Katholisch Leben: The Jesus Brothers!

Aufbruch und Erneuerung

Atheismus

 

Es scheint ja heute modern zu sein, sich als Atheist zu bezeichnen. Als jemand, der nicht an Gott glaubt. Oft bleibt es nicht dabei, und so kämpft man vehement gegen alles an, was noch christlich in unserer Gesellschaft ist. Ob das Kruzifixe in Schulen sind, die Erwähnung des Wortes "christlich" in Verfassungen - alles muss im Sinne einer falsch verstandenen "Toleranz" und "Neutralität" verschwinden.

Warum aber tun dies Menschen? Warum wollen sie nicht an Gott glauben? Welche Art von Menschen sind das eigentlich?

Vieles von dem, was man in diesem Zusammenhang zu hören bekommt, erinnert stark an die Periode der "Aufklärung". Die menschliche Vernunft und Wissenschaft wird über alles andere gestellt. Man propagiert den Humanismus und setzt den Menschen auf den Thron, der eigentlich Gott vorbehalten ist.

Oft sogar mit den besten Motivationen und Absichten. Man will die Menschen von Zwängen befreien und sie selbst in den Mittelpunkt stellen.

Der Relativismus regiert: es gibt keinen Konsens mehr darüber, was gut, richtig und wahr ist. JedeR kann für sich selbst entscheiden, welche Werte er/sie annimmt - oder eben nicht. Und solange man damit nicht gegen ein Gesetz verstößt, ist alles wunderbar.

Moralische Regeln welcher Art auch immer gibt es nicht mehr. Ob nun Sexualität, moralische Grundwerte, Familientraditionen - solange es nicht illegal ist, kann jedeR tun und lassen, was er/sie will.

Hört sich doch wunderbar an, oder?

Jesse Romero, Apologetiker aus den USA weist in einem Vortrag auf einige Chrakteristika von Atheisten hin: viele davon sind etwa unter Universitätsprofessoren und anderen Menschen der intelektuellen "Elite" zu finden (was natürlich nicht zwangsweise heißen muss, das jeder Professor Atheist ist). Die meisten hätten auch in der Kindheit keine Beziehung zu ihrem Vater aufbauen können - sei es, dass der Vater schwach war, oder emotional bzw. physisch abwesend. Andererseits wären viele der Menschen, die eine gute Beziehung zu ihrem Vater hatten und von ihm in den Glauben eingewiesen wurden, noch heute gläubige Christinnen und Christen.

Ist es wirklich so gut, wenn man jegliche Wertmaßstäbe über den Haufen wirft (was nicht zwangsweise heißen muss, dass solche Menschen "unmoralisch" sind!)? Wohl kaum. Über kurz oder lang wird dies jede Gesellschaft in den Abgrund treiben. Was anfangs sehr verlockend aussehen mag (wer träumt etwa nicht davon, in sexueller Hinsicht einmal so richtig "loslegen" zu können oder mehr oder weniger tun und lassen zu können, was er/sie will?), kann schnell fatale Konsequenzen haben.

Christen sind der Meinung, dass es einen "Teufel" - also das Böse - gibt. Und er wird nichts unversucht lassen, das, was er uns anbietet, in Gold zu wickeln, damit wir es ihm abkaufen. Und leider muss man sagen, dass dies oft wunderbar funktioniert.

So vieles, was man da hört, klingt erst einmal sehr "logisch" und "vernünftig". Auf den zweiten Blick aber wird klar, dass man mit so einigem gegen Gottes Gebote verstößt - was nach christlicher Auffassung nie ohne Konsequenzen bleiben wird (solange man nicht bereut und umkehrt).

"Toleranz" etwa ist ein schönes Wort - wenn es aber heißt, kritiklos alles hinzunehmen, was gegen unseren christlichen Glauben ist und auch hierzu nicht mehr seine Meinung sagen zu dürfen, ohne verhöhnt oder vor Gericht gebracht zu werden, ist "Toleranz" schon nicht mehr so verlockend. Als Christinnen und Christen sind wir gerufen, das, was Sünde ist, auch also solche zu bezeichnen - und umgekehrt für das, was gut ist und von Gott kommt einzutreten und die frohe Botschaft in Wort und Tat zu verkünden. Wir denken keineswegs, dass wir bessere Menschen sind als andere und sehen auch nicht auf andere herab, da wir sehr wohl wissen, dass wir selbst Sünder sind. Während wir aber den Menschen an sich lieben, wie Gott ihn liebt - und genau aus diesem Grund - wollen wir auch klar zum Ausdruck bringen, was gegen Gottes Gebote ist.

All das mag für viele wie Zeug von vorgestern klingen. Altmodische, verklemmte und radikale Christen eben.

Nehmen wir doch einmal ein Beispiel: in den 60ern begann mit der "sexuellen Revolution" die "große Freiheit". War das Ergebnis nun wirklich so gut? Schon heute gibt es unzählige Familien, die ohne Vater aufwachsen. Ansteckende Geschlechtskrankheiten, ungewollte Schwangerschaften, Abtreibungen, sexuelle Ausschweifungen jeglicher Art sind auf dem Vormarsch.

Nein, Katholiken sind nicht sexualfeindlich. Uns ist aber klar, dass Gott hierfür den geschützten und liebevollen Rahmen einer heterosexuellen, monogamen und lebenslangen Ehe zwischen Mann und Frau vorgesehen hat. Nicht, weil Er uns gerne herum kommandiert, sondern weil Er uns liebt und weis, dass das, was gegen Seinen Willen geschieht, zu nichts Gutem führt.

In jahrhundertelanger christlicher Tradition und auf biblischen Wahrheiten gegründete Familienwerte wurden seit den 60ern über den Haufen geworfen und durch - nichts ersetzt. Heute sind Konstellationen verschiedenster Art und mit unterschiedlichster Dauer als "Familie" möglich.

Katholiken glauben aus tiefsten Herzen an den dreifaltigen Gott. Wir befolgen Seine Gebote nicht, weil wir uns gerne Vorschriften machen lassen und verklemmt sowie dumm und naiv hinsichtlich Seiner Existenz sind, sondern weil wir Ihn lieben - und fürchten. Wir glauben nicht nur, dass es Ihn gibt, wir wissen es! Seine Gegenwart und Liebe erfüllt uns mit tiefster Dankbarkeit. Er gibt uns alles, was wir brauchen.

Ein weiteres Beispiel: oft wird ja gerne mit "wissenschaftlichen" Argumenten gegen Gott argumentiert. Sehen wir uns doch einmal unseren Planeten an. Sehen wir uns den Menschen an. Das soll einfach so aus dem nichts und durch bloße Evolution entstanden sein?

Wenn man einen Haufen Blech, Gummi und Farbe nimmt und alles in einen Beutel gibt und kräftig durchschüttelt, glaubt dann irgendjemand, dass hieraus durch "Zufall" ein fertiges Auto entsteht?

Und gehen wir doch einmal nur der Diskussion willen davon aus, dass Gott wirklich existiert, dass diese Bibel recht hat: was dann? Wie sieht dann das eigene, bisher geführte Leben aus?

Wir laden jeden ein, unseren Gott kennen- und lieben zu lernen!


Catholic Answers Quick Questions

 

Atheismus II

Nicht nur, dass sich Atheisten ueber den definieren, an den sie angeblich nicht glauben („a-theos“), sie stuerzen sich oft auch mit fast missionarischen Eifer an die Verbreitung ihrer Idee, es wuerde keinen Gott geben. Sie wollen alle anderen davon ueberzeugen. Wenn ich aber tatsaechlich davon ueberzeugt bin, dass es etwas oder jemanden nicht gibt, verschwende ich keine Energie darauf, andere ebenfalls davon zu ueberzeugen. Wenn ich etwa voellig sicher bin, dass es keine gruenen Marsmaennchen gibt, muss ich nicht die ganze Welt davon ueberzeugen. Wenn ich nicht an den Osterhasen glaube, muss ich ebenfalls niemanden davon ueberzeugen. Das werden diejenigen, die noch an seine Existenz glauben, schon irgendwann merken.

Warum also dieser Eifer, andere von der Nicht-Existenz Gottes ueberzeugen zu wollen? Der einzig logische Grund hierfuer kann eigentlich nur sein, dass man nicht die anderen, sondern eher sich selbst davon ueberzeugen will – und dass man tief drin sehr wohl weiss, dass es Ihn gibt, aber dies aus panischer Angst davor, was das an Konsequenzen mit sich bringen koennte, nicht vor sich selbst zugeben will. Und so versucht man eine Taktik, die seinerzeit schon Adam vergeblich ausprobiert hat: sich vor Gott zu verstecken. So tun, als waere Er nicht da. Das laesst Ihn aber nicht verschwinden. Was es allerdings tut, ist den Graben zwischen den „Atheisten“ und Gott noch zu vergroessern – mit dem Ergebnis, dass sie tief im Inneren noch einsamer und verzweifelter sind als je zuvor. Sie versuchen sich selbst von dem zu trennen, den sie doch am dringendsten brauchen und versuchen dies vor sich selbst zu rechtfertigen, indem sie andere auf ihre Seite ziehen wollen.

Der Atheismus ist die Philosophie der Verzweifelten und Einsamen.

Die Absurdität des Atheismus

Das größte Problem dabei, wenn man sich kosnequent als Atheisten bezeichnet: Es gibt kein "richtig" und "falsch", kein "gut" oder "schlecht", allerhöchstens gibt es das Prinzip des "Überlebens des Stärkeren".

Warum?

Auf welcher Basis und aufgrund welchen Standards entscheidet man denn, was richtig oder falsch, was gut oder schlecht ist? Und wer entscheidet das?

Die menschliche Vernunft? Nun, Christen gestehen durchaus zu, dass Menschen tief in sich - zumindest bis zu einem gewissen Maß - erkennen können, was gut oder schlecht ist. Für einen konsequenten Atheisten kann es aber so etwas wie "gut" oder "schlecht" gar nicht geben. Die Frage ist also nicht nur, ob es so etwas gibt, sondern warum eigentlich überhaupt? Von dem trotz allem recht individuellen Maß bei der Beurteilung, ob etwas zur einen oder zur anderen Kategorie gehört, ganz zu schweigen.

Der Gesetzgeber? Und wenn der Gesetzgeber Mord für richtig erklärt, darf man es dann tun?

Die Mehrheit? Nun, die Meinung der Mehrheit schwankt fast täglich. Außerdem gibt es hier dasselbe Problem: was, wenn die Mehrheit morgen sagt, es ist in Ordnung, behinderte Menschen umzubringen?

Persönliches Glück? Hört sich ja gut an, aber was, wenn jemand persönlich damit glücklich wird, Kinder umzubringen? Oder wie es ein Professor ausgedrückt hat: wenn eine Familie ihr behindertes Kind umbringt und dafür wieder gesunde Kinder bekommt, wiegt das durch die nachkommenden Kinder folgende Glück das vorhergehende "Unglück" auf!

Alles ist in Ordnung, so lange man niemanden damit weh tut und alle Beteiligten einverstanden sind? Mit dem Argument wird vom Gruppensex bis hin zur Homosexualität, aber auch Pädophilie und sonstiges alles rechtfertigt. Auch hier darf man nachfragen, wer denn entscheidet, was wem wann weh tut und warum es eigentlich überhaupt ein Problem darstellt, jemanden weh zu tun, wenn es keinen Gott geben soll?

Konsequenterweise kann man dann auch nicht das verurteilen, was Hitler und die Nazis getan haben. Aufgrund welcher Basis denn, wenn es "gut" und "schlecht" eigentlich nicht gibt?

Ein konsequenter Atheismus ist absurd und führt ins Nirgendwo.

(Empfohlene CD's: Ken Hensley: The Absurdity of Atheism)

 

kathpedia.com: Atheismus

Als Atheismus wird die Überzeugung bezeichnet, dass eine Welterklärung ohne Gott nicht nur möglich, sondern auch richtig ist. Insofern hängt die Definition des Begriffs stets vom Gottesbegriff ab. Der Atheist bezeichnet etwas als Gott, dem er Nichtexistenz zuschreibt. Dies ist für denjenigen, der aus philosophischen oder (!) religiösen Erwägungen von der Existenz Gottes überzeugt ist, inakzeptabel. Somit ist zwischen Atheisten und Gottgläubigen stets ein Dissens hinsichtlich des Gottesbegriffs festzustellen.

Diese Denkrichtung, die eine göttliche "Weltordnung" und Gott selber bestreitet, findet wichtige Wurzeln in der französischen Aufklärung im 18. Jahrhundert. Jedoch hielten die meisten Aufklärer, Kant eingeschlossen, an der Überzeugung von der Existenz Gottes fest. Vom rationalen Atheismus zu unterscheiden ist die Ausbreitung der Entfremdung der Massen von der Religion, die in Europa im letzten Drittel des 19. Jh. einsetzte. Unterstützt von einem bestimmten Erkenntnisstand der Wissenschaften, der heute jedoch überwunden ist, galt der Atheismus als die fortschrittliche, humanistische Konzeption.

Eine ideologisch-politische Ausprägung erhielt der Atheismus durch politische Ideologien des 20. Jahrhunderts. Heute wird anstatt des kämpferischen Atheismus häufig ein unverbindlicher Agnostizismus vertreten. Danach ist die Existenz Gottes zwar möglich, aber nicht sicher erkennbar. Die Kirche hingegen lehrt mit dem I. Vatikanum, bestätigt im II. Vatikanum, dass Gottes Dasein mit der Kraft der Vernunft aus der Natur zuverlässig erkannt werden kann (nicht: muss). Umstritten ist aber, ob sogar Gottesbeweise logisch zwingend sind oder nicht. Wird Gott lediglich als absoluter Begriff definiert, so ist seine Existenz damit zwar durch die Definition schon vorausgesetzt, nicht aber bestimmte Eigenschaften Gottes ("Schöpfer", "Erlöser", "Vollender").

Begrifflich gleichfalls umstritten ist, ob Atheismus auch eine Form von Religion sein kann oder nicht. Atheisten verstehen sich nicht als religiös.

 

Zitate


"Da der Atheismus die Existenz Gottes leugnet oder ablehnt, ist er eine Sünde gegen die Tugend der Gottesverehrung [Vgl. Röm 1,18.]. Absichten und Umstände können die Verantwortlichkeit für dieses Vergehen stark einschränken. An der Entstehung und Verbreitung des Atheismus können „die Gläubigen einen nicht geringen Anteil haben, insofern man sagen muss, dass sie durch Vernachlässigung der Glaubenserziehung, durch missverständliche Darstellung der Lehre oder auch durch die Mängel ihres religiösen, sittlichen und gesellschaftlichen Lebens das wahre Antlitz Gottes und der Religion eher verhüllen als offenbaren" (GS 19,3)." (Katechismus der Katholischen Kirche)

Literatur


Robert Spaemann, Der letzte Gottesbeweis, München 2007.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Atheismus)

 

Gloria TV: Existiert Gott?

Gaudium et Spes

19. Formen und Wurzeln des Atheismus

Ein besonderer Wesenszug der Würde des Menschen liegt in seiner Berufung zur Gemeinschaft mit Gott.

Zum Dialog mit Gott ist der Mensch schon von seinem Ursprung her aufgerufen: er existiert nämlich nur, weil er, von Gott aus Liebe geschaffen, immer aus Liebe erhalten wird; und er lebt nicht voll gemäß der Wahrheit, wenn er diese Liebe nicht frei anerkennt und sich seinem Schöpfer anheimgibt. Viele unserer Zeitgenossen erfassen aber diese innigste und lebensvolle Verbindung mit Gott gar nicht oder verwerfen sie ausdrücklich. So muß man den Atheismus zu den ernstesten Gegebenheiten dieser Zeit rechnen und aufs sorgfältigste prüfen. Mit dem Wort Atheismus werden voneinander sehr verschiedene Phänomene bezeichnet.

Manche leugnen Gott ausdrücklich; andere meinen, der Mensch könne überhaupt nichts über ihn aussagen; wieder andere stellen die Frage nach Gott unter solchen methodischen Voraussetzungen, daß sie von vornherein sinnlos zu sein scheint. Viele überschreiten den Zuständigkeitsbereich der Erfahrungswissenschaften und erklären, alles sei nur Gegenstand solcher naturwissenschaftlicher Forschung, oder sie verwerfen umgekehrt jede Möglichkeit einer absoluten Wahrheit. Manche sind, wie es scheint, mehr interessiert an der Bejahung des Menschen als an der Leugnung Gottes, rühmen aber den Menschen so, daß ihr Glaube an Gott keine Lebensmacht mehr bleibt.

Andere machen sich ein solches Bild von Gott, daß jenes Gebilde, das sie ablehnen, keineswegs der Gott des Evangeliums ist. Andere nehmen die Fragen nach Gott nicht einmal in Angriff, da sie keine Erfahrung der religiösen Unruhe zu machen scheinen und keinen Anlaß sehen, warum sie sich um Religion kümmern sollten. Der Atheismus entsteht außerdem nicht selten aus dem heftigen Protest gegen das Übel in der Welt oder aus der unberechtigten Übertragung des Begriffs des Absoluten auf gewisse menschliche Werte, so daß diese an Stelle Gottes treten. Auch die heutige Zivilisation kann oft, zwar nicht von ihrem Wesen her, aber durch ihre einseitige Zuwendung zu den irdischen Wirklichkeiten, den Zugang zu Gott erschweren.

Gewiß sind die, die in Ungehorsam gegen den Spruch ihres Gewissens absichtlich Gott von ihrem Herzen fernzuhalten und religiöse Fragen zu vermeiden suchen, nicht ohne Schuld; aber auch die Gläubigen selbst tragen daran eine gewisse Verantwortung.

Denn der Atheismus, allseitig betrachtet, ist nicht eine ursprüngliche und eigenständige Erscheinung; er entsteht vielmehr aus verschiedenen Ursachen, zu denen auch die kritische Reaktion gegen die Religionen, und zwar in einigen Ländern vor allem gegen die christliche Religion, zählt.

Deshalb können an dieser Entstehung des Atheismus die Gläubigen einen erheblichen Anteil haben, insofern man sagen muß, daß sie durch Vernachlässigung der Glaubenserziehung, durch mißverständliche Darstellung der Lehre oder auch durch die Mängel ihres religiösen, sittlichen und gesellschaftlichen Lebens das wahre Antlitz Gottes und der Religion eher verhüllen als offenbaren.

 

20. Der systematische Atheismus

Der moderne Atheismus stellt sich oft auch in systematischer Form dar, die, außer anderen Ursachen, das Streben nach menschlicher Autonomie so weit treibt, daß er Widerstände gegen jedwede Abhängigkeit von Gott schafft. Die Bekenner dieses Atheismus behaupten, die Freiheit bestehe darin, daß der Mensch sich selbst Ziel und einziger Gestalter und Schöpfer seiner eigenen Geschichte sei. Das aber, so behaupten sie, sei unvereinbar mit der Anerkennung des Herrn, des Urhebers und Ziels aller Wirklichkeit, oder mache wenigstens eine solche Bejahung völlig überflüssig.

Diese Lehre kann begünstigt werden durch das Erlebnis der Macht, das der heutige technische Fortschritt dem Menschen gibt. Unter den Formen des heutigen Atheismus darf jene nicht übergangen werden, die die Befreiung des Menschen vor allem von seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Befreiung erwartet. Er behauptet, daß dieser Befreiung die Religion ihrer Natur nach im Wege stehe, insofern sie die Hoffnung des Menschen auf ein künftiges und trügerisches Leben richte und ihn dadurch vom Aufbau der irdischen Gesellschaft abschrecke.

Daher bekämpfen die Anhänger dieser Lehre, wo sie zur staatlichen Macht kommen, die Religion heftig und breiten den Atheismus aus, auch unter Verwendung, vor allem in der Erziehung der Jugend, jener Mittel der Pression, die der öffentlichen Gewalt zur Verfügung stehen.

21. Die Haltung der Kirche zum Atheismus

Die Kirche kann, in Treue zu Gott wie zu den Menschen, nicht anders, als voll Schmerz jene verderblichen Lehren und Maßnahmen, die der Vernunft und der allgemein menschlichen Erfahrung widersprechen und den Menschen seiner angeborenen Größe entfremden, mit aller Festigkeit zu verurteilen, wie sie sie auch bisher verurteilt hat (16). Jedoch sucht die Kirche die tiefer in der atheistischen Mentalität liegenden Gründe für die Leugnung Gottes zu erfassen und ist im Bewußtsein vom Gewicht der Fragen, die der Atheismus aufgibt, wie auch um der Liebe zu allen Menschen willen der Meinung, daß diese Gründe ernst und gründlicher geprüft werden müssen. Die Kirche hält daran fest, daß die Anerkennung Gottes der Würde des Menschen keineswegs widerstreitet, da diese Würde eben in Gott selbst gründet und vollendet wird. Denn der Mensch ist vom Schöpfergott mit Vernunft und Freiheit als Wesen der Gemeinschaft geschaffen; vor allem aber ist er als dessen Kind zur eigentlichen Gemeinschaft mit Gott und zur Teilnahme an dessen eigener Seligkeit berufen. Außerdem lehrt die Kirche, daß durch die eschatologische Hoffnung die Bedeutung der irdischen Aufgaben nicht gemindert wird, daß vielmehr ihre Erfüllung durch neue Motive unterbaut wird.

Wenn dagegen das göttliche Fundament und die Hoffnung auf das ewige Leben schwinden, wird die Würde des Menschen aufs schwerste verletzt, wie sich heute oft bestätigt, und die Rätsel von Leben und Tod, Schuld und Schmerz bleiben ohne Lösung, so daß die Menschen nicht selten in Verzweiflung stürzen. Jeder Mensch bleibt vorläufig sich selbst eine ungelöste Frage, die er dunkel spürt. Denn niemand kann in gewissen Augenblicken, besonders in den bedeutenderen Ereignissen des Lebens, diese Frage gänzlich verdrängen.

Auf diese Frage kann nur Gott die volle und ganz sichere Antwort geben; Gott, der den Menschen zu tieferem Nachdenken und demütigerem Suchen aufruft. Das Heilmittel gegen den Atheismus kann nur von einer situationsgerechten Darlegung der Lehre und vom integren Leben der Kirche und ihrer Glieder erwartet werden. Denn es ist Aufgabe der Kirche, Gott den Vater und seinen menschgewordenen Sohn präsent und sozusagen sichtbar zu machen, indem sie sich selbst unter der Führung des Heiligen Geistes unaufhörlich erneuert und läutert (17); das wird vor allem erreicht durch das Zeugnis eines lebendigen und gereiften Glaubens, der so weit herangebildet ist, daß er die Schwierigkeiten klar zu durchschauen und sie zu überwinden vermag.

Ein leuchtendes Zeugnis dieses Glaubens gaben und geben die vielen Märtyrer.

Dieser Glaube muß seine Fruchtbarkeit bekunden, indem er das gesamte Leben der Gläubigen, auch das profane, durchdringt und sie zu Gerechtigkeit und Liebe, vor allem gegenüber den Armen, bewegt.

Dazu, daß Gott in seiner Gegenwärtigkeit offenbar werde, trägt schließlich besonders die Bruderliebe der Gläubigen bei, wenn sie in einmütiger Gesinnung zusammenarbeiten für den Glauben an das Evangelium18 und sich als Zeichen der Einheit erweisen. Wenn die Kirche auch den Atheismus eindeutig verwirft, so bekennt sie doch aufrichtig, daß alle Menschen, Glaubende und Nichtglaubende, zum richtigen Aufbau dieser Welt, in der sie gemeinsam leben, zusammenarbeiten müssen. Das kann gewiß nicht geschehen ohne einen aufrichtigen und klugen Dialog. Deshalb beklagt sie die Diskriminierung zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden, die gewisse Staatslenker in Nichtachtung der Grundrechte der menschlichen Person ungerechterweise durchführen. Für die Glaubenden verlangt die Kirche Handlungsfreiheit, damit sie in dieser Welt auch den Tempel Gottes errichten können. Die Atheisten aber lädt sie schlicht ein, das Evangelium Christi unbefangen zu würdigen.

Denn sehr genau weiß die Kirche, daß ihre Botschaft dann dem tiefsten Verlangen des menschlichen Herzens entspricht, wenn sie die Würde der menschlichen Berufung verteidigt und denen, die schon an ihrer höheren Bestimmung verzweifeln, die Hoffnung wiedergibt.

Ihre Botschaft mindert nicht nur den Menschen nicht, sondern verbreitet, um ihn zu fördern, Licht, Leben und Freiheit; und außer ihr vermag nichts dem Menschenherzen zu genügen: "Du hast uns auf dich hin gemacht", o Herr, "und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir" (19).

(2. Vatikanisches Konzil: Gaudium et Spes, http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html)

 

kathpedia.com: Pervenuti all´ anno

Apostolischer Brief Pervenuti all´ anno unsers Heiligen Vaters Leo XIII.

an alle Ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe, der katholischen Welt, welche in Gnade und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhle stehen
über den Kampf gegen die Kirche und dem Herd der Antikirchlichen Machenschaften
19. März 1902

(Quelle: Die katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, Hsgr. Arthur Utz + Birgitta Gräfin von Galen, XXV 28-69, Scientia humana Institut Aachen 1976, Imprimatur Friburgi Helv., die 2. decembris 1975 Th. Perroud, V.G.)



Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramstexte, dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite [1] können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).




Ehrwürdige Brüder!
Heilsgruß und Apostolischen Segen!

Einleitung: Dank des Papstes an Gott

1 Beim Eintritt in das 25. Jahr Unseres Apostolischen Amtes staunen Wir selbst über Unsern langen Weg mitten durch schwere und unablässige Sorgen und fühlen Uns gedrängt, die Gedanken zu Gott zu erheben, der zu so vielen Wohltaten Uns auch noch ein Pontifikat schenken wollte, das in seiner Dauer kaum ein Beispiel in der Geschichte kennt. Zu ihm, dem Vater aller, in dessen Hand die Geschicke Unseres Lebens ruhen, steige daher aus tiefstem Herzen der Lobgesang des Dankes auf. Gewiss, kein menschliches Auge kann die Tiefe des göttlichen Ratschlusses, der Uns ein so unerhofft langes Leben geben wollte, durchdringen, und Wir können ihn hier nur schweigend anbeten; eines jedoch wissen Wir sehr wohl: wenn es ihm gefiel, Unser Leben so lange zu erhalten, und er es noch länger erhalten will, dann obliegt Uns eine sehr hohe Verpflichtung: zu leben für das Wohl und Wachstum seiner reinen Braut, der Kirche; Wir dürfen nicht zurückweichen vor den Sorgen und Mühen, sondern müssen ihr auch den letzten Rest Unserer Kräfte weihen.



DER KAMPF GEGEN DIE KIRCHE
Die Feinde der Kirche

2 Nach diesem schuldigen Tribut der Dankbarkeit an Unsern Vater im Himmel, dem Ruhm und Ehre sei in Ewigkeit, wenden Wir Unsern Blick zu Euch, Ehrwürdige Brüder, die Ihr vom Heiligen Geiste berufen seid, jeder zur Hirtensorge für einen Teil der Herde Jesu Christi, und darum die Kämpfe und Siege, die Freuden und Leiden des Hirtenamtes mit Uns teilt. Nein, niemals werden Wir die vielen und einzigartigen Beweise treuer Ergebenheit vergessen, die Ihr uns während Unseres Pontifikats gegeben und in liebevollem Wetteifer beim gegenwärtigen Jubiläum erneuert habt. Innigst durch die Pflicht des Amtes und durch väterliche Liebe mit Euch verbunden, haben Wir diese Kundgebungen Eurer Treue mit freudigem Herzen begrüßt, weniger weil sie Unserer Person gelten, als vielmehr ob der hohen Bedeutung, die sie gewinnen als Beweise der Anhänglichkeit an den Apostolischen Stuhl, der das Zentrum und der Angelpunkt aller übrigen Bischofssitze der katholischen Welt ist. Wenn es jemals nötig war, dass alle hierarchischen Grade der Kirche, durch wechselseitige Liebe verbunden, in völliger Gleichheit der Gesinnung und des Strebens wetteiferten, so gilt das gewiss für heute. Denn wer wüsste nichts von jener umfassenden Einigkeit unter den feindlichen Mächten, die jetzt darauf ausgehen, das große Werk Jesu Christi zu zerstören? Mit grenzenloser Hartnäckigkeit arbeiten sie daran, auf dem intellektuellen Gebiet den Schatz der himmlischen Lehren zu vernichten und in der gesellschaftlichen Ordnung die heiligen und segensreichen Einrichtungen des Christentums niederzureißen. Doch Ihr selbst stellt all dies täglich mit eigenen Augen fest; mehr als einmal habt Ihr Uns Eure Sorgen und Ängste anvertraut und Klage geführt über das ganze dunkle Chaos von Vorurteilen, falschen Systemen und Irrtümern, die straflos unter den Massen verbreitet werden dürfen. Jeder Tag bringt neue Fallstricke für die Gläubigen, neue Hemmnisse für das segensreiche Wirken der Kirche, um es womöglich ganz lahm zu legen. Zum Schaden fügt man noch den Spott hinzu: man wälzt auf die Kirche selber die Schuld zurück und sagt, sie sei außerstande, die alte Kraft wiederzugewinnen und den stürmischen Drang der Leidenschaften zu zügeln, der alles mit Vernichtung bedroht.

3 Wohl möchten Wir, Ehrwürdige Brüder, lieber über einen angenehmeren Gegenstand zu Euch reden, der besser zu dem frohen Anlass stimmte, der Uns zum Sprechen drängt. Aber es dulden das weder die schweren Bedrängnisse der Kirche, die dringend Erleichterung fordern, noch die Verhältnisse unserer heutigen Gesellschaft, deren Lage sich durch das Aufgeben der großen Traditionen des Christentums sowohl in sittlicher als auch in materieller Rücksicht immer noch mehr verschlechtert; es ist ja ein Gesetz der Vorsehung - und die Geschichte bestätigt es -, dass man die großen Prinzipien der Religion nicht über Bord werfen kann, ohne die Grundlagen der bürgerlichen Wohlfahrt zu erschüttern. Unter diesen Umständen ist es wohl angebracht, den Kampf, der zum größten Schaden der Kirche entbrannt ist, in seiner Entstehung zu betrachten, seine Ursachen, seine verschiedenen Formen, seine unheilvollen Folgen darzulegen und auf die Heilmittel dagegen hinzuweisen, um rechtzeitig die Herzen mit Mut und Zuversicht zu erfüllen. Obwohl es schon oft gesagt wurde, wollen Wir es gleichwohl wiederholen, und weithin erschalle Unser Wort und dringe nicht nur zu den gläubigen Kindern der katholischen Einheit, sondern ebenso zu den Getrennten und auch zu den Unglücklichen, die nicht glauben, da wir ja alle Kinder desselben Vaters sind und bestimmt für dasselbe höchste Ziel; und Unsere Worte seien gleichsam das Vermächtnis, das Wir, nur wenige Schritte von den Pforten der Ewigkeit entfernt, mit den aufrichtigsten Wünschen für das Wohl der ganzen Welt den Völkern hinterlassen wollen.
Die Kirche seit dem Anfang Gegenstand gottloser Angriffe

4 Die heilige Kirche Christi hatte zu jeder Zeit Kämpfe und Verfolgungen für Wahrheit und Recht zu bestehen. Von ihm gestiftet, um in der Welt das Reich Gottes zu verbreiten und durch das Licht des evangelischen Gesetzes die gefallene Menschheit zu einer übernatürlichen Bestimmung zu führen, zum Besitz unvergänglicher, von Gott verheißener Güter, die über unsere Kräfte hinausliegen, stieß sie unvermeidlicherweise mit den Leidenschaften zusammen, die in dem zerrütteten und verderbten Heidentum einen fruchtbaren Boden fanden, mit dem Stolz, der Habsucht, dem zügellosen Streben nach Genuss und mit den Lastern und Unordnungen, die aus ihnen entspringen und die in der Kirche stets einen mächtigen Damm finden werden. Die Tatsache dieser Verfolgungen darf uns nicht wundernehmen, da der göttliche Meister sie uns zur Kenntnisnahme voraussagte und da wir wissen, dass sie so lange dauern werden, wie die Welt stehen wird. Denn was sagte er zu seinen Jüngern, als er sie aussandte, den Schatz seiner Lehren zu allen Völkern zu tragen? "Man wird euch verfolgen von Stadt zu Stadt, man wird euch hassen und gering schätzen um meines Namens willen, man wird euch vor den Richter führen und zu den schwersten Qualen verurteilen." - Und um uns für die Prüfungen zu stärken, wies er auf sein eigenes Beispiel hin: "Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat –Si mundus vos odit, scitote quia me priorem vobis odio habuit" (Joh 15, 18). Das sind die Freuden, das der Lohn, der uns hienieden versprochen ist.

5 Eine gerechte und vernünftige Beurteilung der Dinge muss einen so tödlichen Hass gänzlich unbegründet finden. Wem bot denn der göttliche Erlöser je Anlass zur Klage? Worin hat er sich je vergangen? Dem Drang einer unendlichen Liebe folgend, stieg er zu den Menschen hernieder. Eine Lehre brachte er ihnen, rein und voll erhebenden Trostes, eine Lehre, stark und kräftig genug, aus der Menschheit einen Bund friedlich liebender Brüder zu bilden; er trug kein Verlangen nach irdischer Ehre und Herrlichkeit, nie hat er fremdes Recht verletzt; im Gegenteil, er war erfüllt von Liebe zu den Kranken und Schwachen, zu den Armen und Unterdrückten und zu den Sündern; und so war sein ganzer Lebensweg gleichsam übersät mit Wohltaten, die er mit freigebiger Hand den Menschen spendete. Man muss darum sagen, dass nur das Übermaß. menschlicher Bosheit, die um so beklagenswerter ist, je ungerechter sie sich auswirkt, die Schuld daran trägt, dass er trotz alledem der Weissagung Simeons gemäß in Wahrheit zum Zeichen des Widerspruches geworden ist: "signum cui contradicetur,, (Lk 2,34).

6 Was Wunder also, wenn die Katholische Kirche das gleiche Los mit ihm teilt? Ihre Aufgabe ist es ja, seine göttliche Sendung fortzusetzen und den Schatz seiner Lehre unversehrt zu bewahren. Die Welt bleibt immer dieselbe. Neben den Kindern Gottes befinden sich stets die Knechte des großen Erbfeindes des Menschengeschlechts, der gleich zu Anfang dem Allerhöchsten den Dienst aufkündigte; das Evangelium bezeichnet ihn als den Fürsten dieser Welt; darum erfasst die Welt gegenüber dem Gesetz und seinem Verkündiger, der im Namen Gottes zu ihr kommt, ein wilder Trotz, der Geist einer Unabhängigkeit, auf die sie kein Recht hat. Ja, wie oft schloss sich nicht in stürmischeren Tagen der Feind zusammen und begann mit unerhörter Grausamkeit, mit empörender Ungerechtigkeit zum Unheil der gesamten menschlichen Gesellschaft den törichten Kampf gegen Gottes Werk! Und wenn eine Form der Verfolgung nicht zum Ziele verhalf, versuchte er es mit einer andern. Das römische Reich griff zur rohen Gewalt und missbrauchte sie drei Jahrhunderte lang, so dass schließlich all seine Provinzen im Schmuck der Märtyrer strahlten und hier im heiligen Rom jeder Fußbreit Erde ihr Blut trank. Als Helfershelferin gesellte sich bald versteckt, bald offen die Irrlehre hinzu; durch Trugschlüsse und durch geheime Ränke suchte sie wenigstens die Eintracht und Einheit in der Kirche zu vernichten. Gleich darauf brachen wie ein verheerendes Unwetter von Norden die Horden der Barbaren, von Süden die Scharen des Islam herein, die nichts hinter sich zurückließen als Trümmer und Wüsteneien. So hatte sich der traurige Hass gegen die Braut Christi von einem Jahrhundert auf das andere vererbt, als das Kaisertum in die Geschichte eintrat. Argwöhnisch und gewalttätig, eifersüchtig auf fremde Größe, mochte auch die eigene noch so viel durch sie gewinnen, richtete es einen Angriff nach dem andern gegen die Kirche, suchte es ihre Freiheit zu knebeln, ihre Rechte sich selber anzumaßen. Das Herz blutet, wenn es die Kirche dadurch so oft in Bedrängnis und unsäglichen Leiden sieht. Und dennoch triumphierte sie über alle Hindernisse, über allen Druck roher Gewalt. Weiter und weiter spannte sie ihr friedliches Gezeit; sie wahrte das glorreiche Erbteil der Künste und Wissenschaften, der Geschichte und Literatur. Tief senkte sie in das Innerste der menschlichen Gesellschaft den Geist des Evangeliums und schuf so eben jene Kultur, welche die christlich genannt wird. Sie brachte den Völkern, die sich ihrem wohltätigen Einfluss unterwarfen, gerechte Gesetze und milde Sitten, sicherte den Schwachen Schutz, den Armen und Unglücklichen mitleidige Liebe, lehrte Würde und Recht eines jeden achten und verschaffte dadurch, soweit es in den Stürmen des Menschenlebens möglich ist, der bürgerlichen Gesellschaft jenen Frieden, der erblüht, wenn Freiheit und Recht im besten Einklang stehen.


Der Kampf gegen die Kirche in der Reformationszeit und zur Zeit der Aufklärung

7 Allein trotz dieser offenkundigen Beweise für ihre innere Güte, die im Lauf der Jahrhunderte so klar und eindeutig hervorleuchten, sehen wir auch in späterer Zeit, nicht weniger als im Altertum und im Mittelalter, die Kirche in Kämpfe verwickelt, die in gewisser Hinsicht sogar noch härter und schmerzlicher sind. Infolge einer Reihe allbekannter geschichtlicher Tatsachen erhob die sogenannte Reformation des 16. Jahrhunderts das Banner der Empörung und suchte durch ihren wilden Kampf gegen das Papsttum die Kirche ins Herz zu treffen. Das Band des einen Glaubens und einer einzigen obersten Gewalt hatte bis dahin die Völker sorglich und sicher unter einem einzigen staatlichen Gezeit geeint; die Einmütigkeit im Denken und Wollen hatte oft ihre Kraft verdoppelt, ihr Ansehen und den Ruhm ihres Namens gehoben. Dies Band der alten Einheit wurde gesprengt, und es entstand die traurige und unheilvolle Spaltung der Christenheit. Wir wollen damit nicht sagen, dass man von Anfang an beabsichtigte, den Einfluss der übernatürlichen Wahrheiten ganz aus der Welt zu schaffen. Aber weil man einerseits die Vorrechte des Apostolischen Stuhles verwarf, auf welchem die Einheit beruht, und andererseits den Grundsatz der freien Forschung aufstellte, wurde das von Gott errichtete Gebäude in seinen Grundfesten erschüttert und ungezählten Neuerungen, Zweifeln und Widersprüchen, sogar auf den wichtigsten Gebieten, wurden Tür und Tor geöffnet, so dass die Neuerer selbst ihre Erwartungen noch übertroffen sahen.

8 Auf dem so erschlossenen Weg erschien nun die falsche Philosophie des 18. Jahrhunderts mit ihrem Hochmut und ihrer Spottsucht. Und sie ging noch weiter. Sie verhöhnte die Heilige Schrift und verwarf kurzweg jede göttlich geboffenbarte Wahrheit. Ihr Endziel war es, den Glauben, ja jeden Hauch christlichen Geistes im Herzen der Völker zu ersticken. Dieser Quelle entsprangen die Systeme des Rationalismus und Pantheismus, des Naturalismus und Materialismus mit ihrer verderblichen, zersetzenden Wirkung, übrigens alte in neuem Gewand wiedereingeführte Irrtümer, die von den Vätern und Apologeten der ersten christlichen Zeiten längst siegreich wiederlegt worden waren. Aber die Neuzeit lässt sich durch Ihren Stolz irreleiten, da sie über Gebühr der eigenen Einsicht vertraut, und verkennt, in die Irrtümer des Heidentums zurückfallend, sogar die Vorzüge der menschlichen Seele und ihre ewige Bestimmung.

9 Der Kampf gegen die Kirche nahm so eine noch bedenklichere Form an als in der voraufgegangenen Zeit, sowohl wegen der Heftigkeit als auch wegen der allgemeinen Verbreitung der Angriffe. Denn der Unglaube unserer Tage begnügt sich nicht damit, nur die eine oder andere Glaubenswahrheit zu bezweifeln oder zu leugnen, errichtet vielmehr seine Angriffe gegen die von der Offenbarung geheiligten und von einer gesunden Philosophie gestützten Prinzipien in ihrem ganzen Umfang, jene heiligen und grundlegenden Prinzipien, die den Menschen über das höchste Ziel seines Daseins aufklären, die ihn zur Pflichterfüllung anhalten, die ihm Mut und Ergebung einflößen und dadurch, dass sie ihm volle Gerechtigkeit und vollkommenes Glück jenseits des Grabes versprechen, ihn lehren, die Zeit der Ewigkeit, die Erde dem Himmel unterzuordnen. Und was setzt man an die Stelle dieser Lehre, dieser unvergleichlichen Kraft des Glaubens? Einen erschreckenden Skeptizismus, der die Herzen mit eisiger Kälte erfüllt und jede edle Regung des Gewissens unterdrückt.
Die Auswirkungen der Gottlosigkeit auf sozialem und politischem Gebiet
Der Materialismus als dominierende Haltung

10 Und solche unheilvolle Lehren blieben nicht bloße Lehren; wie Ihr, Ehrwürdige Brüder, seht, drangen sie leider in das öffentliche Leben und in die staatlichen Einrichtungen ein. Große und mächtige Staaten setzen sie fortwährend in das praktische Leben um, in der Meinung, auf diese Weise den allgemeinen Kulturfortschritt zu fördern, und gleich als ob die Träger der öffentlichen Gewalt nicht alle gesunden Grundsätze des sittlichen Lebens annehmen und in sich selbst widerspiegeln müssten, glauben sie sich vielmehr frei von der Pflicht, Gott öffentlich zu verehren; und nur zu oft kommt es vor, dass sie sich einer vollständigen Indifferenz gegen jede Religion rühmen und gerade die allein von Gott eingesetzte Religion mit allen Mitteln bekämpfen.

11 Dieses System eines praktischen Atheismus musste notwendigerweise eine tiefgehende Zerrüttung der sittlichen Ordnung hervorrufen, da ja die Religion das Hauptfundament jeder Gerechtigkeit und Sittlichkeit ist, was schon die großen Weisen des heidnischen Altertums erkannten. Denn wenn einmal die Bande gelöst sind, die den Menschen mit Gott, dem obersten Gesetzgeber und Richter aller Menschen, verbinden, so gibt es nur mehr eine scheinbare, rein diesseitige oder, wie man sagt, unabhängige Moral, die dadurch, dass sie von dem ewigen Gesetze und den göttlichen Geboten absieht, ganz unausbleiblich auf der abschüssigen Bahn zur letzten, unheilvollen Folgerung führt, nach welcher der Mensch sein eigener Gesetzgeber ist. Der Mensch, unfähig, sich auf den Flügeln der christlichen Hoffnung zu übernatürlichen Gütern emporzuschwingen, wird das ganze Maß der Freuden und Bequemlichkeiten des Lebens genießen; es wächst der Durst nach Vergnügungen, die Sucht nach Reichtum, die gierige Hast nach maßlosem Gewinn ohne Rücksicht auf Recht und Billigkeit, es entbrennt der Ehrgeiz und verlangt mit Ungestüm Befriedigung, wenn auch gegen alle Gesetze, und schließlich wird die Verachtung der Gesetze und der öffentlichen Autorität und eine allgemeine Sittenlosigkeit einreißen, die den Niedergang der Kultur nach sich zieht.


Die Zerstörung der Ehe- und Familienmoral

12 Übertreiben Wir vielleicht die traurigen Folgen der beklagenswerten Zerrüttung? Die Wirklichkeit, die wir mit Händen greifen können, bestätigt nur zu sehr unsere Folgerungen, und es ist klar, dass, wenn man nicht rechtzeitig Abhilfe schafft, die Grundfesten des gesellschaftlichen Lebens wanken und die höchsten Prinzipien des Rechtes und die ewigen Gesetze der Moral aus den Angeln gehoben werden. Darunter haben, angefangen mit der Familie, alle Teile des sozialen Körpers schwer zu leiden. Der laizistische Staat streckte ja ohne Rücksicht auf die ihm gezogenen Grenzen oder auf den wesentlichen Zweck seiner Machtbefugnisse seine Hand aus, um dem ehelichen Bund mit dem religiösen Charakter seine Heiligkeit zu nehmen; er erlaubte sich alle möglichen Eingriffe in das natürliche Recht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder, und mancherorts zerriss er das unauflösliche Band der ehelichen Gemeinschaft durch die gesetzliche Sanktionierung der unseligen Ehescheidung. Jeder kann die Folgen sehen; in ganz unglaublicher Weise mehren sich die Ehen, die einzig und allein aus niedrigen Leidenschaften eingegangen und darum auch in kurzer Zeit wieder gelöst werden oder doch unnennbare Trauer im Gefolge haben oder ärgerniserregende Untreue, gar nicht zu sprechen von den unschuldigen Kindern, die vernachlässigt oder durch das schlechte Beispiel der Eltern oder durch das von einem offiziell laizistischen Staat ihnen verabreichte Gift verdorben werden.


Die falsche Konzeption der Volkssouveränität

13 Und mit der Familie zerfällt auch die soziale und politische Ordnung; der Grund dafür liegt vor allem in den neuen Ideen, die den rechten Begriff der Herrschergewalt durch falsche Erklärung ihres Ursprungs verkehren. Denn wenn man annimmt, dass die Regierungsgewalt ihrem Wesen nach im Volkswillen und nicht in Gott, dem letzten und ewigen Grund aller Gewalt, ihren Ursprung hat, dann verliert sie vor den Untertanen ihren erhabensten Charakter und artet aus in ein künstliches Regiment, das sich auf ein so wankendes und unzuverlässiges Fundament stützt, wie es der menschliche Wille ist. Sieht man nicht bereits die Folgen in den Staatsgesetzen? Nur zu oft stellen sie nicht die "geschriebene Vernunft", sondern einzig und allein die numerische Macht und das Übergewicht des Willens einer politischen Partei dar. Ebendeshalb schmeichelt man den ungebundenen Begierden der Massen, lässt den Volksleidenschaften die Zügel schießen, selbst wenn sie die friedliche Bürgerarbeit stören, außer im äußersten Fall, wo man zu gewaltsamen und blutigen Unterdrückungen seine Zuflucht nimmt.


Unordnung in den internationalen Beziehungen

14 Ebenso gewann mit der Zurückweisung des Christentums, das ja die Kraft in sich trägt, die Völker zu verbrüdern und gleichsam zu einer großen Familie zusammenzuschließen, nach und nach im Völkerleben ein System von Egoismus und Eifersucht die Oberhand, aufgrund dessen die Nationen einander, wenn auch nicht ausgesprochen missgünstig, so doch mit den argwöhnischen Augen von Rivalen betrachten. Daher sind sie auch leicht versucht, den hohen Begriff der Sittlichkeit und Gerechtigkeit und den Schutz der Schwachen und Unterdrückten bei ihren Unternehmungen außer Acht zu lassen; im Verlangen, den nationalen Reichtum ins Ungemessene zu steigern, kennen sie nur Opportunitäts- und Nützlichkeitsrücksichten und die Politik der vollendeten Tatsachen, in der Überzeugung, von keinem zur Achtung des Rechts gemahnt zu werden. Unheilvolle Anschauungen, die die physische Gewalt zum obersten Gesetz in der Welt machen; daher die zunehmende und maßlose Vermehrung der Kriegsrüstungen oder jener bewaffnete Friede, dessen verderbliche Wirkungen in vieler Hinsicht den schlimmsten Folgen des Krieges gleichkommen.


Klassenkampf

15 Und diese beklagte sittliche Zerrüttung wurde der Same, aus dem die Unruhe im Volke, die Unzufriedenheit und der Geist der Widersetzlichkeit erwuchsen; daher so viele Aufstände und Ungesetzlichkeiten, die die Vorboten schlimmerer Stürme sind. Die elende Lage eines so großen Teiles des niederen Volkes, das sicherlich Anspruch auf Befreiung und Erleichterung hat, dient nur allzu gut den Absichten geschickter Agitatoren, vor allem aus dem sozialistischen Lager, die dem Volke törichte Versprechungen machen, um ihre finsteren Pläne durchzusetzen.
Anarchie

16 Eine Bewegung auf abschüssiger Bahn geht unaufhaltsam bis zum tiefsten Punkt, und so sehen wir auch hier, dass die Logik die Prinzipien rächte, indem sich tatsächlich eine Gesellschaft von Verbrechern mit so rohen Instinkten zusammenschloss, die von ihrem ersten Auftreten an überall das größte Entsetzen wachrief. Dank ihrer festen, internationalen Organisation vermag sie überall ungehindert die ruchlose Hand zu erheben und schrickt selbst vor der äußersten Gewalttat nicht zurück. Ihre Anhänger zerreißen jegliche Bande, die sie mit der Gesellschaft, dem Gesetz, der Religion und der Moral verbanden; sie nennen sich Anarchisten und betreiben mit allen Mitteln, die eine blinde, wilde Leidenschaft eingeben kann, den Umsturz der gesellschaftlichen Ordnung, und weil diese Ordnung Einheit und Leben von der Autorität erhält, sind ihre Anschläge vorzüglich gegen diese gerichtet. Wer erinnert sich nicht mit Schaudern und Entrüstung jener mörderischen Angriffe, denen im Verlaufe weniger Jahre Kaiser, Kaiserinnen, Könige und Präsidenten mächtiger Republiken zum Opfer gefallen sind, einzig deswegen, weil sie die höchste Autorität vertraten?


DIE VERMEINTLICHEN, FRAGWÜRDIGEN HEILMITTEL GEGEN DIE UNORDNUNG

Die ungezügelte Freiheit

17 Angesichts solcher Tatsachen und Gefahren ist es unsere Pflicht, alle, die guten Willens sind, besonders jene, die eine führende Stellung einnehmen, von neuem zu ermahnen und zu beschwören, auf geeignete Gegenmaßnahmen zu sinnen und sie mit kluger Energie ins Werk zu setzen. Dabei handelt es sich vor allem darum, sie zu erkennen und ihren Wert zu prüfen. Wir hörten schon die Segnungen der Freiheit bis zum Himmel erheben und sie als das unvergleichliche Heilmittel anpreisen, das vor allem anderen Frieden und Wohlfahrt bringen solle. Aber die Tatsachen haben ihre Unzulänglichkeit an den Tag gebracht. Wirtschaftliche Konflikte, Klassenkämpfe sind überall entbrannt, und von einem ruhigen bürgerlichen Leben gewahrt man noch nicht einmal die Anfange. Alle können bezeugen, dass die Freiheit, wie man sie heute versteht, die der Wahrheit und dem Irrtum, der guten und schlechten Sache in gleicher Weise dient, nichts erreicht, als dass alles Edle, Heilige, Hochherzige niedergetreten wird, dagegen dem Verbrechen, dem Selbstmord und der Entfesselung der niedrigsten Leidenschaften die Bahn freigegeben wird.


Die rein zivilisatorische Bildung

18 Man hat auch behauptet, die Verbesserung des Unterrichts, die die große Menge gebildet und aufgeklärt mache, würde sie in genügender Weise vor ungesunden Bestrebungen bewahren und innerhalb der Schranken der Ehrbarkeit und Rechtlichkeit halten. Wenn nur nicht die raue Wirklichkeit uns jeden Tag mit Händen greifen ließe, wohin eine Bildung führt, der eine solide religiöse und sittliche Erziehung fehlt. Der jugendliche Sinn, unerfahren und von den Leidenschaften verwirrt, lässt sich durch die falschen Grundsätze blenden, die eine zügellose Tagespresse ungescheut mit vollen Händen aussät, die Verstand und Willen verderben und jenen Geist des Hochmuts und der Unbotmäßigkeit nähren, der so oft den häuslichen und öffentlichen Frieden stört.


Der wissenschaftliche und technische Fortschritt

19 Große Hoffnungen setzte man auch in den wissenschaftlichen Fortschritt; und das letzte Jahrhundert hat hierin sicherlich Unerwartetes und Wunderbares aufzuweisen. Aber haben sie auch jene reichen Früchte gebracht, jene von so vielen ersehnte und gehoffte Erneuerung? Wohl hat die Wissenschaft in ihrem Flug dem Menschengeist neue Welten erschlossen, seine Herrschaft über die Natur erweitert, und in hundertfacher Weise hat man diese Errungenschaften im Leben verwertet. Dennoch empfinden es alle, und viele sprechen es offen aus, dass die Erfolge hinter den Erwartungen weit zurückgeblieben sind. Man kann nicht anders urteilen, wenn man die geistigen und sittlichen Zustände betrachtet, die Statistik der Verbrechen, die dumpfe Gährung in den untersten Schichten der Bevölkerung, die Herrschaft der rohen Gewalt über das Recht. Abgesehen von dem Elend des Volkes, genügt auch schon ein nur flüchtiger Blick, um die unsagbare Traurigkeit zu gewahren, die auf den Gemütern lastet, und die tiefe Leere in den Herzen. Der Mensch hat sich die Materie dienstbar gemacht, aber sie konnte ihm nicht geben, was sie selbst nicht besaß; und die großen Fragen, die seine höchsten Interessen betreffen, hat die menschliche Wissenschaft nicht gelöst; das Verlangen nach dem Wahren, dem Guten, dem Unendlichen bleibt ungestillt; die vermehrten Reichtümer und Freuden der Erde und die erhöhten Bequemlichkeiten des Lebens haben die Unruhe des Herzens keineswegs gemindert.

20 Sollen also die Errungenschaften der Kultur, der Wissenschaft, der Zivilisation, einer gemäßigten und vernünftigen Freiheit missachtet oder ignoriert werden? Ganz gewiss nicht: Wir müssen sie im Gegenteil wahren und fördern und hochhalten als ein wertvolles Kapital; denn es sind ebenso viele von Natur aus gute Mittel, die Gott selbst gewollt und auf das Wohl der Menschheitsfamilie hingeordnet hat. Sie müssen aber den Absichten des Schöpfers gemäß gebraucht und dürfen nicht von dem religiösen Element losgetrennt werden, denn in ihm ruht die Kraft, die ihnen ihren Wert verleiht und sie wahrhaft fruchtbar macht. Hier liegt das Geheimnis des Problems. Jede Schwächung und Zerrüttung eines Organismus hat ihren Grund im Aufhören des Einflusses jener Ursachen, die ihm Form und Bestand geben, und um ihm wieder frisches, gesundes Leben einzuflößen, müssen ohne Zweifel jene belebenden Kräfte in ihm wider wirksam gemacht werden. In dem sinnlosen Versuch, sich von Gott loszureißen, hat die bürgerliche Gesellschaft das übernatürliche und die göttliche Offenbarung verworfen und sich so der lebensspendenden Kraft des Christentums entzogen und damit der sichersten Garantie für die Ordnung, dem mächtigsten Band der Verbrüderung, der unversiegelten Quelle jeglicher Tugend für den Einzelnen wie für die Gesellschaft: auf diesen törichten Abfall geht die Zerrüttung des praktischen Lebens zurück. In den Schoß des Christentums also muss die in die Irre gegangene Gesellschaft zurückkehren, wenn ihr an Ruhe und Wohlfahrt etwas gelegen ist.


DAS EINZIG WIRKSAME HEILMITTEL
Heimkehr ins Christentum

21 Wie das Christentum in keine Seele Einkehr hält, ohne sie zu vervollkommnen, so tritt es auch in das öffentliche Leben eines Staates nicht ein, ohne die Ordnung neu zu kräftigen; mit der Idee einer weisen Vorsehung, eines unendlich guten und gerechten Gottes, pflanzt es das Pflichtgefühl in das Gewissen, versüßt es die Leiden, besänftigt es feindselige Gefühle, verleiht es Heldenmut. Wenn es die heidnischen Völker umzuwandeln vermochte - und eine solche Umwandlung bedeutete eine wahre Erweckung von Tode zum Leben - dergestalt, dass die Barbarei in dem Maße zurückwich, als das Christentum vordrang, so wird es in gleicher Weise auch heute nach den schrecklichen Erschütterungen durch den Unglauben die Völker und Staaten wieder in die Bahn der Ordnung zurückführen können.


Heimkehr ins Christentum bedeutet Heimkehr in die Kirche

22 Aber noch ist nicht alles gesagt. Die Rückkehr zum Christentum wird kein wahres und vollkommenes Heilmittel sein, wenn sie nicht Rückkehr und Liebe bedeutet zu der einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche. Denn das Christentum ist verwirklicht und verkörpert in der katholischen Kirche, einer in höchstem Maße geistlichen und vollkommenen Gesellschaft, die der mystische Leib Christi und deren sichtbares Oberhaupt der Papst ist, der Nachfolger des Apostelfürsten. Sie setzt als die Tochter und Erbin des Erlösungswerkes die Sendung des Erlösers fort; sie verbreitete das Evangelium über die Erde und verteidigt es mit ihrem Blute, und im Vertrauen auf die ihr verheißene göttliche Hilfe und immerwährende Dauer erfüllt sie, ohne jemals mit dem Irrtum zu paktieren, den ihr gewordenen Auftrag, die Lehre Christi unverfälscht bis zum letzten der Jahrhunderte zu bewahren. Als die berufene Lehrerin der Sittenlehre des Evangeliums wird sie nicht nur zur Trösterin und Retterin der Seelen, sondern auch zu einer unversiegbaren Quelle für Gerechtigkeit und Liebe und zur Vorkämpferin und Hüterin der wahren Freiheit und der einzig möglichen Gleichheit. Indem sie die Lehre ihres göttlichen Stifters zur Anwendung bringt, hält sie bei allen Rechten und Vorrechten innerhalb der Gesellschaft in abgewogener Unparteilichkeit die rechten Grenzen aufrecht. Die Gleichheit, die sie verkündet, lässt die offenbar von der Natur geforderten sozialen Unterschiede unangetastet; um die Anarchie, die der vom Glauben emanzipierten und sich selbst überlassenen Vernunft folgt, zu verhindern, sorgt sie dafür, dass die Freiheit, die sie bringt, die Rechte der Wahrheit nicht verletze, die höher stehen als die Freiheit, ebenso nicht die Rechte der Gerechtigkeit, die höher stehen als die der Majorität und der Gewalt, und nicht die Rechte Gottes, die höher stehen als Menschenrechte.


Segensreiches Wirken der Kirche für die Gesellschaft

23 Nicht minder zahlreich sind ihre segensreichen Wirkungen im Familienleben. Denn nicht nur steht sie fest gegen alle Listen, mit denen die Zügellosigkeit der Ungläubigen dasselbe bedroht, sie begründet und behütet auch den Ehebund und seine Unauflöslichkeit, schützt und fördert in ihm Ehrbarkeit, Treue und Heiligkeit. In gleicher Weise gibt sie der bürgerlichen und staatlichen Ordnung Stütze und festen Halt; denn einerseits hebt sie wirksam die Autorität und andererseits steht sie doch vernünftigen und berechtigten Reformbestrebungen der Untertanen wohlwollend gegenüber; sie macht Ehrfurcht und Gehorsam gegen die Obrigkeit zur Pflicht und verteidigt stets und überall die unveräußerlichen Rechte des Gewissens. So wird der Gehorsam gegen die Kirche die Völker gleich weit fernhalten von der Knechtschaft und vom Despotismus.

24 Gerade im Hinblick auf diese göttliche Kraft war es seit Beginn Unseres Pontifikats Unser eifriges Bemühen, die heilbringenden Bestrebungen der Kirche in das rechte Licht zu stellen und mit dem Schatz ihrer Lehre auch ihre segensreiche Wirksamkeit möglichst weit auszubreiten. Diesem Zweck galten die hauptsächlichen Erlasse in Unserem Pontifikat, besonders die Enzykliken über die christliche Philosophie, die menschliche Freiheit, die christliche Ehe, die Freimaurerei, die öffentlichen Gewalten, die christliche Staatsordnung, den Sozialismus, die Arbeiterfrage, die Hauptpflichten der christlichen Bürger und über verwandte Gegenstände. Jedoch beabsichtigten Wir nicht nur, dem Verstande Licht und Aufklärung zu bringen, sondern Unser heißester Wunsch ging dahin, die Herzen zu bewegen und zu läutern und durch Unser Bemühen die christlichen Tugenden unter den Völkern aufblühen zu sehen. Wir hörten daher nicht auf, zu mahnen und zu raten, um den Sinn der Gläubigen auf die unvergänglichen Güter hinzulenken und sie so die Hinordnung des Materiellen auf das Geistige, des Menschen auf Gott, der irdischen Pilgerfahrt auf das ewige Leben zu lehren.. Gesegnet von dem Herrn, konnte Unser Wort dazu beitragen, viele Menschen in ihren Überzeugungen zu stärken, sie besser aufzuklären in den schwierigen Fragen der Gegenwart, ihren Eifer anzuspornen und die verschiedenartigsten Werke zu fördern, die in allen Ländern entstanden und noch entstehen, besonders zum Wohl der enterbten Klassen, indem es jene christliche Liebe wieder wachrief, die ihr bevorzugtes Wirkungsfeld inmitten des Volkes findet. Wenn die Ernte, Ehrwürdige Brüder, nicht reichlicher war, so wollen wir Gott in den Geheimnissen seiner Gerechtigkeit anbeten und ihn zugleich anflehen, sich der Blindheit so zahlloser Menschen zu erbarmen, auf welche leider die bange Klage des Apostels ihre Anwendung findet: "Deus huius saeculi excaecavit mentes infidelium, ut non fulgeat illis illuminatio evangelii gloriae Christi,,(2 Kor 4,4) - "Der Gott dieser Welt hat die Herzen der Ungläubigen verblendet, dass ihnen die Erleuchtung des Evangeliums der Herrlichkeit Christi nicht strahle."


DIE VORWÜRFE DER ATHEISTEN GEGEN DIE KIRCHE

25 In dem Maße aber, wie die Katholische Kirche ihren Eifer für das sittliche und materielle Wohl der Völker entfaltet, erheben sich leider voll Neid die Söhne der Finsternis gegen sie und lassen keine Mittel unversucht, um den Glanz ihrer göttlichen Schönheit zu verdunkeln und ihre belebende und erlösende Tätigkeit zu hemmen. Wie viele Trugschlüsse bringen sie vor, wie viele Verleumdungen! Und einer ihrer heimtückischsten Kunstgriffe ist es, die Kirche vor unerfahrenen Massen und argwöhnischen Regierungen so darzustellen, als sei sie eine Gegnerin des wissenschaftlichen Fortschritts, eine Feindin der Freiheit, als maße sie sich die Rechte des Staates an und erlaube sich Eingriffe in das Gebiet der Politik. Törichte Anklagen, tausendmal wiederholt und tausendmal widerlegt von der Vernunft, von der Geschichte und durch das übereinstimmende Zeugnis aller rechtschaffenen Menschen und aller Freunde der Wahrheit!


Die Kirche, Feindin der Wissenschaft und der Kultur?

26 Die Kirche Feindin der Wissenschaft und der Kultur? Gewiss, sie ist eine wachsame Hüterin des geoffenbarten Glaubensgutes; aber diese Wachsamkeit macht sie nur zu einer hochverdienten Gönnerin der Wissenschaft und zur Pflegerin jeder wahren Kultur. Nein, dadurch dass der Geist sich den Offenbarungen des göttlichen Wortes erschließt, das die höchste Wahrheit und der Urgrund aller Wahrheit ist, wird nie und in keiner Weise die Vernunfterkenntnis beeinträchtigt; vielmehr werden die Strahlen aus der göttlichen Welt dem menschlichen Verstand noch mehr Kraft und Klarheit geben, indem sie ihn in den wichtigeren Fragen vor quälender Unsicherheit und vor Irrtum bewahren. Neunzehn Jahrhunderte des Ruhmes übrigens, den der Katholizismus sich in allen Zweigen des Wissens erwarb, genügen vollauf, um diese unwahre Behauptung zu zerstören. Der katholischen Kirche muss man in der Tat das Verdienst zuschreiben, die christliche Weisheit, ohne welche die Welt noch heute in der Finsternis des heidnischen Aberglaubens und in niedriger Barbarei läge, verbreitet und verteidigt zu haben, die kostbaren Schätze der Literatur und der Wissenschaft des Altertums erhalten und der Nachwelt überliefert, die ersten Volksschulen eröffnet und Universitäten geschaffen zu haben, die noch in unseren Tagen in ihrem alten Ruhm bestehen, endlich, den berühmtesten Künstlern ihre Hand dargeboten und sie in ihren Schutz genommen und der Literatur die höchsten, reinsten und rühmlichsten Ideen eingegeben zu haben.


Die Kirche, Feindin der Freiheit?

27 Die Kirche, Feindin der Freiheit? Wie verdreht man doch einen Begriff, der eines der kostbarsten Geschenke Gottes in sich schließt und nun dazu dienen muss, um Missbräuche und Zügellosigkeit zu rechtfertigen! Wenn man unter Freiheit Gesetzlosigkeit versteht und ungebundene Willkür, so wird die Kirche sie gewiss verurteilen, aber auch jeder rechtlich denkende Mensch; aber wenn man unter Freiheit das vernunftgemäße Recht versteht, überall ungehindert nach den Normen des ewigen Gesetzes das Gute zu wirken, worin ja gerade die Freiheit bestehen muss, wenn sie der Menschen würdig sein und der Gesellschaft nützen soll -, so begünstigt, fördert und schirmt sie niemand mehr als die Kirche. Sie war es ja, die durch ihre Lehre und ihr Wirken die Menschheit von dem Druck der Sklaverei befreite, indem sie das große Gesetz der Gleichheit und Brüderlichkeit unter den Menschen verkündete; sie trat zu allen Zeiten als Schirmerin der Schwachen und Unterdrückten gegen die Übergriffe der Mächtigen auf; sie bezahlte die Freiheit des christlichen Gewissens mit dem teuren Preis des Märtyrerblutes; sie gab dem Kinde und der Frau die naturgemäße Würde zurück, gesellschaftliche Gleichberechtigung und Achtung; sie hat mitgeholfen, die bürgerliche und staatliche Freiheit der Völker zu schaffen und aufrecht zu erhalten.


Die Kirche, Feindin des Staates?

28 Die Kirche maßt sich die Rechte des Staates an und erlaubt sich Eingriffe in das Gebiet der Politik? Aber die Kirche weiß und lehrt, dass ihr göttlicher Stifter befahl, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott zu geben, was Gottes ist, und so die unabänderliche und ewige Scheidung der zwei Gewalten festsetzte, deren jede innerhalb ihres eigenen Gebietes vollkommen unabhängig ist; eine glückliche Scheidung, die so viel zur Entfaltung der christlichen Kultur beigetragen hat. Ihrem Geist der Liebe liegt jede feindselige Absicht fern; sie will nur dem Staate zur Seite stehen, um ihre Tätigkeit zwar demselben Objekt, dem Menschen und der Gesellschaft, zuzuwenden, aber in der Weise und mit dem hohen Ziel, wie es ihrer göttlichen Sendung entspricht. Wo man ihr Werk ohne Argwohn aufnähme, würde sie nur die Erreichung der unzähligen oben genannten Vorteile erleichtern. Die Kirche selbstsüchtiger Zwecke zu verdächtigen, ist nichts anderes als eine alte Verleumdung, deren sich ihre mächtigen Feinde als Vorwand bedienten, um ihre Verfolgungen zu beschönigen; und die Geschichte, vorurteilsfrei betrachtet, bezeugt es vollauf, dass die Kirche, statt jemals den Versuch zu Gewalttaten zu machen, vielmehr selbst, nach dem Bild ihres göttlichen Stifters, oft das Opfer von Gewalttaten und Ungerechtigkeiten geworden ist, und dies gerade deshalb, weil ihre Stärke in der Macht des Gedankens und der Wahrheit, nicht der Waffen liegt.


DIE FREIMAUREREI ALS HERD DER ANTIKIRCHLICHEN MACHENSCHAFTEN

29 Solche und ähnliche Beschuldigungen entspringen also aus reiner Böswilligkeit. Und bei diesem unredlichen und verderblichen Werk geht allen anderen eine im Dunkeln arbeitende Vereinigung voran, die sich in der Gesellschaft seit langen Jahren wie eine tödliche Krankheit festgesetzt hat und ihre Gesundheit und Lebenskraft zerstört. Als beständige Verkörperung der Revolution ist sie das Zerrbild einer Gesellschaft, deren Zweck es ist, die zu Recht bestehende Gesellschaft im geheimen zu regieren, und ihr ganzer Daseinszweck besteht im Krieg gegen Gott und seine Kirche. Es wäre nicht einmal nötig, sie beim Namen zu nennen; denn alle denken bei dieser Schilderung sofort an die Freimaurerei, von der Wir ausdrücklich in Unserer Enzyklika Humanum genus vom 20. April 1884 gesprochen haben; Wir haben darin ihre schädlichen Tendenzen, ihre falschen Lehren, ihr verhängnisvolles Wirken aufgedeckt. Diese Vereinigung die mit ihrem Riesennetz fast alle Nationen umspannt und sich mit anderen Geheimbünden vereint, die sie dann an verborgenen Fäden leitet, hat es dadurch, dass sie ihre Anhänger mit Vorteilen, die sie ihnen verschafft, anlockt und die Dirigenten bald durch Versprechungen, bald durch Drohungen nach ihren Absichten lenkt, dahin gebracht, dass sie in alle Gesellschaftsklassen eingedrungen ist und sozusagen einen unsichtbaren Staat ohne Verantwortungen im gesetzlichen Staat bildet. Beseelt vom Geiste des Satans, der sich, wie der Apostel sagt, bei Gelegenheit in einen Engel des Lichts (2 Kor 11, 14) zu verwandeln weiß, rühmt er sich seiner Humanitätsbestrebungen, beutet aber alles für den Zweck des Geheimbundes aus, und während er behauptet, keine politischen Ziele im Auge zu haben, entfaltet er eine weitgreifende Tätigkeit in der Gesetzgebung und Verwaltung des Staates; während er äußerlich die bestehende Obrigkeit und selbst die Religion respektiert, strebt er als höchstes Ziel (und seine eigenen Statuten bestätigen dies) die Vernichtung von Staat und Kirche an, die ihm als Feinde der Freiheit gelten.

30 Es stellt sich immer klarer heraus, dass dem Einfluss und der Mitwirkung dieses Verbandes die ständigen Schikanen gegen die Kirche sowie auch die zunehmende Schärfe der letzten Angriffe zum großen Teil zugeschrieben werden müssen. Und in der Tat, die Gleichzeitigkeit der Verfolgung, die kürzlich wie ein Gewitter bei heiterem Himmel losbrach, ohne Ursachen, die der Wirkung angemessen gewesen wären; die gleiche Art der Vorbereitung durch die Tagespresse, öffentliche Versammlungen und Theatervorstellungen; der überall erfolgte Einsatz derselben Waffen der Verleumdung und der Volksaufhetzung - dies alles weist auf einen einheitlichen Plan und die Herkunft der Losung von ein und derselben Zentralleitung hin. Eine Erscheinung übrigens, die mit jenem längst zuvor gefassten Plan in Verbindung steht, der in großem Umfange in die Tat umgesetzt zu werden beginnt, um die von Uns schon aufgezählten Schäden zu vervielfältigen, vor allem um den religiösen Unterricht zurückzudrängen bis zur vollständigen Abschaffung und so eine indifferente und ungläubige Generation heranzubilden, um mittels der Presse die Sittenlehre der Kirche anzugreifen, ihre frommen Gebräuche verächtlich zu machen und ihre Feste zu entheiligen.

31 Es versteht sich von selbst, dass das katholische Priestertum, das berufen ist, die Religion zu verbreiten und ihre Geheimnisse zu verwalten, mit größter Erbitterung angegriffen wird, um seine Autorität und sein Ansehen beim Volk herabzusetzen. Ja, die Herausforderungen nehmen täglich zu: man missdeutet seine Handlungen, verdächtigt und beschuldigt es in gemeinster Weise; und dies alles wächst im Verhältnis zur Straflosigkeit, die man erwarten kann. So treten neue Übel zu jenen hinzu, die der Klerus schon seit einiger Zeit erduldet infolge der Wehrpflicht, die ihn der angemessenen religiösen Vorbildung entzieht, und infolge der Enteignung der Kirchengüter, die der fromme Edelmut der Gläubigen gestiftet hatte.

32 Und die Orden und religiösen Genossenschaften, die in der Befolgung der evangelischen Räte nicht weniger den Ruhm der Religion als der Gesellschaft ausmachen, sind, gerade als hätten sie dadurch in den Augen der Feinde der Kirche eine neue Schuld auf sich geladen, der Gegenstand des Hasses und der Verachtung geworden. Und mit Schmerz müssen Wir daran erinnern, wie sie auch neuerdings von unverdienten gehässigen Maßnahmen betroffen wurden, die jeder rechtlich Denkende im höchsten Grad verurteilen muss. Nichts vermochte sie davor zu schützen: nicht ihr unbescholtenes Leben, gegen das nicht einmal der Feind ernste und begründete Anschuldigungen vorbringen konnte; nicht das Naturrecht, das die Bildung von Vereinigungen zu einem guten Zwecke erlaubt, nicht das Staatsgesetz, das sie sanktioniert hat; noch auch die Dankbarkeit des Volkes für die wertvollen Dienste, die ihm die Orden geleistet haben in Wissenschaft und Kunst, durch Urbarmachung und Bewirtschaftung des Bodens und durch die ausgedehnte karitative Tätigkeit für die große Masse der Armen. Männer und Frauen, aus dem Volke hervorgegangen, die freiwillig auf die Freuden der Familie verzichtet haben, um in friedlichem Zusammenwirken ihre Jugend, ihr Talent, ihr ganzes Tun und Leben dem Wohle des Nächsten zu weihen, werden geächtet wie eine Rotte von Übeltätern, und dies angesichts der stetig erweiterten Freiheitsrechte.

33 Doch es ist kein Wunder, dass die liebsten Kinder so schwer heimgesucht werden, wenn der Vater selber, das Haupt der katholischen Kirche, der Papst in Rom, keine bessere Behandlung findet! Die Tatsachen sind genau bekannt. Mit der weltlichen Herrschaft hat man ihm jene Unabhängigkeit geraubt, deren er für seine weltweite göttliche Sendung bedarf. Man hat ihn genötigt, sich in seiner eigenen Stadt Rom im eigenen Hause einzuschließen. Der Druck einer feindlichen Macht, die durch nichtssagende Zusicherungen und zweifelhafte Versprechungen für sein Ansehen und seine Freiheit bürgen wollte, hat ihn in eine unnatürliche Lage gedrängt, die ungerecht und seines erhabenen Amtes unwürdig ist. Wir wissen nur zu gut, welche Hindernisse man dem Papst in den Weg legt, wie oft man seine Absichten missdeutet und seine Würde verletzt. So wird es immer klarer, dass es im Plane lag, durch den Raub der weltlichen Herrschaft allmählich die geistliche Gewalt des Oberhauptes der Kirche zu untergraben, was übrigens seine wahren Urheber schon unzweideutig zugegeben haben. Allein das Unterfangen ist im Hinblick auf seine Folgen nicht nur politisch unklug, sondern auch für die gesellschaftliche Ordnung gefährlich. Denn die Streiche, die man gegen den Glauben führt, treffen zugleich in das Herz der Gesellschaft. Gott, der dem Menschen eine wesenhaft soziale Natur gab, hat in seiner Vorsehung die Kirche gegründet und sie auf den Berg Sion gestellt, wie die Heilige Schrift sich ausdrückt, auf dass sie als Leuchte diene und auf dass der befruchtende Strahl ihres Lichtes in den mannigfachsten Gestaltungen der menschlichen Gesellschaft das Leben zur Entfaltung bringe, in dem sie sie Grundsätze himmlischer Weisheit lehrt, durch deren Befolgung sie ihre Verhältnisse aufs beste ordnen kann. Eine Gesellschaft also, die sich dem Einfluss der Kirche entzieht, auf den ihr Bestand zu einem beträchtlichen Teil gegründet ist, muss immer tiefer sinken oder in Trümmer zerfallen, da sie trennt, was Gott verbunden wissen wollte.


DIE UNERSCHÜTTERLICHE VITALITÄT DER KIRCHE

34 Wir sind nie müde geworden, bei jeder Gelegenheit diese Wahrheiten nachdrücklich zu betonen, und wollten es jetzt bei diesem außerordentlichen Anlasse ausdrücklich wieder tun. Gebe Gott, dass die Gläubigen daraus die nötige Tatkraft und Einsicht schöpfen, ihr Tun wirkungsvoller auf das allgemeine Wohl hin zu koordinieren; und mögen auch die Gegner daraus die Erkenntnis schöpfen, dass sie sich einer Ungerechtigkeit schuldig machen, wenn sie die Kirche verfolgen, die liebevolle Mutter und treue Wohltäterin der Menschheit.

35 Wir möchten jedoch nicht, dass das traurige Bild ihrer augenblicklichen Lage die Gläubigen im festen Vertrauen auf Gottes Beistand wankend mache. Er wird schließlich den Sieg verleihen, wann und wie er will. Tiefbetrübt sind Wir bis ins innerste Herz hinein, aber frei von Angst um den Bestand der Kirche, die unsterblich ist. Die Verfolgung ist, wie Wir schon zu Anfang sagten, ihr Erbteil; denn Gott weiß durch sie höhere, kostbarere Zwecke zu erreichen in der Prüfung und Läuterung seiner Kinder. Aber obgleich er solche Anfeindungen und Widerstände zulässt, offenbart er dabei doch zugleich seinen göttlichen Beistand, der durch neue, ungeahnte Mittel Bestand und Wachstum des Werkes sichert, so dass die Mächte, welche sich zum Untergang seiner Kirche verschworen haben, nicht obsiegen. Die neunzehn Jahrhunderte ihres Bestehens inmitten der unaufhörlich wechselnden Ebbe und Flut menschlichen Geschicks lehren, dass die Stürme, ohne ihre Grundfesten zu erschüttern, vorübergehen.

36 Und mit Recht schöpfen wir Mut; denn auch in der Gegenwart fehlt es nicht an hoffnungsvollen Anzeichen, die unsere Zuversicht nicht wanken lassen. Die Schwierigkeiten sind ungewöhnlich groß und beängstigend, das ist wahr, aber es spielen sich doch auch Vorgänge unter unseren Augen ab, die von einer wunderbaren Erbarmung und Weisheit zeugen, mit der Gott seine Versprechungen erfüllt. Ja, während so viele Mächte sich gegen die Kirche verbünden und menschliche Hilfe ihr fast gänzlich fehlt, steht sie noch immer groß da in der Welt und breitet sie ihr Reich aus unter den Völkern aller Himmelsstriche. Nein, der Fürst dieser Welt kann seine Herrschaft von ehedem nicht wiedererobern, seit Christus sie ihm abgerungen hat; die Angriffe Satans können zwar viel Unheil verursachen, sie werden aber ihr Ziel nicht erreichen. Schon jetzt ist unter dem Beistand des Heiligen Geistes, dessen lebendiger Hauch die Kirche durchweht, ein himmlischer Friede nicht nur im einzelnen in die Herzen der Guten, sondern in die ganze katholische Welt eingezogen; ein Friede, der sich ungetrübt entfaltet aus der Einigkeit der Bischöfe mit dem Apostolischen Stuhl, einer Einigkeit, die enger und inniger ist als je zuvor und einen wunderbaren Gegensatz bildet zu der Agitation, der Zwietracht und der Hektik der Geheimbünde, die sich stetig ausbreiten und den Frieden der Gesellschaft stören! Dieselbe harmonische Einheit verbindet die Bischöfe mit ihrem Klerus und diesen wiederum mit der katholischen Laienwelt und ist eine treibende Kraft zu den verschiedensten Werken eifervoller Liebe. Fester und frei von menschlichen Rücksichten schließen sich die katholischen Laien zu einmütigem Handeln zusammen und raffen sich in hochherzigem Wetteifer auf zur Verteidigung der heiligen Sache des Glaubens. Ja, das ist die Einigkeit, die Wir schon früher so sehr betonten und jetzt von neuem einschärfen und die Wir segnen, auf dass sie immer mehr erstarke und wie eine uneinnehmbare Mauer dem Ansturm der Feinde Gottes trotze.

37 So ist es auch nicht verwunderlich, dass auch in unseren Tagen so viele religiöse Vereinigungen in der Kirche gleich Schösslingen am Fuß des Baumes hervorsprossen, wiedererstarken und sich wieder aufs neue zusammenschließen. Keine Form christlicher Frömmigkeit, die in ihnen nicht ihre Pflege findet, mag sie sich auf den Erlöser und seine anbetungswürdigen Geheimnisse beziehen, auf seine mächtigste Mutter oder auf einen Heiligen, der in besonderem Tugendglanze strahlt. Und gleichzeitig wird keine Form christlicher Nächstenliebe vergessen; mit allen Mitteln arbeiten sie überall an der religiösen Erziehung der Jugend, in der Krankenpflege, an der Hebung der öffentlichen Sittlichkeit und für die Unterstützung der besitzlosen Klassen. Und wie rasch würde sich diese Bewegung mit noch ganz anderen Erfolgen ausbreiten, wenn nur nicht so häufig ungerechte und feindselige Maßnahmen ihr Hindernisse in den Weg legten.

38 Und der Herr, der die Kirche so lebenskräftig erhält in den zivilisierten Ländern, in denen sie schon seit langem besteht, gibt uns auch durch neue Hoffnungen Trost dank dem Eifer seiner Missionare; die bestandenen Gefahren, die Entbehrungen und Opfer jeder Art haben sie nicht entmutigt, ihre Zahl ist vielmehr noch gewachsen, und so gehen sie hin, gewinnen ganze Landstriche dem Evangelium und der Gesittung und bewahren dabei eine bewundernswerte Ausdauer, obwohl ihnen mit Herabsetzung und Verleumdung vergolten wird, wie einst ihrem göttlichen Meister.

39 Unsere Betrübnis ist also durch viel Tröstliches gemildert, inmitten der Beschwernisse des Kampfes finden Wir vieles, das uns Stärke und Hoffnung gibt. Diese Tatsache sollte jeden einsichtigen Beobachter, den nicht die Leidenschaften verblendet haben, nachdenklich machen und ihn erkennen lassen, dass Gott, der den Menschen hinsichtlich des letzten Zieles seines ganzen Lebens nicht sich selber überließ und deshalb zu ihm gesprochen hat, auch jetzt in seiner Kirche spricht, die so sichtbar von göttlichem Beistand unterstützt wird, dass Gott selbst es offenkundig macht, auf welcher Seite Wahrheit und Heil zu finden ist. Jedenfalls wird dieser fortwährende Beistand dazu dienen, unseren Herzen die feste Hoffnung einzupflanzen, dass in dem Augenblicke, den die göttliche Vorsehung bestimmt hat, die Wahrheit die Nebel, mit denen man sie verhüllen will, zerreißen und in nicht ferner Zukunft heller erstrahlen wird und dass der Geist des Evangeliums die müden und kranken Glieder dieser zerrütteten Gesellschaft wieder beleben wird.


AUFMUNTERUNG ZUM KAMPF UND GEBET GEGEN DEN ATHEISMUS

40 So viel an Uns liegt, Ehrwürdige Brüder, bemühen Wir Uns, den Tag der Erbarmungen Gottes zu beschleunigen und bereitwillig mitzuwirken, wie es Unsere Pflicht ist, bei der Verteidigung und Ausbreitung seines Reiches auf Erden. Bei Euch bedarf es der Aufmunterung nicht; Eure Hirtensorge ist Uns bekannt. Möge die Flamme, die in Euren Herzen brennt, immer mehr auch alle Diener des Herrn entzünden, die an Eurer Arbeit teilnehmen. Sie stehen in unmittelbarer Berührung mit dem Volk und kennen genau seine Wünsche, seine Bedürfnisse, seine Leiden wie auch die Listen und Verführungskünste, mit denen man es umgarnt. Und wenn sie, erfüllt von dem Geist Jesu Christi, erhaben über alle politischen Leidenschaften, ihre Arbeit mit der Eurigen vereinen, wird es ihnen mit Gottes Segen gelingen, Wunder zu wirken: mit ihrem Wort werden sie die Massen erleuchten, durch die Milde ihres Umgangs die Herzen an sich ziehen und ihnen liebevoll behilflich sein zu steter Verbesserung ihrer Lage. - Und der Klerus wird dabei von der klugen, tätigen Mitarbeit aller gutgesinnten Gläubigen unterstützt; so werden die Söhne, welche die liebende Sorge ihrer Mutter, der Kirche, erfuhren, ihr mit der Verteidigung ihrer Ehre und ihres Ansehens nach Gebühr vergelten. Jeder kann beitragen zu diesem pflichtgemäßen, höchst verdienstlichen Werke: die Gelehrten und die Schriftsteller mit Verteidigungsschriften und in der Tagespresse, diesem Machtmittel, das unsere Gegner so sehr missbrauchen, die Familienväter und die Lehrer durch eine christliche Erziehung der Kinder, die Behörden und Volksvertreter durch Festigkeit in den rechten Grundsätzen und durch Makellosigkeit des Charakters, alle durch ein furchtloses Bekenntnis ihres Glaubens. - Unsere Zeit verlangt eine hochherzige Gesinnung, großmütige Entschlüsse, strenge Wahrung der Disziplin. Diese muss sich vor allem in einer vertrauensvollen vollkommenen Befolgung der Richtlinien des Heiligen Stuhles äußern, denn dies ist das beste Mittel, die Gefahr entzweiender Parteimeinungen zu beheben oder doch abzuschwächen und alle Kräfte zu einen im Dienste eines höheren Zweckes, des Sieges Jesu Christi in seiner Kirche.

41 Das ist die Pflicht der Katholiken; der endliche Erfolg hängt ab von dem, der liebevoll und weise über seine unbefleckte Braut wacht, von dem geschrieben ist: "Jesus Christus heri et hodie, ipse et in saecula" (Hebr 13, 8) -, Jesus Christus gestern, heute und in Ewigkeit." Zu ihm richten Wir auch in diesem Augenblick Unser demütiges und inständiges Gebet; zu ihm, der in unendlicher Liebe für die irrende Menschheit sich in seinem erhabenen Opfertod zur Sühne hingab; zu ihm, der, wenn auch unsichtbar, auf dem geheimnisvollen Schiffe seiner Kirche steht und dem Meer und den tobenden Winden gebieten und den Sturm stillen kann. - Und Ihr, Ehrwürdige Brüder, werdet ihn gewiss vereint mit Uns anflehen, auf dass das Unglück schwinde, das auf der Gesellschaft lastet, auf dass der Strahl des göttlichen Lichtes alle die erleuchte, die, vielleicht mehr aus Unwissenheit als aus Böswilligkeit, die Religion Christi hassen und verfolgen, auf dass die Menschen, die guten Willens sind, in heiligem Eifer neuen Mut schöpfen. So möge denn bald der Triumph der Wahrheit und des Rechts nahen, mögen bald der Menschenfamilie glücklichere Tage des Friedens und der Ruhe beschieden sein!


Segen

42 Empfangt indessen als Unterpfand der heißerflehten Gnaden für Euch und für alle Eurer Hirtensorge anvertrauten Gläubigen den Apostolischen Segen, den Wir Euch aus vollem Herzen spenden!
Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 19. März 1902,
im fünfundzwanzigsten Jahr Unseres Pontifikats
Papst Leo XIII.

(Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php/Pervenuti_all%C2%B4_anno_(Wortlaut))

Anni Sacri

ANNI SACRI

ENCYCLICAL OF POPE PIUS XII
ON A PROGRAM FOR COMBATTING
ATHEISTIC PROPAGANDA THROUGHOUT THE WORLD
TO THE VENERABLE BRETHREN THE PATRIARCHS, PRIMATES,
ARCHBISHOPS, BISHIOPS, AND OTHER ORDINARIES
IN PEACE AND COMMUNION WITH THE APOSTOLIC SEE

 

The Holy Year, which is in the course of passing, has already furnished Us with more than one reason for joy and consolation. To Rome, whence the light of the Gospel teaching radiates since the origins of the Church, multitudes of the faithful have streamed from all parts of the world. They have come to the See of Peter not only to redeem their own faults, but also to expiate the sins of the world and implore the return of society to God, from Whom alone can come true peace of heart, civil concord and the well-being of nations.

2. And We know that these first groups of pilgrims form the vanguard of those who will come more frequently and in greater numbers during the favorable season. Therefore, the hope is warranted that from this still more salutary and abundant fruits will be harvested. Nevertheless, if these sights have given Us gentle comfort, reasons are not lacking for the anxiety and anguish which grieve Our paternal heart. And in the first place, although war has almost everywhere ceased, nevertheless, the longed-for peace has not come - a stable and solid peace which might happily solve the many and ever-increasing reasons for discord. Many nations are still opposed to each other; and as confidence lessens an armaments race begins, leaving the hearts of all overcome by fear and trepidation.

3. That which seems to Us not only the greatest evil but the root of all evil is this: often the lie is substituted for the truth, and is then used as an instrument of dispute. On the part of not a few religion is passed by as a thing of no importance, and elsewhere absolutely prohibited in family and social life as a remnant of ancient superstitions; public and private atheism is exalted in such a way that God and His law are being abolished, and morals no longer have any foundation. The Press also too often vulgarly reviles religious feeling, while it does not hesitate to spread the most shameful obscenities, agitating and with incalculable harm leading into vice tender childhood and betrayed youth.

4. By means of false promises a people is deceived and provoked to hatred, rivalry and rebellion, especially when the hereditary faith, the only relief in this earthly exile, is successfully torn from its heart. Disturbances, riots and revolts are organized and fomented in continuing series, which prepare for the ruin of the economy and cause irreparable harm to the common good.

5. We must above all deplore with overwhelming sadness that in not a few nations the rights of God, Church and human nature itself are outraged and trampled upon. Sacred ministers, even those invested with high dignities, are either driven from their proper Sees, exiled and imprisoned, or impeded in a manner preventing them from exercising their ministry. In the field of education, whether of lower or of university level, as well as in publications and the Press, permission to explain and defend the doctrine of the Church either is not given or is so restricted and subjected to such surveillance by official censorship that the arbitrary proposition that truth, liberty and religion must submissively serve only the civil authority seems to be the established principle.

6. Since these innumerable evils spring, as We have said, from one source only, the repudiation of God and contempt for His law, it is necessary, Venerable Brethren, to offer to God fervent prayers and recall all to those principles whence alone can come enlightenment for minds, peace and concord for souls and well ordered justice between the various social classes.

7. As you know, once religion is taken away there cannot be a well ordered, well regulated society. In this point lies the urgency to spur on priests under your guidance in order that, especially during the Holy Year, they spare no efforts so that souls entrusted to them, with their false prejudices and erroneous convictions cast aside, and hatreds and discords settled, may nourish themselves on the teachings of the Gospel and thus participate in Christian life so as to hasten the desired renewal of morals.

8. And since the priest can reach neither everybody nor everything, and as his work is not always able to meet adequately all needs, those who serve in the Catholic Action ranks must offer the aid of their own experience and activity. No one must be idle and lazy in the face of so many evils and dangers while those in the other camp strive to destroy the very basis of Catholic religion and Christian worship. Let it never come to pass that "the children of this world are wiser than the children of light" (Luke xvi. 8); let it never be that the latter are less active than the former.

9. But human efforts are ineffective unless strengthened by Divine Grace. We exhort you, therefore, Venerable Brethren, to begin a veritable crusade of prayer among your faithful to implore from the Father of Mercies and the God of Consolation (2 Cor. i. 3) suitable remedies for the present evils. We intensely desire that, united with Us, they offer public prayers on March 26th Passion Sunday, when the sacred rites of the Church begin to commemorate the bitter sufferings by means of which the Divine Redeemer liberated us from slavery to the demon and led us back to the freedom of the sons of God. It is Our intention on that day to descend into the Basilica of St. Peter to unite Our prayers not only with those present but - as We hope - with those of the whole Catholic world. Let those who, because of illness or old age or other reasons, cannot come to church, offer to God with humble and trusting heart their sufferings and their fears so that the prayer of all, the yearning of all and the wish of all may be one.

10. Let all, united with Us in prayer, implore from Divine mercy that a new order, based on truth, justice and charity, may arise from the longed-for restoration of morals. May the Heavenly Light illuminate the minds of those who have in their hands the destinies of peoples; may they realize that just as peace is the work of wisdom and justice, so war is the fruit of blindness and hatred; let them consider that one day they must render account not only to history but to God's eternal judgment.

11. Those who profusely sow the seed of hatred, of discord and of rivalry; those who secretly or openly arouse the masses and provoke rebellions; those who deceive with empty promises the easily agitated masses, even they must understand that the justice demanded by Christian principles, which gives birth to equilibrium and fraternal concord, is achieved not through force and violence, but with the application of the law.

12. Guided by the supreme light gained by collective prayer, let all be persuaded that only the Divine Redeemer can compose the many and formidable conflicts; only Jesus Christ, We say, Who is the Way, the Truth and the Life (John xvi. 6), Who bestows celestial clarity to clouded minds and Divine strength to doubtful and indolent wills (Imitation of Christ, III, 50 8, 5); He alone can set on the road to eternal happiness the souls of men joined by the bond of brotherhood.

13. With faith, love and hope, therefore, We address to Him Our prayers. May He then, especially during this Holy Year, benignly look down upon humanity, oppressed by so many misfortunes, assailed by so many fears and by waves of so many discords. And as one day, by His divine sign, He calmed the tempest on the Lake of Galilee, so today may He quieten human storms.

14. Let the lies of the wicked be exposed by His light, let the surly arrogance of the proud be humbled, let the rich be led to justice, generosity and charity, let the poor and wretched take as their model the family of Nazareth, which also earned its bread through daily labor; finally, let those who hold the Government of State be persuaded that there is no more solid social foundation than Christian teaching and the safeguarding of religious liberty.

15. We desire, Venerable Brethren, that you make these things known to the faithful entrusted to your care and that you exhort them to pray fervently with Us to the Lord.

16. Confident that all will respond to our exhortations with loving willingness, with fullness of heart We impart to each one of you and all your faithful Our Apostolic Benediction, pledge of Our benevolence and token of heavenly favor.

Given at Rome at St. Peter's, March 12th, 1950, the twelfth year of Our Pontificate.

PIUS XII

(Source: http://www.vatican.va/holy_father/pius_xii/encyclicals/documents/hf_p-xii_enc_12031950_anni-sacri_en.html)

 

Resources

Pope Pius XI: Divini Redemptoris (English)


Scott Hahn & Benjamin Wiker: "Answering the New Atheism. Dismantling Dawkin's Case Against God"

Jesse Romero: "Atheism - Not Just Monkey Business"

John C. Lennox, Hat die Wissenschaft Gott begraben? Eine kritische Analyse moderner Denkvorausstzungen, Wuppertal, R. Brockhaus, 2002

Thomas Lüken, Lohnt sich Atheismus?, Books on Demand GmbH, 2007

Gerhard Lohfink, Welche Argumente hat der neue Atheismus?, Verlag Urfeld

The Absurdity of Atheism (Atheism is for Dummies) (CDs)

Beginning Apologetics 4 - How to Answer Atheists and New Agers

The Drama of Atheist Humanism

Pied Piper of Atheism - Philip Pullman and Children's Fantasy

 


Theory of Everything (DVD)

Does God exist? Does science prove His existence or provide more reasons to doubt?



Coral Ridge Ministries: Atheism: The Religion Of Fools (DVD) Dr. D. James Kennedy



Michael Novak: Atheists and Believers (DVD)



Dr. Benjamin Wiker: Answering the New Atheism (DVD)


American Family Association: I Don't Have Enough Faith to Be an Atheist DVD Series


kirche.tv: Welche Argumente hat der neue Atheismus?

 

YouTube.com: Finding Faith in Godless World

YouTube.com: Existiert Gott?

 

YouTube.com: Kommen Atheisten in den Himmel?

 

kirche.tv

 

Gloria TV - Abwesenheit Gottes in der Welt

Gloria TV - Glauben, Wissen & der neue Atheismus

Gloria TV - Glauben, Wissen & der neue Atheismus

Gloria TV - Neuer Atheismus & Monotheismus

Gloria TV - Glauben, Wissen & der neue Atheismus

YouTube.com - Answering Atheism

YouTube.com - Answering Atheism (2)

YouTube.com - Answering Atheism (3)

YouTube.com - Glaube zwischen Fundamentalismus und Gnade

Gloria TV: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott..."

 

YouTube.com - C K Chesterton Defending the Faith (1)

YouTube.com - C K Chesterton Defending the Faith 2

YouTube.com - C K Chesterton Defending the Faith (3)

LoveToBeCatholic.com: What if the Atheists

 

RealCatholicTV.com: Atheist Politicians

 

Gloria TV: Fr. Benedict Groeschel: A Reason to Believe

 

YouTube.com: Fr. Jim Costigan: God is a Sock



YouTube.com - Would You Have Enough Courage?

YouTube.com: www.catholic.com: Why Be Catholic? - DVD