten aber gleichzeitig vor, dass Gott die einzige Ausnahme hiervon sei, da Er nicht auf derselben Stufe wie alles andere Seiende stehe und sich als das absolute Sein voellig von allem unterscheide. Genau aus dieser Tatsache heraus, dass naemlich Gott sich mit nichts und niemandem vergleichen lasse, folgere auch die Tatsache, dass Gott existiere, ja existieren muss.
Seine Grundlage hat der ontologische Gottesbeweis im platonischen Denken. Dementsprechend kann die Welt in die Welt der Urbilder, der Ideen, des Seins und der Wahrheit einerseits und der Abbilder, des Werdens und der Veraenderung andererseits unterteilt werden, wobei die menschliche Seele zwischen beiden steht. Eine Seele, die zwar in der vergaenglichen und veraenderlichen Welt lebt, aber zu der Welt der Urbilder, der Ideen und des Seins gehoert. Eine Seele, die aber auch die Verbindung zwischen beiden schaffen kann, da sie beim Anblick der “Abbilder” an die “Urbilder” erinnert wird, genauso wie die Wahrheit bereits in der Wirklichkeit zu finden ist.
Diese Ansichten erforderten ein bestimmtes Weltverstaendnis. Wer dies nicht teilte, konnte auch mit dem ontologischen Gottesbeweis nichts anfangen. Dies war spaetestens mit dem Aufkommen des Aristotelismus im 12. Jh. der Fall. Hier wurde der Annahme widersprochen, dass die Ideen der Ausgangspunkt unserer Erkenntnis seien, vielmehr vertrat man die Ansicht, dass das Erkennen beim sinnlichen Wahrnehmen des Einzelnen beginner. Das Erfassen des unwandelbaren Wesens in einem konkreten Gegenstand sei somit die Erkenntnis. Von hier aus koenne man nach dem absoluten Sein weiterfragen. Da dieses aber nicht mit unseren Sinnen wahrgenommen werden kann, sah man es als einen notwendigen Grenzbegriff an.
Vor allem Thomas von Aquin, der Hauptvertreter des Aristotelismus, lehnte den ontologischen Gottesbeweis ab. Da wir ihm zufolge nicht wissen, wer Gott ist, muessen wir Ihn ueber die sichtbare Welt, die unserem Erkennen zugaenglich ist, erschliessen.
Der ontologische Gottesbeweis beweist also nicht unbedingt und zweifellos, dass es Gott gibt, sondern geht von bestimmten Grundannahmen ueber die Wirklichkeit aus..
Weitaus bekannter als dieser wurde jedoch der kosmologische Gottesbeweis, also der Gottesbeweis, der das Seinsverstaendnis der Welt und des Kosmos betrifft. Er beginnt bei der Erfahrung der Welt und geht von hier aus weiter bis zu einer letzten Ursache goettlichen Ursprungs. Es gibt ihn in verschiedenen Formen. Am beruehmtesten duerfte wohl die Version von Thomas von Aquin in seiner “Summa theologica" sein, wo er “fuenf Wege, die Existenz Gottes zu erweisen” aufzeigt.
Thomas von Aquin spricht dabei von Begriffen wie “Potenz” (Moeglichkeit), “Akt” (Wirklichkeit) und “Bewegung” – die Grundstrukturen alles Seienden. Wenn also in der Welt Veraenderungen – welcher Art auch immer – geschehen, wird etwas Wirklichkeit (Akt), was vorher nur eine Moeglichkeit (Potenz) war und sein musste (da nur wirklich werden kann, was auch moeglich ist). Genau diesen Prozess, der eine Moeglichkeit in eine Wirklichkeit ueberfuehrt, nennt Thomas Bewegung (was demnach ueber die rein physikalische Bewegung hinaus geht). Wenn jedoch etwas mittels dieser Bewegung in einen anderen Zustand versetzt wird, kann es nicht gleichzeitig diese Bewegung verursacht haben, also selbst Beweger sein.
Der erste Gottesbeweis
Einiges in der Welt ist in Bewegung. Was sich aber bewegt, wird von etwas oder jemand anderem bewegt. Um aber etwas zu bewegen, muss man erst selbst bewegt worden sein. Das kann nun aber nicht ewig so weiter gehen. Es muss demnach die Ursache aller Bewegungen geben – etwas, das am Anfang dieser Kette steht und nicht selbst bewegt wurde. Und darunter versteht man Gott.
Vergleichbar ist der zweite Weg, der von der Verursachung ausgeht, sowie der dritte Weg, der sich auf die Kontingenz (die Bedingtheit alles Seienden, das nicht notwendig existiert) bezieht. Was kontingent ist, ist zwar moeglich, aber nicht notwendig, also Dinge, die entstehen und vergehen. Da aber etwas, das entsteht, nur durch etwas beginnt, das bereits existiert, bedarf es fuer kontingente Dinge das Vorhandensein von etwas voraus, das notwendigerweise existieren muss. Auch hier kann die Kette nicht ewig weitergehen. Irgendwann muss es notwendigerweise etwas geben, das den Grund seiner Existenz und Notwendigkeit in sich selbst hat.
Der kosmologische Gottesbeweis wurde dort zurueckgewiesen, wo man von anderen Grundvoraussetzungen ausging, etwa bei Kant und im Materialismus. Wer den Gottesbeweis von Thomas von Aquin annimmt, stuetzt sich damit auch auf die Ontologie von Aristoteles. Waehrend Thomas im ersten Schritt noch in der irdischen Wirklichkeit bleibt (Bewegung ist auch fuer jeden nachvolziehbar), begibt er sich bereits im zweiten Schritt auf die philosophische Ebene. Wer diese Ontologie aber nicht nachvollziehen kann, kann auch mit den Gottesbeweisen von Thomas von Aquin nichts anfangen.
Es gibt aber auch in der Neuzeit Gottesbeweise, die sich auf die aeltere Form der Glaubensbegruendung stuetzen und die Wahrheit religoeser Aussagen verteidigen wollen. Pascals beruehmte Wette gehoert etwa hierher.
Pascal wollte aufzeigen, dass die christliche Religion eben nicht im Widerspruch zur Vernunft steht. Die Fragmente dieses Versuchs wurden nach seinem Tod unter dem Titel “Pensees sur la religion et sur quelques autres sujets” (“Pensees”) veroeffentlicht.
In dieser Wette geht es um eine Art Spiel. Gibt es Gott oder gibt es Ihn nicht? Man muss sich entscheiden. Worauf also setzen?
Wobei wagt man am wenigsten? Laut Pascal kann man zwei Dinge gewinnen: die Wahrheit und das hoechste Gut. Einbringen kann man seine Vernunft und seinen Willen, sein Wissen und seine Seligkeit. Zu vermeiden ist dabei der Irrtum und das Elend. Da man sich aber notwendigerweise entscheiden muss, ist die Vernunft nicht mehr betroffen. Wie sieht es mit der Seligkeit aus? Angenommen, man setzt auf Gott. Gewinnt man, gewinnt man alles. Verliert man, verliert man nichts (ausgenommen vielleicht irdisches Glueck ohne jede religioese Bindung, was aber im Vergleich zum zu erwartenden Gewinn zu vernachlaessigen ist). Setzt man aber darauf, dass es Gott nicht gibt, so ist es mit der ewigen Seligkeit vorbei. Gibt es Gott nicht, hat man einfach nichts gewonnen.
Es ist also vernuenftig, die Wahl zu treffen, die am besten den eigenen Interessen dient. Und aus Vernunftgruenden ist es ratsam, auf Gott zu setzen, selbst wenn man Seine Existenz weder beweisen noch widerlegen kann.
Auch hier gilt: Pascals Wette kann nur der akzeptieren, der die Grundannahmen und die Voraussetzungen hierfuer teilt: die Unterscheidung zwischen praktischer und theoretischer Vernunft und ein bestimmtes Gottesbild, das genau diese Alternativen zulaesst. Seine Wette ist ganz einfach der praktische Beweis dafuer, dass christliches Leben sinnhaft ist.
All diese Gottesbeweise haben aber auch etwas gemeinsam: sie sind durchaus rational und argumentativ. Sie setzen gewisse Grundannahmen voraus, die rational sind und damit auch vermittelt werden koennen.
Ein Gottesbeweis ist aber auch ein Akt des Glaubens, der aber nicht blind oder willkuerlich, sondern vielmehr vernuenftig ist.
4.1.1.8 Neuere Religionskritik und Glaubensbegruendung
Im 17. und 18. Jh. kam es zu einem erheblichen gesellschaftlichen und geistigen Wandel. Der Mensch konnte seinen neuen Erfahrungen nicht mehr mit den herkoemmlichen Mustern beantworten. Das Verhaeltnis des Menschen zur Natur wie untereinander wird versachlicht. Als sich nach den Glaubenskaempfen des 17. Jh. der moderne Staat bildet, verschwinden Glaube, Moral und Gewissen aus dem oeffentlichen Leben und werden so zur Privatsache. Man wollte hiermit das ausschalten, was man fuer die Ursache des politischen Unfriedens hielt. Religion, Glaube und Kirche verlieren so erheblich an Einfluss.
Auch geistig vollzog sich eine Wende: Wo noch im Mittelalter sich alles auf den Willen Gottes als etwas jenseits jeglicher Vernunft konzentrierte, gingen die neuzeitlichen Menschen nun ins andere Extrem: sie verabsolutierten die Selbstaendigkeit menschlicher Vernunft. Eine Vernunft, die sich ihre eigene Welt schafft.
Menschen wie Antoine Concorcet (1743 – 94), der mit seinen Ideen grossen Einfluss auf die franzoesische Revolution hatte, sagte 1794, er sehe eine Zeit heraufbrechen, wo die Menschen nichts als die Vernunft anerkennen wuerden. Durch die Perfektionierung von Industrie, Landwirtschaft und Wohlfahrt wuerden sich die Beduerfnisse der Menschen befriedigen lassen, und durch medizinische Fortschritte und eine gerechte Verteilung der Gueter wuerde die Lebensqualitaet und –dauer der Menschen verlaengert werden.
Derartige Ideen trugen zur Entwicklung eines neuen Bewusstseins bei, in dem der einfache religioese Glaube nichts mehr zu suchen hatte. So ist der Glaube des neuzeitlichen Buergers drauf und dran, sich in Luft aufzuloesen.
Die Religionskritik der Neuzeit unterscheidet sich von den vorhergehenden Formen der Kritik, genauso wie sich die Lebensbedingungen der Menschen grundlegend geaendert haben. Trotzdem blieb aber ein Restbezug zur aelteren Form der Religionskritik bestehen. Eine Frage blieb den Religionskritikern, die nun dachten, auf ganzer Linie gesiegt zu haben, noch offen: wenn es wirklich keinen Gott gibt und der gesamte christliche Glaube nur Unsinn ist, wie kommt es dann, dass er eine derart weite Verbreitung gefunden hat? Die neue Aufgabe war also zu zeigen, warum Religion existiert, wie sie entstanden ist und warum sie sich derart ausgebreitet hat.
Dabei war man sich durchaus bewusst, dass glaeubige Menschen durchaus an etwas glauben, das einen wahren Kern hat. Dieses Richtige und Wahre haben sie aber grundlegend falsch verstanden und ausgelegt. Wenn der Glaeubige von Gott spreche, spreche er doch in Wahrheit nur von sich selbst.
Feuerbach war einer der wichtigsten Vertreter diesen neuen Form der Religionskritik. In “Das Wesen des Christentums” etwa schreibt er, dass der Unterschied zwischen Mensch und Tier das Selbstbewusstsein des Menschen sei. Der Mensch sei sich bewusst, dass er ein unendliches Wesen habe. Dies sei auch die innere Wahrheit der Religion. Wo sie nach Feuerbach falsch liegt, ist die Theologie dieses innere unendliche Wesen des Menschen nach aussen projieziert hat und es nun Gott nennt. Diese Projiekton fuehre zur Entfremdung des Menschen. Die Unendlichkeit des Menschen bestehe hingegen in der Gattung Mensch selbst, seine Geschichte und Zukunft.
Religion gehoert fuer Feuerbach zum kindlichen Stadium der Menschheit. Nun nehme die Philosophie die Stelle der Religion ein und der Atheismus werde zum wahren Humanismus. Religion steht fuer Feuerbach fuer Intoleranz und Leibverachtung und ist der Wissenschaft und dem Fortschritt nur im Weg.
1845 erscheint sein Werk “Das Wesen der Religion”, in dem er die Bedeutung der Natur als Grundvoraussetzung des Menschen betont. Der Mensch sei von der Natur abhaengig, die seine Lebensgrundlage ist, ihn aber gleichzeitig begrenze. Dies fuehre dazu, dass der Mensch selbstaendig und frei von der Natur sein will. Dieser Wunsch nach Freiheit werde dann in der Gedankenwelt des Menschen zu Gott, der voellig von der Natur unabhaengig existiert. Der Mensch habe ein Beduerfnis nach Glueckseligkeit und Gott befriedige dieses Beduerfnis. Der Mythos um Gott muesse also zerstoert und durch ein selbstbestimmtes Leben auf der Basis von Bildung und Wissenschaft ersetzt werden.
Karl Marx ist hier nicht weit von Feuerbach entfernt. Er ist der Ansicht, dass sich in der Religion die verkehrten Verhaeltnisse der Welt zeigen. Somit habe also Religion einen wahren Kern. Falsch werde es dort, wo dieser wahre Kern zu einer eigenstaendigen Wirklichkeit, also zu Gott, werde. Ebenso wie Feuerbach denkt Marx, dass der Mensch, wenn er von Gott redet, eigentlich ueber sich selbst spricht. Aufgabe der Religionskritik sei es nun, den wahren Kern der Religion aufzuzeigen und darauf hinzuweisen, dass es hier eigentlich um den Menschen und nicht um Gott gehe.
4.1.1.9 Glaubensbegruendung als argumentative Bestreitung der Religionskritik durch erklaerende Auslegung des Atheismus
Juengere Religionskritik konnte nicht mehr laenger nur davon ausgehen, dass glaubende Menschen dumm, faul und boeswillig waren – ebensowenig konnte neuzeitliche Tehologie dies von Religionskritikern behaupten, wenngleich derartiges trotzdem auf beiden Seiten immer wieder vorgebracht wurde. Auch die Theologie hatte im uebrigen ein aehnliches Problem wie der Atheismus: wie konnte es ueberhaupt zu einem Phaenomen wie dem Atheismus kommen, wenn die eigenen Argumente doch so schluessig und die des Atheismus so fehlgeleitet schienen? Der Atheismus musste also erklaert und erlaeutert werden. Und so machte sich die Glaubensbegruendung daran, verstehen zu suchen, was der Atheist denn “eigentlich meint”, wenn er Gott leugnet. Sie kommt letztlich zum umgekehrten Schluss wie der Atheismus: wenn der Atheist vom Menschen redet, meine er doch eigentlich Gott.
In diesem Zusammenhang ist auch Karl Rahner zu erwaehnen. Sein Ansatzpunkt ist die menschliche Erfahrung: der Mensch macht zunaechst ganz bestimmt Erfahrungen, damit aber auch die Erfahrung des Ganzen der Wirklichkeit. Nur wer sich auf das Ganze bezieht, kann auch das Einzelne erfahren. Ohne Gott kann es also gar keine Erfahrung des Gegenstandes geben.
Rahner weist auch auf sprachliche Zusammenhaenge hin: Wenn ein Atheist ueber Gott redet, verwendet er immer das Wort “ist” (“Gott ist nicht”, “Gott ist nicht allmaechtig” usw.) und redet damit jedes Mal vom Sein. Wenn der Atheist aber behauptet, dass das, was er sagt, wahr, vernuenftig und wahrhaftig sei, beinhaltet dies aber auch das absolute Sein, die absolute Wahrheit und die absolute Vernunft – also Gott -, die die Voraussetzung hierfuer sind. Gott ermoeglicht es ueberhaupt erst, wahr und vernuenftig zu reden. Wer also sagt, dass er wahr und vernuenftig redet, geht damit zwangsweise auch von der Existenz Gottes aus.
Jungere Religionskritik ebenso wie juengere Glaubensbegruendung versuchen im Gegensatz zur Vergangenheit nicht mehr, die Aussagen der Gegenseite als unwahr hinzustellen, sondern sie gehen jeweils von einem Selbstmissverstaendnis aus. Was bei den Atheisten die menschliche Hoffnung ist, ist bei den Christen die Rede von Gott – und beide Seiten gehen davon aus, dass sich die jeweils andere Seite nicht bewusst ist, wovon sie tatsaechlich spricht, wenn sie von Gott bzw. der menschlichen Hoffnung redet.
Das gesellschaftliche und politische Umfeld hat einen grossen Einfluss auf die Grundannahmen von Menschen. Technik, Wissenschaft und Buerokratisierung schreiten voran, der Einzelne steht also immer mehr unter dem Einfluss von Staat und Gesellschaft. Oekonomische Interessen bestimmen das heutige Leben. Der Glaube sowie Wertvorstellungen werden in den Bereich des Privaten abgeschoben. Wenn es aber um die Zusammenstellung der eigenen Glaubens- und Wertvorstellungen geht, kann sich jeder wie von einem grossen Buffet die Bestandteile fuer seine ganz persoenliche Moral und seinen ganz persoenlichen Glauben zusammenstellen.
Angesichts des gesellschaftlichen Umfelds aber besteht ein tiefes Beduerfnis nach Glaubensvorstellungen. Der moderne Mensch weiss nicht mehr, wer er ist, woher er kommt, wohin er geht und wo er zuhause ist. Er ist sich selbst entfremdet und steckt in einer tiefen Identitaetskrise. Heute gibt es aber auch viele irrige, voellig vernunftlose Glaubensueberzeugungen und so steigt gleichzeitig die Skepsis der modernen Menschen solcher Vorstellungen gegenueber, selbst wenn sie diese noetiger als je zuvor benoetigen.
4.2 Religionskritik als argumentative Bestreitung der Sinnhaftigkeit religioeser Aussagen
Die neueste Art der Religionskritik wird “analytische Religionskritik” genannt, die jedoch immer noch in Verbindung mit der vorhergehenden Form von Glaubensbegruendung und Religionskritik steht. Diese Religionskritik sagt nun, wenn der Glaubende sich laufend gegen argumentative Vernunftgruende und Aussagen der Religionskritik wende und behaupte, das Vorgebrachte meine er gar nicht, muesse er sich die Frage stellen lassen, was denn dann noch zu meinen uebrig bleibe und ob der eigene Glaube denn dann nicht jeglichen Inhalts entbehre.
Aussagen religioeser Art seien somit sinnlos und bedeutungslos, deshalb lohne es sich gar nicht mehr, ueberhaupt ueber sie zu diskutieren.
Hierzu gehoert etwa der englische Philosoph Antony Flew. Seine 1950 geschriebene Parabel vom Gaertner, den es nicht gibt, wurde weltberuehmt. Ein Gaertner, den man nicht sieht, nicht hoert, von dem es keinerlei Spuren gibt – was bleibt da noch von der urspruenglichen Idee eines Gaertners uebrig, so Flews Gedankengang.
4.2.1 Glaubensbegruendung als argumentative Bestreitung der Sinnhaftigkeit religionskritischer Aussagen
Der Vorwurf der Religionskritik, religioeser Glaube sei sinnlos, wird nun an diese zurueck gegeben. Die Leugnung der Existenz Gottes mache die Aussagen der Religionskritik sinnlos. Die Tatsache, dass Gott existiert, sei Bedingung fuer jede andere Aussage, mache es jemandem unmoeglich, wahre Aussagen ueber die Wirklichkeit zu treffen, der Gott leugnet.
Richard Schaeffler (geb. 1926) ist ein Vertreter dieser Art von Glaubensbegruendung. Er fragt danach, wie denn Erkenntnis oder Erfahrung ueberhaupt moeglich sind.
Diese Faehigkeit naemlich, Erfahrungen zu machen, sei dem Menschen nicht einfach so von Natur aus gegeben bzw. verfuegbar.
Eine Erfahrung sei eine geistig verarbeitete Wahrnehmung oder Information. Die Wahrnehmungen, die wir machen, verarbeiten wir durch das Muster unseres Denkens und unserer Begriffe und bringen sie in den Gesamtzusammenhang unserer bisherigen Erfahrungen, Wissens und Anschauungen. Dafuer aber muss die Welt der Erfahrungen eine Einheit fuer uns bilden und unser heutiges Ich muss dem frueheren entsprechen.
Aus solchen Wahrnehmungen aber werden nicht immer auch Erfahrungen. Unser Wahrnehmungmuster kann etwa zu starr sein, um unterschiedliche Wahrnehmungen zu begreifen. Eine Wahrnehmung kann ausserdem so paradox und absord sein, dass sie unsere gewohnte Welt voellig durcheinander bringt und uns in Verzweiflung stuerzt. Unser heutiges Ich kann auch vom frueheren abweichen oder die Erfahrungen keine zusammenhaengende Einheit bilden.
Die Moeglichkeit, Erfahrungen zu machen, kann also nicht vom Menschen selbst kommen. Aber auch die Gegenstaende sinnlicher Wahrnehmung koennen nicht die Ursache dafuer sein, dass diese Erfahrung auch gelingt.
Was diese Erfahrungen moeglich macht, darf demnach nicht zu dieser Welt der sinnlichen Erfahrungsgegenstaende gehoeren, es muss den Menschen aus seiner Selbstverfangenheit befreien koennen, es muss die Moeglichkeit schaffen, dass der Mensch angesichts paradoxer oder absurder Erfahrungen nicht hoffnungslos ins Unheil gestuerzt wird, sondern ihm gleichsam ein “Licht” aufgehen lassen. All dies ermoeglicht nach Schaeffler allein Gott und ist der menschlichen Verfuegung entzogen. Der Mensch kann diese Moeglichkeit jedoch in freier Entscheidung annehmen.
Schaeffler geht von der Bedingtheit menschlicher Transzendentalitaet aus, also unserer beschraenkten Faehigkeit, uns durch Erfahrungen zu “ueberschreiten” und kommt von hier zu Gott, der die letzte Bedingung der Moeglichkeit von Erfahrung darstellt. Insofern stellt dies einen “Gottesbeweis” dar, wenngleich auch dieser nicht die Wahrheit des Glaubens an Gott beweist.
Glaubensbegruendung zeigt also auf, dass Gott gar nicht Bestandteil der Erfahrungen ist und sein kann, die wir fuer gewoehnlich in der empirischen Welt (also alles, was wissenschaftlich erforscht und mit unseren fuenf Sinnen wahrgenommen werden kann) machen. Das heisst aber nun keineswegs, dass jegliche Rede von Gott sinnlos sei, sondern stellt sogar die Grundlage fuer die Sinnhaftigkeit religioeser Rede von Gott dar.
4.3 Grenzen des von der Vernunft geleiteten Zugangs zum Glauben
Gott kann nicht mit menschlicher Vernunft erkannt werden. Er ist frei und souveraen und teilt sich den Menschen mit. Er ist der Gott der Heiligen Schrift. Gottes Offenbarung kann aber auch oder gerade deswegen erkannt, beschrieben und vermittelt werden, entzieht sich jedoch voellig menschlicher Verfuegung. Insofern kann sie sehr wohl ausgelegt, keinesfalls aber korrigiert, erweitert oder verkuerzt werden. Es liegt am Menschen, den Anruf des sich offenbarenden Gottes im Glauben und durch seine Werke zu beantworten oder dies zu lassen. Wie auch immer er sich entscheidet – diese Entscheidung entzieht sich auf jeden Fall wissenschaftlichem Denken.
Anzumerken sei hier, dass die Offenbarung Gottes ihren Hoehepunkt in Jesus Christus gefunden hat. Sie ist also nicht eine reine Philosophie oder Idiologie, sondern dient dem Heil und der Versoehnung und wird vom Menschen durch den Glauben angenommen.
Auch hinsichtlich der Glaubensbegruendung und Apologetik gibt es Grenzen, naemlich da, wo diese um ihrer selbst willen geschehen, das Ziel also nicht ist, den christlichen Glauben zu vermitteln und zu verteidigen, sondern um jeden Preis und in aggressiver Art und Weise eine Debatte zu gewinnen und den “Gegner” zu besiegen und sich selbst “immun" gegenueber Angriffen zu machen. Hierbei geht es wohl mehr um Stolz, Geltungssucht und spirituellen Hochmut sowie um Fanatismus und Selbstgerechtigkeit als um die Offenbarung.
Im Christentum bilden Schoepfungs- und Erloesungsglaube eine Einheit. Deshalb gibt es keinen Widerspruch zwischen Glaube und Vernunft. Wir muessen also nicht zwanghaft auf Konfrontation setzen, sondern koennen auf die Wahrheit, Liebe und Fuehrung Gottes vertrauen.
Wer allerdings Apologetik um jeden Preis betreibt, widerspricht damit den christlichen Glauben: er versucht, mit unchristlichen Mitteln etwas christliches zu erreichen. Ein Ausdruck demuetiger, selbstloser Liebe ist sie damit bestimmt nicht.
C. Neue Wege des vernunftgemaessen Zugangs zum Glauben – oder warum die Auseinandersetzung zwischen Religionskritik und Glaubensbegruendung weitergeht
“Fuer die, die an Gott glauben, ist keine Erklaerung notwendig. Fuer die, die nicht an Gott glauben, ist keine Erklaerung moeglich.”30
Warum kann es in der Auseinandersetzung zwischen Religionskritik und Glaubensbegruendung keinen Gewinner oder Verlierer geben? Warum kann keine Glaubensbegruendung so zwingend sein, dass jeder Mensch mit Verstand glauben muss? Warum ist es der Religionskritik noch nicht gelungen, den Glauben an Gott zwingend zu widerlegen?
Nun, wer mit vernuenftigen Mitteln den Glauben begruenden oder ihn bestreiten will, setzt jeweils bestimmte Grundannahmen voraus, Grundentscheidungen fuer das eigene Leben. Wer diese Grundannahmen und Grundentscheidungen nicht teilt, kann mit einer Argumentation, die sich darauf stuetzt, nichts anfangen. Der Mensch ist frei, Grundannahmen und Grundentscheidungen zu treffen. Diese Freiheit ist nichts anderes als ein Ausdruck und wird fuer einen Glaeubigen durch eine religioese Erfahrung erst ermoeglicht.
Religioese Erfahrung wird vermittelt – durch heilige Erzaehlungen, Zeichenhandlungen im Gottesdienst, das Zeugnis der Welt und der Menschen. Voraussetzung fuer diese Erfahrung ist die Moeglichkeit, das Wort Gottes zu hoeren, heilige Zeichen zu erkennen und verstehen und die Gegenwart der Heiligen wahrzunehmen. Menschen nehmen also die Naehe Gottes durch Zeichen und Bilder wahr, muessen sich dabei jedoch bewusst sein, dass diese Zeichen und Bilder die Groesse Gottes sowohl enthuellen als auch verhuellen. Ein unverhuellter Anblick Gottes waere fuer den Menschen sowohl erschreckend wie gefaehrlich.31 Genau in dieser verhuellten Naehe Gottes aber ermoeglicht sowohl die Naehe wie die Verborgenheit Gottes die Freiheit und Eigenstaendigkeit des Menschen, Grundentscheidungen zu treffen.
Kann man der Auseinandersetzung von Religionskritik und Glaubensbegruendung etwas abgewinnen?
Ein Glaubender kann selbstverstaendlich von der Glaubensbegruendung insofern profitieren, als sie ihm selbst gegenueber gute Gruende aufweist, dass sein Glaube vernuenftig ist. Weiterhin kann sie Menschen, die sich des Glaubens noch nicht so sicher oder auf dem Weg zum Glauben sind, helfen, Hindernisse aus dem Weg zu raeumen. Schliesslich kann sie helfen, den Glauben zu verteidigen.
Aber auch die Religionskritik kann fuer einen Glaubenden durchaus von Nutzen sein. Sein Glaube beinhaltet ja, die Welt sowohl als Zeichen als auch als Zeugnis Gottes zu verstehen und sich der Differenz zwischen Gott und den irdischen, vorlaeufigen Zeichen bewusst zu sein. Die Religionskritik macht durch ihr Bestreiten des Glaubens an Gott genau diese Differenz deutlich und bewahrt so den Glaubenden davor, sich selbst mit der Wahrheit Gottes gleichzustellen anstatt sie nur zu bezeugen.
Die Infragestellung des Glaubens durch die Religionskritik kann dem Glaubendem auch bei seiner Wahrheitssuche helfen.
Der Soziologe Peter L. Berger fuehrt in seinem Buch “Auf den Spuren der Engel” an, dass religioese Vorstellungen (aehnlich aller anderen Vorstellungen) eine Projektion menschlicher Sehnsuechte sind. Insofern stimmt er Feuerbach und anderen Religionskritikern zu. Er teilt aber nicht die Meinung, dass diese Aussage eine Grundlage fuer religionskritische Behauptungen sein kann. Wenn naemlich alle Vorstellungen der Wirklichkeit nur menschliche Projektionen sind, gilt dies auch fuer die Religionskritik. Berger gibt damit also den Vorwurf der Fragwuerdigkeit zurueck an die Religionskritik.
Selbst wenn religioese Vorstellungen aber nur menschliche Projektionen sind, heisst das jedoch keineswegs, dass sie keine Widerspiegelung der goettlichen Wirklichkeit sein koennen, dass es also eine Wirklichkeit jenseits der irdischen gibt. Vergleichbar ist dies etwa den Gesetzen der Mathematik. Nun kann man hier mit gutem Recht anfuehren, Mathematik sei eine rein menschliche “Erfindung”, also allein dem menschlichen Denken entsprungen. Umso ueberraschender ist es aber, dass diese mathematischen Gesetze im gesamten Universum gelten und anzutreffen sind!
Auch Berger beansprucht im uebrigen keineswegs, die Existenz Gottes “beweisen” zu koennen oder wollen. Ja, es gibt Spuren seiner Wirklichkeit in der irdischen Welt, aber um von diesen Spuren den Rueckschluss zu einer goettlichen Wirklichkeit zu machen, bedarf es eines Glaubensaktes. Berger hat aber schluessig aufgewiesen, dass selbst der Projektionsvorwurf der Religionskritik nur auf der Basis eines bestimmten “Glaubens”, also einer bestimmten Vorstellung und Deutung der Welkt funktionieren kann. Warum? Nun, dieser Projektionsvorwurf ist ja selbst eine Projektion und will doch wahr sein, waehrend er dem Christentum bzw. glaubenden Menschen die Gueltigkeit dieser Projektion abspricht. Damit erklaert die Religionskritik die Welt fuer absurd und sinnlos – ohne jeglichen ueber diese Welt hinausgehenden Sinn.
Literaturverzeichnis
AK LB 2 “Glaubensbegruendung”. Hg. v. Theologie im Fernkurs, Wuerzburg, Auflage 2004
AK LB 3 “Theologie und Glaube”. Hg. v. Theologie im Fernkurs, Wuerzburg, Auflage 2004
Apostolisches Schreiben Lumern Ecclesiae (20. November 1974), II, II, 45, 2.
Hl. Augustinus, serm. 43,7,9
Bekenntnisse, X, 23, 33: CCL 27, 173.
Papst Benedikt XVI. am 16.10.2008 zun Teilnehmern eines Internationalen Kongresses, den die Paepstliche Lateran-Universitaet in Zusammenarbeit mit der Paepstlichen Akademie fuer die Wissenschaften und der Weltkonferenz der universitaeren Einrichtungen anlaesslich des zehnten Jahrestages der Veroeffentlichung der Enzyklika Fides et ratio organisiert hatte. Quelle: www.triff-den-papst.de, 18.10.2008
Die Bibel. Einheitsuebersetzung. Altes und Neues Testament. Stuttgart (Katholische Bibelanstalt GmbH) 1980
Deutsche Bischofskonferenz, Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Zweiter Band. Bonn (Herder) 1995
Michael Fiedrowicz, Theologie der Kirchenvaeter. Freiburg (Herder) 2007
Scott Hahn, Reasons to Believe. New York (Doubleday), 1. Auflage 2007
Johannes Paul II, Fides et Ratio, www.vatican.va, 06.08.08
Katechismus der Katholischen Kirche. Muenchen (R. Oldenburg Verlag) 1993, 286, 156 ff.
http://www.kath.net/detail.php?id=18899, 13.08.2008
http://www.kath.net/detail.php?id=16466&&print=yes, 24.08.2008
Missale Romanum
Aus: Joseph Ratzinger, Theologie und Kirchenpolitik, in: Internationale katholische Zeitschrift “Communio” 9 (1980); wieder abgedruckt in: L.S. Schulz (Hg.), Wem nuetzt die Wissenschaft. Dtv 1981, und: Joseph Kardinal Ratzinger, Kirche, Oekumene und Politik. Neue Versuche der Ekklesiologie, Einsiedeln 1987, S. 142.
Stromata, I, 20, 100, 1: SC 30, 124.
Tertullian, Marc. 2-4
II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution ueber die goettliche Offenbarung Dei Verbum, 4.
Franz Werfels, Das Lied von Bernadette. DVD. Frankfurt am Main (Twentieth Century Fox Fil Corporation), 1943 (Neuauflage 2006)
Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft, 22.09.2008
http://www.zenit.org/phprint.php
Fußnoten:
1 Die Bibel. Einheitsuebersetzung. Altes und Neues Testament. Stuttgart (Katholische Bibelanstalt GmbH) 1980
2 Johannes Paul II, Fides et Ratio, www.vatican.va, 06.08.08
3 vgl. Katechismus der Katholischen Kirche. Muenchen (R. Oldenburg Verlag) 1993, 286, 156 ff.
4 http://www.kath.net/detail.php?id=16466&&print=yes, 24.08.2008
5 Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft, 22.09.2008
6 Aus: Joseph Ratzinger, Theologie und Kirchenpolitik, in: Internationale katholische Zeitschrift “Communio” 9 (1980); wieder abgedruckt in: L.S. Schulz (Hg.), Wem nuetzt die Wissenschaft. Dtv 1981, und: Joseph Kardinal Ratzinger, Kirche, Oekumene und Politik. Neue Versuche der Ekklesiologie, Einsiedeln 1987, S. 142.
7 vgl. AK LB 3 “Theologie und Glaube”. Hg. v. Theologie im Fernkurs, Wuerzburg, Auflage 2004
8 Hebr 1,1-2. Die Bibel. Einheitsuebersetzung. Altes und Neues Testament. Stuttgart (Katholische Bibelanstalt GmbH) 1980
9 1 Petr 3,15. Die Bibel. Einheitsuebersetzung. Altes und Neues Testament. Stuttgart (Katholische Bibelanstalt GmbH) 1980
10 Hl. Augustinus, serm. 43,7,9
11 Papst Benedikt XVI. am 16.10.2008 zun Teilnehmern eines Internationalen Kongresses, den die Paepstliche Lateran-Universitaet in Zusammenarbeit mit der Paepstlichen Akademie fuer die Wissenschaften und der Weltkonferenz der universitaeren Einrichtungen anlaesslich des zehnten Jahrestages der Veroeffentlichung der Enzyklika Fides et ratio organisiert hatte. Quelle: www.triff-den-papst.de, 18.10.2008
12 vgl. Tertullian, Marc. 2-4
13 Johannes Paul II, Fides et Ratio, www.vatican.va, 06.08.08
14 “Ut te simper desiderando quaererent et inviendo quiescerent”: Missale Romanum
15 Bekenntnisse, X, 23, 33: CCL 27, 173.
16 Vgl. II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution ueber die goettliche Offenbarung Dei Verbum, 4.
17 Stromata, I, 20, 100, 1: SC 30, 124.
18 http://www.kath.net/detail.php?id=18899, 13.08.2008
19 Apostolisches Schreiben Lumern Ecclesiae (20. November 1974), II, II, 45, 2.
20 http://www.zenit.org/phprint.php
21 vgl. AK LB 2 “Glaubensbegruendung”. Hg. v. Theologie im Fernkurs, Wuerzburg, Auflage 2004
22 Die Bibel. Einheitsuebersetzung. Altes und Neues Testament. Stuttgart (Katholische Bibelanstalt GmbH) 1980
23 vgl. Scott Hahn, Reasons to Believe. New York (Doubleday), 1. Auflage 2007
24 Die Bibel. Einheitsuebersetzung. Altes und Neues Testament. Stuttgart (Katholische Bibelanstalt GmbH) 1980
25 Die Bibel. Einheitsuebersetzung. Altes und Neues Testament. Stuttgart (Katholische Bibelanstalt GmbH) 1980
26 vgl. Deutsche Bischofskonferenz, Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Zweiter Band. Bonn (Herder) 1995
27 Die Bibel. Einheitsuebersetzung. Altes und Neues Testament. Stuttgart (Katholische Bibelanstalt GmbH) 1980
28 vgl. Michael Fiedrowicz, Theologie der Kirchenvaeter. Freiburg (Herder) 2007
29 vgl. Scott Hahn, Reasons to Believe. New York (Doubleday), 1. Auflage 2007
30 Franz Werfels, Das Lied von Bernadette. DVD. Frankfurt am Main (Twentieth Century Fox Fil Corporation), 1943 (Neuauflage 2006)
31 vgl. Ex 33,22
kath-info: Vernunft
kath-info: Rationalität & Gottesglaube
Zenit: Bischof Gerhard Ludwig Müller: Die Rationalität des Glaubens
kath.net: Benedikt XVI: 'Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir"
kath.net: Benedikt XVI: 'Nicht vernunftgemäß zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider'
kath.net: Bischof Marx: 'Christus ist die wahre Aufklärung'
kath.net: Schönborn: 'Die Kirche hat immer auch die Vernunft verteidigt'
kath.net: Kardinal Schönborn: 'Die Kirche müsse heute die Vernunft verteidigen'
kath.net/Zenit.org: Der Glaube fürchtet nicht den Fortschritt der Wissenschaft
kath.net: Jesus Christus ist die wahre Aufklärung des Menschen über sich selbst
Vatikan: Fides et Ratio
Original Catholic Encyclopedia: Reason
New Advent: Reason
A Catholic Response: Reasons for Faith
Mexico: Grupo Internacional para la Paz
kath.net: Vernunft wie sie Gott gefällt
Fr. Robert Spitzer: Finding God through Faith & Reason (DVD)
The Absurdity of Atheism (Atheism is for Dummies) (CDs) (Ken Hensley zeigt hier wunderbar, dass Evangelisation und Glaubensbegründung nicht nur ausgehend von der Tatsache, dass es einen Gott gibt, möglich sind, sondern auch, indem man die Absurdität des Atheismus aufweist!
Dave Armstrong: Top 10 Questions Catholics are Asked (Pamphlet)
Jesse Romero: Reasons for Faith (Videos)
Dr. Scott Hahn: Reasons to Believe (DVD)
Vision Video: Faith & Science - Set of Three DVD's