Katholisch Leben!

The Jesus Brothers

www.kathpedia.com: Freimaurer

Der Bund der Freimaurer (engl. freemason, urspr. freestone mason = Kunsthandwerker, der feinste Steinmetzarbeiten ausführt) ist eine geschlossene Männergesellschaft. Ihrem Selbstverständnis ("Masonismus") nach hat die Freimaurerei ihren Ursprung in den mittelalterlichen Bauhütten (engl. lodge; frz. loge), der sogar 'bis auf Kain' zurückgehe. In Deutschland gibt es ca. 18.000 bis 23.000 Freimaurer.


Entwicklung

Die Angehörigen der Bauhütten bildeten im Mittelalter eigene Bruderschaften von Maurern bzw. Handwerkern und Künstlern, die an Kirchenbauten beteiligt waren und, frei vom Zunftzwang, von Ort zu Ort ziehen konnten. Entsprechend der Tradition im Bauhandwerk wurde man mit fortschreitender Unterweisung zum Lehrling, Gesellen (bachelor) und Meister (master). Dieser Tradition sind auch die heutigen Initiationsgrade der Freimaurer (Lehrling, Geselle und Meister) sowie ihre Symbole entnommen (Winkel, Zirkel, Schurz, Setzhammer, Stein und Senkblei).

An der Wende zur Neuzeit (siehe Reformation) lösten die Bruderschaften sich auf oder wandelten sich in gesellschaftliche Zirkel um, die jetzt auch Mitglieder anderer Berufe wie Beamte, Ärzte, Offiziere und Schriftsteller aufnahmen (Angenommene Freimaurer) und die Humanität als eine allgemeine Menschheits"religion" zu ihrem Hauptziel erklärten. Zur Zeit der Aufklärung drangen Anschauungen des Rationalismus und Deismus in die Freimaurerlogen ein, wenig später aber auch alchemistische, rosenkreuzerische (vgl. Rosenkreuzer) und christlich-mystische Elemente, die das Programm bis heute bestimmen.


"Programm"

Als eine Art Prinzip gilt, dass Gott der Baumeister der Welt ist, ohne dass eine persönliche religiöse Praxis verlangt wird. Das die Bruderschaften verbindende Freimaurergeheimnis ist ein überliefertes Ritual, in das die "Lehrlinge" schrittweise eingeführt werden. Die Teilnahme an diesem symbolistischen Ritual ist die eigentlich verbindende (brüderliche) Praxis, die eine Art hermetisch-magisches Imitat der christlichen Liturgie darstellt. Vom Standpunkt der Bruderschaft aus, können die Freimaurer draußen durchaus entgegengesetzte weltanschauliche oder religiöse Positionen vertreten. Daher tritt die Freimaurerei nicht öffentlich als Gruppe in der Gesellschaft in Erscheinung und vertritt insoweit auch kein eigenes Programm.

Der allgemeine Humanitäts- und Toleranzgedanke wird aber mit dieser arkandisziplinären Verbundenheit der Brüder untereinander selbst voll identifiziert, stellt also keine "Konfession" dar. Die in diesem Sinne interpretierte Menschenrechtsidee (u.a. Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit, verstanden als Dogma der Unmöglichkeit einer wahren Religion) sowie Toleranz und Versöhnlichkeit zählen zu den höchsten Prinzipien, mit denen durch die Ausbreitung der Freimaurerei in den Eliten „der Tempel der Menschheit“ erbaut werden soll. Anders als die Weltpolitik der Nachkriegszeit seit 1945 ordnet die Freimaurerei die Menschenrechte (insb. die Religionsfreiheit) also nicht der Rechtssphäre zu, sondern ihrem eigenen "ideologischen Überbau".

Ein praktizierender Freimaurer ist außerstande, den Anspruch der katholischen Kirche, verbindliche Aussagen zur Glaubens- und Sittenlehre zu treffen, mit seiner Zugehörigkeit zur Bruderschaft zu vereinbaren. Die dortigen Pflichten müssen stets Vorrang vor jeder verbindlichen Religiosität genießen. Eine derart auf private Haltungen reduzierte Religiosität, gleich welcher Konfession, ist dem Freimaurer aber zugebilligt.

Im Jahr 1717 entstand in London aus vier Logen die „Groß-Loge von London und Westminster“ als erste weltanschaulich neutrale Großloge mit einem Großmeister an der Spitze. Das 1723 von dem Prediger der schottischen Presbyterianer James Anderson verfasste „Book of Constitutions“ stellt noch heute die Grundlage und das geistige Band der Freimaurer dar. In einem Kapitel, das mit „Die Alten Pflichten“ übersetzt wird, ist es den Logenbrüdern ausdrücklich verboten, über das Leben in den Logen zu berichten:

„Ihr sollt in Reden und Betragen vorsichtig sein, dass auch der scharf sinnigste Fremde nicht zu entdecken vermöge, was nicht geeignet ist, ihm eröffnet zu werden. Zuweilen müsst Ihr auch ein Gespräch ablenken und es klüglich zur Ehre der Ehrwürdigen Bruderschaft leiten.“


Würdigung

Während die angelsächsischen Freimaurer*, die mit der anglikanischen Staatskirche und dem Königshaus in enger Verbindung standen, den "christlichen Glauben" (in bewusst undogmatischer Interpretation) nicht vollends ablehnten, erwiesen sich die französischen, italienischen und lateinamerikanischen Freimaurer als weithin antichristlich. Auch aus diesem Grund ist die Mitgliedschaft bei den Freimaurern für Katholiken nicht erlaubt. Soweit die Freimaurerei, in manchen Strömungen, nur eine negative Religionsfreiheit propagiert (als konfessionelle Neutralität des öffentlichen Lebens), ohne der Religion einen öffentlichen Geltungsanspruch zuzubilligen, besteht eine Nähe zum politischen Liberalismus. Jedoch ist die Freimaurerei keineswegs mit liberalen politischen Überzeugungen identisch. Manche Strömungen vertreten durchaus auch autoritäre Staatsideen.

Entgegen ihrer eigenen Absicht ist die Freimaurerei keine geschlossene, einheitliche Organisation, sondern in vielfältige Strömungen zerfallen, die einander teilweise auch bekämpfen. Es soll sogar "anti-masonistische", okkulte Geheimgesellschaften geben, die im übrigen das gesamte Gehabe der Freimaurerei imitieren. Der Gesamteinfluss der Logen gilt in den U.S.A. als besonders groß, gefolgt von Großbritannien und Frankreich. Kritiker der Freimaurerei zeigen sich zunehmend überzeugt, dass der Einfluss auf Politik und Wirtschaft jedoch seit etwa 1918 stark rückläufig sei. Der ideologisch motivierte "Humanismus" habe an Überzeugungskraft verloren. Der hermetische Ritualismus der Logen stoße zunehmend auf Unverständnis; die antiquiert wirkenden Praktiken aus der Frühzeit der Aufklärung machen auf die junge Generation keinerlei werbenden Eindruck mehr, da insbesondere das "Feindbild" (nämlich die Autorität der alten Eliten) entfallen sei.

(*Der Kirche von England wird jedoch nachgesagt, dass der Masonismus in ihr von gewissem Einfluss sei. Manche Stimmen argwöhnen, dass bereits die Wende der Anglikaner zur Billigung der Geburtenkontrolle (Lambeth-Konferenz, 1930; darauf antwortete Pius XI. mit Casti connubii) von dort beeinflusst wurde, wie überhaupt die "Modernisierung" der Ehelehre, bis hin zur Frauenordination. Möglicherweise liegt die Frauenordination, als kaum überwindbare Hemmung für die Wiedervereinigung mit "Rom", auch im Interesse des masonistischen "Weltbildes". (In den angestammten Logen haben Frauen allerdings keinen Zugang.))


Ereignisse und Skurriles zur Freimaurerei

    * 24. Juni 1717: Vier Londoner (England) Freimaurerlogen schließen sich zur ersten Groß-Loge der Welt zusammen. Dieses Datum gilt als der Geburtstag der spekulativen Geistesmaurerei.

    * Als Verfasser des im Heiligen Jahr 1899/1900 erschienen Buchs Die Welträthsel wird der Jenaer Wissenschaftler Ernst Haeckel, Vertreter eines heute antiquierten materialistischen Monismus, 1904 auf dem Campo dei Fiori zu Rom, auf dem ein Denkmal für Giordano Bruno steht, zum "Gegenpapst" der Freidenker ausgerufen. Seither wird jeder, der eine "Rehabilitierung" von Bruno fordert, der von Organen des Kirchenstaates 1600 wegen Staatsverbrechen zum Tode verurteilt wurde, mit einigem Anlass, als Freimaurer verdächtigt.

    * 24. Juni 1917: Die Freimaurerei feiert in aller Welt das 200-jährige Bestehen ihres Bundes. Als die Antwort des Himmels gilt manchen die Ankündigung des Triumphzuges des Unbefleckten HERZENS MARIENS in Fatima:

    * Im Oktober 1917 entrollten Freimaurer auf dem Petersplatz in Rom, unter den Fenstern des Vatikans, ein Satansbanner, auf dem in grässlicher Verzerrung der Erzengel Michael dargestellt war, der sich in den Klauen Luzifers befand und von diesem zu Boden geworfen wurde. Auf einem Transparent standen die Worte: „Satan muss herrschen im Vatikan und der Papst muss sein Sklave sein!" Unter den Augenzeugen, die das teuflische Schauspiel auf dem Petersplatz miterlebten, befand sich ein junger Theologiestudent aus Polen; Frater Maximilian Kolbe. Er reagierte auf die Provokation der „Söhne der Finsternis" und entschloss sich, gegen den Kampfbund Satans, die Freimaurerei, einen Kampfbund Mariens zu gründen. Zusammen mit sechs gleichgesinnten Gefährten weihte er sich am 16. Oktober 1917, drei Tage nach der letzten Erscheinung der Gottesmutter in Fatima und neun Tage vor dem Ausbruch der Oktoberrevolution in Russland, gänzlich und bedingungslos der Unbefleckten Jungfrau. Unter ihrer Führung wollten sie Werkzeuge sein, über die Maria nach Belieben verfügen konnte. Es entstand die „Miliz der Immakulata", die 1918 von Papst Benedikt XV. gesegnet, 1922 als „fromme Vereinigung" und 1927 als „Erzbruderschaft" kirchenrechtlich errichtet wurde.


Kirchliche Stellungnahmen zur Freimaurerei

    * Apostolisches Schreiben In eminenti Papst Clemens XII. vom 28. April 1738. Das an alle Gläubigen gerichtete Dekret ist das älteste Edikt über die „Freimaurer“. Benedikt XIV. hat es in der Konstitution „Providas Romanorum Pontificum“ vom 18. Mai 1751 wieder aufgenommen.
    * 18. Mai 1751. Bulle „Providas”. Er bestätigt die Schreiben der Vorgänger, wobei die Strafe der Exkommunikation für den Beitritt zu den Freimaurern ausgesprochen wird.
    * 13. März 1825. Konstitution gegen die Freimaurerei, Carbonari und geheime Sekten. Leo XII. bestätigt und wiederholt die Aussagen der Konstitutionen vom Klemens XII. von 8. April 1738; Benedikt XIV. vom 18. Mai 1751; Pius VII. vom 13. September 1821 – allen Gläubigen wird unter der Strafe der Exkommunikation die Beteiligung verboten.
    * 20. April 1884. Enzyklika Humanum genus über die Freimaurerei, die glandestine (Ehe ohne kirchlich vorgeschriebene Form) Gesellschaft. Diese Enzyklika zählt Leo, geprägt vom Kampf gegen Italien, zu seinen hauptsächlichen Erlassen.
    * 10. Mai 1884. Heiliges Officium, Instruktion „Ad gravissima avertenda“ an alle katholischen Bischöfe der Welt über die clandestine Ehe und das Verhalten gegenüber der Freimaurerei.
    * 15. Oktober 1890. Enzyklika „Dall´ alto dell´ apostolico seggio” über die Freimaurerei und den Sozialismus in Italien.
    * 8. Dezember 1892. Enzyklika „Inimica vis” und „Custodi Di Quella Fede“ über die Freimaurerei.
    * 19. März 1902. Apostolischer Brief Pervenuti all´ anno über den Kampf gegen die Kirche und den Herd Antikirchlicher Machenschaften der Freimaurerei,
    * Argentinische Bischofskonferenz, Erklärung vom 20. Februar 1959 zur Freimaurerei
    * Kongregation für die Glaubenslehre, Brief vom 19. Juli 1974 Kardinal Sepers an Kardinal John Krol, dem Vorsitzenden der US-amerikanischen Bischofskonferenz über die weiterhin gültige Exkommunikation beim Eintritt in freimaurerische und ähnliche Vereinigungen (CIC 1917 can. 2335).
    * Deutsche Bischofskonferenz, Unvereinbarkeitserklärung vom 12. Mai 1980 Die gleichzeitige Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei ist unvereinbar.
    * Kongregation für die Glaubenlehre, Klarstellung vom 17. Februar 1981 des Briefes den Kongregation an einige Bischofskonferenzen vom 19. Juli 1974 über die Exkommunikation beim Eintritt in freimaurerische und ähnliche Vereinigungen (CIC 1917 can. 2335; AAS 73 [1981] 240-241).
    * Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung vom 26. November 1983, dass im Neuen Rechtbuch der Katholischen Kirche (CIC) die Freimaurer zwar nicht erwähnt werden, jedoch das negative Urteil der Zugehörigkeit eines Katholiken bestehen bleibt.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Freimaurer)

In eminenti (Wortlaut)

Aus Kathpedia


Apostolisches Schreiben „In eminenti apostolatus specula“

Papst Clemens XII. vom 28. April 1738

Das an alle Gläubigen gerichtete Dekret ist das älteste Edikt über die „Freimaurer“. Benedikt XIV. hat es in der Konstitution „Providas Romanorum Pontificum“ vom 18. Mai 1751 wieder aufgenommen.

(§ 1) Uns wurde bekannt, dass einige Gesellschaften, Vereinigungen, Zusammenkünfte, Versammlungen, Verbindungen bzw. Konventikel, gemeinhin als Freimaurer bzw. Francs Massons oder entsprechend der Verschiedenheit der Sprachen mit irgendeiner anderen Namensgebung bezeichnet, weit und breit im Vormarsch sind und tagtäglich erstarken; in ihnen verbinden sich Menschen jedweder Religion und Sekte, sich mit geheucheltem Schein natürlicher Ehrbarkeit begnügend, in einem engen und ebenso undurchdringlichen Bündnis nach Gesetzen und für sie abgefaßten Statuten miteinander; und zugleich werden sie sowohl durch einen strengen bei der heiligen Bibel geleisteten Eid als auch durch die Anhäufung schwerer Strafen verpflichtet, was sie heimlich tun, mit unverletzlichem Schweigen zu verhehlen.

Da es aber die Natur des Frevels ist, dass er sich selbst preisgibt und Geschrei von sich gibt, das ihn verrät, deshalb haben die vorgenannten Gesellschaften bzw. Konventikel den Herzen der Gläubigen so heftigen Argwohn eingeflößt, dass ebendiesen Verbindungen beizutreten bei Klugen und Rechtschaffenen genau dasselbe ist wie sich den Makel der Schlechtigkeit und Ruchlosigkeit zuzuziehen; wenn sie nämlich nicht böse handeln würden, würden sie das Licht (der Öffentlichkeit) nicht so sehr hassen. Dieses Gerede hat sich nun so sehr verbreitet, dass in sehr vielen Gegenden die erwähnten Gesellschaften durch die weltlichen Gewalten als die Sicherheit der Reiche beeinträchtigend geächtet und schon längst vorsorglich abgeschafft wurden.

(§ 2) Deshalb bestimmen Wir, im Herzen die sehr schweren Schäden erwägend, die wie meist aus solchen Gesellschaften bzw. Konventikeln nicht nur der Ruhe des zeitlichen Gemeinwesens, sondern auch dem geistlichen Heil der Seelen zugefügt werden, und dass sie deswegen sowohl mit den bürgerlichen als auch mit den kanonischen Strafgesetzen keineswegs in Einklang stehen, da Wir durch die göttliche Aussage belehrt werden, ... dass man wachen muß, damit keine solche Sorte von Menschen wie Diebe das Haus durchwühlt, ... damit sie nämlich nicht die Herzen der Einfachen verkehren ... , um den sehr breiten Weg zu verbauen, der dadurch eröffnet werden könnte, um Ungebührlichkeiten ungestraft zu begehen, und aus anderen Uns bekannten triftigen und vernünftigen Gründen

- auf Anraten einiger ... Kardinäle und auch aus eigenem Antrieb ... und mit der Fülle Apostolischer Vollmacht, dass ebendiese als „Freimaurer“ bzw. „Francs Massons“ oder mit was für einem anderen Namen auch immer bezeichneten Gesellschaften ... zu verurteilen und zu verbieten sind.

(§ 4) Die Ortsordinarien und Inquisitoren werden geheißen, Übertreter als der Häresie sehr verdächtig mit angemessenen Strafen zu bestrafen.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/In_eminenti)

kathpedia.com: Pervenuti all´ anno

Apostolischer Brief Pervenuti all´ anno unsers Heiligen Vaters Leo XIII.

an alle Ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe, der katholischen Welt, welche in Gnade und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle stehen
über den Kampf gegen die Kirche und dem Herd der Antikirchlichen Machenschaften
19. März 1902

(Quelle: Die katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, Hsgr. Arthur Utz + Birgitta Gräfin von Galen, XXV 28-69, Scientia humana Institut Aachen 1976, Imprimatur Friburgi Helv., die 2. decembris 1975 Th. Perroud, V.G.)



Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).




Ehrwürdige Brüder!
Heilsgruß und Apostolischen Segen!

Einleitung: Dank des Papstes an Gott

1 Beim Eintritt in das 25. Jahr Unseres Apostolischen Amtes staunen Wir selbst über Unsern langen Weg mitten durch schwere und unablässige Sorgen und fühlen Uns gedrängt, die Gedanken zu Gott zu erheben, der zu so vielen Wohltaten Uns auch noch ein Pontifikat schenken wollte, das in seiner Dauer kaum ein Beispiel in der Geschichte kennt. Zu ihm, dem Vater aller, in dessen Hand die Geschicke Unseres Lebens ruhen, steige daher aus tiefstem Herzen der Lobgesang des Dankes auf. Gewiss, kein menschliches Auge kann die Tiefe des göttlichen Ratschlusses, der Uns ein so unerhofft langes Leben geben wollte, durchdringen, und Wir können ihn hier nur schweigend anbeten; eines jedoch wissen Wir sehr wohl: wenn es ihm gefiel, Unser Leben so lange zu erhalten, und er es noch länger erhalten will, dann obliegt Uns eine sehr hohe Verpflichtung: zu leben für das Wohl und Wachstum seiner reinen Braut, der Kirche; Wir dürfen nicht zurückweichen vor den Sorgen und Mühen, sondern müssen ihr auch den letzten Rest Unserer Kräfte weihen.



DER KAMPF GEGEN DIE KIRCHE
Die Feinde der Kirche

2 Nach diesem schuldigen Tribut der Dankbarkeit an Unsern Vater im Himmel, dem Ruhm und Ehre sei in Ewigkeit, wenden Wir Unsern Blick zu Euch, Ehrwürdige Brüder, die Ihr vom Heiligen Geiste berufen seid, jeder zur Hirtensorge für einen Teil der Herde Jesu Christi, und darum die Kämpfe und Siege, die Freuden und Leiden des Hirtenamtes mit Uns teilt. Nein, niemals werden Wir die vielen und einzigartigen Beweise treuer Ergebenheit vergessen, die Ihr uns während Unseres Pontifikats gegeben und in liebevollem Wetteifer beim gegenwärtigen Jubiläum erneuert habt. Innigst durch die Pflicht des Amtes und durch väterliche Liebe mit Euch verbunden, haben Wir diese Kundgebungen Eurer Treue mit freudigem Herzen begrüßt, weniger weil sie Unserer Person gelten, als vielmehr ob der hohen Bedeutung, die sie gewinnen als Beweise der Anhänglichkeit an den Apostolischen Stuhl, der das Zentrum und der Angelpunkt aller übrigen Bischofssitze der katholischen Welt ist. Wenn es jemals nötig war, dass alle hierarchischen Grade der Kirche, durch wechselseitige Liebe verbunden, in völliger Gleichheit der Gesinnung und des Strebens wetteiferten, so gilt das gewiss für heute. Denn wer wüsste nichts von jener umfassenden Einigkeit unter den feindlichen Mächten, die jetzt darauf ausgehen, das große Werk Jesu Christi zu zerstören? Mit grenzenloser Hartnäckigkeit arbeiten sie daran, auf dem intellektuellen Gebiet den Schatz der himmlischen Lehren zu vernichten und in der gesellschaftlichen Ordnung die heiligen und segensreichen Einrichtungen des Christentums niederzureißen. Doch Ihr selbst stellt all dies täglich mit eigenen Augen fest; mehr als einmal habt Ihr Uns Eure Sorgen und Ängste anvertraut und Klage geführt über das ganze dunkle Chaos von Vorurteilen, falschen Systemen und Irrtümern, die straflos unter den Massen verbreitet werden dürfen. Jeder Tag bringt neue Fallstricke für die Gläubigen, neue Hemmnisse für das segensreiche Wirken der Kirche, um es womöglich ganz lahm zu legen. Zum Schaden fügt man noch den Spott hinzu: man wälzt auf die Kirche selber die Schuld zurück und sagt, sie sei außerstande, die alte Kraft wiederzugewinnen und den stürmischen Drang der Leidenschaften zu zügeln, der alles mit Vernichtung bedroht.

3 Wohl möchten Wir, Ehrwürdige Brüder, lieber über einen angenehmeren Gegenstand zu Euch reden, der besser zu dem frohen Anlass stimmte, der Uns zum Sprechen drängt. Aber es dulden das weder die schweren Bedrängnisse der Kirche, die dringend Erleichterung fordern, noch die Verhältnisse unserer heutigen Gesellschaft, deren Lage sich durch das Aufgeben der großen Traditionen des Christentums sowohl in sittlicher als auch in materieller Rücksicht immer noch mehr verschlechtert; es ist ja ein Gesetz der Vorsehung - und die Geschichte bestätigt es -, dass man die großen Prinzipien der Religion nicht über Bord werfen kann, ohne die Grundlagen der bürgerlichen Wohlfahrt zu erschüttern. Unter diesen Umständen ist es wohl angebracht, den Kampf, der zum größten Schaden der Kirche entbrannt ist, in seiner Entstehung zu betrachten, seine Ursachen, seine verschiedenen Formen, seine unheilvollen Folgen darzulegen und auf die Heilmittel dagegen hinzuweisen, um rechtzeitig die Herzen mit Mut und Zuversicht zu erfüllen. Obwohl es schon oft gesagt wurde, wollen Wir es gleichwohl wiederholen, und weithin erschalle Unser Wort und dringe nicht nur zu den gläubigen Kindern der katholischen Einheit, sondern ebenso zu den Getrennten und auch zu den Unglücklichen, die nicht glauben, da wir ja alle Kinder desselben Vaters sind und bestimmt für dasselbe höchste Ziel; und Unsere Worte seien gleichsam das Vermächtnis, das Wir, nur wenige Schritte von den Pforten der Ewigkeit entfernt, mit den aufrichtigsten Wünschen für das Wohl der ganzen Welt den Völkern hinterlassen wollen.
Die Kirche seit dem Anfang Gegenstand gottloser Angriffe

4 Die heilige Kirche Christi hatte zu jeder Zeit Kämpfe und Verfolgungen für Wahrheit und Recht zu bestehen. Von ihm gestiftet, um in der Welt das Reich Gottes zu verbreiten und durch das Licht des evangelischen Gesetzes die gefallene Menschheit zu einer übernatürlichen Bestimmung zu führen, zum Besitz unvergänglicher, von Gott verheißener Güter, die über unsere Kräfte hinausliegen, stieß sie unvermeidlicherweise mit den Leidenschaften zusammen, die in dem zerrütteten und verderbten Heidentum einen fruchtbaren Boden fanden, mit dem Stolz, der Habsucht, dem zügellosen Streben nach Genuss und mit den Lastern und Unordnungen, die aus ihnen entspringen und die in der Kirche stets einen mächtigen Damm finden werden. Die Tatsache dieser Verfolgungen darf uns nicht wundernehmen, da der göttliche Meister sie uns zur Kenntnisnahme voraussagte und da wir wissen, dass sie so lange dauern werden, wie die Welt stehen wird. Denn was sagte er zu seinen Jüngern, als er sie aussandte, den Schatz seiner Lehren zu allen Völkern zu tragen? "Man wird euch verfolgen von Stadt zu Stadt, man wird euch hassen und gering schätzen um meines Namens willen, man wird euch vor den Richter führen und zu den schwersten Qualen verurteilen." - Und um uns für die Prüfungen zu stärken, wies er auf sein eigenes Beispiel hin: "Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat –Si mundus vos odit, scitote quia me priorem vobis odio habuit" (Joh 15, 18). Das sind die Freuden, das der Lohn, der uns hienieden versprochen ist.

5 Eine gerechte und vernünftige Beurteilung der Dinge muss einen so tödlichen Hass gänzlich unbegründet finden. Wem bot denn der göttliche Erlöser je Anlass zur Klage? Worin hat er sich je vergangen? Dem Drang einer unendlichen Liebe folgend, stieg er zu den Menschen hernieder. Eine Lehre brachte er ihnen, rein und voll erhebenden Trostes, eine Lehre, stark und kräftig genug, aus der Menschheit einen Bund friedlich liebender Brüder zu bilden; er trug kein Verlangen nach irdischer Ehre und Herrlichkeit, nie hat er fremdes Recht verletzt; im Gegenteil, er war erfüllt von Liebe zu den Kranken und Schwachen, zu den Armen und Unterdrückten und zu den Sündern; und so war sein ganzer Lebensweg gleichsam übersät mit Wohltaten, die er mit freigebiger Hand den Menschen spendete. Man muss darum sagen, dass nur das Übermaß. menschlicher Bosheit, die um so beklagenswerter ist, je ungerechter sie sich auswirkt, die Schuld daran trägt, dass er trotz alledem der Weissagung Simeons gemäß in Wahrheit zum Zeichen des Widerspruches geworden ist: "signum cui contradicetur,, (Lk 2,34).

6 Was Wunder also, wenn die Katholische Kirche das gleiche Los mit ihm teilt? Ihre Aufgabe ist es ja, seine göttliche Sendung fortzusetzen und den Schatz seiner Lehre unversehrt zu bewahren. Die Welt bleibt immer dieselbe. Neben den Kindern Gottes befinden sich stets die Knechte des großen Erbfeindes des Menschengeschlechts, der gleich zu Anfang dem Allerhöchsten den Dienst aufkündigte; das Evangelium bezeichnet ihn als den Fürsten dieser Welt; darum erfasst die Welt gegenüber dem Gesetz und seinem Verkündiger, der im Namen Gottes zu ihr kommt, ein wilder Trotz, der Geist einer Unabhängigkeit, auf die sie kein Recht hat. Ja, wie oft schloss sich nicht in stürmischeren Tagen der Feind zusammen und begann mit unerhörter Grausamkeit, mit empörender Ungerechtigkeit zum Unheil der gesamten menschlichen Gesellschaft den törichten Kampf gegen Gottes Werk! Und wenn eine Form der Verfolgung nicht zum Ziele verhalf, versuchte er es mit einer andern. Das römische Reich griff zur rohen Gewalt und missbrauchte sie drei Jahrhunderte lang, so dass schließlich all seine Provinzen im Schmuck der Märtyrer strahlten und hier im heiligen Rom jeder Fußbreit Erde ihr Blut trank. Als Helfershelferin gesellte sich bald versteckt, bald offen die Irrlehre hinzu; durch Trugschlüsse und durch geheime Ränke suchte sie wenigstens die Eintracht und Einheit in der Kirche zu vernichten. Gleich darauf brachen wie ein verheerendes Unwetter von Norden die Horden der Barbaren, von Süden die Scharen des Islam herein, die nichts hinter sich zurückließen als Trümmer und Wüsteneien. So hatte sich der traurige Hass gegen die Braut Christi von einem Jahrhundert auf das andere vererbt, als das Kaisertum in die Geschichte eintrat. Argwöhnisch und gewalttätig, eifersüchtig auf fremde Größe, mochte auch die eigene noch so viel durch sie gewinnen, richtete es einen Angriff nach dem andern gegen die Kirche, suchte es ihre Freiheit zu knebeln, ihre Rechte sich selber anzumaßen. Das Herz blutet, wenn es die Kirche dadurch so oft in Bedrängnis und unsäglichen Leiden sieht. Und dennoch triumphierte sie über alle Hindernisse, über allen Druck roher Gewalt. Weiter und weiter spannte sie ihr friedliches Gezeit; sie wahrte das glorreiche Erbteil der Künste und Wissenschaften, der Geschichte und Literatur. Tief senkte sie in das Innerste der menschlichen Gesellschaft den Geist des Evangeliums und schuf so eben jene Kultur, welche die christlich genannt wird. Sie brachte den Völkern, die sich ihrem wohltätigen Einfluss unterwarfen, gerechte Gesetze und milde Sitten, sicherte den Schwachen Schutz, den Armen und Unglücklichen mitleidige Liebe, lehrte Würde und Recht eines jeden achten und verschaffte dadurch, soweit es in den Stürmen des Menschenlebens möglich ist, der bürgerlichen Gesellschaft jenen Frieden, der erblüht, wenn Freiheit und Recht im besten Einklang stehen.


Der Kampf gegen die Kirche in der Reformationszeit und zur Zeit der Aufklärung

7 Allein trotz dieser offenkundigen Beweise für ihre innere Güte, die im Lauf der Jahrhunderte so klar und eindeutig hervorleuchten, sehen wir auch in späterer Zeit, nicht weniger als im Altertum und im Mittelalter, die Kirche in Kämpfe verwickelt, die in gewisser Hinsicht sogar noch härter und schmerzlicher sind. Infolge einer Reihe allbekannter geschichtlicher Tatsachen erhob die sogenannte Reformation des 16. Jahrhunderts das Banner der Empörung und suchte durch ihren wilden Kampf gegen das Papsttum die Kirche ins Herz zu treffen. Das Band des einen Glaubens und einer einzigen obersten Gewalt hatte bis dahin die Völker sorglich und sicher unter einem einzigen staatlichen Gezeit geeint; die Einmütigkeit im Denken und Wollen hatte oft ihre Kraft verdoppelt, ihr Ansehen und den Ruhm ihres Namens gehoben. Dies Band der alten Einheit wurde gesprengt, und es entstand die traurige und unheilvolle Spaltung der Christenheit. Wir wollen damit nicht sagen, dass man von Anfang an beabsichtigte, den Einfluss der übernatürlichen Wahrheiten ganz aus der Welt zu schaffen. Aber weil man einerseits die Vorrechte des Apostolischen Stuhles verwarf, auf welchem die Einheit beruht, und andererseits den Grundsatz der freien Forschung aufstellte, wurde das von Gott errichtete Gebäude in seinen Grundfesten erschüttert und ungezählten Neuerungen, Zweifeln und Widersprüchen, sogar auf den wichtigsten Gebieten, wurden Tür und Tor geöffnet, so dass die Neuerer selbst ihre Erwartungen noch übertroffen sahen.

8 Auf dem so erschlossenen Weg erschien nun die falsche Philosophie des 18. Jahrhunderts mit ihrem Hochmut und ihrer Spottsucht. Und sie ging noch weiter. Sie verhöhnte die Heilige Schrift und verwarf kurzweg jede göttlich geboffenbarte Wahrheit. Ihr Endziel war es, den Glauben, ja jeden Hauch christlichen Geistes im Herzen der Völker zu ersticken. Dieser Quelle entsprangen die Systeme des Rationalismus und Pantheismus, des Naturalismus und Materialismus mit ihrer verderblichen, zersetzenden Wirkung, übrigens alte in neuem Gewand wiedereingeführte Irrtümer, die von den Vätern und Apologeten der ersten christlichen Zeiten längst siegreich wiederlegt worden waren. Aber die Neuzeit lässt sich durch Ihren Stolz irreleiten, da sie über Gebühr der eigenen Einsicht vertraut, und verkennt, in die Irrtümer des Heidentums zurückfallend, sogar die Vorzüge der menschlichen Seele und ihre ewige Bestimmung.

9 Der Kampf gegen die Kirche nahm so eine noch bedenklichere Form an als in der voraufgegangenen Zeit, sowohl wegen der Heftigkeit als auch wegen der allgemeinen Verbreitung der Angriffe. Denn der Unglaube unserer Tage begnügt sich nicht damit, nur die eine oder andere Glaubenswahrheit zu bezweifeln oder zu leugnen, errichtet vielmehr seine Angriffe gegen die von der Offenbarung geheiligten und von einer gesunden Philosophie gestützten Prinzipien in ihrem ganzen Umfang, jene heiligen und grundlegenden Prinzipien, die den Menschen über das höchste Ziel seines Daseins aufklären, die ihn zur Pflichterfüllung anhalten, die ihm Mut und Ergebung einflößen und dadurch, dass sie ihm volle Gerechtigkeit und vollkommenes Glück jenseits des Grabes versprechen, ihn lehren, die Zeit der Ewigkeit, die Erde dem Himmel unterzuordnen. Und was setzt man an die Stelle dieser Lehre, dieser unvergleichlichen Kraft des Glaubens? Einen erschreckenden Skeptizismus, der die Herzen mit eisiger Kälte erfüllt und jede edle Regung des Gewissens unterdrückt.
Die Auswirkungen der Gottlosigkeit auf sozialem und politischem Gebiet
Der Materialismus als dominierende Haltung

10 Und solche unheilvolle Lehren blieben nicht bloße Lehren; wie Ihr, Ehrwürdige Brüder, seht, drangen sie leider in das öffentliche Leben und in die staatlichen Einrichtungen ein. Große und mächtige Staaten setzen sie fortwährend in das praktische Leben um, in der Meinung, auf diese Weise den allgemeinen Kulturfortschritt zu fördern, und gleich als ob die Träger der öffentlichen Gewalt nicht alle gesunden Grundsätze des sittlichen Lebens annehmen und in sich selbst widerspiegeln müssten, glauben sie sich vielmehr frei von der Pflicht, Gott öffentlich zu verehren; und nur zu oft kommt es vor, dass sie sich einer vollständigen Indifferenz gegen jede Religion rühmen und gerade die allein von Gott eingesetzte Religion mit allen Mitteln bekämpfen.

11 Dieses System eines praktischen Atheismus musste notwendigerweise eine tiefgehende Zerrüttung der sittlichen Ordnung hervorrufen, da ja die Religion das Hauptfundament jeder Gerechtigkeit und Sittlichkeit ist, was schon die großen Weisen des heidnischen Altertums erkannten. Denn wenn einmal die Bande gelöst sind, die den Menschen mit Gott, dem obersten Gesetzgeber und Richter aller Menschen, verbinden, so gibt es nur mehr eine scheinbare, rein diesseitige oder, wie man sagt, unabhängige Moral, die dadurch, dass sie von dem ewigen Gesetze und den göttlichen Geboten absieht, ganz unausbleiblich auf der abschüssigen Bahn zur letzten, unheilvollen Folgerung führt, nach welcher der Mensch sein eigener Gesetzgeber ist. Der Mensch, unfähig, sich auf den Flügeln der christlichen Hoffnung zu übernatürlichen Gütern emporzuschwingen, wird das ganze Maß der Freuden und Bequemlichkeiten des Lebens genießen; es wächst der Durst nach Vergnügungen, die Sucht nach Reichtum, die gierige Hast nach maßlosem Gewinn ohne Rücksicht auf Recht und Billigkeit, es entbrennt der Ehrgeiz und verlangt mit Ungestüm Befriedigung, wenn auch gegen alle Gesetze, und schließlich wird die Verachtung der Gesetze und der öffentlichen Autorität und eine allgemeine Sittenlosigkeit einreißen, die den Niedergang der Kultur nach sich zieht.


Die Zerstörung der Ehe- und Familienmoral

12 Übertreiben Wir vielleicht die traurigen Folgen der beklagenswerten Zerrüttung? Die Wirklichkeit, die wir mit Händen greifen können, bestätigt nur zu sehr unsere Folgerungen, und es ist klar, dass, wenn man nicht rechtzeitig Abhilfe schafft, die Grundfesten des gesellschaftlichen Lebens wanken und die höchsten Prinzipien des Rechtes und die ewigen Gesetze der Moral aus den Angeln gehoben werden. Darunter haben, angefangen mit der Familie, alle Teile des sozialen Körpers schwer zu leiden. Der laizistische Staat streckte ja ohne Rücksicht auf die ihm gezogenen Grenzen oder auf den wesentlichen Zweck seiner Machtbefugnisse seine Hand aus, um dem ehelichen Bund mit dem religiösen Charakter seine Heiligkeit zu nehmen; er erlaubte sich alle möglichen Eingriffe in das natürliche Recht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder, und mancherorts zerriss er das unauflösliche Band der ehelichen Gemeinschaft durch die gesetzliche Sanktionierung der unseligen Ehescheidung. Jeder kann die Folgen sehen; in ganz unglaublicher Weise mehren sich die Ehen, die einzig und allein aus niedrigen Leidenschaften eingegangen und darum auch in kurzer Zeit wieder gelöst werden oder doch unnennbare Trauer im Gefolge haben oder ärgerniserregende Untreue, gar nicht zu sprechen von den unschuldigen Kindern, die vernachlässigt oder durch das schlechte Beispiel der Eltern oder durch das von einem offiziell laizistischen Staat ihnen verabreichte Gift verdorben werden.


Die falsche Konzeption der Volkssouveränität

13 Und mit der Familie zerfällt auch die soziale und politische Ordnung; der Grund dafür liegt vor allem in den neuen Ideen, die den rechten Begriff der Herrschergewalt durch falsche Erklärung ihres Ursprungs verkehren. Denn wenn man annimmt, dass die Regierungsgewalt ihrem Wesen nach im Volkswillen und nicht in Gott, dem letzten und ewigen Grund aller Gewalt, ihren Ursprung hat, dann verliert sie vor den Untertanen ihren erhabensten Charakter und artet aus in ein künstliches Regiment, das sich auf ein so wankendes und unzuverlässiges Fundament stützt, wie es der menschliche Wille ist. Sieht man nicht bereits die Folgen in den Staatsgesetzen? Nur zu oft stellen sie nicht die "geschriebene Vernunft", sondern einzig und allein die numerische Macht und das Übergewicht des Willens einer politischen Partei dar. Ebendeshalb schmeichelt man den ungebundenen Begierden der Massen, lässt den Volksleidenschaften die Zügel schießen, selbst wenn sie die friedliche Bürgerarbeit stören, außer im äußersten Fall, wo man zu gewaltsamen und blutigen Unterdrückungen seine Zuflucht nimmt.


Unordnung in den internationalen Beziehungen

14 Ebenso gewann mit der Zurückweisung des Christentums, das ja die Kraft in sich trägt, die Völker zu verbrüdern und gleichsam zu einer großen Familie zusammenzuschließen, nach und nach im Völkerleben ein System von Egoismus und Eifersucht die Oberhand, aufgrund dessen die Nationen einander, wenn auch nicht ausgesprochen missgünstig, so doch mit den argwöhnischen Augen von Rivalen betrachten. Daher sind sie auch leicht versucht, den hohen Begriff der Sittlichkeit und Gerechtigkeit und den Schutz der Schwachen und Unterdrückten bei ihren Unternehmungen außer Acht zu lassen; im Verlangen, den nationalen Reichtum ins Ungemessene zu steigern, kennen sie nur Opportunitäts- und Nützlichkeitsrücksichten und die Politik der vollendeten Tatsachen, in der Überzeugung, von keinem zur Achtung des Rechts gemahnt zu werden. Unheilvolle Anschauungen, die die physische Gewalt zum obersten Gesetz in der Welt machen; daher die zunehmende und maßlose Vermehrung der Kriegsrüstungen oder jener bewaffnete Friede, dessen verderbliche Wirkungen in vieler Hinsicht den schlimmsten Folgen des Krieges gleichkommen.


Klassenkampf

15 Und diese beklagte sittliche Zerrüttung wurde der Same, aus dem die Unruhe im Volke, die Unzufriedenheit und der Geist der Widersetzlichkeit erwuchsen; daher so viele Aufstände und Ungesetzlichkeiten, die die Vorboten schlimmerer Stürme sind. Die elende Lage eines so großen Teiles des niederen Volkes, das sicherlich Anspruch auf Befreiung und Erleichterung hat, dient nur allzu gut den Absichten geschickter Agitatoren, vor allem aus dem sozialistischen Lager, die dem Volke törichte Versprechungen machen, um ihre finsteren Pläne durchzusetzen.
Anarchie

16 Eine Bewegung auf abschüssiger Bahn geht unaufhaltsam bis zum tiefsten Punkt, und so sehen wir auch hier, dass die Logik die Prinzipien rächte, indem sich tatsächlich eine Gesellschaft von Verbrechern mit so rohen Instinkten zusammenschloss, die von ihrem ersten Auftreten an überall das größte Entsetzen wachrief. Dank ihrer festen, internationalen Organisation vermag sie überall ungehindert die ruchlose Hand zu erheben und schrickt selbst vor der äußersten Gewalttat nicht zurück. Ihre Anhänger zerreißen jegliche Bande, die sie mit der Gesellschaft, dem Gesetz, der Religion und der Moral verbanden; sie nennen sich Anarchisten und betreiben mit allen Mitteln, die eine blinde, wilde Leidenschaft eingeben kann, den Umsturz der gesellschaftlichen Ordnung, und weil diese Ordnung Einheit und Leben von der Autorität erhält, sind ihre Anschläge vorzüglich gegen diese gerichtet. Wer erinnert sich nicht mit Schaudern und Entrüstung jener mörderischen Angriffe, denen im Verlaufe weniger Jahre Kaiser, Kaiserinnen, Könige und Präsidenten mächtiger Republiken zum Opfer gefallen sind, einzig deswegen, weil sie die höchste Autorität vertraten?


DIE VERMEINTLICHEN, FRAGWÜRDIGEN HEILMITTEL GEGEN DIE UNORDNUNG

Die ungezügelte Freiheit

17 Angesichts solcher Tatsachen und Gefahren ist es unsere Pflicht, alle, die guten Willens sind, besonders jene, die eine führende Stellung einnehmen, von neuem zu ermahnen und zu beschwören, auf geeignete Gegenmaßnahmen zu sinnen und sie mit kluger Energie ins Werk zu setzen. Dabei handelt es sich vor allem darum, sie zu erkennen und ihren Wert zu prüfen. Wir hörten schon die Segnungen der Freiheit bis zum Himmel erheben und sie als das unvergleichliche Heilmittel anpreisen, das vor allem anderen Frieden und Wohlfahrt bringen solle. Aber die Tatsachen haben ihre Unzulänglichkeit an den Tag gebracht. Wirtschaftliche Konflikte, Klassenkämpfe sind überall entbrannt, und von einem ruhigen bürgerlichen Leben gewahrt man noch nicht einmal die Anfange. Alle können bezeugen, dass die Freiheit, wie man sie heute versteht, die der Wahrheit und dem Irrtum, der guten und schlechten Sache in gleicher Weise dient, nichts erreicht, als dass alles Edle, Heilige, Hochherzige niedergetreten wird, dagegen dem Verbrechen, dem Selbstmord und der Entfesselung der niedrigsten Leidenschaften die Bahn freigegeben wird.


Die rein zivilisatorische Bildung

18 Man hat auch behauptet, die Verbesserung des Unterrichts, die die große Menge gebildet und aufgeklärt mache, würde sie in genügender Weise vor ungesunden Bestrebungen bewahren und innerhalb der Schranken der Ehrbarkeit und Rechtlichkeit halten. Wenn nur nicht die raue Wirklichkeit uns jeden Tag mit Händen greifen ließe, wohin eine Bildung führt, der eine solide religiöse und sittliche Erziehung fehlt. Der jugendliche Sinn, unerfahren und von den Leidenschaften verwirrt, lässt sich durch die falschen Grundsätze blenden, die eine zügellose Tagespresse ungescheut mit vollen Händen aussät, die Verstand und Willen verderben und jenen Geist des Hochmuts und der Unbotmäßigkeit nähren, der so oft den häuslichen und öffentlichen Frieden stört.


Der wissenschaftliche und technische Fortschritt

19 Große Hoffnungen setzte man auch in den wissenschaftlichen Fortschritt; und das letzte Jahrhundert hat hierin sicherlich Unerwartetes und Wunderbares aufzuweisen. Aber haben sie auch jene reichen Früchte gebracht, jene von so vielen ersehnte und gehoffte Erneuerung? Wohl hat die Wissenschaft in ihrem Flug dem Menschengeist neue Welten erschlossen, seine Herrschaft über die Natur erweitert, und in hundertfacher Weise hat man diese Errungenschaften im Leben verwertet. Dennoch empfinden es alle, und viele sprechen es offen aus, dass die Erfolge hinter den Erwartungen weit zurückgeblieben sind. Man kann nicht anders urteilen, wenn man die geistigen und sittlichen Zustände betrachtet, die Statistik der Verbrechen, die dumpfe Gährung in den untersten Schichten der Bevölkerung, die Herrschaft der rohen Gewalt über das Recht. Abgesehen von dem Elend des Volkes, genügt auch schon ein nur flüchtiger Blick, um die unsagbare Traurigkeit zu gewahren, die auf den Gemütern lastet, und die tiefe Leere in den Herzen. Der Mensch hat sich die Materie dienstbar gemacht, aber sie konnte ihm nicht geben, was sie selbst nicht besaß; und die großen Fragen, die seine höchsten Interessen betreffen, hat die menschliche Wissenschaft nicht gelöst; das Verlangen nach dem Wahren, dem Guten, dem Unendlichen bleibt ungestillt; die vermehrten Reichtümer und Freuden der Erde und die erhöhten Bequemlichkeiten des Lebens haben die Unruhe des Herzens keineswegs gemindert.

20 Sollen also die Errungenschaften der Kultur, der Wissenschaft, der Zivilisation, einer gemäßigten und vernünftigen Freiheit missachtet oder ignoriert werden? Ganz gewiss nicht: Wir müssen sie im Gegenteil wahren und fördern und hochhalten als ein wertvolles Kapital; denn es sind ebenso viele von Natur aus gute Mittel, die Gott selbst gewollt und auf das Wohl der Menschheitsfamilie hingeordnet hat. Sie müssen aber den Absichten des Schöpfers gemäß gebraucht und dürfen nicht von dem religiösen Element losgetrennt werden, denn in ihm ruht die Kraft, die ihnen ihren Wert verleiht und sie wahrhaft fruchtbar macht. Hier liegt das Geheimnis des Problems. Jede Schwächung und Zerrüttung eines Organismus hat ihren Grund im Aufhören des Einflusses jener Ursachen, die ihm Form und Bestand geben, und um ihm wieder frisches, gesundes Leben einzuflößen, müssen ohne Zweifel jene belebenden Kräfte in ihm wider wirksam gemacht werden. In dem sinnlosen Versuch, sich von Gott loszureißen, hat die bürgerliche Gesellschaft das übernatürliche und die göttliche Offenbarung verworfen und sich so der lebensspendenden Kraft des Christentums entzogen und damit der sichersten Garantie für die Ordnung, dem mächtigsten Band der Verbrüderung, der unversiegelten Quelle jeglicher Tugend für den Einzelnen wie für die Gesellschaft: auf diesen törichten Abfall geht die Zerrüttung des praktischen Lebens zurück. In den Schoß des Christentums also muss die in die Irre gegangene Gesellschaft zurückkehren, wenn ihr an Ruhe und Wohlfahrt etwas gelegen ist.


DAS EINZIG WIRKSAME HEILMITTEL
Heimkehr ins Christentum

21 Wie das Christentum in keine Seele Einkehr hält, ohne sie zu vervollkommnen, so tritt es auch in das öffentliche Leben eines Staates nicht ein, ohne die Ordnung neu zu kräftigen; mit der Idee einer weisen Vorsehung, eines unendlich guten und gerechten Gottes, pflanzt es das Pflichtgefühl in das Gewissen, versüßt es die Leiden, besänftigt es feindselige Gefühle, verleiht es Heldenmut. Wenn es die heidnischen Völker umzuwandeln vermochte - und eine solche Umwandlung bedeutete eine wahre Erweckung von Tode zum Leben - dergestalt, dass die Barbarei in dem Maße zurückwich, als das Christentum vordrang, so wird es in gleicher Weise auch heute nach den schrecklichen Erschütterungen durch den Unglauben die Völker und Staaten wieder in die Bahn der Ordnung zurückführen können.


Heimkehr ins Christentum bedeutet Heimkehr in die Kirche

22 Aber noch ist nicht alles gesagt. Die Rückkehr zum Christentum wird kein wahres und vollkommenes Heilmittel sein, wenn sie nicht Rückkehr und Liebe bedeutet zu der einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche. Denn das Christentum ist verwirklicht und verkörpert in der katholischen Kirche, einer in höchstem Maße geistlichen und vollkommenen Gesellschaft, die der mystische Leib Christi und deren sichtbares Oberhaupt der Papst ist, der Nachfolger des Apostelfürsten. Sie setzt als die Tochter und Erbin des Erlösungswerkes die Sendung des Erlösers fort; sie verbreitete das Evangelium über die Erde und verteidigt es mit ihrem Blute, und im Vertrauen auf die ihr verheißene göttliche Hilfe und immerwährende Dauer erfüllt sie, ohne jemals mit dem Irrtum zu paktieren, den ihr gewordenen Auftrag, die Lehre Christi unverfälscht bis zum letzten der Jahrhunderte zu bewahren. Als die berufene Lehrerin der Sittenlehre des Evangeliums wird sie nicht nur zur Trösterin und Retterin der Seelen, sondern auch zu einer unversiegbaren Quelle für Gerechtigkeit und Liebe und zur Vorkämpferin und Hüterin der wahren Freiheit und der einzig möglichen Gleichheit. Indem sie die Lehre ihres göttlichen Stifters zur Anwendung bringt, hält sie bei allen Rechten und Vorrechten innerhalb der Gesellschaft in abgewogener Unparteilichkeit die rechten Grenzen aufrecht. Die Gleichheit, die sie verkündet, lässt die offenbar von der Natur geforderten sozialen Unterschiede unangetastet; um die Anarchie, die der vom Glauben emanzipierten und sich selbst überlassenen Vernunft folgt, zu verhindern, sorgt sie dafür, dass die Freiheit, die sie bringt, die Rechte der Wahrheit nicht verletze, die höher stehen als die Freiheit, ebenso nicht die Rechte der Gerechtigkeit, die höher stehen als die der Majorität und der Gewalt, und nicht die Rechte Gottes, die höher stehen als Menschenrechte.


Segensreiches Wirken der Kirche für die Gesellschaft

23 Nicht minder zahlreich sind ihre segensreichen Wirkungen im Familienleben. Denn nicht nur steht sie fest gegen alle Listen, mit denen die Zügellosigkeit der Ungläubigen dasselbe bedroht, sie begründet und behütet auch den Ehebund und seine Unauflöslichkeit, schützt und fördert in ihm Ehrbarkeit, Treue und Heiligkeit. In gleicher Weise gibt sie der bürgerlichen und staatlichen Ordnung Stütze und festen Halt; denn einerseits hebt sie wirksam die Autorität und andererseits steht sie doch vernünftigen und berechtigten Reformbestrebungen der Untertanen wohlwollend gegenüber; sie macht Ehrfurcht und Gehorsam gegen die Obrigkeit zur Pflicht und verteidigt stets und überall die unveräußerlichen Rechte des Gewissens. So wird der Gehorsam gegen die Kirche die Völker gleich weit fernhalten von der Knechtschaft und vom Despotismus.

24 Gerade im Hinblick auf diese göttliche Kraft war es seit Beginn Unseres Pontifikats Unser eifriges Bemühen, die heilbringenden Bestrebungen der Kirche in das rechte Licht zu stellen und mit dem Schatz ihrer Lehre auch ihre segensreiche Wirksamkeit möglichst weit auszubreiten. Diesem Zweck galten die hauptsächlichen Erlasse in Unserem Pontifikat, besonders die Enzykliken über die christliche Philosophie, die menschliche Freiheit, die christliche Ehe, die Freimaurerei, die öffentlichen Gewalten, die christliche Staatsordnung, den Sozialismus, die Arbeiterfrage, die Hauptpflichten der christlichen Bürger und über verwandte Gegenstände. Jedoch beabsichtigten Wir nicht nur, dem Verstande Licht und Aufklärung zu bringen, sondern Unser heißester Wunsch ging dahin, die Herzen zu bewegen und zu läutern und durch Unser Bemühen die christlichen Tugenden unter den Völkern aufblühen zu sehen. Wir hörten daher nicht auf, zu mahnen und zu raten, um den Sinn der Gläubigen auf die unvergänglichen Güter hinzulenken und sie so die Hinordnung des Materiellen auf das Geistige, des Menschen auf Gott, der irdischen Pilgerfahrt auf das ewige Leben zu lehren.. Gesegnet von dem Herrn, konnte Unser Wort dazu beitragen, viele Menschen in ihren Überzeugungen zu stärken, sie besser aufzuklären in den schwierigen Fragen der Gegenwart, ihren Eifer anzuspornen und die verschiedenartigsten Werke zu fördern, die in allen Ländern entstanden und noch entstehen, besonders zum Wohl der enterbten Klassen, indem es jene christliche Liebe wieder wachrief, die ihr bevorzugtes Wirkungsfeld inmitten des Volkes findet. Wenn die Ernte, Ehrwürdige Brüder, nicht reichlicher war, so wollen wir Gott in den Geheimnissen seiner Gerechtigkeit anbeten und ihn zugleich anflehen, sich der Blindheit so zahlloser Menschen zu erbarmen, auf welche leider die bange Klage des Apostels ihre Anwendung findet: "Deus huius saeculi excaecavit mentes infidelium, ut non fulgeat illis illuminatio evangelii gloriae Christi,,(2 Kor 4,4) - "Der Gott dieser Welt hat die Herzen der Ungläubigen verblendet, dass ihnen die Erleuchtung des Evangeliums der Herrlichkeit Christi nicht strahle."


DIE VORWÜRFE DER ATHEISTEN GEGEN DIE KIRCHE

25 In dem Maße aber, wie die Katholische Kirche ihren Eifer für das sittliche und materielle Wohl der Völker entfaltet, erheben sich leider voll Neid die Söhne der Finsternis gegen sie und lassen keine Mittel unversucht, um den Glanz ihrer göttlichen Schönheit zu verdunkeln und ihre belebende und erlösende Tätigkeit zu hemmen. Wie viele Trugschlüsse bringen sie vor, wie viele Verleumdungen! Und einer ihrer heimtückischsten Kunstgriffe ist es, die Kirche vor unerfahrenen Massen und argwöhnischen Regierungen so darzustellen, als sei sie eine Gegnerin des wissenschaftlichen Fortschritts, eine Feindin der Freiheit, als maße sie sich die Rechte des Staates an und erlaube sich Eingriffe in das Gebiet der Politik. Törichte Anklagen, tausendmal wiederholt und tausendmal widerlegt von der Vernunft, von der Geschichte und durch das übereinstimmende Zeugnis aller rechtschaffenen Menschen und aller Freunde der Wahrheit!


Die Kirche, Feindin der Wissenschaft und der Kultur?

26 Die Kirche Feindin der Wissenschaft und der Kultur? Gewiss, sie ist eine wachsame Hüterin des geoffenbarten Glaubensgutes; aber diese Wachsamkeit macht sie nur zu einer hochverdienten Gönnerin der Wissenschaft und zur Pflegerin jeder wahren Kultur. Nein, dadurch dass der Geist sich den Offenbarungen des göttlichen Wortes erschließt, das die höchste Wahrheit und der Urgrund aller Wahrheit ist, wird nie und in keiner Weise die Vernunfterkenntnis beeinträchtigt; vielmehr werden die Strahlen aus der göttlichen Welt dem menschlichen Verstand noch mehr Kraft und Klarheit geben, indem sie ihn in den wichtigeren Fragen vor quälender Unsicherheit und vor Irrtum bewahren. Neunzehn Jahrhunderte des Ruhmes übrigens, den der Katholizismus sich in allen Zweigen des Wissens erwarb, genügen vollauf, um diese unwahre Behauptung zu zerstören. Der katholischen Kirche muss man in der Tat das Verdienst zuschreiben, die christliche Weisheit, ohne welche die Welt noch heute in der Finsternis des heidnischen Aberglaubens und in niedriger Barbarei läge, verbreitet und verteidigt zu haben, die kostbaren Schätze der Literatur und der Wissenschaft des Altertums erhalten und der Nachwelt überliefert, die ersten Volksschulen eröffnet und Universitäten geschaffen zu haben, die noch in unseren Tagen in ihrem alten Ruhm bestehen, endlich, den berühmtesten Künstlern ihre Hand dargeboten und sie in ihren Schutz genommen und der Literatur die höchsten, reinsten und rühmlichsten Ideen eingegeben zu haben.


Die Kirche, Feindin der Freiheit?

27 Die Kirche, Feindin der Freiheit? Wie verdreht man doch einen Begriff, der eines der kostbarsten Geschenke Gottes in sich schließt und nun dazu dienen muss, um Missbräuche und Zügellosigkeit zu rechtfertigen! Wenn man unter Freiheit Gesetzlosigkeit versteht und ungebundene Willkür, so wird die Kirche sie gewiss verurteilen, aber auch jeder rechtlich denkende Mensch; aber wenn man unter Freiheit das vernunftgemäße Recht versteht, überall ungehindert nach den Normen des ewigen Gesetzes das Gute zu wirken, worin ja gerade die Freiheit bestehen muss, wenn sie der Menschen würdig sein und der Gesellschaft nützen soll -, so begünstigt, fördert und schirmt sie niemand mehr als die Kirche. Sie war es ja, die durch ihre Lehre und ihr Wirken die Menschheit von dem Druck der Sklaverei befreite, indem sie das große Gesetz der Gleichheit und Brüderlichkeit unter den Menschen verkündete; sie trat zu allen Zeiten als Schirmerin der Schwachen und Unterdrückten gegen die Übergriffe der Mächtigen auf; sie bezahlte die Freiheit des christlichen Gewissens mit dem teuren Preis des Märtyrerblutes; sie gab dem Kinde und der Frau die naturgemäße Würde zurück, gesellschaftliche Gleichberechtigung und Achtung; sie hat mitgeholfen, die bürgerliche und staatliche Freiheit der Völker zu schaffen und aufrecht zu erhalten.


Die Kirche, Feindin des Staates?

28 Die Kirche maßt sich die Rechte des Staates an und erlaubt sich Eingriffe in das Gebiet der Politik? Aber die Kirche weiß und lehrt, dass ihr göttlicher Stifter befahl, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott zu geben, was Gottes ist, und so die unabänderliche und ewige Scheidung der zwei Gewalten festsetzte, deren jede innerhalb ihres eigenen Gebietes vollkommen unabhängig ist; eine glückliche Scheidung, die so viel zur Entfaltung der christlichen Kultur beigetragen hat. Ihrem Geist der Liebe liegt jede feindselige Absicht fern; sie will nur dem Staate zur Seite stehen, um ihre Tätigkeit zwar demselben Objekt, dem Menschen und der Gesellschaft, zuzuwenden, aber in der Weise und mit dem hohen Ziel, wie es ihrer göttlichen Sendung entspricht. Wo man ihr Werk ohne Argwohn aufnähme, würde sie nur die Erreichung der unzähligen oben genannten Vorteile erleichtern. Die Kirche selbstsüchtiger Zwecke zu verdächtigen, ist nichts anderes als eine alte Verleumdung, deren sich ihre mächtigen Feinde als Vorwand bedienten, um ihre Verfolgungen zu beschönigen; und die Geschichte, vorurteilsfrei betrachtet, bezeugt es vollauf, dass die Kirche, statt jemals den Versuch zu Gewalttaten zu machen, vielmehr selbst, nach dem Bild ihres göttlichen Stifters, oft das Opfer von Gewalttaten und Ungerechtigkeiten geworden ist, und dies gerade deshalb, weil ihre Stärke in der Macht des Gedankens und der Wahrheit, nicht der Waffen liegt.


DIE FREIMAUREREI ALS HERD DER ANTIKIRCHLICHEN MACHENSCHAFTEN

29 Solche und ähnliche Beschuldigungen entspringen also aus reiner Böswilligkeit. Und bei diesem unredlichen und verderblichen Werk geht allen anderen eine im Dunkeln arbeitende Vereinigung voran, die sich in der Gesellschaft seit langen Jahren wie eine tödliche Krankheit festgesetzt hat und ihre Gesundheit und Lebenskraft zerstört. Als beständige Verkörperung der Revolution ist sie das Zerrbild einer Gesellschaft, deren Zweck es ist, die zu Recht bestehende Gesellschaft im geheimen zu regieren, und ihr ganzer Daseinszweck besteht im Krieg gegen Gott und seine Kirche. Es wäre nicht einmal nötig, sie beim Namen zu nennen; denn alle denken bei dieser Schilderung sofort an die Freimaurerei, von der Wir ausdrücklich in Unserer Enzyklika Humanum genus vom 20. April 1884 gesprochen haben; Wir haben darin ihre schädlichen Tendenzen, ihre falschen Lehren, ihr verhängnisvolles Wirken aufgedeckt. Diese Vereinigung die mit ihrem Riesennetz fast alle Nationen umspannt und sich mit anderen Geheimbünden vereint, die sie dann an verborgenen Fäden leitet, hat es dadurch, dass sie ihre Anhänger mit Vorteilen, die sie ihnen verschafft, anlockt und die Dirigenten bald durch Versprechungen, bald durch Drohungen nach ihren Absichten lenkt, dahin gebracht, dass sie in alle Gesellschaftsklassen eingedrungen ist und sozusagen einen unsichtbaren Staat ohne Verantwortungen im gesetzlichen Staat bildet. Beseelt vom Geiste des Satans, der sich, wie der Apostel sagt, bei Gelegenheit in einen Engel des Lichts (2 Kor 11, 14) zu verwandeln weiß, rühmt er sich seiner Humanitätsbestrebungen, beutet aber alles für den Zweck des Geheimbundes aus, und während er behauptet, keine politischen Ziele im Auge zu haben, entfaltet er eine weitgreifende Tätigkeit in der Gesetzgebung und Verwaltung des Staates; während er äußerlich die bestehende Obrigkeit und selbst die Religion respektiert, strebt er als höchstes Ziel (und seine eigenen Statuten bestätigen dies) die Vernichtung von Staat und Kirche an, die ihm als Feinde der Freiheit gelten.

30 Es stellt sich immer klarer heraus, dass dem Einfluss und der Mitwirkung dieses Verbandes die ständigen Schikanen gegen die Kirche sowie auch die zunehmende Schärfe der letzten Angriffe zum großen Teil zugeschrieben werden müssen. Und in der Tat, die Gleichzeitigkeit der Verfolgung, die kürzlich wie ein Gewitter bei heiterem Himmel losbrach, ohne Ursachen, die der Wirkung angemessen gewesen wären; die gleiche Art der Vorbereitung durch die Tagespresse, öffentliche Versammlungen und Theatervorstellungen; der überall erfolgte Einsatz derselben Waffen der Verleumdung und der Volksaufhetzung - dies alles weist auf einen einheitlichen Plan und die Herkunft der Losung von ein und derselben Zentralleitung hin. Eine Erscheinung übrigens, die mit jenem längst zuvor gefassten Plan in Verbindung steht, der in großem Umfange in die Tat umgesetzt zu werden beginnt, um die von Uns schon aufgezählten Schäden zu vervielfältigen, vor allem um den religiösen Unterricht zurückzudrängen bis zur vollständigen Abschaffung und so eine indifferente und ungläubige Generation heranzubilden, um mittels der Presse die Sittenlehre der Kirche anzugreifen, ihre frommen Gebräuche verächtlich zu machen und ihre Feste zu entheiligen.

31 Es versteht sich von selbst, dass das katholische Priestertum, das berufen ist, die Religion zu verbreiten und ihre Geheimnisse zu verwalten, mit größter Erbitterung angegriffen wird, um seine Autorität und sein Ansehen beim Volk herabzusetzen. Ja, die Herausforderungen nehmen täglich zu: man missdeutet seine Handlungen, verdächtigt und beschuldigt es in gemeinster Weise; und dies alles wächst im Verhältnis zur Straflosigkeit, die man erwarten kann. So treten neue Übel zu jenen hinzu, die der Klerus schon seit einiger Zeit erduldet infolge der Wehrpflicht, die ihn der angemessenen religiösen Vorbildung entzieht, und infolge der Enteignung der Kirchengüter, die der fromme Edelmut der Gläubigen gestiftet hatte.

32 Und die Orden und religiösen Genossenschaften, die in der Befolgung der evangelischen Räte nicht weniger den Ruhm der Religion als der Gesellschaft ausmachen, sind, gerade als hätten sie dadurch in den Augen der Feinde der Kirche eine neue Schuld auf sich geladen, der Gegenstand des Hasses und der Verachtung geworden. Und mit Schmerz müssen Wir daran erinnern, wie sie auch neuerdings von unverdienten gehässigen Maßnahmen betroffen wurden, die jeder rechtlich Denkende im höchsten Grad verurteilen muss. Nichts vermochte sie davor zu schützen: nicht ihr unbescholtenes Leben, gegen das nicht einmal der Feind ernste und begründete Anschuldigungen vorbringen konnte; nicht das Naturrecht, das die Bildung von Vereinigungen zu einem guten Zwecke erlaubt, nicht das Staatsgesetz, das sie sanktioniert hat; noch auch die Dankbarkeit des Volkes für die wertvollen Dienste, die ihm die Orden geleistet haben in Wissenschaft und Kunst, durch Urbarmachung und Bewirtschaftung des Bodens und durch die ausgedehnte karitative Tätigkeit für die große Masse der Armen. Männer und Frauen, aus dem Volke hervorgegangen, die freiwillig auf die Freuden der Familie verzichtet haben, um in friedlichem Zusammenwirken ihre Jugend, ihr Talent, ihr ganzes Tun und Leben dem Wohle des Nächsten zu weihen, werden geächtet wie eine Rotte von Übeltätern, und dies angesichts der stetig erweiterten Freiheitsrechte.

33 Doch es ist kein Wunder, dass die liebsten Kinder so schwer heimgesucht werden, wenn der Vater selber, das Haupt der katholischen Kirche, der Papst in Rom, keine bessere Behandlung findet! Die Tatsachen sind genau bekannt. Mit der weltlichen Herrschaft hat man ihm jene Unabhängigkeit geraubt, deren er für seine weltweite göttliche Sendung bedarf. Man hat ihn genötigt, sich in seiner eigenen Stadt Rom im eigenen Hause einzuschließen. Der Druck einer feindlichen Macht, die durch nichtssagende Zusicherungen und zweifelhafte Versprechungen für sein Ansehen und seine Freiheit bürgen wollte, hat ihn in eine unnatürliche Lage gedrängt, die ungerecht und seines erhabenen Amtes unwürdig ist. Wir wissen nur zu gut, welche Hindernisse man dem Papst in den Weg legt, wie oft man seine Absichten missdeutet und seine Würde verletzt. So wird es immer klarer, dass es im Plane lag, durch den Raub der weltlichen Herrschaft allmählich die geistliche Gewalt des Oberhauptes der Kirche zu untergraben, was übrigens seine wahren Urheber schon unzweideutig zugegeben haben. Allein das Unterfangen ist im Hinblick auf seine Folgen nicht nur politisch unklug, sondern auch für die gesellschaftliche Ordnung gefährlich. Denn die Streiche, die man gegen den Glauben führt, treffen zugleich in das Herz der Gesellschaft. Gott, der dem Menschen eine wesenhaft soziale Natur gab, hat in seiner Vorsehung die Kirche gegründet und sie auf den Berg Sion gestellt, wie die Heilige Schrift sich ausdrückt, auf dass sie als Leuchte diene und auf dass der befruchtende Strahl ihres Lichtes in den mannigfachsten Gestaltungen der menschlichen Gesellschaft das Leben zur Entfaltung bringe, in dem sie sie Grundsätze himmlischer Weisheit lehrt, durch deren Befolgung sie ihre Verhältnisse aufs beste ordnen kann. Eine Gesellschaft also, die sich dem Einfluss der Kirche entzieht, auf den ihr Bestand zu einem beträchtlichen Teil gegründet ist, muss immer tiefer sinken oder in Trümmer zerfallen, da sie trennt, was Gott verbunden wissen wollte.


DIE UNERSCHÜTTERLICHE VITALITÄT DER KIRCHE

34 Wir sind nie müde geworden, bei jeder Gelegenheit diese Wahrheiten nachdrücklich zu betonen, und wollten es jetzt bei diesem außerordentlichen Anlasse ausdrücklich wieder tun. Gebe Gott, dass die Gläubigen daraus die nötige Tatkraft und Einsicht schöpfen, ihr Tun wirkungsvoller auf das allgemeine Wohl hin zu koordinieren; und mögen auch die Gegner daraus die Erkenntnis schöpfen, dass sie sich einer Ungerechtigkeit schuldig machen, wenn sie die Kirche verfolgen, die liebevolle Mutter und treue Wohltäterin der Menschheit.

35 Wir möchten jedoch nicht, dass das traurige Bild ihrer augenblicklichen Lage die Gläubigen im festen Vertrauen auf Gottes Beistand wankend mache. Er wird schließlich den Sieg verleihen, wann und wie er will. Tiefbetrübt sind Wir bis ins innerste Herz hinein, aber frei von Angst um den Bestand der Kirche, die unsterblich ist. Die Verfolgung ist, wie Wir schon zu Anfang sagten, ihr Erbteil; denn Gott weiß durch sie höhere, kostbarere Zwecke zu erreichen in der Prüfung und Läuterung seiner Kinder. Aber obgleich er solche Anfeindungen und Widerstände zulässt, offenbart er dabei doch zugleich seinen göttlichen Beistand, der durch neue, ungeahnte Mittel Bestand und Wachstum des Werkes sichert, so dass die Mächte, welche sich zum Untergang seiner Kirche verschworen haben, nicht obsiegen. Die neunzehn Jahrhunderte ihres Bestehens inmitten der unaufhörlich wechselnden Ebbe und Flut menschlichen Geschicks lehren, dass die Stürme, ohne ihre Grundfesten zu erschüttern, vorübergehen.

36 Und mit Recht schöpfen wir Mut; denn auch in der Gegenwart fehlt es nicht an hoffnungsvollen Anzeichen, die unsere Zuversicht nicht wanken lassen. Die Schwierigkeiten sind ungewöhnlich groß und beängstigend, das ist wahr, aber es spielen sich doch auch Vorgänge unter unseren Augen ab, die von einer wunderbaren Erbarmung und Weisheit zeugen, mit der Gott seine Versprechungen erfüllt. Ja, während so viele Mächte sich gegen die Kirche verbünden und menschliche Hilfe ihr fast gänzlich fehlt, steht sie noch immer groß da in der Welt und breitet sie ihr Reich aus unter den Völkern aller Himmelsstriche. Nein, der Fürst dieser Welt kann seine Herrschaft von ehedem nicht wiedererobern, seit Christus sie ihm abgerungen hat; die Angriffe Satans können zwar viel Unheil verursachen, sie werden aber ihr Ziel nicht erreichen. Schon jetzt ist unter dem Beistand des Heiligen Geistes, dessen lebendiger Hauch die Kirche durchweht, ein himmlischer Friede nicht nur im einzelnen in die Herzen der Guten, sondern in die ganze katholische Welt eingezogen; ein Friede, der sich ungetrübt entfaltet aus der Einigkeit der Bischöfe mit dem Apostolischen Stuhl, einer Einigkeit, die enger und inniger ist als je zuvor und einen wunderbaren Gegensatz bildet zu der Agitation, der Zwietracht und der Hektik der Geheimbünde, die sich stetig ausbreiten und den Frieden der Gesellschaft stören! Dieselbe harmonische Einheit verbindet die Bischöfe mit ihrem Klerus und diesen wiederum mit der katholischen Laienwelt und ist eine treibende Kraft zu den verschiedensten Werken eifervoller Liebe. Fester und frei von menschlichen Rücksichten schließen sich die katholischen Laien zu einmütigem Handeln zusammen und raffen sich in hochherzigem Wetteifer auf zur Verteidigung der heiligen Sache des Glaubens. Ja, das ist die Einigkeit, die Wir schon früher so sehr betonten und jetzt von neuem einschärfen und die Wir segnen, auf dass sie immer mehr erstarke und wie eine uneinnehmbare Mauer dem Ansturm der Feinde Gottes trotze.

37 So ist es auch nicht verwunderlich, dass auch in unseren Tagen so viele religiöse Vereinigungen in der Kirche gleich Schösslingen am Fuß des Baumes hervorsprossen, wiedererstarken und sich wieder aufs neue zusammenschließen. Keine Form christlicher Frömmigkeit, die in ihnen nicht ihre Pflege findet, mag sie sich auf den Erlöser und seine anbetungswürdigen Geheimnisse beziehen, auf seine mächtigste Mutter oder auf einen Heiligen, der in besonderem Tugendglanze strahlt. Und gleichzeitig wird keine Form christlicher Nächstenliebe vergessen; mit allen Mitteln arbeiten sie überall an der religiösen Erziehung der Jugend, in der Krankenpflege, an der Hebung der öffentlichen Sittlichkeit und für die Unterstützung der besitzlosen Klassen. Und wie rasch würde sich diese Bewegung mit noch ganz anderen Erfolgen ausbreiten, wenn nur nicht so häufig ungerechte und feindselige Maßnahmen ihr Hindernisse in den Weg legten.

38 Und der Herr, der die Kirche so lebenskräftig erhält in den zivilisierten Ländern, in denen sie schon seit langem besteht, gibt uns auch durch neue Hoffnungen Trost dank dem Eifer seiner Missionare; die bestandenen Gefahren, die Entbehrungen und Opfer jeder Art haben sie nicht entmutigt, ihre Zahl ist vielmehr noch gewachsen, und so gehen sie hin, gewinnen ganze Landstriche dem Evangelium und der Gesittung und bewahren dabei eine bewundernswerte Ausdauer, obwohl ihnen mit Herabsetzung und Verleumdung vergolten wird, wie einst ihrem göttlichen Meister.

39 Unsere Betrübnis ist also durch viel Tröstliches gemildert, inmitten der Beschwernisse des Kampfes finden Wir vieles, das uns Stärke und Hoffnung gibt. Diese Tatsache sollte jeden einsichtigen Beobachter, den nicht die Leidenschaften verblendet haben, nachdenklich machen und ihn erkennen lassen, dass Gott, der den Menschen hinsichtlich des letzten Zieles seines ganzen Lebens nicht sich selber überließ und deshalb zu ihm gesprochen hat, auch jetzt in seiner Kirche spricht, die so sichtbar von göttlichem Beistand unterstützt wird, dass Gott selbst es offenkundig macht, auf welcher Seite Wahrheit und Heil zu finden ist. Jedenfalls wird dieser fortwährende Beistand dazu dienen, unseren Herzen die feste Hoffnung einzupflanzen, dass in dem Augenblicke, den die göttliche Vorsehung bestimmt hat, die Wahrheit die Nebel, mit denen man sie verhüllen will, zerreißen und in nicht ferner Zukunft heller erstrahlen wird und dass der Geist des Evangeliums die müden und kranken Glieder dieser zerrütteten Gesellschaft wieder beleben wird.


AUFMUNTERUNG ZUM KAMPF UND GEBET GEGEN DEN ATHEISMUS

40 So viel an Uns liegt, Ehrwürdige Brüder, bemühen Wir Uns, den Tag der Erbarmungen Gottes zu beschleunigen und bereitwillig mitzuwirken, wie es Unsere Pflicht ist, bei der Verteidigung und Ausbreitung seines Reiches auf Erden. Bei Euch bedarf es der Aufmunterung nicht; Eure Hirtensorge ist Uns bekannt. Möge die Flamme, die in Euren Herzen brennt, immer mehr auch alle Diener des Herrn entzünden, die an Eurer Arbeit teilnehmen. Sie stehen in unmittelbarer Berührung mit dem Volk und kennen genau seine Wünsche, seine Bedürfnisse, seine Leiden wie auch die Listen und Verführungskünste, mit denen man es umgarnt. Und wenn sie, erfüllt von dem Geist Jesu Christi, erhaben über alle politischen Leidenschaften, ihre Arbeit mit der Eurigen vereinen, wird es ihnen mit Gottes Segen gelingen, Wunder zu wirken: mit ihrem Wort werden sie die Massen erleuchten, durch die Milde ihres Umgangs die Herzen an sich ziehen und ihnen liebevoll behilflich sein zu steter Verbesserung ihrer Lage. - Und der Klerus wird dabei von der klugen, tätigen Mitarbeit aller gutgesinnten Gläubigen unterstützt; so werden die Söhne, welche die liebende Sorge ihrer Mutter, der Kirche, erfuhren, ihr mit der Verteidigung ihrer Ehre und ihres Ansehens nach Gebühr vergelten. Jeder kann beitragen zu diesem pflichtgemäßen, höchst verdienstlichen Werke: die Gelehrten und die Schriftsteller mit Verteidigungsschriften und in der Tagespresse, diesem Machtmittel, das unsere Gegner so sehr missbrauchen, die Familienväter und die Lehrer durch eine christliche Erziehung der Kinder, die Behörden und Volksvertreter durch Festigkeit in den rechten Grundsätzen und durch Makellosigkeit des Charakters, alle durch ein furchtloses Bekenntnis ihres Glaubens. - Unsere Zeit verlangt eine hochherzige Gesinnung, großmütige Entschlüsse, strenge Wahrung der Disziplin. Diese muss sich vor allem in einer vertrauensvollen vollkommenen Befolgung der Richtlinien des Heiligen Stuhles äußern, denn dies ist das beste Mittel, die Gefahr entzweiender Parteimeinungen zu beheben oder doch abzuschwächen und alle Kräfte zu einen im Dienste eines höheren Zweckes, des Sieges Jesu Christi in seiner Kirche.

41 Das ist die Pflicht der Katholiken; der endliche Erfolg hängt ab von dem, der liebevoll und weise über seine unbefleckte Braut wacht, von dem geschrieben ist: "Jesus Christus heri et hodie, ipse et in saecula" (Hebr 13, 8) -, Jesus Christus gestern, heute und in Ewigkeit." Zu ihm richten Wir auch in diesem Augenblick Unser demütiges und inständiges Gebet; zu ihm, der in unendlicher Liebe für die irrende Menschheit sich in seinem erhabenen Opfertod zur Sühne hingab; zu ihm, der, wenn auch unsichtbar, auf dem geheimnisvollen Schiffe seiner Kirche steht und dem Meer und den tobenden Winden gebieten und den Sturm stillen kann. - Und Ihr, Ehrwürdige Brüder, werdet ihn gewiss vereint mit Uns anflehen, auf dass das Unglück schwinde, das auf der Gesellschaft lastet, auf dass der Strahl des göttlichen Lichtes alle die erleuchte, die, vielleicht mehr aus Unwissenheit als aus Böswilligkeit, die Religion Christi hassen und verfolgen, auf dass die Menschen, die guten Willens sind, in heiligem Eifer neuen Mut schöpfen. So möge denn bald der Triumph der Wahrheit und des Rechts nahen, mögen bald der Menschenfamilie glücklichere Tage des Friedens und der Ruhe beschieden sein!


Segen

42 Empfangt indessen als Unterpfand der heißerflehten Gnaden für Euch und für alle Eurer Hirtensorge anvertrauten Gläubigen den Apostolischen Segen, den Wir Euch aus vollem Herzen spenden!
Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 19. März 1902,
im fünfundzwanzigsten Jahr Unseres Pontifikats
Papst Leo XIII.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Pervenuti_all%C2%B4_anno_(Wortlaut))

kathpedia.com: Argentinische Bischofskonferenz

Erklärung

Argentinische Bischofskonferenz unseres Heiligen Vaters Johannes Paul II.
20. Februar 1959
zur Freimaurerei


(Quelle: Hans Baum-Robert Prantner, Freimaurerei und Kirche sind unvereinbar, Christiana Verlag Stein am Rhein / Schweiz 1998, S. 58-61.)


Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).
Die Lehre der Kirche




Angesichts der verschiedenen freimaurerischen Presseverlautbarungen fühlt sich die argentinische Bischofskonferenz zu einer öffentlichen Erklärung verpflichtet, in Erfüllung des Gebotes Papst Leos XIII.: «Als erstes müsst Ihr Vorsorge treffen, um den Freimaurern ihre Masken vom Gesicht zu reißen, damit man sie als das erkenne, was sie sind» (Enzyklika Humanum genus).

Die Päpste, oberste und unfehlbare Lotsen der Kultur, haben die Gefahr durchschaut, die der Welt durch die Sekten drohte, und sie haben das von der ersten Stunde an zum Ausdruck gebracht und deutlich genug auf die satanische Verschwörung hingewiesen, die sich über die Menschheit zusammenzog. Von Clemens XII. und seiner Enzyklika „In eminenti“ von 1738 bis in unsere Tage haben die Päpste immer wieder die freimaurerischen Sekten verdammt, und das Gesetzbuch des Kanonischen Rechts sagt: «Der Exkommunikation verfällt, wer seinen Namen einer freimaurerischen Sekte oder einer Vereinigung ähnlicher Art anheimgibt ...» (can. 2335).

Am 24. Juli 1958 kennzeichnete Papst Pius XII. vor der 8. Pastoralen Bildungswoche als «die Wurzeln des modernen Glaubensabfalls: den wissenschaftlichen Atheismus, den dialektischen Materialismus, den Rationalismus, den Laizismus und die Freimaurerei, die gemeinsame Mutter aller jener .»

In seiner Enzyklika Humanum genus, mit der er die Freimaurerei verdammte, bestätigt der unsterbliche Papst Leo XIII.: «Neben dem Reich Gottes auf Erden, der wahren Kirche Christi, gibt es noch ein anderes Reich, das des Satans, unter dessen Herrschaft alle jene stehen, die dem ewigen göttlichen Gesetz den Gehorsam verweigern, die über Gott hinweggehen oder gegen ihn etwas unternehmen. ..In unseren Tagen scheinen alle diejenigen, die dieser zweiten Fahne folgen, miteinander verschworen zu sein zu einem überaus erbitterten Kampf unter der Leitung und Hilfe des Bundes der sogenannten Freimaurer. Ohne ihre Pläne zu verheimlichen, stacheln sie gegen die Majestät Gottes auf. Offen und unverhohlen arbeiten sie daran, die heilige Kirche zu vernichten, und zwar in der Absicht, die christlichen Völker aller jener Güter völlig zu berauben, die ihnen durch unseren Heiland Jesus Christus zuteil geworden sind.» Der Papst fährt fort: «Es gibt eine Reihe von Sekten, die voneinander nach Namen, Gebräuchen, Form und Herkunft verschieden sind, aber durch die Gleichheit ihrer Ziele und die Ähnlichkeit ihrer Grundsätze miteinander und mit dem Bund der Freimaurer in engem Zusammenhang stehen; dieser ist gleichsam das Zentrum, von dem alle ausgehen und zu dem alle zurückkehren.»
Kampf gegen die Katholische Kirche

«Das letzte und hauptsächliche Ziel ihrer Pläne ist unverkennbar: die gesamte vom Christentum geschaffene religiöse und bürgerliche Ordnung zu stürzen und nach ihrem Plan durch eine andere zu ersetzen, deren Grundlagen und Gesetze auf dem Naturalismus beruhen. ..Darin sollen die menschliche Natur und die menschliche Vernunft in allem die höchsten Lehrer und Herrscher sein.» Danach zeigt der Papst einige der freimaurerischen Bestrebungen auf: Sie leugnen jede göttliche Offenbarung, bekämpfen mit blinder Wut die katholische Kirche, deren Pflicht es ist, die ungetrübte Reinheit des göttlichen Offenbarungsschatzes zu bewachen und zu verteidigen; sie betreiben die Trennung von Kirche und Staat, fördern den religiösen Indifferentismus, behaupten die Gleichheit aller Kultur, berauben die Kirche ihrer Freiheit; sie begünstigen eine rein laizistische Erziehung unter Ausschluss jeder religiösen Idee, zivile Eheschließung, Ehescheidung und den Atheismus des Staates.

Bei der 4. Interamerikanischen Freimaurerkonferenz 1958 in Santiago de Chile wurde verkündet, dass «der Orden seinen Adepten Hilfe leistet, damit sie in der Öffentlichkeit ihrer Nationen oberste Stellungen erringen. » Das Thema hieß «Verteidigung des Laizismus», und die entwickelte neue Taktik traf sich mit den jüngsten Parolen des internationalen Kommunismus. Die Freimaurer sollen den Laizismus in allen Bereichen vorantreiben - die Kommunisten sollen die soziale Ordnung untergraben. Als Parole wurde ausgegeben: «Auf dem Weg über alle beeinflussten politischen Parteien ist die laizistische Kampagne zu verstärken. Es muss versucht werden, die Warnrufe der katholischen Kirche zu besänftigen, indem wir direkte freimaurerische Aktionen vermeiden. Die Aktionen zur Spaltung der Arbeiterbewegung sind zu vermehren, um dann deren Überrumpelung voranzutreiben. Freimaurerei und Kommunismus verfolgen gegenwärtig in Lateinamerika die gleichen Ziele; deshalb ist auf gleichlaufende Aktionen zu achten, wobei das Bündnis öffentlich nicht in Erscheinung tritt.»

Der bevorstehende «Zweite Internationale Kongress für die Allgemeine Brüderlichkeit» in Montevideo ist eine Probe aller dieser Bestrebungen. Es ist ein Freimaurerkongress unter kommunistischer Inspiration, der die freimaurerische Phrase von der «allgemeinen Brüderlichkeit» der Ausbreitung des internationalen Sowjetkommunismus dienstbar machen will. Er gibt vor, «für die menschliche Verbrüderung und den Frieden der Welt» kämpfen zu wollen. Zwei Schlagworte, die die ruchlosen Ziele der Freimaurerei und des Kommunismus verbergen sollen!
Marxismus und Freimaurerei

Marxismus und Freimaurerei haben das gemeinsame Ideal der irdischen Glückseligkeit. Ein Freimaurer kann die philosophischen Ideen des Marxismus ohne Abstriche annehmen. Wie der Großmeister der Loge von Paris bestätigt, ist zwischen den Prinzipien des Marxismus und der Freimaurerei kein Widerspruch denkbar.

Um ihre Ziele zu erreichen, bedient sich die Freimaurerei der Hochfinanz, der hohen Politik und der Weltpresse, während der Kommunismus im sozialen und wirtschaftlichen Bereich eine Revolution gegen Vaterland, Familie, Eigentum, Moral und Religion vorantreibt. Die Freimaurer betreiben ihre Ziele mit geheimen subversiven Mitteln, die Kommunisten mit offenen. Die Freimaurerei bewegt die sektiererischen politischen Minderheiten - der Kommunismus stützt sich auf eine Politik der Massen, indem er die Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit ausbeutet. Jeder Argentinier, vor allem aber die Jugend, soll wissen, dass Katholizismus und Freimaurerei Dinge sind, die sich absolut widersprechen und ausschließen. So wie Christus und Antichrist. Jeder soll auch wissen, dass Liberalismus und Laizismus in allen ihren Formen die ideologische Ausprägung der Freimaurerei darstellen. Es tut nicht viel zur Sache, dass viele Liberale keine Freimaurer sind: es gibt bewusste Instrumente und blinde Instrumente. Entscheidend ist, dass der Sache nach die einen wie die anderen zusammenhelfen, um die Kirche Christi und die katholische Ordnung unserer Republik zu zerstören.

Was die Freimaurer in ihrer Tätigkeit antreibt, ist letztlich der Hass gegen Christus und gegen alles, was in den menschlichen Seelen und den menschlichen Einrichtungen seinen Namen trägt. Ihr endgültiges Ziel ist die Zerstörung alles Katholischen und alles dessen, was sich an der katholischen Lehre ausrichtet.

Die Kirche Christi ist allen Bereichen unseres Vaterlandes vorgestanden. Sie war gegenwärtig, wachsam und wirksam in allen entscheidenden Tatsachen unserer Geschichte. Katholisch ist der Ursprung, die Wurzel und der innerste Kern des argentinischen Wesens. Wer also das Katholische angreift, verschwört sich gegen das Vaterland. Noch mehr: Der schwindende Glaube im argentinischen Volk ist gleichbedeutend mit schwindendem Patriotismus. Deshalb ist die Verteidigung des katholischen Glaubens und die Erneuerung des Landes in Christus die reinste und höchste Form von Dienst am Vaterland.

Wir ermahnen die Väter und Mütter der christlichen Familien, Gefährten Gottes in seiner göttlichen Vaterschaft, die in ihren Kindern ihr Leben fortsetzen: Wacht sorgsam über eure Kinder, die Gottes Kinder sind! Als ihr euere Kinder der Kirche brachtet, auf dass sie in der Taufe Kinder Gottes würden, seid ihr Verpflichtungen eingegangen. Erfüllt sie, übt eure elterliche Gewalt gegenüber den Einflüsterungen des Bösen und dem betrügerischen falschen Vorgehen der Sekten! Vor allen, die in ihrem Herzen ihr Land lieben, klagen wir Freimaurerei und Kommunismus als Feinde unserer überkommenen Werte und unserer Zukunft an – als Feinde, die es darauf abgestellt haben, alles Edle und Heilige in unserem Land auszurotten.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Erkl%C3%A4rung_vom_20._Februar_1959)

kathpedia.com: Kongregation für die Glaubenslehre unseres Heiligen Vaters Paul VI.

Brief

Kongregation für die Glaubenslehre unseres Heiligen Vaters Paul VI.

19. Juli 1974

Kardinal Sepers an Kardinal John Krol, dem Vorsitzenden der US-amerikanischen Bischofskonferenz über die weiterhin gültige Exkommunikation beim Eintritt in freimaurerische und ähnliche Vereinigungen (CIC 1917 can. 2335)


(Quelle: Manfred Adler, Die Freimaurer und der Vatikan, 2006, S. 147-148.)


Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).




Eminenz,

Mehrere Bischöfe haben an diese Heilige Kongregation Anfragen gerichtet über die Rechtsverbindlichkeit und die richtige Auslegung von Canon 2335 CIC, der die Zugehörigkeit von Katholiken zu Freimaurervereinigungen und anderen derartigen Verbänden unter die Strafe der Exkommunikation stellt. Im Laufe einer längeren Prüfung dieser Frage hat der Heilige Stuhl bei den Bischofskonferenzen, die mit diesem Problem besonders befasst sind, mehrfach Erkundigungen eingezogen, um das Wesen und die heutige Tätigkeit jener Vereinigungen sowie die Auffassung der Bischöfe besser kennen zu lernen.

Die große Gegensätzlichkeit der eingegangenen Antworten zeigt jedoch, wie verschieden die Lage in den einzelnen Nationen ist. Daher verbietet sich für den Heiligen Stuhl eine Änderung der bisher geltenden allgemeinen Gesetze; diese bleiben also in Kraft, bis von der zuständigen Päpstlichen Kommission für die Reform des Kirchlichen Gesetzbuches ein neues Gesetz veröffentlicht wird. Bei der Beurteilung einzelner Fälle ist aber zu bedenken, dass Strafgesetze strikt auszulegen sind. Daher kann die Ansicht jener Autoren als sicher gelehrt und angewandt werden, die der Meinung sind, dass der gesamte Canon 2335 nur diejenigen Katholiken betrifft, die Vereinigungen beitreten, die wirklich gegen die Kirche arbeiten.

In jedem Falle bleibt es aber für Kleriker, Ordensleute und Mitglieder von Säkularinstituten verboten, irgendwelchen freimaurerischen Vereinigungen beizutreten.

Indem ich dies mitteile, bleibe ich Ihnen mit dem Ausdruck tiefer Wertschätzung innigst im Herrn verbunden
Franjo Seper
Präfekt

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Brief_vom_19._Juli_1974)

kathpedia.com: “Unvereinbar”

Erklärung

“Unvereinbar”

Deutsche Bischofskonferenz
12. Mai 1980

Zur Frage der Mitgliedschaft von Katholiken in der Freimaurerei hat die Deutsche Bischofskonferenz am 12. Mai 1980 folgende Erklärung veröffentlichen lassen:



(Quelle: Hans Baum-Robert Prantner, Freimaurerei und Kirche sind unvereinbar, Christiana Verlag Stein am Rhein / Schweiz 1998, S. 50-58.)


Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).




Zwischen der Katholischen Kirche und der Freimaurerei von Deutschland fanden in den Jahren 1974 bis 1980 offizielle Gespräche im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Großlogen von Deutschland statt. Dabei sollte von seiten der Katholischen Kirche untersucht werden, ob sich in der Freimaurerei ein Wandel vollzogen habe und die Mitgliedschaft von Katholiken in der Freimaurerei nunmehr möglich sei.

Die Gespräche verliefen in einer guten Atmosphäre, die von Offenheit und Sachlichkeit getragen war.

Dabei wurden instruktive Einblicke in die drei ersten Grade gewährt. Die Katholische Kirche musste bei der Überprüfung der ersten drei Grade grundlegende und unüberbrückbare Gegensätze feststellen.

Die Freimaurerei hat sich in ihrem Wesen nicht gewandelt. Eine Zugehörigkeit stellt die Grundlagen der christlichen Existenz in Frage: Die eingehenden Untersuchungen der freimaurerischen Ritualien und Grundüberlegungen, wie auch ihres heutigen unveränderten Selbstverständnisses machen deutlich: Die gleichzeitige Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei ist unvereinbar.

Darstellung der Gespräche zwischen Vertretern der Katholischen Kirche und der Freimaurerei


Ausgangslage

1. Die Gespräche

Zwischen der Katholischen Kirche und der Freimaurerei in Deutschland fanden in den Jahren 1974 bis 1980 offizielle Gespräche im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Großlogen von Deutschland statt.

2. Der Auftrag

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte der Gesprächsgruppe folgenden Auftrag gegeben:

a) Feststellung von Veränderungen innerhalb der Freimaurerei in Deutschland.

b) Prüfung der Vereinbarkeit von Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und gleichzeitig zur Freimaurerei.

c) Im Falle einer bejahenden Beantwortung der obigen Frage publizistische Vorbereitung der Öffentlichkeit auf die veränderte Situation.


3. Die Situation bei den Freimaurern

Die deutsche Freimaurerei ist aus der nationalsozialistischen Verfolgung ungefähr auf ein Viertel reduziert hervorgegangen; dadurch mögen Wandlungen im Hinblick auf eine gewisse Offenheit anderen gesellschaftlichen Gruppen gegenüber bewirkt worden sein.

Aufgrund dieser Situation hat sich dann auch das Interesse der Freimaurerei an einer Bereinigung ihres Verhältnisses zu den christlichen Kirchen ergeben.


4. Das Zweite Vatikanum und die Enzyklika Ecclesiam suam

Im Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich die Kirche aufgemacht zum Dialog mit allen Menschen «guten Willens», zum Gespräch mit jeder Gruppierung, die dazu Bereitschaft zeigt.

Diese Absicht, welche sich in verschiedenen Konzilstexten dokumentiert, hat dann Paul VI. in seine Antrittsenzyklika «Ecclesiam suam» weitergeführt, theoretisch umfassender unterbaut und praktische Richtlinien dazu gegeben. Vor allem hat er die verschiedenen Kreise genannt, mit denen der Dialog aufzunehmen ist: angefangen in der eigenen Gemeinschaft bis hin zu denen, die nicht an Gott glauben.

Schon während des Konzils und in zunehmendem Maße danach, wurde der Dialog mit der Freimaurerei für notwendig erkannt.

Verändertes Meinungsbild

1. Das humanitäre Anliegen

Die von der Kirche zumal im Zweiten Vatikanum geforderte richtig verstandene Freiheit des Menschen im privaten, religiösen und öffentlichen Leben ergab eine Gesprächsbasis mit der Freimaurerei, sofern sie sich in ihrer humanitären Haltung für die menschliche Freiheit verpflichtet fühlt. Ähnliches ist bezüglich des Eintretens für die Menschenrechte zu sagen.


2. Die Wohltätigkeit

Die deutsche Freimaurerei unterhält Anstalten bruderschaftlicher Hilfe und menschlicher Wohltätigkeit. Sie unternimmt Hilfsaktionen gegenüber leidenden Menschen.

Da die karitative Gesinnung und Tätigkeit wesentlich zur Kirche gehören, wurden auch hier gewisse Berührungspunkte gesehen.


3. Symbolverständnis

In unserer nüchternen Zeit suchen manche Menschen in den Symbolen und Riten der Freimaurerei eine gewisse Erfüllung sonst unbefriedigter Bedürfnisse. In der Katholischen Kirche haben Symbole und Riten ihren angestammten Platz. Von hieraus wird darum ein Berührungspunkt und eine Verständnisbasis vermutet.


4. Freimaurerische Einzelpersönlichkeiten

Die Integrität, Qualifikation, Haltung und persönliche Meinung von freimaurerischen Einzelpersönlichkeiten, die bei verschiedenen Anlässen in und außerhalb eines kirchlichen Rahmens auftraten, haben ebenfalls eine positive Meinungsbildung der Loge gegenüber begünstigt.


5. Gemeinsam gegen Materialismus

Von freimaurerischer Seite gab es immer wieder Bekundungen der Bereitschaft, den Kampf gegen die materialistische Ideologie und die sich daraus ergebenden menschenfeindlichen Konsequenzen auch gemeinsam mit den christlichen Kirchen zu führen.


6. Ein neues Verhältnis?

Vor allem die unter den obigen Nummern 1-5 angeführten Punkte ließen die Meinung aufkommen, die Freimaurerei habe sich so sehr gewandelt, dass die frühere Stellungnahme der Kirche überholt sei und jeder Katholik problemlos einer Freimaurerloge zugehören könne.


7. Öffentlichkeitsarbeit

Die genannte Meinung einer selbstverständlichen Vereinbarkeit der Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei wurde durch eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit in Form von Akademietagungen, offenen Logensitzungen, Buchpublikationen, Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln verbreitet.


8. «Die kopernikanische Wende»

Der obengenannten Meinung kam ein gewisses, wenn auch durchaus falsches Verständnis des jüngsten Konzils entgegen, das infolge der erwähnten Öffentlichkeitsarbeit auftauchte. Nach dieser Ansicht hat das Konzil in einer wahrhaft kopernikanischen Wende den Leitbegriff einer objektiven Wahrheit in der Kirche beseitigt und durch den der menschlichen Würde ersetzt. Es besteht demzufolge ein Verhältnis der Nähe zwischen Katholischer Kirche und Freimaurerei.


Die Reaktion der Kirche

1. Das Prüfungsverfahren

All die oben angeführten Unternehmungen waren nicht geeignet, die anstehenden Fragen wirklich sachgerecht zu untersuchen und zu einer fundierten und tragfähigen Antwort zu kommen.

Entscheidend sind hier nicht die Integrität, Meinung und Haltung einzelner Freimaurer, denn diese sind völlig der Subjektivität überlassen.

Um zu einer wirklich sachgerechten Prüfung der anstehenden Fragen zu kommen, war es vielmehr notwendig, das Wesen der Freimaurerei, so wie es sich in den Vereinigten Großlogen von Deutschland vorfindet, zu untersuchen. Unabhängig von allen subjektiven Auffassungen manifestiert sich das objektive Wesen in den offiziellen Ritualien der Freimaurerei.

Deshalb wurden diese Dokumente einer sorgfältigen und langwierigen Prüfung (von 1974-1980) unterzogen, und zwar die Ritualien der ersten drei Grade, in deren Text die Freimaurer Einblick gewährten, wenngleich die Gespräche sich nicht nur auf die Ritualien bezogen.


2. Der unveränderte Standpunkt der Freimaurerei

Die fundamentale Infragestellung der Kirche durch die Freimaurerei hat sich nicht gewandelt. Diese Tatsache wird besonders deutlich, wenn wir zur Kenntnis nehmen, welch konkretes Sebstverständnis und welche geistige Grundlage, welche Gegenwartskonzeption und welche Zukunftsperspektive die Freimaurer sich selbst in dem erst nach Abschluss der Gespräche in diesem Jahr veröffentlichten Papier «Thesen bis zum Jahr 2000» als mutiges und kämpferisches Programm gegeben haben. Darin ist die objektive Geltung der geoffenbarten Wahrheit grundsätzlich verneint und durch diesen Indifferentismus eine Offenbarungsreligion vom Prinzip her ausgeschlossen. Schon die 1. und wohl wichtigste These besagt: «Systeme weltanschaulich-religiöser Art, die alleinige Verbindlichkeit beanspruchen können, gibt es nicht» (Das deutsche Freimaurer-Magazin «humanität» 1980, Nr. l, Einlage nach S. 20).


3. Atmosphärische Verbesserungen - praktische Zusammenarbeit

Verbessert und verändert gegenüber früheren Jahrhunderten haben sich der Ton, die Art und die Ebene der Austragung der Differenzen. Gab es früher Feindseligkeiten und Beschimpfungen, so ist die Diskussion heute auf eine sachliche Ebene gehoben.

Betont muss auch werden, dass die Gespräche in einer guten Atmosphäre der Offenheit und Objektivität verliefen.

Verschiedene unhaltbare Vorurteile konnten ausgeräumt werden. Die Katholische Kirche weiß sich heute zu gemeinsamem Handeln mit anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften verbunden, wenn es sich um die Verwirklichung humanitärer und karitativer Ziele handelt. Insoweit solche Ziele bei den Freimaurern im Vordergrund stehen, ist die Katholische Kirche zu gemeinsamem und unterstützendem Handeln bereit. Dadurch darf aber nicht der Eindruck entstehen, als habe die Kirche Grund, ihre warnende und ablehnende Haltung zur Freimaurerei für überholt zu halten.


4. Das Ergebnis der Gespräche

Hatten bei der schon vorausgegangenen Diskussion des ersten Grades durch die Evangelische Kirche ernste Bedenken nicht ausgeräumt werden können, so musste die Katholische Kirche bei der Überprüfung der ersten drei Grade grundlegende und unüberwindliche Gegensätze feststellen.

Die Freimaurerei hat sich in ihrem Wesen nicht gewandelt. Eine Zugehörigkeit stellt die Grundlagen der christlichen Existenz in Frage.

Die eingehenden Untersuchungen der freimaurerischen Ritualien und der freimaurerischen Wesensart, wie auch ihres heutigen unveränderten Selbstverständnisses machen deutlich:

Die gleichzeitige Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei ist ausgeschlossen.

Im folgenden werden einige der vielen Diskussionsgegenstände und Argumente aufgeführt, welche zu dem Ergebnis geführt haben. Andere nicht minder wichtige wurden von der Kommission ebenfalls erörtert.


Gründe der Unvereinbarkeit

1. Die Weltanschauung der Freimaurer

Die Weltanschauung der Freimaurer ist nicht verbindlich festgelegt. Es überwiegt die humanitäre und ethische Tendenz. Die textlich festgelegten Ritualbücher mit ihren Worten und Symbolhandlungen bieten einen Vorstellungsrahmen, den der einzelne Freimaurer mit seiner persönlichen Auffassung ausfüllen kann.

Eine gemeinsame verbindliche Ideologie ist hier nicht festzustellen. Dagegen gehört der Relativismus zur Grundüberzeugung der Freimaurer. Das als objektive Quelle anerkannte «Internationale Freimaurer Lexikon» erklärt zu dieser Frage: «Die Freimaurerei dürfte das einzige Gebilde sein, dem es auf die Dauer gelungen ist, Ideologie und Praxis weitgehend von Dogmen freizuhalten. Die Freimaurerei kann daher als eine Bewegung aufgefasst werden, die relativistisch eingestellte Menschen zur Förderung des Humanitätsideals zusammenzufassen trachtet» (Eugen Lennhoff - Oskar Posner, Internationales Freimaurer Lexikon, Wien 1975, Sp. 1300).

Ein Subjektivismus dieser Art lässt sich mit dem Glauben an das geoffenbarte und vom Lehramt der Kirche authentisch ausgelegte Gotteswort nicht in Einklang bringen. Außerdem erzeugt er eine Grundeinsteilung, welche die Haltung des Katholiken zu Wort und Handlungen im sakramentalen und sakralen Geschehen der Kirche gefährdet.


2. Der Wahrheitsbegriff der Freimaurerei

Von den Freimaurern wird die Möglichkeit objektiver Wahrheitserkenntnis verneint. Während der Verhandlungen wurde besonders an das bekannte Wort von G. E. Lessing erinnert:

«Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzig immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatz, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: <Wähle>, ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: <Vater, gib! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für Dich alleine!»> (G. E. Lessing, Duplik, 1977, Ges. Werke, V, 100).

Dies wurde in den Gesprächen als für die Freimaurerei signifikant bezeichnet. Die Relativität jeder Wahrheit stellt die Basis der Freimaurerei dar. Da der Freimaurer jeden Dogmenglauben ablehnt, duldet er auch in seiner Loge kein Dogma (vgl. Dr. Th. Vogel in KNA vom 11.2.1960 S.6).

Vom Freimaurer wird daher verlangt, ein freier Mann zu sein, der «keine Unterwerfung unter Dogma und Leidenschaft kennt» (Lennhoff - Posner Sp. 524f.). Das bedingt die grundsätzliche Verwerfung aller dogmatischen Positionen, die in dem Satz des Freimaurer-Lexikons zum Ausdruck kommt: «Alle Institutionen auf dogmatischer Grundlage, als deren hervorstechendste die Katholische Kirche gelten kann, üben Glaubenszwang aus» (Lennhoff - Posner, Internationales Freimaurer Lexikon 1975, Sp. 374).

Ein darartiger Wahrheitsbegriff ist vom Standpunkt weder der natürlichen Theologie noch der Offenbarungstheologie mit dem katholischen Wahrheitsbegriff vereinbar.


3. Der Religionsbegriff der Freimaurer

Das Religionsverständnis der Freimaurer ist relativistisch: alle Religionen sind konkurrierende Versuche, die letztlich unerreichbare Gotteswahrheit auszusagen. Denn dieser Gotteswahrheit angemessen ist nur die vieldeutige, der Interpretationsfähigkeit des einzelnen Maurers überlassene Sprache der maurerischen Symbole. Nicht umsonst ist der religiöse Disput innerhalb der Loge den Angehörigen der Loge streng untersagt. In den Alten Pflichten von 1723 heißt es unter «Der Maurer ist als Maurer verpflichtet, dem Sittengesetz zu gehorchen; und wenn er die Kunst recht versteht, wird er weder ein engstirniger Gottesleugner noch ein bindungsloser Freigeist sein.

In alten Zeiten waren die Maurer in jedem Lande zwar verpflichtet, der Religion; anzugehören, die in ihrem Lande oder Volke galt, heute jedoch hält man es für ratsamer, sie nur zu der Religion zu verpflichten, in der alle Menschen übereinstimmen, und jedem seine besonderen Überzeugungen selbst zu belassen> (Die Alten Pflichten von 1723, Hamburg 1972, S.IO).

Der Begriff der Religion, «in der alle Menschen übereinstimmen» , impliziert eine relativistische Religionsauffassung, die sich mit der Grundüberzeugung des Christentums nicht zur Deckung bringen lässt.


4. Der Gottesbegriff der Freimaurer

In den Ritualien findet sich der Begriff des «Großen Baumeisters aller Welten» an zentraler Stelle. Er ist, bei allem Willen zu religionsumgreifender Offenheit, eine deistisch geprägte Konzeption.

Danach gibt es keine objektive Erkenntnis von Gott im Sinne des personalen Gottesbegriffes des Theismus. Der «Große Baumeister aller Welten» ist ein neutrales «Es», undefiniert und offen für jedwedes Verständnis. Jeder kann hier seine Gottesvorstellung einbringen, der Christ wie der Moslem, der Konfuzianer wie der Animist oder der Angehörige irgendeiner Religion. Der Weltenbaumeister gilt den Freimaurern nicht als Wesen im Sinne eines personalen Gottes; deshalb genügt für sie ein beliebiges religiöses Empfinden für die Anerkenntnis des «Baumeisters aller Welten».

Diese Imagination eines im deistischen Abseits thronenden Weltenbaumeisters entzieht der Gottesvorstellung des Katholiken und seiner Antwort auf den ihn väterlich-herrscherlich ansprechenden Gott den Boden.


5. Freimaurerischer Gottesbegriff und Offenbarung

Die Gottesvorstellung der Freimaurerei lässt den Gedanken an eine Selbstoffenbarung Gottes, wie er von allen Christen geglaubt und festgehalten wird, nicht zu. Eher noch wird durch die Vorstellung des «Großen Weltenbaumeisters» das Gottesverhältnis auf eine vordeistische Position zurückgeworfen.

Ebenso steht die ausdrückliche Herleitung des Christentums von der astralen Urreligion der Babyionier und Sumerer in vollem Widerspruch zum Offenbarungsglauben (vgl. Ritual II, S. 47).


6. Die Toleranzidee der Freimaurer

Aus dem Wahrheitsbegriff leitet sich auch die spezifische Toleranzidee der Freimaurerei ab. Der Katholik versteht unter Toleranz die den Mitmenschen gegenüber geschuldete Duldsamkeit. Bei den Freimaurern jedoch herrscht die Toleranz gegenüber Ideen, wie gegensätzlich zueinander sie auch sein mögen. Wieder ist auf Lennhoff - Posner zu verweisen:

«Aus dem Relativismus lässt sich der Standpunkt der Freimaurer zu den Problemen der Welt und Menschheit ableiten ... Der Relativismus unterbaut die Toleranz mit Vernunftargumenten. Die Freimaurerei ist eine der Bewegungen, die vom Ausgang des Mittelalters an, als Reaktion gegen die Unbedingtheit der Kirchenlehre und den politischen Absolutismus, als Reaktion gegen den Fanatismus jeder Art entstanden sind. ..» (Sp. 1300).

Eine Toleranzidee dieser Art erschüttert die Haltung des Katholiken in der Glaubenstreue und in der Anerkennung des kirchlichen Lehramts.


7. Die Ritualhandlung der Freimaurer

In ausführlichen Gesprächen und Erklärungen wurden die drei Ritualien des Lehrlings-, des Gesellen- und des Meistergrades erörtert. Diese Ritualhandlungen zeigen in Wort und Symbol einen sakramentsähnlichen Charakter. Sie erwecken den Anschein, als würde hier unter Symbolhandlungen objektiv etwas den Menschen Verwandelndes bewirkt. Inhalt ist eine symbolhafte Initiation des Menschen, die ihrem ganzen Charakter nach in einer deutlichen Konkurrenz zu seiner sakramentalen Umwandlung steht.


8. Die Vervollkommnung des Menschen

Nach Ausweis der Ritualien geht es in der Freimaurerei letztlich um eine ethische und geistige Optimierung des Menschen.

Im Meisterritus heißt es: «Welche Tugenden muss ein wahrer Meister besitzen? Reinheit des Herzens, Wahrheit in Worten, Vorsicht in Handlungen, Unerschrockenheit bei unvermeidlichen Übeln und unermüdlichen Eifer, wenn es gilt, Gutes zu tun» (Ritual III, S. 66).

Hier konnte das Bedenken nicht ausgeräumt werden, dass die ethische Vervollkommnung verabsolutiert und so von der Gnade gelöst wird, dass kein Raum für die Rechtfertigung des Menschen im christlichen Verständnis bleibt. Was sollen sakramentale Heilsvermittlung in Taufe, Buße und Eucharistie noch bewirken, wenn bereits durch die drei grundlegenden Grade die in den Ritualien ausgesagte Erleuchtung und Todesüberwindung erzielt wird?


9. Die Spiritualität der Freimaurer

Die Freimaurerei stellt an ihre Mitglieder einen Totalitätsanspruch, der ihnen eine Zugehörigkeit auf Leben und Tod abfordert. Auch wenn man davon ausgeht, dass der in den drei Graden beschrittene Weg in erster Linie das Ziel einer Bewusstseins- und Charakterbildung verfolgt, bleibt doch die Frage, ob der Sendungsanspruch der Kirche es zulässt, dass Formung solcher Art von einer ihr fremden Institution übernommen wird.

In diesem Totalitätsanspruch aber wird die Unvereinbarkeit von Freimaurerei und Katholischer Kirche besonders deutlich.


10. Unterschiedliche Richtungen innerhalb der Freimaurerei

Es gibt innerhalb der Freimaurerei neben der überwiegenden Zahl der Logen mit humanitärer, «gottgläubiger» Grundtendenz Extreme, wie die atheistische Bruderschaft des «Grand Orient de France» auf der einen Seite, der auch einige Logen in Deutschland besitzt, und der in Deutschland bestehenden «Großen Landesloge» auf der anderen Seite. Letztere nennt sich auch «Christlicher Freimaurerorden» (vgl. Lennhoff - Posner, Sp. 1157).

Diese «christliche Freimaurerei» liegt aber keinesfalls außerhalb der freimaurerischen Grundordnung; hier wird nur eine größere Möglichkeit intendiert, Freimaurerei und subjektive christliche Gläubigkeit miteinander zu vereinen. Eine theologisch zulässige Verwirklichung muss jedoch verneint werden, weil die Grundtatsachen der Offenbarung des menschgewordenen Gottes und seine Gemeinschaft mit den Menschen nur als mögliche Variante der freimaurerischen Weltansicht verstanden und überdies nur von einem kleinen Teil der Maurer anerkannt werden.


11. Freimaurerei und Katholische Kirche

So wichtig die Unterscheidung zwischen kirchenfreundlicher, neutraler und kirchenfeindlicher Freimaurerei auch sein mag, ist sie im vorliegenden Zusammenhang doch irreführend, denn sie legt nahe, dass für Katholiken eine Mitgliedschaft lediglich bei der kirchenfeindlichen nicht in Frage käme. Nun hat sich die Untersuchung gerade auf jene Freimaurerei erstreckt, welche der Katholischen Kirche gegenüber wohlgesonnen ist; aber selbst hier mussten die unüberwindlichen Schwierigkeiten festgestellt werden.


12. Freimaurer und Evangelische Kirche

Gespräche haben 1973 auch auf dieser Ebene stattgefunden. Die evangelischen Gesprächsteilnehmer haben in ihrer Schlusserklärung vom 13.0ktober 1973 zwar die Möglichkeit einer Doppelmitgliedschaft dem «freien Ermessen des einzelnen überlassen».

Beachtlich aber ist, was hier in Ziff. 5 festgestellt ist: «Es war für die kirchlichen Gesprächspartner nicht möglich, sich über das Ritual in seiner Bedeutung und in seiner Erlebnisqualität eine abschließende Meinung zu bilden. Dabei bewegte sie die Frage, ob das Ritualerlebnis und die Arbeit des Maurers nicht die Rechtfertigung aus Gnaden in ihrer Bedeutung für den evangelischen Christen mindern könnten» (Information Nr. 58 der Evangelischen Zentral stelle für Weltanschauungsfragen 58/74, Seite 19).
Abschließende Stellungnahme

Mag auch die Freimaurerei aufgrund der in der nationalsozialistischen Ära erlittenen Verfolgung eine Wandlung im Sinn einer größeren Offenheit gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen durchgemacht haben, so ist sie doch in ihrer Mentalität, ihrer Grundüberzeugung und ihrer Tempelarbeit sich völlig gleich geblieben.

Die aufgezeigten Gegensätze rühren an die Grundlagen der christlichen Existenz. Die eingehenden Untersuchungen der freimaurerischen Ritualien und Geistigkeit machen deutlich: Die gleichzeitige Zugehörigkeit zur Katholischen Kirche und zur Freimaurerei ist ausgeschlossen.

Zu der von den Vereinigten Großlogen von Deutschland abgegebenen Stellungnahme zur Presseerklärung der Deutschen Bischofskonferenz, macht das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz folgende Anmerkung:

1. Die «Lichtenauer Erklärung» hat keinerlei kirchliche Autorisierung erhalten: Weder von einer Bischofskonferenz noch von einer römischen Behörde. Auch Kardinal König, dem das Dokument überreicht wurde, hat sich nicht bereit gefunden, es zu unterzeichnen.

2. Die Erwähnung der Stellungnahme der Evangelischen Kirche zur Freimaurerei ist insofern unvollständig, als verschwiegen wird, dass es in derselben Erklärung auch heißt: «Es war für die kirchlichen Gesprächspartner nicht möglich, sich über das Ritual in seiner Bedeutung und in seiner Erlebnisqualität eine abschließende Meinung zu bilden. Dabei bewegte sie die Frage, ob das Ritualerlebnis und die Arbeit des Maurers nicht die Rechtfertigung aus Gnaden in ihrer Bedeutung für jeden evangelischen Christen mindern könnten» (Information Nr. 58 der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen 58/74, Seite 19).

Die Evangelische Kirche hat wohl nur den ersten Grad einsehen können und nicht in derselben Ausführlichkeit und unter anderen Voraussetzungen als die katholische Kirche.

3. Die Feststellung, dass die Zugehörigkeit zur Freimaurerei die Grundlagen der christlichen Existenz in Frage stelle, ist keine Anmaßung, sondern geht aus der gewissenhaften Darstellung der Grundlagen des freimaurerischen Selbstverständnisses hervor.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Unvereinbarkeitserkl%C3%A4rung_vom_12._Mai_1980)

kathpedia.com: Kongregation für die Glaubenslehre unseres Heiligen Vaters Johannes Paul II.

Erklärung

Kongregation für die Glaubenslehre unseres Heiligen Vaters Johannes Paul II.

17. Februar 1981

dass im Neuen Kirchenrecht das negative Urteil über die Zugehörigkeit eines Katholiken zur Freimaurerei bestehen bleibt
(Quelle: Osservatore Romano 2. / 3.5.81.)


Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Mit Datum vom 19. Juli 1974 hat diese Kongregation einigen Bischofskonferenzen einen Brief geschrieben zur Interpretation von c. 2335 CIC, der den Katholiken unter Strafe der Exkommunikation den Eintritt in freimaurerische und ähnliche Organisationen verbietet. Nachdem dieser Brief in der Öffentlichkeit Anlass zu falschen und tendenziösen Interpretationen gegeben hat, bestätigt und erklärt diese Kongregation, ohne damit eventuellen Verfügungen des neuen Codex vorgreifen zu wollen, folgendes: 1. Die bisherige Praxis des Kirchenrechts ist in keiner Weise geändert worden und bleibt voll in Kraft. Infolgedessen sind weder die Exkommunikation noch andere vorgesehene Strafen abgeschafft worden. 2. Soweit es in diesem Brief um Interpretationen geht, wie der fragliche Canon im Sinn der Kongregation zu verstehen sei, handelt es sich nur um einen Verweis auf die allgemeinen Prinzipien der Interpretation von Strafgesetzen zur Lösung persönlicher Einzelfälle, die dem Urteil der Ordinarien überlassen werden können. Es stand dagegen nicht in der Absicht der Kongregation, es den Bischofskonferenzen zu überlassen, öffentlich ein Urteil allgemeinen Charakters abzugeben, das Abschwächungen der obigen Normen implizieren könnte.
Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, 11. Februar 1981

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Klarstellung_vom_17._Februar_1981)

kathpedia.com: Kongregation für die Glaubenslehre unseres Heiligen Vaters Johannes Paul II.

Erklärung

Kongregation für die Glaubenslehre unseres Heiligen Vaters Johannes Paul II.
26. November 1983
dass im Neuen Kirchenrecht das negative Urteil über die Zugehörigkeit eines Katholiken zur Freimaurerei bestehen bleibt
(Quelle: Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr.48, 2.12.1983.)


Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Es wurde die Frage gestellt, ob sich das Urteil der Kirche über die Freimaurerischen Vereinigungen durch die Tatsache geändert hat, dass der neue Codex Iuris Canonici - Codex des kanonischen Rechtes (CIC) sie nicht ausdrücklich erwähnt wie der frühere. Diese Kongregation ist in der Lage zu antworten, dass diesem Umstand das gleiche Kriterium der Redaktion zugrundeliegt wie für andere Vereinigungen, die gleichfalls nicht erwähnt wurden, weil sie in breitere Kategorien eingegliedert sind. Das negative Urteil der Kirche über die freimaurerischen Vereinigungen bleibt also unverändert, weil ihre Prinzipien immer als unvereinbar mit der Lehre der Kirche betrachtet wurden und deshalb der Beitritt zu ihnen verboten bleibt. Die Gläubigen, die freimaurerischen Vereinigungen angehören, befinden sich also im Stand der schweren Sünde und können nicht die heilige Kommunion empfangen. Autoritäten der Ortskirche steht es nicht zu, sich über das Wesen freimaurerischer Vereinigungen in einem Urteil zu äußern, das das oben Bestimmte außer Kraft setzt, und zwar in Übereinstimmung mit der Erklärung dieser Kongregation vom 17. Februar 1981 (vgl. AAS 73/1981; S. 240 - 241). Papst Johannes Paul II. hat diese Erklärung, die in der ordentlichen Sitzung dieser Kongregation beschlossen wurde, bei der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten gewährten Audienz bestätigt und ihre Veröffentlichung angeordnet.
Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, 26. November 1983
Joseph Kardinal Ratzinger,
Präfekt
Erzbischof Jerôme Hamer OP,
Sekretär

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Erkl%C3%A4rung_vom_26._November_1983)

Humanus Genus

Enzyklika Humanum genus unsers Heiligen Vaters Leo XIII. durch göttliche Vorsehung Papst

an alle Ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe, der katholischen Welt, welche in Gnade und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle stehen über Wesen und Gefahr der Freimaurerei

20. April 1884

(Lateinischer Text: Leonis XIII. Pontificis Maximi Acta IV [1884])

(Quelle: Rundschreiben Leo XIII., Zweite Sammlung, Lateinischer und deutscher Text, Herder´sche Verlagsbuchhandlung übersetzt durch den päpstlichen Hausprälaten Professor Hettinger, Freiburg im Breisgau 1904; Die Nummerneinteilung entspricht englischen Fassung [1] Überschriften aus denen die Inhaltsübersicht erstellt wurde sind aus: Leo XIII. - Lumen De Caelo. Erweiterte Ausgabe des "Leo XIII. der Lehrer der Welt". Praktische Ausgabe der wichtigsten Rundschreiben Leo XIII. und Pius XI., Herausgegeben von Carl Ulitzka, Päpstlicher Hausprälat, Ratibor 1934, S.253-271; Mit kirchlicher Druckerlaubnis.

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [2] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).

Ehrwürdige Brüder!

Heilsgruß und Apostolischen Segen!

Inhaltsverzeichnis


    * 1 Einleitung
          o 1.1 Das Reich Gottes und das Reich des Satans auf Erden
          o 1.2 Die Gottlosen werden von der Freimaurerei unterstützt
          o 1.3 Die Päpste haben diese Sekte verurteilt
                + 1.3.1 Clemens XII. bis Pius IX
                + 1.3.2 b) Die Regierungen haben nicht immer und überall den nötigen Ernst gehabt
    * 2 II. Das Wesen der Freimaurerei
          o 2.1 Sie ist eine geheime Gesellschaft
          o 2.2 Ihr Fundament ist der Naturalismus
                + 2.2.1 Sie will das Christentum stürzen
                + 2.2.2 Ihr oberster Grundsatz: Die menschliche Natur ist oberste Richtschnur des Lebens
                + 2.2.3 Die Kirche wird von ihr geknebelt
                + 2.2.4 Der römische Papst wird auf das heftigste angegriffen
                + 2.2.5 Die Religion wird in das Belieben des einzelnen gestellt
                + 2.2.6 Selbst natürliche Wahrheiten werden von ihr preisgegeben
                + 2.2.7 Die natürliche Sittlichkeit gerät ins Schwanken; religionslose Erziehung
                + 2.2.8 Sie leugnet die Erbsünde und die Pflicht zur Selbstzucht
                + 2.2.9 Sie treten für die Zivilehe und Ehescheidung ein; der Geistliche soll aus der Schule ausgeschlossen werden
                + 2.2.10 Jeder habe dasselbe Recht und die Gewalt stamme vom Volke
    * 3 Die Gefahren der Freimaurerei
          o 3.1 Sie will die Wohltaten Christi vernichten
          o 3.2 Sie bereitet dem Menschengeschlechte den Untergang
          o 3.3 Sie ist eine Gefahr für die Familie
          o 3.4 Sie unterwühlt den Staat
                + 3.4.1 Ein Staat ohne Gott ist ein Frevel
                + 3.4.2 Der rechtmäßige Träger der Gewalt ist ein Diener Gottes
                + 3.4.3 Die behauptete Gleichheit ist der Ruin des Staates
                + 3.4.4 Die Ideen der Freimaurerei ist den Ideen der Kommunisten günstig
                + 3.4.5 Sie umschmeichelt und betört Fürsten und Völker
    * 4 Heilmittel gegen die Freimaurerei
          o 4.1 Im allgemeinen: Eintracht zwischen Staat und Kirche
          o 4.2 Heilmittel im besonderen
                + 4.2.1 Belehrung über das Wesen der Freimaurerei
                + 4.2.2 Belehrung über die Grundwahrheiten des Christentums
                + 4.2.3 Sammlung der katholischen Arbeiter und Handwerker
                + 4.2.4 Sorge für die heranwachsende Jugend
                + 4.2.5 Einmütigkeit im Gebet
    * 5 Anmerkungen


Einleitung

Das Reich Gottes und das Reich des Satans auf Erden

1 Nachdem das Menschengeschlecht durch den Neid des Teufels von Gott, dem Schöpfer und Spender der himmlischen Güter so kläglich abgefallen, hat es sich in zwei geschiedene und einander entgegengesetzte Lager geteilt; das eine kämpfte unausgesetzt für Wahrheit und Tugend, das andere für alles, was der Wahrheit und Tugend widerstreiten. – Das eine ist das Reich Gottes auf Erden, nämlich die wahre Kirche Christi; wer ihm wahrhaft und zu seinem Heile angehören will, der muss Gott und seinem Eingeborenen Sohne mit ganzer Seele und voller Hingebung seines Willens dienen. Das andere ist das Reich des Satans, dem alle jene botmäßig und zu eigen sind, welche dem verhängnisvollen Beispiele ihres Führers und unserer Stammeltern gefolgt sind, dem ewigen göttlichen Gesetze den Gehorsam verweigern und vieles mit Verachtung Gottes, ja vieles gegen Gott selbst unternehmen suchen.

2 Dieses zweifache Reich, das zwei Städten gleicht, die nach widerstrebenden Gesetzen widerstrebende Ziele verfolgen, hat Augustinus wohl erkannt und beschrieben und die wirkende Ursache beider in nachstehenden Worten feinsinnig und kurz zusammengefasst: Eine zweifache Liebe hat diese zwei Reiche gegründet, das irdische die Selbstsucht bis zur Verachtung Gottes, das himmlische dagegen die Gottesliebe bis zur Verachtung seiner selbst (1).
Die Gottlosen werden von der Freimaurerei unterstützt

In allen Jahrhunderten haben diese Reiche einander bekämpft mit verschiedenen Waffen und in verschiedener Weise, wenngleich nicht immer in gleich heftigem Anlaufe. In der Gegenwart jedoch scheinen die Anhänger des Bösen sich zu verabreden und insgesamt mit vollen Kräften anzustürmen, geleitet und unterstützt von der weitverbreiteten und gegliederten Gesellschaft der sogenannten Freimaurer. Denn schon halten diese ihr Pläne nicht mehr geheim und fordern höchst verwegen sich untereinander auf gegen den allmächtigen Gott; offen und aufgescheut arbeiten sie daran, die Kirche zu vernichten und zwar in der Absicht, um, wenn es möglich wäre, die christlichen Völker aller Güter zu berauben, die ihnen durch unsern Heiland Jesus Christus zuteil geworden sind. – In dem wir diese Übel beklagen, müssen wir oft, von Liebe im Innersten bewegt, zu Gott rufen: Siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt. Über dein Volk fassen sie listige Anschläge und sinnen wider deine Heiligen. Sie sprechen: Kommet, lasset sie uns vertilgen aus dem Volke (2).

3 Bei dieser dringenden Gefahr, bei diesem grausamen und hartnäckigen Kampfe gegen das Christentum ist es Unsere Aufgabe, hinzuweisen auf den Ernst der Lage, kenntlich zu machen die Gegner, Widerstand zu leisten, soviel Wir vermögen, ihren listigen Plänen, damit nicht auf ewig zu Grunde gehen alle jene, deren Seelenheil Uns anvertraut ist, und auf dass Jesus Christi Reich, dessen Obhut Uns übergeben ward, nicht bloß Bestand habe und unversehrt fortdauere, sondern immer mehr wachse und überall auf der ganzen Erde sich ausbreite.
Die Päpste haben diese Sekte verurteilt
Clemens XII. bis Pius IX

4 Die Römischen Päpste, Unsere Vorfahren, sorgfältig wachsam über das Heil des christlichen Volkes, haben diesen Todfeind alsbald erkannt, wer er sei, was er wolle, sowie er aus dem Dunkel geheimer Verschwörung heraustrat; und indem sie wohl wussten, was bevorsteht, haben sie Fürsten und Völkern gewissermaßen ein Zeichen gegeben und sie gemahnt, nicht von ihrer Arglist sich betrügen und fangen zu lassen.

5 Der erste, welcher auf die Gefahr hinwies, war Klemens XII. (3), dessen Konstitution von Benedikt XIV. (4) bestätigt und erneuert wurde. Ihrem Vorgange folgte Pius VII (5). Leo XII. fasste in der Apostolischen Konstitution „Quo graviora“ (6) zusammen, was seine Vorfahren in dieser Angelegenheit getan und bestimmt hatten und erklärte sie als gültig und rechtskräftig für alle Zeit. In demselben Sinne haben sich Pius VIII. (7), Gregor XVI. (8) uns sehr oft Pius IX. (9) ausgesprochen.

6 Als nämlich die Sekte der Freimaurer nach ihrem Wesen und Charakter durch offenbare Merkmale sich zu erkennen gab, als man diese Angelegenheit untersucht, von ihren Gesetzen, Gebräuchen und Schriften Einsicht genommen hatte, wozu häufig das Zeugnis von Eingeweihten kam, da verkündete es dieser Apostolische Stuhl und erklärte öffentlich, es sei die Sekte der Freimaurer eine rechtswidrige und für die Kirche und Staat gleich verderbliche Verbindung, und er verbot unter Androhung jener besonders schweren Strafen, welche die Kirche über Schuldige zu verhängen pflegt, allen Gläubigen den Eintritt in dieselbe. Hierdurch erbittert, wähnten die Verbündeten, teils durch Verachtung, teils durch Verleumdung der Wucht dieser Aussprüche sich entziehen und dieselbe abschwächen zu können; sie klagten die Römischen Päpste an, dass ihre Entscheidungen ungerecht gewesen und das rechte Maß überschritten hätten. Auf solche weise versuchten sie es, da Ansehen und Gewicht der Apostolischen Konstitutionen eines Klemens XII., Benedikt XIV., wie Pius VII. und Pius IX. bedeutungslos zu machen. Doch es fehlte unter den Mitgliedern der Sekte selbst nicht an solchen, die sogar gegen ihren Willen eingestanden, dass im Hinblick auf die katholische Lehre und Lebensordnung die Römischen Päpste in allem diesem nach Recht und Gerechtigkeit gehandelt haben. Auch verschiedene Fürsten und Regierungen gaben den Päpsten hierin ihre volle Zustimmung, indem sie teils Sorge trugen, dass die Sekte der Freimaurer bei dem Heiligen Stuhle angeklagt wurde, teils ihrerseits durch das Gesetz sie für staatsgefährlich erklärten, wie dies in Holland, Österreich, in der Schweiz, Spanien, Bayern, Savoyen und anderen Ländern Italiens geschehen ist.
b) Die Regierungen haben nicht immer und überall den nötigen Ernst gehabt

7 Wie vorsichtig Unsere Vorfahren in dieser Beziehung gehandelt, hat die Folgezeit bewiesen, worauf wir darum unser besonderes Augenmerk zu richten haben. Ihre väterlichen Bemühungen und Fürsorge hatten nämlich nicht zu jeder Zeit noch überall den gewünschten Erfolg; hiervon war Ursache teils die List und Verstellung der Schuldigen selbst, teils der Mangel an Ernst bei jenen, denen vor allen anderen hätte daran gelegen sein müssen, ein wachsames Auge zu haben. So ist es denn gekommen, dass im Laufe von anderthalbhundert Jahren die Sekte der Freimaurer eine über alle Erwartung große Ausbreitung gewann, und indem sie keck und listig in alle Ordnungen des Gemeinwesens sich eindränge, erlangte sie eine solche Macht, dass sie nahezu die Oberherrschaft in den Staaten zu haben scheint. So rasch und so furchtbar hat sich das Verderben entwickelt, das Unsere Vorfahren lange vorausgesehen hatten, und das nun die Kirche, die Gewalt der Fürsten und die öffentliche Wohlfahrt bedroht. Denn soweit ist es gekommen, dass für die Zukunft alles zu befürchten ist, nicht zwar für die Kirche, die auf einem zu festen Grund gebaut ist, als dass sie von Menschenhand könnte erschüttert werden, sondern für jene Staaten, in welchen die Freimaurerei mächtig ist, oder ähnliche Sekten, die im Dienste jener arbeiten und tätig sind.

8 Sobald Wir darum die Regierung der Kirche übernommen haben, war es unsere feste Überzeugung, Wir müssten durch das Gewicht Unserer Autorität diesem Übel soviel als möglich Widerstand leisten. – In der Tat haben Wir bei gegebener Gelegenheit gewisse hervorragende Grundsätze beleuchtet, auf welche die freimaurerischen Meinungen am meisten Einfluss hatten. So haben Wir in Unserem Rundschreiben „Quod Apostolici muneris“ es unternommen, die Ungeheuerlichkeiten der Sozialisten und Kommunisten zu widerlegen; in einem anderen „Arcanum“ suchten Wir den wahren und richtigen Begriff der häuslichen Gesellschaft, welche in der Ehe ihre Quelle und ihren Ursprung hat, festzusetzen und zu verteidigen; in jenem das mit „Diuturnum“ beginnt, haben Wir das Musterbild der politischen Gewalt nach den Grundsätzen der christlichen Weisheit entworfen und dargestellt, wie es mit der Natur selbst, dem Heile von Fürsten und Völkern in wunderbarem Einklange steht. Nun aber haben Wir beschlossen, nach dem Beispiele Unserer Vorfahren die Sekte der Freimaurer selbst geradezu ins Auge zu fassen, ihre gesamte Lehre, Pläne, Denk- und Handlungsweise, und dadurch mehr und mehr ihre verderbliche Macht in klares Licht zu setzen und die Völker vor Ansteckung durch diese verhängnisvolle Pest zu bewahren.


II. Das Wesen der Freimaurerei

Sie ist eine geheime Gesellschaft

9 Alle jene mannigfaltigen Sekten, wenngleich nach Namen, Gebräuchen, Form und Ursprung verschieden, stehen doch miteinander im Zusammenhange durch eine gewisse Gemeinsamkeit ihres Zweckes und Ähnlichkeit ihrer Grundanschauungen, sind darum sachlich mit jener der Freimaurer eins; diese bilden gleichsam den Mittelpunkt, von wo alle ausgehen, wohin alle zurückkehren. Obschon sie gegenwärtig, wie es den Anschein hat, durchaus nicht mehr die Verborgenheit suchen, ihre Versammlungen vielmehr am hellen Tage und vor aller Augen abhalten, ihre Zeitschriften veröffentlichen, so bewahren sie doch, näher betrachtet, das Wesen und den Charakter geheimer Gesellschaften. Es ist nämlich verschiedenes bei ihnen von Geheimnissen umgeben, welche nicht bloß vor den Fremden, sondern auch vor sehr vielen unter den Mitgliedern selbst nach ihren Gesetzen mit größter Sorgfalt gewahrt werden. Hierher gehören ihre geheimsten und letzten Pläne, die obersten Vorstände der Abteilungen, gewisse verborgene Zusammenkünfte der Abteilungen, gewisse verborgene Zusammenkünfte der am meisten Eingeweihten; dasselbe gilt von ihren Beschlüssen und der Art und Weise, sie zur Ausführung zu bringen. Zu diesem Zwecke gibt es unter den Brüdern eine große Verschiedenheit in den Rechten, Ämtern und Obliegenheiten, bestimmte Abstufung in Graden und eine strenge Disziplin, welche alle unterworfen sind. Die Eintretenden müssen geloben, ja meistens mit einem besondern Eide beschwören, dass sie niemals noch in irgend einer Weise ihre Brüder, Erkennungszeichen, Lehren, verraten wollen. So suchen die Freimaurer unter erlogenem Scheine und in der nämlichen heuchlerischen Weise, wie ehedem die Manichäer, verborgen zu bleiben und niemand anderen zu Zeugen zu haben als die Ihrigen. Unter dem Namen von Freunden der Literatur und der Wissenschaft, die sich zu gelehrten Zwecken vereinigt haben, verstehen sie es trefflich, sich zu verstecken; wenn man sie reden hört, so ist es ihnen zu tun um Förderung höherer Bildung, um Bestrebungen zum Besten des Niederen Volkes; sie haben nichts anderes im Auge, als das Beste des Volkes und die größtmögliche Verbreitung aller staatlichen Wohltaten. Wäre aber auch alles dieses wahr, so ist doch ihre Tätigkeit hierauf allein durchaus nicht beschränkt. Wer immer einmal beigetreten ist, muss außerdem versprechen und dafür einstehen, dass er den Führern und Meistern aufs Wort folgen will in höchsten Gehorsam und in Treue; dass er, bereit auf jeden Wink und jedes Zeichen, das Befohlene ausführen will, dass er im Falle des Ungehorsams auch das Härteste und selbst den Tod dulden will. In der Tat wird die Todesstrafe nicht selten an denen vollzogen, über welche wegen Verrat des Geheimnisses oder Ungehorsam dieselbe ausgesprochen wurde, und zwar so keck und gewandt, dass häufig der Meuchelmörder dem wachsamen Auge der strafenden Gerechtigkeit entrinnt. – Heucheln und im Dunkel verborgen bleiben wollen, andere Sklaven gleich mit den stärksten Banden an sich fesseln, ohne dass diese den Grund hiervon klar erkennen, sie nach fremder Willkür zum Werkzeug jeglichen Frevels gebrauchen, ihnen den Mordstahl in die Hand drücken unter dem Vorwande der Straflosigkeit – das ist eine Ungeheuerlichkeit, die der Natur durchaus widerstreitet. Darum beweisen die gesunde Vernunft und die Natur der Sache selbst, dass die Gesellschaft, von der wir reden, im Widerspruch steht zur Gerechtigkeit und natürlichen Sittlichkeit.

Ihr Fundament ist der Naturalismus

Sie will das Christentum stürzen

10 Eben dieses erhellt noch klarer aus folgenden Gründen. Mögen auch List und Verlogenheit in der Welt noch so groß sein, so muss doch notwendig in den Wirkungen die Natur der Ursache sich offenbaren, aus der jene hervorgegangen sind. Ein guter Baum kann keine bösen Früchte bringen, noch ein böser Baum gute Früchte (10). Es bringt aber die Freimaurersekte verderbliche und sehr bittere Früchte. Denn aus den unbestreitbaren Kennzeichen, von denen oben die Rede war, ergibt sich sichtlich, was das letzte Ziel ist bei allen ihren Plänen: die gesamte religiöse und staatliche Ordnung, nämlich wie sie das Christentum begründet hat, von Grund aus zu stürzen und nach ihrem Gutdünken eine neue zu schaffen auf Grund der Anschauungen und Gesetze des Naturalismus.

11 Was Wir hier sagen und noch sagen werden, ist von der Freimaurersekte im allgemeinen zu verstehen und den ihr verwandten und verbündeten Gesellschaften, nicht aber von den einzelnen Mitgliedern. Deren möge nicht wenige sein, die allerdings nicht ohne Schuld sich mit diesen Gesellschaften eingelassen haben, aber doch weder persönlich an solchen Freveltaten sich beteiligt, noch auch die letzten Ziele derselben kennen. Ebenso billigen vielleicht einige von diesen Gesellschaften durchaus nicht jene äußersten Folgerungen, welche sie, weil in notwendiger Konsequenz aus jenen allgemeinen Grundsätzen sich ergebend, annehmen müssten, wenn nicht die Abscheulichkeit des Verbrechens durch seine Hässlichkeit sie abstoßen würde. Auch finden es manche von ihnen im Hinblick auf die Orts- und Zeitverhältnisse rätlicher, nicht bis zum Äußersten zu gehen, wenngleich sie es wünschten und andere so zu handeln gewöhnt sind; darum gehören sie aber doch dem Freimaurerverbunde an; denn nicht nach den Taten, die er vollbracht, sondern nach seinen wesentlichen Grundsätzen muss er beurteilt werden.
Ihr oberster Grundsatz: Die menschliche Natur ist oberste Richtschnur des Lebens

12 Oberster Grundsatz der Naturalisten, wie dies schon ihr Name besagt, ist der, es müsse die menschliche Natur und die menschliche Vernunft in allem oberste Richtschnur und Lehrerin sein. Hieraus ergibt sich, dass sie um die Pflichten gegen Gott sich nicht sehr kümmern oder sie entstellen durch irrige und wechselnde Meinungen. Sie leugnen nämlich jede göttliche Offenbarung und verwerfen jedwedes religiöses Dogma; nach ihnen gibt es keine Wahrheit, die des Menschen Vernunft überschreitet, keinen Lehrer, der kraft seines Amtes das Recht hätte, Glauben von uns zu fordern. Da es nun aber das besondere Recht der katholischen Kirche ist, da ihr allein zukommt, die von Gott empfangenen Lehren und ihre lehramtliche Autorität samt allen übrigen zum Heile notwendigen Gnadenmittel vollständig zu bewahren und unversehrt zu erhalten, darum gilt ihr ganz besonders der grimmige Kampf der Feinde.

Die Kirche wird von ihr geknebelt

13 Betrachten wir nun das Verfahren der Freimaurersekte in religiösen Fragen, besonders da, wo sie sich freier bewegen kann, so ergibt sich, dass sie die Anschauungen der Naturalisten geradezu verwirklichen zu wollen scheint. Ist sie doch unermüdet uns seit langer Zeit bestrebt, das Lehramt der Kirche und ihre Autorität im Staate zu untergraben, weswegen man öffentlich nicht Angelegentlicheres zu verkünden hat, als die Notwendigkeit einer vollständigen Trennung von Kirche und Staat. Hierdurch hält sie den höchst wohltätigen Einfluss der katholischen Religion von der Gesetzgebung und Verwaltung des Staates ferne und glaubt demgemäss das gesamte Staatswesen ohne jedwede Bezugsnahme auf die Kirche, ihre Institutionen und Lehren, ordnen zu können.

14 Doch es ist ihnen nicht genug, die Kirche, diese beste Führerin, zu verdrängen, sondern sie feinden noch dazu an und schädigen sie. Ungestraft greift man in Rede, Schrift und Lehrvorträgen selbst die Fundamente der katholischen Lehre an; weder die Rechte der katholischen Kirche werden anerkannt, noch die Ämter, die sie von Gott empfangen, und zwar durch Gesetze, die dem Scheine nach weniger gewalttätig, in der Tat aber recht geeignet sind, ihre Freiheit zu hemmen. Der Klerus leidet unter schweren Ausnahmegesetzen, so dass von Tag zu Tag er an Anzahl abnimmt und seine notwendigsten Subsistenzmittel sich verringern; was von dem Kirchengute noch übrig ist, ist durch drückende Maßregeln gebunden der Gewalt und Willkür der staatlichen Verwalter ausgeliefert; die religiösen Genossenschaften sind aufgehoben und zerstreut.

Der römische Papst wird auf das heftigste angegriffen

15 Der Heilige Stuhl aber und der Römische Papst wird seit langem aufs heftigste bekämpft. Zuerst hat man ihn unter falschen Vorwänden seiner weltlichen Herrschaft beraubt, die ein Hort seines Rechtes uns seiner Freiheit war; bald hierauf hat man ihn in eine harte Lage versetzt, durch Schwierigkeiten aller Art in unerträglicher Weise bedrängt, bis man da ankam, wo wir jetzt stehen, und die Sektenhäupter, was sie vordem lange im Verborgenen geplant hatten, nun offen aussprechen, es müsste die heilige Gewalt der Päpste vernichtet und das kraft des göttlichen Rechtes eingesetzte Papsttum selbst von Grund aus zerstört werden. Hätten wir auch sonst keine Beweise für diese Absichten, so bezeugen dies jene, welche in die Sekte eingeweiht sind, von denen sehr viele früher schon und auch in neuester Zeit dies als den wahren Plan der Maurer erklärten, die katholische Kirche auf äußerste zu bekämpfen, und nicht zu ruhen, bis sie alles ausgerottet hätten, was immer die Päpste zum Besten der Religion gegründet haben.

Die Religion wird in das Belieben des einzelnen gestellt

16 Zwar werden jene, welche in der Sekte Aufnahme finden, keineswegs mit ausdrücklichen Worten gezwungen, ihrem katholischen Glauben abzuschwören; doch dies widerspricht keineswegs den Plänen der Mauerer, sondern ist vielmehr ihnen dienlich. Denn vorerst täuschen sie leicht durch solches Verfahren die Unbefangenen und Unbehutsamen und locken noch mehrere andern an. Indem sie sodann Bekenner jeder Religion ohne Unterschied aufnehmen, tragen sie tatsächlich viel dazu bei, den Hauptirrtum unserer Zeit zu verbreiten, die Religion sei den Belieben des Einzelnen anheimgestellt, und es gebe keinen Unterschied unter den verschiedenen Religionsformen. Eine solche Anschauung führt geradezu zum Untergange jedweder Religion, besonders aber der katholischen, welche, da sie unter allen übrigen die allein wahre ist, ohne höchstes Anrecht nicht den andren gleichgestellt werden kann.

Selbst natürliche Wahrheiten werden von ihr preisgegeben

17 Doch die Naturalisten bleiben hierbei nicht stehen. Da sie in den höchsten Fragen unbesonnen einen falschen Weg eingeschlagen haben, so gelangen sie in raschem Fortgange zum Äußersten, sei es in Folge der Schwäche der menschlichen Natur, sei es nach Gottes Gericht, das über ihren Stolz gerechte Strafe verhängt. So kommt es denn, dass auch das für sie ungewiss und zweifelhaft wird, was der Mensch in dem natürlichen Licht seiner Vernunft erkennt, wie das Dasein Gottes, die Immaterialität, Geistigkeit und Unsterblichkeit der Seele. – Auch die Sekte der Freimaurer scheitert auf ihrer Irrfahrt an demselben Klippen. Denn wenn sie auch im allgemeinen das Dasein Gottes annehmen, so legen sie doch selbst dafür Zeugnis ab, dass ihr Geist hierfür keine feste und unerschütterliche Gewissheit hat. Denn sie selbst gestehen, dass gerade diese Frage über das Dasein Gottes bei ihnen ganz besonders Grund und Anlass zu Uneinigkeiten ist; ja es ist bekannt, dass vor nicht langer Zeit über diese Frage heftig unter ihnen gestritten wurde. In der Tat gestattet die Sekte in diesem Punkte den Brüdern große Freiheit: dass es einen Gott gebe oder nicht, mag ein jeder nach Belieben behaupten. Jene, welche unverhohlen behaupten, es gebe keinen Gott, werden ebenso leicht aufgenommen, als die anderen, welche zwar das Dasein Gottes zugeben, aber eine falsche Vorstellung von ihm haben, wie die Pantheisten ihn sich denken. Es heißt dies, von Gott einen gewissen widerspruchsvollen Schein noch beizubehalten, in Wahrheit aber ihn leugnen.

18 Ist dieses stärkste Fundament zerstört und gefallen, so muss folgerichtig auch alles Übrige wanken, was wir schon von Natur aus belehrt erkennen, nämlich die Erschaffung aller Dinge durch Gottes freien Willen, die allwaltende Weltregierung, die Unsterblichkeit der Seelen, das ewige Leben, welches dermaleinst auf diese irdische Dasein folgen wird.

Die natürliche Sittlichkeit gerät ins Schwanken; religionslose Erziehung

19 Sind nun aber diese Fundamentwahrheiten verloren gegangen, welche uns von Natur aus gegeben sind als die obersten Grundsätze für Erkennen und Leben, so erhellet leichthin, welcher Art die Sitten sind im öffentlichen wie im Privatleben. – Jene höheren Tugenden, welche ohne Gottes besondere Gnade und Beistand niemand erlangen noch üben kann, wollen Wir mit Stillschweigen übergehen; von diesen kann dort wahrhaftig keine Spur sein, wo man die Erlösung des Menschengeschlechtes, die himmlische Gnade, die Sakramente und die dereinstige Seligkeit im Jenseits nicht kennt und zurückweist. – Wir wollen nur reden von den Pflichten der natürlichen Sittlichkeit. Gott der Weltschöpfer und ihr weiser Regierer; das ewige Gesetz, welches gebietet, die Ordnung der Natur zu wahren, verbietet, sie zu stören; das letzte Ziel des Menschen, das jenseits liegt über allem Irdischen und Vergänglichen – das sind die Quellen und obersten Grundsätze alles Rechtes und aller Sitte.

Werden diese geleugnet, wie es von Seite der Naturalisten und Freimaurer geschieht, so gibt es alsbald für die Erkenntnis von Recht und Unrecht keinen festen und unangreifbaren Haltpunkt mehr. In der Tat, die sittliche Erziehung, welche die Sekte der Freimaurer allein noch gutheißt und billigt, in der die Jugend herangebildet werden soll, ist die sogenannte rein weltliche, unabhängige und freie, d. h. alles Einflusses der Religion bare. Wie dürftig aber eine solche ist, wie kraftlos, wie schwankend bei jedem Hauch der Leidenschaften, das haben ihre bereits offenbaren und beklagenswerten Früchte hinlänglich dargetan. Denn wo immer jene ungehindert sich geltend machte, und die christliche Erziehung weichen musste, da schwanden alsbald die guten und reinen Sitten, Ungeheuerliches wurde behauptet, Verwegenheit und Missetat nahmen raschen Schrittes zu. Allgemein beklagt und bedauert man dieses, ja selbst nicht wenige von denen, die es am wenigsten gestehen möchten, legen im Angesicht der Tatsachen hierfür Zeugnis ab.

Sie leugnet die Erbsünde und die Pflicht zur Selbstzucht

20 Da außerdem die menschliche Natur, von der Erbsünde befleckt, eben darum vielmehr zum Laster hinneigt als zur Tugend, so fordert ein sittliches Leben vor allem dieses, dass wir die niederen Triebe bezwingen und die Begierden der Vernunft unterwerfen. In diesem Kampfe heißt es nicht selten, das Irdische verschmähen und die größten Anstrengungen und Beschwerden nicht scheuen, damit die Vernunft die ihr gebührende Herrschaft bewahre. Da nun aber die Naturalisten und Mauerer der göttlichen Offenbarung nicht glauben, so leugnen sie auch den Sündenfall der Stammeltern, leugnen, dass „Die Willensfreiheit geschwächt und geneigt sei“10. Sie übertreiben vielmehr die Kraft und Vortrefflichkeit der menschlichen Natur, erkennen in ihr allein den Grund und Maß aller Gerechtigkeit und denken gar nicht daran, dass es zur Bezwingung der niederen Triebe und Regelung der Begierden steten, nie ermüdenden Kampf kostet.

Wir sehen daher, wie man überall in der Öffentlichkeit so viele Reizmittel zum Bösen anbietet: Zeitschriften und Erzählungen ohne jedwede Scham noch Scheu, Schauspiele, die sich hervortun durch Zügellosigkeit, eine Kunst, welche einem falschen sogenannten Realismus ihre Motive entnimmt, einen übertriebenen, verweichlichenden Luxus, kurz alles, was dazu dient, die Leidenschaften zu erregen und die Tugend einzuschläfern und zu entnerven. Wohl ist solches ein schmähliches Beginnen; aber folgerichtig handeln diese, da sie keine Hoffnung auf himmlische Güter mehr haben, ihr ganzes Glück in diesen vergänglichen Gütern suchen und im Irdischen gewissermaßen untergehen. Was Wir gesagt haben, wird bestätigt durch eine Tatsache, die an sich nicht überrascht, sondern nur dadurch, dass man es wagt, sie auszusprechen. Da nämlich schlauen und verschlagenen Menschen niemand sklavischer zu gehorchen pflegt, als jene, welche die Leidenschaft entnervt und gebrochen hat, so haben sich in der Freimaurersekte Leute gefunden, die öffentlich den Vorschlag machten, planmäßig und mit Bedacht dahin zu wirken, um eine grenzenlose Zügellosigkeit in allen Lastern unter der Menge zu verbreiten; denn dadurch würde sie ihnen ganz zu eigen und willenlos bereit sein zu jedem Frevel.

Sie treten für die Zivilehe und Ehescheidung ein; der Geistliche soll aus der Schule ausgeschlossen werden

21 Was die häusliche Gesellschaft betrifft, so lässt sich die Lehre der Naturalisten in Folgendem ungefähr kurz zusammenfassen. Die Ehe ist nach ihnen ein Vertrag und kann nach dem Willen jener, die ihn eingegangen, wieder rechtlich gelöst werden; auch in Bezug auf das Band ist sie der bürgerlichen Gewalt unterstellt. Bezüglich der Erziehung gilt als fester und unbestrittener Grundsatz, dass in keinem bestimmten Religionsbekenntnis Unterricht erteilt werden soll; einem jeden soll es unbenommen bleiben, in reiferen Jahren nach Gutdünken zu wählen. Dies ist auch die Meinung der Mauerer; sie stimmen ihr nicht bloß zu, sondern suchen sie auch im Leben geltend zu machen. In vielen, selbst katholischen Gegenden ist gesetzlich verordnet, dass eine Ehe ohne bürgerlichen Erlass als eine rechtswidrige nicht anerkannt wird; an anderen Orten ist die Ehescheidung erlaubt, und wieder an anderen gibt man sich Mühe, die Erlaubtheit zu erwirken. So kommt es allmählich dahin, dass das Wesen der Ehe ein gänzlich anderes wird, das heißt eine wandelbare und flüchtige Verbindung, welche die Leidenschaft bald schließt und bald wieder trennt.

Darin aber sind die Freimaurer alle in höchster Weise einig, dass sie darnach streben, den Jugendunterricht an sich zu reißen. Dem weichen und schmiegsamen Alter gedenken sie leicht die ihnen beliebige Richtung geben zu können; und sie halten dies für den besten Weg, Bürger der Zukunft in ihrem Sinne zu gewinnen. Darum wollen sie in Erziehung und Unterricht der Jugend den Dienern der Kirche zum Zwecke der Lehre und Aufsicht keine Mitwirkung gestatten, und an vielen Orten haben sie es bereits dahin gebracht, dass der gesamte Jugendunterricht von Laien gegeben wird, und die großen und hochheiligen Pflichten, welche den Menschen mit Gott verbinden, auf die sittliche Bildung keinen Einfluss mehr haben.

Jeder habe dasselbe Recht und die Gewalt stamme vom Volke

22 Auf dem Gebiete des Staatslebens gilt es den Naturalisten als Grundsatz, es hätten alle Menschen dasselbe Recht und sie seien nach jeder Beziehung hin vollkommen einander gleich; ein jeder ist nach ihnen von Natur aus frei, keiner hat ein Recht, dem andern zu gebieten; Gehorsam fordern einer Autorität gegenüber, die nicht von ihnen ausgegangen, das, sagen sie, heiße so viel, als einem Gewalt antun. Alles ruht nach ihnen auf dem freien Volke; die Regierung habe ihre Gewalt im Auftrage oder in Übereinstimmung mit dem Volke, so dass, wenn dieses seine Meinung ändert, es die Fürsten auch gegen ihren Willen ihrer Gewalt entsetzen kann. Die Quelle aller Rechte und Pflichten der Bürger sei entweder die Menge oder die Regierung, insofern sie die neuesten Theorien aufgenommen hat. Außerdem fordern sie einen Staat ohne Gott; keine der verschiedenen Religionsformen sei berechtigt, dass man sie der andern vorziehe, es hätten vielmehr alle gleiche Bedeutung.

23 Dass aber die Maurer solche Grundsätze sich aneignen, und von ihnen geleitet die Verfassung der Staaten umgestaltet wollen, ist so offenkundig, dass es keines Beweises bedarf. Denn schon längst setzen sie bekanntermaßen alles daran, und bieten alle Mittel hiefür auf; eben dadurch bahnen sie aber auch jenen zahlreichen tollkühnen Menschen den Weg, noch weiter fortzuschreiten und in Aufhebung alles Stände und Vermögensunterschiedes im Staate Gleichheit und Gemeinschaft aller Güter zu verkünden.

Die Gefahren der Freimaurerei

Sie will die Wohltaten Christi vernichten

24 So geht denn aus dem, was wir in festen Grundzügen dargelegt haben, zur Genüge hervor, was die Freimaurersekte ist und welches ihre Bestrebungen sind. So sehr und so offenkundig stehen ihre wichtigsten Lehrsätze mit der Vernunft in Widerspruch, dass ein größerer kaum gedacht werden kann. Denn die Religion und Kirche zerstören wollen, die Gott gegründet und auf immer schirmt, das Heidentum mit seinen Sitten und Gebräuchen nach achtzehnjahrhundert Jahren wieder zurückführen wollen, das ist doch ein Beweis von ganz außerordentlicher Torheit und gottlosem Frevel. Aber auch das ist ebenso erschrecklich und unerträglich, dass man die Wohltaten von sich weist, die Jesus Christus nicht bloß den Einzelnen, sondern auch der häuslichen Gesellschaft sowohl wie der staatlichen durch seine Gnade erwiesen hat, deren Größe selbst von den Feinden bezeugt und anerkannt wird. In solchen wahnwitzigen und finsteren Bestrebungen scheint sich gewissermaßen zu offenbaren des Satans unaustilgbarer Hass und Rachedurst gegen Jesus Christus.

Sie bereitet dem Menschengeschlechte den Untergang

Und wenn die Mauerer eifrigst darnach trachten, die Fundamente zu zerstören, auf denen alle Gerechtigkeit und Sittlichkeit ruht, und sich auf die Seite jener zu stellen, die jede tierische Luft für erlaubt erklären möchten, so ist dies nichts anderes, als dem Menschengeschlecht den Untergang in Schmach und Schande bereiten.

Sie ist eine Gefahr für die Familie

Noch mehr Gefahren bringen ihre Pläne gegen die häusliche und bürgerliche Gesellschaft. Wie Wir nämlich früher schon auseinandergesetzt haben, hat die Ehe nach dem übereinstimmenden Zeugnisse aller Völker und Zeiten eine heilige und religiöse Weihe, und es verbietet das göttliche Gesetz, den Ehebund zu zerreißen. Wenn aber die Ehe ihren heiligen Charakter verliert, wenn Ehescheidung erlaubt ist, dann tritt eine Störung ein in der Familie und Verwirrung, dann verliert das Weib seine Würde, den Kindern ist weder ihr Vermögen noch die Zukunft überhaupt mehr gesichert.

Sie unterwühlt den Staat

Ein Staat ohne Gott ist ein Frevel

Die Religion aber aus dem öffentlichen Leben gänzlich verbannen, und in der bürgerlichen Gesetzgebung und Regierung ganz von Gott absehen, gleichsam als gebe es keinen Gott, das ist ein selbst den Heiden unerhörter Frevel; denn diese hatten eine so tiefe und feste Überzeugung nicht bloß von den Göttern, sondern auch von der Notwendigkeit einer öffentlichen Religionsausübung, dass sie sich eher eine Stadt ohne Fundamente als ohne Gott vorstellen konnten. In der Tat, die menschliche Gesellschaft, für welche wir von Natur aus bestimmt sind, ist von Gott, dem Urheber der Natur, ausgegangen; er ist Quelle und Grund all´ der zahllosen Güter, die wir immerdar durch sie empfangen. Wie darum dem Drange der Natur gemäß jeder Einzelne Gott eine religiöse Verehrung erweist, von dem er das Leben und alles Gute, was er zugleich mit diesem empfing, erhalten hat, ebenso verhält es sich mit den Völkern und Staaten. Wer darum die bürgerliche Gesellschaft jeder religiösen Pflicht entbindet, der handelt nicht bloß ungerecht, sondern auch töricht und ungereimt.

Der rechtmäßige Träger der Gewalt ist ein Diener Gottes

25 Da nun aber der Mensch nach Gottes Willen von Natur aus für das Zusammenleben in der bürgerlichen Gesellschaft bestimmt ist, die politische Gewalt aber das Band bildet, ohne das diese augenblicklich auseinander fällt, so geht die obrigkeitliche Gewalt notwendig auch von dem aus, der die Gesellschaft selbst gegründet hat. Weithin ist der Träger dieser Gewalt, wer immer er auch sein mag, Gottes Diener. So liegt es im Zweck und Wesen der bürgerlichen Gewalt, dass sie der rechtmäßigen Gewalt, wenn sie Gerechtes befiehlt, Gehorsam leisten gerade so wie Gott, dessen Vorsehung alles leitet, und es ist durchaus irrig, dass dem Volke es freistehe, den Gehorsam nach Belieben zu verweigern.

Die behauptete Gleichheit ist der Ruin des Staates

26 Was die Behauptung einer allgemeinen Gleichheit unter den Menschen angeht, so ist diese Behauptung vollständig wahr, wenn wir unser Geschlecht und unsere gemeinsame Natur, das letzte Ziel, nach dem alle streben sollen, sowie die Rechte und Pflichten betrachten, die hieraus fließen. Da aber die natürlichen Fähigkeiten aller nicht gleich sein können, einer von dem andern sich unterscheidet an Geistes- und Leibeskraft, und die Sitten, Bestrebungen und Naturelle gar verschieden sind, so widerstreitet nichts so sehr der Vernunft, als alle ohne Unterschied in einem abstrakten Begriff zusammenzufassen und nach dieser unbedingten Gleichheitstheorie ein Staatswesen begründen zu wollen. Wie der vollkommene Leib aus der organischen Verbindung der verschiedenen Glieder besteht, welche nach Gestalt und Tätigkeit von einander abweichen, im ganzen aber und ein jedes an seiner Stelle die menschliche Gestalt bilden, schön in ihrer Erscheinung, stark an Kraft, deren Tätigkeit notwendig ist, so bilden im Gemeinwesen die einzelnen Teile eine fast unendliche Verschiedenheit. Würden diese sich alle gleich dünken, und ein jeder seiner Willkür folgen, dann würde sich uns ein Staat darstellen, wie er unförmlicher nicht gedacht werden könnte; wenn aber die verschiedenen Ämter, Berufsklassen und Bestrebungen harmonisch zum allgemeinen Besten zusammenwirken, dann tritt das Bild eines gesunden und der Natur entsprechenden Staatswesens vor uns hin.

Die Ideen der Freimaurerei ist den Ideen der Kommunisten günstig

27 Es lassen Uns übrigens diese soeben erwähnten revolutionären Irrlehren das Schlimmste für den Staat befürchten. Wo die Furcht vor Gott geschwunden und die Ehrfurcht vor seinem heiligen Gesetze, die Autorität der Fürsten verachtet, der Aufruhr erlaubt und gutgeheißen, den Begierden der Menge volle Zügellosigkeit gestattet wird und nur die Furcht vor der Strafe noch zurückhält, da muss ein allgemeiner Umsturz erfolgen. Das ist es aber auch, was sehr viele von den Sozialisten und Kommunisten wollen und offen bekennen. Und es kann die Freimaurersekte nicht leugnen, mit diesen gemeinsame Sache zu machen; denn sie ist deren Plänen nur allzu sehr günstig und unterscheidet sich in ihren wichtigsten Grundsätzen nicht von ihnen. Wenn sie auch nicht alsbald und überall das Äußerste wagt, so ist die Ursache hiervon weder ihre Lehre noch ihr guter Wille, sondern die Kraft der göttlichen unvertilgbaren Religion, sowie der bessere Teil der Bevölkerung, welcher sich nicht in den Dienst der geheimen Gesellschaften gestellt hat, vielmehr starkmütig ihre Bestrebungen bekämpft.

Sie umschmeichelt und betört Fürsten und Völker

28 Möchten doch alle den Baum an seinen Früchten erkennen, und darauf Acht haben, wo der Ursprung und Ausgang der Übel ist, unter denen wir leiden, der Gefahren, die uns bedrohen! Wir haben es mit einem listigen und verschlagenen Feinde zu tun, der Fürsten und Völkern schmeichelt, und beide durch süße und einnehmende Reden fängt. Unter dem Scheine von Freundschaft schmeicheln sich die Freimaurer ein bei den Fürsten, um in ihnen mächtige Genossen und Gehilfen in ihrem Kampfe gegen die katholische Kirche zu gewinnen; um sie noch mehr aufzustacheln, klagen sie verleumderisch immerfort dieselbe an, als wolle sie die Kronrechte der Fürsten antasten. Durch derlei Künste sicher und keck geworden, haben sie auf die Staatsregierung einen großen Einfluss gewonnen, wobei sie es jedoch sich nicht nehmen lassen, die Fundamente der Staaten zu erschüttern und die Fürsten zu befehden, sie anzuklagen, aus dem Lande zu jagen, so oft diese in ihrer Regierung nicht nach ihren Weisungen sich richten. – In ähnlicher Weise haben sie mit dem Volke ihr Spiel getrieben. Ihr Mund ist voll von Freiheit und Volksbeglückung; der Kirche und der Fürsten Schuld sei es gewesen, sagen sie, dass das Volk noch nicht die ihm gebührende Freiheit und allgemeinen Wohlstand erlangt habe. So täuschen sie es, machen in ihm rege das Verlangen nach Neuerungen und regen es auf zum Kampfe gegen die geistliche und weltliche Obrigkeit. Doch alle diese gehofften Vorteile werden nur versprochen, nicht in Wirklichkeit ihm zu Teil; es leidet vielmehr das Volk unter einem viel härteren Drucke, und hat dabei zum großen teile nicht jenen Trost, welcher in der christlichen Gesellschaftsordnung ihm so leicht und so reichlich zu Gebote steht. Das ist eben die Strafe des Stolzes, der sich gegen die von Gottes Vorsehung gewollte Ordnung auflehnt, dass er nur Elend und Ruin findet gerade dort, wo er unbedachtsam alles nur erwünschte Glück erhofft hatte.

Heilmittel gegen die Freimaurerei

Im allgemeinen: Eintracht zwischen Staat und Kirche

29 Wenn aber die Kirche gebietet, man müsse vor allem und in ganz besonderer Weise Gott gehorchen, der da über alles herrscht, so würde man sehr mit Unrecht darum ihr den Vorwurf machen, als missgönne sie den Fürsten ihre Gewalt, oder als wolle sie diese in irgend welcher Weise sich anmaßen. Gerade im Gegenteil gebieten sie, dass nämlich die Untertanen den schuldigen Gehorsam der bürgerlichen Gewalt gegenüber aus vollem und wohlbewusstem Pflichtgefühle leisten. Dadurch aber, dass sie den Ursprung der Gewalt in Gott erkennt, empfängt diese eine höhere Würde, und trägt dies nicht wenig dazu bei, ihr Ehrfurcht und Liebe bei den Bürgern zu gewinnen. Sie ist es, die den Frieden liebt, die Eintracht nährt und alle in mütterlicher Liebe umfasst; nur auf das Wohl aller bedacht, lehrt sie die Gerechtigkeit mit Milde, die Gewalt mit Billigkeit, die Gesetze mit Mäßigung zu verbinden, niemanden in seinem Recht zu verletzen, die staatliche Ordnung und den öffentlichen Frieden zu fördern, der Armut und Not so viele als möglich durch öffentliche und Privatwohltätigkeit zu steuern. „Aber darum“, um mit den Worten des heiligen Augustinus zu sprechen, „glauben solche oder wollen glauben machen, die christliche Lehre bringe dem Gemeinwesen keinen Nutzen, weil sie dieses nicht auf den festen Grund der Tugenden, sondern auf die Straflosigkeit der Laster zu bauen suchen“ (11). Nach alldem würde die wahre Staatsklugheit sowie die allgemeine Wohlfahrt viel eher fordern, dass Fürsten und Völker mit der Kirche zusammengingen, um die Angriffe der Mauerer zu bekämpfen, statt mit diesen zum Sturze der Kirche gemeinsame Sache zu machen.

30 Wie es nun auch kommen mag, Unsere Pflicht ist es, Ehrwürdige Brüder, gegen dieses so schwere und bereits weitverbreitete Übel auf Heilmittel zu sinnen. – In der christlichen Tugend besitzen wir die beste und stärkste Hoffnung auf Rettung; darum hassen sie die Maurer ebenso sehr, wie sie dieselbe fürchten. Und darum erachten Wir es als Unsere erste Aufgabe, diese zur Hilfe zu rufen im Kampfe gegen den gemeinsamen Feind. Was immer darum die Römischen Päpste, Unsere Vorfahren, verordnet haben gegen die Pläne und Anschläge der Freimaurersekte, was sie immer an Bestimmungen getroffen, um vor dem Eintritte in dieselbe abzuschrecken oder zum Austritte aus derselben zu bewegen, alles das bestätigen und bekräftigen Wir durch Unsere Apostolische Autorität. Wir vertrauen hierbei auf den guten Willen der Christgläubigen, bitten und beschwören einen jeden aus ihnen beim Heile seiner Seele, dass er gewissenhaft bewahre und auch nicht im geringsten abweiche von dem , was der Apostolische Stuhl in dieser Beziehung festgesetzt hat.

Heilmittel im besonderen

Belehrung über das Wesen der Freimaurerei

31 Euch aber, Ehrwürdige Brüder, bitten Wir dringend, Euere eifrigen Bestrebungen mit den Unserigen zu vereinigen, um diese unreine Seuche auszurotten, welche alle Adern der Gesellschaft durchdringt. Gottes Ehre gilt es und der Nächsten Seelenheil; wer dies bedenkt, dem wird es nicht an Mut, nicht an Unerschrockenheit im Kampfe fehlen. Euere Klugheit wird Euch die Mittel und Wege an die Hand geben, durch welche Ihr, was Euch entgegensteht und widerstrebt, zu bekämpfen habt. – Und da es der Würde Unseres Amtes entspricht, dass Wir Unsererseits Euch empfehlen, wie in dieser Angelegenheit vorgegangen werden soll, so gehet aus von der Überzeugung, dass vor allem den Maurern die Larve heruntergenommen und sie in ihrer wahren Gestalt gezeigt werden müssen. Die Völker müssen belehrt werden durch mündlichen Unterricht und in Hirtenbriefen über die Kunstgriffe derartiger Gesellschaften, um die Leute zu täuschen und an sich zu locken; es muss das Verderbliche ihrer Lehren, das Schändliche in ihrem Treiben aufgedeckt werden. Niemand darf, wie es Unsere Vorfahren oftmals bestimmt haben, aus welchem Grund immer es sei, in die Sekte der Maurer eintreten, wenn ihm sein katholisches Bekenntnis und sein Seelenheil so, wie es die Pflicht fordert, am Herzen liegt. Möge niemand von einer zur Schau getragenen Sittlichkeit sich täuschen lassen, wenn es ihm auch dünken möchte, als ob diese Sekte nichts verlange, was der Religion und der christlichen Sitte widerstreitet. Die Sekte ist eben ihrem ganzen Wesen und ihrer innersten Natur nach Sünde und Schande; darum ist es nicht erlaubt, ihr beizutreten und in irgend einer Weise behilflich zu sein.

Belehrung über die Grundwahrheiten des Christentums

32 Sodann muss durch fortgesetzten Unterricht und Mahnung das christliche Volk mehr und mehr dahin gebracht werden, dass es die Geheimnisse der Religion fleißig lernt, Zu diesem Zweck können Wir nur raten, in Schriften und Zweckentsprechenden Predigten die wesentlichen Lehren unserer heiligen Religion dazulegen, welche die Weisheit des Christentums enthalten. Das hat den Vorteil, dass bei der gegenwärtigen Zügellosigkeit im Schreiben und der unersättlichen Lernbegierde der Geister diese durch den Unterricht geheilt und gegen die mannigfach gestalteten Irrtümer und die verschiedenen Anreizungen zum Laster geschirmt werden.

33 In der Tat, ein großes werk. Doch wird Euer Klerus, wenn er durch Euere Bemühungen eine tüchtige asketische und wissenschaftliche Bildung empfangen hat, hilfreich und mit vereinten Kräften Euch hierbei zur Seite stehen. Doch eine so große und edle Sache fordert auch die emsige Mitwirkung von Laien, in denen mit der Liebe zur Religion und zum Vaterlande sittlicher Charakter und Wissenschaft sich verbinden. Indem so aus beiden Ständen die besten Kräfte zusammenwirken, Ehrwürdige Brüder, möget Ihr dahin streben, dass die Kirche in ihrem wahren Wesen von den Menschen immer besser erkannt und hochgehalten wird; denn je mehr sie dieselbe erkennen und lieben, desto mehr werden sie die geheimen Gesellschaften verabscheuen und fliehen.

34 Aus diesem Grunde ergreifen Wir hier die Gelegenheit, um wiederholt darauf hinzuweisen, wie notwendig es ist, den dritten Orden des heiligen Franziskus, dessen Regel Wir erst jüngst mit umsichtiger Lindigkeit gemildert haben, eifrigst zu verbreiten und zu beschützen. Seht ja doch dem Willen seines Stifters dessen Bedeutung ganz darin auf, dass er das Geschlecht aufrufen will zur Nachfolge Jesu Christi, zur Liebe seiner heiligen Kirche, zur treuen Erfüllung aller Christenpflichten; darum ist er eine starke Macht gegenüber der Pest verwerflicher Gesellschaften. Möge diese heilige Genossenschaft von Tag zu Tag neue Mitglieder gewinnen; viele Früchte wird sie bringen, und als das Beste dieses, dass die Gemüter zur wahren Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit sich erheben; freilich nicht zu jener, wie sie die Maurer töricht träumen, sondern wie sie Jesus Christus uns gebracht und der heilige Franziskus in seinem Leben dargestellt hat. Der Freiheit nämlich der Kinder Gottes, dass wir weder dem Satan dienen, noch in die harte Knechtschaft der Begierden fallen, der Brüderlichkeit, die von Gott, dem gemeinsamen Vater und Schöpfer ausgeht, der Gleichheit, die auf dem festen Grunde der Gerechtigkeit und Liebe ruhend die Unterschiede in der Gesellschaft nicht aufhebt, aber bei aller Verschiedenheit der Lebensweise, Stände und Berufsarten jene herrliche Übereinstimmung und Harmonie bildet, welche ihre Natur nach dem Gemeinwesen Wohl und Würde bringt.

Sammlung der katholischen Arbeiter und Handwerker

35 An dritter Stelle weisen Wir auf eine zweckmäßige Einrichtung der Vorzeit hin, die im Laufe der Jahre zwar verfiel, aber als Muster für ähnliche Unternehmungen in der Gegenwart dienen kann. – Wir meinen die Zünfte und Innungen der Handwerker, gegründet unter religiöser Leitung zum Schutze der Habe wie der Sitten. Ihren Nutzen hatten unsere Vorfahren aus langer Erfahrung wohl erprobt; unsere Zeit wird ihn noch mehr erkennen, weil sie ganz besonders dazu angetan sind, den Versuchungen der geheimen Sekten zu begegnen. Denn die Handarbeiter, die nur kümmerlich mit ihrem Lohne ihr Leben fristen, verdienen eben darum schon unsere Liebe und tröstliche Teilnahme; deswegen sind sie aber auch am meisten der Arglist und Verführung der überall verbreiteten geheimen Gesellschaften preisgegeben. Mit der größeren Liebe müssen wir ihnen daher entgegenkommen und sie in ehrbaren Vereinen sammeln, damit sie nicht in verderbliche geraten. Darum ist es Unser dringender Wunsch, es möchten unter der Obhut und Leitung der Bischöfe dieser Innungen in zeitgemäßer Weise zum Besten des Volkes wieder hergestellt werden. Und es gereicht Uns zu nicht geringer Befriedigung, dass an mehreren Orten schon solche Verbrüderungen sich gebildet haben und Vereine von Schutzmitgliedern entstanden sind, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den ehrbaren ärmeren Volksklassen beizuspringen, ihre Familien und Kinder zu schirmen und zu schützen und den religiösen Unterricht, Frömmigkeit und Sittlichkeit unter ihnen zu fördern. – In dieser Beziehung können Wir jenen so musterhaft dastehenden, um das ärmere Volk hochverdienten Verein vom heiligen Vinzentius von Paul nicht mit Stillschweigen übergehen. Was er wirkt, was er will, ist männiglich bekannt; seine ganze Aufgabe besteht darin, die Dürftigen und Bedrängten aus eigenem Antrieb aufzusuchen, und zwar mit wunderbarer Freudigkeit und Anspruchslosigkeit. Je weniger er in die Öffentlichkeit treten will, desto wirksamer ist er in der Übung christlicher Liebe und desto zweckmäßiger zur Linderung der Not.

Sorge für die heranwachsende Jugend

36 Zum vierten empfehlen Wir, um desto eher zu dem erwünschten Ziele zu gelangen, in ganz besonderer Weise die heranwachsende Jugend Euerer treuen Obhut; denn sie ist die Hoffnung unseres Geschlechtes. – Vor allem richtet Euer Augenmerk auf deren Unterricht, und seid überzeugt, dass Ihr nie Sorge genug tragen könnt, damit sie vor Schulen und Lehrern bewahrt bleibt, die von dem Pesthauch der Sekten angesteckt sind. Die Eltern, Lehrer, Seelsorger sollen bei dem Religionsunterricht nach Eurer Anweisung eifrigst bei gegebener Gelegenheit ihre Kinder und Schüler über das wahre Wesen dieser Sekten aufklären, damit sie jetzt schon lernen, sich vor den mannigfachen Listen und Schlichen zu hüten, wodurch jene, welche auf ihre Ausbreitung bedacht sind, die Arglosen in ihre Netze zu ziehen pflegen. Ja, jene, welche die Kinder zum Empfange der heiligen Sakramente vorbereiten, werden gut tun, wenn sie ein jedes von ihnen dazu bewegen, dass es den festen Vorsatz fasst, ohne Vorwissen seiner Eltern oder ohne den Rat seines Seelsorgers oder Beichtvaters niemals in eine Gesellschaft einzutreten.

Einmütigkeit im Gebet

37 Doch Wir wissen nur zu gut, auch unsere gemeinsamen Bemühungen sind unzureichend, um den Giftsamen auf dem Acker des Herrn zu vertilgen, wenn nicht der himmlische Herr des Weinberges unserem Unternehmen mit seiner Gnade beisteht. – Darum müssen wir um so eifriger und inständiger um seine Hilfe und Beistand flehen, je drohender die Gefahr und je größer die Not ist. Durch ihren Erfolg übermütig geworden, erhebt die Sekte der Freimaurer keck ihr Haupt und scheint in ihren frechen Forderungen kein Maß mehr zu kennen. Alle durch den gottlosen Bund und gemeinsame Geheimpläne verschworenen Brüder der Sekte leisten sich gegenseitig Beistand und reizen einander auf zu verwegenen Freveltaten. Ein so heftiger Angriff fordert eine gleich starke Verteidigung; alle rechtschaffenen Männer müssen in eine große Gebets- und Arbeitsgemeinschaft zusammentreten. Einmütigen Herzens, das fordern Wir von ihnen, sollen sie sich zusammenscharen und Feinde gegenüber unerschüttert feststehen, viel zu Gott rufen und flehend die Hände zu ihm zu erheben, um von ihm zu erlangen, dass die christliche Religion blühe und gedeihe, die Kirche ihre notwendige Freiheit erhalte, die Abtrünnigen wieder zur rechten Lehre zurückkehren, der Irrtum der Wahrheit, das Laster der Tugend das Feld räume. – Nehmen wir unsere Zuflucht zu der Jungfrau und Gottesmutter Maria, dass sie uns helfe und für uns fürspreche; sie, die durch ihre unbefleckte Empfängnis den Satan selbst überwunden, möge besiegen die verwerflichen Sekten, in denen, wie wir sehen, jene bösen Geister, die gegen Gott sich empört haben, in ihrer ganzen Treulosigkeit und Heuchelei wieder aufleben. – Bitten wir inständig den heiligen Michael, den Fürsten der himmlischen Scharen, der den höllischen Feind gestürzt hat, den heiligen Joseph, den Bräutigam der Allerseligsten Jungfrau und mächtiger Beschützer der Kirche im Himmel, die großen Apostel Petrus und Paulus, die Begründer und unbesiegbaren Beschirmer des christlichen Glaubens. Im Vertrauen auf solchen Schutz und in gemeinschaftlichem und beharrlichem Gebete trösten wir uns, dass Gott unserem so sehr bedrohten Geschlechte zur rechten Zeit in seiner Barmherzigkeit Hilfe bringen wird.

38 Als Unterpfand himmlischer Gnaden und zum Zeugnis Unseres Wohlwollens erteilen Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, dem Klerus und dem gesamten Euerer Obsorge anvertrauten Volke von ganzem Herzen den Apostolischen Segen im Herrn.

Gegeben zu Rom beim Heiligen Petrus, den 20. April des Jahres 1884, des siebenten Jahres Unseres Pontifikates.

Papst Leo XIII.


Anmerkungen

(1) Von der Stadt Gottes XIV, 17.

(2) Ps. 83, 3-5.

(3) Konst. „In eminenti“ 21. April 1788.

(4) Konst. „Providas“ 18. Mai 1751.

(5) Konst. „Ecclesiam a Jesu Christo“ 23. Sept. 1821.

(6) Konst. v. 13. März 1825.

(7) Enzykl. „Traditi“ 21. Mai 1829.

(8) Enzykl. “Mirari” 15. Aug. 1832.

(9) Enzykl. “Qui pluribus” 8. Nov. 1846 ; Allokut. „Multiplices inter“ 25. Sept. 1865 u.s.f.

(10) Kirchenverf. Von Trient, VI. Sitz.: Von der Rechtfertigung, 1. Kap.

(11) Ep. CXXXVII, al. III, ad Volusianum c. V, 20.
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(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Humanum_genus_%28Wortlaut%29)

Die Wachtturmgesellschaft und die Freimaurerei

a) Die Freimaurerei


Obwohl über die Freimaurerei schon sehr viel geschrieben worden ist, herrscht am Ende dieses 2. Jahrtausends noch weitgehende Unkenntnis über diese Geheimgesellschaft. Jeder, der versucht etwas über sie zu erfahren, sieht sich fast unüberwindlichen Schwierigkeiten gegenüber. Trotz all der Bücher, die zu diesem Thema erschienen sind, bleibt die Freimaurerei von Geheimnissen umwittert. Viele schreiben den Ursprung dieser Organisation dem Bau des salomonischen Tempels zu. Gemäß den Freimaurern selbst war sie am Anfang an die Bräuche der Bauarbeiter gebunden. Historisch gesehen, begegnen wir zuerst einer ,,operativen“ Freimaurerei. Sichtbare Zeugnisse ihres Wirkens sind die herrlichen Kathedralen und Festungen, die man in ganz Europa antrifft. Die Maurer, die sie erbauten, waren in drei Stufen eingeteilt: Lehrlinge, Gesellen und Meister, wobei spezielle Riten den Aufstieg von einer Stufe zur anderen begleiteten. Untereinander gebrauchten sie als Symbole ihres Berufes Hammer, Meißel, Lineal, Zirkel und Winkelmaß. In der Neuzeit wurden keine Kathedralen mehr gebaut; zusammen mit der gotischen Baukunst verschwanden auch die Bauhütten. Die Arbeiter wurden nicht mehr eingeweiht, wie es das Mittelalter hindurch Brauch gewesen war. Die Logen in England begannen damit, berufsfremde Personen aufzunehmen. Diese zeichneten sich durch ihre Intelligenz oder durch ihre Herkunft aus: sie waren Adelige, Gelehrte. Angehörige des Bürgertums, Künstler, Politiker usw. Diese neuen Eingeweihten nahmen an Zahl zu ,und übernahmen schließlich die Leitung dieser Institution. Hammer, Meißel, Zirkel und Winkelmaß waren keine unentbehrlichen Werkzeuge der Arbeiter mehr; sie wurden nun zu wichtigen Symbolen und Zeichen.Die Maurerei, die anfangs operativ, d.h. handwerklich tätig gewesen war, hatte sich in die spekulative ,, Freimaurerei“ verwandelt.Im Jahre 1717 schloßen sich vier englische Logen zur Großloge von London zusammen, die die Gebräuche und Vorschriften der alten Logen unter dem Titel: ,,Die Pflichten eines Freimaurers“ systematisch festlegte. Diese Konstitutionen sind heute noch die Verfassung, auf der alle Freimaurer-Obödienzen der Welt basieren. Die Londoner Großloge gilt als die Mutterloge aller übrigen. Von England aus gelangten sie auf den Kontinent und in die Kolonien.Die drei bekanntesten Maurergrade - Lehrling, Geselle und Meister - bilden die blaue Maurerei. Darüber rangieren die Hochgrade: aus dem 4. bis 18. Grad besteht die rote, aus dem 19. bis 30. Grad die schwarze und schließlich aus dem 31. bis 33. Grad die weiße Freimaurerei.

Wie bei den meisten Geheimgesellschaften gibt es auch bei den Freimaurern Aufnahme- bzw. Einweihungsriten. Das Tor zur freimaurerischen Welt bildet die Einweihung. Angeblich läßt sich das Initiationsgeheimnis unmöglich in Worten wiedergeben und sein Ursprung ist unbekannt. Selbst die bestunterrichteten Personen können die Herkunft dieser Zeremonie nicht ausfindig machen.

Die Freimaurer geloben ,,blinden Gehorsam“ ohne jegliche Kritik an dem, was in ihrer Verfassung, ihren Statuten und Reglements festgelegt wurde, sowie an dem, was ihre Oberen von ihnen verlangen. In Bezug auf das Gehorsamsgelöbnis wird berichtet, daß die Verpflichtung, die Geheimnisse selbst unter Lebensgefahr nicht zu enthüllen, unerläßliche Voraussetzung für die Aufnahme in die Loge ist.
Bis vor kurzem waren viele Bischöfe der anglikanischen Kirche in England Mitglieder der Freimaurerei. Im Februar 1985 ergriff die Generalsynode dieser Kirche, die ihr ,,Parlament“ in England darstellt, die Initiative zu einer Untersuchung der Streitfrage, ob man als Christ auch Mitglied der Freimaurerei sein könne. Das Ergebnis wurde im Mai 1987 bekannt: die Antwort fiel - was nicht befremden kann - negativ aus. Denn das Universalwörterbuch der Freimaurerei von Daniel Ligou zählt mehr als 150 Riten auf, deren Bandbreite von magischen Formeln über die Astrologie bis hin zum Illuminatentum reicht. Der Informationsbericht der Synode nennt als anstößigste Punkte die Verwendung des Namens Jahbulon als Gottesnamen so­wie die Eidesformel, in der der Freimaurer verschiedene Rachedrohungen gegen jene Logenbrüder ausstoßen muß, die ein freimaurerisches Geheimnis preisgeben. Es entsetzt, wenn man hört, daß einer dieser angedrohten Racheakte darin besteht, den Körper des Verräters mit einer Axt in zwei Teile zu spalten, ihm den Kopf und die rechte Hand abzutrennen und seine Gedärme zu verbrennen. Die Synode stellte fest, daß diese Eidesformeln trotz ihrer Streichung in den maurerischen Riten immer noch erwähnt werden.
Bekannt ist die Geschichte von William Morgan, der in den amerikanischen Logen ein- und ausging. Dieser Herr bereitete gemeinsam mit einem Zeitungsreporter namens Miller die Veröffentlichung einiger Freimaurergeheimnisse in der Presse vor. Morgan verschwand in den Niagarafällen. Auf einem Denkmal zu Ehren des solchermaßen Exekutierten kann man lesen: ,,Zum Gedenken an William Morgan, Bürger von Virginia, der von den Freimaurem entführt und ermordet wurde, weil er Geheimnisse des Ordens preisgegeben hatte.“ Charakteristisch für die Freimaurerei ist, wie schon gesagt, das ,,Geheimnis“. Man behauptet sogar, daß viele, die den ,,blauen“ und selbst den ,,roten“ Graden angehören, sterben, ohne je erfahren zu haben, was die Freimaurerei in Wirklichkeit darstellt und bezweckt. Copin Albancelli, Freimaurer des 29. Grades, zog sich aus ihr zurück, als er in den ,,Innersten Kreis“, der sich hinter den Hochgraden verbirgt und von dem nicht einmal er gedacht hätte, daß er überhaupt existiert, aufgenommen werden sollte. Nachdem er die wirklichen Ziele der Organisation erkannt hatte, schilderte er in seinem Buch ,,Le Pouvoir Occulte“ (,,Die Verborgene Macht“), wie die Freimaurerei in drei Gruppen aufgeteilt ist:


1. Die blauen Grade, die in kein einziges wichtiges Geheimnis eingeweiht sind.

2. Die roten Grade, die zwar meinen, die Geheimnisse zu kennen, sich jedoch über die wirklichen Ziele des Ordens gleichfalls nicht im klaren sind.

3. Der ,,Internationale Innere Kreis“, die wahren Herren und Meister, die sich hinter den Hochgraden verbergen und in Wahrheit den Orden leiten.


Das freimaurerfreundliche Buch ,,La Masoneria en Madrid“ behauptet, daß sogar einige ,,Großmeister“ in ihre philosophische Ethik eingetaucht leben, ohne zu wissen, wer die tatsächlichen ,,Machthaber“ der Loge sind.
Albert Pike, Freimaurer des 33. Grades, erklärte in seinem Buch ,,Morals and Dogma of the Ancient and Accepted Scottish Rite of Freemasonery“, (Richmond, Ausgabe von 1871, neuaufgelegt 1966), S. 819:,,Den blauen Graden bringt man nur die Bedeutung einiger Symbole nahe; man desorientiert sie absichtlich durch falsche Auslegungen. Ihre eigentliche Bedeutung reserviert man für die höchsten Grade. Sie lassen es damit bewenden, daß die Mitglieder der ,blauen Grade‘ sich einbilden, die gesamte Freimaurerei erfaßt zu haben. Die Freimaurerei ist eine Sphinx, die sich bis zum Haupt im Sand versteckt hält, den man durch die Jahrhunderte um sie herum angehäuft hat.“ Die Logenbrüder erschrecken immer noch, wenn man die Rede auf Gabriel Jogand Pages, besser bekannt als ,,Léo Taxil“, bringt. Dieser Mann beschuldigte die Freimaurer in seinem Buch: ,;Los Misterios de la Francmasonerfa“ der Teufelsanbetung. In einem anderen Buch mit dem Titel ,,Les Frères Trois Points“, erschienen im Jahre 1885, erklärte er, die freimaurerischen rituellen Praktiken beruhten auf einem diabolischen, Luzifer verherrlichenden Kult. 1891 veröffentlichte er das Buch ,,Soeurs Maconnes“, worin er detailliert über die satanische Messe berichtete, die man im Kreis der Hochgradfreimaurer des ,,Palladischen Ritus“ des ,,Teufels-Papstes“ Albert Pike, des obersten Führers der Illuminaten in den Vereinigten Staaten, zelebrierte. Die Vorwürfe von Léo Taxil bezüglich der engen Verwandtschaft zwischen Freimaurerei und Satanismus sind vorbehaltlos erwiesen. Die höchsten freimaurerischen Grade gehören zur Elite Satans! Denn es war immerhin die offizielle italienische Freimaurerzeitschrift ,,Rivista della Massoneria Italiana“ des Jahrgangs 1887, die auf Seite 27 bekannte: ,,Die Freimaurerei betrachtet Satan den Großen als ihren wirklichen Chef.“ Der auf freimaurerische Dokumente spezialisierte Gelehrte Dr. Fara schrieb in seinem Buch ,,La Masonerfa y su Obra“ (,,Die Freimaurerei und ihr Werk“): ,,Die Zeremonie zur Aufnahme in den 29. Grad zelebriert man unter einem pantheistischen Symbol: dem Kopf eines Ziegenböckleins mit einer Fackel zwischen den Hörnern, Erzengelflügeln, Armen und Händen eines Menschen, dem Körper einer Frau mit einer Rose und einem Kreuz auf der Brust.“ Auch der französische Erzbischof Leon Meurin bekräftigt in seinem Buch ,,Die Freimaurerei... Synagoge Satans“ (o.A.) das Faktum der unter Freimaurern üblichen Teufelsanbetung; und der österreichische Politiker Friedrich Wichtl bestätigt in:,,Weltfreimaurerei - Weltrevolution — Weltrepublik“ (München 1919): ,,Die Freimaurer sehen Satan als ihren obersten Herrn und Gott an.“ Noch deutlicher sind die Worte des Hochgradfreimaurers Albert Pike vom 14. Juli 1889 in seinen Instruktionen für die 23 Obersten Welträte: ,,Die Doktrin des Satanismus ist eine Hierarchie; und die wahre, unverfälschte philosophische Religion ist der Glaube an Luzifer und an Adonai zugleich; aber Luzifer, Gott des Lichtes und Gott des Guten, kämpft für die Menschheit, im Gegensatz zu Adonai, dem Gott der Finsternis und des Übels.“ Sicher ist also, was die Autoren des Buches ,,Los fabricantes de Dioses“ (,,Die Götter-Fabrikanten“) schreiben: ,,Die Freimaurerei hat die antitheistische Philosophie der Geheimreligionen übernommen, die das, was die Bibel lehrt, verdrehen und somit Luzifer zu Gott und Gott zu Satan machen.“ Es besteht kein Zweifel, daß Freimaurer der unteren Grade, nachdem sie diese Aussagen gelesen haben‘ sich nicht nur die Augen reiben, sondern auch im Brustton der Überzeugung erklären werden: ,,Das stimmt überhaupt nicht, das ist eine Lüge, das kann gar nicht wahr sein.“ Doch sie wären an die berüchtigten Worte des illuminierten Hochgradfreimaurers Albert Pike zu erinnern: ,,Man desorientiert die ,blauen Grade‘ absichtlich durch falsche Auslegungen.“ Anlässlich einer Versammlung aller Freimaurerlogen am 16. Juli 1782 schloß man in Wilhelmsbad einen Bund zwischen der Freimaurerei und den Illuminaten, eine Geheimgesellschaft, die am 1. Mai 1776 von Adam Weishaupt, einem Professor für Kirchenrecht an der Universität Ingolstadt, gegründet wurde.

Weishaupt hatte eine komplizierte Hierarchie geheimer Grade aufgebaut. Damals traten Tausende führender Europäer in den Illuminatenorden ein. Es war Weishaupts erklärtes Ziel, durch eine Legion von Verschwörern, die aus dem Hintergrund heraus nach einem genau vorgegebenen Weltbeherrschungsplan agieren sollten, in allen Ländern der Welt die Macht an sich zu reißen. Dank des Organisationstalents des Barons von Knigge und der Hilfe einiger Freimaurer, die in ihren Logen nicht die erhoffte direkte Aktion fanden, wurden Weishaupts Illuminaten innerhalb weniger als fünf Jahren die geheimen Herren Bayerns und der benachbarten Länder. Als am 10. Juli 1785 Jacob Lang, ein Mitglied der Illuminaten, unterwegs vom Blitz getroffen wurde, fand die Polizei geheime Dokumente, welche er bei sich getragen hatte. Diese bestätigten die Verschwörung der Illuminaten. Sofort befahl man die Auflösung des Ordens. Weishaupt flüchtete und setzte seine Wühlarbeit aus dem Untergrund fort.

Wenn man sich die Kehrseite der offiziellen Geschichte betrachtet‘ so stößt man immer wieder auf die Illuminaten und die Freimaurerei. Sie haben Könige in Zinsknechtschaft gebracht‘ Königreiche manipuliert und zerstört, Kriege inszeniert und schließlich die Welt, wie wir sie heute kennen‘ hervorgebracht. Die Illuminaten und Freimaurer waren in alle großen Revolutionen verwickelt, die nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg über die Welt kamen.
Nach eigener Aussage verschmäht die Freimaurerei jegliche politische Aktivität. Indessen macht eine nähere Betrachtung der Geschichte deutlich, daß die Logen stets eng mit der Politik verflochten waren. Es fällt auf‘ daß die Freimaurer sich immer in der Nähe der Macht befinden. Ihre maßgebliche Teilnahme an den revolutionären Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts steht außer Zweifel. Es ist belegt, daß hinter den bedeutendsten Weltereignissen seit der französischen Revolution in der einen oder anderen Weise stets Freimaurer am Werk waren.
In Europa waren oder sind Logenbrüder alle englischen Premiers und Präsidenten Frankreichs außer‘ wie es scheint, de Gaulle. Freimaurer sind daneben der größte Teil der Delegierten bei den Vereinten Nationen oder der UNESCO usw.‘ sowie ein Großteil der Brüsseler EG- bzw. EU-Funktionäre (z.B. in der ,,Kommission“), die, ohne gewählt zu sein, ganz Europa regieren wollen.
Auch zahlreiche politische Statisten, einschließlich Monarchen, waren oder sind hochrangige Freimaurer, hinzu kommen z.B. die Namen prominenter Militärs, so fast aller Marschälle Napoleons und der Großteil der alliierten militärischen Führungskräfte. Vergessen wir nicht Simon Bolivar, den Gründer des lateinamerikanischen Staates Bolivien, oder die mexikanischen Präsidenten Jose de la Cruz Porfirio Diaz‘ Manuel Gonzalez‘ Obregon‘ Calles‘ Càrdenas und Miguel Aleman. Mexiko ist das einzige Land der Erde‘ in dem die Freimaurerei - seit 1917 - mit einer Logen-Einheitspartei sogar öffentlich regiert! Die USA sind die Freimaurerernation schlechthin! Die Macht der Loge in diesem Land ist immens. In seiner ,,Verfassung“ findet man verschiedene von der Freimaurerei verfochtene Prinzipien wieder. Ihre Gefolgsleute sind außerordentlich zahlreich in den Regierungsstellen tätig. Freimaurer halten in den Vereinigten Staaten alle Schlüsselposten besetzt. Nicht nur der ehemalige Präsident Bill Glinton ist Freimaurer, auch (mindestens) 18 seiner Vorgänger waren es, nämlich Washington, Madison, Monroe, Jackson, Polk, Buchanan, A. Johnson, Garfield, McKinley, Th. Roosevelt, Taft, Harding, F.D. Roosevelt, Truman, L.B. Johnson, Ford, Reagan und George Bush.
Viele Autoren behaupten, Ronald Reagan sei kein Freimaurer. Doch das ist nicht so sicher. In der Zeitschrift ,,New Age“ vom April 1988 sieht man ein Photo, wie Reagan den 33. Ehren-Freimaurer grad erhält. - Die Namen von Lincoln, Eisenhower und Kennedy fehlen in der Liste. Eisenhowers Eltern waren jedoch Zeugen Jehovas.


b) Zeugen Jehovas und die Freimaurerei


Gemäß dem Wachtturm vom 1. Dezember 1916, S. 365 (englische Ausgabe) waren die letzten Worte Charles Taze Russells bevor er starb: ,,Bitte wickelt mich in eine römische Toga.“ Für einen unbefangenen Menschen ist es völlig unverständlich, daß ein Sterbender, der in den letzten Zügen liegt, (keine anderen Sorgen hat, als in eine römische Toga gewickelt zu werden. Für die Kenner jedoch ein deutlicher Hinweis: denn Toga, Tunika und viele andere antike Gewänder gehören zur vielfältigen Tracht in verschiedenen Hochgraden der amerikanischen Freimaurerei. Existiert nun eine Verbindung zwischen der WTG und der Freimaurerei? Um darauf antworten zu können, müssen wir vor allen Dingen zu der religiösen Grundlage ihres Stifters, Charles Taze Russell, vordringen. Es steht außerzweifeI, daß dessen Idee, eine neue religiöse Organisation zu gründen, nicht von ungefähr kam. So ist z.B. offensichtlich, daß die Gesellschaft sämtliche Irrlehren des Arianismus fast bis aufs i-Tüpfelchen übernommen hat.
Im Laufe der Jahrhunderte gab es immer wieder Gruppen, die die Lehre an der göttlichen Dreifaltigkeit ablehnten, hauptsächlich die Anhänger des Arius, eines Priesters, der genau wie die Zeugen Jehovas dafür hielt, Christus ei geringer als Gott (-Vater). Wir werden im folgenden durchleuchten, warum so viele Ideen des Arius von Russell übernommen wurden.

Im Jahre 1650 war die Unterwerfung Irlands unter das Vereinigte Königreich abgeschlossen. In der Folgezeit ging Irland Schritt für Schritt in den Besitz der protestantischen ,,anglikanischen“ Kirche über. Die Katholiken Irlands wurden zu einem verarmten Bauernvolk herabgedrückt. 1801 wurde Irland formell dem Vereinigten Königreich einverleibt und seitdem von London aus regiert. Von da an emigrierten immer mehr Iren nach Amerika. Nach 1845, als es bei den nach Europa eingeführten Kartoffeln auf Grund einer Krankheit zu katastrophalen Ernteausfällen kam, schwoll die Auswanderung zur Flut an. Bereits früher wurde erwähnt, daß unter den irischen Auswanderern auch die Eltern Russells waren. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, daß seine Eltern vor der Emigration in Ulster (Nordirland) lebten und Mitglieder der Presbyterianischen Kirche waren. Laut dem Wachtturm-Jahrgang 1916 (S. 171, englische Version) wuchs auch der junge Russell als Presbyterianer auf.


Welche Bedeutung hatte es in jenen Tagen, Presbyterianer zu sein? Es gab eine Zeit, in der alle jungen Männer in Irland, die Pastor werden wollten, an der Universität von Glasgow in Schottland studierten. Man weiß, daß Professor Simpson, der damals an der Universität lehrte, aber auch seine Nachfolger, mit der Theologie des Antitrinitariers Arius sympathisierten. Ein anderer Sympathisant des Arius war Dr. Francis Hutcheson. Alle Studenten waren von diesem Mann beeindruckt. Selbst die Synode von Ulster akzeptierte generationenlang diese ablehnende Haltung gegenüber der Glaubenswahrheit von der Heiligsten Dreifaltigkeit. Infolge all dessen stand die presbyterianische Kirche Irlands generationenlang unter arianischem Einfluß. Und diese Tatsache läßt keinen Zweifel an der arianisch gefärbten Gläubigkeit der Familie Russell aufkommen.

Die ziemlich genauen Angaben, bestätigen, daß außerordentlich viele Presbyterianer auch gleichzeitig der Loge angehörten. So war etwa James Anderson, der die ersten Konstitutionen der modernen Freimaurerei schuf, presbyterianischer Pastor und Theologe. Heute weiß man, daß viele Presbyterianer eine wichtige Rolle in den verschiedensten Freimaurerlogen spielten. Die Macht der Freimaurerei bei ihnen ist immens; einige Pastoren, die ihr nicht angehörten und sie zu kritisieren wagten, haben sogar ihr Amt verloren. Ein anderer interessanter Aspekt ist der, daß die meisten amerikanischen Präsidenten nicht nur Presbyterianer, sondern zugleich auch Freimaurer schottischer oder irischer Abkunft waren.

Existiert nun eine Verbindung zwischen die Zeugen Jehovas und der Freimaurerei? War Russell selbst in die Freimaurerei verwickelt? Nach Aussage der WTG machte sich Russell 1886 von vielen christlichen Lehren, die er lange Zeit akzeptiert hatte, frei, bis er den christlichen Glauben ganz ablegte.

In der Zeitung ,,The Jamestown Evening Journal“ vom 6. August 1910 äußerte sich Russell folgendermaßen: ,,Nachdem ich das Christentum abgelegt hatte, verehrte ich einen unbekannten Gott. Ich suchte eine göttliche Offenbarung.
In dem Buch ,,Die Zeugen Jehovas in Gottes Vorhaben“, das 1960 in deutschsprachiger Ausgabe erschienen ist, liest man auf Seite 18, daß Russell begierig war, alles zu lernen, was Gott lehrte, egal woher er es erfuhr. In einer seiner Predigten bekannte er, daß er auch die orientalischen Religionen studiert hatte. Umfaßte dieses Studium am Ende auch die Lehren und Geheimnisse der Freimaurerei?
Wir alle können medizinische Fachausdrücke verwenden. Lesen wir aber verschiedene Bücher oder hören uns die Reden ein und derselben Person an, in denen fortlaufend medizinische Fachausdrücke vorkommen, können wir sichergehen, daß diese Person ein Arzt ist oder zumindest mit der Medizin zu tun hat.

Was nun Russell angeht, so fällt auf, daß er in seinen Büchern und Predigten ständig typisch freimaurerische Ausdrücke wie ,,großer Baumeister des Universums“, ,,Ordnung“, ,,großer Meister“, ,,Licht“, ,,Priestertum“ und andere gebraucht. Daraus können wir schließen, daß er zumindest Beziehungen zur Freimaurerei hatte.
Interessant ist zudem die Beobachtung, daß Russell während seiner unzähligen Reden immer von einem Emblem, das Kreuz und Krone darstellte, begleitet wurde. Auch links oben auf dem Titelblatt des Wachtturm und anderer Schriften des ,,Pastors“ erscheint dieses Emblem. Ebenfalls als Wandschmuck in seinem Büro, am Bug der Lokomotive bei der Transcontinental Tour 1913, und bei der Pyramide an seinem Grab. Was hat es damit auf sich?
Es steht fest, daß auch andere dieses Symbol benutzt haben. Man kann u.a. Joseph Smith junior (Freimaurer 33.Grads) und weitere bedeutende Mormonen nennen. Auch die Heilsarmee und Mary Baker Eddy‘ die Gründerin der Sekte ,,Christliche Wissenschaft“, gebrauchten es. Mary Baker Eddy war verheiratet mit George Washington Glover, einem prominenten Freimaurer. Die ,,Christliche Wissenschaft“ benutzt bis heute das freimaurerische Symbol. Laut Mary Baker Eddy sind Kreuz und Krone das Fabrikmarkenzeichen des Zusammenschlusses der Direktoren der ,,Christlichen Wissenschaft“. Sicher ist jedenfalls, daß das Emblem freimaurerischer Herkunft ist. Der Orden benutzt es vorwiegend, um Werbung zu machen und die Aufmerksamkeit auf die Tempelritter zu lenken.
Auffallend ist die Farbe des Kreuzes: sie ist immer rot. Es kann kein Zufall sein, daß das von Russell in dem Emblem gezeigte Kreuz gleichfalls rot ist. Alle farbigen Sonderausgaben des Wachtturm tragen dieses rote Kreuz!

Nach umfänglichen Nachforschungen haben wir feststellen können, daß es sich hierbei um ein Abzeichen des freimaurerischen Ordens der Templer (auch ,,Tempelritter“ genannt) handelt.
Ein zweites Beweisstück finden wir am rechten oberen Rand des Titelblattes des Wachtturm. Hier prangt das Symbol der größten Obödienz des Templerordens in den Vereinigten Staaten, des ,,Grand Encampment“. War Russell Mitglied der Tempelritter?
Wir fügen noch hinzu, daß die Bibelforscher, bevor sie ihre eigenen Räumlichkeiten hatten, ihre Versammlungen zumeist in Räumen abhielten, die der Freimaurerei gehörten. Der Wachtturm vom 1. August 1994 bestätigt auf Seite 22, daß die Bibelforscher in der New Yorker Zentrale sich wenigstens bis 1926 regelmäßig im freimaurerischen Tempel von Brooklyn versammelten. Im Jahrbuch der Zeugen Jehovas von 1993 wird eingeräumt, daß die Versammlungen in Dänemark von 1912 bis 1943 im Odd Fellow Palaeet stattfanden. Die Organisation ,,Odd Fellows“ gilt als ein starker Zweig der Freimaurerei. Noch merkwürdiger verhält es sich mit der Bezeichnung der heutigen Versammlungsräume als ,,Königreichsäle“: im Englischen ist der Ausdruck ,,Hall“ (,,Königreichsaal“ = ,,Kingdom Hall“) freimaurerisch.
Kommen wir nun auf die maurerische Figur des Hiram-Abif zu sprechen. Wie bereits erwähnt, ist es prinzipiell mit großen Schwierigkeiten verbunden, in die Geheimnisse der Freimaurerei einzudringen. Auch die Person Hirams ist von Geheimnissen umwittert. Für die Freimaurer ist Hiram-Abif ein guter Mensch, zu vergleichen mit den Patriarchen des Alten Bundes. Hiram war der Geschickteste der Baumeister. König Salomon machte ihn zum Aufseher über die Arbeiter beim Bau des Jerusalemer Tempels. Übrigens ist Hiram-Abif nicht identisch mit dem König von Tyros (vgl. Bücher der Könige).

Da die Freimaurerei ihr wahres Wesen gezielt verbirgt und ihre Mitglieder dazu verpflichtet, die Geheimnisse der Loge zu wahren und sie keinesfalls aufzudecken, müssen wir auf rein freimaurerische, den Profanen gewöhnlich unzugängliche Literatur zurückgreifen, um zu erfahren, welche Bedeutung Hiram in Wirklichkeit für die Freimaurer hat.

Gemäß authentischen freimaurerischen Quellen ist Hiram-Abif der Messias der Freimaurer. Parallel dazu deckt Prof. John Robison in seinem Buch ,,Proofs of a Conspiracy against all Governments and Religions“ (Boston 1967) aur, daß der Gründer der Illuminaten, Adam Weishaupt, die Christen abzulenken trachtete, indem er lehrte, Hiram-Abif sei Jesus Christus.
Erstaunlicherweise identifizierte nun Russell in seiner Predigt ,,Pastor Russell‘s Sermons“ (1917) Seite 804 Hiram ebenfalls mit dem Messias. Aus welcher Quelle schöpfte er dieses Wissen? Wenn zum einen die Freimaurer über ihre Geheimnisse nur mit echten und zuverlässigen Brüdern sprechen dürfen, zum anderen Russell jedoch kein Freimaurer war, wie konnte er dann wissen, daß Hiram der Messias der Freimaurer ist? Wenn wir die erwähnte Predigt näher untersuchen, scheint Russell zunächst nur zu sagen, die Freimaurer glaubten, Hiram sei der Messias. Aber dem ist nicht so! Russell erklärt darüber hinaus definitiv, Jesus, der Messias der Christenheit, sei mit Hiram-Abif. identisch. Welch eine Blasphemie! In der gleichen Predigt behauptet er, die freimaurerische Religion beruhe auf der Bibel. Falls Russell kein Freimaurer war, klingt diese Predigt zumindest gut in freimaurerischen Ohren. Auch läßt sich dann nicht leugnen, daß er jedenfalls hervorragende Kenntnisse der freimaurerischen Geheimlehren besaß.
Ein anderes beachtliches Indiz ist der Sonnenaufgang, der auf den Titelseiten von Russells ersten Publikationen wie auch auf denjenigen des Wachtturm erschien. Seine Symbolik ist genuin freimaurerisch.

Genauso verblüffend ist es, daß das maurerische Zeichen der Flügel Amon-Ras, des ägyptischen Sonnengottes, eines der bevorzugten Embleme Russells darstellte. Wer unter den Freimaurern benutzt das Symbol der Flügel des Amon-Ra? Der 33-Grad-Freimaurer Albert Churchward behauptet in seinem Buch ,,Signs and Symbols of Primordal Man. The Evolution of religious Doctrines from the Eschatology of the Ancient Egyptians“ (London 1913, S. 86), daß das Symbol der Flügel des Sonnengottes nur von den Freimaurern des 33. und höchsten Grades gebraucht und verstanden wird. Man muß in Betracht ziehen, daß die Freimaurer nur Kennzeichen und Symbole benutzen dürfen, die ihrem Grad entsprechen. Die Tatsache, daß Russell dieses Emblem so oft in seinen Schriften, Abhandlungen und Büchern verwendet, muß uns also zu denken geben.
Noch mehr beeindruckt Russells Lehre und Praxis der Pyramidelogie, die bekanntlich unter den Freimaurern sehr populär ist. Wenn Russell nicht Freimaurer war . . warum begegnet man dann in seinen Schriften weitläufigen Studien über die Symbolik der Pyramide?

Russell wurde auf dem Grundstück der WTG ,,The Rosemont United Cemeteries“, 5 Meilen nördlich von Pittsburgh, begraben. Bis heute steht die freimaurerische Steinpyramide auf seinem Grab. Seine Anhänger montierten seitwärts von der Pyramide eine Steintafel mit seinem Photo, um die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Grab abzulenken. Warum hatte Russell angeordnet, daß auf seinem Grab eine freimaurerische Pyramide errichtet werden sollte?
Höchst aufschlußreich ist aber endlich die Entdeckung, daß sich Russells Mitgliedskarteikarten des Masonic Knight Templar (Tempelritter) in der Mutterloge, der ,,Blauen Loge“ in Dublin, Irland, befinden. Diese Loge gehört zur Grand Lodge of Pennsylvania. Weiter war Russell auch Mitglied des Schottischen Ritus.
Auch im Register des Buches ,,Occult Theocracy“ wird unter den prominenten Freimaurern Charles Taze Russell als bedeutendes Logenmitglied aufgeführt.
Im Jahre 1913, während einer 15seitigen Ansprache sagte Russell u.a.: ,,Ich freue mich daß ich hier vor Delegierten aus den Küstenstädten und aus weiteren 35 Staaten sprechen darf. Wir befinden uns hier in einem Gebäude, das der Freimaurerei geweiht ist. Einige meiner besten Freunde sind Freimaurer und auch ich bin ein anerkannter Freimaurer.“ In einer weiteren Darlegung wurde bekannt gegeben daß Russell zu der höchsten Loge Zugang hatte.Es kann also kein Zweifel mehr daran bestehen, daß Russell ein ,,Superfreimaurer“ war. Russell war ebenfalls Mitglied der Rosenkreuzer von Quakertown. Nur deshalb liefen die Zeremonien bei der Einäscherung seines Körbers und während seines Begräbnisses nach den Riten der Rosenkreuzer ab.
Wie wir gesehen haben, erklomm nach Russelis Tod Joseph Franklin Rutherford die Leiter der Macht. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Tatsache, daß letzterer Gerichtsadvokat für die Firma Draffen & Wright war, bevor er den Präsidentenposten bei der WTG einnahm. Seine Firma war eine Agentur, die hauptsächlich von den großen Unternehmen und Treuhandgesellschaften in Anspruch genommen wurde, deren Führungspersonal großenteils der Hochgradfreimaurerei angehörte. Später stieg Rutherford zum Spezialanwalt auf und vertrat als solcher Fälle vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten in Washington.

Wie schon erwähnt, wurde Rutherford 1909 als Anwalt nach New York berufen. Im gleichen Jahr eröffnete er eine Kanzlei und war bis zu seinem Tod im Jahre 1942 ein hochrangiges Mitglied der New Yorker Staatsanwaltschaft. Gemäß den Angaben der WTG von 1909 mußte er sich um den Anwaltsposten im Staate New York bemühen, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können, als die Sekte ihre Büros nach Brooklyn verlegte. Man hat jedoch herausgefunden, daß das nicht der wirkliche Grund gewesen sein konnte. Es scheint, daß der Richter ein doppeltes Spiel spielte. Zweifellos sah er sich gezwungen, um den Posten in der Staatsanwaltschaft nachzusuchen, um seine Kontakte zu gewissen illustren Freimaurern und Regierungsmitgliedern zu verschleiern. Denn nur so konnten die Jünger die freundschaftlichen Beziehungen ihres Anführers entschuldigen und rechtfertigen. Rutherford stand in Verbindung mit hochrangigen Militärs, mit der Marineakademie, mit dem Bankier, Politiker und Senator George Louis Wellington (einem Hochgradfreimaurer des 33. Grades), mit Gouverneur George White (Ohio), mit dem Kongreßmitglied Blackburn Barret Dovener und mit dem Hochgradfreimaurer William Jennings Bryan. Letzterer war dreimal für die Präsidentschaftskandidatur nominiert worden. Erstaunlich ist, daß Rutherford eine Werbekampagne für diesen hochstehenden Freimaurer betrieb!
Eine vor dem St. Gallener Bezirksgericht Anfang 1924 angestrengte Klage gestattet uns einen Blick hinter die Kulissen der WTG. Am 21. Januar hatten die Protestanten in St. Gallen eine Protestversammlung gegen die stark angestiegenen Aktivitäten der Bibelforscher in der Schweiz abgehalten. Professor Köhler von der Züricher theologischen Fakultät hatte in seinem Vortrag erklärt, daß es ihm ein Rätsel sei, woher die Bibelforscher die reichen Geldmittel für ihre Propaganda bezögen. Dr. Fehrmann, ein in St. Gallen bekannter Arzt. behauptete daraufhin, däß sie sehr viel Geld von der internationalen Freimaurerei erhielten, um Verwirrung in die westeuropäische Christenheit hinernzutragen. Der Vorsitzende der Ernsten Bibelforscher, Konrad C. Binkele, verlangte sofortigen Widerruf dieser Behauptung. Dr. Fehrmann aber blieb bei seinem Wort, worauf die Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher gerichtliche Klage gegen ihn erhob.

Vor Gericht führte Dr. Fehrmann als Hauptbeweis einen Brief an, der vom 27. Dezember 1922 datierte und von einem amerikanischen Hochgradfreimaurer des 33. Grads aus Boston an einen Schweizer Bruder geschrieben worden war. Dieser Brief hatte u.a. folgenden Wortlaut:

,,Ihre zweite Anfrage betrifft die Internationale Gesellschaft der Ernsten Bibelforscher, die ihren Hauptsitz in Brooklyn, N.Y., hat. Gewiß sind uns diese Leute sehr von Nutzen. Wir geben ihnen auf dein bekannten indirekten Wege viel Geld durch eine Anzahl Brüder, die während des Krieges sehr viel Geld gewonnen haben; es tut ihrem dicken Portefeuille nicht weh! Sie gehören zu den Juden. Im nächsten Frühjahr vielleicht wird ein bedeutender Jurist nach Europa kommen. Er war schon mehrere Male in Europa. Mister Rutherford wird eine Propaganda durch Vorträge unternehmen. Ich benütze jetzt die Gelegenheit zu einer Bitte an Sie, geliebter Bruder, wollen Sie bemüht sein, daß die Zeitungen der Schweiz keine Artikel bringen, die gegen diese Vorträge gerichtet sind! Sie haben doch unter den Brüdern der Schweiz viele Leute der Tagespresse. Auch bitte ich zu sorgen, daß die Tätigkeit der Ernsten Bibelforscher in den Zeitungen nicht ungünstig beurteilt wird. Wir haben diese Leute sehr nötig, sie müssen uns Pioniere sein. Was soll ich ihnen mehr sagen! Sie wissen alles selbst; Das Prinzip, ein Land zu erobern, ist, seine Schwächen auszunutzen und seine Säulen zu untergraben. Unsere Feinde sind die Protestanten ebenso wie die Katholiken in Europa, ihre Dogmen sind unseren Plänen lästig, deshalb ,müssen wir alles tun, ihre Anhängerzahl zu vermindern und sie lächerlich zu machen.“ Der Brief spricht für sich selbst!
Der Brief war bereits am 18. Mai 1923 im Tageblatt für den Kanton Solothurn ,,Der Morgen“ veröffentlicht worden. Anfang Juni hatte die Redaktion des ,,Der Morgen“ daraufhin von den Rechtsanwälten der Ernsten Bibelforscher ein Einschreiben des Inhalts erhalten, der Autor des Artikels solle unter Klageandrohung Widerruf leisten. Der Autor antwortete in ,,Der Morgen“ mit folgender Stellungnahme: DIE ERNSTEN BIBELFORSCHER
In Nr. 116 veröffentlichte ich im Auszug einen Brief eines amerikanischen Freimaurers, aus dem zweifelsfrei hervorgeht, daß die Bestrebungen der Ernsten Bibelforscher von der Weltfreimaurerei finanzielle und moralische (sofern man hier, bei der Weltfreimaurerei das Wort ,moralisch anwenden darf) Unterstützung erhalten. Eine Beleidigung oder Verdächtigung der Ernsten Bibelforscher hat mir fern gelegen. Es sollte durch Veröffentlichung jenes Schreibens nur die Wühlarbeit der Weltfreimaurerei charakterisiert werden. Ich habe nicht gesagt, daß die Ernsten Bibelforscher, soweit die Schweizer Gesellschaft in Frage kommt, ein Bündnis mit der Freimaurerei geschlossen haben.“ Die Ernsten Bibelforscher haben es anschließend nicht mehr gewagt, gegen die Tageszeitung ,,Der Morgen“ vorzugehen. Gelegentlich haben sie allerdings die Behauptung aufgestellt, der Brief sei eine Fälschung. Nachdem jedoch der Empfänger des Briefes, Herbert von Bomsdorff- Bergen, Großkommandeur des 33. Grades, Leiter der Bruderkorrespondenz für alle fünf Kontinente, der Loge offiziell den Rücken gekehrt hatte, trat er nun selber an die Öffentlichkeit. Er bestätigte u.a.: ,,Aus Amerika erhielt ich im Januar 1923 einen Brief von einem Hochgradfreimaurer, der mich ,,brüderlich“ um Auskunft über verschiedene ihn interessierende Dinge bat. Ich habe den Brief am 18. Mai 1923 im Tagesblatt dei Schweiz, im ,Morgen‘, veröffentlicht.“ Später wurde der Brief auch in der ,Münchener Allgemeinen Rundschau‘ (1924, S. 757) und in ,Ecclesiastica‘ (Freiburg 1924, S. 260) veröffentlicht.Der Empfänger des Briefes bewies dessen Echtheit nochmals in August 1925 in der Ludwigshafener ,Abwehr‘ Nr. 2.
Da das Gericht nach 1 ½-tägiger Verhandlung in den Äußerungen keine Ehrverletzung der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher zu erblicken vermochte, wurde Dr. Fehrmann freigesprochen. Die WTG wurde zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 450 Schweizer Franken an Dr. Fehrmann verurteilt. Auch nachdem sie Berufung eingelegt hatten, verloren die Bibelforscher den Prozeß; diesmal mußten sie 1313,55 Franken an Dr. Fehrmann zahlen.

Um der Situation zu entkommen, boten die Bibelforscher im Rahmen einer Kampagne einem jeden Geld an, der nachweisen konnte, ob sie Geld von der Freimaurerei erhielten. Eine Gruppe von Zeugen Jehovas in Eutin deponierte zu diesem Zweck 10.000 Mark auf einer Bank. Es muß gesagt werden, daß die durchschnittlichen Zeugen Jehovas ganz gewiß nichts von der finanziellen Unterstützung durch die Loge wußten.

Nun aber zurück zur Rutherford. Sein erster Schritt nach Russells Tod, bestand darin, Stück für Stück die Spuren seines Vorgängers zu beseitigen, einschließlich der Lehre von der großen Pyramide und alle Embleme, die in diesem Kapitel erwähnt wurden. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte Rutherford mit den maurerischen Verbindungen Russells gebrochen. In the Golden Age vom 3. September 1930 greift er die Freimaurer vehement an. Er beschuldigt sie sogar der Verbindung mit dem Satanismus. The Golden Age vom 5. August 1931 bringt noch einmal einen ähnlichen Artikel. Beweist das, daß Rutherford kein Freimaurer war? Absolut nicht! Ich muß den Leser daran erinnern, daß die Freimaurerei von Rätseln und Geheimnissen umgeben ist. Beispielsweise fand man heraus, daß der Führer der antifreimaurerischen Partei (1830-1840) in den Vereinigten Staaten selbst ein hohes Mitglied der Loge war.
Nach seinen Attacken gegen den Orden wechselte Rutherford ebenfalls das Hemd. Ab 1935 zeigte er sich der Freimaurerei wohlgesonnen. In jenem Jahr veröffentlichte er zwei Artikel, in denen er die Verfolgung der Freimaurer in Italien und Deutschland anprangerte. Anscheinend verkörperten bei ihm seit diesen beiden Veröffentlichungen die Freimaurer nicht mehr den Teufel. Rutherford zufolge waren sie Opfer des Faschismus und des Vatikans. Am seltsamsten ist, daß die WTG während all dieser Jahre nur die Verfolgung von Logenmitgliedern durch die Faschisten beklagte, niemals jedoch die Verfolgung und Tötung von Juden, Geisteskranken, Zigeunern und anderen Opferns seitens dei Nazis bekanntmachte oder verurteilte.

Nach Rutherfords Tod fuhr die WTG fort, Artikel zugunsten der Freimaurerei zu veröffentlichen. In The Golden Age vom 20. Juni 1945 wird über die Verfolgung der spanischen Freimaurer durch Franco berichtet. Und der Wachtturm vom 13. März 1946 erzählt die Geschichte der ersten italienischen Opfer aus den Reihen der Freimaurerei unter Mussolini.

Im allgemeinen wissen die Zeugen Jehovas absolut nichts über die Freimaurerei. Anscheinend hält es die Führungsspitze in Brooklyn nicht für nötig, sie über diese so mächtige Organisation zu informieren. Ich habe nur einen einzigen Artikel über die Freimaurerei gefunden. Was mich an diesem fünfseitigen Bericht (in Awake! vom 8. August 1958) am meisten überraschte, war die umfassende Kenntnis, die die Führer der Zeugen Jehovas von der Freimaurerei besitzen. Der Schreiber des Artikels schildert detailliert die Einweihung in den ersten, zweiten und dritten Grad. Nachdem was wir bisher über die Logenmitgliedsschaft der Führungsspitze der WTG gehört haben, ist es bezeichnend, daß der Bericht die Freimaurer ganz anders behandelt als die Katholiken, die in den Publikationen der Sekte oft scharf angegriffen werden. Gegen die Logen nimmt der Autor, wahrscheinlich Nathan Homer Knorr, nur ganz am Ende seines Aufsatzes Stellung, indem er bekräftigt, daß sie nichts für die Getreuen der WTG seien.

Interessanterweise wird in dem gleichen Artikel der bereits erwähnte Albert Pike als einer der größten Gelehrten der Freimaurerei bezeichnet. Wer war dieser Albert Pike in Wirklichkeit? Albert Pike, der den Spitznamen ,,Teufelspapst“ trug, war nicht nur Oberhaupt des Schottischen Ritus in Washington, sondern auch das okkultistische Oberhaupt der Illuminaten in den Vereinigten Staaten und der Erfinder des Palladischen Ritus, einer satanistischen Organisation die höchstwahrscheinlich die spirituelle Freimaurerei kontrolliert und auch als treibende Kraft hinter der ungeheuren New-Age-Welle betrachtet werden muß.
Nicht nur Albert Pike wird von der WTG erwähnt. Es läßt sich nachweisen, daß die Machthaber von Brooklyn oft berühmte Freimaurer wohlwollend zitieren.

Wie schon gesagt, hinterlassen die Freimaurer so oft als möglich einen Hinweis auf ihre Verbindungen, nicht nur durch Verwendung von Bildsymbolen, sondern auch durch Handzeichen, bestimmte Worte oder festgelegte Ausdruckweisen Im Falle des vierten Präsidenten der WTG, Frederick Franz, genügt ein einziges Beispiel, seine Verbindung zur Freimaurerei aufzuzeigen: wahrend in allen Bibelübersetzungen an dieser Stelle der Name ,,Herr“ oder ,,Jahwe“ steht, wandelt Franz bei Hosea 12,14 das Wort ,,Adonai“ in ein freimaurerisch besetztes um: ,,Großer Meister“.
Gibt es noch mehr Beweise dafür, daß die Sekte mit der Freimaurerei verbunden ist? Im Augenblick begnügen wir uns mit einem Hinweis auf ,,Erwachet“ vom 8. Januar 1993. In diesem Heftchen verwendet der von der WTG geistgesalbte Schreiber den freimaurerischen Ausdruck ,,Großer Baumeister des Universums“.
Es ist im übrigen verblüffend, wie weitgehend die Ideologie der Freimaurerei mit derjenigen der Gründung von Charles Taze Russell bzw. mit den aktuellen Glaubenslehren der WTG übereinstimmt:

BEIDE Organisationen leugnen die Grundwahrheiten des christlichen Glaubens.

BEIDE behaupten, daß die Rettung der Seelen nur durch gute Werke zu erreichen, das ,,Neugeborenwerden“ (aus dem Glauben) hingegen nicht notwendig ist.
BEIDE versammeln sich in freimaurerischen Sälen.

BEIDE setzen Hiram-Abif mit dem Messias gleich.

BEIDE haben ihre eigene Bibel und bilden sich ein, die Heiligen Schriften seien verschlüsselt abgefaßt. Gegenüber ihren Mitgliedern lehren sie, daß die Geheimnisse der Heiligen Schrift sich nur bestimmten eingeweihten Mitgliedern offenbaren. 

Russell schrieb im ,;Bible Examiner“ vom Oktober 1876 auf Seite 27: ,,Die Schriften sind wie ein Tempel [freimaurerischer Ausdruck!], und um sie zu enthüllen, braucht man einen Schlüssel.“ BEIDE stützen sich auf die Symbolik der Zahlen, und derjenigen der altägyptischen Pyramiden.

BEIDE glauben, daß Gott die Große Pyramide bauen ließ. Nach ihrer Auffas­sung stellt die Pyramide die Kirche dar.

BEIDE verneinen die Gottheit Christi. Ihnen zufolge ist Christus nur ein Mensch. Außerdem leugnen sie, daß er der Mittler der Christen ist. Albert Pike erklärte in seinem Standardwerk ,,Morais and Dogma of the Ancient and Accepted Rite of Scottish Freemasonary“ (,,Sitten und Glaubenslehre des Alten und Akzeptierten Ritus der Schottischen Freimaurerei“)(Richmond 1921, Nachdruck 1966), das mit Erlaubnis des Obersten Maurenschen Rates veröffentlicht wurde, Jesus sei ein Mensch wie jeder andere gewesen und seine Geschichte stelle nur die imaginäre Wiederbelebung einer älteren Legende dar (5. 34). Andere Schriftsteller der Loge vergleichen Christus mit Isis.
BEIDE erwarten eine Neue Welt-Ordnung und eine Weltregierung.

BEIDE bedienen sich des Ausdrucks ,,Großer Baumeister“. Russell benutzte ihn oft in seinen Schriften. Die Freimaurerei identifiziert den ,,Großen Baumeister“ mit dem Schöpfer des Universums. Den Namen Gottes führt sie selten im Munde, und denjenigen Christi überhaupt nicht.
BEIDE benutzen den jüdischen Kalender. Statt zu sagen: ,,vor“ bzw. ,,nach“ Christi Geburt, sagen sie: ,,vor“ bzw. ,,nach“ der allgemeinen Zeitrechnung.
BEIDE lehren, man dürfe falsch schwören, um die ,,Brüder“ zu beschützen. Sie behaupten auch, es sei nicht notwendig, die Wahrheit solchen Personen zu sagen, die es nicht verdienen, sie zu erfahren. Die Lüge wird bei beiden als ,,Kriegsstrategie“ betrachtet.
BEIDE zeigen sich überzeugt von der Uberlegenheit der weißen Rasse über die farbige. Russell forderte die Bibelforscher auf, keine Zeitschriften oder Bücher an Schwarze zu verschwenden, weil sie weniger Bildung hätten und aus den Schriften keinen rechten Nutzen zu ziehen vermöchten. Die Logen in den meisten Bundesstaaten der USA nehmen keine Neger auf.

BEIDE erklären nachdrücklich, daß sie die Offenbarungen immer besser verstehen. Sie messen dem Wort ,,Licht“ großen Wert bei.
Wir haben soeben gezeigt, daß man die besondere Beziehung, in der die WTG zur Freimaurerei steht, nicht ignorieren kann WTG tatsächlich ihre Arbeit zugunsten der zionistischen Bewegung, als sie den Umschwung bezüglich der Juden vollzog? Können wir, in Anbetracht der Millionen Exemplare von Zeitschriften und Büchern der Sekte. die das hebräische Volk beleidigten und im ganzen deutschen Reich verbreitet wurden, ausschließen, daß die Attacken der WTG gegen die Juden ihr damaliges geistiges Umfeld beeinflußt haben? Verursachten nicht die antisemitischen Attacken in allen Teilen Deutschlands eine Zunahme der Anstrengungen der Juden, nach Palästina auszuwandern?
Gemäß dem bedeutenden jüdischen Schriftsteller J. G. Burg ist der Zionismus nicht nur geistig verwandt mit dem Antisemitismus, er kann ohne ihn überhaupt nicht leben. Der Schriftsteller behauptet u.a.:
,,Das furchtbare ist, daß gerade die Zionisten allergrößtes Interesse am Antisemitismus haben. Je mehr Unrecht die Juden in der Welt erleben müssen, je mehr sie verfolgt werden, desto besser stehen die Chancen der Zionisten.

Die GEHEIME MACHT HINTER DEN KULISSEN

a) Marionetten des Kapitalismus

1861 brach der verheerende amerikanische Sezessionskrieg aus. In den folgenden vier Jahren richtete dieser kostspielige, mit großer Erbitterung geführte Krieg in der Süd-Ost-Region der Vereinigten Staaten große Verwüstungen an. Mehr als 620.000 Menschen starben auf beiden Seiten; es gab 375.000 Verwundete.
Nach diesem Krieg veränderte die fortschreitende Industrialisierung das Land vollständig. Merkwürdigerweise hatte die Wirtschaftskraft der Vereinigten Staaten überhaupt nicht gelitten. Ausschlaggebend dafür war zweifellos der außergewöhnliche Fortschritt der Schwerindustrie. Kein europäisches Land hat je eine ähnliche Entwicklung gesehen!

Ab 1865 wurden Kapitalzusammenschlüsse gegründet, wie es sie vorher nicht gegeben hatte: ,,Trusts“, d.h. Gruppen, die Monopole bildeten, um ganze Industriesektoren zu beherrschen. So gerieten zum Beispiel zwei Drittel aller Eisenbahnlinien unter die Kontrolle verschiedener Gruppen, die dem Bankier und Freimaurer John Pierpont Morgan unterstanden. Carnegie gab den Anstoß zur Gründung eines Kartells, das zum mächtigsten der Welt auf dem Stahlsektor wurde. Und Rockefeller war Herr über die Ölfelder.
Im Laufe der Zeit formierten sich zwei Finanzimperien, das eine gebildet von Moigans First National Bank, dem Rubber Trust, General Electrics, U.S. Steel und den Eisenbahnen Vanderbilts, das andere bestehend aus RockeFellers National City Bank, Standard Oil, Tobacco, dein Ice Trust und den Eisenbahnen Goulds.

Zur gleichen Zeit, da sich der Kapitalismus entfaltete, kam es auch zu einer brutalen Konfrontation zwischen dem Reichtum des gehobenen Bürgertums (der Bourgeoisie) und dem Elend der Arbeiterschaft. Damals waren die Arbeiter zu einer Lebensweise gezwungen, die sich kaum von der Sklaverei unterschied. Die Familien lebten in von den Unternehmen gestellten ,,Ställen“, die man noch nicht einmal den Schweinen anzubieten gewagt hätte. Die Löhne waren äußerst niedrig und die wöchentliche Arbeitszeit betrug 65 bis 67 Stunden. Eines der Probleme der Arbeiter war die uneingeschränkte Zu -wanderung. Die Unternehmer konnten ihren Angestellten aus lächerlichen Gründen kündigen, da ihnen ständig eine Anzahl Neuangekommener zur Verfügung standen, die sich bereit fanden, die Arbeit zu den Bedingungen der Arbeitgeber auszuführen.
Die Arbeiterschicht der Vereinigten Staaten wurde zu einer der zahlenmässig größten der Welt. Die Armut, das Analphabetentum und das Fehlen jedes politischen Konzepts waren die Ursachen dafür, daß sie die schwersten Arbeiten gegen sehr geringe Entlohnung verrichteten. Es gab für die Arbeiter keinerlei Möglichkeit, sich ihren Fronherren zu widersetzen. Da die Regierung auf Seiten der Morgans, der Rockefellers, usw. stand, kam für sie nicht einmal der Streik in Frage; wenn sie es dennoch versuchten, griffen Polizei und Armee mit Härte, ja sogar mit ausgesprochener Brutalität ein.

Im Jahre 1877 wurde die Agitation chronisch und es kam zu mehreren Streiks, deren aufsehenerregendster derjenige der Eisenbahner von Baltimore und Pittsburgh war.

Die Eisenbahn von Baltimore hatte eine zehnprozentige Senkung der Löhne bekannt gegeben. Als Folge dessen traten die Arbeiter in einen Streik, der aber von der Armee zerschlagen wurde. Die Bilanz dieses Streiks waren 10 Tote und 30 Schwerverletzte.

In Pittsburgh wurden hunderte von den Streikenden abgestellte Lokomotiven durch einen Brand zerstört, den Provokateure gelegt hatten. Dieser Streik sollte zum schlimmsten seiner Art werden; es gab 25 Tote (darunter 10 Kinder) und 50 Schwerverletzte. Wie stets, blieben die Arbeitgeber Sieger.

Nach diesen Streiks hielt der Kampf der Arbeiter an. 1886 wurden mehr als 1600 Streiks ausgerufen, ein jeder weitreichender und länger anhaltend als der vorherige. Diese Streiks kosteten viele Menschenleben.

Die Arbeiter mußten überdies eine unausgesetzte Verleumdungskampagne seitens von den Arbeitgebern gekaufter Journalisten über sich ergehen lassen. Überraschenderweise nahm auch Charles Taze Russell Partei für die großen ,,Trusts“. Es scheint, daß die WTG mit ihrer Proselytenmacherei, besonders innerhalb der Arbeiterklasse, die gleichen Ziel verfolgte wie die gekauften Journalisten. Im 4. Buch der Serie Millennium-Tagesanbruch, ,,Der Tag der Rache“, später ,,Der Krieg von Armageddon“ genannt, ging Russell zu weit, als er sich an die Arbeiterklasse wandte und zwar zugab, daß die Situation schlimm sei, aber gleichzeitig hinzufügte, daß jeder organisierte Kampf bedeuten würde, die Lage noch weiter zu verschlechtern. Ihm zufolge gab es für die Arbeiter keine andere Möglichkeit, als ihr Los zu ertragen. Im gleichen Artikel rechtfertigte er auf unverschämte Weise den Standpunkt der großen ,,Trusts“ (5. 178fu. 191).
War Russell, genau wie die Journalisten, von den großen Trusts“ bezahlt worden, um die Arbeiter zu beschwichtigen?
Es ist schändlich, wie Russell mit unfaßbarer Gleichgültigkeit die Tragödie der armen versklavten Arbeiter darstellt. Aus einer ganzen Reihe von Erklärungen Russelis, die wir lesen konnten, geht hervor, daß der Artikel kein Zufall war. Denn seit seinem Erscheinen (schon in der dritten Ausgabe!) nahm der Wachtturm Partei für die großen Trusis. So lobte Russell beispielsweise im Wachtturm vom 1. Januar 1911 auf den Seiten 1 bis 4 das Werk des Magnaten und Freimaurer J. P.Morgan. Russel behauptete u.a. das Werk stelle eine Erfüllung der Schriften dar.

b) Pazifisten und Spione
Niemand dachte, daß die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers am 28. Juni 1914 in Sarajewo zum Krieg führen könnte. Aber da es in der Anklage hieß, daß die Mörder an jenem Tag im Interesse Serbiens gehandelt hätten, erklärte Osterreich-Ungarn dem kleinen Balkanstaat den Krieg. Es dauerte nicht lange, bis alle europäischen Mächte in diesen sogenannten ,,Großen Krieg“ verwickelt waren. Als Belgien im August 1914 von den deutschen Truppen besetzt wurde, sagt der amerikanische Präsident Wilson dazu: ,,Es ist notwendig, daß die Vereinigten Staaten neutral bleiben.“ In einer Botschaft an den US-Kongreß vom Dezember 1914 bekräftigte President Wilson: ,,Wir befinden uns mit der gesamten Welt im Frieden; wir sind die aufrichtigen Freunde aller Nationen auf Erden; wir sind die Vorkämpfer der Eintracht und des Friedens.“ In der Zwischenzeit schickte das US-Schatzamt monatlich 500 Millionen Dollar zu einem Zinssatz von drei Prozent nach Europa. Morgans U.S. Steel Corporation lieferte den Alliierten sechs Millionen Tonnen Stahl für ihre Waffen- und Munitionsfabriken. Berlin legte beim Weißen Haus Beschwerde ein und warf den Vereinigten Staaten vor, den Engländern Munition zu verkaufen.

Die offizielle Geschichtsschreibung berichtet über Deutschland, daß diese Nation eine Politik der Zerstörung aller Schiffe jeglicher Nationalitäten begann. Nach dem Abschuss des amerikanischen Passasierschiffes ,,Lusitania“ stimmte das US-Repräsentantenhaus am 6. April 1917 mit 373 gegen 50 Stimmen für die Kriegserklärung gegen Deutschland. Das Rekrutierungs­Gesetz wurde am 15. Juni 1917 vom Kongreß bewilligt.
Es gibt keinen Zweifel, daß der Untergang der Lusitania inszeniert wurde. Die Ladung dieses Schiffes bestand aus militärischen Gütern, die für Großbritannien bestimmt waren und folglich war es auch kein reines Passagierschiff, wie die Amerikaner behaupteten. Es ist bekannt, daß es Präsident Wilson war, der den Seefrachtbrief der zum Untergang geweihten Lusitania in die Archive des amerikanischen Finanzministeriums verbracht hat. Aus dieser Bill of Lading geht eindeutig hervor, daß die Lusitania militärische Güter transportierte. Man schickte die Lusitania mit gedrosselter Geschwindigkeit absichtlich in ein Gebiet, in dem sich feindliche U-Boote befanden. Außerdem wurde ihr Begleitschutz abgezogen. Der Abschuß dieses Schiffes war lediglich der Grund, den Präsident Wilson benötigte, um endlich in den europäischen Krieg eingreifen zu können.

Nachdem J.P. Morgan den amerikanischen Präsidenten Wilson um Hilfe bat für England und Frankreich gegen Deutschland in Form einer Anleihe von 500 Millionen Dollar und von Munitionslieferungen“7, erwies sich Paul Warburg, der damals Direktor des Federal Reserve Board war, mit dieser Forderung nicht einverstanden. Als aber Morgan die Verbindungen der Warburgs zum deutschen Geheimdienst aufdeckte, sah sich Warburg gezwungen, auf seinen Posten zu verzichten.“ Einen Monat nach Kriegsausbruch, legte Rutherford sein Buch The Finished Mistery, zu deutsch Das vollendete Geheimnis vor. Dieses Buch mahnte nicht nur dazu, dem Militärdienst fernzubleiben, sondern enthielt sogar Sätze, die gewisse prominente Leute gegen den Krieg ausgesprochen hatten. Man muß wissen, daß dieses Buch, das die Ansichten der pazifistischen Partei von Warburg & Co. unterstützte, noch vor dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg veröffentlicht werden sollte. Das Buch, das dazu angetan war, die Bemühungen der Vereinigten Staaten um den Kriegseintritt zu behindern, wurde augenblicklich von der Regierung verboten. Ein Memorandum des Justizministeriums lautete: ,,Der einzige Effekt, den das Buch ,Das vollendete Geheimnis‘, ein Buch, das ganz im religiösen Stil gehalten und in großem Umfang verbreitet wurde, erzielt, ist, daß die Soldaten unsere Sache ablehnen und andere ein Widerstreben gegen die Einberufung verspüren.“ Am 7. Mai 1918 wurde gegen Rutherford und sieben Mitglieder des Direktoriums Haftbefehl erlassen. Die Anklageschrift gegen den Präsidenten der WTG und seine Gefährten beschuldigte sie der Verschwörung zur Verletzung des Spionagegesetztes vom 17. Juni 1917. 

Besonders die Veröffentlichung und Verbreitung des Buches The Finished Mystery spielte dabei eine große Rolle. Weiter wurde ihnen vorgeworfen, ihre illegalen Vorhaben auszuführen oder es zu versuchen. Außerdem wurde erklärt, sie hätten sich verschworen, um zum Ungehorsam und zur Verweigerung der Dienstpflicht in den Streitkräften der Vereinigten Staaten anzustiften und die Rekrutierung und Anwerbung von Männern für den Militärdienst zu behindern.

 (Quelle: Zeugen der Wahrheit. Used with permission)

 

CONGREGATION FOR THE DOCTRINE OF THE FAITH

DECLARATION ON MASONIC ASSOCIATIONS


It has been asked whether there has been any change in the Church’s decision in regard to Masonic associations since the new Code of Canon Law does not mention them expressly, unlike the previous Code.

This Sacred Congregation is in a position to reply that this circumstance in due to an editorial criterion which was followed also in the case of other associations likewise unmentioned inasmuch as they are contained in wider categories.

Therefore the Church’s negative judgment in regard to Masonic association remains unchanged since their principles have always been considered irreconcilable with the doctrine of the Church and therefore membership in them remains forbidden. The faithful who enrol in Masonic associations are in a state of grave sin and may not receive Holy Communion.

It is not within the competence of local ecclesiastical authorities to give a judgment on the nature of Masonic associations which would imply a derogation from what has been decided above, and this in line with the Declaration of this Sacred Congregation issued on 17 February 1981 (cf. AAS 73 1981 pp. 240-241; English language edition of L’Osservatore Romano, 9 March 1981).

In an audience granted to the undersigned Cardinal Prefect, the Supreme Pontiff John Paul II approved and ordered the publication of this Declaration which had been decided in an ordinary meeting of this Sacred Congregation.

Rome, from the Office of the Sacred Congregation for the Doctrine of the Faith, 26 November 1983.


Joseph Card. RATZINGER
Prefect

+ Fr. Jerome Hamer, O.P.
Titular Archbishop of Lorium
Secretary

(Source: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19831126_declaration-masonic_en.html)

 

Links National

Links International

Resources

Pope Leo XIII: Custodi di quella fede (English)

Pope Leo XIII: DALL'ALTO DELL'APOSTOLICO SEGGIO (English)

Pope Leo XIII: HUMANUM GENUS (English)

INIMICA VIS. ENCYCLICAL OF POPE LEO XIII ON FREEMASONRY (English)



LITTERAE ENCYCLICAE QUADRAGESIMO ANNO AD VENERABILES FRATRES PATRIARCHAS,
PRIMATES, ARCHIEPISCOPOS, EPISCOPOS ALIOSQUE LOCORUM ORDINARIOS, PACEM ET COMMUNIONEM CUM APOSTOLICA SEDE HABENTES ITEMQUE AD CHRISTIFIDELES CATHOLICI ORBIS UNIVERSOS: DE ORDINE SOCIALI INSTAURANDO ET AD EVANGELICAE LEGIS NORMAM PERFICIENDO, IN ANNUM XL POST EDITAS LEONIS XIII LITTERAS ENCYCLICAS
« RERUM NOVARUM ». PIUS PP. XI



Literatur



Watch this: "Irrtümer der Freimaurerei" (Video)



Bücher über Freimaurerei auch im Miriam-Verlag


Das schwarze Reich: Geheimgesellschaften und Politik (Broschiert)
von E. R. Carmin (Autor)
Broschiert: 912 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (November 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548369162
ISBN-13: 978-3548369167


Ich war Freimaurer
von Burkhardt Gorissen (Autor)
Verlag: Sankt Ulrich Verlag; Auflage: 1 (September 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3867441073
ISBN-13: 978-3867441070




Geheimbünde und Maulwürfe (Gebundene Ausgabe)
von Rudolf Graber
Gebundene Ausgabe: 100 Seiten
Verlag: Mm Verlag, Aachen; Auflage: Veränd. Neuaufl. (9. November 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3928272691
ISBN-13: 978-3928272698



Kopp Verlag: Geheimbünde

Kopp Verlag: Bilderberger (DVD)

Kopp Verlag: Illuminati (DVD)

John Salza: "Masonry Unmasked: An Insider Reveals the Secrets of the Lodge" (Our Sunday Visitor)

John Salza: "Why Catholics Cannot Be Masons" (Tan Books and Publishers)

William J. Whalen: "Christianity And American Freemasonry" (Ignatius Press)

Saint Joseph Communications: Freemasonry (CD)

 

Welche Rolle spielt die Freimaurerei?

 

Newman und der Freimaurer



Freemasonry is Conquered by Mary - Dr. Miravalle: Mcasts191

PITN: Date Setting and Masonic America   

Freemasons & the Catholic Church