

Es war und ist bei manchen Theologinnen und Theologen im Laufe der letzten Jahrzehnte "Mode" geworden, alles, was die Bibel uns zu sagen hat, "symbolisch" zu sehen. Nichts - aber auch gar nichts - ist so zu verstehen, wie es da steht. In kaum einem Lehrbuch findet man nichts dergleichen.
Ohne nun mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, denke ich doch, wir sollten damit vorsichtiger sein. Wer gibt uns denn das Recht, eigenmächtig so zu urteilen? Manches ist mit Sicherheit und offensichtlich symbolisch zu verstehen, ich denke aber doch, dass man hier im Laufe der Zeit weit über das Ziel hinaus geschossen ist.
Nicht umsonst haben freikirchliche Gemeinden, die sich auch "bibeltreu" nennen, so großen Zulauf. Sie halten sich mehr an das, was tatsächlich in der Bibel steht - auch wenn sie es hier vielleicht manchmal etwas übertreiben mögen.
Wir sollten aber durchaus nachdenken, beten und uns untereinander beraten, bevor wir vorschnell alles als "symbolisch" abtun. Und Gott vielleicht dabei die Fähigkeit absprechen, tatsächlich all das bewirken zu können, was die Bibel uns mitteilt.
Kann es nicht sein, dass manche Bibelstellen tatsächlich so gemeint sind, wie sie da stehen?
Nur so ein Gedanke am Rande...
Die beiden Wörter "Katholisch" und "Leben" wurden bewusst gewählt.
Eine Entscheidung zum katholischen Glauben ist zum einen eine Entscheidung für Christus und damit eine Entscheidung zum Leben. Dabei ist "Katholisch" nicht nur ein Anhängsel, sondern ein Ausdruck bewusster Willensentscheidung zum Festhalten an den Glaubenswahrheiten der Katholischen Kirche - und damit verbunden die Verteidigung dieses Glaubens in der Öffentlichkeit.
Andererseits soll damit ausgedrückt werden, dass dieser Glaube auch gelebt werden will - in allen Bereichen unseres Lebens. Wir schöpfen aus der vollen Gnade Gottes, aus der Liebe, die wir von Ihm erhalten, und geben diese weiter an unsere Mitmenschen. Damit erfüllen wir Seinen Auftrag, Gott und unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst.
Ein Aspekt von "Erneuerung" betrifft mit Sicherheit auch moderne Theologie.
So wichtig Theologie auch für den Glauben ist (als Wissenschaft, die den Glauben unter anderen Wissenschaften sicherstellt sowie als Wissenschaft, die unter Gläubigen für Klarheit und Orientierung sorgt), scheint sie doch manchmal etwas außer Kontrolle geraten zu sein.
Abgesehen von sprachlichen Ausführungen wie gedanklichen Höhenflügen, die kaum mehr jemand nachvollziehen kann, scheint es bei etlichen Theologinnen und Theologen die Tendenz zu geben, nichts mehr von dem, was in der Bibel steht, so zu nehmen wie es dort steht. Da wird alles symbolisch gesehen oder mittels philosophisch ungemein weit ausholender "Erklärungs- und Deutungsversuche" offensichtlich für jedermann klar verständliche Bibelverse in etwas völlig anderes "umgedeutet".
Nun mag das mit bestem Wissen und Gewissen geschehen, nur gibt es damit doch so einige Probleme: mit derartig abstrakten Auslegungen ist der Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet. Und so stellt man auch häufig fest, dass traditionell katholische Lehren und Erklärungen sich so in Schall und Rauch auflösen - wobei die neuen Erklärungen für einen "normalen" Gläubigen kaum mehr verständlich und nachvollziehbar sind.
Und auch keineswegs richtig sein müssen! Nicht umsonst hat Jesus immer wieder die Kinder heraus gestellt - und diejenigen, die Seine Botschaft wie die Kinder aufnehmen. Manchmal hat man doch den Eindruck, dass dieser Aspekt völlig verloren gegangen ist: die Bibel sowie die kirchliche Lehre (also mündliche und schriftliche Überlieferung) mit einer einfachen (nicht kindlichen oder gar kindischen!), offenen und herzlichen Einstellung aufzunehmen. Ja, man möchte gar manche Theologinnen und Theologen einmal freundschaftlich "durchschütteln", damit sie nicht mehr in jeder einfachen und klar verständlichen Aussage etwas völlig Abgehobenes und auch Anderes verstehen! So wichtig Theologie als Wissenschaft ist - die Tatsache, dass jemand studiert hat, bedeutet nicht automatisch, dass er/sie mit seinen/ihren Deutungen auch recht hat.
Mit zu abgehobenen und symbolischen Auslegeversuchen hebt man schnell ab und landet nirgendwo.
Ein weiterer - wesentlicher Aspekt von Erneuerung: die richtige Lehre.
Immer wieder bekommt man selbst Fälle mit oder es werden einem Fälle berichtet, wo sich Menschen mit Fragen an Geistliche oder TheologInnen wenden, Seminare besuchen oder ähnliches - und dann erleben müssen, dass ihnen Auskünfte gegeben werden oder Sachen erzählt werden, die doch erheblich vom Katechismus abweichen.
Nun soll hier den Betroffenen TheologInnen nichts böses unterstellt werden. Bestimmt tun sie dies mit bestem Wissen und Gewissen - aber es hat schon seinen Grund, warum man sich auf diesen Katechismus geeinigt hat und daran sollten wir uns auch alle halten und ihn genauso weiter geben. Da hilft es auch nichts, wenn die eigene Äußerung als "Privatmeinung" deklariert wird (kann ein Priester oder ein Theologe auf Anfrage eine "Privatmeinung" äußern, die erheblich von der kirchlichen Lehre abweicht? Ist man da wirklich sicher, dass der Adressat dies auch richtig versteht? Und selbst wenn: was soll jemand denken, wenn der Priester oder Theologe zwar offiziell den Katechismus lehrt, "privat" aber ganz was anderes denkt?).
Es soll hier auch keine "Inquisition" eingeführt werden oder dazu aufgerufen werden, die Betroffenen dem Bischof zu melden.
Wir alle sollten uns aber doch unserer Verantwortung als Licht und Salz in der Welt bewusst sein: wir alle sind gerufen, durch unser eigenes Beispiel die Frohe Botschaft weiter zu geben. Wir alle sind Teil der Katholischen Kirche und als solche sollten wir uns mit Freude daran machen, ihre Lehren zu verbreiten und anderen (sowie uns selbst!) verständlich zu machen!
Heisst "Erneuerung" automatisch, alles Bestehende über den Haufen zu werfen und etwas "Neues" zu schaffen?
Nein, auf keinen Fall! Das ist meiner Ansicht nach der große Fehler moderner Theologie: wenn etwas nicht so läuft, wie man es gerne sehen will, wenn etwa die Priester und Ordensleute ausbleiben und die Zahl der Kirchenbesucher zurückgeht, wenn die Kirchenaustritte ansteigen usw., müsse man alles völlig "neu" machen und versuchen, wie die Welt zu werden - oder sich zumindest so weit dehnen und "öffnen", um bei niemendem "Anstoß" zu erwecken und so konturlos zu werden, dass sich irgendwie jeder irgendwie mit der Kirche "identifizieren" kann.
Erneuerung ist bei Katholisch Leben aber im Sinne von Regeneration gemeint: es kann durchaus heißen, Neues zu prüfen und Gutes zu behalten, im Wesentlichen heisst es aber zunächst, bestehende, bewährte und für gut befundene Kräfte (wieder-)zuentdecken und zu regenerieren. Sich auf das zu besinnen, was Kirche eigentlich ist. Auf traditionelle, über Jahrhunderte gewachsene traditionelle christliche Werte. Nicht farblos zu werden, sonder klar Stellung zu beziehen. Nicht wie die Welt zu werden, sondern der Welt zu zeigen, um was es beim Christentum geht, was uns heilig und wichtig ist. Den Menschen Gott nahe zu bringen, ohne Ihn - und die Kirche als den Leib Jesu Christi - dabei der Welt anpassen zu müssen.
Manchmal muss man, um weitergehen zu können, erst mal stehen bleiben und sich besinnen - oder vielleicht sogar zurück blicken auf das, was einen eigentlich ausmacht. Auf die wahre Identität der Katholischen Kirche.
Denn eines muss man uns lassen: die Katholische Kirche steht immer noch. Trotz aller Anfeindungen steht sie seit 2.000 Jahren wie eine Festung, wie ein Fels in der Brandung. Nichts hat sie untergehen lassen und nichts wird sie je untergehen lassen, denn sie hat den größten Begleiter und Beschützer, den man sich überhaupt vorstellen kann: Jesus Christus, den Sohn Gottes - und mit Ihm den Heiligen Geist, der uns führt und leitet.
Unter "aggiornamento" versteht man das Bemühen der Katholischen Kirche, bei der Vermittlung und Lehre von Glaubenswahrheiten auch auf die besonderen Umstände der heutigen Zeit einzugehen.
An sich ein gutes und wichtiges Vorhaben.
Aggiornamento heisst aber NICHT, dass jede Generation die Bibel nach eigenem Gutdünken neu interpretieren soll oder darf!
Vorab: das Christentum ist keine politische Bewegung, sondern eine spirituelle - und das vergessen viele. Unsere Aufgabe ist es nicht, eine Revolution zu starten, sondern Seelen zu retten. Ebensowenig ist die Kirche eine Demokratie, wo Glaubenswahrheiten über Abstimmung ermittelt werden.
Heisst das nun, dass wir eine passive Untertanenreligion sind? Keineswegs! Wir sollen nicht bei Ungerechtigkeiten schweigen, wir sollenen Verantwortung übernehmen und es ist auch keinem Christen verboten, sich politisch zu engagieren. Die gesamte Kirche hier in der Pflicht zu sehen, wäre jedoch falsch. Ja, sie kann unter Umständen auch zu aktuellen Ereignissen Stellung nehmen, dies aber mit einem anderen Hintergrund, als es etwa politische Parteien tun würden. Sie mahnt und ruft zur Einhaltung von wesentlichen Grundrechten der Menschen auf. Sie warnt, wenn sie sieht, dass Menschen, Länder oder Bewegungen vom Weg abweichen - eben weil sie um deren Seelenheil besorgt ist und die Menschen, die davon betroffen sind, vor Unheil bewahren will!
Sicher war sie damit nicht immer und zu jeder Zeit vorbildlich. Ja, sie hat Fehler gemacht. Aber sie ist noch immer da, und oft ist sie die einzige, die noch ruft. Der einsame Rufer in der Wüste...
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Life is Worth Living - Archbishop Fulton Sheen
Fr. Benedict Groeschel: Living the Call of Peace
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