Katholisch Leben!

Den katholischen Glauben kennen, leben, lieben & verteidigen!

Theresia von Lisieux (1873 - 1897)

"Beten heißt nicht viel reden, sondern viel lieben."


Anbetung


2096 Der erste Akt der Tugend der Gottesverehrung ist die Anbetung. Gott anbeten heißt, ihn als Gott, als den Schöpfer und Retter, den Herrn und Meister von allem, was ist, als unendliche und barmherzige Liebe anzuerkennen. Jesus beruft sich auf das Buch Deuteronomium 1 und sagt: „Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen" (Lk 4,8).


2097 Gott anbeten heißt, in Ehrfurcht und absoluter Unterwerfung die „Nichtigkeit des Geschöpfs" anzuerkennen, welches einzig Gott sein Dasein verdankt. Gott anbeten heißt, wie Maria im Magnificat ihn zu loben, ihn zu preisen und sich selbst zu demütigen, indem man dankbar anerkennt, daß er Großes getan hat und daß sein Name heilig ist [Vgl. Lk 1,46-49].

Die Anbetung des einzigen Gottes befreit den Menschen von der Selbstbezogenheit, von der Sklaverei der Sünde und der Vergötzung der Welt.


Gebet


2098 Die Akte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, die das erste Gebot befiehlt, vollenden sich im Gebet. Wir beten Gott an, indem wir den Geist in Lob- und Dankgebet, Fürbitte und Bitte zu Gott erheben. Das Gebet ist eine unerläßliche Voraussetzung, um die Gebote Gottes halten zu können. Man soll „allzeit beten und darin nicht nachlassen" (Lk 18,1).


2099 Es ist richtig, Gott Opfer darzubringen zum Zeichen der Anbetung und des Dankes, des Flehens und der Gemeinschaft mit ihm. „Ein wahres Opfer ist jegliches Werk, das getan wird, um in heiliger Gemeinschaft Gott anzuhangen" (Augustinus, civ. 10,6).


2100 Damit die äußere Opferhandlung wahrhaftig ist, muß sie Ausdruck einer inneren Opferhaltung sein: „Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist . . .„ (Ps 51, 19). Die Propheten des Alten Bundes verurteilten oft die Opfer, die ohne innere Anteilnahme [Vgl. Am 5,21-25] oder ohne Liebe zum Nächsten [Vgl. Jes 1,10-20, 2 Vgl. Jes 1,10-20, ] dargebracht werden. Jesus erinnert an das Wort des Propheten Hosea:

„Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer" (Mt 9,13; 12,7)[Vgl. Hos 6,6]. Das einzige vollkommene Opfer ist jenes, das Christus am Kreuz in völliger Hingabe an die Liebe des Vaters und zu unserem Heil dargebracht hat [Vgl. Hebr 9,13-14. ]

Indem wir uns mit seinem Opfer vereinen, können wir unser Leben zu einer Opfergabe an Gott machen.


Versprechen und Gelübde


2101 Bei mehreren Anlässen wird der Christ aufgerufen, Gott Versprechen zu machen. Taufe und Firmung, Trauung und Weihe sind stets mit einem solchen Versprechen verbunden. Aus persönlicher Frömmigkeit kann der Christ Gott auch eine Tat, ein Gebet, ein Almosen, eine Wallfahrt oder ähnliches versprechen. Im treuen Einhalten der Gott gemachten Versprechen zeigt sich die der göttlichen Majestät geschuldete Ehrerbietung und die Liebe zum getreuen Gott.


2102 „Ein Gelübde, das ist ein Gott überlegt und frei gegebenes Versprechen, das sich auf ein mögliches und besseres Gut bezieht, muß kraft der Tugend der Gottesverehrung erfüllt werden" ( [link] CIC, can. 1191, § 1). Das Gelübde ist ein Akt der Hingabe, durch den sich der Christ Gott weiht oder ihm ein gutes Werk verspricht. Durch die Erfüllung seiner Gelübde schenkt er Gott, was er ihm versprochen und geweiht hat. So war der hl. Paulus, wie die Apostelgeschichte uns zeigt, sehr darauf bedacht, seine Gelübde zu erfüllen [Vgl. Apg 18,18; 21,23-24.].


2103 Den Gelübden, den evangelischen Räten entsprechend zu leben, erkennt die Kirche einen beispielgebenden Wert zu [Vgl. [link] CIC. can. 654]

„Deshalb freut sich die Mutter Kirche darüber, daß sich in ihrem Schoß viele Männer und Frauen finden, die die Entäußerung des Erlösers nachdrücklicher befolgen und deutlicher erweisen, indem sie die Armut in der Freiheit der Kinder Gottes übernehmen und auf den Eigenwillen verzichten, das heißt, sie unterwerfen sich einem Menschen um Gottes willen hinsichtlich der Vollkommenheit über das Maß des Gebotes hinaus, um sich dem gehorsamen Christus mehr gleichzugestalten" (LG 42).


In gewissen Fällen kann die Kirche aus angemessenen Gründen von Gelübden und Versprechen dispensieren [Vgl. CIC, cann. [link] 692; [link] 1196-1197].

Die Verpflichtung der Gesellschaft zur Gottesverehrung und das Recht auf Religionsfreiheit


2104 Alle Menschen sind „verpflichtet, die Wahrheit, besonders in dem, was Gott und seine Kirche angeht, zu suchen und die erkannte Wahrheit aufzunehmen und zu bewahren" (DH 1). Zu dieser Pflicht werden die Menschen „durch ihre eigene Natur gedrängt" (DH 2). Diese Pflicht verbietet nicht, „mit aufrichtigem Ernst" die verschiedenen Religionen zu achten, die „nicht selten einen Strahl jener Wahrheit wiedergeben, die alle Menschen erleuchtet" (NA 2); sie widerspricht auch nicht dem Liebesgebot, das die Christen drängt, „den Menschen, die in Irrtum oder Unwissenheit in den Dingen des Glaubens befangen sind, in Liebe, Klugheit und Geduld zu begegnen" (DH 14).


2105 Die Pflicht, Gott aufrichtig zu verehren, betrifft sowohl den einzelnen Menschen als auch die Gesellschaft. Dies ist „die überlieferte katholische Lehre von der moralischen Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi" (DH 1). Indem die Kirche unablässig das Evangelium verkündet, bemüht sie sich darum, daß es den Menschen möglich wird, „Mentalität und Sitte, Gesetz und Strukturen der Gemeinschaft, in der jemand lebt, im Geist Christi zu gestalten" (AA 13). Die Christen haben die soziale Verpflichtung, in jedem Menschen die Liebe zum Wahren und Guten zu achten und zu wecken. Dies verlangt von ihnen, die einzige wahre Religion, die in der katholischen und apostolischen Kirche verwirklicht ist [Vgl. DH 1], zu verbreiten. Die Christen sind berufen, das Licht der Welt zu sein [Vgl. AA 13]. Die Kirche bezeugt so die Königsherrschaft Christi über die ganze Schöpfung, insbesondere über die menschlichen Gesellschaften [Vgl. Leo XIII.. Enz. „Immortale Dei"; Pius Xl., Enz. „Quas primas"].


2106 Religionsfreiheit bedeutet, „daß im religiösen Bereich niemand gezwungen wird, gegen sein Gewissen zu handeln, noch daran gehindert wird, privat und öffentlich, als einzelner und in Verbindung mit anderen innerhalb der gebührenden Grenzen nach seinem Gewissen zu handeln" (DH 2). Dieses Recht gründet auf der Natur des Menschen, dessen Würde erfordert, daß er der göttlichen Wahrheit, die die zeitliche Ordnung übersteigt, freiwillig zustimmt. Deswegen bleibt dieses Recht „auch denjenigen erhalten, die der Verpflichtung, die Wahrheit zu suchen und an ihr festzuhalten, nicht nachkommen" (DH 2).


2107 „Wenn in Anbetracht besonderer Umstände in einem Volk einer einzigen religiösen Gemeinschaft in der Rechtsordnung des Staates eine spezielle bürgerliche Anerkennung gezollt wird, so ist es notwendig, daß zugleich das Recht auf Freiheit in religiösen Dingen für alle Bürger und religiösen Gemeinschaften anerkannt und gewahrt wird" (DH 6).


2108 Das Recht auf Religionsfreiheit bedeutet weder die moralische Erlaubnis, einem Irrtum anzuhängen [Vgl. Leo XIII., Enz. „Libertas præstantissimum"], noch ein angebliches Recht auf Irrtum [Vgl. Pius XII., Ansprache vom 6 Dezember 1953] sondern es ist ein natürliches Recht des Menschen auf die bürgerliche Freiheit, das heißt darauf, daß im religiösen Bereich - innerhalb der gebührenden Grenzen - von der politischen Gewalt kein äußerer Zwang ausgeübt wird. Dieses natürliche Recht ist in der Rechtsordnung der Gesellschaft anzuerkennen, so daß es zum staatlichen Recht wird [Vgl. DH 2. ].


2109 Das Recht auf Religionsfreiheit darf an sich weder unbeschränkt [Vgl. Pius VI., Breve „Quod aliquantum"] noch bloß durch eine positivistisch oder naturalistisch verstandene „öffentliche Ordnung" [Vgl. Pius IX., Enz. „Quanta cura".] beschränkt sein. Die diesem Recht innewohnenden „gerechten Grenzen" sind für jede Gesellschaftssituation den Forderungen des Gemeinwohls entsprechend durch die politische Klugheit zu bestimmen und durch die staatliche Autorität „nach rechtlichen Normen, die der objektiven sittlichen Ordnung entsprechen", zu bestätigen (DH 7).


(Katechismus der Katholischen Kirche. Copyright © Libreria Editrice Vaticana)


kathpedia.com: Gebet

"Das christliche Beten ist die persönliche, lebendige Beziehung der Kinder Gottes zu ihrem unendlich guten Vater, zu seinem Sohn Jesus Christus und zum Heiligen Geist, der in ihren Herzen wohnt." (KKK-K 534)

"Das innerliche Gebet ist ein Gespräch mit einem Freund, mit dem man oft und gern allein zusammenkommt, um mit ihm zu reden, weil man sicher ist, dass Er uns liebt ..." (hl. Teresa von Ávila) Ziel des Betens ist also die größere Liebe zu Gott und den Menschen.

Das Gebet ist das frei machen unserer Seele zu Gott, in der Absicht, Gott besser lieben, danken und dienen zu können und seine Hilfe zu erbitten, um durch dieser Dienst, zu seiner Ehre, ein besserer und vollkommenere Mensch zu werden.

 

Formen des Gebetes


Neben dem Stundengebet (besonders der Kleriker und Ordensleute) und dem Rosenkranz gibt es u. a. noch: die Eucharistische Anbetung, Litaneien, das Jesusgebet (auch: immerwährendes Gebet), Novene, Ignatianische Exerzitien und viele andere, von der Kirche gutgeheißene Andachtsweisen, auch Bittprozessionen, Bussgottesdienste und der Kreuzweg gehören dazu. Die Höchstform unseres Betens ist die Heilige Messe, die (Eucharistiefeier).

Der Katechismus der Katholischen Kirche nennt drei verschiedene Arten des Betens:

Mündliches Gebet.
Betrachtendes Gebet.
Inneres Gebet.

 

Mündliches Gebet


Unter Mündlichem Gebet versteht man jedes Gebet, das man mit Worten an Gott richtet, sei es in Gedanken, oder laut ausgesprochen. Man kann z.B. den Rosenkranz und das Stundengebet als „mündliche Gebet“ bezeichnen, aber auch Andachten, alle Arten der aufgeschriebenen Gebete und persönliche Gebete. Der Begriff „mündliches“ Gebet sagt nichts über die Tiefe des Gebetes aus, sondern bezeichnet eine Ausdrucksform des Betens.

 


Betrachtendes Gebet


Das betrachtende Gebet bezieht das Denken, Gefühle, die Vorstellungskraft, den Willen und das Verlangen des Beters mit ein. Der Betende wendet seine Vorstellungskraft an, um das, was er betrachtet, gläubig mit der Wirklichkeit seines Lebens zu verbinden. Er nimmt sich z.B. einen Abschnitt des Evangeliums, um ihn zu betrachten. Nehmen wir an, es handelt sich um eine Heilungsgeschichte, so kann er sich vorstellen, wie die belebten Straßen ausgesehen haben, er kann nachempfinden, wie es wäre, selber mit einer Krankheit unter den Menschen zu sein, von Jesus angerufen, berührt und geheilt zu werden. Diese Betrachtung berührt die Gefühle, den Willen und das Verlangen des Beters. Durch Nachdenken versucht er, das Betrachtete auf sein Leben zu beziehen, um daraus zu leben.

 


Der Katechismus der Katholischen Kirche schreibt über das betrachtende Gebet:

 

2705 Das betrachtende Gebet, die Meditation, ist vor allem ein Suchen. Der Geist sucht das Warum und das Wie des christlichen Lebens zu erfassen, um dem, was der Herr verlangt, zustimmen und antworten zu können. Dazu bedarf es der Aufmerksamkeit, die sich aber nur schwer beherrschen läßt. Man nimmt gewöhnlich ein Buch zu Hilfe. Die christliche Überlieferung bietet eine reiche Auswahl: die Heilige Schrift, besonders die Evangelien, Ikonen, die für den Tag vorgesehenen liturgischen Texte, die Schriften der geistlichen Väter, das geistliche Schrifttum, das große Buch der Schöpfung und jenes der Geschichte, besonders die Seite, die heute aufgeschlagen ist.

2706 Über Gelesenes nachsinnen heißt, diesem begegnen und es sich aneignen. So wird das Buch des Lebens aufgeschlagen: Dies ist der Übergang von den Gedanken zur Wirklichkeit. Der Demut und dem Glauben entsprechend werden darin die Bewegungen des Herzens wahrgenommen und beurteilt. Man muß die Wahrheit tun, um zum Licht zu kommen. „Herr, was willst du? Was soll ich tun?"

2707 Die Methoden betrachtenden Gebetes sind so unterschiedlich wie die geistlichen Lehrer. Ein Christ soll regelmäßig meditieren. Andernfalls gleicht er dem Weg, dem felsigen oder dem dornenüberwachsenen Boden aus dem Gleichnis vom Sämann [Vgl. Mk 4,4-.7.15-19]. Eine Methode aber ist nur ein Führer. So ist es wichtig, mit dem Heiligen Geist auf Christus Jesus, dem einzigen Weg des Gebetes, voranzuschreiten.

2708 Das betrachtende Gebet macht vom Denken, von der Einbildungskraft, von der Gefühlsbewegung und vom Verlangen Gebrauch. Dieser Einsatz ist notwendig, um die Wahrheiten des Glaubens zu vertiefen, die Umkehr des Herzens anzuregen und den Willen zur Nachfolge Christi zu stärken. Das christliche Gebet bemüht sich vor allem, über die „Mysterien Christi" nachzusinnen, wie das bei der Schriftlesung, der „lectio divina", und beim Rosenkranz geschieht. Diese Form betenden Nachdenkens ist von großem Wert; aber das christliche Gebet soll noch mehr erstreben: die liebende Erkenntnis Christi und die Vereinigung mit ihm.
 

Inneres Gebet


Manches ist schon über das innere Gebet geschrieben worden. Die Hl. Therese vom Kinde Jesu nennt ihr Gebet einen "liebenden Aufschwung des Herzens" zu Gott. Vom Hl. Pfarrer von Ars wird berichtet, dass er lange Zeit vor dem Allerheiligsten nur in stiller Versenkung gekniet sei.

Meist wird das innere Gebet aus dem betrachtenden Gebet herausgeläutert - aber im Unterschied dazu lebt es nicht aus den Kräften der Phantasie und der Emotionalität, sondern direkt aus der Liebe heraus. Inneres Gebet kann man nicht machen, nur ersehnen, es wird von Gott geschenkt. Das innere Gebet braucht (fast) keine Worte mehr und erfüllt sich darin, einfach in Ruhe vor Gott zu sein, und sich von Ihm ganz hineinnehmen zu lassen in Seine Wesenheit, in Seine Liebe. Der Beter schaut nicht mehr auf sich selbst, sondern gibt Gott alle Freiheit über sich. Begegnung von Herz zu Herz kann geschehen, und das Gebet bleibt nun nicht mehr auf die Gebetszeit beschränkt, sondern wird Herzenshaltung, die auch tagsüber präsent bleibt, Kuss der Liebe.

 

Literatur


Tag- und Nachtgebete", Adamas Verlag Köln 1999 (5. Auflage; kirchliche Druckerlaubnis durch Kardinal Joachim Meisner).
Zum Inneren Gebet: Karmel-Mystik bzw bei Johannes vom Kreuz.
Zum Jesusgebet: Emmanuel Jungclaussen, Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers, Herder Verlag Freiburg im Breisgau 1989 (17. Auflage).
Raphael Nießner, Jugendgebetbuch, Verlagsbuchhandlung der Benediktiner, Abteilung Katechse, D-93352 Rohr i. NB, (Mit dem Apostolischem Segen Johannes Paul II.
Lasset uns beten (Reichhaltiges Gebetbuch, 334 Seiten DIN A 6) erhältlich beim Grignion Verlag (Mit kirchlicher Druckerlaubnis für den italienischen Originaltext).
Ferdinand Holböck, Der ganze Mensch vor Gott. Überlegungen für die rechte Gebets- und Lebenshaltung, OÖ. Landesverlag, Linz.
Walter Lang, Das Gespräch mit Gott. Schule christlichen Betens, Stella Maris Verlag, D-86647 Buttenwiesen 2004.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Gebet)

 

Vater unser

Deutsch:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde Dein Name,
Dein Reich komme,
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern,
und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

(Denn Dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.)

Amen.


Latein:

Pater noster, qui es in caelis,
sanctificetur nomen tuum.
Adveniat regnum tuum.
Fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie.
Et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris.
Et ne nos inducas in tentationem,
sed libera nos a malo.

(Quia tuum est regnum et potestas
et gloria in saecula.)

Amen.


Aramäisch:

Abwun d’bwaschmaja
Nethkadasch schmach
Tete malkuthach
Nehwe tzevjanach aikana d’bwaschmaja af b’arha
Hawvlan lachma d’sunkana jaomana
Waschboklan chauben (wachtahen) aikana daf chnan schvoken l’chaijaben
Wele tachlan l’nesjuna ela patzan min bischa

(Metol dilachie malkutha wahaila wateschbuchta l’ahlam almin.)

Amen.

 

(Quelle: www.kathpedia.com)

 

Sonnengesang 182 (Sonn)

Dieses Loblied entstand in jenen Tagen, als Franziskus im Herbst 1225 krank bei San Damiano daniederlag. Ob das Lied in einem Zug entstand, oder ob die Strophen 1-9 (und 14?) zuerst verfaßt wurden, danach die Friedensstrophe angefügt wurde und Franziskus im Angesicht des Todes die Strophe über den Tod verfaßt hat, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Der Sonnengesang ist in altitalienischer Sprache verfaßt. Seinem Charakter wird man nur gerecht, wenn man ihn als Gebet sieht.

1 Erhabenster, allmächtiger, guter Herr, dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und die Ehre und jegliche Benedeiung.


2 Dir allein, Erhabenster, gebühren sie, und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.


3 Gepriesen seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, zumal der Herrin, Schwester 183 Sonne, denn sie ist der Tag und spendet das Licht uns durch sich.


4 Und sie ist schön und strahlend in großem Glanz. Dein Sinnbild trägt sie, Erhabenster.


5 Gepriesen seist du, mein Herr, durch 184 Bruder Mond und die Sterne, am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.


6 Gepriesen seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch welches du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.


7 Gepriesen seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser, gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.


8 Gepriesen seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du die Nacht erleuchtest; und es ist schön und liebenswürdig und kraftvoll und stark.


9 Gepriesen seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns ernährt und lenkt und mannigfaltige Frucht hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.


10 Gepriesen seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen und Schwachheit ertragen und Drangsal.


11 Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Erhabenster, werden sie gekrönt.


12 Gepriesen seist du, mein Herr, durch unseren Bruder, den leiblichen Tod; ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.


13 Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben. Selig jene, die sich in deinem alleinige Willen finden, denn der zweite Tod wird ihnen kein Leides tun.


14 Lobet und preiset meinen Herrn und erweiset ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

(Quelle: http://www.schriften.franziskaner-werd.ch/songesa.htm)

 

Beten für die Toten?

In 2 Tim 1,16-20 betet Paulus zunächst für die Familie des (offenbar verstorbenen) Onesiphorus. Im Vers 18 betet er dann: "der Herr gebe ihm, dass er beim Herrn Erbarmen findet an jenem Tag." (Einheitsübersetzung). Er betet also offenbar für einen Toten!

Nun hat dies zwei Konsequenzen: zum einen ist das Beten für die Toten im Neuen Testament dokumentiert, zum anderen kann dies als Hinweis auf das Fegefeuer gesehen werden (wenn er in der Hölle ist, braucht man nicht mehr für ihn zu beten. Ebenso wenig, wenn er im Himmel ist - dann hat er es ja schon "geschafft"!).

 

 

Wenn Katholiken beten, plappern sie viel und sie wiederholen ihre Worte, was ja in Mt 6,7 verboten ist!

Lesen wir hierfür Mt 26,44: "Und er ging wieder von ihnen weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten." (Einheitsübersetzung)

Ja, wir sollen nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. Dazu gehört aber keineswegs der Rosenkranz, auch wenn hier Gebete wiederholt werden. Ebensowenig wie Jesu Gebet, von dem wir in o.g. Vers lesen - auch wenn Er es wiederholte. Wenn der Verstand und das Herz sich auf Gott konzentrieren, kann ein Gebet nicht umsonst sein! Die meisten derer, die den Rosenkranz angreifen, verstehen ganz einfach nicht, dass er ein kontemplatives Gebet darstellt, das die Mysterien im Leben Christi betrachtet. Die häufige Meditation über diese Mysterien kann uns nur näher zu Jesus hinführen. Versuche es doch einmal!

Jetzt zu Offb 4,8: "Und jedes der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen und innen voller Augen. Sie ruhen nicht, bei Tag und Nacht, und rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung; er war und er ist und er kommt." (Einheitsübersetzung)

Hier preisen Engel im Himmel Gott Tag und Nacht - während sie immer wieder dasselbe sagen. Wenn das vergebenes Wiederholen von Gebeten wäre, würde Gott es nicht im Himmel erlauben. Gebete, die aus vollem Herzen voller Demut gesagt werden, um Gott zu loben und zu preisen, sind keineswegs vergebens. Wer kann denn auch beurteilen, ob die Gebete eines Menschen vergebens sind? Wer kann für sich behaupten, er könne in die Herzen von Menschen sehen? Nur Gott kann das. Das Wiederholen von Worten ist also nicht das Problem - eher die dahinter stehende Einstellung des Herzens.

(Quelle: www.saintjoe.com)

 

Katholiken beten zu Maria und den Heiligen. Damit beten sie zu Verstorbenen und das ist in Dt 18,10-11 verboten!

Ok, lesen wir hierfür Mt 22,31-32: "Habt ihr im übrigen nicht gelesen, was Gott euch über die Auferstehung der Toten mit den Worten gesagt hat: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist doch nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden." (Einheitsübersetzung).

Die Heiligen, die vor uns gegangen sind, sind lebendiger, als wir das heute sind. Wie wir in diesem Vers lesen, ist Gott der Gott der Lebenden und nicht der Toten. Damit werden Abraham, Isaak und Jakob aber zu den Lebenden gerechnet! Dt 18,10-11 verbietet es, Geister aus der Unterwelt (dem Sheol) heraufzubeschwören, um mit ihnen zu sprechen. Das ist aber nicht das, was die Katholische Kirche lehrt oder praktiziert. Was wir tun, ist, Brüder und Schwestern aus der Kirchengemeinschaft - dem Leib Christi -, die das himmlische Ziel schon erreicht haben, zu bitten, für uns zu beten.

Nun zu 2 Tim 1,16-18: "Der Familie des Onesiphorus schenke der Herr sein Erbarmen, denn Onesiphorus hat mich oft getröstet und hat sich meiner Ketten nicht geschämt; aös er nach Rom kam, suchte er unermüdlich nach mir, bis er mich fand. Der Herr gebe ihm, dass er beim Herrn Erbarmen findet an jenem Tag. Seine treuen Dienste in Ephesus kennst du selbst am besten." (Einheitsübersetzung).

Warum sollte Paulus Gott darum bitten, Sein Mitleid und Erbarmen jemandem zu gewähren, der tot ist, wenn er wüsste, das seine Gebete dem Toten nichts nützen würden? Paulus war sich durchaus bewusst, dass seine Gebete sehr wohl etwas bewirken würden. Die Toten brauchen unsere Gebete - genauseo wie wir ihre brauchen. Gott alleine weiß, wer im Fegefeuer ist - dies sollte uns aber keineswegs davon abhalten, für Verstorbene Familienmitglieder, Freunde usw. zu beten. Wer bereits im Himmel oder in der Hölle ist, hat davon nichts mehr, aber Gott erkennt sehr wohl unsere guten Absichten.

(Quelle: www.saintjoe.com)

 

Die im Himmel können doch unsere Gebete gar nicht hören!

Lesen wir Offb 5,8: "Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen." (Einheitsübersetzung).

Die Gebete der Heiligen werden Gott übergeben. Welche Gebete und welche Bitten sollen das aber sein, die die Heiligen da übergeben, wenn nicht die, die wir ihnen zuvor im Gebet übermittelt haben? Wer im Himmel lebt, hat selbst keine Bedürfnisse. Wenn die Heiligen im Himmel unsere Gebete nicht hören könnten, würde das bedeuten, sie wären vom Leib Christi - der Kirche - abgeschnitten oder getrennt. Sie sind aber lebendiger als wir das sind (vgl. Mk 12,26-27) und enger an Christus als wir!

Sehen wir uns nun Mk 12,26-27 an: "Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Er ist doch nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt euch sehr." (Einheitsübersetzung).

Nochmal: die Heiligen sind offensichtlich lebendiger, als wir das sind. Sie wissen sehr wohl, was so los ist. Sie sind auch nicht getrennt vom Leib Christi, sondern im Gegenteil noch sehr viel mehr in Verbindung damit - und mit uns! Ihre Liebe uns gegenüber ist nun rein und durch die Liebe Gottes wollen sie auch Gottes Segen für uns. Wenn man die Heiligen bittet, für uns zu beten und zu bitten, ist das so, als wenn man einen Freund bitten würde. Es heißt keineswegs, das Christus nicht mehr der einzige Mittler wäre, sondern ergänzt unsere eigenen Gebete.

 

(Quelle: www.saintjoe.com)

 

Warum betet ihr eigentlich für die Toten?

Diese Praxis ist biblisch fundiert:

"Da entdeckten sie, dass alle Toten unter ihren Kleidern Amulette der Götter von Jamnia trugen, obwohl das den Juden vom Gesetz her verboten ist. Da wurde allen klar, dass die Männer deswegen gefallen waren, (...) Anschließend hielten sie einen Bittgottesdienst ab und beteten, dass die begangene Sünde wieder völlig ausgelöscht werde. Der edle Judas aber ermahnte die Leute, sich von Sünden rein zu halten; sie hätten ja mit eigenen Augen gesehen, welche Folgen das Vergehen der Gefallenen gehabt habe. (...) Hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es nämlich überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten. Auch hielt er sich den herrlichen Lohn vor Augen, der für die hinterlegt ist, die in Frömmigkeit sterben. Ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden." (12,40; 42; 44-45 Einheitsübersetzung)

Lesen wir bei Paulus nach:

"Wie kämen sonst einige dazu, sich für die Toten taufen zu lassen? Wenn Tote gar nicht auferweckt werden, warum lässt man sich dann taufen für sie?" (1 Korinther 15,29 Einheitsübersetzung)

Das weist auf Gebete und Fasten für die Toten hin. Das Wort Taufe bezieht sich oft symbolisch auf Bußleistungen (Markus 10,38-39; Lukas 3,16; 12,50).

Offenbar betet Paulus im 2. Timotheus 1,16-18 auch für einen Toten (Onesiphorus).

(Quelle: Our Sunday Visitor, www.osv.com)

Warum zum Priester?

"Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet. Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten." (Jk 5,14-16 - Einheitsübersetzung).

Manch einer, der gerne kund tut, er brauche nichts und niemanden zwischen sich und Jesus, mag ob dieser Verse erstaunt sein. Das griechische Wort für "Älteste" ist übrigens das Wort, aus dem das deutsche "Priester" gebildet wurde (Presbyter).

Hier wird noch einmal die herausragende Bedeutung der Priester bei der Sakramentenspendung deutlich - sei es nun bei der Krankensalbung oder der Sündenvergebung / Beichte.

Auch werden wir hier nochmals an die Bedeutung des Gebetes erinnert.

Ein Blick in die Bibel verschafft also oft Klarheit!

 

kathpedia.com: Verehrung und Anrufung der Heiligen

Gemeinschaft der Heiligen


Die Heiligenverehrung hängt eng mit dem Begriff der „Gemeinschaft der Heiligen“ zusammen, die alle Christen im Apostolischen Glaubensbekenntnis bezeugen. Unter „Gemeinschaft der Heiligen“ (Communio Sanctorum) versteht man zwei Dinge: Zum einen genießen die Glieder des Leibes Christi Gemeinschaft in den „heiligen Dingen“ wie zum Beispiel dem Glauben, den Sakramenten, der Liturgie. Zum andern haben sie eine reale Gemeinschaft mit Christus und untereinander in der Taufe, so dass das, was ein jeder in und für Christus erduldet oder tut, allen zu gute kommt. Diese Einheit in der Kirche als Leib Christi geht über Zeit und Raum hinaus und endet nicht mit dem Tod.

Die Bibel gibt uns die Zusage, dass die im Herrn verstorbenen im Himmel von Gott Ehre erhalten: „Kostbar ist in den Augen des Herrn das Sterben seiner Frommen“(Ps 116,15). Dies dürfen wir als Aufruf verstehen, sie ebenfalls zu ehren. Und gerade weil sie im Leben ihre Treue zu Gott bewiesen haben können sie uns als Vorbilder und Ratgeber auf unserem Weg zur Vollendung beistehen. In der Verehrung der Heiligen übt die Katholische Kirche eine Tradition aus, die in ihren Anfängen selbst begründt liegt; schon den ersten Christen war diese Einheit eben "heilig" und stets gegenwärtig:

Als zum Beispiel im Jahr 150 n.Chr. Polykarp, der Bischof von Smyrna, den Märtyrertod erlitt, wurde ein Brief über dieses Martyrium an alle Kirchen versandt. Darin heißt es: „Denn ihn (Jesus Christus) beten wir an, weil er der Sohn Gottes ist. Den Märtyrern aber erweisen wir als (den) Schülern und Nachahmern des Herrn gebührende Liebe wegen ihrer unübertrefflichen Zuneigung zu ihrem König und Lehrer.“ (MartPolk 17) Die Gemeinschaft der Heiligen drückt sich hier sehr schön in einer Gemeinschaft der Liebe aus. „Keiner von uns lebt sich selber und keiner stirbt sich selber.“ (Röm. 14,7)

In der Verehrung der Märtyrer und Heiligen verwirklicht sich das, was Paulus in 1. Kor. 12,26f. schreibt: „Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle andern mit ihm. Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm.“ Folglich können wir die Heiligen nicht ignorieren, sondern müssen ihnen die “gebührende Liebe“ erweisen.

 

Tote Heilige?


Offensichtlich gibt es unterschiedliche Vorstellungen über den Zustand der Verstorbenen. Der hl. Paulus schreibt: „Euch aber lasse der Herr wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir euch lieben, damit euer Herz gefestigt wird und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, wenn Jesus, unser Herr, mit allen seinen Heiligen kommt.“ (1.Thess 3,12f; siehe auch Judas 14; Sach 14,5) Diese Stelle bezeugt, daß die Heiligen schon vor der Wiederkunft Christi in Gemeinschaft mit Ihm leben.

Dass die Seelen der vollendeten Gerechten tatsächlich seit der Zeit des Neuen Testaments im Himmel sind bezeugt uns mit aller Deutlichkeit der Hebräerbrief. Dort wir im 12. Kapitel die enge gottesdienstliche Gemeinschaft der Christen mit Gott, mit den Engeln und mit den „Geistern der vollendeten Gerechten“ beschrieben: „Ihr seid [bereits] vielmehr zum Berg Zion hinzugetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind; zu Gott dem Richter aller, zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten, zum Mittler eines neuen Bundes, Jesus, und zum Blut der Besprengung, das mächtiger ruft als das Blut Abels.“ (Hebräer, 12, 22-24)

 

Totenbeschwörung?


Es gibt Gruppen, die weniger ein Problem in der Verehrung als vielmehr in der Anrufung der Heiligen sehen. Dabei wird oft das Buch Deuteronomium angeführt, wo es heisst: „Es soll bei dir keinen geben, der seinen Sohn oder seine Tochter durchs Feuer gehen lässt, keinen, der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert, Gebetsbeschwörungen hersagt oder Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt“ (Dtn 18,10f). Ist das Anrufen der Heiligen Totenbeschwörung?

Gott verbietet hier die Beschwörung von Toten im Rahmen von okkulten Praktiken, um Auskünfte aus dem Jenseits zu erhalten. Das Volk Gottes soll so etwas nicht tun, sondern sich ganz auf Gott verlassen und auf die von Ihm gesandten Propheten hören. „Du sollst ganz und gar bei dem Herrn, deinem Gott, bleiben. Denn diese Völker, deren Besitz du übernimmst, hören auf Wolkendeuter und Orakelleser. Für dich aber hat der Herr, dein Gott, es anders bestimmt. Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören“ (Dtn 18,13ff).

Es gibt also einen klaren qualitativen Unterschied zwischen der okkulten Handlung und der Anrufung der Heiligen: Im einen will sich der Mensch stolz Zugang zu Informationen verschaffen, die vor ihm verborgen sind. Er umgeht also die von Gott gesetzte Ordnung und handelt gegen dessen Willen. Im anderen nimmt de Mensch demütig Zuflucht zu einer geliebten Person, damit diese bei Gott Fürsprache einlege. Hier spielt sich also alles innerhalb der von Gott gewollten "Gemeinschaft der Heiligen" ab, die sich ja auch schon in diesem Leben einsetzen, miteinander zur christlichen Vollendung zu gelangen. In diesem Kontext ist auch Mt 17,1-9 zu verstehen, wo Jesus selbst auf dem Berg der Verklärung mit den propheten Mose und Elija redet.

 

„Himmlische Gebetsgemeinschaft“


Von der Bibel erfahren wir, dass die irdische und die himmlische Welt nicht völlig voneinander getrennt sind; so bezeugt sie zum Beispiel die Anteilnahme der Engel an unserem Schicksal, wenn Jesus sagt: „Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.“ (Lk 15,10)

Ebenso finden sich Bibelstellen, in denen die Fürbitte der Engel bei Gott ausdrücklich beschrieben wird: „Da sagte der Engel des Herrn: Herr der Heere, wie lange versagst du noch Jerusalem und den Städten Judas dein Erbarmen, denen du nun siebzig Jahre grollst? Der Herr antwortete dem Engel, der mit mir redete, in freundlichen Worten, Worten voll Trost.“(Sach 1,12.13)

...oder ähnlich: „ Wenn dann ein Engel ihm [dem Todkranken] zur Seite steht, / ein Mittler, einer von den Tausenden, / dem Menschen zu verkünden, was recht ist, wenn dieser sich erbarmt und spricht: / Erlös ihn, dass er nicht ins Grab absteige, / Lösegeld hab ich für ihn gefunden! [...]“ (Ijob 33,23.24)

Im Buch Tobit finden wir einen weiteren Anhaltspunkt: „Ich bin Raphael, einer von den sieben heiligen Engeln, die das Gebet der Heiligen emportragen und mit ihm vor die Majestät des heiligen Gottes treten.“ (Tob 12,15);

In der Offenbarung des Johannes kehrt dieses Bild zurück: „Und ein anderer Engel kam und trat mit einer goldenen Räucherpfanne an den Altar; ihm wurde viel Weihrauch gegeben, den er auf dem goldenen Altar vor dem Thron verbrennen sollte, um so die Gebete aller Heiligen vor Gott zu bringen. Aus der Hand des Engels stieg der Weihrauch mit den Gebeten der Heiligen zu Gott empor.“ (Offb 8,3-5)

Die Engel und Heiligen im Himmel verbinden sich also mit den Gebeten der irdischen Christen (den in der Taufe geheiligten) und verstärken diese durch ihr eigenes Gebet.


Ebenso finden wir in der Schrift die bereits bei Gott vollendeten Heiligen die für das Gottesvolk beten. So sieht etwa Judas der Makkabäer in einer Vision, wie zwei verstorbene alttestamentliche Heilige fürbittend bei Gott für die Juden eintreten: „Er hatte folgendes gesehen: Ihm war der frühere Hohepriester Onias erschienen, ein edler und gerechter Mann, bescheiden im Umgang, von gütigem Wesen und besonnen im Reden, von Kindheit an in allem aufs Gute bedacht; dieser breitete seine Hände aus und betete für das ganze jüdische Volk. In gleicher Haltung erschien dann ein Mann mit grauem Haar, von herrlicher Gestalt; der Glanz einer wunderbaren, überwältigenden Hoheit ging von ihm aus. Onias begann zu reden und sagte: Das ist der Freund seiner Brüder, der viel für das Volk und die heilige Stadt betet, Jeremia, der Prophet Gottes.“ (2 Makk 15,11-16).

Auch Jeremia selbst geht davon aus, dass Fürbitte der Heiligen für die Juden möglich ist. So schreibt er: "Doch der Herr sprach zu mir: Selbst wenn Mose und Samuel vor mein Angesicht träten, würde sich mein Herz diesem Volk nicht mehr zuneigen. Schaff sie mir aus den Augen, sie sollen gehen." (Jer 15,1).

Auch im Neuen Testament finden wir die Fürbitte der bei Gott Vollendeten: „Als es das Buch empfangen hatte, fielen die vier Lebewesen und die 24 Ältesten vor dem Lamm nieder; alle trugen Harfen und goldene Schalen voll von Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen.“ (Offb 5,8; 6,9-10) Offenbar sind sich die 24 Ältesten (ein Bild für die vollendeten Gerechten, die überwunden und den Siegeskranz erhalten haben, vgl. Offb 4,4) unserer Gebete bewusst und treten fürbittend für uns ein.


Katholische Christen sind der Auffassung, dass wir engste Gemeinschaft nicht nur mit Gott, Jesus und dem Heiligen Geist haben, sondern auch mit den Heiligen im Himmel. Sowohl die noch kämpfende Kirche auf der Erde als auch die triumphierende Kirche im Himmel gehören zu dem einen ungeteilten Leib Christi. In ihm sind sie eins. Innerhalb dieser engen Gemeinschaft ist es selbstverständlich, dass die Heiligen an unserem Leben Anteil nehmen bzw. wir sie um Fürbitte anrufen.

 

Ein Mittlerproblem?


Es ist ein häufig genannter Einwand gegen die Anrufung der Heiligen, dass durch sie die alleinige Mittlerschaft Christi (Vgl. 1Tim 2,5) beeinträchtigt würde.

Die Heilige Schrift bezeichnet jedoch sogar die Engel als „Mittler“ (siehe dazu Ijob 33,23). Dehalb scheint dieser Einwand unangebracht.

Zum einen kommt Christus eine einzigartige Stellung als Mittler zu, weil er alleine zugleich Gott und Mensch ist; Er ist die einzige Brücke zwischen beiden, der Gott-Mensch Jesus.

Zum andern ist Christus der Mittler des Neuen Bundes (siehe dazu Hebr 9,15; 12,24) und als solcher einzig, genau wie Mose der Mittler des alten Bundes war (Gal. 3, 19-20).

Jemanden zu bitten für einen zu beten verletzt die Mittlerschaft Christi nicht. In 1Tim 2,1-4 ruft Paulus dazu auf, für einander zu beten und bezeichnet dies als recht und Gott wohlgefällig. Die Katholische Kirche lehrt, dass Gott allein die Quelle allen Segens und aller Gnade ist, der Geber aller guten und vollkommenen Gaben. Sie lehrt, dass aller Einfluss, den die Heiligen besitzen, von Gott kommt und auf ihn zurückzuführen ist. Wie der Mond sein Licht von der Sonne borgt, so „borgen“ sich die Heiligen ihr Licht von der Sonne der Gerechtigkeit, Jesus Christus. Auch die Heiligen bitten den Vater, durch den Sohn, im Heiligen Geist.

In den offiziellen liturgischen Gebeten wird das sehr deutlich: Eine Anrufung der Heiligen wird stets begleitet von einem Gebet um Erhörung zum Vater, das mit den Worten endet: „Durch Christus unseren Herrn“.

Die Heiligen um Fürbitte anzurufen ist gemäß der Lehre der Katholischen Kirche „gut und nützlich“, nicht jedoch verpflichtend oder gar heilsnotwendig.

 

Warum nicht nur direkt zu Jesus beten?


Natürlich sollte man vor allem direkt zu Jesus beten. Wenn aber mehrere für die selbe Sache beten kann das ein Erweis dafür sein, dass es um eine für die Beter wichtige Angelegenheit geht. Die Fürsprache der Heiligen im Himmel soll dies noch verdeutlichen und zudem die Macht des Gebetes erhöhen.

Gott beantwortet insbesondere das Gebet der Gerechten. Dies bezeugt Jak 5,16-18: "[...]betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet. Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten." Die bereits bei Gott Vollendeten sind wahrhaft gerecht und stehen direkt in Gottes Gegenwart, so dass ihre Gebete zu Recht als besonders kraftvoll angesehen werden.

 

Zeugnisse der Alten Kirche


Unterhalb des Petersdoms sind bei archäologischen Ausgrabungen sehr alte Graffiti-Inschriften gefunden worden, die auf die Zeit zwischen Mitte des 2. und des 3. Jahrhunderts datiert werden können. In einem Buch von Umberto M. Fasola „Spuren auf dem Felsen - Petrus und Paulus in Rom, 1980, S. 136“ heißt es dazu: „Man kann die vier ersten Buchstaben des griechischen Namen Petros und Reste einer an ihn gerichteten Anrufung lesen.“ Ähnlich hat man nach 258 n. Chr. in der Sebastianskatakombe in Rom eine Vielzahl von Graffiti-Inschriften gefunden, in denen sowohl Petrus als auch Paulus angerufen werden.

Die früheste schriftlich fixierte Heiligenanrufung findet man jedoch bei Hippolyt († 235), der sich in seinem Danielkommentar an die drei Gefährten Daniels mit der Bitte wendet: „Gedenket meiner, ich bitte, damit auch ich mit euch dasselbe Los des Martyriums erlange.“ (In Dan II, 30)

Die Erzählung eines christlichen Mädchens, das in seiner Bedrängnis zuerst Gott Vater und Christus um Hilfe bittet, dann aber auch Maria anruft, findet sich bei Gregor von Nazianz (+ 390): „Als jene aber das Böse gewahrte und die Nachstellung erkannte …was tut sie, welche Gegenlist wendet sie an gegen den Urheber der Bosheit? An allem anderen verzweifelnd nimmt sie zu Gott ihre Zuflucht und wählt zum Beschützer gegen das verhasste Begehren ihres Bräutigams …Christus, welcher auch Geistern gebietet und die Versinkenden hält und auf dem Meer wandelt und die Legion Geister in die Tiefe sendet …die Jungfrau Maria fleht sie an, der bedrohten Jungfrau beizustehen.“(Oratio XXIV/PG 35, 1181)

Ambrosius (+397) erklärt: „Die Engel sollen angerufen werden, die uns zum Beistand gegeben sind, angerufen werden sollen die Märtyrer, auf deren Schutz wir sozusagen, wie es uns scheint, einen leiblich verbürgten Anspruch erheben dürfen. Sie können für unsere Sünden bitten, die sich im eigenen Blut gewaschen haben …“(De viduis, IX, 55/PL 16, 264)

Auch der Märtyrer und Bischof Johannes Chrysostomos (+407) bezeugt die altkirchliche Heiligenanrufung. In seiner 1. Homilie zum 1. Thessalonicherbrief schreibt er: „Da wir nun dieses wissen, so lasst uns weder die Fürbitte der Heiligen gering achten, noch auch unsere ganze Hoffnung auf dieselbe bauen: dieses, damit wir uns nicht der Trägheit hingeben und leichtfertig in den Tag hineinleben; jenes damit wir uns nicht eines großen Nutzen verlustig machen. Nein, wir wollen sie anrufen, damit sie für uns beten und uns die hilfreiche Hand reichen mögen; zugleich aber uns selbst der Tugend befleißigen …“ Und in seiner 5. Homilie heißt es: „Damit will ich aber nicht sagen, dass wir die Heiligen nicht anrufen sollen, sondern nur, dass wir nicht gleichgültig werden sollen und uns nicht gehen lassen, dass wir nicht einschlafen und nicht ausschließlich anderen die Sorge um unser Seelenheil überlassen dürfen.“

Diese und ähnliche Zeugnisse sind uns durch die Tradition der Kirche in grosser Zahl überliefert.

 

Fazit


Die Verehrung und Anrufung von Engeln und Heiligen zwecks Fürbitte bei Gott steht nicht in Widerspruch zur Heiligen Schrift und ist seit den Anfängen des Christentums gut bezeugt. 75% der gesamten Christenheit (Katholiken, Orthodoxe, Ostkirchen, teilweise Anglikaner) bauen auf diese Tradition.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Verehrung_und_Anrufung_der_Heiligen)

 

kathpedia.com: Stundengebet

Das Stundengebet (lat.: Liturgia horarum), auch "Officium divinum" (lat.) genannt, ist das ständige Gebet der Kirche durch und mit Jesus Christus im Heiligen Geist zu Gott Vater. Mit dem Stundengebet erfüllt die Kirche den Auftrag des Herrn: "Ihr sollt allezeit beten und darin nicht nachlassen" (Lk 18,1).

Stundengebet und Eucharistie sowie die Feier und Spendung der Sakramente und gewisser Sakramentalien bilden die Liturgie der Kirche. Dabei durchdringen sich die Liturgie der Eucharistiefeier als eigentliche Mitte der Kirche (vgl. Enz. Ecclesia de eucharistia, 2003) und die Liturgie des Stundengebetes gegenseitig, indem das Stundengebet "den Tisch des Wortes" reichhaltiger deckt und auf die Eucharistiefeier hinführt. Letztlich geht das Stundengebet auf die alte jüdische Tradition der Tempelopfer (insbesondere Morgen- und Abendopfer) mit Gesang ausgewählter Psalmen zurück. So betrachtet steht es als lebendiges Gebet in einer jahrtausendealten Tradition.

Im Stundengebet wird die Zeit geheiligt: Jeder Augenblick des Tages soll Gott gehören und wird ihm als Lobopfer dargebracht. Dabei vollzieht die Liturgie des Stundengebetes die Rhythmen der Schöpfung und der Heilsgeschichte. Wird in den Laudes die Schöpfung und Neuschöpfung in der Auferstehung des Herrn vergegenwärtigt, so gedenkt die Kirche in der Vesper an das Opfer Jesu Christi am Kreuz. Darüber hinaus werden der besondere Rhythmus der Siebentagewoche und einzelner Wochentage (insbesondere Donnerstag bis Sonntag) im Licht der Heilsgeschichte geheiligt.

Wer das Stundengebet betet, vollzieht öffentliche Liturgie und tut dies in Stellvertretung für die ganze Kirche. Kraft ihres Standes zum Stundengebet verpflichtet sind Bischöfe, Priester, Diakone und die meisten der Ordensleute. Als eingeladene Beter sollen sich aber auch die getauften und gefirmten Laien in der Welt kraft ihres "allgemeinen Priestertums" am Stundengebet beteiligen (vgl. Sacrosanctum Concilium, 100). Das hat auch historische Gründe und Vorbilder: Zur Zeit der frühen Kirche war die Stundenliturgie eine Gemeindeliturgie. Daraus ergibt sich, dass jeder diese Liturgie feiern und eine solche Feier in der Öffentlichkeit leiten kann. So sollen die gläubigen Laien und alle Menschen guten Willens wissen, dass sie stets hineingenommen sind ins Gebet der ganzen Kirche. Da das Stundengebet auch in den protestantischen (insbesondere in den evangelischen Orden) kirchlichen Gemeinschaften verwurzelt ist, kann es ein Weg wahren ökumenischen Betens sein.

Das römische Stundengebet umfasst nach der Reform durch Papst Paul VI. die folgenden Teile:

Invitatorium,
Lesehore,
Laudes,
Terz,
Sext,
Non,
Vesper und
Komplet.
Durch das Stundengebet wird der Tag in etwa in einen 3-Stunden-Rhythmus strukturiert. Außerdem kann man eine Vigil vor einem Hochfest oder den Sonntagen beten. Terz, Sext und Non stellen die sogenannten "Kleinen Horen" dar, von denen für Priester nur eine verpflichtend ist. Diakone sind in Deutschland nur zu Laudes und Vesper verpflichtet.

 

Der Aufbau des Stundengebetes nach dem römischen Ritus


Das Stundengebet im Römischen Brevier ist folgendermaßen strukturiert:

Begrüßung,
Hymnus,
drei Psalmen oder Cantica
mit Antiphonen,
Kurzlesung,
Responsorium (Wechselgesang oder auch Antwortgesang),
Oration,
Segensbitte.
In den umfassenderen Laudes und Vesper werden nach dem Responsorium das Benedictus (Lk 1, 68-79) und das Magnificat (Lk 1, 46-55) mit je eigener Antiphon gebetet, Bitten zur Tagesweihe oder Fürbitten vorgetragen und das Vater unser vor der Oration eingefügt.

In der Lesehore wird nach den Psalmen ein Vers gebetet, und danach folgen zwei größere Lesungen aus der Heiligen Schrift, Biographien von Heiligen (sog. hagiographische Lesung) oder Kommentare aus der Kirchengeschichte. Abgeschlossen werden die Lesungen mit je einem Responsorium. Vor Sonntagen, Festen oder Hochfesten wird nach dem letzten Responsorium das Te Deum gesungen. Wird die Lesehore zur Vigil erweitert, folgen dem Responsorium der zweiten Lesung drei Cantica, das Evangelium und das Te deum.

In der Komplet kann nach der Begrüßung eine Gewissenserforschung, das Schuldbekenntnis und eine Vergebungsbitte eingefügt werden. Nach Psalmen, Lesung und dem Responsorium schließt das Nunc dimittis (Lk 2, 28-32) mit eigener Antiphon an. Außerdem wird der Komplet anschließend eine Marianische Antiphon gebetet, je nach Zeit im Kirchenjahr.

In den monastischen Orden wird meist nach eigener Ordnung gebetet, die sich in manchen Teilen von der des römischen Breviers unterscheidet. Vor allem werden hier mehr Psalmen gebetet.

 

Bücher zum Stundengebet


-Das Antiphonarium (auch: Antiphonale) oder Choralbuch (enthält die liturgischen Gesänge der kirchlichen Tagzeiten)

-"Die Feier des Stundengebetes- Stundenbuch", Herder Freiburg und Basel (Anm.: Sogenanntes "großes Stundenbuch" in drei Bänden)

 

Päpstliche Schreiben


Pius X., Apostolischen Konstitution Divino afflatu über die neue Verteilung des Psalteriums im römischen Brevier vom 1. November 1911.
Motu proprio Abhinc duos annos über die teilweise Neuordnung des Göttlichen Offiziums vom 23. Oktober 1913.
Literatur
Theodor Schnitzler: Was das Stundengebet bedeutet. Hilfen zum geistlichen Neubeginn. Herder, Freiburg 1982, ISBN 345118964X
Eric W. Steinhauer: Das liturgische Recht und die Pflicht zum Stundengebet. NomoK@non-Webdokument, Rdnr. 1-14

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Stundengebet)

 

kathpedia.com: Litanei

Eine Litanei (lat. Litanía von gr. litaneúoo = flehen, bitten) ist ein Wechselgebet zwischen einem Vorbeter und dem Volke. Sie geht bis in das apostolische Zeitalter zurück. Das Vorbild für alle heutigen Litaneien ist die Allerheiligenlitanei. Die Litaneien beginnen gewöhnlich mit einer dreimaligen, an Christus (oder an die drei göttlichen Personen) gerichteten Anrufung: „Herr, erbarme Dich unser!“ „Christus, erbarme Dich unser!“ „Herr, erbarme Dich unser!“ Es folgen zwei weitere Anrufungen Christi: „Christus, höre uns!“ „Christus, erhöre uns!“ und schließlich die Anrufung der drei göttlichen Personen, des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes und der ganzen Heiligsten Dreifaltigkeit mit der Antwort des Volkes: „Erbarme Dich unser!“ Bei den Anrufungen Gottes oder Christi heißt die Antwort: „Erbarme Dich unser!“ oder „Erlöse uns, o Herr!“ oder „Wir bitten Dich erhöre uns!“ Bei den Anrufungen der Heiligen, einschließlich Mariens, dagegen: „Bitte für uns!“

Alle Litaneien, die hier aufgenommen werden, haben die Kirchliche Druckgenehmigung durch einen Ordinarius erhalten und sind im jeweiligen Artikel angegeben.

 

Litaneien für den liturgischen Gebrauch


Allerheiligenlitanei
Lauretanische Litanei, approbiert von Papst Sixtus V., 1587
Namen-Jesu-Litanei, approbiert von Papst Leo XIII., 1886
Herz-Jesu-Litanei, approbiert von Papst Leo XIII., 1899
Litanei vom heiligen Josef, approbiert von Papst Pius X., 1909
Litanei vom Kostbaren Blut Jesu Christi, approbiert von Papst Johannes XXIII., 1960

Litaneien für den privaten Gebrauch


Litaneien in Bezug zur Göttlichkeit


Christkönig-Litanei
Litanei vom Heiligen Erlöser
Litanei vom Heiligsten Altarsakrament
Litanei vom Leiden Jesu
Litanei zu Ehren der Wunden Christi
Litanei zum göttlichen Kinde Jesu
Litanei zum Heiligen Geist
Litanei zum Heiligsten Antlitz

Marianische Litaneien


Litanei zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis
Litanei zum Unbefleckten Herzen Mariä I
Litanei zum Unbefleckten Herzen Mariä II
Litanei zur Trösterin der Betrübten
Litanei zu Unser Frau von der Immerwährenden Hilfe
Litanei zu Unsere Lieben Frau vom Heiligsten Herzen

Litaneien zu Heiligen und Anliegen


Litanei für die Verstorbenen und zum Trost der armen Seelen
Litanei zu den heiligen Engeln
Litanei zu den Schutzengeln
Litanei zu den sieben Zufluchten
Litanei zu den vierzehn heiligen Nothelfern
Litanei zu Ehren des heiligen Judas Thaddäus
Litanei zum heiligen Antonius von Padua
Litanei zum heiligen Benedikt
Litanei zum heiligen Bruder Klaus
Litanei zum heiligen Johannes Bosco
Litanei zur heiligen Theresia vom Kinde Jesu

Quellen


Katholisches Gebets- und Gesangbuch „Gotteslob“ 1975, herausgegeben von den deutschsprachigen Bischöfen.
Ferdinand Holböck, Litaneienkatechismus, Salzburg 1978. (3. vermehrte Auflage; Mit kirchlicher Druckerlaubnis des Erzb. Ordinariats Salzburg vom 11. März 1977. ISBN 3-7171-0716-X. - enthält 52 Litaneien)
Ferdinand Holböck und Maria Therese Isenegger, Novenensammlung, Klopft an! Es wird euch aufgetan!, Parvis-Verlag 1994 (3. Auflage; Mit kirchlicher Druckerlaubnis, Salzburg den 17. August 1979, Jakob Mayr Weihbischof und Generalvikar. ISBN 3-907523-11-3; enthält ungefähr 30 Litaneien).

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Litanei)

 

kathpedia.com: Novene

Unter Novene versteht man eine Gebetsform, bei der an neun aufeinanderfolgenden Tagen bestimmte Gebete verrichtet werden. Meist bestehen die Gebete aus einem gleichbleibenden und einem täglich wechselnden Teil.

Brauch und Name leiten sich von den neun Tagen ab, die zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten vergangen sind, und in denen die Apostel und Jünger zusammen mit Maria im Gebet um den Heiliger Geist versammelt waren.

Die katholische Kirche kennt eine Unzahl von mehr oder weniger ausführlichen Novenengebeten, die sehr oft mit der Fürbitte eines Heiligen verknüpft sind - z.B. die sehr gesegneten Novenen zum Heiliger Josef. Grundsätzlich kann man aber jedes Gebet als Novene verwenden, wenn man es an neun (möglichst) aufeinanderfolgenden Tagen treu verrichtet.

Eine sehr einfache Novene ist die Rosenkranz-Novene. Man betet einfach dreimal 9 Tage den Rosenkranz als Bitte, und danach dreimal 9 Tage den Rosenkranz als Danksagung, also insgesamt 54 Tage lang.

Besonders erwähnen könnte man noch die Novene zur Göttlichen Barmherzigkeit, die am Karfreitag beginnt, und am "Weißen Sonntag", dem "Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit", endet, und der besondere Gnaden zugeschrieben werden. Sie geht auf Heilige Sr. Faustine zurück [1]. Die Heilige schrieb in ihrem Tagebuch: "NOVENE zur Barmherzigkeit Gottes, die mir Jesus niederzuschreiben und vor dem Fest der Barmherzigkeit zu beten befahl, sie beginnt am Karfreitag. Ich ersehne, dass du während neun Tagen die Seelen zur Quelle Meiner Barmherzigkeit führst, damit sie Kraft, Linderung und allerlei Gnaden schöpfen, die sie für die Mühsal des Lebens benötigen, besonders aber in der Stunde des Todes. An jedem Tag wirst du Meinem Herzen eine andere Gruppe von Seelen zuführen und sie in das Meer Meiner Barmherzigkeit eintauchen. Und Ich werde alle diese Seelen in das Haus Meines Vaters führen. Du wirst das in diesem und im künftigen Leben ausüben. Ich werde keiner Seele, die du zur Quelle Meiner Barmherzigkeit führst, etwas versagen. Du wirst Meinen Vater jeden Tag, durch Mein bitteres Leiden, um Gnaden für diese Seelen bitten."

Die der Offenbarung nach mit dieser Novene verbundenen Gnaden gelten ausdrücklich nur für die Heilige selbst, alle anderen Menschen guten Willens können diese Andacht als private Frömmigkeit verrichten.

 

Arten


Über den Umfang und die Form der neuntägigen Andacht besteht keine Vorschrift. Es genügt schon eine Litanei, ein Gesetzchen des Rosenkranzes, ein Vaterunser und Ave Maria oder sonst ein geeignetes Gebet, das täglich neun Tage hintereinander gebetet wird.

 

Novenen in Bezug zur Göttlichkeit


Antlitz-Jesu-Novene
Die Glaubensnovene
Haupt-Christi-Novene
Heilig-Geost-Novene
Namen-Jesu-Novene
Novene zu Christus, dem Auferstandenen
Novene zu Christus, unserm König
Novene zu den sieben Zufluchten
Novene zu Ehren der heiligen Wunden Christi
Novene zu Ehren der Menschwerdung des göttlichen Wortes
Novene zu Gott, dem Vater
Novene zu Jesus von Nazareth
Novene zum göttlichen Erlöser, zu Maria, der Miterlöserin und zum Liebesjünger Johannes
Novene zum göttlichen Kinde
Novene zum heiligsten Herzen Jesu
Novene zum Kostbaren Blute Jesu Christi
Novene zum Sarner Jesuskind
Novene zu Pfingsten
Novene zur Göttlichen Barmherzigkeit
Novene zur göttlichen Vorsehung
Novene zur Heiligsten Dreifaltigkeit
Novene vor Weihnachten

Marianische Novenen


Lourdes-Novene
Fatimannovene
Novene zu Ehren der Freuden Mariens
Novene zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis
Novene zu Ehren Unserer Lieben Frau von der Wunderbaren Medaille
Novene zu Maria, der Vermittlerin aller Gnaden
Novene zum Unbefleckten Herzen Mariens
Novene zur Mutter der Immerwährenden Hilfe
Novene zur Mutter vom guten Rat
Novene zu Unsere Lieben Frau von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit
Novene zu Unserer Lieben Frau vom Heiligsten Herzen
Novene zu Unserer Lieben Frau von La Salette
Sühnekommunion-Novene für den Herz-Marien-Samstag

Novenen zu Engeln und Heiligen


Die Neun Antonius-Dienstage
Don-Bosco-Novene
Franz-von-Sales-Novene
Litanei-Novene zu den Engeln Gottes
Nothelfer-Novene
Novene für die Armen Seelen des Fegfeuers
Novene zu Ehren des heiligen Antonius von Padua
Novene zu Ehren des heiligen Franziskus von Assisi
Novene zur Ehren des heiligen Franz-Xaver
Novene zu Ehren des seligen Heinrich Suso
Novene zum heiligen Bruder Klaus
Novene zum heiligen Bruder Konrad von Parzham
Novene zum heiligen Camillus
Novene zur Feuerpatronin Sankt Agatha
Novene zum heiligen Joachim
Novene zum heiligen Johannes, dem Täufer
Novene zum heiligen Josef von Calasanza
Novene zum heiligen Josef von Calasanza
Novene zum heiligen Judas Thaddäus
Novene zum heiligen Nährvater Josef
Novene zum heiligen Schutzengel
Novene zum heiligen Thomas von Aquin
Novene zur heiligen Elisabeth von Thüringen
Novene zur heiligen Gertrud der Großen
Novene zur heiligen Maria Alacoque
Novene zur heiligen Maria Goretti
Novene zur heiligen Katharina Labouré
Novene zur heiligen Luzia
Novene zur heiligen Mutter Anna
Novene zur heiligen Rita von Cascia
Novene zur heiligen Theresia vom Kinde Jesu
Novene vor einem Apostelfest
Sankt-Benedictus-Novene
Sankt-Stephanus-Novene
Sturmgebets-Novene zu den heiligen Engeln

Literatur


Novenensammlung, Klopft an! Es wird euch aufgetan!, Ferdinand Holböck und Maria Therese Isenegger, Parvis-Verlag 1994 (3. Auflage; Mit kirchlicher Druckerlaubnis, Salzburg den 17. August 1979, Jakob Mayr Weihbischof und Generalvikar. ISBN 3-907523-11-3. (enthält ungefähr 60 Novenen).

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Novene)

 

www.gemeinsam-anbeten.de

Wie kann ich eine Gebetszeit gestalten?


Ich gehe in eine Kirche, in der ich vor dem Tabernakel beten kann. In der Gestalt des eucharistischen Brotes ist Jesus gegenwärtig.
Der Vater ist immer da, wo der Sohn ist und beide schenken denen, die zu ihnen kommen, den Heiligen Geist.

Mit einer Kniebeuge und dem Kreuzzeichen trete ich vor Jesus hin und bekräftige meinen Glauben oder gebe meiner Hoffnung Ausdruck, dass ich Ihm nun begegnen darf.
Ich nehme eine Gebetshaltung ein, in der ich etwa 20 Minuten gut und aufmerksam verweilen kann. Meine äußere Körperhaltung bringt meine innere Haltung der Anbetung zum Ausdruck und hilft mir, mich hier und jetzt zu sammeln.

Es kann hilfreich sein, sich zunächst selbst ganz bewusst wahrzunehmen. Dafür achte ich auf meine Füße und spüre, wie sie den Boden berühren und mit den Fußsohlen fest aufliegen.
Mein Gesäß ruht auf der Sitzfläche und ich merke, wie mein Körpergewicht nach unten drückt. Diesem Gefühl gebe ich nach und verwurzele mich durch die Bank hindurch im Boden. Ich spüre, wie ich im Rücken gerade aufgerichtet bin und mein Kopf fest auf der Wirbelsäule ruht. Meine Hände liegen auf den Oberschenkeln oder gefaltet im Schoß. Ich nehme meinen Atem wahr, wie er langsam ein- und ausströmt. Jetzt bin ich ganz da und werde ruhig in der Gegenwart Gottes.
Wenn ich stehe oder knie ändere ich diese Wahrnehmungsübung entsprechend ab.

Dann eröffne ich meine Gebetszeit bewußt mit einem freien oder vorfomulierten Gebet.

Ein solches Gebet kann sein:


Niklaus von der Flüe


Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich hinführt zu dir.

Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir, und gib mich ganz zu eigen dir.

Psalm 63

Gott, du mein Gott, dich suche ich, nach dir dürstet meine Seele.

Nach dir schmachtet mein Leib. Wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser.

So schaue ich dich in deinem Heiligtum. Und sehe deine Macht und deine Herrlichkeit.

Ja, deine Liebe ist besser als das Leben. Meine Lippen sollen dich rühmen!
 


Danach verweile ich still vor dem Tabernakel in dem Bewusstsein, dass Jesus da ist, für mich da ist und mich anschaut.
Wenn meine Gedanken unruhig werden, versuche ich sie liebevoll wieder auf die Gegenwart Jesu hinzulenken.
Ich kann leise den Namen Jesus sprechen, oder Jesus, erbarme dich meiner sagen.
Ich kann auch andere kurze Anreden wählen, mit denen ich mich an Gott oder an Jesus wenden möchte. Die Gebetsimpulse können mir helfen, mein Herz auf Gott hin auszurichten und für Sein Wirken in mir zu öffnen.
Mehr braucht es nicht in dieser Zeit.
Nach etwa zwanzig bis dreißig Minuten beende ich das Gebet mit einer Verneigung und den Worten

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,*
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen


Oder: Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit. Amen

Nun spüre ich noch kurz nach, wie ich mich jetzt innerlich fühle, ob sich in mir eine kleine Veränderung ergeben hat. Bin ich ruhiger geworden, stellt sich eine leise Freude ein, oder empfinde ich meine Unruhe und Suche jetzt erst richtig? Ich brauche meine Gebetszeit nicht zu beurteilen, nicht als gut oder schlecht bezeichnen. Auch Jesus beurteilt mich nicht. Es ist Seine Freude, bei den Menschen zu sein (vgl. Spr. 8,31) - auch bei mir, so wie ich jetzt da bin.

Beim Verlassen der Kirche bekreuzige ich mich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit Weihwasser. Das erinnert mich daran, dass ich durch meine Taufe zu Gott gehöre und nichts mich von Ihm trennen kann. Wenn ich jetzt auch die Kirche verlasse, bleibt Gott doch in meinem Herzen gegenwärtig und ich gehe meinen Weg mit Ihm.

Falls Sie die Gebetsanleitung ausdrucken möchten, besteht die Möglichkeit auf der Archivseite


(Quelle: http://www.gemeinsam-anbeten.de/gebetsanleitung.html

Diese Gebetsanleitung unterliegt dem Copyright, bitte beachten Sie deshalb die gesetzlichen Bestimmungen.

(used with permission)

 

Warum beten wir eigentlich?

Manchmal kommen wir mit der "Einkaufsliste" - gib mir dies, tu jenes...

Das heißt, Gott die ganze Verantwortung aufzubürden.

Besser wäre, Ihn zu bitten, uns zu lehren, wie wir mit Situationen und Menschen, mit denen wir alleine nicht fertig werden, umgehen können. Das kann bedeuten, dass genau am nächsten Tag eine Situation eintritt, die wir am meisten gefürchtet haben. Aber anstatt nun mit der Faust gen Himmel zu wedeln und zu rufen WARUM?, sehen wir es als eine Chance an - Gott nimmt uns bei der Hand und geht mit uns durch diese schwierige Situation.

Auch beten wir manchmal, damit Gott Seine Meinung bzw. Seinen Willen ändert. Wenn wir uns aber unser Spatzenhirn ansehen und im Vergleich dazu Gottes unermessliches Denken, Wollen und Verstehen, erscheint dies mehr als lächerlich. Deshalb wäre es besser, darum zu beten, dass Er unsere Meinung und unseren Willen ändert - und dass Sein Wille geschehe...

(frei u.a. nach Prof. Dr. Scott Hahn)

 

Heilung

KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE
 

Instruktion über die Gebete um Heilung durch Gott
 

EINLEITUNG

Das Streben nach Glück ist tief im Menschenherz verankert und schon immer von der Sehnsucht begleitet, von Krankheit befreit zu werden und ihren Sinn zu verstehen, wenn man davon betroffen ist. Es handelt sich um ein menschliches Phänomen, das auf die eine oder andere Weise jede Person angeht und in der Kirche ein besonderes Echo findet. Die Krankheit wird von ihr nämlich als ein Mittel der Vereinigung mit Christus und der geistlichen Läuterung verstanden und bildet für jene, die mit der kranken Person zu tun haben, eine Gelegenheit, die Liebe zu üben. Darüber hinaus ist die Krankheit - wie auch andere menschliche Leiden - eine Situation, die besonders zum Gebet einlädt: sowohl um die Kraft, die Krankheit mit gläubigem Sinn und Hingabe an Gottes Willen anzunehmen, wie auch um die Gnade, davon geheilt zu werden.

Das Gebet um die Wiedererlangung der Gesundheit ist in jeder Epoche der Kirche zu finden, natürlich auch in der Gegenwart. Neu ist in gewisser Hinsicht, dass die – manchmal mit liturgischen Feiern verbundenen - Gebetsversammlungen zunehmen, bei denen Gott um Heilung angefleht wird. In verschiedenen, nicht ganz seltenen Fällen wird erklärt, dass tatsächlich Heilungen erfolgt sind. Dadurch entstehen Erwartungen, dass dies bei anderen ähnlichen Treffen wiederum geschieht. In diesem Zusammenhang wird manchmal von einem mutmaßlichen Heilungscharisma gesprochen.

Es stellt sich die Frage, wie solche Versammlungen, bei denen um Heilung gebetet wird, in liturgischer Hinsicht richtig einzuordnen sind, und vor allem, welche Aufgabe die kirchliche Autorität hat, der es zukommt, über die rechte Ordnung der liturgischen Feiern zu wachen und dafür angemessene Normen zu erlassen.

Es schien deshalb angebracht, gemäß Canon 34 des Codex des kanonischen Rechtes eine Instruktion zu veröffentlichen, die vor allem den Ortsordinarien helfen soll, die Gläubigen in dieser Frage besser zu leiten, indem sie fördern, was gut ist, und korrigieren, was vermieden werden soll. Um die disziplinären Bestimmungen richtig einzuordnen und zu verstehen, war ein fundierter lehrmäßiger Rahmen notwendig. Deshalb werden die genannten Bestimmungen durch einen lehrmäßigen Teil über die Heilungsgnaden und die Gebete um diese Gnaden eingeleitet.

 

I. LEHRMÄSSIGE ASPEKTE

1. Krankheit und Heilung: ihr Sinn und Wert in der Heilsökonomie

„Der Mensch ist zur Freude berufen, erfährt aber täglich auf vielfältige Weise Leid und Schmerz“.(1) Wenn der Herr die Erlösung verheißt, spricht er deshalb von der Freude des Herzens über die Befreiung von den Leiden (vgl. Jes 30,29; 35,10; Bar 4,29). Er ist es, „der aus allem Übel erlöst“ (Weish 16,8). Unter den Leiden sind jene, die mit der Krankheit verbunden sind, stets in der Menschheitsgeschichte gegenwärtig; der Mensch trägt in sich die tiefe Sehnsucht, von ihnen und von allem Übel befreit zu werden.

Im Alten Testament erlebt das Volk Israel, „dass die Krankheit auf geheimnisvolle Weise mit der Sünde und dem Bösen zusammenhängt“.(2) Unter den Strafen, die Gott dem untreu gewordenen Volk androht, nehmen die Krankheiten einen weiten Raum ein (vgl. Dtn 28,21-22.27- 29.35). Der Kranke, der von Gott die Heilung erfleht, bekennt, dass er mit Recht wegen seiner Sünden gestraft wurde (vgl. Ps 38; 41; 107,17-21).

Die Krankheit trifft aber auch die Gerechten und der Mensch fragt sich, warum dies so ist. Im Buch Ijob wird diese Frage immer wieder gestellt. „Wenn es auch wahr ist, dass Leiden einen Sinn als Strafe hat, wann immer es an Schuld gebunden ist, so ist es doch nicht wahr, dass jedes Leiden Folge von Schuld sei und den Charakter von Strafe habe. Die Gestalt des gerechten Ijob ist dafür ein besonderer Beweis im Alten Testament. … Und wenn der Herr zustimmt, dass Ijob durch Leiden geprüft wird, so tut er das, um dessen Gerechtigkeit zu beweisen. Das Leiden hat hier den Charakter einer Prüfung“.(3)

Obwohl die Krankheit also eine positive Kehrseite haben kann, insofern sie die Treue des Gerechten unter Beweis stellt oder ein Mittel ist, um die durch die Sünde verletzte Gerechtigkeit wiederherzustellen oder den Sünder zur Besinnung und zur Umkehr zu führen, bleibt sie doch ein Übel. Deshalb kündet der Prophet kommende Zeiten an, in denen es keine Krankheiten und Leiden mehr geben und der Lebensfaden nicht mehr vom Tod abgeschnitten wird (vgl. Jes 35,5-6; 65,19-20).

Im Neuen Testament findet die Frage, warum die Krankheit auch die Gerechten trifft, ihre volle Antwort. Während seiner öffentlichen Tätigkeit begegnet Jesus den Kranken immer wieder. Viele heilt er auf wunderbare Weise. Die Heilungen charakterisieren geradezu seine Tätigkeit: „Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden“ (Mt 9,35; vgl. 4,23). Die Heilungen sind Zeichen seiner messianischen Sendung (vgl. Lk 7,20-23). Sie offenbaren den Sieg des Reiches Gottes über jede Art von Übel und werden Symbol für die Wiederherstellung des ganzen Menschen an Leib und Seele. Sie dienen als Beweis, dass Jesus die Vollmacht hat, Sünden zu vergeben (vgl. Mk 2,1-12), und sind Zeichen der Heilsgüter, wie die Heilung des Gelähmten am Teich Betesda (vgl. Joh 5,2-9.19-21) oder des blind Geborenen (vgl. Joh 9).

Auch die erste Evangelisierung war nach den Zeugnissen des Neuen Testamentes von zahlreichen wunderbaren Heilungen begleitet, die die Macht der Botschaft des Evangeliums bekräftigten. Die ersten christlichen Gemeinschaften konnten sehen, wie sich die Verheißung des auferstande nen Herrn in ihrer Mitte erfüllte: „Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: … die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden“ (Mk 16,17-18). Die Predigt des Philippus in Samaria ging einher mit wunderbaren Heilungen: „Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündigte dort Christus. Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Wunder, die er tat. Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Krüppel wurden geheilt“ (Apg 8,5-7). Für den heiligen Paulus sind die Zeichen und Wunder, die in der Kraft des Geistes gewirkt werden, ein Kennzeichen der Verkündigung seines Evangeliums: „Denn ich wage nur von dem zu reden, was Christus, um die Heiden zum Gehorsam zu führen, durch mich in Wort und Tat bewirkt hat, in der Kraft von Zeichen und Wundern, in der Kraft des Geistes Gottes“ (Röm 15,18- 19; vgl. 1 Thess 1,5; 1 Kor 2,4-5). Man darf annehmen, dass es sich bei diesen Zeichen und Wundern, welche die göttliche Macht offenbarten und die Verkündigung unterstützten, zum Großteil um außerordentliche Heilungen handelte. Es waren Wunder, die nicht ausschließlich an die Person des Apostels gebunden waren, sondern sich auch durch die Gläubigen ereigneten: „Warum gibt euch denn Gott den Geist und bewirkt Wundertaten unter euch? Weil ihr das Gesetz befolgt oder weil ihr die Botschaft des Glaubens angenommen habt?“ (Gal 3,5).

Der messianische Sieg über die Krankheit wie über andere menschliche Leiden wird nicht nur Wirklichkeit in ihrer Beseitigung durch außerorden tliche Heilungen, sondern auch im freiwilligen und unschuldigen Leiden Christi, der durch seine Passion jedem Menschen die Möglichkeit gibt, sich mit ihm zu vereinigen. „Schließlich hat ja Christus selbst, der ohne Sünde ist, in Erfüllung der Schriftworte beim Propheten Jesaja (vgl. Jes 53,4f.) in seiner Passion alle erdenklichen Wunden auf sich genommen und alle Schmerzen der Menschen geteilt“.(4) Noch mehr: „Im Kreuz Christi hat sich nicht nur die Erlösung durch das Leiden erfüllt, sondern das menschliche Leiden selbst ist dabei zugleich erlöst worden. … Indem er die Erlösung durch das Leiden bewirkte, hat Christus gleichzeitig das menschliche Leiden auf die Ebene der Erlösung gehoben. Darum kann auch jeder Mensch durch sein Leiden am erlösenden Leiden Christi teilhaben“.(5)

Die Kirche nimmt sich der kranken Menschen in liebevoller Sorge an. Sie würdigt aber auch die Sendung der Kranken, „ihre menschliche und christliche Berufung zu leben und auf neue, noch wertvollere Weise am Wachstum des Reiches teilzunehmen. Sie müssen sich die Worte des Apostels Paulus zum Programm machen, Worte, die Licht schenken, um die gnadenhafte Bedeutung ihrer Situation zu erkennen: ‚Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt? (Kol 1,24). Diese Entdeckung erfüllt den Apostel mit Freude: ‚Jetzt freue ich mich der Leiden, die ich für euch ertrage? (Kol 1,24)“.(6) Diese österliche Freude ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Wie der heilige Paulus „können viele Kranke ‚trotz der Bedrängnis? zu Trägern der Freude, ‚die der Heilige Geist gibt? (1 Thess 1,6), und zu Zeugen der Auferstehung Christi werden“.(7)
 

2. Die Sehnsucht nach Heilung und das Gebet um Heilung

Unter der Voraussetzung, den Willen Gottes anzunehmen, ist die Sehnsucht des Kranken nach Heilung gut und zutiefst menschlich, vor allem wenn sie sich im vertrauensvollen Gebet zu Gott ausdrückt. Jesus Sirach ruft dazu auf: „Mein Sohn, bei Krankheit säume nicht, bete zu Gott; denn er macht gesund“ (Sir 38,9). Verschiedene Psalmen sind Bittgebete um Heilung (vgl. Ps 6; 38; 41; 88).

Während der öffentlichen Tätigkeit Jesu wenden sich viele Kranke an ihn – sei es direkt oder durch ihre Freunde oder Verwandten – und bitten um die Wiederherstellung der Gesundheit. Der Herr nimmt diese Bitten an; die Evangelien enthalten keinen einzigen Hinweis, dass er solche Bitten getadelt hätte. Die einzige Klage des Herrn betrifft den gelegentlichen Mangel an Glauben: „Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt“ (Mk 9,23; vgl. Mk 6,5-6; Joh 4,48).

Das Gebet der Gläubigen, die um die eigene Heilung oder die Heilung anderer bitten, ist lobenswert. Auch die Kirche bittet den Herrn in der Liturgie um die Gesundheit der Kranken. Sie hat vor allem ein Sakrament, das „ganz besonders dazu bestimmt ist, die durch Krankheit Geprüften zu stärken: die Krankensalbung“.(8) Die Kirche pflegt dieses Sakrament „durch die Salbung und das Gebet der Priester zu feiern. In diesem Sakrament vertraut sie die Kranken dem Herrn in seinem Leiden und seiner Verherrlichung an, dass er sie aufrichte und rette“.(9) Unmittelbar vorher betet die Kirche bei der Weihe des Krankenöls: „Durch deinen Segen werde das geweihte Öl für alle, die wir damit salben, ein heiliges Zeichen deines Erbarmens, das Krankheit, Schmerz und Bedrängnis vertreibt, heilsam für den Leib, für Seele und Geist“.(10) Auch in den Gebetsformula ren nach der Salbung wird die Heilung des Kranken erfleht.(11) Weil das Sakrament Unterpfand und Verheißung des zukünftigen Reiches ist, ist die Heilung auch Ankündigung der Auferstehung: „Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen“ (Offb 21,4). Zudem enthält das Missale Romanum ein Messformular für die Kranken; dabei wird um geistliche Gnaden und auch um die Heilung der Kranken gebetet.(12)

Im Benediktionale des Rituale Romanum gibt es einen Ordo benedictionis infirmorum, der verschiedene euchologische Texte beinhaltet, in denen um Heilung gebetet wird: im zweiten Formular der Preces,(13) in den vier Orationes benedictionis pro adultis,(14) in den beiden Orationes benedictionis pro pueris,(15) im Gebet des Ritus brevior.(16)

Selbstverständlich schließt das Gebet den Gebrauch sinnvoller natürlicher Mittel zur Bewahrung und Wiedererlangung der Gesundheit nicht aus, sondern ermutigt vielmehr dazu, so wie es die Kinder der Kirche auch antreibt, sich um die Kranken zu sorgen und ihnen im Bemühen, über die Krankheit zu siegen, Hilfe an Leib und Geist zu gewähren. Es liegt nämlich „durchaus im Plan der göttlichen Vorsehung, dass der Mensch gegen jede Art von Krankheit entschieden ankämpft und sich gewissenhaft mit aller Sorgfalt um das hohe Gut der Gesundheit bemüht “.(17)
 

3. Das „Heilungscharisma“ im Neuen Testament

Nicht nur die wunderbaren Heilungen bekräftigen die Macht der Verkündigung des Evangeliums in der apostolischen Zeit. Das Neue Testament berichtet auch davon, dass den Aposteln und anderen ersten Verkündern des Evangeliums von Jesus eine echte Vollmacht zur Krankenheilung übertragen wurde. Nach den Berichten von Matthäus und Lukas gibt der Herr den Zwölf bei ihrer ersten Aussendung „die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen“ (Mt 10,1; vgl. Lk 9,1); und er trägt ihnen auf: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Mt 10,8). Auch bei der Aussendung der zweiundsiebzig Jünger gibt der Herr den Auftrag: „Heilt die Kranken, die dort sind“ (Lk 10,9). Diese Vollmacht wird ihnen im Zusammenhang mit ihrem missionarischen Auftrag verliehen, also nicht zu ihrer eigenen Ehre, sondern zur Bekräftigung ihrer Sendung.

Die Apostelgeschichte berichtet allgemein von den Wundern, die sich ereigneten: „durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen“ (Apg 2,43; vgl. 5,12). Es waren Wunder und Zeichen, also außerordentliche Taten, die die Wahrheit und die Kraft der apostolischen Sendung offenbarten. Neben diesen kurzen allgemeinen Hinweisen ist in der Apostelgeschichte vor allem von den wunderbaren Heilungen die Rede, die durch einzelne Verkünder des Evangeliums gewirkt wurden: durch Stephanus (vgl. Apg 6,8), Philippus (vgl. Apg 8,6-7) und vor allem durch Petrus (vgl. Apg 3,1-10; 5,15; 9,33-34.40-41) und Paulus (vgl. Apg 14,3.8-10; 15,12; 19,11-12; 20,9-10; 28,8-9).

Wie bereits erwähnt, erweitern das Ende des Markusevangeliums wie auch der Galaterbrief den Horizont und beschränken die wunderbaren Heilungen nicht auf die Tätigkeit der Apostel und einige Verkünder des Evangeliums, denen eine herausragende Bedeutung bei der ersten Missionierung zukommt. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Hinweise auf die „Heilungscharismen“ (vgl. 1 Kor 12,9.28.30) besonders wichtig. Die Bedeutung des Wortes Charisma ist an sich sehr weit; ein Charisma ist eine „frei geschenkte Gabe“, im genannten Fall geht es um „Gaben, Krankheiten zu heilen“. Diese Gnadengaben werden einem einzelnen zugeteilt (vgl. 1 Kor 12,9), sie werden also nicht verstanden als Heilungen, die ein jeder der Geheilten für sich selbst erlangt hat, sondern als eine Gabe, die einer Person gegeben ist, um Heilungsgnaden für andere zu erwirken. Diese Gabe wird verliehen in dem „einen Geist“, wobei nicht näher bestimmt wird, wie diese Person die Heilungen erwirkt. Man kann davon ausgehen, dass dies durch das Gebet geschieht, vielleicht begleitet durch eine symbolische Geste.

Im Jakobusbrief findet sich ein Hinweis auf eine Handlung der Kirche durch die Ältesten, bei der es um die - auch körperliche - Heilung der Kranken geht. Es handelt sich dabei aber nicht um wunderbare Heilungen, sondern um etwas anderes, das von den „Heilungscharismen“ nach 1 Kor 12,9 zu unterscheiden ist. „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben“ (Jak 5,14-15). Es geht hier um eine sakramentale Handlung, um die Salbung des Kranken mit Öl und das Gebet über ihn, also nicht nur „für ihn“, so als ob es nichts anderes als ein Gebet um Fürsprache und Hilfe wäre; es handelt sich vielmehr um eine wirkmächtige Handlung über den Kranken.(18) Die Worte „retten“ und „aufrichten“ zeigen, dass es bei dieser Handlung nicht nur und nicht vorrangig um die körperliche Heilung geht, obwohl sie mit eingeschlossen ist. Der erste Ausdruck bezieht sich im Jakobusbrief gewöhnlich auf das geistliche Heil (vgl. 1,21; 2,14; 4,12; 5,20), wird aber im Neuen Testament auch im Sinn von „heilen“ verwendet (vgl. Mt 9,21; Mk 5,28.34; 6,56; 10,52; Lk 8,48). Das zweite Wort hat manchmal die Bedeutung von „auferstehen“ (vgl. Mt 10,8; 11,5; 14,2), meint aber auch das „Aufrichten“ einer Person, die durch eine Krankheit niedergedrückt ist, indem sie wunderbar geheilt wird (vgl. Mt 9,5; Mk 1,31; 9,27; Apg 3,7).
 

4. Die Gebete um Heilung durch Gott in der Tradition

Für die Kirchenväter ist es selbstverständlich, dass die Gläubigen Gott nicht nur um die Gesundheit der Seele, sondern auch des Leibes bitten. Der heilige Augustinus schreibt über die Güter des Lebens, der Gesundheit und des körperlichen Wohlergehens: „Es ist notwendig zu beten, dass man sie bewahrt, wenn man sie hat, und dass sie einem geschenkt werden, wenn man sie nicht hat“.(19) Derselbe Kirchenvater hat uns das Zeugnis der Heilung eines Freundes hinterlassen, die durch die Gebete eines Bischofs, eines Priesters und einiger Diakone in seinem Haus erwirkt wurde.(20)

Dieselbe Ausrichtung ist in den liturgischen Riten des Westens und des Ostens zu finden. Im Messbuch heißt es in einem Schlussgebet: „Dieses Sakrament stärke uns an Leib und Seele“.(21) In der Karfreitagsliturgie erfolgt die Einladung, den allmächtigen Gott zu bitten, „er nehme die Krankheiten hinweg“ und „gebe den Kranken die Gesundheit“.(22) Zu den bedeutsamsten Texten zählt die Weihe des Krankenöls. Hier wird Gott angerufen, dass das Öl durch den Segen geweihtes Öl werde, „das Krankheit, Schmerz und Bedrängnis vertreibt, heilsam für den Leib, für Seele und Geist“.(23)

In den östlichen Riten der Krankensalbung sind die Ausdrücke im Wesentlichen nicht anders. Es sei lediglich an einige wichtige Formeln erinnert. Im byzantinischen Ritus wird während der Salbung des Kranken das Gebet gesprochen: „Heiliger Vater, Arzt von Seele und Leib, du hast deinen eingeborenen Sohn Jesus Christus gesandt, um jede Krankheit zu heilen und uns vom Tod zu erretten, durch die Gnade deines Christus heile auch diesen deinen Knecht vom Gebrechen des Leibes und der Seele, das ihn quält“.(24) Im koptischen Ritus wird der Herr angerufen, das Öl zu weihen, damit alle, die damit gesalbt werden, die Gesundheit der Seele und des Leibes erlangen. Während der Salbung des Kranken verweist der Priester auf Jesus Christus, der in die Welt gesandt wurde, „um alle Krankheiten zu heilen und vom Tod zu erretten“, und bittet Gott, „den Kranken von den Gebrechen des Leibes aufzurichten und ihm den rechten Weg zu weisen“.(25)
 

5. Das „Heilungscharisma“ im Kontext der Gegenwart

Im Laufe der Kirchengeschichte fehlt es nicht an Heiligen, die außerorden tliche Heilungen vollbrachten. Es gab solche Heilungen also nicht nur in der apostolischen Zeit. Das sogenannte „Heilungscharisma“, zu dem hier einige lehrmäßige Klarstellungen erfolgen, ist jedoch nicht unter diese Phänomene einzuordnen. Es geht vielmehr um die Frage der besonderen Gebetstreffen, die organisiert werden, um wunderbare Heilungen unter den kranken Teilnehmern zu erlangen, oder um Heilungsgebete nach der heiligen Kommunion mit demselben Ziel.

Es gibt in der Kirchengeschichte eine Fülle von Zeugnissen über Heilungen, die mit Gebetsstätten (Heiligtümer, Orte in der Nähe von Reliquien der Märtyrer oder anderer Heiliger, usw.) verknüpft sind. Auch aus diesem Grund wurden im Altertum und im Mittelalter die Wallfahrten zu einigen Heiligtümern bekannt und beliebt, etwa jene zum heiligen Martin von Tours oder zum heiligen Jakobus in Santiago de Compostela und vielen anderen. Dasselbe geschieht auch in der Gegenwart, zum Beispiel seit mehr als einem Jahrhundert in Lourdes. Solche Heilungen implizieren kein „Heilungscharisma“, denn sie werden nicht von einer mit diesem Charisma ausgestatteten Person gewirkt. Aber es ist notwendig, bei der lehrmäßigen Beurteilung der genannten Gebetstreffen diesem Phänomen Rechnung zu tragen.

Bei den Gebetstreffen mit dem Ziel, Heilungen zu erlangen – einem Ziel, das in der Planung solcher Treffen vorrangig ist oder darauf wenigstens einen Einfluss hat -, kann man unterscheiden zwischen Versammlungen, bei denen ein wahres oder mutmaßliches „Heilungscharisma“ im Spiel ist, und anderen Treffen, die nicht mit einem solchen Charisma in Beziehung gebracht werden. Bei den erstgenannten Zusammenkünften ist für die Wirksamkeit des Gebetes das Eingreifen einer oder mehrerer Personen oder einer qualifizierten Personengruppe notwendig, wie zum Beispiel der Leiter der Gruppe, die die Versammlungen organisieren. Wenn keine Verbindung mit dem „Heilungscharisma“ gegeben ist, sind die Feiern, die in den liturgischen Büchern vorgesehen sind, selbstverständlich erlaubt und oft auch angebracht, wie etwa die Messe für die Kranken. Werden die liturgischen Normen nicht eingehalten, sind solche Feiern nicht gestattet.

In Heiligtümern gibt es häufig auch andere Feiern, die an sich nicht direkt darauf ausgerichtet sind, von Gott Heilungsgnaden zu erflehen, bei denen aber die Erlangung von Heilungen ein wichtiges Element in der Absicht der Organisatoren und der Teilnehmer darstellt. Aus diesem Grund hält man liturgische Feiern, zum Beispiel die Aussetzung des Allerheiligsten mit eucharistischem Segen, und nicht liturgische Feiern, die der von der Kirche geförderten Volksfrömmigkeit entsprechen, wie etwa das feierliche Rosenkranzgebet. Auch solche Feiern sind erlaubt, wenn dabei ihr authentischer Sinn nicht entstellt wird. Man darf etwa bei der Aussetzung der heiligen Eucharistie das Verlangen, die Heilung von Kranken zu erlangen, nicht so in den Vordergrund rücken, dass das eigentliche Ziel der Aussetzung verloren geht, nämlich „die Gläubigen zum lebendigen Bewusstsein von der wunderbaren Gegenwart Christi zu führen und sie einzuladen, sich mit ihm zu vereinigen. Diese Vereinigung erlangt in der sakramentalen Kommunion ihren Höhepunkt“.(26)

Das „Heilungscharisma“ kann nicht einfach einer bestimmten Kategorie von Gläubigen zugeschrieben werden. Es ist offensichtlich, dass der heilige Paulus in seinen Hinweisen auf die verschiedenen Charismen in 1 Kor 12 die Gabe der „Heilungscharismen“ nicht einer besonderen Gruppe - den Aposteln, den Propheten, den Lehrern, denen, die das Amt der Leitung innehaben, oder anderen – zuordnet. Die Zuteilung der Charismen erfolgt nach einer anderen Logik: „Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will“ (1 Kor 12,11). Folglich wäre es völlig willkürlich, wenn in den Gebetstreffen, bei denen Heilungen erfleht werden, irgendeiner Gruppe von Teilnehmern, etwa den Leitern der Gruppe, ein „Heilungscharisma“ zugeschrieben würde; man muss sich vielmehr dem ganz und gar freien Willen des Heiligen Geistes anvertrauen, der einigen ein besonderes Heilungscharisma schenkt, um die Macht der Gnade des Auferstandenen zu offenbaren. Doch nicht einmal die eindringlichsten Gebete erwirken die Heilung aller Krankheiten. So muss der heilige Paulus vom Herrn lernen: „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit“ (2 Kor 12,9). Zudem können die Leiden, die zu tragen sind, einen tiefen Sinn haben, gemäß dem Wort: „Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1,24).

 

II. DISZIPLINÄRE BESTIMMUNGEN

Art. 1 – Es ist jedem Gläubigen gestattet, in Gebeten Gott um Heilung zu bitten. Wenn solche Gebete in einer Kirche oder an einem anderen heiligen Ort stattfinden, ist es angemessen, dass ein geweihter Amtsträger sie leitet.

Art. 2 – Heilungsgebete gelten als liturgische Gebete, wenn sie in den liturgischen Büchern enthalten sind, die von der zuständigen kirchlichen Autorität approbiert sind; andernfalls handelt es sich um nicht liturgische Gebete.

Art. 3 – § 1. Liturgische Heilungsgebete werden nach dem vorgeschriebe nen Ritus und mit den liturgischen Gewändern gefeiert, die im Ordo benedictionis infirmorum des Rituale Romanum angegeben sind.(27)

§ 2. Gemäß den Praenotanda(28) desselben Rituale Romanum können die Bischofskonferenzen im Ritus der Krankensegnungen nach vorausge hender Prüfung durch den Heiligen Stuhl die Anpassungen vornehmen, die sie für pastoral angemessen oder eventuell notwendig halten.

Art. 4 - § 1. Der Diözesanbischof(29) hat das Recht, für die eigene Teilkirche gemäß can. 34 CIC Normen für liturgische Heilungsgottesdienste zu erlassen.

§ 2. Jene, die für die Vorbereitung solcher liturgischer Feiern zuständig sind, haben sich bei ihrer Durchführung an die genannten Normen zu halten.

§ 3. Die Erlaubnis für diese Gottesdienste muss ausdrücklich gegeben sein, auch wenn Bischöfe oder Kardinäle sie organisieren oder daran teilnehmen. Wenn ein gerechter und entsprechender Grund vorliegt, hat der Diözesanbischof das Recht, einem anderen Bischof gegenüber ein Verbot auszusprechen.

Art. 5 - § 1. Nicht liturgische Heilungsgebete, die auf Grund ihrer Eigenart von liturgischen Feiern unterschieden werden müssen, sind Zusammenkünfte zum Gebet und zur Lesung des Wortes Gottes, über die der Ortsordinarius gemäß can. 839 § 2 CIC wacht.

§ 2. Es ist sorgfältig zu vermeiden, diese freien, nicht liturgischen Gebete mit liturgischen Gottesdiensten im eigentlichen Sinn zu verwechseln.

§ 3. Es ist darüber hinaus notwendig, darauf zu achten, dass beim Ablauf solcher Feiern - vor allem von Seiten jener, die sie leiten - nicht auf Formen zurückgegriffen wird, die dem Hysterischen, Künstlichen, Theatralischen oder Sensationellen Raum geben.

Art. 6 – Über den Gebrauch der sozialen Kommunikationsmittel, vor allem des Fernsehens, während der liturgischen oder nicht liturgischen Heilungsgebete wacht der Diözesanbischof gemäß can. 823 CIC und den Richtlinien, die von der Kongregation für die Glaubenslehre in der Instruktion vom 30. März 1992(30) erlassen wurden.

Art. 7 - § 1. Unter Beibehaltung der oben angeführten Bestimmungen von Art. 3 und mit Ausnahme der Gottesdienste für die Kranken, die in den liturgischen Büchern vorgesehen sind, dürfen in die Feier der heiligen Eucharistie, der Sakramente und des Stundengebetes keine liturgischen oder nicht liturgischen Heilungsgebete eingefügt werden.

§ 2. Bei den in § 1 erwähnten Feiern besteht die Möglichkeit, in den Fürbitten besondere Gebetsintentionen für die Heilung von Kranken einzufügen, wenn dies vorgesehen ist.

Art. 8 - § 1. Der Dienst des Exorzismus muss gemäß can. 1172 CIC, dem Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre vom 29. September 1985(31) und dem Rituale Romanum(32) unter Weisung des Diözesanbischofs ausgeübt werden.

§ 2. Die im Rituale Romanum enthaltenen Exorzismusgebete müssen von den liturgischen und nicht liturgischen Heilungsgottesdiensten unterschieden bleiben.

§ 3. Es ist streng verboten, solche Exorzismusgebete in der Feier der heiligen Messe, der Sakramente oder des Stundengebetes einzufügen.

Art. 9 – Jene, die liturgische oder nicht liturgische Heilungsgottesdienste leiten, müssen sich bemühen, in der Versammlung ein Klima echter Andacht zu bewahren, und die notwendige Klugheit walten lassen, wenn unter den Anwesenden Heilungen erfolgen; nach Beendigung der Feier sollen sie etwaige Zeugnisse mit Einfachheit und Sorgfalt sammeln und der zuständigen kirchlichen Autorität vorlegen.

Art. 10 – Der Diözesanbischof hat pflichtgemäß einzugreifen, wenn bei liturgischen oder nicht liturgischen Heilungsgottesdiensten Missbräuche vorkommen und ein offensichtliches Ärgernis für die Gemeinschaft der Gläubigen vorliegt oder wenn schwerwiegend gegen die liturgischen oder disziplinären Normen verstoßen wird.

 

Papst Johannes Paul II. hat in einer dem unterzeichneten Präfekten gewährten Audienz die vorliegende Instruktion, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden war, gebilligt und ihre Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 25. Semptember 2000, dem Fest Kreuzerhöhung.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 14. September 2000, dem Fest Kreuzerhöhung.

+ Joseph Kardinal Ratzinger,
Präfekt

+ Tarcisio Bertone S.D.B.,
Erzbischof em. von Vercelli,
Sekretär

(1) JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Christifideles laici, Nr. 53: AAS 81 (1989), 498.

(2) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1502.

(3) JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Salvifici doloris, Nr. 11: AAS 76 (1984) 212.

(4) Die Feier der Krankensakramente. Die Krankensalbung und die Ordnung der

Krankenpastoral in den katholischen Bistümern des deutschen Sprachgebietes, Zweite Auflage, Freiburg 1994, Praenotanda, Nr. 2; vgl. Rituale Romanum, Ex Decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II instauratum, Auctoritate Pauli PP. VI promulgatum, Ordo Unctionis Infirmorum eorumque Pastoralis Curae, Editio typica, Typis Polyglottis Vaticanis, MCMLXXII, n. 2.

(5) JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Salvifici doloris, Nr. 19: AAS 76 (1984) 225.

(6) JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Christifideles laici, Nr. 53: AAS 81 (1989), 499.

(7) Ebd., Nr. 53: AAS 81 (1989), 499.

(8) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1511.

(9) Rituale Romanum, Ordo Unctionis Infirmorum eorumque Pastoralis Curae, n. 5.

(10) Rituale Romanum, Ordo Unctionis Infirmorum eorumque Pastoralis Curae, n. 75.

(11) Vgl. Rituale Romanum, Ordo Unctionis Infirmorum eorumque Pastoralis Curae, n. 77.

(12) Vgl. Missale Romanum, Ex Decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II instauratum, Auctoritate Pauli PP. VI promulgatum, Editio typica altera, Typis Polyglottis Vaticanis, MCMLXXV, pp. 838-839.

(13) Vgl. Rituale Romanum, Ex Decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II instauratum, Auctoritate Ioannis Pauli PP. II promulgatum, De Benedictionibus, Editio typica, Typis Polyglottis Vaticanis, MCMLXXXIV, n. 305.

(14) Vgl. ebd., nn. 306-309.

(15) Vgl. ebd., nn. 315-316.

(16) Vgl. ebd., n. 319.

(17) Rituale Romanum, Ordo Unctionis Infirmorum eorumque Pastoralis Curae, n. 3.

(18) Vgl. KONZIL VON TRIENT, sess. XIV, Doctrina de Sacramento Extremae Unctionis, cap. 2: DH 1696.

(19) AUGUSTINUS, Epistulae 130, VI,13 (= PL, 33,499).

(20) Vgl. AUGUSTINUS, De Civitate Dei 22, 8,3 (= PL 41,762- 763).

(21) Die Feier der heiligen Messe, Messbuch für die Bistümer des deutschen Sprachgebietes, Freiburg 1976, Schlussgebet am 26. Sonntag im Jahreskreis; vgl. Missale Romanum, p. 563.

(22) Ebd., Große Fürbitten, 10; vgl. Missale Romanum, p. 256.

(23) Die Feier der Krankensakramente, Anhang III; vgl. Rituale Romanum, Ordo Unctionis Infirmorum eorumque Pastoralis Curae, n. 75.

(24) GOAR J., Euchologion sive Rituale Graecorum, Venetiis 1730 (Graz 1960), 338.

(25) DENZINGER H., Ritus Orientalium in administrandis Sacramentis, vv. I-II, Würzburg 1863 (Graz 1961), v. II, 497f.

(26) Kommunionspendung und Eucharistieverehrung außerhalb der Messe, Studienausgabe, Freiburg 1976, Nr. 82; vgl. Rituale Romanum, Ex Decreto Sacrosancti Concilii Vaticani II instauratum, Auctoritate Pauli PP. VI promulgatum, De Sacra Communione et de Cultu Mysterii Eucharistici Extra Missam, Editio typica, Typis Polyglottis Vaticanis, MCMLXXIII, n. 82.

(27) Vgl. Rituale Romanum, De Benedictionibus, nn. 290-320.

(28) Vgl. ebd., n. 39.

(29) Und jene, die ihm gemäß can. 381 § 2 rechtlich gleichgestellt sind.

(30) Vgl. KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE, Instruktion über einige Aspekte des Gebrauchs der sozialen Kommunikationsmittel bei der Förderung der Glaubenslehre, Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 1992.

(31) Vgl. KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE, Epistula Inde ab aliquot annis, Ordinariis locorum missa: in mentem normae vigentes de exorcismis revocantur: AAS 77 (1985) 1169- 1170.

(32) Vgl. Rituale Romanum, Ex Decreto Sacrosancti Oecumenici Concilii Vaticani II instauratum, Auctoritate Ioannis Pauli PP. II promulgatum, De Exorcismis et Supplicationibus Quibusdam, Editio typica, Typis Polyglottis Vaticanis, MIM, Praenotanda, nn. 13-19.

(Quelle: http://www.doctrinafidei.va/documents/rc_con_cfaith_doc_20001123_istruzione_ge.html)

 

The Lord's Prayer

The Lord’s Prayer In English/Maori



 
In English

Our Father in heaven,
Hallowed be Your name,
Your kingdom come,
Your will be done,
On earth as in heaven.
Give us today our daily bread.
Forgive us our sins
As we forgive those who sin against us.
Save us from the time of trial
And deliver us from evil.

For the kingdom, the power and the glory are Yours
Now and forever. Amen.


In Maori


To matou Matua i te rangi
Kia tapu tou Ingoa.
Kia tae mai tou rangitiratanga.
Kia meatia tau e pai ai
Ki runga ki te whenua,
Ka rite ano ki to te rangi.
Homai ki a matou aianei
He taro ma matou mo tenei ra.
Murua o matou hara,
Me matou hoki e muru nei
I o te hunga e hara ana ki a matou.
Aua hoki matou e kawea kia whakawaia;
Engari whakaorangia matou i te kino:
Nou hoki te rangitiratanga, te kaha,
Me te kororia,
Ake, ake, ake. Amine.
 


DAS GEBET DES HERRN: „VATER UNSER!"


2759 „Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat" (Lk 11,1). Als Antwort auf diese Bitte vertraut Jesus seinen Jüngern und seiner Kirche das christliche Grundgebet an. Der hl. Lukas gibt eine kurze Fassung mit fünf Bitten 1, der hl. Matthäus eine ausführlichere mit sieben Bitten [Vgl. Mt 6,9-13]. Die liturgische Überlieferung der Kirche hat die Fassung des hl. Matthäus beibehalten.

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.


2760 Sehr früh hat die Liturgie das Gebet des Herrn mit einer Doxologie abgeschlossen. In der Didaché (8,2) lautet sie: „Denn dein ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit". Die Apostolischen Konstitutionen (7,24,1) fügen am Anfang hinzu:

„das Reich". Diese Formulierung findet sich heute in der ökumenischen Fassung. Die byzantinische Tradition fügt nach „Herrlichkeit" „Vater, Sohn und Heiliger Geist" hinzu. Das römische Meßbuch führt die letzte Bitte [Vgl. MR, Embolismus.] weiter in ausdrücklichem Warten auf „die selige Hoffnung" (Tit 2,13) und auf das Kommen Jesu Christi, unseres Herrn. Darauf folgt die Akklamation der Gemeinde, in der die Doxologie der Apostolischen Konstitutionen aufgenommen wird.


ARTIKEL 1

„DIE ZUSAMMENFASSUNG DES GANZEN EVANGELIUMS"


2761 „Das Gebet des Herrn ist die Zusammenfassung des ganzen Evangeliums" (Tertullian, or. 1). „Als der Herr uns diese Gebetsformel vermacht hatte, fügte er hinzu: ‚Bittet, dann wird euch gegeben‘ (Lk 11,9). Jeder kann also seinen Bedürfnissen entsprechend verschiedene Gebete an den Himmel richten; er soll jedoch stets mit dem Gebet des Herrn beginnen, welches das Grundgebet bleibt" (Tertullian, or. 10).


I In der Mitte der Schrift


2762 Nachdem der hl. Augustinus festgestellt hat, daß die Psalmen die Hauptnahrung des christlichen Betens sind und in die Bitten des Vaterunsers einfließen, hält er fest:

„Geht sämtliche Gebete durch, die sich in der Schrift finden. Meines Erachtens könnt ihr darin nichts finden, was nicht im Gebet des Herrn enthalten wäre" (ep. 130, 12, 22).


2763 Alle Schriften des Alten Testamentes (das Gesetz, die Propheten und die Psalmen) sind in Jesus Christus in Erfüllung gegangen [Vgl. Lk 24,44]. Das Evangelium ist diese frohe Botschaft. Seine erste Verkündigung wird vom hl. Matthäus in der Bergpredigt zusammengefaßt [Vgl. Mt 5-7.]. Das Gebet zu unserem Vater steht in der Mitte dieser Verkündigung. Dieser Zusammenhang verdeutlicht jede Bitte des uns vom Herrn übergebenen Gebetes:

„Das Gebet des Herrn ist das vollkommenste ... In ihm wird nicht nur um alles gebeten, wonach wir in richtiger Weise verlangen können, sondern auch in derjenigen Reihenfolge, in der wir danach verlangen sollen; so lehrt uns dieses Gebet nicht bloß bitten, sondern formt auch unser ganzes Gemüt" (Thomas v. A., s. th. 2-2, 83, 9).


2764 Die Bergpredigt ist Lebenslehre, das Vaterunser ist Gebet; in beiden formt der Geist des Herrn unser Verlangen, das heißt unsere inneren Regungen. Jesus leitet uns mit seinen Worten zu diesem neuen Leben an und lehrt uns, im Gebet darum zu bitten. Von der Richtigkeit unseres Betens hängt die Richtigkeit unseres Lebens in Christus ab.

II „Das Gebet des Herrn"


2765 Der überlieferte Ausdruck „Herrengebet" oder „Gebet des Herrn" bedeutet, daß Jesus, unser Herr, uns das Gebet zu unserem Vater gelehrt hat. Dieses von Jesus stammende Gebet ist wahrhaft einzigartig: es ist „vom Herrn". Zum einen gibt der eingeborene Sohn in den Worten dieses Gebetes uns die Worte, die der Vater ihm gegeben hat [Vgl. Joh 17,7]: er ist der Lehrer unseres Betens. Zum andern kennt er als fleischgewordenes Wort in seinem Menschenherzen die Bedürfnisse seiner menschlichen Brüder und Schwestern und offenbart sie uns: er ist das Vorbild unseres Betens.


2766 Doch Jesus hinterläßt uns nicht eine mechanisch zu wiederholende Formel [Vgl. Mt 6,7; 1 Kän 18, 26-29]. Im Herrengebet lehrt der Heilige Geist die Kinder Gottes durch das Wort Gottes zu ihrem Vater beten, wie dies bei jedem gesprochenen Gebet der Fall ist. Jesus gibt uns nicht nur die Worte zu unserem kindlichen Gebet, sondern gleichzeitig den Geist, durch den sie in uns „Geist ... und Leben" (Joh 6,63) werden. Der Vater sandte aber auch „den Geist seines Sohnes in unser Herz, den Geist, der ruft: Abba, Vater" (Gal 4,6). Dies ist der Beweis und gleichzeitig die Möglichkeit unseres Gebetes als Kinder. Unser Gebet legt Gott unser Verlangen dar. Darum weiß der Vater, „der die Herzen erforscht ... was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein" (Röm 8,27). Auf diese Weise gehört das Gebet zu unserem Vater zum Mysterium der Sendung des Sohnes und des Geistes.

III Das Gebet der Kirche


2767 Seit ihrem Anfang empfängt die Kirche die untrennbar verbundene Gabe der Worte des Herrn und des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist gibt den Worten des Herrn im Herzen der Gläubigen Leben. Die ersten Gemeinden beteten das Gebet des Herrn „dreimal am Tag" (Didaché 8,3) anstelle der „achtzehn Preisungen", die in der jüdischen Liturgie üblich waren.


2768 Der apostolischen Überlieferung entsprechend ist das Gebet des Herrn seinem Wesen nach in der Liturgie verwurzelt.

„Der Herr lehrt uns, gemeinsam für unsere Brüder zu beten. Denn er sagt nicht: ‚Mein Vater‘ im Himmel, sondern: ‚Vater unser‘, damit unser Gebet wie aus einer Seele für den ganzen Leib der Kirche eintrete" (Johannes Chrysostomus, hom. in Mt. 19,4).

In allen liturgischen Überlieferungen ist das Gebet des Herrn ein wesentlicher Bestandteil der großen Horen des Stundengebetes. Vor allem aber tritt sein kirchlicher Charakter in den drei Sakramenten der christlichen Initiation zutage:


2769 Die Übergabe [traditio] des Herrengebetes bei der Tauft und der Firmung ist ein Zeichen der Wiedergeburt im göttlichen Leben. Das christliche Gebet bedeutet Reden zu Gott mit Gottes Wort. So lernen jene, die „neu geboren" wurden „aus Gottes Wort, das lebt" (1 Petr 1,23), mit dem einzigen Wort, das ihr Vater stets erhört, ihn anzurufen. Und das können sie fortan, da das Siegel der Salbung mit dem Heiligen Geist unauslöschlich eingeprägt ist in ihrem Herzen, in ihren Ohren, auf ihren Lippen, in ihrem ganzen Sein als Söhne Gottes. Deshalb richten sich die meisten Kommentare der Kirchenväter zum Vaterunser an Katechumenen und Täuflinge. Wenn die Kirche mit den Worten des Herrn betet, ist es immer das „wiedergeborene" Volk, das betet und Barmherzigkeit erlangt [Vgl. 1 Petr 2,1-10].


2770 In der Eucharistieftier stellt das Herrengebet das Gebet der ganzen Kirche dar. Hier offenbart sich sein voller Sinn und seine Wirkkraft. Eingefügt zwischen Hochgebet [Anaphora] und Kommunionspendung faßt es einerseits alle Bitten und Fürbitten, die in der Epiklese geäußert werden, zusammen, andererseits bittet es um Einlaß zum himmlischen Hochzeitsmahl, welches in der sakramentalen Kommunion vorweggenommen wird.


2771 In der Eucharistie bezeugt das Herrengebet auch die endzeitliche Eigenart seiner Bitten. Es ist das Gebet der „letzten Zeiten", der Zeiten des Heils, die mit der Ausgießung des Heiligen Geistes begonnen haben und sich mit der Wiederkunft des Herrn vollenden werden. Die Bitten des Vaterunsers stützen sich im Unterschied zu den Gebeten des Alten Bundes auf das Mysterium des Heiles, das sich im gekreuzigten und auferstandenen Christus ein für allemal verwirklicht hat.


2772 Aus diesem unerschütterlichen Glauben entspringt die Hoffnung, die aus jeder der sieben Bitten spricht. Diese bringen das Seufzen der Gegenwart zum Ausdruck, dieser Zeit der Geduld und des Wartens, in der das, „was wir sein werden ... noch nicht offenbar geworden" (1 Joh 3,2) [Vgl. Kol 3,4.] ist. Die Eucharistiefeier und das Vaterunser sind auf das Kommen des Herrn hin ausgerichtet, „bis er kommt" (1 Kor 11,26).

KURZTEXTE



2773 Auf die Bitte seiner Junger hin Herr lehre uns beten (Lk 11 1) vertraut Jesus diesen das christliche Grundgebet an das Vaterunser.


2774 Das Gebet des Heim ist die Zusammenfassung des ganzen Evangeliums (Tertullian or 1) und das vollkommenste Gebet (Thomas v A s th 2 -2 83 9) Es ist im Mittelpunkt der Heiligen Schrift.


2775 Es wird Gebet des Herrn genannt da es von Jesus, dem Herrn stammt dem Meister und Vorbild unseres Betens.


2776 Das Gebet des Herrn ist das eigentliche Gebet der Kirche. Es ist wesentlicher Bestandteil der großen Hören des Stundengebetes und der Sakramente der christlichen Initiation Taufe Firmung und Eucharistie In die Eucharistie eingegliedert bezeugt es die endzeitliche Eigenart der Bitten in der Hoffnung auf den Herrn bis er kommt (1 Kor 11 26).

ARTIKEL 2

„VATER UNSER IM HIMMEL"


I „Wir wagen uns voll Vertrauen zu nähern"


2777 In der römischen Liturgie wird die eucharistische Gemeinde eingeladen, das Vaterunser mit kindlicher Kühnheit zu sprechen. Die östlichen Liturgien verwenden ähnliche Ausdrücke: „voll Vertrauen wagen" und „mach uns würdig". Aus dem brennenden Dornbusch wurde zu Mose gesagt: „Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab!" (Ex 3,5). Allein Jesus konnte diese Schwelle der göttlichen Heiligkeit überschreiten. Er führt uns, nachdem er „die Reinigung von den Sünden bewirkt" hat (Hebr 1,3), vor das Angesicht des Vaters: „Seht, ich und die Kinder, die Gott mir geschenkt hat" (Hebr 2,13).


„Uns zu verkriechen geböte uns das Bewußtsein, bloß Sklaven zu sein, zu Staub werden müßte das Geschöpf aus Erde, wenn nicht des Vaters Machtgebot, wenn nicht der Geist des Sohnes selbst uns zu diesem Rufe auffordern würde ‚Abba, Vater!‘ (Röm 8,15) ... Wann würde wohl ein sterbliches Wesen es wagen, Gott Vater zu nennen, wenn nicht Kräfte des Himmels das Innere des Menschen belebten?" (Petrus Chrysologus, serm. 71).


2778 Diese Macht des Geistes, die uns zum Gebet des Herrn hinführt, wird in den Liturgien des Ostens und des Westens mit dem schönen, ausgesprochen christlichen Ausdruck parrhesia umschrieben, der soviel bedeutet wie Einfachheit ohne Umweg, kindliches Vertrauen, freudige Zuversicht, demütige Kühnheit und Gewißheit, geliebt zu sein‘.

II „Vater!"


2779 Bevor wir uns diesen ersten Ruf des Herrengebetes zu eigen machen, sollten wir unser Herz demütig von falschen Bildern „dieser Welt" reinigen. Die Demut läßt uns erkennen: „Niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will"; das sind die „Unmündigen" (Mt 11,25-27). Die Reinigung des Herzens betrifft die Bilder von Vater und Mutter, die aus unserer persönlichen und der kulturellen Entwicklung hervorgegangen sind und unsere Beziehung zu Gott beeinflussen. Gott unser Vater steht über den Begriffen dieser geschaffenen Welt. Wer in diesem Bereich seine eigenen Vorstellungen auf Gott überträgt oder ihm entgegenstellt, schafft sich damit Götzen, die er entweder anbetet oder verwirft. Zum Vater beten heißt in sein Mysterium eintreten, so wie er ist und wie der Sohn ihn uns geoffenbart hat.

„Der Ausdruck ‚Gott Vater‘ war nie jemandem geoffenbart worden. Als Mose selbst Gott fragte, wie er heiße, bekam er einen anderen Namen zu hören. Uns ist dieser Name geoffenbart worden im Sohn, denn im Namen ‚Sohn‘ liegt bereits der neue Name ‚Vater" (Tertullian, or. 3).


2780 Wir können Gott als „Vater" anrufen, weil sein menschgewordener Sohn ihn uns geoffenbart hat und weil sein Geist ihn uns zu erkennen gibt. Wir glauben, daß Jesus der Christus ist und daß wir aus Gott geboren [Vgl. 1 Joh 5,1] sind. Dadurch läßt uns der Geist des Sohnes an der persönlichen Beziehung des Sohnes zum Vater [Vgl. Joh 1,1] teilhaben. Menschen können sich das nicht vorstellen, die Engel es nicht erahnen.


2781 Wenn wir zum Vater beten, sind wir in Gemeinschaft mit ihm und mit seinem Sohn Jesus Christus [Vgl. 1 Joh 1,3.]. Dabei kennen und erkennen wir ihn mit immer neuem Staunen. Das erste Wort im Gebet des Herrn ist eine lobpreisende Anbetung, noch bevor es zu einem flehenden Ruf wird. Denn es ist zur Ehre Gottes, daß wir ihn als „Vater" und als wahren Gott bekennen. Wir danken ihm, daß er uns seinen Namen geoffenbart hat und daß er uns geschenkt hat, an ihn zu glauben und Wohnstätte seiner Gegenwart zu sein.


2782 Wir können den Vater anbeten, weil er uns durch die Annahme an Kindes Statt in seinem eingeborenen Sohn die Wiedergeburt zu seinem Leben geschenkt hat. Durch die Taufe gliedert er uns dem Leib seines Christus, des Gesalbten, ein, und durch die Salbung mit seinem Geist, die sich vom Haupt über die Glieder ergießt, macht er auch uns zu „Gesalbten".

„Da uns Gott zur Annahme an Kindes Statt vorherbestimmt hat, hat er uns dem verherrlichten Leibe Christi gleichförmig gemacht. Nachdem ihr nun an dem Gesalbten Anteil erhalten habt, werdet ihr mit Recht Gesalbte genannt" (Cyrill v.Jerusalem, catech. myst. 3,1).

„Der neue, wiedergeborene und seinem Gott durch dessen Gnade wiedergegebene Mensch sagt zuerst ‚Vater‘, weil er sein Sohn geworden ist" (Cyprian, Dom. orat. 9).


2783 Im Gebet des Herrn werden wir uns selbst geoffenbart [Vgl. GS 22,1.], weil uns zugleich der Vater geoffenbart wird. „O Mensch, du wagtest nicht, das Antlitz zum Himmel zu erheben, du senktest den Blick zur Erde, und plötzlich hast du die Gnade Christi erhalten: alle deine Sünden wurden dir vergeben. Aus einem schlimmen Knecht bist du ein guter Sohn geworden ... Erhebe also deinen Blick zum Vater, ... der dich durch seinen Sohn erlöst hat, und sage: ‚Vater unser‘ ... Berufe dich aber auf kein Vorrecht. Eigentlicher Vater ist er nur in bezug auf Christus, während wir von ihm erschaffen sind. Sage also aus Gnade auch du: ‚Vater unser‘, um zu verdienen, sein Sohn zu sein" (Ambrosius, sacr. 5,19).


2784 Dieses Geschenk der Gnade der Annahme an Kindes Statt verlangt von uns eine fortwährende Bekehrung und ein neues Leben. Das Gebet des Vaterunsers soll zwei Grundhaltungen in uns entwickeln. Das Verlangen und der Wille, uns ihm anzugleichen. Da wir nach seinem Bild geschaffen sind, wurde uns aus Gnade die Ähnlichkeit mit ihm wieder verliehen. Ihr sollen wir entsprechen.

„Wenn wir Gott unsern Vater nennen, müssen wir uns auch als Söhne Gottes verhalten" (Cyprian, Dom. orat. 11).

„Ihr könnt euren Vater nicht den Gott alles Guten nennen, wenn ihr ein unmenschliches und grausames Herz behaltet. Denn in diesem Fall habt ihr nicht mehr das Kennzeichen der Güte des himmlischen Vaters in euch" (Johannes Chrysostomus, horn. in Mt. 7,14 3).

„Wir sollen unablässig die Schönheit des Vaters betrachten und unsere Seele von ihr durchdringen lassen" (Gregor v. Nyssa, or. dom. 2).


2785 Ein demütiges und vertrauendes Herz. Dieses läßt uns wieder „wie die Kinder" werden (Mt 18,3), denn der Vater offenbart sich den „Unmündigen" (Mt 11,25).

„[Das Vaterunser] ist ein Aufblick zu Gott allein, ein großes Feuer der Liebe. Die Seele schmilzt darin, versinkt in die heilige Liebe und unterhält sich mit Gott wie mit dem eigenen Vater, sehr vertraut, in ganz besonderer, zärtlicher Kindesliebe" (Johannes Cassian, coll. 9,18).

„Vater unser: Dieser Name weckt in uns beim Beten gleichzeitig Liebe, Zuneigung ... und auch die Hoffnung, zu erlangen, um was wir bitten ... Was kann er denn dem Gebet seiner Kinder verweigern, wenn er ihnen schon zuvor gestattet hat, seine Kinder zu sein?" (Augustinus, serm. Dom. 2,4,16).

III Vater „unser"


2786 Die Anrede Vater „unser" richtet sich an Gott. Dieses Pronomen drückt unsererseits nicht ein Besitzen, sondern eine ganz neue Beziehung zu Gott aus.


2787 Wenn wir Vater „unser" sagen, bekennen wir zunächst, daß alle seine Verheißungen der Liebe, die Propheten angekündigt haben, im neuen und ewigen Bund in Christus in Erfüllung gegangen sind: Wir sind nun „sein" Volk geworden und er „unser" Gott. Diese neue Beziehung ist ein Geschenk gegenseitiger Zugehörigkeit. In Liebe und Treue [Vgl. Hos 2, 21-22; 6,1-6.] haben wir nun auf „die Gnade und die Wahrheit" (Joh 1,17), die uns in Jesus Christus geschenkt worden sind, zu antworten.


2788 Weil das Gebet des Herrn das Gebet seines Volkes in den „letzten Zeiten" ist, drückt dieses „unser" auch die Sicherheit unserer Hoffnung auf die letzte Verheißung Gottes aus. Er wird im neuen Jerusalem zum Sieger sagen: „Ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein" (Offb 21,7).


2789 Wenn wir Vater „unser" beten, wenden wir uns persönlich an den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Wir teilen die Gottheit nicht auf, denn der Vater ist „ihre Quelle und ihr Ursprung". Vielmehr bekennen wir damit, daß der Sohn von Ewigkeit her von ihm gezeugt wird und der Heilige Geist aus ihm hervorgeht. Wir vermischen auch nicht die Personen, denn wir bekennen, daß wir Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus in ihrem einzigen Heiligen Geist haben. Die heiligste Dreifaltigkeit ist eines Wesens und unteilbar. Wenn wir zum Vater beten, beten wir ihn an und verherrlichen ihn zusammen mit dem Sohn und dem Heiligen Geist.


2790 Das Wort „unser" kennzeichnet etwas mehreren Gemeinsames. Es gibt nur einen Gott, und er wird als Vater bekannt von jenen, die durch den Glauben an den eingeborenen Sohn aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind [Vgl. 1 Joh 5,1; Joh 3,5]. Die Kirche ist diese neue Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen. Mit dem eingeborenen Sohn vereint, der „Erstgeborene von vielen Brüdern" (Röm 8,29) geworden ist, steht sie in Gemeinschaft mit einem einzigen, ein und demselben Vater in einem einzigen, ein und demselben Heiligen Geist [Vgl. Eph 4,4-6]. Jeder Getaufte, der Vater „unser" betet, betet in dieser Gemeinschaft: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele" (Apg 4,32).


2791 Deshalb bleibt, trotz der Trennungen unter den Christen, das Gebet zu „unserem" Vater das Gemeingut aller Getauften und ein dringlicher Aufruf an sie. Durch den gemeinsamen Glauben an Christus und durch die Taufe verbunden, sollen sie mit Jesus für die Einheit seiner Jünger beten Vgl. UR 8;22].


2792 Wenn wir das Vaterunser aufrichtig beten, geben wir den Individualismus auf, denn die Liebe, die wir empfangen, befreit uns davon. Das „unser" zu Beginn des Herrengebetes wie das „wir" der letzten vier Bitten schließt niemanden aus. Damit es aufrichtig gebetet wird [Vgl. Mt 5,23-24;6,14-16], müssen unsere Spaltungen und Gegensätze überwunden werden.


2793 Die Getauften können nicht zu „unserem" Vater beten, ohne alle, für die er seinen geliebten Sohn hingegeben hat, vor Gott zu tragen. Gottes Liebe ist grenzenlos, und unser Gebet soll es ebenfalls sein [Vgl. NA 5]. Das Vaterunser öffnet uns für das gesamte Ausmaß der in Christus sichtbar gewordenen Liebe des Vaters. Wir beten mit allen und für alle Menschen, die den Vater noch nicht kennen, um „die versprengten Kinder Gottes wieder zu sammeln" (Joh 11,52). Diese göttliche Sorge um alle Menschen und um die ganze Schöpfung hat alle großen Beter beseelt; sie soll unser Gebet zu einer weitherzigen Liebe führen, wenn wir zu sprechen wagen: Vater „unser".

IV „Im Himmel"


2794 Dieser biblische Ausdruck bezeichnet nicht einen Ort [Raum], sondern eine Daseinsweise; nicht ein Fernsein Gottes, sondern seine Erhabenheit. Unser Vater ist nicht „anderswo", sondern er ist „jenseits von allem", was wir über seine Heiligkeit denken können. Gerade weil er der dreimal Heilige ist, ist er dem demütigen und reuevollen Herzen nahe.


„Mit Recht werden die Worte ‚Vater unser im Himmel‘ vom Herz der Gerechten verstanden, in dem Gott wie in seinem Tempel wohnt. Darum auch wird der Beter wünschen und sich danach sehnen, daß der, den er anruft, in ihm wohnt" (Augustinus, serm. Dom. 2,5,17).


„Himmel könnten sehr wohl auch die sein, die das Abbild der himmlischen Welt in sich tragen und in denen Gott wohnt und wandelt" (Cyrill v. Jerusalem, catech. myst. 5,11).


2795 Das Zeichen der Himmel verweist uns auf das Mysterium des Bundes, das wir leben, wenn wir zu unserem Vater beten. Er ist im Himmel, dieser ist seine Wohnstätte. Das Haus des Vaters ist also auch unsere „Heimat". Die Sünde hat uns von der Erde des Bundes vertrieben [Vgl. Gen 3], und die Bekehrung des Herzens läßt uns zum Vater im Himmel zurückkehren [Vgl. Jer 3,19-4,1a; Lk 15,18.21]. In Christus sind Himmel und Erde miteinander versöhnt worden [Vgl. Jes 45,8; Ps 85,12], denn allein der Sohn ist „vom Himmel hinabgestiegen", und nur er läßt uns durch sein Kreuz, seine Auferstehung und Himmelfahrt mit ihm wieder zum Himmel hinaufsteigen [Vgl. Joh 12,32; 14,2-3; 16,28; 20,17; Eph 4,9-10; Hebr 1,3; 2,13].


2796 Wenn die Kirche „Vater unser im Himmel" betet, bekennt sie, daß wir das Volk Gottes sind, das „mit Christus verborgen in Gott" (Kol 3,3) schon „einen Platz im Himmel" hat [Vgl. Eph 2,6]. Sie bekennt auch, daß von uns gleichzeitig gilt: „Im gegenwärtigen Zustand seufzen wir und sehnen uns danach, mit dem himmlischen Haus überkleidet zu werden" (2 Kor 5,2) [Vgl. Phil 3,20; Hebr 13,14].


„Im Fleisch befinden sie [die Christen] sich, aber sie leben nicht nach dem Fleisch. Auf Erden weilen sie, aber im Himmel sind sie Bürger" (Diognet 5,8-9).

KURZTEXTE


2797 Einfaches und ergebenes Vertrauen demütige und frohe Zuversicht sind die Haltung in der wir das Vaterunser beten sollen.


2798 Wir können Gott als Vater anrufen weil der menschgewordene Sohn Gottes ihn uns geoffenbart hat. Wir sind durch die Tauft in den Sohn Gottes eingegliedert und an Sohnes Statt angenommen.


2799 Das Gebet des Herrn fuhrt uns in die Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus ein Gleichzeitig werden wir in diesem Gebet uns selbst geoffenbart.


2800 Das Gebet zu unserem Vater soll in uns den Willen wecken ihm ähnlich zu werden und unser Herz demütig und vertrauensvoll machen.


2801 Wenn wir Gott unseren Vater nennen berufen wir uns auf den Neuen Bund in Jesus Christus auf die Gemeinschaft mit der heiligsten Dreifaltigkeit und auf die göttliche Liebe die sich durch die Kirche über die ganze Erde ausbreitet.


2802 Im Himmel bezeichnet keinen Ort sondern die Erhabenheit Gottes und seine Gegenwart im Herzen der Gerechten. Der Himmel das Haus des Vaters ist die wahre Heimat nach der wir streben und der wir jetzt schon angehören.


ARTIKEL 3

DIE SIEBEN BITTEN


2803 Nachdem wir uns in die Gegenwart Gottes, unseres Vaters, begeben haben, um ihn anzubeten, zu lieben und zu preisen, läßt der Geist der Kindschaft sieben Bitten, sieben Preisungen aus unseren Herzen emporsteigen. Die drei ersten sind mehr auf Gott bezogen und ziehen uns hin zur Herrlichkeit des Vaters; die folgenden vier sind wie Wege zu Gott und bieten unser Elend seiner Gnade dar. „Flut ruft der Flut zu" (Ps 42,8).


2804 Die ersten drei Bitten tragen uns zu Gott, um seiner selbst willen: dein Name, dein Reich und dein Wille [Vgl. Lk 22,15; 12.50] Es gehört wesentlich zur Liebe, zuerst an den Geliebten zu denken. In jeder der drei Bitten reden wir nicht von uns, sondern wir lassen uns vom „glühenden Verlangen" und der „Angst" des geliebten Sohnes für die Herrlichkeit seines Vaters ergreifen [Vgl. GS 22,1]: „geheiligt werde ... komme ... geschehe . . .„. Diese drei Bitten sind im Opfer Christi, des Erlösers, schon erfüllt; jetzt aber, solange Gott noch nicht alles in allen ist [Vgl. 1 Kor 15,28], werden sie durch die Hoffnung auf ihre endgültige Erfüllung ausgerichtet.


2805 Die folgenden Bitten verlaufen in der Richtung mancher eucharistischer Epiklesen: sie bringen unsere Erwartungen dar und ziehen den Blick des Vaters der Barmherzigkeit auf sich. Sie steigen aus uns empor und betreffen uns schon jetzt, in dieser Welt: „gib uns ... vergib uns ... führe uns nicht ... erlöse uns ... „. Die vierte und fünfte Bitte beziehen sich auf unser Leben: wir sollen ernährt und von der Sünde geheilt werden. Die zwei letzten Bitten betreffen den Kampf des Gebetes: unseren Kampf um den Sieg des Lebens.


2806 Durch die drei ersten Bitten werden wir im Glauben gestärkt, von Hoffnung erfüllt und durch die Liebe entflammt. Da wir Geschöpfe und noch Sünder sind, müssen wir auch für uns beten: Wir bieten uns, die wir den Grenzen von Welt und Geschichte unterworfen sind, der grenzenlosen Liebe unseres Gottes dar. Denn durch den Namen Christi und das Reich seines Geistes vollendet unser Vater seinen Ratschluß des Heiles für uns und die ganze Welt.


I „Geheiligt werde dein Name"


2807 Das Wort „heiligen" ist hier zunächst nicht so sehr im verursachenden (Gott allein heiligt, macht heilig), sondern vor allem im einschätzenden Sinn zu verstehen: etwas als heilig anerkennen und es so behandeln. Daher wird die Anrufung „Geheiligt werde ...„ bei der Anbetung manchmal als Lob und Danksagung verstanden [Vgl. Ps 111,9; Lk 1,49]. Doch diese Bitte wird uns von Jesus in Wunschform gelehrt: es ist eine Bitte, ein Verlangen und ein Warten, an denen Gott und der Mensch beteiligt sind. Schon die erste Bitte des Vaterunsers nimmt uns in das innerste Mysterium der Gottheit und in die Taten des Heiles für die Menschheit hinein. Unsere Bitte, daß sein Name geheiligt werde, schließt uns in den „im voraus gefaßten gnädigen Ratschluß" mit ein, „daß wir in Liebe heilig und untadelig vor Gott leben" [Vgl. Eph 1,9.4.].


2808 Gott offenbart seinen Namen in den entscheidenden Ereignissen seiner Heilsökonomie, in denen er sein Werk vollendet. Dieses Werk vollzieht sich aber für uns und in uns nur dann, wenn sein Name durch uns und in uns geheiligt wird.


2809 Die Heiligkeit Gottes ist der unzugängliche Brennpunkt seines ewigen Mysteriums. Was in der Schöpfung und Geschichte von ihm offenbar ist, nennt die Schrift die Herrlichkeit, das Erstrahlen seiner Majestät [Vgl. Ps 8; Jes 6,3]. Gott krönt den Menschen „mit Herrlichkeit" (Ps 8,6), indem er ihn als sein „Abbild", ihm „ähnlich" (Gen 1,26) erschafft. Durch die Sünde hat der Mensch jedoch „die Herrlichkeit Gottes verloren" (Röm 3,23). Somit zeigt Gott seine Heiligkeit, indem er seinen Namen offenbart und kundtut, um den Menschen „nach dem Bild seines Schöpfers" (Kol 3,10) neu zu schaffen.


2810 Durch die Verheißung an Abraham und den bekräftigenden Eid [Vgl. Hebr 6,13] verpflichtet sich Gott, ohne jedoch seinen Namen zu enthüllen. Erst Mose beginnt er, diesen zu offenbaren [Vgl. Ex 3,14], und er bezeugt ihn vor den Augen des ganzen Volkes, indem er es vor den Ägyptern rettet: „Er ist hoch und erhaben" (Ex 15,1). Seit dem Bund am Sinai gehört dieses Volk ihm; es ist berufen, ein „heiliges" (oder „geweihtes" - im Hebräischen steht dafür das gleiche Wort) [Vgl. Ex 19,5-6] Volk zu sein, denn der Name Gottes wohnt in ihm.


2811 Gott, der Heilige [Vgl. Lev 19, 2:Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, hin heilig."], gibt dem Volk immer wieder neu das heilige Gesetz und übt in Rücksicht auf seinen eigenen Namen immer wieder Geduld. Dennoch wendet sich das Volk vom Heiligen Israels ab und entweiht seinen Namen unter den Völkern [Vgl. Ex 20; 36]. Darum sind die Gerechten des Alten Bundes, die aus der Verbannung zurückgekehrten Armen und die Propheten von glühendem Eifer für seinen Namen erfüllt.


2812 Endlich wird uns in Jesus der Name des heiligen Gottes im Fleisch als Retter [Vgl. Mt 1,21; Lk 1,31] geoffenbart und geschenkt. Er wird geoffenbart durch das, was er ist, durch sein Wort und sein Opfer [Vgl. Joh 8,28; 17,8; 17,17-19]. Dieses ist das Herz des hohenpriesterlichen Gebetes: Heiliger Vater, „ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind" (Joh 17,19). Weil Jesus selbst seinen eigenen Namen „heiligt" [Vgl. Ex 20,39; 36,20-21], „offenbart" er uns den Namen des Vaters (Joh 17,6). Am Ende seines Pascha verleiht ihm der Vater den Namen, der größer ist als alle Namen: Jesus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters [Vgl. Phil 2,9-11].


2813 Im Wasser der Taufe sind wir reingewaschen, geheiligt und „gerecht geworden im Namen Jesu Christi, des Herrn, und im Geist unseres Gottes" (1 Kor 6, 11). Gott hat uns berufen, in unserem ganzen Leben „heilig zu sein" (1 Thess 4,7): „Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Heiligung ... gemacht hat (1 Kor 1,30). In der Bitte, daß sein Name in uns und durch uns geheiligt werde, geht es um seine Ehre und um unser Leben. Darum ist die erste Bitte so dringlich.


„Von wem könnte Gott geheiligt werden, der doch selbst heiligt? Aber weil er selbst gesagt hat: ‚Seid heilig, weil auch ich heilig bin‘ (Lev 20,26), flehen wir darum, daß wir, in der Taufe geheiligt, an dem festhalten, was wir zu sein angefangen haben. Und um das bitten wir Tag für Tag; denn uns tut tägliche Heiligung not, damit wir, die täglich sündigen, unsere Sünden durch beständige Reinigung wieder reinwaschen ... Wir beten, damit diese Heiligung in uns bleibe" (Cyprian, Dom. orat. 12).


2814 Es hängt zugleich von unserem Leben und von unserem Gebet ab, ob sein Name unter den Völkern geheiligt wird:


„Wir bitten, daß Gott seinen Namen heilige, der durch seine Heiligkeit die ganze Schöpfung rettet und heiligt ... Das ist der Name, der verlorenen Welt das Heil wiedergibt. Aber wir bitten, daß der Name Gottes durch unser Leben in uns geheiligt werde. Handeln wir gut, so wird der Name Gottes gepriesen; handeln wir schlecht, so wird er gelästert dem Wort des Apostels gemäß: ‚Der Name Gottes wird durch uns gelästert unter den Heiden‘ (Röm 2,24; Ez 36,20-22). Wir bitten deshalb darum, in unseren Seelen ebensoviel Heiligkeit zu verdienen, wie der Name unseres Gottes heilig ist" (Petrus Chrysologus, serm.71).


„Wenn wir sagen: ‚Geheiligt werde dein Name‘, bitten wir, daß er in uns geheiligt werde, die wir ihm angehören, sowie auch in den andern, auf welche die Gnade Gottes noch wartet, so daß wir also auch der Vorschrift gehorchen, für alle, auch für unsere Feinde zu beten. Deshalb bitten wir nicht ausdrücklich ‚Geheiligt werde dein Name in uns‘, denn wir bitten, daß er in allen Menschen geheiligt werde" (Tertullian, or. 3).


2815 Diese erste Bitte, die alle anderen enthält, wird, wie die sechs weiteren Bitten, durch das Gebet Christi erhört. Das Gebet zu unserem Vater ist unser Gebet, wenn es im Namen Jesu gebetet wird [Vgl. Joh 14,13; 15,16; 16, 24. 26]. Jesus betet in seinem hohepriesterlichen Gebet: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast" (Joh 17,11).


II „Dein Reich komme"


2816 Das Wort „Reich" [basileia] im Neuen Testament kann mit „Königtum" (abstrakter Begriff), „Königreich" (konkreter Begriff) oder „Königsherrschaft" (Handlungsbegriff) übersetzt werden. Das Reich Gottes ist schon da. Es hat sich im menschgewordenen Wort genähert, ist im gesamten Evangelium verkündet worden und im Tod und in der Auferstehung Christi gekommen. Seit dem Letzten Abendmahl kommt das Reich Gottes in der Eucharistie; es ist mitten unter uns. Das Reich Gottes wird in Herrlichkeit kommen, wenn Christus es dem Vater übergeben wird.


„Es kann auch Christus selbst das Reich Gottes sein, nach dem wir mit unserem Verlangen täglich rufen, dessen baldige Ankunft wir ungeduldig erwarten. Denn da er selbst unsere Auferstehung ist, weil wir in ihm auferstehen, so kann er auch selbst als das Reich Gottes aufgefaßt werden, weil wir in ihm herrschen werden" (Cyprian, Dom. orat. 13).


2817 Diese Bitte ist das „MaMna tha", der Ruf des Geistes und der Braut: „Komm, Herr Jesus!"


„Auch wenn in diesem Gebet keine Vorschrift, um die Ankunft des Reiches zu bitten, bestünde, so müßten wir von selbst diesen Schrei ausstoßen und uns beeilen, unsere Hoffnung zu umarmen. Unter dem Altar erflehen die Seelen der Märtyrer vom Herrn mit großem Schreien: ‚Wie lange zögerst du noch, Herr, unser Blut an den Bewohnern der Erde zu rächen?‘ (Offb 6,10). Denn es soll ihnen Gerechtigkeit zuteil werden am Ende der Zeit. Herr, beschleunige das Kommen deines Reiches!" (Tertullian, or. 5).


2818 Das Gebet des Herrn handelt hauptsächlich vom endgültigen Kommen des Reiches Gottes durch die Wiederkunft Christi [Vgl. Tit 2,13]. Dieses Verlangen lenkt die Kirche nicht von ihrer Sendung in dieser Welt ab, sondern verpflichtet sie dazu. Seit Pfingsten nämlich ist das Kommen des Reiches das Werk des Heiligen Geistes, der das Werk Christi „auf Erden weiterführt und alle Heiligung vollendet" (MR, Viertes Hochgebet).


2819 „Das Reich Gottes ... ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist" (Röm 14, 17). Die letzten Zeiten, in denen wir stehen, sind die der Ausgießung des Heiligen Geistes. Damit hat ein entscheidender Kampf zwischen dem „Fleisch" und dem „Geist" begonnen [Vgl. Gal 5, 16-25.].


„Nur eine reine Seele kann mit Zuversicht sprechen: ‚Dein Reich komme‘. Wer auf das Wort Pauli hört: ‚Die Sünde soll euren sterblichen Leib nicht mehr beherrschen‘ (Röm 6,12), wer sich in seinem Handeln, Denken und Reden rein hält, kann zu Gott sagen: ‚Dein Reich komme‘" (Cyrill v. Jerusalem, catech. myst. 5,13).


2820 Die Christen müssen, vom Heiligen Geist geleitet, das Wachsen des Reiches Gottes vom Fortschritt der Kultur und der Gesellschaft unterscheiden, in die sie hineingestellt sind. Diese Unterscheidung ist keine Trennung, denn die Berufung des Menschen zum ewigen Leben befreit ihn nicht von der Aufgabe, die vom Schöpfer erhaltenen Kräfte und Mittel für Gerechtigkeit und Frieden [Vgl. GS 22; 32; 39; 45; EN 31] in dieser Welt einzusetzen, sondern bekräftigt diese Pflicht.


2821 Diese Bitte wird im Beten Jesu [Vgl. Joh 17,17-20] getragen und erhört. In der Eucharistie ist dieses Beten gegenwärtig und wirksam. Die Bitte trägt ihre Frucht im neuen Leben, das den Seligpreisungen entspricht [Vgl. Mt 5,13-16; 6,24; 7,12-13].

III „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden"


2822 Es ist der Wille unseres Vaters, „daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen" (1 Tim 2,4). Er ist geduldig, „weil er nicht will, daß jemand zugrunde geht" (2 Petr 3,9) [Vgl. Mt 18,14]. Sein Gebot, das alle anderen zusammenfaßt und uns seinen Willen offenbart, lautet: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben" (Joh 13,34) [Vgl. 1 Joh 3; 4; Lk 10,25-37].


2823 Gott „hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, nach seinem gnädigen Ratschluß ... das All in Christus wieder unter ein Haupt zu fassen. Durch ihn sind wir auch als Erben vorherbestimmt und eingesetzt nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, wie er es in seinem Willen beschließt" (Eph 1,9-11). So beten wir inständig, daß dieser gnädige Ratschluß sich verwirkliche auf der Erde, so wie er es im Himmel schon ist.


2824 Der Wille des Vaters wurde in Christus durch seinen menschlichen Willen ein für allemal vollkommen erfüllt. Bei seinem Eintritt in die Welt sprach Jesus: „Ja, ich komme ... deinen Willen, Gott, zu tun" (Hebr 10,7; Ps 40,8). Nur Jesus kann von sich sagen, daß er „immer das tue, was [dem Vater] gefällt" (Joh 8,29). Beim Beten in seiner Todesangst stimmt er diesem

Willen des Vaters ganz zu: „Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen" (Lk 22,42) [Vgl. Joh 4,34; 5,30; 6,38.]. Darum hat sich Jesus „für unsere Sünden hingegeben nach dem Willen unseres Gottes" (Gal 1,4). „Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi ein für allemal geheiligt" (Hebr 10,10).


2825 Jesus hat, „obwohl er der Sohn war ... durch Leiden den Gehorsam gelernt" (Hebr 5,8). Wieviel mehr gilt das für uns Geschöpfe und Sünder, die in Jesus an Kindes Statt angenommen wurden! Wir bitten unseren Vater, unseren Willen mit dem seines Sohnes zu vereinen, damit wir seinen Willen, den Ratschluß des Heiles für das Leben der Welt, erfüllen. Aus uns selbst sind wir dazu völlig unfähig, aber mit Jesus vereint und mit der Kraft seines Heiligen Geistes können wir dem Vater unseren Willen übergeben und uns zu dem entschließen, wozu sich der Sohn stets entschieden hat: Das zu tun, was dem Vater gefällt.


Wenn wir Christus anhängen, „können wir mit ihm ein einziger Geist werden und dadurch seinen Willen erfüllen; so wird dieser auf Erden wie im Himmel vollkommen erfüllt" (Origenes, or. 26).


„Seht, wie Jesus Christus uns Demut lehrte, indem er uns zu verstehen gab, daß die Tugend nicht nur ein Werk unseres Eifers ist sondern auch der Gnade Gottes. Auch hier hieß er wieder einen jeden von uns, im Gebet auf das Wohl der ganzen Welt bedacht zu sein. Er sagte nämlich nicht: ‚Es geschehe dein Wille‘ an mir oder an euch, sondern: ‚auf der ganzen Welt [Vgl. Joh 8,29], auf daß aller Irrtum verschwinde, die Wahrheit erscheine, jegliches Böse ausgerottet werde, die Tugend Einzug halte und so kein Unterschied mehr bestehe zwischen Himmel und Erde" (Johannes Chrysostornus, horn. in Mt 19,5).


2826 Durch das Gebet können wir „erkennen ... was der Wille Gottes ist" (Röm 12,2) [Vgl. Eph 5,17], und „Ausdauer" erhalten, um ihn zu „erfüllen" (Hebr 10,36). Jesus lehrt uns, daß nicht jener, der viele Worte macht, in das Himmelreich eintritt, „sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt" (Mt 7,21).


2827 „Wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört Gott" (Joh 9, 31) [Vgl. 1 Joh 5,14]. Eine so große Macht hat das Gebet der Kirche im Namen ihres Herrn, vor allem in der Eucharistie. Diese ist fürbittende Gemeinschaft mit der heiligen Mutter Gottes [Vgl. Lk 1,38.49.] und allen Heiligen, die dem Herrn „wohlgefällig" waren, weil sie einzig seinen Willen erfüllen wollten.


„Wir können, ohne die Wahrheit zu verletzen, die Worte: ‚Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden‘ auch übersetzen durch: ‚in der Kirche wie in unserem Herrn Jesus Christus; in der Braut, die ihm verlobt worden ist, wie im Bräutigam, der den Willen des Vaters erfüllt hat‘" (Augustinus, serm. Dom. 2,6,24).

IV „Unser tägliches Brot gib uns heute"


2828 Gib uns. Schön ist das Vertrauen der Kinder, die von ihrem Vater alles erwarten. Dieser „läßt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er läßt regnen über Gerechte und Ungerechte" (Mt 5,45). „Zur rechten Zeit" gibt er allen Lebewesen „Speise" (Ps 104,27). Jesus lehrt uns diese Bitte; sie verherrlicht unseren Vater, denn sie anerkennt, daß er über alle Güte hinaus gut ist.


2829 „Gib uns" ist auch Ausdruck des Bundes: Wir gehören Gott und er gehört uns und ist für uns da. Aber das Wort „uns" anerkennt ihn auch als den Vater aller Menschen. So bitten wir ihn für sie alle, in Verbundenheit mit ihren Bedürfnissen und Leiden.


2830 Unser Brot: Es ist unmöglich, daß der Vater, der uns das Leben gibt, uns nicht auch die zum Leben notwendige Nahrung, alle angemessenen materiellen und geistigen Güter gibt. Jesus hebt in der Bergpredigt das kindliche Vertrauen hervor, das mit der Vorsehung unseres Vaters mitwirkt [Vgl. Mt 6,25-34]. Er verpflichtet uns nicht auf ein unbeteiligtes Hinnehmen [Vgl. 2 Thess 3,6-13], sondern will uns von beunruhigenden Sorgen und aller Ängstlichkeit befreien. Die Kinder Gottes verlassen sich kindlich auf ihren Vater.


„Denen, die nach dem Reiche und der Gerechtigkeit Gottes trachten, soll nach seiner Verheißung auch alles andere zuteil werden. Denn da alles Gott gehört, wird es dem, der Gott hat, an nichts fehlen, wenn er selbst es Gott gegenüber an nichts fehlen läßt" (Cyprian, Dom. orat. 21).


2831 Es gibt Menschen, die hungern, weil sie kein Brot haben. Diese Tatsache offenbart einen weiteren tiefen Sinn der Bitte. Der Hunger in der Welt ruft die Christen, die in Wahrhaftigkeit beten wollen, auf, die Verantwortung ihren Brüdern gegenüber wirksam wahrzunehmen. Dies betrifft ihr persönliches Verhalten und ihre Verbundenheit mit der ganzen Menschheit. So kann diese Bitte des Herrengebetes weder vom Gleichnis des armen Lazarus [Vgl. Lk 16,19-31] noch vom Gleichnis des Letzten Gerichtes [Vgl. Mt 25,31-46] losgelöst werden.


2832 Wie die Hefe den Teig, soll die Neuheit des Gottesreiches die Erde mit dem Geist Christi emporheben [Vgl. AA 5.]. Dies muß sich darin erweisen, daß die persönlichen und gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und internationalen Beziehungen gerecht werden. Dabei darf nie vergessen werden, daß es ohne Menschen, die sich bemühen, gerecht zu sein, keine gerechten Beziehungen gibt.


2833 Die Rede ist von „unserem" Brot: „eines" für „viele". Zur Armut der Seligpreisungen gehört die Tugend des Teilens; sie ruft dazu auf, die materiellen und geistigen Güter weiterzugeben und zu teilen, nicht aus Zwang, sondern aus Liebe, damit der Überfluß der einen den Nöten der anderen abhelfe [Vgl. 2 Kor 8,1-15].


2834 „Bete und arbeite!" [Vgl. Benedikt, reg. 20; 48] „Betet, als ob alles von Gott abhinge, und arbeitet, als ob alles von euch abhinge." Auch wenn wir unsere Arbeit getan haben, bleibt die Nahrung eine Gabe unseres Vaters; es ist gut, ihn darum zu bitten, indem wir ihm dafür danken. Das ist der Sinn des Tischsegens in einer christlichen Familie.


2835 Diese Bitte und die Verantwortung, zu der sie aufruft, gelten auch für einen anderen Hunger, an dem die Menschen zugrunde gehen: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt" (Mt 4,4) [Vgl. Dtn 8,3], das heißt vom Wort und vom Hauch Gottes. Die Christen müssen alle Anstrengungen unternehmen, um „den Armen das Evangelium zu verkünden". Es gibt auf Erden einen anderen Hunger, „nicht den Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, sondern nach einem Wort des Herrn" (Am 8,11). Darum bezieht sich der besondere christliche Sinn dieser Vierten Bitte auf das Brot des Lebens. Es ist das Wort Gottes, das wir im Glauben annehmen sollen, und der Leib Christi, den wir in der Eucharistie empfangen haben [Vgl. Job 6,26-58].


2836 Heute ist auch ein Ausdruck des Vertrauens, das uns der Herr lehrt [Vgl. Mt 6,34; Ex 16,19], und keine anmaßende Erfindung. Da es sich vor allem um das Wort des Vaters und den Leib seines Sohnes handelt, ist dieses „Heute" nicht nur die Gegenwart unserer vergänglichen Zeit, sondern das Heute Gottes.


„Wenn du jeden Tag Brot erhältst, ist jeder Tag für dich dieses Heute. Wenn Christus heute dein ist, aufersteht er alle Tage für dich. Wie denn? ‚Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt‘ (Ps 2,7). Heute, das heißt dann, wenn Christus aufersteht" (Ambrosius, sacr. 5,26).


2837 Täglich. Dieses Wort, epioúsios, findet sich im Neuen Testament nur hier. Im zeitlichen Sinn verstanden, nimmt es erzieherisch das „Heute" wieder auf, um uns in einem „unbedingten" Vertrauen zu bestärken. Im qualitativen Sinn genommen, bedeutet es das Lebensnotwendige und, weiter gefaßt, jedes Gut, das zum Lebensunterhalt genügt [Vgl. Ex 16, 19-21]. Buchstäblich [epioúsios überwesentlich] bezeichnet es unmittelbar das Brot des Lebens, den Leib Christi und die „Arznei der Unsterblichkeit" (Ignatius v. Antiochien, Eph. 20,2), ohne die wir das Leben nicht in uns haben [Vgl. Joh 6,53-56]. Mit dem buchstäblichen wird auch der himmlische Sinn dieser Bitte offensichtlich: „dieser Tag" bezeichnet den Tag des Herrn. Dieser ist der Tag des Festmahls im Reiche Gottes, der in der Eucharistie vorweggenommen wird, die Vorgeschmack des kommenden Reiches ist. Darum ist es angemessen, die Eucharistie jeden Tag zu feiern.


„Die Eucharistie ist unser tägliches Brot. Dieser göttlichen Speise eignet die Kraft der Einigung: sie vereint uns mit dem Leib des Herrn und macht uns zu seinen Gliedern, damit wir das werden, was wir empfangen ... Dieses tägliche Brot ist auch in den Lesungen, die ihr jeden Tag in der Kirche anhört, in den Hymnen, die ihr hört und die ihr singt. All das benötigen wir für unsere Pilgerschaft" (Augustinus, serm. 57,7,7).


Der Vater im Himmel ermahnt uns, als Kinder des Himmels um das Brot des Himmels zu bitten [Vgl. Joh 6,51]. Christus „selbst ist das Brot, das in die Jungfrau gesät, im Fleisch durchsäuert, im Leiden geknetet, im Ofen des Grabes gebacken, in der Kirche aufbewahrt und auf den Altären geopfert wird. Dieses Brot teilt er Tag für Tag den Gläubigen aus als eine himmlische Nahrung" (Petrus Chrysologus, serm. 67).


V „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern"


2838 Diese Bitte erstaunt. Enthielte sie nur den ersten Teil des Satzes, „Vergib uns unsere Schuld", so könnte sie schon in den drei ersten Bitten des Vaterunsers enthalten sein, da das Opfer Christi „zur Vergebung der Sünden" dient. Gemäß dem zweiten Satzteil jedoch wird unsere Bitte nur dann erhört, wenn wir zuvor einer Anforderung entsprochen haben. Unsere Bitte richtet sich auf die Zukunft; unsere Antwort muß ihr vorausgegangen sein; ein Wort verbindet beide: „wie".


„Vergib uns unsere Schuld . .


2839 In kühnem Vertrauen haben wir begonnen, zu unserem Vater zu beten. In der Bitte, daß sein Name geheiligt werde, haben wir darum gebetet, selbst immer mehr geheiligt zu werden. Obwohl wir das Taufkleid tragen, hören wir nicht auf, zu sündigen, uns von Gott abzuwenden. Jetzt, in dieser neuen Bitte, kehren wir wie der verlorene Sohn [Vgl. Lk 15,11-32.] zu ihm zurück und bekennen uns vor ihm als Sünder, wie der Zöllner es getan hat [Vgl. Lk 18,13]. Unsere Bitte beginnt mit einer „Beichte", in der wir zugleich unser Elend und Gottes Barmherzigkeit bekennen. Unsere Hoffnung ist unerschütterlich, denn in seinem Sohn „haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden" (Kol 1,14; Eph 1,7). In den Sakramenten seiner Kirche finden wir das wirksame und nicht anzuzweifelnde Zeichen seiner Vergebung [Vgl. Mt 26,28;Joh 20,23].


2840 Es ist erschreckend, daß diese Barmherzigkeit nicht in unser Herz eindringen kann, bevor wir nicht unseren Schuldigern vergeben haben. Wie der Leib Christi ist auch die Liebe unteilbar. Wir können Gott, den wir nicht sehen, nicht lieben, wenn wir den Bruder und die Schwester, die wir sehen, nicht lieben [Vgl. 1 Job 4,20]. Wenn wir uns weigern, den Brüdern und Schwestern zu vergeben, verschließt sich unser Herz und seine Härte wird undurchdringbar für die barmherzige Liebe des Vaters. Im Bekennen unserer Sünde aber öffnet sich unser Herz seiner Gnade.


2841 Diese Bitte ist so wichtig, daß sie die einzige ist, auf die der Herr in der Bergpredigt zu sprechen kommt und die er dort auch darlegt [Vgl. Mt 6,14-15; 5,23-24; Mk 11,25]. Dem Menschen ist es zwar nicht möglich, diese entscheidende Forderung des Mysteriums des Bundes zu erfüllen, doch „für Gott ist nichts unmöglich".


...... wie auch wir Vergeben unsern Schuldigern"


2842 Dieses „Wie" ist nicht das einzige der Lehre Jesu: „Ihr sollt ... vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist" (Mt 5,48). „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist" (Lk 6,36). „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe . . .„ (Joh 13,34). Es wäre nicht möglich, das Gebot des Herrn zu befolgen, wenn es sich darum handelte, das göttliche Vorbild äußerlich nachzuahmen. Es handelt sich aber um eine lebendige, „aus den Tiefen des Herzens" kommende Teilnahme an der Heiligkeit, an der Barmherzigkeit und an der Liebe unseres Gottes. Nur der Geist, aus dem wir „leben" (Gal 5,25), kann die Gesinnung Jesu zu „unserer" machen [Vgl. Phil 2,1.5]. Die Einheit der Vergebung wird möglich, wenn wir einander verzeihen, „weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat" (Eph 4,32).


2843 So nehmen die Worte des Herrn über die Vergebung, das heißt über diese Liebe, die bis zum Äußersten liebt [Vgl. Job 13,1.], Leben an. Das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht, das die Lehre des Herrn über die kirchliche Gemeinschaft abschließt [Vgl. Mt 18,23-35], endet mit den Worten: „Ebenso wird mein himmlischer Vater jeden von euch behandeln, der seinem Bruder nicht von ganzem Herzen vergibt". Davon, vom ganzen „Herzen", hängt alles ab. Es liegt nicht in unserer Macht, eine Schuld nicht mehr zu spüren und so zu vergessen; doch das Herz, das sich dem Heiligen Geist öffnet, läßt diese Verletzung zu Mitleid werden und reinigt das Gedächtnis, indem es die Schuld zu einer Fürbitte werden läßt.


2844 Das christliche Gebet geht so weit, den Feinden zu vergeben [Vgl. Mt 5,43-44]. Es verklärt den Jünger, indem es ihn seinem Meister gleichgestaltet. Die Vergebung ist ein Höhepunkt des christlichen Betens. Deshalb kann nur ein Herz, das mit dem göttlichen Mitleid übereinstimmt, die Gabe des Gebetes in sich aufnehmen. Die Vergebung bezeugt auch, daß in unserer Welt die Liebe stärker ist als die Sünde. Die Märtyrer von gestern und heute legen für Jesus dieses Zeugnis ab. Die Vergebung ist die Grundbedingung für die Versöhnung [Vgl. 2 Kor 5,18-21] der Kinder Gottes mit ihrem Vater und der Menschen untereinander [Vgl. Johannes Paul II., Enz. „Dives in misericordia" 14].


2845 Diese der Natur nach göttliche Vergebung kennt weder Maß noch Grenzen [Vgl. Mt 18,21-22; Lk 17,3-4]. Wenn es sich um Schuld (nach Lk 11,4 „Sünden"; nach Mt 6,12 „Schulden") handelt, sind eigentlich immer wir die Schuldner: „Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer" (Röm 13, 8). Die Gemeinschaft der heiligsten Dreifaltigkeit ist Ursprung und Maßstab der Echtheit jeder Beziehung [Vgl. 1 Joh 3,19-24]. Im Gebet, vor allem in der Eucharistie wird sie gelebt [Vgl. Mt 5,23-24].


„Gott nimmt das Opfer unversöhnlicher Menschen nicht an und schickt sie vom Altar weg, um sich zuvor mit ihrem Bruder auszusöhnen, damit sie dann durch ihre friedfertigen Bitten auch bei Gott Frieden finden. Das schönste Opfer in Gottes Augen ist es, wenn Friede und brüderliche Eintracht unter uns herrschen und wenn das Volk in der Einheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes verbunden ist" (Cyprian, Dom. orat. 23).


VI „Und führe uns nicht in Versuchung"


2846 Diese Bitte wurzelt in der vorhergehenden, denn unsere Sünden sind die Früchte unserer Zustimmung zur Versuchung. Wir bitten unseren Vater, uns nicht in Versuchung zu „führen". Es ist nicht einfach, den griechischen Ausdruck, der so viel bedeutet wie „laß uns nicht in Versuchung geraten" [Vgl. Mt 26,41] oder „laß uns ihr nicht erliegen" in einem Wort wiederzugeben. „Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung" (Jak 1,13); er will uns vielmehr davon befreien. Wir bitten ihn, uns nicht den Weg beschreiten zu lassen, der zur Sünde führt. Wir stehen im Kampf „zwischen dem Fleisch und dem Geist". So fleht diese Bitte des Vaterunsers um den Geist der Unterscheidung und der Kraft.


2847 Der Heilige Geist läßt uns unterscheiden zwischen der Prüfung, die im Hinblick auf die hoffnungsvolle „Bewährung" (Röm 5,3-5) zum Wachstum des inneren Menschen notwendig ist 1, und der Versuchung, die zur Sünde und zum Tod führt [Vgl. Mt 4,1-11]. Wir müssen auch zwischen „Versuchtwerden" und „der Versuchung zustimmen" unterscheiden. Weiters entlarvt die Gabe der Unterscheidung die Lüge der Versuchung: dem Anschein nach ist ihr Gegenstand schön, verlockend und „köstlich" (Gen 3,6), in Wahrheit aber führt er zum Tod.


„Gott will das Gute nicht aufzwingen, er will freie Wesen ... Auch die Versuchung hat ihr Gutes. Niemand außer Gott weiß, was unsere Seele von Gott erhalten hat, nicht einmal wir. Aber die Versuchung bringt es an den Tag, um uns zu lehren, uns selbst zu erkennen und so unser Elend zu entdecken; und um uns zu verpflichten, für all das Gute zu danken, das die Versuchung uns aufgedeckt hat" (Origenes, or. 29).


2848 Einer Versuchung widerstehen zu können, verlangt eine Entscheidung des Herzens. „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz ... Niemand kann zwei Herrn dienen" (Mt 6,21.24). „Wenn wir aus dem Geist leben, wollen wir dem Geist auch folgen" (Gal 5,25). In dieser „Zustimmung" zum Heiligen Geist gibt der Vater uns die Kraft. „Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, daß ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, so daß ihr sie bestehen könnt" (1 Kor 10,13).


2849 Nun aber ist ein Sieg in einem solchen Kampf nur im Gebet möglich. Jesus besiegte den Versucher von Beginn an [Vgl. Mt 26,36-44] bis zum letzten Kampf in seiner Todesangst [Vgl. Mk 13,9.23.33-37; 14,38; Lk 12,35-40.] durch das Gebet. So vereint uns Christus in dieser Bitte zu unserem Vater mit seinem Kampf und seiner Todesangst. Wir werden eindringlich ermahnt, in Gemeinschaft mit ihm unser Herz wachsam zu halten [Vgl. Mk 13,9.23.33-37; 14,38; Lk 12,35-40.]. Wachsamkeit ist eine „Wächterin" des Herzens. Jesus bittet für uns seinen Vater mit den Worten: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen" (Joh 17,11). Ohne Unterlaß fordert uns der Heilige Geist zu dieser Wachsam [Vgl. Lk 8,13-15; Apg 14,22; 2Tim 3,12] keit auf 1. In der letzten Versuchung unseres Kampfes auf Erden wird die Ernsthaftigkeit dieser Bitte offenkundig; sie bittet um Beharrlichkeit bis zum Ende. „Siehe, ich komme wie ein Dieb. Selig, wer wach bleibt" (Offb 16,15).

VII „Sondern erlöse uns von dem Bösen"


2850 Auch die letzte Bitte an unseren Vater wird vom Gebet Jesu getragen: „Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst" (Joh 17, 15). Sie betrifft jeden einzelnen von uns, aber es sind immer „wir", die beten: in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche und zur Befreiung der ganzen Menschheit. Das Gebet des Herrn öffnet uns immer für den ganzen Umfang der Ökonomie des Heiles. Unsere gegenseitige Verstrikkung in Sünde und Tod wird zur Solidarität im Leib Christi in der „Gemeinschaft der Heiligen" [Vgl. RP 16].


2851 In dieser Bitte ist das Böse nicht etwas rein Gedankliches, sondern bezeichnet eine Person, Satan, den Bösen, den Engel, der sich Gott widersetzt. Der „Teufel" [diabolos] stellt sich dem göttlichen Ratschluß und dem in Christus gewirkten Heilswerk entgegen.


2852 Der Teufel „war ein Mörder von Anfang an ... denn er ist ein Lügner und ist der Vater der Lüge" (Joh 8,44). Er ist es, „der Satan heißt und die ganze Welt verführt" (Offb 12,9). Durch ihn sind die Sünde und der Tod in die Welt gekommen. Durch seine endgültige Niederlage wird „die ganze Schöpfung von der Verderbnis der Sünde und des Todes befreit" werden (MR, Viertes Hochgebet). „Wir wissen: Wer von Gott stammt, sündigt nicht, sondern der von Gott Gezeugte bewahrt ihn, und der Böse tastet ihn nicht an. Wir wissen: Wir sind aus Gott, aber die ganze Welt steht unter der Macht des Bösen" (1 Joh 5, 18-19).


„Der Herr, der eure Sünden weggenommen und eure Verfehlungen vergeben hat, ist imstande, euch vor den Listen des Teufels, der gegen euch kämpft, zu schützen und zu behüten, damit der Feind, der gewohnt ist, Sünde zu erzeugen, euch nicht überrasche. Wer sich Gott anvertraut, fürchtet den Teufel nicht. ‚Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?‘ (Röm 8,31)" (Ambrosius, sacr. 5,30).


2853 In der Stunde, in der Jesus freiwillig den Tod auf sich nimmt, um uns sein Leben zu geben, ist der Sieg über den „Herrscher der Welt" (Joh 14,30) ein für allemal errungen. Es ist das Gericht über diese Welt, und der Herrscher dieser Welt wird „hinausgeworfen" (Joh 12,31) [Vgl. Offb 12,11.]. Dieser „verfolgt die Frau" [Vgl. 1 Kor 16,13; Kol 4,2; 1 Thess 5.6; 1 Petr 5,8], hat aber keine Gewalt über sie; die neue Eva, die vom Heiligen Geist „Begnadete", wird von der Sünde und der Verderbnis des Todes befreit (in der Unbefleckten Empfängnis und durch die Aufnahme der allzeit jungfräulichen Mutter Gottes Maria in den Himmel). „Da geriet der Drache in Zorn über die Frau, und er ging fort, um Krieg zu führen gegen ihre übrigen Nachkommen" (Offb 12,17). Darum beten der Geist und die Kirche: „Komm, Herr Jesus !" (Offb 22,20) [Vgl. Offb 22,17], denn sein Kommen wird uns vom Bösen befreien.


2854 Wenn wir darum bitten, vom Bösen befreit zu werden, bitten wir auch um Befreiung von allen vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Übeln, deren Urheber und Anstifter der Böse ist. In dieser letzten Bitte trägt die Kirche das gesamte Elend der Welt vor den Vater. Mit der Erlösung von den Übeln, welche die Menschheit bedrücken, erfleht sie das kostbare Gut des Friedens und die Gnade des beharrlichen Wartens auf die Wiederkunft Christi. Wenn die Kirche so betet, nimmt sie in der Demut des Glaubens die Vereinigung von allen und allem in jenem vorweg, der „die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt" (Offb 1,18) hat, „der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung" (Offb 1, 8) [Vgl. Offb 1,4].


„Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen. Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten" (MR, Embolismus).

DIE SCHLUSSDOXOLOGIE


2855 Die Schlußdoxologie „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit" greift die drei ersten Bitten an unseren Vater wieder auf: die Verherrlichung seines Namens, das Kommen seines Reiches und die Kraft seines Heilswillens. Diese Wiederholung geschieht aber wie in der himmlischen Liturgie [Vgl. Offb 1,6; 4,11: 5,13] in Anbetung und Danksagung. Der Herrscher dieser Welt hatte sich die drei Titel der Herrschaft, der Macht und der Herrlichkeit [Vgl. Lk 4,5-6] auf betrügerische Weise angeeignet. Christus, der Herr, gibt sie seinem Vater und unserem Vater zurück, bis dieser ihm das Reich übergeben wird, wenn das Mysterium des Heiles endgültig vollendet sein und Gott alles in allen sein wird [Vgl. 1 Kor 15,24-28].


2856 „Am Schluß des Gebetes sprichst du ‚Amen‘. Durch das Wörtchen ‚Amen‘, das heißt ‚Es geschehe!‘, besiegelst du, was das von Gott gelehrte Gebet enthält" (Cyrill v. Jerusalem, catech. myst. 5, 18).

KURZTEXTE



2857 Die ersten drei Bitten des Vaterunsers betreffen die Ehre des Vaters die Heiligung seines Namens das Kommen seines Reiches und die Erfüllung des göttlichen Willens. Die vier weiteren Bitten bringen ihm Anliegen vor die unser Leben betreffen er möge uns Nahrung verschaffen uns von Sünde heilen und uns in unserem Kampf für den Sieg des Guten über das Böse beistehen.


2858 Wenn wir bitten Geheiligt werde dein Name treten wir in den Ratschluß Gottes ein Sein Name der zunächst dem Mose und dann durch Jesus geoffenbart wurde soll durch uns und in uns sowie in jedem Volk und in jedem Menschen geheiligt werden.


2859 In der zweiten Bitte geht es der Kirche vor allem um die Wiederkunft Christi und um das endgültige Kommen des Reiches Gottes Sie betet auch um das Wachstum des Reiches Gottes im Heute unseres Lebens.


2860 In der dritten Bitte flehen wir zu unserem Vater er möge unseren Willen mit dem seines Sohnes vereinen damit sich im Leben der Welt sein Ratschluß des Heiles erfülle.


2861 Mit dem „Gib uns" in der vierten Bitte äußern wir in Gemeinschaft mit unseren Brüdern unser kindliches Vertrauen zu unserm Vater im Himmel Unser Brot bezeichnet die irdische Nahrung die zu unser aller Lebensunterhalt notwendig ist. Es bezeichnet auch das Brot des Lebens das Wort Gottes und den Leib Christi. Es wird heute von Gott als die unersetzliche, (über)wesentliche Nahrung des Festmahls im Reiche Gottes empfangen das in der Eucharistie vorweggenommen wird.


2862 Die fünfte Bitte erfleht für unsere Vergehen die Barmherzigkeit Gottes Diese kann nur dann in unser Herz eindringen wenn wir nach dem Vorbild Christi und mit seiner Hilfe unseren Feinden vergeben haben.


2863 Mit den Worten Fuhre uns nicht in Versuchung bitten wir Gott nicht zuzulassen daß wir den Weg einschlagen der zur Sünde führt. Diese Bitte fleht um den Geist der Unterscheidung und der Kraft sie bittet um die Gnade wachsam zu bleiben und bis zum Ende auszuharren.


2864 In der letzten Bitte Sondern erlöse uns von dem Bösen betet der Christ mit der Kirche zu Gott er möge den durch Christus schon errungenen Sieg über den Herrscher der Welt über Satan zutage treten lassen Satan ist der Engel der sich Gott und dessen Ratschluß des Heiles persönlich widersetzt.


2865 Durch das Amen sprechen wir zu den sieben Bitten unser Fiat „So sei es!".


(Katechismus der Katholischen Kirche. Copyright © Libreria Editrice Vaticana)

Praying to the Saints / Praying for the Dead

Christians from the earliest centuries of the Church have expressed their communion with those who have died by praying for the dead.

Inscriptions in the Roman catacombs indicate that the early Christians honored and prayed for their deceased relatives and friends.

Tertullian (211)
Wrote that Christians offered prayer and the Eucharist for the deceased on the anniversaries of their death.
St. Augustine (354 - 430)
Neither are the souls of the pious dead separated from the Church, which even now is the Kingdom of Christ. Otherwise there would be no remembrance of them at the altar of God in the communication of the Body of Christ.

It is not uncommon that non-believers see the Roman Catholic devotion to the Saints and the dead in general as falling under the prohibition of necrology as found in the Hebrew Scriptures. These people are not aware of the New Life of the Christian who has been called out of this life. They are not dead, but alive!

Rom 6:3-4
Or are you unaware that we who were baptized into Christ Jesus were baptized into his death? We were indeed buried with him through baptism into death, so that, just as Christ was raised from the dead by the glory of the Father, we too might live in newness of life.
Col 2:12
You were buried with him in baptism, in which you were also raised with him through faith in the power of God, who raised him from the dead.

The early Christians, in praying for their dead were expressing their belief that departed brothers and sisters underwent a purification after death ("purgatory"). Their prayers were prayers that God would have mercy on them during this time of healing and purification.

Many people who do not share the Catholic Christian faith life have difficulty with the appearance that in their prayers, Catholics appear to pray to the Saints, to Mary, as one prays to God. This "praying to" appears to them to indicate a worship of the Saint as if giving to the Saint or Mary what is due to God alone.

However, earliest Christianity has always defined prayer as conversation, as in conversation with God. Conversation, as any other act of communication ( e.g., talking, conversation, yelling, etc.), requires a sign of the direction of the communication: one talks to someone, communicates with someone, prays to someone, converses with someone, yells at someone, etc. Hence, praying to God, a Saint, the Virgin Mary indicates simply the direction of prayer communication. It is more a matter of grammar and understanding communication than acknowledging the worship of the receiver.

From the earliest of Church Councils (the Council of Rome, 993; defined by the Council of Trent) the distinction was made between worship and honor. Catholics believe that worship is due to God alone. Catholics honor those saints who have gone before us as a sign of faith and victory in living the Christian life.

(Quelle: http://romanticcatholic.com/apologetics.html - used with permission)

 

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