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kathpedia.com: Evangelische Räte

Evangelische Räte oder Ordensgelübde, sind im Evangelium (der Heiligen Schrift) empfohlene Möglichkeiten, die jedoch nicht zum ewigen Heile notwendig sind. Sie beruhen auf der Lehre und dem Beispiel Christi und sind ein Geschenk Gottes, der die Gläubigen in besonderer Weise dazu beruft.

 

Die Evangelische Räte (Gelübde):


Armut, Keuschheit und Gehorsam nennt man die "evangelischen Räte" (das Wort kommt vom Evangelium und hat mit den Protestanten keinen Zusammenhang). Jede Ordensperson verpflichtet sich in den Gelübden dazu, diesen evangelischen Räten entsprechend zu leben. Die besondere Ausgestaltung insbesondere des Armutgelübdes und des Gehorsams unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Instituten sehr stark. Während Armut, Keuschheit und Gehorsam für alle Getauften nur im je persönlich zu findenden Maß verpflichten, gehen die Ordensleute mit den Gelübden eine strengeren Grad der Verpflichtung vor Gott ein. Immer ist die Ehelosigkeit ein Kennzeichen des geweihten Lebens. Jedoch können sich auch einzelne Getaufte zum Verzicht auf die Ehe verpflichten (z.B. in der Jungfrauenweihe), ohne einem Orden oder Säkularinstitut anzugehören.

- der Armut (pauperitas): Durch das Gelübde der Armut verzichtet man wenigstens auf jede freie Verfügung über Sachen von Geldeswert ohne Erlaubnis der Oberen, wenn man auch das Eigentumsrecht daran behält (einfache Gelübde), oder auch auf jedes Eigentumsrecht selbst (feierliche Gelübde). Zur Armut in der Nachfolge Christi gehört außer einem dem Geist und der Sache nach armen Leben in Einfachheit und unter Verzicht auf irdischen Reichtum die Einschränkung in Gebrauch und Verfügbarkeit zeitlicher Güter nach den Bestimmungen des jeweiligen Instituts (can. 600).

- der Keuschheit (oder Jungfräulichkeit - castitas) und
Durch das Gelübde der Keuschheit oder Jungfräulichkeit verzichtet man auf die Ehe und damit auf jeden Gebrauch der von Gott in den Menschen hineingelegten Fähigkeiten zur Fortpflanzung des Menschengeschlechtes, so dass jede Sünde gegen die Keuschheit auch eine Sünde gegen das Gelübde ist. Die Keuschheit um des Himmelreiches willen ist ein Zeichen der zukünftigen Welt und Quelle überreicher Fruchtbarkeit, verbunden mit der Verpflichtung zu vollkommener Enthaltsamkeit in einem ehelosen Leben (can. 599). (Das feierliche Gelübde der Keuschheit ist ein trennendes, das einfache, wenn nichts anderes bestimmt ist, ein aufschiebendes Ehehindernis. In dringenden Fällen kann die Kirche, und zwar bei Ordensgenossenschaften päpstlichen Rechts durch die Religiosenkongregation, bei andern durch den Ortsordinarius, von den Ordensgelübden entbinden [Säkularisation]).

- Das Gelübde des Gehorsams (oboedientia). Der Gehorsam in der Nachfolge Christi, im Geist des Glaubens und der Liebe angenommen, verpflichtet zur Unterwerfung des eigenen Willens unter den des rechtmäßigen Oberen, wenn er entsprechend den eigenen Konstitutionen etwas anordnet (can. 601). Nicht jeder Befehl der Oberen verpflichtet schon kraft des Gelübdes.

- Dazu kommen in manchen Orden noch dem besonderen Ordenszweck entsprechende viertes Gelübde (z.B.: Benediktiner: bis zum Lebensende im selben Kloster [stabilitas loci]; die Jesuiten: die besondere Verfügbarkeit für den Heiligen Vater).


Unterscheidung zwischen feierlichen und einfachen Gelübden
Die feierlichen Gelübde unterscheiden sich von den einfachen nicht durch ihr Wesen, sondern durch bestimmte Wirkungen:

a) Die feierlichen Gelübde verbinden die Ordensperson fester mit dem Orden. Deshalb ist die Entlassung eines feierlichen Professen meist schwerer. Auch dispensiert die Kirche nur in den seltensten Fällen und nur aus schwerwiegenden Gründen von den feierlichen Gelübden.

b) Bei einfachen Gelübden sind entgegenstehende Handlungen unerlaubt. Bei feierlichen Gelübden sind entgegenstehende Handlungen nicht nur unerlaubt, sondern auch ungültig (nach dem Kirchenrecht 1983 gilt diese Unterscheidung nicht mehr).

Die Ordensgelübde sind entweder einfache (in den religiösen Genossenschaften) oder feierliche (in den eigentlichen Orden). Die feierlichen Ordensgelübde sind immer ewig, d. h. für das ganze Leben bindend, die einfachen dagegen sind entweder zeitlich, d. h. nur auf eine bestimmte Zeit abgelegt und bindend (wie es nach dem Kirchenrecht in allen Orden und religiösen Genossenschaften die ersten Gelübde sein sollen, wenn nicht durch ein Privileg eine Ausnahme gemacht ist), oder ewig (die letzten Gelübde in den meisten religiösen Genossenschaften).

Wie streng verpflichten die Ordensgelübde?


Die Ordensgelübde verpflichten an sich unter schwerer Sünde. Man kann sich also nicht vornehmen, sich durch die Ordensgelübde nur unter läßlicher Sünde verpflichten zu wollen. Ein Verstoß gegen die Ordensgelübde ist nur dann eine lässliche Sünde, wenn es sich um eine geringe Sache handelt, oder wenn es an der nötigen Erkenntnis oder vollen Einwilligung fehlt.

 

Wirkungen der Ordensgelübde


Wer das Gelübde erfüllt, übt die Tugend der Gottesverehrung (die höchste sittliche Tugend) -sein Leben wird gleichsam zur Liturgie - und er erwirbt damit ein doppeltes übernatürliches Verdienst: A) das Verdienst der Tugend, zu der das Werk gehört und B) das Verdienst der Gottesverehrung kraft des Gelübdes.

Wer die Gelübde verletzt, begeht ein Sakrileg. Ist das gelobte Werk an sich schon unter Sünde geboten, dann begeht man bei Übertretung des Gelübdes eine doppelte Sünde, nämlich die Sünde gegen das betreffende Gebot und die Sünde gegen das Gelübde.

 

Unterscheidung zwischen Gelübde und Tugend


Tugend wird definiert als "habitus bonus" (Neigung zum guten Handeln). Gelübde sind Akte einer solchen Tugend, und zwar der Tugend der Gottesverehrung. Durch die Gelübde werden die Akte anderer Tugenden in Akte der Gottesverehrung verwandelt. Die Tugenden sind das Ziel im Streben nach Vollkommenheit. Die Gelübde sind vorzügliche Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.

Die Gelübde sind ein geistiges Grundkapital, das der Mensch anlegt, ein Mindestmaß, zu dem er sich verpflichtet, ein Talent, das er erwirbt und mit dem er wuchern soll durch sein Streben nach der Tugend. Der Ordenangehörige hat darum eine doppelte Pflicht: a)das ihm anvertraute Talent zu bewahren, indem er die Gelübde einhält; b) das Talent zu vermehren, indem er nach der Tugend strebt. Die Ordensgelübde sind wie ein Samenkorn, aus dem der Baum des Kreuzes wächst; die Tugenden sind dann die Früchte an diesem Baum.

 

Sonderregelung


Ordensleute, die aus wichtigen Gründen die Erlaubnis erhalten, zeitweilig außerhalb des Ordenshauses und unabhängig von den Oberen zu leben (Exklaustration), bleiben durch ihre Gelübde gebunden und sind kraft des Gelübdes dem Ortsordinarius gegenüber zum Gehorsam verpflichtet.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Evangelische_R%C3%A4te)


 

kathpedia.com: Evangelische Räte II

Eine besonders intensive Weise, der Lebensform Jesu Christi nachzufolgen, ist der Ruf zu Armut, Keuschheit und Gehorsam. Eine spirituelle Haltung der Armut und Keuschheit und geistlicher Gehorsam gegenüber der Kirche ist für jeden Getauften eine Weise, auf die Liebe Gottes zu antworten (vgl. Lumen gentium, Nr. 42). In einem strengen Sinne diese evangelische Räte als eine verpflichtende Wegweisung Christi zu befolgen, ist das Kennzeichen einer besonderen geistlichen Berufung, im Stande des geweihten Lebens.

 

Armut


Das hebräische Wort für "arm" ist ganz ähnlich dem Wort für "elend". Der Unterschied liegt im ersten Buchstaben: das Wort "arm" beginnt mit Alef, dem Buchstaben, der für Gott steht. Nur wo Gott wirklich voransteht, ist die Armut selig; andernfalls ist es Elend.

Arm im biblischen Sinne ist, wer sein Herz nicht an die Dinge dieser Welt hängt, sondern jederzeit frei ist für den Anruf Gottes - und ihm daher ohne hinderliches "Marschgepäck" folgen kann. Gemeint sind nicht nur materielle Dinge, sondern auch Positionen in Beruf und Gesellschaft, oder auch geistliche Positionen, die man sich erarbeitet hat und wo man sich gleichsam fest eingerichtet hat.

Diese Grundhaltung einer Bereitschaft, dem Ruf Gottes zu folgen, finden wir im Alten Testament vielfach unter dem Bild des Nomaden - und auch wir sollten bereit sein wie Abraham, in jeder Lebenslage alles auszulassen, wenn Gott uns weiterführen will in das Land das wir noch nicht kennen.

Das Maß, in dem Gott zu einem opferbereiten Herzen ruft, ist je nach dem persönlichen Lebensweg unterschiedlich. Jesus Christus hat aber jedenfalls die Armen selig gepriesen, nicht die Reichen. Allerdings gehört es auch zur Tugend geistlicher Armut, sich nicht von Neid und Gier überwältigen zu lassen. In der Geschichte der Orden war oft Art und Ausmaß der konkreten Verwirklichung der Armut ein Anlass für kritische Entwicklungen und Reformen. Nur einige wenige Christen und Ordensleute haben die Armut so ernst genommen, dass sie möglichst jegliche Annehmlichkeit im Leben aufopferten.

 

Keuschheit


Was Keuschheit bedeutet, davon haben die meisten nur einen ungefähren Begriff. Das biblische Verständnis davon greift allerdings noch weiter. Gemeint ist eine Haltung der Mäßigkeit und Selbstbeherrschung, nicht nur auf sexuellem Gebiet, sondern auch z.B. beim Genuß von Speisen oder Alkohol oder Vergnügungen.

Wichtiger als die bloße Beachtung des Maßhaltens ist jedoch die Reinheit des Herzens. Es ist erlaubt, ja sogar gottgefällig, zu den dafür vorgesehenen Zeiten sich an Speisen, Wein, der Gemeinschaft, und [für Eheleute] auch an der Sexualität zu erfreuen, denn sie sind Geschenke Gottes, und der Mensch, zur Freude des Himmels berufen, kann durch ein Zuviel an Askese sich die Kraft nehmen, die er auf dem Weg des irdischen Lebens benötigt. Jedoch soll das Herz stets froh auf Gott schauen, um das rechte Maß der Lebensfreude zu bewahren.

So gesehen kann man auch von einer ehelichen Keuschheit sprechen, einer Theologie des Leibes (Johannes Paul II.), die bereit ist den Anderen und seine Bedürfnisse zu achten, Maß zu halten, in Dankbarkeit dem Ehepartner (und sich selbst) die sexuelle Erfüllung zuzugestehen, aber auch in Zeiten wo das erforderlich ist, enthaltsam zu leben, und keinesfalls dem Egoismus den Sieg zu geben.

Die Berufung zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, ist dazu geeignet, im Vorausblick auf die Herrlichkeit, die Christus seiner Braut, der Kirche, bereitet hat, auch die Treue der in Ehe und Familie lebenden Christen zu stützen. In dem lateinischen, abendländischen Zweig der katholischen Kirche, der allerdings mittlerweile auf allen Kontinenten der stärkste Teil des Christentums überhaupt ist, hat sich in Jahrhunderten die Überzeugung herausgebildet, das Priesteramt nur solchen Männern anzuvertrauen, die bereit sind, nach der Weihe keine Ehe einzugehen (Zölibat).

 

Gehorsam


Wir erleben in Europa seit dem Ausbruch des I. Weltkriegs, verschärft durch die Nachkriegszeit nach dem II. Weltkrieg und die kulturellen Umbrüche um 1968, in mehreren Schüben ein Zerbrechen von Hierarchien und Ordnungen in Staat, Gesellschaft und Familie - und auch den Versuch, die Autorität in der Kirche aufzubrechen. Zugleich bewahrheitet sich dennoch die Erfahrung, dass ohne eine sinnvolle Ordnung keine Gemeinschaft von Menschen in der Lage ist, auf Dauer zu existieren, ohne sich von innen heraus selbst zu zerstören. Daher betont seit altersher die Kirche den Gehorsam als eine für jeden Christen maßgebliche, unverzichtbare Tugend.

Anders aber als beim bspw. militärischen Gehorsam, der einem schlichten Kommandoprinzip folgt, um aus einer Menschenmasse eine funktionstüchtige "Waffe" zu machen, ist der religiös motivierte Gehorsam auf Vertrauen und Liebe angewiesen. Die christliche Gemeinschaft hört aus freiem Entschluss auf das Wort Gottes. Das Maß des Vertrauens, dass die Kirche letztlich zuverlässig vom Hl. Geist selber geleitet ist, sogar dort, wo man in den Augen der Welt eher das Gegenteil vermuten möchte, hängt sicherlich von den alltäglichen Erfahrungen mit der Religion ab. Schon deshalb kann der kirchlich gebotene Gehorsam nicht schlicht das Befehlswesen in Staat und Gesellschaft imitieren, sondern muss seine geistlich geprägte Motivation gewährleisten. Jedoch nur dann, wenn alle gehorchen, anstatt um das Kommando zu kämpfen, werden dem Hl. Geist die Wege bereitet, der richtigen Haltung zum Durchbruch zu verhelfen und zu zeigen, was zielorientiert das Richtige vor Gott ist.

In einem allgemein Sinn sind alle Getauften aufgefordert, sich in geistlichen Dingen durch den Rat der Seelsorger und die Wegweisung des kirchlichen Amtes leiten zu lassen. In einem strengeren Sinn unterstellen die Mitglieder von Orden und anderen angeleiteten Gemeinschaften, aber auch die Priester in den Diözesen, ihren Eigenwillen einem höheren Urteil. Es ist eine tiefe Weisheit des geistlichen Lebens, dass sich der Sinn der Nachfolge oft erst im gläubigen Tun, im Gehorsam, enthüllt.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Armut#Armut)

 

Hospitalität


Wir Barmherzigen Brüder legen nicht nur die klassischen drei Mönchsgelübde - ehelose Keuschheit, Armut und Gehorsam - ab, sondern auch ein viertes Gelübde, das der Hospitalität. Hospitalität lässt sich, einfach ausgedrückt, mit dem Wort Gastfreundschaft übersetzen. Man muss dieses Wort Gastfreundschaft jedoch biblisch interpretieren, um zu verstehen, was Hospitalität im Geist der Tradition des heiligen Johannes von Gott bedeutet.


Die Konstitutionen des Ordens der Barmherzigen Brüder sehen den Ursprung dieses Gelübdes im Leben Jesu selber, der, vom Geist gesalbt und gesandt, den Armen die Frohe Botschaft brachte und die Kranken heilte (vgl. Lukas 4,18-19). Die Konsequenz der gelobten Hospitalität wird von den Konstitutionen mit drei knappen Sätzen umschrieben: sich für die Rechte der Person einzusetzen und über sie zu wachen; der Mensch hat das Recht, geboren zu werden und menschenwürdig zu leben; er hat den Anspruch auf Pflege in seiner Krankheit und das Recht, in Würde zu sterben. Diese sehr knappen Aussagen müssen auf den jeweiligen Zweck der Einrichtung hin interpretiert werden. Das geschieht zum Beispiel durch die Leitbilder oder auch durch die Charta der Hospitalität, die vor wenigen Monaten erschienen ist. Maßstab für diese Interpretation ist das Leben des Ordensgründers des heiligen Johannes von Gott.


„Das Handeln des Johannes von Gott für die Armen und Kranken überraschte und machte betroffen, wirkte aber zugleich wie ein Lichtstrahl, der neue Wege zur Betreuung und zum humanen Umgang mit ihnen wies. Er hat praktisch aus dem Nichts ein alternatives Modell geschaffen, wie man Bürger, Christ und dem Schwächsten Bruder sein kann. Diese prophetische Hospitalität hat wie ein Sauerteig im Gesundheitsdienst und in der Kirche gewirkt. Das Modell des heiligen Johannes von Gott hat auch als kritisches Gewissen gewirkt und neue Wege für Hilfsinitiativen zum Wohle der Armen und Randgruppen gewiesen.“ (Charta der Hospitalität)

 


http://www.barmherzige.de/1346.html

Lumen Gentium

DOGMATISCHE KONSTITUTION
LUMEN GENTIUM
ÜBER DIE KIRCHE

 
KAPITEL VI

DIE ORDENSLEUTE

43. Die evangelischen Räte der Gott geweihten Keuschheit, der Armut und des Gehorsams sind, in Wort und Beispiel des Herrn begründet und von den Aposteln und den Vätern wie auch den Lehrern und Hirten der Kirche empfohlen, eine göttliche Gabe, welche die Kirche von ihrem Herrn empfangen hat und in seiner Gnade immer bewahrt. Die Autorität der Kirche selbst hat unter Leitung des Heiligen Geistes für ihre Auslegung, die Regelung ihrer Übung und die Festsetzung entsprechender dauerhafter Lebensformen gesorgt. So sind wie an einem Baum, der aus einem von Gott gegebenen Keim wunderbar und vielfältig auf dem Ackerfeld des Herrn Zweige treibt, verschiedene Formen des eremitischen und gemeinschaftlichen Lebens und verschiedene Gemeinschaften gewachsen. Sie bieten reichliche Hilfen zum Fortschritt ihrer Mitglieder wie zum Besten des ganzen Leibes Christi (137). Jene Gemeinschaften verhelfen nämlich ihren Mitgliedern zu größerer Beständigkeit in der Lebensweise, zu einer erprobten Lehre über das Streben nach Vollkommenheit, zu einer brüderlichen Gemeinschaft im Kriegsdienst Christi und zu einer durch den Gehorsam gefestigten Freiheit. Dadurch können sie ihr Ordensgelöbnis sicher erfüllen und getreu bewahren und auf dem Weg der Liebe in geistlicher Freude voranschreiten (138).

Ein derartiger Stand ist, in bezug auf die göttliche, hierarchische Verfassung der Kirche, kein Zwischenstand zwischen dem der Kleriker und dem der Laien. Vielmehr werden in beiden Gruppen Christgläubige von Gott gerufen, im Leben der Kirche sich einer besonderen Gabe zu erfreuen und, jeder in seiner Weise, ihrer Heilssendung zu nützen (139).

44. Durch die Gelübde oder andere heilige Bindungen, die jeweils in ihrer Eigenart den Gelübden ähnlich sind, verpflichtet sich der Christgläubige zu den drei genannten evangelischen Räten und gibt sich dadurch dem über alles geliebten Gott vollständig zu eigen, so daß er selbst durch einen neuen und besonderen Titel auf Gottes Dienst und Ehre hingeordnet wird. Er ist zwar durch die Taufe der Sünde gestorben und Gott geweiht. Um aber reichere Frucht aus der Taufgnade empfangen zu können, will er durch die Verpflichtung auf die evangelischen Räte in der Kirche von den Hindernissen, die ihn von der Glut der Liebe und der Vollkommenheit der Gottesverehrung zurückhalten könnten, frei werden und wird dem göttlichen Dienst inniger geweiht (140). Die Weihe ist aber um so vollkommener, je mehr sie durch die Festigkeit und Beständigkeit der Bande die unlösliche Verbindung Christi mit seiner Braut, der Kirche, darstellt.

Weil aber die evangelischen Räte ihre Befolger durch die Liebe, zu der sie hinführen (141), auch in besonderer Weise mit der Kirche und ihrem Geheimnis verbinden, muß ihr geistliches Leben auch dem Wohl der ganzen Kirche gewidmet sein. Daraus ergibt sich die Pflicht, nach Kräften und entsprechend der Gestalt der eigenen Berufung, durch Gebet oder auch tätiges Wirken sich um die Einwurzelung und Festigung des Reiches Christi in den Seelen und seine weltweite Ausbreitung zu bemühen. Deshalb auch schützt und fördert die Kirche den eigenen Charakter der verschiedenen Ordensinstitute. So erscheint das Bekenntnis zu den evangelischen Räten als ein Zeichen, das alle Glieder der Kirche wirksam zur eifrigen Erfüllung der Pflichten ihrer christlichen Berufung hinziehen kann und soll. Das Volk Gottes hat ja hier keine bleibende Heimstatt, sondern sucht die zukünftige. Deshalb macht der Ordensstand, der seine Glieder von den irdischen Sorgen mehr befreit, mehr die himmlischen Güter, die schon in dieser Zeit gegenwärtig sind, auch allen Gläubigen kund, bezeugt das neue und ewige, in der Erlösung Christi erworbene Leben und kündigt die zukünftige Auferstehung und die Herrlichkeit des Himmelreiches an. Auch die Lebensform, die der Sohn Gottes annahm, als er in die Welt eintrat, um den Willen des Vaters zu tun, und die er den Jüngern, die ihm nachfolgen, vorgelegt hat, ahmt dieser Stand ausdrücklicher nach und bringt sie in der Kirche ständig zur Darstellung. Schließlich macht er die Erhabenheit des Gottesreiches gegenüber allem Irdischen und seine höchsten Ansprüche in besonderer Weise offenkundig. Er zeigt auch allen Menschen die überragende Größe der Herrscherkraft Christi und die wunderbare, unbegrenzte Macht des Heiligen Geistes in der Kirche auf.

Der Stand, der durch das Gelöbnis der evangelischen Räte begründet wird, ist also zwar nicht Teil der hierarchischen Struktur der Kirche, gehört aber unerschütterlich zu ihrem Leben und ihrer Heiligkeit.

45. Da die kirchliche Hierarchie die Aufgabe hat, das Volk Gottes zu leiten und auf reiche Weiden zu führen (vgl. Ez 34,14), ist sie dafür zuständig, die Übung der evangelischen Räte, durch die die vollkommene Liebe zu Gott und dem Nächsten einzigartig gefördert wird, durch ihre Gesetze weise zu lenken (142). Sie nimmt auch in gelehriger Gefolgschaft gegenüber den Antrieben des Heiligen Geistes die von vortrefflichen Männern und Frauen vorgelegten Regeln entgegen, läßt sie weiter ordnen und erkennt sie authentisch an. Außerdem wacht sie mit ihrer Autorität schützend über die zum Aufbau des Leibes Christi allenthalben errichteten Institute, damit sie nach dem Geist ihrer Stifter wachsen und gedeihen.

Zur besseren Vorsorge gegenüber den Erfordernissen der ganzen Herde des Herrn können alle Institute des Standes der Vollkommenheit und ihre einzelnen Mitglieder vom Papst aufgrund seines Primats über die ganze Kirche im Hinblick auf den allgemeinen Nutzen der Jurisdiktion der Ortsordinarien entzogen und ihm allein unterstellt werden (143). In ähnlicher Weise können sie bei den eigenen patriarchalen Autoritäten belassen oder ihnen unterstellt werden. Die Mitglieder selbst müssen die Pflicht gegenüber der Kirche nach ihrer besonderen Lebensform erfüllen und dabei den Bischöfen gemäß den kanonischen Gesetzen Ehrfurcht und Gehorsam leisten wegen ihrer Hirtenautorität in den Teilkirchen und der notwendigen Einheit und Eintracht im apostolischen Wirken (144).

Die Kirche erhebt aber nicht nur den Ordensberuf durch ihre Bestätigung zur Würde eines kanonischen Standes, sondern macht ihn auch durch ihre liturgische Feier zu einem Gott geweihten Stand. Denn die Kirche selbst nimmt kraft der ihr von Gott übertragenen Autorität die Gelübde der Gelobenden entgegen, erbittet ihnen durch ihr öffentliches Gebet Hilfe und Gnade von Gott, empfiehlt sie Gott, erteilt ihnen eine geistliche Segnung und vereint ihre Hingabe mit dem eucharistischen Opfer.

46. Die Ordensleute sollen sorgfältig darauf achten, daß durch sie die Kirche wirklich von Tag zu Tag mehr den Gläubigen wie den Ungläubigen Christus sichtbar mache, wie er auf dem Berg in der Beschauung weilt oder wie er den Scharen das Reich Gottes verkündigt oder wie er die Kranken und Schwachen heilt und die Sünder zum Guten bekehrt oder wie er die Kinder segnet und allen Wohltaten erweist, immer aber dem Willen des Vaters gehorsam ist, der ihn gesandt hat (145).

Alle sollen schließlich einsehen, daß das Gelöbnis der evangelischen Räte, wenn es auch den Verzicht auf hochzuschätzende Werte mit sich bringt, dennoch der wahren Entfaltung der menschlichen Person nicht entgegensteht, sondern aus ihrem Wesen heraus sie aufs höchste fördert. Die Räte nämlich tragen, wenn sie entsprechend der persönlichen Berufung eines jeden in freiem Entschluß übernommen werden, nicht wenig zur Reinigung des Herzens und zur geistlichen Freiheit bei, fachen ständig die Glut der Liebe an und vermögen den Christen gleichförmiger zu machen vor allem der jungfräulichen und armen Lebensweise, die Christus der Herr gewählt und die seine jungfräuliche Mutter sich zu eigen gemacht hat. Das beweist das Beispiel so vieler heiliger Ordensgründer. Und es darf keiner meinen, die Ordensleute würden durch ihre Weihe den Menschen fremd oder für die irdische Gesellschaft nutzlos. Denn, wenn sie auch zuweilen ihren Zeitgenossen nicht in unmittelbarer Weise hilfreich sind, haben sie diese doch auf tiefere Weise in der Liebe Christi gegenwärtig und wirken geistlich mit ihnen zusammen, daß der Bau der irdischen Gesellschaft immer in Gott gründe und auf ihn ausgerichtet sei und seine Erbauer nicht vergeblich arbeiten  (146).

Gerade darum bestätigt und lobt die Heilige Synode die Männer und Frauen, Brüder und Schwestern, die in den Klöstern oder in Schulen und Krankenhäusern oder in den Missionen in standhafter und demütiger Treue zu der genannten Weihe die Braut Christi zieren und allen Menschen die verschiedensten großmütigen Dienste leisten.

47. Jeder, der zum Lebensstand der Räte berufen ist, soll eifrig bemüht sein, in der Berufung, zu der er von Gott gerufen wurde, zu bleiben und sich darin mehr auszuzeichnen, zu vollerer Heiligkeit der Kirche, zur größeren Ehre der einen und ungeteilten Dreifaltigkeit, die in Christus und durch Christus Quelle und Ursprung jeder Heiligkeit ist.
 
(Lumen Gentium, Quelle: http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19641121_lumen-gentium_ge.html)

Links National

Kapuziner.org: Die drei Gelübde

 

Links International

The Original Catholic Encyclopedia: Evangelical Counsels

New Advent: Evangelical Counsels

The Original Catholic Encyclopedia: Obedience

New Advent: Religious Obedience

The Original Catholic Encyclopedia: Poverty

New Advent: Poverty 

The Original Catholic Encyclopedia: Chastity

New Advent: Chastity

 

Resources

Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit

 

Franciscan Friars of the Renewal

Kein Geld, kein Sex, gehorsam sein