Ad Gentes
DEKRET
ÜBER DIE MISSIONSTÄTIGKEIT DER KIRCHE
AD GENTES
EINLEITUNG
1. Zur Völkerwelt von Gott gesandt, soll die Kirche “das allumfassende Sakrament des Heils” (1) sein. So müht sie sich gemäß dem innersten Anspruch ihrer eigenen Katholizität und im Gehorsam gegen den Auftrag ihres Stifters (2), das Evangelium allen Menschen zu verkünden. Denn auch die Apostel, auf die die Kirche gegründet worden ist, haben, den Spuren Christi folgend, “das Wort der Wahrheit verkündet und Kirchen gezeugt” (3) . Pflicht ihrer Nachfolger ist es, diesem Werk Dauer zu verleihen, “damit das Wort Gottes seinen Lauf nehme und verherrlicht werde” (2 Thess 3,1) und die Herrschaft Gottes überall auf Erden angekündigt und aufgerichtet werde.
In der gegenwärtigen Weltlage, aus der für die Menschheit eine neue Situation entsteht, ist die Kirche, die da ist Salz der Erde und Licht der Welt (4), mit verstärkter Dringlichkeit gerufen, dem Heil und der Erneuerung aller Kreatur zu dienen, damit alles in Christus zusammengefaßt werde und in ihm die Menschen eine einzige Familie und ein einziges Gottesvolk bilden. Im Dank gegen Gott ob der trefflichen Arbeit, die durch den hochherzigen Einsatz der ganzen Kirche bislang vollbracht wurde, will diese Heilige Synode deshalb die Grundsätze der missionarischen Tätigkeit umreißen und die Kräfte aller Gläubigen sammeln, damit das Volk Gottes, auf dem schmalen Weg des Kreuzes voranschreitend, die Herrschaft Christi des Herrn, vor dessen Augen die Jahrhunderte stehen (5), ausbreite und seiner Ankunft die Wege bahne.
1. Kapitel
Theologische Grundlegung
2. Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach “missionarisch” (d. h. als Gesandte unterwegs), da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet gemäß dem Plan Gottes des Vaters (6).
Dieser Plan entspringt der “quellhaften Liebe”, dem Liebeswollen Gottes des Vaters. Er, der ursprungslose Ursprung, aus dem der Sohn gezeugt wird und der Heilige Geist durch den Sohn hervorgeht, hat uns in seiner übergroßen Barmherzigkeit und Güte aus freien Stücken geschaffen und überdies gnadenweise gerufen, Gemeinschaft zu haben mit ihm in Leben und Herrlichkeit. Er hat die göttliche Güte freigebig ausgegossen und gießt sie immerfort aus, so daß er, der Schöpfer von allem, endlich “alles in allem” (1 Kor 15,28) sein wird, indem er zugleich seine Herrlichkeit und unsere Seligkeit bewirkt. Es hat aber Gott gefallen, die Menschen nicht bloß als einzelne, ohne jede gegenseitige Verbindung, zur Teilhabe an seinem Leben zu rufen, sondern sie zu einem Volk zu bilden, in dem seine Kinder, die verstreut waren, in eins versammelt werden sollen (7).
3. Dieser umfassende Plan Gottes für das Heil des Menschengeschlechtes wird nicht allein auf eine gleichsam in der Innerlichkeit des Menschen verborgene Weise verwirklicht, ebenso nicht bloß durch Bemühungen, auch religiöser Art, mit denen die Menschen Gott auf vielfältige Weise suchen, “ob sie ihn vielleicht berühren oder finden möchten, wiewohl er nicht ferne ist von einem jeden von uns” (vgl. Apg 17,27). Diese Bemühungen bedürfen nämlich der Erleuchtung und Heilung, wenn sie auch aufgrund des gnädigen Ratschlusses des vorsorgenden Gottes zuweilen als Hinführung zum wahren Gott oder als Bereitung für das Evangelium gelten können (8). Gott hat vielmehr beschlossen, auf eine neue und endgültige Weise in die Geschichte der Menschen einzutreten; so wollte er Frieden und Gemeinschaft mit sich herstellen und brüderliche Verbundenheit unter den Menschen, die doch Sünder sind, stiften. Darum sandte er seinen Sohn in unserem Fleisch, damit er durch ihn die Menschen der Gewalt der Finsternis und Satans entreiße (9) und in ihm die Welt sich versöhne (10). Ihn also, durch den er auch die Welten erschuf (11), bestimmte er zum Erben des Alls, daß er alles in ihm erneuerte (12). Denn Christus Jesus ist in die Welt gesandt worden als wahrer Mittler Gottes und der Menschen. Da er Gott ist, “wohnt in ihm leibhaftig die ganze Fülle der Gottheit” (Kol 2,9); der menschlichen Natur nach aber ist er, “voll Gnade und Wahrheit” (Joh 1,14), als neuer Adam zum Sünder sind, stiften. Darum sandte er seinen Sohn in unserem Fleisch, damit er durch ihn die Menschen der Gewalt der Finsternis und Satans entreiße (9) und in ihm die Welt sich versöhne (10). Ihn also, durch den er auch die Welten erschuf (11), bestimmte er zum Erben des Alls, daß er alles in ihm erneuerte (12).
Denn Christus Jesus ist in die Welt gesandt worden als wahrer Mittler Gottes und der Menschen. Da er Gott ist, “wohnt in ihm leibhaftig die ganze Fülle der Gottheit” (Kol 2,9); der menschlichen Natur nach aber ist er, “voll Gnade und Wahrheit” (Joh 1,14), als neuer Adam zum Haupt der erneuerten Menschheit bestellt. So hat der Sohn Gottes die Wege wirklicher Fleischwerdung beschritten, um die Menschen der göttlichen Natur teilhaft zu machen; unseretwegen ist er arm geworden, da er doch reich war, damit wir durch seine Armut reich würden (13). Der Menschensohn kam nicht, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld hinzugeben für die vielen, das heißt für alle (14). Die heiligen Väter verkünden beständig, daß nicht geheilt ist, was nicht von Christus angenommen ist (15). Er hat aber, ausgenommen die Sünde, die volle Menschennatur angenommen, wie sie sich bei uns findet, die wir elend und arm sind (16). Christus, “den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat” (Joh 10,36), hat nämlich von sich selbst gesagt: “Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt, frohe Botschaft den Armen zu künden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zertretenen Herzens sind, den Gefangenen Freilassung anzukündigen und den Blinden das Augenlicht” (Lk 4,18). Und an anderer Stelle: “Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und heil zu machen, was verloren war” (Lk 19,10).
Was aber vom Herrn ein für allemal verkündet oder in ihm für das Heil des Menschengeschlechts getan worden ist, muß ausgerufen und ausgesät werden bis ans Ende der Erde (17) , beginnend von Jerusalem aus (18) . So soll, was einmal für alle zum Heil vollzogen worden ist, in allen im Ablauf der Zeiten seine Wirkung erlangen.
4. Um dies zu vollenden, hat Christus vom Vater her den Heiligen Geist gesandt, der sein Heilswerk von innen her wirken und die Kirche zu ihrer eigenen Ausbreitung bewegen soll. Ohne Zweifel wirkte der Heilige Geist schon in der Welt, ehe Christus verherrlicht wurde (19). Am Pfingsttage jedoch ist er auf die Jünger herabgekommen, um auf immer bei ihnen zu bleiben (20). Die Kirche wurde vor der Menge öffentlich bekanntgemacht, die Ausbreitung des Evangeliums unter den Heiden durch die Verkündigung nahm ihren Anfang, und endlich wurde die Vereinigung der Völker in der Katholizität des Glaubens vorausbezeichnet, die sich durch die Kirche des Neuen Bundes vollziehen soll, welche in allen Sprachen spricht, in der Liebe alle Sprachen versteht und umfängt und so die babylonische Zerstreuung überwindet (21). Mit Pfingsten begann “die Geschichte der Apostel”, so wie durch die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jungfrau Maria Christus empfangen worden war und wie Christus selbst dem Werk seines Dienstes zugeführt wurde, als der nämliche Heilige Geist beim Gebet auf ihn niederstieg (22).
Der Herr Jesus selbst aber hat, ehe er sein Leben freiwillig für die Welt hingab, den apostolischen Dienst so geordnet und die Sendung des Heiligen Geistes verheißen, daß beide sich darin zusammenfinden, das Werk des Heiles immer und überall zur Fruchtbarkeit zu bringen (23). Der Heilige Geist eint die ganze Kirche alle Zeiten hindurch “in Gemeinschaft und Dienstleistung, stattet sie mit den verschiedenen hierarchischen und charismatischen Gaben aus” (24), wobei er die kirchlichen Einrichtungen gleichsam als Seele belebt (25), und senkt den gleichen Geist der Sendung, von dem Christus getrieben war, in die Herzen der Gläubigen ein. Bisweilen geht er sogar sichtbar der apostolischen Tätigkeit voran (26), wie er sie auch auf verschiedene Weisen unablässig begleitet und lenkt (27).
5. Der Herr Jesus rief von Anfang an “die zu sich, die er wollte, ... und bestellte Zwölf, damit sie bei ihm seien und er sie sende, zu verkündigen” (Mk 3,13) (28). So bildeten die Apostel die Keime des neuen Israel und zugleich den Ursprung der heiligen Hierarchie. Als er dann ein für allemal durch seinen Tod und seine Auferstehung in sich selbst die Geheimnisse unseres Heils und der Erneuerung von allem vollzogen hatte, gründete er, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist (29), vor der Aufnahme in den Himmel (30) seine Kirche als Sakrament des Heils, sandte die Apostel in alle Welt, so wie er selbst vom Vater gesandt worden war (31) , und trug ihnen auf: “Geht also hin, und macht alle Völker zu Jüngern, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie alles halten lehrt, was ich euch geboten habe” (Mt 28,19f.) “Geht in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium aller Kreatur. Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden” (Mk 16,15). So liegt auf der Kirche die Pflicht, den Glauben und das Heil Christi auszubreiten, und zwar sowohl aufgrund des ausdrücklichen Auftrags, der von den Aposteln her dem Bischofskollegium, dem die Presbyter zur Seite stehen, in Einheit mit dem Nachfolger Petri und obersten Hirten der Kirche überkommen ist, wie auch aufgrund des Lebens, das Christus in seine Glieder einströmen läßt. “Von ihm aus wird der ganze Leib zusammengefügt und zusammengehalten durch jedes Band der Dienstleistung gemäß dem Wirken nach dem Maß eines jeden Gliedes. So geschieht das Wachstum des Leibes zum Aufbau seiner selbst in Liebe” (Eph 4,16). Die Sendung der Kirche vollzieht sich mithin durch das Wirken, kraft dessen sie im Gehorsam gegen Christi Gebot und getrieben von der Gnade und Liebe des Heiligen Geistes allen Menschen und Völkern in voller Wirklichkeit gegenwärtig wird, um sie durch das Zeugnis des Lebens, die Verkündigung, die Sakramente und die übrigen Mitteilungsweisen der Gnade zum Glauben, zur Freiheit und zum Frieden Christi zu führen: So soll ihnen der freie und sichere Weg zur vollen Teilhabe am Christusgeheimnis eröffnet werden.
In dieser Sendung setzt die Kirche die Sendung Christi selbst fort, der den Armen frohe Botschaft zu bringen gesandt war, und entfaltet sie die Geschichte hindurch. Deshalb muß sie unter Führung des Geistes Christi denselben Weg gehen, den Christus gegangen ist, nämlich den Weg der Armut, des Gehorsams, des Dienens und des Selbstopfers bis zum Tode hin, aus dem er dann durch seine Auferstehung als Sieger hervorging. Denn solchermaßen sind alle Apostel in der Hoffnung gewandelt, sie, die in vielerlei Trübsal und Leiden ausfüllten, was an den Leiden Christi noch fehlt für seinen Leib, der da ist die Kirche (32). Oft auch erwies sich das Blut der Christen als Same (33) .
6. Diese Aufgabe, welche das Bischofskollegium mit dem Nachfolger Petri an der Spitze unter dem Beten und Mitwirken der ganzen Kirche zu erfüllen hat, ist überall und in jeder Lage ein und dieselbe, auch wenn sie, je nach Umständen, nicht in der gleichen Weise ausgeübt wird. Folglich kommen die Unterschiede, die innerhalb dieser Tätigkeit der Kirche anzuerkennen sind, nicht aus dem inneren Wesen der Sendung selbst, sondern aus den Bedingungen, unter denen diese Sendung vollzogen wird.
Diese Bedingungen hängen entweder von der Kirche oder von den Völkern, den Gemeinschaften und den Menschen ab, an die sich die Sendung richtet. Obgleich nämlich die Kirche von sich aus die Gesamtheit oder die Fülle der Heilsmittel umgreift, wirkt sie doch nicht immer und nicht sogleich im vollen Umfang und kann dies auch nicht. Vielmehr kennt sie Anfänge und Stufen in ihrer Tätigkeit, mit der sie den Plan Gottes zu verwirklichen sucht. Ja bisweilen ist sie genötigt, nach glücklich begonnenem Voranschreiten abermals einen Rückschritt zu beklagen, oder sie verbleibt doch wenigstens in einem gewissen Zustand der Unvollständigkeit und Unzulänglichkeit. Was aber die Menschen, Gemeinschaften und Völker anlangt, so berührt und durchdringt sie diese nur schrittweise, und nimmt sie so in die katholische Fülle auf. Jeder der genannten Bedingungen bzw. Stadien müssen eigene Wirkformen und geeignete Mittel entsprechen.
Gemeinhin heißen “Missionen” die speziellen Unternehmungen, wodurch die von der Kirche gesandten Boten des Evangeliums in die ganze Welt ziehen und die Aufgabe wahrnehmen, bei denVölkern oder Gruppen, die noch nicht an Christus glauben, das Evangelium zu predigen und die Kirche selbst einzupflanzen. Sie werden durch die missionarische Tätigkeit verwirklicht und meist in bestimmten, vom Heiligen Stuhl bestätigten Gebieten ausgeübt. Das eigentliche Ziel dieser missionarischen Tätigkeit ist die Evangelisierung und die Einpflanzung der Kirche bei den Völkern und Gemeinschaften, bei denen sie noch nicht Wurzel gefaßt hat (34). So sollen aus dem Samen des Gotteswortes überall auf der Welt wohlbegründete einheimische Teilkirchen heranwachsen, die mit eigener Kraft und Reife begabt sind. Sie sollen eine eigene Hierarchie in Einheit mit dem gläubigen Volk sowie die zum vollen Vollzug christlichen Lebens gehörigen Mittel in einer der eigenen Art gemäßen Weise besitzen und so ihren Teil zum Wohl der Gesamtkirche beitragen. Das hauptsächliche Mittel dieser Einpflanzung ist die Verkündigung der Frohbotschaft von Jesus Christus, die auszurufen der Herr seine Jünger in die ganze Welt gesandt hat, damit die Menschen, wiedergeboren durch das Wort Gottes (35), mittels der Taufe der Kirche eingegliedert werden, die als Leib des fleischgewordenen Wortes vom Wort Gottes und vom eucharistischen Brot genährt wird und lebt (36).
Bei dieser missionarischen Tätigkeit der Kirche treten verschiedene Bedingungen zuweilen nebeneinander auf: zunächst solche des Neubeginns oder Pflanzens, dann solche der Neuheit oder Jugend. Sind diese vorüber, so endigt dennoch die missionarische Tätigkeit der Kirche nicht. Vielmehr obliegt den inzwischen konstituierten Teilkirchen die Pflicht, sie fortzusetzen und das Evangelium den einzelnen zu verkündigen, die noch draußen stehen.
Überdies ändern sich die Gemeinschaften, innerhalb deren die Kirche besteht, aus verschiedenen Ursachen nicht selten von Grund auf, so daß völlig neue Bedingungen auftreten können. Dann muß die Kirche erwägen, ob diese Bedingungen ihre missionarische Tätigkeit neuerdings erfordern. Außerdem sind die Verhältnisse manchmal von der Art, daß für bestimmte Zeit die Möglichkeit fehlt, die Botschaft des Evangeliums direkt und sofort vorzulegen. Dann können und müssen die Missionare geduldig, klug und zugleich mit großem Vertrauen wenigstens Zeugnis ablegen für die Liebe und Güte Christi und so dem Herrn die Wege bereiten und ihn in gewissem Sinn gegenwärtig werden lassen.
So wird deutlich, daß die missionarische Tätigkeit zuinnerst aus dem Wesen der Kirche hervorquillt. Sie breitet ihren heilschaffenden Glauben aus, verwirklicht in der Ausbreitung ihre katholische Einheit und wird von ihrer Apostolizität gehalten. Sie ist Vollzug der kollegialen Gesinnung ihrer Hierarchie und bezeugt, verbreitet und fördert ihre Heiligkeit. Mithin unterscheidet sich die missionarische Tätigkeit unter den Heiden sowohl von der pastoralen Tätigkeit, die den Gläubigen gegenüber auszuüben ist, als auch von den Bemühungen, die zur Wiederherstellung der christlichen Einheit unternommen werden. Gleichwohl sind diese beiden mit dem missionarischen Wirken der Kirche aufs engste verbunden (37); denn Spaltung der Christen “ist ein Schaden für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums vor allen Geschöpfen” (38) und verschließt vielen den Zugang zum Glauben. Mithin sind von der Notwendigkeit der Mission her alle Gläubigen dazu gerufen, daß sie in einer Herde vereint werden und so vor den Völkern von Christus, ihrem Herrn, einmütig Zeugnis ablegen können. Wenn sie aber den einen Glauben noch nicht voll zu bezeugen vermögen, so müssen sie sich dennoch von gegenseitiger Wertschätzung und Liebe beseelen lassen.
7. Der Grund dieser missionarischen Tätigkeit ergibt sich aus dem Plan Gottes, der “will, daß alle Menschen heil werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn es ist nur ein Gott und nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle hingegeben hat” (1 Tim 2,4-6), “und in keinem andern ist Heil” (Apg 4,12). So ist es nötig, daß sich alle zu ihm, der durch die Verkündigung der Kirche erkannt wird, bekehren sowie ihm und seinem Leib, der Kirche, durch die Taufe eingegliedert werden. Christus selbst hat nämlich “mit ausdrücklichen Worten die Notwendigkeit des Glaubens und der Taufe betont (39) und damit zugleich die Notwendigkeit der Kirche, in die die Menschen durch die Taufe wie durch eine Tür eintreten, bekräftigt. Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten” (40). Wenngleich Gott Menschen, die das Evangelium ohne ihre Schuld nicht kennen, auf Wegen, die er weiß, zum Glauben führen kann, ohne den es unmöglich ist, ihm zu gefallen (41), so liegt also doch auf der Kirche die Notwendigkeit (42) und zugleich das heilige Recht der Evangeliumsverkündigung. Deshalb behält heute und immer die missionarische Tätigkeit ihre ungeschmälerte Bedeutung und Notwendigkeit.
Durch sie sammelt und ordnet der mystische Christusleib immerfort Kräfte zum eigenen Wachstum (43). Ihr nachzugehen werden die Glieder der Kirche durch die Liebe getrieben, mit der sie Gott lieben und durch die sie mit allen Menschen in den geistlichen Gütern des gegenwärtigen wie des künftigen Lebens Gemeinschaft zu haben verlangen.
Endlich gehört diese missionarische Tätigkeit zur vollen Verherrlichung Gottes, indem die Menschen sein Heilswerk, das er in Christus vollzogen hat, bewußt und in seiner Ganzheit annehmen. So wird durch sie der Plan Gottes erfüllt, dem Christus gehorsam und liebend gedient hat zur Herrlichkeit des Vaters, der ihn dazu gesandt hat (44), daß das ganze Menschengeschlecht ein Volk Gottes bilde, in den einen Leib Christi zusammenwachse und zu dem einen Tempel des Heiligen Geistes aufgebaut werde. Das entspricht, da es die brüderliche Eintracht zum Ausdruck bringt, ganz den innersten Wünschen aller Menschen. So wird endlich der Ratschluß des Schöpfers, der den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen, wahrhaft erfüllt, wenn alle, die an der menschlichen Natur teilhaben, in Christus durch den Heiligen Geist wiedergeboren, in einmütigem Schauen der Herrlichkeit Gottes sagen können: “Vater unser” (45).
8. Auch zu der menschlichen Natur und ihren Strebungen steht die missionarische Tätigkeit in enger Verbindung. Eben dadurch nämlich, daß sie Christus verkündet, offenbart die Kirche zugleich dem Menschen die ursprüngliche Wahrheit dessen, was es um ihn ist und worin seine volle Berufung liegt. Christus ist ja Ursprung und Urbild jener erneuerten, von brüderlicher Liebe, Lauterkeit und Friedensgeist durchdrungenen Menschheit, nach der alle verlangen. Christus und die Kirche, die von ihm durch die Predigt des Evangeliums Zeugnis gibt, überschreiten alle Besonderheit der Rasse oder der Nation und können deshalb von niemand und nirgendwo als fremd erachtet werden (46) . Christus selbst ist die Wahrheit und der Weg, welche die Predigt des Evangeliums allen zugänglich macht, indem sie an die Ohren aller die Worte eben dieses Christus heranträgt: “Tut Buße, und glaubt dem Evangelium” (Mk 1,15). Da aber, wer nicht glaubt, schon gerichtet ist (47), so sind die Worte Christi zugleich Worte des Gerichts und der Gnade, des Todes und des Lebens; denn wir können zum neuen Leben nur hinzutreten, indem wir das alte in den Tod hineingeben. Das gilt zunächst von den Personen, dann aber auch von den verschiedenen Gütern dieser Welt, die zugleich von der Sünde des Menschen und von der Segnung Gottes gezeichnet sind: “Alle haben nämlich gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes” (Röm 3,23). Niemand wird durch sich selbst und aus eigener Kraft von der Sünde erlöst und über sich hinausgehoben, niemand vollends von seiner Schwachheit, Einsamkeit oder Knechtschaft frei gemacht (48), vielmehr brauchen alle Christus als Beispiel, Lehrer, Befreier, Heilbringer, Lebensspender. In der Tat war das Evangelium in der Geschichte, auch der profanen, den Menschen ein Ferment der Freiheit und des Fortschritts und bietet sich immerfort als Ferment der Brüderlichkeit, der Einheit und des Friedens dar. Nicht ohne Grund wird Christus von den Gläubigen gefeiert als die “Erwartung der Völker und ihr Erlöser” (49).
9. Die Zeit der missionarischen Tätigkeit liegt also zwischen der ersten Ankunft des Herrn und seiner Wiederkunft, bei der die Kirche von den vier Winden her wie die Ernte in die Herrschaft Gottes gesammelt wird (50). Bevor nämlich der Herr kommt, muß allen Völkern die frohe Botschaft verkündigt werden (51).
Missionarische Tätigkeit ist nichts anderes und nichts weniger als Kundgabe oder Epiphanie und Erfüllung des Planes Gottes in der Welt und ihrer Geschichte, in der Gott durch die Mission die Heilsgeschichte sichtbar vollzieht. Durch das Wort der Verkündigung und die Feier der Sakramente, deren Mitte und Höhepunkt die heilige Eucharistie darstellt, läßt sie Christus, den Urheber des Heils, gegenwärtig werden. Was immer aber an Wahrheit und Gnade schon bei den Heiden sich durch eine Art von verborgener Gegenwart Gottes findet, befreit sie von der Ansteckung durch das Böse und gibt es ihrem Urheber Christus zurück, der die Herrschaft des Teufels zerschlägt und die vielfältige Bosheit üblen Tuns in Schranken hält. Was an Gutem in Herz und Sinn der Menschen oder auch in den jeweiligen Riten und Kulturen der Völker keimhaft angelegt sich findet, wird folglich nicht bloß nicht zerstört, sondern gesund gemacht, über sich hinausgehoben und vollendet zur Herrlichkeit Gottes, zur Beschämung des Satans und zur Seligkeit des Menschen (52). So strebt die missionarische Tätigkeit auf die eschatologische Fülle hin (53), denn durch sie wird bis zu dem Maß und der Zeit, die der Vater in seiner Vollmacht festgesetzt hat (54), das Volk Gottes ausgebreitet, dem prophetisch gesagt ist: “Erweitere deines Zeltes Raum, und deine Zelttücher spanne aus! Spare nicht!” (Jes 54,2.) (55) So entfaltet sich der mystische Leib bis zum Maß des Vollalters Christi (56), und der geistliche Tempel, worin Gott angebetet wird in Geist und Wahrheit (57), wächst und wird aufgebaut “auf dem Fundament der Apostel und Propheten, während Christus selbst der Eckstein ist” (Eph 2,20).
2. Kapitel
Die eigentliche Missionsarbeit
10. Die Kirche ist von Christus gesandt, die Liebe Gottes allen Menschen und Völkern zu verkünden und mitzuteilen; sie ist sich bewußt, daß noch eine ungeheure missionarische Aufgabe vor ihr liegt. Es gibt zwei Milliarden Menschen - und ihre Zahl nimmt täglich zu -, die große, festumrissene Gemeinschaften bilden, die durch dauerhafte kulturelle Bande, durch alte religiöse Traditionen, durch feste gesellschaftliche Strukturen zusammengehalten sind und die das Evangelium noch nicht oder doch kaum vernommen haben. Die einen gehören einer der Weltreligionen an, andere bleiben ohne Kenntnis Gottes, andere leugnen seine Existenz ausdrücklich oder bekämpfen sie sogar. Um allen Menschen das Geheimnis des Heils und das von Gott kommende Leben anbieten zu können, muß sich die Kirche all diesen Gruppen einpflanzen, und zwar mit dem gleichen Antrieb, wie sich Christus selbst in der Menschwerdung von der konkreten sozialen und kulturellen Welt der Menschen einschließen ließ, unter denen er lebte.
Artikel 1: Das christliche Zeugnis
11. Diesen menschlichen Gruppen also muß die Kirche gegenwärtig sein durch ihre Kinder, die unter ihnen wohnen oder zu ihnen gesandt werden. Denn alle Christgläubigen, wo immer sie leben, müssen durch das Beispiel ihres Lebens und durch das Zeugnis des Wortes den neuen Menschen, den sie durch die Taufe angezogen haben, und die Kraft des Heiligen Geistes, der sie durch die Firmung gestärkt hat, so offenbaren, daß die anderen Menschen ihre guten Werke sehen, den Vater preisen (1) und an ihnen den wahren Sinn des menschlichen Lebens und das alle umfassende Band der menschlichen Gemeinschaft vollkommener wahrnehmen können.
Um dieses Zeugnis Christi mit Frucht geben zu können, müssen sie diesen Menschen in Achtung und Liebe verbunden sein. Sie müssen sich als Glieder der Menschengruppe, in der sie leben, betrachten; durch die verschiedenen Beziehungen und Geschäfte des menschlichen Lebens müssen sie an den kulturellen und sozialen Angelegenheiten teilnehmen. Sie müssen auch mit ihren nationalen und religiösen Traditionen vertraut sein; mit Freude und Ehrfurcht sollen sie die Saatkörner des Wortes aufspüren, die in ihnen verborgen sind. Sie sollen aber auch den tiefgreifenden Wandlungsprozeß wahrnehmen, der sich in diesen Völkern vollzieht. Sie sollen dahin zu wirken suchen, daß die Menschen unserer Zeit, allzusehr auf Naturwissenschaft und Technologie der modernen Welt bedacht, sich nicht den göttlichen Dingen entfremden, sondern im Gegenteil zu einem stärkeren Verlangen nach der Wahrheit und Liebe, die Gott uns geoffenbart hat, erwachen. Wie Christus selbst das Herz der Menschen durchschaut und sie durch echt menschliches Gespräch zum göttlichen Licht geführt hat, so sollen auch seine Jünger, ganz von Christi Geist erfüllt, die Menschen, unter denen sie leben und mit denen sie umgehen, kennen; in aufrichtigem und geduldigem Zwiegespräch sollen sie lernen, was für Reichtümer der freigebige Gott unter den Völkern verteilt hat; zugleich aber sollen sie sich bemühen, diese Reichtümer durch das Licht des Evangeliums zu erhellen, zu befreien und unter die Herrschaft Gottes, des Erlösers, zu bringen.
12. Die Anwesenheit der Christen in den menschlichen Gemeinschaften muß von jener Liebe beseelt sein, mit der Gott uns geliebt hat, der will, daß wir einander mit derselben Liebe begegnen (2) . Die christliche Liebe erstreckt sich auf alle, ohne Unterschied von Rasse, gesellschaftlicher Stufe oder Religion; sie erwartet nicht Gewinn oder Dankbarkeit; denn wie Gott sich uns mit ungeschuldeter Liebe zugewandt hat, so sind auch die Gläubigen in ihrer Liebe auf den Menschen selbst bedacht und lieben ihn mit der gleichen Zuwendung, mit der Gott den Menschen gesucht hat. Wie also Christus durch die Städte und Dörfer zog, jederlei Krankheit und Gebrechen heilend zum Zeichen der kommenden Gottesherrschaft (3) so ist auch die Kirche durch ihre Kinder mit Menschen jeden Standes verbunden, besonders aber mit den Armen und Leidenden, und gibt sich mit Freuden für sie hin (4). Sie nimmt an ihren Freuden und Schmerzen teil; sie weiß um die Erwartungen und die Rätsel des Lebens, sie leidet mit in den Ängsten des Todes. Denen, die Frieden suchen, bemüht sie sich in brüderlichem Gespräch zu antworten, indem sie ihnen Frieden und Licht aus dem Evangelium anbietet.
Bei der Aufrichtung einer gesunden Wirtschafts- und Sozialordnung sollen die Christgläubigen ihre Arbeit einsetzen und mit allen anderen zusammenarbeiten. Mit besonderer Sorge mögen sie sich der Erziehung der Kinder und der heranwachsenden Jugend durch Schulen verschiedener Typen annehmen; diese Schulen soll man nicht bloß als ein hervorragendes Mittel zur Bildung und zum Aufstieg der christlichen Jugend betrachten, sondern gleichzeitig als äußerst wertvollen Dienst an den Menschen, besonders an den Entwicklungsvölkern, um die menschliche Würde zu höherer Geltung zu bringen und um bessere menschliche Lebensbedingungen vorzubereiten. Ferner sollen sie sich an den Anstrengungen der Völker beteiligen, die sich bemühen, im Kampf gegen Hunger, Unwissenheit und Krankheit bessere Lebensverhältnisse zu schaffen und den Frieden in der Welt zu festigen. Es soll der Wunsch der Gläubigen sein, bei dieser Tätigkeit in kluger Weise bei den Vorhaben mitzuarbeiten, die von privaten sowie öffentlichen Institutionen, von Regierungen, internationalen Organen, von den verschiedenen christlichen Gemeinschaften und auch von den nichtchristlichen Religionen unternommen werden.
Dabei will sich die Kirche auf keine Weise in die Leitung des irdischen Staatswesens einmischen. Sie beansprucht kein anderes Recht, als mit Gottes Hilfe in Liebe und treuer Bereitschaft den Menschen zu dienen (5).
Die Jünger Christi hoffen, durch die enge Verbindung mit den Menschen in ihrem Leben und Arbeiten ein wahres Zeugnis abzulegen und auch da zu deren Heil beizutragen, wo sie Christus nicht ganz verkünden können. Sie suchen ja nicht den rein materiellen Fortschritt und Wohlstand der Menschen, sondern sie fördern ihre Würde und ihre brüderliche Gemeinschaft, indem sie religiöse und sittliche Wahrheiten vermitteln, die Christus mit seinem eigenen Licht erhellt hat; auf diese Weise öffnen sie langsam einen volleren Zugang zu Gott. So wird den Menschen in der Erlangung des Heils durch die Liebe zu Gott und zum Nächsten geholfen; das Geheimnis Christi beginnt aufzuleuchten, in dem der neue Mensch erschienen ist, der nach Gott erschaffen wurde 6 , in dem Gottes Liebe sich geoffenbart hat.
Artikel 2: Die Verkündigung des Evangeliums und die Sammlung des Gottesvolkes
13. Überall, wo Gott eine Tür für das Wort auftut, das Geheimnis Christi zu verkünden (7), da muß allen Menschen (8) mit Freimut und Festigkeit (9) der lebendige Gott verkündet werden (10) und der, den er zum Heil aller gesandt hat, Jesus Christus (11), auf daß die Nichtchristen glaubend, mit einem Herzen, das ihnen der Heilige Geist geöffnet hat (12), sich frei zum Herrn bekehren und ihm aufrichtig anhangen, da er als “der Weg, die Wahrheit und das Leben” (Joh 14,6) all ihr geistliches Sehnen erfüllt, ja es unendlich überragt.
Diese Bekehrung muß man gewiß notwendig als anfanghaft auffassen, aber doch als ausreichend, damit der Mensch verstehe, daß er, der Sünde entrissen, in das Geheimnis der Liebe Gottes eingeführt werde, der ihn zu seiner persönlichen Gemeinschaft in Christus ruft; denn unter dem Einfluß der Gnade beginnt der Neubekehrte seinen geistlichen Weg, auf dem er, durch den Glauben schon mit dem Geheimnis des Todes und der Auferstehung verbunden, vom alten Menschen hinüberschreitet zum neuen Menschen, der in Christus vollendet ist (13). Dieser Übergang bringt einen fortschreitenden Wandel seines Empfindens und Verhaltens mit sich; er muß sich in seinen sozialen Auswirkungen kundtun und sich während des Katechumenates langsam entwickeln. Da der Herr, dem er glaubt, ein Zeichen des Widerspruchs ist (14), muß der Neubekehrte oft Bruch und Trennung erleben, aber auch Freuden, die Gott nicht nach Maß austeilt (15).
Die Kirche verbietet streng, daß jemand zur Annahme des Glaubens gezwungen oder durch ungehörige Mittel beeinflußt oder angelockt werde, wie sie umgekehrt auch mit Nachdruck für das Recht eintritt, daß niemand durch üble Druckmittel vom Glauben abgehalten werde (16).
Nach uraltem kirchlichem Brauch sollen die Motive der Bekehrung erkundet und wenn nötig gereinigt werden.
14. Wer den Glauben an Christus von Gott durch die Kirche empfangen hat (17), soll durch liturgische Zeremonien zum Katechumenat zugelassen werden. Dieses besteht nicht in einer bloßen Erläuterung von Lehren und Geboten, sondern in der Einführung und genügend langen Einübung im ganzen christlichen Leben, wodurch die Jünger mit Christus, ihrem Meister, verbunden werden. Die Katechumenen müssen also in passender Weise in das Geheimnis des Heils eingeweiht werden; durch die Übung eines Lebenswandels nach dem Evangelium und durch eine Folge von heiligen Riten (18) soll man sie stufenweise in das Leben des Glaubens, der Liturgie und der liebenden Gemeinschaft des Gottesvolkes einführen.
Endlich werden sie durch die Sakramente der christlichen Initiation von der Macht der Finsternis befreit (19); mit Christus sterben sie, werden sie begraben und erstehen sie (20); sie empfangen den Geist der Kindschaft (21) und feiern das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung des Herrn mit dem ganzen Gottesvolk.
Es ist zu wünschen, daß die Fasten- und Osterliturgie so erneuert werde, daß sie die Katechumenen zur Feier des österlichen Geheimnisses bereitet, bei deren festlicher Begehung sie durch die Taufe für Christus wiedergeboren werden.
Um diese christliche Initiation im Katechumenat sollen sich aber nicht bloß Katechisten und Priester kümmern, sondern die ganze Gemeinde der Gläubigen, besonders aber die Taufpaten, so daß den Katechumenen von Anfang an zum Bewußtsein kommt, daß sie zum Gottesvolk gehören. Da das Leben der Kirche apostolisch ist, sollen die Katechumenen lernen, durch das Zeugnis des Lebens und das Bekenntnis des Glaubens zur Verkündigung des Evangeliums und zum Aufbau der Kirche wirksam mitzuarbeiten.
Die Rechtsstellung der Katechumenen schließlich soll im neuen Gesetzbuch der Kirche klar umschrieben werden; denn sie sind schon mit der Kirche verbunden (22), sie gehören schon zum Hause Christi (23), und nicht selten führen sie schon ein Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.
Artikel 3: Der Aufbau der christlichen Gemeinschaft
15. Der Heilige Geist ruft alle Menschen durch die Saat des Wortes und die Predigt des Evangeliums zu Christus; wenn er die an Christus Glaubenden im Schoß des Taufbrunnens zu neuem Leben gebiert, dann sammelt er sie zu dem einen Gottesvolk, das “ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk von ihm zu eigen genommen ist” (1 Petr 2,9) (24).
Als Mitarbeiter Gottes (25) sollen die Missionare solche Gemeinden von Gläubigen erwecken, die würdig der Berufung, die sie empfangen haben (26), die Ämter, die Gott ihnen anvertraut hat, ausüben: das priesterliche, das prophetische und das königliche Amt. Auf diese Weise wird die christliche Gemeinschaft zum Zeichen der Gegenwart Gottes in der Welt. Sie ist ja selbst ständig im eucharistischen Opfer mit Christus auf dem Weg hinüber zum Vater (27); unablässig aus dem Wort Gottes genährt (28), gibt sie Zeugnis für Christus (29); sie wandelt in der Liebe und glüht von apostolischem Eifer (30).
Von Anfang an soll die christliche Gemeinschaft so aufgebaut werden, daß sie, soweit möglich, für ihre eigenen Bedürfnisse aufkommen kann.
Diese Gemeinschaft der Gläubigen soll durch ihre Ausstattung mit den kulturellen Reichtümern der eigenen Heimat tief im Volk verwurzelt sein: Die Familien sollen blühen im Geist des Evangeliums (31), geeignete Schulen sollen ihnen helfen. Durch die Errichtung von Vereinigungen und Gruppen soll das Apostolat der Laien die ganze Gesellschaft mit evangelischem Geist durchdringen; die Liebe zwischen Katholiken verschiedener Riten soll hell leuchten (32).
Unter den Neuchristen soll der ökumenische Geist gepflegt werden. Sie sollen alle, die an Christus glauben, auch wirklich als Christi Jünger anerkennen, die in der Taufe wiedergeboren sind und an sehr vielen Gütern des Gottesvolkes teilhaben. Den religiösen Verhältnissen entsprechend soll man die ökumenische Bewegung so fördern, daß die Katholiken mit den von ihnen getrennten Brüdern, gemäß den Richtlinien des Dekretes über die Ökumenismus, brüderlich zusammenarbeiten im gemeinsamen Bekenntnis des Glaubens an Gott und an Jesus Christus vor den Heiden, soweit dieses vorhanden ist, ebenso im Zusammenwirken in sozialen und technischen sowie kulturellen und religiösen Dingen, wobei man jeden Anschein von Indifferentismus und Verwischung sowie ungesunder Rivalität vermeiden muß. Der Grund für diese Zusammenarbeit sei vor allem Christus, ihr gemeinsamer Herr. Sein Name möge sie zueinanderbringen! Diese Zusammenarbeit soll nicht nur zwischen Privatpersonen stattfinden, sondern nach dem Urteil des Ortsordinarius auch zwischen den Kirchen oder Kirchengemeinschaften und ihren Unternehmungen.
Die aus allen Völkern in der Kirche versammelten Christgläubigen unterscheiden sich nicht von den übrigen Menschen durch Staatsform, Sprache oder Gesellschaftsordnung (33). Darum sollen sie in den ehrbaren Lebensgewohnheiten ihres Volkes für Gott und Christus leben. Als gute Bürger sollen sie die Vaterlandsliebe wahrhaft und tatkräftig üben. Mißachtung fremder Rassen und übersteigerten Nationalismus aber sollen sie gänzlich meiden und die alle Menschen umfassende Liebe pflegen.
Um all das zu verwirklichen, sind die Laien, also die Christgläubigen, die Christus durch die Taufe eingegliedert sind und in der Welt leben, von größter Bedeutung und verdienen besondere Sorge. Denn es ist ihre eigentliche Aufgabe, vom Geist Christi erfüllt, gleichsam als Sauerteig die zeitlichen Dinge so von innen her zu beseelen und zu ordnen, daß sie immer mehr Christus gemäß werden (34).
Aber es ist nicht genug, daß das christliche Volk anwesend ist und in einem Volk Fuß gefaßt hat; es ist auch nicht genug, daß es das Apostolat des Beispiels ausübt. Dazu ist es gegründet und dazu ist es da, um den nichtchristlichen Mitbürgern in Wort und Werk Christus zu verkünden und ihnen zur vollen Annahme Christi zu helfen.
Zur Einpflanzung der Kirche und zum Wachstum der christlichen Gemeinschaft aber sind verschiedene Dienste notwendig; durch göttliche Berufung werden sie in der Gemeinde der Gläubigen selbst geweckt, und sie müssen von allen sorgfältig gefördert und gepflegt werden. Dazu gehören das Amt des Priesters, des Diakons, des Katechisten und die Katholische Aktion. Ebenso leisten Ordensmänner und Ordensfrauen zur Verwurzelung und Festigung der Herrschaft Christi in den Seelen und zu ihrer Ausbreitung durch ihr Gebet und ihr Wirken einen unentbehrlichen Dienst.
16. Mit großer Freude dankt die Kirche für das unschätzbare Geschenk des Priesterberufes, das Gott so vielen jungen Menschen austeilt unter Völkern, die sich erst zu Christus bekehrt haben; denn die Kirche schlägt in einer menschlichen Gemeinschaft tiefere Wurzeln, wenn die verschiedenen Gemeinden der Gläubigen aus ihren Reihen ihre eigenen Diener des Heiles erhalten, die als Bischöfe, Priester und Diakone ihren Brüdern dienen, so daß die jungen Kirchen langsam diözesanen Aufbau mit eigenem Klerus erlangen.
Was dieses Konzil über priesterliche Berufung und Ausbildung festgesetzt hat, soll man da, wo die Kirche erst gepflanzt wird, und in den jungen Kirchen treu wahren. Besonders soll man beachten, was gesagt ist über die enge Verbindung der spirituellen mit der wissenschaftlichen und pastoralen Ausbildung, über die Lebensweise nach dem Evangelium, ohne Rücksicht auf eigenen Nutzen oder Familieninteressen, über die Pflege eines tiefen Verständnisses für das Geheimnis der Kirche. Daraus wird es ihnen wunderbar aufgehen, was es heißt, sich selbst ganz dem Dienst des Leibes Christi in der Arbeit für das Evangelium zu weihen, mit dem Bischof als treue Mitarbeiter verbunden zu sein und ihre Arbeit in Gemeinschaft mit ihren Mitbrüdern zu tun (35).
Um dieses umfassende Ziel zu erreichen, muß die ganze Ausbildung der Alumnen im Licht des Heilsgeheimnisses geplant werden, wie es in der Schrift enthalten ist. Sie müssen lernen, dieses Geheimnis Christi und des menschlichen Heils in der Liturgie gegenwärtig zu finden und in ihrem Leben zu verwirklichen (36).
Diese allgemeinen Erfordernisse der priesterlichen Ausbildung, auch nach der pastoralen und praktischen Seite, müssen nach den Richtlinien des Konzils (37) mit dem Bemühen verbunden werden, den besonderen Formen des Denkens und Handelns des eigenen Volkes entgegenzukommen. Der Geist der Alumnen muß also geöffnet und geschärft werden, damit sie sich ein gutes Wissen und ein rechtes Urteil über die Kultur des eigenen Volkes erwerben können. In den philosophischen und theologischen Disziplinen sollen sie die Beziehungen verstehen, die zwischen ihrer heimatlichen Überlieferung und Religion und der christlichen Religion bestehen (38). Ebenso muß die Priesterbildung die pastoralen Bedürfnisse des Landes berücksichtigen. Die Alumnen sollen Geschichte, Zweck und Methode der missionarischen Tätigkeit der Kirche kennenlernen, ebenso die besonderen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse des eigenen Volkes. Sie sollen im Geist des Ökumenismus erzogen und zum brüderlichen Dialog mit den Nichtchristen gut vorbereitet werden (39). All das verlangt, daß die Studien bis zum Priestertum soweit wie möglich im Zusammenleben mit dem eigenen Volk und seinen Lebensgewohnheiten durchgeführt werden (40). Endlich soll man auch für die Ausbildung in der geordneten kirchlichen Verwaltung sorgen, ja sogar auf wirtschaftlichem Gebiet.
Darüber hinaus soll man geeignete Priester auswählen, die sich nach einiger pastoraler Praxis in höheren Studien an auswärtigen Universitäten, vor allem in Rom, und an anderen wissenschaftlichen Instituten weiterbilden sollen, so daß den jungen Kirchen erfahrene Fachleute aus dem eigenen Klerus für die schwierigeren Aufgaben zur Verfügung stehen.
Wo die Bischofskonferenzen es für gut halten, soll der Diakonat als fester Lebensstand wieder eingeführt werden, entsprechend den Normen der Konstitution über die Kirche (41); denn es ist angebracht, daß Männer, die tatsächlich einen diakonalen Dienst ausüben, sei es als Katechisten in der Verkündigung des Gotteswortes, sei es in der Leitung abgelegener christlicher Gemeinden im Namen des Pfarrers und des Bischofs, sei es in der Ausübung sozialer oder caritativer Werke, durch die von den Aposteln her überlieferte Handauflegung gestärkt und dem Altare enger verbunden werden, damit sie ihren Dienst mit Hilfe der sakramentalen Diakonatsgnade wirksamer erfüllen können.
17. Ebenso verdient die Schar der Katechisten Anerkennung, Männer wie Frauen, die so große Verdienste um das Werk der Heidenmission haben. Erfüllt von apostolischer Gesinnung, leisten sie mit vielen Mühen ihren einzigartigen und unersetzlichen Beitrag zur Verbreitung des Glaubens und der Kirche.
Das Amt der Katechisten hat in unseren Tagen, da es für die Glaubensunterweisung solcher Massen und den Seelsorgedienst nur wenige Kleriker gibt, allergrößte Bedeutung. Deshalb muß ihre Ausbildung so vervollkommnet und dem kulturellen Fortschritt angepaßt werden, daß sie ihr Amt, das durch neue und ausgedehntere Aufgaben erschwert wird, als fähige Mitarbeiter der Priester möglichst gut ausüben können.
Man muß deshalb die diözesanen und regionalen Schulen vermehren, in denen die zukünftigen Katechisten die katholische Lehre, mit besonderer Betonung von Schrift und Liturgie, sowie die katechetischen Methoden und die pastorale Praxis erlernen und sich in stetiger Übung von Frömmigkeit und sittlichem Leben zu einem christlichen Verhalten bilden (42). Zusammenkünfte und Kurse soll man ferner veranstalten, durch die die Katechisten in den Fächern und Fertigkeiten, die zu ihrem Dienst gehören, zu bestimmten Zeiten Auffrischung erhalten und ihr geistliches Leben genährt und gestärkt wird. Außerdem muß man denen, die sich hauptamtlich dieser Arbeit widmen, durch gerechte Vergütung einen gebührenden Lebensstandard und soziale Sicherheit gewährleisten (43).
Es besteht der Wunsch des Konzils, daß durch besondere Mittel der Heiligen Kongregation zur Verbreitung des Glaubens für Ausbildung und Unterhalt der Katechisten gesorgt werde. Wenn es für nötig und zweckmäßig gehalten wird, möge ein eigenes Werk für Katechisten gegründet werden.
Die Kirchen werden auch dankbar die hochherzige Arbeit der Hilfskatechisten anerkennen, deren Mitwirkung sie brauchen. Sie leiten in ihren Gemeinden die Gebete und geben den Unterricht. Für ihre wissensmäßige und geistliche Bildung soll ordnungsgemäß gesorgt werden. Es ist außerdem zu wünschen, daß den entsprechend ausgebildeten Katechisten, wo es angezeigt erscheint, die kanonische Sendung in einer öffentlichen liturgischen Feier gegeben werde, damit sie beim Volk in Glaubensfragen größere Autorität genießen.
18. Schon von der Pflanzung der Kirche an soll das Ordensleben eifrig gefördert werden, das nicht nur für die missionarische Tätigkeit wertvolle und unbedingt notwendige Dienste leistet, sondern auch durch die in der Kirche vollzogene, innigere Weihe an Gott lichtvoll das innerste Wesen der christlichen Berufung offenbart und darstellt (44).
Die religiösen Genossenschaften, die bei der Pflanzung der Kirche mitarbeiten, sollen von den geistlichen Reichtümern ganz durchdrungen sein, die die Ordenstradition der Kirche auszeichnen, und sie dem Geist und der Anlage eines jeden Volkes entsprechend auszudrücken und weiterzugeben suchen. Sie sollen sorgfältig überlegen, wie die Tradition des asketischen und beschaulichen Lebens, deren Keime manchmal alten Kulturen schon vor der Verkündigung des Evangeliums von Gott eingesenkt wurden, in ein christliches Ordensleben aufgenommen werden können.
In den jungen Kirchen sollen verschiedene Formen des Ordenslebens entwickelt werden, um die verschiedenen Aspekte der Sendung Christi und des Lebens der Kirche auszudrücken; sie sollen sich verschiedenen pastoralen Arbeiten widmen und ihre Mitglieder für sie ordnungsgemäß vorbereiten. Doch sollen die Bischöfe in ihrer Konferenz darauf achten, daß nicht Kongregationen mit dem gleichen apostolischen Zweck vervielfacht werden, zum Schaden des Ordenslebens und des Apostolates.
Besondere Erwähnung verdienen die verschiedenen Unternehmungen, die das beschauliche Leben verwurzeln sollen; die einen behalten die wesentlichen Elemente der monastischen Lebensform bei und versuchen, die reiche Tradition ihres Ordens zu verpflanzen. Andere kehren zu den einfacheren Formen des altkirchlichen Mönchswesens zurück. Alle aber sollen sich um eine echte Anpassung an die lokalen Verhältnisse bemühen. Das beschauliche Leben gehört eben zur vollen Anwesenheit der Kirche und muß deshalb überall bei den jungen Kirchen Eingang finden.
3. Kapitel
Die Teilkirchen
19. Die Einpflanzung der Kirche in eine bestimmte Gesellschaft erreicht einen gewissen Abschluß, wenn die Gemeinschaft der Gläubigen im gesellschaftlichen Leben verwurzelt und der örtlichen Kultur in etwa angepaßt ist und so schon Stetigkeit und Festigkeit besitzt. Das heißt: es steht ihr schon eine wenn auch noch nicht genügend große Zahl von einheimischen Priestern sowie von Ordensleuten und Laien zur Verfügung, und sie ist mit den Ämtern und Einrichtungen ausgestattet, die notwendig sind, um unter der Leitung des Bischofs das Leben des Gottesvolkes zu führen und auszubreiten.
In diesen jungen Kirchen muß das Leben des Gottesvolkes auf allen Gebieten des christlichen Lebens reifen, das nach den Richtlinien dieses Konzils zu erneuern ist. Die Gemeinden der Gläubigen werden immer mehr zu bewußt-lebendigen Gemeinschaften des Glaubens, der Liturgie und der Liebe; die Laien bemühen sich in ihrer weltlichen und apostolischen Tätigkeit, eine Ordnung der Liebe und der Gerechtigkeit im Staatswesen aufzubauen; man benützt die publizistischen Mittel nach Tunlichkeit und mit Klugheit; durch ein wahrhaft christliches Leben werden die Familien zu Pflanzstätten des Laienapostolates, sowie für Priester- und Ordensberufe. Der Glaube wird in angepaßter Katechese gelehrt, in einer dem Volkscharakter harmonierenden Liturgie gefeiert und findet durch entsprechende kirchliche Gesetzgebung Eingang in die wertvollen Einrichtungen und Gepflogenheiten des Landes.
Die Bischöfe aber sollen zusammen mit ihrem Priesterkollegium, mehr und mehr durchdrungen vom Geist Christi und der Kirche, in Verbindung mit der Gesamtkirche denken und leben. Die Gemeinschaft der jungen Kirchen mit der ganzen Kirche muß sehr eng bleiben; deren Traditionselemente sollen sie mit der eigenen Kultur verbinden, um durch den gegenseitigen Austausch von Kräften das Leben des mystischen Leibes zu entfalten (1). Man soll deshalb die theologischen, psychologischen und menschlichen Ansätze auswerten, die dazu beitragen können, den Sinn für die Gemeinschaft mit der Gesamtkirche zu entwickeln.
Diese Kirchen sind jedoch häufig in den ärmeren Gebieten der Erde gelegen und leiden meist noch schwer unter Priestermangel und materieller Not. Sie sind deshalb sehr darauf angewiesen, daß die fortgesetzte Missionstätigkeit der ganzen Kirche ihnen die Hilfe bringt, die vor allem dem Wachstum und der Reifung des christlichen Lebens der Ortskirche dienen soll. Diese Missionstätigkeit soll auch den schon lange gegründeten Kirchen, die sich in einem Zustand des Rückschritts oder der Schwäche befinden, Hilfe bringen.
Indes sollen diese Kirchen ein gemeinsames pastorales Programm und geeignete Unternehmen einleiten, durch die die Berufe zum Diözesanklerus und zu den Orden zahlenmäßig vermehrt, sorgfältiger ausgewählt und wirksamer gepflegt werden (2), so daß sie allmählich für sich selber sorgen und anderen Hilfe bringen können.
20. Da die Teilkirche ein getreues Abbild der Gesamtkirche sein muß, soll sie sich auch ihrer Sendung an diejenigen, die mit ihr im gleichen Raum leben und noch nicht an Christus glauben, wohl bewußt sein, damit sie durch das Zeugnis des Lebens, der einzelnen sowohl wie der ganzen Gemeinde, ein Zeichen sei, das auf Christus hinweist.
Darüber hinaus ist der Dienst des Wortes notwendig, damit das Evangelium alle erreiche. Vor allem muß der Bischof Verkünder des Glaubens sein, der neue Jünger Christus zuführen soll (3). Um diese hohe Aufgabe richtig zu erfüllen, muß er sowohl die Situation seiner Herde genau kennen als auch die Vorstellungen, die seine Landsleute sich zuinnerst von Gott gebildet haben. Dabei muß er auch auf die Wandlungen sorgfältig achthaben, die die Verstädterung, die Wanderung der Bevölkerung und der religiöse Indifferentismus bewirken.
Die einheimischen Priester sollen in den jungen Kirchen mit Eifer das Werk der Glaubensverkündigung in Angriff nehmen; dabei sollen sie mit den auswärtigen Missionaren zusammenarbeiten, mit denen sie, geeint unter der Autorität des Bischofs, eine einzige Priesterschaft bilden, und zwar nicht nur zur Betreuung der Gläubigen und zur Feier des Gottesdienstes, sondern auch zur Predigt des Evangeliums denen, die draußen sind. Sie sollen bereit sein, sich bei gegebener Gelegenheit sogar frohgemut ihrem Bischof zur Verfügung zu stellen, um die Missionsarbeit in entlegenen und vernachlässigten Distrikten der eigenen Diözese oder auch in anderen Diözesen aufzunehmen.
Mit gleichem Eifer sollen sich die Ordensmänner und Ordensfrauen und ebenso die Laien für ihre Mitbürger, zumal die ärmeren, einsetzen.
Die Bischofskonferenzen sollen dafür sorgen, daß in bestimmten Zeitabständen Kurse zur exegetischen, theologischen, spirituellen und pastoralen Auffrischung stattfinden, damit der Klerus bei der Vielfalt und dem Wechsel der Verhältnisse eine vollere Kenntnis der theologischen Wissenschaften und der pastoralen Methoden erhalte.
Im übrigen soll man treu befolgen, was dieses Konzil vor allem im Dekret über den Dienst und das Leben der Priester festgesetzt hat.
Um diese Missionsarbeit der Teilkirche auszuführen, sind geeignete Helfer erforderlich, und sie sind rechtzeitig in einer Weise vorzubereiten, die der Situation der einzelnen Kirche entspricht. Da aber die Menschen mehr und mehr zu Gruppen zusammenwachsen, ist es sehr angebracht, wenn sich die Bischofskonferenzen gemeinsam über den Dialog mit diesen Gruppen beraten. Wenn sich aber in manchen Gegenden Gruppen von Menschen finden, die von der Annahme des katholischen Glaubens dadurch abgehalten werden, daß sie sich der besonderen Erscheinungsweise der Kirche in ihrer Gegend nicht anpassen können, so wird vorgeschlagen, daß für eine solche Situation in besonderer Weise (4) Sorge getragen werde, bis alle Christen in einer Gemeinschaft vereint werden können. Wenn der Apostolische Stuhl zu diesem Zweck Missionare zur Verfügung haben sollte, mögen die betreffenden Bischöfe sie in ihre Diözesen rufen oder sie gern aufnehmen und ihre Bemühungen tatkräftig unterstützen.
Damit dieser missionarische Eifer bei den eigenen Landsleuten blühe, ist es sehr nützlich, daß die jungen Kirchen sobald wie möglich an dem gesamten Missionswerk der Kirche aktiven Anteil nehmen, indem sie selbst Missionare ausschicken, die überall in der Welt das Evangelium verkünden sollen, auch wenn sie selbst an Priestermangel leiden; denn die Gemeinschaft mit der Gesamtkirche findet gleichsam ihre Krönung, wenn sie selbst an der Missionsarbeit bei anderen Völkern tätig teilnehmen.
21. Die Kirche ist nicht wirklich gegründet, hat noch nicht ihr volles Leben, ist noch nicht ganz das Zeichen Christi unter den Menschen, wenn nicht mit der Hierarchie auch ein wahrer Laienstand da ist und arbeitet; denn das Evangelium kann nicht in Geist, Leben und Arbeit eines Volkes tief Wurzel schlagen ohne die tätige Anwesenheit der Laien. Deshalb muß schon bei der Gründung der Kirche auf die Entwicklung eines reifen christlichen Laienstandes geachtet werden.
Denn die gläubigen Laien gehören gleichzeitig ganz zum Gottesvolk und ganz zur bürgerlichen Gesellschaft: Zu ihrem Volk gehören sie, in dem sie geboren wurden, an dessen Kulturgütern sie durch die Erziehung teilzunehmen begonnen haben, mit dessen Leben sie durch viele gesellschaftliche Bande verbunden sind, an dessen Aufstieg sie durch ihre eigenen Anstrengungen in ihrem Beruf mitarbeiten, dessen Probleme sie als ihre eigenen empfinden und zu lösen suchen. Sie gehören ebenso Christus an, da sie in der Kirche wiedergeboren sind durch Glaube und Taufe, damit sie in der Neuheit des Lebens und Arbeitens Christus zu eigen seien (5) und damit in Christus alles Gott unterworfen werde und endlich Gott sei alles in allem (6).
Hauptaufgabe der Laien, der Männer und der Frauen, ist das Christuszeugnis, das sie durch Leben und Wort in ihrer Familie, in ihrer Gesellschaftsschicht und im Bereich ihrer Berufsarbeit geben müssen. Denn es muß in ihnen der neue Mensch erscheinen, der nach Gottes Bild in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen ist (7). Diese Neuheit des Lebens aber müssen sie im Bereich der heimatlichen Gesellschaft und Kultur ausdrücken, den Traditionen des eigenen Volkes entsprechend. Sie selbst müssen diese Kultur kennen, sie heilen und bewahren, sie müssen sie im Zug der modernen Entwicklung entfalten und endlich in Christus vollenden, so daß der Christusglaube und das Leben der Kirche der Gesellschaft, in der sie leben, nicht mehr äußerlich sei, sondern sie zu durchdringen und zu verwandeln beginne. Ihren Mitbürgern seien sie in aufrichtiger Liebe verbunden, so daß in ihrem Umgang das neue Band der Einheit und der universalen Solidarität sichtbar werde, die aus dem Geheimnis Christi stammt. Auch sollen sie den Glauben an Christus unter denen verbreiten, mit denen sie durch Bande des täglichen Lebens und des Berufes verbunden sind. Diese Pflicht ist um so dringender, weil die meisten Menschen nur durch benachbarte Laien das Evangelium hören und Christus kennenlernen können. Ja, wo es möglich ist, sollen Laien bereit sein, in noch unmittelbarerer Zusammenarbeit mit der Hierarchie die besondere Sendung zu erfüllen: das Evangelium zu verkünden und christlichen Unterricht zu erteilen, um der werdenden Kirche die Kraft zu vermehren.
Die Diener der Kirche sollen das Apostolat der Laien hoch bewerten. Sie sollen die Laien formen, daß sie sich als Glieder Christi ihrer Verantwortung für alle Menschen bewußt werden; sie sollen ihnen das Geheimnis Christi tief erschließen, sie sollen sie auch in die methodische Arbeit einführen und ihnen in Schwierigkeiten zur Seite stehen, im Geiste der Konstitution über die Kirche und des Dekrets über das Laienapostolat.
Hirten und Laien haben also ihre besonderen Aufgaben und ihre eigene Verantwortung, und so soll die ganze junge Kirche ein einziges Zeugnis Christi geben, lebendig und stark, auf daß sie ein leuchtendes Zeichen des Heils sei, das in Christus zu uns gekommen ist.
22. Das Saatkorn, das heißt das Wort Gottes, sprießt aus guter, von himmlischem Tau befeuchteter Erde, zieht aus ihr den Saft, verwandelt ihn und assimiliert ihn sich, um viele Frucht zu bringen. In der Tat nehmen die jungen Kirchen, verwurzelt in Christus, gebaut auf das Fundament der Apostel, nach Art der Heilsordnung der Fleischwerdung in diesen wunderbaren Tausch alle Schätze der Völker hinein, die Christus zum Erbe gegeben sind (8). Aus Brauchtum und Tradition ihrer Völker, aus Weisheit und Wissen, aus Kunststil und Fertigkeit entlehnen sie alles, was beitragen kann, die Ehre des Schöpfers zu preisen, die Gnade des Erlösers zu verherrlichen, das Christenleben recht zu gestalten (9).
Um dieses Ziel zu verwirklichen, muß in jedem sozio-kulturellen Großraum die theologische Besinnung angespornt werden, die im Licht der Tradition der Gesamtkirche die von Gott geoffenbarten Taten und Worte, die in der Heiligen Schrift aufgezeichnet sind und von Kirchenvätern und Lehramt erläutert werden, aufs neue durchforscht.
So wird man klarer erfassen, auf welchen Wegen der Glaube, unter Benutzung der Philosophie und Weisheit der Völker, dem Verstehen näherkommen kann und auf welche Weise die Gepflogenheiten, die Lebensauffassung und die soziale Ordnung mit dem durch die göttliche Offenbarung bezeichneten Ethos in Einklang gebracht werden können. Von da öffnen sich Wege zu einer tieferen Anpassung im Gesamtbereich des christlichen Lebens. Wenn man so vorangeht, wird jeder Anschein von Synkretismus und falschem Partikularismus ausgeschlossen; das christliche Leben wird dem Geist und der Eigenart einer jeden Kultur angepaßt (10); die besonderen Traditionen, zusammen mit den vom Evangelium erleuchteten Gaben der verschiedenen Völkerfamilien, werden in die katholische Einheit hineingenommen. So haben schließlich die jungen Teilkirchen mit dem ganzen Reichtum ihrer Überlieferung ihren Platz in der kirchlichen Gemeinschaft, unter voller Wahrung des Primates des Stuhles Petri, der in der ganzen Gemeinschaft der Liebe den Vorsitz führt (11).
Es ist zu wünschen, ja überaus angebracht, daß die Bischofskonferenzen innerhalb der sozio-kulturellen Großräume unter sich Verbindung aufnehmen, damit sie in gemeinsamer Überlegung einmütig dieses Ziel der Anpassung verfolgen können.
Kapitel 4
Die Missionare
23. Obwohl jedem Jünger Christi die Pflicht obliegt, nach seinem Teil den Glauben auszusäen1, beruft Christus der Herr aus der Schar der Jünger immer wieder solche, die er selbst will, damit sie bei ihm seien und er sie zur Verkündigung bei den Völkern aussende (2). Deshalb regt er durch den Heiligen Geist, der seine Gnadengaben, wie er will, zum allgemeinen Nutzen austeilt (3), im Herzen einzelner die Berufung zum Missionar an und erweckt gleichzeitig in der Kirche Institute (4), welche die Pflicht der Evangeliumsverkündigung, die der gesamten Kirche obliegt, gewissermaßen als ihre ureigene Aufgabe auf sich nehmen.
Denn durch eine besondere Berufung sind diejenigen gezeichnet, die, im Besitz der erforderlichen natürlichen Anlagen, nach Begabung und Charakter geeignet sind, die Missionsarbeit auf sich zu nehmen (5), seien es Einheimische oder Auswärtige: Priester, Ordensleute oder Laien. Ausgesondert zu dem Werk, zu dem sie berufen sind (6), gehen sie, von der rechtmäßige Autorität gesandt, in gläubigem Gehorsam hinaus zu jenen, die fern von Christus sind - Diener des Evangeliums, “damit die Heiden als Opfergabe wohlgefällig werden, geheiligt durch den Heiligen Geist” (Röm 15,16).
24. Wenn Gott ruft, muß der Mensch Antwort geben, und zwar so, daß er nicht Fleisch und Blut zu Rate zieht (7), sondern sich ganz dem Dienst am Evangelium verschreibt. Eine solche Antwort kann der Mensch nur geben, wenn der Heilige Geist ihn treibt und ihm Kraft gibt. Tritt doch der Gesandte in das Leben und die Sendung dessen ein, der “sich selbst entäußert und Knechtsgestalt angenommen hat” (Phil 2,7). So muß der Missionar bereit sein, sein Leben hindurch zu dem an ihn ergangenen Ruf zu stehen, sich selbst und allem, was er bislang als sein angesehen hat, zu entsagen, um allen alles zu werden (8).
Wenn er den Völkern die frohe Botschaft verkündet, mache er mit Freimut das Geheimnis Christi, an dessen Stelle er steht, kund. Deshalb habe er in ihm den Mut, so wie es seine Pflicht ist, zu reden (9) und sich des Ärgernisses des Kreuzes nicht zu schämen. In der Nachfolge seines Meisters, der sanft und von Herzen demütig war, mache er begreiflich, daß sein Joch nicht drückt und seine Bürde nicht lastet (10). Durch ein Leben ganz nach den Evangelium (11), in großer Geduld, in Langmut und Güte und in aufrichtiger Liebe (12) lege er Zeugnis ab für seinen Herrn, wenn es sein muß bis zur Hingabe des Lebens. Die Kraft und Tapferkeit dazu wird er im Gebet von Gott erlangen, und so wird er erfahren, daß aus aller Prüfung durch Trübsal und bitterste Armut übergroße Freude strömt (13). Er sei überzeugt, daß der Gehorsam die besondere Tugend des Dieners Christi ist, der durch seinen Gehorsam das Menschengeschlecht erlöst hat.
Damit die Herolde der Frohbotschaft die Gnade, die ihnen geworden ist, nicht geringachten, sollen sie sich täglich im Geist erneuern (14). Die Ordinarien und die Oberen aber sollen die Missionare in bestimmten Zeitabständen versammeln, damit sie durch die Hoffnung ihrer Berufung gefestigt und im apostolischen Dienst neu ausgerichtet werden, gegebenenfalls in eigens dazu gegründeten Häusern.
25. Auf seine so hohe Aufgabe muß der künftige Missionar durch eine besondere geistliche und sittliche Formung vorbereitet werden (15). Der Missionar muß initiativfreudig sein, beharrlich in der Durchführung von Unternehmen und ausdauernd in Schwierigkeiten. Geduldig und starkmütig muß er Einsamkeit, Ermüdung und Mißerfolge tragen lernen. In geistiger Aufgeschlossenheit und Offenheit des Herzens muß er auf die Menschen zugehen können. Aufgaben, die ihm übertragen werden, wird er bereitwillig annehmen. Selbst fremd anmutenden Bräuchen des Volkes muß er sich ebenso wie neu entstehenden Situationen bereitwilligst anzupassen wissen. In aller Eintracht und in gegenseitiger Liebe wird er mit seinen Mitbrüdern und allen, die sich der gleichen hohen Aufgabe widmen, im Team zusammenarbeiten. So werden sie zusammen mit den Gläubigen ein Abbild der apostolischen Gemeinde bieten und ein Herz und eine Seele sein (16).
Eine solche Geisteshaltung muß schon in der Zeit der Vorbereitung eifrigst eingeübt und gepflegt und im geistlichen Leben aufbereitet und genährt werden. Von lebendigem Glauben und unerschütterlicher Hoffnung durchdrungen, muß der Missionar ein Mann des Gebetes sein. Er erglühe vom Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit (17); er lerne, mit seinen Verhältnissen zufrieden zu sein (18). In Opfergesinnung trage er an seinem Leibe das Todesleiden Jesu, damit das Leben Jesu in denen wirksam werde, zu denen er gesandt ist (19). Im Eifer für die Seelen bringe er gern Opfer, ja opfere er sich selbst für die Seelen auf (20). So wird er “durch seine tägliche Pflichterfüllung in der Liebe zu Gott und zum Nächsten wachsen” (21). Auf diese Weise führt er, mit Christus dem Willen des Vaters gehorchend, die Sendung Jesu im Gehorsam gegen die kirchliche Autorität weiter und wirkt am Geheimnis des Heils mit.
26. Die zu den verschiedenen Völkern ausgesandt werden, sollen “durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre zu tüchtigen Dienern Christi herangebildet werden” (1 Tim 4,6). Sie schöpfen sie vor allem aus der Heiligen Schrift, indem sie tief in das Geheimnis Christi einzudringen versuchen, dessen Herolde und Zeugen sie sein sollen.
Deshalb sind alle Missionare - Priester, Brüder, Schwestern und Laien - entsprechend ihrem Stand vorzubereiten und auszubilden, damit sie den Anforderungen ihrer künftigen Arbeit gerecht werden können (22). Ihre wissenschaftliche Ausbildung soll gleich von Anfang an sowohl der Universalität der Kirche als auch der Andersartigkeit der Völker Rechnung tragen. Dieser Grundsatz gilt für alle Disziplinen, die sie auf ihren künftigen Dienst vorbereiten; er gilt aber auch für die übrigen Wissenschaften, in denen sie nutzbringend unterrichtet werden, um eine allgemeine Kenntnis der Völker, ihrer Kulturen und Religionen zu besitzen, die nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart berücksichtigt. Denn wer sich zu einem anderen Volk begeben will, muß dessen Erbe, Sprache und Brauchtum hochachten. Vor allem soll der künftige Missionar sich mit missionswissenschaftlichen Studien befassen, das heißt, er soll die Lehre und die Grundsätze der Kirche bezüglich der Missionstätigkeit kennen; er soll wissen, welche Wege die Boten des Evangeliums im Lauf der Jahrhunderte gegangen sind; er soll die gegenwärtige Missionssituation kennen und die Methoden, die heutzutage als besonders erfolgreich gelten (23).
Wenn auch diese gesamte Ausbildung vom Geist pastoraler Sorge durchdrungen sein muß, so soll dennoch eine eigene und planmäßige Anleitung zum Apostolat geboten werden, sowohl in der Theorie wie durch praktische Übungen (24).
Von den Brüdern und Schwestern sollen möglichst viele katechetisch geschult und gut ausgebildet werden, damit sie noch besser im Apostolat mitwirken können.
Auch wer auf Zeit Aufgaben der Missionsarbeit übernimmt, soll unbedingt eine entsprechende Vorbildung erwerben. Diese Ausbildungsfächer sollen in den Ländern, in welche die Missionare gesandt werden, so ergänzt werden, daß sie ausführlicher die Geschichte, das gesellschaftliche Gefüge und das Brauchtum der Völker kennenlernen und tieferen Einblick gewinnen in die sittliche Ordnung, die religiösen Vorschriften und die Vorstellungen, die sie sich nach den ihnen heiligen Überlieferungen über Gott, Welt und Mensch zuinnerst gebildet haben (25). Ihre Sprachen sollen sie so gründlich erlernen, daß sie sich fließend und gewandt ihrer bedienen können und dadurch leichteren Zugang zu Geist und Herz der Menschen finden (26). Außerdem müssen sie in die besonderen pastoralen Erfordernisse gut eingeführt werden.
Einige aber sollen an missionswissenschaftlichen Instituten oder sonstigen Fakultäten und Universitäten eine gründlichere Ausbildung erhalten, damit sie Spezialaufgaben wirksamer wahrnehmen (27) und den übrigen Missionaren durch ihr Fachwissen Hilfe in der Missionsarbeit leisten können, die zumal in unserer Zeit so viele Schwierigkeiten und Möglichkeiten bietet. Außerdem wäre sehr zu wünschen, daß die regionalen Bischofskonferenzen genügend viele solcher Fachleute zur Verfügung hätten und sich ihres Wissens und ihrer Erfahrung in den schwer zu lösenden Aufgaben ihres Amtes mit Gewinn bedienen könnten. Auch sollte es nicht an Spezialisten fehlen, die die Hilfsmittel der Technik und der Publizistik, deren Bedeutung niemand unterschätzen sollte, vollendet zu handhaben verstehen.
27. Wenn auch dies alles für jeden, der zu den Völkern gesandt wird, unbedingt notwendig ist, kann es doch kaum wirklich von einzelnen erreicht werden. Da auch die Missionsarbeit, wie die Erfahrung beweist, von einzelnen nicht geleistet werden kann, hat die gemeinsame Berufung die einzelnen zu Gemeinschaften vereinigt, in denen sie mit vereinten Kräften zweckentsprechend ausgebildet werden sollen und das Missionswerk im Auftrag der Kirche und auf Geheiß der hierarchischen Autorität durchführen wollen. Diese Institute haben sich ganz oder mit einem Teil ihrer Mitglieder der Missionsarbeit geweiht und seit Jahrhunderten Last und Hitze des Tages getragen. Oft sind ihnen vom Heiligen Stuhl weite Gebiete zur Evangelisation übertragen worden, in denen sie Gott ein neues Volk gesammelt haben: die Ortskirche, die um ihre eigenen Hirten geschart ist. Diesen Kirchen, die sie mit ihrem Schweiß, oft sogar mit ihrem Blut gegründet haben, werden die Institute mit ihrem Eifer und ihrer Erfahrung weiterhin zu Diensten sein und in brüderlicher Zusammenarbeit Seelsorge ausüben oder Sonderaufgaben zum allgemeinen Wohl ausführen.
Manchmal werden sie im Bereich einer ganzen Region dringlichere Aufgaben übernehmen, wie z. B. die Verkündigung des Evangeliums bei Gruppen oder Völkerschaften, die aus bestimmten Gründen die Frohbotschaft noch nicht gehört oder ihr bislang widerstanden haben (28).
Wo es nötig ist, werden sie bereit sein, jene, die sich auf Zeit der Missionstätigkeit widmen wollen, durch ihre Erfahrung vorzubereiten und ihnen zu helfen.
Aus all diesen Gründen und weil es noch viele Völker gibt, die zu Christus geführt werden müssen, bleiben die Institute vollauf unentbehrlich.
5. Kapitel
Die Ordnung der missionarischen Tätigkeit
28. Da die Christgläubigen verschiedenartige Gnadengeschenke haben (1), soll ein jeder nach Gelegenheit, Fähigkeit, Gnadengabe und Amt (2) am Evangelium mitwirken; alle, die säen und ernten (3), die pflanzen und begießen, sollen eins sein (4), damit sie “auf dasselbe Ziel hin sich frei und in geordneter Weise zusammentun” (5) und eines Sinnes ihre Kräfte einsetzen zur Auferbauung der Kirche.
Aus diesem Grunde ist es notwendig, die Arbeiten der Künder der Frohbotschaft und die Hilfeleistungen der übrigen Christgläubigen so zu lenken und zusammenzufassen, daß in sämtlichen Bereichen der Missionsarbeit und der Missionshilfe “alles in der rechten Ordnung geschehe” (1 Kor 14,40).
29. Da die Sorge für die weltweite Verkündigung des Evangeliums besonders bei der Gemeinschaft der Bischöfe liegt (6), möge die Bischofssynode oder “der beständige, für die ganze Kirche zuständige Rat der Bischöfe” (7) unter den Obliegenheiten von allgemeiner Bedeutung (8) der missionarischen Tätigkeit als der wichtigsten und heiligsten Aufgabe der Kirche (9) besondere Aufmerksamkeit zuwenden.
Für alle Missionen und die gesamte missionarische Tätigkeit soll nur eine einzige Kongregation zuständig sein, nämlich die “Zur Verbreitung des Glaubens”; ihr steht es zu, die missionarischen Belange auf der ganzen Welt, die Missionsarbeit und die Missionshilfe, zu leiten und zu koordinieren, unbeschadet jedoch des Rechtes der Orientalischen Kirchen (10).
Wenn der Heilige Geist auch auf vielfache Weise den Missionsgeist in der Kirche Gottes weckt und nicht selten der Tätigkeit derer, die das Leben der Kirche zu leiten haben, vorauseilt, so soll diese Kongregation doch ihrerseits die missionarische Berufung und Spiritualität, den Eifer und das Gebet für. die Missionen sowie eine zuverlässige und ausreichende Nachrichtenvermittlung über sie fördern; sie soll sich um Missionare bemühen und sie entsprechend der Vordringlichkeit der Bedürfnisse in den einzelnen Gebieten verteilen. Von ihr sollen ein geplantes Arbeitsprogramm entworfen, angepaßte Direktiven und Prinzipien für die Evangelisierung erarbeitet, Impulse gegeben werden. Von ihr soll die wirksame Beschaffung der materiellen Hilfsmittel angeregt und koordiniert werden, die dann unter Berücksichtigung der Notwendigkeit oder Nützlichkeit, nach der Größe der kirchlichen Distrikte, nach der Zahl der Gläubigen und Ungläubigen, der Werke und Institute, der Helfer und Missionare verteilt werden sollen.
Gemeinsam mit dem Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen suche sie Wege und Mittel, um eine brüderliche Zusammenarbeit mit den Missionsunternehmungen anderer christlicher Gemeinschaften zu ermöglichen und zu ordnen, damit man so miteinander leben könne, daß das Ärgernis der Spaltung soweit wie möglich beseitigt werde.
Deshalb ist es nötig, daß diese Kongregation sowohl ein Instrument der Verwaltung als auch ein Organ dynamischer Steuerung sei, das sich wissenschaftlicher Methoden und zeitgemäßer Arbeitsinstrumente bedient und dabei den heutigen theologischen, methodologischen und missionspastoralen Forschungsergebnissen Rechnung trägt.
An der Leitung dieser Kongregation sollen ausgewählte Vertreter all derer wirksamen Anteil mit entscheidender Stimme haben, die am Missionswerk mitarbeiten: Bischöfe aus der ganzen Welt, nach Anhören der Bischofskonferenzen, wie auch Leiter der Institute und der Päpstlichen Missionswerke. Verfahrensweise und Verfassung werden vom Papst festgelegt. Sie alle sind in bestimmten Zeitabständen zusammenzurufen, um unter der Autorität des Papstes die oberste Leitung des gesamten Missionswerkes auszuüben. Der Kongregation soll ein ständiger Kreis fachmännischer Berater von bewährter Kenntnis und Erfahrung zur Verfügung stehen. Ihre Aufgabe wird unter anderem darin bestehen, über die besonderen Verhältnisse der verschiedenen Gebiete und die geistige Orientierung der verschiedenen Menschengruppen sowie auch über die anzuwendenden Evangelisierungsmethoden brauchbare Informationen zu sammeln und wissenschaftlich begründete Folgerungen für die Missionsarbeit und die Missionshilfe vorzulegen.
Die Schwesterngenossenschaften, die regionalen Missionswerke wie auch die Laienorganisationen - zumal die internationalen - seien in einer angemessenen Weise vertreten.
30. Um das Ziel der Missionsarbeit tatsächlich zu erreichen, sollen alle, die im Missionsdienst tätig sind, “ein Herz und eine Seele” (Apg 4,32) sein.
Obliegenheit des Bischofs als des Leiters und des einigenden Zentrums im diözesanen Apostolat ist es, die missionarische Tätigkeit voranzutreiben, zu lenken und zu koordinieren, so jedoch, daß die spontane Initiative derer, die am Werk beteiligt sind, erhalten und gefördert werde. Ihm sind alle Missionare, auch die exemten Religiosen, bei den verschiedenen Arbeiten unterstellt, die zur Ausübung des Apostolates gehören (11). Zur besseren Koordinierung schaffe der Bischof nach Möglichkeit einen Seelsorgerat, in welchem die Kleriker, Religiosen und Laien durch ausgewählte Delegierte vertreten seien. Überdies möge er Sorge tragen, daß die apostolische Tätigkeit nicht auf die schon Bekehrten beschränkt bleibe, daß vielmehr ein angemessener Anteil der Mitarbeiter und der Mittel für die Evangelisierung der Nichtchristen bestimmt werde.
31. Die Bischofskonferenzen mögen schwerwiegendere Fragen und dringende Probleme in gemeinsamer Beratung behandeln, ohne jedoch örtlich gegebene Unterschiede unbeachtet zu lassen (12). Damit die unzureichende Zahl der Kräfte und Mittel nicht zersplittert und die Unternehmungen nicht unnötigerweise vervielfältigt werden, wird empfohlen, Werke, die dem Wohl aller dienen, mit vereinten Kräften zu gründen, wie z. B. Seminarien, höhere und technische Schulen, Zentren für Pastoral, Katechetik, Liturgik und Publizistik.
Wenn zweckmäßig, möge eine derartige Zusammenarbeit auch zwischen verschiedenen Bischofskonferenzen aufgenommen werden.
32. Wünschenswert ist ebenfalls eine Koordinierung der von den Instituten und kirchlichen Vereinigungen ausgeübten apostolischen Tätigkeit. Sie alle, gleich welcher Art sie sind, sollen sich in allem, was die missionarische Tätigkeit betrifft, dem Ortsordinarius zur Verfügung halten. Deswegen wird es von großem Nutzen sein, besondere Übereinkünfte zu treffen, wodurch die Beziehungen zwischen dem Ortsordinarius und dem Leiter des Instituts geregelt werden.
Wenn einem Institut ein Territorium anvertraut wurde, mögen der kirchliche Obere und das Institut es sich angelegen sein lassen, alles daraufhin anzulegen, daß die neue christliche Gemeinschaft zur Ortskirche heranwachse, die zu gegebener Zeit von einem eigenen Hirten mit seinem eigenen Klerus geleitet werde.
Hört die Überlassung eines Gebietes auf, entsteht eine neue Situation. Die Bischofskonferenzen und die Institute sollen in gemeinsamen Überlegungen die Richtlinien festlegen, die die Beziehungen zwischen den Ortsordinarien und den Instituten regeln (13). Sache des Heiligen Stuhles aber wird es sein, allgemeine Grundsätze zu umreißen, nach denen regionale oder auch partikulare Übereinkünfte getroffen werden.
Obwohl die Institute bereit sein werden, das begonnene Werk durch Mitwirken in der ordentlichen Seelsorge fortzusetzen, soll doch bei Zunahme des Ortsklerus Vorsorge getroffen werden, daß die Institute, sofern dies ihren Zielen entspricht, der Diözese treu bleiben und großzügig besondere Aufgaben oder einen bestimmten Gebietsteil in ihr übernehmen.
33. Institute, die in dem gleichen Territorium missionarisch tätig sind, mögen auf Wege und Mittel bedacht sein, ihre Arbeiten zu koordinieren. Deshalb sind Religiosenkonferenzen und Vereinigungen der weiblichen Ordensgemeinschaften, in denen alle Institute derselben Nation oder Region vertreten sind, von größtem Nutzen. Diese Konferenzen sollen überlegen, was in gemeinsamem Bemühen durchgeführt werden kann, und enge Verbindung mit den Bischofskonferenzen halten.
Dies alles wäre in gleicher Weise auch auf die Zusammenarbeit der Missionsinstitute in der Heimat auszudehnen, so daß die Fragen und Aufgaben, die allen gemeinsam sind, leichter und mit geringeren Ausgaben gelöst und durchgeführt werden können, wie zum Beispiel die wissenschaftliche Ausbildung der zukünftigen Missionare, Kurse für Missionare, Beziehungen zu den öffentlichen Behörden oder zu den internationalen und übernationalen Organisationen.
34. Eine sach- und ordnungsgemäße Ausübung der missionarischen Tätigkeit verlangt eine wissenschaftliche Vorbereitung der Missionare auf ihre Aufgaben, vor allem auf den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen und Kulturen. Diese wird ihnen bei der tatsächlichen Durchführung ihrer Arbeit eine wirksame Hilfe bedeuten. Darum ist es wünschenswert, daß wissenschaftliche Institute, die Missiologie und andere den Missionen dienliche Fachgebiete und Wissenschaften, wie Ethnologie und Sprachkunde, Religionsgeschichte und Religionswissenschaft, Soziologie, Pastoralwissenschaft und ähnliches, betreiben, zum Wohl der Missionen untereinander brüderlich und großzügig zusammenarbeiten.
6. Kapitel
Die gesamtkirchliche Missionshilfe
35. Da die ganze Kirche missionarisch und das Werk der Evangelisation eine Grundpflicht des Gottesvolkes ist, lädt die Heilige Synode alle zu einer tiefgreifenden, inneren Erneuerung ein, damit sie im lebendigen Bewußtsein der eigenen Verantwortung um die Ausbreitung des Evangeliums ihren Anteil am Missionswerk bei den Völkern übernehmen.
36. Als Glieder des lebendigen Christus, durch Taufe, Firmung und Eucharistie ihm eingegliedert und gleichgestaltet, ist allen Gläubigen die Pflicht auferlegt, an der Entfaltung und an dem Wachstum seines Leibes mitzuwirken, damit dieser so bald wie möglich zur Vollgestalt gelange (1).
Deshalb mögen alle Kinder der Kirche ein lebendiges Verantwortungsbewußtsein gegenüber der Welt besitzen, eine wahrhaft katholische Gesinnung in sich hegen und ihre Kräfte für das Werk der Evangelisierung einsetzen. Doch seien alle eingedenk, daß die erste und wichtigste Verpflichtung bei der Ausbreitung des Glaubens darin besteht, ein tiefchristliches Leben zu führen. Ihr Eifer im Dienste Gottes und ihre Liebe zum Nächsten werden der ganzen Kirche neuen geistlichen Antrieb verleihen, so daß sie als Zeichen erscheint, aufgerichtet unter den Völkern (2), als “Licht der Welt” (Mt 5,14) und als “Salz der Erde” (Mt 5,13). Dieses Zeugnis des Lebens wird eher seine Wirkung hervorbringen, wenn es - nach den Richtlinien des Dekrets über den Ökumenismus (3) - zusammen mit anderen christlichen Gruppen abgelegt wird. Aus diesem erneuerten Geiste werden spontan Gebete und Bußwerke Gott dargebracht werden, damit seine Gnade die Arbeit der Missionare befruchte; Missionsberufe werden erstehen und die den Missionen notwendigen Mittel gespendet werden.
Damit aber die Christgläubigen, einzeln und insgesamt, über die gegenwärtige Situation der Kirche in der Welt gut unterrichtet sind und die Stimme der Scharen hören, die da rufen: “Hilf uns” (4), sollen ihnen die Nachrichten über die Missionen, auch durch Einsatz der modernen publizistischen Mittel, so dargeboten werden, daß sie die missionarische Aufgabe als ihre eigene erfassen, für die unermeßlichen und tiefen Nöte der Menschen ihre Herzen öffnen und sich gedrängt fühlen, ihnen zu Hilfe zu kommen.
Von Wichtigkeit ist auch die Koordinierung der Nachrichten und die Zusammenarbeit mit den nationalen und internationalen Organen.
37. Da das Volk Gottes in Gemeinschaften lebt, besonders in der Diözesan- und Pfarrgemeinschaft, und in ihnen gewissermaßen seine Sichtbarkeit erfährt, fällt es auch diesen zu, Christus vor den Völkern zu bezeugen.
Die Gnade der Erneuerung kann in den Gemeinschaften nicht wachsen, wenn nicht eine jede den Raum ihrer Liebe bis zu den Grenzen der Erde hin ausweitet und eine ähnliche Sorge für jene trägt, die in der Ferne leben, wie für jene, die ihre eigenen Mitglieder sind.
So betet die ganze Gemeinschaft und wirkt mit und übt unter den Völkern ihre Tätigkeit aus durch ihre Kinder, die Gott für diese erhabene Aufgabe erwählt.
Von sehr großem Nutzen wäre es, sofern darüber nur das universale Missionswerk nicht vernachlässigt wird, Verbindung mit den aus der Gemeinde selbst hervorgegangenen Missionaren oder mit irgendeiner Pfarrei oder Diözese in den Missionen zu pflegen, damit so die Verbundenheit der Gemeinschaften sichtbar werde und dem gegenseitigen inneren Aufbau diene.
38. Alle Bischöfe haben als Glieder des in der Nachfolge des Apostelkollegiums stehenden Episkopates nicht nur für eine bestimmte Diözese, sondern für das Heil der ganzen Welt die Weihe empfangen. Der Auftrag Christi, aller Kreatur das Evangelium zu predigen (5) , gilt mit und unter Petrus zuerst und unmittelbar ihnen. Daraus erwächst jene Gemeinschaft und Zusammenarbeit der Kirchen, die für die Fortführung des Werkes der Evangelisierung heute so notwendig ist. Kraft dieser Gemeinschaft tragen die einzelnen Kirchen auch für alle anderen Sorge, sie erschließen einander ihre Nöte und treten miteinander in Austausch, da ja das Wachstum des Leibes Christi Aufgabe des gesamten Bischofskollegiums ist (6).
Indem der Bischof in seiner Diözese, mit der er eine Einheit bildet, das Missionswerk anregt, fördert und leitet, läßt er den missionarischen Geist und Eifer des Gottesvolkes gegenwärtig und gleichsam sichtbar werden, so daß die ganze Diözese missionarisch wird.
Aufgabe des Bischofs wird es sein, in seinem Volk, besonders unter den Kranken und Notleidenden, Seelen zu erwecken, die Gott mit bereitem Herzen Gebete und Bußwerke für die Evangelisierung der Welt darbringen; Berufungen von Jugendlichen und Klerikern für die Missionsinstitute bereitwillig zu fördern und es dankbaren Sinnes anzunehmen, wenn Gott einige erwählt, um sie der aktiven Missionsarbeit der Kirche einzugliedern; die Kongregationen diözesanen Rechts zu einem eigenen Beitrag am Missionswerk zu ermuntern und ihnen dabei zu helfen; die Werke der Missionsinstitute, vor allem freilich die Päpstlichen Missionswerke, bei den Gläubigen zu fördern. Letzteren gebührt mit Recht der erste Platz, da sie Mittel darstellen, die Katholiken von Kindheit an mit einer wahrhaft universalen und missionarischen Gesinnung zu erfüllen und zur tatkräftigen Sammlung von Hilfsmitteln zum Wohl aller Missionen gemäß den jeweiligen Bedürfnissen anzueifern (7).
Weil aber der Bedarf an Arbeitern für den Weinberg des Herrn immer weiter wächst und die Diözesanpriester auch ihrerseits einen immer größeren Anteil an der Evangelisierung der Welt haben möchten, wünscht die Heilige Synode, daß die Bischöfe in Anbetracht des großen Mangels an Priestern, durch den die Evangelisierung vieler Gebiete gehemmt wird, einige ihrer besten Priester, die sich für das Missionswerk anbieten, nach entsprechender Vorbereitung in Diözesen schicken, denen es an Klerus fehlt, wo sie wenigstens für einige Zeit im Geiste des Dienstes das missionarische Amt ausüben mögen (8).
Damit jedoch die missionarische Tätigkeit der Bischöfe sich wirksamer gestalten könne, ist es angebracht, daß die Bischofskonferenzen sich der Angelegenheiten annehmen, die die geordnete Missionshilfe des eigenen Gebietes betreffen.
Die Bischöfe sollen in ihren Konferenzen handeln über die Priester des Diözesanklerus, die sich der Evangelisierung der Heiden widmen wollen; über den bestimmten Geldbetrag, den eine jede Diözese in entsprechendem Verhältnis zu den eigenen Einkünften jährlich für das Missionswerk abtreten soll (9); über die verschiedenen direkten Hilfsmaßnahmen zugunsten der Missionen und deren Leitung und Organisation; über die Unterstützung der Missionsinstitute und der Seminare des Diözesanklerus für die Missionen und nötigenfalls deren Gründung; über die Pflege eines engeren Kontaktes zwischen eben diesen Instituten und den Diözesen.
Zu den Aufgaben der Bischofskonferenzen gehört es gleichfalls, Werke einzurichten und zu fördern, in denen jene, die aufgrund von Arbeiten oder zum Zwecke des Studiums aus den Missionsgebieten einreisen, brüderlich Aufnahme finden und angemessene pastorale Betreuung erhalten. Durch sie werden uns die fernen Völker gewissermaßen zu Nachbarn und wird den von alters her christlichen Gemeinschaften die beste Gelegenheit geboten, mit Nationen ins Gespräch zu kommen, die das Evangelium noch nicht vernommen haben, und ihnen in dem ureigenen Dienst der Liebe und des Beistandes das wahre Antlitz Christi zu zeigen (10).
39. Die Priester sind Stellvertreter Christi und Mitarbeiter der Bischöfe in dem dreifachen heiligen Amt, das seiner Natur nach auf die Sendung der Kirche ausgerichtet ist (11). Sie mögen sich also zutiefst bewußt sein, daß ihr Leben auch dem Dienst an den Missionen geweiht ist. Da sie aber aufgrund ihres eigenen Amtes - das vorzugsweise im Vollzug der die Kirche vollendenden Eucharistie besteht - mit Christus als dem Haupte in Gemeinschaft stehen und andere zu dieser Gemeinschaft hinführen, können sie unmöglich übersehen, wieviel noch an der Vollgestalt des Leibes fehlt und wieviel deshalb noch zu tun ist, damit er immer weiter wachse. Sie mögen darum die Seelsorge so ausrichten, daß sie der Ausbreitung des Evangeliums unter den Nichtchristen dient.
Die Priester sollen in der Seelsorge den Eifer für die Evangelisierung der Welt unter den Gläubigen anfachen und bewahren. In Katechese und Predigt sollen sie über die Aufgabe der Kirche, Christus den Völkern zu verkünden, unterrichten; sie sollen den christlichen Familien die Notwendigkeit und die Ehre vor Augen stellen, missionarische Berufungen in ihren Söhnen und Töchtern zu pflegen; sie sollen unter den Jugendlichen in den Schulen und katholischen Vereinigungen den Missionseifer mehren, so daß aus ihnen zukünftige Boten des Evangeliums hervorgehen. Sie mögen die Gläubigen lehren, für die Missionen zu beten, und sich nicht schämen, von ihnen Gaben zu erbitten und so gleichsam Bettler zu werden für Christus und das Heil der Seelen (12).
Die Professoren der Seminare und Universitäten werden den Jugendlichen die wahre Situation der Welt und der Kirche darlegen, damit die Notwendigkeit einer intensiveren Evangelisierung der Nichtchristen ihnen deutlich werde und ihren Eifer anfache. In der Darstellung der dogmatischen, biblischen, moraltheologischen und historischen Disziplinen werden sie die in jenen enthaltenen missionarischen Aspekte ins Licht rücken, damit auf diese Weise in den zukünftigen Priestern ein missionarisches Bewußtsein gebildet werde.
40. Die religiösen Institute des kontemplativen und aktiven Lebens hatten und haben bisher den größten Anteil an der Evangelisierung der Welt. Ihre Verdienste erkennt die Heilige Synode gern an und sagt Gott Dank für so viele zu seiner Ehre und im Dienst an den Seelen aufgewandte Mühen. Sie ermuntert sie, unverdrossen mit dem begonnenen Werk fortzufahren und sich bewußt zu bleiben, daß die Kraft der Liebe, die sie aufgrund ihrer Berufung vollkommen üben müssen, sie zu wahrhaft katholischem Geist und Werk antreibt und verpflichtet (13).
Die Institute des kontemplativen Lebens sind durch ihre Gebete, Bußwerke und Entsagungen von größter Bedeutung für die Bekehrung der Seelen, da Gott es ist, der auf die Bitte hin Arbeiter in seine Ernte schickt (14), die Nichtchristen für die Botschaft des Evangeliums öffnet (15) und das Wort des Heiles in ihren Herzen Frucht bringen läßt (16). Ja, diese Institute werden gebeten, Niederlassungen in den Missionsgebieten zu gründen, wie das nicht wenige schon getan haben, damit sie dort in einer den echten religiösen Überlieferungen des Volkes angepaßten Weise ihr Leben führen und so dem Zeugnis der Herrlichkeit und Liebe Gottes und der Einheit in Christus unter den Nichtchristen Leuchtkraft verleihen.
Die Institute des aktiven Lebens aber - sei ihre Zielsetzung ausgesprochen missionarisch oder nicht - mögen sich aufrichtig vor Gott fragen, ob sie in der Lage sind, ihre Tätigkeit zugunsten der Ausbreitung der Gottesherrschaft unter den Heiden auszuweiten; ob sie irgendwelche Aufgaben anderen überlassen können, um so die eigenen Kräfte für die Missionen einzusetzen; ob es ihnen möglich ist, in die Missionsarbeit einzutreten, notfalls durch entsprechende Anpassung ihrer Konstitutionen, freilich im Geiste des Stifters; ob sich ihre Mitglieder nach Kräften am Missionswerk beteiligen; ob ihre Lebensweise ein der Eigenart und den Verhältnissen des Volkes gemäßes Zeugnis für das Evangelium ist.
Da durch die Eingebung des Heiligen Geistes die Säkularinstitute in der Kirche ständig zunehmen, kann auch ihr Wirken, in Unterordnung unter die Autorität des Bischofs, auf vielfache Weise in den Missionen fruchtbar sein als ein Zeichen der vollkommenen Hingabe für die Evangelisierung der Welt.
41. Die Laien wirken am Evangelisierungswerk der Kirche mit und haben als Zeugen ebenso wie als lebendige Werkzeuge Anteil an ihrer heilbringenden Sendung (17), besonders wenn sie, von Gott berufen, durch die Bischöfe zu diesem Werk herangezogen werden.
In den schon christlichen Ländern arbeiten die Laien am Werk der Evangelisierung mit, indem sie Kenntnis und Liebe der Missionen bei sich und bei anderen pflegen, Berufe in der eigenen Familie, in den katholischen Vereinigungen und in den Schulen wecken und Unterstützung jeglicher Art anbieten, auf daß sie das Geschenk des Glaubens, das sie umsonst empfingen, anderen weiterschenken.
In den Missionsländern mögen die Laien - seien sie von auswärts oder aus dem Lande - in den Schulen unterrichten, sich der weltlichen Angelegenheiten annehmen, im Pfarr- und Diözesanleben mithelfen wie auch die verschiedenen Formen des Laienapostolates einrichten und fördern, damit die Gläubigen der jungen Kirchen so bald wie möglich ihre eigene Rolle im kirchlichen Leben übernehmen können (18).
Endlich mögen die Laien den auf dem Wege der Entwicklung befindlichen Völkern bereitwillig wirtschaftliche und soziale Zusammenarbeit anbieten. Diese Hilfe ist um so mehr zu loben, wenn sie die Gründung solcher Einrichtungen zum Gegenstand hat, die es mit den Grundstrukturen des sozialen Lebens zu tun haben oder die für die Ausbildung derjenigen bestimmt sind, welche Verantwortung im öffentlichen Leben tragen.
Besonderen Lobes wert sind jene Laien, die an Universitäten oder wissenschaftlichen Instituten durch ihre geschichtlichen oder religionswissenschaftlichen Forschungen die Kenntnis über die Völker und Religionen vertiefen und dadurch den Boten des Evangeliums helfen und den Dialog mit den Nichtchristen vorbereiten.
Im Geiste der Brüderlichkeit mögen sie mit den anderen Christen, den Nichtchristen und besonders mit den Mitgliedern der internationalen Verbände zusammenarbeiten und immer dabei im Auge behalten, daß “der Aufbau des irdischen Gemeinwesens im Herrn gegründet und auf ihn hin ausgerichtet werde” (19).
Um all diesen Aufgaben gewachsen zu sein, ist für die Laien eine technische und geistliche Vorbereitung unerläßlich, die in dazu bestimmten Instituten vermittelt werden soll, damit ihr Leben unter den Nichtchristen zum Zeugnis für Christus werde nach dem Wort des Apostels: “Gebt kein Ärgernis, weder Juden noch Heiden, noch der Kirche Gottes, so wie auch ich allen in allem zu Gefallen bin und nicht meinen Vorteil, sondern den Nutzen der vielen suche, damit sie gerettet werden” (1 Kor 10,32-33).
Schluß
42. Im Wissen um ihre überaus ernste Pflicht, die Gottesherrschaft überall auszubreiten, grüßen die Konzilsväter, gemeinsam mit dem römischen Oberhirten, aus ganzem Herzen alle Boten des Evangeliums, besonders jene, die um des Namens Christi willen Verfolgung leiden, und machen sich zu Gefährten ihres Leidens (20).
Von derselben Liebe, von der Christus zu den Menschen entflammt war, erglühen auch sie. Eingedenk jedoch, daß Gott es ist, der den Anbruch seiner Herrschaft auf Erden bewirkt, beten sie inständig mit allen Christgläubigen, daß auf die Fürbitte der Jungfrau Maria, der Königin der Apostel, die Völker baldmöglichst zur Erkenntnis der Wahrheit geführt werden (21) und die Herrlichkeit Gottes, die im Antlitz Christi erstrahlt, durch den Heiligen Geist allen aufleuchte (22).
Anmerkungen:
Einleitung/Kapitel 1:
(1) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 48: AAS 57 (1965) 53.
(2) Vgl. Mk 16,15.
(3) Augustinus, Enarr. in ps. 44, 23: PL 36, 508; CChr 38,150.
(4) Vgl. Mt 5,13-14.
(5) Vgl. Sir 36,19.
(6) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 2: AAS 57 (1965) 5f.
(7) Vgl. Joh 11,52.
(8) Vgl. Irenäus, Adv. Hær. III., 18, 1: “Das Wort, welches bei Gott ist, durch das alles gemacht worden ist und das immer dem Menschengeschlecht zugegen war ...”: PG 7, 932; Adv. Hær. IV, 6, 7: “Der Sohn, der von Anfang an seinem Gebilde zur Seite stand, offenbart den Vater allen, wem, wann und wie der Vater will”: ebd. 990; vgl. IV, 20, 6 u. 7: ebd. 1037; Demonstratio 34: Patr. Or. XII 773; Sources Chrét. 62 (Paris 1958) 87; Clemens v. Alexandrien, Protr. 112, 1: GCS Clemens I, 79; Strom. VI 6, 44, 1: GCS Clemens II, 453; 13, 106, 3 u. 4: ebd. 485. Zur Lehre selbst vgl. Pius XII., Radiobotschaft, 31.Dez. 1952; II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 16: AAS 57 (1965) 20.
(9) Vgl. Kol 1,13; Apg 10,38.
(10) Vgl. 2 Kor 5,19.
(11) Vgl. Hebr 1,2; Joh 1,3.10; 1 Kor 8,6; Kol 1,16.
(12) Vgl. Eph 1,10.
(13) Vgl. 2 Kor 8,9.
(14) Vgl. Mk 10,45.
(15) Vgl. Athanasius, Ep. ad Epictetum 7: PG 26, 1060; Cyrill v. Jerusalem, Catech. 4, 9: PG 33, 465; Marius Victorinus, Adv. Arium 3, 3: PL 8, 1101; Basilius, Ep. 261, 2: PG 32, 969; Gregor v. Nazianz, Ep. 101: PG 37, 181; Gregor v. Nyssa, Antirrheticus, Adv. Apollin. 17: PG 45, 1156; Ambrosius, Ep. 48, 5: PL 16, 1153; Augustinus, In Ioann. Ev. tr. 23, 6: PL 35, 1585; CChr 36, 236. Er zeigt überdies von da aus, daß der Heilige Geist uns nicht erlöst hat, weil er nicht Fleisch angenommen hat: De Agone Christ. 22, 24: PL 40, 302; Cyrill v. Alexandrien, Adv. Nest. I, 1: PG 76, 20; Fulgentius, Ep. 17, 3, 5: PL65, 454; Ad Trasimundum III., 21: PL 65, 284 (über Traurigkeit und Furcht).
(16) Vgl. Hebr 4,15; 9,28.
(17) Vgl. Apg 1,8.
(18) Vgl. Lk 24,47.
(19) Der Geist ist es, der durch die Propheten gesprochen hat: Symb. Constantinopol.: Denz.-Schönmetzer 150; Leo d. Gr., Sermo 76: “Als am Pfingsttag der Heilige Geist des Herrn die Jünger erfüllte, war dies nicht der Anfang des Geschenks, sondern die Hinzufügung der Fülle, denn auch die Patriarchen, Propheten, Priester und alle Heiligen der vorangegangenen Zeiten wurden durch des gleichen Geistes Heiligung belebt ... wenn auch nicht dasselbe Maß der Gaben war”: PL 54, 450-406. Auch Sermo 77, 1: PL 54, 412; Leo XIII., Enz. Divinum illud, 9. Mai 1897: ASS 29 (1897) 650-651. Auch Joh. Chrysostomus, obgleich er auf der Neuheit der Geistsendung am Pfingsttag insistiert: In Eph. c. 4 Hom. 10, 1: PG 62, 75.
(20) Vgl. Joh 14,16.
(21) Über Babel und Pfingsten sprechen die Väter oft: Origenes, In Gen. c. 1: PG 12, 112; Gregor v. Nazianz, Oratio 41, 16: PG 36, 449; Joh. Chrysostomus, Hom. 2 in Pentec. 2: PG 50, 467; In Act. Apost.: PG 60, 44; Augustinus, Enarr. in ps. 54, 11: PL 36, 636; CChr 39, 664f.; Sermo 271: PL 38, 1245; Cyrill v. Alexandrien, Glaphyra in Genesim II: PG 69, 79; Gregor d. Gr., Hom. in Evang. Buch II, Hom. 30, 4: PL 76, 1222; Beda, In Hexæm. Buch III: PL 91, 125. Siehe überdies das Bild im Atrium der Markusbasilika in Venedig. Die Kirche spricht alle Sprachen und sammelt so alle in der Katholizität des Glaubens: Augustinus, Sermones 266.267.268.269: PL 38, 1225-1237; Sermo 175, 3: PL 38, 946; Joh. Chrysostomus, In Ep. I ad Cor., Hom. 35: PG 61, 296; Cyrill v. Alexandrien, Fragm. in Act.: PG 74, 758; Fulgentius, Sermo 8, 2-3: PL 65, 743-744. Über Pfingsten als Konsekration der Apostel zur Mission vgl. J. A. Cramer, Catena in Acta SS. Apostolorum (Oxford 1838) 24f.
(22) Vgl. Lk 3,22; 4,1; Apg 10,38.
(23) Vgl. Joh 14-17; Paul VI. Ansprache im Konzil, 14.9.1964: AAS 56 (1964) 807.
(24) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 4: AAS 57 (1965) 7.
(25) Augustinus, Sermo 267, 4: “Der Heilige Geist wirkt das in der ganzen Kirche, was die Seele in allen Gliedern eines Leibes tut”: PL 38, 1231. Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 7 (mit Anm. 8): AAS 57 (1965) 11.
(26) Vgl. Apg 10,44-47; 11,15; 15,8.
(27) Vgl. Apg 4,8; 5,32; 8,26.29.39; 9,31; 10; 11,24-28; 13,2.4.9; 16,6-7; 20,22-23; 21,11 usw.
(28) Vgl. auch Mt 10,1-42.
(29) Vgl. Mt 28,18.
(30) Vgl. Apg 1,11.
(31) Vgl. Joh 20,21.
(32) Vgl. Kol 1,24.
(33) Tertullian, Apologeticum 50, 13: PL 1, 534; CChr I, 171.
(34) Schon Thomas v. Aquin spricht von der apostolischen Aufgabe, die Kirche zu pflanzen: vgl. Sent. Lib. I, dist. 16, q. 1, a. 2, ad 2 u.4; a. 3, sol.; Summa Theol. I, q. 43, a. 7, ad 6; I-II., q. 106, a. 4, ad 4. Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 445 u. 453; Pius XI., Enz. Rerum Ecclesiæ, 28. Febr. 1926: AAS 18 (1926) 74; Pius XII., Ansprache an die Direktoren der Päpstlichen Missionswerke, 30. Apr. 1939; ders., Ansprache an die Direktoren der Päpstlichen Missionswerke, 24. Juni 1944: AAS 36 (1944) 210, wieder AAS 42 (1950) 727 u. 43 (1951) 508; ders., Ansprache an den einheimischen Klerus, 29. Juni 1948: AAS 40 (1948) 374; ders., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 507; ders., Enz. Fidei donum, 15. Jan. 1957: AAS 49 (1957) 236; Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 835; Paul VI., Hom., 18. Okt. 1964: AAS 56 (1964) 911. Sowohl die Päpste wie Kirchenväter und scholastische Theologen sprechen oft von der “Ausbreitung” der Kirche: Thomas v. Aquin, Matthäuskomm. 16, 28; Leo XIII., Enz. Sancta Dei Civitas, 3. Dez. 1880: ASS 13 (1880) 241; Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 442; Pius XI., Enz. Rerum Ecclesiæ, 28. Febr. 1926: AAS 18 (1926) 65.
(35) Vgl. 1 Petr 1,23.
(36) Vgl. Apg 2,42.
(37) Es ist klar, daß in dieser Bestimmung der missionarischen Tätigkeit der Sache nach auch jene Gebiete Lateinamerikas eingeschlossen sind, in denen weder eine eigene Hierarchie noch ein Reifestand christlichen Lebens, noch eine ausreichende Evangeliumsverkündigung gegeben ist. Ob aber diese Gebiete vom Heiligen Stuhl tatsächlich als Missionsgebiete anerkannt werden, hängt nicht vom Konzil ab. Deshalb wird bezüglich der Verknüpfung zwischen dem Begriff der missionarischen Tätigkeit und bestimmten Gebieten absichtlich gesagt, diese Tätigkeit werde “meist” in bestimmten, vom Heiligen Stuhl bestätigten Gebieten ausgeübt.
(38) Vgl. lI. Vat. Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio, Nr. 1: AAS 57 (1965) 90.
(39) Vgl. Mk 16,16; Joh 3,5.
(40) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 14: AAS 57 (1965) 18.
(41) Vgl. Hebr 11,6.
(42) Vgl. 1 Kor 9,16.
(43) Vgl. Eph 4,11-16.
(44) Vgl. Joh 7,18; 8,30.44; 8,50; 17,1.
(45) Zu dieser Synthese vgl. die Rekapitulationstheologie des heiligen Irenäus. Vgl. auch Hippolyt, De Antichristo 3: “Alle begehrt er, alle möchte er retten, alle will er zu Kindern Gottes machen, und alle Geheiligten beruft er zu dem einen vollkommenen Menschen”: PG 10, 732; GCS Hippolyt I, 2, S. 6; Benedictiones Jacob 7: TU 38, 1, S. 18, Z. 4f.; Origenes, In Ioann. I, 16: “Dann wird das Gott erkennen derer, die, geleitet von dem Wort, das bei Gott ist, zu Gott gelangt sein werden, eine einzige Handlung sein, daß so, in der Erkenntnis des Vaters gebildet, wie jetzt nur der Sohn den Vater erkennt, alle wahrhaft Söhne seien”: PG 14, 49; GCS Origenes IV, 20; Augustinus, De sermone Domini in monte I, 41: “Wir wollen lieben, was mit uns zu jenem Reich kommen kann, wo niemand sagt: Mein Vater, sondern alle zu dem einen Gott sagen: Vater unser”: PL 34, 1250; Cyrill v. Alex., In Ioann. I: “Wir sind nämlich alle in Christus, und die gemeinsame Person der Menschheit findet in ihm neues Leben. Deshalb trägt er ja auch den Namen 'letzter Adam' ... Unter uns hat er nämlich gewohnt, der von Natur aus Sohn ist und Gott; darum rufen wir in seinem Geiste: Abba, Vater! Es wohnt aber das Wort in allen als in einem einzigen Tempel, den es unseretwegen und aus uns angenommen hat, um, alle in sich tragend, alle in dem einen Leib, wie Paulus sagt, den Vater zu versöhnen”: PG 73, 161-164.
(46) Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: “Denn als Kirche Gottes ist sie katholisch und für kein Volk und keine Nation fremd ...”: AAS 11 (1919) 445. Vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: “Von göttlichem Recht her gehört sie zu allen Völkern ... Wenn die Kirche sozusagen in die Adern irgendeines Volkes ihre Lebenskraft einbringt, ist sie deshalb nicht irgendeine Institution, die diesem Volk von außen her aufgestülpt wird, und sie versteht sich auch selbst nicht so ... Und deshalb unterstützen und vollenden sie (d. h. die in Christus Wiedergeborenen), was immer ihnen gut und wertvoll erscheint”, 25. Mai 1961: AAS 53 (1961) 444.
(47) Vgl. Joh 3,18.
(48) Vgl. Irenäus, Adv. Hær. III., 15, 3: “Sie waren Verkünder der Wahrheit und Apostel der Freiheit”: PG 7, 919.
(49) O-Antiphon der Vesper am 23. Dezember im römischen Brevier.
(50) Vgl. Mt 24,31; Didache 10, 5: ed. Funk I, 32.
(51) Vgl. Mk 13,10.
(52) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 17: AAS 57 (1965) 20-21; Augustinus, De Civ. Dei 19, 17: PL 41, 646; Instructio der Kongregation für die Glaubensverbreitung: Collectanea I, n. 135, S. 42.
(53) Nach Origenes muß das Evangelium vor der Vollendung der Welt verkündet werden: Hom. in Lc. 21: GCS Orig. IX, 136, 21f.; In Matth. comm. ser. 39: ebd. XI., 75, 25f.; 76, 4f; Hom. in Jer. 3, 2: ebd. VIII., 308, 29f.; Thomas v. Aquin, Summa Theol. I-II., q. 106, a. 4, ad 4.
(54) Vgl. Apg 1,7.
(55) Hilarius v. Poitiers, In ps. 14: PL 9, 301; Eusebius v. Cæsarea, In Is. 54, 2-3: PG 24, 462-463; Cyrill v. Alexandrien, In Is. V, cap. 54, 1-3: PG 70, 1193.
(56) Vgl. Eph 4,13.
(57) Vgl. Joh 4,23.
Kapitel 2:
(1) Vgl. Mt 5,16.
(2) Vgl. 1 Joh 4,11.
(3) Vgl. Mt 9,35ff.; Apg 10,38.
(4) Vgl. 2 Kor 12,15.
(5) Vgl. Mt 20,26: 23,11; Ansprache Pauls VI. im Konzil, 21. Nov. 1964: AAS 56 (1964) 1013.
(6) Vgl. Eph 4,24.
(7) Vgl. Kol 4,3.
(8) Vgl. Mk 16,15.
(9) Vgl. Apg 4,13.29.31; 9,27-28; 13,46; 14,3; 19,8; 26,26; 28,31; 1 Thess 2,2; 2 Kor 3,12; 7,4; Phil 1,20; Eph 3,12; 6,19.20
(10) Vgl. 1 Kor 9,15; Röm 10,14.
(11) Vgl. 1 Thess 1,9-10; 1 Kor 1,18-21; Gal 1,31; Apg 14,15-17; 17,22-31.
(12) Vgl. Apg 16,14.
(13) Vgl. Kol 3,5-10; Eph 4,20-24.
(14) Vgl. Lk 2,34; Mt 10,34-39.
(15) Vgl. 1 Thess 1,6.
(16) Vgl. II. Vat. Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanæ, Nr. 2.4.10; Pastorale Konst. über die Kirche in der heutigen Welt Gaudium et spes, Nr. 21.
(17) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 17: AAS 57 (1965) 20-21.
(18) Vgl. II. Vat. Konzil, Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 64-65: AAS 56 (1964) 117.
(19) Vgl. Kol 1,13. Über diese Befreiung von der Knechtschaft Satans und der Finsternis im Evangelium vgl. Mt 12,28; Joh 8,44; 12,31 (vgl. 1 Joh 3,8; Eph 2,1-2). In der Taufliturgie vgl. das römische Rituale.
(20) Vgl. Röm 6,4-11; Kol 2,12-13; 1 Petr 3,21-22; Mk 16,16.
(21) Vgl. 1 Thess 3,5-7; Apg 8,14-17.
(22) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 14: AAS 57 (1965) 19.
(23) Vgl. Augustinus, Tract. in Ioann. 11, 4: PL 35, 1476.
(24) VgL II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 9: AAS 57 (1965) 13.
(25) Vgl. 1 Kor 3,9.
(26) Vgl. Eph 4,1.
(27) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 10.11.34: AAS 57 (1965) 10-17.39-40.
(28) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die göttliche Offenbarung Dei verbum, Nr. 21: AAS 58 (1966) 827.
(29) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 12.35: AAS 57 (1965) 16.40-41.
(30) Vgl. ebd. Nr. 23.36: AAS 57 (1965) 28.41-42.
(31) Vgl. ebd. Nr. 11.35.41: AAS 57 (1965) 15-16.40-41.47.
(32) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über die katholischen Ostkirchen Orientalium Ecclesiarum, Nr. 4: AAS 57 (1965) 77-78.
(33) Brief an Diognet 5: PG 2, 1173; vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 38: AAS 57 (1965) 43.
(34) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 32: AAS 57 (1965) 38; Dekret über das Laienapostolat Apostolicam actuositatem, Nr. 5-7: AAS 58 (1966) 842-844.
(35) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über die Ausbildung der Priester Optatam totius, Nr. 4.8.9: AAS 58 (1966) 716.718.719.
(36) Vgl. II. Vat. Konzil, Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 17: AAS 56 (1964) 105.
(37) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über die Ausbildung der Priester Optatam totius, Nr. 1: AAS 58 (1966) 713.
(38) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 843-844.
(39) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio, Nr. 4: AAS 57 (1965) 94-96.
(40) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 842.
(41) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 29: AAS 57 (1965) 36.
(42) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 855.
(43) Es handelt sich um hauptamtliche Katechisten.
(44) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 31.44: AAS 57 (1965) 37.50-51.
Kapitel 3:
(1) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 838.
(2) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, Nr. 11: AAS 58 (1966) 1008; Dekret über die Ausbildung der Priester Optatam totius, Nr. 2: AAS 58 (1966) 714-715.
(3) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 25: AAS 57 (1965) 29.
(4) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, Nr. 10. Dort ist, soweit es zur richtigen Ausübung des Apostolates nötig ist, die Errichtung personaler Prälaturen vorgesehen, um die besondere pastorale Betreuung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zu erleichtern: AAS 58 (1966) 1007.
(5) Vgl. 1 Kor 15,23.
(6) Vgl. 1 Kor 15,28.
(7) Vgl. Eph 4,24.
(8) Vgl. Ps 2,8.
(9) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 13: AAS 57 (1965) 17-18.
(10) Vgl. Paul VI., Ansprache bei der Kanonisation der Martyrer von Uganda, 18. Okt. 1964: AAS 56 (1964) 908.
(11) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 13: AAS 57 (1965) 18.
Kapitel 4:
(1) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 17: AAS 57 (1965) 21.
(2) Vgl. Mk 3,13f.
(3) Vgl. 1 Kor 12,11.
(4) Unter “Instituten” werden hier Orden, Kongregationen, Institute und Vereinigungen, die in den Missionen arbeiten, verstanden.
(5) Vgl. Pius XI., Enz. Rerum Ecclesiæ, 28. Febr. 1926: AAS 18 (1926) 69-71; Pius XII., Enz. Sæculo exeunte, 13. Juni 1940: AAS 32 (1940) 256; ders., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 506.
(6) Vgl. Apg 13,2.
(7) Vgl. Gal 1,16.
(8) Vgl. 1 Kor 9,22.
(9) Vgl. Eph 6,19f.; Apg 4,31.
(10) Vgl. Mt 11,29f.
(11) Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 449-450.
(12) Vgl. 2 Kor 6,4f.
(13) Vgl. 2 Kor 8,2.
(14) Vgl. 1 Tim 4,14; Eph 4,23; 2 Kor 4,16.
(15) Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 448-449; Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 507. Bei der Vorbereitung der Priestermissionare ist auch zu beachten, was im Dekret über die Ausbildung der Priester Optatam totius des II. Vat. Konzils festgesetzt worden ist.
(16) Vgl. Apg 2,42; 4,32.
(17) Vgl. 2 Tim 1,7.
(18) Vgl. Phil 4,11.
(19) Vgl. 2 Kor 4,10ff.
(20) Vgl. 2 Kor 12,15f.
(21) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 41: AAS 57 (1965) 46.
(22) Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 440; Pius XII., Enz Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 507.
(23) Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 448; Dekret der Kongregation für die Glaubensverbreitung, 20. Mai 1923: AAS 15 (1923) 369-370; Pius XII., Enz. Sæculo exeunte, 2. Juni 1940: AAS 32 (1940) 256; Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 507; Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 843-844.
(24) II. Vat. Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Optatam totius, Nr. 19-21: AAS 58 (1966) 725-726; Const. Apost. Sedes Sapientiæ mit den allgemeinen Festlegungen, 31. Mai 1956: AAS 48 (1956) 354-365.
(25) Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 523-524.
(26) Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 449; Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 507.
(27) Vgl. Pius XII., Enz. Fidei donum, 15. Juni 1957: AAS 49 (1957) 234.
(28) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, Nr. 10, wo von Personaldiözesen und -prälaturen und dergleichen gehandelt wird: AAS 58 (1966) 1007.
Kapitel 5:
(1) Vgl. Röm 12,6.
(2) Vgl. 1 Kor 3,10.
(3) Vgl. Joh 4,37.
(4) Vgl. 1 Kor 3,8.
(5) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 18: AAS 57 (1965) 22.
(6) Vgl. ebd. Nr. 23: AAS 57 (1965) 28.
(7) Vgl. Motupr. Apostolica sollicitudo, 15. Sept. 1965: AAS 57 (1965) 776.
(8) Vgl. Paul VI., Ansprache im Konzil, 21. Nov. 1964: AAS 56 (1964) 1011.
(9) Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 440.
(10) Wo aus besonderen Umständen vorübergehend noch einige Missionen anderen Kongregationen unterstellt sind, mögen diese mit der Heiligen Kongregation für die Verbreitung des Glaubens Kontakt halten, damit die Leitung und Lenkung aller Missionen in wirklich beständiger und einheitlicher Weise geschehen könne.
(11) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche Christus Dominus, Nr. 35, 4: AAS 58 (1966) 691.
(12) Vgl. ebd. Nr. 36-38: AAS 58 (1966) 692-693.
(13) Vgl. ebd. Nr. 35, -6: AAS 58 (1966) 692.
Kapitel 6 und Schluß:
(1) Vgl. Eph 4,13.
(2) Vgl. Jes 11,12.
(3) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio,. Nr. 12: AAS 57 (1965) 99.
(4) Vgl. Apg 16,9.
(5) Vgl. Mk 16,15.
(6) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 23 bis 24: AAS 57 (1965) 27-29.
(7) Vgl. Benedikt XV., Enz. Maximum illud, 30. Nov. 1919: AAS 11 (1919) 453 bis 454; Pius XI., Enz. Rerum Ecclesiæ, 28. Febr.1926: AAS 18 (1926) 71-73; Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 525-526; ders., Enz. Fidei donum, 15. Jan. 1957: AAS 49 (1957) 241.
(8) Vgl. Pius XII., Enz. Fidei donum, 15. Jan. 1957: AAS 49 (1957) 245-246.
(9) II. Vat. Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche Christus Dominus, Nr. 6: AAS 58 (1966) 675-676.
(10) Vgl. Pius XII., Enz. Fidei donum, 15. Jan. 1957: AAS 49 (1957) 245.
(11) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 28: AAS 57 (1965) 34.
(12) Vgl. Pius XI., Enz. Rerum Ecclesiæ, 28. Febr. 1926: AAS 18 (1926) 72.
(13) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 44: AAS 57 (1965) 50.
(14) Vgl. Mt 9,38.
(15) Vgl. Apg 16,14.
(16) Vgl. 1 Kor 3,7.
(17) Vgl. ebd. Nr. 33.35: AAS 57 (1965) 39.40-41.
(18) Vgl. Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 510-514; Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 851-852.
(19) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 46: AAS 57 (1965) 52.
(20) Vgl. Pius XII., Enz. Evangelii Præcones, 2. Juni 1951: AAS 43 (1951) 527; Johannes XXIII., Enz. Princeps Pastorum, 28. Nov. 1959: AAS 51 (1959) 864.
(21) Vgl. 1 Tim 2,4.
(22) Vgl. 2 Kor 4,6.
(Quelle: http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_decree_19651207_ad-gentes_ge.html)
DER PRIESTER, LEHRER DES WORTES, DIENER DER SAKRAMENTE UND LEITER DER GEMEINDE FUR DAS DRITTE CHRISTLICHE JAHRTAUSEND
DER PRIESTER, LEHRER DES WORTES,
DIENER DER SAKRAMENTE UND
LEITER DER GEMEINDE
FUR DAS DRITTE
CHRISTLICHE JAHRTAUSEND
Aus dem Vatikan, 19. März 1999 Fest des hl. Josef
Patron der Universalkirche
An die Hochwürdigsten Ordinarien
Eminenz, Exzellenz,
Die ganze Kirche bereitet sich in bußfertiger Gesinnung auf den
nahenden Eintritt in das dritte Jahrtausend seit der Menschwerdung des
Wortes vor und wird durch die ständigen Bemühungen des Nachfolgers
Petri zu einem immer lebendigeren Andenken an den Willen ihres
göttlichen Gründers angeregt.
In inniger Verbundenheit mit diesem Anliegen hat die Kongregation für
den Klerus auf ihrer vom 13. — 15. Oktober 1998 abgehaltenen
Plenarversammlung entschieden, den einzelnen Ordinarien dieses
Rundschreiben zuzuleiten, das durch sie an alle Priester gerichtet ist.
Der Heilige Vater sagte in der bei dieser Gelegenheit vorgetragenen
Ansprache: "Die Perspektive der Neu-Evangelisierung findet im Einsatz
für das große Jubiläum einen starken Ausdruck. Hier kreuzen einander
providentiell die Wege des Apostolischen Schreibens Tertio Millennio
adveniente und jene, die von den Direktorien für die Priester und die
Ständigen Diakone sowie von der Instruktion zu einigen Fragen über die
Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester und vom Ergebnis der
gegenwärtigen Plenarversammlung aufgezeigt wurden. Dank der allgemeinen
und überzeugten Anwendung dieser Dokumente wird sich der inzwischen
gewohnte Ausdruck Neu-Evangelisierung noch viel effizienter in wirksame
Realität umsetzen lassen".
Es handelt sich um ein Hilfsmittel, das im Blick auf die gegenwärtigen
Umstände bei den einzelnen Priestern und Presbyterien eine
Gewissenserforschung anregen soll im Bewußtsein, daß der Name der Liebe
— in der Zeit
— Treue ist. Im Text werden die konziliaren und päpstlichen Lehren
bekräftigt und die anderen Dokumente des Papstes in Erinnerung gerufen.
Es sind dies wahrhaft grundlegende Dokumente, um den authentischen
Anforderungen der Zeiten zu entsprechen und sich nicht vergeblich in
der Evangelisierungsaufgabe abzumühen.
Die Anregungen zum Nachdenken am Ende der einzelnen Kapitel verlangen
keine Antwort an die Kongregation; vielmehr bilden sie eine
Hilfestellung für jene, die im Licht der genannten Dokumente ihre
Alltgswirklichkeit hinterfragen wollen.
Die Adressaten können sich ihrer in der von ihnen am günstigsten erachteten Art und Weise bedienen.
Im Bewußtsein, daß kein missionarisches Vorhaben ohne den motivierten
und begeisterten Einsatz der Priester realistischerweise gelingen kann,
die ja die ersten und wertvollsten Mitarbeiter der Bischöfe sind, soll
dieses Rundschreiben u.a. auch eine Hilfe anbieten für Priestertage,
Einkehrtage, Exerzitien und Priestertreffen, die in den einzelnen
Kirchengebieten in dieser Vorbereitungszeit auf das große Jubiläum und
vor allem während seiner Durchführung abgehalten werden.
Mit dem Wunsch, daß die Königin der Apostel als leuchtender Stern die
Schritte ihrer geliebten Priester, Söhne in ihrem Sohn, auf den Pfaden
der wirksamen Gemeinschaft, der Treue, der großmütigen und umfassenden
Ausübung ihres unersetzlichen Dienstes geleiten möge, wünsche ich alles
erdenklich Gute im Herrn und entbiete herzliche Grüße in kollegialer
Verbundenheit!
DARÍO Kard. CASTRILLÓN HOYOS
Präfekt
CSABA TERNYÁK
Titular-Erzbischof von Eminenziana
Sekretär
EINLEITUNG
Die auf dem fruchtbaren Boden der großen katholischen Tradition
entstandene und gewachsene Lehre, die den Priester als Lehrer des
Wortes, Diener der Sakramente und Leiter der ihm anvertrauten
christlichen Gemeinde beschreibt, stellt einen Weg nachdenklicher
Reflexion über seine Identität und seine Sendung in der Kirche dar.
Über diese Lehre, die immer dieselbe und doch immer neu ist, muß heute
wieder mit Glaube und Hoffnung nachgedacht werden im Blick auf die
Neu-Evangelisierung, zu welcher der Heilige Geist durch die Person und
Autorität des Heiligen Vaters alle Gläubigen aufruft.
Es braucht einen wachsenden, persönlichen und zugleich gemeinsamen,
neuen und großzügigen apostolischen Einsatz aller in der Kirche. Hirten
und Gläubige müssen, besonders durch das persönliche Zeugnis und die
einleuchtende Lehre Johannes Pauls II. in besonderer Weise ermutigt,
immer gründlicher begreifen, daß der Zeitpunkt gekommen ist, den
Schritt zu beschleunigen, mit leidenschaftlichem apostolischem Geist
nach vorne zu schauen und sich darauf vorzubereiten, die Schwelle des
21. Jahrhunderts in einer Haltung zu überschreiten, deren Bestreben es
ist, die Tore der Geschichte weit aufzumachen für Jesus Christus,
unseren Gott und einzigen Erlöser. Hirten und Gläubige müssen sich
aufgerufen fühlen, dafür zu sorgen, daß im Jahr 2000 mit neuer Kraft
wieder die Verkündigung der Wahrheit erschalle: "Ecce natus est nobis
Salvator mundi" (1).
"In den Ländern mit alter christlicher Tradition, aber manchmal auch in
jüngeren Kirchen haben ganze Gruppen von Getauften den lebendigen Sinn
des Glaubens verloren oder erkennen sich gar nicht mehr als Mitglieder
der Kirche, da sie sich in ihrem Leben von Christus und vom Evangelium
entfernt haben. In diesem Fall braucht es eine ,,Neu-Evangelisierung"
oder eine ,,Wieder-Evangelisierung"" (2) Die Neu-Evangelisierung stellt
also zuallererst eine mütterliche Reaktion der Kirche auf die
Schwächung des Glaubens und die Trübung der moralischen Forderungen des
christlichen Lebens im Bewußtsein so vieler ihrer Söhne und Töchter
dar. Es gibt in der Tat viele Getaufte, die als Bürger einer in
religiöser Hinsicht gleichgültigen Welt zwar einen gewissen Glauben
beibehalten, sich aber praktisch vom Wort und von den Sakramenten, den
wesentlichen Quellen christlichen Lebens, entfernt haben und im
religiösen und moralischen Indifferentismus leben. Aber es gibt viele
andere Menschen, die von christlichen Eltern geboren und vielleicht
auch getauft worden sind, aber die Glaubensgrundlagen nicht erhalten
haben und praktisch ein Dasein ohne Gott führen. Auf alle diese
Menschen blickt die Kirche voll Liebe, während sie es ganz besonders
ihnen gegenüber als dringende Pflicht empfindet, sie an die kirchliche
Gemeinschaft heranzuziehen, wo sie durch die Gnade des Heiligen Geistes
Jesus Christus und den Vater wiederfinden sollen.
Zusammen mit dieser Verpflichtung zur Neu-Evangelisierung, die im
Bewußtsein vieler Christen wieder das Licht des Glaubens entzünden und
in der Gesellschaft die Frohe Botschaft vom Heil wieder erklingen
lassen soll, empfindet die Kirche stark die Verantwortung für ihre
ständige Sendung ad gentes, das heißt das Recht und die Pflicht, allen
Menschen, die Christus noch nicht kennen und nicht an seinen Heilsgaben
teilhaben, das Evangelium zu bringen. Für die Kirche, Mutter und
Lehrerin, sind die Sendung ad gentes und die Neu-Evangelisierung, heute
mehr denn je untrennbare Aspekte des Auftrags, zu lehren, zu heiligen
und alle Menschen zum Vater zu führen. Auch leidenschaftliche Christen,
von denen es viele gibt, bedürfen einer liebevollen, ständigen
Ermutigung dazu, nach ihrer Heiligkeit zu streben, zu der sie von Gott
und von der Kirche berufen sind und die den eigentlichen Motor der
Neu-Evangelisierung darstellt.
Jeder gläubige Christ, jeder Sohn/jede Tochter der Kirche sollte sich
in diese gemeinsame dringende Verantwortung hineingenommen fühlen, ganz
besonders aber gilt das für die Priester, die im besonderen erwählt,
geweiht und gesandt sind, um die Gegenwart Christi, dessen authentische
Repräsentanten und Boten sie werden, offenkundig zu machen.(3) Es
erscheint daher notwendig, allen Welt — und Ordenspriestern zu helfen,
"die vorrangige pastorale Aufgabe der Neu-Evangelisierung" (4)
persönlich auf sich zu nehmen und im Lichte dieser Aufgabe die von Gott
an sie ergangene Berufung wiederzuentdecken, nämlich dem ihnen
anvertrauten Teil des Gottesvolkes als Lehrer des Wortes, Diener der
Sakramente und Hirten der Herde zu dienen.
I. Kapitel
IM DIENST DER NEU-EVANGELISIERUNG
"Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht" (Joh 15,16)
1. Die Neu-Evangelisierung, Aufgabe der ganzen Kirche
Die Berufung und die Entsendung durch den Herrn sind immer aktuell,
gewinnen aber unter den heutigen historischen Gegebenheiten eine
besondere Bedeutung. Denn das Ende des 20. Jahrhunderts weist vom
religiösen Standpunkt her gegensätzliche Erscheinungen auf. Während man
einerseits den hohen Säkularisierungsgrad einer Gesellschaft
feststellt, die sich von Gott abwendet und sich jedem transzendenten
Bezug verschließt, zeigt sich andererseits zunehmend eine Religiosität,
welche die im Herzen aller Menschen vorhandene, angeborene Sehnsucht
nach Gott zu stillen versucht, der es aber nicht immer gelingt, zu
einem befriedigenden Ausgang zu gelangen. "Die Sendung Christi, des
Erlösers, die der Kirche anvertraut ist, ist noch weit davon entfernt,
vollendet zu sein. Ein Blick auf die Menschheit insgesamt am Ende des
zweiten Jahrtausends zeigt uns, daß diese Sendung noch in den Anfängen
steckt und daß wir uns mit allen Kräften für den Dienst an dieser
Sendung einsetzen müssen".(5) Die Verwirklichung dieser dringenden
missionarischen Verpflichtung entfaltet sich heute in großem Maße im
Rahmen der Neu-Evangelisierung vieler Länder alter christlicher
Tradition, wo der christliche Lebenssinn jedoch, wie es scheint,
großenteils im Verfallen begriffen ist. Sie erfolgt aber auch im
weiteren Bereich der gesamten Menschheit überall dort, wo die Menschen
die von Christus gebrachte Heilsbotschaft noch nicht gehört oder noch
nicht richtig verstanden haben.
Eine schmerzliche Realität ist an vielen Orten und in vielen Kreisen
das Vorhandensein von Personen, die von Jesus Christus reden gehört
haben, aber seine Lehre eher als einen Komplex allgemeiner sittlicher
Werte denn als verpflichtende Aufgaben des konkreten Lebens
kennenzulernen und anzunehmen scheinen. Zugenommen hat die Zahl von
Getauften, die sich von der Nachfolge Christi entfernen und einem vom
Relativismus gekennzeichneten Lebensstil folgen. Die Rolle des
christlichen Glaubens reduziert sich in vielen Fällen auf die eines
reinen Kulturfaktors, der häufig auf eine rein private Dimension, ohne
jede Bedeutung im sozialen Leben der Menschen und Völker, verengt
wird.(6)
Nicht wenige und keineswegs kleine Bereiche sind nach zwei
Jahrtausenden Christentum offen für die apostolische Sendung. Alle
Christen müssen sich kraft des ihnen durch die Taufe gewährten
Priestertums (Vgl. 1 Petr 2,4-5.9; Offb 1,5-6. 9-10; 20,6) dazu
aufgerufen wissen, je nach ihren persönlichen Lebensumständen an dem
neuen Sendungsauftrag zur Evangelisierung mitzuwirken, der als
gemeinsame kirchliche Verantwortung Gestalt annimmt.(7) Die
Verantwortung für die Missionstätigkeit "liegt vor allem auf dem
Kollegium der Bischöfe mit dem Nachfolger Petri an deren Spitze".(8)
"Als Mitarbeiter des Bischofs sind die Priester kraft des
Weihesakramentes aufgerufen, die Sorge für die Mission mit ihm zu
teilen" .(9) Man kann also sagen, daß in einem gewissen Sinn die
Priester "die ersten Verantwortlichen dieser Neu-Evangelisierung des
dritten Millenniums" sind.(10)
Die moderne Gesellschaft hat, durch die vielen wissenschaftlichen und
technischen Errungenschaften ermutigt, ein tiefes Bewußtsein kritischer
Unabhängigkeit gegenüber jeder Art von weltlicher wie religiöser
Autorität oder Lehre entwickelt. Das erfordert, daß die christliche
Heilsbotschaft, die immer geheimnisvoll bleibt, gründlich erklärt und
mit der Liebenswürdigkeit, Kraft und Anziehungsfähigkeit vorgestellt
wird, die sie bei der ersten Evangelisierung besaß, wobei man sich
klugerweise aller geeigneten, von der modernen Technik angebotenen
Mittel bedienen sollte, ohne jedoch zu vergessen, daß die technischen
Kommunikationsmittel niemals das unmittelbare Zeugnis eines
heiligmäßigen Lebens werden ersetzen können. Die Kirche braucht echte
Zeugen, Kommunikatoren des Evangeliums in allen Lebensbereichen der
Gesellschaft. Daraus ergibt sich, daß die Christen im allgemeinen und
die Priester im besonderen eine ebenso profunde wie korrekte
philosophische und theologische Ausbildung erwerben sollen,(11) die es
ihnen erlaubt, von ihrem Glauben und ihrer Hoffnung Rechenschaft zu
geben und die dringliche Notwendigkeit zu spüren, sie mit einer
persönlichen verständnisvollen Gesprächshaltung auf stets konstruktive
Weise darzustellen. Die Verkündigung des Evangeliums darf sich jedoch
keinesfalls im Gespräch erschöpfen; der Mut zur Wahrheit ist in der Tat
eine unausweichliche Herausforderung vor der Versuchung des
Konformismus, der Suche nach müheloser Popularität oder nach der
eigenen Ruhe!
Bei der Realisierung der Evangelisierungsarbeit darf auch nicht
vergessen werden, daß manche Begriffe und Worte, mit denen sie
traditionsgemäß durchgeführt wurde, für den größten Teil der modernen
Kulturen nahezu unverständlich geworden sind. Begriffe wie Ursünde mit
ihren Folgen, Erlösung, Kreuz, Notwendigkeit des Gebetes, freiwilliges
Opfer, Keuschheit, Enthaltsamkeit, Gehorsam, Demut, Buße, Armut usw.
haben in so manchem Kontext ihre ursprüngliche positive christliche
Bedeutung verloren. Deshalb muß die Neu-Evangelisierung durch äußerste
Treue zu der von der Kirche ständig gelehrten Glaubenslehre und durch
ein starkes Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem christlichen
Fachvokabular imstande sein, auch heutzutage geeignete Ausdrucksweisen
zu finden, um mit deren Hilfe den tiefen Sinn für diese menschlichen
und christlichen Grundwirklichkeiten wiederzugewinnen, ohne deshalb auf
die in zusammenfassender Form im Glaubensbekenntnis enthaltenen,
feststehenden und bereits angenommenen Formulierungen des Glaubens zu
verzichten.(12)
2. Die notwendige und unersetzbare Rolle der Priester
Obwohl die Hirten "wissen, daß sie von Christus nicht bestellt sind, um
die ganze Heilsmission der Kirche an der Welt allein auf sich zu
nehmen",(13) üben sie bei der Evangelisierung eine absolut
unersetzliche Rolle aus. Die Forderung nach einer Neu-Evangelisierung
macht es daher dringend notwendig, einen wirklich mit der heutigen
Situation übereinstimmenden Ansatz für die Ausübung des Priesteramtes
zu finden, der ihr Wirksamkeit verleiht und sie tauglich macht, auf die
Umstände, unter denen sie erfolgen soll, entsprechend einzugehen. Das
muß jedoch unter ständiger Hinwendung zu Christus, unserem einzigen
Vorbild, geschehen, ohne daß die heute herrschenden Verhältnisse
unseren Blick vom Endziel ablenken. Nicht nur die sozio-kulturellen
Gegebenheiten sollen uns nämlich zu einer gültigen pastoralen
Erneuerung anspornen, sondern vor allem die brennende Liebe zu Christus
und zu seiner Kirche.
Das Ziel unserer Anstrengungen ist die endgültige Herrschaft Christi
und die Wiederherstellung der gesamten Schöpfung in ihm. Dieses Ziel
wird erst am Ende der Zeiten voll erreicht werden, ist aber schon jetzt
gegenwärtig durch den lebendigmachenden Heiligen Geist, durch den Jesus
Christus seinen Leib, die Kirche, als allumfassendes Heilssakrament
eingesetzt hat.(14)
Christus, Haupt der Kirche und Herr der gesamten Schöpfung, setzt sein
Heilswirken unter den Menschen fort, und genau innerhalb dieses
Wirkungsrahmens findet das Amtspriestertum seinen richtigen Platz.
Christus will, wenn er alle zu sich zieht (Vgl. Joh 12,32), in
besonderer Weise seine Priester mit einbeziehen. Wir stehen hier vor
einem göttlichen Plan (dem Willen Gottes, die Kirche mit ihren
Amtsträgern in das Erlösungswerk hineinzunehmen), der, obwohl er sich
vom Standpunkt der Glaubenslehre und der Theologie aus klar bestätigen
läßt, dennoch beträchtliche Schwierigkeiten aufweist, um von seiten der
Menschen unserer Zeit akzeptiert zu werden. Denn die sakramentale
Vermittlung und die hierarchische Struktur der Kirche wird heute von
vielen angefochten; man fragt sich, worin ihre Notwendigkeit, ihre
Motivation bestehe.
Wie das Leben Christi, so muß auch dasjenige des Priesters ein Leben
sein, das in Christi Namen der maßgeblichen Verkündigung des
liebevollen Willens des Vaters geweiht ist (Vgl. Joh 17,4; Hebr
10,7-10). Das war die Haltung des Messias: Die Jahre seines
öffentlichen Wirkens waren dem Vollbringen (Apg 1,1) von Taten und dem
Lehren gewidmet, wobei er "wie einer lehrte, der (göttliche) Vollmacht
hat" (Mt 7,29). Diese Vollmacht gab ihm sicherlich an erster Stelle
seine göttliche Herkunft, aber in den Augen der Menschen auch sein
aufrichtiges, heiligmäßiges, vollkommenes Handeln. In gleicher Weise
muß der Priester mit der objektiven geistlichen Autorität, die er kraft
seiner Weihe besitzt,(15) die subjektive Autorität verbinden, die aus
seinem aufrichtigen und heiligmäßigen Leben,(16) aus seiner pastoralen
Liebe, Ausdruck der Liebe Christi,(17) stammt. Die Mahnung, die der hl.
Gregor der Große an die Priester richtete, hat nichts von ihrer
Aktualität verloren: "Er [der Hirt] muß in seinem Denken lauter, im
Handeln vorbildlich, in seinem Schweigen diskret, durch sein Wort
hilfreich sein; er muß durch sein Mitleiden jedem nahe sein und sich
mehr als alle der Kontemplation widmen; er muß ein demütiger
Verbündeter dessen sein, der das Gute tut, aber wegen seines eifrigen
Bemühens um Gerechtigkeit muß er den Lastern der Sünder gegenüber
unbeugsam sein; er darf weder bei den äußeren Tätigkeiten die Sorge um
das innere Leben vernachlässigen noch es verabsäumen, sich der äußeren
Bedürfnisse durch die Sorge um das innere Wohl anzunehmen" .(18)
Wie zu allen Zeiten werden in unseren Tagen in der Kirche "Herolde des
Evangeliums gebraucht, die Experten im Umgang mit den Menschen sind,
die das Herz des heutigen Menschen gründlich kennen, seine Freuden und
Hoffnungen, Ängste und Sorgen teilen und zugleich beschauliche Freunde
Gottes sein wollen. Dazu bedarf es neuer Heiliger — sagte der Heilige
Vater unter konkreter Bezugnahme auf die Rechristianisierung Europas
mit Worten, die jedoch universale Gültigkeit besitzen —. Die großen
Evangelisatoren Europas waren die Heiligen. Wir müssen den Herrn
bitten, daß er den Geist der Heiligkeit in der Kirche vermehre und uns
neue Heilige sende, um die Welt von heute zu evangelisieren". .(19) Man
muß bedenken, daß nicht wenige Zeitgenossen sich zuallererst durch die
geweihten Diener Gottes eine Vorstellung von Christus und von der
Kirche machen; ihr authentisch evangelisches Zeugnis als "lebendiges
und transparentes Abbild des Priesters Christus" (20) wird daher noch
dringender.
Im Rahmen des Heilswirkens Christi können wir zwei untrennbare Ziele
ausmachen. Einerseits eine Zielsetzung, die wir als intellektuell
bezeichnen könnten: die Menge der Menschen, die wie Schafe waren, die
keinen Hirten haben (Vgl. Mt 9,36), lehren, unterweisen, sie über den
Verstand zur Umkehr veranlassen (Vgl. Mt 4,17). Der andere Aspekt war
darauf ausgerichtet, die Herzen derer, die ihn hörten, aufzurütteln für
die Reue und Buße wegen ihrer Sünden und ihnen den Weg zum Empfang der
göttlichen Vergebung zu eröffnen. Und so ist es heute noch: "Der Aufruf
zur Neu-Evangelisierung ist vor allem ein Aufruf zur Umkehr",(21) und
wenn das Wort Gottes den Verstand des Menschen unterwiesen und seinen
Willen dadurch angeregt hat, daß es ihn von der Sünde abbrachte, dann
erreicht die Evangelisierungstätigkeit ihren Höhepunkt in der
fruchtbringenden Teilnahme an den Sakramenten, vor allem an der Feier
der Eucharistie. "Die Aufgabe der Evangelisierung besteht — wie Paul
VI. lehrte — eben darin, den Glauben so zu lehren, daß jeder Christ
dahingeführt wird, die Sakramente, statt sie passiv zu empfangen oder
über sich ergehen zu lassen, als wahrhafte Gnadenmittel des Glaubens zu
leben" (22)
Die Evangelisierung umfaßt: Verkündigung, Zeugnis, Dialog und Dienst
und fußt auf der Verbindung der drei untrennbaren Elemente:
Verkündigung des Wortes, Dienst der Sakramente und Leitung der
Gläubigen.(23) Eine Verkündigung, die sich nicht die ständige Formung
der Gläubigen zum Ziel setzte und nicht in die sakramentale Praktik
einmündete, hätte ebenso wenig Sinn wie eine Teilnahme an den
Sakramenten, die von der vollen Annahme des Glaubens und der
Moralprinzipien abgetrennt wäre oder bei der sich keine ehrliche Umkehr
des Herzens einstellte. Wenn aus pastoraler Sicht der Aktion nach der
erste Platz logischerweise der Verkündigungsaufgabe zusteht,(24) muß
der Intention oder Zielsetzung nach der erste Platz der Feier der
Sakramente, insbesondere des Bußsakramentes und der Eucharistie,
zugewiesen werden.(25) In der harmonischen Verbindung beider Funktionen
ist die Integrität des Hirtenamtes des Priesters im Dienst an der
Neu-Evangelisierung gegeben.
Ein Aspekt der Neu-Evangelisierung, der immer größere Bedeutung
gewinnt, ist die ökumenische Bildung der Gläubigen. Das II.
Vatikanische Konzil mahnte alle katholischen Gläubigen, daß sie "mit
Eifer an dem ökumenischen Werk teilnehmen" und "die wahrhaft
christlichen Güter aus dem gemeinsamen Erbe anerkennen und
hochschätzen, die sich bei den von uns getrennten Brüdern finden" .(26)
Gleichzeitig gilt es auch zu beachten, daß "nichts dem ökumenischen
Geist so fern ist wie jener falsche Irenismus, durch den die Reinheit
der katholischen Lehre Schaden leidet und ihr ursprünglicher und
sicherer Sinn verdunkelt wird" .(27) Die Priester werden infolgedessen
wachsam sein müssen, damit der Ökumenismus unter treuer Respektierung
der vom Lehramt der Kirche angegebenen Prinzipien geführt wird und
nicht Brüche, sondern harmonische Kontinuität erfährt.
ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN ÜBER KAPITEL I
1. Wird in unseren Kirchengemeinden und besonders unter unseren
Priestern die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Neu-Evangelisierung
wirklich empfunden?
2. Ist sie bei der Verkündigung präsent? Ist sie bei den
Zusammenkünften des Presbyteriums, in den Pastoralprogrammen, in den
Maßnahmen zur ständigen Weiterbildung vorhanden?
3. Engagieren sich die Priester besonders in der Förderung einer
Sendung wie der Neu-Evangelisierung "in ihrem Eifer, in ihren Methoden,
in ihrer Ausdruckskraft" (28) — ad intra und ad extra der Kirche?
4. Betrachten die Gläubigen das Priestertum als ein Gottesgeschenk
sowohl für den, der es empfängt, wie für die Gemeinde selbst, oder
sehen sie es unter einem rein funktionalen und organisatorischen
Aspekt? Wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, dafür zu beten, daß der
Herr Priesterberufe wecke und daß es nicht an der notwendigen
Hochherzigkeit fehle, darauf zustimmend zu antworten?
5. Wird in der Verkündigung des Wortes Gottes und in der Katechese das
gebührende Gleichmaß zwischen dem Aspekt der Glaubensunterweisung und
dem der Sakramentenspendung aufrechterhalten? Ist die
Evangelisierungstätigkeit der Priester gekennzeichnet von der
Komplementarität zwischen Verkündigung und sakramentaler Heiligung,
"munus docendi" und "munus sanctificandi"?
II. Kapitel
LEHRER DES WORTES
"Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen" (Mk 16,15)
1. Die Priester, Lehrer des Wortes "nomine Christi et nomine Ecclesiae"
Ein angemessener Ausgangspunkt für das richtige Verständnis des
Hirtendienstes am Wort ist die Betrachtung der Offenbarung Gottes an
sich. "In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott (vgl. Kol 1,15;
1 Tim 1,17) aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde (vgl.
Ex 33,11; Joh 15,14-15) und verkehrt mit ihnen (vgl. Bar 3,38), um sie
in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen".(29) In der Heiligen
Schrift spricht die Verkündigung des Gottesreiches nicht nur von der
Herrlichkeit Gottes, sondern läßt sie aus eben dieser Verkündigung
hervorgehen. Das in der Kirche verkündete Evangelium ist nicht nur
Botschaft, sondern eine göttliche Heilshandlung, die von denen, die
glauben, die die Botschaft hören, ihr folgen und sie annehmen, erfahren
wird.
Die Offenbarung beschränkt sich daher nicht darauf, uns über die Natur
jenes Gottes, der in einem unerreichbaren Licht lebt, zu unterweisen,
sondern sie unterrichtet uns zugleich darüber, was Gott in seiner Gnade
für uns tut. Das geoffenbarte Wort, das "in" der und "durch" die Kirche
gegenwärtig gemacht und aktualisiert wird, ist ein Werkzeug, durch das
Christus mit seinem Geist in uns tätig ist. Es ist zugleich Gericht und
Gnade. Beim Hören des Wortes interpelliert die aktuelle
Gegenüberstellung mit Gott das Herz der Menschen und verlangt eine
Entscheidung, die mit Verstandeswissen allein nicht zu erreichen ist,
sondern die Umkehr des Herzens erfordert.
"Die erste Aufgabe der Priester als Mitarbeiter der Bischöfe [ist es],
allen die Frohe Botschaft Gottes zu verkünden, um so [...] das
Gottesvolk zu begründen und zu mehren".(30) Da die Verkündigung des
Wortes nicht rein intellektuelle Weitergabe einer Botschaft ist,
sondern eine ein für allemal in Christus verwirklichte "Kraft Gottes,
die jeden rettet, der glaubt" (Röm 1,16), verlangt ihre Verkündigung in
der Kirche bei den Verkündigern ein übernatürliches Fundament, das ihre
Authentizität und Wirksamkeit gewährleistet. Die Verkündigung des
Wortes durch die geweihten Diener hat gewissermaßen teil am
Heilscharakter des Wortes selbst, und zwar nicht einfach deshalb, weil
sie von Christus reden, sondern weil sie ihren Zuhörern das Evangelium
mit der Kraft verkünden, die aus ihrer Teilnahme an der Konsekration
und Sendung des fleischgewordenen Gotteswortes stammt. Den Amtsträgern
klingen noch die Worte des Herrn in den Ohren: "Wer euch hört, der hört
mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab" (Lk 10,16), und mit
Paulus können sie sagen: "Wir aber haben nicht den Geist der Welt
empfangen, sondern den Geist, der aus Gott stammt, damit wir das
erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist. Davon reden wir auch,
nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern wie der
Geist sie lehrt, indem wir den Geisterfüllten das Wirken des Geistes
deuten" (1 Kor 2,12-13).
Die Verkündigung gleicht einem Dienst, der dem Weihesakrament
entspringt und sich durch die Vollmacht Christi entfaltet. Die Kraft
des Heiligen Geistes garantiert jedoch nicht in derselben Weise alle
Handlungen der Amtsträger. Während bei der Verwaltung der Sakramente
diese Garantie gegeben ist, so daß selbst die Sündhaftigkeit des
Spenders die Frucht der Gnade nicht verhindern kann, gibt es viele
andere Handlungen, bei denen das menschliche Gepräge des Amtsträgers
eine beträchtliche Bedeutung gewinnt. Dieses Gepräge kann der
apostolischen Fruchtbarkeit der Kirche nützen, ihr aber auch
schaden.(31) Wenngleich das gesamte munus pastorale vom Dienstcharakter
erfüllt sein soll, so ist das im Verkündigungsdienst besonders
notwendig, denn je mehr der Amtsträger tatsächlich zum Diener des
Wortes wird und sich nicht zum Herrn desselben macht, um so mehr kann
das Wort seine heilbringende Wirksamkeit spenden.
Dieser Dienst verlangt die persönliche Hingabe des Amtsträgers an das
verkündete Wort, eine Hingabe, die letzten Endes an Gott selbst
gerichtet ist, an jenen "Gott, den ich im Dienst des Evangeliums von
seinem Sohn mit ganzem Herzen ehre" (Röm 1,9). Der Priester darf ihm
kein Hindernis in den Weg legen, weder durch Verfolgung von Zielen, die
nicht zu seiner Sendung gehören, noch dadurch, daß er sich auf die
Weisheit der Menschen oder auf subjektive Erfahrungen stützt, die das
Evangelium selbst vernebeln könnten. Das Wort Gottes wird sich also
niemals instrumentalisieren lassen! Der verkündende Priester muß
hingegen "zuallererst selber eine große persönliche Vertrautheit mit
dem Wort Gottes entwickeln [...]. Der Priester muß der erste
,,Glaubende" des Wortes sein in dem Bewußtsein, daß die Worte seines
Dienstes nicht ,,seine", sondern die Worte dessen sind, der ihn
ausgesandt hat" .(32)
Es besteht also eine wesentliche Beziehung zwischen persönlichem Gebet
und Verkündigung. Aus der Betrachtung des Gotteswortes im persönlichen
Gebet soll auch spontan "der Vorrang des gelebten Zeugnisses, das die
Macht der Liebe Gottes entdecken läßt und sein Wort überzeugend
macht",(33) entspringen. Frucht des persönlichen Gebetes ist auch eine
Predigt, die sich den Gläubigen nicht in erster Linie wegen ihrer
logischen Abstraktheit einprägt, sondern weil sie in einem lauteren,
betenden Herzen entstanden ist, das darum weiß, daß es nicht Aufgabe
des Priesters ist, "seine eigene Weisheit vorzutragen, sondern immer
das Wort Gottes zu lehren und alle nachdrücklich zur Umkehr und zur
Heiligung einzuladen".(34) Die Predigt der Diener Christi muß also,
damit sie wirksam sei, fest auf deren kindlichen Gebetsgeist gegründet
sein: "sit orator, antequam dictor" .(35)
Im persönlichen Gebetsleben des Priesters findet das Bewußtsein vom
Dienstcharakter seiner Sendung, der in der Berufung liegende Sinn
seines Lebens und sein lebendiger und apostolischer Glaube Stütze und
Anregung. Hier schöpft er auch Tag für Tag den Eifer für die
Evangelisierung. Zur persönlichen Überzeugung geworden, wird sie in
überzeugende, konsequente Verkündigung umgesetzt. In diesem Sinn
betrifft der Vollzug des Stundengebetes nicht allein die persönliche
Frömmigkeit, noch erschöpft er sich als öffentliches Gebet der Kirche;
das Stundengebet erweist auch seinen großen pastoralen Nutzen,(36) da
es eine bevorzugte Gelegenheit zu wachsender Vertrautheit mit der Lehre
der Bibel, der Kirchenväter, der Theologie und des Lehramtes bietet,
die zunächst verinnerlicht und dann in der Verkündigung auf das Volk
Gottes übertragen wird.
2. Für eine wirksame Verkündigung des Wortes
In der Perspektive der Neu-Evangelisierung müßte unbedingt die
Wichtigkeit unterstrichen werden, in den Gläubigen die Bedeutung der
aus der Taufe herrührenden Berufung reifen zu lassen, das heißt, das
Bewußtsein, von Gott aufgerufen worden zu sein, Christus aus der Nähe
zu folgen und persönlich an der Sendung der Kirche mitzuarbeiten. "Die
Weitergabe des Glaubens ist Aufdecken, Verkünden und Vertiefen der
christlichen Berufung; das heißt, der Ruf Gottes ergeht an jeden
Menschen, dem das Heilsgeheimnis gezeigt wird.. ".(37) Die Aufgabe der
Verkündigung besteht also darin, Christus den Menschen vorzustellen,
weil nur er, "der neue Adam, eben in der Offenbarung des Geheimnisses
des Vaters und seiner Liebe dem Menschen den Menschen selbst voll
kundmacht und ihm seine höchste Berufung erschließt"
Neu-Evangelisierung und der von Berufung bestimmte Sinn des
christlichen Daseins gehören zusammen. Und das ist die "gute
Botschaft", die den Gläubigen verkündet werden muß, ohne Abstriche,
sowohl was ihr Gutsein, als auch die Anforderung, um es zu erreichen,
betrifft, während gleichzeitig daran erinnert wird, daß "auf dem
Christen ganz gewiß die Notwendigkeit und auch die Pflicht liegen,
gegen das Böse durch viele Anfechtungen hindurch anzukämpfen und auch
den Tod zu ertragen; aber dem österlichen Geheimnis verbunden und dem
Tod Christi gleichgestaltet, geht er, durch Hoffnung gestärkt, der
Auferstehung entgegen" .(39)
Die Neu-Evangelisierung erfordert einen vollständigen und
wohlbegründeten, leidenschaftlichen Dienst am Wort mit klarem
theologischem, spirituellem, liturgischem und moralischem Inhalt, der
auf die konkreten Bedürfnisse der Menschen, die erreicht werden sollen,
achtet. Es geht offensichtlich nicht darum, in die Versuchungen eines
Intellektualismus zu geraten, der ja das christliche Denkvermögen
trüben könnte, statt es zu erleuchten, sondern durch die ständige,
geduldige Katechese über die Grundwahrheiten des katholischen Glaubens
und der katholischen Moral und über ihren Einfluß im geistlichen Leben
eine echte "geistige Liebe" zu entwickeln. Die christliche Unterweisung
ragt unter den geistlichen Werken der Barmherzigkeit hervor: Die
Rettung erfolgt im Kennenlernen Christi, denn "es ist uns Menschen kein
anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden
sollen" (Apg 4,12).
Diese katechetische Verkündigung kann nicht ohne das Mittel der heilen
Theologie erfolgen, da es ja nicht nur darum geht, die geoffenbarte
Lehre zu wiederholen, sondern mit Hilfe der geoffenbarten Lehre
Verstand und Gewissen der Gläubigen zu formen, damit sie die Ansprüche
der durch die Taufe empfangenen Berufung konsequent leben können. Die
Neu-Evangelisierung wird sich in dem Maße verwirklichen lassen, in dem
nicht nur die Kirche als ganze oder ihre einzelnen Institutionen,
sondern jeder Christ in die Lage versetzt wird, den Glauben zu leben
und durch sein Leben einen lebendigen Grund für Glaubwürdigkeit und
eine glaubhafte Verteidigung des Glaubens abzugeben.
Evangelisieren heißt nämlich, mit allen zur Verfügung stehenden
ehrlichen und geeigneten Mitteln die Inhalte der geoffenbarten
Wahrheiten (den trinitarischen und christologischen Glauben, die
Bedeutung der Schöpfungslehre, die eschatologischen Wahrheiten, die
Lehre über die Kirche, über den Menschen, das Glaubenswissen über die
Sakramente und über die anderen Heilsmittel usw.) zu verkünden und zu
verbreiten. Und es heißt zugleich auch, durch die moralische und
geistliche Bildung diese Wahrheiten ins konkrete Leben, in Zeugnis und
missionarischen Einsatz umzusetzen.
Die notwendige Aufgabe der theologischen und geistlichen Bildung
(Bemühen um die ständige Weiterbildung der Priester und Diakone,
Bemühen um die Bildung aller Gläubigen) stellt eine unausweichliche und
zugleich enorme Verpflichtung dar. Es ist daher unbedingt notwendig,
daß die Ausübung des Dienstes am Wort und vor allem die Träger dieses
Dienstes den Umständen gewachsen sind. Die Wirksamkeit wird davon
abhängen, daß diese Ausübung, die ganz wesentlich auf die Hilfe Gottes
gegründet ist, auch mit der größtmöglichen menschlichen Vollkommenheit
erfolgt. Die neue lehrhafte, theologische und spirituelle Verkündigung
der christlichen Botschaft — eine Verkündigung, die in erster Linie das
Gewissen der Getauften anfeuern und läutern soll — darf nicht aus
Trägheit oder Verantwortungslosigkeit improvisiert werden. Noch weniger
dürfen die Priester ihre Verantwortlichkeit, die Aufgabe der
Verkündigung persönlich wahrzunehmen, vernachlässigen, im besonderen
was das Predigtamt betrifft, das weder jemandem übertragen werden darf,
der nicht geweiht ist, (40) noch leichtfertig an jemanden abgegeben
werden darf, der nicht gut vorbereitet ist.
Im Zusammenhang mit der Verkündigung durch den Priester muß man, wie
das übrigens immer der Fall War, unbedingt auf die Wichtigkeit der
entfernten Vorbereitung hinweisen, die zum Beispiel dadurch
konkretisiert werden kann, daß die Lektüre und sogar die Interessen
entsprechend auf Aspekte ausgerichtet werden, die die Vorbereitung der
geweihten Amtsträger verbessern können. Das seelsorgerische
Einfühlungsvermögen der Prediger muß ständig wachsam sein, um die
Probleme, die den Menschen unserer Zeit Sorge bereiten, und mögliche
Lösungen festzustellen. "Um auf die von den heutigen Menschen
erörterten Fragen die rechte Antwort zu geben, sollen die Priester
ferner die Dokumente des kirchlichen Lehramtes und besonders die der
Konzilien und der Päpste gut kennen sowie die besten und anerkannten
theologischen Schriftsteller zu Rat ziehen", (41) ohne zu vergessen,
den Katechismus der Katholischen Kirche zu konsultieren. In diesem Sinn
läge es nahe, wieder auf die Wichtigkeit der unermüdlichen Sorge um die
ständige Weiterbildung des Klerus zurückzukommen, wobei als
inhaltlicher Bezug das Direktorium für Dienst und Leben der Priester
dient.(42) Jede Anstrengung auf diesem Gebiet wird durch reiche Früchte
belohnt werden. Wichtig ist, zusammen mit allem bisher Gesagten, auch
eine unmittelbare Vorbereitung auf die Verkündigung des Gotteswortes.
Abgesehen von Ausnahmefällen, wo es nicht anders möglich gewesen ist,
sollen Demut und Fleiß den Priester zum Beispiel veranlassen,
sorgfältig wenigstens einen Entwurf dessen vorzubereiten, was gesagt
werden soll.
Die Hauptquelle der Verkündigung muß logischerweise die Heilige Schrift
sein, mit der sich der Priester durch die Betrachtung im persönlichen
Gebet und durch das Studium und die Lektüre geeigneter Bücher vertraut
machen soll.(43) Die pastorale Erfahrung lehrt, daß die Kraft und
Beredtheit des Bibeltextes die Zuhörer tief bewegen. Die Schriften der
Kirchenväter und anderer großer Autoren der Tradition lehren, den Sinn
des geoffenbarten Wortes zu durchdringen und ihn anderen zu
erschließen, (44) fernab von jeder Form eines "biblischen
Fundamentalismus" oder einer Verstümmelung der göttlichen Botschaft.
Die Pädagogik, mit der die Liturgie der Kirche in den verschiedenen
Zeiten des Kirchenjahres das Wort Gottes liest, interpretiert und
anwendet, sollte ebenfalls einen Bezugspunkt für die Vorbereitung der
Verkündigung darstellen. Darüberhinaus hat die Betrachtung des Lebens
der Heiligen — mit ihren Kämpfen und heroischen Taten — zu allen Zeiten
in den Herzen der Christen reiche Frucht hervorgebracht. Auch heute
haben die Gläubigen, die durch Gelegenheiten zu falschem Verhalten und
durch fragwürdige Lehren gefährdet sind, das Beispiel dieser
Heiligenviten, die in heroischem Geist der Liebe Gottes und durch Gott
den anderen Menschen hingegeben worden sind, dringend nötig. Ebenso
nützlich wie das alles ist es für die Evangelisierung auch, in den
Gläubigen aus Gottesliebe den Sinn für Solidarität mit den anderen, den
Geist des Dienens, die hochherzige Hingabe an die anderen zu fördern.
Das christliche Bewußtsein reift ja gerade durch eine immer engere
Beziehung zur Liebe.
Als sehr wichtig für den Priester erweist sich auch die
Berücksichtigung der formalen Aspekte der Verkündigung. Wir leben im
Zeitalter der Information und raschen Kommunikation, wo wir uns alle
daran gewöhnt haben, anerkannte Fernseh- und Rundfunkfachleute zu sehen
und zu hören. Mit ihnen tritt der Priester, der ebenfalls ein, freilich
besonderer, sozialer Kommunikator ist, gewissermaßen in friedliche
Konkurrenz gegenüber den Gläubigen, wenn er eine Botschaft vermittelt,
die auf ausgesprochen anziehende Art und Weise vorgestellt werden soll.
Der Priester muß nicht nur die "neuen Kanzeln", also die Massenmedien,
mit Kompetenz und apostolischem Geist zu nutzen wissen, sondern er muß
vor allem dafür sorgen, daß seine Botschaft dem Wort, das er verkündet,
ebenbürtig ist. Die im Bereich der audiovisuellen Medien tätigen
Fachleute bereiten sich gut auf die Durchführung ihrer Aufgabe vor; es
wäre gewiß keine übertriebene Forderung, daß die Lehrer des Wortes sich
durch intelligentes und geduldiges Studium um die Verbesserung der
"professionellen" Qualität dieses Aspektes des Dienstes bemühen
sollten. Zum Beispiel kehrt heute in verschiedenen Universitäts- und
Kulturbereichen das Interesse an der Rhetorik zurück; es sollte auch
bei den Priestern wieder geweckt werden, zusammen mit der bescheidenen
und vornehm würdevollen Art des Auftretens.
Die Verkündigung durch den Priester muß, wie die Verkündigung Christi,
auf positive und anregende Weise erfolgen, damit sie die Menschen
mitreißt und zur Güte, Schönheit und Wahrheit Gottes hinzieht. Die
Christen müssen "erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen
Glanzes auf dem Antlitz Christi" (2 Kor 4,6) und sie müssen die
empfangene Wahrheit auf interessante Weise darlegen. Ist nicht oftmals
der verlockende Charakter des starken und zugleich ruhigen Anspruchs
der christlichen Existenz festzustellen? Man braucht sich also nicht zu
fürchten. "Seit dem Ostertag, wo sie [die Kirche] die letzte Wahrheit
über das Leben des Menschen als Geschenk empfangen hat, ist sie zur
Pilgerin auf den Straßen der Welt geworden, um zu verkünden, daß Jesus
Christus ,,der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist (Joh 14,6). Unter
den verschiedenen Diensten, die sie der Welt anzubieten hat, gibt es
einen, der ihre Verantwortung in ganz besonderer Weise herausstellt:
den Dienst an der Wahrheit".(45)
Als nützlich erweist sich logischerweise in der Verkündigung auch der
Gebrauch einer korrekten, erlesenen Sprache, die für unsere
Zeitgenossen aus allen Schichten verständlich ist und Banalitäten und
Gleichgültigkeit vermeidet.(46) Der Priester muß aus einer echten Sicht
des Glaubens sprechen, aber mit Worten, die in den verschiedenen
Milieus verständlich sind, und nie in einem Fachjargon und auch nicht
mit Zugeständnissen an den Geist der Welt. Das menschliche "Geheimnis"
einer fruchtbaren Verkündigung des Wortes besteht in erheblichem Ausmaß
in der "Professionalität" des Priesters, der weiß, was er sagen und wie
er es sagen will, und der über eine ernsthafte, sowohl entfernte wie
unmittelbare, Vorbereitung verfügt und keine dilettantischen
Improvisationen inszeniert. Es wäre schädlicher Irenismus, die Kraft
der ganzen Wahrheit zu verbergen. Daher gilt es, sorgfältig auf den
Inhalt der Worte, auf den Redestil und die Ausdrucksweise zu achten; es
gilt gut zu überlegen, was stärker betont werden soll, und es sollte,
möglichst ohne übertriebenes Gehabe, auf die Gefälligkeit der Stimme
geachtet werden. Der Priester muß wissen, wohin er gelangen will, und
die existentielle und kulturelle Situation seiner üblichen Zuhörer gut
kennen: Er darf keine abstrakten Theorien oder Verallgemeinerungen von
sich geben und muß deshalb seine Herde kennen. Angebracht ist ein
liebenswürdiger, positiver Sprachstil, der weiß, die Menschen nicht zu
verletzen, selbst wenn er die Gewissen "verletzt"..., ohne Angst, die
Dinge beim Namen zu nennen.
Sehr nützlich ist es, wenn die Priester, die in den verschiedenen
Seelsorgsaufgaben zusammenarbeiten, sich durch brüderliche Ratschläge
über diese und andere Aspekte des Dienstes am Wort gegenseitig helfen.
Zum Beispiel über die Inhalte der Predigt, über die theologische und
sprachliche Qualität, über den Stil, über die Dauer — die Predigt
sollte keinesfalls zu lang sein —, über die Art zu spechen und an den
Ambo zu treten, über den Tonfall der Stimme, der normal sein, wenn auch
in den verschiedenen Augenblicken der Predigt wechseln soll, ohne
gekünstelt zu sein, usw. Noch einmal ist für den Priester Demut
unverzichtbar, damit er sich von seinen Brüdern und auch, wenngleich
indirekt, von den Gläubigen, die an seinen pastoralen Aktivitäten
teilnehmen, helfen läßt.
ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN BER KAPITEL II
6 Haben wir Hilfsmittel, um die tatsächliche Auswirkung des
Verkündigungsdienstes auf das Leben unserer Gemeinden einzuschätzen?
Bemüht man sich darum, von diesem für die Evangelisierung wesentlichen
Mittel mit der größtmöglichen menschlichen Professionalität Gebrauch zu
machen?
7. Läßt man in den Fortbildungskursen für den Klerus der
Vervollkommnung der Verkündigung des Wortes in ihren verschiedenen
Formen die ihr zustehende Beachtung zuteil werden?
8. Werden die Priester dazu ermutigt, dem Studium der Theologie, dem
Lesen der Kirchenväter, der Kirchenlehrer und der Heiligen Zeit zu
widmen? Zeigt sich ein positiver Einsatz dafür, die großen Meister der
Spiritualität kennenzulernen und bekannt zu machen?
9. Wird mit praktischem Sinn und einer gesunden wissenschaftlichen
Perspektive die Einrichtung Bibliotheken für Priester gefördert?
10. Gibt es und kennt man in diesem Sinn örtliche Möglichkeiten der
Verbindung mit Bibliotheken im Internet, einschließlich der begonnenen
elektronischen Bibliotheken auf der Internetseite der Kongregation für
den Klerus (www.clerus.org.)?
11. Werden die Priester ermutigt, von der Katechese des Heiligen Vaters
und der verschiedenen Dokumente des Heiligen Stuhls Gebrauch zu machen?
12. Ist man sich der Bedeutung der beruflichen Ausbildung von Personen
(Priestern, ständigen Diakonen, Ordensleuten, Laien) bewußt, die fähig
sind, diesen wichtigen Aspekt der Evangelisierung der modernen Kultur,
den die Kommunikation darstellt, auf einem hohen Niveau zu realisieren?
III. Kapitel
DIENER DER SAKRAMENTE
"Diener Christi und Verwalter von Geheimnissen Gottes" (1 Kor 4,1)
1. "In persona Christi Capitis"
"Die Sendung der Kirche kommt nicht zu der Sendung Christi und des
Heiligen Geistes hinzu, sondern ist deren Sakrament. Ihrem ganzen Wesen
nach und in allen ihren Gliedern ist die Kirche gesandt, das Mysterium
der Gemeinschaft der heiligsten Dreifaltigkeit zu verkünden und zu
bezeugen, zu vergegenwärtigen und immer mehr auszubreiten" (47) Diese
sakramentale Dimension der Sendung der Kirche insgesamt entspringt
ihrem eigentlichen Wesen als einer Wirklichkeit, die zugleich
"menschlich und göttlich, sichtbar und mit unsichtbaren Gütern
ausgestattet, voll Eifer der Tätigkeit hingegeben und doch frei für die
Beschauung, in der Welt zugegen und doch unterwegs" (48) ist. In diesem
Kontext der Kirche als "allumfassendem Sakrament des Heils",(49) in dem
Christus "das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen zugleich
offenbart und verwirklicht",(50) stehen die Sakramente als bevorzugte
Gelegenheiten der Mitteilung des göttlichen Lebens an den Menschen im
Zentrum des Dienstes der Priester. Diese sind sich wohl bewußt,
lebendige Werkzeuge Christi des Priesters zu sein. Sie haben die
Funktion von Männern, die durch den sakramentalen Charakter dazu
berechtigt sind, das Handeln Gottes durch Wirksamkeit der beteiligten
Mittel zu unterstützen.
Die Konfiguration [Gleichgestaltung] mit Christus durch die
sakramentale Weihe gibt dem Priester innerhalb des Gottesvolkes seinen
Platz und läßt ihn auf seine eigene Weise und in Übereinstimmung mit
der organischen Struktur der kirchlichen Gemeinschaft am dreifachen
munus Christi teilhaben. Indem der Priester in persona Christi Capitis
handelt, leitet er das Volk Gottes und führt es zur Heiligkeit.(5l)
Daraus ergibt sich "für den Priester die Notwendigkeit, daß er in
seinem ganzen Leben, vor allem aber in der Art und Weise, wie er die
Sakramente achtet und feiert, Zeugnis vom Glauben gibt".(52) Hier gilt
es, an die klassische, vom II. Vatikanischen Konzil wieder aufgenommene
Lehre zu erinnern: "Denn obwohl die Gnade Gottes auch durch unwürdige
Priester das Heilswerk durchführen kann, so will Gott doch seine
Heilswunder für gewöhnlich lieber durch diejenigen kundtun, die sich
dem Antrieb und der Führung des Heiligen Geistes mehr geöffnet haben
und darum wegen ihrer innigen Verbundenheit mit Christus und wegen
eines heiligmäßigen Lebens mit dem Apostel sprechen können:
,,Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20)".(53)
Die Feiern der Sakramente, bei denen die Priester als Diener Christi
handeln und in besonderer Weise durch seinen Geist an seinem
Priestertum teilhaben,(54) stellen im Hinblick auf die
Neu-Evangelisierung kultische Ereignisse von einzigartiger Bedeutung
dar. Man bedenke auch, daß für alle Gläubigen, vor allem aber für jene,
die der praktischen Religionsausübung gewöhnlich fernstehen, jedoch
anläßlich familiärer oder gesellschaftlicher Ereignisse (Taufen,
Firmungen, Hochzeiten, Priesterweihen, Begräbnisse usw.) recht häufig
an Gottesdiensten teilnehmen, diese Anlässe inzwischen zur einzigen
Gelegenheit für die Weitergabe der Glaubensinhalte geworden sind. Die
Glaubenshaltung des Amtsträgers wird daher "mit einer unter
liturgischem und zerimoniellem Aspekt hervorragenden Qualität der
Zelebration" verbunden sein müssen: (55) Sie darf natürlich nicht als
Spektakel ausgerichtet werden, sondern muß darauf achten, daß dabei
wirklich das "Menschliche auf das Göttliche hingeordnet und ihm
untergeordnet ist, das Sichtbare auf das Unsichtbare, die Tätigkeit auf
die Beschauung, das Gegenwärtige auf die künftige Stadt, die wir
suchen".(56)
2. Diener der Eucharistie: "Der eigentliche Mittelpunkt des priesterlichen Dienstes"
"Jesus nennt die Apostel ,,Freunde". So will er auch uns nennen, die
wir dank des Weihesakraments an seinem Priestertum teilhaben. (...)
Hätte Jesus uns seine Freundschaft noch deutlicher zum Ausdruck bringen
können als in der Weise, daß er uns als Priester des neuen Bundes
erlaubt, an seiner Statt, in persona Christi Capitis, zu handeln?
Gerade das geschieht in unserem ganzen priesterlichen Dienst, wenn wir
die Sakramente spenden und besonders wenn wir die Eucharistie feiern.
Wir wiederholen die Worte, die er über das Brot und den Wein sprach,
und kraft unseres Amtes vollzieht sich dieselbe Wandlung, die er
vollzog. Gibt es einen vollendeteren Ausdruck von Freundschaft als
diesen? Er ist die Mitte unseres priesterlichen Dienstes" .(57)
Die Neu-Evangelisierung muß für die Gläubigen auch eine neue Klarheit
über die zentrale Stellung des Sakraments der Eucharistie bedeuten, das
der Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens ist.(58) Einerseits, weil
"eine christliche Gemeinde nur auferbaut wird, wenn sie Wurzel und
Angelpunkt in der Feier der Eucharistie hat", (59) aber auch, weil
"alle übrigen Sakramente, ebenso wie alle kirchlichen Dienste und
Apostolatswerke in engem Zusammenhang mit der Eucharistie stehen und
auf sie hingeordnet sind. Die Heiligste Eucharistie enthält ja das
Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle".(60)
Im Seelsorgsdienst ist die Eucharistie auch ein Ziel. Die Gläubigen
müssen vorbereitet werden, daraus Nutzen zu ziehen. Wenn man bei ihnen
einerseits die "würdige, aufmerksame und fruchtbare" Teilnahme an der
Liturgie fördert, so erweist es sich andererseits als unbedingt
notwendig, ihnen bewußt zu machen, daß "sie auf diese Weise (von
Christus) eingeladen und veranlaßt werden, sich selbst, ihre Arbeiten
und die ganze Schöpfung mit ihm darzubringen. Darum zeigt sich die
Eucharistie als Quelle und Höhepunkt aller Evangelisation", (61) eine
Wahrheit, aus der sich eine ganze Reihe pastoraler Konsequenzen ergeben.
Es kommt grundlegend darauf an, den Gläubigen bleibend zu vermitteln,
worin das Wesen des heiligen Altaropfers besteht, und ihre
fruchtbringende Teilnahme an der Eucharistie zu fördern.(62) Notwendig
ist auch, unermüdlich und furchtlos auf der Verpflichtung zur Erfüllung
des Sonntagsgebotes (63) und auf der Angemessenheit einer häufigen,
wenn möglich auch täglichen, Teilnahme an der Feier der hl. Messe und
dem Empfang der eucharistischen Kommunion bestehen. Es gilt auch an die
ernste Verpflichtung der Gläubigen zu erinnern, den Leib Christi mit
der gebotenen geistigen und leiblichen Verfassung zu empfangen, das
heißt, wenn sich jemand bewußt ist, nicht im Stande der Gnade zu sein,
muß er vor dem Empfang der Eucharistie die sakramentale Lossprechung
empfangen haben. In jeder Teilkirche und in jeder Pfarrgemeinde hängt
ein blühendes christliches Leben großenteils von der in einem Geist des
Glaubens und der Anbetung gelungenen Wiederentdeckung des großen
Geschenkes der Eucharistie ab. Wenn es nicht gelingt, in der
theoretischen Lehre, in der Verkündigung und im Leben den Zusammenhang
zwischen täglichem Leben und Eucharistie zum Ausdruck zu bringen, wird
am Ende der häufige Empfang der Eucharistie unterlassen.
Auch in dieser Hinsicht ist die Vorbildlichkeit des zelebrierenden
Priesters äußerst wichtig: "Gut zelebrieren bildet eine erste wichtige
Katechese über das heilige Opfer" .(64) Auch wenn es offensichtlich
nicht die Absicht des Priesters sein wird, ist es doch wichtig, daß die
Gläubigen sehen, wie er sich innerlich gesammelt auf die Feier des
heiligen Opfers vorbereitet, daß sie Zeugen der Liebe und Hingabe sind,
die er in die Zelebration hineinlegt, und daß sie von ihm lernen
können, nach der Kommunion als Zeichen der Dankbarkeit eine gewisse
Zeit innezuhalten.
Wenn ein wesentlicher Teil des Evangelisierungswerkes der Kirche darin
besteht, die Menschen beten zu lehren zum Vater durch Christus im
Heiligen Geist, schließt die Neu-Evangelisierung die Gewinnung und
Stärkung pastoraler Praktiken ein, die den Glauben an die wirkliche
Gegenwart (Realpräsenz) des Herrn unter den eucharistischen Gestalten
deutlich machen. "Der Priester hat die Aufgabe, die Verehrung der
Gegenwart Christi in der Eucharistie auch außerhalb der Meßfeier
dadurch zu fördern, daß er seine Kirche zu einem christlichen ,,Haus
des Gebets" macht" .(65) Notwendig ist zunächst, daß die Gläubigen
gründlich Bescheid wissen um die unumgänglichen Bedingungen für den
gültigen Empfang der Kommunion. Ebenso wichtig ist es, ihre Verehrung
für Christus, der sie liebevoll im Tabernakel erwartet, zu fördern.
Eine einfache und wirksame Art eucharistischer Katechese ist gerade
auch die sorgfältige Wartung und Pflege von allem, was den Kirchenraum
und insbesondere den Altar und den Tabernakel betrifft:
Sauberkeit und Anstand, Erhabenheit der Paramente und der heiligen
Gefäße, Sorgfalt bei der Feier der Gottesdienste, (66) Festhalten an
der Praxis der Kniebeugung usw. Besonders wichtig ist außerdem, einer
jahrhundertealten Tradition in der Kirche entsprechend in der Kapelle
des Allerheiligsten für eine Atmosphäre der Stille zu sorgen, um die
heilige Ruhe zu gewährleisten, die das liebevolle Gespräch mit dem
Herrn erleichtert. Jene Kapelle bzw. jener Ort, wo der im Sakrament
gegenwärtige Christus aufbewahrt und angebetet wird, ist sicher das
Herz unserer Gotteshäuser, und als solches müssen wir den Zutritt zu
ihm kenntlich zu machen und durch tägliche Öffnung für eine möglichst
lange Zeitspanne zu unterstützen trachten und den Ort mit echter Liebe
gebührend schmücken.
Es liegt auf der Hand, daß alle diese Bekundungen — die nicht Formen
eines nebulösen "Spiritualismus" angehören, sondern eine theologisch
fundierte Frömmigkeit enthüllen — nur unter der Voraussetzung möglich
sein werden, daß der Priester wirklich ein Mann des Gebets und von
glaubwürdiger Leidenschaft für die Eucharistie ist. Nur ein Priester,
der betet, wird beten lehren können, während er auch die Gnade Gottes
auf diejenigen hinzuziehen weiß, die von seinem pastoralen Dienst
abhängig sind, um auf diese Weise Bekehrungen, Vorsätze für ein
intensiveres geistliches Leben, Priester- und Ordensberufe zu fördern.
Schließlich wird nur der Priester, der täglich die Erfahrung mit der
"conversatio in coelis" macht, die die Freundschaft mit Christus zu
seinem Lebensinhalt werden läßt, in der Lage sein, einer wirklichen
Neu-Evangelisierung echten Auftrieb zu verleihen.
3. Diener der Versöhnung mit Gott und mit der Kirche
In einer Welt, in der das Sündenbewußtsein in breitem Maße geschwunden
ist, (67) gilt es nachdrücklich daran zu erinnern, daß eben der Mangel
an Gottesliebe verhindert, die Realität der Sünde in ihrer ganzen
Bosheit wahrzunehmen. Die Bekehrung nicht nur als vorübergehender
innerer Akt, sondern als ständige Haltung kommt durch die wahre
Kenntnis der barmherzigen Liebe Gottes in Schwung. "Denn wer Gott auf
diese Weise kennenlernt, ihn so ,,sieht", kann nicht anders als in
fortwährender Bekehrung zu ihm leben. Er lebt also im ,,Zustand der
Bekehrung"".(68) Die Buße gehört somit zum festen Erbe im kirchlichen
Leben der Getauften; sie ist jedoch gekennzeichnet von der Hoffnung auf
Vergebung: "Einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr
Erbarmen gefunden" (1 Petr 2,10).
Die Neu-Evangelisierung erfordert also — und das ist eine absolut
unausweichliche pastorale Forderung — eine neue Anstrengung, um den
Gläubigen das Sakrament der Buße oder Versöhnung näherzubringen, (69)
"das den Weg zu jedem Menschen selbst dann ebnet, wenn er mit schwerer
Schuld beladen ist. In diesem Sakrament kann jeder Mensch auf
einzigartige Weise das Erbarmen erfahren, das heißt die Liebe, die
mächtiger ist als die Sünde.(70) Wir brauchen keine Angst davor zu
haben, mit Eifer zu dieser sakramentalen Praxis dadurch zu ermutigen,
daß wir auf intelligente Weise langlebige und heilsame christliche
Traditionen erneuern und wiederbeleben. In einem ersten Schritt wird es
darum gehen, die Gläubigen mit Hilfe des Heiligen Geistes zu einer
tiefgehenden Umkehr anzuhalten, die eine aufrichtige und bußfertige
Anerkennung der im Leben jedes Menschen vorhandenen moralischen
Unordnung hervorruft; sodann wird es notwendig sein, den Gläubigen die
Bedeutung der häufigen Einzelbeichte beizubringen, bis es möglich ist,
mit einer echten persönlichen Seelenführung zu beginnen.
Ohne die Spendung des Sakraments mit dem Angebot der Seelenführung zu
verwechseln, sollen die Priester von der Feier des Sakraments an die
Gelegenheit wahrnehmen und das Gespräch der Seelenführung beginnen.
"Die Wiederentdeckung und Verbreitung dieser Praxis, auch zu anderen
als zu den für die Beichte vorgesehenen Zeiten, ist eine große Wohltat
für die Kirche in der gegenwärtigen Zeit".(71) Auf diese Weise wird der
Priester mithelfen, Sinn und Wirksamkeit des Bußsakramentes
wiederzuentdecken, und damit die Voraussetzungen für die Überwindung
der Krise dieses Sakraments schaffen. Die persönliche Seelenführung
ermöglicht es, wahre Apostel auszubilden, die imstande sind, die
Neu-Evangelisierung in der weltlichen Gesellschaft zu verbreiten. Um
bei der Aufgabe der Wiederevangelisierung vieler Getaufter, die sich
von der Kirche entfernt haben, voranzukommen, ist es notwendig,
diejenigen, die ihr nahe stehen, sehr gut auszubilden.
Die Neu-Evangelisierung verlangt, daß man sich auf eine entsprechende
Anzahl von Priestern verlassen kann: Die jahrhundertelange Erfahrung
lehrt, daß ein Großteil der positiven Antworten auf Berufungen außer
dem Lebensbeispiel der Priester, die ihrer Identität innerlich und
äußerlich treu sind, auch der Seelenführung zu verdanken sind. "Jeder
Priester wird sich besonders der Förderung von Berufungen widmen, ohne
zu versäumen, [...] in geeigneten Initiativen durch persönlichen
Kontakt darauf zu achten, daß Talente entdeckt werden und daß der Wille
Gottes zu einer mutigen Entscheidung für die Nachfolge Christi erkannt
wird. [...] Es ist ein unaufhebbares Erfordernis der pastoralen Liebe,
daß jeder Priester — die Gnade des Heiligen Geistes unterstützend —
sich mit sorgsamem Eifer darum bemüht, wenigstens einen Nachfolger im
priesterlichen Dienst zu finden".(72)
Allen Gläubigen die tatsächliche Möglichkeit zur Beichte zu geben,
erfordert zweifellos eine große Hingabe an Zeit.(73) Es wird dringend
empfohlen, verbindliche Zeiten für die Anwesenheit in den Beichtstühlen
festzulegen, die allen bekannt sind, und sich nicht auf eine
theoretische Verfügbarkeit zu beschränken. Manchmal genügt nämlich die
Tatsache, daß sich ein Gläubiger gezwungen sieht, erst auf die Suche
nach einem Beichtvater zu gehen, ihn von seiner Absicht zu beichten
abzubringen, während die Gläubigen "gern dort dieses Sakrament
empfangen, wo sie wissen, daß Priester für diesen Dienst zur Verfügung
stehen".(74) Die Pfarreien und allgemein die für den Gottesdienst
bestimmten Kirchen sollten einen festen, großzügigen und günstigen
Zeiplan für Beichten haben, und die zuverlässige Einhaltung dieses
Zeitplanes ist Aufgabe der Priester. Entsprechend diesem Bemühen, das
den Gläubigen den Empfang des Sakraments der Versöhnung nach
Möglichkeit erleichtern soll, muß auch in richtiger Weise für die
Aufstellung und Wartung der Beichstühle gesorgt werden: ihre
Sauberhaltung, ihre Sichtbarkeit, die Möglichkeit des Gebrauchs des
Gitters und der Wahrung der Anonymität (75) usw.
Es ist nicht immer leicht, diese Seelsorgspraktiken einzuhalten und zu
verteidigen, doch darf deshalb nicht verschwiegen werden, daß sie
wirksam sind und es daher angebracht ist, sie dort, wo sie außer
Gebrauch gekommen sind, wieder aufzunehmen. Wie die Hilfe zwischen
Weltpriestern und Ordenspriestern für diese pastoral wichtigste
Bereitschaft gefördert werden muß, ist auch der tägliche Dienst im
Beichtstuhl voll Hochachtung anzuerkennen, der von so vielen alten
Priestern, echten geistlichen Lehrern der verschiedenen christlichen
Gemeinden, in bewundernswürdiger Weise geleistet wird.
Dieser ganze Dienst an der Kirche wird wesentlich leichter sein, wenn
die Priester selber die ersten sind, die regelmäßig zur Beichte
gehen.(76) Unerläßliche Voraussetzung für einen hochherzigen Dienst der
Versöhnung ist nämlich, daß der Priester persönlich als Pönitent das
Sakrament empfängt. "Die ganze priesterliche Existenz würde
unweigerlich schweren Schaden nehmen, wenn man es aus Nachlässigkeit
oder anderen Gründen unterließe, regelmäßig und mit echtem Glauben und
tiefer Frömmigkeit das Bußsakrament zu empfangen. Wenn ein Priester
nicht mehr zur Beichte geht oder nicht gut beichtet, so schlägt sich
das sehr schnell in seinem priesterlichen Leben und Wirken nieder, und
auch die Gemeinde, deren Hirt er ist, wird dessen bald gewahr" .(77)
"Der Dienst der Priester ist vor allem verantwortungsvolle und
notwendige Verbundenheit und Mitarbeit am Dienst des Bischofs in der
Sorge um die Universalkirche und um die einzelnen Teilkirchen; für den
Dienst an ihnen bilden sie zusammen mit dem Bischof ein einziges
Presbyterium".(78) Auch die Brüder im Priesteramt müssen bevorzugtes
Ziel der pastoralen Liebe des Priesters sein. Es geht darum, ihnen
geistlich und materiell zu helfen, ihnen auf einfühlsame Weise die
Beichte und die Seelenführung zu erleichtern, ihnen den Weg des
Dienstes liebenswert zu machen, ihnen in jeder Not beizustehen, sie in
allen Schwierigkeiten, in Alter und Krankheit mit brüderlicher Sorge zu
begleiten... Also ein wahrhaft wertvolles Feld für die praktische Übung
der priesterlichen Tugenden.
Unter den Tugenden, die für eine fruchtbare Erfüllung des Dienstes der
Versöhnung notwendig sind, ist die pastorale Besonnenheit von
grundlegender Bedeutung. Wie bei der Erteilung der Absolution der
Amtsträger mit funktionaler Wirkkraft an der sakramentalen Handlung
teilnimmt, so besteht auch bei den anderen Akten des Bußritus seine
Aufgabe darin, den Pönitenten Christus gegenüberzustellen, indem er mit
äußerster Behutsamkeit die Begegnung mit dem Erbarmen unterstützt. Dazu
gehört, daß allgemeine Reden, welche die Realität der Sünde außer
Betracht ließen, vermieden werden; als notwendig erweist sich daher
beim Beichtvater das angemessene Wissen.(79) Aber zugleich ist das
Bußgespräch immer von jenem Verständnis erfüllt, das die Seelen
schrittweise den Weg der Umkehr entlangzuführen vermag, ohne
irgendeinem Zugeständnis an die sogenannte "Abstufung der moralischen
Normen" zu erliegen.
Da die Beichtpraxis — zum großen Schaden für das moralische Leben und
das gute Gewissen der Gläubigen — vielerorts zurückgegangen ist, zeigt
sich die reale Gefahr einer Abnahme der theologischen und
seelsorgerischen Substanz in der Art und Weise, wie der Beichtvater
seine Aufgabe wahrnimmt. Der Beichtvater muß den Paraklet, den
Tröster-Geist, um die Fähigkeit bitten, diesen Heilsvorgang mit
übernatürlicher Sinnhaftigkeit zu erfüllen (80) und ihn in eine echte
Begegnung des Sünders mit Jesus, der ihm vergibt, zu verwandeln.
Gleichzeitig muß er die Gelegenheit der Beichte dazu nützen, das
Gewissen des Pönitenten richtig zu bilden — eine äußerst wichtige
Aufgabe —, indem er ihm mit aller Behutsamkeit die notwendigen Fragen
stellt, um die Integrität der Beichte und die Gültigkeit des Sakraments
zu gewährleisten; indem er ihm hilft, Gott für sein Erbarmen ihm
gegenüber aus tiefstem Herzen zu danken und einen festen Vorsatz zur
Berichtigung seines moralischen Verhaltens auszusprechen, und es nicht
verabsäumt, ihm einige passende Worte der Ermutigung und des Trostes zu
sagen und ihn zur Erfüllung von Bußwerken anzuspornen, die ihm,
abgesehen von der Wiedergutmachung für seine Sünden, helfen sollen, in
den Tugenden zu wachsen.
ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN UBER KAPITEL III
13. Wesen und Heilsbedeutung der Sakramente sind unveränderlich. Wie
läßt sich, von diesen sicheren Voraussetzungen ausgehend, die Pastoral
der Sakramente erneuern und in den Dienst der Neu-Evangelisierung
stellen?
14. Sind unsere Gemeinden eine "Kirche der Eucharistie und der Buße"?
Wird dort die eucharistische Frömmigkeit in allen ihren Formen
gefördert? Wird die Praxis der Einzelbeichte motiviert und unterstützt?
15. Wird üblicherweise auf die Realpräsenz des Herrn im Tabernakel
hingewiesen, zum Beispiel durch Ermunterung zur fruchtbaren Praxis des
Besuches beim Allerheiligsten? Sind die Akte eucharistischer Verehrung
häufig? Verfügen unsere Kirchen über einen geezgneten Raum, der das
Gebet vor dem Allerheiligsten begünstigt?
16. Kümmert man sich in pastoraler Gesinnung besonders um geziemende
Ausstattung der Kirchen? Kleiden sich die Priester in der Regel den
kanonischen Vorschriften gemäß (vgl. CIC, cann. 284 n. 669; Direktorium
Nr. 66) und tragen sie bei der Feier des Gottesdienstes motivierter
Weise alle vorgeschriebenen Paramente (vgl. can. 929)?
17. Beichten die Priester regelmäßig und stellen sie sich für diesen grundlegenden Dienst zur Verfügung?
18. Gibt es geeignete Initiativen, um dem Klerus eine ständige
Weiterbildung zur Vervollkommnung des Dienstes als Beichtvater zu
ermöglichen? Fördert man bei den Pfarrern die für die heutige Zeit
gemäße Fortbildung ("Aggiornamento") in diesem unersetzlichen Dienst?
19. Werden angesichts der großen Bedeutung die eine echte
Wiederbelebung der Einzelbeichtpraxis für die Neu-Evangelisierung hat,
die kirchenrechtlichen Vorschriften über die Generalabsolution
eingehalten? Werden in allen Pfarreien und Kirchen die Bußgottesdienste
mit pastoraler Behutsamkeit und Liebe gehalten?
20. Welche Initiativen werden konkret durchgeführt, damit die Gläubigen das Sonntagsgebot in motivierter Weise erfüllen?
IV. Kapitel
LIEBENDE HIRTEN DER IHNEN ANVERTRAUTEN HERDE
"Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe" (Joh 10,11)
1. Mit Christus, um das Erbarmen des Vaters darzustellen und zu verbreiten
"Die Kirche lebt ein authentisches Leben, wenn sie das Erbarmen bekennt
und verkündet — das am meisten überraschende Attribut des Schöpfers und
des Erlösers — und wenn sie die Menschen zu den Quellen des Erbarmens
des Heilands führt, die sie hütet und aus denen sie austeilt".(81)
Diese Wirklichkeit unterscheidet die Kirche wesentlich von allen
anderen Institutionen zu Gunsten der Menschen, die zwar eine große,
vielleicht auch von religiösem Geist erfüllte Rolle im Hinblick auf
Solidarität und Menschenliebe spielen mögen, jedoch niemals von selbst
als tatsächliche Spender des Erbarmens Gottes auftreten könnten.
Gegenüber dem säkularisierten Begriff des Erbarmens, der das Innere des
Menschen nicht zu verwandeln vermag, erscheint das in der Kirche
angebotene Erbarmen Gottes sowohl als Vergebung wie als Heilmittel; für
seine Wirksamkeit auf den Menschen ist die Annahme der ganzen Wahrheit
über sein Dasein, über sein Handeln und über seine Schuld gefordert.
Daraus leitet sich die Notwendigkeit der Reue ab, und das macht es auch
dringend notwendig, die Verkündigung des Erbarmens mit der Fülle der
Wahrheit zu verbinden. Es gibt Aussagen von großer Wichtigkeit in bezug
auf die Priester, die durch eine einzigartige Berufung in der Kirche
und von der Kirche dazu aufgerufen sind, das Geheimnis der Liebe des
Vaters zu enthüllen und gleichzeitig durch ihren Dienst, der "sich von
der Liebe geleitet an die Wahrheit hält" (Eph 4,15) und den Eingebungen
des Heiligen Geistes folgt, zu verwirklichen.
Die Begegnung mit dem Erbarmen Gottes erfolgt in Christus als
Offenbarung der väterlichen Liebe Gottes. Als Christus den Menschen
seine messianische Rolle offenbart (Vgl. Lk 4,18), stellt er sich als
Erbarmen des Vaters gegenüber allen Bedürftigen hin, besonders
gegenüber den Sündern, die Vergebung und inneren Frieden nötig haben.
"Vor allem für die Letztgenannten wird der Messias ein besonders
verstehbares Zeichen Gottes, der Liebe ist, ein Zeichen des Vaters. In
diesem sichtbaren Zeichen können die Menschen von heute ebenso wie die
Menschen von damals den Vater sehen" .(82) Gott, der "die Liebe ist" (1
Joh 4,16.), kann sich nicht anders denn als Erbarmen offenbaren.(83)
Der Vater hat sich aus Liebe durch das Opfer seines Sohnes auf das
Drama der Rettung der Menschen eingelassen.
Wenn schon in der Verkündigung Christi das Erbarmen eindrucksvolle Züge
annimmt, die — wie aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn hervorgeht
(Vgl. Lk 15,11-32) — über jede menschliche Realisierung hinausgehen, so
tritt es in besonderer Weise in seinem Selbstopfer am Kreuz in
Erscheinung. Der gekreuzigte Christus ist die radikale Offenbarung des
Erbarmens des Vaters, "das heißt der Liebe, die gegen die Wurzel allen
Übels in der Geschichte des Menschen angeht: gegen Sünde und Tod" .(84)
Die christlichspirituelle Überlieferung hat im Heiligsten Herzen Jesu,
das die Priesterherzen an sich zieht, eine tiefgründige und
geheimnisvolle Synthese des unendlichen Erbarmens des Vaters gesehen.
Die soteriologische Dimension des ganzen munus pastorale der Priester
konzentriert sich also auf die Erinnerung an die von Jesus dargebrachte
Opfergabe des Lebens, das heißt auf das eucharistische Opfer. "Es gibt
nämlich einen innigen Zusammenhang zwischen der Zentralität der
Eucharistie, der pastoralen Liebe und der Einheit des Lebens des
Priesters [...]. Wenn der Priester durch den eigenen Dienst Christus,
dem ewigen Hohenpriester, Intelligenz, Willen, Stimme und Hände
anbietet, damit er dem Vater das sakramentale Opfer der Erlösung
darbringen kann, soll er sich die innere Einstellung des Meisters zu
eigen machen und wie Er als Geschenk für seine eigenen Brüder leben
müssen. Deshalb muß er lernen, sich mit der Opfergabe innig zu
vereinen, indem er auf dem Opferaltar sein ganzes Leben als sichtbares
Zeichen der freien und zuvorkommenden Liebe Gottes darbringt".(85) Im
Dauergeschenk des eucharistischen Opfers, Erinnerung an Jesu Tod und
Auferstehung, haben die Priester sakramental die einzige und
einzigartige Fähigkeit empfangen, den Menschen als Diener das Zeugnis
der unerschöpflichen Liebe Gottes zu bringen, die sich aus der weiteren
Perspektive der Heilsgeschichte als mächtiger als die Sünde bestätigen
wird. Der österliche Christus ist die endgültige Inkarnation des
Erbarmens, dessen lebendiges, heilsgeschichtliches und zugleich
endzeitliches Zeichen.(86) Das Priestertum, sagt der hl. Pfarrer von
Ars, "ist die Liebe des Herzens Jesu" .(87) Mit ihm sind auch die
Priester dank ihrer Weihe und ihres Dienstes ein lebendiges und
wirksames Zeichen dieser großen Liebe, jenes "amoris officium", von dem
der hl. Augustinus sprach.(88)
2. "Sacerdos et hostia"
Wesentlich für das echte Erbarmen ist sein Geschenkcharakter. Es muß
als unverdientes Geschenk angenommen werden, das ungeschuldet angeboten
wird, also nicht aus eigenem Verdienst stammt. Diese Freigebigkeit fügt
sich in den Heilsplan des Vaters ein, denn "nicht darin besteht die
Liebe, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und
seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat" (1 Joh 4,10). Und
genau in diesem Kontext findet das geweihte Amt seine
Daseinsbrechtigung. Keiner kann sich selbst die Gnade verleihen: sie
muß geschenkt und empfangen werden. Das aber setzt voraus, daß es von
Christus ermächtigte und befähigte Diener der Gnade gibt. Dieses
geweihte Amt, durch das die von Christus Gesandten aus Gottes Gnade das
tun und geben, was sie nicht von sich aus tun und geben können, nennt
die Überlieferung der Kirche "Sakrament" .(89)
Die Priester müssen sich daher als lebendige Zeichen und Träger des
Erbarmens betrachten, das sie nicht als ihr Eigentum, sondern als
Geschenk Gottes anbieten. Ja, sie sind Diener der Liebe Gottes zu den
Menschen, Diener des Erbarmens. Der Wille zum Dienst gehört als
wesentliches Element zur Ausübung des Priesteramtes, was wiederum beim
einzelnen auch die entsprechende moralische Disposition erfordert. Der
Priester weist die Menschen auf Jesus hin, auf den Hirten, der "nicht
gekommen [ist], um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen" (Mt
20,28). Der Priester dient in erster Linie Christus, aber so, daß er
notwendigerweise den hoch-herzigen Dienst an der Kirche und ihrer
Sendung durchmacht.
"Er liebt uns und hat sein Blut vergossen, um unsere Sünden
hinwegzunehmen: Pontifex qui dilexisti nos et lavisti nos a peccatis in
sanguine tuo. Er hat sich selbst für uns hingegeben: tradidisti
temetipsum Deo oblationem et hostiam. Christus führt gerade das Opfer
seiner selbst, das der Preis unserer Erlösung ist, in das ewige
Heiligtum ein. Die Opfergabe, das heißt das Opfer, ist vom Priester
nicht zu trennen" .(90) Obwohl nur Christus gleichzeitig Sacerdos et
Hostia ist, ist sein in die missionarische Dynamik der Kirche
eingebundener Diener kraft des Sakraments sacerdos, aber mit der
ständigen Ermahnung, auch hostia zu werden, "so gesinnt zu sein, wie es
dem Leben in Christus Jesus entspricht" (Phil 2,5). Von dieser
untrennbaren Einheit zwischen Priester und Opfer, (91) zwischen
Priestertum und Eucharistie hängt die Wirkung jeder
Evangelisierungstätigkeit ab. Von der festen Einheit —im Heiligen Geist
— zwischen Christus und seinem Diener — ohne daß letzterer sich anmaßen
würde, Ihn zu ersetzen, sondern sich auf Ihn stützt und Ihn in sich und
durch sich handeln läßt — hängt auch heute das eindrucksvolle Wirken
des göttlichen Erbarmens ab, das im Wort und in den Sakramenten
enthalten ist. Auch auf diese Verbundenheit des Priesters mit Jesus bei
der Ausübung des Dienstes erstreckt sich die Bedeutung der Worte: "Ich
bin der wahre Weinstock... Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen
kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr
keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt" (Joh 15,1.4).
Die Ermahnung, zusammen mit Jesus hostia zu werden, liegt auch dem
Zusammenhang zwischen der Zölibatsverpflichtung um der Kirche willen
und dem Priesteramt zugrunde. Es geht um die Einverleibung des
Priesters zu dem Opfer, "in dem Christus die Kirche geliebt und sich
für sie hingegeben hat, um sie [...] heilig zu machen" (Eph 5,25-26).
Der Priester ist berufen, "lebendiges Abbild Jesu Christi, des
Bräutigams der Kirche", (92) zu sein, indem er ihr sein ganzes Leben
darbringt. "Der priesterliche Zölibat ist also Selbsthingabe in und mit
Christus an seine Kirche und Ausdruck des priesterlichen Dienstes an
der Kirche in und mit dem Herrn".(93)
3. Die pastorale Sorge der Priester: Dienen durch Leitung in Liebe und Stärke
"Die Priester üben entsprechend ihrem Anteil an der Vollmacht das Amt
Christi, des Hauptes und Hirten, aus. Sie versammeln im Namen des
Bischofs die Familie Gottes, die als Gemeinschaft von Brüdern nach
Einheit verlangt, und führen sie durch Christus im Geist zu Gott dem
Vater" .(94) Die unerläßliche Ausübung des munus regendi des Priesters,
die nichts mit einer rein soziologischen Auffassung von
Organisationsfähigkeit zu tun hat, geht gleichfalls aus dem
sakramentalen Priestertum hervor: "Kraft des Weihesakramentes nach dem
Bilde Christi, des höchsten und ewigen Priesters (vgl. Hebr 5,1-10;
7,24; 9,11-28), sind sie [die Priester] zur Verkündigung der
Frohbotschaft, zum Hirtendienst an den Gläubigen und zur Feier des
Gottesdienstes geweiht und so wirkliche Priester des Neuen Bundes".(95)
Entsprechend ihrem Anteil an der Vollmacht Christi verfügen die
Priester über eine beachtliche Autorität gegenüber den Gläubigen. Sie
wissen jedoch, daß die Gegenwart Christi im Amtsträger "nicht so zu
verstehen ist, daß dieser gegen alle menschlichen Schwächen gefeit
wäre: gegen Herrschsucht, Irrtümer, ja gegen Sünde".(96) Das Wort und
die Leitung der Amtsträger sind daher, je nach ihren natürlichen oder
erworbenen Verstandes —und Willensgaben, ihrem Charakter und ihrer
Reife, von größerer oder geringerer Wirkfähigkeit. Dieses Bewußtsein,
verbunden mit der Kenntnis der sakramentalen Wurzeln des Hirtenamtes,
veranlaßt sie zur Nachahmung des Guten Hirten Jesus und macht die
pastorale Liebe zu einer für die erfolgreiche Durchführung ihres
Dienstes unerläßlichen Tugend.
"Hauptziel ihrer Hirtentätigkeit und der ihnen übertragenen Vollmacht
ist es, die ihnen anvertraute Gemeinde zur vollen Entfaltung ihres
geistlichen und kirchlichen Lebens zu führen".(97) Dennoch "darf die
Gemeinschaftsdimension der Seelsorge (...) nicht die Bedürfnisse der
einzelnen Gläubigen vernachlässigen (...). Man kann sagen, daß Jesus
selbst, der Gute Hirt, der ,,seine Schafe, die seine Stimme kennen,
einzeln beim Namen ruft" (Job 10, 3-4), durch sein Beispiel die erste
Regel der individuellen Seelsorge festgelegt hat: die Menschen kennen
und freundschaftliche Beziehung zu ihnen unterhalten".(98) In der
Kirche muß die Gemeinschaftsdimension und die persönlich-inividuelle
Sicht aufeinander abgestimmt werden; mehr noch, bei der Auferbauung der
Kirche gelangt der Priester, ausgehend von der Dimension des einzelnen,
zu jener der Gemeinschaft. Im Verhältnis zu den einzelnen Personen und
zur Gemeinde soll der Priester allen "eximia humanitate" (mit echter
Menschlichkeit) begegnen, (99) niemals aber irgendeiner Ideologie oder
einer menschlichen Parteiung zu Diensten sein (100) und sich den
Menschen gegenüber nicht "nach Menschengefallen verhalten, sondern so,
wie es die Lehre und das christliche Leben verlangt" .(101)
Trotzdem erweist es sich heute mehr denn je als besonders notwendig,
den Stil des pastoralen Wirkens dem Zustand jener Gesellschaften
anzupassen, die zwar eine christliche Vergangenheit haben, jetzt aber
weitgehend säkularisiert sind. Die Betrachtung des munus regendi in
seinem authentischen missionarischen Verständnis, das nicht mit einer
bürokratisch-organisatorischen Aufgabe verwechselt werden darf, gewinnt
daher zunehmend an Bedeutung. Das verlangt von seiten der Priester ein
Ausüben der Stärke mit Liebe, dessen Vorbild in dem Verhalten des
Hirten Jesus Christus entdeckt werden muß. Wie wir den Evangelien
entnehmen können, scheut er niemals die Verantwortung, die ihm aus
seiner messianischen Vollmacht erwächst, sondern übt sie mit Liebe und
Stärke aus. Deshalb bedeutet seine Autorität nie unterdrückende
Herrschaft, sondern Disponibilität und Gesinnung zum Dienst. Dieser
Doppelaspekt — Autorität und Dienst — bildet das Bezugssystem, in
welches das munus regendi des Priesters einzuordnen ist: Er muß sich
immer bemühen, seinen Anteil an der Stellung Christi als Haupt und Hirt
der Herde konsequent umzusetzen.(102)
Der Priester, der mit und unter dem Bischof auch Hirt der ihm
anvertrauten Gemeinde und somit von der pastoralen Liebe beseelt ist,
darf sich nicht scheuen, seine Autorität in den Bereichen auszuüben, wo
er zu ihrer Ausübung verpflichtet ist, da er eben dafür mit Autorität
ausgestattet worden ist; der Priester soll daran denken, daß auch dann,
wenn diese Autorität mit der gebührenden Stärke ausgeübt wird, versucht
werden muß, dabei "non tam praeesse quam prodesse", nicht in erster
Linie zu befehlen, sondern zu dienen.(103) Vielmehr muß sich der, der
die Autorität ausüben soll, vor der Versuchung hüten, sich dieser
Verantwortung zu entziehen; wenn er sie nicht ausübt, entzieht er sich
dem Dienst. In enger Gemeinschaft mit dem Bischof und mit allen
Gläubigen soll er vermeiden, in sein Hirtenamt Formen eines
Stegreifautoritarismus oder "demokratistische" Führungsbedingungen
einzuführen, die der tieferen Wirklichkeit des Dienstamtes fremd sind
und als Folge zur Säkularisierung des Priesters und zur
Klerikalisierung der Laien führen.(104) Nicht selten kann sich hinter
derartigen Verhaltensweisen die Angst davor verbergen, Verantwortung zu
übernehmen, Fehler zu machen, nicht willkommen zu sein, sich unpopulär
zu machen, das Kreuz auf sich zu nehmen, usw.: Im Grunde handelt es
sich um eine vernebelnde Trübung, welche die authentische Wurzel der
priesterlichen Identität betrifft: die Gleichgestaltung mit Christus,
dem Hirten und Haupt.
In diesem Sinne verlangt die Neu-Evangelisierung auch, daß der Priester
seine tatsächliche Präsenz offen zu erkennen gibt. Man muß die Diener
Jesu Christi unter den Menschen gegenwärtig und bereit sehen können.
Daher ist auch ihre freundschaftliche und brüderliche Einbindung in die
Gemeinde so wichtig. Und in diesem Zusammenhang ist die pastorale
Bedeutung der Disziplin bezüglich der kirchlichen Kleidung zu
verstehen, über die er nicht hinweggehen darf, weil sie dazu dient,
seine zeitlich und räumlich uneingeschränkte Hingabe an den Dienst für
Christus, für die Brüder und für alle Menschen in der Öffentlichkeit
kundzutun.(105) Je mehr eine Gesellschaft die Zeichen der
Säkularisierung an sich trägt, um so mehr braucht sie Zeichen.
Der Priester muß darauf achten, nicht in die widersprüchliche Haltung
zu verfallen, auf Grund welcher er sich der Ausübung der Autorität in
seinen direkten Zuständigkeitsbereichen entziehen könnte, um sich dann
jedoch auf weltliche Fragen wie die der sozialen und politischen
Ordnung einzulassen, (106) die Gott den Menschen zur freien Verfügung
überlassen hat.
Der Priester muß, wenngleich er sich bei den Gläubigen und, zumindest
mancherorts, auch bei den weltlichen Aurotiräten eines beachtlichen
Ansehens erfreuen kann, unbedingt daran denken, daß dieses Ansehen mit
Demut gelebt werden muß, indem er es korrekterweise dazu benutzt,
tatkräftig mitzuwirken an der "salus animarum", am Heil der Seelen, und
sich bewußt bleibt, daß allein Christus das wahre Haupt des
Gottesvolkes ist: zu ihm müssen die Menschen hingeführt werden, und es
gilt zu vermeiden, daß sie sich an die Person eines einzelnen Priesters
anklammern. Die Seelen gehören einzig und allein Christus, denn nur er
hat sie zur Ehre Gottes um den Preis seines kostbaren Blutes erlöst.
Und genauso ist nur er Herr der übernatürlichen Güter und der Meister,
der mit eigener, ihm von Anbeginn zustehender Autorität lehrt. Der
Priester ist im Auftrag Christi und im Heiligen Geist nur ein Verwalter
der Gaben, die die Kirche ihm anvertraut hat, und hat als solcher nicht
das Recht, diese Gaben nach eigenem Belieben zu reduzieren, zu
vermehren oder zu verändern.(107) So hat er zum Beispiel nicht die
Vollmacht erhalten, die ihm anvertrauten Gläubigen nur einige
Wahrheiten des christlichen Glaubens zu lehren, während er andere
übergeht, weil er sie für schwerer zu befolgen oder für "weniger
aktuell" hält.(108)
Was die Neu-Evangelisierung und die notwendige pastorale Leitung der
Priester betrifft, so muß man mit Engagement allen dabei helfen, einen
sorgfältigen und ehrlichen Unterscheidungsprozeß vorzunehmen. Hinter
der Haltung des "Sich-nicht-aufdrängenWollens" usw. könnte sich eine
Verkennung des theologischen Wesens des Hirtenamtes oder vielleicht
auch eine Charakterschwäche verbergen, die die Verantwortung scheut.
Nicht unterschätzt werden dürfen auch die etwaige unrechtmäßige
Anhänglichkeit zu Personen oder die unzulässige Übernahme von
Dienstaufträgen oder das unverhohlene Verlangen nach Popularität und
das Fehlen einer redlichen Absicht. Ohne Demut ist die pastorale Liebe
gar nichts. Manchmal kann sich hinter einer scheinbar motivierten
Auflehnung des Priesters, hinter seinem Widerstand gegen eine vom
Bischof angemahnte Änderung seines pastoralen Arbeitsstils — sei es
seine exzentrische Art zu predigen oder den Gottesdienst zu feiern, sei
es, daß er die vorgeschriebene kirchliche Kleidung nicht trägt oder
nach Belieben verändert — Eigenliebe und der, freilich unbewußte,
Wunsch verbergen, auf sich aufmerksam zu machen.
Die Neu-Evangelisierung verlangt vom Priester auch eine neue
Bereitschaft, seinen Hirtendienst dort auszuüben, wo es am
notwendigsten ist. "Wie das Konzil unterstreicht, ,,rüstet die
Geistesgabe, die den Priestern in ihrer Weihe verliehen wurde, sie
nicht für irgendeine begrenzte und eingeschränkte Sendung, sondern für
die alles umfassende und universale Heils-sendung bis an die Grenzen
der Erde, denn jeder priesterliche Dienst hat teil an der weltweiten
Sendung, die Christus den Aposteln aufgetragen hat".(l09) Der in
einigen Ländern zu verzeichnende Priestermangel, zusammen mit der für
die moderne Welt charakteristischen Dynamik, macht es besonders
notwendig, auf Priester zählen zu können, die bereit sind, nicht nur
einen pastoralen Auftrag, sondern, je nach den verschiedenen
Erfordernissen, auch die Stadt, die Region oder das Land zu wechseln
und die unbedingt notwendige Sendung zu erfüllen, wobei sie aus Liebe
zu Gott die eigenen Neigungen und persönlichen Pläne hintansetzen. "Auf
Grund des Wesens ihres Dienstes sollen sie daher von einem tiefen
missionarischen Geist und ,,von jener wahrhaft katholischen
Geisteshaltung" durchdrungen und beseelt sein, die sie dazu befähigt,
,,über die Grenzen der eigenen Diözese, der Nation oder des Ritus zu
blicken und für die Bedürfnisse der ganzen Kirche einzustehen, stets
bereit, das Evangelium überall zu verkünden"" .(110) Die richtige
Bedeutung der Teilkirche, auch im Hinblick auf die ständige
Weiterbildung, darf niemals die Bedeutung der Universalkirche im
geringsten verdunkeln, sondern muß harmonisch auf sie abgestimmt werden.
ANREGUNGEN ZUM NACHDENKEN ÜBER KAPITEL IV
21. Wie läßt sich gegenüber den Notleidenden durch unsere Gemeinden und
in besonderer Weise durch die Priester das Erbarmen Gottes am
lebendigsten offenkundig machen? Besteht man ausreichend zum Beispiel
auf der geistlichen und leiblichen Übung der Werke der Barmherzigkeit
als Weg christlicher Reifung und Evangelisierung?
22. Ist die pastorale Liebe in allen ihren Dimensionen wirklich "Seele und Kraft der ständigen Weiterbildung" unserer Priester?
23. Werden die Priester wirklich ermuntert, sich mit aufrichtig
brüderlichem Geist um alle anderen Mitbrüder, insbesondere um die
kranken und alten, zu kümmern? Bestehen Formen gemeinschaftlichen
Lebens oder ähnliche Erfahrungen?
24. Verstehen und akzeptieren unsere Priester ihre besondere Aufgabe
der geistlichen Führung der ihnen anvertrauten Gemeinden? Wie üben sie
diese konkret aus?
25. Legt man bei der geistlichen Ausbildung der Priester genügend
Gewicht auf die missionarische Dimension des priesterlichen Dienstes
und auf die universale Dimension der Kirche?
26. Gibt es Glaubenswahrheiten oder moralische Grundsätze, die in der
Verkündigung gewöhnlich übergangen werden, weil sie als schwer
annehmbar für die Gläubigen gelten?
27. Eine der Aufgaben des Hirtenamtes besteht darin, die Kräfte für den
Dienst am Evangelisierungsauftrag zu vereinen. Gibt es Anregungen zu
allen Berufungen innerhalb der Kirche unter Beachtung des besonderen
Charismas jeder einzelnen?
NACHWORT
"Die Neu-Evangelisierung braucht neue Verkünder, und das sind die
Priester, die sich verpflichten, ihr Priestertum als besonderen Weg zur
Heiligkeit zu leben" .(111) Damit das eintritt, ist es von
fundamentaler Wichtigkeit, daß jeder Priester täglich die absolute
Notwendigkeit seiner persönlichen Heiligkeit wiederentdeckt. "Zuerst
muß man selbst rein sein, erst dann die anderen reinigen; zuerst sich
belehren lassen, um dann die anderen belehren zu können; zuerst Licht
werden, erst dann leuchten; zuerst zu Gott treten, erst dann andere zu
ihm führen; zuerst sich heiligen, erst dann andere heiligen". (112)
Diese Verpflichtung nimmt konkrete Gestalt an in der Suche nach einer
tiefen Einheit des Lebens, die den Priester dazu anhält, zu versuchen,
in allen Lebenssituationen gleichsam wie ein zweiter Christus zu sein
und zu leben.
Die Gläubigen der Pfarre bzw. diejenigen, die an den verschiedenen
pastoralen Aktivitäten teilnehmen, sehen — beobachten! — und vernehmen
— hören! — nicht nur dann, wenn das Wort Gottes verkündet wird, sondern
auch, wenn die verschiedenen liturgischen Handlungen, insbesondere die
hl. Messe, gefeiert werden; wenn sie im Pfarramt empfangen werden, wo
man sie gastfreundlich und liebenswürdig aufnimmt; (113) wenn sie
sehen, wie der Priester ißt oder sich ausruht, und durch sein Beispiel
der Enthaltsamkeit und Mäßigkeit erbaut werden; wenn sie ihn zu Hause
aufsuchen und erfreut sind über die priesterliche Einfachheit und
Armut, in der er lebt; (114) wenn sie sehen, daß er richtig, ordentlich
und vollständig den Vorschriften gemäß gekleidet ist; wenn sie mit ihm
auch über ganz allgemeine Themen sprechen und sich aufgerichtet fühlen
durch die Bestätigung seiner übernatürlichen Sicht, seiner Behutsamkeit
und seines menschlichen Stils, auf Grund dessen er auch die einfachsten
Menschen mit echter, priesterlicher Vornehmheit behandelt. "So breitet
sich die Gnade und die Liebe des Altars auf den Ambo, den Beichtstuhl,
das Pfarrarchiv, auf die Schule, das Oratorium, auf die Häuser und
Straßen, auf die Spitäler, auf die Transportmittel und die sozialen
Kommunikationsmittel aus, wo immer der Priester die Möglichkeit hat,
seine Hirtenaufgabe zu erfüllen: Es ist auf jeden Fall seine Messe, die
sich ausbreitet, es ist seine geistige Verbundenheit mit Christus,
sacerdos et hostia, die ihn — wie der hl. Ignatius von Antiochien sagte
— ,,Weizenkorn Gottes sein läßt, um zum reinen Brot Christi zu werden"
(vgl. Epist. ad Romanos, IV, 1), zum Wohl der Brüder".(115)
Auf diese Weise wird es der Priester des dritten Jahrtausends
ermöglichen, daß sich in unseren Tagen aufs neue die Reaktion der
Emmausjünger wiederholt, die, nachdem sie dem göttlichen Meister Jesus,
der ihnen die Schrift erklärte, zugehört hatten, nicht umhin können,
sich erstaunt zu fragen: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als
er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloß? (Lk
24,32).
Der Königin und Mutter der Kirche müssen wir Hirten uns anvertrauen,
damit wir in gesinnungsmäßiger Einheit mit dem Stellvertreter Christi
die Methoden zu entdecken vermögen, um in allen Priestern der Kirche
einen aufrichtigen Wunsch nach Erneuerung in ihrer Aufgabe als Lehrer
des Wortes, Diener der Sakramente und Leiter der Gemeinde aufbrechen zu
lassen. Wir bitten die Königin der Evangelisierung, daß die heutige
Kirche die Wege wiederentdecken möge, die das Erbarmen des Vaters in
Christus durch den Heiligen Geist von Ewigkeit an bereitet hat, um auch
die Menschen unserer Zeit zur Gemeinschaft mit ihm zu führen.
Rom, aus dem Gebäude der Kongregationen, am 19. März 1999, dem Fest des hl. Josef, des Patrons der Gesamtkirche.
DARÍO Kard. CASTRILLÓN HOYOS
Präfekt
CSABA TERNYÁK
Titular-Erzbischof von Eminenziana
Sekretär
GEBET ZU MARIA
MARIA,
Stern der Neu-Evangelisierung,
Du hast von Anfang an die Apostel und ihre Mitarbeiter bei der
Verbreitung des Evangeliums aufgerichtet und ermutigt: vermehre zu
Beginn des dritten Jahrtausends in den Priestern das Bewußtsein dafür,
daß sie als Erste für die Neu-Evangelisierung verantwortlich sind.
MARIA,
als Erste evangelisiert und erste Verkünderin,
hast Du mit einzigartigem Glauben, Hoffnung und Liebe auf die
Verkündigung des Engels geantwortet: bringe Deine Fürsprache für
diejenigen ein, die Deinem Sohn, Christus dem Hohenpriester,
gleichgestaltet werden, damit auch sie mit demselben Geist auf den
dringenden Aufruf antworten, den der Heilige Vater im Namen Gottes
anläßlich des Großen Jubiläums an sie richtet.
MARIA,
Lehrmeisterin des gelebten Glaubens,
Du hast das göttliche Wort mit voller Bereitschaft gehört: lehre die
Priester, sich durch das Gebet mit jenem Wort vertraut zu machen und
sich voll Demut und Leidenschaft in seinen Dienst zu stellen, so daß es
seine ganze Heilskraft im dritten Jahrtausend der Erlösung weiterausübt.
MARIA,
Voll der Gnade und Mutter der Gnade,
nimm Dich Deiner Söhne, der Priester, an, die wie Du dazu berufen
sind, Mitwirkende des Heiligen Geistes zu sein, der Jesus im Herzen der
Gläubigen wieder zur Welt kommen läßt. Lehre sie am Jahrestag der
Geburt Deines Sohnes, getreue Verwalter der Geheimnisse Gottes zu sein:
damit sie mit Deiner Hilfe vielen Seelen den Weg der Versöhnung
erschließen und die Eucharistie zur Quelle und zum Höhepunkt ihres
eigenen und des Lebens der ihnen anvertrauten Gläubigen machen.
MARIA,
Stern am Beginn des dritten Jahrtausends,
geleite weiterhin die Priester Jesu Christi, damit sie, dem Beispiel
Deiner Liebe zu Gott und zum Nächsten folgend, echte Hirten seien und
die Schritte aller zu Deinem Sohn, dem wahren Licht, das jeden Menschen
erleuchtet (vgl. Joh 1,9), hinlenken können. Mögen die Priester und
durch sie das ganze Volk Gottes die liebevolle und dringliche
Aufforderung hören, die Du an der Schwelle des neuen Jahrtausends der
Heilsgeschichte an sie richtest: "Was er euch sagt, das tut!" (Vgl. Job
2,5). "Im Jahr 2000 — so der Stellvertreter Christi
— wird mit neuer Kraft die Verkündigung der Wahrheit wieder erschallen
müssen: ,,Ecce natus est nobis Salvator mundi"" (Tertio millennio
adveniente, Nr. 38).
Anmerkungen
(1) JOHANNES PAUL II., Apostol. Schreiben Tertio millennio adveniente, 10. November 1994: AAS 87 (1995) 5-41; Nr. 38.
(2) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptoris missio, 7. Dezember 1990: AAS 8 (1991) 249-340; Nr. 33.
(3) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben
der Priester, Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 1994, Nr. 7.
(4) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, 25. März 1992, Nr. 18: AAS 84 (1992) 685.
(5) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptoris missio, Nr. 1.
(6) "Der christliche Glaube läuft nicht selten Gefahr, als eine
Religion unter vielen betrachtet und auf eine bloße Sozialethik im
Dienst des Menschen verkürzt zu werden. So wird seine umwälzende
Neuartigkeir in der Geschichte nicht immer sichtbar: Er ist
,,Geheimnis", er ist das Heilsgeschehen vorn Sohn Gottes, der Mensch
wird und allen, die ihn aufnehmen, ,,Macht gibt, Kinder Gottes zu
werden" (Job 1,12)" (JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol.
Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 46).
(7) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 2; JOHANNES
PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 13;
KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der
Priester, Nr. 1, 3, 6; Interdikasterielle instruktion Ecclesiae de
mysterio über einige Fragen betreffend die Mitarbeit gläubiger Laien am
Dienst der Priester, Vorwort.
(8) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Redemptoris missio, Nr. 63.
(9) Ebd., Nr. 67.
(10) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der
Priester, Einleitung. Vgl. JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol.
Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 2 u. 14.
(11) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Eides et ratio, 14. September 1998, Nr. 62.
(12) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 171.
(13) II. VAT. KONZIL, Dogmar. Konstitution Lumen getium, Nr. 30.
(14) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dogmat. Konstitution Lumen gentium, Nr. 48b.
(15) Vgl. JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 21.
(16) Vgl. II. VAT. KONZIL, DEKRET Presbyterorum ordinis, Nr. 12; JOHANNES PAUL II.,
Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 25.
(17) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 43.
(18) HL. GREGOR DER GROSSE, Liber regulae pastoralis, II, 1.
(19) JOHANNES PAUL II., Ansprache an das VI. Symposion der europäischen
Bischöfe, 11. Oktober 1985, Nr. 13: Insegnamenti di Giovanni Paolo II,
VIII, 2 (1985), 918-919.
(20) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 12.
(21) JOHANNES PAUL II., Ansprache zur Eröffnung der IV. Vollversammlung
des CELAM, 12. Dezember 1992, Nr. 24: AAS 85 (1993) 826; vgl.
Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconcdiatio et paenitentia, 2.
Dezember 1984, Nr. 13: AAS 77 (1985) 208-211.
(22) PAUL VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, Nr. 47.
(23) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dogmat. Konst. Lumen gentium, Nr. 28.
(24) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 4;
JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Aposol. Schreiben Pastores dabo vobis,
Nr. 26.
(25) Vgl. II. VAT. Konzil Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 5, 13, 14; JOHANNES PAUL II.,
Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 23, 26, 48;
KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der
Priester, Nr. 48.
(26) VAT. KONZIL, Dekret Unitatis redintegratio, Nr. 4.
(27) Ebd., Nr. 11.
(28) Vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprache an die Bischöfe des CELAM, 9.
März 1983: Insegnamenti, VI, 1 (1983), 698; Nachsynodales Apostol.
Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 18.
(29) II. VAT. KONZIL, Dogmat. Konst. Dei Verbum, Nr. 2.
(30) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 4.
(31) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1550.
(32) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 26.
(33) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 45.
(34) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 4.
(35) HL. AUGUSTINUS, De doctrina christiana, 4,15,32: PL 34,100.
(36) Vgl. PAUL VI., Apostol. Konstitution Laudis canticum, 1.11.1970, Nr. 8.
(37) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 45.
(38) II. VAT. KONZIL, Pastoraikonstitution Gaudium et spes, Nr. 22.
(39) Ebd.
(40) Vgl. Interdikasterielle instruktion Ecclesiae de mysterio über
einige Fragen zur Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester, 15.
August 1997, Artikel 3.
(41) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 19.
(42) Vgl. ebd.; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben
Pastores dabo vobis Nr. 70 ff.; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS,
Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 69 ff.
(43) Vgl. JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores
dabo vobis, Nr. 26 u. 47; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für
Dienst und Leben der Priester, Nr. 46.
(44) KONGREGATION FÜR DAS KATHOLISCHE ERZIEHUNGSWESEN, Instruktion über
das Studium der Kirchenväter in der Priesterausbildung, Vatikanstadt
1989.
(45) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Fides et ratio, 14. September 1998 Nr. 2.
(46) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 46.
(47) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 738.
(48) II. VAT. KONZIL, Konstitution Sacrosanctum Concilium‘ Nr. 2.
(49) II. VAT. KONZIL, Dogm. Konstitution Lumen Gentium, Nr. 45.
(50) II. VAT. KONZIL, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, Nr. 45.
(51) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 7b-c.
(52) JOHANNES PAUL II., Generalaudienz vom 5. Mai 1993: Insegnamenti XVI, 1 (1993)1061.
(53) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 12c.
(54) Vgl. ebd., Nr. 5.
(55) JOHANNES PAUL II., Generalaudienz vom 12. Mai 1993: lnsegnamenti XVI, 1 (1993)1197.
(56) II. VAT. KONZIL, Konstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 2.
(57) JOHANNES PAUL II., Schreiben an die Priester zum Gründonnerstag 1997, Nr. 5.
(58) Vgl. II. VAT. KONZIL, Konstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 2 n. 10.
(59) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 6.
(60) Ebd., Nr. 5.
(61) Ebd.
(62) Vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprachen an die Priester und Diakone, 5. 40.
(63) Vgl. JOHANNES PAUL II., Apostol. Schreiben Dies Domini, 31. Mai 1998, Nr. 46.
(64) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 49.
(65) JOHANNES PAUL II., Ansprachen an die Priester und Diakone, 5. 40.
(66) Vgl. ebd.; II. VAT. KONZIL, Dogmat. Konstitution Sacrosanctum Concilium, Nr. 112, 114, 116, 120, 122-124, 128.
(67) Vgl. Pius XII., Rundfunkbotschaft an den Nationalen Katechetischen
Kongreß der Vereinigten Staaten, 26. Oktober 1946: Discorsi e
Radiomessaggi VIII (1946) 288; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales
Apostol. Schreiben Reconciliatio et paenitentia, Nr. 18.
(68) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 13.
(69) Vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprachen an Priester und Diakone, 5. 108.
(70) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 13.
(71) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der
Priester, Nr. 54. Vgl. JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol.
Schreiben Reconciliatio et paenitentia, Nr. 31.
(72) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 32.
(73) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 13;
KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der
Priester, Nr. 53.
(74) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 13;
KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der
Priester, Nr. 53.
(75) Vgl. PÄPSTL. RAT FÜR DIE INTERPRETATION DER GESETZESTEXTE,
Erklärung zu C.LC. can. 964 § 2, 16. Juni 1998 (vom Iii. Vater
approbiert am 7. Juli 1998), in: Communicationes, 30 (1998).
(76) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 18; JOHANNES
PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 26,
48; Ansprachen an die Priester und Diakone, 5. 50; Nachsynodales
Apostol. Schreiben Reconciliatio et paenitenia, Nr. 31; KONGREGATION
FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 53.
(77) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconciliatio et paenitentia, Nr. 31, VI.
(78) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 17.
(79) Was das betrifft, so wird eine solide Vorbereitung bezüglich jener
Themen verlangt, die am häufigsten vorkommen. Als sehr hilfreich
erweist sich dafür das Vademecum für Beichtväter zu einigen das
Eheleben betreffenden Moralthemen (PÄPSTLICHER RAT FUR DIE FAMILIEN,
12. Februar 1997).
(80) Ebd.
(81) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, 30. November 1980, Nr. 13c: AAS 72 (1980) 1183.
(82) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 3.
(83) Vgl. JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 13.
(84) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 8.
(85) KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 48.
(86) Vgl. JOHANNES PAUL II., Enzyklika Dives in misericordia, Nr. 8.
(87) Vgl. Jean-Marie Vianney , curé d‘Ars: sa pensée, son coeur, présentés par Bernard Nodet, Le Puy 1960, 5. 100.
(88) HL. AUGUSTINUS, In Johannis evangelium tractatus, 123,5: CCL 36, 678.
(89) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 875.
(90) JOHANNES PAUL II., Schreiben an die Priester zum Gründonnerstag 1997, Nr. 4.
(91) Vgl. HL. THOMAS VON AQUIN, Summa Theol. III, q. 83, a. 1, ad 3.
(92) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 22.
(93) Ebd., Nr. 29.
(94) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 6.
(95) II. VAT. KONZIL, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, Nr. 28.
(96) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1550.
(97) JOHANNES PAUL II., Ansprache bei Generalaudienz vom 19. Mai 1993: Insegnamenti XVI, 1 (1993) 1254.
(98) Ebd., 1255-56.
(99) II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 6.
(100) Vgl. ebd., Nr. 6.
(101) Ebd., Nr. 6.
(102) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 17.
(103) HL. AUGUSTINUS, Ep. 134,1: CSEL 44, 85.
(104) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und
Leben der Priester, Nr.19; vgl. JOHANNES PAUL II., Ansprache an das
Symposium über die "Teilnahme der Laien am priesterlichen Dienst" (22.
April 1994), Nr. 4: "Sacrum Ministerium" 1 (1995) 64; vgl.
Interdikasterielle instruktion Ecclesiae de mysterio über einige Fragen
zur Mitarbeit gläubiger Laien am priesterlichen Dienst, 15. August
1997, Einleitung.
(105) Vgl. KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 66.
(106) Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2442; C.I.C., can.
227; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst und Leben der
Priester, Nr. 33.
(107) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dogmatische Konstitution Sacrosanctum
Concilium, Nr. 22; CI. C., can. 846; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS,
Direktorium für Dienst und Leben der Priester, Nr. 49 und 64.
(108) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo
vobis, Nr. 26; Ansprachen an die Priester und Diakone, Libreria
Editrice Vaticana 1995, S. 27; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium
für Dienst und Leben der Priester, Nr. 45.
(109) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo
vobis, Nr. 18; vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr.
10.
(110) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo
vobis, Nr. 18; vgl. II. VAT. KONZIL., Dekret Optatam totius, Nr. 20.
(111) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 82.
(112) HL. GREGOR VON NAZIANZ, Orationes, 2,71: PG 35, 480.
(113) JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores dabo vobis, Nr. 82.
(114) Vgl. II. VAT. KONZIL, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 17; GIG.,
can. 282; JOHANNES PAUL II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Pastores
dabo vobis, Nr. 30; KONGREGATION FÜR DEN KLERUS, Direktorium für Dienst
und Leben der Priester, Nr. 67.
(115) JOHANNES PAUL II., Ansprachen an die Priester und Diakone, S. 72.
(Quelle: http://www.clerus.org/clerus/dati/1999-11/19-5/Priester.rtf.html)