Katholisch Leben!

The Jesus Brothers

Dr.Scott Hahn reflects on The New Evangelization

Evangelisation

 

"Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt"

(1 Petr 3,15 - Einheitsübersetzung)

"Der Herr aber sagte nachts in einer Vision zu Paulus: Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun. Viel Volk nämlich gehört mir in dieser Stadt."

(Apg 18,9-10 - Einheitsübersetzung)

 

The late Archbishop Fulton Sheen said: “There aren’t 100 people in America who truly hate the Catholic Church. But there are millions who hate what they think is the Catholic Church.”

 

"Die meisten Menschen ahnen nicht, was Gott aus ihnen machen könnte, wenn sie sich ihm nur zur Verfügung stellen würden."

Ignatius von Loyola (1491 - 1556)

 

Was ist das eigentlich, "Evangelisation"?

Evangelisation im christlichen Sinne heißt nichts anderes als das Evangelium zu verkünden, also die "Gute Nachricht" zu verbreiten.


 

Warum gibt es so viele Menschen, die anti-katholisch eingestellt sind?

1) Weil sie nicht wirklich den katholischen Glauben kennen (sie denken, die Katholische Kirche sei zu gesetzlich und außerdem abergläubisch)

2) Weil wir Katholiken den katholischen Glauben nicht richtig kennen!

(Frei nach Prof. Dr. Scott Hahn, "Evangelizing the Baptized", erhältlich bei www.saintjoe.com)

 


(in Vorbereitung)

kathpedia.com: Evangelisierung

Evangelium bedeutet wörtlich übersetzt: Frohe Botschaft. Für uns ist diese Botschaft aber nicht etwas, sonder jemand, nämlich Jesus Christus, der Menschgewordene, unser Erlöser. Evangelisation bedeutet daher, Menschen mit Jesus Christus zu verbinden, sie in eine Beziehung mit Ihm hineinzuführen.

 

Der Auftrag dazu findet sich vielerortens in der Hl. Schrift

 

Matt.28:19 Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Evangelisation kann verschiedene Formen haben. Die ursprünglichste Form, zu der wir alle gerufen sind, ist das Zeugnis durch unsere eigene Lebensführung: so leben, dass die anderen Menschen staunen über die Freude, die uns erfüllt; so leben, dass die anderen Menschen Fragen bekommen - und Sehnsucht, auch so aus einer inneren Festigkeit und tiefem Vertrauen heraus zu leben.

1Petr. 3:15 ... Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt

Darüberhinaus gibt es noch die Evangelisierung durch das Wort (die vorwiegend durch das Lehramt der Kirche ausgeübt wird, aber auch z.B. durch Evangelisationseinsätze der Legio Mariae oder anderer Gruppierungen) - aber auch geistliche Musik, Bildende Kunst, und vor allem der caritative Dienst sind zur Evangelisation geeignet.

 

Trägerschaft der Evangelisierung


Nicht unerheblich für die Evangelisierung ist die Frage nach deren Träger.

Der Inhalt, die Botschaft der Verkündigung, ist wichtig, aber ohne eine entsprechend glaubwürdige Vermittlung verliert sie ihre Kraft und Vitalität. So muß mit den Worten Paul` VI. gesagt werden, daß die Welt von heute Zeugen anstelle von Gelehrten braucht.(vgl. EN 41)

Im Abschlußdokument der römischen Bischofssynode von 1974 heißt es: Es ist “Sache des ganzen in der Kirche durch Gottes Wort und Eucharistie vom Heiligen Geiste versammelten Volk Gottes, das Evangelium zu verkünden, und niemand, der wirklich Christ sein will, darf sich von diesem Auftrag als dispensiert betrachten, sondern muß ihn in der ihm geziemenden Weise und in der Gemeinschaft mit seinem Hirten erfüllen.” (Abschlußdokument der römischen Bischofssynode, in: HK 28 (1974), 622-624, 622.) Kardinal Johannes Willebrands weist darauf hin, daß wir alle als Christen die Verpflichtung haben, “das Evangelium Christi zu verkünden, und zwar nicht als ein menschliches Ideal oder auf das Wort eines Menschen, sondern 'Auf Dein Wort', auf das Wort des Herrn.” (Willebrands, Johannes: Die Einheit Europas und die Verpflichtung zum Engagement in der Ökumene. Referat auf der fünften Europäischen Ökumenischen Begegnung in Santiago de Compostela vom 13.-17.11.1991, in: Die katholische Kirche und das neue Europa. Dokumente 1980-1995, Teil 2, hg. v. Jürgen Schwarz: Mainz 1996, 633-649, 634.)

Kardinal Höffner verweist auf die nur in Verbindung mit der glaubenden und lehrenden Kirche mögliche Verkündigung. (Joseph Höffner, : An den Quellen der Evangelisierung, Neun Fragen und neun Antworten, hg. v. Presseamt des Erzbis-tums Köln, Köln 1978, 5-12, 21)

In erstaunlicher Klarheit haben die Bischöfe die Verantwortung aller Christen in der Evangelisierung ausgedrückt. Es ist nicht nur ein Wirkbereich von Kirche, in dem sich alle einbringen dürfen, sondern es gehört zum Kern des Christseins.

Wo Christen sich im Reden und Handeln, im privaten und öffentlichen Bereich für den Gott des Lebens einsetzen, dort geschieht Evangelisierung. Sie hängt “in erster Linie vom gelebten Zeugnis der Christen inmitten der menschlichen Gemeinschaft ab.” Es gibt der Verkündigung eine Tiefe, die schöne und eloquente Worte nicht erreichen können.

Kardinal Höffner betont die Dimension des Christen als 'Sauerteig' und 'Salz der Erde', auf das die moderne Gesellschaft nicht verzichten kann. Er sieht die Zeugenschaft des christlichen Lebens von allen in vier Bereichen: in der modernen Kulturwelt, im sozialen Bereich, in der Politik und im modernen Wirtschaftsleben.

Die Grundlage für das Engagement der Gläubigen liegt dabei in ihrer Teilhabe am dreifachen Dienst Christi als Priester, Prophet und König. Sie sind von daher zum Dienst des Wortes, zum Dienst des Heiligens und zum Dienst des Leitens gerufen.(EN 18)

Ein weiterer, nicht außer acht zu lassender Bereich ist die Kirche selber. EN spricht von der Mitarbeit der Laien im Dienst der kirchlichen Gemeinschaft unter anderen als Katecheten, als Verkünder des Wortes Gottes und als Leiter kleinerer Gemeinschaften. Das Laienapostolat trägt beträchtlich dazu bei, die der Kirche eigene Dynamik in der Evangelisierung zu erneuern und zu stärken.

Durch die Verkündigung der Frohen Botschaft möchte die Kirche erreichen, “daß durch die Kraft des Evangeliums die Urteilskriterien, die bestimmenden Werte, die Interessenpunkte, die Denkgewohnheiten, die Quellen der Inspiration und die Lebensmodelle der Menschheit, die zum Wort Gottes und zum Heilsplan im Gegensatz stehen, umgewandelt werden.” (EN 19)

Indem die Kirche evangelisiert, wird sie zur Dienerin der ganzen Menschheit. Ausgangspunkt dafür ist das christliche Menschenbild. Der Mensch als Abbild Gottes, ist ursprünglich dialogisch geschaffen. In jedem Menschen wissen wir eine ursprüngliche Güte verborgen, die seine Identität ausmacht. Wahre Erfüllung menschlicher Existenz ergibt sich aus der Erfahrung der Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus für jeden Menschen in der Liebe.

 

Neuevangelisierung


Für die Neuevangelisierung bildeten sich seit dem 2. Vatikanischen Konzil viele Initiativen, deren Unterstützer bis in den höchsten Kreise der Römischen Kurie agieren.

So ist der Kardinal Paul Josef Cordes ein Anhänger des im Jahr 1964 gegründeten Neokatechumenalen Weges.

Diese Gruppen werden unter dem Oberbegriff Movimenti zusammen gefasst.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Evangelisierung)

 

kathpedia.com: Neuevangelisierung

In seiner Ansprache an die Teilnehmer des VI. Symposiums der europäischen Bischöfe am 11.10.1985 spricht Papst Johannes Paul II. zum ersten mal von einem neuen Evangelisierungswerk, von einer neuen Evangelisierung. Immer öfter wird seitdem von Neuevangelisierung bzw. Wiederevangelisierung gesprochen.

Auf dem Symposium über ‘Säkularisierung und Evangelisierung in Europa heute’ sieht er dieses neue Evangelisierungswerk ”in organischer und dynamischer Kontinuität vor allem mit der ersten Evangelisierung durch Christus” . ( Johannes Paul II., Neuevangelisierung Europas. Ansprache an die Teilnehmer des VI. Symposiums der europäischen Bischöfe am 11.10.1985, in: Die katholische Kirche und das neue Europa. Dokumente 1980-1995, Teil 1, hg. v. Jürgen Schwarz, Mainz 1996, 202-214, 203.)

Es sei dazu berufen, eine neue kreative ‘Synthese zwischen Evangelium und Leben’ herzustellen. In seiner Botschaft an die Bischofskonferenzen Europas vom 02.01.1986 spricht der Papst von der Dringlichkeit der Neu-Evangelisierung des alten Kontinents, von einer neuen Evangelisierung der Kultur. ”Auf die tiefen und vielschichtigen kulturellen, politischen und ethisch-geistigen Veränderungen, die schließlich der Struktur der europäischen Gesellschaft eine neue Gestalt gegeben haben, muss eine neuartige Evangelisierung antworten, die es ver-steht, dem heutigen Menschen die bleibende Heilsbotschaft in überzeugenden Formen neu vorzulegen.” (Johannes Paul II.: Vor allem “Wiederevangelisierung Europas”. Aus der Ansprache anlässlich der europäischen Tagung der Missionare der Auswanderer (UCEI) am 27.6.1986, in: Die katholische Kirche und das neue Europa. Dokumente 1980-1995, Teil 1, hg. v. Jürgen Schwarz, Mainz 1996, 233-236, 234.)

Gemeint ist eine aktualisierte Evangelisierung. ”Es sind dies die Worte, die die Evangelisierungsdynamik der Kirche begründen und die der Missionar im wahrsten Sinne des Wortes, der vom Vater an die Menschen aller Zeiten und aller Länder Gesandte, an die richtete, die dazu berufen sind, sein Werk in Zukunft fortzusetzen.”


Neuevangelisierung ist das missionarische Unternehmen, ”im Menschen das Gespür für Gott und für sein eigenes Geheimnis zu wecken.” Valadier, Paul: Moderne Gesellschaft und christliche Religion. Eine Analyse aus der Sicht von Gesell-schaftslehre und politischer Theorie, in: Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Die europäi-schen Bischöfe und die Neu-Evangelisierung Europas. Oktober 1991 (=Stimmen der Weltkirche Europa 32,), hg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 1991, 185-200, 198.

Darüber hinaus ist die Wiederevangelisierung Europas - wie dieses neue Evangelisie-rungswerk auch genannt wird - entscheidend für die Evangelisierung der Welt. Die Kirche fühlt sich herausgefordert von den gegenwärtigen Krisensituationen der Welt und will ”mit dem Engagement zur Wiederevangelisierung darauf antworten bzw. mit einer erneuerten und wirkungsvolleren Verkündigung Jesu, des Erlösers, in dem der Mensch den Gipfel seiner Würde als freie und verantwortungsvolle, zu einer ewigen Bestimmung berufenen Person findet.” (Vgl. Johannes Paul II.: Vor allem “Wiederevangelisierung Europas”. Aus der Ansprache anlässlich der europäischen Tagung der Missionare der Auswanderer (UCEI) am 27.6.1986, in: Die katholische Kirche und das neue Europa. Dokumente 1980-1995, Teil 1, hg. v. Jürgen Schwarz, Mainz 1996, 233-236, 235.)

Neu-Evangelisierung meint eine erneute Einwurzelung und Vergegenwärtigung des Evangeliums Jesu Christi in einer neuen Zeit und unter veränderten Bedingungen.

“Jesus hat der ganzen Kirche den Auftrag gegeben, dieses Evangelium aller Welt zu bezeugen. Diese Botschaft soll allen Völkern zu allen Zeiten und an allen Orten ausgerichtet werden.” Das ist die Antwort auf das Phänomen der allgemeinen Ermüdung im Glauben, auf den Prozess der Entchristlichung.

“Die Wortprägung Neu-Evangelisierung deutet darauf hin, dass es offenbar in bestimmten Situationen nötig ist, eine bereits früher einmal erfolgte Evangelisierung radikal zu wiederholen.” Der auch wiederholt verwendete Begriff der Re-Evangelisierung meint im Grunde genommen dasselbe. In ihm steckt aber die Gefahr, dass man auf eine bestimmte geschichtliche Gestalt der Verwirk-lichung des Evangeliums zurückgreifen will. Das Evangelium muss aber bei aller Kontinuität von Kirche und Verkündigung in seiner jetzt befreienden Kraft ausgerichtet werden, es muss den Kairos unserer jetzigen Situation treffen.

"Keinesfalls ist eine zweite Christianisierung gemeint, auch nicht die Verkündigung eines veränderten Evangeliums, sondern vielmehr ein neu entzündeter Eifer, neue Methoden seiner Verbreitung sowie eine neue Betrachtungsweise der veränderten Lebensumstände der Völker Europas. Notwendig ist erstens ein neues Feuer bei der Verkündigung des Evangeliums. ... Zweitens gilt es, nach neuen Methoden der Evangelisierung zu suchen, nicht nur, was die Technik der Verbreitung betrifft, sondern insbesondere nach dem, was uns ermöglicht, das Wort Gottes und den Quell seiner Macht im Leben zu lieben. ... Drittens muss die Evangelisierung die neue Situation berücksichtigen, in welcher der Mensch das Evangelium vernimmt.” (Polnische Bischofskonferenz: Über die “Neu-Evangelisierung” der Plenarsynode. Hirtenbrief, verabschiedet auf der 251. Konferenz der Diözesanbi-schöfe in Warschau am 29.1.1992, in: Die katholische Kirche und das neue Europa. Dokumente 1980-1995, Teil 2, hg. v. Jürgen Schwarz, Mainz 1996, 732-734, 733).

“Was verlangt wird, ist nicht eine Evangelisierung im strengen Sinn des Wortes als eine Erstverkündigung der Frohbotschaft, sondern vielmehr eine lebendigere Katechese, die so radikal und so tragend ist, dass man sie als Dauerevangelisierung bezeichnen könnte.” (Vgl. Lehmann, Karl: Neu-Evangelisierung Europas in Ost und West. Referat auf dem 41. Internationa-len Kongress “Kirche in Not - Osteuropa im Umbruch: Wird die Kirche gebraucht?” in Königstein am 29.8.1991, in: Die katholische Kirche und das neue Europa. Dokumente 1980-1995, Teil 2, hg. v. Jürgen Schwarz: Mainz 1996, 577-587, 583.)

Es geht um die ständige Herausforderung jedes Christen mit der Person und der Botschaft Jesu Christi mit der Fülle des Wortes Gottes, wodurch der Glaube vertieft, gestärkt und reifer gemacht wird. Dies ist nur durch die ‘Bekehrung des Einzelnen’ möglich, d.h. “durch die volle und ehrliche Zugehörigkeit zu Christus und seinem Evangelium durch den Glauben.”(Redemptoris Missio, RM 2)

Denn die Würde des Menschen, sein letzter Grund und die daraus erwachsende Freiheit sind Geschenk des lebendigen Gottes, dem sich der Mensch in freier Entscheidung nahen muss.

“Durch die Evangelisierung baut die Kirche sich auf und festigt sie sich als Gemeinschaft des Glaubens: präziser gesagt, als Gemeinschaft eines durch die Bejahung des Wortes Gottes bezeugten, in den Sakramenten gefeierten und in der Liebe gelebten Glaubens (...). Die “Frohe Botschaft” bewirkt im Herzen und im Leben der Menschen Bekehrung und persönliche Entscheidung für Jesus Christus, den Herrn und Erlöser.” (Christifidelis laici 33)

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Neuevangelisierung)

 

Heißt es nicht in Kohelet, dass es eine Zeit für alles gibt? Sollten wir nicht auch gesellschaftliche Aktivitäten in unseren Pfarreien haben als nur dauernd das Evangelisieren?

Ja, in Kohelet (Prediger) ist davon die Rede, dass es eine Zeit für alles gibt:

"Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden." (Prediger 3,1-8 - Einheitsuebersetzung)

Ich bin wirklich der letzte, der etwas gegen Feiern und gesellschaftliche Aktivitäten hätte in der Pfarrei. Es gibt tatsächlich eine Zeit für alles. Nur - wer so argumentiert, muss sich auch die Gegenfrage gefallen lassen: Ist es nicht vielmehr so, dass in Pfarreien (und auch, was uns selbst betrifft!) die Parties und Feiern jeglicher Art sowie Freizeitveranstaltungen, Ausflüge usw. einen breiten Raum einnehmen, die Evangelisation aber völlig verschwunden ist?

Und das sollten wir uns wirklich alle fragen: Welche Rolle spielt die Evanglisation denn in meinem Leben?

Denn vergessen wir nicht: Evangelisation ist nicht etwas, das Fundamentalisten oder übereifrige Evangelikale erfunden haben. Es ist der Auftrag, den Jesus Christus uns allen erteilt hat und für den wir eines Tages Rechenschaft abzulegen haben.

Wer also mit o.g. Argument das Evangelisieren an den Rand drängen oder gar verschwinden lassen möchte (bewusst oder unbewusst), sollte doch einmal im Gebet in sich gehen und um Weisheit und Demut bitten.

Warum missionieren Christen? Und noch dazu unter Juden!

Mt 28,19-20: "Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." (Einheitsübersetzung)

Es scheint ja heutzutage auch und gerade unter Theologen "politisch unkorrekt" zu sein, anderen Menschen - egal welcher Rasse, Hautfarbe, Religion (oder nicht vorhandenen Religion) und sonstigem Hintergrund - von Jesus zu erzählen und sie für Ihn begeistern zu wollen.

Es ist aber genau das, was Jesus uns aufgetragen hat!

Was wir nicht dürfen, ist, anderen unseren Glauben aufzwingen. Ob man das Gnadengeschenk des Glaubens annimmt oder nicht, liegt immer noch im freien Entscheidungsbereich des Einzelnen. Auch dürfen wir nicht mit Hochmut, Arroganz und Besserwisserei auftreten, sondern müssen in Demut und Liebe durch unser eigenes Leben Zeugnis von diesem Jesu geben.

Gerade der Papst wurde - auch von katholischen Theologen! - stark wegen des Karfreitagsgebets kritisiert. Worte wie "Wahn" oder "Absolutheitsanspruch der Kirche" fielen hier. Man greift die "ewig Gestrigen" an, die nicht die "moderne" Theologie annehmen wollen.

Es ist aber absolut nichts Schändliches dabei, zu beten, dass auch Juden zu Jesus finden. Ganz im Gegenteil - man darf nachfragen, warum ein Christ dies nicht tun will!

Vergessen scheint auch, dass es Apostel wie der hl. Paulus und andere waren - und natürlich Jesus selbst! - die in Synagogen gepredigt haben!

Manchmal hört man gar das "Argument", das Evangelium bzw. das Neue Testament enthielte antisemitische Verse. Derartiges sogar von Christen zu hören, ist fast unglaublich. Das würde bedeuten, Gott selbst des Antisemitismus zu beschuldigen!

Im Neuen Testament aber sind es nicht die Juden als Menschen, die angegriffen werden, sondern die Tatsache, dass sie Jesus nicht als Messias anerkennen. Und selbst dann - selbst als Jesus Christus ans Kreuz geschlagen wurde - hat Er, der selbst Jude war, denjenigen, die dies zu verantworten hatten vergeben!

Wie kann das Neue Testament antisemitisch sein, wenn Jesus und die meisten Seiner Jünger und Apostel (allen voran Paulus, der Schüler des größten Rabbis aller Zeiten!) selbst Juden waren?

Im Zuge einer falsch verstandenen "Toleranz" heisst es aber oft, man dürfe nicht Angehörige anderer Religionen missionieren. In jeder Religion sei Wahrheit enthalten. Gott hätte die Wahrehit auf die Erde geworfen und jede Religion sehe sie wie durch ein Glasspektrum anders. Niemand hätte die völlige Wahrheit - alle seien wir vielmehr auf der Suche nach der Wahrheit.

Das klingt natürlich alles sehr schön. Was sagt Jesus selbst dazu?

Joh 14,6: "Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich." (Einheitsübersetzung).

Ja, in jeder Religion ist ein Teil der ganzen Wahrheit enthalten. Heisst das nun, dass es egal ist, welcher Religion oder Konfession man angehört? Nein! Auch in jeder Irrlehre ist ein Kern Wahrheit enthalten - das macht sie ja gerade so gefährlich (wobei ich hiermit keineswegs sagen will, das Judentum sei eine Irrlehre. Ich möchte nur auf die Probleme hinweisen, die solche Argumente unweigerlich mit sich bringen)! Jesus war in dieser Beziehung sehr eindeutig - warum nicht auch wir?

Toleranz heisst nicht, dass jeder irgendwie recht hat, wir nicht über Differenzen reden dürfen und alles mit rosa Watte umhüllen. Toleranz heisst, den anderen zu respektieren, aber auch die Unterschiede und Differenzen klar auf den Tisch zu bringen! Als Christen haben wir dies in Demut und Liebe zu tun - daran sollen uns andere erkennen.

 

Wir sind das Licht der Welt!

Wir sind das Licht der Welt!

Reden wir ueber Glaubensverkuendigung. Ueber unsere geliebte Katholische Kirche und unseren katholischen Glauben. In 1 Petr 3, 15-16 lesen wir: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfuellt; aber antwortet bescheiden und ehrfuerchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen.“ (Einheitsuebersetzung).

Tun wir das? Begreifen wir tatsaechlich die Notwendigkeit des Ganzen?

Die groesste Kirche in den USA ist – noch – die Katholische Kirche. Die zweitgroesste  christliche Gruppierung sind Ex-Katholiken, also Katholiken, die die Kirche verlassen haben. Bei uns duerfte die Tendenz nicht viel besser aussehen.

Bereits Erzbischof Fulton Sheen hat seinerzeit darauf hingewiesen, dass viele Menschen zwar angeben, gegen die Katholische Kirche zu sein, aber nur wenige tasaechlich aus tiefstem Herzen gegen diese Kirche sind. Die meisten haben etwas gegen das, was sie fuer die Katholische Kirche halten.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, die Tatsache, dass viele Menschen die Katholische Kirche verlassen, hat letztere – und damit meine ich jeden einzelnen Glaeubigen! – mit verschuldet. Viele Menschen suchen eine enge Beziehung zu Jesus Christus und eine lebendige, familiaere Gemeinde. Eine Gemeinde aber auch, die aus dem geschriebenen Wort – der Bibel – ihre Kraft findet. Nun wissen wir als Katholiken, dass das ueberlieferte Wort – die Tradition und das kirchliche Lehramt – ebenso biblische Saeulen der Kirche sind, aber leider ist der Vorwurf vieler Nicht-Katholiken, die Katholiken wuerden die Bibel und ihren eigenen Glauben nicht kennen, nur allzu oft richtig. Die wenigsten Katholiken sind in der Lage, sich und anderen gegenueber ihren Glauben zu begruenden. Und letztlich kann ich aber nur lieben, was ich kenne. Wenn nun etwa evangelikale Christen zwei, drei aus dem Zusammenhang gerissene Bibelverse (wenn auch mit den besten Absichten!) zitieren, werde ich schnell aus dem Konzept gebracht (etwa der Vorwurf, wir duerfen doch niemand Vater nennen, oder wir wuerden Maria und die Heiligen anbeten, oder die Katholische Kirche haette vieles erfunden und sei vom „Urchristentum“, vom „wahren“ Glauben also, abgefallen). Hinzu kommt die sehr familiaere Atmosphaere in evangelikalen Gemeinden, die man in katholischen Gemeinden oft vergeblich sucht.

Waehrend viele evangelikale oder fundamentalistische Christen fuer ihren Glauben brennen und sich nicht schaemen, diesen immer und ueberall zu verkuenden, findet man aehnliches bei Katholiken nur selten. Tatsaechlich aber hat jede und jeder einzelne Katholik von Gott Gaben und Talente erhalten, um diese zum Ruhm des Herrn und fuer Seinen Leib - die Kirche – einzusetzen. Jeder unter uns ist gerufen, unseren katholischen Glauben in Wort und Tat zu verkuenden und fuer den Herrn zu brennen! Wir sind das Licht der Welt und duerfen dieses Licht nicht unter den Scheffel stellen!

Dazu gehoert aber auch, dass ich lerne, mit Argumenten umzugehen, die sich gegen die Katholische Kirche richten. Dass ich lerne, unseren Glauben zu erklaeren – immer unter dem Vorsatz der Liebe und Demut. Wir sind nicht gerufen, auf andere herabzusehen oder diese argumentativ „niederzumachen“, sondern die frohe Botschaft zu verkuenden!

Ein anderer Ausdruck der Tatsache, dass wir unseren katholischen Glauben weder kennen noch richtig zu lieben scheinen, ist das, was man gemeinhin als „Auswahlchristentum“ bezeichnet: man sucht sich das aus dem eigenen Glauben heraus, das einem gefaellt und mischt es mit Elementen aus anderen christlichen Konfessionen, anderen Religionen – oder einfach mit den persoenlichen Vorlieben und Vorstellungen. „Moralischer Relativismus“ hat das der Papst auch genannt – jeder definiert fuer sich selbst, was gut, wahr und richtig ist. Der Untergang jeder Gesellschaft.

Das kirchliche Lehramt (Bischoefe, Papst) sowie der Katechismus wird selbst von vielen Theologinnen und Theologen kaum mehr beachtet. Viel mehr zaehlt das, was man selbst fuer richtig haelt. So wird dann auch die Bibel ausgelegt. Man dreht und wendet es so lange, bis es passt – wenngleich auch meist mit den besten Absichten.

All dies ist aber nicht das, was den katholischen Glauben ausmacht. Als jemand, der einige Jahre in freikirchlichen Gemeinden verbracht hat und immer noch viele Freunde dort hat, kann ich nur sagen, dass Menschen, die (zurueck) zur Katholischen Kirche kommen, nicht selten hoechst erstaunt darueber sind, dass viele Katholiken weder ihren eigenen Glauben noch die Bibel, das Lehramt und die Tradition zu kennen scheinen oder sich daran halten, noch danach brennen, anderen die frohe Botschaft in Wort und Tat zu verkuenden. Viele der Menschen, die (zurueck) zur Katholischen Kirche finden, merken, dass es die Kirche, die sie so lieben gelernt haben und fuer die sie innerlich brennen, kaum mehr zu existieren scheint.

So wird in nicht wenigen Gemeinden und Gremien bzw. Arbeitsgemeinschaften die Notwendigkeit einer zeitgemaessen und kreativen Glaubensverkuendigung und Glaubensbegruendung nicht gesehen. Mangels Personal beschraenkt man sich lieber auf „oekumenische“ Aktivitaeten und kuerzt dafuer charakteristisch katholische, als sich um den eigenen Glauben zu kuemmern (der durch viele dieser wohlgemeinten oekumenischen Aktivitaeten immer mehr verwaessert). Und dann wundert man sich, warum einem die Leute davon laufen und neue erst gar nicht kommen. Warum sollten sie auch? Viele sehen von aussen, was hier geschieht und denken sich, warum sollte ich etwas beitreten, das ich woanders besser haben kann!

Beweisen wir ihnen das Gegenteil! Kehren wir zurueck zu unseren katholischen Wurzeln!

Brennen wir fuer unseren katholischen Glauben!

Haben wir den Auftrag Jesu vergessen?

Liest man so manchen Pfarrbrief, kann man sich bestenfalls nur wundern - oder man ist schlichtweg geschockt.

Trotzdem es in den meisten Pfarreien noch GemeindereferentInnen, PastoralreferentInnen, Diakone, Ehrenamtliche etc. gibt, ist das dort angebotene Programm bezeichnend.

So werden in der Regel - durchaus sinnvolle und nötige! - Aktivitäten für Mütter mit Kindern, Senioren, Arbeitslose usw. angeboten. Soweit, so gut. Das ist einer der Aufträge für die Kirche und für jeden einzelnen Christen.

Aber sonst?

Möglicherweise gibt es noch einige ökumenische Angebote, aber dann war es das meist.

Katechese bzw. eine Unterweisung im katholischen Glauben, findet in der Regel nur anlässlich bevorstehender Sakramente (Erstkommunion, Heirat, Firmung etc.) statt - und selbst da mangels Personal nur im Schnelldurchgang.

Glaubenskurse für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, am Glauben Interessierte, Bibelstunden, Aktivitäten in Richtung Evangelisation usw. finden - wenn überhaupt - nur sehr spärlich statt. Und so braucht es einen nicht wundern, dass viele Katholiken kaum wissen, was die Katholische Kirche lehrt und warum sie es lehrt - und dann sehr schnell einknicken, wenn ihnen evangelikale Gruppen Bibelverse zitieren, um sie davon zu überzeugen, dass die Katholische Kirche "unbiblisch" ist. Auch beginnt langsam, ein "Auswahlchristentum" um sich zu greifen, ein moralischer Relativismus, der dazu führt, dass sich Gläubige vom katholischen Glauben das heraussuchen, das ihnen zusagt. Der Rest wird mit persönlichen Überzeugungen, Glaubensüberzeugungen anderer christlicher Konfessionen oder einfach nach Belieben aufgefüllt.

Auf Anfrage hin werden klare katholische Grundsätzte und eine klare katholische Lehre schwammig geredet, es werden Hintertürchen angeboten oder das Ganze der persönlichen Gewissensentscheidung überlassen (ohne hierbei hinzuzufügen, dass wir auch in der Pflicht stehen, unser Gewissen weiterzubilden!).

Ein Beispiel:

Obwohl der Katechismus absolut klar zum Thema Homosexualität, Sexualität allgemein sowie Ehe und Familie Stellung nimmt, hört man immer wieder, wie Priester etwa Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen anderslautende Auskünfte geben. Etwa dass heute die Wissenschaft viel weiter sei, dass die Aussagen von Paulus hierzu im Licht der damaligen Zeit zu sehen und nicht auf die heutige Zeit anzuwenden sind usw.

Die betroffenen Gläubigen denken somit, es sei in Ordnung, als Katholik ein homosexuelles Leben zu führen.

Dies ist nicht nur falsch, hier versagen Priester (bzw. kirchliche Angestellte oder auch grundsätzlich Laien) völlig und überzeugen ihre Brüder und Schwestern im Glauben sogar noch, dass es in Ordnung sei, gegen Gottes Gebot zu verstoßen!

Ein anderes Thema: Evangelisation.

Dies hat man offenbar völlig evangelikalen Gruppen überlassen, obwohl es doch einen eindeutigen Auftrag Jesu für jeden Gläubigen (!!) hierfür gibt. Jeder von uns ist gerufen, den christlichen Glauben zu verbreiten und ein Leben in der Nachfolge Jesu Christi zu führen - und das nicht nur an Weihnachten!

Es ist und bleibt die persönliche Verantwortung und Entscheidung derer, die die Katholische Kirche verlassen. Allerdings wird es ihnen oft zumindest leichter gemacht, dies zu tun.

Wie Jesus uns schon gesagt hat: Das Tor zum Himmel ist eng und der Weg dorthin beschwerlich und nur wenige gehen ihn. Die überwiegende Mehrzahl geht den bequemen Weg zum breiten Tor - das allerdings ins Verderben führt.

FW: A Boy Named Tommy

Subject: A boy named Tommy, his story and the letter than follows

Subject:  A boy named Tommy: John Powell, a professor at Loyola University in Chicago , writes about a student in his Theology of Faith class named Tommy: It is a true story and is not enhanced for publicity purposes. 
      
Some twelve years ago, I stood watching my university students file into the classroom for our first session in the Theology of Faith. 

     That was the day I first saw Tommy.  My eyes and my mind both blinked.  He was combing his long flaxen hair, which hung six inches below his shoulders.  It was the first time I had ever seen a boy with hair that long.  I guess it was just coming into fashion then.  I know in my mind that it isn't what's on your head but what's in it that counts; but on that day I was unprepared and my emotions flipped.  I immediately filed Tommy under 'S' for strange... Very strange. 
 
     Tommy turned out to be the 'atheist in residence' in my Theology of Faith course.  He constantly objected to, smirked at, or whined about the possibility of an unconditionally loving Father/God.  We lived with each other in relative peace for one semester, although I admit he was for me at times a serious pain in the back pew. 


         When he came up at the end of the course to turn in his final exam, he asked in a cynical tone, 'Do you think I'll ever find God?' 
 
     I decided instantly on a little shock therapy. 'No!' I said very emphatically. 
 
    'Why not,' he responded, 'I thought that was the product you were pushing.' 
 
      I let him get five steps from the classroom door and then called out, 'Tommy!  I don't think you'll ever find Him, but I am absolutely certain that He will find you!'  He shrugged a little and left my class and my life. 
 
     I felt slightly disappointed at the thought that he had missed my clever line -- He will find you!  At least I thought it was clever 
     Later I heard that Tommy had graduated, and I was duly grateful. 
 
      Then a sad report came.  I heard that Tommy had terminal cancer.  Before I could search him out, he came to see me.  When he walked into my office, his body was very badly wasted and the long hair had all fallen out as a result of chemotherapy.  But his eyes were bright and his voice was firm, for the first time, I believe.  'Tommy, I've thought about you so often; I hear you are sick,' I blurted out. 
 
       'Oh, yes, very sick.  I have cancer in both lungs.  It's a matter of weeks.'
 
  'Can you talk about it, Tom?' I asked. 
 
     'Sure, what would you like to know?' he replied 
 
     'What's it like to be only twenty-four and dying? 


               'Well, it could be worse.
 
     'Like what?
 
     'Well, like being fifty and having no values or ideals, like being fifty and thinking that booze, seducing women, and making money are the real biggies in life.. 
 
     I began to look through my mental file cabinet under 'S' where I had filed Tommy as strange.  (It seems as though everybody I try to reject by classification, God sends back into my life to educate me.) 
 
     'But what I really came to see you about,' Tom said, 'is something you said to me on the last day of class.'  (He remembered!)  He continued, 'I asked you if you thought I would ever find God and you said, 'No!' which surprised me   Then you said, 'But He will find you.'  I thought about that a lot, even though my search for God was hardly intense at that time. 
     (My clever line.  He thought about that a lot!) 
     'But when the doctors removed a lump from my groin and told me that it was malignant, that's when I got serious about locating God..  And when the malignancy spread into my vital organs, I really began banging bloody fists against the bronze doors of heaven.  But God did not come out.  In fact, nothing happened.  Did you ever try anything for a long time with great effort and with no success?  You get psychologically glutted, fed up with trying.  And then you quit 
 
  'Well, one day I woke up, and instead of throwing a few more futile appeals over that high brick wall to a God who may be or may not be there, I just quit.  I decided that I didn't really care about God, about an after life, or anything like that.  I decided to spend what time I had left doing something more profitable.  I thought about you and your class and I remembered something else you had said: 'The essential sadness is to go through life without loving.  But it would be almost equally sad to go through life and leave this world without ever telling those you loved that you had loved them.'' 

 
     'So, I began with the hardest one, my Dad.  He was reading the newspaper when I approached him.  'Dad. 
 
     'Yes, what?' he asked without lowering the newspaper. 
 
     'Dad, I would like to talk with you.' 
 
     Well, talk.
 
              'I mean . It's really important.'
 
     The newspaper came down three slow inches. 'What is it?' 


     'Dad, I love you, I just wanted you to know that.'  Tom smiled at me and said it with obvious satisfaction, as though he felt a warm and secret joy flowing inside of him.  'The newspaper fluttered to the floor.  Then my father did two things I could never remember him ever doing before.  He cried and he hugged me.  We talked all night, even though he had to go to work the next morning.  It felt so good to be close to my father, to see his tears, to feel his hug, to hear him say that he loved me.' 
 
     'It was easier with my mother and little brother.  They cried with me, too, and we hugged each other, and started saying real nice things to each other.  We shared the things we had been keeping secret for so many years. 
 
   'I was only sorry about one thing --- that I had waited so long.  Here I was, just beginning to open up to all the people I had actually been close to. 
 
     'Then, one day I turned around and God was there.  He didn't come to me when I pleaded with Him.  I guess I was like an animal trainer holding out a hoop, 'C'mon, jump through.  C'mon, I'll give you three days, three weeks.'' 


     'Apparently God does things in His own way and at His own hour.  But the important thing is that He was there.  He found me!  You were right.  He found me even after I stopped looking for Him.' 
 
     'Tommy,' I practically gasped, 'I think you are saying something very important and much more universal than you realize.  To me, at least, you are saying that the surest way to find God is not to make Him a private possession, a problem solver, or an instant consolation in time of need, but rather by opening to love.  You know, the Apostle John said that.  He said: 'God is love, and anyone who lives in love is living with God and God is living in him.'  Tom, could I ask you a favor?  You know, when I had you in class you were a real pain.  But (laughingly) you can make it all up to me now.  Would you come into my present Theology of Faith course and tell them what you have just told me?  If I told them the same thing it wouldn't be half as effective as if you were to tell it.& nbsp;
 
   'Oooh.. I was ready for you, but I don't know if I'm ready for your class.' 
     'Tom, think about it.  If and when you are ready, give me a call.' 
 
  In a few days Tom called, said he was ready for the class, that he wanted to do that for God and for me.  So we scheduled a date. 
 
     However, he never made it.  He had another appointment, far more important than the one with me and my class.  Of course, his life was not really ended by his death, only changed.  He made the great step from faith into vision.  He found a life far more beautiful than the eye of man has ever seen or the ear of man has ever heard or the mind of man has ever imagined. 

  Before he died, we talked one last time. 

 
    'I'm not going to make it to your class,' he said. 

     I know, Tom.'
     'Will you tell them for me?  Will you ... tell the whole world for me?' 
     I will, Tom.  I'll tell them.  I'll do my best.' 

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     So, to all of you who have been kind enough to read this simple story about God's love, thank you for listening.  And to you, Tommy, somewhere in the sunlit, verdant hills of heaven --- I told them, Tommy, as best I could.  


    If this story means anything to you, please pass it on to a friend or two.
 
     With thanks, Rev. John Powell, Professor, Loyola University, Chicago 

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When I received the above letter all I could think about was a similar story I made of shared with you, my friends before...but in case I didn't...it goes as follows.

Dr. Swan

In 1968 army surgeon, Kenneth Swan, arrived in Vietnam and received his first case; 19-year old soldier who had lost his eyesight and both legs to a grenade. Dr. Swan fought for seven grueling hours to put the young soldier back together. To his surprise, the next day Swan was criticized by some of his colleagues; they felt the soldier would have been better off dead. For 20 years those words haunted Dr. Swan, and he wondered if he had done the right thing. He got his answer when, after two years of searching army records and other, he found the soldier , in his forties, living a full life as a husband and father who had attended college, learned to scuba dive, trained others with debilitating injuries, and had a loving relationship with the Lord.
When God asks us to do something, we rarely, if ever, know all the details. We can either choose to do God's will and trust Him for the outcome, or back away and miss the blessing simply because we don't know the details. God knows the beginning from the end, and you can trust that even when it doesn't make sense to you. it's all a part of God's glorious plan.

Commit every particle of your being ..down to the smallest details of your life, eagerly and with perfect trust to the unfailing andlmost sure providence of God.

Your life maybe the only Bible some people will ever read.  

Ad Gentes

DEKRET
ÜBER DIE MISSIONSTÄTIGKEIT DER KIRCHE
AD GENTES

 

EINLEITUNG

1. Zur Völkerwelt von Gott gesandt, soll die Kirche “das allumfassende Sakrament des Heils” (1) sein. So müht sie sich gemäß dem innersten Anspruch ihrer eigenen Katholizität und im Gehorsam gegen den Auftrag ihres Stifters (2), das Evangelium allen Menschen zu verkünden. Denn auch die Apostel, auf die die Kirche gegründet worden ist, haben, den Spuren Christi folgend, “das Wort der Wahrheit verkündet und Kirchen gezeugt” (3) . Pflicht ihrer Nachfolger ist es, diesem Werk Dauer zu verleihen, “damit das Wort Gottes seinen Lauf nehme und verherrlicht werde” (2 Thess 3,1) und die Herrschaft Gottes überall auf Erden angekündigt und aufgerichtet werde.

In der gegenwärtigen Weltlage, aus der für die Menschheit eine neue Situation entsteht, ist die Kirche, die da ist Salz der Erde und Licht der Welt (4), mit verstärkter Dringlichkeit gerufen, dem Heil und der Erneuerung aller Kreatur zu dienen, damit alles in Christus zusammengefaßt werde und in ihm die Menschen eine einzige Familie und ein einziges Gottesvolk bilden. Im Dank gegen Gott ob der trefflichen Arbeit, die durch den hochherzigen Einsatz der ganzen Kirche bislang vollbracht wurde, will diese Heilige Synode deshalb die Grundsätze der missionarischen Tätigkeit umreißen und die Kräfte aller Gläubigen sammeln, damit das Volk Gottes, auf dem schmalen Weg des Kreuzes voranschreitend, die Herrschaft Christi des Herrn, vor dessen Augen die Jahrhunderte stehen (5), ausbreite und seiner Ankunft die Wege bahne.

1. Kapitel

Theologische Grundlegung

2. Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach “missionarisch” (d. h. als Gesandte unterwegs), da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet gemäß dem Plan Gottes des Vaters (6).

Dieser Plan entspringt der “quellhaften Liebe”, dem Liebeswollen Gottes des Vaters. Er, der ursprungslose Ursprung, aus dem der Sohn gezeugt wird und der Heilige Geist durch den Sohn hervorgeht, hat uns in seiner übergroßen Barmherzigkeit und Güte aus freien Stücken geschaffen und überdies gnadenweise gerufen, Gemeinschaft zu haben mit ihm in Leben und Herrlichkeit. Er hat die göttliche Güte freigebig ausgegossen und gießt sie immerfort aus, so daß er, der Schöpfer von allem, endlich “alles in allem” (1 Kor 15,28) sein wird, indem er zugleich seine Herrlichkeit und unsere Seligkeit bewirkt. Es hat aber Gott gefallen, die Menschen nicht bloß als einzelne, ohne jede gegenseitige Verbindung, zur Teilhabe an seinem Leben zu rufen, sondern sie zu einem Volk zu bilden, in dem seine Kinder, die verstreut waren, in eins versammelt werden sollen (7).

3. Dieser umfassende Plan Gottes für das Heil des Menschengeschlechtes wird nicht allein auf eine gleichsam in der Innerlichkeit des Menschen verborgene Weise verwirklicht, ebenso nicht bloß durch Bemühungen, auch religiöser Art, mit denen die Menschen Gott auf vielfältige Weise suchen, “ob sie ihn vielleicht berühren oder finden möchten, wiewohl er nicht ferne ist von einem jeden von uns” (vgl. Apg 17,27). Diese Bemühungen bedürfen nämlich der Erleuchtung und Heilung, wenn sie auch aufgrund des gnädigen Ratschlusses des vorsorgenden Gottes zuweilen als Hinführung zum wahren Gott oder als Bereitung für das Evangelium gelten können (8). Gott hat vielmehr beschlossen, auf eine neue und endgültige Weise in die Geschichte der Menschen einzutreten; so wollte er Frieden und Gemeinschaft mit sich herstellen und brüderliche Verbundenheit unter den Menschen, die doch Sünder sind, stiften. Darum sandte er seinen Sohn in unserem Fleisch, damit er durch ihn die Menschen der Gewalt der Finsternis und Satans entreiße (9) und in ihm die Welt sich versöhne (10). Ihn also, durch den er auch die Welten erschuf (11), bestimmte er zum Erben des Alls, daß er alles in ihm erneuerte (12). Denn Christus Jesus ist in die Welt gesandt worden als wahrer Mittler Gottes und der Menschen. Da er Gott ist, “wohnt in ihm leibhaftig die ganze Fülle der Gottheit” (Kol 2,9); der menschlichen Natur nach aber ist er, “voll Gnade und Wahrheit” (Joh 1,14), als neuer Adam zum Sünder sind, stiften. Darum sandte er seinen Sohn in unserem Fleisch, damit er durch ihn die Menschen der Gewalt der Finsternis und Satans entreiße (9) und in ihm die Welt sich versöhne (10). Ihn also, durch den er auch die Welten erschuf (11), bestimmte er zum Erben des Alls, daß er alles in ihm erneuerte (12).

Denn Christus Jesus ist in die Welt gesandt worden als wahrer Mittler Gottes und der Menschen. Da er Gott ist, “wohnt in ihm leibhaftig die ganze Fülle der Gottheit” (Kol 2,9); der menschlichen Natur nach aber ist er, “voll Gnade und Wahrheit” (Joh 1,14), als neuer Adam zum Haupt der erneuerten Menschheit bestellt. So hat der Sohn Gottes die Wege wirklicher Fleischwerdung beschritten, um die Menschen der göttlichen Natur teilhaft zu machen; unseretwegen ist er arm geworden, da er doch reich war, damit wir durch seine Armut reich würden (13). Der Menschensohn kam nicht, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld hinzugeben für die vielen, das heißt für alle (14). Die heiligen Väter verkünden beständig, daß nicht geheilt ist, was nicht von Christus angenommen ist (15). Er hat aber, ausgenommen die Sünde, die volle Menschennatur angenommen, wie sie sich bei uns findet, die wir elend und arm sind (16). Christus, “den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat” (Joh 10,36), hat nämlich von sich selbst gesagt: “Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt, frohe Botschaft den Armen zu künden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zertretenen Herzens sind, den Gefangenen Freilassung anzukündigen und den Blinden das Augenlicht” (Lk 4,18). Und an anderer Stelle: “Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und heil zu machen, was verloren war” (Lk 19,10).

Was aber vom Herrn ein für allemal verkündet oder in ihm für das Heil des Menschengeschlechts getan worden ist, muß ausgerufen und ausgesät werden bis ans Ende der Erde (17) , beginnend von Jerusalem aus (18) . So soll, was einmal für alle zum Heil vollzogen worden ist, in allen im Ablauf der Zeiten seine Wirkung erlangen.

4. Um dies zu vollenden, hat Christus vom Vater her den Heiligen Geist gesandt, der sein Heilswerk von innen her wirken und die Kirche zu ihrer eigenen Ausbreitung bewegen soll. Ohne Zweifel wirkte der Heilige Geist schon in der Welt, ehe Christus verherrlicht wurde (19). Am Pfingsttage jedoch ist er auf die Jünger herabgekommen, um auf immer bei ihnen zu bleiben (20). Die Kirche wurde vor der Menge öffentlich bekanntgemacht, die Ausbreitung des Evangeliums unter den Heiden durch die Verkündigung nahm ihren Anfang, und endlich wurde die Vereinigung der Völker in der Katholizität des Glaubens vorausbezeichnet, die sich durch die Kirche des Neuen Bundes vollziehen soll, welche in allen Sprachen spricht, in der Liebe alle Sprachen versteht und umfängt und so die babylonische Zerstreuung überwindet (21). Mit Pfingsten begann “die Geschichte der Apostel”, so wie durch die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jungfrau Maria Christus empfangen worden war und wie Christus selbst dem Werk seines Dienstes zugeführt wurde, als der nämliche Heilige Geist beim Gebet auf ihn niederstieg (22).

Der Herr Jesus selbst aber hat, ehe er sein Leben freiwillig für die Welt hingab, den apostolischen Dienst so geordnet und die Sendung des Heiligen Geistes verheißen, daß beide sich darin zusammenfinden, das Werk des Heiles immer und überall zur Fruchtbarkeit zu bringen (23). Der Heilige Geist eint die ganze Kirche alle Zeiten hindurch “in Gemeinschaft und Dienstleistung, stattet sie mit den verschiedenen hierarchischen und charismatischen Gaben aus” (24), wobei er die kirchlichen Einrichtungen gleichsam als Seele belebt (25), und senkt den gleichen Geist der Sendung, von dem Christus getrieben war, in die Herzen der Gläubigen ein. Bisweilen geht er sogar sichtbar der apostolischen Tätigkeit voran (26), wie er sie auch auf verschiedene Weisen unablässig begleitet und lenkt (27).

5. Der Herr Jesus rief von Anfang an “die zu sich, die er wollte, ... und bestellte Zwölf, damit sie bei ihm seien und er sie sende, zu verkündigen” (Mk 3,13) (28). So bildeten die Apostel die Keime des neuen Israel und zugleich den Ursprung der heiligen Hierarchie. Als er dann ein für allemal durch seinen Tod und seine Auferstehung in sich selbst die Geheimnisse unseres Heils und der Erneuerung von allem vollzogen hatte, gründete er, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist (29), vor der Aufnahme in den Himmel (30) seine Kirche als Sakrament des Heils, sandte die Apostel in alle Welt, so wie er selbst vom Vater gesandt worden war (31) , und trug ihnen auf: “Geht also hin, und macht alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie alles halten lehrt, was ich euch geboten habe” (Mt 28,19f.) “Geht in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium aller Kreatur. Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden” (Mk 16,15). So liegt auf der Kirche die Pflicht, den Glauben und das Heil Christi auszubreiten, und zwar sowohl aufgrund des ausdrücklichen Auftrags, der von den Aposteln her dem Bischofskollegium, dem die Presbyter zur Seite stehen, in Einheit mit dem Nachfolger Petri und obersten Hirten der Kirche überkommen ist, wie auch aufgrund des Lebens, das Christus in seine Glieder einströmen läßt. “Von ihm aus wird der ganze Leib zusammengefügt und zusammengehalten durch jedes Band der Dienstleistung gemäß dem Wirken nach dem Maß eines jeden Gliedes. So geschieht das Wachstum des Leibes zum Aufbau seiner selbst in Liebe” (Eph 4,16). Die Sendung der Kirche vollzieht sich mithin durch das Wirken, kraft dessen sie im Gehorsam gegen Christi Gebot und getrieben von der Gnade und Liebe des Heiligen Geistes allen Menschen und Völkern in voller Wirklichkeit gegenwärtig wird, um sie durch das Zeugnis des Lebens, die Verkündigung, die Sakramente und die übrigen Mitteilungsweisen der Gnade zum Glauben, zur Freiheit und zum Frieden Christi zu führen: So soll ihnen der freie und sichere Weg zur vollen Teilhabe am Christusgeheimnis eröffnet werden.

In dieser Sendung setzt die Kirche die Sendung Christi selbst fort, der den Armen frohe Botschaft zu bringen gesandt war, und entfaltet sie die Geschichte hindurch. Deshalb muß sie unter Führung des Geistes Christi denselben Weg gehen, den Christus gegangen ist, nämlich den Weg der Armut, des Gehorsams, des Dienens und des Selbstopfers bis zum Tode hin, aus dem er dann durch seine Auferstehung als Sieger hervorging. Denn solchermaßen sind alle Apostel in der Hoffnung gewandelt, sie, die in vielerlei Trübsal und Leiden ausfüllten, was an den Leiden Christi noch fehlt für seinen Leib, der da ist die Kirche (32). Oft auch erwies sich das Blut der Christen als Same (33) .

6. Diese Aufgabe, welche das Bischofskollegium mit dem Nachfolger Petri an der Spitze unter dem Beten und Mitwirken der ganzen Kirche zu erfüllen hat, ist überall und in jeder Lage ein und dieselbe, auch wenn sie, je nach Umständen, nicht in der gleichen Weise ausgeübt wird. Folglich kommen die Unterschiede, die innerhalb dieser Tätigkeit der Kirche anzuerkennen sind, nicht aus dem inneren Wesen der Sendung selbst, sondern aus den Bedingungen, unter denen diese Sendung vollzogen wird.

Diese Bedingungen hängen entweder von der Kirche oder von den Völkern, den Gemeinschaften und den Menschen ab, an die sich die Sendung richtet. Obgleich nämlich die Kirche von sich aus die Gesamtheit oder die Fülle der Heilsmittel umgreift, wirkt sie doch nicht immer und nicht sogleich im vollen Umfang und kann dies auch nicht. Vielmehr kennt sie Anfänge und Stufen in ihrer Tätigkeit, mit der sie den Plan Gottes zu verwirklichen sucht. Ja bisweilen ist sie genötigt, nach glücklich begonnenem Voranschreiten abermals einen Rückschritt zu beklagen, oder sie verbleibt doch wenigstens in einem gewissen Zustand der Unvollständigkeit und Unzulänglichkeit. Was aber die Menschen, Gemeinschaften und Völker anlangt, so berührt und durchdringt sie diese nur schrittweise, und nimmt sie so in die katholische Fülle auf. Jeder der genannten Bedingungen bzw. Stadien müssen eigene Wirkformen und geeignete Mittel entsprechen.

Gemeinhin heißen “Missionen” die speziellen Unternehmungen, wodurch die von der Kirche gesandten Boten des Evangeliums in die ganze Welt ziehen und die Aufgabe wahrnehmen, bei denVölkern oder Gruppen, die noch nicht an Christus glauben, das Evangelium zu predigen und die Kirche selbst einzupflanzen. Sie werden durch die missionarische Tätigkeit verwirklicht und meist in bestimmten, vom Heiligen Stuhl bestätigten Gebieten ausgeübt. Das eigentliche Ziel dieser missionarischen Tätigkeit ist die Evangelisierung und die Einpflanzung der Kirche bei den Völkern und Gemeinschaften, bei denen sie noch nicht Wurzel gefaßt hat (34). So sollen aus dem Samen des Gotteswortes überall auf der Welt wohlbegründete einheimische Teilkirchen heranwachsen, die mit eigener Kraft und Reife begabt sind. Sie sollen eine eigene Hierarchie in Einheit mit dem gläubigen Volk sowie die zum vollen Vollzug christlichen Lebens gehörigen Mittel in einer der eigenen Art gemäßen Weise besitzen und so ihren Teil zum Wohl der Gesamtkirche beitragen. Das hauptsächliche Mittel dieser Einpflanzung ist die Verkündigung der Frohbotschaft von Jesus Christus, die auszurufen der Herr seine Jünger in die ganze Welt gesandt hat, damit die Menschen, wiedergeboren durch das Wort Gottes (35), mittels der Taufe der Kirche eingegliedert werden, die als Leib des fleischgewordenen Wortes vom Wort Gottes und vom eucharistischen Brot genährt wird und lebt (36).

Bei dieser missionarischen Tätigkeit der Kirche treten verschiedene Bedingungen zuweilen nebeneinander auf: zunächst solche des Neubeginns oder Pflanzens, dann solche der Neuheit oder Jugend. Sind diese vorüber, so endigt dennoch die missionarische Tätigkeit der Kirche nicht. Vielmehr obliegt den inzwischen konstituierten Teilkirchen die Pflicht, sie fortzusetzen und das Evangelium den einzelnen zu verkündigen, die noch draußen stehen.

Überdies ändern sich die Gemeinschaften, innerhalb deren die Kirche besteht, aus verschiedenen Ursachen nicht selten von Grund auf, so daß völlig neue Bedingungen auftreten können. Dann muß die Kirche erwägen, ob diese Bedingungen ihre missionarische Tätigkeit neuerdings erfordern. Außerdem sind die Verhältnisse manchmal von der Art, daß für bestimmte Zeit die Möglichkeit fehlt, die Botschaft des Evangeliums direkt und sofort vorzulegen. Dann können und müssen die Missionare geduldig, klug und zugleich mit großem Vertrauen wenigstens Zeugnis ablegen für die Liebe und Güte Christi und so dem Herrn die Wege bereiten und ihn in gewissem Sinn gegenwärtig werden lassen.

So wird deutlich, daß die missionarische Tätigkeit zuinnerst aus dem Wesen der Kirche hervorquillt. Sie breitet ihren heilschaffenden Glauben aus, verwirklicht in der Ausbreitung ihre katholische Einheit und wird von ihrer Apostolizität gehalten. Sie ist Vollzug der kollegialen Gesinnung ihrer Hierarchie und bezeugt, verbreitet und fördert ihre Heiligkeit. Mithin unterscheidet sich die missionarische Tätigkeit unter den Heiden sowohl von der pastoralen Tätigkeit, die den Gläubigen gegenüber auszuüben ist, als auch von den Bemühungen, die zur Wiederherstellung der christlichen Einheit unternommen werden. Gleichwohl sind diese beiden mit dem missionarischen Wirken der Kirche aufs engste verbunden (37); denn Spaltung der Christen “ist ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums vor allen Geschöpfen” (38) und verschließt vielen den Zugang zum Glauben. Mithin sind von der Notwendigkeit der Mission her alle Gläubigen dazu gerufen, daß sie in einer Herde vereint werden und so vor den Völkern von Christus, ihrem Herrn, einmütig Zeugnis ablegen können. Wenn sie aber den einen Glauben noch nicht voll zu bezeugen vermögen, so müssen sie sich dennoch von gegenseitiger Wertschätzung und Liebe beseelen lassen.

7. Der Grund dieser missionarischen Tätigkeit ergibt sich aus dem Plan Gottes, der “will, daß alle Menschen heil werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn es ist nur ein Gott und nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle hingegeben hat” (1 Tim 2,4-6), “und in keinem andern ist Heil” (Apg 4,12). So ist es nötig, daß sich alle zu ihm, der durch die Verkündigung der Kirche erkannt wird, bekehren sowie ihm und seinem Leib, der Kirche, durch die Taufe eingegliedert werden. Christus selbst hat nämlich “mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont (39) und damit zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Tür eintreten, bekräftigt. Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten” (40). Wenngleich Gott Menschen, die das Evangelium ohne ihre Schuld nicht kennen, auf Wegen, die er weiß, zum Glauben führen kann, ohne den es unmöglich ist, ihm zu gefallen (41), so liegt also doch auf der Kirche die Notwendigkeit (42) und zugleich das heilige Recht der Evangeliumsverkündigung. Deshalb behält heute und immer die missionarische Tätigkeit ihre ungeschmälerte Bedeutung und Notwendigkeit.

Durch sie sammelt und ordnet der mystische Christusleib immerfort Kräfte zum eigenen Wachstum (43). Ihr nachzugehen werden die Glieder der Kirche durch die Liebe getrieben, mit der sie Gott lieben und durch die sie mit allen Menschen in den geistlichen Gütern des gegenwärtigen wie des künftigen Lebens Gemeinschaft zu haben verlangen.

Endlich gehört diese missionarische Tätigkeit zur vollen Verherrlichung Gottes, indem die Menschen sein Heilswerk, das er in Christus vollzogen hat, bewußt und in seiner Ganzheit annehmen. So wird durch sie der Plan Gottes erfüllt, dem Christus gehorsam und liebend gedient hat zur Herrlichkeit des Vaters, der ihn dazu gesandt hat (44), daß das ganze Menschengeschlecht ein Volk Gottes bilde, in den einen Leib Christi zusammenwachse und zu dem einen Tempel des Heiligen Geistes aufgebaut werde. Das entspricht, da es die brüderliche Eintracht zum Ausdruck bringt, ganz den innersten Wünschen aller Menschen. So wird endlich der Ratschluß des Schöpfers, der den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen, wahrhaft erfüllt, wenn alle, die an der menschlichen Natur teilhaben, in Christus durch den Heiligen Geist wiedergeboren, in einmütigem Schauen der Herrlichkeit Gottes sagen können: “Vater unser” (45).

8. Auch zu der menschlichen Natur und ihren Strebungen steht die missionarische Tätigkeit in enger Verbindung. Eben dadurch nämlich, daß sie Christus verkündet, offenbart die Kirche zugleich dem Menschen die ursprüngliche Wahrheit dessen, was es um ihn ist und worin seine volle Berufung liegt. Christus ist ja Ursprung und Urbild jener erneuerten, von brüderlicher Liebe, Lauterkeit und Friedensgeist durchdrungenen Menschheit, nach der alle verlangen. Christus und die Kirche, die von ihm durch die Predigt des Evangeliums Zeugnis gibt, überschreiten alle Besonderheit der Rasse oder der Nation und können deshalb von niemand und nirgendwo als fremd erachtet werden (46) . Christus selbst ist die Wahrheit und der Weg, welche die Predigt des Evangeliums allen zugänglich macht, indem sie an die Ohren aller die Worte eben dieses Christus heranträgt: “Tut Buße, und glaubt dem Evangelium” (Mk 1,15). Da aber, wer nicht glaubt, schon gerichtet ist (47), so sind die Worte Christi zugleich Worte des Gerichts und der Gnade, des Todes und des Lebens; denn wir können zum neuen Leben nur hinzutreten, indem wir das alte in den Tod hineingeben. Das gilt zunächst von den Personen, dann aber auch von den verschiedenen Gütern dieser Welt, die zugleich von der Sünde des Menschen und von der Segnung Gottes gezeichnet sind: “Alle haben nämlich gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes” (Röm 3,23). Niemand wird durch sich selbst und aus eigener Kraft von der Sünde erlöst und über sich hinausgehoben, niemand vollends von seiner Schwachheit, Einsamkeit oder Knechtschaft frei gemacht (48), vielmehr brauchen alle Christus als Beispiel, Lehrer, Befreier, Heilbringer, Lebensspender. In der Tat war das Evangelium in der Geschichte, auch der profanen, den Menschen ein Ferment der Freiheit und des Fortschritts und bietet sich immerfort als Ferment der Brüderlichkeit, der Einheit und des Friedens dar. Nicht ohne Grund wird Christus von den Gläubigen gefeiert als die “Erwartung der Völker und ihr Erlöser” (49).

9. Die Zeit der missionarischen Tätigkeit liegt also zwischen der ersten Ankunft des Herrn und seiner Wiederkunft, bei der die Kirche von den vier Winden her wie die Ernte in die Herrschaft Gottes gesammelt wird (50). Bevor nämlich der Herr kommt, muß allen Völkern die frohe Botschaft verkündigt werden (51).

Missionarische Tätigkeit ist nichts anderes und nichts weniger als Kundgabe oder Epiphanie und Erfüllung des Planes Gottes in der Welt und ihrer Geschichte, in der Gott durch die Mission die Heilsgeschichte sichtbar vollzieht. Durch das Wort der Verkündigung und die Feier der Sakramente, deren Mitte und Höhepunkt die heilige Eucharistie darstellt, läßt sie Christus, den Urheber des Heils, gegenwärtig werden. Was immer aber an Wahrheit und Gnade schon bei den Heiden sich durch eine Art von verborgener Gegenwart Gottes findet, befreit sie von der Ansteckung durch das Böse und gibt es ihrem Urheber Christus zurück, der die Herrschaft des Teufels zerschlägt und die vielfältige Bosheit üblen Tuns in Schranken hält. Was an Gutem in Herz und Sinn der Menschen oder auch in den jeweiligen Riten und Kulturen der Völker keimhaft angelegt sich findet, wird folglich nicht bloß nicht zerstört, sondern gesund gemacht, über sich hinausgehoben und vollendet zur Herrlichkeit Gottes, zur Beschämung des Satans und zur Seligkeit des Menschen (52). So strebt die missionarische Tätigkeit auf die eschatologische Fülle hin (53), denn durch sie wird bis zu dem Maß und der Zeit, die der Vater in seiner Vollmacht festgesetzt hat (54), das Volk Gottes ausgebreitet, dem prophetisch gesagt ist: “Erweitere deines Zeltes Raum, und deine Zelttücher spanne aus! Spare nicht!” (Jes 54,2.) (55) So entfaltet sich der mystische Leib bis zum Maß des Vollalters Christi (56), und der geistliche Tempel, worin Gott angebetet wird in Geist und Wahrheit (57), wächst und wird aufgebaut “auf dem Fundament der Apostel und Propheten, während Christus selbst der Eckstein ist” (Eph 2,20).

2. Kapitel

Die eigentliche Missionsarbeit

10. Die Kirche ist von Christus gesandt, die Liebe Gottes allen Menschen und Völkern zu verkünden und mitzuteilen; sie ist sich bewußt, daß noch eine ungeheure missionarische Aufgabe vor ihr liegt. Es gibt zwei Milliarden Menschen - und ihre Zahl nimmt täglich zu -, die große, festumrissene Gemeinschaften bilden, die durch dauerhafte kulturelle Bande, durch alte religiöse Traditionen, durch feste gesellschaftliche Strukturen zusammengehalten sind und die das Evangelium noch nicht oder doch kaum vernommen haben. Die einen gehören einer der Weltreligionen an, andere bleiben ohne Kenntnis Gottes, andere leugnen seine Existenz ausdrücklich oder bekämpfen sie sogar. Um allen Menschen das Geheimnis des Heils und das von Gott kommende Leben anbieten zu können, muß sich die Kirche all diesen Gruppen einpflanzen, und zwar mit dem gleichen Antrieb, wie sich Christus selbst in der Menschwerdung von der konkreten sozialen und kulturellen Welt der Menschen einschließen ließ, unter denen er lebte.

Artikel 1: Das christliche Zeugnis

11. Diesen menschlichen Gruppen also muß die Kirche gegenwärtig sein durch ihre Kinder, die unter ihnen wohnen oder zu ihnen gesandt werden. Denn alle Christgläubigen, wo immer sie leben, müssen durch das Beispiel ihres Lebens und durch das Zeugnis des Wortes den neuen Menschen, den sie durch die Taufe angezogen haben, und die Kraft des Heiligen Geistes, der sie durch die Firmung gestärkt hat, so offenbaren, daß die anderen Menschen ihre guten Werke sehen, den Vater preisen (1) und an ihnen den wahren Sinn des menschlichen Lebens und das alle umfassende Band der menschlichen Gemeinschaft vollkommener wahrnehmen können.

Um dieses Zeugnis Christi mit Frucht geben zu können, müssen sie diesen Menschen in Achtung und Liebe verbunden sein. Sie müssen sich als Glieder der Menschengruppe, in der sie leben, betrachten; durch die verschiedenen Beziehungen und Geschäfte des menschlichen Lebens müssen sie an den kulturellen und sozialen Angelegenheiten teilnehmen. Sie müssen auch mit ihren nationalen und religiösen Traditionen vertraut sein; mit Freude und Ehrfurcht sollen sie die Saatkörner des Wortes aufspüren, die in ihnen verborgen sind. Sie sollen aber auch den tiefgreifenden Wandlungsprozeß wahrnehmen, der sich in diesen Völkern vollzieht. Sie sollen dahin zu wirken suchen, daß die Menschen unserer Zeit, allzusehr auf Naturwissenschaft und Technologie der modernen Welt bedacht, sich nicht den göttlichen Dingen entfremden, sondern im Gegenteil zu einem stärkeren Verlangen nach der Wahrheit und Liebe, die Gott uns geoffenbart hat, erwachen. Wie Christus selbst das Herz der Menschen durchschaut und sie durch echt menschliches Gespräch zum göttlichen Licht geführt hat, so sollen auch seine Jünger, ganz von Christi Geist erfüllt, die Menschen, unter denen sie leben und mit denen sie umgehen, kennen; in aufrichtigem und geduldigem Zwiegespräch sollen sie lernen, was für Reichtümer der freigebige Gott unter den Völkern verteilt hat; zugleich aber sollen sie sich bemühen, diese Reichtümer durch das Licht des Evangeliums zu erhellen, zu befreien und unter die Herrschaft Gottes, des Erlösers, zu bringen.

12. Die Anwesenheit der Christen in den menschlichen Gemeinschaften muß von jener Liebe beseelt sein, mit der Gott uns geliebt hat, der will, daß wir einander mit derselben Liebe begegnen (2) . Die christliche Liebe erstreckt sich auf alle, ohne Unterschied von Rasse, gesellschaftlicher Stufe oder Religion; sie erwartet nicht Gewinn oder Dankbarkeit; denn wie Gott sich uns mit ungeschuldeter Liebe zugewandt hat, so sind auch die Gläubigen in ihrer Liebe auf den Menschen selbst bedacht und lieben ihn mit der gleichen Zuwendung, mit der Gott den Menschen gesucht hat. Wie also Christus durch die Städte und Dörfer zog, jederlei Krankheit und Gebrechen heilend zum Zeichen der kommenden Gottesherrschaft (3) so ist auch die Kirche durch ihre Kinder mit Menschen jeden Standes verbunden, besonders aber mit den Armen und Leidenden, und gibt sich mit Freuden für sie hin (4). Sie nimmt an ihren Freuden und Schmerzen teil; sie weiß um die Erwartungen und die Rätsel des Lebens, sie leidet mit in den Ängsten des Todes. Denen, die Frieden suchen, bemüht sie sich in brüderlichem Gespräch zu antworten, indem sie ihnen Frieden und Licht aus dem Evangelium anbietet.

Bei der Aufrichtung einer gesunden Wirtschafts- und Sozialordnung sollen die Christgläubigen ihre Arbeit einsetzen und mit allen anderen zusammenarbeiten. Mit besonderer Sorge mögen sie sich der Erziehung der Kinder und der heranwachsenden Jugend durch Schulen verschiedener Typen annehmen; diese Schulen soll man nicht bloß als ein hervorragendes Mittel zur Bildung und zum Aufstieg der christlichen Jugend betrachten, sondern gleichzeitig als äußerst wertvollen Dienst an den Menschen, besonders an den Entwicklungsvölkern, um die menschliche Würde zu höherer Geltung zu bringen und um bessere menschliche Lebensbedingungen vorzubereiten. Ferner sollen sie sich an den Anstrengungen der Völker beteiligen, die sich bemühen, im Kampf gegen Hunger, Unwissenheit und Krankheit bessere Lebensverhältnisse zu schaffen und den Frieden in der Welt zu festigen. Es soll der Wunsch der Gläubigen sein, bei dieser Tätigkeit in kluger Weise bei den Vorhaben mitzuarbeiten, die von privaten sowie öffentlichen Institutionen, von Regierungen, internationalen Organen, von den verschiedenen christlichen Gemeinschaften und auch von den nichtchristlichen Religionen unternommen werden.

Dabei will sich die Kirche auf keine Weise in die Leitung des irdischen Staatswesens einmischen. Sie beansprucht kein anderes Recht, als mit Gottes Hilfe in Liebe und treuer Bereitschaft den Menschen zu dienen (5).

Die Jünger Christi hoffen, durch die enge Verbindung mit den Menschen in ihrem Leben und Arbeiten ein wahres Zeugnis abzulegen und auch da zu deren Heil beizutragen, wo sie Christus nicht ganz verkünden können. Sie suchen ja nicht den rein materiellen Fortschritt und Wohlstand der Menschen, sondern sie fördern ihre Würde und ihre brüderliche Gemeinschaft, indem sie religiöse und sittliche Wahrheiten vermitteln, die Christus mit seinem eigenen Licht erhellt hat; auf diese Weise öffnen sie langsam einen volleren Zugang zu Gott. So wird den Menschen in der Erlangung des Heils durch die Liebe zu Gott und zum Nächsten geholfen; das Geheimnis Christi beginnt aufzuleuchten, in dem der neue Mensch erschienen ist, der nach Gott erschaffen wurde 6 , in dem Gottes Liebe sich geoffenbart hat.

Artikel 2: Die Verkündigung des Evangeliums und die Sammlung des Gottesvolkes

13. Überall, wo Gott eine Tür für das Wort auftut, das Geheimnis Christi zu verkünden (7), da muß allen Menschen (8) mit Freimut und Festigkeit (9) der lebendige Gott verkündet werden (10) und der, den er zum Heil aller gesandt hat, Jesus Christus (11), auf daß die Nichtchristen glaubend, mit einem Herzen, das ihnen der Heilige Geist geöffnet hat (12), sich frei zum Herrn bekehren und ihm aufrichtig anhangen, da er als “der Weg, die Wahrheit und das Leben” (Joh 14,6) all ihr geistliches Sehnen erfüllt, ja es unendlich überragt.

Diese Bekehrung muß man gewiß notwendig als anfanghaft auffassen, aber doch als ausreichend, damit der Mensch verstehe, daß er, der Sünde entrissen, in das Geheimnis der Liebe Gottes eingeführt werde, der ihn zu seiner persönlichen Gemeinschaft in Christus ruft; denn unter dem Einfluß der Gnade beginnt der Neubekehrte seinen geistlichen Weg, auf dem er, durch den Glauben schon mit dem Geheimnis des Todes und der Auferstehung verbunden, vom alten Menschen hinüberschreitet zum neuen Menschen, der in Christus vollendet ist (13). Dieser Übergang bringt einen fortschreitenden Wandel seines Empfindens und Verhaltens mit sich; er muß sich in seinen sozialen Auswirkungen kundtun und sich während des Katechumenates langsam entwickeln. Da der Herr, dem er glaubt, ein Zeichen des Widerspruchs ist (14), muß der Neubekehrte oft Bruch und Trennung erleben, aber auch Freuden, die Gott nicht nach Maß austeilt (15).

Die Kirche verbietet streng, daß jemand zur Annahme des Glaubens gezwungen oder durch ungehörige Mittel beeinflußt oder angelockt werde, wie sie umgekehrt auch mit Nachdruck für das Recht eintritt, daß niemand durch üble Druckmittel vom Glauben abgehalten werde (16).

Nach uraltem kirchlichem Brauch sollen die Motive der Bekehrung erkundet und wenn nötig gereinigt werden.

14. Wer den Glauben an Christus von Gott durch die Kirche empfangen hat (17), soll durch liturgische Zeremonien zum Katechumenat zugelassen werden. Dieses besteht nicht in einer bloßen Erläuterung von Lehren und Geboten, sondern in der Einführung und genügend langen Einübung im ganzen christlichen Leben, wodurch die Jünger mit Christus, ihrem Meister, verbunden werden. Die Katechumenen müssen also in passender Weise in das Geheimnis des Heils eingeweiht werden; durch die Übung eines Lebenswandels nach dem Evangelium und durch eine Folge von heiligen Riten (18) soll man sie stufenweise in das Leben des Glaubens, der Liturgie und der liebenden Gemeinschaft des Gottesvolkes einführen.

Endlich werden sie durch die Sakramente der christlichen Initiation von der Macht der Finsternis befreit (19); mit Christus sterben sie, werden sie begraben und erstehen sie (20); sie empfangen den Geist der Kindschaft (21) und feiern das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung des Herrn mit dem ganzen Gottesvolk.

Es ist zu wünschen, daß die Fasten- und Osterliturgie so erneuert werde, daß sie die Katechumenen zur Feier des österlichen Geheimnisses bereitet, bei deren festlicher Begehung sie durch die Taufe für Christus wiedergeboren werden.

Um diese christliche Initiation im Katechumenat sollen sich aber nicht bloß Katechisten und Priester kümmern, sondern die ganze Gemeinde der Gläubigen, besonders aber die Taufpaten, so daß den Katechumenen von Anfang an zum Bewußtsein kommt, daß sie zum Gottesvolk gehören. Da das Leben der Kirche apostolisch ist, sollen die Katechumenen lernen, durch das Zeugnis des Lebens und das Bekenntnis des Glaubens zur Verkündigung des Evangeliums und zum Aufbau der Kirche wirksam mitzuarbeiten.

Die Rechtsstellung der Katechumenen schließlich soll im neuen Gesetzbuch der Kirche klar umschrieben werden; denn sie sind schon mit der Kirche verbunden (22), sie gehören schon zum Hause Christi (23), und nicht selten führen sie schon ein Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.

Artikel 3: Der Aufbau der christlichen Gemeinschaft

15. Der Heilige Geist ruft alle Menschen durch die Saat des Wortes und die Predigt des Evangeliums zu Christus; wenn er die an Christus Glaubenden im Schoß des Taufbrunnens zu neuem Leben gebiert, dann sammelt er sie zu dem einen Gottesvolk, das “ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk von ihm zu eigen genommen ist” (1 Petr 2,9) (24).

Als Mitarbeiter Gottes (25) sollen die Missionare solche Gemeinden von Gläubigen erwecken, die würdig der Berufung, die sie empfangen haben (26), die Ämter, die Gott ihnen anvertraut hat, ausüben: das priesterliche, das prophetische und das königliche Amt. Auf diese Weise wird die christliche Gemeinschaft zum Zeichen der Gegenwart Gottes in der Welt. Sie ist ja selbst ständig im eucharistischen Opfer mit Christus auf dem Weg hinüber zum Vater (27); unablässig aus dem Wort Gottes genährt (28), gibt sie Zeugnis für Christus (29); sie wandelt in der Liebe und glüht von apostolischem Eifer (30).

Von Anfang an soll die christliche Gemeinschaft so aufgebaut werden, daß sie, soweit möglich, für ihre eigenen Bedürfnisse aufkommen kann.

Diese Gemeinschaft der Gläubigen soll durch ihre Ausstattung mit den kulturellen Reichtümern der eigenen Heimat tief im Volk verwurzelt sein: Die Familien sollen blühen im Geist des Evangeliums (31), geeignete Schulen sollen ihnen helfen. Durch die Errichtung von Vereinigungen und Gruppen soll das Apostolat der Laien die ganze Gesellschaft mit evangelischem Geist durchdringen; die Liebe zwischen Katholiken verschiedener Riten soll hell leuchten (32).

Unter den Neuchristen soll der ökumenische Geist gepflegt werden. Sie sollen alle, die an Christus glauben, auch wirklich als Christi Jünger anerkennen, die in der Taufe wiedergeboren sind und an sehr vielen Gütern des Gottesvolkes teilhaben. Den religiösen Verhältnissen entsprechend soll man die ökumenische Bewegung so fördern, daß die Katholiken mit den von ihnen getrennten Brüdern, gemäß den Richtlinien des Dekretes über die Ökumenismus, brüderlich zusammenarbeiten im gemeinsamen Bekenntnis des Glaubens an Gott und an Jesus Christus vor den Heiden, soweit dieses vorhanden ist, ebenso im Zusammenwirken in sozialen und technischen sowie kulturellen und religiösen Dingen, wobei man jeden Anschein von Indifferentismus und Verwischung sowie ungesunder Rivalität vermeiden muß. Der Grund für diese Zusammenarbeit sei vor allem Christus, ihr gemeinsamer Herr. Sein Name möge sie zueinanderbringen! Diese Zusammenarbeit soll nicht nur zwischen Privatpersonen stattfinden, sondern nach dem Urteil des Ortsordinarius auch zwischen den Kirchen oder Kirchengemeinschaften und ihren Unternehmungen.

Die aus allen Völkern in der Kirche versammelten Christgläubigen unterscheiden sich nicht von den übrigen Menschen durch Staatsform, Sprache oder Gesellschaftsordnung (33). Darum sollen sie in den ehrbaren Lebensgewohnheiten ihres Volkes für Gott und Christus leben. Als gute Bürger sollen sie die Vaterlandsliebe wahrhaft und tatkräftig üben. Mißachtung fremder Rassen und übersteigerten Nationalismus aber sollen sie gänzlich meiden und die alle Menschen umfassende Liebe pflegen.

Um all das zu verwirklichen, sind die Laien, also die Christgläubigen, die Christus durch die Taufe eingegliedert sind und in der Welt leben, von größter Bedeutung und verdienen besondere Sorge. Denn es ist ihre eigentliche Aufgabe, vom Geist Christi erfüllt, gleichsam als Sauerteig die zeitlichen Dinge so von innen her zu beseelen und zu ordnen, daß sie immer mehr Christus gemäß werden (34).

Aber es ist nicht genug, daß das christliche Volk anwesend ist und in einem Volk Fuß gefaßt hat; es ist auch nicht genug, daß es das Apostolat des Beispiels ausübt. Dazu ist es gegründet und dazu ist es da, um den nichtchristlichen Mitbürgern in Wort und Werk Christus zu verkünden und ihnen zur vollen Annahme Christi zu helfen.

Zur Einpflanzung der Kirche und zum Wachstum der christlichen Gemeinschaft aber sind verschiedene Dienste notwendig; durch göttliche Berufung werden sie in der Gemeinde der Gläubigen selbst geweckt, und sie müssen von allen sorgfältig gefördert und gepflegt werden. Dazu gehören das Amt des Priesters, des Diakons, des Katechisten und die Katholische Aktion. Ebenso leisten Ordensmänner und Ordensfrauen zur Verwurzelung und Festigung der Herrschaft Christi in den Seelen und zu ihrer Ausbreitung durch ihr Gebet und ihr Wirken einen unentbehrlichen Dienst.

16. Mit großer Freude dankt die Kirche für das unschätzbare Geschenk des Priesterberufes, das Gott so vielen jungen Menschen austeilt unter Völkern, die sich erst zu Christus bekehrt haben; denn die Kirche schlägt in einer menschlichen Gemeinschaft tiefere Wurzeln, wenn die verschiedenen Gemeinden der Gläubigen aus ihren Reihen ihre eigenen Diener des Heiles erhalten, die als Bischöfe, Priester und Diakone ihren Brüdern dienen, so daß die jungen Kirchen langsam diözesanen Aufbau mit eigenem Klerus erlangen.

Was dieses Konzil über priesterliche Berufung und Ausbildung festgesetzt hat, soll man da, wo die Kirche erst gepflanzt wird, und in den jungen Kirchen treu wahren. Besonders soll man beachten, was gesagt ist über die enge Verbindung der spirituellen mit der wissenschaftlichen und pastoralen Ausbildung, über die Lebensweise nach dem Evangelium, ohne Rücksicht auf eigenen Nutzen oder Familieninteressen, über die Pflege eines tiefen Verständnisses für das Geheimnis der Kirche. Daraus wird es ihnen wunderbar aufgehen, was es heißt, sich selbst ganz dem Dienst des Leibes Christi in der Arbeit für das Evangelium zu weihen, mit dem Bischof als treue Mitarbeiter verbunden zu sein und ihre Arbeit in Gemeinschaft mit ihren Mitbrüdern zu tun (35).

Um dieses umfassende Ziel zu erreichen, muß die ganze Ausbildung der Alumnen im Licht des Heilsgeheimnisses geplant werden, wie es in der Schrift enthalten ist. Sie müssen lernen, dieses Geheimnis Christi und des menschlichen Heils in der Liturgie gegenwärtig zu finden und in ihrem Leben zu verwirklichen (36).

Diese allgemeinen Erfordernisse der priesterlichen Ausbildung, auch nach der pastoralen und praktischen Seite, müssen nach den Richtlinien des Konzils (37) mit dem Bemühen verbunden werden, den besonderen Formen des Denkens und Handelns des eigenen Volkes entgegenzukommen. Der Geist der Alumnen muß also geöffnet und geschärft werden, damit sie sich ein gutes Wissen und ein rechtes Urteil über die Kultur des eigenen Volkes erwerben können. In den philosophischen und theologischen Disziplinen sollen sie die Beziehungen verstehen, die zwischen ihrer heimatlichen Überlieferung und Religion und der christlichen Religion bestehen (38). Ebenso muß die Priesterbildung die pastoralen Bedürfnisse des Landes berücksichtigen. Die Alumnen sollen Geschichte, Zweck und Methode der missionarischen Tätigkeit der Kirche kennenlernen, ebenso die besonderen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse des eigenen Volkes. Sie sollen im Geist des Ökumenismus erzogen und zum brüderlichen Dialog mit den Nichtchristen gut vorbereitet werden (39). All das verlangt, daß die Studien bis zum Priestertum soweit wie möglich im Zusammenleben mit dem eigenen Volk und seinen Lebensgewohnheiten durchgeführt werden (40). Endlich soll man auch für die Ausbildung in der geordneten kirchlichen Verwaltung sorgen, ja sogar auf wirtschaftlichem Gebiet.

Darüber hinaus soll man geeignete Priester auswählen, die sich nach einiger pastoraler Praxis in höheren Studien an auswärtigen Universitäten, vor allem in Rom, und an anderen wissenschaftlichen Instituten weiterbilden sollen, so daß den jungen Kirchen erfahrene Fachleute aus dem eigenen Klerus für die schwierigeren Aufgaben zur Verfügung stehen.

Wo die Bischofskonferenzen es für gut halten, soll der Diakonat als fester Lebensstand wieder eingeführt werden, entsprechend den Normen der Konstitution über die Kirche (41); denn es ist angebracht, daß Männer, die tatsächlich einen diakonalen Dienst ausüben, sei es als Katechisten in der Verkündigung des Gotteswortes, sei es in der Leitung abgelegener christlicher Gemeinden im Namen des Pfarrers und des Bischofs, sei es in der Ausübung sozialer oder caritativer Werke, durch die von den Aposteln her überlieferte Handauflegung gestärkt und dem Altare enger verbunden werden, damit sie ihren Dienst mit Hilfe der sakramentalen Diakonatsgnade wirksamer erfüllen können.

17. Ebenso verdient die Schar der Katechisten Anerkennung, Männer wie Frauen, die so große Verdienste um das Werk der Heidenmission haben. Erfüllt von apostolischer Gesinnung, leisten sie mit vielen Mühen ihren einzigartigen und unersetzlichen Beitrag zur Verbreitung des Glaubens und der Kirche.

Das Amt der Katechisten hat in unseren Tagen, da es für die Glaubensunterweisung solcher Massen und den Seelsorgedienst nur wenige Kleriker gibt, allergrößte Bedeutung. Deshalb muß ihre Ausbildung so vervollkommnet und dem kulturellen Fortschritt angepaßt werden, daß sie ihr Amt, das durch neue und ausgedehntere Aufgaben erschwert wird, als fähige Mitarbeiter der Priester möglichst gut ausüben können.

Man muß deshalb die diözesanen und regionalen Schulen vermehren, in denen die zukünftigen Katechisten die katholische Lehre, mit besonderer Betonung von Schrift und Liturgie, sowie die katechetischen Methoden und die pastorale Praxis erlernen und sich in stetiger Übung von Frömmigkeit und sittlichem Leben zu einem christlichen Verhalten bilden (42). Zusammenkünfte und Kurse soll man ferner veranstalten, durch die die Katechisten in den Fächern und Fertigkeiten, die zu ihrem Dienst gehören, zu bestimmten Zeiten Auffrischung erhalten und ihr geistliches Leben genährt und gestärkt wird. Außerdem muß man denen, die sich hauptamtlich dieser Arbeit widmen, durch gerechte Vergütung einen gebührenden Lebensstandard und soziale Sicherheit gewährleisten (43).

Es besteht der Wunsch des Konzils, daß durch besondere Mittel der Heiligen Kongregation zur Verbreitung des Glaubens für Ausbildung und Unterhalt der Katechisten gesorgt werde. Wenn es für nötig und zweckmäßig gehalten wird, möge ein eigenes Werk für Katechisten gegründet werden.

Die Kirchen werden auch dankbar die hochherzige Arbeit der Hilfskatechisten anerkennen, deren Mitwirkung sie brauchen. Sie leiten in ihren Gemeinden die Gebete und geben den Unterricht. Für ihre wissensmäßige und geistliche Bildung soll ordnungsgemäß gesorgt werden. Es ist außerdem zu wünschen, daß den entsprechend ausgebildeten Katechisten, wo es angezeigt erscheint, die kanonische Sendung in einer öffentlichen liturgischen Feier gegeben werde, damit sie beim Volk in Glaubensfragen größere Autorität genießen.

18. Schon von der Pflanzung der Kirche an soll das Ordensleben eifrig gefördert werden, das nicht nur für die missionarische Tätigkeit wertvolle und unbedingt notwendige Dienste leistet, sondern auch durch die in der Kirche vollzogene, innigere Weihe an Gott lichtvoll das innerste Wesen der christlichen Berufung offenbart und darstellt (44).

Die religiösen Genossenschaften, die bei der Pflanzung der Kirche mitarbeiten, sollen von den geistlichen Reichtümern ganz durchdrungen sein, die die Ordenstradition der Kirche auszeichnen, und sie dem Geist und der Anlage eines jeden Volkes entsprechend auszudrücken und weiterzugeben suchen. Sie sollen sorgfältig überlegen, wie die Tradition des asketischen und beschaulichen Lebens, deren Keime manchmal alten Kulturen schon vor der Verkündigung des Evangeliums von Gott eingesenkt wurden, in ein christliches Ordensleben aufgenommen werden können.

In den jungen Kirchen sollen verschiedene Formen des Ordenslebens entwickelt werden, um die verschiedenen Aspekte der Sendung Christi und des Lebens der Kirche auszudrücken; sie sollen sich verschiedenen pastoralen Arbeiten widmen und ihre Mitglieder für sie ordnungsgemäß vorbereiten. Doch sollen die Bischöfe in ihrer Konferenz darauf achten, daß nicht Kongregationen mit dem gleichen apostolischen Zweck vervielfacht werden, zum Schaden des Ordenslebens und des Apostolates.

Besondere Erwähnung verdienen die verschiedenen Unternehmungen, die das beschauliche Leben verwurzeln sollen; die einen behalten die wesentlichen Elemente der monastischen Lebensform bei und versuchen, die reiche Tradition ihres Ordens zu verpflanzen. Andere kehren zu den einfacheren Formen des altkirchlichen Mönchswesens zurück. Alle aber sollen sich um eine echte Anpassung an die lokalen Verhältnisse bemühen. Das beschauliche Leben gehört eben zur vollen Anwesenheit der Kirche und muß deshalb überall bei den jungen Kirchen Eingang finden.

3. Kapitel

 Die Teilkirchen

19. Die Einpflanzung der Kirche in eine bestimmte Gesellschaft erreicht einen gewissen Abschluß, wenn die Gemeinschaft der Gläubigen im gesellschaftlichen Leben verwurzelt und der örtlichen Kultur in etwa angepaßt ist und so schon Stetigkeit und Festigkeit besitzt. Das heißt: es steht ihr schon eine wenn auch noch nicht genügend große Zahl von einheimischen Priestern sowie von Ordensleuten und Laien zur Verfügung, und sie ist mit den Ämtern und Einrichtungen ausgestattet, die notwendig sind, um unter der Leitung des Bischofs das Leben des Gottesvolkes zu führen und auszubreiten.

In diesen jungen Kirchen muß das Leben des Gottesvolkes auf allen Gebieten des christlichen Lebens reifen, das nach den Richtlinien dieses Konzils zu erneuern ist. Die Gemeinden der Gläubigen werden immer mehr zu bewußt-lebendigen Gemeinschaften des Glaubens, der Liturgie und der Liebe; die Laien bemühen sich in ihrer weltlichen und apostolischen Tätigkeit, eine Ordnung der Liebe und der Gerechtigkeit im Staatswesen aufzubauen; man benützt die publizistischen Mittel nach Tunlichkeit und mit Klugheit; durch ein wahrhaft christliches Leben werden die Familien zu Pflanzstätten des Laienapostolates, sowie für Priester- und Ordensberufe. Der Glaube wird in angepaßter Katechese gelehrt, in einer dem Volkscharakter harmonierenden Liturgie gefeiert und findet durch entsprechende kirchliche Gesetzgebung Eingang in die wertvollen Einrichtungen und Gepflogenheiten des Landes.

Die Bischöfe aber sollen zusammen mit ihrem Priesterkollegium, mehr und mehr durchdrungen vom Geist Christi und der Kirche, in Verbindung mit der Gesamtkirche denken und leben. Die Gemeinschaft der jungen Kirchen mit der ganzen Kirche muß sehr eng bleiben; deren Traditionselemente sollen sie mit der eigenen Kultur verbinden, um durch den gegenseitigen Austausch von Kräften das Leben des mystischen Leibes zu entfalten (1). Man soll deshalb die theologischen, psychologischen und menschlichen Ansätze auswerten, die dazu beitragen können, den Sinn für die Gemeinschaft mit der Gesamtkirche zu entwickeln.

Diese Kirchen sind jedoch häufig in den ärmeren Gebieten der Erde gelegen und leiden meist noch schwer unter Priestermangel und materieller Not. Sie sind deshalb sehr darauf angewiesen, daß die fortgesetzte Missionstätigkeit der ganzen Kirche ihnen die Hilfe bringt, die vor allem dem Wachstum und der Reifung des christlichen Lebens der Ortskirche dienen soll. Diese Missionstätigkeit soll auch den schon lange gegründeten Kirchen, die sich in einem Zustand des Rückschritts oder der Schwäche befinden, Hilfe bringen.

Indes sollen diese Kirchen ein gemeinsames pastorales Programm und geeignete Unternehmen einleiten, durch die die Berufe zum Diözesanklerus und zu den Orden zahlenmäßig vermehrt, sorgfältiger ausgewählt und wirksamer gepflegt werden (2), so daß sie allmählich für sich selber sorgen und anderen Hilfe bringen können.

20. Da die Teilkirche ein getreues Abbild der Gesamtkirche sein muß, soll sie sich auch ihrer Sendung an diejenigen, die mit ihr im gleichen Raum leben und noch nicht an Christus glauben, wohl bewußt sein, damit sie durch das Zeugnis des Lebens, der einzelnen sowohl wie der ganzen Gemeinde, ein Zeichen sei, das auf Christus hinweist.

Darüber hinaus ist der Dienst des Wortes notwendig, damit das Evangelium alle erreiche. Vor allem muß der Bischof Verkünder des Glaubens sein, der neue Jünger Christus zuführen soll (3). Um diese hohe Aufgabe richtig zu erfüllen, muß er sowohl die Situation seiner Herde genau kennen als auch die Vorstellungen, die seine Landsleute sich zuinnerst von Gott gebildet haben. Dabei muß er auch auf die Wandlungen sorgfältig achthaben, die die Verstädterung, die Wanderung der Bevölkerung und der religiöse Indifferentismus bewirken.

Die einheimischen Priester sollen in den jungen Kirchen mit Eifer das Werk der Glaubensverkündigung in Angriff nehmen; dabei sollen sie mit den auswärtigen Missionaren zusammenarbeiten, mit denen sie, geeint unter der Autorität des Bischofs, eine einzige Priesterschaft bilden, und zwar nicht nur zur Betreuung der Gläubigen und zur Feier des Gottesdienstes, sondern auch zur Predigt des Evangeliums denen, die draußen sind. Sie sollen bereit sein, sich bei gegebener Gelegenheit sogar frohgemut ihrem Bischof zur Verfügung zu stellen, um die Missionsarbeit in entlegenen und vernachlässigten Distrikten der eigenen Diözese oder auch in anderen Diözesen aufzunehmen.

Mit gleichem Eifer sollen sich die Ordensmänner und Ordensfrauen und ebenso die Laien für ihre Mitbürger, zumal die ärmeren, einsetzen.

Die Bischofskonferenzen sollen dafür sorgen, daß in bestimmten Zeitabständen Kurse zur exegetischen, theologischen, spirituellen und pastoralen Auffrischung stattfinden, damit der Klerus bei der Vielfalt und dem Wechsel der Verhältnisse eine vollere Kenntnis der theologischen Wissenschaften und der pastoralen Methoden erhalte.

Im übrigen soll man treu befolgen, was dieses Konzil vor allem im Dekret über den Dienst und das Leben der Priester festgesetzt hat.

Um diese Missionsarbeit der Teilkirche auszuführen, sind geeignete Helfer erforderlich, und sie sind rechtzeitig in einer Weise vorzubereiten, die der Situation der einzelnen Kirche entspricht. Da aber die Menschen mehr und mehr zu Gruppen zusammenwachsen, ist es sehr angebracht, wenn sich die Bischofskonferenzen gemeinsam über den Dialog mit diesen Gruppen beraten. Wenn sich aber in manchen Gegenden Gruppen von Menschen finden, die von der Annahme des katholischen Glaubens dadurch abgehalten werden, daß sie sich der besonderen Erscheinungsweise der Kirche in ihrer Gegend nicht anpassen können, so wird vorgeschlagen, daß für eine solche Situation in besonderer Weise (4) Sorge getragen werde, bis alle Christen in einer Gemeinschaft vereint werden können. Wenn der Apostolische Stuhl zu diesem Zweck Missionare zur Verfügung haben sollte, mögen die betreffenden Bischöfe sie in ihre Diözesen rufen oder sie gern aufnehmen und ihre Bemühungen tatkräftig unterstützen.

Damit dieser missionarische Eifer bei den eigenen Landsleuten blühe, ist es sehr nützlich, daß die jungen Kirchen sobald wie möglich an dem gesamten Missionswerk der Kirche aktiven Anteil nehmen, indem sie selbst Missionare ausschicken, die überall in der Welt das Evangelium verkünden sollen, auch wenn sie selbst an Priestermangel leiden; denn die Gemeinschaft mit der Gesamtkirche findet gleichsam ihre Krönung, wenn sie selbst an der Missionsarbeit bei anderen Völkern tätig teilnehmen.

21. Die Kirche ist nicht wirklich gegründet, hat noch nicht ihr volles Leben, ist noch nicht ganz das Zeichen Christi unter den Menschen, wenn nicht mit der Hierarchie auch ein wahrer Laienstand da ist und arbeitet; denn das Evangelium kann nicht in Geist, Leben und Arbeit eines Volkes tief Wurzel schlagen ohne die tätige Anwesenheit der Laien. Deshalb muß schon bei der Gründung der Kirche auf die Entwicklung eines reifen christlichen Laienstandes geachtet werden.

Denn die gläubigen Laien gehören gleichzeitig ganz zum Gottesvolk und ganz zur bürgerlichen Gesellschaft: Zu ihrem Volk gehören sie, in dem sie geboren wurden, an dessen Kulturgütern sie durch die Erziehung teilzunehmen begonnen haben, mit dessen Leben sie durch viele gesellschaftliche Bande verbunden sind, an dessen Aufstieg sie durch ihre eigenen Anstrengungen in ihrem Beruf mitarbeiten, dessen Probleme sie als ihre eigenen empfinden und zu lösen suchen. Sie gehören ebenso Christus an, da sie in der Kirche wiedergeboren sind durch Glaube und Taufe, damit sie in der Neuheit des Lebens und Arbeitens Christus zu eigen seien (5) und damit in Christus alles Gott unterworfen werde und endlich Gott sei alles in allem (6).

Hauptaufgabe der Laien, der Männer und der Frauen, ist das Christuszeugnis, das sie durch Leben und Wort in ihrer Familie, in ihrer Gesellschaftsschicht und im Bereich ihrer Berufsarbeit geben müssen. Denn es muß in ihnen der neue Mensch erscheinen, der nach Gottes Bild in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen ist (7). Diese Neuheit des Lebens aber müssen sie im Bereich der heimatlichen Gesellschaft und Kultur ausdrücken, den Traditionen des eigenen Volkes entsprechend. Sie selbst müssen diese Kultur kennen, sie heilen und bewahren, sie müssen sie im Zug der modernen Entwicklung entfalten und endlich in Christus vollenden, so daß der Christusglaube und das Leben der Kirche der Gesellschaft, in der sie leben, nicht mehr äußerlich sei, sondern sie zu durchdringen und zu verwandeln beginne. Ihren Mitbürgern seien sie in aufrichtiger Liebe verbunden, so daß in ihrem Umgang das neue Band der Einheit und der universalen Solidarität sichtbar werde, die aus dem Geheimnis Christi stammt. Auch sollen sie den Glauben an Christus unter denen verbreiten, mit denen sie durch Bande des täglichen Lebens und des Berufes verbunden sind. Diese Pflicht ist um so dringender, weil die meisten Menschen nur durch benachbarte Laien das Evangelium hören und Christus kennenlernen können. Ja, wo es möglich ist, sollen Laien bereit sein, in noch unmittelbarerer Zusammenarbeit mit der Hierarchie die besondere Sendung zu erfüllen: das Evangelium zu verkünden und christlichen Unterricht zu erteilen, um der werdenden Kirche die Kraft zu vermehren.

Die Diener der Kirche sollen das Apostolat der Laien hoch bewerten. Sie sollen die Laien formen, daß sie sich als Glieder Christi ihrer Verantwortung für alle Menschen bewußt werden; sie sollen ihnen das Geheimnis Christi tief erschließen, sie sollen sie auch in die methodische Arbeit einführen und ihnen in Schwierigkeiten zur Seite stehen, im Geiste der Konstitution über die Kirche und des Dekrets über das Laienapostolat.

Hirten und Laien haben also ihre besonderen Aufgaben und ihre eigene Verantwortung, und so soll die ganze junge Kirche ein einziges Zeugnis Christi geben, lebendig und stark, auf daß sie ein leuchtendes Zeichen des Heils sei, das in Christus zu uns gekommen ist.

22. Das Saatkorn, das heißt das Wort Gottes, sprießt aus guter, von himmlischem Tau befeuchteter Erde, zieht aus ihr den Saft, verwandelt ihn und assimiliert ihn sich, um viele Frucht zu bringen. In der Tat nehmen die jungen Kirchen, verwurzelt in Christus, gebaut auf das Fundament der Apostel, nach Art der Heilsordnung der Fleischwerdung in diesen wunderbaren Tausch alle Schätze der Völker hinein, die Christus zum Erbe gegeben sind (8). Aus Brauchtum und Tradition ihrer Völker, aus Weisheit und Wissen, aus Kunststil und Fertigkeit entlehnen sie alles, was beitragen kann, die Ehre des Schöpfers zu preisen, die Gnade des Erlösers zu verherrlichen, das Christenleben recht zu gestalten (9).

Um dieses Ziel zu verwirklichen, muß in jedem sozio-kulturellen Großraum die theologische Besinnung angespornt werden, die im Licht der Tradition der Gesamtkirche die von Gott geoffenbarten Taten und Worte, die in der Heiligen Schrift aufgezeichnet sind und von Kirchenvätern und Lehramt erläutert werden, aufs neue durchforscht.

So wird man klarer erfassen, auf welchen Wegen der Glaube, unter Benutzung der Philosophie und Weisheit der Völker, dem Verstehen näherkommen kann und auf welche Weise die Gepflogenheiten, die Lebensauffassung und die soziale Ordnung mit dem durch die göttliche Offenbarung bezeichneten Ethos in Einklang gebracht werden können. Von da öffnen sich Wege zu einer tieferen Anpassung im Gesamtbereich des christlichen Lebens. Wenn man so vorangeht, wird jeder Anschein von Synkretismus und falschem Partikularismus ausgeschlossen; das christliche Leben wird dem Geist und der Eigenart einer jeden Kultur angepaßt (10); die besonderen Traditionen, zusammen mit den vom Evangelium erleuchteten Gaben der verschiedenen Völkerfamilien, werden in die katholische Einheit hineingenommen. So haben schließlich die jungen Teilkirchen mit dem ganzen Reichtum ihrer Überlieferung ihren Platz in der kirchlichen Gemeinschaft, unter voller Wahrung des Primates des Stuhles Petri, der in der ganzen Gemeinschaft der Liebe den Vorsitz führt (11).

Es ist zu wünschen, ja überaus angebracht, daß die Bischofskonferenzen innerhalb der sozio-kulturellen Großräume unter sich Verbindung aufnehmen, damit sie in gemeinsamer Überlegung einmütig dieses Ziel der Anpassung verfolgen können.

Kapitel 4

 Die Missionare

23. Obwohl jedem Jünger Christi die Pflicht obliegt, nach seinem Teil den Glauben auszusäen1, beruft Christus der Herr aus der Schar der Jünger immer wieder solche, die er selbst will, damit sie bei ihm seien und er sie zur Verkündigung bei den Völkern aussende (2). Deshalb regt er durch den Heiligen Geist, der seine Gnadengaben, wie er will, zum allgemeinen Nutzen austeilt (3), im Herzen einzelner die Berufung zum Missionar an und erweckt gleichzeitig in der Kirche Institute (4), welche die Pflicht der Evangeliumsverkündigung, die der gesamten Kirche obliegt, gewissermaßen als ihre ureigene Aufgabe auf sich nehmen.

Denn durch eine besondere Berufung sind diejenigen gezeichnet, die, im Besitz der erforderlichen natürlichen Anlagen, nach Begabung und Charakter geeignet sind, die Missionsarbeit auf sich zu nehmen (5), seien es Einheimische oder Auswärtige: Priester, Ordensleute oder Laien. Ausgesondert zu dem Werk, zu dem sie berufen sind (6), gehen sie, von der rechtmäßige Autorität gesandt, in gläubigem Gehorsam hinaus zu jenen, die fern von Christus sind - Diener des Evangeliums, “damit die Heiden als Opfergabe wohlgefällig werden, geheiligt durch den Heiligen Geist” (Röm 15,16).

24. Wenn Gott ruft, muß der Mensch Antwort geben, und zwar so, daß er nicht Fleisch und Blut zu Rate zieht (7), sondern sich ganz dem Dienst am Evangelium verschreibt. Eine solche Antwort kann der Mensch nur geben, wenn der Heilige Geist ihn treibt und ihm Kraft gibt. Tritt doch der Gesandte in das Leben und die Sendung dessen ein, der “sich selbst entäußert und Knechtsgestalt angenommen hat” (Phil 2,7). So muß der Missionar bereit sein, sein Leben hindurch zu dem an ihn ergangenen Ruf zu stehen, sich selbst und allem, was er bislang als sein angesehen hat, zu entsagen, um allen alles zu werden (8).

Wenn er den Völkern die frohe Botschaft verkündet, mache er mit Freimut das Geheimnis Christi, an dessen Stelle er steht, kund. Deshalb habe er in ihm den Mut, so wie es seine Pflicht ist, zu reden (9) und sich des Ärgernisses des Kreuzes nicht zu schämen. In der Nachfolge seines Meisters, der sanft und von Herzen demütig war, mache er begreiflich, daß sein Joch nicht drückt und seine Bürde nicht lastet (10). Durch ein Leben ganz nach den Evangelium (11), in großer Geduld, in Langmut und Güte und in aufrichtiger Liebe (12) lege er Zeugnis ab für seinen Herrn, wenn es sein muß bis zur Hingabe des Lebens. Die Kraft und Tapferkeit dazu wird er im Gebet von Gott erlangen, und so wird er erfahren, daß aus aller Prüfung durch Trübsal und bitterste Armut übergroße Freude strömt (13). Er sei überzeugt, daß der Gehorsam die besondere Tugend des Dieners Christi ist, der durch seinen Gehorsam das Menschengeschlecht erlöst hat.

Damit die Herolde der Frohbotschaft die Gnade, die ihnen geworden ist, nicht geringachten, sollen sie sich täglich im Geist erneuern (14). Die Ordinarien und die Oberen aber sollen die Missionare in bestimmten Zeitabständen versammeln, damit sie durch die Hoffnung ihrer Berufung gefestigt und im apostolischen Dienst neu ausgerichtet werden, gegebenenfalls in eigens dazu gegründeten Häusern.

25. Auf seine so hohe Aufgabe muß der künftige Missionar durch eine besondere geistliche und sittliche Formung vorbereitet werden (15). Der Missionar muß initiativfreudig sein, beharrlich in der Durchführung von Unternehmen und ausdauernd in Schwierigkeiten. Geduldig und starkmütig muß er Einsamkeit, Ermüdung und Mißerfolge tragen lernen. In geistiger Aufgeschlossenheit und Offenheit des Herzens muß er auf die Menschen zugehen können. Aufgaben, die ihm übertragen werden, wird er bereitwillig annehmen. Selbst fremd anmutenden Bräuchen des Volkes muß er sich ebenso wie neu entstehenden Situationen bereitwilligst anzupassen wissen. In aller Eintracht und in gegenseitiger Liebe wird er mit seinen Mitbrüdern und allen, die sich der gleichen hohen Aufgabe widmen, im Team zusammenarbeiten. So werden sie zusammen mit den Gläubigen ein Abbild der apostolischen Gemeinde bieten und ein Herz und eine Seele sein (16).

Eine solche Geisteshaltung muß schon in der Zeit der Vorbereitung eifrigst eingeübt und gepflegt und im geistlichen Leben aufbereitet und genährt werden. Von lebendigem Glauben und unerschütterlicher Hoffnung durchdrungen, muß der Missionar ein Mann des Gebetes sein. Er erglühe vom Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (17); er lerne, mit seinen Verhältnissen zufrieden zu sein (18). In Opfergesinnung trage er an seinem Leibe das Todesleiden Jesu, damit das Leben Jesu in denen wirksam werde, zu denen er gesandt ist (19). Im Eifer für die Seelen bringe er gern Opfer, ja opfere er sich selbst für die Seelen auf (20). So wird er “durch seine tägliche Pflichterfüllung in der Liebe zu Gott und zum Nächsten wachsen” (21). Auf diese Weise führt er, mit Christus dem Willen des Vaters gehorchend, die Sendung Jesu im Gehorsam gegen die kirchliche Autorität weiter und wirkt am Geheimnis des Heils mit.

26. Die zu den verschiedenen Völkern ausgesandt werden, sollen “durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre zu tüchtigen Dienern Christi herangebildet werden” (1 Tim 4,6). Sie schöpfen sie vor allem aus der Heiligen Schrift, indem sie tief in das Geheimnis Christi einzudringen versuchen, dessen Herolde und Zeugen sie sein sollen.

Deshalb sind alle Missionare - Priester, Brüder, Schwestern und Laien - entsprechend ihrem Stand vorzubereiten und auszubilden, damit sie den Anforderungen ihrer künftigen Arbeit gerecht werden können (22). Ihre wissenschaftliche Ausbildung soll gleich von Anfang an sowohl der Universalität der Kirche als auch der Andersartigkeit der Völker Rechnung tragen. Dieser Grundsatz gilt für alle Disziplinen, die sie auf ihren künftigen Dienst vorbereiten; er gilt aber auch für die übrigen Wissenschaften, in denen sie nutzbringend unterrichtet werden, um eine allgemeine Kenntnis der Völker, ihrer Kulturen und Religionen zu besitzen, die nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart berücksichtigt. Denn wer sich zu einem anderen Volk begeben will, muß dessen Erbe, Sprache und Brauchtum hochachten. Vor allem soll der künftige Missionar sich mit missionswissenschaftlichen Studien befassen, das heißt, er soll die Lehre und die Grundsätze der Kirche bezüglich der Missionstätigkeit kennen; er soll wissen, welche Wege die Boten des Evangeliums im Lauf der Jahrhunderte gegangen sind; er soll die gegenwärtige Missionssituation kennen und die Methoden, die heutzutage als besonders erfolgreich gelten (23).

Wenn auch diese gesamte Ausbildung vom Geist pastoraler Sorge durchdrungen sein muß, so soll dennoch eine eigene und planmäßige Anleitung zum Apostolat geboten werden, sowohl in der Theorie wie durch praktische Übungen (24).

Von den Brüdern und Schwestern sollen möglichst viele katechetisch geschult und gut ausgebildet werden, damit sie noch besser im Apostolat mitwirken können.

Auch wer auf Zeit Aufgaben der Missionsarbeit übernimmt, soll unbedingt eine entsprechende Vorbildung erwerben. Diese Ausbildungsfächer sollen in den Ländern, in welche die Missionare gesandt werden, so ergänzt werden, daß sie ausführlicher die Geschichte, das gesellschaftliche Gefüge und das Brauchtum der Völker kennenlernen und tieferen Einblick gewinnen in die sittliche Ordnung, die religiösen Vorschriften und die Vorstellungen, die sie sich nach den ihnen heiligen Überlieferungen über Gott, Welt und Mensch zuinnerst gebildet haben (25). Ihre Sprachen sollen sie so gründlich erlernen, daß sie sich fließend und gewandt ihrer bedienen können und dadurch leichteren Zugang zu Geist und Herz der Menschen finden (26). Außerdem müssen sie in die besonderen pastoralen Erfordernisse gut eingeführt werden.

Einige aber sollen an missionswissenschaftlichen Instituten oder sonstigen Fakultäten und Universitäten eine gründlichere Ausbildung erhalten, damit sie Spezialaufgaben wirksamer wahrnehmen (27) und den übrigen Missionaren durch ihr Fachwissen Hilfe in der Missionsarbeit leisten können, die zumal in unserer Zeit so viele Schwierigkeiten und Möglichkeiten bietet. Außerdem wäre sehr zu wünschen, daß die regionalen Bischofskonferenzen genügend viele solcher Fachleute zur Verfügung hätten und sich ihres Wissens und ihrer Erfahrung in den schwer zu lösenden Aufgaben ihres Amtes mit Gewinn bedienen könnten. Auch sollte es nicht an Spezialisten fehlen, die die Hilfsmittel der Technik und der Publizistik, deren Bedeutung niemand unterschätzen sollte, vollendet zu handhaben verstehen.

27. Wenn auch dies alles für jeden, der zu den Völkern gesandt wird, unbedingt notwendig ist, kann es doch kaum wirklich von einzelnen erreicht werden. Da auch die Missionsarbeit, wie die Erfahrung beweist, von einzelnen nicht geleistet werden kann, hat die gemeinsame Berufung die einzelnen zu Gemeinschaften vereinigt, in denen sie mit vereinten Kräften zweckentsprechend ausgebildet werden sollen und das Missionswerk im Auftrag der Kirche und auf Geheiß der hierarchischen Autorität durchführen wollen. Diese Institute haben sich ganz oder mit einem Teil ihrer Mitglieder der Missionsarbeit geweiht und seit Jahrhunderten Last und Hitze des Tages getragen. Oft sind ihnen vom Heiligen Stuhl weite Gebiete zur Evangelisation übertragen worden, in denen sie Gott ein neues Volk gesammelt haben: die Ortskirche, die um ihre eigenen Hirten geschart ist. Diesen Kirchen, die sie mit ihrem Schweiß, oft sogar mit ihrem Blut gegründet haben, werden die Institute mit ihrem Eifer und ihrer Erfahrung weiterhin zu Diensten sein und in brüderlicher Zusammenarbeit Seelsorge ausüben oder Sonderaufgaben zum allgemeinen Wohl ausführen.

Manchmal werden sie im Bereich einer ganzen Region dringlichere Aufgaben übernehmen, wie z. B. die Verkündigung des Evangeliums bei Gruppen oder Völkerschaften, die aus bestimmten Gründen die Frohbotschaft noch nicht gehört oder ihr bislang widerstanden haben (28).

Wo es nötig ist, werden sie bereit sein, jene, die sich auf Zeit der Missionstätigkeit widmen wollen, durch ihre Erfahrung vorzubereiten und ihnen zu helfen.

Aus all diesen Gründen und weil es noch viele Völker gibt, die zu Christus geführt werden müssen, bleiben die Institute vollauf unentbehrlich.

5. Kapitel

 Die Ordnung der missionarischen Tätigkeit

28. Da die Christgläubigen verschiedenartige Gnadengeschenke haben (1), soll ein jeder nach Gelegenheit, Fähigkeit, Gnadengabe und Amt (2) am Evangelium mitwirken; alle, die säen und ernten (3), die pflanzen und begießen, sollen eins sein (4), damit sie “auf dasselbe Ziel hin sich frei und in geordneter Weise zusammentun” (5) und eines Sinnes ihre Kräfte einsetzen zur Auferbauung der Kirche.

Aus diesem Grunde ist es notwendig, die Arbeiten der Künder der Frohbotschaft und die Hilfeleistungen der übrigen Christgläubigen so zu lenken und zusammenzufassen, daß in sämtlichen Bereichen der Missionsarbeit und der Missionshilfe “alles in der rechten Ordnung geschehe” (1 Kor 14,40).

29. Da die Sorge für die weltweite Verkündigung des Evangeliums besonders bei der Gemeinschaft der Bischöfe liegt (6), möge die Bischofssynode oder “der beständige, für die ganze Kirche zuständige Rat der Bischöfe” (7) unter den Obliegenheiten von allgemeiner Bedeutung (8) der missionarischen Tätigkeit als der wichtigsten und heiligsten Aufgabe der Kirche (9) besondere Aufmerksamkeit zuwenden.

Für alle Missionen und die gesamte missionarische Tätigkeit soll nur eine einzige Kongregation zuständig sein, nämlich die “Zur Verbreitung des Glaubens”; ihr steht es zu, die missionarischen Belange auf der ganzen Welt, die Missionsarbeit und die Missionshilfe, zu leiten und zu koordinieren, unbeschadet jedoch des Rechtes der Orientalischen Kirchen (10).

Wenn der Heilige Geist auch auf vielfache Weise den Missionsgeist in der Kirche Gottes weckt und nicht selten der Tätigkeit derer, die das Leben der Kirche zu leiten haben, vorauseilt, so soll diese Kongregation doch ihrerseits die missionarische Berufung und Spiritualität, den Eifer und das Gebet für. die Missionen sowie eine zuverlässige und ausreichende Nachrichtenvermittlung über sie fördern; sie soll sich um Missionare bemühen und sie entsprechend der Vordringlichkeit der Bedürfnisse in den einzelnen Gebieten verteilen. Von ihr sollen ein geplantes Arbeitsprogramm entworfen, angepaßte Direktiven und Prinzipien für die Evangelisierung erarbeitet, Impulse gegeben werden. Von ihr soll die wirksame Beschaffung der materiellen Hilfsmittel angeregt und koordiniert werden, die dann unter Berücksichtigung der Notwendigkeit oder Nützlichkeit, nach der Größe der kirchlichen Distrikte, nach der Zahl der Gläubigen und Ungläubigen, der Werke und Institute, der Helfer und Missionare verteilt werden sollen.

Gemeinsam mit dem Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen suche sie Wege und Mittel, um eine brüderliche Zusammenarbeit mit den Missionsunternehmungen anderer christlicher Gemeinschaften zu ermöglichen und zu ordnen, damit man so miteinander leben könne, daß das Ärgernis der Spaltung soweit wie möglich beseitigt werde.

Deshalb ist es nötig, daß diese Kongregation sowohl ein Instrument der Verwaltung als auch ein Organ dynamischer Steuerung sei, das sich wissenschaftlicher Methoden und zeitgemäßer Arbeitsinstrumente bedient und dabei den heutigen theologischen, methodologischen und missionspastoralen Forschungsergebnissen Rechnung trägt.

An der Leitung dieser Kongregation sollen ausgewählte Vertreter all derer wirksamen Anteil mit entscheidender Stimme haben, die am Missionswerk mitarbeiten: Bischöfe aus der ganzen Welt, nach Anhören der Bischofskonferenzen, wie auch Leiter der Institute und der Päpstlichen Missionswerke. Verfahrensweise und Verfassung werden vom Papst festgelegt. Sie alle sind in bestimmten Zeitabständen zusammenzurufen, um unter der Autorität des Papstes die oberste Leitung des gesamten Missionswerkes auszuüben. Der Kongregation soll ein ständiger Kreis fachmännischer Berater von bewährter Kenntnis und Erfahrung zur Verfügung stehen. Ihre Aufgabe wird unter anderem darin bestehen, über die besonderen Verhältnisse der verschiedenen Gebiete und die geistige Orientierung der verschiedenen Menschengruppen sowie auch über die anzuwendenden Evangelisierungsmethoden brauchbare Informationen zu sammeln und wissenschaftlich begründete Folgerungen für die Missionsarbeit und die Missionshilfe vorzulegen.

Die Schwesterngenossenschaften, die regionalen Missionswerke wie auch die Laienorganisationen - zumal die internationalen - seien in einer angemessenen Weise vertreten.

30. Um das Ziel der Missionsarbeit tatsächlich zu erreichen, sollen alle, die im Missionsdienst tätig sind, “ein Herz und eine Seele” (Apg 4,32) sein.

Obliegenheit des Bischofs als des Leiters und des einigenden Zentrums im diözesanen Apostolat ist es, die missionarische Tätigkeit voranzutreiben, zu lenken und zu koordinieren, so jedoch, daß die spontane Initiative derer, die am Werk beteiligt sind, erhalten und gefördert werde. Ihm sind alle Missionare, auch die exemten Religiosen, bei den verschiedenen Arbeiten unterstellt, die zur Ausübung des Apostolates gehören (11). Zur besseren Koordinierung schaffe der Bischof nach Möglichkeit einen Seelsorgerat, in welchem die Kleriker, Religiosen und Laien durch ausgewählte Delegierte vertreten seien. Überdies möge er Sorge tragen, daß die apostolische Tätigkeit nicht auf die schon Bekehrten beschränkt bleibe, daß vielmehr ein angemessener Anteil der Mitarbeiter und der Mittel für die Evangelisierung der Nichtchristen bestimmt werde.

31. Die Bischofskonferenzen mögen schwerwiegendere Fragen und dringende Probleme in gemeinsamer Beratung behandeln, ohne jedoch örtlich gegebene Unterschiede unbeachtet zu lassen (12). Damit die unzureichende Zahl der Kräfte und Mittel nicht zersplittert und die Unternehmungen nicht unnötigerweise vervielfältigt werden, wird empfohlen, Werke, die dem Wohl aller dienen, mit vereinten Kräften zu gründen, wie z. B. Seminarien, höhere und technische Schulen, Zentren für Pastoral, Katechetik, Liturgik und Publizistik.

Wenn zweckmäßig, möge eine derartige Zusammenarbeit auch zwischen verschiedenen Bischofskonferenzen aufgenommen werden.

32. Wünschenswert ist ebenfalls eine Koordinierung der von den Instituten und kirchlichen Vereinigungen ausgeübten apostolischen Tätigkeit. Sie alle, gleich welcher Art sie sind, sollen sich in allem, was die missionarische Tätigkeit betrifft, dem Ortsordinarius zur Verfügung halten. Deswegen wird es von großem Nutzen sein, besondere Übereinkünfte zu treffen, wodurch die Beziehungen zwischen dem Ortsordinarius und dem Leiter des Instituts geregelt werden.

Wenn einem Institut ein Territorium anvertraut wurde, mögen der kirchliche Obere und das Institut es sich angelegen sein lassen, alles daraufhin anzulegen, daß die neue christliche Gemeinschaft zur Ortskirche heranwachse, die zu gegebener Zeit von einem eigenen Hirten mit seinem eigenen Klerus geleitet werde.

Hört die Überlassung eines Gebietes auf, entsteht eine neue Situation. Die Bischofskonferenzen und die Institute sollen in gemeinsamen Überlegungen die Richtlinien festlegen, die die Beziehungen zwischen den Ortsordinarien und den Instituten regeln (13). Sache des Heiligen Stuhles aber wird es sein, allgemeine Grundsätze zu umreißen, nach denen regionale oder auch partikulare Übereinkünfte getroffen werden.

Obwohl die Institute bereit sein werden, das begonnene Werk durch Mitwirken in der ordentlichen Seelsorge fortzusetzen, soll doch bei Zunahme des Ortsklerus Vorsorge getroffen werden, daß die Institute, sofern dies ihren Zielen entspricht, der Diözese treu bleiben und großzügig besondere Aufgaben oder einen bestimmten Gebietsteil in ihr übernehmen.

33. Institute, die in dem gleichen Territorium missionarisch tätig sind, mögen auf Wege und Mittel bedacht sein, ihre Arbeiten zu koordinieren. Deshalb sind Religiosenkonferenzen und Vereinigungen der weiblichen Ordensgemeinschaften, in denen alle Institute derselben Nation oder Region vertreten sind, von größtem Nutzen. Diese Konferenzen sollen überlegen, was in gemeinsamem Bemühen durchgeführt werden kann, und enge Verbindung mit den Bischofskonferenzen halten.

Dies alles wäre in gleicher Weise auch auf die Zusammenarbeit der Missionsinstitute in der Heimat auszudehnen, so daß die Fragen und Aufgaben, die allen gemeinsam sind, leichter und mit geringeren Ausgaben gelöst und durchgeführt werden können, wie zum Beispiel die wissenschaftliche Ausbildung der zukünftigen Missionare, Kurse für Missionare, Beziehungen zu den öffentlichen Behörden oder zu den internationalen und übernationalen Organisationen.

34. Eine sach- und ordnungsgemäße Ausübung der missionarischen Tätigkeit verlangt eine wissenschaftliche Vorbereitung der Missionare auf ihre Aufgaben, vor allem auf den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen und Kulturen. Diese wird ihnen bei der tatsächlichen Durchführung ihrer Arbeit eine wirksame Hilfe bedeuten. Darum ist es wünschenswert, daß wissenschaftliche Institute, die Missiologie und andere den Missionen dienliche Fachgebiete und Wissenschaften, wie Ethnologie und Sprachkunde, Religionsgeschichte und Religionswissenschaft, Soziologie, Pastoralwissenschaft und ähnliches, betreiben, zum Wohl der Missionen untereinander brüderlich und großzügig zusammenarbeiten.

6. Kapitel

Die gesamtkirchliche Missionshilfe

35. Da die ganze Kirche missionarisch und das Werk der Evangelisation eine Grundpflicht des Gottesvolkes ist, lädt die Heilige Synode alle zu einer tiefgreifenden, inneren Erneuerung ein, damit sie im lebendigen Bewußtsein der eigenen Verantwortung um die Ausbreitung des Evangeliums ihren Anteil am Missionswerk bei den Völkern übernehmen.

36. Als Glieder des lebendigen Christus, durch Taufe, Firmung und Eucharistie ihm eingegliedert und gleichgestaltet, ist allen Gläubigen die Pflicht auferlegt, an der Entfaltung und an dem Wachstum seines Leibes mitzuwirken, damit dieser so bald wie möglich zur Vollgestalt gelange (1).

Deshalb mögen alle Kinder der Kirche ein lebendiges Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Welt besitzen, eine wahrhaft katholische Gesinnung in sich hegen und ihre Kräfte für das Werk der Evangelisierung einsetzen. Doch seien alle eingedenk, daß die erste und wichtigste Verpflichtung bei der Ausbreitung des Glaubens darin besteht, ein tiefchristliches Leben zu führen. Ihr Eifer im Dienste Gottes und ihre Liebe zum Nächsten werden der ganzen Kirche neuen geistlichen Antrieb verleihen, so daß sie als Zeichen erscheint, aufgerichtet unter den Völkern (2), als “Licht der Welt” (Mt 5,14) und als “Salz der Erde” (Mt 5,13). Dieses Zeugnis des Lebens wird eher seine Wirkung hervorbringen, wenn es - nach den Richtlinien des Dekrets über den Ökumenismus (3) - zusammen mit anderen christlichen Gruppen abgelegt wird. Aus diesem erneuerten Geiste werden spontan Gebete und Bußwerke Gott dargebracht werden, damit seine Gnade die Arbeit der Missionare befruchte; Missionsberufe werden erstehen und die den Missionen notwendigen Mittel gespendet werden.

Damit aber die Christgläubigen, einzeln und insgesamt, über die gegenwärtige Situation der Kirche in der Welt gut unterrichtet sind und die Stimme der Scharen hören, die da rufen: “Hilf uns” (4), sollen ihnen die Nachrichten über die Missionen, auch durch Einsatz der modernen publizistischen Mittel, so dargeboten werden, daß sie die missionarische Aufgabe als ihre eigene erfassen, für die unermeßlichen und tiefen Nöte der Menschen ihre Herzen öffnen und sich gedrängt fühlen, ihnen zu Hilfe zu kommen.

Von Wichtigkeit ist auch die Koordinierung der Nachrichten und die Zusammenarbeit mit den nationalen und internationalen Organen.

37. Da das Volk Gottes in Gemeinschaften lebt, besonders in der Diözesan- und Pfarrgemeinschaft, und in ihnen gewissermaßen seine Sichtbarkeit erfährt, fällt es auch diesen zu, Christus vor den Völkern zu bezeugen.

Die Gnade der Erneuerung kann in den Gemeinschaften nicht wachsen, wenn nicht eine jede den Raum ihrer Liebe bis zu den Grenzen der Erde hin ausweitet und eine ähnliche Sorge für jene trägt, die in der Ferne leben, wie für jene, die ihre eigenen Mitglieder sind.

So betet die ganze Gemeinschaft und wirkt mit und übt unter den Völkern ihre Tätigkeit aus durch ihre Kinder, die Gott für diese erhabene Aufgabe erwählt.

Von sehr großem Nutzen wäre es, sofern darüber nur das universale Missionswerk nicht vernachlässigt wird, Verbindung mit den aus der Gemeinde selbst hervorgegangenen Missionaren oder mit irgendeiner Pfarrei oder Diözese in den Missionen zu pflegen, damit so die Verbundenheit der Gemeinschaften sichtbar werde und dem gegenseitigen inneren Aufbau diene.

38. Alle Bischöfe haben als Glieder des in der Nachfolge des Apostelkollegiums stehenden Episkopates nicht nur für eine bestimmte Diözese, sondern für das Heil der ganzen Welt die Weihe empfangen. Der Auftrag Christi, aller Kreatur das Evangelium zu predigen (5) , gilt mit und unter Petrus zuerst und unmittelbar ihnen. Daraus erwächst jene Gemeinschaft und Zusammenarbeit der Kirchen, die für die Fortführung des Werkes der Evangelisierung heute so notwendig ist. Kraft dieser Gemeinschaft tragen die einzelnen Kirchen auch für alle anderen Sorge, sie erschließen einander ihre Nöte und treten miteinander in Austausch, da ja das Wachstum des Leibes Christi Aufgabe des gesamten Bischofskollegiums ist (6).

Indem der Bischof in seiner Diözese, mit der er eine Einheit bildet, das Missionswerk anregt, fördert und leitet, läßt er den missionarischen Geist und Eifer des Gottesvolkes gegenwärtig und gleichsam sichtbar werden, so daß die ganze Diözese missionarisch wird.

Aufgabe des Bischofs wird es sein, in seinem Volk, besonders unter den Kranken und Notleidenden, Seelen zu erwecken, die Gott mit bereitem Herzen Gebete und Bußwerke für die Evangelisierung der Welt darbringen; Berufungen von Jugendlichen und Klerikern für die Missionsinstitute bereitwillig zu fördern und es dankbaren Sinnes anzunehmen, wenn Gott einige erwählt, um sie der aktiven Missionsarbeit der Kirche einzugliedern; die Kongregationen diözesanen Rechts zu einem eigenen Beitrag am Missionswerk zu ermuntern und ihnen dabei zu helfen; die Werke der Missionsinstitute, vor allem freilich die Päpstlichen Missionswerke, bei den Gläubigen zu fördern. Letzteren gebührt mit Recht der erste Platz, da sie Mittel darstellen, die Katholiken von Kindheit an mit einer wahrhaft universalen und missionarischen Gesinnung zu erfüllen und zur tatkräftigen Sammlung von Hilfsmitteln zum Wohl aller Missionen gemäß den jeweiligen Bedürfnissen anzueifern (7).

Weil aber der Bedarf an Arbeitern für den Weinberg des Herrn immer weiter wächst und die Diözesanpriester auch ihrerseits einen immer größeren Anteil an der Evangelisierung der Welt haben möchten, wünscht die Heilige Synode, daß die Bischöfe in Anbetracht des großen Mangels an Priestern, durch den die Evangelisierung vieler Gebiete gehemmt wird, einige ihrer besten Priester, die sich für das Missionswerk anbieten, nach entsprechender Vorbereitung in Diözesen schicken, denen es an Klerus fehlt, wo sie wenigstens für einige Zeit im Geiste des Dienstes das missionarische Amt ausüben mögen (8).

Damit jedoch die missionarische Tätigkeit der Bischöfe sich wirksamer gestalten könne, ist es angebracht, daß die Bischofskonferenzen sich der Angelegenheiten annehmen, die die geordnete Missionshilfe des eigenen Gebietes betreffen.

Die Bischöfe sollen in ihren Konferenzen handeln über die Priester des Diözesanklerus, die sich der Evangelisierung der Heiden widmen wollen; über den bestimmten Geldbetrag, den eine jede Diözese in entsprechendem Verhältnis zu den eigenen Einkünften jährlich für das Missionswerk abtreten soll (9); über die verschiedenen direkten Hilfsmaßnahmen zugunsten der Missionen und deren Leitung und Organisation; über die Unterstützung der Missionsinstitute und der Seminare des Diözesanklerus für die Missionen und nötigenfalls deren Gründung; über die Pflege eines engeren Kontaktes zwischen eben diesen Instituten und den Diözesen.

Zu den Aufgaben der Bischofskonferenzen gehört es gleichfalls, Werke einzurichten und zu fördern, in denen jene, die aufgrund von Arbeiten oder zum Zwecke des Studiums aus den Missionsgebieten einreisen, brüderlich Aufnahme finden und angemessene pastorale Betreuung erhalten. Durch sie werden uns die fernen Völker gewissermaßen zu Nachbarn und wird den von alters her christlichen Gemeinschaften die beste Gelegenheit geboten, mit Nationen ins Gespräch zu kommen, die das Evangelium noch nicht vernommen haben, und ihnen in dem ureigenen Dienst der Liebe und des Beistandes das wahre Antlitz Christi zu zeigen (10).

39. Die Priester sind Stellvertreter Christi und Mitarbeiter der Bischöfe in dem dreifachen heiligen Amt, das seiner Natur nach auf die Sendung der Kirche ausgerichtet ist (11). Sie mögen sich also zutiefst bewußt sein, daß ihr Leben auch dem Dienst an den Missionen geweiht ist. Da sie aber aufgrund ihres eigenen Amtes - das vorzugsweise im Vollzug der die Kirche vollendenden Eucharistie besteht - mit Christus als dem Haupte in Gemeinschaft stehen und andere zu dieser Gemeinschaft hinführen, können sie unmöglich übersehen, wieviel noch an der Vollgestalt des Leibes fehlt und wieviel deshalb noch zu tun ist, damit er immer weiter wachse. Sie mögen darum die Seelsorge so ausrichten, daß sie der Ausbreitung des Evangeliums unter den Nichtchristen dient.

Die Priester sollen in der Seelsorge den Eifer für die Evangelisierung der Welt unter den Gläubigen anfachen und bewahren. In Katechese und Predigt sollen sie über die Aufgabe der Kirche, Christus den Völkern zu verkünden, unterrichten; sie sollen den christlichen Familien die Notwendigkeit und die Ehre vor Augen stellen, missionarische Berufungen in ihren Söhnen und Töchtern zu pflegen; sie sollen unter den Jugendlichen in den Schulen und katholischen Vereinigungen den Missionseifer mehren, so daß aus ihnen zukünftige Boten des Evangeliums hervorgehen. Sie mögen die Gläubigen lehren, für die Missionen zu beten, und sich nicht schämen, von ihnen Gaben zu erbitten und so gleichsam Bettler zu werden für Christus und das Heil der Seelen (12).

Die Professoren der Seminare und Universitäten werden den Jugendlichen die wahre Situation der Welt und der Kirche darlegen, damit die Notwendigkeit einer intensiveren Evangelisierung der Nichtchristen ihnen deutlich werde und ihren Eifer anfache. In der Darstellung der dogmatischen, biblischen, moraltheologischen und historischen Disziplinen werden sie die in jenen enthaltenen missionarischen Aspekte ins Licht rücken, damit auf diese Weise in den zukünftigen Priestern ein missionarisches Bewußtsein gebildet werde.

40. Die religiösen Institute des kontemplativen und aktiven Lebens hatten und haben bisher den größten Anteil an der Evangelisierung der Welt. Ihre Verdienste erkennt die Heilige Synode gern an und sagt Gott Dank für so viele zu seiner Ehre und im Dienst an den Seelen aufgewandte Mühen. Sie ermuntert sie, unverdrossen mit dem begonnenen Werk fortzufahren und sich bewußt zu bleiben, daß die Kraft der Liebe, die sie aufgrund ihrer Berufung vollkommen üben müssen, sie zu wahrhaft katholischem Geist und Werk antreibt und verpflichtet (13).

Die Institute des kontemplativen Lebens sind durch ihre Gebete, Bußwerke und Entsagungen von größter Bedeutung für die Bekehrung der Seelen, da Gott es ist, der auf die Bitte hin Arbeiter in seine Ernte schickt (14), die Nichtchristen für die Botschaft des Evangeliums öffnet (15) und das Wort des Heiles in ihren Herzen Frucht bringen läßt (16). Ja, diese Institute werden gebeten, Niederlassungen in den Missionsgebieten zu gründen, wie das nicht wenige schon getan haben, damit sie dort in einer den echten religiösen Überlieferungen des Volkes angepaßten Weise ihr Leben führen und so dem Zeugnis der Herrlichkeit und Liebe Gottes und der Einheit in Christus unter den Nichtchristen Leuchtkraft verleihen.

Die Institute des aktiven Lebens aber - sei ihre Zielsetzung ausgesprochen missionarisch oder nicht - mögen sich aufrichtig vor Gott fragen, ob sie in der Lage sind, ihre Tätigkeit zugunsten der Ausbreitung der Gottesherrschaft unter den Heiden auszuweiten; ob sie irgendwelche Aufgaben anderen überlassen können, um so die eigenen Kräfte für die Missionen einzusetzen; ob es ihnen möglich ist, in die Missionsarbeit einzutreten, notfalls durch entsprechende Anpassung ihrer Konstitutionen, freilich im Geiste des Stifters; ob sich ihre Mitglieder nach Kräften am Missionswerk beteiligen; ob ihre Lebensweise ein der Eigenart und den Verhältnissen des Volkes gemäßes Zeugnis für das Evangelium ist.

Da durch die Eingebung des Heiligen Geistes die Säkularinstitute in der Kirche ständig zunehmen, kann auch ihr Wirken, in Unterordnung unter die Autorität des Bischofs, auf vielfache Weise in den Missionen fruchtbar sein als ein Zeichen der vollkommenen Hingabe für die Evangelisierung der Welt.

41. Die Laien wirken am Evangelisierungswerk der Kirche mit und haben als Zeugen ebenso wie als lebendige Werkzeuge Anteil an ihrer heilbringenden Sendung (17), besonders wenn sie, von Gott berufen, durch die Bischöfe zu diesem Werk herangezogen werden.

In den schon christlichen Ländern arbeiten die Laien am Werk der Evangelisierung mit, indem sie Kenntnis und Liebe der Missionen bei sich und bei anderen pflegen, Berufe in der eigenen Familie, in den katholischen Vereinigungen und in den Schulen wecken und Unterstützung jeglicher Art anbieten, auf daß sie das Geschenk des Glaubens, das sie umsonst empfingen, anderen weiterschenken.

In den Missionsländern mögen die Laien - seien sie von auswärts oder aus dem Lande - in den Schulen unterrichten, sich der weltlichen Angelegenheiten annehmen, im Pfarr- und Diözesanleben mithelfen wie auch die verschiedenen Formen des Laienapostolates einrichten und fördern, damit die Gläubigen der jungen Kirchen so bald wie möglich ihre eigene Rolle im kirchlichen Leben übernehmen können (18).

Endlich mögen die Laien den auf dem Wege der Entwicklung befindlichen Völkern bereitwillig wirtschaftliche und soziale Zusammenarbeit anbieten. Diese Hilfe ist um so mehr zu loben, wenn sie die Gründung solcher Einrichtungen zum Gegenstand hat, die es mit den Grundstrukturen des sozialen Lebens zu tun haben oder die für die Ausbildung derjenigen bestimmt sind, welche Verantwortung im öffentlichen Leben tragen.

Besonderen Lobes wert sind jene Laien, die an Universitäten oder wissenschaftlichen Instituten durch ihre geschichtlichen oder religionswissenschaftlichen Forschungen die Kenntnis über die Völker und Religionen vertiefen und dadurch den Boten des Evangeliums helfen und den Dialog mit den Nichtchristen vorbereiten.

Im Geiste der Brüderlichkeit mögen sie mit den anderen Christen, den Nichtchristen und besonders mit den Mitgliedern der internationalen Verbände zusammenarbeiten und immer dabei im Auge behalten, daß “der Aufbau des irdischen Gemeinwesens im Herrn gegründet und auf ihn hin ausgerichtet werde” (19).

Um all diesen Aufgaben gewachsen zu sein, ist für die Laien eine technische und geistliche Vorbereitung unerläßlich, die in dazu bestimmten Instituten vermittelt werden soll, damit ihr Leben unter den Nichtchristen zum Zeugnis für Christus werde nach dem Wort des Apostels: “Gebt kein Ärgernis, weder Juden noch Heiden, noch der Kirche Gottes, so wie auch ich allen in allem zu Gefallen bin und nicht meinen Vorteil, sondern den Nutzen der vielen suche, damit sie gerettet werden” (1 Kor 10,32-33).

Schluß

42. Im Wissen um ihre überaus ernste Pflicht, die Gottesherrschaft überall auszubreiten, grüßen die Konzilsväter, gemeinsam mit dem römischen Oberhirten, aus ganzem Herzen alle Boten des Evangeliums, besonders jene, die um des Namens Christi willen Verfolgung leiden, und machen sich zu Gefährten ihres Leidens (20).

Von derselben Liebe, von der Christus zu den Menschen entflammt war, erglühen auch sie. Eingedenk jedoch, daß Gott es ist, der den Anbruch seiner Herrschaft auf Erden bewirkt, beten sie inständig mit allen Christgläubigen, daß auf die Fürbitte der Jungfrau Maria, der Königin der Apostel, die Völker baldmöglichst zur Erkenntnis der Wahrheit geführt werden (21) und die Herrlichkeit Gottes, die im Antlitz Christi erstrahlt, durch den Heiligen Geist allen aufleuchte (22).

Anmerkungen:

Einleitung/Kapitel 1:

(1) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 48: AAS 57 (1965) 53.

(2) Vgl. Mk 16,15.

(3) Augustinus, Enarr. in ps. 44, 23: PL 36, 508; CChr 38,150.

(4) Vgl. Mt 5,13-14.

(5) Vgl. Sir 36,19.

(6) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 2: AAS 57 (1965) 5f.

(7) Vgl. Joh 11,52.

(8) Vgl. Irenäus, Adv. Hær. III., 18, 1: “Das Wort, welches bei Gott ist, durch das alles gemacht worden ist und das immer dem Menschengeschlecht zugegen war ...”: PG 7, 932; Adv. Hær. IV, 6, 7: “Der Sohn, der von Anfang an seinem Gebilde zur Seite stand, offenbart den Vater allen, wem, wann und wie der Vater will”: ebd. 990; vgl. IV, 20, 6 u. 7: ebd. 1037; Demonstratio 34: Patr. Or. XII 773; Sources Chrét. 62 (Paris 1958) 87; Clemens v. Alexandrien, Protr. 112, 1: GCS Clemens I, 79; Strom. VI 6, 44, 1: GCS Clemens II, 453; 13, 106, 3 u. 4: ebd. 485. Zur Lehre selbst vgl. Pius XII., Radiobotschaft, 31.Dez. 1952; II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 16: AAS 57 (1965) 20.

(9) Vgl. Kol 1,13; Apg 10,38.

(10) Vgl. 2 Kor 5,19.

(11) Vgl. Hebr 1,2; Joh 1,3.10; 1 Kor 8,6; Kol 1,16.

(12) Vgl. Eph 1,10.

(13) Vgl. 2 Kor 8,9.

(14) Vgl. Mk 10,45.

(15) Vgl. Athanasius, Ep. ad Epictetum 7: PG 26, 1060; Cyrill v. Jerusalem, Catech. 4, 9: PG 33, 465; Marius Victorinus, Adv. Arium 3, 3: PL 8, 1101; Basilius, Ep. 261, 2: PG 32, 969; Gregor v. Nazianz, Ep. 101: PG 37, 181; Gregor v. Nyssa, Antirrheticus, Adv. Apollin. 17: PG 45, 1156; Ambrosius, Ep. 48, 5: PL 16, 1153; Augustinus, In Ioann. Ev. tr. 23, 6: PL 35, 1585; CChr 36, 236. Er zeigt überdies von da aus, daß der Heilige Geist uns nicht erlöst hat, weil er nicht Fleisch angenommen hat: De Agone Christ. 22, 24: PL 40, 302; Cyrill v. Alexandrien, Adv. Nest. I, 1: PG 76, 20; Fulgentius, Ep. 17, 3, 5: PL65, 454; Ad Trasimundum III., 21: PL 65, 284 (über Traurigkeit und Furcht).

(16) Vgl. Hebr 4,15; 9,28.

(17) Vgl. Apg 1,8.

(18) Vgl. Lk 24,47.

(19) Der Geist ist es, der durch die Propheten gesprochen hat: Symb. Constantinopol.: Denz.-Schönmetzer 150; Leo d. Gr., Sermo 76: “Als am Pfingsttag der Heilige Geist des Herrn die Jünger erfüllte, war dies nicht der Anfang des Geschenks, sondern die Hinzufügung der Fülle, denn auch die Patriarchen, Propheten, Priester und alle Heiligen der vorangegangenen Zeiten wurden durch des gleichen Geistes Heiligung belebt ... wenn auch nicht dasselbe Maß der Gaben war”: PL 54, 450-406. Auch Sermo 77, 1: PL 54, 412; Leo XIII., Enz. Divinum illud, 9. Mai 1897: ASS 29 (1897) 650-651. Auch Joh. Chrysostomus, obgleich er auf der Neuheit der Geistsendung am Pfingsttag insistiert: In Eph. c. 4 Hom. 10, 1: PG 62, 75.

(20) Vgl. Joh 14,16.

(21) Über Babel und Pfingsten sprechen die Väter oft: Origenes, In Gen. c. 1: PG 12, 112; Gregor v. Nazianz, Oratio 41, 16: PG 36, 449; Joh. Chrysostomus, Hom. 2 in Pentec. 2: PG 50, 467; In Act. Apost.: PG 60, 44; Augustinus, Enarr. in ps. 54, 11: PL 36, 636; CChr 39, 664f.; Sermo 271: PL 38, 1245; Cyrill v. Alexandrien, Glaphyra in Genesim II: PG 69, 79; Gregor d. Gr., Hom. in Evang. Buch II, Hom. 30, 4: PL 76, 1222; Beda, In Hexæm. Buch III: PL 91, 125. Siehe überdies das Bild im Atrium der Markusbasilika in Venedig. Die Kirche spricht alle Sprachen und sammelt so alle in der Katholizität des Glaubens: Augustinus, Sermones 266.267.268.269: PL 38, 1225-1237; Sermo 175, 3: PL 38, 946; Joh. Chrysostomus, In Ep. I ad Cor., Hom. 35: PG 61, 296; Cyrill v. Alexandrien, Fragm. in Act.: PG 74, 758; Fulgentius, Sermo 8, 2-3: PL 65, 743-744. Über Pfingsten als Konsekration der Apostel zur Mission vgl. J. A. Cramer, Catena in Acta SS. Apostolorum (Oxford 1838) 24f.

(22) Vgl. Lk 3,22; 4,1; Apg 10,38.

(23) Vgl. Joh 14-17; Paul VI. Ansprache im Konzil, 14.9.1964: AAS 56 (1964) 807.

(24) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 4: AAS 57 (1965) 7.

(25) Augustinus, Sermo 267, 4: “Der Heilige Geist wirkt das in der ganzen Kirche, was die Seele in allen Gliedern eines Leibes tut”: PL 38, 1231. Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 7 (mit Anm. 8): AAS 57 (1965) 11.

(26) Vgl. Apg 10,44-47; 11,15; 15,8.

(27) Vgl. Apg 4,8; 5,32; 8,26.29.39; 9,31; 10; 11,24-28; 13,2.4.9; 16,6-7; 20,22-23; 21,11 usw.

(28) Vgl. auch Mt 10,1-42.

(29) Vgl. Mt 28,18.

(30) Vgl. Apg 1,11.

(31) Vgl. Joh 20,21.

(32) Vgl. Kol 1,24.

(33) Tertullian, Apologeticum 50, 13: PL 1, 534; CChr I, 171.

(34) Schon Thomas v. Aquin spricht von der apostolischen Aufgabe, die Kirche zu pflanzen: vgl. Sent. Lib. I, dist. 16, q. 1, a. 2, ad 2 u.4; a. 3, sol.; Summa Theol. I, q. 43, a. 7, ad 6; I-II., q. 106, a. 4, ad 4. Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 445 u. 453; Pius XI., Enz. Rerum Ecclesiæ, 28. Febr. 1926: AAS 18 (1926) 74; Pius XII., Ansprache an die Direktoren der Päpstlichen Missionswerke, 30. Apr. 1939; ders., Ansprache an die Direktoren der Päpstlichen Missionswerke, 24. Juni 1944: AAS 36 (1944) 210, wieder AAS 42 (1950) 727 u. 43 (1951) 508; ders., Ansprache an den einheimischen Klerus, 29. Juni 1948: AAS 40 (1948) 374; ders., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 507; ders., Enz. Fidei donum, 15. Jan. 1957: AAS 49 (1957) 236; Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 835; Paul VI., Hom., 18. Okt. 1964: AAS 56 (1964) 911. Sowohl die Päpste wie Kirchenväter und scholastische Theologen sprechen oft von der “Ausbreitung” der Kirche: Thomas v. Aquin, Matthäuskomm. 16, 28; Leo XIII., Enz. Sancta Dei Civitas, 3. Dez. 1880: ASS 13 (1880) 241; Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 442; Pius XI., Enz. Rerum Ecclesiæ, 28. Febr. 1926: AAS 18 (1926) 65.

(35) Vgl. 1 Petr 1,23.

(36) Vgl. Apg 2,42.

(37) Es ist klar, daß in dieser Bestimmung der missionarischen Tätigkeit der Sache nach auch jene Gebiete Lateinamerikas eingeschlossen sind, in denen weder eine eigene Hierarchie noch ein Reifestand christlichen Lebens, noch eine ausreichende Evangeliumsverkündigung gegeben ist. Ob aber diese Gebiete vom Heiligen Stuhl tatsächlich als Missionsgebiete anerkannt werden, hängt nicht vom Konzil ab. Deshalb wird bezüglich der Verknüpfung zwischen dem Begriff der missionarischen Tätigkeit und bestimmten Gebieten absichtlich gesagt, diese Tätigkeit werde “meist” in bestimmten, vom Heiligen Stuhl bestätigten Gebieten ausgeübt.

(38) Vgl. lI. Vat. Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio, Nr. 1: AAS 57 (1965) 90.

(39) Vgl. Mk 16,16; Joh 3,5.

(40) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 14: AAS 57 (1965) 18.

(41) Vgl. Hebr 11,6.

(42) Vgl. 1 Kor 9,16.

(43) Vgl. Eph 4,11-16.

(44) Vgl. Joh 7,18; 8,30.44; 8,50; 17,1.

(45) Zu dieser Synthese vgl. die Rekapitulationstheologie des heiligen Irenäus. Vgl. auch Hippolyt, De Antichristo 3: “Alle begehrt er, alle möchte er retten, alle will er zu Kindern Gottes machen, und alle Geheiligten beruft er zu dem einen vollkommenen Menschen”: PG 10, 732; GCS Hippolyt I, 2, S. 6; Benedictiones Jacob 7: TU 38, 1, S. 18, Z. 4f.; Origenes, In Ioann. I, 16: “Dann wird das Gott erkennen derer, die, geleitet von dem Wort, das bei Gott ist, zu Gott gelangt sein werden, eine einzige Handlung sein, daß so, in der Erkenntnis des Vaters gebildet, wie jetzt nur der Sohn den Vater erkennt, alle wahrhaft Söhne seien”: PG 14, 49; GCS Origenes IV, 20; Augustinus, De sermone Domini in monte I, 41: “Wir wollen lieben, was mit uns zu jenem Reich kommen kann, wo niemand sagt: Mein Vater, sondern alle zu dem einen Gott sagen: Vater unser”: PL 34, 1250; Cyrill v. Alex., In Ioann. I: “Wir sind nämlich alle in Christus, und die gemeinsame Person der Menschheit findet in ihm neues Leben. Deshalb trägt er ja auch den Namen 'letzter Adam' ... Unter uns hat er nämlich gewohnt, der von Natur aus Sohn ist und Gott; darum rufen wir in seinem Geiste: Abba, Vater! Es wohnt aber das Wort in allen als in einem einzigen Tempel, den es unseretwegen und aus uns angenommen hat, um, alle in sich tragend, alle in dem einen Leib, wie Paulus sagt, den Vater zu versöhnen”: PG 73, 161-164.

(46) Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: “Denn als Kirche Gottes ist sie katholisch und für kein Volk und keine Nation fremd ...”: AAS 11 (1919) 445. Vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: “Von göttlichem Recht her gehört sie zu allen Völkern ... Wenn die Kirche sozusagen in die Adern irgendeines Volkes ihre Lebenskraft einbringt, ist sie deshalb nicht irgendeine Institution, die diesem Volk von außen her aufgestülpt wird, und sie versteht sich auch selbst nicht so ... Und deshalb unterstützen und vollenden sie (d. h. die in Christus Wiedergeborenen), was immer ihnen gut und wertvoll erscheint”, 25. Mai 1961: AAS 53 (1961) 444.

(47) Vgl. Joh 3,18.

(48) Vgl. Irenäus, Adv. Hær. III., 15, 3: “Sie waren Verkünder der Wahrheit und Apostel der Freiheit”: PG 7, 919.

(49) O-Antiphon der Vesper am 23. Dezember im römischen Brevier.

(50) Vgl. Mt 24,31; Didache 10, 5: ed. Funk I, 32.

(51) Vgl. Mk 13,10.

(52) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 17: AAS 57 (1965) 20-21; Augustinus, De Civ. Dei 19, 17: PL 41, 646; Instructio der Kongregation für die Glaubensverbreitung: Collectanea I, n. 135, S. 42.

(53) Nach Origenes muß das Evangelium vor der Vollendung der Welt verkündet werden: Hom. in Lc. 21: GCS Orig. IX, 136, 21f.; In Matth. comm. ser. 39: ebd. XI., 75, 25f.; 76, 4f; Hom. in Jer. 3, 2: ebd. VIII., 308, 29f.; Thomas v. Aquin, Summa Theol. I-II., q. 106, a. 4, ad 4.

(54) Vgl. Apg 1,7.

(55) Hilarius v. Poitiers, In ps. 14: PL 9, 301; Eusebius v. Cæsarea, In Is. 54, 2-3: PG 24, 462-463; Cyrill v. Alexandrien, In Is. V, cap. 54, 1-3: PG 70, 1193.

(56) Vgl. Eph 4,13.

(57) Vgl. Joh 4,23.

Kapitel 2:

(1) Vgl. Mt 5,16.

(2) Vgl. 1 Joh 4,11.

(3) Vgl. Mt 9,35ff.; Apg 10,38.

(4) Vgl. 2 Kor 12,15.

(5) Vgl. Mt 20,26: 23,11; Ansprache Pauls VI. im Konzil, 21. Nov. 1964: AAS 56 (1964) 1013.

(6) Vgl. Eph 4,24.

(7) Vgl. Kol 4,3.

(8) Vgl. Mk 16,15.

(9) Vgl. Apg 4,13.29.31; 9,27-28; 13,46; 14,3; 19,8; 26,26; 28,31; 1 Thess 2,2; 2 Kor 3,12; 7,4; Phil 1,20; Eph 3,12; 6,19.20

(10) Vgl. 1 Kor 9,15; Röm 10,14.

(11) Vgl. 1 Thess 1,9-10; 1 Kor 1,18-21; Gal 1,31; Apg 14,15-17; 17,22-31.

(12) Vgl. Apg 16,14.

(13) Vgl. Kol 3,5-10; Eph 4,20-24.

(14) Vgl. Lk 2,34; Mt 10,34-39.

(15) Vgl. 1 Thess 1,6.

(16) Vgl. II. Vat. Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanæ, Nr. 2.4.10; Pastorale Konst. über die Kirche in der heutigen Welt Gaudium et spes, Nr. 21.

(17) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 17: AAS 57 (1965) 20-21.

(18) Vgl. II. Vat. Konzil, Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 64-65: AAS 56 (1964) 117.

(19) Vgl. Kol 1,13. Über diese Befreiung von der Knechtschaft Satans und der Finsternis im Evangelium vgl. Mt 12,28; Joh 8,44; 12,31 (vgl. 1 Joh 3,8; Eph 2,1-2). In der Taufliturgie vgl. das römische Rituale.

(20) Vgl. Röm 6,4-11; Kol 2,12-13; 1 Petr 3,21-22; Mk 16,16.

(21) Vgl. 1 Thess 3,5-7; Apg 8,14-17.

(22) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 14: AAS 57 (1965) 19.

(23) Vgl. Augustinus, Tract. in Ioann. 11, 4: PL 35, 1476.

(24) VgL II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 9: AAS 57 (1965) 13.

(25) Vgl. 1 Kor 3,9.

(26) Vgl. Eph 4,1.

(27) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 10.11.34: AAS 57 (1965) 10-17.39-40.

(28) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die göttliche Offenbarung Dei verbum, Nr. 21: AAS 58 (1966) 827.

(29) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 12.35: AAS 57 (1965) 16.40-41.

(30) Vgl. ebd. Nr. 23.36: AAS 57 (1965) 28.41-42.

(31) Vgl. ebd. Nr. 11.35.41: AAS 57 (1965) 15-16.40-41.47.

(32) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über die katholischen Ostkirchen Orientalium Ecclesiarum, Nr. 4: AAS 57 (1965) 77-78.

(33) Brief an Diognet 5: PG 2, 1173; vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 38: AAS 57 (1965) 43.

(34) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 32: AAS 57 (1965) 38; Dekret über das Laienapostolat Apostolicam actuositatem, Nr. 5-7: AAS 58 (1966) 842-844.

(35) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über die Ausbildung der Priester Optatam totius, Nr. 4.8.9: AAS 58 (1966) 716.718.719.

(36) Vgl. II. Vat. Konzil, Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 17: AAS 56 (1964) 105.

(37) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über die Ausbildung der Priester Optatam totius, Nr. 1: AAS 58 (1966) 713.

(38) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 843-844.

(39) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio, Nr. 4: AAS 57 (1965) 94-96.

(40) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 842.

(41) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 29: AAS 57 (1965) 36.

(42) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 855.

(43) Es handelt sich um hauptamtliche Katechisten.

(44) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 31.44: AAS 57 (1965) 37.50-51.

Kapitel 3:

(1) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 838.

(2) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, Nr. 11: AAS 58 (1966) 1008; Dekret über die Ausbildung der Priester Optatam totius, Nr. 2: AAS 58 (1966) 714-715.

(3) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 25: AAS 57 (1965) 29.

(4) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, Nr. 10. Dort ist, soweit es zur richtigen Ausübung des Apostolates nötig ist, die Errichtung personaler Prälaturen vorgesehen, um die besondere pastorale Betreuung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zu erleichtern: AAS 58 (1966) 1007.

(5) Vgl. 1 Kor 15,23.

(6) Vgl. 1 Kor 15,28.

(7) Vgl. Eph 4,24.

(8) Vgl. Ps 2,8.

(9) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 13: AAS 57 (1965) 17-18.

(10) Vgl. Paul VI., Ansprache bei der Kanonisation der Martyrer von Uganda, 18. Okt. 1964: AAS 56 (1964) 908.

(11) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 13: AAS 57 (1965) 18.

Kapitel 4:

(1) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 17: AAS 57 (1965) 21.

(2) Vgl. Mk 3,13f.

(3) Vgl. 1 Kor 12,11.

(4) Unter “Instituten” werden hier Orden, Kongregationen, Institute und Vereinigungen, die in den Missionen arbeiten, verstanden.

(5) Vgl. Pius XI., Enz. Rerum Ecclesiæ, 28. Febr. 1926: AAS 18 (1926) 69-71; Pius XII., Enz. Sæculo exeunte, 13. Juni 1940: AAS 32 (1940) 256; ders., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 506.

(6) Vgl. Apg 13,2.

(7) Vgl. Gal 1,16.

(8) Vgl. 1 Kor 9,22.

(9) Vgl. Eph 6,19f.; Apg 4,31.

(10) Vgl. Mt 11,29f.

(11) Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 449-450.

(12) Vgl. 2 Kor 6,4f.

(13) Vgl. 2 Kor 8,2.

(14) Vgl. 1 Tim 4,14; Eph 4,23; 2 Kor 4,16.

(15) Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 448-449; Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 507. Bei der Vorbereitung der Priestermissionare ist auch zu beachten, was im Dekret über die Ausbildung der Priester Optatam totius des II. Vat. Konzils festgesetzt worden ist.

(16) Vgl. Apg 2,42; 4,32.

(17) Vgl. 2 Tim 1,7.

(18) Vgl. Phil 4,11.

(19) Vgl. 2 Kor 4,10ff.

(20) Vgl. 2 Kor 12,15f.

(21) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 41: AAS 57 (1965) 46.

(22) Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 440; Pius XII., Enz Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 507.

(23) Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 448; Dekret der Kongregation für die Glaubensverbreitung, 20. Mai 1923: AAS 15 (1923) 369-370; Pius XII., Enz. Sæculo exeunte, 2. Juni 1940: AAS 32 (1940) 256; Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 507; Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 843-844.

(24) II. Vat. Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Optatam totius, Nr. 19-21: AAS 58 (1966) 725-726; Const. Apost. Sedes Sapientiæ mit den allgemeinen Festlegungen, 31. Mai 1956: AAS 48 (1956) 354-365.

(25) Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 523-524.

(26) Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 449; Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 507.

(27) Vgl. Pius XII., Enz. Fidei donum, 15. Juni 1957: AAS 49 (1957) 234.

(28) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, Nr. 10, wo von Personaldiözesen und -prälaturen und dergleichen gehandelt wird: AAS 58 (1966) 1007.

Kapitel 5:

(1) Vgl. Röm 12,6.

(2) Vgl. 1 Kor 3,10.

(3) Vgl. Joh 4,37.

(4) Vgl. 1 Kor 3,8.

(5) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 18: AAS 57 (1965) 22.

(6) Vgl. ebd. Nr. 23: AAS 57 (1965) 28.

(7) Vgl. Motupr. Apostolica sollicitudo, 15. Sept. 1965: AAS 57 (1965) 776.

(8) Vgl. Paul VI., Ansprache im Konzil, 21. Nov. 1964: AAS 56 (1964) 1011.

(9) Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 440.

(10) Wo aus besonderen Umständen vorübergehend noch einige Missionen anderen Kongregationen unterstellt sind, mögen diese mit der Heiligen Kongregation für die Verbreitung des Glaubens Kontakt halten, damit die Leitung und Lenkung aller Missionen in wirklich beständiger und einheitlicher Weise geschehen könne.

(11) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche Christus Dominus, Nr. 35, 4: AAS 58 (1966) 691.

(12) Vgl. ebd. Nr. 36-38: AAS 58 (1966) 692-693.

(13) Vgl. ebd. Nr. 35, -6: AAS 58 (1966) 692.

Kapitel 6 und Schluß:

(1) Vgl. Eph 4,13.

(2) Vgl. Jes 11,12.

(3) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio,. Nr. 12: AAS 57 (1965) 99.

(4) Vgl. Apg 16,9.

(5) Vgl. Mk 16,15.

(6) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 23 bis 24: AAS 57 (1965) 27-29.

(7) Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 453 bis 454; Pius XI., Enz. Rerum Ecclesiæ, 28. Febr.1926: AAS 18 (1926) 71-73; Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 525-526; ders., Enz. Fidei donum, 15. Jan. 1957: AAS 49 (1957) 241.

(8) Vgl. Pius XII., Enz. Fidei donum, 15. Jan. 1957: AAS 49 (1957) 245-246.

(9) II. Vat. Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche Christus Dominus, Nr. 6: AAS 58 (1966) 675-676.

(10) Vgl. Pius XII., Enz. Fidei donum, 15. Jan. 1957: AAS 49 (1957) 245.

(11) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 28: AAS 57 (1965) 34.

(12) Vgl. Pius XI., Enz. Rerum Ecclesiæ, 28. Febr. 1926: AAS 18 (1926) 72.

(13) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 44: AAS 57 (1965) 50.

(14) Vgl. Mt 9,38.

(15) Vgl. Apg 16,14.

(16) Vgl. 1 Kor 3,7.

(17) Vgl. ebd. Nr. 33.35: AAS 57 (1965) 39.40-41.

(18) Vgl. Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 510-514; Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 851-852.

(19) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 46: AAS 57 (1965) 52.

(20) Vgl. Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 527; Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 864.

(21) Vgl. 1 Tim 2,4.

(22) Vgl. 2 Kor 4,6.

(Quelle: http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_decree_19651207_ad-gentes_ge.html)

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DER PRIESTER, LEHRER DES WORTES, DIENER DER SAKRAMENTE UND LEITER DER GEMEINDE FUR DAS DRITTE CHRISTLICHE JAHRTAUSEND

DER PRIESTER, LEHRER DES WORTES,

DIENER DER SAKRAMENTE UND

LEITER DER GEMEINDE

FUR DAS DRITTE

CHRISTLICHE JAHRTAUSEND

 
 

Aus dem Vatikan, 19. März 1999 Fest des hl. Josef

Patron der Universalkirche

 

An die Hochwürdigsten Ordinarien

Eminenz, Exzellenz,

 

Die ganze Kirche bereitet sich in bußfertiger Gesinnung auf den nahenden Eintritt in das dritte Jahrtausend seit der Menschwerdung des Wortes vor und wird durch die ständigen Bemühungen des Nachfolgers Petri zu einem immer lebendigeren Andenken an den Willen ihres göttlichen Gründers angeregt.

In inniger Verbundenheit mit diesem Anliegen hat die Kongregation für den Klerus auf ihrer vom 13. — 15. Oktober 1998 abgehaltenen Plenarversammlung entschieden, den einzelnen Ordinarien dieses Rundschreiben zuzuleiten, das durch sie an alle Priester gerichtet ist. Der Heilige Vater sagte in der bei dieser Gelegenheit vorgetragenen Ansprache: "Die Perspektive der Neu-Evangelisierung findet im Einsatz für das große Jubiläum einen starken Ausdruck. Hier kreuzen einander providentiell die Wege des Apostolischen Schreibens Tertio Millennio adveniente und jene, die von den Direktorien für die Priester und die Ständigen Diakone sowie von der Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester und vom Ergebnis der gegenwärtigen Plenarversammlung aufgezeigt wurden. Dank der allgemeinen und überzeugten Anwendung dieser Dokumente wird sich der inzwischen gewohnte Ausdruck Neu-Evangelisierung noch viel effizienter in wirksame Realität umsetzen lassen".

Es handelt sich um ein Hilfsmittel, das im Blick auf die gegenwärtigen Umstände bei den einzelnen Priestern und Presbyterien eine Gewissenserforschung anregen soll im Bewußtsein, daß der Name der Liebe — in der Zeit

— Treue ist. Im Text werden die konziliaren und päpstlichen Lehren bekräftigt und die anderen Dokumente des Papstes in Erinnerung gerufen. Es sind dies wahrhaft grundlegende Dokumente, um den authentischen Anforderungen der Zeiten zu entsprechen und sich nicht vergeblich in der Evangelisierungsaufgabe abzumühen.

Die Anregungen zum Nachdenken am Ende der einzelnen Kapitel verlangen keine Antwort an die Kongregation; vielmehr bilden sie eine Hilfestellung für jene, die im Licht der genannten Dokumente ihre Alltgswirklichkeit hinterfragen wollen.

Die Adressaten können sich ihrer in der von ihnen am günstigsten erachteten Art und Weise bedienen.

Im Bewußtsein, daß kein missionarisches Vorhaben ohne den motivierten und begeisterten Einsatz der Priester realistischerweise gelingen kann, die ja die ersten und wertvollsten Mitarbeiter der Bischöfe sind, soll dieses Rundschreiben u.a. auch eine Hilfe anbieten für Priestertage, Einkehrtage, Exerzitien und Priestertreffen, die in den einzelnen Kirchengebieten in dieser Vorbereitungszeit auf das große Jubiläum und vor allem während seiner Durchführung abgehalten werden.

Mit dem Wunsch, daß die Königin der Apostel als leuchtender Stern die Schritte ihrer geliebten Priester, Söhne in ihrem Sohn, auf den Pfaden der wirksamen Gemeinschaft, der Treue, der großmütigen und umfassenden Ausübung ihres unersetzlichen Dienstes geleiten möge, wünsche ich alles erdenklich Gute im Herrn und entbiete herzliche Grüße in kollegialer Verbundenheit!

 
 

DARÍO Kard. CASTRILLÓN HOYOS

Präfekt

 

CSABA TERNYÁK

 

Titular-Erzbischof von Eminenziana

Sekretär

 
 

EINLEITUNG

 

Die auf dem fruchtbaren Boden der großen katholischen Tradition entstandene und gewachsene Lehre, die den Priester als Lehrer des Wortes, Diener der Sakramente und Leiter der ihm anvertrauten christlichen Gemeinde beschreibt, stellt einen Weg nachdenklicher Reflexion über seine Identität und seine Sendung in der Kirche dar. Über diese Lehre, die immer dieselbe und doch immer neu ist, muß heute wieder mit Glaube und Hoffnung nachgedacht werden im Blick auf die Neu-Evangelisierung, zu welcher der Heilige Geist durch die Person und Autorität des Heiligen Vaters alle Gläubigen aufruft.

Es braucht einen wachsenden, persönlichen und zugleich gemeinsamen, neuen und großzügigen apostolischen Einsatz aller in der Kirche. Hirten und Gläubige müssen, besonders durch das persönliche Zeugnis und die einleuchtende Lehre Johannes Pauls II. in besonderer Weise ermutigt, immer gründlicher begreifen, daß der Zeitpunkt gekommen ist, den Schritt zu beschleunigen, mit leidenschaftlichem apostolischem Geist nach vorne zu schauen und sich darauf vorzubereiten, die Schwelle des 21. Jahrhunderts in einer Haltung zu überschreiten, deren Bestreben es ist, die Tore der Geschichte weit aufzumachen für Jesus Christus, unseren Gott und einzigen Erlöser. Hirten und Gläubige müssen sich aufgerufen fühlen, dafür zu sorgen, daß im Jahr 2000 mit neuer Kraft wieder die Verkündigung der Wahrheit erschalle: "Ecce natus est nobis Salvator mundi" (1).

"In den Ländern mit alter christlicher Tradition, aber manchmal auch in jüngeren Kirchen haben ganze Gruppen von Getauften den lebendigen Sinn des Glaubens verloren oder erkennen sich gar nicht mehr als Mitglieder der Kirche, da sie sich in ihrem Leben von Christus und vom Evangelium entfernt haben. In diesem Fall braucht es eine ,,Neu-Evangelisierung" oder eine ,,Wieder-Evangelisierung"" (2) Die Neu-Evangelisierung stellt also zuallererst eine mütterliche Reaktion der Kirche auf die Schwächung des Glaubens und die Trübung der moralischen Forderungen des christlichen Lebens im Bewußtsein so vieler ihrer Söhne und Töchter dar. Es gibt in der Tat viele Getaufte, die als Bürger einer in religiöser Hinsicht gleichgültigen Welt zwar einen gewissen Glauben beibehalten, sich aber praktisch vom Wort und von den Sakramenten, den wesentlichen Quellen christlichen Lebens, entfernt haben und im religiösen und moralischen Indifferentismus leben. Aber es gibt viele andere Menschen, die von christlichen Eltern geboren und vielleicht auch getauft worden sind, aber die Glaubensgrundlagen nicht erhalten haben und praktisch ein Dasein ohne Gott führen. Auf alle diese Menschen blickt die Kirche voll Liebe, während sie es ganz besonders ihnen gegenüber als dringende Pflicht empfindet, sie an die kirchliche Gemeinschaft heranzuziehen, wo sie durch die Gnade des Heiligen Geistes Jesus Christus und den Vater wiederfinden sollen.

Zusammen mit dieser Verpflichtung zur Neu-Evangelisierung, die im Bewußtsein vieler Christen wieder das Licht des Glaubens entzünden und in der Gesellschaft die Frohe Botschaft vom Heil wieder erklingen lassen soll, empfindet die Kirche stark die Verantwortung für ihre ständige Sendung ad gentes, das heißt das Recht und die Pflicht, allen Menschen, die Christus noch nicht kennen und nicht an seinen Heilsgaben teilhaben, das Evangelium zu bringen. Für die Kirche, Mutter und Lehrerin, sind die Sendung ad gentes und die Neu-Evangelisierung, heute mehr denn je untrennbare Aspekte des Auftrags, zu lehren, zu heiligen und alle Menschen zum Vater zu führen. Auch leidenschaftliche Christen, von denen es viele gibt, bedürfen einer liebevollen, ständigen Ermutigung dazu, nach ihrer Heiligkeit zu streben, zu der sie von Gott und von der Kirche berufen sind und die den eigentlichen Motor der Neu-Evangelisierung darstellt.

Jeder gläubige Christ, jeder Sohn/jede Tochter der Kirche sollte sich in diese gemeinsame dringende Verantwortung hineingenommen fühlen, ganz besonders aber gilt das für die Priester, die im besonderen erwählt, geweiht und gesandt sind, um die Gegenwart Christi, dessen authentische Repräsentanten und Boten sie werden, offenkundig zu machen.(3) Es erscheint daher notwendig, allen Welt — und Ordenspriestern zu helfen, "die vorrangige pastorale Aufgabe der Neu-Evangelisierung" (4) persönlich auf sich zu nehmen und im Lichte dieser Aufgabe die von Gott an sie ergangene Berufung wiederzuentdecken, nämlich dem ihnen anvertrauten Teil des Gottesvolkes als Lehrer des Wortes, Diener der Sakramente und Hirten der Herde zu dienen.

 
 

I. Kapitel

 

IM DIENST DER NEU-EVANGELISIERUNG

 

"Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht" (Joh 15,16)

 
 

1. Die Neu-Evangelisierung, Aufgabe der ganzen Kirche

 

Die Berufung und die Entsendung durch den Herrn sind immer aktuell, gewinnen aber unter den heutigen historischen Gegebenheiten eine besondere Bedeutung. Denn das Ende des 20. Jahrhunderts weist vom religiösen Standpunkt her gegensätzliche Erscheinungen auf. Während man einerseits den hohen Säkularisierungsgrad einer Gesellschaft feststellt, die sich von Gott abwendet und sich jedem transzendenten Bezug verschließt, zeigt sich andererseits zunehmend eine Religiosität, welche die im Herzen aller Menschen vorhandene, angeborene Sehnsucht nach Gott zu stillen versucht, der es aber nicht immer gelingt, zu einem befriedigenden Ausgang zu gelangen. "Die Sendung Christi, des Erlösers, die der Kirche anvertraut ist, ist noch weit davon entfernt, vollendet zu sein. Ein Blick auf die Menschheit insgesamt am Ende des zweiten Jahrtausends zeigt uns, daß diese Sendung noch in den Anfängen steckt und daß wir uns mit allen Kräften für den Dienst an dieser Sendung einsetzen müssen".(5) Die Verwirklichung dieser dringenden missionarischen Verpflichtung entfaltet sich heute in großem Maße im Rahmen der Neu-Evangelisierung vieler Länder alter christlicher Tradition, wo der christliche Lebenssinn jedoch, wie es scheint, großenteils im Verfallen begriffen ist. Sie erfolgt aber auch im weiteren Bereich der gesamten Menschheit überall dort, wo die Menschen die von Christus gebrachte Heilsbotschaft noch nicht gehört oder noch nicht richtig verstanden haben.

Eine schmerzliche Realität ist an vielen Orten und in vielen Kreisen das Vorhandensein von Personen, die von Jesus Christus reden gehört haben, aber seine Lehre eher als einen Komplex allgemeiner sittlicher Werte denn als verpflichtende Aufgaben des konkreten Lebens kennenzulernen und anzunehmen scheinen. Zugenommen hat die Zahl von Getauften, die sich von der Nachfolge Christi entfernen und einem vom Relativismus gekennzeichneten Lebensstil folgen. Die Rolle des christlichen Glaubens reduziert sich in vielen Fällen auf die eines reinen Kulturfaktors, der häufig auf eine rein private Dimension, ohne jede Bedeutung im sozialen Leben der Menschen und Völker, verengt wird.(6)

Nicht wenige und keineswegs kleine Bereiche sind nach zwei Jahrtausenden Christentum offen für die apostolische Sendung. Alle Christen müssen sich kraft des ihnen durch die Taufe gewährten Priestertums (Vgl. 1 Petr 2,4-5.9; Offb 1,5-6. 9-10; 20,6) dazu aufgerufen wissen, je nach ihren persönlichen Lebensumständen an dem neuen Sendungsauftrag zur Evangelisierung mitzuwirken, der als gemeinsame kirchliche Verantwortung Gestalt annimmt.(7) Die Verantwortung für die Missionstätigkeit "liegt vor allem auf dem Kollegium der Bischöfe mit dem Nachfolger Petri an deren Spitze".(8) "Als Mitarbeiter des Bischofs sind die Priester kraft des Weihesakramentes aufgerufen, die Sorge für die Mission mit ihm zu teilen" .(9) Man kann also sagen, daß in einem gewissen Sinn die Priester "die ersten Verantwortlichen dieser Neu-Evangelisierung des dritten Millenniums" sind.(10)

Die moderne Gesellschaft hat, durch die vielen wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften ermutigt, ein tiefes Bewußtsein kritischer Unabhängigkeit gegenüber jeder Art von weltlicher wie religiöser Autorität oder Lehre entwickelt. Das erfordert, daß die christliche Heilsbotschaft, die immer geheimnisvoll bleibt, gründlich erklärt und mit der Liebenswürdigkeit, Kraft und Anziehungsfähigkeit vorgestellt wird, die sie bei der ersten Evangelisierung besaß, wobei man sich klugerweise aller geeigneten, von der modernen Technik angebotenen Mittel bedienen sollte, ohne jedoch zu vergessen, daß die technischen Kommunikationsmittel niemals das unmittelbare Zeugnis eines heiligmäßigen Lebens werden ersetzen können. Die Kirche braucht echte Zeugen, Kommunikatoren des Evangeliums in allen Lebensbereichen der Gesellschaft. Daraus ergibt sich, daß die Christen im allgemeinen und die Priester im besonderen eine ebenso profunde wie korrekte philosophische und theologische Ausbildung erwerben sollen,(11) die es ihnen erlaubt, von ihrem Glauben und ihrer Hoffnung Rechenschaft zu geben und die dringliche Notwendigkeit zu spüren, sie mit einer persönlichen verständnisvollen Gesprächshaltung auf stets konstruktive Weise darzustellen. Die Verkündigung des Evangeliums darf sich jedoch keinesfalls im Gespräch erschöpfen; der Mut zur Wahrheit ist in der Tat eine unausweichliche Herausforderung vor der Versuchung des Konformismus, der Suche nach müheloser Popularität oder nach der eigenen Ruhe!

Bei der Realisierung der Evangelisierungsarbeit darf auch nicht vergessen werden, daß manche Begriffe und Worte, mit denen sie traditionsgemäß durchgeführt wurde, für den größten Teil der modernen Kulturen nahezu unverständlich geworden sind. Begriffe wie Ursünde mit ihren Folgen, Erlösung, Kreuz, Notwendigkeit des Gebetes, freiwilliges Opfer, Keuschheit, Enthaltsamkeit, Gehorsam, Demut, Buße, Armut usw. haben in so manchem Kontext ihre ursprüngliche positive christliche Bedeutung verloren. Deshalb muß die Neu-Evangelisierung durch äußerste Treue zu der von der Kirche ständig gelehrten Glaubenslehre und durch ein starkes Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem christlichen Fachvokabular imstande sein, auch heutzutage geeignete Ausdrucksweisen zu finden, um mit deren Hilfe den tiefen Sinn für diese menschlichen und christlichen Grundwirklichkeiten wiederzugewinnen, ohne deshalb auf die in zusammenfassender Form im Glaubensbekenntnis enthaltenen, feststehenden und bereits angenommenen Formulierungen des Glaubens zu verzichten.(12)

 
 

2. Die notwendige und unersetzbare Rolle der Priester

 

Obwohl die Hirten "wissen, daß sie von Christus nicht bestellt sind, um die ganze Heilsmission der Kirche an der Welt allein auf sich zu nehmen",(13) üben sie bei der Evangelisierung eine absolut unersetzliche Rolle aus. Die Forderung nach einer Neu-Evangelisierung macht es daher dringend notwendig, einen wirklich mit der heutigen Situation übereinstimmenden Ansatz für die Ausübung des Priesteramtes zu finden, der ihr Wirksamkeit verleiht und sie tauglich macht, auf die Umstände, unter denen sie erfolgen soll, entsprechend einzugehen. Das muß jedoch unter ständiger Hinwendung zu Christus, unserem einzigen Vorbild, geschehen, ohne daß die heute herrschenden Verhältnisse unseren Blick vom Endziel ablenken. Nicht nur die sozio-kulturellen Gegebenheiten sollen uns nämlich zu einer gültigen pastoralen Erneuerung anspornen, sondern vor allem die brennende Liebe zu Christus und zu seiner Kirche.

Das Ziel unserer Anstrengungen ist die endgültige Herrschaft Christi und die Wiederherstellung der gesamten Schöpfung in ihm. Dieses Ziel wird erst am Ende der Zeiten voll erreicht werden, ist aber schon jetzt gegenwärtig durch den lebendigmachenden Heiligen Geist, durch den Jesus Christus seinen Leib, die Kirche, als allumfassendes Heilssakrament eingesetzt hat.(14)

Christus, Haupt der Kirche und Herr der gesamten Schöpfung, setzt sein Heilswirken unter den Menschen fort, und genau innerhalb dieses Wirkungsrahmens findet das Amtspriestertum seinen richtigen Platz. Christus will, wenn er alle zu sich zieht (Vgl. Joh 12,32), in besonderer Weise seine Priester mit einbeziehen. Wir stehen hier vor einem göttlichen Plan (dem Willen Gottes, die Kirche mit ihren Amtsträgern in das Erlösungswerk hineinzunehmen), der, obwohl er sich vom Standpunkt der Glaubenslehre und der Theologie aus klar bestätigen läßt, dennoch beträchtliche Schwierigkeiten aufweist, um von seiten der Menschen unserer Zeit akzeptiert zu werden. Denn die sakramentale Vermittlung und die hierarchische Struktur der Kirche wird heute von vielen angefochten; man fragt sich, worin ihre Notwendigkeit, ihre Motivation bestehe.

Wie das Leben Christi, so muß auch dasjenige des Priesters ein Leben sein, das in Christi Namen der maßgeblichen Verkündigung des liebevollen Willens des Vaters geweiht ist (Vgl. Joh 17,4; Hebr 10,7-10). Das war die Haltung des Messias: Die Jahre seines öffentlichen Wirkens waren dem Vollbringen (Apg 1,1) von Taten und dem Lehren gewidmet, wobei er "wie einer lehrte, der (göttliche) Vollmacht hat" (Mt 7,29). Diese Vollmacht gab ihm sicherlich an erster Stelle seine göttliche Herkunft, aber in den Augen der Menschen auch sein aufrichtiges, heiligmäßiges, vollkommenes Handeln. In gleicher Weise muß der Priester mit der objektiven geistlichen Autorität, die er kraft seiner Weihe besitzt,(15) die subjektive Autorität verbinden, die aus seinem aufrichtigen und heiligmäßigen Leben,(16) aus seiner pastoralen Liebe, Ausdruck der Liebe Christi,(17) stammt. Die Mahnung, die der hl. Gregor der Große an die Priester richtete, hat nichts von ihrer Aktualität verloren: "Er [der Hirt] muß in seinem Denken lauter, im Handeln vorbildlich, in seinem Schweigen diskret, durch sein Wort hilfreich sein; er muß durch sein Mitleiden jedem nahe sein und sich mehr als alle der Kontemplation widmen; er muß ein demütiger Verbündeter dessen sein, der das Gute tut, aber wegen seines eifrigen Bemühens um Gerechtigkeit muß er den Lastern der Sünder gegenüber unbeugsam sein; er darf weder bei den äußeren Tätigkeiten die Sorge um das innere Leben vernachlässigen noch es verabsäumen, sich der äußeren Bedürfnisse durch die Sorge um das innere Wohl anzunehmen" .(18)

Wie zu allen Zeiten werden in unseren Tagen in der Kirche "Herolde des Evangeliums gebraucht, die Experten im Umgang mit den Menschen sind, die das Herz des heutigen Menschen gründlich kennen, seine Freuden und Hoffnungen, Ängste und Sorgen teilen und zugleich beschauliche Freunde Gottes sein wollen. Dazu bedarf es neuer Heiliger — sagte der Heilige Vater unter konkreter Bezugnahme auf die Rechristianisierung Europas mit Worten, die jedoch universale Gültigkeit besitzen —. Die großen Evangelisatoren Europas waren die Heiligen. Wir müssen den Herrn bitten, daß er den Geist der Heiligkeit in der Kirche vermehre und uns neue Heilige sende, um die Welt von heute zu evangelisieren". .(19) Man muß bedenken, daß nicht wenige Zeitgenossen sich zuallererst durch die geweihten Diener Gottes eine Vorstellung von Christus und von der Kirche machen; ihr authentisch evangelisches Zeugnis als "lebendiges und transparentes Abbild des Priesters Christus" (20) wird daher noch dringender.

Im Rahmen des Heilswirkens Christi können wir zwei untrennbare Ziele ausmachen. Einerseits eine Zielsetzung, die wir als intellektuell bezeichnen könnten: die Menge der Menschen, die wie Schafe waren, die keinen Hirten haben (Vgl. Mt 9,36), lehren, unterweisen, sie über den Verstand zur Umkehr veranlassen (Vgl. Mt 4,17). Der andere Aspekt war darauf ausgerichtet, die Herzen derer, die ihn hörten, aufzurütteln für die Reue und Buße wegen ihrer Sünden und ihnen den Weg zum Empfang der göttlichen Vergebung zu eröffnen. Und so ist es heute noch: "Der Aufruf zur Neu-Evangelisierung ist vor allem ein Aufruf zur Umkehr",(21) und wenn das Wort Gottes den Verstand des Menschen unterwiesen und seinen Willen dadurch angeregt hat, daß es ihn von der Sünde abbrachte, dann erreicht die Evangelisierungstätigkeit ihren Höhepunkt in der fruchtbringenden Teilnahme an den Sakramenten, vor allem an der Feier der Eucharistie. "Die Aufgabe der Evangelisierung besteht — wie Paul VI. lehrte — eben darin, den Glauben so zu lehren, daß jeder Christ dahingeführt wird, die Sakramente, statt sie passiv zu empfangen oder über sich ergehen zu lassen, als wahrhafte Gnadenmittel des Glaubens zu leben" (22)

Die Evangelisierung umfaßt: Verkündigung, Zeugnis, Dialog und Dienst und fußt auf der Verbindung der drei untrennbaren Elemente: Verkündigung des Wortes, Dienst der Sakramente und Leitung der Gläubigen.(23) Eine Verkündigung, die sich nicht die ständige Formung der Gläubigen zum Ziel setzte und nicht in die sakramentale Praktik einmündete, hätte ebenso wenig Sinn wie eine Teilnahme an den Sakramenten, die von der vollen Annahme des Glaubens und der Moralprinzipien abgetrennt wäre oder bei der sich keine ehrliche Umkehr des Herzens einstellte. Wenn aus pastoraler Sicht der Aktion nach der erste Platz logischerweise der Verkündigungsaufgabe zusteht,(24) muß der Intention oder Zielsetzung nach der erste Platz der Feier der Sakramente, insbesondere des Bußsakramentes und der Eucharistie, zugewiesen werden.(25) In der harmonischen Verbindung beider Funktionen ist die Integrität des Hirtenamtes des Priesters im Dienst an der Neu-Evangelisierung gegeben.

Ein Aspekt der Neu-Evangelisierung, der immer größere Bedeutung gewinnt, ist die ökumenische Bildung der Gläubigen. Das II. Vatikanische Konzil mahnte alle katholischen Gläubigen, daß sie "mit Eifer an dem ökumenischen Werk teilnehmen" und "die wahrhaft christlichen Güter aus dem gemeinsamen Erbe anerkennen und hochschätzen, die sich bei den von uns getrennten Brüdern finden" .(26) Gleichzeitig gilt es auch zu beachten, daß "nichts dem ökumenischen Geist so fern ist wie jener falsche Irenismus, durch den die Reinheit der katholischen Lehre Schaden leidet und ihr ursprünglicher und sicherer Sinn verdunkelt wird" .(27) Die Priester werden infolgedessen wachsam sein müssen, damit der Ökumenismus unter treuer Respektierung der vom Lehramt der Kirche angegebenen Prinzipien geführt wird und nicht Brüche, sondern harmonische Kontinuität erfährt.

 
 

ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN ÜBER KAPITEL I

 

1. Wird in unseren Kirchengemeinden und besonders unter unseren Priestern die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Neu-Evangelisierung wirklich empfunden?

 

2. Ist sie bei der Verkündigung präsent? Ist sie bei den Zusammenkünften des Presbyteriums, in den Pastoralprogrammen, in den Maßnahmen zur ständigen Weiterbildung vorhanden?

 

3. Engagieren sich die Priester besonders in der Förderung einer Sendung wie der Neu-Evangelisierung "in ihrem Eifer, in ihren Methoden, in ihrer Ausdruckskraft" (28) — ad intra und ad extra der Kirche?

 

4. Betrachten die Gläubigen das Priestertum als ein Gottesgeschenk sowohl für den, der es empfängt, wie für die Gemeinde selbst, oder sehen sie es unter einem rein funktionalen und organisatorischen Aspekt? Wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, dafür zu beten, daß der Herr Priesterberufe wecke und daß es nicht an der notwendigen Hochherzigkeit fehle, darauf zustimmend zu antworten?

 

5. Wird in der Verkündigung des Wortes Gottes und in der Katechese das gebührende Gleichmaß zwischen dem Aspekt der Glaubensunterweisung und dem der Sakramentenspendung aufrechterhalten? Ist die Evangelisierungstätigkeit der Priester gekennzeichnet von der Komplementarität zwischen Verkündigung und sakramentaler Heiligung, "munus docendi" und "munus sanctificandi"?

 

 

II. Kapitel

 

LEHRER DES WORTES

 

"Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen" (Mk 16,15)

 
 

1. Die Priester, Lehrer des Wortes "nomine Christi et nomine Ecclesiae"

 

Ein angemessener Ausgangspunkt für das richtige Verständnis des Hirtendienstes am Wort ist die Betrachtung der Offenbarung Gottes an sich. "In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott (vgl. Kol 1,15; 1 Tim 1,17) aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde (vgl. Ex 33,11; Joh 15,14-15) und verkehrt mit ihnen (vgl. Bar 3,38), um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen".(29) In der Heiligen Schrift spricht die Verkündigung des Gottesreiches nicht nur von der Herrlichkeit Gottes, sondern läßt sie aus eben dieser Verkündigung hervorgehen. Das in der Kirche verkündete Evangelium ist nicht nur Botschaft, sondern eine göttliche Heilshandlung, die von denen, die glauben, die die Botschaft hören, ihr folgen und sie annehmen, erfahren wird.

Die Offenbarung beschränkt sich daher nicht darauf, uns über die Natur jenes Gottes, der in einem unerreichbaren Licht lebt, zu unterweisen, sondern sie unterrichtet uns zugleich darüber, was Gott in seiner Gnade für uns tut. Das geoffenbarte Wort, das "in" der und "durch" die Kirche gegenwärtig gemacht und aktualisiert wird, ist ein Werkzeug, durch das Christus mit seinem Geist in uns tätig ist. Es ist zugleich Gericht und Gnade. Beim Hören des Wortes interpelliert die aktuelle Gegenüberstellung mit Gott das Herz der Menschen und verlangt eine Entscheidung, die mit Verstandeswissen allein nicht zu erreichen ist, sondern die Umkehr des Herzens erfordert.

"Die erste Aufgabe der Priester als Mitarbeiter der Bischöfe [ist es], allen die Frohe Botschaft Gottes zu verkünden, um so [...] das Gottesvolk zu begründen und zu mehren".(30) Da die Verkündigung des Wortes nicht rein intellektuelle Weitergabe einer Botschaft ist, sondern eine ein für allemal in Christus verwirklichte "Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt" (Röm 1,16), verlangt ihre Verkündigung in der Kirche bei den Verkündigern ein übernatürliches Fundament, das ihre Authentizität und Wirksamkeit gewährleistet. Die Verkündigung des Wortes durch die geweihten Diener hat gewissermaßen teil am Heilscharakter des Wortes selbst, und zwar nicht einfach deshalb, weil sie von Christus reden, sondern weil sie ihren Zuhörern das Evangelium mit der Kraft verkünden, die aus ihrer Teilnahme an der Konsekration und Sendung des fleischgewordenen Gotteswortes stammt. Den Amtsträgern klingen noch die Worte des Herrn in den Ohren: "Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab" (Lk 10,16), und mit Paulus können sie sagen: "Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist. Davon reden wir auch, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern wie der Geist sie lehrt, indem wir den Geisterfüllten das Wirken des Geistes deuten" (1 Kor 2,12-13).

Die Verkündigung gleicht einem Dienst, der dem Weihesakrament entspringt und sich durch die Vollmacht Christi entfaltet. Die Kraft des Heiligen Geistes garantiert jedoch nicht in derselben Weise alle Handlungen der Amtsträger. Während bei der Verwaltung der Sakramente diese Garantie gegeben ist, so daß selbst die Sündhaftigkeit des Spenders die Frucht der Gnade nicht verhindern kann, gibt es viele andere Handlungen, bei denen das menschliche Gepräge des Amtsträgers eine beträchtliche Bedeutung gewinnt. Dieses Gepräge kann der apostolischen Fruchtbarkeit der Kirche nützen, ihr aber auch schaden.(31) Wenngleich das gesamte munus pastorale vom Dienstcharakter erfüllt sein soll, so ist das im Verkündigungsdienst besonders notwendig, denn je mehr der Amtsträger tatsächlich zum Diener des Wortes wird und sich nicht zum Herrn desselben macht, um so mehr kann das Wort seine heilbringende Wirksamkeit spenden.

Dieser Dienst verlangt die persönliche Hingabe des Amtsträgers an das verkündete Wort, eine Hingabe, die letzten Endes an Gott selbst gerichtet ist, an jenen "Gott, den ich im Dienst des Evangeliums von seinem Sohn mit ganzem Herzen ehre" (Röm 1,9). Der Priester darf ihm kein Hindernis in den Weg legen, weder durch Verfolgung von Zielen, die nicht zu seiner Sendung gehören, noch dadurch, daß er sich auf die Weisheit der Menschen oder auf subjektive Erfahrungen stützt, die das Evangelium selbst vernebeln könnten. Das Wort Gottes wird sich also niemals instrumentalisieren lassen! Der verkündende Priester muß hingegen "zuallererst selber eine große persönliche Vertrautheit mit dem Wort Gottes entwickeln [...]. Der Priester muß der erste ,,Glaubende" des Wortes sein in dem Bewußtsein, daß die Worte seines Dienstes nicht ,,seine", sondern die Worte dessen sind, der ihn ausgesandt hat" .(32)

Es besteht also eine wesentliche Beziehung zwischen persönlichem Gebet und Verkündigung. Aus der Betrachtung des Gotteswortes im persönlichen Gebet soll auch spontan "der Vorrang des gelebten Zeugnisses, das die Macht der Liebe Gottes entdecken läßt und sein Wort überzeugend macht",(33) entspringen. Frucht des persönlichen Gebetes ist auch eine Predigt, die sich den Gläubigen nicht in erster Linie wegen ihrer logischen Abstraktheit einprägt, sondern weil sie in einem lauteren, betenden Herzen entstanden ist, das darum weiß, daß es nicht Aufgabe des Priesters ist, "seine eigene Weisheit vorzutragen, sondern immer das Wort Gottes zu lehren und alle nachdrücklich zur Umkehr und zur Heiligung einzuladen".(34) Die Predigt der Diener Christi muß also, damit sie wirksam sei, fest auf deren kindlichen Gebetsgeist gegründet sein: "sit orator, antequam dictor" .(35)

Im persönlichen Gebetsleben des Priesters findet das Bewußtsein vom Dienstcharakter seiner Sendung, der in der Berufung liegende Sinn seines Lebens und sein lebendiger und apostolischer Glaube Stütze und Anregung. Hier schöpft er auch Tag für Tag den Eifer für die Evangelisierung. Zur persönlichen Überzeugung geworden, wird sie in überzeugende, konsequente Verkündigung umgesetzt. In diesem Sinn betrifft der Vollzug des Stundengebetes nicht allein die persönliche Frömmigkeit, noch erschöpft er sich als öffentliches Gebet der Kirche; das Stundengebet erweist auch seinen großen pastoralen Nutzen,(36) da es eine bevorzugte Gelegenheit zu wachsender Vertrautheit mit der Lehre der Bibel, der Kirchenväter, der Theologie und des Lehramtes bietet, die zunächst verinnerlicht und dann in der Verkündigung auf das Volk Gottes übertragen wird.

 
 

2. Für eine wirksame Verkündigung des Wortes

 

In der Perspektive der Neu-Evangelisierung müßte unbedingt die Wichtigkeit unterstrichen werden, in den Gläubigen die Bedeutung der aus der Taufe herrührenden Berufung reifen zu lassen, das heißt, das Bewußtsein, von Gott aufgerufen worden zu sein, Christus aus der Nähe zu folgen und persönlich an der Sendung der Kirche mitzuarbeiten. "Die Weitergabe des Glaubens ist Aufdecken, Verkünden und Vertiefen der christlichen Berufung; das heißt, der Ruf Gottes ergeht an jeden Menschen, dem das Heilsgeheimnis gezeigt wird.. ".(37) Die Aufgabe der Verkündigung besteht also darin, Christus den Menschen vorzustellen, weil nur er, "der neue Adam, eben in der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe dem Menschen den Menschen selbst voll kundmacht und ihm seine höchste Berufung erschließt"

Neu-Evangelisierung und der von Berufung bestimmte Sinn des christlichen Daseins gehören zusammen. Und das ist die "gute Botschaft", die den Gläubigen verkündet werden muß, ohne Abstriche, sowohl was ihr Gutsein, als auch die Anforderung, um es zu erreichen, betrifft, während gleichzeitig daran erinnert wird, daß "auf dem Christen ganz gewiß die Notwendigkeit und auch die Pflicht liegen, gegen das Böse durch viele Anfechtungen hindurch anzukämpfen und auch den Tod zu ertragen; aber dem österlichen Geheimnis verbunden und dem Tod Christi gleichgestaltet, geht er, durch Hoffnung gestärkt, der Auferstehung entgegen" .(39)

Die Neu-Evangelisierung erfordert einen vollständigen und wohlbegründeten, leidenschaftlichen Dienst am Wort mit klarem theologischem, spirituellem, liturgischem und moralischem Inhalt, der auf die konkreten Bedürfnisse der Menschen, die erreicht werden sollen, achtet. Es geht offensichtlich nicht darum, in die Versuchungen eines Intellektualismus zu geraten, der ja das christliche Denkvermögen trüben könnte, statt es zu erleuchten, sondern durch die ständige, geduldige Katechese über die Grundwahrheiten des katholischen Glaubens und der katholischen Moral und über ihren Einfluß im geistlichen Leben eine echte "geistige Liebe" zu entwickeln. Die christliche Unterweisung ragt unter den geistlichen Werken der Barmherzigkeit hervor: Die Rettung erfolgt im Kennenlernen Christi, denn "es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen" (Apg 4,12).

Diese katechetische Verkündigung kann nicht ohne das Mittel der heilen Theologie erfolgen, da es ja nicht nur darum geht, die geoffenbarte Lehre zu wiederholen, sondern mit Hilfe der geoffenbarten Lehre Verstand und Gewissen der Gläubigen zu formen, damit sie die Ansprüche der durch die Taufe empfangenen Berufung konsequent leben können. Die Neu-Evangelisierung wird sich in dem Maße verwirklichen lassen, in dem nicht nur die Kirche als ganze oder ihre einzelnen Institutionen, sondern jeder Christ in die Lage versetzt wird, den Glauben zu leben und durch sein Leben einen lebendigen Grund für Glaubwürdigkeit und eine glaubhafte Verteidigung des Glaubens abzugeben.

Evangelisieren heißt nämlich, mit allen zur Verfügung stehenden ehrlichen und geeigneten Mitteln die Inhalte der geoffenbarten Wahrheiten (den trinitarischen und christologischen Glauben, die Bedeutung der Schöpfungslehre, die eschatologischen Wahrheiten, die Lehre über die Kirche, über den Menschen, das Glaubenswissen über die Sakramente und über die anderen Heilsmittel usw.) zu verkünden und zu verbreiten. Und es heißt zugleich auch, durch die moralische und geistliche Bildung diese Wahrheiten ins konkrete Leben, in Zeugnis und missionarischen Einsatz umzusetzen.

Die notwendige Aufgabe der theologischen und geistlichen Bildung (Bemühen um die ständige Weiterbildung der Priester und Diakone, Bemühen um die Bildung aller Gläubigen) stellt eine unausweichliche und zugleich enorme Verpflichtung dar. Es ist daher unbedingt notwendig, daß die Ausübung des Dienstes am Wort und vor allem die Träger dieses Dienstes den Umständen gewachsen sind. Die Wirksamkeit wird davon abhängen, daß diese Ausübung, die ganz wesentlich auf die Hilfe Gottes gegründet ist, auch mit der größtmöglichen menschlichen Vollkommenheit erfolgt. Die neue lehrhafte, theologische und spirituelle Verkündigung der christlichen Botschaft — eine Verkündigung, die in erster Linie das Gewissen der Getauften anfeuern und läutern soll — darf nicht aus Trägheit oder Verantwortungslosigkeit improvisiert werden. Noch weniger dürfen die Priester ihre Verantwortlichkeit, die Aufgabe der Verkündigung persönlich wahrzunehmen, vernachlässigen, im besonderen was das Predigtamt betrifft, das weder jemandem übertragen werden darf, der nicht geweiht ist, (40) noch leichtfertig an jemanden abgegeben werden darf, der nicht gut vorbereitet ist.

Im Zusammenhang mit der Verkündigung durch den Priester muß man, wie das übrigens immer der Fall War, unbedingt auf die Wichtigkeit der entfernten Vorbereitung hinweisen, die zum Beispiel dadurch konkretisiert werden kann, daß die Lektüre und sogar die Interessen entsprechend auf Aspekte ausgerichtet werden, die die Vorbereitung der geweihten Amtsträger verbessern können. Das seelsorgerische Einfühlungsvermögen der Prediger muß ständig wachsam sein, um die Probleme, die den Menschen unserer Zeit Sorge bereiten, und mögliche Lösungen festzustellen. "Um auf die von den heutigen Menschen erörterten Fragen die rechte Antwort zu geben, sollen die Priester ferner die Dokumente des kirchlichen Lehramtes und besonders die der Konzilien und der Päpste gut kennen sowie die besten und anerkannten theologischen Schriftsteller zu Rat ziehen", (41) ohne zu vergessen, den Katechismus der Katholischen Kirche zu konsultieren. In diesem Sinn läge es nahe, wieder auf die Wichtigkeit der unermüdlichen Sorge um die ständige Weiterbildung des Klerus zurückzukommen, wobei als inhaltlicher Bezug das Direktorium für Dienst und Leben der Priester dient.(42) Jede Anstrengung auf diesem Gebiet wird durch reiche Früchte belohnt werden. Wichtig ist, zusammen mit allem bisher Gesagten, auch eine unmittelbare Vorbereitung auf die Verkündigung des Gotteswortes. Abgesehen von Ausnahmefällen, wo es nicht anders möglich gewesen ist, sollen Demut und Fleiß den Priester zum Beispiel veranlassen, sorgfältig wenigstens einen Entwurf dessen vorzubereiten, was gesagt werden soll.

Die Hauptquelle der Verkündigung muß logischerweise die Heilige Schrift sein, mit der sich der Priester durch die Betrachtung im persönlichen Gebet und durch das Studium und die Lektüre geeigneter Bücher vertraut machen soll.(43) Die pastorale Erfahrung lehrt, daß die Kraft und Beredtheit des Bibeltextes die Zuhörer tief bewegen. Die Schriften der Kirchenväter und anderer großer Autoren der Tradition lehren, den Sinn des geoffenbarten Wortes zu durchdringen und ihn anderen zu erschließen, (44) fernab von jeder Form eines "biblischen Fundamentalismus" oder einer Verstümmelung der göttlichen Botschaft. Die Pädagogik, mit der die Liturgie der Kirche in den verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres das Wort Gottes liest, interpretiert und anwendet, sollte ebenfalls einen Bezugspunkt für die Vorbereitung der Verkündigung darstellen. Darüberhinaus hat die Betrachtung des Lebens der Heiligen — mit ihren Kämpfen und heroischen Taten — zu allen Zeiten in den Herzen der Christen reiche Frucht hervorgebracht. Auch heute haben die Gläubigen, die durch Gelegenheiten zu falschem Verhalten und durch fragwürdige Lehren gefährdet sind, das Beispiel dieser Heiligenviten, die in heroischem Geist der Liebe Gottes und durch Gott den anderen Menschen hingegeben worden sind, dringend nötig. Ebenso nützlich wie das alles ist es für die Evangelisierung auch, in den Gläubigen aus Gottesliebe den Sinn für Solidarität mit den anderen, den Geist des Dienens, die hochherzige Hingabe an die anderen zu fördern. Das christliche Bewußtsein reift ja gerade durch eine immer engere Beziehung zur Liebe.

Als sehr wichtig für den Priester erweist sich auch die Berücksichtigung der formalen Aspekte der Verkündigung. Wir leben im Zeitalter der Information und raschen Kommunikation, wo wir uns alle daran gewöhnt haben, anerkannte Fernseh- und Rundfunkfachleute zu sehen und zu hören. Mit ihnen tritt der Priester, der ebenfalls ein, freilich besonderer, sozialer Kommunikator ist, gewissermaßen in friedliche Konkurrenz gegenüber den Gläubigen, wenn er eine Botschaft vermittelt, die auf ausgesprochen anziehende Art und Weise vorgestellt werden soll. Der Priester muß nicht nur die "neuen Kanzeln", also die Massenmedien, mit Kompetenz und apostolischem Geist zu nutzen wissen, sondern er muß vor allem dafür sorgen, daß seine Botschaft dem Wort, das er verkündet, ebenbürtig ist. Die im Bereich der audiovisuellen Medien tätigen Fachleute bereiten sich gut auf die Durchführung ihrer Aufgabe vor; es wäre gewiß keine übertriebene Forderung, daß die Lehrer des Wortes sich durch intelligentes und geduldiges Studium um die Verbesserung der "professionellen" Qualität dieses Aspektes des Dienstes bemühen sollten. Zum Beispiel kehrt heute in verschiedenen Universitäts- und Kulturbereichen das Interesse an der Rhetorik zurück; es sollte auch bei den Priestern wieder geweckt werden, zusammen mit der bescheidenen und vornehm würdevollen Art des Auftretens.

Die Verkündigung durch den Priester muß, wie die Verkündigung Christi, auf positive und anregende Weise erfolgen, damit sie die Menschen mitreißt und zur Güte, Schönheit und Wahrheit Gottes hinzieht. Die Christen müssen "erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) und sie müssen die empfangene Wahrheit auf interessante Weise darlegen. Ist nicht oftmals der verlockende Charakter des starken und zugleich ruhigen Anspruchs der christlichen Existenz festzustellen? Man braucht sich also nicht zu fürchten. "Seit dem Ostertag, wo sie [die Kirche] die letzte Wahrheit über das Leben des Menschen als Geschenk empfangen hat, ist sie zur Pilgerin auf den Straßen der Welt geworden, um zu verkünden, daß Jesus Christus ,,der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist (Joh 14,6). Unter den verschiedenen Diensten, die sie der Welt anzubieten hat, gibt es einen, der ihre Verantwortung in ganz besonderer Weise herausstellt: den Dienst an der Wahrheit".(45)

Als nützlich erweist sich logischerweise in der Verkündigung auch der Gebrauch einer korrekten, erlesenen Sprache, die für unsere Zeitgenossen aus allen Schichten verständlich ist und Banalitäten und Gleichgültigkeit vermeidet.(46) Der Priester muß aus einer echten Sicht des Glaubens sprechen, aber mit Worten, die in den verschiedenen Milieus verständlich sind, und nie in einem Fachjargon und auch nicht mit Zugeständnissen an den Geist der Welt. Das menschliche "Geheimnis" einer fruchtbaren Verkündigung des Wortes besteht in erheblichem Ausmaß in der "Professionalität" des Priesters, der weiß, was er sagen und wie er es sagen will, und der über eine ernsthafte, sowohl entfernte wie unmittelbare, Vorbereitung verfügt und keine dilettantischen Improvisationen inszeniert. Es wäre schädlicher Irenismus, die Kraft der ganzen Wahrheit zu verbergen. Daher gilt es, sorgfältig auf den Inhalt der Worte, auf den Redestil und die Ausdrucksweise zu achten; es gilt gut zu überlegen, was stärker betont werden soll, und es sollte, möglichst ohne übertriebenes Gehabe, auf die Gefälligkeit der Stimme geachtet werden. Der Priester muß wissen, wohin er gelangen will, und die existentielle und kulturelle Situation seiner üblichen Zuhörer gut kennen: Er darf keine abstrakten Theorien oder Verallgemeinerungen von sich geben und muß deshalb seine Herde kennen. Angebracht ist ein liebenswürdiger, positiver Sprachstil, der weiß, die Menschen nicht zu verletzen, selbst wenn er die Gewissen "verletzt"..., ohne Angst, die Dinge beim Namen zu nennen.

Sehr nützlich ist es, wenn die Priester, die in den verschiedenen Seelsorgsaufgaben zusammenarbeiten, sich durch brüderliche Ratschläge über diese und andere Aspekte des Dienstes am Wort gegenseitig helfen. Zum Beispiel über die Inhalte der Predigt, über die theologische und sprachliche Qualität, über den Stil, über die Dauer — die Predigt sollte keinesfalls zu lang sein —, über die Art zu spechen und an den Ambo zu treten, über den Tonfall der Stimme, der normal sein, wenn auch in den verschiedenen Augenblicken der Predigt wechseln soll, ohne gekünstelt zu sein, usw. Noch einmal ist für den Priester Demut unverzichtbar, damit er sich von seinen Brüdern und auch, wenngleich indirekt, von den Gläubigen, die an seinen pastoralen Aktivitäten teilnehmen, helfen läßt.

 

 

ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN BER KAPITEL II

 

6 Haben wir Hilfsmittel, um die tatsächliche Auswirkung des Verkündigungsdienstes auf das Leben unserer Gemeinden einzuschätzen? Bemüht man sich darum, von diesem für die Evangelisierung wesentlichen Mittel mit der größtmöglichen menschlichen Professionalität Gebrauch zu machen?

 

7. Läßt man in den Fortbildungskursen für den Klerus der Vervollkommnung der Verkündigung des Wortes in ihren verschiedenen Formen die ihr zustehende Beachtung zuteil werden?

 

8. Werden die Priester dazu ermutigt, dem Studium der Theologie, dem Lesen der Kirchenväter, der Kirchenlehrer und der Heiligen Zeit zu widmen? Zeigt sich ein positiver Einsatz dafür, die großen Meister der Spiritualität kennenzulernen und bekannt zu machen?

 

9. Wird mit praktischem Sinn und einer gesunden wissenschaftlichen Perspektive die Einrichtung Bibliotheken für Priester gefördert?

 

10. Gibt es und kennt man in diesem Sinn örtliche Möglichkeiten der Verbindung mit Bibliotheken im Internet, einschließlich der begonnenen elektronischen Bibliotheken auf der Internetseite der Kongregation für den Klerus (www.clerus.org.)?

 

11. Werden die Priester ermutigt, von der Katechese des Heiligen Vaters und der verschiedenen Dokumente des Heiligen Stuhls Gebrauch zu machen?

 

12. Ist man sich der Bedeutung der beruflichen Ausbildung von Personen (Priestern, ständigen Diakonen, Ordensleuten, Laien) bewußt, die fähig sind, diesen wichtigen Aspekt der Evangelisierung der modernen Kultur, den die Kommunikation darstellt, auf einem hohen Niveau zu realisieren?

 

 

III. Kapitel

 

DIENER DER SAKRAMENTE

 

"Diener Christi und Verwalter von Geheimnissen Gottes" (1 Kor 4,1)

 
 

1. "In persona Christi Capitis"

 

"Die Sendung der Kirche kommt nicht zu der Sendung Christi und des Heiligen Geistes hinzu, sondern ist deren Sakrament. Ihrem ganzen Wesen nach und in allen ihren Gliedern ist die Kirche gesandt, das Mysterium der Gemeinschaft der heiligsten Dreifaltigkeit zu verkünden und zu bezeugen, zu vergegenwärtigen und immer mehr auszubreiten" (47) Diese sakramentale Dimension der Sendung der Kirche insgesamt entspringt ihrem eigentlichen Wesen als einer Wirklichkeit, die zugleich "menschlich und göttlich, sichtbar und mit unsichtbaren Gütern ausgestattet, voll Eifer der Tätigkeit hingegeben und doch frei für die Beschauung, in der Welt zugegen und doch unterwegs" (48) ist. In diesem Kontext der Kirche als "allumfassendem Sakrament des Heils",(49) in dem Christus "das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen zugleich offenbart und verwirklicht",(50) stehen die Sakramente als bevorzugte Gelegenheiten der Mitteilung des göttlichen Lebens an den Menschen im Zentrum des Dienstes der Priester. Diese sind sich wohl bewußt, lebendige Werkzeuge Christi des Priesters zu sein. Sie haben die Funktion von Männern, die durch den sakramentalen Charakter dazu berechtigt sind, das Handeln Gottes durch Wirksamkeit der beteiligten Mittel zu unterstützen.

Die Konfiguration [Gleichgestaltung] mit Christus durch die sakramentale Weihe gibt dem Priester innerhalb des Gottesvolkes seinen Platz und läßt ihn auf seine eigene Weise und in Übereinstimmung mit der organischen Struktur der kirchlichen Gemeinschaft am dreifachen munus Christi teilhaben. Indem der Priester in persona Christi Capitis handelt, leitet er das Volk Gottes und führt es zur Heiligkeit.(5l) Daraus ergibt sich "für den Priester die Notwendigkeit, daß er in seinem ganzen Leben, vor allem aber in der Art und Weise, wie er die Sakramente achtet und feiert, Zeugnis vom Glauben gibt".(52) Hier gilt es, an die klassische, vom II. Vatikanischen Konzil wieder aufgenommene Lehre zu erinnern: "Denn obwohl die Gnade Gottes auch durch unwürdige Priester das Heilswerk durchführen kann, so will Gott doch seine Heilswunder für gewöhnlich lieber durch diejenigen kundtun, die sich dem Antrieb und der Führung des Heiligen Geistes mehr geöffnet haben und darum wegen ihrer innigen Verbundenheit mit Christus und wegen eines heiligmäßigen Lebens mit dem Apostel sprechen können:

,,Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20)".(53)

Die Feiern der Sakramente, bei denen die Priester als Diener Christi handeln und in besonderer Weise durch seinen Geist an seinem Priestertum teilhaben,(54) stellen im Hinblick auf die Neu-Evangelisierung kultische Ereignisse von einzigartiger Bedeutung dar. Man bedenke auch, daß für alle Gläubigen, vor allem aber für jene, die der praktischen Religionsausübung gewöhnlich fernstehen, jedoch anläßlich familiärer oder gesellschaftlicher Ereignisse (Taufen, Firmungen, Hochzeiten, Priesterweihen, Begräbnisse usw.) recht häufig an Gottesdiensten teilnehmen, diese Anlässe inzwischen zur einzigen Gelegenheit für die Weitergabe der Glaubensinhalte geworden sind. Die Glaubenshaltung des Amtsträgers wird daher "mit einer unter liturgischem und zerimoniellem Aspekt hervorragenden Qualität der Zelebration" verbunden sein müssen: (55) Sie darf natürlich nicht als Spektakel ausgerichtet werden, sondern muß darauf achten, daß dabei wirklich das "Menschliche auf das Göttliche hingeordnet und ihm untergeordnet ist, das Sichtbare auf das Unsichtbare, die Tätigkeit auf die Beschauung, das Gegenwärtige auf die künftige Stadt, die wir suchen".(56)

 
 

2. Diener der Eucharistie: "Der eigentliche Mittelpunkt des priesterlichen Dienstes"

 

"Jesus nennt die Apostel ,,Freunde". So will er auch uns nennen, die wir dank des Weihesakraments an seinem Priestertum teilhaben. (...) Hätte Jesus uns seine Freundschaft noch deutlicher zum Ausdruck bringen können als in der Weise, daß er uns als Priester des neuen Bundes erlaubt, an seiner Statt, in persona Christi Capitis, zu handeln? Gerade das geschieht in unserem ganzen priesterlichen Dienst, wenn wir die Sakramente spenden und besonders wenn wir die Eucharistie feiern. Wir wiederholen die Worte, die er über das Brot und den Wein sprach, und kraft unseres Amtes vollzieht sich dieselbe Wandlung, die er vollzog. Gibt es einen vollendeteren Ausdruck von Freundschaft als diesen? Er ist die Mitte unseres priesterlichen Dienstes" .(57)

Die Neu-Evangelisierung muß für die Gläubigen auch eine neue Klarheit über die zentrale Stellung des Sakraments der Eucharistie bedeuten, das der Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens ist.(58) Einerseits, weil "eine christliche Gemeinde nur auferbaut wird, wenn sie Wurzel und Angelpunkt in der Feier der Eucharistie hat", (59) aber auch, weil "alle übrigen Sakramente, ebenso wie alle kirchlichen Dienste und Apostolatswerke in engem Zusammenhang mit der Eucharistie stehen und auf sie hingeordnet sind. Die Heiligste Eucharistie enthält ja das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle".(60)

Im Seelsorgsdienst ist die Eucharistie auch ein Ziel. Die Gläubigen müssen vorbereitet werden, daraus Nutzen zu ziehen. Wenn man bei ihnen einerseits die "würdige, aufmerksame und fruchtbare" Teilnahme an der Liturgie fördert, so erweist es sich andererseits als unbedingt notwendig, ihnen bewußt zu machen, daß "sie auf diese Weise (von Christus) eingeladen und veranlaßt werden, sich selbst, ihre Arbeiten und die ganze Schöpfung mit ihm darzubringen. Darum zeigt sich die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt aller Evangelisation", (61) eine Wahrheit, aus der sich eine ganze Reihe pastoraler Konsequenzen ergeben.

Es kommt grundlegend darauf an, den Gläubigen bleibend zu vermitteln, worin das Wesen des heiligen Altaropfers besteht, und ihre fruchtbringende Teilnahme an der Eucharistie zu fördern.(62) Notwendig ist auch, unermüdlich und furchtlos auf der Verpflichtung zur Erfüllung des Sonntagsgebotes (63) und auf der Angemessenheit einer häufigen, wenn möglich auch täglichen, Teilnahme an der Feier der hl. Messe und dem Empfang der eucharistischen Kommunion bestehen. Es gilt auch an die ernste Verpflichtung der Gläubigen zu erinnern, den Leib Christi mit der gebotenen geistigen und leiblichen Verfassung zu empfangen, das heißt, wenn sich jemand bewußt ist, nicht im Stande der Gnade zu sein, muß er vor dem Empfang der Eucharistie die sakramentale Lossprechung empfangen haben. In jeder Teilkirche und in jeder Pfarrgemeinde hängt ein blühendes christliches Leben großenteils von der in einem Geist des Glaubens und der Anbetung gelungenen Wiederentdeckung des großen Geschenkes der Eucharistie ab. Wenn es nicht gelingt, in der theoretischen Lehre, in der Verkündigung und im Leben den Zusammenhang zwischen täglichem Leben und Eucharistie zum Ausdruck zu bringen, wird am Ende der häufige Empfang der Eucharistie unterlassen.

Auch in dieser Hinsicht ist die Vorbildlichkeit des zelebrierenden Priesters äußerst wichtig: "Gut zelebrieren bildet eine erste wichtige Katechese über das heilige Opfer" .(64) Auch wenn es offensichtlich nicht die Absicht des Priesters sein wird, ist es doch wichtig, daß die Gläubigen sehen, wie er sich innerlich gesammelt auf die Feier des heiligen Opfers vorbereitet, daß sie Zeugen der Liebe und Hingabe sind, die er in die Zelebration hineinlegt, und daß sie von ihm lernen können, nach der Kommunion als Zeichen der Dankbarkeit eine gewisse Zeit innezuhalten.

Wenn ein wesentlicher Teil des Evangelisierungswerkes der Kirche darin besteht, die Menschen beten zu lehren zum Vater durch Christus im Heiligen Geist, schließt die Neu-Evangelisierung die Gewinnung und Stärkung pastoraler Praktiken ein, die den Glauben an die wirkliche Gegenwart (Realpräsenz) des Herrn unter den eucharistischen Gestalten deutlich machen. "Der Priester hat die Aufgabe, die Verehrung der Gegenwart Christi in der Eucharistie auch außerhalb der Meßfeier dadurch zu fördern, daß er seine Kirche zu einem christlichen ,,Haus des Gebets" macht" .(65) Notwendig ist zunächst, daß die Gläubigen gründlich Bescheid wissen um die unumgänglichen Bedingungen für den gültigen Empfang der Kommunion. Ebenso wichtig ist es, ihre Verehrung für Christus, der sie liebevoll im Tabernakel erwartet, zu fördern. Eine einfache und wirksame Art eucharistischer Katechese ist gerade auch die sorgfältige Wartung und Pflege von allem, was den Kirchenraum und insbesondere den Altar und den Tabernakel betrifft:

Sauberkeit und Anstand, Erhabenheit der Paramente und der heiligen Gefäße, Sorgfalt bei der Feier der Gottesdienste, (66) Festhalten an der Praxis der Kniebeugung usw. Besonders wichtig ist außerdem, einer jahrhundertealten Tradition in der Kirche entsprechend in der Kapelle des Allerheiligsten für eine Atmosphäre der Stille zu sorgen, um die heilige Ruhe zu gewährleisten, die das liebevolle Gespräch mit dem Herrn erleichtert. Jene Kapelle bzw. jener Ort, wo der im Sakrament gegenwärtige Christus aufbewahrt und angebetet wird, ist sicher das Herz unserer Gotteshäuser, und als solches müssen wir den Zutritt zu ihm kenntlich zu machen und durch tägliche Öffnung für eine möglichst lange Zeitspanne zu unterstützen trachten und den Ort mit echter Liebe gebührend schmücken.

Es liegt auf der Hand, daß alle diese Bekundungen — die nicht Formen eines nebulösen "Spiritualismus" angehören, sondern eine theologisch fundierte Frömmigkeit enthüllen — nur unter der Voraussetzung möglich sein werden, daß der Priester wirklich ein Mann des Gebets und von glaubwürdiger Leidenschaft für die Eucharistie ist. Nur ein Priester, der betet, wird beten lehren können, während er auch die Gnade Gottes auf diejenigen hinzuziehen weiß, die von seinem pastoralen Dienst abhängig sind, um auf diese Weise Bekehrungen, Vorsätze für ein intensiveres geistliches Leben, Priester- und Ordensberufe zu fördern. Schließlich wird nur der Priester, der täglich die Erfahrung mit der "conversatio in coelis" macht, die die Freundschaft mit Christus zu seinem Lebensinhalt werden läßt, in der Lage sein, einer wirklichen Neu-Evangelisierung echten Auftrieb zu verleihen.

 
 

3. Diener der Versöhnung mit Gott und mit der Kirche

 

In einer Welt, in der das Sündenbewußtsein in breitem Maße geschwunden ist, (67) gilt es nachdrücklich daran zu erinnern, daß eben der Mangel an Gottesliebe verhindert, die Realität der Sünde in ihrer ganzen Bosheit wahrzunehmen. Die Bekehrung nicht nur als vorübergehender innerer Akt, sondern als ständige Haltung kommt durch die wahre Kenntnis der barmherzigen Liebe Gottes in Schwung. "Denn wer Gott auf diese Weise kennenlernt, ihn so ,,sieht", kann nicht anders als in fortwährender Bekehrung zu ihm leben. Er lebt also im ,,Zustand der Bekehrung"".(68) Die Buße gehört somit zum festen Erbe im kirchlichen Leben der Getauften; sie ist jedoch gekennzeichnet von der Hoffnung auf Vergebung: "Einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden" (1 Petr 2,10).

Die Neu-Evangelisierung erfordert also — und das ist eine absolut unausweichliche pastorale Forderung — eine neue Anstrengung, um den Gläubigen das Sakrament der Buße oder Versöhnung näherzubringen, (69) "das den Weg zu jedem Menschen selbst dann ebnet, wenn er mit schwerer Schuld beladen ist. In diesem Sakrament kann jeder Mensch auf einzigartige Weise das Erbarmen erfahren, das heißt die Liebe, die mächtiger ist als die Sünde.(70) Wir brauchen keine Angst davor zu haben, mit Eifer zu dieser sakramentalen Praxis dadurch zu ermutigen, daß wir auf intelligente Weise langlebige und heilsame christliche Traditionen erneuern und wiederbeleben. In einem ersten Schritt wird es darum gehen, die Gläubigen mit Hilfe des Heiligen Geistes zu einer tiefgehenden Umkehr anzuhalten, die eine aufrichtige und bußfertige Anerkennung der im Leben jedes Menschen vorhandenen moralischen Unordnung hervorruft; sodann wird es notwendig sein, den Gläubigen die Bedeutung der häufigen Einzelbeichte beizubringen, bis es möglich ist, mit einer echten persönlichen Seelenführung zu beginnen.

Ohne die Spendung des Sakraments mit dem Angebot der Seelenführung zu verwechseln, sollen die Priester von der Feier des Sakraments an die Gelegenheit wahrnehmen und das Gespräch der Seelenführung beginnen. "Die Wiederentdeckung und Verbreitung dieser Praxis, auch zu anderen als zu den für die Beichte vorgesehenen Zeiten, ist eine große Wohltat für die Kirche in der gegenwärtigen Zeit".(71) Auf diese Weise wird der Priester mithelfen, Sinn und Wirksamkeit des Bußsakramentes wiederzuentdecken, und damit die Voraussetzungen für die Überwindung der Krise dieses Sakraments schaffen. Die persönliche Seelenführung ermöglicht es, wahre Apostel auszubilden, die imstande sind, die Neu-Evangelisierung in der weltlichen Gesellschaft zu verbreiten. Um bei der Aufgabe der Wiederevangelisierung vieler Getaufter, die sich von der Kirche entfernt haben, voranzukommen, ist es notwendig, diejenigen, die ihr nahe stehen, sehr gut auszubilden.

Die Neu-Evangelisierung verlangt, daß man sich auf eine entsprechende Anzahl von Priestern verlassen kann: Die jahrhundertelange Erfahrung lehrt, daß ein Großteil der positiven Antworten auf Berufungen außer dem Lebensbeispiel der Priester, die ihrer Identität innerlich und äußerlich treu sind, auch der Seelenführung zu verdanken sind. "Jeder Priester wird sich besonders der Förderung von Berufungen widmen, ohne zu versäumen, [...] in geeigneten Initiativen durch persönlichen Kontakt darauf zu achten, daß Talente entdeckt werden und daß der Wille Gottes zu einer mutigen Entscheidung für die Nachfolge Christi erkannt wird. [...] Es ist ein unaufhebbares Erfordernis der pastoralen Liebe, daß jeder Priester — die Gnade des Heiligen Geistes unterstützend — sich mit sorgsamem Eifer darum bemüht, wenigstens einen Nachfolger im priesterlichen Dienst zu finden".(72)

Allen Gläubigen die tatsächliche Möglichkeit zur Beichte zu geben, erfordert zweifellos eine große Hingabe an Zeit.(73) Es wird dringend empfohlen, verbindliche Zeiten für die Anwesenheit in den Beichtstühlen festzulegen, die allen bekannt sind, und sich nicht auf eine theoretische Verfügbarkeit zu beschränken. Manchmal genügt nämlich die Tatsache, daß sich ein Gläubiger gezwungen sieht, erst auf die Suche nach einem Beichtvater zu gehen, ihn von seiner Absicht zu beichten abzubringen, während die Gläubigen "gern dort dieses Sakrament empfangen, wo sie wissen, daß Priester für diesen Dienst zur Verfügung stehen".(74) Die Pfarreien und allgemein die für den Gottesdienst bestimmten Kirchen sollten einen festen, großzügigen und günstigen Zeiplan für Beichten haben, und die zuverlässige Einhaltung dieses Zeitplanes ist Aufgabe der Priester. Entsprechend diesem Bemühen, das den Gläubigen den Empfang des Sakraments der Versöhnung nach Möglichkeit erleichtern soll, muß auch in richtiger Weise für die Aufstellung und Wartung der Beichstühle gesorgt werden: ihre Sauberhaltung, ihre Sichtbarkeit, die Möglichkeit des Gebrauchs des Gitters und der Wahrung der Anonymität (75) usw.

Es ist nicht immer leicht, diese Seelsorgspraktiken einzuhalten und zu verteidigen, doch darf deshalb nicht verschwiegen werden, daß sie wirksam sind und es daher angebracht ist, sie dort, wo sie außer Gebrauch gekommen sind, wieder aufzunehmen. Wie die Hilfe zwischen Weltpriestern und Ordenspriestern für diese pastoral wichtigste Bereitschaft gefördert werden muß, ist auch der tägliche Dienst im Beichtstuhl voll Hochachtung anzuerkennen, der von so vielen alten Priestern, echten geistlichen Lehrern der verschiedenen christlichen Gemeinden, in bewundernswürdiger Weise geleistet wird.

Dieser ganze Dienst an der Kirche wird wesentlich leichter sein, wenn die Priester selber die ersten sind, die regelmäßig zur Beichte gehen.(76) Unerläßliche Voraussetzung für einen hochherzigen Dienst der Versöhnung ist nämlich, daß der Priester persönlich als Pönitent das Sakrament empfängt. "Die ganze priesterliche Existenz würde unweigerlich schweren Schaden nehmen, wenn man es aus Nachlässigkeit oder anderen Gründen unterließe, regelmäßig und mit echtem Glauben und tiefer Frömmigkeit das Bußsakrament zu empfangen. Wenn ein Priester nicht mehr zur Beichte geht oder nicht gut beichtet, so schlägt sich das sehr schnell in seinem priesterlichen Leben und Wirken nieder, und auch die Gemeinde, deren Hirt er ist, wird dessen bald gewahr" .(77)

"Der Dienst der Priester ist vor allem verantwortungsvolle und notwendige Verbundenheit und Mitarbeit am Dienst des Bischofs in der Sorge um die Universalkirche und um die einzelnen Teilkirchen; für den Dienst an ihnen bilden sie zusammen mit dem Bischof ein einziges Presbyterium".(78) Auch die Brüder im Priesteramt müssen bevorzugtes Ziel der pastoralen Liebe des Priesters sein. Es geht darum, ihnen geistlich und materiell zu helfen, ihnen auf einfühlsame Weise die Beichte und die Seelenführung zu erleichtern, ihnen den Weg des Dienstes liebenswert zu machen, ihnen in jeder Not beizustehen, sie in allen Schwierigkeiten, in Alter und Krankheit mit brüderlicher Sorge zu begleiten... Also ein wahrhaft wertvolles Feld für die praktische Übung der priesterlichen Tugenden.

Unter den Tugenden, die für eine fruchtbare Erfüllung des Dienstes der Versöhnung notwendig sind, ist die pastorale Besonnenheit von grundlegender Bedeutung. Wie bei der Erteilung der Absolution der Amtsträger mit funktionaler Wirkkraft an der sakramentalen Handlung teilnimmt, so besteht auch bei den anderen Akten des Bußritus seine Aufgabe darin, den Pönitenten Christus gegenüberzustellen, indem er mit äußerster Behutsamkeit die Begegnung mit dem Erbarmen unterstützt. Dazu gehört, daß allgemeine Reden, welche die Realität der Sünde außer Betracht ließen, vermieden werden; als notwendig erweist sich daher beim Beichtvater das angemessene Wissen.(79) Aber zugleich ist das Bußgespräch immer von jenem Verständnis erfüllt, das die Seelen schrittweise den Weg der Umkehr entlangzuführen vermag, ohne irgendeinem Zugeständnis an die sogenannte "Abstufung der moralischen Normen" zu erliegen.

Da die Beichtpraxis — zum großen Schaden für das moralische Leben und das gute Gewissen der Gläubigen — vielerorts zurückgegangen ist, zeigt sich die reale Gefahr einer Abnahme der theologischen und seelsorgerischen Substanz in der Art und Weise, wie der Beichtvater seine Aufgabe wahrnimmt. Der Beichtvater muß den Paraklet, den Tröster-Geist, um die Fähigkeit bitten, diesen Heilsvorgang mit übernatürlicher Sinnhaftigkeit zu erfüllen (80) und ihn in eine echte Begegnung des Sünders mit Jesus, der ihm vergibt, zu verwandeln. Gleichzeitig muß er die Gelegenheit der Beichte dazu nützen, das Gewissen des Pönitenten richtig zu bilden — eine äußerst wichtige Aufgabe —, indem er ihm mit aller Behutsamkeit die notwendigen Fragen stellt, um die Integrität der Beichte und die Gültigkeit des Sakraments zu gewährleisten; indem er ihm hilft, Gott für sein Erbarmen ihm gegenüber aus tiefstem Herzen zu danken und einen festen Vorsatz zur Berichtigung seines moralischen Verhaltens auszusprechen, und es nicht verabsäumt, ihm einige passende Worte der Ermutigung und des Trostes zu sagen und ihn zur Erfüllung von Bußwerken anzuspornen, die ihm, abgesehen von der Wiedergutmachung für seine Sünden, helfen sollen, in den Tugenden zu wachsen.

 

 

ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN UBER KAPITEL III

 

13. Wesen und Heilsbedeutung der Sakramente sind unveränderlich. Wie läßt sich, von diesen sicheren Voraussetzungen ausgehend, die Pastoral der Sakramente erneuern und in den Dienst der Neu-Evangelisierung stellen?

 

14. Sind unsere Gemeinden eine "Kirche der Eucharistie und der Buße"? Wird dort die eucharistische Frömmigkeit in allen ihren Formen gefördert? Wird die Praxis der Einzelbeichte motiviert und unterstützt?

 

15. Wird üblicherweise auf die Realpräsenz des Herrn im Tabernakel hingewiesen, zum Beispiel durch Ermunterung zur fruchtbaren Praxis des Besuches beim Allerheiligsten? Sind die Akte eucharistischer Verehrung häufig? Verfügen unsere Kirchen über einen geezgneten Raum, der das Gebet vor dem Allerheiligsten begünstigt?

16. Kümmert man sich in pastoraler Gesinnung besonders um geziemende Ausstattung der Kirchen? Kleiden sich die Priester in der Regel den kanonischen Vorschriften gemäß (vgl. CIC, cann. 284 n. 669; Direktorium Nr. 66) und tragen sie bei der Feier des Gottesdienstes motivierter Weise alle vorgeschriebenen Paramente (vgl. can. 929)?

 

17. Beichten die Priester regelmäßig und stellen sie sich für diesen grundlegenden Dienst zur Verfügung?

 

18. Gibt es geeignete Initiativen, um dem Klerus eine ständige Weiterbildung zur Vervollkommnung des Dienstes als Beichtvater zu ermöglichen? Fördert man bei den Pfarrern die für die heutige Zeit gemäße Fortbildung ("Aggiornamento") in diesem unersetzlichen Dienst?

 

19. Werden angesichts der großen Bedeutung die eine echte Wiederbelebung der Einzelbeichtpraxis für die Neu-Evangelisierung hat, die kirchenrechtlichen Vorschriften über die Generalabsolution eingehalten? Werden in allen Pfarreien und Kirchen die Bußgottesdienste mit pastoraler Behutsamkeit und Liebe gehalten?

 

20. Welche Initiativen werden konkret durchgeführt, damit die Gläubigen das Sonntagsgebot in motivierter Weise erfüllen?

 
 

IV. Kapitel

 

LIEBENDE HIRTEN DER IHNEN ANVERTRAUTEN HERDE

 

"Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe" (Joh 10,11)

 

 

1. Mit Christus, um das Erbarmen des Vaters darzustellen und zu verbreiten

 

"Die Kirche lebt ein authentisches Leben, wenn sie das Erbarmen bekennt und verkündet — das am meisten überraschende Attribut des Schöpfers und des Erlösers — und wenn sie die Menschen zu den Quellen des Erbarmens des Heilands führt, die sie hütet und aus denen sie austeilt".(81) Diese Wirklichkeit unterscheidet die Kirche wesentlich von allen anderen Institutionen zu Gunsten der Menschen, die zwar eine große, vielleicht auch von religiösem Geist erfüllte Rolle im Hinblick auf Solidarität und Menschenliebe spielen mögen, jedoch niemals von selbst als tatsächliche Spender des Erbarmens Gottes auftreten könnten. Gegenüber dem säkularisierten Begriff des Erbarmens, der das Innere des Menschen nicht zu verwandeln vermag, erscheint das in der Kirche angebotene Erbarmen Gottes sowohl als Vergebung wie als Heilmittel; für seine Wirksamkeit auf den Menschen ist die Annahme der ganzen Wahrheit über sein Dasein, über sein Handeln und über seine Schuld gefordert. Daraus leitet sich die Notwendigkeit der Reue ab, und das macht es auch dringend notwendig, die Verkündigung des Erbarmens mit der Fülle der Wahrheit zu verbinden. Es gibt Aussagen von großer Wichtigkeit in bezug auf die Priester, die durch eine einzigartige Berufung in der Kirche und von der Kirche dazu aufgerufen sind, das Geheimnis der Liebe des Vaters zu enthüllen und gleichzeitig durch ihren Dienst, der "sich von der Liebe geleitet an die Wahrheit hält" (Eph 4,15) und den Eingebungen des Heiligen Geistes folgt, zu verwirklichen.

Die Begegnung mit dem Erbarmen Gottes erfolgt in Christus als Offenbarung der väterlichen Liebe Gottes. Als Christus den Menschen seine messianische Rolle offenbart (Vgl. Lk 4,18), stellt er sich als Erbarmen des Vaters gegenüber allen Bedürftigen hin, besonders gegenüber den Sündern, die Vergebung und inneren Frieden nötig haben. "Vor allem für die Letztgenannten wird der Messias ein besonders verstehbares Zeichen Gottes, der Liebe ist, ein Zeichen des Vaters. In diesem sichtbaren Zeichen können die Menschen von heute ebenso wie die Menschen von damals den Vater sehen" .(82) Gott, der "die Liebe ist" (1 Joh 4,16.), kann sich nicht anders denn als Erbarmen offenbaren.(83) Der Vater hat sich aus Liebe durch das Opfer seines Sohnes auf das Drama der Rettung der Menschen eingelassen.

Wenn schon in der Verkündigung Christi das Erbarmen eindrucksvolle Züge annimmt, die — wie aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn hervorgeht (Vgl. Lk 15,11-32) — über jede menschliche Realisierung hinausgehen, so tritt es in besonderer Weise in seinem Selbstopfer am Kreuz in Erscheinung. Der gekreuzigte Christus ist die radikale Offenbarung des Erbarmens des Vaters, "das heißt der Liebe, die gegen die Wurzel allen Übels in der Geschichte des Menschen angeht: gegen Sünde und Tod" .(84) Die christlichspirituelle Überlieferung hat im Heiligsten Herzen Jesu, das die Priesterherzen an sich zieht, eine tiefgründige und geheimnisvolle Synthese des unendlichen Erbarmens des Vaters gesehen.

Die soteriologische Dimension des ganzen munus pastorale der Priester konzentriert sich also auf die Erinnerung an die von Jesus dargebrachte Opfergabe des Lebens, das heißt auf das eucharistische Opfer. "Es gibt nämlich einen innigen Zusammenhang zwischen der Zentralität der Eucharistie, der pastoralen Liebe und der Einheit des Lebens des Priesters [...]. Wenn der Priester durch den eigenen Dienst Christus, dem ewigen Hohenpriester, Intelligenz, Willen, Stimme und Hände anbietet, damit er dem Vater das sakramentale Opfer der Erlösung darbringen kann, soll er sich die innere Einstellung des Meisters zu eigen machen und wie Er als Geschenk für seine eigenen Brüder leben müssen. Deshalb muß er lernen, sich mit der Opfergabe innig zu vereinen, indem er auf dem Opferaltar sein ganzes Leben als sichtbares Zeichen der freien und zuvorkommenden Liebe Gottes darbringt".(85) Im Dauergeschenk des eucharistischen Opfers, Erinnerung an Jesu Tod und Auferstehung, haben die Priester sakramental die einzige und einzigartige Fähigkeit empfangen, den Menschen als Diener das Zeugnis der unerschöpflichen Liebe Gottes zu bringen, die sich aus der weiteren Perspektive der Heilsgeschichte als mächtiger als die Sünde bestätigen wird. Der österliche Christus ist die endgültige Inkarnation des Erbarmens, dessen lebendiges, heilsgeschichtliches und zugleich endzeitliches Zeichen.(86) Das Priestertum, sagt der hl. Pfarrer von Ars, "ist die Liebe des Herzens Jesu" .(87) Mit ihm sind auch die Priester dank ihrer Weihe und ihres Dienstes ein lebendiges und wirksames Zeichen dieser großen Liebe, jenes "amoris officium", von dem der hl. Augustinus sprach.(88)

 
 

2. "Sacerdos et hostia"

 

Wesentlich für das echte Erbarmen ist sein Geschenkcharakter. Es muß als unverdientes Geschenk angenommen werden, das ungeschuldet angeboten wird, also nicht aus eigenem Verdienst stammt. Diese Freigebigkeit fügt sich in den Heilsplan des Vaters ein, denn "nicht darin besteht die Liebe, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat" (1 Joh 4,10). Und genau in diesem Kontext findet das geweihte Amt seine Daseinsbrechtigung. Keiner kann sich selbst die Gnade verleihen: sie muß geschenkt und empfangen werden. Das aber setzt voraus, daß es von Christus ermächtigte und befähigte Diener der Gnade gibt. Dieses geweihte Amt, durch das die von Christus Gesandten aus Gottes Gnade das tun und geben, was sie nicht von sich aus tun und geben können, nennt die Überlieferung der Kirche "Sakrament" .(89)

Die Priester müssen sich daher als lebendige Zeichen und Träger des Erbarmens betrachten, das sie nicht als ihr Eigentum, sondern als Geschenk Gottes anbieten. Ja, sie sind Diener der Liebe Gottes zu den Menschen, Diener des Erbarmens. Der Wille zum Dienst gehört als wesentliches Element zur Ausübung des Priesteramtes, was wiederum beim einzelnen auch die entsprechende moralische Disposition erfordert. Der Priester weist die Menschen auf Jesus hin, auf den Hirten, der "nicht gekommen [ist], um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen" (Mt 20,28). Der Priester dient in erster Linie Christus, aber so, daß er notwendigerweise den hoch-herzigen Dienst an der Kirche und ihrer Sendung durchmacht.

"Er liebt uns und hat sein Blut vergossen, um unsere Sünden hinwegzunehmen: Pontifex qui dilexisti nos et lavisti nos a peccatis in sanguine tuo. Er hat sich selbst für uns hingegeben: tradidisti temetipsum Deo oblationem et hostiam. Christus führt gerade das Opfer seiner selbst, das der Preis unserer Erlösung ist, in das ewige Heiligtum ein. Die Opfergabe, das heißt das Opfer, ist vom Priester nicht zu trennen" .(90) Obwohl nur Christus gleichzeitig Sacerdos et Hostia ist, ist sein in die missionarische Dynamik der Kirche eingebundener Diener kraft des Sakraments sacerdos, aber mit der ständigen Ermahnung, auch hostia zu werden, "so gesinnt zu sein, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht" (Phil 2,5). Von dieser untrennbaren Einheit zwischen Priester und Opfer, (91) zwischen Priestertum und Eucharistie hängt die Wirkung jeder Evangelisierungstätigkeit ab. Von der festen Einheit —im Heiligen Geist — zwischen Christus und seinem Diener — ohne daß letzterer sich anmaßen würde, Ihn zu ersetzen, sondern sich auf Ihn stützt und Ihn in sich und durch sich handeln läßt — hängt auch heute das eindrucksvolle Wirken des göttlichen Erbarmens ab, das im Wort und in den Sakramenten enthalten ist. Auch auf diese Verbundenheit des Priesters mit Jesus bei der Ausübung des Dienstes erstreckt sich die Bedeutung der Worte: "Ich bin der wahre Weinstock... Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt" (Joh 15,1.4).

Die Ermahnung, zusammen mit Jesus hostia zu werden, liegt auch dem Zusammenhang zwischen der Zölibatsverpflichtung um der Kirche willen und dem Priesteramt zugrunde. Es geht um die Einverleibung des Priesters zu dem Opfer, "in dem Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie [...] heilig zu machen" (Eph 5,25-26). Der Priester ist berufen, "lebendiges Abbild Jesu Christi, des Bräutigams der Kirche", (92) zu sein, indem er ihr sein ganzes Leben darbringt. "Der priesterliche Zölibat ist also Selbsthingabe in und mit Christus an seine Kirche und Ausdruck des priesterlichen Dienstes an der Kirche in und mit dem Herrn".(93)

 
 

3. Die pastorale Sorge der Priester: Dienen durch Leitung in Liebe und Stärke

 

"Die Priester üben entsprechend ihrem Anteil an der Vollmacht das Amt Christi, des Hauptes und Hirten, aus. Sie versammeln im Namen des Bischofs die Familie Gottes, die als Gemeinschaft von Brüdern nach Einheit verlangt, und führen sie durch Christus im Geist zu Gott dem Vater" .(94) Die unerläßliche Ausübung des munus regendi des Priesters, die nichts mit einer rein soziologischen Auffassung von Organisationsfähigkeit zu tun hat, geht gleichfalls aus dem sakramentalen Priestertum hervor: "Kraft des Weihesakramentes nach dem Bilde Christi, des höchsten und ewigen Priesters (vgl. Hebr 5,1-10; 7,24; 9,11-28), sind sie [die Priester] zur Verkündigung der Frohbotschaft, zum Hirtendienst an den Gläubigen und zur Feier des Gottesdienstes geweiht und so wirkliche Priester des Neuen Bundes".(95)

Entsprechend ihrem Anteil an der Vollmacht Christi verfügen die Priester über eine beachtliche Autorität gegenüber den Gläubigen. Sie wissen jedoch, daß die Gegenwart Christi im Amtsträger "nicht so zu verstehen ist, daß dieser gegen alle menschlichen Schwächen gefeit wäre: gegen Herrschsucht, Irrtümer, ja gegen Sünde".(96) Das Wort und die Leitung der Amtsträger sind daher, je nach ihren natürlichen oder erworbenen Verstandes —und Willensgaben, ihrem Charakter und ihrer Reife, von größerer oder geringerer Wirkfähigkeit. Dieses Bewußtsein, verbunden mit der Kenntnis der sakramentalen Wurzeln des Hirtenamtes, veranlaßt sie zur Nachahmung des Guten Hirten Jesus und macht die pastorale Liebe zu einer für die erfolgreiche Durchführung ihres Dienstes unerläßlichen Tugend.

"Hauptziel ihrer Hirtentätigkeit und der ihnen übertragenen Vollmacht ist es, die ihnen anvertraute Gemeinde zur vollen Entfaltung ihres geistlichen und kirchlichen Lebens zu führen".(97) Dennoch "darf die Gemeinschaftsdimension der Seelsorge (...) nicht die Bedürfnisse der einzelnen Gläubigen vernachlässigen (...). Man kann sagen, daß Jesus selbst, der Gute Hirt, der ,,seine Schafe, die seine Stimme kennen, einzeln beim Namen ruft" (Job 10, 3-4), durch sein Beispiel die erste Regel der individuellen Seelsorge festgelegt hat: die Menschen kennen und freundschaftliche Beziehung zu ihnen unterhalten".(98) In der Kirche muß die Gemeinschaftsdimension und die persönlich-inividuelle Sicht aufeinander abgestimmt werden; mehr noch, bei der Auferbauung der Kirche gelangt der Priester, ausgehend von der Dimension des einzelnen, zu jener der Gemeinschaft. Im Verhältnis zu den einzelnen Personen und zur Gemeinde soll der Priester allen "eximia humanitate" (mit echter Menschlichkeit) begegnen, (99) niemals aber irgendeiner Ideologie oder einer menschlichen Parteiung zu Diensten sein (100) und sich den Menschen gegenüber nicht "nach Menschengefallen verhalten, sondern so, wie es die Lehre und das christliche Leben verlangt" .(101)

Trotzdem erweist es sich heute mehr denn je als besonders notwendig, den Stil des pastoralen Wirkens dem Zustand jener Gesellschaften anzupassen, die zwar eine christliche Vergangenheit haben, jetzt aber weitgehend säkularisiert sind. Die Betrachtung des munus regendi in seinem authentischen missionarischen Verständnis, das nicht mit einer bürokratisch-organisatorischen Aufgabe verwechselt werden darf, gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Das verlangt von seiten der Priester ein Ausüben der Stärke mit Liebe, dessen Vorbild in dem Verhalten des Hirten Jesus Christus entdeckt werden muß. Wie wir den Evangelien entnehmen können, scheut er niemals die Verantwortung, die ihm aus seiner messianischen Vollmacht erwächst, sondern übt sie mit Liebe und Stärke aus. Deshalb bedeutet seine Autorität nie unterdrückende Herrschaft, sondern Disponibilität und Gesinnung zum Dienst. Dieser Doppelaspekt — Autorität und Dienst — bildet das Bezugssystem, in welches das munus regendi des Priesters einzuordnen ist: Er muß sich immer bemühen, seinen Anteil an der Stellung Christi als Haupt und Hirt der Herde konsequent umzusetzen.(102)

Der Priester, der mit und unter dem Bischof auch Hirt der ihm anvertrauten Gemeinde und somit von der pastoralen Liebe beseelt ist, darf sich nicht scheuen, seine Autorität in den Bereichen auszuüben, wo er zu ihrer Ausübung verpflichtet ist, da er eben dafür mit Autorität ausgestattet worden ist; der Priester soll daran denken, daß auch dann, wenn diese Autorität mit der gebührenden Stärke ausgeübt wird, versucht werden muß, dabei "non tam praeesse quam prodesse", nicht in erster Linie zu befehlen, sondern zu dienen.(103) Vielmehr muß sich der, der die Autorität ausüben soll, vor der Versuchung hüten, sich dieser Verantwortung zu entziehen; wenn er sie nicht ausübt, entzieht er sich dem Dienst. In enger Gemeinschaft mit dem Bischof und mit allen Gläubigen soll er vermeiden, in sein Hirtenamt Formen eines Stegreifautoritarismus oder "demokratistische" Führungsbedingungen einzuführen, die der tieferen Wirklichkeit des Dienstamtes fremd sind und als Folge zur Säkularisierung des Priesters und zur Klerikalisierung der Laien führen.(104) Nicht selten kann sich hinter derartigen Verhaltensweisen die Angst davor verbergen, Verantwortung zu übernehmen, Fehler zu machen, nicht willkommen zu sein, sich unpopulär zu machen, das Kreuz auf sich zu nehmen, usw.: Im Grunde handelt es sich um eine vernebelnde Trübung, welche die authentische Wurzel der priesterlichen Identität betrifft: die Gleichgestaltung mit Christus, dem Hirten und Haupt.

In diesem Sinne verlangt die Neu-Evangelisierung auch, daß der Priester seine tatsächliche Präsenz offen zu erkennen gibt. Man muß die Diener Jesu Christi unter den Menschen gegenwärtig und bereit sehen können. Daher ist auch ihre freundschaftliche und brüderliche Einbindung in die Gemeinde so wichtig. Und in diesem Zusammenhang ist die pastorale Bedeutung der Disziplin bezüglich der kirchlichen Kleidung zu verstehen, über die er nicht hinweggehen darf, weil sie dazu dient, seine zeitlich und räumlich uneingeschränkte Hingabe an den Dienst für Christus, für die Brüder und für alle Menschen in der Öffentlichkeit kundzutun.(105) Je mehr eine Gesellschaft die Zeichen der Säkularisierung an sich trägt, um so mehr braucht sie Zeichen.

Der Priester muß darauf achten, nicht in die widersprüchliche Haltung zu verfallen, auf Grund welcher er sich der Ausübung der Autorität in seinen direkten Zuständigkeitsbereichen entziehen könnte, um sich dann jedoch auf weltliche Fragen wie die der sozialen und politischen Ordnung einzulassen, (106) die Gott den Menschen zur freien Verfügung überlassen hat.

Der Priester muß, wenngleich er sich bei den Gläubigen und, zumindest mancherorts, auch bei den weltlichen Aurotiräten eines beachtlichen Ansehens erfreuen kann, unbedingt daran denken, daß dieses Ansehen mit Demut gelebt werden muß, indem er es korrekterweise dazu benutzt, tatkräftig mitzuwirken an der "salus animarum", am Heil der Seelen, und sich bewußt bleibt, daß allein Christus das wahre Haupt des Gottesvolkes ist: zu ihm müssen die Menschen hingeführt werden, und es gilt zu vermeiden, daß sie sich an die Person eines einzelnen Priesters anklammern. Die Seelen gehören einzig und allein Christus, denn nur er hat sie zur Ehre Gottes um den Preis seines kostbaren Blutes erlöst. Und genauso ist nur er Herr der übernatürlichen Güter und der Meister, der mit eigener, ihm von Anbeginn zustehender Autorität lehrt. Der Priester ist im Auftrag Christi und im Heiligen Geist nur ein Verwalter der Gaben, die die Kirche ihm anvertraut hat, und hat als solcher nicht das Recht, diese Gaben nach eigenem Belieben zu reduzieren, zu vermehren oder zu verändern.(107) So hat er zum Beispiel nicht die Vollmacht erhalten, die ihm anvertrauten Gläubigen nur einige Wahrheiten des christlichen Glaubens zu lehren, während er andere übergeht, weil er sie für schwerer zu befolgen oder für "weniger aktuell" hält.(108)

Was die Neu-Evangelisierung und die notwendige pastorale Leitung der Priester betrifft, so muß man mit Engagement allen dabei helfen, einen sorgfältigen und ehrlichen Unterscheidungsprozeß vorzunehmen. Hinter der Haltung des "Sich-nicht-aufdrängenWollens" usw. könnte sich eine Verkennung des theologischen Wesens des Hirtenamtes oder vielleicht auch eine Charakterschwäche verbergen, die die Verantwortung scheut. Nicht unterschätzt werden dürfen auch die etwaige unrechtmäßige Anhänglichkeit zu Personen oder die unzulässige Übernahme von Dienstaufträgen oder das unverhohlene Verlangen nach Popularität und das Fehlen einer redlichen Absicht. Ohne Demut ist die pastorale Liebe gar nichts. Manchmal kann sich hinter einer scheinbar motivierten Auflehnung des Priesters, hinter seinem Widerstand gegen eine vom Bischof angemahnte Änderung seines pastoralen Arbeitsstils — sei es seine exzentrische Art zu predigen oder den Gottesdienst zu feiern, sei es, daß er die vorgeschriebene kirchliche Kleidung nicht trägt oder nach Belieben verändert — Eigenliebe und der, freilich unbewußte, Wunsch verbergen, auf sich aufmerksam zu machen.

Die Neu-Evangelisierung verlangt vom Priester auch eine neue Bereitschaft, seinen Hirtendienst dort auszuüben, wo es am notwendigsten ist. "Wie das Konzil unterstreicht, ,,rüstet die Geistesgabe, die den Priestern in ihrer Weihe verliehen wurde, sie nicht für irgendeine begrenzte und eingeschränkte Sendung, sondern für die alles umfassende und universale Heils-sendung bis an die Grenzen der Erde, denn jeder priesterliche Dienst hat teil an der weltweiten Sendung, die Christus den Aposteln aufgetragen hat".(l09) Der in einigen Ländern zu verzeichnende Priestermangel, zusammen mit der für die moderne Welt charakteristischen Dynamik, macht es besonders notwendig, auf Priester zählen zu können, die bereit sind, nicht nur einen pastoralen Auftrag, sondern, je nach den verschiedenen Erfordernissen, auch die Stadt, die Region oder das Land zu wechseln und die unbedingt notwendige Sendung zu erfüllen, wobei sie aus Liebe zu Gott die eigenen Neigungen und persönlichen Pläne hintansetzen. "Auf Grund des Wesens ihres Dienstes sollen sie daher von einem tiefen missionarischen Geist und ,,von jener wahrhaft katholischen Geisteshaltung" durchdrungen und beseelt sein, die sie dazu befähigt, ,,über die Grenzen der eigenen Diözese, der Nation oder des Ritus zu blicken und für die Bedürfnisse der ganzen Kirche einzustehen, stets bereit, das Evangelium überall zu verkünden"" .(110) Die richtige Bedeutung der Teilkirche, auch im Hinblick auf die ständige Weiterbildung, darf niemals die Bedeutung der Universalkirche im geringsten verdunkeln, sondern muß harmonisch auf sie abgestimmt werden.

 

 

ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN ÜBER KAPITEL IV

 
 

21. Wie läßt sich gegenüber den Notleidenden durch unsere Gemeinden und in besonderer Weise durch die Priester das Erbarmen Gottes am lebendigsten offenkundig machen? Besteht man ausreichend zum Beispiel auf der geistlichen und leiblichen Übung der Werke der Barmherzigkeit als Weg christlicher Reifung und Evangelisierung?

 

22. Ist die pastorale Liebe in allen ihren Dimensionen wirklich "Seele und Kraft der ständigen Weiterbildung" unserer Priester?

 

23. Werden die Priester wirklich ermuntert, sich mit aufrichtig brüderlichem Geist um alle anderen Mitbrüder, insbesondere um die kranken und alten, zu kümmern? Bestehen Formen gemeinschaftlichen Lebens oder ähnliche Erfahrungen?

 

24. Verstehen und akzeptieren unsere Priester ihre besondere Aufgabe der geistlichen Führung der ihnen anvertrauten Gemeinden? Wie üben sie diese konkret aus?

 

25. Legt man bei der geistlichen Ausbildung der Priester genügend Gewicht auf die missionarische Dimension des priesterlichen Dienstes und auf die universale Dimension der Kirche?

 

 

26. Gibt es Glaubenswahrheiten oder moralische Grundsätze, die in der Verkündigung gewöhnlich übergangen werden, weil sie als schwer annehmbar für die Gläubigen gelten?

 

27. Eine der Aufgaben des Hirtenamtes besteht darin, die Kräfte für den Dienst am Evangelisierungsauftrag zu vereinen. Gibt es Anregungen zu allen Berufungen innerhalb der Kirche unter Beachtung des besonderen Charismas jeder einzelnen?

 
 

NACHWORT

 
 

"Die Neu-Evangelisierung braucht neue Verkünder, und das sind die Priester, die sich verpflichten, ihr Priestertum als besonderen Weg zur Heiligkeit zu leben" .(111) Damit das eintritt, ist es von fundamentaler Wichtigkeit, daß jeder Priester täglich die absolute Notwendigkeit seiner persönlichen Heiligkeit wiederentdeckt. "Zuerst muß man selbst rein sein, erst dann die anderen reinigen; zuerst sich belehren lassen, um dann die anderen belehren zu können; zuerst Licht werden, erst dann leuchten; zuerst zu Gott treten, erst dann andere zu ihm führen; zuerst sich heiligen, erst dann andere heiligen". (112) Diese Verpflichtung nimmt konkrete Gestalt an in der Suche nach einer tiefen Einheit des Lebens, die den Priester dazu anhält, zu versuchen, in allen Lebenssituationen gleichsam wie ein zweiter Christus zu sein und zu leben.

Die Gläubigen der Pfarre bzw. diejenigen, die an den verschiedenen pastoralen Aktivitäten teilnehmen, sehen — beobachten! — und vernehmen — hören! — nicht nur dann, wenn das Wort Gottes verkündet wird, sondern auch, wenn die verschiedenen liturgischen Handlungen, insbesondere die hl. Messe, gefeiert werden; wenn sie im Pfarramt empfangen werden, wo man sie gastfreundlich und liebenswürdig aufnimmt; (113) wenn sie sehen, wie der Priester ißt oder sich ausruht, und durch sein Beispiel der Enthaltsamkeit und Mäßigkeit erbaut werden; wenn sie ihn zu Hause aufsuchen und erfreut sind über die priesterliche Einfachheit und Armut, in der er lebt; (114) wenn sie sehen, daß er richtig, ordentlich und vollständig den Vorschriften gemäß gekleidet ist; wenn sie mit ihm auch über ganz allgemeine Themen sprechen und sich aufgerichtet fühlen durch die Bestätigung seiner übernatürlichen Sicht, seiner Behutsamkeit und seines menschlichen Stils, auf Grund dessen er auch die einfachsten Menschen mit echter, priesterlicher Vornehmheit behandelt. "So breitet sich die Gnade und die Liebe des Altars auf den Ambo, den Beichtstuhl, das Pfarrarchiv, auf die Schule, das Oratorium, auf die Häuser und Straßen, auf die Spitäler, auf die Transportmittel und die sozialen Kommunikationsmittel aus, wo immer der Priester die Möglichkeit hat, seine Hirtenaufgabe zu erfüllen: Es ist auf jeden Fall seine Messe, die sich ausbreitet, es ist seine geistige Verbundenheit mit Christus, sacerdos et hostia, die ihn — wie der hl. Ignatius von Antiochien sagte — ,,Weizenkorn Gottes sein läßt, um zum reinen Brot Christi zu werden" (vgl. Epist. ad Romanos, IV, 1), zum Wohl der Brüder".(115)

Auf diese Weise wird es der Priester des dritten Jahrtausends ermöglichen, daß sich in unseren Tagen aufs neue die Reaktion der Emmausjünger wiederholt, die, nachdem sie dem göttlichen Meister Jesus, der ihnen die Schrift erklärte, zugehört hatten, nicht umhin können, sich erstaunt zu fragen: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloß? (Lk 24,32).

Der Königin und Mutter der Kirche müssen wir Hirten uns anvertrauen, damit wir in gesinnungsmäßiger Einheit mit dem Stellvertreter Christi die Methoden zu entdecken vermögen, um in allen Priestern der Kirche einen aufrichtigen Wunsch nach Erneuerung in ihrer Aufgabe als Lehrer des Wortes, Diener der Sakramente und Leiter der Gemeinde aufbrechen zu lassen. Wir bitten die Königin der Evangelisierung, daß die heutige Kirche die Wege wiederentdecken möge, die das Erbarmen des Vaters in Christus durch den Heiligen Geist von Ewigkeit an bereitet hat, um auch die Menschen unserer Zeit zur Gemeinschaft mit ihm zu führen.

 

Rom, aus dem Gebäude der Kongregationen, am 19. März 1999, dem Fest des hl. Josef, des Patrons der Gesamtkirche.

 

 

DARÍO Kard. CASTRILLÓN HOYOS

Präfekt

 

CSABA TERNYÁK

 

Titular-Erzbischof von Eminenziana

Sekretär

 

 

GEBET ZU MARIA

 
 

MARIA,

Stern der Neu-Evangelisierung,

Du hast von Anfang an die Apostel und ihre Mitarbeiter bei der Verbreitung des Evangeliums aufgerichtet und ermutigt: vermehre zu Beginn des dritten Jahrtausends in den Priestern das Bewußtsein dafür, daß sie als Erste für die Neu-Evangelisierung verantwortlich sind.

 

MARIA,

als Erste evangelisiert und erste Verkünderin,

hast Du mit einzigartigem Glauben, Hoffnung und Liebe auf die Verkündigung des Engels geantwortet: bringe Deine Fürsprache für diejenigen ein, die Deinem Sohn, Christus dem Hohenpriester, gleichgestaltet werden, damit auch sie mit demselben Geist auf den dringenden Aufruf antworten, den der Heilige Vater im Namen Gottes anläßlich des Großen Jubiläums an sie richtet.

 

MARIA,

Lehrmeisterin des gelebten Glaubens,

Du hast das göttliche Wort mit voller Bereitschaft gehört: lehre die

Priester, sich durch das Gebet mit jenem Wort vertraut zu machen und sich voll Demut und Leidenschaft in seinen Dienst zu stellen, so daß es seine ganze Heilskraft im dritten Jahrtausend der Erlösung weiterausübt.

 

MARIA,

Voll der Gnade und Mutter der Gnade,

nimm Dich Deiner Söhne, der Priester, an, die wie Du dazu berufen

sind, Mitwirkende des Heiligen Geistes zu sein, der Jesus im Herzen der Gläubigen wieder zur Welt kommen läßt. Lehre sie am Jahrestag der Geburt Deines Sohnes, getreue Verwalter der Geheimnisse Gottes zu sein: damit sie mit Deiner Hilfe vielen Seelen den Weg der Versöhnung erschließen und die Eucharistie zur Quelle und zum Höhepunkt ihres eigenen und des Lebens der ihnen anvertrauten Gläubigen machen.

 

MARIA,

Stern am Beginn des dritten Jahrtausends,

geleite weiterhin die Priester Jesu Christi, damit sie, dem Beispiel

Deiner Liebe zu Gott und zum Nächsten folgend, echte Hirten seien und die Schritte aller zu Deinem Sohn, dem wahren Licht, das jeden Menschen erleuchtet (vgl. Joh 1,9), hinlenken können. Mögen die Priester und durch sie das ganze Volk Gottes die liebevolle und dringliche Aufforderung hören, die Du an der Schwelle des neuen Jahrtausends der Heilsgeschichte an sie richtest: "Was er euch sagt, das tut!" (Vgl. Job 2,5). "Im Jahr 2000 — so der Stellvertreter Christi

— wird mit neuer Kraft die Verkündigung der Wahrheit wieder erschallen müssen: ,,Ecce natus est nobis Salvator mundi"" (Tertio millennio adveniente, Nr. 38).

 
 

Anmerkungen

 
 

(1) JOHANNES PAUL II., Apostol. Schreiben Tertio millennio adveniente, 10. November 1994: AAS 87 (1995) 5-41; Nr. 38.

(2) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptoris missio, 7. Dezember 1990: AAS 8 (1991) 249-340; Nr. 33.

(3) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 1994, Nr. 7.

(4) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, 25. März 1992, Nr. 18: AAS 84 (1992) 685.

(5) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptoris missio, Nr. 1.

(6) "Der christliche Glaube läuft nicht selten Gefahr, als eine Religion unter vielen betrachtet und auf eine bloße Sozialethik im Dienst des Menschen verkürzt zu werden. So wird seine umwälzende Neuartigkeir in der Geschichte nicht immer sichtbar: Er ist ,,Geheimnis", er ist das Heilsgeschehen vorn Sohn Gottes, der Mensch wird und allen, die ihn aufnehmen, ,,Macht gibt, Kinder Gottes zu werden" (Job 1,12)" (JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 46).

(7) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 2; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 13; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 1, 3, 6; Interdikasterielle instruktion Ecclesiae de mysterio über einige Fragen betreffend die Mitarbeit gläubiger Laien am Dienst der Priester, Vorwort.

(8) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptoris missio, Nr. 63.

(9) Ebd., Nr. 67.

(10) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Einleitung. Vgl. JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 2 u. 14.

(11) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Eides et ratio, 14. September 1998, Nr. 62.

(12) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 171.

(13) II. VAT. KONZIL, Dogmar. Konstitution Lumen getium, Nr. 30.

(14) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dogmat. Konstitution Lumen gentium, Nr. 48b.

(15) Vgl. JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 21.

(16) Vgl. II. VAT. KONZIL, DEKRET Presbyterorum ordinis, Nr. 12; JOHANNES PAUL II.,

Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 25.

(17) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 43.

(18) HL. GREGOR DER GROSSE, Liber regulae pastoralis, II, 1.

(19) JOHANNES PAUL II., Ansprache an das VI. Symposion der europäischen Bischöfe, 11. Oktober 1985, Nr. 13: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, VIII, 2 (1985), 918-919.

(20) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 12.

(21) JOHANNES PAUL II., Ansprache zur Eröffnung der IV. Vollversammlung des CELAM, 12. Dezember 1992, Nr. 24: AAS 85 (1993) 826; vgl. Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconcdiatio et paenitentia, 2. Dezember 1984, Nr. 13: AAS 77 (1985) 208-211.

(22) PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 47.

(23) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dogmat. Konst. Lumen gentium, Nr. 28.

(24) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 4; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Aposol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 26.

(25) Vgl. II. VAT. Konzil Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 5, 13, 14; JOHANNES PAUL II.,

Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 23, 26, 48; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 48.

(26) VAT. KONZIL, Dekret Unitatis redintegratio, Nr. 4.

(27) Ebd., Nr. 11.

(28) Vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprache an die Bischöfe des CELAM, 9. März 1983: Insegnamenti, VI, 1 (1983), 698; Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 18.

(29) II. VAT. KONZIL, Dogmat. Konst. Dei Verbum, Nr. 2.

(30) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 4.

(31) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1550.

(32) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 26.

(33) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 45.

(34) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 4.

(35) HL. AUGUSTINUS, De doctrina christiana, 4,15,32: PL 34,100.

(36) Vgl. PAUL VI., Apostol. Konstitution Laudis canticum, 1.11.1970, Nr. 8.

(37) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 45.

(38) II. VAT. KONZIL, Pastoraikonstitution Gaudium et spes, Nr. 22.

(39) Ebd.

(40) Vgl. Interdikasterielle instruktion Ecclesiae de mysterio über einige Fragen zur Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester, 15. August 1997, Artikel 3.

(41) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 19.

(42) Vgl. ebd.; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis Nr. 70 ff.; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 69 ff.

(43) Vgl. JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 26 u. 47; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 46.

(44) KONGREGATION FÜR DAS KATHOLISCHE ERZIEHUNGSWESEN, Instruktion über das Studium der Kirchenväter in der Priesterausbildung, Vatikanstadt 1989.

(45) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Fides et ratio, 14. September 1998 Nr. 2.

(46) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 46.

(47) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 738.

(48) II. VAT. KONZIL, Konstitution Sacrosanctum Concilium‘ Nr. 2.

(49) II. VAT. KONZIL, Dogm. Konstitution Lumen Gentium, Nr. 45.

(50) II. VAT. KONZIL, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, Nr. 45.

(51) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 7b-c.

(52) JOHANNES PAUL II., Generalaudienz vom 5. Mai 1993: Insegnamenti XVI, 1 (1993)1061.

(53) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 12c.

(54) Vgl. ebd., Nr. 5.

(55) JOHANNES PAUL II., Generalaudienz vom 12. Mai 1993: lnsegnamenti XVI, 1 (1993)1197.

(56) II. VAT. KONZIL, Konstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 2.

(57) JOHANNES PAUL II., Schreiben an die Priester zum Gründonnerstag 1997, Nr. 5.

(58) Vgl. II. VAT. KONZIL, Konstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 2 n. 10.

(59) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 6.

(60) Ebd., Nr. 5.

(61) Ebd.

(62) Vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprachen an die Priester und Diakone, 5. 40.

(63) Vgl. JOHANNES PAUL II., Apostol. Schreiben Dies Domini, 31. Mai 1998, Nr. 46.

(64) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 49.

(65) JOHANNES PAUL II., Ansprachen an die Priester und Diakone, 5. 40.

(66) Vgl. ebd.; II. VAT. KONZIL, Dogmat. Konstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 112, 114, 116, 120, 122-124, 128.

(67) Vgl. Pius XII., Rundfunkbotschaft an den Nationalen Katechetischen Kongreß der Vereinigten Staaten, 26. Oktober 1946: Discorsi e Radiomessaggi VIII (1946) 288; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconciliatio et paenitentia, Nr. 18.

(68) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 13.

(69) Vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprachen an Priester und Diakone, 5. 108.

(70) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 13.

(71) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 54. Vgl. JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconciliatio et paenitentia, Nr. 31.

(72) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 32.

(73) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 13; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 53.

(74) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 13; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 53.

(75) Vgl. PÄPSTL. RAT FÜR DIE INTERPRETATION DER GESETZESTEXTE, Erklärung zu C.LC. can. 964 § 2, 16. Juni 1998 (vom Iii. Vater approbiert am 7. Juli 1998), in: Communicationes, 30 (1998).

(76) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 18; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 26, 48; Ansprachen an die Priester und Diakone, 5. 50; Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconciliatio et paenitenia, Nr. 31; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 53.

(77) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconciliatio et paenitentia, Nr. 31, VI.

(78) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 17.

(79) Was das betrifft, so wird eine solide Vorbereitung bezüglich jener Themen verlangt, die am häufigsten vorkommen. Als sehr hilfreich erweist sich dafür das Vademecum für Beichtväter zu einigen das Eheleben betreffenden Moralthemen (PÄPSTLICHER RAT FUR DIE FAMILIEN, 12. Februar 1997).

(80) Ebd.

(81) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, 30. November 1980, Nr. 13c: AAS 72 (1980) 1183.

(82) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 3.

(83) Vgl. JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 13.

(84) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 8.

(85) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 48.

(86) Vgl. JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 8.

(87) Vgl. Jean-Marie Vianney , curé d‘Ars: sa pensée, son coeur, présentés par Bernard Nodet, Le Puy 1960, 5. 100.

(88) HL. AUGUSTINUS, In Johannis evangelium tractatus, 123,5: CCL 36, 678.

(89) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 875.

(90) JOHANNES PAUL II., Schreiben an die Priester zum Gründonnerstag 1997, Nr. 4.

(91) Vgl. HL. THOMAS VON AQUIN, Summa Theol. III, q. 83, a. 1, ad 3.

(92) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 22.

(93) Ebd., Nr. 29.

(94) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 6.

(95) II. VAT. KONZIL, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, Nr. 28.

(96) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1550.

(97) JOHANNES PAUL II., Ansprache bei Generalaudienz vom 19. Mai 1993: Insegnamenti XVI, 1 (1993) 1254.

(98) Ebd., 1255-56.

(99) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 6.

(100) Vgl. ebd., Nr. 6.

(101) Ebd., Nr. 6.

(102) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 17.

(103) HL. AUGUSTINUS, Ep. 134,1: CSEL 44, 85.

(104) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr.19; vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprache an das Symposium über die "Teilnahme der Laien am priesterlichen Dienst" (22. April 1994), Nr. 4: "Sacrum Ministerium" 1 (1995) 64; vgl. Interdikasterielle instruktion Ecclesiae de mysterio über einige Fragen zur Mitarbeit gläubiger Laien am priesterlichen Dienst, 15. August 1997, Einleitung.

(105) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 66.

(106) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2442; C.I.C., can. 227; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 33.

(107) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dogmatische Konstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 22; CI. C., can. 846; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 49 und 64.

(108) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 26; Ansprachen an die Priester und Diakone, Libreria Editrice Vaticana 1995, S. 27; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 45.

(109) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 18; vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 10.

(110) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 18; vgl. II. VAT. KONZIL., Dekret Optatam totius, Nr. 20.

(111) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 82.

(112) HL. GREGOR VON NAZIANZ, Orationes, 2,71: PG 35, 480.

(113) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 82.

(114) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 17; GIG., can. 282; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 30; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 67.

(115) JOHANNES PAUL II., Ansprachen an die Priester und Diakone, S. 72.

 
(Quelle: http://www.clerus.org/clerus/dati/1999-11/19-5/Priester.rtf.html)

Evangelisierung

KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

LEHRMÄßIGE NOTE
 ZU EINIGEN ASPEKTEN DER EVANGELISIERUNG

 

I. Einführung

1. Vom Vater gesandt, das Evangelium zu verkünden, ruft Jesus Christus alle Menschen zur Bekehrung und zum Glauben (vgl. Mk 1,14-15), indem er den Aposteln nach seiner Auferstehung die Fortführung seiner Sendung zur Evangelisierung anvertraut (vgl. Mt 28,19-20; Mk 16,15; Lk 24,4-7; Apg 1,3): „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21; vgl. 17,18). Durch die Kirche möchte er jede Epoche der Geschichte, jeden Ort der Welt und jedes gesellschaftliche Umfeld erreichen und zu jedem Menschen kommen, damit alle eine Herde und ein Hirte werden (vgl. Joh 10,16): „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden” (Mk 16,15-16).

Die Apostel also „luden, bewegt vom Heiligen Geist, alle zur Änderung des Lebens, zur Bekehrung und zum Empfang der Taufe ein”,[1] weil die “pilgernde Kirche zum Heil notwendig” ist.[2] Der Herr Jesus Christus selbst, der in seiner Kirche gegenwärtig ist, geht dem Werk der Verkünder des Evangeliums voraus, begleitet es und folgt ihm, und lässt so ihre Arbeit fruchtbar werden: Was sich am Anfang ereignet hat, setzt sich durch die ganze Geschichte hindurch fort.

Am Beginn des dritten Jahrtausends erklingt in der Welt erneut die Einladung, die Petrus – zusammen mit seinem Bruder Andreas und den ersten Jüngern – von Jesus hörte: „Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!” (Lk 5,4).[3] Und nach dem Wunder vom reichen Fischfang verkündete der Herr dem Petrus, dass er „Menschenfischer“ werden sollte (vgl. Lk 5,10).

2. Das Wort Evangelisierung hat eine überaus reichhaltige Bedeutung.[4] In einem weiteren Sinn fasst es die gesamte Sendung der Kirche zusammen: Ihr ganzes Leben besteht ja in der Verwirklichung der traditio Evangelii, der Verkündigung und Weitergabe des Evangeliums, das „eine Kraft Gottes [ist], die jeden rettet, der glaubt“ (Röm 1,16), und letztlich mit Jesus Christus identisch ist (vgl. 1 Kor 1,24). Deshalb richtet sich die so verstandene Evangelisierung an die ganze Menschheit. Evangelisieren bedeutet in jedem Fall nicht nur eine Lehre unterrichten, sondern den Herrn Jesus in Wort und Tat verkünden, also Werkzeug seiner Gegenwart und Wirksamkeit in der Welt werden.

„Jeder Mensch hat das Recht, von der Frohbotschaft Gottes zu hören, der sich in Christus offenbart und schenkt; so erst kann der Mensch seine eigene Berufung voll verwirklichen“.[5] Es handelt sich dabei um ein Recht, das der Herr jeder menschlichen Person verliehen hat. Deshalb kann jeder Mann und jede Frau wahrhaft mit dem heiligen Paulus sagen: Jesus Christus hat „mich geliebt und sich für mich hingegeben“ (Gal 2,20). Diesem Recht entspricht die Pflicht zur Evangelisierung: „Wenn ich nämlich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ (1 Kor 9,16; vgl. Röm 10,14). So wird deutlich, wie jedes Tun der Kirche eine grundlegende evangelisierende Dimension hat und nie von dem Bemühen getrennt werden darf, allen zu helfen, Christus im Glauben zu begegnen, denn darin besteht das Hauptziel der Evangelisierung: „Das Soziale und das Evangelium sind einfach nicht zu trennen. Wo wir den Menschen nur Kenntnisse bringen, Fertigkeiten, technisches Können und Gerät, bringen wir zu wenig“.[6]

3. Heute herrscht jedoch eine wachsende Verwirrung, die viele dazu verleitet, den Missionsauftrag des Herrn (vgl. Mt 28,19) ungehört und unwirksam zu lassen. Oft meint man, dass jeder Versuch, andere in religiösen Fragen zu überzeugen, die Freiheit einschränke. Es wäre nur erlaubt, die eigenen Ansichten darzulegen und die Menschen einzuladen, nach ihrem Gewissen zu handeln, ohne ihre Bekehrung zu Christus und zum katholischen Glauben zu fördern: Man sagt, es genüge, den Menschen zu helfen, bessere Menschen oder der eigenen Religion treuer zu sein; es genüge, Gemeinschaften zu bauen, die fähig sind, für Gerechtigkeit, Freiheit, Frieden und Solidarität zu arbeiten. Darüber hinaus behaupten einige, dass man Christus denen, die ihn nicht kennen, nicht verkünden und deren Zugehörigkeit zur Kirche nicht fördern sollte, weil es möglich sei, auch ohne ausdrückliche Kenntnis Christi und ohne formale Eingliederung in die Kirche gerettet zu werden.

Angesichts dieser Problemstellungen hat es die Kongregation für die Glaubenslehre für notwendig gehalten, die vorliegende Note zu veröffentlichen. Das Dokument setzt die gesamte katholische Lehre über die Evangelisierung voraus, die im Lehramt von Paul VI. und Johannes Paul II. ausführlich behandelt worden ist, und hat zum Ziel, einige Aspekte in der Beziehung zwischen dem Missionsauftrag des Herrn und der Achtung des Gewissens und der Religionsfreiheit aller Menschen zu klären. Es handelt sich dabei um Aspekte mit wichtigen anthropologischen, ekklesiologischen und ökumenischen Implikationen.

II. Einige anthropologische Implikationen

4. „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast“ (Joh 17,3): Gott hat dem Menschen den Verstand und den Willen geschenkt, damit er ihn in Freiheit suchen, erkennen und lieben könne. Daher ist die menschliche Freiheit eine Gabe und eine Herausforderung, die der Schöpfer dem Menschen angeboten hat. Diese Gabe richtet sich an seine Fähigkeit, das zu erkennen und zu lieben, was gut und wahr ist. Nichts bringt die menschliche Freiheit so sehr ins Spiel wie die Suche nach dem Guten und nach der Wahrheit, die eine Zustimmung fordert, welche die grundlegenden Aspekte des Lebens mit einbezieht. Dies betrifft zumal die Frage nach der Heilswahrheit, die nicht nur Gegenstand des Denkens ist, sondern ein Ereignis, das die ganze Person – Verstand, Willen, Gefühle, Tätigkeiten und Pläne – betrifft, wenn sie sich Christus hingibt. In dieser Suche nach dem Guten und nach der Wahrheit wirkt schon der Heilige Geist, der die Herzen für die Annahme der Wahrheit des Evangeliums öffnet und bereitet, gemäß dem bekannten Wort des heiligen Thomas von Aquin: „Omne verum a quocumque dicatur a Spiritu Sancto est“.[7] Es ist daher wichtig, dieses Tun des Geistes hochzuschätzen, der Verbindungen zur Wahrheit herstellt, die Herzen ihr näher bringt und der menschlichen Erkenntnis hilft, in der Weisheit zu reifen und sich vertrauensvoll der Wahrheit anzuvertrauen.[8]

Heute werden aber immer häufiger Fragen gestellt, ob es wirklich recht ist, anderen das anzubieten, was man selbst für wahr hält, damit sie es ihrerseits annehmen können. Ein solches Vorgehen wird oft als Angriff auf die Freiheit des anderen betrachtet. Diese Auffassung von der menschlichen Freiheit, die von ihrer untrennbaren Beziehung zur Wahrheit losgelöst wird, stellt einen Ausdruck „jenes Relativismus dar, der nichts als definitiv anerkennt und als letzten Maßstab nur das eigene Ich mit seinen Gelüsten gelten lässt und unter dem Anschein der Freiheit für jeden zu einem Gefängnis wird“.[9] In den verschiedenen Formen des Agnostizismus und des Relativismus, die im zeitgenössischen Denken verbreitet sind, ist „die legitime Pluralität von Denkpositionen... einem indifferenten Pluralismus gewichen, der auf der Annahme fußt, alle Denkpositionen seien gleichwertig: Das ist eines der verbreitetsten Symptome für das Misstrauen gegenüber der Wahrheit, das man in der heutigen Welt feststellen kann. Auch manche aus dem Orient stammende Lebensanschauungen entgehen nicht diesem Vorbehalt. In ihnen wird nämlich der Wahrheit ihr Exklusivcharakter abgesprochen. Dabei geht man von der Annahme aus, dass die Wahrheit in verschiedenen, ja sogar einander widersprechenden Lehren gleichermaßen in Erscheinung trete“.[10] Wenn der Mensch seine grundsätzliche Wahrheitsfähigkeit leugnet, wenn er skeptisch wird gegenüber seinem Vermögen, das Wahre wirklich zu erkennen, wird er am Ende gerade das verlieren, was auf einzigartige Weise seinen Verstand ergreifen und sein Herz faszinieren kann.

5. Wer in diesem Zusammenhang meint, sich bei der Suche nach der Wahrheit allein auf die eigenen Kräfte zu verlassen, ohne anzuerkennen, dass jeder dabei die Hilfe anderer nötig hat, betrügt sich selbst. Der Mensch, „findet sich... von Geburt an in verschiedene Traditionen eingebunden, von denen er nicht nur die Sprache und die kulturelle Bildung, sondern auch vielfältige Wahrheiten empfängt, denen er gleichsam instinktiv glaubt... Im Leben eines Menschen sind die einfachhin geglaubten Wahrheiten viel zahlreicher als jene, die er durch persönliche Überprüfung erwirbt“.[11] Die Notwendigkeit, sich Erkenntnissen anzuvertrauen, die von der eigenen Kultur überliefert oder von anderen übernommen wurden, bereichert den Menschen sowohl mit Wahrheiten, die er allein nicht hätte erreichen können, als auch mit jenen zwischenmenschlichen und sozialen Beziehungen, die er dabei knüpft. Der geistige Individualismus dagegen isoliert die Person, hindert sie daran, sich vertrauensvoll anderen zu öffnen – und so jene Güter großzügig zu empfangen und weiterzuschenken, die seine Freiheit nähren – und gefährdet auch das Recht, die eigenen Überzeugungen und Meinungen in der Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen.[12]

Insbesondere die Wahrheit, die den Sinn des Lebens zu erhellen und das Leben zu orientieren vermag, wird auch dadurch erreicht, dass sich der Mensch vertrauensvoll jenen Personen überantwortet, welche die Sicherheit und Authentizität der Wahrheit selbst garantieren können: „Die Fähigkeit und Entscheidung, sich selbst und sein Leben einem anderen Menschen anzuvertrauen, stellen gewiss einen der anthropologisch gewichtigsten und ausdrucksstärksten Akte dar“.[13] Die Annahme der Offenbarung, die sich im Glauben vollzieht, gehört in die Dynamik der Wahrheitssuche hinein, auch wenn sie sich auf einer tieferen Ebene ereignet: „Dem offenbarenden Gott ist der ‚Gehorsam des Glaubens’ (Röm 16,26; vgl. Röm 1,5; 2 Kor 10,5-6) zu leisten. Darin überantwortet sich der Mensch Gott als Ganzer in Freiheit, indem er sich dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft und seiner Offenbarung willig zustimmt“.[14] Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Pflicht und das Recht jedes Menschen bekräftigt, die Wahrheit im Bereich der Religion zu suchen, und dann hinzugefügt: „Die Wahrheit muss aber auf eine Weise gesucht werden, die der Würde der menschlichen Person und ihrer Sozialnatur eigen ist, das heißt auf dem Weg der freien Forschung, mit Hilfe des Lehramtes oder der Unterweisung, des Gedankenaustauschs und des Dialogs, wodurch die Menschen einander die Wahrheit, die sie gefunden haben oder gefunden zu haben glauben, mitteilen“.[15] In jedem Fall „erhebt die Wahrheit nicht Anspruch als kraft der Wahrheit selbst“.[16] Den Verstand und die Freiheit einer Person ehrlich zur Begegnung mit Christus und seinem Evangelium aufzufordern, ist daher ihr gegenüber keine ungebührende Einmischung, sondern ein rechtmäßiges Angebot und ein Dienst, der die Beziehungen zwischen den Menschen fruchtbarer machen kann.

6. Die Evangelisierung kann überdies nicht nur jene bereichern, an die sie sich richtet, sondern auch ihre Träger sowie die ganze Kirche. So wird etwa im Prozess der Inkulturation „die Gesamtkirche selbst in ihren verschiedenen Lebensbereichen an Ausdrucksformen und Werten bereichert... Sie lernt das Mysterium Christi tiefer kennen und auszudrücken und wird zu ständiger Erneuerung angeregt“.[17] Die Kirche, die seit dem Pfingsttag die Universalität ihrer Sendung kundtut, nimmt nämlich in Christus die unzähligen Reichtümer der Menschen aller Zeiten und Orte der menschlichen Geschichte auf.[18] Abgesehen von ihrem inneren anthropologischen Wert, kann jede Begegnung mit einer Person oder einer konkreten Kultur Schätze des Evangeliums aufdecken, die bisher wenig sichtbar gewesen sind und das konkrete Leben der Christen und der Kirche bereichern. Auch dank dieser Dynamik kennt die „apostolische Überlieferung... in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt“.[19]

Der Heilige Geist, der im Schoß der Jungfrau Maria die Menschwerdung Jesu Christi gewirkt hat, belebt das mütterliche Handeln der Kirche in der Evangelisierung der Kulturen. Auch wenn das Evangelium von allen Kulturen unabhängig ist, vermag es doch alle zu durchdringen, freilich ohne sich ihnen zu unterwerfen.[20] In diesem Sinn ist der Heilige Geist auch der Protagonist der Inkulturation des Evangeliums. Er leitet in fruchtbarer Weise den Dialog zwischen dem in Christus offenbarten Wort Gottes und den tiefsten Fragen, die aus den vielen Menschen und Kulturen aufsteigen. So setzt sich in der Geschichte – in der Einheit ein und desselben Glaubens – das Pfingstereignis fort, das durch die verschiedenen Sprachen und Kulturen bereichert wird.

7. Wenn der Mensch religiös bedeutsame Ereignisse und Wahrheiten anderen mitteilt und ihnen hilft, diese anzunehmen, steht dieses Tun nicht nur ganz im Einklang mit dem Wesen eines humanen Dialog-, Verkündigungs- und Lernprozesses, sondern entspricht auch einer anderen wichtigen anthropologischen Gegebenheit: Dem Menschen ist die Sehnsucht eigen, die anderen an den eigenen Gütern teilhaben zu lassen. Die gläubige Annahme der Frohbotschaft drängt von sich aus dazu, sie anderen mitzuteilen. Die Wahrheit, die das Leben rettet, entflammt das Herz dessen, der sie annimmt, mit einer Liebe zum Nächsten, die seine Freiheit bewegt, das weiterzuschenken, was er selbst umsonst empfangen hat.

Auch wenn die Nichtchristen durch die Gnade, die Gott schenkt „auf Wegen, die er weiߓ,[21] gerettet werden können, kann die Kirche doch nicht unbeachtet lassen, dass ihnen in dieser Welt ein überaus hohes Gut fehlt: die Erkenntnis des wahren Antlitzes Gottes und die Freundschaft mit Jesus Christus, dem Gott-mit-uns. Denn „es gibt nichts Schöneres, als vom Evangelium, von Christus gefunden zu werden. Es gibt nichts Schöneres, als ihn zu kennen und anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken“.[22] Für jeden Menschen ist die Offenbarung der grundlegenden Wahrheiten[23] über Gott, über sich selbst und über die Welt ein hohes Gut; in der Dunkelheit, ohne die Wahrheit über die letzten Fragen zu leben, ist hingegen ein Übel, das oft Leiden und manchmal dramatische Formen der Sklaverei verursacht. Darum schreckt der heilige Paulus nicht davor zurück, die Bekehrung zum christlichen Glauben zu beschreiben als Befreiung von „der Macht der Finsternis“ und Aufnahme „in das Reich seines geliebten Sohnes. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden” (Kol 1,13-14). Die volle Zustimmung zu Christus, der die Wahrheit ist, und der Eintritt in seine Kirche vermindern deshalb nicht die menschliche Freiheit, sondern erhöhen sie und bringen sie zu ihrer Vollendung in einer Liebe, die umsonst und voll Sorge um das Wohl aller Menschen ist. Es ist ein unschätzbares Geschenk, in der universalen Verbundenheit der Freunde Gottes zu leben, die aus der Gemeinschaft mit dem lebensspendenden Fleisch seines Sohnes hervorgeht, von ihm die Gewissheit der Vergebung der Sünden zu empfangen und in der Liebe zu leben, die aus dem Glauben hervorgeht. An diesen Gütern will die Kirche alle teilhaben lassen, damit sie so die Fülle der Wahrheit und der Mittel des Heils besitzen und „befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes” (Röm 8,21).

8. Die Evangelisierung beinhaltet auch den ehrlichen Dialog, der die Argumente und Empfindungen des anderen zu verstehen sucht. Denn zum Herz des Menschen gelangt man nicht ohne unentgeltlichen Einsatz, Liebe und Dialog. Das verkündete Wort soll also nicht nur ausgesprochen, sondern im Herzen seiner Empfänger auch angemessen bezeugt werden. Das erfordert, auf die Hoffnungen und Leiden sowie auf die konkreten Situationen derer zu achten, an die man sich wendet. Darüber hinaus öffnen die Menschen guten Willens gerade im Dialog ihr Herz bereitwilliger und teilen ehrlich ihre geistlichen und religiösen Erfahrungen mit. Ein solcher Austausch, der für echte Freundschaft kennzeichnend ist, bietet eine wertvolle Gelegenheit für das Zeugnis und für die christliche Verkündigung.

Wie in jeden Bereich menschlicher Tätigkeit, kann sich auch in den Dialog über religiöse Fragen die Sünde einschleichen. Es kann gelegentlich vorkommen, dass dieser Dialog nicht von seinem eigentlichen Ziel bestimmt ist, sondern dem Betrug, egoistischen Interessen oder der Anmaßung unterliegt und so den Respekt vor der Würde und der religiösen Freiheit der Gesprächspartner schuldig bleibt. Daher verbietet die Kirche „streng, dass jemand zur Annahme des Glaubens gezwungen oder durch ungehörige Mittel beeinflusst oder angelockt werde, wie sie umgekehrt auch mit Nachdruck für das Recht eintritt, dass niemand durch üble Druckmittel vom Glauben abgehalten werde“.[24]

Der ursprüngliche Beweggrund der Evangelisierung ist die Liebe Christi, der das ewige Heil der Menschen will. Die wahren Verkünder des Evangeliums möchten lediglich das umsonst weiterschenken, was sie selbst umsonst empfangen haben. „Schon in den Anfängen der Kirche haben sich die Jünger Christi abgemüht, die Menschen zum Bekenntnis zu Christus dem Herrn zu bekehren, nicht durch Zwang und durch Kunstgriffe, die des Evangeliums nicht würdig sind, sondern vor allem in der Kraft des Wortes Gottes“.[25] Die Sendung der Apostel – und ihre Fortführung in der Sendung der alten Kirche – bleibt für alle Zeiten das grundlegende Modell der Evangelisierung: Diese Sendung ist oft vom Martyrium gekennzeichnet, wie auch die Geschichte des eben vergangenen Jahrhunderts zeigt. Gerade das Martyrium verleiht den Zeugen Glaubwürdigkeit, weil sie nicht Macht oder Gewinn suchen, sondern das eigene Leben für Christus hingeben. Sie zeigen der Welt jene gewaltlose Kraft, die voll Liebe zu den Menschen ist und jenen geschenkt wird, die Christus bis zur Ganzhingabe ihres Lebens nachfolgen. So haben die Christen seit den Anfängen des Christentums bis in unsere Tage um des Evangeliums willen Verfolgungen erlitten, wie Jesus selbst es vorhergesagt hatte: „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15,20).

III. Einige ekklesiologische Implikationen

9. Seit dem Pfingsttag wird jeder, der den Glauben ganz annimmt, in die Gemeinschaft der Glaubenden aufgenommen: „Die nun, die sein [Petri] Wort annahmen, ließen sich taufen. An diesem Tag wurden ihrer Gemeinschaft etwa dreitausend Menschen hinzugefügt“ (Apg 2,41). Von Anfang an wurde das Evangelium in der Kraft des Geistes allen Menschen verkündet, damit sie glauben und Jünger Christi sowie Glieder seiner Kirche werden. Auch die patristische Literatur enthält fortwährend Aufforderungen, die Sendung zu erfüllen, die Christus seinen Jüngern anvertraut hat.[26] Allgemein wird der Ausdruck „Bekehrung“ verwendet, um auf die Notwendigkeit hinzuweisen, die Heiden zur Kirche zu bringen. Doch in seiner eigentlich christlichen Bedeutung meint „Bekehrung“ (metanoia) eine Änderung des Denkens und des Handelns, die das neue, vom Glauben verkündete Leben in Christus zum Ausdruck bringt: Es geht dabei um eine fortwährende Erneuerung im Denken und im Tun, um immer mehr mit Christus eins zu werden (vgl. Gal 2,20), wozu in erster Linie die Getauften berufen sind. Das ist zumal die Bedeutung der Einladung, die Jesus ausgesprochen hat: „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15, vgl. Mt 4,17).

Der christliche Geist wurde immer von der Leidenschaft beseelt, die ganze Menschheit zu Christus in die Kirche zu führen. Neue Glieder in die Kirche einfügen, heißt nämlich nicht, eine Machtgruppe vergrößern, sondern Menschen eintreten lassen in das Netz der Freundschaft mit Christus, das Himmel und Erde sowie verschiedene Kontinente und Epochen miteinander verbindet. Es heißt, das Geschenk der Gemeinschaft mit Christus annehmen: das „neue Leben“, das beseelt ist von der Liebe und vom Einsatz für die Gerechtigkeit. Die Kirche ist Werkzeug – „Keim und Anfang“[27] – des Reiches Gottes, nicht eine politische Utopie. Sie ist schon Gegenwart Gottes in der Geschichte und trägt zugleich die wahre Zukunft in sich, jede endgültige Zukunft, in der er „alles in allem“ sein wird (1 Kor 15,28). Diese Gegenwart ist notwendig, weil nur Gott der Welt wirklich Frieden und Gerechtigkeit bringen kann. Das Reich Gottes ist nicht – wie heute einige behaupten – eine unbestimmte Wirklichkeit, die über allen religiösen Erfahrungen und Traditionen steht und nach der die Religionen streben sollten wie nach einer allumfassenden, unterschiedslosen Gemeinschaft all derer, die Gott suchen. Das Reich Gottes ist vor allem eine Person, die das Antlitz und den Namen Jesu von Nazaret hat, der Abbild des unsichtbaren Gottes ist.[28] Daher kann jede freie Bewegung des menschlichen Herzens zu Gott und seinem Reich ihrer Natur nach nur zu Christus führen und auf den Eintritt in seine Kirche ausgerichtet sein, die wirksames Zeichen jenes Reiches ist. Die Kirche ist also Werkzeug der Gegenwart Gottes und deshalb auch Werkzeug einer wahren Humanisierung des Menschen und der Welt. Die Ausbreitung der Kirche in der Geschichte, die das Ziel der Mission darstellt, dient der Gegenwart Gottes durch sein Reich: Denn man kann „das Reich nicht von der Kirche loslösen“.[29]

10. Die missionarische Verkündigung der Kirche wird heute jedoch „durch relativistische Theorien gefährdet, die den religiösen Pluralismus nicht nur de facto, sondern auch de iure (oder prinzipiell) rechtfertigen wollen“.[30] Seit geraumer Zeit ist eine Situation entstanden, in der vielen Gläubigen das eigentliche Ziel der Evangelisierung nicht klar ist.[31] Es wird sogar behauptet, dass der Anspruch, die Fülle der Offenbarung Gottes als Geschenk empfangen zu haben, eine Haltung der Intoleranz und eine Gefahr für den Frieden in sich berge.

Wer so denkt, verkennt, dass die Fülle der Wahrheit, die Gott schenkt, indem er sich dem Menschen offenbart, die Freiheit respektiert, die von demselben Gott als unzerstörbares Merkmal der menschlichen Natur geschaffen ist: Diese Freiheit ist nicht Indifferenz, sondern Ausrichtung auf das Gute. Der katholische Glaube selbst und die Liebe Christi fordern einen solchen Respekt, der für die Evangelisierung grundlegend ist und darum ein Gut darstellt, dessen Förderung nicht getrennt werden kann vom Einsatz dafür, die Fülle des Heiles, die Gott dem Menschen in der Kirche anbietet, bekannt zu machen und frei annehmen zu helfen.

Der Respekt vor der religiösen Freiheit[32] und ihre Förderung „dürfen uns aber keineswegs gegenüber der Wahrheit und dem Guten gleichgültig machen. Vielmehr drängt die Liebe selbst die Jünger Christi, allen Menschen die Heilswahrheit zu verkünden“.[33] Diese Liebe ist das kostbare Siegel des Heiligen Geistes, der als Protagonist der Evangelisierung[34] nicht aufhört, die Herzen zur Verkündigung des Evangeliums zu bewegen und für seine Annahme zu öffnen. Diese Liebe lebt im Herzen der Kirche und strahlt von dort als Feuer der Hingabe bis an die Grenzen der Erde, bis in das Herz jedes Menschen. Denn das ganze Herz des Menschen wartet auf die Begegnung mit Jesus Christus.

So versteht man, wie dringend die Einladung Christi ist, das Evangelium zu verkünden, und wie die Sendung, die der Herr den Aposteln anvertraut hat, alle Getauften angeht: „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Mt 28,19-20). Diese Worte Jesu betreffen alle in der Kirche, jeden gemäß seiner eigenen Berufung. In der gegenwärtigen Stunde, in der so viele Menschen in vielerlei Arten von Wüsten leben, vor allem in der „Wüste des Gottesdunkels, der Entleerung der Seelen, die nicht mehr um die Würde und um den Weg des Menschen wissen“,[35] hat Papst Benedikt XVI. der Welt in Erinnerung gerufen: „Die Kirche als Ganze und die Hirten in ihr müssen wie Christus sich auf den Weg machen, um die Menschen aus der Wüste herauszuführen zu den Orten des Lebens – zur Freundschaft mit dem Sohn Gottes, der uns Leben schenkt, Leben in Fülle“.[36] Dieser apostolische Einsatz ist eine Pflicht und auch ein unveräußerliches Recht, eben ein Ausdruck der religiösen Freiheit, die ihre entsprechenden ethisch-sozialen und ethisch-politischen Dimensionen hat.[37] Dieses Recht wird leider in einigen Teilen der Welt noch nicht gesetzlich anerkannt und in anderen nicht wirklich respektiert.[38]

11. Wer das Evangelium verkündet, hat Anteil an der Liebe Christi, der uns geliebt und sich für uns hingegeben hat (vgl. Eph 5,2). Er ist sein Gesandter und bittet im Namen Christi: „Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2 Kor 5,20). Diese Liebe ist Ausdruck jener Dankbarkeit, die aus dem menschlichen Herzen kommt, wenn es sich der von Jesus Christus geschenkten Liebe öffnet, jener Liebe, „die im Weltall sich entfaltet“.[39] Dies erklärt den Eifer, das Vertrauen und die Freimütigkeit (parrhesia), die sich in der Predigt der Apostel zeigten (vgl. Apg 4,31; 9,27-28; 26,26; usw.) und die König Agrippa spürte, als er Paulus zuhörte: „Fast überredest du mich dazu, mich als Christ auszugeben“ (Apg 26,28).

Die Evangelisierung geschieht nicht nur durch die öffentliche Predigt des Evangeliums und nicht bloß in Tätigkeiten von öffentlicher Bedeutung, sondern auch durch das persönliche Zeugnis, das immer ein Weg mit hoher missionarischer Wirksamkeit ist. „Darum bleibt neben dieser Verkündigung des Evangeliums in umfassendster Weise die andere Form seiner Vermittlung, nämlich von Person zu Person, weiterhin gültig und bedeutsam... Die Dringlichkeit, die Frohbotschaft den vielen zu verkünden, darf nicht jene Form des Mitteilens übersehen lassen, in welcher das ganz persönliche Innere des Menschen angesprochen wird, berührt von einem ganz besonderen Wort, das er von einem anderen empfängt“.[40]

In jedem Fall ist daran zu erinnern, dass bei der Weitergabe des Evangeliums das Wort und das Lebenszeugnis zusammengehören.[41] Damit das Licht der Wahrheit alle Menschen erleuchte, braucht es vor allem das Zeugnis der Heiligkeit. Wenn das Wort von der Lebensweise widerlegt wird, kann es kaum angenommen werden. Es genügt aber auch nicht nur das Zeugnis, „denn auch das schönste Zeugnis erweist sich auf die Dauer als unwirksam, wenn es nicht erklärt, ergründet – das, was Petrus ‚Rechenschaft geben über seine Hoffnung’ (1 Petr 3,15) nennt – und durch eine klare und eindeutige Verkündigung des Herrn Jesus entfaltet wird“.[42]

IV. Einige ökumenische Implikationen

12. Seit ihren Anfängen war die ökumenische Bewegung eng mit der Evangelisierung verbunden. Die Einheit ist nämlich das Siegel der Glaubwürdigkeit der Mission, und das Zweite Vatikanische Konzil hat mit Bedauern zum Ausdruck gebracht, dass der Skandal der Trennung „ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung“[43] ist. Jesus selbst hat am Abend vor seinem Tod gebetet: „Alle sollen eins sein..., damit die Welt glaubt“ (Joh 17,21).

Die Sendung der Kirche ist universal und nicht auf bestimmte Regionen der Erde begrenzt. Die Evangelisierung geschieht freilich auf verschiedene Weisen je nach den unterschiedlichen Situationen, in denen sie sich entfaltet. Im eigentlichen Sinn gibt es die „missio ad gentes“ zu denen, die Christus nicht kennen. In einem weiteren Sinn spricht man von „Evangelisierung“, um die gewöhnliche Seelsorge zu bezeichnen, und von „Neuevangelisierung“, um die Sorge für jene zu beschrieben, die den christlichen Glauben nicht mehr praktizieren.[44] Darüber hinaus gibt es die Evangelisierung in Ländern, wo nicht katholische Christen leben, vor allem in Ländern mit alter christlicher Tradition und Kultur. Hier ist sowohl echter Respekt für ihre Tradition und ihre geistlichen Reichtümer als auch aufrichtiger Wille zur Zusammenarbeit gefordert. Die Katholiken sollen „mit den von ihnen getrennten Brüdern, gemäß den Richtlinien des Dekretes über den Ökumenismus, brüderlich zusammenarbeiten im gemeinsamen Bekenntnis des Glaubens an Gott und an Jesus Christus vor den Heiden, soweit dieses vorhanden ist, ebenso im Zusammenwirken in sozialen und technischen sowie kulturellen und religiösen Dingen, wobei man jeden Anschein von Indifferentismus und Verwischung sowie ungesunder Rivalität vermeiden muss“.[45]

Im ökumenischen Einsatz lassen sich verschiedene Dimensionen unterscheiden: Zunächst bedarf es des Zuhörens, das eine grundlegende Bedingung für jeden Dialog ist. Dann folgt die theologische Diskussion, in der man versucht, die Bekenntnisse, Traditionen und Überzeugungen der anderen zu verstehen, und zu einer im Streit manchmal verdeckten Übereinstimmung gelangen kann. Untrennbar von alldem darf eine weitere wesentliche Dimension des ökumenischen Bemühens nicht fehlen: die Bezeugung und Verkündigung der Elemente, die nicht partikuläre Überlieferungen oder theologische Feinheiten darstellen, sondern zur Tradition des Glaubens selbst gehören.

Der Ökumenismus besitzt aber nicht nur eine institutionelle Dimension, die darauf abzielt, „die zwischen den Christen bestehende teilweise Gemeinschaft bis zur vollen Gemeinschaft in der Wahrheit und in der Liebe wachsen zu lassen“.[46] Er ist Aufgabe jedes einzelnen Gläubigen, vor allem durch das Gebet, die Buße, das Studium und die Zusammenarbeit. Immer und überall hat jeder katholische Gläubige das Recht und die Pflicht, den eigenen Glauben zu bezeugen und in seiner Fülle zu verkünden. Mit den nicht katholischen Christen muss der Katholik in einen Dialog treten, in dem Liebe und Wahrheit respektiert werden. Dieser Dialog ist nicht nur ein Austausch von Gedanken, sondern von Gaben,[47] damit ihnen die Fülle der Heilsmittel angeboten werden kann.[48] So gelangt man zu einer immer tieferen Bekehrung zu Christus.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass die Entscheidung eines nicht katholischen Christen, der von der katholischen Wahrheit überzeugt ist und aus Gewissensgründen darum bittet, in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche einzutreten, als Werk des Heiligen Geistes und als Ausdruck der Gewissens- und Religionsfreiheit zu respektieren ist. In diesem Fall handelt es sich nicht um Proselytismus in dem negativen Sinn, den dieser Begriff erhalten hat.[49] Das Zweite Vatikanische Konzil hat im Dekret über den Ökumenismus ausdrücklich festgehalten: „Es ist klar, dass die Vorbereitung und die Wiederaufnahme solcher Einzelner, die die volle katholische Gemeinschaft wünschen, ihrer Natur nach etwas von dem ökumenischen Werk Verschiedenes ist; es besteht jedoch kein Gegensatz zwischen ihnen, da beides aus dem wunderbaren Ratschluss Gottes hervorgeht“.[50] Daher nimmt dieses Werk nichts weg von dem Recht und von der Verantwortung, die Fülle des katholischen Glaubens anderen Christen zu verkünden, die ihn in Freiheit annehmen wollen.

Diese Auffassung erfordert natürlich, jeden unrechtmäßigen Druck zu vermeiden. „Man muss sich... bei der Verbreitung des religiösen Glaubens und bei der Einführung von Gebräuchen allzeit jeder Art der Betätigung enthalten, die den Anschein erweckt, als handle es sich um Zwang oder um unehrenhafte oder ungehörige Überredung, besonders wenn es weniger Gebildete oder Arme betrifft“.[51] Das Zeugnis für die Wahrheit will nichts mit Gewalt auferlegen, weder mit Zwangsmaßnahmen noch mit Kunstgriffen, die dem Evangelium widersprechen. Die Übung der Liebe ist umsonst.[52] Die Liebe und das Zeugnis für die Wahrheit zielen darauf ab, vor allem mit der Kraft des Wortes Gottes zu überzeugen (vgl. 1 Kor 2,3-5; 1 Thess 2,3-5).[53] Die christliche Mission stützt sich auf die Kraft des Heiligen Geistes und der verkündeten Wahrheit selbst.

V. Schluss

13. Das evangelisierende Wirken der Kirche darf niemals aufhören. Denn nie wird der Kirche die Gegenwart des Herrn Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes fehlen, hat er doch selbst verheißen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Die heute verbreiteten relativistischen und irenistischen Auffassungen im religiösen Bereich bieten keinerlei gültige Begründung dafür, sich von dieser anstrengenden, aber faszinierenden Sendung zurückzuziehen, die zum Wesen der Kirche gehört und „ihre vorrangige Aufgabe“[54] darstellt. „Caritas Christi urget nos – die Liebe Christi drängt uns“ (2 Kor 5,14): Dies bezeugt das Leben einer großen Zahl von Gläubigen, die – getrieben von der Liebe Christi – durch die ganze Geschichte hindurch Mühen und Tätigkeiten jedweder Art auf sich genommen haben, um das Evangelium der ganzen Welt und in allen Schichten der Gesellschaft zu verkünden und so jede christliche Generation fortwährend zu ermahnen und einzuladen, großherzig den Auftrag Christi zu befolgen. Daher hat Papst Benedikt XVI. in Erinnerung gerufen: „Die Verkündigung und das Zeugnis des Evangeliums sind der allererste Dienst, den die Christen jedem einzelnen Menschen und dem ganzen Menschengeschlecht leisten können, sind sie doch dazu aufgerufen, allen die Liebe Gottes zu vermitteln, die im einzigen Erlöser der Welt, Jesus Christus, ganz offenbart worden ist“.[55] Die Liebe, die von Gott kommt, eint uns mit ihm und macht uns „zu einem Wir..., das unsere Trennungen überwindet und uns eins werden lässt, so dass am Ende ‚Gott alles in allem’ ist (vgl. 1 Kor 15, 28)“.[56]

Papst Benedikt XVI. hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten gewährten Audienz am 6. Oktober 2007 die vorliegende lehrmäßige Note, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden ist, gutgeheißen und deren Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 3. Dezember 2007, dem Gedenktag des heiligen Franz Xaver, Patron der Mission.

 

William Kardinal Levada
Präfekt

Angelo Amato, S.D.B.
Titularerzbischof von Sila
Sekretär

[1] Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio (7. Dezember 1990), 47: AAS 83 (1991), 293.

[2] II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 14; vgl. Dekret Ad gentes, 7; Dekret Unitatis redintegratio, 3. Diese Lehre steht nicht dem universalen Heilswillen Gottes entgegen, der “will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen” (1 Tim 2,4). Deshalb muss man „diese beiden Wahrheiten zusammen gegenwärtig haben: die tatsächlich gegebene Möglichkeit des Heiles in Christus für alle Menschen und die Notwendigkeit der Anwesenheit der Kirche für dieses Heil” (Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 9: AAS 83 [1991], 258).

[3] Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte (6. Januar 2001), 1: AAS 93 (2001), 266.

[4] Vgl. Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi (8. Dezember 1975), 24: AAS 69 (1976), 22.

[5] Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 46: AAS 83 (1991), 293; vgl. Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 53 und 80: AAS 69 (1976), 41-42, 73-74.

[6] Benedikt XVI., Homilie bei der heiligen Messe auf dem Gelände vor der Neuen Messe in München (10. September 2006): AAS 98 (2006), 710.

[7] „Alles Wahre, wer auch immer es sagt, ist vom Heiligen Geist“: Thomas von Aquin, Summa theologiae, I-II, q. 109, a. 1, ad 1.

[8] Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Fides et ratio (14. September 1998), 44: AAS 91 (1998), 40.

[9] Benedikt XVI., Ansprache bei der Eröffnung der Pastoraltagung der Diözese Rom zum Thema Familie (6. Juni 2005): AAS 97 (2005), 816.

[10] Johannes Paul II, Enzyklika Fides et ratio, 5 : AAS 91 (1999), 9-10.

[11] Ebd., 31: l.c., 29; vgl. II. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 12.

[12] Dieses Recht ist auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 (Artikel 18-19) anerkannt und festgehalten.

[13] Johannes Paul II, Enzyklika Fides et ratio, 33 : AAS 91 (1999), 31.

[14] II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei Verbum, 5.

[15] II. Vatikanisches Konzil, Erklärung Dignitatis humanae, 3.

[16] Ebd., 1.

[17] Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 52: AAS 83 (1991), 300.

[18] Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Slavorum Apostoli (2. Juni 1985), 18: AAS 77 (1985), 800.

[19] II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei Verbum, 8.

[20] Vgl. Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 19-20: AAS 69 (1976), 18-19.

[21] II. Vatikanisches Konzil, Dekret Ad gentes, 7; vgl. Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 16; Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 22.

[22] Benedikt XVI., Homilie bei der heiligen Messe zur Amtseinführung (24. April 2005): AAS 97 (2005), 711.

[23] Vgl. I. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei Filius, 2: „Dieser göttlichen Offenbarung ist es zuzuschreiben, dass das, was an den göttlichen Dingen der menschlichen Vernunft an sich nicht unzugänglich ist, auch bei der gegenwärtigen Verfasstheit des Menschengeschlechtes von allen ohne Schwierigkeit, mit sicherer Gewissheit und ohne Beimischung eines Irrtums erkannt werden kann (vgl. Thomas von Aquin, Summa theologiae I, q. 1, a. 1)“ (DH 3005).

[24] II. Vatikanisches Konzil, Dekret Ad gentes, 13.

[25] II. Vatikanisches Konzil, Erklärung Dignitatis humanae, 11.

[26] Vgl. zum Beispiel Clemens von Alexandrien, Protrepticus IX,87,3-4 (SCh 2,154-155); Augustinus, Sermo 14, D [=352A], 3 (NBA XXXV/1, 269-271).

[27] II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 5.

[28] Vgl. dazu Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 18: AAS 83 (1991), 265-266: „Wenn man das Reich von der Person Jesu trennt, hat man nicht mehr das von ihm geoffenbarte Reich Gottes, man verkehrt schließlich entweder den Sinn des Reiches, das ein rein menschliches oder ideologisches Objekt zu werden droht, oder man verfälscht die Identität Christi, der nicht mehr als der Herr, dem alles unterzuordnen ist, erscheint (vgl. 1 Kor 15, 27)“.

[29] Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 18: AAS 83 (1991), 266. Zur Beziehung zwischen Kirche und Reich vgl. auch Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus (6. August 2000), 18-19: AAS 92 (2000), 759-761.

[30] Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus, 4: AAS 92 (2000), 744.

[31] Vgl. Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 80: AAS 69 (1976), 73: “Wozu überhaupt das Evangelium verkünden, wo doch die Menschen durch die Rechtschaffenheit des Herzens zum Heil gelangen können? Außerdem weiß man doch, dass die Welt  und die Geschichte erfüllt sind von ‚semina Verbi’: Wäre es da nicht eine Illusion zu behaupten, das Evangelium dorthin zu bringen, wo es schon immer in diesen Samenkörnern anwesend ist, die der Herr selbst dort gesät hat?“

[32] Vgl. Benedikt XVI., Ansprache an das Kardinalskollegium und die Mitglieder der Römischen Kurie beim Weihnachtsempfang (22. Dezember 2005): AAS 98 (2006), 50: „So wird beispielsweise die Religionsfreiheit dann, wenn sie eine Unfähigkeit des Menschen, die Wahrheit zu finden, zum Ausdruck bringen soll und infolgedessen dem Relativismus den Rang eines Gesetzes verleiht, von der Ebene einer gesellschaftlichen und historischen Notwendigkeit auf die ihr nicht angemessene Ebene der Metaphysik erhoben und so ihres wahren Sinnes beraubt, was zur Folge hat, dass sie von demjenigen, der glaubt, dass der Mensch fähig sei, die Wahrheit Gottes zu erkennen und der aufgrund der der Wahrheit innewohnenden Würde an diese Erkenntnis gebunden ist, nicht akzeptiert werden kann. Etwas ganz anderes ist es dagegen, die Religionsfreiheit als Notwendigkeit für das menschliche Zusammenleben zu betrachten oder auch als eine Folge der Tatsache, dass die Wahrheit nicht von außen aufgezwungen werden kann, sondern dass der Mensch sie sich nur durch einen Prozess innerer Überzeugung zu eigen machen kann“.

[33] II. Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 28; vgl. Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 24: AAS 69 (1976), 21-22.

[34] Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 21-30: AAS 83 (1991), 268-276.

[35] Benedikt XVI., Homilie bei der heiligen Messe zur Amtseinführung (24. April 2005): AAS 97 (2005), 710.

[36] Ebd.

[37] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Erklärung Dignitatis humanae, 6.

[38] Wo das Recht auf Religionsfreiheit anerkannt wird, ist gewöhnlich ebenso das Recht jedes Menschen anerkannt, die eigenen Überzeugungen anderen Menschen unter voller Achtung ihres Gewissens mitzuteilen, auch um den Eintritt in die eigene Religionsgemeinschaft zu fördern, wie es außerdem viele heute geltende Rechtsordnungen und eine schon verbreitete diesbezügliche Rechtsprechung bekräftigen.

[39] “Che per l’universo si squaderna”: Dante Alighieri, La Divina Commedia, Paradiso, XXXIII, 87.

[40] Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 46: AAS 69 (1976), 36.

[41] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 35.

[42] Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 22: AAS 69 (1976), 20.

[43] II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 1; vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 1, 50: AAS 83 (1991), 249, 297.

[44] Vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio, 34: AAS 83 (1991), 279-280.

[45] II. Vatikanisches Konzil, Dekret Ad gentes, 15.

[46] Johannes Paul II., Enzyklika Ut unum sint (25. Mai 1995), 14: AAS 87 (1995), 929.

[47] Vgl. ebd., 28: l.c., 939.

[48] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 3, 5.

[49] Ursprünglich kommt der Begriff „Proselytismus“ aus dem hebräischen Umfeld, wo derjenige als „Proselyt“ bezeichnet wurde, der aus den „Völkern“ kommend sich dem „auserwählten Volk“ angeschlossen hatte. So wurde der Begriff „Proselytismus“ auch im christlichen Bereich oft als Synonym für die missionarische Tätigkeit gebraucht. In jüngerer Zeit hat der Begriff einen negativen Beigeschmack erhalten als Werbung für die eigene Religion mit Mitteln und Beweggründen, die dem Geist des Evangeliums widersprechen und die Freiheit und Würde der Person nicht wahren. In diesem Sinn wird der Begriff „Proselytismus“ im Zusammenhang mit der ökumenischen Bewegung verstanden: vgl. The Joint Working Group between the Catholic Church and the World Council of Churches, The Challenge of Proselytism and the Calling to Common Witness (1995).

[50] II. Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis redintegratio, 4.

[51] II. Vatikanisches Konzil, Erklärung Dignitatis humanae, 4.

[52] Vgl. Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est (25. Dezember 2005), 31c: AAS 98 (2006), 245.

[53] Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Erklärung Dignitatis humanae, 11.

[54] Benedikt XVI., Homilie beim Besuch in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern (25. April 2005): AAS 97 (2005), 745.

[55] Benedikt XVI., Ansprache an die Teilnehmer des Internationalen Kongresses zum 40. Jahrestag der Verkündigung des Konzilsdekretes Ad gentes über die Missionstätigkeit der Kirche (11. März 2006): AAS 98 (2006), 334.

[56] Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est, 18: AAS 98 (2006), 232.

(Quelle: http://www.doctrinafidei.va/documents/rc_con_cfaith_doc_20071203_nota-evangelizzazione_ge.html)

 

Manche Evangelikale und Fundamentalisten missionieren doch sehr aggressiv!

Tun sie das? Ich kann und will hier nicht für alle sprechen, aber Aussagen wie die oben genannte bekommt man manchmal von Katholiken zu hören und deshalb will ich hierzu kurz etwas sagen.

Zum einen stört mich hier diese unsägliche Positionierung: Da gibt es die bösen "Extremisten" (ob sie nun Evangelikale oder Fundamentalisten genannt werden), die es doch so furchtbar übertreiben - im Gegensatz zu denen, die schön brav in der Mitte sind, sonntäglich in den Gottesdienst gehen und vielleicht mal beim Aufstellen der Bänke für das Pfarrfest hellfen (ich übertreibe hier bewusst).

Ich habe viele dieser Evangelikalen und Fundamentalisten kennen lernen dürfen und war und bin auch noch oft in ihrer Mitte - und sah und sehe dies als Segen und Bereicherung an, als etwas, von dem wir Katholiken eine Menge lernen könnten. Bei diesen "Extremisten" wird der Auftrag Jesu, hinaus zu gehen, Menschen zu taufen und zu Jüngern Jesu zu machen, im Rahmen des Priestertums aller Gläubigen noch ernst genommen und als etwas gesehen, was jeden und jede Einzelne/n angeht!

Wer einen Büchertisch in einer Fußgängerzone aufbaut oder Bibeln an Moslems verteilt, missioniert nicht "aggressiv", sondern nimmt seine Aufgabe als Christ/in wahr und ernst! Anstatt hier gönnerhaft auf unsere Geschwister im Glauben herabzusehen und uns Urteile über sie zu erlauben, sollten wir doch genügend Demut haben, um an und von ihrem Beispiel und Lebenszeugnis zu lernen!

Revelation 3:16

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