Katholisch Leben: The Jesus Brothers!

Aufbruch und Erneuerung

Die Bibel




Ist die Bibel wirklich die einzige, unfehlbare Wahrheit, die Christen besitzen? Viele Christen anderer Gemeinschaften denken dies ("Sola Scriptura" - allein die Bibel) - zumindest seit den Zeiten der Reformation. Als "Argumente" für diese These werden dann oft die Bibel selbst zitiert. Außerdem hätte Jesus doch menschliche Tradition verurteilt. Das Problem dabei: in der Bibel selbst steht nirgends, dass sie alleine die Quelle ist, aus der wir Christen schöpfen. Sicher, sie ist gut zur Lehre (2 Tim 3,16-17. Hier werden die Vorzüge der Bibel beschrieben, aber nicht gesagt, sie alleine wäre die Grundlage der Lehre), zur Anleitung und auch bestimmt eine wesentliche Grundlage unseres Glaubens (nichts darf ihr widersprechen und jede christliche Lehre muss in der Bibel zu finden sein), aber nirgends steht, dass sie ALLEINE Grundlage christlicher Lehre ist.

Eine weitere Grundlage wäre etwa die apostolische Tradition und die Kirche.

Sicher, Jesus veruteilt etwa von Menschen gemachte Traditionen. Was damit gemeint ist, zeigt sich beim Hl. Paulus, einem der Apostel: christliche Tradition wird sehr wohl als positiv beschrieben - und gleichzeitig einer nicht akzeptablen Form von Tradition gegenüber gestellt.

Die Bedeutung mündlicher Tradition etwa wird vom Hl. Paulus ausdrücklich betont (siehe etwa 1 Thess. 2,13 oder 2 Tim 1,13-14). Die Autorität der Kirche wird zum Beispiel im ersten Konzil von Jerusalem deutlich (Apg 15,29,30).

Warum aber haben dann Jesus und Seine Jünger immer die Heilige Schrift zitiert, wenn sie etwas klarstellen wollten? Auch die Juden des Alten Testaments haben sich doch immer auf die Schrift bezogen!

Wenn wir Matt 23,2-3 lesen, sehen wir, dass Jesus den Pharisäern durchaus eine Autorität zugesprochen hat. Der dort erwähnte "Stuhl des Moses" ist aber nirgends im Alten Testament zu finden. Er stammt aus der zunächst mündlich überlieferten Mishna. Hier ist die Rede von einer Art Nachfolge in der Lehre die Rede, die sich bis auf Moses zurück führen lässt.

In Matt 2,23 lesen wir, dass erfüllt werden sollte, was die Propheten sagten: "Er wird Narzoräer genannt werden" (Einheitsübersetzung). Auch dies ist im Alten Testament nicht zu finden! Hier handelt es sich um eine mündliche Überlieferung durch die Propheten!

Betrachtet man 1 Kor 10,4, stellt man fest, dass Jesus von einem Felsen spricht, der mit den Juden zog. Sieht man sich diese Stelle im Alten Testament an (Moses schlägt mit dem Stock gegen den Felsen, damit Wasser heraus kommt), findet man hier aber nichts dergleichen! Sehr wohl aber in der Tradition, die von den Rabbinern weiter gegeben wurde.

Sola Scriptura ist eine Vorstellung, die von der Bibel nicht vertreten wird - und schon gar nicht von Jesus. Die einzigen, die jemals die mündliche Tradition verworfen hatten, waren die Saduzäer. Diese haben aber auch so einiges andere verworfen, etwa die Auferstehung von den Toten.

Eine Autoritätsfigur des Alten Testaments war zum Beispiel Ezra.

(Quelle: Dave Armstrong, The One-Minute Apologist. Sophia Institute Press, Manchester, 2007. Go and get it!).




 




Aber alle Christen haben doch die Autorität, die Bibel zu interpretieren!

Lesen wir Jn 14,26: "Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe." (Einheitsübersetzung)

Während des letzten Abendmahls sagte Jesus zu Seinen Jüngern, dass der Heilige Geist kommen und an alles erinnern würde, was Er ihnen gelehrt hat. Wohlgemerkt spricht Jesus hier nur zu den Aposteln - nicht zu den großen Menschenansammlungen, wie Er das sonst oft getan hatte. Die Apostel - und ihre Nachfolger! - erhielten von Jesus die Autorität zu leiten und auszulegen. Als gläubige Katholikinnen und Katholiken ist es unsere Aufgabe, uns Jesus unterzuordnen - und Seiner Kirche gegenüber gehorsam zu sein. Der Kirche, die uns führt und lehrt. Das mag vielleicht manchmal nicht angenehm sein und unseren Stolz verletzen, es hilftuns aber, auf dem rechten Weg zu bleiben.

(Quelle: www.saintjoe.com)

 

Der Heilige Geist wird jeden Christen im Verständnis der Bibel leiten!

Lesen wir 2 Petr 3,16: "es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben." (Einheitsübersetzung)

Eine scharfe Warnung für die also, die selbst versuchen möchten, zu einem Verständnis der Bibel zu gelangen. Eine falsche Interpretation der Bibel kann verheerende Folgen haben. Dafür hat uns Jesus den Heiligen Geist gesendet, dass er Seine Kirche dabei leitet, uns mit einer Lehre,die nicht irren kann zu unterrichten. Nur so können wir die Wahrheit in der Heiligen Schrift erkennen. Natürlich ist es wichtig und wertvoll, die Bibel auch alleine zu lesen, muss aber im Licht der katholischen Lehre geschehen. Deshalb wird die Benützung des Katholischen Katechismus beim Lesen der Bibel empfohlen.

Schauen wir uns nun 2 Petr 1,20 an: "Bedenkt dabei vor allem dies: Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig ausgelegt werden" (Einheitsübersetzung)

Dieser Vers richtet sich an die Apostel. Jesus hat nie großen Menschenmengen gesagt, dass der Heilige Geist sie leiten würde. Wir sollten uns vielmehr auf die Lehre der Kirche verlassen, die als solche unfehlbar ist. Eine Lehre, die durch die apostolische Sukzession 2.000 Jahre lang weiter gegeben wurde. Man kann es vielleicht mit einem Stapellauf vergleichen - der Stock wird von Läufer zu Läufer weiter gegeben, bleibt aber immer derselbe Stock. Persönliche Bibelauslegung und -interpretation führt aber nicht zur Einheit der Kirche, sondern zu ihrer Spaltung. Sehen wir uns doch die Situation heute an: Wie viele christliche Glaubensgemeinschaften nehmen für sich in Anspruch, die biblische "Wahrheit" zu besitzen? Welche davon ist eigentlich die wahre Kirche? Nun, Jesus hat nur eine gegründet - vor 2.000 Jahren. Welche Kirche kann für sich behaupten, seit 2.00 Jahren zu existieren?

(Quelle: www.saintjoe.com)

Wichtig zu wissen...

Woher wissen wir eigentlich, welche Bücher Teil der Bibel sind? Gibt es da etwa eine Liste oder ein Inhaltsverzeichnis in der Bibel? Nein - die Katholische Kirche hat es uns gesagt! Und warum hat sie eigentlich den Kanon biblischer Schriften zusammen gestellt? Damit jeder die Bibel lesen kann? Nein - der vorrangige Grund war, damit die Menschen wissen, welche Bücher und Schriften sie in der Liturgie lesen sollten! Deshalb sollte die Bibel immer im Kontext der Bibel gesehen werden und nicht nur als eine Art privates Lesebuch, das jeder nach Gutdünken auslegen kann!

(Quelle: u.a. Prof. Michael Barber: Exodus - Deliverance & Sacrifice (CDs). Go and get it at www.saintjoe.com)

 

Aggiornamento?

Unter "aggiornamento" versteht man das Bemühen der Katholischen Kirche, bei der Vermittlung und Lehre von Glaubenswahrheiten auch auf die besonderen Umstände der heutigen Zeit einzugehen.

An sich ein gutes und wichtiges Vorhaben.

Aggiornamento heisst aber NICHT, dass jede Generation die Bibel nach eigenem Gutdünken neu interpretieren soll oder darf!

 

Was ist, wenn ich in manchen Punkten nicht die offizielle Interpretation von bestimmten Bibelversen seitens der Kirche teile?

Manchmal verstehen wir nicht ganz einige Lehren der Kirche hinsichtlich bestimmter Bibleverse - zumindest in intellektueller Hinsicht. Das heisst aber keineswegs, dass wir nun eigenmächtig unserer eigenen Auslegung folgen sollen oder dürfen. Wir sollen vielmehr die Lehren der Kirche glauben, da Jesus durch den Heiligen Geist die Kirche leitet und inspiriert - wie Er es versprochen hat. Er wird uns und Seine Kirche nie alleine lassen und die Tore der Hölle werden sie nicht besiegen. Seine Kirche wird Bestand haben bis zu dem Tag, an dem Er wieder kommt!

(Quelle: u.a. Tim Staples: "The Shocking Truth About the Pope And the Bible" (CDs))

 

Der biblische Kanon

Gott hat sich uns offenbart. Um diese Offenbarung aber erkennen zu koennen, muessen wir mit Sicherheit wissen, wo wir sie finden koennen.

In welchen Buechern also ist die goettliche Wahrheit enthalten? Sollten wir naemlich die falschen Buecher lesen, hoeren wir auf die Worte von Menschen anstatt auf das Wort Gottes. Wir brauchen also die Liste der Buecher, die tatsaechlich von Gott inspiriert wurden. Das Wort “Kanon” bezeichnet dabei einen Standard, an dem sich alles andere messen kann – und muss.

Warum enthalten katholische und protestantische Bibeln eigentlich eine unterschiedliche Anzahl alttestamentlicher Buecher?

Das protestantische Alte Testament gruendet sich auf den hebraeischen Kanon, der damals von den hebraeisch sprechenden Juden in Palestina verwendet wurde. Das katholische Alte Testament hingegen gruendet sich auf den griechischen Kanon, den griechisch sprechende Juden im gesamten Mittelmeerraum (einschliesslich Palaestina) verwendeten.

Waehrend der Herrschaft von Ptolemaeus II Philadelphus (285 – 246 vor Christus) fingen 70 oder 72 juedische Schriftgelehrte (sechs von jedem der zwoelf Staemme, so wie es die Tradition verlangte) in der groessten Buecherei der antiken Welt – der von Alexandria in Aegypten – mit der Uebersetzung der gesamten hebraeischen Bibel ins Griechische. Etwa um 250 – 125 v. Chr. waren sie damit fertig. Die Zahl der Uebersetzer – 70 – ergab den dafuer verwendeten Namen “Septuaginta”, das lateinische Wort fuer 70 (LXX).

Um die Zeit Jesu war Griechisch die allgemein gesprochene Sprache und so wurde die Septuaginta sehr beliebt. Hebraeisch war am aussterben, da die Juden in Palaestina fuer gewoehnlich aramaeisch sprachen. Die Septuaginta war auch die Version, die Jesus und die Schreiber des Neuen Testaments verwendeten. Die ueberwiegende Mehrheit alttestamentlicher Zitate im Neuen Testament stammen aus eben dieser Septuaginta. 340 Mal zitiert das NT die Septuaginta, aber nur 33 Mal den hebraeischen Kanon. Ueber 90 % der Zeit zitieren neutestamentliche Schreiber aus der Septuaginta. An dieser Stelle sollte man auch daran denken, dass das gesamte NT in Griechisch geschrieben wurde!

Bis ins dritte Jahrhundert hinein wurde der hebraeische Kanon in juedischen Schulen fuer Rabbiner verwendet. Dieser rabbinische Judaismus verwarf dann aber sieben Buecher des hebraeischen Kanons, die sich in der Septuaginta fanden: Weisheit, Sirach, Judith, Baruch, Tobit und 1. und 2. Makkabaeer. Ebenso Teile von Daniel und Esther. Warum? Nun, sie konnten keine hebraeischen Versionen dieser Buecher finden, die angeblich von der Septuaginta ins Griechische uebersetzt wurden.

Die Kirche der Christen jedoch verwendete von Anfang an die Septuaginta und tat dies auch weiterhin – ungeachtet dieser spaeter aufkommenden rabbinischer Ansichten.

Auf den Konzilen von Hippo (393 n. Chr.) und Karthago (397 n. Chr.) hat die Kirche dann auch offiziell die 46 Buecher der Septuaginta als den biblischen Kanon fuer das Alte Testament anerkannt und uebernommen.

Dieser alttestamentliche Kanon wurde dann auch 1.500 Jahre lang von der gesamten Christenheit verwendet. Niemand kam auf die Idee, daran zu zweifeln.

Was die sieben Buecher angeht, die vom rabbinischen Judaismus abgelehnt wurden, so sei darauf verwiesen, dass die fruehen Kirchenvaeter sie als “Schrift” und als inspiriert bezeichnet haben – und dies in einem Atemzug mit den bestehenden Buechern, die von niemanden bestritten wurden.

Erst 1529 kam Martin Luther auf die Idee, doch wieder nur die 39 Buecher des rabbinischen Judaismus fuer das Alte Testament zu verwenden. Er gab hierfuer an, der hl. Jerome um 400 daran zweifelte, dass es fuer diese sieben Buecher hebraeische Entsprechungen gab. Inwischen ergab die Forschung jedoch, dass bei den Schriftrollen, die man bei Qumran fand, alte hebraeische Kopien von einigen dieser umstrittenen Buecher waren! Dieses Argument ist also haltlos. Luther – und mit ihm viele heutige Protestanten - hatte wohl noch einen anderen Grund, diese Buecher abzulehnen: sie widersprachen seinen Theorien, etwa was das Fegefeuer oder das Beten zu Verstorbenen (etwa 2 Makk 12, 42-45) anging. Luther fuehlte sich ja auch frei, Woerter in seine Uebersetzung einzufuegen und wollte sogar Jakobus (sowie Esther und die Offenbarung) aus dem neutestamentlichen Kanon  nehmen, da er seinem Konzept von “sola fide” (allein durch den Glauben und nicht durch Glauben und Werke sind wir gerettet) widersprach. Kurz: Luther mochte diese Buecher einfach nicht. Hier sollten sich “bibeltreue” Christen doch einmal ueberlegen, welche Bibel sie denn eigentlich verwenden. Sie werfen ja oft Katholiken vor, sie wuerden der Bibel etwas hinzufuegen (etwa durch “von Menschen gemachte Traditionen”). Sie selbst aber kuerzen die Bibel, die von den Katholiken 2.000 Jahre lang unangetastet blieb und auch fuer immer bleiben wird! Wer ist hier nun “unbiblisch”? Oder sie verwenden die Bibel Luthers, die er eigenmaechtig erweitert hat!

Welche Buecher wuerdest du denn fuer das Alte Testament verwenden? Diejenigen, die auch Jesus, die Schreiber des Neuen Testaments und die fruehe Kirche verwendet hat, oder die Buecher, die erst spaeter von Juden verwendet wurden, die Jesus abgelehnt und die Christen verfolgt hatten?


Das Neue Testament

Das erste Buch des NT ist der 1. Thessalonicherbrief. Er wurde um 50 n. Chr. geschrieben. Die Offenbarung schliesst den Kanon des NT. Sie wurde um 90-100 n. Chr. verfasst. All die 27 Buecher des NT werden sowohl von Protestanten wie von Katholiken als Teil des biblischen Kanons und von Gott inspiriert angesehen. Wer aber hat bestimmt, dass diese 27 Buecher den Kanon des NT ausmachen? Woher koennen wir wissen, dass wir diesen Schriften trauen koennen? Listen von biblischen Buechern wurden von verschiedenen Bischoefen verfasst (Mileto, Bischof von Sardis, 175 n. Chr.; St. Irenaeus, Bischof von Lyon, 185 n. Chr.; Eusebius, Bischof von Caesarea, 325 n. Chr.; Papst Damasus, 382 n. Chr. – auf Draengen des Konzils von Rom verfasste er ein Dekret, in dem er den gegenwaertigen Kanon von 73 Buechern auflistete. Das Konzil von Hippo in Nordafrika bestaetigte 397 n. Chr. den alt- und neutestamentlichen Kanon. Dieses Konzil sehen viele Protestanten als die Autoritaet fuer das NT an. Papst Innozenz  (401 – 417) schliesslich schloss 405 n. Chr. den biblischen Kanon, in dem er die 73 Buecher bestaetigte).

Es war also die Katholische Kirche - ihre Konzile und Paepste, die im 4. Jh. offiziell die den Inhalt der Bibel bestimmten. Bis zu diesem Zeitpunkt aber gab es eine Menge Diskussionen. Schriften wie der Hebraeerbrief, Judas, die Offenbarung, 2. Petrus hielten manche fuer nicht inspiriert, wohingegen andere Schriften wie den Hirten Hermas, das Petrus- und Thomasevangelium, die Briefe von Barnabas und Clemens fuer inspiriert hielten.

Durch diese offizielle Entscheidung der Kirche war das Thema erst einmal erledigt. Zumindest fuer die naechsten 1.100 Jahre – bis zur Reformation.

Die Autoritaet der Katholischen Kirche, die ihr von Jesus selbst gegeben wurde, bestimmte den Inhalt der Bibel und bestaetigte deren goettliche Inspiration. Diese Tatsache gab sogar Martin Luther zu: ohne die Katholische Kirche haetten wir keine Ahnung, welche biblischen Buecher goettlich inspiriert waeren.

Die Bibel ist also eindeutig ein katholisches Buch. Es waren Katholiken, die das Neue Testament schrieben, kopierten und sammelten. Der offizielle biblische Kanon wurde von der Katholischen Kirche bestimmt.

Die Kirche aber, die die Autoritaet hat, das unfehlbare Wort Gottes zu bestimmen, muss damit auch die unfehlbare Fuehrung und Autoritaet des Heiligen Geistes haben. Wer auf die Autoritaet der Bibel vertraut, vertraut damit auch auf die Autoritaet der Kirche, die uns diese Bibel gegeben hat und die uns damit die Sicherheit verschafft hat, dass das, was in der Bibel steht, das wirkliche Wort Gottes ist. Wer die Bibel annimmt, aber die Kirche, die uns diese Bibel gegeben hat, zurueck weist, widerspricht sich selbst.

Es macht also keinen Sinn, wenn Protestanten die Bibel zitieren, um ihre Thesen zu belegen, da sie ja nicht wissen koennen, welche Buecher zum biblischen Kanon gehoeren – ausser sie akzeptieren die Autoritaet der Katholischen Kirche.


(Quelle: u.a. “Beginning Apologetics 1 – How to Explain and Defend the Catholic Faith”, Father Frank Chacon and Jim Burnham, San Juan Catholic Seminars, www.catholicapologetics.com, erhaeltlich auch bei www.familylifecenter.net)

 

The Word is Alive!!

Lasst uns eines nie vergessen:

Jesus ist nicht einfach gestorben und hat uns ein Buch hinterlassen. Er hat uns nicht einfach verlassen und wird dann irgendwann in ferner Zukunft wiederkommen.

"Das Wort" ist nicht nur das geschriebene Wort Gottes (die Heilige Schrift), sondern es ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt: JESUS ist das lebendige Wort Gottes!

Und er ist immer noch bei und in uns - durch den Heiligen Geist.

"Das Wort" ist auch das überlieferte Wort, die Tradition, sowie das kirchliche Lehramt und unter Umständen auch persönliche Offenbarungen.

In all dem offenbart sich Gott dem Menschen. In all dem können wir Ihn wiederfinden und uns von Ihm leiten lassen!

 

Was ist das eigentlich, das "Wort Gottes"?

Die meisten würden nun antworten: "Ist doch klar, die Bibel".

Ganz so klar ist es aber dann doch nicht.

Das "Wort Gottes" ist alles, wodurch sich Gott uns offenbart.

In der Heiligen Schrift bedeutet das "Wort Gottes" im Alten Testament etwa:

Das prophetische Wort. Proheten nennen ihre Rede "Spruch" und reden im Namen Gottes, also mit Gottes Autorität. Ihre Rede ist zugleich kritisch und mahnend, verspricht aber auch Heil und ermutigt somit auch. Das "Wort Gottes" wird hier in menschlicher Sprache offenbar und man kann es zitieren. (siehe auch: Jes 6,8; Jer 1,4.9.11; 20,8ff).

Es bedeutet im Alten Testament auch Vorgänge der Berufung, der Verheißung und der Führung (siehe hierzu Gen 12,1ff; 15,1.12; 28,12). Gott teilt sich hier etwa mit durch "Erscheinungen", durch Traum und Vision.

Ferner bedeutet es die gesamte Geschichte Israels sowie die Welt als Gottes Schöpfung, die auf das "Sprechen" und das "Wort Gottes" zurückgeführt werden kann. (vgl. Dtn 8,3; Ps 107,20; Weish 16,26; 18,14ff; Gen 1,1ff; Ps 33,6.9).


Im Neuen Testament bedeutet "Wort Gottes":

Das Gotteswort des Alten Testaments ((vgl. Mk 7,13; Joh 10,35).

Die Worte Jesu sowie Seine gesamte Verkündigung (vgl. Mk 1,14.22; 13,31; Mt 11,25-27; Joh 14,10.24; 17,8).

Die Verkündigung der Apostel vom Heilswirken Gottes in Jesus (vgl. Apg 4,31; 6,2.7; 1 Thess 2,13).

Schließlich auch Jesus Christus selbst, der das göttliche "Wort" ist, das "Fleisch geworden ist" (vgl. Joh 1,1f.14; 1 Joh 1,1; Offb 19,13)



In der Theologie bedeutet das "Wort Gottes":

In der biblischen Theologie die Bedeutungen des biblischen Stichworts im gesamten Kontext der Heiligen Schrift.

In der Trinitätslehre ist das ewige "Wort Gottes" die zweite Person der Dreieinigkeit.

In der Fundamentaltheologie wird erklärt, was es bedeutet, wenn von der Bibel als "inspiriertes Wort Gottes" die Rede ist.

Die "Theologie der Verkündigung" erläutert, wie dieses "Wort Gottes" entsprechend zum Wort der Apostel im kirchlichen "Dienst am Wort" gegenwärtig und Realität wird.



Wenn wir vom "Wort Gottes" sprechen, beziehen wir uns zunächst einmal auf Gott selbst als Urheber dieses Wortes. Er hat sich den Menschen durch sein Wort zugewandt (vgl. Dtn, 4,6ff; Jes 55,8-11; Ps 147,20; Joh 1,1f.14. Siehe auch Joh 1,18).

Das "Wort Gottes" bezieht sich aber nicht nur auf die Herkunft von Gott, sondern weist auch darauf hin, dass sein Inhalt von Gott handelt. Da, wo Gott sich selbst den Menschen in irgend einer Form mitteilt, sprechen wir vom "Wort Gottes". Gott hat sich etwa in Israel (vgl. Ex 3,14; Jer 30,21f) sowie in der Geschichte Israels in Jesus mitgeteilt (vgl. Eph 1,5).





Wenn es in der Liturgie nach den Lesungen heisst "Wort des lebendigen Gottes", drückt man sich dann wirklich klar und richtig aus? Können alle Texte der Bibel so bezeichnet werden?

Ja, aber nur wenn es darum geht, Texte im Gesamtzusammenhang der Heiligen Schrift zu sehen. Einzelne biblische Texte sind also nur im Kontext der gesamten Bibel "Wort Gottes" und können nur so richtig gesehen, interpretiert und letztlich verstanden werden.

Gott offenbart sich - in menschlichen Sprachen und in begrenzten und endlichen Medien. Daran muss man immer denken, da eine Sprache auch immer eine bestimme Zeit und die Charakteristika ihrer Autoren wiederspiegelt.

Menschliche Worte können also von Gott sprechen und Ihn so erfahrbar machen, allerdings hat in einer solchen Verkündigung zum Ausdruck zu kommen, dass Gottes Macht eine befreiende, richtende und erlösende ist.

Somit kann Verkündigung auch "indirekt" - etwa in Büchern und Filmen geschehen. Diese sind zwar nicht mit der Heiligen Schrift gleichzusetzen. In der Bibel alleine kommt Gott zur Sprache. Die Bibel ist vom Heiligen Geist gewirkt und inspiriert und zeugt somit von Gott.

(Quelle: www.fernkurswuerzburg.de. Go and get it!)

"Das Auto ist im Eimer"?

Manchmal vergessen wir, dass die Bibel zwar von Gott inspiriert wird, aber oft Bilder und Vergleiche verwendet, die den Menschen zur damaligen Zeit sehr geläufig und vertraut waren, von uns aber ohne den nötigen Hintergrund nicht mehr verstanden werden können.

Ein Beispiel: Wenn wir heute sagen "das Auto ist im Eimer", ist uns klar, was damit gemeint ist. Wenn aber jemand viele Hundert Jahre später denselben Satz liest, darf er diesen nicht einfach mit seinem aktuellen Verständnis lesen, also"wörtlich nehmen". Wie kann ein Auto denn in einen Eimer passen? Nein, er muss wissen und verstehen, was die Menschen damals mit diesem Ausdruck gemeint haben und was sie damit sagen wollten!

(in Anlehnung an Bruder Elias von den Karmelitern in Straubing)

 

Im Konzil von Trient wurden 1546 die apokryphischen Schriften von der Katholischen Kirche der Bibel hinzugefügt!

Derartige Mythen entstammen zumeist der anti-katholischen „Bibel“ von Loraine Boettner: „Roman Catholicism“. Dieses Buch greift zum einen die Katholische Kirche an, zum anderen verteidigt es die privaten Ueberzeugungen von Boettner. Aus intelektueller und wissenschaftlicher Sicht ist dieses Buch schlichtweg inakzeptabel. Dennoch aber fallen immer noch Christen darauf herein und zitieren ungeprueft „Fakten“ aus diesem Werk. Die ersten paar hundert Jahre Kirchengeschichte und deren Schriften scheinen ebenso spurlos an Boettner voruebergezogen zu sein. Offensichtlich kennt er die Schriften der Kirchenvaeter noch nicht einmal. Hingegen scheint er kritiklos jede These als wahr anzunehmen, sofern sie nur von einem Gegner der Katholischen Kirche aufgestellt wurde. Seine Zitate und Referenzen scheint er nicht einmal ueberprueft zu haben. Tut man dies, findet man schnell heraus, dass so einiges einfach falsch ist, sprich die Zitate teils noch nicht einmal existieren, also keinen realen Hintergrund haben. Das theologische Forschungsergebnis dieses Buches ist schlichtweg gleich Null. Referenzen auf katholische Werke sind in diesem Buch so vage, dass es den Anschein hat, als wolle er den Leser entmutigen, die Behauptungen dort nachzulesen (nicht-katholische Werke werden jedoch mit Titel und Seite zitiert!). Teils fehlen Zitate und Referenzen voellig. Dieses Buch ist ganz einfach bodenlos – und dennoch haben viele Christen offenbar kein Problem damit, daraus zu zitieren und ihre Behauptungen unter die Menschen zu bringen. Auf Basis des christlichen Glaubens sollte man doch vielleicht ueberlegen, ob das die richtige Einstellung sein kann. Boettner interessiert sich scheinbar ueberhaupt nicht dafuer, was die Katholische Kirche glaubt und warum sie es glaubt. Ebensowenig interessiert ihn, wie Katholiken seine Einwaende erwiedern wuerden. Oder er weiss es ganz einfach nicht. Er stellt nicht die katholische Position sachlich und fair dar und versucht dann, diese zu widerlegen, sondern er macht eine Parodie aus derselben – und widerlegt dann die Parodie. Ferner gibt es hunderte von faktischen Fehlern in diesem Buch – teilweise sogar richtig gravierende Fehler (etwa falsche Zitate, also Zitate, die den falschen Autoren zugeschrieben werden oder nicht als Faelschungen erkannt wurden, obwohl dies unschwer herauszubekommen gewesen waere), die sich nicht einfach nur mit Nachlaessigkeit erklaeren lassen.

So ist Boettner auch der Meinung, die Katholische Kirche habe die „Einfachheit des Evangeliums“ verlassen und Glaubensueberzeugungen und Praktiken hinzugefuegt, die der Bibel widersprechen. Menschliche Erfindungen haetten biblische Wahrheiten ersetzt.

Eine seiner Behauptungen ist etwa die oben genannte: Das Konzil von Trient haette 1546 die apokryphischen Buecher der Bibel hinzugefuegt.

Fakt ist: Das Konzil von Trient hat der Bibel nicht das hinzugefuegt, was Protestanten die apokryphischen Buecher nennen. Ganz im Gegenteil: Die Reformer liessen Buecher fallen, die seit Jahrunderten im allgemeinen Gebrauch waren! Das Konzil von Trient kam zusammen, um katholische Doktrinen zu bekraeftigen und der Katholischen Kirche neues Leben zu geben. Das Konzil von Trient erklaerte, dass diese Buecher immer zur Bibel gehoert hatten und deshalb auch Bestandteil der Bibel bleiben muessten. Vergessen wir nicht, dass es die Katholische Kirche war, die im 4. Jahrhundert entschieden hatte, welche Buecher Bestandteil der Bibel waren und welche nicht! Das Konzil von Trient kam erst ca. 1.200 Jahre spaeter auf die Bildflaeche und bekraeftigte schlichtweg nur die alte Position.

Um es nochmals anders zu sagen: Es war NICHT die Katholische Kirche, die der Bibel irgendwelche Buecher hinzugefuegt hatte, sondern die Protestanten, die diese „deuterokanonischen“ Buecher viele Jahrunderte spaeter aus der Bibel entfernt hatten. Die fruehe Kirche hatte mit diesen Buechern kein Problem und sah sie als Bestandteil der Bibel an. Auch ein Punkt, der denen, die das „Urchristentum“ widerherstellen moechten, zu denken geben sollte.

Von welchen Buechern reden wir hier ueberhaupt? Nun, es sind diese: Tobit, Judit, das erste und zweite Buch der Makkabaeer, das Buch der Weisheit, Jesus Sirach und Baruch.

Katholische Bibeln enthalten ausserdem auch zusaetzliche sechs Kapitel (107 Verse) in Esther und drei Kapitel (174 Verse) in Daniel.

Selbst etliche protestantische Theologen und Historiker geben zu, dass die Fuehrer der Kirche in den ersten vier Jahrhunderten diese sieben Buecher als Bestandteil der Bibel sahen. Sie folgten damit der Septuaginta, der griechischen Uebersetsetzung des Alten Testaments sowie dem Konzil von Rom 382.

Es gibt weiterhin eine Uebereinstimmung unter Gelehrten, dass dieser Kanon vom vierten bis zum 16. Jahrhundert allgemein anerkannt war. Die fruehesten griechischen Manuskripte des Alten Testaments – der Codex Sinaiticus aus dem vierten Jahrhundert und der Codex Alexandrinus (450) enthalten diese deuterokanonischen Buecher.

Die Schriftrollen, die man in Qumran am Toten Meer fand, enthielten zwar nicht Esther, aber sehr wohl Tobit.

Manche Protestanten moegen hier einwenden, dass der Hl. Jerome, der groesste biblische Gelehrte der fruehen Kirche, diese Buecher nicht akzeptiert hatte. Was tatsaechlich Bestandteil des Alten Testaments war, wissen wir von der juedischen Synode von Jamnia (A.D. 90) – und diese hat die apokryphischen Schriften nicht angenommen. Die Juden muessen doch aber am besten wissen, welche Buecher Bestandteil des Alten Testaments waren!

Jamnia aber war nicht ein Konzil, das irgendeine Autoritaet hatte, sondern schlichtweg eine Versammlung von Gelehrten. In Jamnia wurde uebrigens auch bestritten, dass Buecher wie Esther, Prediger und das Hohelied zum biblischen Kanon gehoeren. Diese Buecher werden aber sowohl von Protestanten wie von Katholiken akzeptiert! Auf dem Konzil von Jamnia wurde also nichts entschieden. Die Juden diskutierten noch darueber, welche Buecher zum Kanon gehoeren sollten (hierzu gehoerte uebrigens auch Sprichwoerter). Diese Diskussion zog sich bis in das fruehe zweite Jahrhundert hin.

Ausserdem war die Position des Hl. Jerome nicht so klar, wie manche meinen moegen. In seiner lateinischen Uebersetzung der Bibel, der Vulgate, waren die deuterokanonischen Buecher sehr wohl enthalten! Auch verteidigte er die Tatsache, dass Judit goettlich inspiriert sei. Es gibt also keinen klaren Beweis, dass der Hl. Jerome diese sieben Buecher abgelehnt haette. Es gibt aber sehr wohl Grund zur Annahme, dass er sie zum biblischen Kanon zaehlte. Der Hl. Jerome oder irgendein anderer Kirchenvater hat ausserdem nicht die letzte Autoritaet in der Kirche.

(Quelle: Karl Keating, Catholicism and Fundamentalism. The Attack on „Romanism“ by „Bible Christians“. Ignatius Press, San Francisco, 1988. Dave Armstrong, The One-Minute Apologist. Essential Catholic Replies to Over Sixty Common Protestant Claims. Sophia Institute Press, Manchester, New Hampshire, 2007. Go and get them!)

 

Ein Freund von mir hat gesagt, dass seine Kirche die Bibel wörtlich nimmt, die Katholische Kirche aber nicht - ist das wahr?

Daran ist absolut gar nichts wahr. Katholiken interpretieren die Bibel in einem „wörtlichen“ Sinn, während viele Fundamentalisten, Evangelikale und andere die Bibel in einem anderen Sinn interpretieren.

Die „wörtliche“ Bedeutung eines biblischen Verses ist die Bedeutung, die der Autor dieses Verses vermitteln wollte. Die Interpretation, wie sie jedoch bei einigen Protestanten üblich ist, ist folgende: „Das, was dieser Vers sagt, ist das, was er bedeutet“.

Ein Beispiel, das mir einmal ein Karmelitenpater erzählt hat: Stell dir vor, du verwendest den Ausdruck „das Auto ist im Eimer“. Heute würde jeder Mensch verstehen, was damit gemeint ist: das Auto ist kaputt. Wenn jedoch in 2.000 Jahren jemand dies liest und diesen Ausdruck nicht kennt, kann er versucht sein, ihn nicht so zu verstehen, wie ihn der Autor gemeint hat, sondern ihn wörtlich zu nehmen und alle anderen, die nicht der Meinung sind, dass das Auto in einem Plastikeimer steckt, mit den besten Absichten, aber doch grundfalsch als „unbiblisch“ bezeichnen.

(Quelle: u.a. Dr. John Martignoni www.biblechristiansociety.com)

The Canon of the Bible

All Christians realize that if God has revealed Himself by communicating His will to man, man must be able to know with assurance where that revelation lies. Hence the need for a list (i.e. canon) of books of the Bible. In other words, man needs to know without error (i.e. infallibly) what the books of the Bible are. There must be an authority which will make that decision.

The canon of the Bible refers to the definitive list of the books which are considered to be divine revelation and included therein. A canon distinguishes what is revealed and divine from what is not revealed and human. "Canon" (Greek kanon) means a reed; a straight rod or bar; a measuring stick; something serving to determine, rule, or measure. Because God did not explicitly reveal what books are the inspired books of the Bible, title by title, to anyone, we must look to His guidance in discovering the canon of the Bible.

Jesus has told us that he has not revealed all truths to us.

Jn 16:12-13
I have much more to tell you, but you cannot bear it now. But when he comes, the Spirit of truth, he will guide you to all truth.

Jesus then told us how he was planning to assist us in knowing other truths.

Jn 14:16-17
And I will ask the Father, and he will give you another Advocate to be with you always, the Spirit of truth, which the world cannot accept, because it neither sees nor knows it. But you know it, because it remains with you, and will be in you.
Jn 15:26
When the Advocate comes whom I will send you from the Father, the Spirit of truth that proceeds from the Father, he will testify to me.

The New Testament writers sensed how they handled truth-bearing under the influence of the Holy Spirit, the Spirit of Truth.

1 Cor 15:3-4
For I handed on (paredoka) to you as of first importance what I also received ...
2 Tim 2:2
And what you heard from me through many witnesses entrust (parathou) to faithful people who will have the ability to teach others as well.

There was a constant history of faithful people from Paul's time through the Apostolic and Post Apostolic Church.

Melito, bishop of Sardis, an ancient city of Asia Minor (see Rev 3), c. 170 AD produced the first known Christian attempt at an Old Testament canon. His list maintains the Septuagint order of books but contains only the Old Testament protocanonicals minus the Book of Esther.
The Council of Laodicea, c. 360, produced a list of books similar to today's canon. This was one of the Church's earliest decisions on a canon.
Pope Damasus, 366-384, in his Decree, listed the books of today's canon.
The Council of Rome, 382, was the forum which prompted Pope Damasus' Decree.
Bishop Exuperius of Toulouse wrote to Pope Innocent I in 405 requesting a list of canonical books. Pope Innocent listed the present canon.
The Council of Hippo, a local north Africa council of bishops created the list of the Old and New Testament books in 393 which is the same as the Roman Catholic list today.
The Council of Carthage, a local north Africa council of bishops created the same list of canonical books in 397. This is the council which many Protestant and Evangelical Christians take as the authority for the New Testament canon of books. The Old Testament canon from the same council is identical to Roman Catholic canon today. Another Council of Carthage in 419 offered the same list of canonical books.
Since the Roman Catholic Church does not define truths unless errors abound on the matter, Roman Catholic Christians look to the Council of Florence, an ecumenical council in 1441 for the first definitive list of canonical books.
The final infallible definition of canonical books for Roman Catholic Christians came from the Council of Trent in 1556 in the face of the errors of the Reformers who rejected seven Old Testament books from the canon of scripture to that time.

There was no canon of scripture in the early Church; there was no Bible. The Bible is the book of the Church; she is not the Church of the Bible. It was the Church--her leadership, faithful people--guided by the authority of the Spirit of Truth which discovered the books inspired by God in their writing. The Church did not create the canon; she discerned the canon. Fixed canons of the Old and New Testaments, hence the Bible, were not known much before the end of the 2nd and early 3rd century.

Catholic Christians together with Protestant and Evangelical Christians hold the same canon of the New Testament, 27 books, all having been originally written in the Greek language.

Catholic Christians accept the longer Old Testament canon, 46 books, from the Greek Septuagint (LXX) translation of the Alexandrian Canon.

Protestant and Evangelical Christians, from the Reformers onward, accept the shorter Old Testament canon, 39 books, from the Hebrew Palestinian Canon. Jews have the same canon as Protestants.

Canonical books are those books which have been acknowledged as belonging to the list of books the Church considers to be inspired and to contain a rule of faith and morals. Some criteria used to determine canonicity were

    • special relation to God, i.e., inspiration;
    • apostolic origin;
    • used in Church services, i.e., used by the community of believers guided by the Holy Spirit.

Other terms for canonical books should be distinguished: the protocanonical books, deuterocanonical books, and the apocryphal books.

The protocanonical (from the Greek proto meaning first) books are those books of the Bible that were admitted into the canon of the Bible with little or no debate (e.g., the Pentateuch of the Old Testament and the Gospels)

The deuterocanonical (from the Greek deutero meaning second) books are those books of the Bible that were under discussion for a while until doubts about their canonicity were resolved (e.g. Sirach and Baruch of the Old Testament, and the Johannine epistles of the New Testament).

The apocryphal (from the Greek apokryphos meaning hidden) books have multiple meanings:

    • complimentary meaning - that the sacred books were too exalted for the general public;
    • pejorative meaning - that the orthodoxy of the books were questioned;
    • heretical meaning - that the books were forbidden to be read; and lastly
    • neutral meaning - simply noncanonical books, the meaning the word has today.

Another word, pseudepigrapha (from the Greek meaning false writing) is used for works clearly considered to be false.

 

(Quelle: http://romanticcatholic.com/apologetics.html - used with permission)

 

Hermeneutics: Understanding Revelation

In all human communication, the receiver must create meaning from the symbols (the message) used by the communicator. All Christians must discover the meaning intended by the author(s) of the books of the Bible to understand what God is revealing. The process of discovering meaning from the Bible is called hermeneutics. All Christians recognize that how we approach the Bible determines often what we take from it. Understanding what God would have us know from the Bible is made difficult by many factors:

    • The Bible contains some very ancient books;
    • Sometimes it is not even known who the author of a book really was;
    • Not knowing for certain who an author was is complicated by the period of time in which an author lived;
    • Since many authors were ancient Semites, their way of thinking and manner of expressing themselves differ from our own;
    • Since we do not possess any original manuscripts of the books of the Bible, we have to contend with copying and editing which occurred over time;
    • Then the issue of the multiplicity of human authors and editors complicates our understanding;
    • Finally, the fact of both a divine and a human author makes understanding a challenge.

Hermeneutics (from the Greek word hermeneia which means speech or interpretation) is used to cover a broad scope in the process of understanding. It refers to

    • interpretation by speech itself, as language interprets the mind;
    • the process of translation from an unintelligible language to an intelligible one (cf. 1 Cor 12:10);
    • interpretation by commentary and explanation.

Roman Catholic Christians have often been accused of not being allowed to read the Bible on their own. This could not be further from the truth. When, in history, Catholics were forbidden to read the Bible it was a particular translation which usually was unauthorized and highly illiterate in its fidelity to original sources. In other words, unauthorized versions were often just simply bad translations.

It is often said Roman Catholics cannot interpret the Bible on their own. The Papal Encyclical, Divino Afflante Spiritus, of Pope Pius XII in 1943 attempted to counteract this error by stating that there are but few texts whose understanding has been determined by the teaching authority of the Church; and Catholics do indeed have freedom to interpret the Scriptures.

The Catholic Church has been solicitous over the way in which the Bible is interpreted. Experience teaches us that it is easy to find even contradictory meanings from the same Scripture with an unbridled approach to reading and interpreting the Bible.

The Catholic Church teaches that the first principle of hermeneutics is the literal meaning of the text.

Spiritus Paraclitus (Benedict XV, September 15, 1920)
As Jerome insisted, all biblical interpretation rests upon the literal sense ...
Divino Afflante Spiritus (Pius XII, September 30, 1943)
... discern and define that sense of the biblical words which is called literal ... so that the mind of the author may be made clear.... the exegete must be principally concerned with the literal sense of the Scriptures.

Literal Sense

The first sense then for understanding the Bible is the literal sense.

Definition: the literal sense of Scripture is the meaning which the human author directly intended and the author's words convey.

Criteria to understand the literal sense:

    • The literary form that the author used is the first aid in determining what the author meant. If the author wrote poetry instead of history, then the literary form of poetry assists in determining the meaning intended by the author. Some other literary forms of the Bible include history, law, songs, love stories, stories (parables), etc.
    • The literary history of the biblical book or of the section of the Bible that contains the book also aids in determining the meaning intended by the author. Literary history of a book includes what is known about the author, his background, his historical period of Israel's history, etc.

An example of the Church using the literal sense of a scripture passage in order to understand what meaning we should get from it is the 6th chapter of the Gospel according to John.

Literary Form of John 6:25-69:

Most scripture scholars today affirm that John's gospel is historical in nature. Hence we believe that John strove to preserve both the words and actions of Jesus. Unlike the Synoptics, John wrote through the eyes of the faith of the late Apostolic Church in light of the way that faith translated into practice and worship.

Where John is clearly biographical, the literal meaning is emphasized by linguistic psychology: multiple repetition of the message in different words. Where literalness is intended, intended meaning is reinforced by recording the reaction to literal meaning by the hearers without the speaker's correction.

Literary History of John 6:25-69:

The apostle John was an eyewitness to the life and teachings of Jesus. He was one of the Twelve. He was also the last of the Apostles to write and to die. He refers to himself as the "disciple whom Jesus loved."

Interpretation of John 6:25-69:

Following the details of the multiplication of the loaves and fishes--biographical, Jesus walking on the sea--biographical, Jesus reacts to the crowds' need for signs. Jesus takes them from manna, bread from heaven, to "true bread from heaven (v. 32)" ... "I am the bread (v. 35)." "I am the bread that came down from heaven (v. 41)." This is God saying this: "I am the bread that came down from heaven." If He was not really the bread that came down from heaven, His omnipotent and creative Word would then have made it so.

Five times in different verbal expressions, Jesus confirmed the reality of the meaning he intended.

Jn 6:51
I am the living bread that came down from heaven; whoever eats this bread will live forever; and the bread that I will give is my flesh for the life of the world.
Jn 6:53
Jesus said to them, "Amen, amen, I say to you, unless you eat the flesh of the Son of Man and drink his blood, you do not have life within you."
Jn 6:54
Whoever eats my flesh and drinks my blood has eternal life, and I will raise him on the last day.
Jn 6:55
For my flesh is true food, and my blood is true drink.
Jn 6:56
Whoever eats my flesh and drinks my blood remains in me and I in him.

The best way a person can make a clear literal point is repetition of the same message in different ways. Jesus did this. Those around him clearly understood what he was saying--cannibalism and the drinking of blood--both forbidden by Mosaic Law.

Jn 6:60,66
Then many of his disciples who were listening said, "This saying is hard; who can accept it?" ... As a result of this, many (of) his disciples returned to their former way of life and no longer accompanied him.

Had these disciples mistaken the meaning of Jesus' words, Jesus, knowing their thoughts and their error, would surely have known and corrected them. He didn't. They had clearly understood his meaning--Jesus' flesh was to be really eaten; his blood to be really drunk.

Fuller Sense

But the Bible has God, a divine author, besides the human author. The Church teaches that there exists a more-than-literal meaning for understanding the Bible: a fuller sense.

Definition: The fuller sense is the deeper meaning intended by God as divine author. The fuller sense of Scripture, since it is the meaning intended by God, may not have been clearly known and intended by the human author.

Criteria to establish the fuller sense:

    • Because the Catholic Church holds that there are two revealing authorities of Divine Revelation, the Bible and the Holy Spirit, the fuller sense of the Bible can be found in the authoritative interpretation of those revealing authorities. Some of these authorities are the New Testament itself, the Fathers of the Church, the Church in Council (cf. Acts 15 model), the "faithful people" faithful to what was handed down to them, etc. The Spirit of Truth is entrusted to faithful people as an authority in the Church.
    • The fuller sense of any Scripture text has to be in agreement with the literal sense of the words. This fuller sense must be a consequential development of what the human author of the text intended to say.

An example of the fuller sense in the interpretation of Scripture is found by looking at the New Testament.

In the Gospel according to Matthew, Chapter 1, verse 23, Matthew says that the conception of Jesus by Mary was a virginal conception and took place so that the words of the prophet Isaiah (7:14) might be fulfilled.

Isaiah gives no evidence that the prophet had Jesus' conception in the womb of Mary in mind. Isaiah does not speak of a virgin in the strict sense--merely an unmarried woman. Isaiah is not clear that he is even speaking to a distant future conception. The whole meaning of Isaiah's chapter appears to imply that the birth he prophesies will take place about 735 B.C. during the reign of King Ahaz the father of the future King Hezekiah. The words of Isaiah may have literally meant the conception of the future King Hezekiah. At the time of Isaiah's words in chapter 7, the mother of the future King Hezekiah would have been unmarried.

Matthew, on the other hand, under the inspiration of the Holy Spirit, creates an interpretation of Isaiah which is definitely not literal. Matthew clearly interprets Isaiah in a fuller sense: the unmarried woman is the virgin Mary, and God-with-us is Jesus.

Typical Sense

Following the lead of Paul himself (cf. Rom 5:14) there is another way for creating meaning in the Bible: the typical sense.

Definition: The typical sense of Bible texts is the deeper meaning that some elements (persons, places, things and events) of the Bible have because God, the divine author of the Bible, intended that these elements foreshadow/shadow further things.

Criteria to understanding the typical sense:

    • The typical sense of the Bible is created by continuing revelation or growth in the understanding the Word of God. Extra-biblical growth in understanding the Word of God is evidenced in the growth and development of the understanding of the Trinity, the Incarnation, etc. Types--the typical sense--are discovered in the New Testament, or in the agreement among "faithful people" faithful to what was handed down to them--the Fathers of the Church, in worship-- the liturgy--and its development through the ages, in the documents of the Church, etc. The Catholic Church believes that the Holy Spirit is a revealing authority in the Church and reveals Himself to "faithful people" in all ages.
    • The other criterion for discovering the typical meaning of Scripture is understanding that any type found in the text of the Bible has to be related to the anti-type (e.g., Christ to Adam). This confirms that God planned the relationship of the type to the anti-type.

An example of the typical meaning in the Bible is in Paul's writings. Paul appears to delight in establishing types between the New Testament and the Old Testament. In 1 Cor 10:6 Paul typifies those events which occurred to the Israelites in the desert of Sinai throughout the Exodus to those things that happen to Christians.

Another example of a type--the typical meaning in the Bible--is the bronze serpent raised by Moses in the desert. The evangelist John presents raising the bronze serpent as a type of Christ crucified (3:14).

(Quelle: http://romanticcatholic.com/apologetics.html - used with permission)

 

Dei Verbum

DOGMATISCHE KONSTITUTION
DEI VERBUM
ÜBER DIE GÖTTLICHE OFFENBARUNG

VORWORT

 

1. Gottes Wort voll Ehrfurcht hörend und voll Zuversicht verkündigend, folgt die Heilige Synode den Worten des heiligen Johannes: "Wir künden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns erschien. Was wir gesehen und gehört haben, künden wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft habt mit uns und unsere Gemeinschaft. Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus" (1 Joh 1,2-3). Darum will die Synode in Nachfolge des Trienter und des Ersten Vatikanischen Konzils die echte Lehre über die göttliche Offenbarung und deren Weitergabe vorlegen, damit die ganze Welt im Hören auf die Botschaft des Heiles glaubt, im Glauben hofft und in der Hoffnung liebt (1).

KAPITEL I

DIE OFFENBARUNG IN SICH

2. Gott hat in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun (vgl. Eph 1,9): daß die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur (vgl. Eph 2,18; 2 Petr 1,4). In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott (vgl. Kol 1,15; 1 Tim 1,17) aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde (vgl. Ex 33,11; Joh 15,14-15) und verkehrt mit ihnen (vgl. Bar 3,38), um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen. Das Offenbarungsgeschehen ereignet sich in Tat und Wort, die innerlich miteinander verknüpft sind: die Werke nämlich, die Gott im Verlauf der Heilsgeschichte wirkt, offenbaren und bekräftigen die Lehre und die durch die Worte bezeichneten Wirklichkeiten; die Worte verkündigen die Werke und lassen das Geheimnis, das sie enthalten, ans Licht treten. Die Tiefe der durch diese Offenbarung über Gott und über das Heil des Menschen erschlossenen Wahrheit leuchtet uns auf in Christus, der zugleich der Mittler und die Fülle der ganzen Offenbarung ist (2).

3. Gott, der durch das Wort alles erschafft (vgl. Joh 1,3) und erhält, gibt den Menschen jederzeit in den geschaffenen Dingen Zeugnis von sich (vgl. Röm 1,19-20). Da er aber den Weg übernatürlichen Heiles eröffnen wollte, hat er darüber hinaus sich selbst schon am Anfang den Stammeltern kundgetan. Nach ihrem Fall hat er sie wiederaufgerichtet in Hoffnung auf das Heil, indem er die Erlösung versprach (vgl. Gen 3,15). Ohne Unterlaß hat er für das Menschengeschlecht gesorgt, um allen das ewige Leben zu geben, die das Heil suchen durch Ausdauer im guten Handeln (vgl. Röm 2,6-7). Später berief er Abraham, um ihn zu einem großen Volk zu machen (vgl. Gen 12,2), das er dann nach den Patriarchen durch Moses und die Propheten erzog, ihn allein als lebendigen und wahren Gott, als fürsorgenden Vater und gerechten Richter anzuerkennen und auf den versprochenen Erlöser zu harren. So hat er dem Evangelium den Weg durch die Zeiten bereitet.

4. Nachdem Gott viele Male und auf viele Weisen durch die Propheten gesprochen hatte, "hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns gesprochen im Sohn" (Hebr 1,1-2). Er hat seinen Sohn, das ewige Wort, das Licht aller Menschen, gesandt, damit er unter den Menschen wohne und ihnen vom Innern Gottes Kunde bringe (vgl. Joh 1,1-18). Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, als "Mensch zu den Menschen" gesandt (3), "redet die Worte Gottes" (Joh 3,34) und vollendet das Heilswerk, dessen Durchführung der Vater ihm aufgetragen hat (vgl. Joh 5,36; 17,4). Wer ihn sieht, sieht auch den Vater (vgl. Joh 14,9). Er ist es, der durch sein ganzes Dasein und seine ganze Erscheinung, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder, vor allem aber durch seinen Tod und seine herrliche Auferstehung von den Toten, schließlich durch die Sendung des Geistes der Wahrheit die Offenbarung erfüllt und abschließt und durch göttliches Zeugnis bekräftigt, daß Gott mit uns ist, um uns aus der Finsternis von Sünde und Tod zu befreien und zu ewigem Leben zu erwecken. Daher ist die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und endgültige Bund, unüberholbar, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit (vgl. 1 Tim 6,14 und Tit 2,13).

5. Dem offenbarenden Gott ist der "Gehorsam des Glaubens" (Röm 16,26; vgl. Röm 1,5; 2 Kor 10,5-6) zu leisten. Darin überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit, indem er sich "dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft" (4) und seiner Offenbarung willig zustimmt. Dieser Glaube kann nicht vollzogen werden ohne die zuvorkommende und helfende Gnade Gottes und ohne den inneren Beistand des Heiligen Geistes, der das Herz bewegen und Gott zuwenden, die Augen des Verstandes öffnen und "es jedem leicht machen muß, der Wahrheit zuzustimmen und zu glauben" (5). Dieser Geist vervollkommnet den Glauben ständig durch seine Gaben, um das Verständnis der Offenbarung mehr und mehr zu vertiefen.

6. Durch seine Offenbarung wollte Gott sich selbst und die ewigen Entscheidungen seines Willens über das Heil der Menschen kundtun und mitteilen, "um Anteil zu geben am göttlichen Reichtum, der die Fassungskraft des menschlichen Geistes schlechthin übersteigt" (6). Die Heilige Synode bekennt, "daß Gott, aller Dinge Ursprung und Ziel, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen sicher erkannt werden kann" (vgl. Röm 1,20); doch lehrt sie, seiner Offenbarung sei es zuzuschreiben, "daß, was im Bereich des Göttlichen der menschlichen Vernunft an sich nicht unzugänglich ist, auch in der gegenwärtigen Lage des Menschengeschlechtes von allen leicht, mit sicherer Gewißheit und ohne Beimischung von Irrtum erkannt werden kann"(7).

KAPITEL II

DIE WEITERGABE DER GÖTTLICHEN OFFENBARUNG

7. Was Gott zum Heil aller Völker geoffenbart hatte, das sollte so hat er in Güte verfügt - für alle Zeiten unversehrt erhalten bleiben und allen Geschlechtern weitergegeben werden. Darum hat Christus der Herr, in dem die ganze Offenbarung des höchsten Gottes sich vollendet (vgl. 2 Kor 1,20; 3,16 - 4,6), den Aposteln geboten, das Evangelium, das er als die Erfüllung der früher ergangenen prophetischen Verheißung selbst gebracht und persönlich öffentlich verkündet hat, allen zu predigen als die Quelle jeglicher Heilswahrheit und Sittenlehre (1) und ihnen so göttliche Gaben mitzuteilen. Das ist treu ausgeführt worden, und zwar sowohl durch die Apostel, die durch mündliche Predigt, durch Beispiel und Einrichtungen weitergaben, was sie aus Christi Mund, im Umgang mit ihm und durch seine Werke empfangen oder was sie unter der Eingebung des Heiligen Geistes gelernt hatten, als auch durch jene Apostel und apostolischen Männer, die unter der Inspiration des gleichen Heiligen Geistes die Botschaft vom Heil niederschrieben (2).

Damit das Evangelium in der Kirche für immer unversehrt und lebendig bewahrt werde, haben die Apostel Bischöfe als ihre Nachfolger zurückgelassen und ihnen "ihr eigenes Lehramt überliefert" (3). Diese Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift beider Testamente sind gleichsam ein Spiegel, in dem die Kirche Gott, von dem sie alles empfängt, auf ihrer irdischen Pilgerschaft anschaut, bis sie hingeführt wird, ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen, so wie er ist (vgl. 1 Joh 3,2).

8. Daher mußte die apostolische Predigt, die in den inspirierten Büchern besonders deutlichen Ausdruck gefunden hat, in ununterbrochener Folge bis zur Vollendung der Zeiten bewahrt werden. Wenn die Apostel das, was auch sie empfangen haben, überliefern, mahnen sie die Gläubigen, die Überlieferungen, die sie in mündlicher Rede oder durch einen Brief gelernt haben (vgl. 2 Thess 2,15), festzuhalten und für den Glauben zu kämpfen, der ihnen ein für allemal überliefert wurde (vgl. Jud 3) (4). Was von den Aposteln überliefert wurde, umfaßt alles, was dem Volk Gottes hilft, ein heiliges Leben zu führen und den Glauben zu mehren. So führt die Kirche in Lehre, Leben und Kult durch die Zeiten weiter und übermittelt allen Geschlechtern alles, was sie selber ist, alles, was sie glaubt.

Diese apostolische Überlieferung kennt in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt (5): es wächst das Verständnis der überlieferten Dinge und Worte durch das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen (vgl. Lk 2,19.51), durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben; denn die Kirche strebt im Gang der Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen, bis an ihr sich Gottes Worte erfüllen.

Die Aussagen der heiligen Väter bezeugen die lebenspendende Gegenwart dieser Überlieferung, deren Reichtümer sich in Tun und Leben der glaubenden und betenden Kirche ergießen. Durch dieselbe Überlieferung wird der Kirche der vollständige Kanon der Heiligen Bücher bekannt, in ihr werden die Heiligen Schriften selbst tiefer verstanden und unaufhörlich wirksam gemacht. So ist Gott, der einst gesprochen hat, ohne Unterlaß im Gespräch mit der Braut seines geliebten Sohnes, und der Heilige Geist, durch den die lebendige Stimme des Evangeliums in der Kirche und durch sie in der Welt widerhallt, führt die Gläubigen in alle Wahrheit ein und läßt das Wort Christi in Überfülle unter ihnen wohnen (vgl. Kol 3,16).

9. Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben aneinander Anteil. Demselben göttlichen Quell entspringend, fließen beide gewissermaßen in eins zusammen und streben demselben Ziel zu. Denn die Heilige Schrift ist Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Heiligen Geistes schriftlich aufgezeichnet wurde. Die Heilige Überlieferung aber gibt das Wort Gottes, das von Christus dem Herrn und vom Heiligen Geist den Aposteln anvertraut wurde, unversehrt an deren Nachfolger weiter, damit sie es unter der erleuchtenden Führung des Geistes der Wahrheit in ihrer Verkündigung treu bewahren, erklären und ausbreiten. So ergibt sich, daß die Kirche ihre Gewißheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Heiligen Schrift allein schöpft. Daher sollen beide mit gleicher Liebe und Achtung angenommen und verehrt werden6.

10. Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes. Voller Anhänglichkeit an ihn verharrt das ganze heilige Volk, mit seinen Hirten vereint, ständig in der Lehre und Gemeinschaft der Apostel, bei Brotbrechen und Gebet (vgl. Apg 8,42 griech.), so daß im Festhalten am überlieferten Glauben, in seiner Verwirklichung und seinem Bekenntnis ein einzigartiger Einklang herrscht zwischen Vorstehern und Gläubigen (7).

Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte (8) Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut (9), dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird. Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft.

Es zeigt sich also, daß die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem weisen Ratschluß Gottes so miteinander verknüpft und einander zugesellt sind, daß keines ohne die anderen besteht und daß alle zusammen, jedes auf seine Art, durch das Tun des einen Heiligen Geistes wirksam dem Heil der Seelen dienen.

KAPITEL III.

DIE GÖTTLICHE INSPIRATION
UND DIE AUSLEGUNG DER HEILIGEN SCHRIFT

11. Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben (vgl. Joh 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,19-21; 3,15-16), Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind (1). Zur Abfassung der Heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten (2), all das und nur das, was er - in ihnen und durch sie wirksam (3) - geschrieben haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern (4).

Da also alles, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, daß sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte (5). Daher "ist jede Schrift, von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Beweisführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Gott gehörige Mensch bereit sei, wohlgerüstet zu jedem guten Werk" (2 Tim 3,16-17 griech.).

12. Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat (6), muß der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte. Um die Aussageabsicht der Hagiographen zu ermitteln, ist neben anderem auf die literarischen Gattungen zu achten. Denn die Wahrheit wird je anders dargelegt und ausgedrückt in Texten von in verschiedenem Sinn geschichtlicher, prophetischer oder dichterischer Art, oder in anderen Redegattungen. Weiterhin hat der Erklärer nach dem Sinn zu forschen, wie ihn aus einer gegebenen Situation heraus der Hagiograph den Bedingungen seiner Zeit und Kultur entsprechend - mit Hilfe der damals üblichen literarischen Gattungen - hat ausdrücken wollen und wirklich zum Ausdruck gebracht hat (7). Will man richtig verstehen, was der heilige Verfasser in seiner Schrift aussagen wollte, so muß man schließlich genau auf die vorgegebenen umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen achten, die zur Zeit des Verfassers herrschten, wie auf die Formen, die damals im menschlichen Alltagsverkehr üblich waren (8).

Da die Heilige Schrift in dem Geist gelesen und ausgelegt werden muß, in dem sie geschrieben wurde (9), erfordert die rechte Ermittlung des Sinnes der heiligen Texte, daß man mit nicht geringerer Sorgfalt auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achtet, unter Berücksichtigung der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche und der Analogie des Glaubens. Aufgabe der Exegeten ist es, nach diesen Regeln auf eine tiefere Erfassung und Auslegung des Sinnes der Heiligen Schrift hinzuarbeiten, damit so gleichsam auf Grund wissenschaftlicher Vorarbeit das Urteil der Kirche reift. Alles, was die Art der Schrifterklärung betrifft, untersteht letztlich dem Urteil der Kirche, deren gottergebener Auftrag und Dienst es ist, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen (10).

13. In der Heiligen Schrift also offenbart sich, unbeschadet der Wahrheit und Heiligkeit Gottes, eine wunderbare Herablassung der ewigen Weisheit, "damit wir die unsagbare Menschenfreundlichkeit Gottes kennenlernen und erfahren, wie sehr er sich aus Sorge für unser Geschlecht in seinem Wort herabgelassen hat" (11). Denn Gottes Worte, durch Menschenzunge formuliert, sind menschlicher Rede ähnlich geworden, wie einst des ewigen Vaters Wort durch die Annahme menschlich-schwachen Fleisches den Menschen ähnlich geworden ist.

KAPITEL IV

DAS ALTE TESTAMENT

14. Der liebende Gott, der um das Heil des ganzen Menschengeschlechtes besorgt war, bereitete es vor, indem er sich nach seinem besonderen Plan ein Volk erwählte, um ihm Verheißungen anzuvertrauen. Er schloß mit Abraham (vgl. Gen 15,8) und durch Moses mit dem Volke Israel (vgl. Ex 24,8) einen Bund. Dann hat er sich dem Volk, das er sich erworben hatte, durch Wort und Tat als einzigen, wahren und lebendigen Gott so geoffenbart, daß Israel Gottes Wege mit den Menschen an sich erfuhr, daß es sie durch Gottes Wort aus der Propheten Mund allmählich voller und klarer erkannte und sie unter den Völkern mehr und mehr sichtbar machte (vgl. Ps 21,28-29; 95,1-3; Jes 2,1-4; Jer 3,17). Die Geschichte des Heiles liegt, von heiligen Verfassern vorausverkündet, berichtet und gedeutet, als wahres Wort Gottes vor in den Büchern des Alten Bundes; darum behalten diese von Gott eingegebenen Schriften ihren unvergänglichen Wert: "Alles nämlich, was geschrieben steht, ist zu unserer Unterweisung geschrieben, damit wir durch die Geduld und den Trost der Schriften Hoffnung haben" (Röm 15,4).

15. Gottes Geschichtsplan im Alten Bund zielte vor allem darauf, das Kommen Christi, des Erlösers des Alls, und das Kommen des messianischen Reiches vorzubereiten, prophetisch anzukündigen (vgl. Lk 24,44; Joh 5,39; 1 Petr 1,10) und in verschiedenen Vorbildern anzuzeigen (vgl. 1 Kor 10,11). Die Bücher des Alten Bundes erschließen allen entsprechend der Lage, in der sich das Menschengeschlecht vor der Wiederherstellung des Heils in Christus befand, Wissen über Gott und Mensch und erschließen die Art und Weise, wie der gerechte und barmherzige Gott an den Menschen zu handeln pflegt. Obgleich diese Bücher auch Unvollkommenes und Zeitbedingtes enthalten, zeigen sie doch eine wahre göttliche Erziehungskunst (1). Ein lebendiger Sinn für Gott drückt sich in ihnen aus. Hohe Lehren über Gott, heilbringende menschliche Lebensweisheit, wunderbare Gebetsschätze sind in ihnen aufbewahrt. Schließlich ist das Geheimnis unseres Heiles in ihnen verborgen. Deshalb sollen diese Bücher von denen, die an Christus glauben, voll Ehrfurcht angenommen werden.

16. Gott, der die Bücher beider Bünde inspiriert hat und ihr Urheber ist, wollte in Weisheit, daß der Neue im Alten verborgen und der Alte im Neuen erschlossen sei (2). Denn wenn auch Christus in seinem Blut einen Neuen Bund gestiftet hat (vgl. Lk 22,20; 1 Kor 11,25), erhalten und offenbaren die Bücher des Alten Bundes, die als Ganzes in die Verkündigung des Evangeliums aufgenommen wurden3, erst im Neuen Bund ihren vollen Sinn (vgl. Mt 5,17; Lk 24,27; Röm 16,25-26; 2 Kor 3,14-16), wie sie diesen wiederum beleuchten und deuten.

KAPITEL V

DAS NEUE TESTAMENT

17. Das Wort Gottes, Gottes Kraft zum Heil für jeden, der glaubt (vgl. Röm 1,16), kommt zu einzigartiger Darstellung und Kraftentfaltung in den Schriften des Neuen Bundes; denn als die Fülle der Zeit kam (vgl. Gal 4,4), ist das Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, voll Gnade und Wahrheit (vgl. Joh 1,14). Christus hat das Reich Gottes auf Erden wiederhergestellt, in Tat und Wort seinen Vater und sich selbst geoffenbart und sein Werk durch Tod, Auferstehung, herrliche Himmelfahrt und Sendung des Heiligen Geistes vollendet. Von der Erde erhöht zieht er alle an sich (vgl. Joh 12,32 griech.); denn er allein hat Worte des ewigen Lebens (vgl. Joh 6,68). Anderen Geschlechtern ward dieses Geheimnis nicht kundgetan, wie es nun geoffenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Heiligen Geist (vgl. Eph 3,4-6 griech.), damit sie das Evangelium verkünden, den Glauben an Jesus als Christus und Herrn wecken und die Kirche sammeln. Dafür sind die Schriften des Neuen Bundes das unvergängliche und göttliche Zeugnis.

18. Niemandem kann es entgehen, daß unter allen Schriften, auch unter denen des Neuen Bundes, den Evangelien mit Recht ein Vorrang zukommt. Denn sie sind das Hauptzeugnis für Leben und Lehre des fleischgewordenen Wortes, unseres Erlösers. Am apostolischen Ursprung der vier Evangelien hat die Kirche immer und überall festgehalten und hält daran fest; denn was die Apostel nach Christi Gebot gepredigt haben, das haben später unter dem Anhauch des Heiligen Geistes sie selbst und Apostolische Männer uns als Fundament des Glaubens schriftlich überliefert: das viergestaltige Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes (1).

19. Unsere heilige Mutter, die Kirche, hat entschieden und unentwegt daran festgehalten und hält daran fest, daß die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde (vgl. Apg 1,1-2). Die Apostel haben nach der Auffahrt des Herrn das, was er selbst gesagt und getan hatte, ihren Hörern mit jenem volleren Verständnis überliefert, das ihnen aus der Erfahrung der Verherrlichung Christi und aus dem Licht des Geistes der Wahrheit (2) zufloß (3). Die biblischen Verfasser aber haben die vier Evangelien redigiert, indem sie einiges aus dem vielen auswählten, das mündlich oder auch schon schriftlich überliefert war, indem sie anderes zu Überblicken zusammenzogen oder im Hinblick auf die Lage in den Kirchen verdeutlichten, indem sie schließlich die Form der Verkündigung beibehielten, doch immer so, daß ihre Mitteilungen über Jesus wahr und ehrlich waren (4). Denn ob sie nun aus eigenem Gedächtnis und Erinnern schrieben oder auf Grund des Zeugnisses jener, "die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren", es ging ihnen immer darum, daß wir die, Wahrheit" der Worte erkennen sollten, von denen wir Kunde erhalten haben (vgl. Lk 1,2-4).

20. Der neutestamentliche Kanon umfaßt außer den vier Evangelien auch die Briefe des heiligen Paulus und andere apostolische Schriften, die unter der Eingebung des Heiligen Geistes verfaßt sind. In ihnen wird nach Gottes weisem Ratschluß die Botschaft von Christus dem Herrn bestätigt, seine echte Lehre mehr und mehr erklärt, die heilbringende Kraft des göttlichen Werkes Christi verkündet; die Anfänge der Kirche und ihre wunderbare Ausbreitung werden erzählt und ihre herrliche Vollendung vorausverkündet. Denn der Herr Jesus ist bei seinen Aposteln geblieben, wie er verheißen hatte (vgl. Mt 28,20), und hat ihnen als Beistand den Geist gesandt, der sie in die Fülle der Wahrheit einführen sollte (vgl. Joh 16,13).

KAPITEL VI

DIE HEILIGE SCHRIFT IM LEBEN DER KIRCHE

21. Die Kirche hat die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlaß das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht. In ihnen zusammen mit der Heiligen Überlieferung sah sie immer und sieht sie die höchste Richtschnur ihres Glaubens, weil sie, von Gott eingegeben und ein für alle Male niedergeschrieben, das Wort Gottes selbst unwandelbar vermitteln und in den Worten der Propheten und der Apostel die Stimme des Heiligen Geistes vernehmen lassen. Wie die christliche Religion selbst, so muß auch jede kirchliche Verkündigung sich von der Heiligen Schrift nähren und sich an ihr orientieren. In den Heiligen Büchern kommt ja der Vater, der im Himmel ist, seinen Kindern in Liebe entgegen und nimmt mit ihnen das Gespräch auf. Und solche Gewalt und Kraft west im Worte Gottes, daß es für die Kirche Halt und Leben, für die Kinder der Kirche Glaubensstärke, Seelenspeise und reiner, unversieglicher Quell des geistlichen Lebens ist. Darum gelten von der Heiligen Schrift in besonderer Weise die Worte: "Lebendig ist Gottes Rede und wirksam" (Hebr 4,12), "mächtig aufzubauen und das Erbe auszuteilen unter allen Geheiligten" (Apg 20,32; vgl. 1 Thess 2,13).

22. Der Zugang zur Heiligen Schrift muß für die an Christus Glaubenden weit offenstehen. Darum hat die Kirche schon in ihren Anfängen die älteste Übersetzung des Alten Testamentes, die griechische, die nach den Siebzig (Septuaginta) benannt wird, als die ihre übernommen. Die anderen orientalischen und die lateinischen Übersetzungen, besonders die sogenannte Vulgata, hält sie immer in Ehren. Da aber das Wort Gottes allen Zeiten zur Verfügung stehen muß, bemüht sich die Kirche in mütterlicher Sorge, daß brauchbare und genaue Übersetzungen in die verschiedenen Sprachen erarbeitet werden, mit Vorrang aus dem Urtext der Heiligen Bücher. Wenn die Übersetzungen bei sich bietender Gelegenheit und mit Zustimmung der kirchlichen Autorität in Zusammenarbeit auch mit den getrennten Brüdern zustande kommen, dann können sie von allen Christen benutzt werden.

23. Die Braut des fleischgewordenen Wortes, die Kirche, bemüht sich, vom Heiligen Geist belehrt, zu einem immer tieferen Verständnis der Heiligen Schriften vorzudringen, um ihre Kinder unablässig mit dem Worte Gottes zu nähren; darum fördert sie auch in gebührender Weise das Studium der Väter des Ostens wie des Westens und der heiligen Liturgien. Die katholischen Exegeten und die anderen Vertreter der theologischen Wissenschaft müssen in eifriger Zusammenarbeit sich darum mühen, unter Aufsicht des kirchlichen Lehramts mit passenden Methoden die göttlichen Schriften so zu erforschen und auszulegen, daß möglichst viele Diener des Wortes in den Stand gesetzt werden, dem Volke Gottes mit wirklichem Nutzen die Nahrung der Schriften zu reichen, die den Geist erleuchtet, den Willen stärkt und die Menschenherzen zur Gottesliebe entflammt (1). Die Heilige Synode ermutigt die Söhne der Kirche, die Bibelwissenschaft treiben, das glücklich begonnene Werk mit immer neuen Kräften und ganzer Hingabe im Geist der Kirche fortzuführen (2).

24. Die heilige Theologie ruht auf dem geschriebenen Wort Gottes, zusammen mit der Heiligen Überlieferung, wie auf einem bleibenden Fundament. In ihm gewinnt sie sichere Kraft und verjüngt sich ständig, wenn sie alle im Geheimnis Christi beschlossene Wahrheit im Lichte des Glaubens durchforscht. Die Heiligen Schriften enthalten das Wort Gottes und, weil inspiriert, sind sie wahrhaft Wort Gottes: Deshalb sei das Studium des heiligen Buches gleichsam die Seele der heiligen Theologie (3). Auch der Dienst des Wortes, nämlich die seelsorgliche Verkündigung, die Katechese und alle christliche Unterweisung - in welcher die liturgische Homilie einen hervorragenden Platz haben muß - holt aus dem Wort der Schrift gesunde Nahrung und heilige Kraft.

25. Darum müssen alle Kleriker, besonders Christi Priester und die anderen, die sich als Diakone oder Katecheten ihrem Auftrag entsprechend dem Dienst des Wortes widmen, in beständiger heiliger Lesung und gründlichem Studium sich mit der Schrift befassen, damit keiner von ihnen werde zu "einem hohlen und äußerlichen Prediger des Wortes Gottes, ohne dessen innerer Hörer zu sein" (4), wo er doch die unübersehbaren Schätze des göttlichen Wortes, namentlich in der heiligen Liturgie, den ihm anvertrauten Gläubigen mitteilen soll. Ebenso ermahnt die Heilige Synode alle an Christus Glaubenden, zumal die Glieder religiöser Gemeinschaften, besonders eindringlich, durch häufige Lesung der Heiligen Schrift sich die "alles übertreffende Erkenntnis Jesu Christi" (Phil 3,8) anzueignen. "Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen." (5) Sie sollen deshalb gern an den heiligen Text selbst herantreten, einmal in der mit göttlichen Worten gesättigten heiligen Liturgie, dann in frommer Lesung oder auch durch geeignete Institutionen und andere Hilfsmittel, die heute mit Billigung und auf Veranlassung der Hirten der Kirche lobenswerterweise allenthalben verbreitet werden. Sie sollen daran denken, daß Gebet die Lesung der Heiligen Schrift begleiten muß, damit sie zu einem Gespräch werde zwischen Gott und Mensch; denn "ihn reden wir an, wenn wir beten; ihn hören wir, wenn wir Gottes Weisungen lesen" (6). Die kirchlichen Vorsteher, "bei denen die Lehre der Apostel ist" (7), sollen die ihnen anvertrauten Gläubigen zum rechten Gebrauch der Heiligen Bücher, namentlich des Neuen Testamentes und in erster Linie der Evangelien, in geeigneter Weise anleiten durch Übersetzungen der heiligen Texte, die mit den notwendigen und wirklich ausreichenden Erklärungen versehen sind, damit die Kinder der Kirche sicher und mit Nutzen mit den Heiligen Schriften umgehen und von ihrem Geist durchdrungen werden. Darüber hinaus sollen mit entsprechenden Anmerkungen versehene Ausgaben der Heiligen Schrift geschaffen werden, die auch Nichtchristen gebrauchen können und die ihren Verhältnissen angepaßt sind. Die Seelsorger und die Christen jeden Standes sollen auf jede Weise klug für ihre Verbreitung sorgen.

26. So möge durch Lesung und Studium der Heiligen Bücher "Gottes Wort seinen Lauf nehmen und verherrlicht werden" (2 Thess 3,1). Der Schatz der Offenbarung, der Kirche anvertraut, erfülle mehr und mehr die Herzen der Menschen. Wie das Leben der Kirche sich mehrt durch die ständige Teilnahme am eucharistischen Geheimnis, so darf man neuen Antrieb für das geistliche Leben erhoffen aus der gesteigerten Verehrung des Wortes Gottes, welches "bleibt in Ewigkeit" (Jes 40,8; vgl. 1 Petr 1,23-25).

18. November 1965

ANMERKUNGEN:

Vorwort/Kapitel 1:

(1) Vgl. Augustinus, Büchlein vom ersten katechetischen Unterricht, 4: PL 40,316.

(2) Vgl. Mt 11,27; Joh 1,14.17; 14,6; 17,1-3; 2 Kor 3,16; 4,6; Eph 1,3-14.

(3) Brief an Diognet VII., : F. X. Funk, Patres Apostolici I (Tübingen 1901) 403.

(4) I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 3: Denz. 1789 (3008).

(5) II. Konzil von Orange, can. 7: Denz. 180 (377); I. Vat. Konzil, a. a. O.: Denz. 1791 (3010).

(6) I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 2: Denz. 1786 (3005).

(7) Ebd.: Denz. 1785 und 1786 (3004 und 3005).

Kapitel 2:

(1) Vgl. Mt 28,19-20 und Mk 16,15. Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften: Denz. 783 (1501).

(2) Vgl. Konzil von Trient, a. a. O.; I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 2: Denz. 1787 (3006).

(3) Irenäus, Adv. Hær. III.,3, 1: PG 7, 848; Harvey 2,9.

(4) Vgl. II. Konzil von Nicæa: Denz. 303 (602). IV. Konzil von Konstantinopel, Sess. X. can. 1: Denz. 336 (650-652).

(5) Vgl. L Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 4: Denz. 1800 (3020).

(6) Vgl. Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften: Denz. 783 (1501).

(7) Vgl. Pius XII., Apost. Konst. Munificentissimus Deus, 1. Nov. 1950: AAS 42 (1950) 756. Vgl. die Worte Cyprians: "die Kirche, das mit dem Priester vereinte Volk und die ihrem Hirten anhängende Herde", Ep. 66, 8: CSEL 3, 2, 733.

(8) Vgl. I. Vat. KonziI., Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 3: Denz. 1792 (3011).

(9) Vgl. Pius XII., Enz. Humani generis, 12. Aug. 1950: AAS 42 (1950) 568-569; Denz. 2314 (3886).

Kapitel 3:

(1) Vgl. I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 2: Denz. 1787 (3006); Bibelkommission, Dekret, 18. Juni 1915: Denz. 2180 (3629) und Ench. Bibl. 420; Hl. Officium, Brief, 22. Dez. 1923: Ench. Bibl. 499.

(2) Vgl. Pius XII., Enz. Divino afflante, 30. Sept. 1943: AAS 35 (1943) 314; Ench. Bibl. 556.

(3) In und durch den Menschen: vgl. Hebr 1,1; 4,7 (in); 2 Sam 23,2; Mt 1,22 und passim (durch); I. Vat. Konzil, Schema über die katholische Lehre, Note 9: Coll. Lac. VII., 522.

(4) Leo XIII., Enz. Providentissimus Deus, 18. Nov. 1893: Denz. 1952 (3293); Ench. Bibl. 125.

(5) Vgl. Augustinus, De Gen. ad litt. 2, 9, 20: PL 34, 270-271; CSEL 28, 1, 46-47 und Brief 82,3: PL 33,277; CSEL 34, 2, 354; Thomas v. Aquin, De ver. q. 12, a. 2, C; Konzil von Trient, Dekret über die kanonischen Schriften: Denz. 783 (1501); Leo XIII., Enz. Providentissimus Deus: Ench. Bibl. 121.124.126-127; Pius XII., Enz. Divino afflante: Ench. Bibl. 539.

(6) Augustinus, De Civ. Dei XVII., 6, 2: PL 41, 537; CSEL 40, 2, 228.

(7) Augustinus, De Doctr. Christ. III., 18, 26: I, L 34, 75-76; CSEL 80, 95.

(8) Pius XII., a. a. O.: Denz. 2294 (3829-3830); Ench. Bibl. 557-562.

(9) Vgl. Benedikt XV., Enz. Spiritus Paraclitus, 15. Sept. 1920: Ench. Bibl. 469; Hieronymus, In Gal. 19-21: PL 26, 417 A.

(10) Vgl. I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius, Kap. 2: Denz. 1788 (3007).

(11) Johannes Chrysostomus, ln Gen. 3,8 (hom. 17, 1): PG 53, 134: "herabgelassen", lateinisch "attemperatio", griechisch "synkatábasis".

Kapitel 4:

(1) Pius XI., Enz. Mit brennender Sorge, 14. März 1937: AAS 29 (1937) 151.

(2) Augustinus, Quæst. in Hept. 2, 73: PL 34, 623.

(3) Irenäus, Adv, Hær. III., 21, 3: PG 7, 950 (- 25, 1: Harvey 2, 115); Cyrill von Jerusalem, Catech. 4, 35: PG 33, 497; Theodor von Mopsuestia, In Soph. 1, 4-6: PG 66, 452 D-453 A.

Kapitel 5:

(1) Irenäus, Adv. Hær. III., 11, 8: PG 7, 885; Ausg. Sagnard, 194.

(2) Vgl. Joh 14,26; 16,13.

(3) Vgl. Joh 2,22; 16,16; vgl. 14,26; 16,12-13; 7,39.

(4) Vgl. die Instruktion Sancta Mater Ecclesia der Päpstlichen Bibelkommission: AAS 56 (1964) 715.

Kapitel 6:

(1) Vgl. Pius XII., Enz. Divino afflante: Ench. Bibl. 551.553.567; Päpstl. Bibelkommission, Instruktion über die rechte Art, in Klerikalseminarien und Ordenskollegien über die Bibel zu dozieren, 30. Mai 1950: AAS 42 (1950) 495-505.

(2) Vgl. Pius XII., ebd. 569.

(3) Vgl. Leo XIII., Enz. Providentissimus Deus: Ench. Bibl. 114; Benedikt. XV., Enz. Spiritus Paraclitus: Ench. Bibl. 483.

(4) Augustinus, Serm. 179, 1: PL 38, 966.

(5) Hieronymus, Comm. in Jes., Prol.: PL 24, 17; vgl. Benedikt XV., Enz. Spiritus Paraclitus: Ench. Bibl. 475-480; Pius XII., Enz. Divino afflante: Ench. Bibl. 544.

(6) Ambrosius, De officiis ministrorum I, 20, 88; PL 16, 50.

(7) Irenäus, Adv. Hær. IV, 32, 1: PG 7, 1071 (= 49, 2: Harvey 2, 255).


 
(Quelle: http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651118_dei-verbum_ge.html)

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